1842 / 228 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

zuruͤckweichen zu sehen, vor denen Ich,

die verschiedenen Gefahre so glüͤcklich war, das Land seit 13

. mit Ihnen, u beschuͤtzen.“ 0bege e des Koͤnigs wurden von den versammel⸗ ten Deputirten mit lebhafter Begeisterung aufgenommen. Der Köͤnig trat hierauf in die Mitte der Deputirten und sagte zu ihnen: „Ich empfinde es lebhaft und tief, daß die Kam⸗ mer sich so zahlreich um Mich versammelt hat, und Ich danke ihr neuerdings als Vater, als Mensch und als Koͤnig fuͤr die Gefuͤhle, welche sie an den Tag legt. Ich moͤchte jedem Einzelnen ihrer Mitglieder Meinen Dank dafuͤr sagen koͤnnen. Jene Be⸗ weise der Theilnahme wuͤrden fuͤr Mich ein Trost seyn, wenn Mich irgend etwas uͤber den Verlust eines solchen Sohnes troͤsten koͤnnte.“ Der stuͤrmische Ruf: Es lebe der Koͤnig! folgte diesen Worten, die einen unbeschreiblichen Eindruck auf alle An⸗ wesenden hervorbrachten.

In den Buͤreaus der Deputirten⸗Kammer wurden gestern der Gesetz⸗Entwurf uͤber die Regentschaft und der Vorschlag des Herrn Odilon⸗Barrot uͤber die parlamentarische Untersuchung er⸗ dͤrtert. Was den ersteren Gesetz⸗Entwurf betrifft, so sprach sich in saͤmmtlichen Buͤreaus die uͤberwiegende Mehrheit dafuͤr aus, daß man, wenn auch manches gegen den Entwurf einzuwenden sey, doch keine ernste Opposition gegen ihn machen werde. Nur die extremen Parteien werden den Grundsatz, daß die Kammer nicht das Recht habe, ein constitutives Gesetz, wie das vorgelegte, zu votiren, anregen und zu verfechten suchen; aber augenscheinlich ganz ohne Erfolg, da die Fuͤhrer des linken Centrums und der linken Seite nicht darauf eingehen, sondern im Gegentheil Alles aufbieten wollen, um dem Gesetze die groͤßtmoͤglichste Majoritaͤt zu verschaffen. Am gespanntesten war man in den Buͤregus auf die Aeußerungen des Herrn Thiers, uͤber dessen gegenwaͤrtige poli⸗ tische Haltung sich die verschiedenartigsten Geruͤchte verbreitet hat⸗ ten. Es ist bekannt, daß der verstorbene Herzog von Orleans ein Goͤnner des Conseils⸗Praͤsidenten vom 1. Maͤrz war, und man vermuthete, daß dieser nur deshalb so entschieden in der Opposition verharre, weil er auf diesem Wege spaͤter durch den Kronprinzen zur Gewalt zu gelangen hoffe. Man ist daher geneigt, zu glauben, daß Herr Thiers, da eine seiner groͤßten Hoffnungen gescheitert ist, sich entschließen duͤrfte, nach und nach wieder in die Reihen der Konservativen zuruͤckzutreten, und daß er in der lebhaftesten Un⸗ terstuͤtzung des Regentschafts⸗Gesetzes das geeigneteste Mittel dazu erblicken wuͤrde. Herr Thiers hat sich in seinem Buͤreau folgen⸗ dermaßen geaäußert: 1

„Ich muß, bevor ich mir einige kurze Bemerkungen uͤber das Regentschafts Gesetz erlaube, den Grund angeben, der mich veran⸗ laßt, das Wort zu ergreifen. Ich trete nicht als Kandidat fuͤr die Kommission des Hee auf. Wenn ich in diesem Augenblicke das Stillschweigen breche, so geschieht es, weil ich keine meiner Meinungen verhehlen mag, und weil ich sie vor aller Welt, vor der Regierung sowohl, wie vor den Parteien, darzulegen wuͤnsche. Ich gehoͤre zu denen, die der Opposition gerathen haben, das Regent⸗ schafts⸗Gesetz anzunehmen und es, vorbehaltlich der Bemerkungen uͤber die Details, mit der groͤßtmoͤglichsten Majoritaͤt zu votiren. Die Gruͤnde, weshalb ich auf den Baͤnken der Opposition sitze, sind aller Welt bekannt; ich habe dieselben so oft dargelegt, daß ich jetzt nicht darauf zuruͤckzukommen brauche. Ich fuͤge nur hinzu, daß ich mich nicht auf bloße Reden beschraͤnkt habe, wie so viele Opponenten, sondern daß ich zweimal auf meine ministerielle Stel⸗ lung Verzicht leistete. Ich bin also Mitglied der Opposition, aber der Opposition, die erhalten und nicht derjenigen, die zerstdren will. Ich bin uͤberzeugt, daß es in der Kammer keine andere giebt;

aber jedenfalls gehoͤre ich zu derjenigen, die die Monarchie aufrecht erhalten und ihr zu Huͤlfe kommen will, wenn sie erschuͤttert ist. Ich glaube nicht, daß die mit einer Koͤniglichen Minderjaͤhrigkeit derbundenen Gefahren in der Zukunft eben so groß seyn werden, als sie es in der Vergangenheit waren. Ich glaube mit aller Welt, daß unsere Institutionen einen Theil jener Gefahren vorbeugen werden. Aber bei einer neuen Dynastie ist die erste Uebertragung der Krone von Vater auf Sohn eine ernste Thatsache, die die Staatsmaͤnner stets mit Besorgniß erfuͤllt hat. Die Existenz eines un⸗ mittelbaren Thronfolgers, wie des Herzogs von Orleans, gewaͤhrte eine große Sicherheit. Ein gereifter, faͤhiger, energischer Prinz ließ fuͤr den Tag, wo der Thron anders besetzt werden mußte, wenig zu fuͤrchten uͤbrig. Sein Tod ist in dieser Hinsicht einer der groͤßten oͤffentlichen Ungluͤcks⸗ faͤlle. Die Uebertragung der Krone an einen minderjaͤhrigen Prinzen kann nicht dieselbe Sicherheit darbieten, wie die Uebertragung derselben an einen Prinzen voll Kraft und Reife. Diese Sicherheit moͤglichst wiederherzustellen, darauf muß man bedacht seyn, gehore man nun der Majoritaͤt der Kammer oder der Opposition an. Um dies zu er⸗ reichen, muß der Anspruch, auf den sich der kuͤnftige Regent zus uͤtzen hat, moöͤglichst maͤchtig seyn; und deshalb wuͤnsche ich, daß das Regent⸗ schafts⸗Gesetz mit einer ungeheuren Majoritaͤt, und sogar mit Ein⸗ stimmigkeit, wenn es moͤglich waͤre, diese zu erlangen, votirt wuͤrde. Erfuͤllt von diesem Gedanken, habe ich der Opposition gerathen, das vorgeschlagene Gesetz anzunehmen. Im Interesse der Monarchie zuerst, und dann in ihrem eigenen habe ich ihr diesen Rath ertheilt. Man verleumdet die Opposition haͤufig; man macht ihr den Mangel des Geistes der Erhaltung zum Vorwurf; sie wuͤrde jene Verleumdungen gewissermaßen begruͤnden, wenn sie bei einer so ernsten Gelegenheit keine Bereitwilligkeit und keinen Eifer zeigte. Von dieser Ansicht aus habe ich die dem Gesetze üvr- Form be⸗ dauert; ich finde diese Form zu allgemein gehalten; sie giebt zu einer Einwendung Anlaß, auf die ich meinerseits wenig Werth lege, die aber gewisse Gemuüther verletzt und gewisse Skrupel hervorruft. Ein allgemei⸗ nes Gesetz regt die Frage an, ob wirdie Macht haben, einen konstitutiven Akt zu vollziehen. Was mich betrifft, so zweifle ich nicht an de⸗ Ausgedehntheit unserer Vollmachten; ich glaube nicht an die laͤcherliche Nothwendigkeit, zu Primair⸗Versammlungen unsere Zuflucht nehmen zu muͤssen; ich laube, daß das Koͤnigthum und die beiden Kammern vereinigt die Rational⸗Souverainetaͤt vollstaͤndig repraͤsentire. Aber da ein spe⸗ zielles Gesetz jeden Einwand beseitigt haben wuͤrde, so haͤtte ich eine Abfassung gewuüͤnscht, die, ohne Eigennamen auszusprechen, doch den Charakter einer fuͤr die jetzige Generation, d. h. fuͤr den Gra⸗ fen von Paris und seine vier Onkel berechnete Regierungs⸗Maßregel an sich getragen baͤtte. Auf diese Weise wuͤrde man dem Gesetze eine groͤßere Anzahl weißer Kugeln gesichert haben. Ich sehe die Schwierigkeit einer solchen Abfassung sehr wohl ein; ich wuͤnsche, daß die Kommission untersuchen moͤge, ob dieselbe möglich ist; aber, welches auch das Resultat seyn moͤge, so erklaͤre ich fuͤr meine Rech⸗ nung, daß ich fuͤr das Gesetz, wie es aus dem Schooße der Kom⸗ misston hervorgeht, stimmen werde. Vor allen Dingen muͤssen wir unsere Pflicht gegen die Monarchie von 1830 erfuͤllen. Ich will diese Monarchie, wie ich sie damals wollte, ich will sie liberal, na⸗ tional, aber stark; und wenn ich der Opposition den RNath ertheile, jenes Gesetz zu votiren, so ist es der Rath eines aufgeklaͤrten Man⸗ nes verzeihen Sie mir das Wort, eines Mannes, der loyal gegen die Opposition, loyal gegen die Monarchie ist. Die Kommission, welche mit Pruͤfung des Odilon⸗Barrot'schen Vorschlages beauftragt worden ist, besteht aus den Herren Galis, von Corcelles, Pascalis, von Beaumont, Meynard, von Latour⸗ nelle, Croissent, Odilon⸗Barrot und Lanyer, also aus 5 Mitglie⸗ dern der konservativen Partei und 4 Mitgliedern der Opposition.

O Paris, 12. Aug. Da es der Regierun

boten, als ein wahres Meisterstuͤck betrachtet werden muß. Eines der interessantesten Details aus der taͤglichen Beschaͤftigung des Koͤnigs ist unstreitig das, daß Ludwig Philipp seit vielen Jahren an jedem Abend die Geschichte des verflossenen Tages nieder chreibt und der Nachwelt dadurch Memoiren bereitet, die an vielseitigem Interesse kaum von irgend einem anderen Werke aͤhnlicher Art

8 berboten werden duͤrften.

dar

laufende Session so schnell als moͤglich zu schließen, das Kabinet den Koͤnig, gestern Abend nach Paris zu kommen um die große Deputation der Deputirten⸗Kammer, welche die gestern votirte Adresse ihm uͤberreichen sollte, zu empfangen, damit dann die Kammer heute in den Buͤreaus der Regenschafts⸗Ange⸗ legenheit ungestoͤrt obliegen koͤnne. Man betrieb die Sache mit einer solchen Eile, daß viele Deputirte nicht einmal wußten, daß der Koͤnig die große Deputation gestern Abend empfangen wuͤrde, und sich demnach nicht derselben anschließen konnten, wie sie es gewuͤnscht haͤtten. Die Zahl der Deputirten, welche dabei in den Tuilerieen erschienen, betrug beilaͤufig 250 2650. Etwas vor neun Uhr Abends war die Königliche Familie unter der gewoͤhnli⸗ chen Eskorte nach den Tuilerieen aus Neuilly angekommen. Die Königin und die Prinzessin zogen sich in ihre Gemäͤcher zuruͤck, waͤhrend der Koͤnig in der Uniform der National⸗Garde, von sei⸗ nen vier Soͤhnen umgeben, die Kammer sogleich empfing. Saͤmmt⸗ liche Minister standen auf beiden Seiten des Thrones in großer Staats⸗Uniform. Herr Sauzet verlas mit lauter vernehmlicher Stimme die Adresse und uͤberreichte sie hierauf dem Koͤnig, der sie seinerseits dem Conseils⸗Praͤsidenten uͤbergab und mit den Worten erwiederte, die Sie in dem heutigen Moniteur uni⸗ versel lesen werden. Wie immer seit dem Kode des Herzogs von Orleans schien Ludwig Philipp sehr bewegt und zog sich nach voll⸗ endeter Antwort schnell zuruͤck, gleichsam um den Ausbruch seines Schmerzes der Kammer zu verbergen.

Die gestrige Versammlung der Deputirten in den Buͤreaus der Kammer hat zur Genuͤge gezeigt, daß der Gesetz⸗Entwurf der Regentschafts⸗Frage eine sehr starke Majoritaͤt erlangen wird, in⸗ dem selbst die Deputirten, welche die Form des Gesetz⸗Entwurfes bekritteln, mit dem Inhalt derselben einverstanden sind. Die von den radikalen Deputirten aufgeworsene Behauptung, daß die ge⸗ genwaͤrtige Kammer nicht ermaͤchtigt sey, ein organisches Gesetz, wie das vorliegende, ohne vorlaͤufige Ermächtigung von Seiten der Nation zu verfassen, hat in allen Buͤreaus einen lebhaften Widerstand gefunden. Man muß ein sehr schwacher Pu⸗ blizist seyn, um nicht auf der Stelle den Irrthum die⸗ ses radikalen Prinzips einzusehen. Allerdings beruht die heutige repraͤsentative Verfassung Frankreichs auf den Grund⸗ satz der Volks⸗Souverainetaͤt; allein von dem Augenblicke an, wo die Nation ihre Vertreter erwaͤhlt hat, verzichtet 9 ipso facto auf ihre Souverainetaͤt, indem sie ihre Rechte auf die von ihr ge⸗ waͤhlten Deputirten uͤbertraͤgt. Diese Ansicht laͤßt sich durch die ausdruͤcklichen Bestimmungen der Charte von 1830 auf das ge⸗ nuͤgendste rechtfertigen. Die Charte setzt fest, daß die Deputirten waͤhrend der Ausuͤbung ihrer Functionen und sechs Wochen vor und sechs Wochen nach jeder parlamentarischen Session nicht ver⸗ haftet werden koͤnnen, ein sprechender Beweis, daß sie dadurch er⸗ kennen lassen will, daß die Deputirten als Depositairs der Volks⸗ Souverainetaͤt heilig und unverletzlich sind. Die Wahlmaͤnner hingegen, oder die Nation, wenn man wlll, besitzen diese Unverletz⸗ barkeit nur waͤhrend sie im Begriffe stehen, das Wahlrecht auszu⸗ uͤben; nur dann ist es der bewaffneten Macht verboten, den Ver⸗ sammlungsort der Waͤhler zu betreten. Sobald sie ihre Wahl⸗ Operationen vollendet haben, verlieren sie ihre Unverletzbarkeit, die in Folge der Wahl auf den ernannten Deputirten uͤbergeht. Dies ist ganz nach den Grundsaͤtzen des natuͤrlichen und positiven Pri⸗ vatrechtes in Betreff eines Mandats. Sobald der Mandant einen Mandatar erwaͤhlt, ist ihm, ohne ausdruͤcklich das Gegentheil aus⸗ bedungen zu haben, verboten, sich in die Unterhandlungen des Mandatars einzumischen, indem der andere Paciscent sonst durch zweiseitige Unterhandlungen in Irrthum gefuͤhrt werden koͤnnte, wodurch der Vertrag an seiner Gaͤltigkeit verlieren wuͤrde. Das naͤmliche gilt von dem Mandat eines Deputirten. Wenn es jedem Wahlmann freistaͤnde, den betreffenden Deputirten Instructionen und Verhaltungs⸗Befehle zu geben, so waͤre die De⸗ putation rein unmöoͤglich, und statt der Volks⸗Herrschaft wuͤrde da⸗ durch die Anarchie erzeugt werden. Das Mandat eines Deputir⸗ ten in einem monarchisch⸗constitutionellen Staat muß unbedingt und absolut seyn, denn es beruht nur auf dem Vertrauen, welches die Wahlmaͤnner zu dem von ihnen beguͤnstigten Kandidaten he⸗ gen. Bei den juͤngst vorgenommenen 8 haben mehrere Kan⸗ didaten ausdruͤcklich erklaäͤrt, daß sie keine Verbindlichkeit in dieser oder jener Angelegenheit so und nicht anders zu stimmen, uͤber⸗ nehmen moͤgen, sondern sich vorbehalten, nach eigenem Gewissen und Ueberzeugung zu stimmen. Keinem Waͤhler ist es da einge⸗ fallen, zu behaupten, daß der Kandidat verpflichtet waͤre, sich be⸗ sondere Instructionen von dem Wahl⸗Kollegium auferlegen zu lassen.

Anders ist es in republikanischen Staaten, wie in der Schwei wo die Verfassung den Kantonen das Recht ertheilt, ihren respek⸗ tiven Deputirten schriftliche Instructionen fuͤr die Tagsatzung mit⸗ ugeben; allein man darf nicht vergessen, daß die Schweiz und die Heerd⸗Anerikanischen Staaten, nicht ein einziger Staat sind, sondern einen Staatenbund bilden, und dadurch die Bedingungen des in⸗ neren öͤffentlichen Lebens ganz anderer Art sind, als in einer re⸗ praͤsentativen Monarchie. Was die Radikalen jetzt vorbringen, wird selbst durch die Geschichte der v widerlegt. Die beiden Kammern haben im Jahre 1831 die Frage der Erb⸗ lichkeit der Pairie, die gewiß ein organisches Gesetz ist, entschieden, ohne an die Sanction der Volks⸗Souverainetaͤt zu rekuriren; und ist das heutige Wahl⸗Gesetz, ein anderes organisches Statut, nicht ohne Mitwirkung der Nation durch die Kammer im Jahre 1831 entschieden worden?

„. Paris, 12. Aug. Der Gesetz⸗Entwurf üͤber die Regentschaft ist in den Buͤreaus zeprgft und von der großen Majoritaͤt gebilligt worden. Einige radikale Deputirte meinten, es sey zur Abfassung eines Regentschafts⸗Gesetzes nothwendig, eine konstituirende Ver⸗ sammlung einzuberufen; allein diese Bemerkungen wurden nicht guͤnstig aufgenommen und die Ernennung der Kommission beweist, daß der Entwurf keine große Modificationen erleiden wird. Von den Mitgliedern dieser Kommission gehoͤren sieben der konservati⸗ ven Partei und nur zwei der Opposition und zwar der gemaͤßig⸗ testen Nuͤance derselben an. Der Gesetz⸗Entwurf wird wahrschein⸗ lich nicht ohne Diskussion angenommen werden, allein es ist zu

Das Feuilleton der Presse enthaͤlt einen Artikel von Jules

Janin, betitelt: „der Koͤnig“ Herr Janin hat hier ein offenbar zus den besten Quellen geschoͤpftes Bild von der Lebensweise und dem Charakter des Koͤnigs Ludwig Philipp entworfen, welches durch die sichere und taktvolle Ueberwindung der vielen Schwierig⸗ keiten, die die unumwundene Behandlung dieses Gegenstandes dar⸗

wuͤnschen, daß die parlamentarischen Debatten von den 2 e⸗ nannten Vorfragen (questions préjudicielles) befreit bleibe, die sich bereits der Oppositions⸗ Journale bemaͤchtigt haben. Es waͤre z. B. nicht unvernuͤnftig, von den Rednern dreierlei zu verlangen: 1) die Kammer nicht in jenen unfruchtbaren Wortstreit Huͤber die konstituirende und die legislative Gewalt zu verwickeln;

2) sie nicht durch lange Zu ammenstellune en aller cede „Bei⸗ spiele in Betreff der e zenschatt 2— 2 8 ermüuͤden, indem jene Beispiele einem von dem un schiedenen Regierungs⸗Systeme angehoͤren und daher keine Anwendung mehr finden koͤnnen; 3) nur mit auß sicht persoͤnliche Fragen zu beruͤhren, indem man sich sonst der Gefahr aussetzen wuͤrde, Rechte zum Vortheil einer Person zu reklamiren, die keine Anspruͤche darauf macht. Wenn man uͤbe einkaͤme, diese drei Punkte bei den Debatten aus dem Spiele zu lassen, so wuͤrde die Frage ungemein einfach werden. Leider wer⸗

erster Vo

den die Parteien ihre Anspruͤche und ihre Beredsamkeit auf diese

Weise nicht zum Opfer bringen wollen. Parteifuͤhrern erwiedern, daß man dieselben aus den Debatten b mäuͤsse. Wenn die Kammer nicht die Macht hat, ein entschafts⸗Geset abzufassen, wer hat sie denn? Die Nation? Ws -. welcher Form sollte die Nation einberufen werden? die Ade sie zusammenkommen? Durch welches Dokument wuͤr⸗ Die Cha 2—— zu Repraͤsentanten des Volks erhoben werden? rte bbestimmt hieruͤber nichts; also muͤßte die Kammer fähon seb harüͤber erlassen; allein dies Gesetz waͤre an sich Iconstitwirende Handlung. Von zwei Dingen ist nur Deneee. entweder 12,5 die republikanischen Logiker der vd-. e. die Macht zu, ein solches Gesetz zu machen, veeb. e ersten Falle erkennen sie die konstitutrende Ge⸗ e.n .e 8 g— und leugnen sie gleichzeitig; im zweiten Falle vng entschafts. Ben unuͤberschreitbaren Kreis einschließen und umm a, Gesetz waͤre zu gleicher Zeit unerlaͤßlich und ie Regierung hat sehr wohl daran ge⸗ üagae 8 der Motive sich nicht mit diesen 8 beherr L.29 Recht die Streitigkeiten uͤber das Recht der Kammer, ein Recht das in doppelter Hinsicht legitim ist, indem es sich sowohl auf den gesunden Menschenverstand, als auf die Nothwendigkeit gruͤndet 1 ganz unberuͤhrt gelassen. Diese Angelegenheit würde daher sehr schnell abgemacht werden, wenn die Kammer es von ihren Red⸗ nern erlangen koͤnnte, daß sie

schraͤnkten.

Man kann jetzt den drei

Herr Thiers hat sich in dem siebenten Buͤreau nachdrücklich

fuͤr die Annahme des Regentschafts⸗Gesetzes ausgesprochen und

wuͤnscht, daß es mit der groͤßtmöglichen Majoritaͤt angenommen werde, ohne jedoch den detaillirten B daruͤber Hinder⸗ nisse in den Weg zu legen. Herr Thiers raͤth der Opposition, wenigstens dem Theil, dem er angehoͤrt, fuͤr das vorgelegte Gesetz zu stimmen. Wir werden sehen, bis zu welchem Punkte die Op⸗ position die Autoritaͤt des ehemaligen Conseils⸗Praͤsidenten aner⸗ kennen wird; so viel ist indeß gewiß, daß die drei Journale, uͤber die sie disponirt, sich noch nicht uͤber den Werth des e wurfs haben einigen koͤnnen, und der Courrier frangals er⸗ geht sich in Abschweifungen uͤber die Macht der Kammer, ein solches Gesetz zu erlassen. Es war Herrn Thiers nicht gelungen, die Zweifel desselben uͤber diesen Gegenstand zu heben. Er sprach indeß sehr bestimmt: „Ich meinerseits“, sagte er, „zweifle nicht an der Ausdehnung unserer Vollmachten; ich glaube nicht an die laͤcherliche Nothwendigkeit, zu den Primair⸗Versammlungen seine Zuflucht nehmen zu muͤssen; ich glaube, daß das Koͤnigthum und die beiden versammelten Kammern auf vollstaͤndige Weise di

Souverainetaͤt der Nation repraͤsentiren, und ich zweifle mithin

nicht, daß wir verfassungsmaͤßig befaͤhigt sind, jede Handlung der Souverainetaͤt zu vollziehen.“ Wir werden sehen, ob die Bszi⸗ plin in der Presse der Linken den Sieg davon tragen wird; wird dies nichts Leichtes seyn, indeß sieht sunde Menschenverstand die Oberhand behaͤlt. Herr Emil von Girardin hat nunmehr, nachdem er seinen Waͤhlbarkeits⸗Census nachgewiesen und als Deputirter zugelassen worden ist, zwischen den beiden Orten Castel⸗Sarrazin und Bour⸗ ganeuf zu waͤhlen; es ist wahrscheinlich, daß er sich fuͤr den letz⸗ teren entscheiden wird, da er denselben bereits vor 1839 repraͤsen⸗

Großbritanien und Irland.

Parlaments⸗Verhandlungen. Oberhaus. Sitzung vom 10. August. Lord Brougham gab eine Uebersicht von dem, was waͤhrend dieser Session geschehen ist, jedoch nur inso⸗ weit die auch in der Thron⸗Rede angedeuteten Rechtsreformen in Betracht kommen. Er belobte insbesondere die Festigkeit, mit welcher der Lord⸗Kanzler und das Ministerium die den Pheernen feindlichen Anhaͤnger veralteter Gesetze zu bekaͤmpfen gewußt haͤt⸗ ten. Die Reformen betreffen hauptsaͤchlich das Fallltwesen und die Rechtsverhaͤltnisse der Wahnsinnigen.

Unterhaus. Sitzung vom 12. August. Waͤhrend der kurzen Zeit, bevor die Mitglieder des Unterhauses ins Oberhaus beschieden wurden, um die Thron⸗Rede anzuhoͤren, wurden im Unterhause noch mehrere Anzeigen von Anträgen gemacht, welche in der näͤchsten Session vorgebracht werden sollen. So zeigte Herr Hume unter großem Gelächter der Anwesenden an, er werde darauf antragen, die Zahl der Mitglieder des Hauses von 658 auf 300 zu reduziren. Dann entspann sich eine Diskussion uͤber einen Antrag des Herrn Duncombe auf Vorlegung der Korrespondenz des Ministers des Innern mit dem Mayor von Bridport, welcher Letztere von Ersterem uͤber gewisse Ausdruͤcke zur Rede gestellt worden war, die bei einer Chartisten⸗Versamm⸗ lung in dem Stadthause von Bridport vorgefallen seyn sollten und den Minister zu der Aufforderung veranlaßt hatten, das Stadthaus nicht mehr zu dergleichen Versammlun en herzugeben. Herr Duncombe aͤußerte die Hoffnung, daß die Regierung nicht durch eigens angestellte Spione von jenen getadelten Ausdruͤcken Nachricht erhalten habe, was den Minister, Sir James Gra⸗ ham, veranlaßte, sich fuͤr seine Person sowohl, wie fuͤr die uͤbri⸗ gen Mitglieder des Kabinets, dagegen zu verwahren, als wuͤrden von ihnen Spione zu irgend einem Zweck verwendet. Von an⸗ deren Seiten wurde dem Minister das v v2 seines Ver⸗ fahrens gegen den Mayor von Bridport vorgeworfen, dem er in Bezug auf Verfuͤgungen im Bereiche seiner staͤdtischen Functionen keine Vorschriften zu machen sich erlauben duͤrfe, worauf Sir James Graham erwiederte, daß es sich hier um Aufrechthal⸗ tung der Ruhe handle, fuͤr die er verantwortlich sey. Der Um⸗ stand, daß die betreffende Versammlung gegen die Korn⸗Gesetze gerichtet gewesen, gab einigen Mitgliedern des Hauses Veranlassung, des Nothstandes im Lande zu gedenken und die apathische Politik der Minister in E” anzugreifen. Der Bericht der Abendblaͤtter giebt den Schluß der Diskussion noch nicht.

London, 12. r. Als die Koͤnigin, welche, wie man be⸗ e

merkt haben will, die lle in der Thronrede, welche der Un⸗ faͤlle von Kabul erwaͤhnt, mit tiefer Ruͤhrung sprach und das Lob der Brigade Sale durch besonders kraͤftigen Ausdruck der Stimme hervorhob, den Thron im Oberhause wieder Sr. hatte, erklaͤrte der Lordkanzler das Parlament bis zum 6. Oktober

vertagt; eine weitere Vertagung duͤrfte dann, wie gewoͤhnlich, nach⸗ äa nattertbentttt ritr n Maa.Aau

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sich nur auf die Frage selbst de⸗

zu hoffen, daß der ge⸗

8 folgen.

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Der Zudrang von Zuschauern zu der heutigen Feierlich⸗

keit wird als ungewöhnlich groß geschildert; schon um 12 Uhr, zwei Stunden vor dem Eintreffen der Koͤnigin im Oberhause, wa⸗ ren die Raͤume gefuͤllt, besonders fanden sich so viele Damen ein, daß die Berichterstatter der Zeitungen zu ihrer großen Unbequem⸗ lichkeit durch dieselben fast ganz von ihren Sitzen verdraͤngt wur⸗ den. Außer dem Prinzen Albrecht waren auch dessen Vater, der regierende Herzog von Sachsen⸗Koburg, der hier eingetroffen ist, und dessen aͤltester Sohn, der Erbprinz Ernst, in der Versamm⸗ lung zugegen und nahmen Sessel in der Naͤhe des Thrones ein; der fuͤr den Prinzen von Wales bestimmte leere Sessel stand rechts vom Throne.

Nach Berichten des Morning Herald sind die Arbeiter⸗ Unruhen in Lancastershire, besonders in Manchester, zunaͤchst dadurch veranlaßt worden, daß die Fabrikanten Bayley und Boot in Stalybridge am 5ten d., zum drittenmale innerhalb Jahres⸗ frist, eine Herabsetzung des Lohns ihrer Arbeiter um 10 bis 15 pCt. vornehmen wollten. Am Ften hielten darauf saͤmmtliche Ar⸗ beiter aus der Nachbarschaft eine große Versammlung und be⸗ schlossen, alle Arbeiten in den Fabriken so lange zu verhindern, bis die Arbeiter von Bayley und Boot wieder ihren vollen Lohn erhielten. Demgemaͤß zwangen sie am 8ten die Arbeiter in allen umliegenden Fabriken, ihre Arbeit einzustellen; in Stalybridge traf dies Schicksal 25, in Ashton⸗under⸗Lyne 21, in Dukenfield 4 Fabriken. Dann zogen die Arbeiter zu gleichem Zwecke nach Oldham, Drylsden und Drenton und, immer durch neue Massen verstaͤrkt, nach Hyde. Die mittlerweile eingetroffenen Truppen unter Oberst Wemyß hinderten groͤßere Gewaltthaͤtigkeiten, indeß beschlossen die Arbeiter, nach Stalybridge zuruͤckgekehrt, in einer angeblich von 15,000 bis 20,000 Menschen besuchten Versammlung am folgenden Tage, den 9ten nach Manchester vor⸗ zuruͤcken, was sie denn auch thaten. Nachdem sie dort aus meh⸗ reren Fabriken die Arbeiter vertrieben hatten, wurden sie in Pol⸗ lard⸗Street von einer Abtheilung Kavallerie und Infanterie empfangen, deren Befehlshaber durch ihre Anordnungen den Zug der Masse zu brechen wußten; indeß vereinigte sich dieselbe doch wieder zu einer Versammlung auf einem freien Platze bei Granby⸗ Row, wo mehrere im Ganzen gemaͤßigte und zur Erhaltung des Friedens mahnende Reden gehalten wurden, aus denen jedoch auch hervorging, daß man entschlossen sey, sich nicht eher zu trennen, als bis die Fabrikherren den Lohn, wie er im Jahre 1840 gewe⸗ sen, wieder bewilligten. Die Versammlung trennte sich etwa um 1 ½ Uhr Mittags, und die Arbeiter schlugen den Weg in ihre Hei⸗ mat wieder ein; indeß blieb doch noch ein Haufe zuruͤck, der im Verlauf des Nachmittags mehrere Baͤckerlaͤden pluͤnderte, ein paar Fabriken zu pluͤndern suchte und durch die Polizei und das Militair mit Gewalt vertrieben werden mußte. Am 10ten fruͤhmorgens traten die in Manchester zuruͤckgebliebenen Arbeiter, etwa 5000 an der Zahl, zu einer neuen Versammlung in Granby⸗Row zu⸗ sammen. Es Wurde beschlossen, in Prozession durch die Straßen zu ziehen, die uͤbrigen Arbeiter zu sammeln und dann eine neue Zusammenkunft zu halten. Die Prozession fand statt, und der Poͤbel griff uͤberall am Wege die noch unbeschaͤdigten Fabriken an, wodurch zuletzt der Unsug 1 groß wurde, daß eine in Eil herbei⸗ geholte Dragoner⸗Abtheilung zum Einhauen beordert werden mußte, woduͤrch die Masse auseinandergesprengt wurde. Da⸗ durch aber wurde das Unheil nur noch weiter verbreitet, denn nun griffen die Arbeiter alle Fabriken in den entlegenen Theilen der Stadt an, in welche sie sich hatten fluͤchten muüssen, er⸗ stuͤrmten das Gefaͤngniß, in welches die am Tage zuvor auf⸗ v Tumultuanten eingesperrt worden waren, und be⸗ reiten die Gefangenen, nachdem sie die Polizei⸗Beamten mißhan⸗ delt hatten. Die Dragoner sprengten zwar noch immer durch die Straßen und trieben die Arbeiter, wo sie dieselben erreichen konn⸗ ten, zuruͤck; aber die Zahl der Letzteren war zu groß, und die staͤdtische Behoͤrde versuchte daher umfassender dadurch zu wirken, daß sie etwa 800 achtbare Bewohner der Stadt als Spezial⸗Kon⸗ stabler in Pflicht nahm, um so auf die Empoͤrer durch die Macht des von jenen Konstablern repraͤsentirten Gesetzes zu wirken; an mehreren Orten wurde zugleich die Aufruhr⸗Akte verlesen. In der Nacht von vorgestern auf gestern blieb Alles ziemlich ruhig. Gestern fruͤh aber versammelten sich die Arbeiter wieder zu etwa 30,000 in Granby⸗Row. Der die Truppen befehligende Oberst ließ dar⸗ auf die Zugaͤnge zu dem Platze verbarrikadiren und ritt in Be⸗ gleitung der ersten Mitglieder des Magistrats nach der Redner⸗ buͤhne hin, um die Versammlung zu bereden, daß sie in Guͤte auseinandergehe. Als man sich weigerte, wurden zwei Geschuͤtze aufgefahren, und die Dragoner erhielten Befehl zum Einhauen, nachdem mehrmals die Aufruhr⸗Akte verlesen worden war, worauf die Menge in wilder Flucht auseinanderstob. Nun aber begannen die Auftritte vom Tage zuvor in verschiedenen Theilen der Stadt, mehrere Laͤden und Fabriken wurden gepluͤndert und bei einer dieser Gelegenheiten ein Polizei⸗Inspektor und drei Polizeidiener so gemißhandelt, daß man an 8 Aufkommen verzweifelt. Die letz⸗ ten Nachrichten aus Manchester sind von gestern Abend um 7Uhr und stellen die Lage der Dinge um so bedenklicher dar, als damals aus meh⸗ reren Orten in der Umgegend die Nachricht eingetroffen war, daß sich die Arbeiter ruͤsteten, ebenfalls nach Manchester zu ziehen. Es scheint sehr an Truppen zu fehlen; doch erwartete man zwei Re⸗ Weezres uͤber Liverpool aus Dublin. General Wade, der den

berbefehl uͤber die Truppen fuͤhren soll, war bereits in Man⸗ chester angekommen. Man giebt an, daß von den 108 Baum⸗ wollen⸗Spinnereien Manchesters und der Umgegend nur sechs oder sieben noch arbeiten. Ueber die Arbeiter⸗Unruhen in Staf⸗ fordshire lauten die Nachrichten ebenfalls sehr beunruhigend, und auch in Yorkshire zeigt sich der Zustand der Dinge wieder be⸗ droht. Durch Dudley ist ein Haufe Kohlengraͤber gezogen, der auf 14,000 Mann geschaͤtzt wird. Sie beobachteten ein tiefes Schweigen und marschirten nach Wednesbury, wo eine Versamm⸗ lung gehalten ward, welche aus 25,000 Maͤnnern, Wei⸗ bern und Kindern bestanden haben soll, und bei welcher auch Ab⸗ aus Schottland erschienen, so daß die Thatsache des Bestehens einer organisirten Verbindung zwischen den Englischen und Schottischen Kohlengraͤbern nunmehr außer allem Zweifel gestellt ist. Die letzten Nachrichten aus den Kohlen⸗Distrikten bei Glasgow sind ebenfalls durchaus nicht beruhigend. Woruͤber sie dort unter Anderem klagen, ist das sogenannte Truck⸗System, dem zufolge sie gezwungen werden, ihren Brobherven einen ungeheuren Preis fuͤr ihre Lebensmittel zu bezahlen. Es wird indessen den Kohlengraͤbern allenthalben nachgeruͤhmt, daß sie sich bis jetzt im Ganzen ziemlich ordentlich betragen und keine Gewaltthaͤtigkeiten veruͤben, ja diese selbst in ihren Versammlungen polizeimaͤßig ver⸗ bieten, welches doch aber nicht verhindert hat, daß sie an meh⸗ reren Stellen, Heuschrecken gleich, uͤber die Kartoffelfelder her⸗ Plallen sind und dort, trotz der Ermahnungen der Eigenthuͤmer,

. gehalten haben. Die Behoͤrden haben allenthalben Pro⸗ fhnnggalenen ergehen lassen, die aber bisher nur taube Ohren ge⸗

88 8 Der Globe bemerkt indeß, man muͤsse diese Bewegun⸗ Ka urchaus keiner politischen Ursache beimessen. Es sey ein

Peian zwischen den Manufakturi en und ihren Arbeitern uͤber

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den kuͤnftigen Satz des Arbeitslohns, und nicht ein Kampf zwi⸗ schen den Massen und der Regierung, und wenn die Behoͤrden nur nicht unzeitig einschritten, so wüͤrden die Truppen nur als Zu⸗ schauer und Friedensbewahrer erforderlich seyn. Der Streit konne nicht lange waͤhren; entweder muüͤßten die Brodherren die gerech⸗ ten Forderungen ihrer Arbeiter bewilligen und den Arbeitslohn nach der Taxe von 1840 stellen, oder die Arbeiter muͤßten Hun⸗ gers sterben, indem sie die Reductionen ihrer Brodherren geneh⸗ migten. Uebrigens glaube man, daß die in den Geschaͤften einge⸗ tretene Besserung die Manufakturisten in den Stand setzen oder zwingen werde, den Arbeitslohn zu erhoͤhen.

London, 13. Aug. (B. H.) Unter denjenigen, welche in der gestrigen Schluß⸗Sitzung des Unterhauses die Erwaͤhnung des Nothstandes im Lande zu einem Tadel der ministeriellen Politik veranlaßte, befand sich auch Herr Ward, der mit Bezug auf eine Aeußerung des Herrn Cobden den Premier⸗Minisier vor der Unvorsichtigkeit seiner jetzigen Stellung warnte und ihn auffor⸗ derte, doch wenigstens irgend etwas, besonders uͤber seine Absichten in Betreff der Getraidegesetze, zu aͤußern, deren Aufhebung allein eine guͤnstige moralische Einwirkung im Lande auszuuͤben vermöge. Sir Robert Peel erwiederte hierauf, daß vor Allem diejenigen sich vorzusehen haͤtten, welche durch aufruͤhrerische Reden das an sich so geduldige Volk aufzureizen suchten; was aber das direkte Mittel der Abhuüͤlfe der Noth betreffe, welches man so dringend vom Parlamente verlange, so sey er (Sir Robert Peel) der Ueber⸗ zeugung, daß das Parlament direkt auf eine nachhaltige Weise zu helfen nicht vermoͤge, und habe daher kein Mittel vorgeschlagen. Was allein helfen koͤnne, sey groͤßere Freigebung des Handels, und in dieser Beziehung habe er mehr gethan, als je ein Ministe⸗ rium vor ihm. Wenn er jetzt noch mehr versprechen wollte, so wuͤrde er das Volk nur zu verderblichen Illusionen verleiten. Was das neue Getraidegesetz betreffe, so sey die Opposition Schuld daran, daß es nicht schon laͤnger sich in Kraft befinde, denn sie habe durch ihre resultatlosen Motionen veranlaßt, daß die Korn⸗ haͤndler ihr Getraide zuruͤckgehalten in der Hoffnung, es fuͤr 1 Sh. einverzollen zu koͤnnen. Aber bereits habe das neue Ge⸗ setz sein Gutes bewirkt, es habe Regelmaͤßigkeit in den Getraide⸗ 8 gebracht und veranlaßt, daß 40,000 Quarters aus dem

erschluß genommen und 80,000 Quarters Kolonial⸗Getraide zu 1 Sh. einverzollt worden seyen. Es erscheine daher zweckmaͤßig, das Gesetz noch laͤnger seine Wirkung ausuͤben zu lassen. Die Abberufung der Mitglieder des Unterhauses in das Oberhaus machte der Diskussion ein Ende.

1 Das Paketschiff „Roscius“, welches am 1lten spaͤt Abends in Liverpool angekommen ist, bringt Nachrichten aus New⸗York vom 25. Juli. Denselben zufolge, waͤre der Graͤnzstreit zwischen England und den Vereinigten Staaten entschieden, und zwar ganz auf der Basis des Schiedsspruchs des Koͤnigs von Holland. Maine trikt einen Strich Landes an seiner Nordost⸗Graͤnze an England ab und dieses dagegen an die Vereinigten Staaten Roases⸗ Point am Champlain⸗See; zugleich wird den Vereinigten Staaten das Recht der freien Schifffahrt auf dem St. John oberhalb der Wasserfaͤlle zugestanden. Die Tarif⸗Bill war zum erstenmale im Senate verlesen und darauf an die betreffende stehende Kom⸗ mission verwiesen worden.

Vier Compagnieen von Freiwilligen aus den Vereinigten Staaten waren, nach den letzten Berichten aus Texas, bereits daselbst eingetroffen, und man erwartete eine große Anzahl In⸗ dianer, die zum Angriff auf das Mexikanische Gebiet verwendet werden sollen. Zwei Texianer waren vor kurzem als Spione in der Mexikanischen Provinz Leon gehaͤngt worden.

Belgien. 8

Brüssel, 12. Aug. Die Revpraͤsentanten⸗Kammer hat ge⸗ stern die allgemeine Diskussion des Gesetz⸗Entwurfs in Betreff des Elementar⸗Unterrichts beendigt; sie hat, nachdem sie die Herren Devaux, de Theux, Lys und Savart⸗Martel gehoͤrt, die Diskus⸗ sion der einzelnen Artikel begonnen. Die zwei ersten Artikel wurden, der eine ohne Diskussion, der andere nach einer langen Debatte angenommen. Der erste dieser Artikel bestimmt, daß in jeder Gemeinde des Koͤnigreichs wenigstens eine Elementar⸗Schule seyn soll; der zweite verfuͤgt, daß eine Gemeinde von der Ver⸗ bindlichkeit, selbst eine Schule zu errichten, befreit werden kann, wenn in dem Orte die Privat⸗Schulen fuͤr die Beduͤrfnisse des ersten Unterrichts ausreichen koͤnnen. Bei der Eroͤffnung der Sitzung legte der Finanz⸗Minister seinen Bericht uͤber die Recla⸗ mationen der Weinhaͤndler, aus Anlaß der mit Frankreich abge⸗ schlossenen Uebereinkunft, vor. Der Finanz⸗Minister ist der Mei⸗ nung, daß die Regierung auf diese Reclamationen keine Ruͤcksicht nehmen koͤnne.

So eben vernimmt man, daß der Oberst de Puydt aus Suͤd⸗ Amerika zuruͤckgekommen ist und die Akte der Konzession des Ha⸗

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Belgischen Colonisations⸗Compagnie verliehen und durch die gesetz⸗ gebenden Kammern von Guatemala offiziell ratifizirt worden ist.

1 Deutsche Bundesstaaten.

Kassel, 11. Aug. (Fr. J.) Die neunte Ober⸗Buͤrgermei⸗ ster⸗Wahl hat denn nun wirklich gestern stattgefunden. Es waren 49 Waͤhler anwesend. Zuerst ward der in der vorigen Sitzung gefaßte Beschluß, nunmehr auf Lebenszeit zu waͤhlen, angefochten; die Majoritaͤt entschied sich jedoch fuͤr die Beibehaltung desselben. Das erste Wahl⸗Verfahren lieferte durchaus kein gesetzlich genuͤ⸗ gendes Resultat. Der Obergerichts⸗Anwalt Hartwig hatte 20 und der Obergerichts⸗Rath Arnold 18 Stimmen. Die uͤbrigen 11 Stim⸗ men waren fuͤr fuͤnf verschiedene Personen getheilt. In der zweiten Wahl hatten saͤmmtliche Waͤhlende sich bereits in zwei Parteien geschieden. Obergerichts⸗Rath Arnold hatte 28 und Ober⸗ gerichts⸗Anwalt Hartwig 21 Stimmen. Demnach hatte auch die⸗ ses Wahl⸗Verfahren keine absolute Stimmen⸗Mehrheit ergeben, und es mußte nunmehr zur beschraͤnkten Wahl zwischen diesen Herren uͤbergegangen werden. In dieser Wahl wurde der Ober⸗ gerichts⸗Rath Arnold mit 29 gegen 20 Stimmen zum Ober⸗Buͤr⸗

Mainz, 13. Aug. (Mainz. Z.) Als im Dezember vori⸗

gen Jahres zum erstenmal in diesen Blaͤttern von der beabsich⸗

ist, daß sie den Kunst⸗ und Gewerbfleiß Deutschlands in der voll⸗

tigten Industrie⸗Ausstellung die Rede war, wurde nur zunaͤchst auf die allgemeine Theilnahme aller Rheinischen Staͤdte hingewie⸗ sen, heute aber koͤnnen wir sagen, daß die bevorstehende Industrie⸗ Ausstellung die erste allgemeine Deutsche Industrie⸗Ausstellung

sten Bedeutung des Wortes repraͤsentiren wird. Wir koͤnnen die Wahrheit dieses Ausspruches nicht besser darthun, als durch Auf⸗ fuͤhrung der Zahl derjenigen Fabrikanten und Industriellen, die sich an der Ausstellung bereits betheiligt, das heißt Fabrikate ein⸗ gesandt oder die Absendung ihrer Erzeugnisse angezeigt haben, wo⸗ bei wir bemerken, daß die nachfolgenden statistischen Notizen bis zum 12. August reichen. Nach den uns vorliegenden Mittheilun⸗

vmrhest

gen haben sich an der Ausstellung nachfolgende Industrielle be⸗ theiligt: Aus dem Großherzogthum Hessen 162, aus Wuͤrttem⸗ berg 72, aus Rheinpreußen 39, aus Berlin und dem östlichen Preußen 45, aus Altbayern 37, aus Rheinbayern 24, aus Baden 32, aus Sachsen 31, aus Frankfurt 25, aus Nassau 17, aus Kur⸗ hessen 16, aus Braunschweig 15, aus Hannover 4, und aus Oesterreich 24, also im Ganzen bis jetzt 543 Deutsche Fabrikanten und Industrielle.

**r Frankfurt a. M., 14. Aug. Se. Durchlaucht der Herzog von Sachsen⸗Meiningen ist gestern hier eingetroffen.

Fuͤrst Paͤckler⸗Muskau ist gestern von hier nach Baden weiter gereist. Baden genießt in diesem allerdings merkwuͤrdigen Som⸗ mer einer unglaublich starken Frequenz. Fast jeden Tag treffen nahe an 200 Personen daselbst ein und die Gesammtzahl betrug bis zum 12ten d. 15,015 Personen. Dies sind indessen Kurgaͤste und Passanten zusammen. In Wiesbaden betraͤgt die Zahl der Kurgaͤste jetzt uͤber 10,000 und die Zahl der Durchreisenden ist ebenso stark. Dabei fuͤhrt die Taunus⸗Eisenbahn Wiesbaden taͤg⸗ lich viel und an Sonntagen Tausende Bewohner der Umgegend

zu. Bei solch ungeheurer Zustroͤmung von Menschen, kann es

nicht fehlen, daß der gruͤne Tisch viele Opfer verschlingt und so lange verschlingen wird, bis die Gefahr nicht mehr geboten wird. Die hiesige juͤdische Realschule hat einen wahrhaften Verlust durch den vor kurzem erfolgten Tod ihrers Mitlehrers, Dr. MNM Creiznach, erlitten, an dessen imponirendem Leichenzuge man ge⸗ wahren konnte, daß ein Mann gestorben, der im Leben hohe Verehrung genossen. Ein hiesiger juͤdischer Gelehrter wird einen groͤßeren Nekrolog des Verewigten erscheinen lassen und darin namentlich auch seine Verdienste als Gelehrter würdigen.

Die im naͤchsten Monat in Mainz stattfindende allgemeine IE wird sich mit Recht des Namens einer

eutschen Industrie⸗Ausstellung ruͤhmen duͤrfen, denn aus den entferntesten Gegenden des Zoll⸗Vereins sind Anmeldungen zur Be⸗ theiligung an der Ausstellung von Industriellen und Gewerbtrei⸗ benden eingetroffen. Den vielen Fremden, welche im naͤchsten Mo⸗ nat unzweifelhaft Mainz besuchen, wird diese Ausstellung, wenn dies noch noͤthig waͤre, hohe Achtung vor dem Deutschen Gecverb⸗ fleiß und dem Deutschen Selbstvertrauen einfloͤßen. Kaum einer Frage unterliegt es noch, daß unser J. P. Wagner bis zum naͤch⸗ 2 N den Bau seiner elektro⸗magnetischen Maschine voll⸗ endet hat.

Die sehr beruhigenden Nachrichten aus Frankreich, die Ge⸗ wißheit, daß die Franzoͤsische Kammer die Regentschafts⸗Frage, so wie sie ihnen vorgelegt worden, loͤsen und mithin keine neue Auf⸗ regung der Gemuͤther erzeugen werde, haben bei den wiederum sich sehr guͤnstig gestalteten Geld⸗Verhaͤltnissen unserer Boͤrse eine sehr feste Haltung verliehen. Fast alle Fonds die Spanischen ausgenommen, fuͤr die kein Heil zu erwarten ist sind im Stei⸗

8 Troͤbau. fens und des Bezirks von Santo Thomas uͤberbringt, welche der 5.ö

1

germeister auf Lebenszeit gewaͤhlt. en sie nicht einen Augenblick stichhaltig erscheinen koͤnne

an Herrn Maurokordatos in

gen begriffen. Große Kauflust zeigt sich seit mehreren Tagen in den Hollaͤndischen Effekten, namentlich Integrale, welche zu Am⸗ sterdam einen starken Aufschwung genommen. Die guͤnstige Stim mung der Amsterdamer Boͤrse wurde aber allein durch den dor⸗ tigen Ueberfluß an baarem Gelde hervorgerufen. Von einer end⸗ lichen Schlichtung der Holländisch⸗Belgischen

V ist noch keine Rede, und auch das Geruͤcht, Baron A. M. v. Roth⸗

schild sey deshalb nach Bruͤssel und Paris gereist, falsch. Die Oesterreichischen Effekten haben auch wieder einen hohen Cours ge⸗ wonnen, nicht weniger die Polnischen Loose. In der Effekten⸗ Sozietat wurden heute in den Taunus⸗Eisenbahn Actien viele Ein⸗ kaͤufe ausgefuͤhrt, wodurch sie beinahe auf 383 Fl. stiegen. Die Frequenz der Taunus⸗Eisenbahn ist ungeheuer; es nimmt die Bahn taͤglich uͤber 2000 Fl. ein. Das zwischen Mainz und Frankfurt

fahrende Dampfboot „Ludwig“ hat immer nur wenig Passagiere; es gebraucht aber auch beinahe drei Stunden, um von hier nach Mainz zu gelangen. Auf der Taunus⸗Eisenbahn gelangt man in einer Stunde dorthin.

Oesterreich. 88

Wien, 11. Aug. (L. A. Z.) Mit den Staats⸗Bahnen geht es seinen raschen Gang vorwaͤrts. Schon ist fuͤr die Suͤd⸗ bahn nach Triest eine weitere Ausschreibung fur den Unterbau von Bruck nach Graͤtz und bis Neudorf, 9 ½ Meilen lang, ge⸗

schehen, wobei die Planirung des Unterbaues ebenfalls bis Ende

des Jahres 1843 und die vollstaͤndige Herstellung mit allen Ne⸗ benwerken im Mai 1844 vollendet seyn muͤssen. Die Gesammt⸗ Kosten dafuͤr (mit Ausnahme der Stationsplaͤtze und Gebaͤude) sind auf 1,199,033 Fl. veranschlagt, worunter die Erd⸗Aushebungen

und Aufdaͤmmungen gegen 1 Million Fl., die Felsensprengungen

323,216 Fl., Bruͤcken und Durchlaͤsse 396,215 Fl. ausmachen. Die gleichfalls nordwaͤrts hin eroͤffnete Konkurrenz fuͤr den Unter⸗ bau betraͤgt vorlaͤufig 11 ½ Meilen, näͤmlich von Olmuͤtz bis Boͤh⸗ Darin kommen die Posten: Erd⸗Aushebungen und Aufschuͤttungen mit 543,690 Fl., Felsensprengungen mit 508,801 Fl., Bruͤcken, Durchlaͤsse ꝛc. 984,775 Fl. und die Wasser⸗ bauten mit 21,004 Fl. vor, im Ganzen die Summe von 2,048,270 Fl. Auch auf dieser Strecke muß mit Ende 1843 die freie Com⸗ munication des Dammes und im Juli 1844 der äͤndige Aus

bau vollendet seyn. 8

Portugal.

Lissabon, 2. Aug. Die Deputirten⸗Kammer ist endlich konstituirt; die Koͤnigin hat unter den ihr praͤsentirten Kandida⸗ ten den Herrn Gorjao zum Praͤsidenten der Kammer ernannt. Der Spanische Gesandte, Herr d'Aguilar, hat dem Herzoge von Terceira die Beschwerden seiner Regierung in einer besonderen Audienz vorgetragen. Sie beziehen sich zuerst auf die Inkursionen Portugiesischer Banditen in Spanien, auf die angeblich erzwun⸗ gene Assistenz zweier Gallizier bei einer Hinrichtung in Porto und auf die Weigerung der Portugiesischen Regierung, die Depots Eng⸗ lischer Manufakturwaaren weiter von der Graͤnze zu entfernen. Die beiden ersten sind erledigt, dadurch, daß die Portugiesischen Behoͤrden die Banditen bestraft und daß die Gallizier freiwillig gehandelt haben. Die dritte Beschwerde haͤlt man fuͤr so seltsam,

Griechenland.

Glaubwuͤrdigen Berichten aus Griechenland vom 25. Juli zufolge haben die Tuͤrkisch⸗Griechischen Differenzen ploͤtzlich eine guͤnstigere Wendung genommen. Herr Mussurus soll mit dem Griechischen Minister des Aeußern, Herrn Rizos, eine mehrstuͤn⸗ dige Unterredung gehabt und einen neuen Vorschlag der Pforte

Entschaͤdigung der Tuͤrkischen Unterthanen in der Sache der

akufs auf Eubba, Phthiotis ꝛc. vorgelegt haben. In Athen scheint man die Tuͤrkischen Vorschlaͤge als ziemlich annehmbar an⸗

zusehen, obwohl die Instructionen, welche Mussurus mitgebracht

hat, noch manches zu wuͤnschen uͤbrig lassen. Namentlich sind d Forderungen noch zu hoch gespannt. Indessen soll Entschaͤdigungs⸗Forderungen n * P 8 94 . o.e. edee

Finanzwirren