1842 / 227 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

nissen und Befuͤrchtungen nach außen verlangt.

licher Wichtigkeit angesehen.

dard sagt daruͤber in seinem Borsen⸗Artikel: „Die Nachricht von der Niederlage der aus verschiedenartigen Parteien zusammen⸗ gesetzten Opposition gegen das Guizotsche Ministerium, wie sie sich zuletzt durch die Wahl der Vice⸗Praͤsidenten der Kammer der De⸗ putirten erwies, hat alle gehegte Befuͤrchtungen, daß der Koͤnig Ludwig Philipp zu der jetzigen unguͤnstigen Zeit gezwungen wer⸗ den koͤnnte, sein Ministerium zu aͤndern, entfernt. Man glaubte zwar nicht, daß die Folge einer solchen in dem Ministerium des Königs etwa eintretenden Aenderung ein offener Bruch mit Frank⸗ reich seyn wuͤrde, so lange nur der Koͤnig selbst seine Gesundheit und die Kraft seines Geistes behält; aber aller Wahrscheinlichkeit nach wuͤrde, wenn diese unnatuͤrliche Verbindung der Parteien ge⸗ siegt haͤtte, ein Geist der Erbitterung und kleinlicher neckender Be⸗ druüͤckungen gegen England befolgt worden seyn, welcher der Ver⸗ besserung des Handels zu der jetzigen Zeit schädlich geworden seyn wuͤrde, in der das Land in besonderem Maße Ruhe vor Besorg⸗ Nach diesen An⸗ sichten hatten denkende Maͤnner unter den jetzigen Verhaͤltnissen sschon wegen dieser Ruͤcksichten auf den Handel den etwaigen Ein⸗ tritt einer ministeriellen Krise in Frankreich mit mehr als gewoͤhn⸗ Aber die Befriedigung uͤber diese Erhaltung des Guizotschen Ministeriums gruͤndet sich nicht weni⸗ ger auf den weiteren Grund der allgemeinen Politik. Denn wenn die Opposition gesiegt haͤtte, noch ehe die Regentschaftsfrage erle⸗ ledigt war, so wuͤrde dadurch nicht nur der innere Frieden in Frankreich haben gefaͤhrdet werden koͤnnen, sondern auch durch Aufregung und Beguͤnstigung von Eifersucht die Kosten anderer Laͤnder vermehrt und wahrscheinlich die Ruhe von Europa gestoͤrt worden seyn.“

Die Arbeiter⸗Unruhen in Manchester und den benachbarten Fabrik⸗Orten haben in den letzten Tagen noch zugenommen, und man faͤngt an, ernstliche Besorgnisse wegen dieses Zustandes der Dinge zu hegen.

Der Sheriff von Lanarkshire hat an die dortigen Arbeiter

folgende Bekanntmachung erlassen: „Da der Sheriff die sichere Nachricht erhalten hat, daß von Seiten der Kohlen⸗ und Eisenstein⸗Arbeiter in und um Airdrie eine Einstellung der Arbeit in sehr ausgedehntem Maße stattgefunden hat, und daß diese verbuͤndeten Arbeiter raͤuberische und gewaltsame Handlungen begangen haben, indem sie in großen Hanfen Felder mit Kartoffeln pluͤnderten und mit Gewalt in Laͤden und Arbeits⸗ haͤuser eindrangen, um Nahrungsmittel zu erhalten; und daß Mitglie⸗ der dieser Arbeitseinstellung sowohl oͤffentlich als privatim unverhohlen bekannt haben, daß der Entschluß, sich selbst zu Nahrungsmitteln zu verhelfen, der Grundsatz ihrer Arbeitseinstellung sey; so er⸗ klaͤrt der Sheriff hiermit oͤffentlich, daß solches gewaltsames Verfahren geradezu den Gesetzen entgegen ist und von allen bestehenden Obrig⸗ keiten mit allen Kraͤften wird unterdruͤckt werden. Eine große Mi⸗ litairmacht, bestehend aus Kavallerie und Infanterie, und die noͤthigen Falls noch durch Artillerie verstaͤrkt werden soll, wird sofort zu Airdrie und Coatbridge aufgestellt werden, um das Ansehen der Gesetze auf⸗ recht zu erhalten; und alle gutgesinnten Einwohner werden hiermit aufgefordert, dem Sheriff zu Airdrie von jeden solchen ungesetzlichen Be⸗ raubungen oder von Versammlungen der Arbeiter, welche dieselben zu be⸗ gehen beabsichtigen, sofort Anzeige zu machen; und alle diese verbuͤndeten Arbeiter und insbesondere die Comité's oder die Anfuͤhrer derselben, unter welchen dieselben jetzt handeln, werden hiermit insbesondere gewarnt, indem sie, da die gewaltsamen und ungesetzlichen Absichten der Ver⸗

bindung oͤffentlich erklaͤrt sind und triftiger Beweis davon vorliegt, nach dem Gesetze fuͤr alle Handlungen des Raubes oder der Gewalt⸗ samkeit, die von den verbuͤndeten Arbeitern in Verfolgung ihrer ge⸗ meinsamen Zwecke und erklaͤrten Absichten begangen werden, verant⸗ wortlich sind, wenn dieselben auch nicht in ihrer eigenen Gegenwart oder unter ihrer unmittelbaren Leitung begangen worden waͤren, und daß demgemaͤß die Gesetze gegen sie in Kraft treten werden. Aus dem Buͤreau des Sheriffs. Glasgow, 3. August 1842. A. Alison, Sheriff von Lanarkshire.“

Das Parlament hatte eine besondere Kommission niedergesetzt, um den gegenwaͤrtigen Zustand der Englischen Kolonicen in West⸗ indien, namentlich von St. Vincents, Trinidad, Barbadoes, Bri⸗ tish Guiana, Grenada, Antigua, St. Christoph und Jamaika zu untersuchen und daruͤber Bericht zu erstatten. Dieser Bericht ist unterm 25. Juli dem Parlamente vorgelegt worden. Die Kom⸗

mission hat ihr Gutachten im Wesentlichen dahin abgegeben, daß die Freilassung der Sklaven den guͤnstigsten Erfolg fuͤr den Cha⸗ rakter und die Verhaͤltnisse der Neger⸗Bevoͤlkerung gehabt, indem sich unter derselben zunehmende Neigung fuͤr Unterricht, Ehe, haͤusliches Leben, Sittlichkeit und Civilisation, so wie mehr Sinn fuͤr den Werth des Eigenthums und einer unabhaͤngigen Lage, wahrnehmen lasse, daß jedoch leider zugleich große Verlegen⸗ heiten fuͤr die Plantagen⸗Besitzer eingetreten seyen, besonders in den groͤßeren Kolonieen Jamaika, Gulana und Trinidad, wo viele Grundstuͤcke, die bisher einen guten Ertrag abgeworfen, in den letzten zwei oder drei Jahren nur mit bedeutendem Verlust bebaut, andere ganz aufgegeben worden. Als Hauptgrund dieses Verfalls der Boden⸗Kultur wird der Mangel an Arbeitern und der hohe Arbeitslohn angegeben. Die Neger haben sich nämlich nach ihrer Freilassung theilweise eintraͤglicheren Beschaͤftigungen gewidmet, als die Plantagen⸗Arbeiten es sind; andererseits brauchen sie, um ihr bequemes Auskommen zu haben, woͤchentlich nicht mehr als drei bis vier Tage und an jedem dieser Tage nur fuͤnf bis sieben Stunden auf den Plantagen zu arbeiten, weil die geringere Zahl der Arbeiter den Lohn sehr in die Hoͤhe getrieben hat, und weil der Boden in diesen Kolonieen hoͤchst ergiebig ist, also diejenigen Arbeiter, die im Stande gewesen sind, sich nur ein kleines Grundstuͤck zu kaufen oder zu pachten, was ihnen nach ihrer Freilassung nicht mehr ver⸗ wehrt werden konnte, mit leichter Muͤhe hinreichenden Lebensun⸗ terhalt finden. Es wird daher von der Kommission besonders die Beforderung des Einwanderns von Arbeitern in die Westindischen Kolonieen und eine neue Regulirung der Verhaͤltnisse zwischen den Dienstherren und der arbeitenden evoͤlkerung durch die dortigen deUsgesden Versammlungen anempfohlen. luf den Schiffbauwerften am Tyne haben in letzter Woche etwa 200 Zimmerleute ihre Arbeit verlassen, weil die Baumeister ihren Lohn von 24 auf 21 Shilli se 2,1.

3. ing herabsetzen wollten. Letztere haben bereits bekannt gemacht, daß 150 neue Arbeiter bei ihnen Beschaͤftigung erhalten koͤnnen. Bis zum 6ten waren noch keine Ruhestoͤrungen vorgefallen, obgleich im dortigen Bezirke große BIE eN

ie Zeitungen veroͤffentlichen jetzt das Testame z benen reichen Marquis von Hertford. Unter Üe. d.ns hessger. werden aufgefuͤhrt: An Sir Robert Peel der diamantene Stern zum Georgs⸗ und Hosenband⸗Orden, nebst 50,000 Pfd. St welche Peel nach der in einem versiegelten Schreiben enthaltenen

Anweisung verwenden soll; jedem seiner fuͤnf Testaments⸗Vollzi

5000 Pfd. St., damit sie sich ein Andenken an ihn kaufen kon⸗ nen; seinem ersten Kammerdiener, einem Schweizer, 15,000 Pfd St.; seinem Arzte 3000 Pfd. St.; einer Wirthin in Oxford 2000 Pfd. St.

Besonders reich ist eine Lady Stracham bedacht, der im Ganzen V

etwa 100,000 Pfd. St. vermacht sind.

2 F London, 12. Aug. Das Parlament ist endlich geschlos⸗ sen worden, und zwar um einige Tage fruͤher als solches moͤglich

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ewesen waͤre, wenn die Minister bei ihrem fruͤheren Entschlusse eharrt haͤtten, den Vorschlag zur Verbesserung und Erweiterung der Gerichtsbarkeit der Grafschaftsgerichte noch diese Session im Unterhause durchzusetzen. Aber wäaͤhrend Alle, welche persoͤnlich oder in ihren Freunden durch diese gemeinnuͤtzige Maßregel etwas an bisherigen Privatvortheilen zu verlieren fuͤrchteten, auf ihren Posten waren, hatten sich die gegen die Sache gleichguͤltigen Mit⸗ glieder entfernt, oder standen auf dem Sprunge, davon zu gehen, und die Regierung mußte fuͤrchten, bei einigen der wschtigsten Punkte eine Opposition zu finden, die sie jetzt nicht zu uͤberwin⸗ den hoffen durfte. Sie hielt es also fuͤrs klͤgste, die Sache bis naͤchstes Jahr zu verschieben, wo sie wahrscheinlich eine der er⸗ sten Maßregeln seyn wird.

Vorgestern, ehe das Unterhaus seine Arbeiten beschloß, machte Lord Palmerston sich und den wenigen noch anwesenden Mitglie⸗ dern den Spaß, denn sonst war es nichts, mit Peel ein rhetori⸗ sches Wettspiel zu halten. Indem er auf ein Verzeichnit aller vaͤhrend der Session vorgeschlagenen und durchgefuͤhrten Maßre⸗ geln antrug, stellte er ein Bild von dem auf, was man vom gegenwaͤrtigen Ministerium erlangt und was es versprochen, verglich es mit der Verwaltung, wovon er selbst ein so aus⸗ gezeichnetes Mitglied gewesen und hob besonders seine eige⸗ nen Verdienste in der Leitung der auswaͤrtigen Politik hervor, indem er seine Nachfolger darin als Stuͤmper bezeichnete. Er erlaubte sich dabei Scherze und Spott aller Art, und machte

nicht selten die Minister selbst uͤber die Figuren lachen, die er sie

spielen ließ. Er ließ es zwar auch nicht an Lob fehlen; aber gerade in diesem war der schaͤrfste Stachel verborgen, indem Peel's Anhaͤnger dabei erkennen sollten, daß dieser sie getaͤuscht und, wo er sich nur immer lobenswerth erwiesen, nur die Ansichten der Liberalen im Gegensatz mit denen der Tories durchgefuͤhrt habe. Peel blieb ihm indessen nichts schuldig, er bekaͤmpfte ihn mit seinen eignen Waffen, benutzte jede wirkliche oder scheinbare Bloͤße, die ihm der Gegner gelassen, mit der ihm eigenen Fechterfertig⸗ keit, lobte sich und sein eigenes Verfahren in jedem Stuͤcke, und behielt (besonders da er das letzte Wort und die Mehrheit fuͤr sich hatte) die Lacher auf seiner Seite.

In demselben Augenblicke hatten Tausende von Arbeitern in der Naͤhe von Manchester die Fabriken verlassen, hatten Tausende von anderen genoͤthigt, ein Gleiches zu thun, waren selbst nach Manchester gezogen und hielten jene Stadt und die ganze Umgegend in Besorgniß, wo nicht in Schrecken. Derglei⸗ chen Auftritte sind zwar dort, wie in allen Fabrikgegen⸗ den, nichts Neues, koͤnnen aber jetzt, wo in Staffordshire, so wie in Lanarkshire in Schottland, bereits so viele Bergleute die Arbeit verlassen haben, wo die Chartisten eine so weit ver⸗ breitete Organisation haben und Noth und Unzufriedenheit unter den arbeitenden Klassen so allgemein sind, hoͤchst gefaͤhrlich wer⸗ den. So weit die Berichte gehen, hat ein bloßer Streit zwischen den Arbeitern von zwei oder drei Fabriken mit ihren Herren, die gerade in dem Augenblick, wo sich fuͤr das Fabrikwesen ein Strahl der Hoffnung zeigte, den Arbeitslohn herabzusetzen suchten, die Bewegung veranlaßt; und diese schien noch nichts von einem politischen Charakter angenommen zu haben. Auch haben sich die Massen bisher im Ganzen ziemlich vernuͤnftig und fried⸗ fertig benommen; denn das Erpressen von Brod und anderen Le⸗ bensmitteln in verschiedenen Laͤden scheint das Werk von Gesindel

ewesen zu seyn, das sich unter die Arbeiter mischte und im Truͤ⸗

25— zu fischen suchte. Ss ist ferner nicht zu verkennen, daß die Arbeiter durch den Mangel an Widerstand, den sie bei ihren For⸗ derungen, die Fabriken still stehen zu machen und die darin Be⸗ schaͤftigten zu entlassen, selbst zum Theil in Manchester, gefunden, dieselben zu groͤßerer Kuͤhnheit ermuntert haben muß.

Uebrigens ist es hier, so leicht und schnell auch die Verbindung mit Manchester ist, ziemlich schwer, genaue Nachrichten uͤber die Bege⸗ benheiten selbst, und noch mehr uͤber deren Ursachen und Zusammen⸗ hang zu erlangen. Jeder, selbst der kaufmaͤnnische Korrespondent, sieht bei solchen Gelegenheiten durch irgend eine Brille des Vorurtheils. Gleich von vorn herein nimmt Einer Antheil an den Arbeitern, ein Ande⸗ rer an den Herren ohne alle Ruͤcksicht auf Politik. Tritt aber diese hinzu, dann wird jedes Urtheil verkehrt. Der Eine will beweisen, daß alles Unheil von der „League“ koͤmmt. Die Mitglieder dieses Vereins sollen ja nie einen anderen Zweck bei ihrer Opposition gehabt ha⸗ ben, als die Herabsetzung des Arbeitslohnes. Nun sollen sie dar⸗ auf ausgehen, die zu erwartende Besserung im Fabrikwesen gaͤnz⸗ lich zu ihrem Vortheil zu wenden, und die Arbeiter fuͤr immer in dem jammervollen Zustand zu lassen, worin die schlechten Zeiten sie versenkt haͤtten. Ja man geht so weit, daß man sie beschul— digt, den Aufstand mit Vorsatz angeregt zu haben, um die Aristo⸗ kratie einzuschuͤchtern, oder doch ihre Prophezeihung, daß es zum Aufstand kommen muͤsse, wahr zu machen. Zum allerwenigsten muß ihr anhaltendes Predigen, daß das Volk von den Gutsherren bedruͤckt sey und ihm nichts uͤbrig bleibe als Selbsthuͤlfe, an dem Aufstande Schuld seyn. Andere dagegen erblicken darin die Fruͤchte der toryistischen Bestrebungen, die Fabrikherren als Feinde und Bedruͤcker ihrer Arbeiter darzustellen und rufen dabei beson⸗ ders ins Gedaͤchtniß, wie Peel selbst noch vor kurzem das ver⸗ besserte Maschinenwesen als einen Hauptgrund der Noth der Arbeiter bezeichnet, und damit ein nur zu sehr verbreitetes Vor⸗ urtheil unter diesen verstaͤrkt haaauauauabe.

1131ö1“*““ Belgien. 11“ 8

Brüssel, 11. Aug. Der groͤßte Theil der gestrigen Sitzung der Repraͤsentanten⸗Kammer wurde wieder durch die Diskussion des vorgestern angefochtenen Art. 221 des Gesetz⸗Entwurfs uͤber den Elementar⸗Unterricht ausgefuͤllt. Diese Sitzung hat alle Zweifel, die noch uͤber den Sinn dieses Artikels obwalteten, gaͤnzlich zerstreut. Der Minister des Innern hat wiederholt und ausdruͤcklich erklaͤrt, daß, wenn der Klerus sich seiner Mitwirkung an einer Elementarschule begebe, weil er das Gesetz unzureichend finde, weil er die Ernennung und die Absetzung der Lehrer wüͤnsche, kurz, wenn er sich ohne Gruͤnde, ohne daß eine positive Zuwiderhandlung gegen das Gesetz und dessen Bestimmungen stattgehabt, seiner Mit⸗ wirkung begebe, die Unterstuͤtzung der Schule von Seiten des Staates darum nicht aufhoͤren solle. 9 F. 1

Deutsche Bundesstaaten. heae

Karlsruhe, 12. Aug. (Oberd. Z.) Die heutige Sitzung der Abgeordneten⸗Kammer war durch einen Akt von Loyalitaͤt be⸗ zeichnet, dessen sinnige Bedeutung aus sich selber spricht. Am 15ten d. M. tritt Se. Hoheit der Erbgroßherzog in das Alter und die Rechte der Volljaͤhrigkeit ein. Mit hohem Interesse blickt das Land auf die Weihe dieses Tages, mit dessen Bedeutung die Ge⸗ schicke seiner Zukunft in so innigem Zusammenhang stehen. Die Kammer der Abgeordneten hat sich zum Organ dieser Gesinnungen und 8. hat es in einer so herzlichen, zum Gemäaͤth

prechenden Weise gethan, daß ihre Worte wahrlich keines Kom⸗ mentars beduͤrfen. Der Abgeordnete Gottschalk nahm zuerst das Wort und stellte den Antrag auf eine Adresse an Se. Konigl. Hoheit den Großherzog, um ihm den Gluͤckwunsch der Kammer

9„ folge der Redner: er iesen Antrag, in nachstehender Reihe⸗ Herr Gottschalk: Mei r1 in 1n und ensis bc (8215 „rire Haeren: Buͤrger Begebenbeiten im Vaterdand geordneten des Volkes nehmen an allen um so inniger and bn ande innigen Antheil; sie nehmen ihn aber 4* 9 waͤrmer, wenn sich die Begebenheiten auf den all⸗

verehrten Regenten und 1 . b meine Herren, werd d seine liebe Familie beziehen. Deswegen, sompathisiren und nicht untewißs, mit meinem Herzen und Gemuͤtbe Adresse an Se. Khnt cht unkerlassen koͤnnen, in einer ehrfurchtsvollen Kes ec. Koͤnigl. Hoheit unseren allgeliebten Großherzog un⸗ sere innigste Tbeilnahme an d 1 9 der wuͤrdige Thronerde Buhedem Gluͤcke des nahen Tages, an welchem den Stufen des Thrones niedrezetenen Naiorennitat erlangt hat, an n Stu des ze niederzulegen. Sie alle fuͤhlen es gewiß mit mir, wie wohlthuend es fuüͤr das fuͤr

b as fuͤrstliche Vater⸗ und Mutter. herz seyn muß, den kuͤnftigen Thron 28

FF. „& erben unter dem Schutze des All⸗ mäaͤchtigen auf dieser hochwichtigen Lebensstufe so ausqezet langt zu sehen. Sie werden sich gewiß nicht uuer ange⸗ freuen, daß dem erhabenen Kronprinzen bei der jugendlich en K it mur er⸗ lauchten Vatecs noch vergoͤnnt ist, das Leben und sein ee erafbleines er⸗ nicßen, ehe die schweren Regentensorgen dessen Zeit in Ansp an g⸗ men. Sie werden sich ferner erfreuen, daß der hohe Gefeierie mit dem 15ten d. die hochwichtige Stellung betritt, nach dem Geiste un serer uns Allen theuern Verfassung als erster Buͤrger des Landes an unseren vercinigten Arbeiten zum Wohl des treuen Badischen Volkes Antheil zu nehmen. Ich meines Octes freue mich unendlich uͤber den nahen, schoͤnen Tag unseres Regentenhauses, und zwar im Geiste des Christen und constitutionellen Buͤrgers, der seinem uͤber alle Par teien erhabenen Fuͤrsten die erste Licbe, die erste Hochachtung zollt; ich weiß auch, daß das Badische Volk diese Freude theilt, und von uns ecwartet, daß wir in seinem Namen die aufrichtige Theilnahme in einer treu ergebenen Gratulations⸗Adresse Sr. Abnia. Hoheit, un serem allgeliebten Großherzog, entgegenbringen. Ich stelle daher den Antrag, die hohe Kammer moͤge sich mit dem Entwurf einer solchen Adresse beschaͤftigen, und das Weitere beschließen.

Herr Sander: Ich unterstuͤtze den Antrag des Abgeordneten Gottschalk und schließe mich seiner Begrüͤndung vollkommen an. Gewiß wird Jeder von uns die Freude der hoben Aeltern theilen, welche sie an dem Tage fuͤhlen werden, an welchem ihr hober Sohn, der gerechte Stolz der Aeltern, die sichere Hoffnung des Landes, in die Volljaäͤhrigkeit eintritt; an welchem der hohe Vater die edle Frucht seiner vaͤterlichen Sorgfalt, die hohe Mutter die schoͤne Bluͤthe ihrer eben so zaͤrtlichen als weisen Erziehung dem Eintritt in das selbststaͤndigere maͤnnliche Leben uͤbergiebt. Wir, denen ein Enkel Karl Friedrich's die Verfassung gegeben hat, freuen uns, in dem Erbgroßherzog einen zweiten Enkel Karl Friedrich's zu erblicken, der unserer Verfassung fuͤr ferne Zeiten Schutz und Schirm seyn wird. Wir freuen uns der weisen Vorschrift unserer Verfassung, wonach der Thronfolger in die Reihen der Volks⸗Vertretung, als eborenes Mitglied der Ersten Kammer, eintritt. Er wird dadurch n der Wahrheit des Satzes bestaͤtigt werden, daß unsere Verfassung in ihrem Echtdeutschen, uralten System der Volks⸗Vertretung die sicherste Stuͤtze des Throns ist, und er wird dadurch zum Heil des ganzen Vaterlandes als erster Unterthan die natuͤrlichste Verbindung und Vermittelung zwischen Fuͤrst und Volk bilden und seyn. Wir freuen uns dieses Tages um so mehr, weil er uns die Gelegenbeit giebt, zu beweisen, daß auch bei einem Zwiespalt mit den Mintstern unsere Gefuͤhle der Ehrfurcht, der Ergebenheit, der Treue gegen die Krone fest und unwandelbar sind und bleiben.

Herr Welcker: Ich unterstuͤtze den Antrag des Abg. Gottschalk, und schließe mich vollkommen den Aeußerungen der beiden Redner vor mir an. Der Antrag und jene Aeußerungen entsprechen nicht blos vollstaͤndig meinen Gefuͤhlen der Verehrung und Liebe fuͤr Se. Koͤnigl. Hoheit und unser hohes Fuͤrstenbaus; ich freue mich zugleich dieser angenehmen Veranlassung, es offen vor dem Lande zu bethaͤti⸗ gen, daß durch alle pflichtmaͤßigen Kaͤmpfe der Abgeordneten gegen manche Minister⸗ und Verwaltungs⸗Handlungen, unsere Vereheung und Liebe gegen unseren hoch uͤber allen Parteien und constitutionellen Kaͤmpfen stehenden erhabenen Fuͤrsten und sein Haus nicht beruͤhrt und erschuͤttert werden.

Herr von Itzstein: Ich danke meinem ehrenwertben Freunde Gottschalk fuͤr den von ihm gestellten Antrag. Sind auch die Mit⸗ lieder dieser Kammer nicht selten verschiedener Meinung in politi⸗ chen und anderen Fragen, so sind sie es doch gewiß nicht in dem Gefuͤhle der Ehrfurcht und der Liebe fuͤr unser erhabenes Regen⸗ tenhaus. Sie Alle werden die Freude und die Wonne der Aeltern theilen, daß der Erstgeborne am 15ten d. M. die durch die Verfas⸗ sung festgesetzte Volljährigkeit erreicht. Sie Alle werden aber auch die bohe Wichtigkeit des Ereignisses darin erkennen, daß der groß⸗ jaͤhrige Erbgroßherzog nach der Verfassung in die Erste Kammer ein⸗ tritt, also mit den Staͤnden das Land, die Beduͤrfnisse und die Wuͤnsche des Volkes kennen lernt. Ich unterstuͤtze daher den An⸗ trag des Abg. Gottschalk.

Herr Moͤrdes. Ein Antrag, wie der so eben vernommene, be⸗ darf keiner Bevorwortung in dieser Versammlung, wo Aller Herzen so einmuͤthig dem allverehrten Regenten und seinem erhabenen Fuͤr⸗ stenhause entgegenschlagen. Mit herzinnigster Theilnahme spreche da⸗ her auch ich nur dieselben Gefuͤhle der Ehrerbietung und Treue hier aus und heiße diesen Anlaß zur Darlegung derselben vor den Stufen des Thrones aus dem weiteren Grunde willkommen, weil ich hoffe, daß mit diesem Akte die Verdaͤchtigungen in die Gesinnungen der Kammer fuͤr immer zerstoͤrt werden, welche man von gewisser Seile so eifrig zu unterhalten sich bemuͤht. Eingedenk der Heiligkeit und Unerreichbarkeit des Staats⸗Oberhauptes haben wir auch bei den leb⸗ haftesten Eroͤrterungen mit den Berathern der Krone niemals 2. sen verfassungsmaͤßigen Grundsatz angetastet, und werden ihn 8gs mit gleicher Ehrfurcht vor der Mazestaͤt des Monarchen unerschuͤtterlich esthalten. . 8 Schließlich wurde der Antrag des Herrn Gottschalk einhellig angenommen und mit dem Zuruf eines dem Großherzoge gebrach⸗ ten Lebehochs begleitet.

Kassel, 13. Aug. Se. Hoheit der Kurprinz und Mitregent haben den Referendar, Freiherrn Philipp von Doͤrnberg, zum Le⸗ gations⸗Secretair bei der Kurfuͤrstlichen Gesandtschaft am Koͤnig⸗ lich Preußischen Hofe ernannt. 81 8

5 Italien.

NMom, 256. Juli. Das Diario di Roma berichtet, daß am 30sten v. M. der Rektor des Englischen Kollegiums, Herr Charles Baggs, in der Akademie der katholischen Religion eine sehr wichtige Abhandlung uͤber den P useyismus in England vorgetragen. Der Redner begann mit einem großen Lobe der ka⸗ tholischen Kirche, womit er, „nach den Worten der Dissidenten selbst“, ein Gemaͤlde verband, das er von der in der „sogenannten Anglikanischen Kirche“ jetzt herrschenden furchtbaren Uneinigkeit entwarf. Als die drei Hauptzweige dieser Epaltung bezeichnete er die niedere Kirche (low-church), die Ho chkirche (high-church) und die Puseyisten, welche Letztere sich mißbräuchlicher⸗ weise den Namen „Katholiken⸗“ anmaßten, wie es bereits zur Zeit des heiligen Augustinus die Donatisten gethan. Der Redner musterke darauf die vielen „Traktaͤtlein“, die bereits von der Universität Oxford, als dem Hauptsitze des Pu⸗ seyismus, ausgegangen, und meinte, daß wenn die Verfasser auch unterrichteter uͤber katholische Angelegenheiten seyen, als ihre Vor⸗ gaͤnger, sie doch gleichwohl die Lehren wie die Praxis der wahr⸗ haft katholischen Kirche ungemein entstellten. Eben so muͤsse von ihnen gesagt werden, daß wenn sie auch die Maͤngel und Ge⸗ brechen des Anglikanismus einsehen und zugeben, sie doch keines⸗ weges dafuͤr die vollen Prinzipien des Katholizismus anerkennen.

8 .

finden dern laͤdt Jedermann ohne Unterschied zu sich ein. Am

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Madrid, 1. August. Der Franzöoͤsische Geschaͤftstraͤger am hiesigen Hofe, Herr von Gluͤcksbourg, hat gestern einen Courier aus Paris erhalten, der, wie man sagt, die Antwort des Kabinets der Tuilerieen auf gewisse vom General Rodil gemachte Vorschlaͤge zur Wiederherstellung der diplomatischen Verbindung zwischen bei⸗ den Laͤndern uͤberbringt. Es heißt, Herr Olozaga werde naͤchstens nach Paris zuruͤckkehren.

Man schreibt aus Gibraltar, daß man daselbst einer gro⸗ ßen Gefahr entgangen ist; es gerieth naͤmlich ein Englisches Kriegs⸗ Dampfboot, welches 400 Faͤsser Pulver an Bord hatte, in Brand, Gluͤcklicherweise gelang es, des Feuers Herr zu werden und eine

furchtbare Explosion zu verhindern.

48 Türkei.

Konstantinopel, 27. Juli. (A. Z.) Das von Persien erlassene Manifest gegen die Pforte scheint jede friedliche Ausglei⸗ chung unmöͤglich zu machen. Die Pforte ist entschlossen, in kei⸗

nem der von den Persern erhobenen Beschwerdepunkte, weder hin⸗ siichtlich der Graͤnzen,

noch hinsichtlich der verlangten Entschaͤdi⸗ gung, nachzugeben. Die Osmanische Regierung sieht daher den Krieg als unvermeidlich an. Sie beschaͤftigte sich in den letzten Tagen mit Berathschlagungen uͤber den zu ernennenden Gene⸗ ralissimus der Operations⸗Armee. Das Resultat ging dahin, den

hier sich aufhaltenden Oheim des Schachs, Bruder des verstorbe⸗

nen Abbas Mirza, dazu zu waͤhlen, der als Praͤtendent seit eini⸗ gen Jahren in der Verbannung lebt und schon bei verschiedenen

8 Europaͤischen Hofen Huͤlfe gegen seinen Neffen umsonst gesucht

hat. Izzet Mehmed Pascha gedachte nun mit Huͤlfe dieses Praͤ⸗ tendenten nicht nur zu siegen, sondern den Schach vom Thron

zu stuͤrzen und ihn durch den Prinzen, seinen Oheim, zu ersetzen, der eine nicht unmaͤchtige Partei im Lande haben soll.

Aus die⸗ sem schoͤnen Traume ward jedoch Izzet Mehmed Pascha alsbald geweckt, indem sowohl der Großbritanische Botschafter als der Russische Repraͤsentant gegen das Vorhaben der Pforte protestir⸗ ten und erklaͤrten, daß die gegenwaͤrtig in Persien herrschende Dynastie unter der Garantie Englands und Rußlands den Thron bestiegen, welche Maͤchte nicht zulassen werden, daß eine andere Linie des Scepters in Persien sich bemaͤchtige. Die zwischen jenen zwei Europaͤischen Maͤchten und Persien bestehenden Trak⸗

tate ließen ihren Repraͤsentanten in der That auch keinen Ausweg

finden, als den der foͤrmlichen Protestation gegen diese Projekte

der Pforte. Daß letztere sich fuͤgen muͤsse, ist wohl kaum zu be⸗ zweifeln, da schon der Ausgang eines Krieges mit Persien hoͤchst

ungewiß und es nicht gerathen waͤre, durch die Theilnahme Ruß⸗ lands und Englands die Lage der Perser noch zu verbessern und zu befestigen.

Das System des Groß⸗Wesirs geraͤth von Tag zu Tag mehr in Mißkredit und Chosrew und Riza Pascha steigen im Ansehen. Rauf Pascha, unmittelbarer Vorgaͤnger des jetzigen Greß⸗Wesirs,

ist durch ihren Einfluß Praͤsident des Pforten⸗Conseils geworden, und die drei Schwäͤger des Sultans, alle dem Reform⸗System

guͤnstig, als Mitglieder fruͤherer Ministerien selbst Theilnehmer an allen Berbesserungs⸗Maßregeln und die bisher blos Sitz ohne ent⸗ scheidende Stimme im hohen Rath hatten, sollen nun letztere er⸗ halten und dann steht Izzet Mehmed ganz isolirt in seinem Groß⸗ Wesirate, das er wohl zu behaupten nicht mehr vermoͤgend seyn wird.

Mustapha Nuri Pascha meldet aus Syrien, daß alle seine Bemuͤhungen im Libanon fruchtlos bleiben, daß Omer Pascha uͤberall verhaßt und die Erhaltung der gegenwaͤrtigen Verhaͤltnisse fast unmoͤglich wird. Daher erklaͤrt sich die Pforte bereit, die neue Mission der Maroniten zu empfangen. Diese zaudert und hat sich bei Sarim Efendi noch nicht blicken lassen, weil sie an der guͤnstigen Stimmung der Minister noch zweifelt und uͤberzeugt ist, daß sie binnen kurzem einer kraͤftigeren Stuͤtze von Seiten Eng⸗ lands sich erfreuen werde. Aber der Pforte scheint es ernst, die Unzahl von Schwierigkeiten, die sie umlagern, aus der Welt zu schaffen, und man spricht ebenfalls von annaͤhernden Schritten an Griechenland und sehr versoͤhnlichen Instructionen, die an Herrn Mussurus, den Tuͤrkischen Repraͤsentanten zu Athen, ergangen seyn sollen. Auch Sir Stratford Canning scheint mit seiner Lage ver⸗ söͤhnt und schoͤpft aus den Umstaͤnden die Hoffnung, auch ohne Koörzitiv⸗Maßregeln zum Ziel zu gelangen.

Ostindien. Bombay, 18. Juni. (Asiat. Journ.) Die Nachrich⸗ ten aus Allahabad melden, daß der General⸗Gouverneur seinen

Geschaͤften aufs eifrigste obliegt und Tag fuͤr Tag innerhalb und

außerhalb seines Hauses arbeitet. Es war eine tragbare Presse bei Sr. Herrlichkeit angelangt, die ihn uͤberall begleiten sollte.

Im Oktober wollte derselbe sich nach Benares begeben. Auch an Unterhaltungen ließ es Lord Ellenborough daneben nicht fehlen. Am

10ten hatte er eine musikalische Soiree gegeben, und es hieß, daß kuͤnftig jeden Dienstag eine solche Versammlung bei ihm statt⸗ sollte. Das Klickenwesen ermuntert er nicht, son—⸗

24. Mai vor Sonnen⸗Aufgang fand eine Truppen⸗Musterung statt. Vormittags hielt der General⸗Gouverneur ein Lever, bei welchem die eingeborenen Offiziere ihm vorgestellt wurden. Abends war glaͤnzender Ball zur Feier des Geburstages der Koͤnigin, bei wel⸗

chem alle Gaͤste von der freundlichen Zuͤvorkommenheit des Wir⸗

thes entzuͤckt waren. Die Gesellschaft vergnuͤgte sich sehr, nur die Adjutanten Lord Ellenborough's schienen aus Unbekanntschaft mit

dden Damen etwas verlegen zu seyn.

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Berlin, 16. Aug.

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Se. Majestaͤt der Koͤnig haben Aller⸗

gnaͤdigst geruht, die Annahme: den beiden Grafen Fedor von

Francken⸗Sierstorpff auf Koppitz und Alexander von E11“ auf Guhlau der ihnen verliehenen hrenkreuze des Maltheser Ritter⸗Ordens; so wie dem Goldarbei⸗

ter Kuͤrschner zu Berlin des ihm ertheilten Koͤnigl. Niederlaͤn⸗

dischen Ehrenzeichens fuͤr die Jahre 1830 und 1831, zu gestatten.

Magdeburg, 15. Aug. Leider ist in unserer Naͤhe wieder ein sehr großes Brand⸗Ungluͤck eingetreten, das den Bei⸗ stand der Menschenliebe nicht minder in Anspruch nimmt, als alle andere Unfaͤllle der Art, von denen bereits in diesem Sommer be⸗ richtet wurde. Die zum Regierungs⸗Bezirk Magdeburg gehoͤrende Stadt Möckern (nicht mit dem gleichnamigen Ort bei Leipzig zu verwechseln), ungefaͤhr 200 Haäͤuser und 1100 Einwohner zaͤhlend, ist vorgestern bis auf 15 Haͤuser in dem alten Theile des Staͤdt⸗ chens, ein Raub der Flammen geworden. Bei der großen Duͤrre und der Leftigkete des Windes reichten wenige Nachmittagsstun⸗ den hin, Truͤbsal und Noth uͤber die armen Einwohner zu ver⸗

breiten. Mehr als hundert Familien haben die eben ein ebrachte Aerndte und alle ihre Habseligkeiten h Der Magistrat von Möͤckern (Regierungs⸗Bezirk Magdeburg) ist bereit, jede Gabe der Barmherzigkeit anzunehmen und zu vertheilen.

Koblenz, 12. Aug. Die Winzer, namentlich an der Mosel, deren Lage in den letzten Jahren sehr druͤckend geworden war, sehen mit froher Hoffnung dem Ertrage des diesjaͤhrigen Herbstes entgegen. Der Weinhandel ist bei⸗ dem dermaligen Stande der Weinberge und bei der fortdauernden guͤnstigen Wit⸗ terung fast nur auf den Bedarf der Wirthe beschraͤnkt, und wer⸗ den die Einkaͤufe auf den dringendsten Bedarf berechnet.

Die steigende Frequenz, deren sich die Heilquelle zu Kreuznach zu erfreuen Fat, berechtigt zu der Erwartung, die Stadt binnen kurzem zu einem Badeorte ersten Ranges erhoben zu sehen, die Zahl der Kurgaͤste betrug am 23. Juli d. J. 1728, am 24. Juli v. J. 1561. Der Bau des neuen Kurhauses und die Ausfuͤh⸗ rung großartiger Anlagen ist in der Hauptsache vollendet.

Durch den Eingang großer Quantitäaͤten Englischen Roheisens, welches zu so niedrigen Preisen nach Koͤln geliefert wird, daß die inlaͤndischen Huͤtten nicht fuͤr gleiche Preise arbeiten koͤnnen, findet sich der Eisenstein⸗Bergbau, so wie der Huͤttenbetrieb auf dem

Soonwalde, dem Hunnsruͤcken und, auf dem Hochwalde schon

jetzt sehr wesentlich bedroht und wuͤrde sehr beschraͤnkt werden muͤssen, sofern die Hoffnung auf Velegung des fremden Roheisens mit einem Eingangszolle nicht in Erfuͤllung gehen sollte.

Das Lateinische und das Deutsche Verzeichniß der Vorlesun⸗

heute an bei dem Kastellan Schade im Universitaͤtsgebaͤude, erste⸗ steres fuͤr 2 ½ Sgr., letzteres fuͤr 2 Sgr. zu haben. Berlin, am 16. August 1842.

Der Rektor der Universitaäͤt. Dieterici. 8

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Hülferuf für die Abgebrannten zu Kamenz.

Kamenz mit dem benachbarten Orte Spittel in der Nacht vom 4ten zum 5ten d. M. zum bei weitem groͤßten Theile verheerte, hat von 605 bewohnten Hauptgebaͤuden 353, nebst vielen ebenfalls bewohnten Seiten- und Hintergebaͤuden und uͤberdies das Rath⸗ haus mit den darin befindlichen Lokalitaͤten des Koͤnigl. Justiz⸗ amtes, die Wendische Kirche, die katholische Kapelle zu Spittel, die allgemeine Stadtschule, die Spittelschule, die Wohnungen zweier Geistlichen und die des Schul-Direktors, Kantors und Kuͤsters, auch andere oͤffentliche Gebaͤude, darunter die Amtsfrohnfeste und das Stadt⸗Gefaͤngniß, das Kloster⸗Vorwerk und die Muͤhle zu Spittel, unter den bewohnten Gebaͤuden: das Peosthaus, die Apo⸗ theke, drei Gasthoͤfe und die Wohnungen fast aller Gewerbtreiben⸗ den mit ihren Vorraͤthen und Niederlags⸗Gebaͤuden, so wie auch 37 gefuͤllte Scheunen, gaͤnzlich vernichtet. Die verschonten 252 Wohnhaͤuser gehoͤren fast saͤmmtlich zu den aͤrmlichsten.

Das Elend der Abgebrannten, gegen 3500, von denen nur wenige einige Mobilien zu retten vermochten, ist schrecklich und die Lage der Verschonten, wegen des Darniederliegens aller Gewerbe, ebenfalls hoͤchst bedauerlich.

Das seit dem 5ten d. M. bereits in Thaͤtigkeit befindliche Huͤlfs⸗Comité, dem schon von Hohen und Niederen die ruͤhrend⸗ sten Beweise huͤlfreicher Theilnahme gewaͤhrt worden sind, ruft nun auch selbst nicht blos die Bewohner des theueren Vaterlan⸗ des, sondern auch alle edlen Menschenfreunde hiermit flehentlich um Huͤlfe an und bittet, ihm die Gaben aller Art zur gewissen⸗ haften Verwendung und oͤffentlichen Berechnung daruͤber ver⸗ trauungsvoll zugehen zu lassen.

Kamenz, am 11. August 1842.

8 Das Huͤlfs⸗Comité.

Bezirks⸗ und Stifts⸗Arzt Dr. Roͤderer, Vorstand.

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Zur Literatur der Reformations⸗Geschichte.

Geschichte des Ursprungs, Fortschritts und Verfalls der Reformation in Polen und ihres Einflusses auf den politischen, sittlichen und literarischen Zustand des Lan⸗ ddes. Vom Grafen Valerian Krasinski. Nach dem feSis Englischen Original bearbeitet von W. A. Lindau. Leipzig 1841.

Das Englische Original dieses Werkes ist in den Jahren 1838 und 1840 unter dem Titel: „Historical Sketch ofthe rise, progress and decline of the Resormation in Poland etc.“ in zwei Baͤnden erschienen, die vor⸗ liegende Deutsche Bearbeitung giebt dasselbe insofern vollstaͤndig wie⸗ der, als sie die Darstellung selbst, bis auf einige Zusammenziehungen, unverkuͤrzt laͤßt, die zahlreichen Anmerkungen und Quellen⸗Anfuͤh⸗ rungen aber zum großen Theile abgeschnitten hat. Der Bearbeiter bestimmte das Werk in dieser Gestalt fuͤr einen groͤßeren Kreis von Lesern, als der Verfasser zunaͤchst vor Augen hatte, doch scheint es leider bisher noch nicht die allgemeine Verbreitung gefunden zu ha⸗ ben, die es verdient. Es wird demnach, obwohl die Erscheinung fuͤr Manche schon den Reiz der ersten Neuheit verloren hat, nicht unan⸗ gemessen seyn, noch jetzt die Blicke des groͤßeren Publikums auf den interessanten Inhalt dieser Schrift hinzulenken. 1

Man hat es in der letzten Zeit mit vielem Gluͤck unternommen, die Verbreitung reformatorischer Ideen im 16ten und 17ten Jahrhun⸗ dert auch uͤber die 9 voͤllig karholischen Laͤnder nachzuweisen und so die Opposition, welche das Papstthum und die Lehre der Roͤmisch⸗ katholischen Kirche in jener Zeit fand, in ihrer ganzen Kraft und Ausdehnung darzustellen. Es ist hierdurch das Andenken an That⸗ fachen erneuert worden, die geflissentlich in Vergessenheit gebracht waren, und es ist die Geschichte, die Gefahr lief, als ein Bild der Verunstaltung und Verzerrung der Nachwelt uͤberliefert zu werden, in ihrer wahren urspruͤnglichen Gestalt bewahrt worden. Bekannt sind die allgemeinen Werke, die in dieser Absicht geschrieben sind; auch die spezielleren Schriften M'Crie’s uͤber die Reformation in Italien und Spanien haben eine weite Verbreitung gefunden. An diese zunaͤchst reiht sich das vorliegende Werk des Grafen Krasinski, das aber schon deshalb einen groͤßeren und wichtigeren Stoff behan⸗ delt, weil die Reformation in Polen eine weit bedeutendere Ausdeh⸗ nung gewann, zu einer legalen wbeeeee. gelangte und so tief sich in alle Verhaͤltnisse des Staats einwurzelte, daß ihr Einfluß bis zum Untergange des Reichs uͤberall bemerkbar hervortritt. Es ist in der That zu bewundern, daß ein so wichtiger Gegenstand nicht eher seinen Bearbeiter gefunden hat.

Nicht genug kann es beklagt werden, daß der Verfasser durch die Entfernung von seinem Vaterlande behindert war, das reiche Material, was sich in Polen selbst zur Geschichte der Reformation noch vorfinden muß, zu seinem Zwecke zu benutzen. Fuͤr das Detail,

weichen mußte.“

1

der Verfasser unter guͤnstigeren Umstaͤnden wohl noch mehr gethan. Indessen war der Stoff, den er in einigen ausgezeichneten Biblio⸗

theken Englands fand, doch genuͤgend, um die Entwickelung der

Hauptereignisse mit der groͤßten Klarheit darzustellen.

Der Verfasser ist Protestant, und die Schrift zeigt auf jeder Seite, daß es ihm Ernst mit seinem Glaubensbekenntniß ist, doch wuͤrde man sehr irren, wenn man ihm Vorurtheil und blinde Par⸗ teilichkeit gegen andere religibse Gemeinschaften vorwuͤrfe. Es ist

uns vielmehr die Ansicht des Verfassers als eine in sich voͤllig klar und ruhige erschienen, die mit der edlen Gesinnung, die aus der

eee hervorleuchtet, eine uͤberzeugende Gewalt auf den Leser übt. Nur selten treffen wir auf heftigere Ausbrüuͤche eines patriotischen Gemuͤthes uͤber die religidsen und politischen Drang⸗ sale Polens, diese, wie sie in sich gerechtfertigt sind, haͤtten keine Entschuldigung erfordert, um so ruͤhrender ist es, wenn der Verfasser in der Vorrede hierbei zu bedenken bittet, „was ein Mann, von einer frommen Mutter im cvangelischen Glauben und in der Liebe sen seinem Vaterlande erzogen, fuͤhlen muüͤsse, wenn er den Umsturz eines Glaubens und den dadurch herbeigefuͤhrten Verfall und Un⸗ tergang seines Vaterlandes darzustellen habe.“ In den letzten Wor⸗ ten giebt sich sogleich der Grundgedanke des Werkes zu erkennen, der noch bestimmter in einer anderen Stelle der Vorrede hervortritt, wo es heißt: „Kein Land in der Welt giebt vielleicht eine so ein⸗ dringliche Erlaͤuterung der Segnungen, die ein Staat durch die Einfuͤhrung schriftmaͤßiger kalbenesehren erlangt, und der Drang⸗ sale, welche die Unterdruͤckung derselben einem Volke bringt, da Polen waͤhrend der Fortschritte der Reformation an Wohlfahrt und Ruhm zunahm und in gleichem Verhaͤltnisse sank, als die Herr⸗ schaft des biblischen Christenthums der Roͤmisch⸗katholischen Reaction mußte.“ Dies durch Thatsachen zu beweisen, bemuͤbt sich der Verfasser in jedem Theile seiner Darstellung und sieht sich da⸗

8 ; 2 E* „6

La d das V durch genoͤthigt, unausgesetzt auf die politischen, sittlichen und lite⸗ gen der hiesigen Universitaͤt im Winter⸗Semester 1842 und 1843, 1 welche am 17. Oktober d. J. werden angefangen werden, ist von

rarischen Zustaͤnde Polens Ruͤcksicht zu nehmen. Die Schrift beginnt mit einer kurzen Uebersicht der Kirchenge⸗

schichte Polens bis zur Reformation. Aus derselben geht hervor, daß die Kirche Polens sich waͤhrend des ganzen Mittelalters in einer un⸗ gewoͤhnlichen Selbststaͤndigkeit gegen Rom erhielt.

n; 1 Die Einsetzung der Bischoͤfe blieb hier fast immer in den Haͤnden der Koͤnige, im zwoͤlften Jahrhundert war die Priester⸗Ehe noch beinahe allgemein, und der Gottesdienst in der Landessprache konnte trotz aller Verbote nur sehr allmaͤlig verdraͤngt werden; wenn dann auch im 13ten Jahr⸗ hundert der Romanismus ein entscheidendes Uebergewicht uͤber das ihm feindliche nationale Bewußtseyn gewann, so erhielt dies doch im 14ten und 15ten Jahrhundert durch die Vereinigung bedeutender Lan⸗

e 983 II destheile, in denen die Griechische Kirche berrschend war, mi Der furchtbare Brand, welcher unsere gewerbthaͤtige Stadt vanh En⸗⸗ ö ENö

und durch die große Verbreitung, welche die Hussitischen Lehren hier fanden, eine solche Staͤrke, daß die Herrschaft Roms schon vor dem Eintreten der Reformation im hoͤchsten Grade gefaͤhrdet war. Es war natuͤrlich, daß unter solchen Umstaͤnden die Lehren Luther's und Zwing⸗ li's bald eine guͤnstige Aufnahme fanden, zu deren schneller Verbrei⸗ tung die seit 1539 gesetzlich bestehende Preßfreiheit nicht wenig bei⸗ trug. Zuerst traten deutlich reformatorische Bestrebungen in Polnisch⸗ Preußen, namentlich in Elbingen, Danzig und Thorn, hervor, die sich von hier aus in den Jahren 1530 bis 1540 weit uͤber Groß⸗Polen verbreiteten. Waͤhrend von dieser Seite das Lutherthum vordrang und besonders in den Staͤdten Anhang fand, gewannen die Lehren der Schweizerischen Reformatoren unter dem Adel im ganzen Reiche An⸗ erkennung. Auch die Boͤhmischen Bruͤder, als sie, aus ihrer Heimat verbannt, durch Polen nach Preußen zogen, hatten nicht Wenige fuͤr ihre religidsen Ansichten gewonnen. Sehr merkwuͤrdig ist die Bildung eines eigenen Vereines in Krakau zur Ausbreitung evangelischer Leh⸗ ren um das Jahr 1546, an dessen Spitze der Beichtvater der Koͤnigin Bona und Provinzial des Franziskaner⸗Ordens, Lismanini, stand. Die Mitglieder dieses Vereins, uͤber den man gern genauere Nachrichten faͤnde, scheinen aber nur durch ihre Opposition gegen Rom vereinigt und sonst von den verschiedenartigsten Meinungen gewesen zu seyn, denn es zeigten sich unter ihnen schon solche, die jene Lehren annah⸗ men, auf die sich nachher der Socinianismus gruͤndete. So weit uͤbrigens auch die reformatorischen Ideen in Polen unter Sigismund I. verbreitet waren, es fehlte doch unter ihm noch durchaus an einem fe⸗ sten kirchlichen Verband derer, die sich von Rom losgesagt hatten. Sehr guͤnstig waren dem Fortschritte der Reformation die er⸗ sten Regierungsjahre Sigismund August's. Nicht nur, daß der Koͤnig selbst zu einer Umgestaltung der Kirche geneigt war, es fanden sich unter dem Polnischen Adel auch Maͤnner, wie Nicolaus Olepnicki, Johann Tarnowski, Stanislaus Orzechowski, Andreas Modrzewski und vornehmlich Johann Laski, die Talent, Ansehen und Muth genug hatten, um sich an die Spitze der Bewegung gegen Rom zu stellen und dieser einen guͤnstigen Erfolg zu sichern. Hoͤöchst in⸗ teressant ist Alles, was der Verf. uͤber die Wirksamkeit dieser Maͤn⸗ ner sagt, die sich groͤßtentheils auch in der Literatur einen bedeuten⸗ den Namen erworben haben. Keiner unter ihnen hatte wohl groͤßere Gaben und mehr Beruf, eine vollstaͤndige Reformation Polens ins Werk zu setzen, als Orzechowski, um so mehr ist es zu beklagen, daß er, durch Ehrgeiz und aͤußere Ruͤcksichten bewogen, sein eigenes Werk spaͤter verleugnete und mit demselben Eifer Roms Anspruͤche vertheidigte, mit dem er sie fruͤher angegriffen hatte. Ganz anders steht Johann Laski da, der in einem viel bewegten Leben in Deutsch⸗ land, England und in seinem Vaterlande uͤberall unter vielen Ver⸗ folgungen der evangelischen Sache mit der groͤßten Treue und Auf⸗ opferung diente. Durch die Bestrebungen dieser und ihnen geistesver⸗ wandter Maͤnner Fewegnes die kirchlichen Zustaͤnde Polens bald eine ganz andere Gestalt. Sehr wichtig war es zunaͤchst, daß in Folge des Reichstages von 1552 der Koͤnig eine Verordnung erließ, welche

namentlich fuͤr die Charakteristik der hervortretenden Personen, haͤtte

den richterlichen Ausspruͤchen der Geistlichkeit uͤber Glaubenssachen alle buͤrgerlichen Folgen nahm. Auf demselben Reichstage wurde auch

bereits der Wunsch ausgesprochen, die Zwistigkeiten zwischen der herr⸗ schenden Kirche und einem großen Theile des Volkes durch eine Na⸗ tional⸗Synode geschlichtet zu sehen. Auf dem Reichstage zu Piotr⸗

kow 1555 wurde diese Frage aufs neue angeregt. „Die Landboten zeigten dem Koͤnige die Nothwendigkeit, eine aus allen Glaubens⸗ Parteien zusammengesetzte National⸗Synode zu berufen, welche eine Kirchen-Verbesserung auf der Grundlage der heiligen Schrift einfuͤh⸗ ren sollte. Es sollten aber nicht nur die Wortfuͤhrer aller Glaubens⸗ Parteien in Polen an den Berathungen der Synode Theil nehmen, sondern es ward auch vorgeschlagen, die ausgezeichnetsten Reforma⸗ toren in Europa, Calvin, Beza, Melanchthon und den Italiener Vergerio, der zu jener Zeit in Polen war, dazu einzuladen.“ Wie der Erfolg einer solchen National⸗Synode gewesen seyn wuͤrde, zeigen die Forderungen, die damals der Koͤnig im Namen des Reichstags an Papst Paul IV. stellte, sie betrafen die Feier der Messe in der Landessprache, das Abendmahl unter beiden Gestalten, die Ge⸗ stattung der Priester Ehe, Abschaffung der Annaten und die Berufung einer National⸗Synode. Solche Schritte mußten die groͤßten Be⸗ sorgnisse in Rom erregen. Man suchte auf alle Weise die Synode zu verhindern, ließ es an Versprechungen uͤber die Beseitigung der Uebelstaͤnde nicht fehlen, und ein Paͤpstlicher Legat, Aloys Lippomani,

suchte an Ort und Stelle selbst das drohende Verderben aufzuhalten.

Auf dem Reichstage von 1556 aber wurde Lippomani von den Land⸗

boten mit dem Zuruf begruͤßt: Salve progenies viperarum, und die

Sache der Reformation nahm den gluͤcklichsten Fortgang. Es wurde

durch ein Gesetz jedem Edelmann gestattet, auf seinen Guͤtern einen

ihm geeignet scheinenden Gottesdienst einzufuͤhren, der jedoch auf der

Grundlage der Schrift ruhen sollte; dies Gesetz hat fuͤr die Geschichte

Polens dieselbe Bedeutung, die der Abschied des Reichstags zu Speier 1526 fuͤr die Geschichte der Deutschen Reformation hat; es enthaͤlt das rechtliche Prinzip fuͤr die Ausbildung der protestantischen Kirchen in Polen, zugleich aber auch ist es der Grund der religioͤsen Spal⸗ tung in der Ration, die hier auf eine um so nachthelligere Weise hervortreten mußte, je groͤßer die Zahl derer war, in deren Wahl nun die Einrichtung des Gottesdienstes gelegt war. Ein Ie Nachtheil fuͤr 808 Protestantismus war es, daß das Amp. gelischen Gottesdienst einzufuͤhren, nur den 2 8s nch

Städten, eingeraͤumt wurde, spaͤter oc gevech .