1842 / 232 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

8 Niederlassung“ irgend einer Art begruͤnden. England kann uns also in Reusundland ganz ahnliche Schwierigkeiten verursachen, wie wir ihm zu Portendic verursachten. Bei der bevorstehenden Verhandlung über diese Sache wird man jenen Umstand durch⸗ aus in Betracht ziehen muͤssen, der auch der Opposition nicht ent⸗ gehen kann.

= Paris, 16. Aug. Heute wird Herr Dupin seinen Be⸗ richt Namens der Kommission uͤber das Regentschafts⸗Gesetz in der Kammer erstatten, der dann gedruckt und an saͤmmtliche Mit⸗ glieder vertheilt wird, so daß uͤbermorgen die Debatte daruͤber beginnen kann. Man hat sich allseitig so weit daruͤber verstaͤndigt, daß dieselbe, ungeachtet der Einwuͤrfe, welche noch gegen das Ge⸗

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setz im Ganzen, gegen das Prinzip oder einzelne Punkte desselben

in der Kammer selbst von einigen wenigen Mitgliedern vorgebracht

werden koͤnnen, doch nicht mehr viel Zeit in Anspruch nehmen

duͤrfte. Unmittelbar nachdem die beiden Kammern das Gesetz vo⸗ tirt haben werden, soll die Prorogirung derselben eintreten. Die Stellung des Kabinets ist jetzt wieder fester, so daß seine Existenz mindestens bis zur Winter⸗Session gesichert erscheint; denn 2 der noch zu erledigenden Untersuchung uͤber die drei Wahlen von Langres, Carpentras und Embrun wird allem Anschein nach nicht viel herauskommen. Die Bemuͤhungen des jetzigen Kabinets zu Madrid, sich zu Frankreich wieder auf einen freundlicheren Fuß zu stellen, sind nicht vergeblich gewesen, und niemals sind so viele Beweise von

von Catalonien, wo die Franzoͤsischen Truppen, National⸗Garden und Douaniers, mit den jenseitigen bei Verfolgung und Ausrot⸗ tung der Banden zusammenwirken. So wurde die Bande Pla⸗

nademunts, des ersten Lieutenants Felip's so kraͤftig verfolgt, daß

sie wirklich nicht mehr existirt. Sie hatte aus 64 Mann bestan⸗

den. Schon am 30. Juli hatte sie sich, nachdem sie von den Spani⸗

schen Karabiniers von San Lorenzo de la Muga und durch die

erste Gräͤnz⸗Kolonne unter dem Befehle des Capitains Robles aufs

hitzigste verfolgt worden war, bei Nachtzeit nach Frankreich her⸗ uͤbergefluͤchtet, indem sie nach dem kleinen Weiler Torrens ihren Weg nahm. Der Posten von St. Laurens de Cerdans fing drei

der Fluͤchtlinge auf, aber das Gros der Bande passirte abwech⸗

selnd uͤber die Graͤnze hin und zuruͤck, geschuͤtzt und versteckt durch die tiefen fast unzugaͤnglichen Schluchten jener Gebirgsregion und durch die dichten Wäsder, in welche nur selten ein Mensch den Fuß setzt. Die Banden verfuhren dabei, je nachdem sie von der einen oder anderen Seite sich mehr bedroht sehen. Am 3. August fielen Planademunt, seine drei Bruͤder, sein Vetter und sieben an⸗ dere Individuen auf der Hoͤhe des Pal in der Näͤhe von Sen⸗ toga in die Haͤnde der kleinen Franzoͤsischen Garnison von la Muga. Am 5ten aber hatte der Maire von la Manere Anzeige erhalten, daß ein groͤßerer Streifzug auf Spanischer Seite gegen die Ban⸗ den unternommen werden sollte, und die brave Nationalgarde die⸗ ser Gemeinde, so wie die in derselben stehende Truppen⸗Abthei⸗ lung ruͤckten sogleich an die aͤußerste Graͤnze aus, um die jenseitigen Bewegungen zu unterstuͤtzen. Ungefaͤhr eine halbe Stunde weit von la Manere fanden die Franzosen die Faction bivouakirend in der kähe eines kleinen Meierhofes; diese ergriff sogleich die Flucht, aber nicht ohne auf ihrem Ruͤckzuge noch ein Gewehrfeuer zu un⸗ terhalten, bis sie die Spanische Gränze wieder erreichte. Aber da fand sie die Hoͤhe von las Falgueras von den Mozos besetzt, welche allenfalls eine Art Gendarmerie sind, und die sich bei Pla de las Selvas in einen Hinterhalt gelegt hatten. Die Bande sah sich so gezwungen, eine andere Richtung einzuschlagen. Endlich aber von den Franzoͤsischen Truppen und National⸗Garden, die ihr auf dem Fuße folgten, erreicht, mußte sie sich ergeben. Von 45 Mann entkamen nur 15. Einer wurde im Kampfe erschossen. Die 29 anderen sind jetzt in sicherem Gewahrsam zu Perpignan, wo auch die an den vorhergehenden Tagen gemachten Gefangenen sich befinden. Man zaͤhlt darunter 14 Karlistische Ex⸗Offiziere, naͤmlich 1 Kommandanten, 3 Premier⸗Lieutenants, 4 Seconde⸗Lieutenants, 1 Sergeant⸗Major, und 15 Gemeine. Man hat ihnen 27 Gewehre, 1 Trommel, 16 Ladestoͤcke und 3 Bajonette abgenommen. So wurde eine Bande von Raͤubern vernichtet, welche die beiderseitigen Graͤnzbewohner brandschatzte und den Verkehr zwischen ihnen hoͤchst gefaͤhrlich gemacht hatte. Leta iekastt,

Großbritanien und Irland. 16““

London, 16. Aug. Der Herzog von Sachsen⸗Koburg, der sich nach der Parlaments⸗Prorogation mit der Koͤnigin nach Schloß Windsor begeben hatte, kam gestern mit dem Erbprinzen und der Erbprinzessin von Sachsen⸗Koburg von dort wieder in der Hauptstadt an. Die beiden letzteren hohen Personen reisten darauf von hier nach Dover ab, um sich dort nach dem Konti⸗ nent einzuschiffen, der Herzog aber besuchte die neuen Parla⸗ und den Reform⸗Klub und kehrte dann nach Windsor zuruͤck.

Der Herzog von Wellington hat am 12ten das Ober⸗Kom⸗ mando uͤber die Truppen, welches Lord Hill niedergelegt, uͤber⸗ nommen, jedoch angeblich nur provisorisch. Definitiv wuͤrde spaͤ⸗ ter, wie es heißt, Eir George Murray diesen Posten erhalten.

Die letzten Nachrichten aus Manchester sind von gestern Abends und lauten insofern guͤnstig, als dieser Tag ohne gewaltsame Sto⸗ rung der Ruhe voruͤbergegangen war, die Arbeiter zwar noch in Massen, aber nicht mehr auf tumultuarische Weise die Straßen Isitaben nan g- Machinationen der Chartisten, sie zu offenem

gen das Gesetz zu bewegen, vorlaͤufig wenigstens ihren Zweck verfehit zu haben schienen; indessen fuͤrchtete man den heu⸗ tigen welches der Jahrestag der Vorfaͤlle von St. Peters⸗ Sanenenkan faser im Jahre 1819 ist. Alle Fabriken sind im Maßregeln ergriffen, um auf all 8 in London eintrafen und die Stadt in einzelnen Theilen als foͤrmlichen Pluͤnderung preisgegeben darstellten, so wie in Folge der Berichte, welche drei eigens zu diesem Behufe von Manch ene⸗s London gekommene Mitglieder des Stadtraths mittheilten Saege so⸗ fort ein Kabinetsrat gehalten, als dessen Resultatdie Hof⸗Zeitung am Abend in einem Supplement eine kraͤftige Proclamation der Könd gin enthielt, in welcher die Behoͤrden aufgefordert werden Alles daran zu setzen, um die Urheber der Unruhen zu entdecken, und in welcher auf die Entdeckung derselben zugleich eine Belohnung von 50 Pfd gesetzt wird. Außerdem wurde sofort nach Woolwich der Befehl geschickt, 150 Mann Artillerie mit 4 Geschuͤtzen auf der Eisenbahn nach Manchester abzusenden; unmittelbar nach denselben ingen ebenfalls auf der Eisenbahn, das 3te Vataillon der Garde⸗Grena⸗ diere und das von Portsmouth eingetroffene 34ste Infanterie⸗Re⸗ giment nach ab. Als die Grenadiere sich bei der Ei⸗ senbahn in Euston⸗Square einfanden, rottete sich der Poͤbel zu⸗ sammen und riefen ihnen zu, sie sollten sich erinnern, daß es ge⸗

gen ihre Bruͤder gehe, was den kommandirenden Oberst veran⸗ Sonnabend Abend bei dem hiesigen

—,—

dem Anfange

Uebrigens hat die Regierung jetzt die kraͤftigsten

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fischen, aber unter der Bedingung, daß wir daselbst keine „bleibende laßte, die Bajonette aufpflanzen zu lassen,

um sich Bahn zu bre bei dem am Sonntag

chen. Aehnliche Demonstrationen sollen

von Woolwich aus erfolgten Abgang einer zweiten Artillerie⸗

Abtheilung stattgefunden haben. Mit Huͤlfe hofft man, die Ruhe in Manchester noͤthigenfalls mit Gewalt auf⸗ recht zu erhalten, doch verhehlt man sich nicht, daß dieselben zu dem uͤber ganz Lancastershire verbreiteten Aufstande nur in schwachem Verhaͤltnisse stehen. In Leeds, Stockport, Macclesfield,

Bury, Ashton, Oldham, aͤberall ergießt sich die Arbeitermasse

ist es bis jetzt doch nur in Preston zum offenen Kampfe zwischen den Aufc. 2 .

gaͤhrend durch die Straßen, indeß hrern und den Truppen gekommen, welche Letzteren, nachdem ein Ober⸗Polizei⸗ Beamter durch einen Steinwurf verwundet worden war, unter das Volk feuerten und 12 bis 15 Individuen, zum Theil toͤdtlich verwundeten. Alle fuͤr den inlaͤndischen Dienst bestimmten Trup⸗ pen in der Hauptstadt haben Befehl, sich auf die erste An⸗ zeige bereit zu halten. Im Allgemeinen lauten die heute eingegangenen Berichte guͤnstiger, obschon die Erwartungen dersenigen, welche hoffen, daß bereits mit dieser Woche die meisten Arbeiter wieder an⸗ fangen wuͤrden zu arbeiten, getaͤuscht worden sind. Man häͤlt es fuͤr wahrscheinlich, daß der Stillstand noch eine ganze Woche dauern werde. Wie man indeß allgemein hoͤrt, widerstehen die Arbeiter im Allgemeinen den Aufreizungen der Chartisten und an⸗ derer uͤbelgesinnten Agitatoren, welche sie zu Gewaltthaͤtigkeiten aufzureizen suchen. In Manchester und Salford haben die Fa⸗

brikanten beschlossen, daß die dortigen Fabriken nicht eher wieder diesseitiger freundlicher Gesinnung auf allen Punkten der Graͤnze gegeben worden, als in diesem Augenblicke, vorzuͤglich an der Linie Arbeit zu gehen. stand in der Arbeit fort; indessen ist es dort noch zu keinen Ge⸗ waltthaͤtigkeiten gekommen.

geöͤffnet werden sollen, als bis die bisher darin angestellt gewese⸗ nen Arbeiter ihr Verlangen zu erkennen geben, wieder an ihre In den Toͤpferei⸗Distrikten dauerte der Still⸗

Aus Schottland wird gemeldet, daß auch dort die Arbeiter immer noch muͤßig gehen und ihre Nah⸗ rung auf den Kartoffelfeldern suchen.

Kuͤrzlich starb zu Limington im 92sten Lebensjahre der aͤlteste Reformer Englands, John Frost, Secretair und Begruͤnder der korrespondirenden Gesellschaft, welche als der erste Verein zur Foͤr⸗ derung der Reform in England betrachtet wird. Er war der Gefaͤhrte und Freund von Pitt, Fox, Sheridan und anderen be⸗ ruͤhmten Maͤnnern jener Zeit. Nur mit Muͤhe entging er in den neunziger Jahren dem Pranger und spaͤter der Verurtheilung wegen Hochverraths.

Nachrichten aus New⸗York vom 30. Juli bestaͤtigen die fruͤheren hinsichtlich des Abschlusses einer Praͤliminar⸗Ulebereinkunft zur Bestimmung der nordoͤstlichen Graͤnzlinie. Einige fuͤrchten in⸗ deß, daß der Senat der Vereinigten Staaten die Genehmigung derselben verweigern moͤchte.

Aus Rio⸗Janeiro wird unterm 18. Juni gemeldet, daß der Aufruhr in den suͤdlichen Provinzen Brasillens um sich greife, und daß diese Provinzen, wo die Insurgenten die Sklaven mit zur Huͤlfe nehmen, wahrscheinlich fuͤr die Kaiserliche Regierung verloren gehen wuͤrden. In San Paulo dauerte der Aufstand fort, und zu Barbareni in der Provinz Minas waren neue Un⸗ ruhen ausgebrochen.

Das Dampfschiff „Teviot“ bringt Nachrichten aus Vera⸗ Cruz vom 1. und aus Havana vom 14. Juli. Die Texiani⸗ sche Blokade der Mexikanischen Haͤfen scheint aufgegeben zu seyn. Guatimala hat sich den Forderungen des Britischen Admirals Adam gefuͤgt.

Das Wetter ist in England der Aerndte fortwährend gün⸗ stig, und Weizen war gestern 1 bis 2 Sh. billiger zu haben, als vor acht Tagen.

An der Londoner Kornboͤrse macht das Fallissement eines Herrn Baker mit 200.000 Pfd. bedeutendes Aufsehen.

London, 17. Aug. (B. H.) Die Hof⸗Zeitung zeigt nun offiziell an, daß die Koͤnigin den Herzog von Wellington zum Ober⸗Befehlshaber aller Landtruppen in Großbritanien und Irland ernannt hat.

Die letzten Nachrichten aus Manchester gehen bis gestern fruͤh 11 ½ Uhr. Bis dahin war noch keine Ruhestoͤrung wieder vorgefallen, doch fuͤrchtete man fuͤr den Nachmittag, wo Feargus O'Connor den Grundstein zu einem Monumente fuͤr Hunt legen wille⸗ Der Chef der Polizei, Sir Charles Shaw, soll Befehl haben, die Arbeiter bei dieser Gelegenheit auseinanderzutreiben.

F London, 16. Aug. Die Bewegung unter den Arbeitern hat einen viel friedlicheren Charakter angenommen, als man be⸗ fuͤrchtet hatte. Zu Manchester scheinen dieselben im ganzen ge⸗ neigt, zur Arbeit, der sie so gewaltsam entrissen worden, zuruͤckzu⸗ kehren, und nur die Fabrikherren selbst sollen Schuld seyn, daß es noch nicht geschehen ist. Denn mehrere meinten, daß es, so lange icht eine Macht da waͤre, alle Fabriken zugleich zu beschuͤtzen, icht rathsam sey, die Arbeiter aufs neue anfangen zu lassen; die

uhestoͤrer wuͤrden alsdann Gelegenheit finden, einer oder der an⸗ deren wieder Einhalt zu thun, wobei ein Widerstand, der nicht durchgefuͤhrt werden koͤnnte, nur zu groͤßeren Gewaltthaͤtigkeiten und jeder Triumph nur zu weiteren Unternehmungen fuͤhren muͤßte. Inzwischen haben die meisten ihren wohlgesinnten Arbeitern waͤh⸗ rend der erzwungenen Muße Vorschuͤsse gemacht, welche dieselben verhindert haben, sich zu den Mißvergnuͤgten zu schlagen. Da nun auch inzwischen eine Militairmacht zusammengebracht worden, welche den Insurgenten alle Lust benehmen muß, etwas weiteres in jener Stadt zu wagen, so wird wahrscheinlich heute oder morgen schon alles ins vorige Geleise zuruͤckgebracht werden. Obgleich aber der Anstoß von außen her gekommen war, so wird doch das Beispiel dieses Hauptortes auf die ganze Umgebung wirken und hoffentlich die Ruhe uͤberall wieder hergestellt werden.

Die Regierung hat sich sehr thaͤtig bewiesen, und zum ersten⸗ male fuͤr einen soͤlchen Zweck sich der Eisenbahnen bedient, um aufs schnellste die beunruhigte Gegend mit Truppen und Geschuͤtz zu versorgen. Die Emporer, welche dieses vorhergesehen, hatten zwar viel davon gesprochen, daß sie die Schienen aufreißen und die Lokomotiven unbrauchbar machen wollten, ließen es aber bei ein paar einzelnen schwachen Versuchen bewenden ein schlagen⸗ der Beweis, daß es ihnen an eigentlicher Organisation fehlte, wenn ihnen auch im Ganzen die von den Chartisten⸗Haͤuptern schon vor drei Jahren angeregte Idee von einer sogenannten heiligen Woche, wo alle Arbeit im ganzen Lande stillstehen sollte, vorschweben mochte. Die einzelnen Begebenheiten, wie sie sich an den verschie⸗ denen Orten ereignet, finden Sie in unseren Zeitungen mit einer fast laͤcherlichen Breite erzaͤhlt. Die wichtigste darunter ist die Zerstreuung des Poͤbels zu Preston durch Flintenschuͤsse, wodurch ein Mann auf der Stelle getoͤdtet und 4 toͤdtlich verwundet wor⸗ den. Dieses Verfahren wird natuͤrlich, je nach der politischen Farbe, die es traͤgt, von jedem Journale anders beurtheilt. Auf jeden Fall aber muß es die Empoͤrer von einem gefahrdrohenden Wahn zuruͤckgebracht haben, daß die Truppen nicht auf sie schie⸗ ßen wuͤrden. Selbst unter dem hiesigen Gesindel, welches am

Bahnhof der London⸗ und

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indessen

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dieser Truppen

Birminghamer Eisenbahn versammelt war, um die reitende Artil⸗ lerie, welche von Woolwich nach Manchester geschickt wurde, ab⸗ gehen zu sehen, hoͤrte man die Behauptung haͤufig wiederholen: laßt sie nur hinfahren, die schießen doch nicht auf ihre verhungern⸗ den Landsleute. Da unsere Soldaten aus dem niedrigsten Pöbel rekrutirt werden, so ließ sich freilich nicht sagen, welche Sympa⸗ thieen zwischen diesen und ihren ehemaligen Kameraden herrschen mochten. Jetzt ist aber wohl daruͤber kein Zweifel mehr. Auch ist das Verfahren der Empoͤrer bisher von der Art ge⸗ wesen, daß jeder nicht unmittelbar Betheiligte dasselbe nur mit Unwillen betrachten konnte. „Fair play is a jewel’ ist ein Grundsatz, den der gemeinste Englaͤnder nicht nur im Munde fuͤhrt, sondern auch oft im Augenblicke der hoͤchsten Leidenschaft in seinem Betragen walten laͤßt. Daß Leute einen Heern verlassen, der ihnen auf eine unbillige Weise von ihrem wohlverdienten Lohn abzwacken will, haͤlt Jeder fuͤr recht; eben so wuͤrde er es nur gutheißen, wenn zur Erreichung ihres Zweckes sie Andere zu bere⸗ den wissen, ebenfalls auszutreten. Daher scheint mir das Verfah⸗

ren der ausgetretenen Kohlengraͤber von Staffordshire, indem sie

auf dem Wege der Ueberredung die Bergleute in Warwickshire und Leicestershire zu einem aͤhnlichen Austritt bewegen, um so ge⸗ faͤhrlicher, zumal da ohne Kohlen alle anderen Fabriken und Hand⸗ werke stillstehen muͤssen. Aber die Tyrannei und Gewaltthaͤtigkei⸗ ten, worunter auch das gewaltsame Wegnehmen von Lebensmit⸗ teln aus den Laͤden unschuldiger Baͤcker und Kraͤmer, muͤßte ihnen bald alles Mitgefuͤhl selbst unter ihres Gleichen entziehen und die Masse der Arbeiter auf die Seite der Brodherren treiben. Inzwischen fahren die Zeitungen fort, jede nach ihrer Weise, den Grund fuͤr diese Begebenheiken aufzusuchen. Obgleich die Bewegung fortwaͤhrend gegen die Fabrikanten gerichtet ist, und

diese am meisten darunter leiden und ihr Eigenthum stuͤndlich von den groͤßten Gefahren bedroht ist, bestehen die ministeriellen Blaͤt⸗ ter doch darauf, daß die Anti⸗corn⸗law⸗league die Anregerin da-

Die Times hat sogar bisher keinen Anstand ge⸗

von gewesen. nommen, die Nachrichten von dem Aufstand mit diesem Namen zu uͤberschreiben; jedoch nicht ohne, im Widerspruch mit dieser

Behauptung, den Vortheil fuͤr ihr besonderes Steckenpferd daraus

zu ziehen, daß sie denselben auch dem neuen Armenwesen zu⸗ schreibt. Die Chartisten sind zwar von allen politischen Parteien allein thaͤtig, die Begebenheit zum Vortheil ihrer eigenen Chimaͤre zu wenden; dennoch fahren die Times und andere Blaͤtter derselben Partei fort, auf eine unredliche Weise den Namen Anti⸗corn⸗law⸗ league mit hineinzuziehen, wenn sie von dem Treiben dieser ve

zweifelten Menschen reden. Die League und ihre Agenten haben freilich seit ein paar Jahren heftig genug gesprochen oder geschrie⸗ ben, und besonders haben die EAeee die sie veranlaßt, gar manches gesagt, welches den Poͤbel gegen die Ari⸗ stokratie aufregen sollte. Bekanntlich aber wußten die Chartisten⸗ Haͤupter dadurch, daß sie von der Aristokratie noch heftiger, aber am heftigsten gegen die Mittelklassen sprachen, alle jene Bemuͤ⸗ hungen zu vereiteln, und in allen Versammlungen, welche bei dem jetzigen Aufstande gehalten worden, scheint auch nicht ein Wort zu Gunsten von wohlfeilem Brod gesagt worden zu seyn. „Einen guten Tagelohn fuͤr eine Tagesarbeit“, oder „den Lohn von 1840“, oder auch „die Charter“ ist der Inhalt aller Forderungen. Die Morning Chronicle und andere Oppositions⸗Journale moͤch⸗ ten hingegen den Aufstand benutzen, um Peel zu weiteren Er⸗ maͤßigungen des Getraidezolls zu bewegen. Wohlfeiles Brot sol den Arbeitern auf einmal Beschaͤftigung, hinreichenden Tagelohn, Zufriedenheit und Anhaͤnglichkeit an die Verfassung geben. Der Morning Herald schreibt alles Unheil dem sittlichen Verfall des Volkes zu, und meint, mit dem Bau neuer Kirchen wuͤrde alles ausgeglichen werden. Ohne Zweifel ist es wahr, daß seit Jahren die Arbeiter in den Fabrikgegenden allen uͤblen Einfluͤssen ausgesetzt gewesen, daß verkehrte Menschen sich beflissen haben, ihnen alle Achtung fuͤr das Hoͤhere aus dem Herzen zu reißen; daß dabei die Whigs die Tories, und die Tories die Whigs als herz⸗ lose Aristokraten und Feinde des Volks geschildert, ihre Brodherren die ganze Aristokratie als selbstsuͤchtige Tyrannen, und viele von diesen die Brodherren als gewissenslose Blutsauger und Bedruͤcker der Arbeiter dargestellt, und hohe und niedere Gegner der neuen Armen⸗Verwesung, Adel und Mittelklassen als die Tyrannen der Armen geschildert haben; und waͤhrend dessen entweder keine Geist⸗ lichkeit unter ihnen war, die mit ihnen von Liebe, Geduld und Hoffnung reden konnte, oder wo sie vorhanden, stumm blieb. Aber wer darf da die Schuld von sich ab, und auf seinen Naͤch⸗ sten waͤlzen: 111]

Brüssel, 15. Aug. Der Moniteur belge veroͤffentlicht das Gesetz, welches die am 16. Juli zwischen Belgien und Frank⸗ reich abgeschlossene Handels⸗Uebereinkunft genehmigt. Dasselbe lautet:

„Leopold ꝛe. Wir haben in gemeinschaftlicher Uebereinstimmung mit den Kammern dekretirt und verordnen, was folgt: Art. 1. Die am 16. Juli 1842 zu Paris zwischen Belgien und Frankreich unterzeich nete Handels⸗Uebereinkunft ist genehmiget, um nach ihrer Form und ihrem Inhalt vollzogen zu werden. Art. 2. Der Koͤnig kann im Interesse des Landes die durch den Artikel 2 besagter Uebereinkunft stipulirten Verminderungen auf andere Staaten ausdehnen. Art. 3. Gegenwaͤrtiges Gesetz wird vom Tage nach seiner Verkündegun an verbindliche Kraft haben. Gegeben zu Bruͤssel, am 6. Augu

Deutsche Bundesstaaten. x Dresden, 18. Aug. Die Armee, namentlich mit der Kopfbedeckung beabsichtigten Veraͤnde⸗

. - Anfang ist rungen fangen an, ine Werk gesetzt zu werden. Der 88 veRe v. mit der Kopsbedeckung der reitenden Artillerie,

welche anstatt ihrer bisherigen Czakos unlaͤngst kleine gelbe Blech⸗

11 Aeußere zu verleihen.

chalten hat. Eine in diesen Tagen hier gehaltene Revue

lüsee . 6 zu vollkommener Zufriedenheit ausgefallen, da

le neue Kopfbedeckung, welche man, dem Vernehmen nach, auch der Infanterie zu geben beabsichtigt, außer dem Vorzuge groͤßerer L Kchtigkeit und groͤßeren Schutzes gegen den Regen auch noch den

haͤt, sowohl dem einzelnen Manne als der ganzen Truppe ein

Ueberhaupt giebt das neuerer

eit in mehreren Deutschen Staaten erwachte Streben nach licher Verbesserung der Militair⸗Bekleidung, den schon oft geäͤußen

ten Wuͤnschen in Betreff einer umfassenderen Einheit und Ueber⸗

einstimmung in der inneren und aͤußeren Organisation der einzel:

ͤ18

Karlsruhe, 12. Aug. (A. Z.) Aus der Feder des EStasg-⸗

nen Deutschen Bundes⸗Kontingente wieder neues Leben.

raths Nebenius ist hier uͤber die Frage der Eisen⸗Zoͤlle eine Schrift erschienen, welche zwar, als „Manuskri

spricht sich darin des Oberlandes hat sich mit dem 1. Juli um ein neues rgan

in der v b

argsten Feinden in die Haͤnde fallen wuͤrden. die Franzöͤsischen Behoͤrden auf diese geworden zu seyn.

pt“ gedruckt, vorerst wohl nicht in den Buchhandel kommen wird, aber dessenungeachtet na-⸗ tuͤrlich keinesweges zur Geheimhaltung bestimmt ist. Der Verfasser änzlich fuͤr die Interessen des Schutzes der ein:

heimischen Eisen⸗Probuckion aus. Die Badische Zeitungs⸗Presse Bilbao einen Landmann und dessen

vermehrt, das unter dem Titel: Ober⸗Rheinische Zeitung u Freiburg im Breisgau erscheint. In Heidelberg ist zu gleicher Veis ein neues Heidelberger Journal aufgetaucht. Auch die Mannheimer Abend⸗Zeitung, welche in der letzten Haͤlfte des vorigen Jahres gestiftet wurde, macht ihren Mitbewerbern eine zunehmend gluͤcklichere Konkurrenz.

Kassel, 17. Aug. (Kass. Z.) Heute Mittag um 11 ½ Uhr wurde die hiesige Stadt durch Feuerlärm erschreckt. In dem Hin⸗ tergebaͤude des Prevotschen Hauses, neben dem Rathhause, brach bei der durch die anhaltende Hitze hervorgebrachten großen Duͤrre und Zuͤndbarkeit alles Feuerfangenden ein Brand aus, welcher jedoch durch die vereinten Anstrengungen und die zweckmaͤßige Verwendung der schnell herbei eschafften Loͤsch⸗ und Rettungs⸗ Anstalten und anderer eifriger Peif⸗ bald bewaͤltigt und geloͤscht wurde. Se. Hoheit der Fer ea und Mitregent war auf die erste Nachricht des Brandes, in Begleitung eines Adjutanten, in schnellem Ritt von Wilhelmshoͤhe herbeigeeilt, um die Loͤsch⸗An⸗ stalten zu leiten. Bei der Eile, womit Se. Hoheit auf die Brand⸗ staͤtte ritt, stuͤrzte das Pferd bei einer Wendung auf dem glatten

flaster, ohne daß zum groͤßten Gluͤck der Prinz eine erhebliche erletzung erlitten. Se. Hoheit wurde von der zahlreich versam⸗ melten Menge mit freudigem und wiederholtem Lebehoch begruͤßt.

Schweiz.

Luzern, 10. Aug. (Schweizer Bl.) Heute, am 50sten Jahrestag der Graͤuelscenen in den Tuilerieen zu Paris, wurde zum Andenken an die damals in Vertheidigung Ludwig's XVI. gefallenen Schweizer in der Kapelle beim Lowen⸗Monument Trauer⸗ Gottesdienst gehalten. Dieser 50ste Jahrestag war noch mit einem besonderen Zufall verbunden. Fremde und Einheimische, welche den Loͤwengarten besuchten, werden sich des alten freundlichen Gardisten Buͤhler erinnern, der in seiner alten Garde⸗Uniform das Monument bewachte und es den Fremden zu erklaͤren ge⸗ wohnt war. Dieser Gardist wurde heute am 10. August, 30 Jahr⸗

nach der Katastrophe in Paris, hier friedlich beerdigt.

2 Italien. 1“ RNom, 9. Aug. (A. Z.) In der letzten Woche sind einige außerordentliche Congregationen des heiligen Kollegiums versam⸗ melt gewesen, in welchen mehrere sowohl den Staat als die Kirche betreffende Angelegenheiten zur Verhandlun 5 seyn sol⸗ len; je weniger Bestimmtes daruͤber im Hublikum bekannt ge⸗ worden, desto abenteuerlichere Geruüͤchte sind verbreitet. Nach der fuͤr diese Jahreszeit ungewoͤhnlichen Thaͤtigkeit der Verwaltung zu urtheilen, stehen wir am Vorabend wichtiger Vorgaͤnge. Als Geruͤcht, welches uͤbrigens der Bestaͤtigung bedarf, sagt man, die Regierung beabsichtige, allen Sekularen im Staats⸗Sekretariat anderweitige Anstellungen zu geben und ihre Posten durch Geist⸗ liche aus der Praͤlatur zu besetzen. aüsis Der in diesem Jahre erst zum Commandeur der Roͤmischen National⸗Garde ernannte Don Pompeo aus der fuͤrstlichen Fa⸗ milie Gabrielli hat bereits seinen Abschied von diesem Posten ein⸗ ereicht; es sind deshalb dem Senator von Rom, Principe Orsini, Vorschlaͤge gemacht, die Stelle als kommandlrender General jener Garde wieder zu uͤbernehmen, zumal die Gruͤnde seines im vori⸗ gen Jahre erfolgten Ruͤcktrittes sich gehoben haben. orgestern Nacht wurden im Albanergebirge einige leichte Erdstoͤße verspuͤrt.

swn . Spanien. 1““

S Madrid, 9. Aug. Den Behoͤrden von Catalonien scheint die Vollmacht ertheilt worden zu seyn, keine andere Vor⸗ schrift als die ihrer eigenen Willkuͤr zur Richtschnur ihres Ver⸗ fahrens zu nehmen. Zurbano, nicht zufrieden, Straßenraͤuber so⸗ wohl, als Leute, die ihnen, um ihr eigenes Leben zu retten, Loͤse⸗ geld entrichten, kraft Standrechts erschießen zu lassen, hat nun⸗ mehr befohlen, daß auch Contrebandisten und deren Helfershelfer ohne weiteres auf der Stellt niedergemacht werden sollen, als ob es an Vorschriften fehle, welche die den Schmugglern zuzuerken⸗ nende Strafe festsetzen. Unterdessen hat der General⸗Capitain von Catalonien, Van Halen, einen Oberst⸗Lieutenant, einen Major und 230ffiziere des Regiments Guadalajara kraft eines Machtspruches und ohne irgend eine Untersuchung anzustellen, kassirt, weil sie, wie er in seinem Tagesbefehle vom 3ten sagt, „durch eine oͤffentliche Handlung erkennbare Beweise von ihrer Sympathie fuͤr die im vergangenen Oktober durch die Insurgenten von Madrid und Pampelona auf⸗ gestellten Grundsaͤtze an den Tag gelegt haͤtten.“ Das Verbrechen dieser Offiziere bestand darin, ba sie mehrere ihrer Regiments⸗ Kameraden, die gerade in Barcelona eingetroffen waren, zu einem gemeinschaftlichen Mahle einluden, das am 24sten v. M., dem Namenstage der Koͤnigin Christine, stattfand. Die kassirten Of⸗ fiziere befinden sich gegenwaͤrtig in Saragossa, ihr weiteres Schick⸗ sal abwartend. Mehrere andere zur Besatzung von Barcelona ge⸗ hoͤrende Offiziere sind in strenge Haft auf den Montjuich abge⸗ fuͤhrt worden. Unterdessen will hier Niemand mehr an Ver⸗ schwoͤrungen in aͤhnlichem Sinne wie die des vergangenen Oktobers glauben. Gerade jetzt veroͤffentlicht die Regierung mehrere Briefe des in Frankreich befindlichen Generals O'Donnell, die sich unter den dem ebenfalls ausgewanderten General Urbistondo durch dessen Bedienten entwandten Papieren vorfanden.

Aus diesen Briefen, die jedoch einige fuͤr verfaͤlscht halten, ergiebt sich, daß zwar die gefluͤchteten Theilnehmer des Oktober⸗ Unternehmens sich mit der Hoffnung schmeicheln, in Folge irgend einer durch die Fehler der Spanischen Regierung selbst herbeige⸗ fuͤhrten neuen Krisis in ihr Vaterland zuruͤckkehren zu koͤnnen, zugleich aber auch, daß es ihnen sowohl an Huͤlfsmitteln als auch an dem nothwendigen Anhaltspunkte fehle, um durch eigene Kraͤfte ein dahin abzielendes Unternehmen ausfuͤhren zu koͤnnen. Die Spanische Regierung unterhaͤlt in Paris und im suͤdlichen Frank⸗

reich mit bedeutendem Kostenaufwande eine Menge geheimer Agen⸗ ten, welche nicht nur alle Bewegungen der Ausgewanderten sorg⸗ faͤltig beobachten,

1 . , sondern sich auch bemuͤhen, sie zu einem uͤber⸗ eilten Einbruch in Spanien zu verleiten, in dessen Folge sie ihren Indessen scheinen Umtriebe aufmerksam

in ausgewanderter Oberst, Namens 8 stellte sich vor in Bayonne ein, und suchte die

kurzem

dort befindlichen Spanischen Fluͤchtlinge zu einem Einbruch in

Navarra zu uͤberreden. Diese aber erkannten ihn fuͤr einen Agen⸗ ten der Madrider Regierung; er wurde verhaftet, und der Spa⸗ nische Konsul verlangte dringend, im Gefaͤngniß ohne Zeugen mit ihm zu sprechen, wodurch er freilich zu erkennen gab, daß er mit

ihm im Einverstaͤndnisse stehe. Der Bediente Urbistondo's, wel⸗

cher diesen zu ermorden versuchte, und dessen saͤmmtliche Papiere

entwandte, und hier in die Haͤnde des Ministers Gonzalez ablie⸗ ferte, hat eine bedeutende Geld⸗Summe zur Belohnung erhalten, und ist in Irun bei dem Graͤnz⸗Zoll⸗Amt angestellt worden. Die⸗

ser Mensch ist uͤberfuͤhrt, vor zwei Jahren in der Gegend von

bohn ermordet, und einen

Priester gemißhandelt zu haben. Die Todesstrafe war uͤber ihn verhaͤngt, als er auswanderte. 1

Man erfaͤhrt jetzt noch Mehreres uͤber die Versuche, welche der Infant Don Francisco und dessen ihrem aͤltesten Sohne die Neigung der engen Königin zu ver⸗ schaffen. Außer dem schon erwaͤhnten Portrait, welches dieser durch den Schreiblehrer Ventosa in einer Tabatiere zugestellt wurde, spielte ihr der junge Prinz selbst ein Armband in die Haͤnde, in welchem insgeheim einige seiner Haare angebracht wa⸗ ren. Auch entdeckte man einen Faͤcher, den die Koͤnigin von der Mutter des Prinzen bei einem zufaͤlligen Zusammentreffen im Buen Retiro erhalten hatte, und auf welchem sich ein mit sym⸗ pathetischer Dinte geschriebener Brief vorfand.

Unterdessen hat der seines Dienstes entlassene Schreiblehrer

der Koͤnigin, Ventosa, fuͤr gut befunden, seine an den Vormund gerichtete, die Erziehung der Koͤniglichen Kinder betreffende Klage⸗ schrift durch den Druck zu veroͤffentlichen. Dieser Ventosa, von der Koͤnigin Christine aus der Verbannung zuruͤckgerufen, und mit dem Schreib⸗Unterricht ihrer Toͤchter beauftragt, uͤberhaͤuft in jener Schrift nicht nur die vertriebene Koͤnigin mit allen moͤglichen Schmaͤhungen, und legt den bittersten Haß gegen sie an den Tag, sondern bezeichnet ausdruͤcklich als die Aufgabe, welche er sich gestellt habe, die junge Koͤnigin zu einer Revolutionairin, zu einer wuͤthenden Feindin des ganzen Theiles der Nation, der nicht als Anhaͤnger des glorreichen Pronunciamiento gelte, zu erziehen. In Erwaͤgung dieser vortrefflichen Absicht wurde er, obgleich von der Koͤnigin⸗ Regentin angestellt, doch von dem neuen Vormunde beibehalten, und erst jetzt, da er mit begruͤndeten, aber in unverschaͤmter Sprache vorgetragenen Klagen auftrat und sich in die Intriguen des In⸗ fanten Don Francisco mischte, entlassen. Uebrigens hat der Vor⸗ mund nicht fuͤr gut befunden, auf die von der entlassenen Ober⸗ Hofmeisterin, Marguisin von Belgida, erhobene Klage, daß die Koͤnigin und ihre Schwester im Palaste selbst auf hoͤchst unwuͤr⸗ dige Weise behandelt wuͤrden, zu antworten, wohl aber erklaͤrt, daß, so lange er Vormund waͤre, keine neue Ober⸗Hofmeisterin angestellt werden solle.

Portugal.

Lissabon, 1. Aug. Das Diario do Governo verdf⸗ fentlicht folgendes Koͤnigliches Dekret:

„Von dem Wunsche geleitet, auf die kraͤftigste Weise zur ganzli⸗ chen Vernichtung des verruchten Sklavenhandels, den die ersten Maͤchte Europa's bereits fuͤr Seeraub erklaͤrt haben, beizutragen, und mit Hinsicht auf eine aͤhnliche, im Artikel 15. des Vertrags, den Ich am 3ten d. mit Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin von Großbritanien ab⸗ geschlossen, enthaltene feierliche Erklaͤrung, habe Ich nach Anhoͤrung Meines Staatsraths beschlossen, daß alle im Dekret vom 10. Dezem⸗ ber 1836 festgesetzten Strafen auf den Sklavenhandel, der in diesen

Koͤnigreichen und in allen Meinen anderen Besitzungen fuͤr Seeraub er⸗ klaͤrt wird, angewendet werden sollen. Palast Necessidades, 25. Juli 1842

b 1 1 Die Koͤnigin.“ Die Differenzen zwischen Spanien und Portugal scheinen sich friedlich loͤsen zu wollen. B111“ Ueber die Tarif⸗Frage ist noch nichts entschiden.

Koonstantinopel, 3. Aug. (L. A. Z.) Fuͤrst Maurokor⸗ datos hat der Pforte eine Antwortnote auf das von ihr an ihn gerichtete Memorandum uͤberschickt. Fuͤrst Maurokordatos be⸗ schaͤftigt sich darin vorzuͤglich mit dem neu abzuschließenden Han⸗ dels⸗Vertrag. Er meint erstens, daß Herr Zographos keine Voll⸗ macht gehabt haͤtte, einen aͤhnlichen Handels⸗Vertrag wie den alten wveens. und zweitens, daß, wenn dies selbst der Fall gewesen waͤre, es immer in der Macht des Koͤnigs staͤnde, einen Vertrag, der zum Nachtheile seines Landes von einem Gesandten abgeschlossen wor⸗ den sey, zu verwerfen. Was die Abschließung des neuen Vertrags betreffe, so gebe er zu, daß er auf die Basen des alten gegruͤndet werden koͤnne, aber mit vielen wesentlichen Abaͤnderungen. Diese Ab⸗ aͤnderungen betraͤfen mehrere Hauptpunkte, welche die Tuͤrkei nicht beeintraͤchtigten, aber Griechenland sehr zum Nachtheile gereichten. Er wuͤrde diese Punkte in einer weitlaͤufigen Note der Pforte ge⸗ nau auseinandersetzen. Schließlich meint er, daß durch den be⸗ staͤndigen Notenwechsel die Verhandlungen nur in die Laͤnge ge⸗ zogen wuͤrden, ohne daß man je zum Ziele kaͤme, und verlangt daher, daß das Weitere durch muͤndliche diplomatische Konferen⸗ zen abgemacht werde. Maurokordatos' Note ist vom 6. (18.) Juli.

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Die diplomatischen Konferenzen hatte fruͤher schon einmal Sir untergegangen, und was an neuem Roggen zum Verkauf einge⸗

Stratford Canning verlangt. Die zwei Hauptpunkte der Be⸗ schwerden der Pforte, die Affaire in Chalkis und die Entschaͤdi⸗ gung der Muselmaͤnner fuͤr den Verlust ihrer Guͤter, uͤbergeht Fuͤrst Maurokordatos ganz mit Stillschweigen.

Inland.

Düsseldorf, 16. Aug. (Duͤsseld. Z.) Heute von 8 Uhr Morgens an begann das Defiliren der das Lager bei Grimling⸗ hausen beziehenden Truppentheile der Infanterie des 7ten Armee⸗ Corps, nachdem am gestrigen Tage, dem Dorfe Grimlinghausen

gegenuͤber, die fuͤr die Communication zwischen beiden Rhein⸗Ufern

bestimmte Ponton⸗Bruͤcke uͤber den circa 1400 Fuß breiten Strom durch die 7te Pionier⸗Abtheilung in Zeit von 4 Stunden geschla⸗ gen worden war. Obgleich die Hitze einen sehr hohen Grad er⸗ reicht hatte und den Truppen auf dem Marsch uͤberaus beschwer⸗ lich fallen mußte, ist der Gesundheits⸗Zustand derselben doch durchaus befriedigend, nur sehr wenige Krankheitsfaͤlle sind vorgekommen, und die verschiedenen Truppentheile, die auf dem Marsche zur Konzentrirung des Corps uͤberall nur die beson⸗ ders gute Aufnahme und das freundliche Entgegenkommen ihrer Wirthe ruͤhmen koͤnnen, trafen in ruͤstiger Haltung im Lager ein. Das Lager bei Grimlinghausen, am linken Ufer des Rheins, fast dem Dorfe Volmerswerth gegenuͤber, erstreckt sich in einer Laͤnge von beinahe 2000 Schritten in der Richtung von Suͤden nach Norden und liegt ziemlich parallel mit der Chaussee von Duͤsseldorf nach Koͤln; die Front ist dem Rhein zugekehrt; zwi⸗ schen dem 13ten und 15ten Landwehr⸗Regiment, welche auf dem rechten Fluͤgel gelagert sind, befindet sich das 13te Linien⸗Infante⸗ rie⸗Regiment, welches nach Verlauf der halben Lagerzeit sich mit dem 15ten Linien⸗Infanterie⸗Regiment ablbͤst; an das 15te Land⸗ wehr⸗Infanterie⸗Regiment stoͤßt das 16te und 17te Landwehr⸗ Regiment, zwischen denen beiden das 16te Linien⸗Infanterie⸗ Regiment gelagert ist und sich in aͤhnlicher Art mit dem 17ten Linien⸗Regiment abloͤst. An das 17te Landwehr⸗Infante⸗ rie⸗Regiment stoͤßt das aus den Landwehr⸗Bataillonen Atten⸗ dorn, Essen, Neuß und Graͤfrath gebildete kombinirte Reserve⸗ Landwehr⸗Infanterie⸗Regiment; fast vor der Mitte des La⸗ gers befindet sich das Zelt des kommandirenden Generals und hinter der Front, in gleichen Entfernungen von den Zelten und in schoͤner Symmetrie die zierlich gebauten Kochheerde und die Brunnen. Jedes Batailllon erhaͤlt einen Kochheerd, jedes Regi⸗

Gemaͤhlin anstellte, um

ment einen Brunnen. Hinter diesen letzteren bilden die Buden der Restaurateure und Verkaͤufer jeder Art eine lange Linie. Nordwestlich des Lagers, dicht bei dem Dorfe Derikum, liegt die fuͤr die Lagerzeit neuerbaute Baͤckerei, in der täͤglich 5400 6pfün⸗ dige Brode gebacken werden. Fuͤr die Beduͤrfnisse der Truppen, und insbesondere fuͤr die Verpflegung, sind die zweckdienlichsten Veranstaltungen getroffen, und nur der durch die anhaltende Duͤrre erzeugte Staub ist augenblicklich eine nicht abzuwendende Inkon⸗ venienz fuͤr die lagernden Truppen. Die nicht lagernden Truppentheile des Armee⸗Corps besinden sich in Kantonnirun⸗ een, die fuͤr die Infanterie in der naͤchsten Umgebung des Lagers nd. Das Haupt⸗Quartier des kommandirenden Generals ist zu Duͤsseldorf. Die 13te Infanterie⸗Division, welche der General⸗ Major von Monsterberg kommandirt, ist mit dem Stabe zu Neuß.

der kommandirt, und die aus dem 13ten Linien⸗ und 13ten Land⸗ wehr⸗Regimente besteht, und die 2te Infanterie⸗Brigade, aus dem 15ten Linien⸗ und dem 15ten Landwehr⸗Regimente bestehend, unter den Befehlen des Oberst Grafen von Brühl, sind mit ihren Stä⸗ ben ebendaselbst. Die 3te Infanterie⸗Brigade, unter dem Be⸗ fehl des Oberst Menkhoff, und aus dem 16ten Linien⸗ und 16ten Landwehr⸗Regimente, und die 4te Infanterie⸗Brigade, unter dem Befehl des Oberst von Notz, aus dem 17ten Linien⸗ und dem 17ten Landwehr⸗Regiment gebildet, sind mit ihren Staͤben zu Duͤsseldorf, wo sich auch der Commandeur der 14ten Infanterie⸗Division, aus der Zten und 4ten Infanterie⸗Brigade formirt, und die Reserve⸗ Infanterie⸗Brigade unter dem Befehl des General⸗Majors von Borcke, befinden. Das 15te Linien⸗Infanterie⸗Regiment kanton⸗ nirt in Neuß, Holzheim und Graͤfrath. Das 17te Linien⸗Infan⸗ terie⸗Regiment kantonnirt in Duͤsseldorf, Zons und Nievenheim. Von der Kavallerie befindet sich das 19te Landwehr⸗Kavallerie⸗ Regiment (die Eskadron Muͤnster, Borken, Minden und Pader born) bis zum 26sten d. M. bei Mülheim a. d. R. Das L20ste Landwehr⸗Kavallerie⸗Regiment (die Eskadron Soest, Iserlohn, Wesel und Duͤsseldorf) am linken Rhein⸗Ufer bei Duͤsseldorf. Das 21ste Landwehr⸗Kavallerie⸗Regiment (Warendorf, Bielefeld, Meschede und Geldern) und das kombinirte Reserve⸗Landwehr⸗ Kavallerie⸗Regiment (Attendorn, Essen, Neuß und Graͤfrath) in und bei Krefeld.

Düsseldorf, 17. Aug. (Duͤsseld. Z.) Die öͤffentliche Aufmerksamkeit richtet sich jetzt, wo der Zeitpunkt immer naͤher ruͤckt, der das geliebte Herrscherpaar in unsere Mitte fuͤhren soll,

V Die 1ste Infanterie⸗Brigade, welche der General⸗Major von Wer⸗

der Natur wie der Kunst, welche sich hier vereinigen.

uf das nahe gelegene Schloß Benrath, das leider bisher zu wenig Peachtet wurde, in Betracht des großen Reichthums an Schoͤnheiten In der Geschichte des Bergischen Landes ist Benrath von Bedeutung; Karl Theodor's glanzvolle Periode, ein treues Abbild seiner Zeit nd ihres Geistes, finden hier gewissermaßen einen Anhalts⸗ Die aͤltere Generation der Gegenwart erinnert sich noch in Wehmuth und Liebe der Zeit, als Herzog Wil⸗ velm von Bayern von 1804 bis 1806 hier residirte und des schneidenden Kontrastes der Folgezeit, die den Großherzog Jeoachim auf diesen heimischen Fuͤrstensitz fuͤhrte. Jetzt tritt der⸗ selbe aufs neue in seine Rechte und wird wiederum zum Denk⸗ steine eines erhebenden Abschnittes in unserer Provinzial⸗Geschichte werden. Den Bewohnern der Umgegend ist der Geist der Liebe und Anhänglichkeit an das angestammte Fuͤrstenhaus geblieben, der sich in jener fruͤheren Zeit erzeugen mußte, und in freudiger Erwartung regt und bewegt sich Alles, um den verehrten Landes⸗ vater nach Kraͤften zu empfangen. Dem Vernehmen nach sind roßartige Vorbereitungen gemacht worden, die darauf berechnet ind, Sr. Majestaͤt eine angenehme Ueberraschung zu bereiten. Stralsund, 15. Aug. Auf den in diesem Jahre im Stral⸗ sunder Regierungs⸗Bezirke abgehaltenen Remonte⸗Maͤrkten wur den zum Verkauf gestellt 427 Pferde, gekauft wurden 122 fuͤr die Summe von 12,040 Rthlr. Der gezahlte hoͤchste Preis war 140 Rthlr., der Durchschnittspreis circa 98 ½ Rthlr.

Aachen, 14. Aug. Die Roggen⸗Aerndte ist, was die 5 Qualitaͤt anlangt, vorzuͤglich gut und hinsichtlich des Ertrages ebenfalls

punkt.

ganz befriedigend ausgefallen. Ein Gleiches verspricht die von der

Witterung gleich sehr beguͤnstigte Weizen⸗Aerndte. In Folge dessen hist bereits der Preis des vorjaͤhrigen, nicht so guten Weizens her⸗

bracht wurde, fand sogleich Abnehmer zu hoͤheren als den stehenden Preisen. Waͤhrend der Aerndte ist, wie gewoͤhnlich, die Zufuhr zum Markte schwach und im Getraide⸗Handel wenig Leben. Daher betrug auch die Ausfuhr an Getraide aller Art nur 18,211 Scheffel, obgleich auf allen Maͤrkten eine Erhoͤhung der lange Zeit statio⸗ nairen Preise erwartet wird.

Kurgaͤste sind gegenwaͤrtig in ziemlicher Anzahl hier anwesend,

und es ist eine taͤgliche Zunahme der Frequenz sichtbar, so daß die

diesjaͤhrige Bade⸗Saison, wenn auch nicht ausgezeichnet, doch be⸗ friedigend seyn wird. Eine eigentliche glaͤnzende Saison, besonders auch in Ruͤcksicht auf gesellschaftliche Stellung und Vermoͤgens⸗ Verhaͤltnisse der Gaͤste, hat Aachen uͤbrigens lange nicht mehr ge⸗ habt, und scheint die Stadt durch mancherlei unguͤnstige Umstaͤnde als Badeort seine Bedeutsamkeit nach und nach zu verlieren. Der Einfluß, welchen der Anschluß des Großherzogthums Luxemburg an den Deutschen Zoll⸗Verein diesseits gehabt hat, be⸗ schraͤnkt sich nach den bisherigen Erfahrungen auf einen wechsel⸗ seitigen, nicht sehr erheblichen Verkehr mit Vieh, Getraide und anderen landwirthschaftlichen Erzeugnissen in den Graͤnz⸗Gemeinden.

Uebersicht der gemischten Ehen, welche während der Kalenderjahre 1840 und 1841 im Preußischen Staate geschlossen wurden.

Die Allgemeine Preußische Staatszeitung enthielt in * Nummern 351 und 352 vom 19. und 20sten Dezember v. J. einen Aufsatz, welcher die Zahlenverhaͤltnisse der kirchlichen Genossenschaften des Preußischen Staats im Allgemeinen angab, anhangsweise sich aber auch uͤber die Zahl der im Jahre 1840 neugeschlossenen gemischten Ehen verbreitete. Dieser Anhang ist als besonders anziehend von andern Zeitschriften hervorgehoben worden, und es erscheint daher zeitgemaͤß, ihm eine besondere Be⸗ handlung zu widmen, besonders da nun auch die Zahl der ge⸗ mischten Ehen des Jahres 1841 bekannt geworden ist, und in Verbindung mit der von 1840 betrachtet werden kann. Einige Wiederholungen der Angaben jenes Anhangs wurden unvermeid⸗ 88. „A9 meisten wohl jener fruͤhere Aufsat nicht mehr zur Hand seyn duͤrfte. E8”

Die e 2 en Provinzen, deren R⸗ienng, ge. gisten Mai 1740 an Friedrich II. üͤberging, waren wmit venhane⸗ nißmaͤßig sehr geringen Ausnahmen Mit lieder —— 82 Kirchengemeinde. In den Hauptbestandtheilen der 2