hinesischen Hofe, dessen Depeschen auf einem Land⸗Transport durch China von 1200 Englischen Meilen den Chinesen voͤllig preisgegeben seyn wuͤrden, der acht Monate auf eine Antwort von Sau warten muͤßte und dessen Mission einen jaͤhrlichen Auf⸗ wand von 20,000 Pfd. herbeifuͤhren wuͤrde. Im Uebrigen warnt auch der Examiner, wie schon andere Blaͤtter vor ihm, vor allzu sanguinischen Hoffnungen in Betreff des als Folge des Frie⸗ dens zu erwartenden ausgedehnteren Handels⸗Verkehrs mit China und aͤußert sich in dieser Hinsicht folgendermaßen:
„Einige Leute sind, wie wir bemerken, erregbar genug, um zu glau⸗ ben, daß die Ruͤckkehr des Friedens mit den Chinesen sofort un erem stockenden Handel Leben und Thaͤtigkeit einfloͤßen werde. Was diese Leute bekunden, ist offenbar nicht gesunder Menschenverstand, sondern jene Art von Verstand, welchen bber Vorfahren in der Speculation bei der Eroͤffnung des Handels⸗Verkehrs mit Suͤd⸗Amerika zeigten, und unter dessen Leitung sie ihre Kapitalien in Sendungen von Ueber⸗ schuhen nach Peru und Chili und von Schlittschuhen nach dem Plata⸗ und Amazonen⸗Strom angelegt haben sollen. Nicht ein neuer Han⸗ dels⸗Verkehr ist es, der jetzt in China eroͤffnet wird. Der Handel hat schon seit zwei Jahrhunderten bestanden, ist seit den letzten acht Jah⸗ ren ein freier Handel gewesen, so weit unsere eigenen Gesetze in Be⸗ tracht kommen, und ist selbst waͤhrend des breizchrigen Krlches wenig gestoört worden. Wie groß nun ist der Belauf dieses Handels⸗ Verkehrs? Der Gesammtbetrag der Britischen Ausfuhren sowohl wie der Einfuhren, ist, jeder fuͤr sich, nicht 7 Millionen Pfd., und der
roͤßte Theil der Einfubren ruͤhrt, so weit der Werth in Betracht ommt, nicht aus England, sondern aus Ostindien her. Von den
sieben Millionen, welche von Britischen Unterthanen eingefuͤhrte
werden, besteht mindestens die Haͤlfte in Opium und ein großer Theil des Restes in Baumwolle, Wolle und Zinn, nebst einer Menge verschiedener anderer Rohstoffe aus dem Indischen Archipel. Fuͤr Großbritanien selbst bleiben also nur die Stapel⸗Artikel von Baum⸗ wollen⸗ und Wollenwaaren, Twist und Metallwaaren uͤbrig, deren Betrag nicht dem fuͤnften Theil der funfzehn Millionen gleichkoͤmmt, welche die Vereinigten Staaten uns an jenen Waaren abnehmen, oder, mit anderen Worten, der weniger als eine Million jaͤhrlich betraͤgt. Die Consumtion der Baumwolle, Wolle und einiger von den schwereren Metallen beschraͤnkt sich auf zwei oder drei Provinzen in der Naͤhe von Kanton, dem Haupt⸗Stapelplatze; Opium dagegen, Wollen⸗ und Baumwollenwaaren und Spezereien werden auch jetzt schon im ganzen Reiche und selbst in der Tatarei verbraucht.“
Betrachten wir nun die Chinesischen Ausfuhren oder die Zahlungs⸗
mittel. Bis jetzt hat China in der Hauptsache nur zwei Artikel fuͤr unseren Verbrauch geliefert, Thee und rohe Seide, welche indeß, mit Ruͤcksicht auf den Boden, das Klima und den Gewerbfleiß China's, mehr als Fabrikate, denn als Rohstoffe betrachtet werden koͤnnen. Die fruchtbaren und gewerbfleißigen Provinzen China's koͤnnen, da sie selbst stark bevoͤlkert sind, kein Getraide, keine rohe Baumwolle, kein Bauholz und wenig oder keinen Zucker fuͤr die Ausfuhr liefern. Im Gegentheile, alle diese Gegenstaͤnde werden eingefuͤhrt. China besitzt weder Wein, noch Oel, Kaffee oder Fruͤchte zur Ausfuhr; aber es ist ergiebig an Gold und Silber und deckt den Mehrbetrag der Einfuhr uͤber die Ausfuhr mit edlen Metallen. In jedem Jahre, seit dem Beginne der PFsbekttgketr im Opiumhandel, hat es davon große Massen ausgefuͤhrt, in einzelnen Jahren bis zu 2 Millionen Pfd., und dies ist eine der Hauptbeschwerden der Chinesischen Regierung, eine Hauptursache ihres gewaltthaͤtigen Verfahrens, des Krieges, den sie sich zugezogen, und der Bestrafung, welche sie wegen ihrer Eitelkeit, Thorheit und Ungerechtigkeit erhalten hat.“
„„Die Vortheile unserer erweiterten Handelsbeziehungen zu den Chinesen werden der Hauptsache nach darin bestehen, vaßß sie unsere und wir ihre Waaren bequemer und wohlfeiler erhalten werden. Der Pößere Theil des Thees und der rohen Seide mußte fruͤher durch
ransport zu Lande vier bis siebenhundert Englische Meilen fortge⸗
schafft werden, ehe er in Kanton eintraf. Fortan wird die Entfer⸗ nung auf den zehnten Theil herabgesetzt werden, vermittelst des direk⸗ ten Verkehrs mit den Haͤfen von Emoy, Futschu, Ningpo und selbst die umfangreicheren Artikel unserer Ein⸗ fuhr koͤnnen durch wohlfeilen Fluß⸗ und Kanal⸗Transport bis zur Hauptstadt des Reiches gebracht werden. Diese Aussichten werden indeß nicht in einem Tage, sondern erst nach Jahren zur Reife gebracht werden koͤnnen, und wir duͤrfen bei unseren Veran⸗ schlagungen fuͤr die Zukunft nicht außer Acht lassen, daß China drei Jahre lang Krieg gefuͤhrt hat und innerhalb der naͤchsten drei Jahre eine Contribution bezahlen muß, die sich an Ort und Stelle auf sieben Millionen Pfd. belaͤuft, daß die Gesammt⸗Einnahme des Reichs nur zwoͤlf Millionen betraͤgt, welche der Hauptsache nach in Naturalien entrichtet werden, und daß demgemaͤß die Last der Zah⸗ lung in Gestalt einer Zwangssteuer auf die reichsten Provinzen, d. Prri, Piesentoen faͤllt, welche unsere hauptsaͤchlichsten Abneh⸗ mer sind.
„Indeß wird die Ausdehnung unseres Handels⸗Verkehrs mit China vollkommen eben so sehr von unserer eigenen Gesetzgebung als von unseren besser r Verhaͤltnissen zu jenem Lande abhaͤngen. China
vermag ohne Zweifel unseren ganzen Bedarf an roher Seide zu erzeu⸗ gen, aber dem Seidenhandel muß eine groͤßere Ausdehnung gegeben werden, und diese kann nicht stattfünden, so lange unsere Korngesetze estehen. Die Chinesen koͤnnen, wie die Erfahrung zur Genuͤge er⸗ wiesen hat, jede beliebige Meüße Thee, deren wir beduͤrfen moͤgen, rzeugen; aber der Thee⸗Zoll darf nicht wie bis jetzt nach dem Prinzip erhoben werden, daß nur der Verbrauch einiger we⸗ nigen Reichen beguͤnstigt, der Verbrauch der großen Masse der Min⸗ der⸗Vermoͤgenden aber behindert wird. Der Werth von 6 Pce. und der Werth von 6 Sh. duͤrfen nicht ferner gleichmaͤßig belastet wer⸗ en, so daß jener 400 vCt., dieser weniger als 35 pCt. zu bezahlen Hat; widrigenfalls wird die Zahl der Thee⸗Konsumenten nur unbe⸗ eutend zunehmen und die besser geordneten Beziehungen zu China werthlos seyn; drei kleine Worte, ein Zoll ad valorem, werden Alles ins Gleis vein. gg Sir Robert, der in diesem Falle keine Partei⸗ Interessen zu beruͤcksichtigen hat, kann mit einem Federstriche die SI bringen; hoffen wir, daß er weise genug seyn wird,
2 und
2 London, 9. Dez. Nachrichten von Jamaika melden daß man dort ein Schreiben von Lord Snn 2. Antwort auf Reine Vorstellung an die Koͤnigin erhalten, worin den Kolonisten
gerathen wird, sich auf eine Konkurrenz mit auswaͤrtigem Zucker in den Britischen Maͤrkten gefaßt zu machen. Und die einfluß⸗ reichsten Pflanzer sind offenbar bereit, so lange noch ein irgend hedeutender Unterschied in dem Zolle beibehalten wuͤrde, sich die Konkurrenz gefallen zu lassen. Denn ihre Verhaͤltnisse mit ihren freigewordenen Arbeitern bessern sich taͤglich, und das Uebrige er⸗ . — ee. minfm verbesserten Anbau des Bodens und der n n Maschinen, sowohl 2 ang ze geien sowohl bei der Erzeugung als Berei⸗ n Bristol will man zugleich wissen, Herrn Ellis 2
reits gelungen, einen Vertrag mit der 5.inen li 9 —— einzugehen, mittelst welches jene von ihrer Seite die gaͤnzliche Unterdruͤckung der Sklaven⸗Einfuhr verspricht, England aber den Zoll auf ihren Zucker von 63 Sh. auf 30 pro Centner herabsetzen wird; waͤhrend zu gleicher Zeit, um unsere eigenen Kolonisten zu⸗ frieden zu stellen, der Zoll von ihrem Zucker von 24 Sh. auf 16 Sh. herabgesetzt werden soll. Dieses wuͤrde uns natuͤrlich den Brasilianischen Markt viel weiter fuͤr unsere Manufakturwaaren roͤffnen und den Preis des Zuckers bedeutend herabsetzen, ohne daß darum den Negerfreunden ernstlicher Grund zur Klage blieb. Ba hleich würde dieser Schritt auf Spanien wirken, da der hohe Zoll auf dem Cubaer Zucker bliebe, wie bisher, jene Insel aber die Spanische Reglerung bald zu einem Vertrage mit uns nothi⸗ gen wuͤrde, dem sich die Catalonier wohl wuͤrden fuͤgen muͤssen.
2394
Wenn uns aber Peel „. Cacao u. s. w. nun auch wohlfeilen Zucker giebt, so hat er mehr Fethan, als die Whigs nur vorzuschlagen gewagt hatten. Auch iegt sich Alles immer mehr unter seinen gewaltigen Einfluß. Bei fast allen oͤffentlichen Versammlungen, aber noch haͤufiger im . hoͤrt man die entschledensten Liberalen erklaͤren, se moͤchten durchaus nichts thun, was Peel vom Ruder treiben koͤnne: er habe nicht nur den besten Willen, sondern auch die Macht, die neuen Ideen uͤber die Freiheit des Verkehrs durchzu⸗ setzen, und man solle ihn nur ernstlich zum Weiterschreiten auf⸗ fordern, damit er guten Grund habe, sich dafuͤr bei seinen alten Anhaͤngern zu entschuldigen.
Was aber fast noch wunderbarer, ist die Schnelligkeit, womit diese neuen Ideen bei eben diesen I“ Eingang finden. Ein konservatives Parlamentsglied, ein Edelmann nach dem anderen, tritt als Neubekehrter auf, und erklaͤrt: die Zeiten des Schutzes fuͤr den Ackerbau und die Viehzucht durch Einfuhr⸗Ver⸗
bote und hohe Zoͤlle seyen fuͤr immer vorbei; von nun an muͤsse sich der Britische Ackerbau allein durch die Anwendung von Wis⸗ senschaft und Fleiß erhalten und durch den Ueberfluß seiner Er⸗ zeugnisse auswaͤrtige Einfuhren 38 machen. Ja mehrere, und darunter ein Herzog, riethen den Paͤchtern, sich schon fuͤr die naͤchste Session auf eine weitere Ermaͤßigung der Getraidezoͤlle gefaßt zu machen. Die Morning Post, welche die Flagge der Monopolien an den Mast genagelt zu haben scheint, will freilich ihren alten Ideen nicht entsagen und nennt jeden Gutsherrn, der im Sinn der neueren spricht, einen Verraͤther und Ueberlaͤufer. Aber der Ueberlaͤufer kommen nach und nach so viel, daß das ganze Heer hinterdrein im Anmarsch seyn muß. Auch treten im⸗ mer mehr von den konservativen Blaͤttern uͤber. Unter Anderen ist auch der Standard mit Leib und Seele fuͤr freien Handel, ein Blatt, das noch vor einem Jahre in seinem Eifer fuͤr das aristokratische Monopol die Meinung aussprach, der Untergang des ganzen Fabrikwesens wuͤrde England um nichts aͤrmer machen.
Vieles von diesen Sinnesaͤnderungen ist unstreitig das Werk der so sehr verschrieenen Anti⸗corn⸗law⸗league, welche auch, trotz all ihrer begangenen Fehler und der Heftigkeit mancher ihrer Mitglieder und Agenten, taͤglich mehr Anhaͤnger und Subskri⸗ benten findet, so daß man jetzt nicht mehr zweifelt, sie werde von der Versammlung des Parlaments die sa acr 50,000 Pfd. St. erhalten und großentheils fuͤr den erklaͤrten Zweck der allgemeinen Bekehrung ihrer Gegner verwandt haben. Eine ihrer Flugschriften, worin sie beweist, daß ohne das Fabrikwesen die Arbeiter auf dem Lande sich uͤber alle Moͤglichkeit Beschaͤftigung oder Unterhalt zu finden vermehren wuͤrden, soll eine sichtbare Wirkung bei Arbei⸗ tern und Paͤchtern hervorbringen. Ihr Streben bleibt aber vor wie nach, die gaͤnzliche Abschaffung aller Getraide⸗Zoͤlle, und dieses ist immer noch unausfuͤhrbar. Wir muͤssen also darauf gefaßt
machen, ihre Aufregung noch mehrere Jahre lang fortgesetzt zu sehen, waͤhrend welcher Zeit es sich bewaͤhren wird, ob der Bri⸗ tische Landmann den Boden wirklich auf eine solche Weise benuz⸗ zen kann, wie Manche sich schmeicheln, oder nicht.
Eine so eben erschienene Bekanntmachung der Irlaͤndischen Bischoͤfe zeigt inzwischen, daß Peel's Ministerium im Geistigen ein so getreuer Nachfolger der Whigs ist als im Materiellen. Bis jetzt hatten sich noch manche Tories geschmeichelt, daß wenn Peel in der vorigen Session keine Veraͤnderung in dem durch die Whigs in Irland einge⸗ fuͤhrten gemeinsamen Erziehungs⸗Gysteme getroffen, solches aus Mangel an Zeit unterblieben sey, wenn er aber erst Muße ge⸗ funden, die Sache reiflich zu berathen, er die Suprematie der
Staatskirche wieder geltend machen wuͤrde. Diefe Selbsttaͤuschung ist nun auch voruͤber. Die Bischoͤfe machen „mit innigem Leid⸗ wesen“ bekannt, daß die Regierung nicht nur entschlossen ist, vom Parlament die jaͤhrliche Unterstuͤtzung fuͤr das gemeinsame Schul⸗ wesen zu verlangen, sondern sich auch entschieden geweigert habe, der Kirche fuͤr ihre eigenen Schulen eine besondere Unterstuͤtzung auszuwirken! Die Morning Post ist aͤrgerlich und betruͤbt; sie wei nicht, was sie zu dieser „liberalen“ Verfahrungsweise sagen soll. Die Tories selbst sind in Verlegenheit. Ueber ein an die Kirchen⸗Vor⸗ steher ausgegangenes ministerielles⸗Rundschreiben in Bezug auf die Kirchen⸗Steuer und die dagegen stattgefundenen Widersetzlich⸗ keiten, ist dieses Journal ernstlich boͤse. Es scheint, als wenn darin irgend eine Absicht laͤge, den Skrupeln der Dissenters zu huldigen und durch irgend eine umfassende Maßregel jenen ungeziemenden Streitigkeiten ein Ende zu machen — und dieses will dem hoch⸗ muͤthigen Puseyismus, welchem dieses Blatt jetzt huldigt, nicht
behagen. 9 I“ Deutsche Bundesstaaten.
9 ,
München, 8. Dez. Wie alljaͤhrlich an diesem Tage wurde heute das Fest des Ritter⸗Ordens vom heil. Georg mit hergebrach⸗ tem Ceremoniell am Koͤnigl. Hofe begangen. Nach geendetem Ordens⸗Kapitel begaben sich in feierlichem Zuge die Ritter, Kom⸗ thure und Groß⸗Komthure, dann Ihre Koͤnigl. Hoheiten die Prin⸗ zen Luitpold und Karl von Bayern als Groß⸗Priore, endlich Se. Majestaͤt der Koͤnig selbst als Groß⸗Meister des Ordens in festlicher (altritterlicher) Kleidung nach der alten Hof⸗Kapelle, wo das Hochamt gehalten ward. Waͤhrend desselben erhielten zwei Ordens⸗Kandidaten den Ritterschlag: Karl August Graf von Reisach, Bischof von Eichstädt und Koadjutor des hiesigen Erz⸗ bisthums, und Maximilian Erkinger Graf von Seinsheim. Erste⸗ rer wurde zugleich zu dem Grade eines Groß⸗Komthurs de grace und zur erledigten Wuͤrde des Ordens⸗Bischofs erhoben. Nach beendigtem Gottesdienst nahm das Bankett seinen Anfang, und Abends 7 Uhr beginnt das Hof⸗Konzert.
München, 7. Dez. (Bayer. Bl.) (Vierte öͤffentliche Sitzung der Kammer der Abgeordneten. Schluß.] Als Begruͤn⸗ dung seines Antrags hatte der Abg. Dr. Schwinder das in Bayern herrschende mißbraͤuchliche Censur⸗Berfahren im Allgemeinen und ausfuͤhrlich beschrieben, der Ausschuß hatte jedoch die naͤheren, that⸗ saͤchlichen Nachweise vermißt. Außerdem hatte der Ausschuß⸗ Referent hervorgehoben, daß jeder der beiden Antraͤge einer ver⸗ schiedenen Beurtheilung unterliege. Der zweite Antrag naͤmlich, welcher bei dem Repressiv⸗System auf genaue Einhaltung der verfassungsmaͤßigen Bestimmungen dringe, eigne sich in An⸗ tragsform nicht fuͤr die Kammer, denn es fehle ihm nicht nur die Begruͤndung durch den Nachweis von thatsaͤchlichen Verletzungen der Verfassung, sondern es muͤßte der Antrag, wenn dergleichen nachgewiesen werden koͤnnten und wuͤrden, nicht als Antrag, sondern als Beschwerde über Verletzung verfassungs⸗ mäͤßiger Rechte, nach §. 21, Tit. VII. der Verfassungs⸗Urkunde und §. 51 ff. der Geschaͤfts⸗Ordnung, bei der hohen Kammer ein⸗ gebracht werden. Deshalb 85 denn auch der zweite Antrag un⸗ geeignet zur Vorlage an dieselbe. Dagegen gehe der erste Antrag seinem wesentlichen Inhalte nach auf Wieder⸗Einfuͤhrung eines fruͤhe⸗ ren gesetzlichen Erlasses, naͤmlich der am 12. Junt 1831 aufgehobe⸗ nen Ministerial⸗Verordnung vom 28. Januar 1831, und da die erneute Aufrichtung jener Verordnung in den Kreis jener esetzli⸗ chen Bestimmungen falle, bei welchen nach §. 2, Tit. VII. der
8 8—
wohlfeilerem Brod, Flelsch, Kaffee,
Verfassun 8
so eigne sich eben darum der erste Antrag zur Vorlage an die hohe Kammer allerdings. Dieser Ansicht seines Referenten hatte sich denn auch der Ausschuß selbst angeschlossen. steller selbst erklaͤrt darauf, er behalte sich jedes Eingehen auf das Materielle seines Vortrags bis zum Augenblick der Diskussion selbst vor. Jetzt habe er nur zu bemerken, daß ihn der Herr Re⸗ ferent in Betreff der Verordnung vom 12. Juni 1831 mißver⸗ standen, indem gerade durch diese die Verordnung vom 28. Januar wieder aufgehoben, ein anerkannt gewesener verfassungsgemaͤßer Preßzustand wieder hergestellt worden sey. Derselbe geht dann auf die Gegenwart uͤber. Um so weniger sollte die Censur uͤber innere Angelegenheiten mit der gegenwaͤrtigen Strenge ge⸗ handhabt werden, je schmerzlicher dies fuͤr ein Volk seyn muͤsse, das durch Treue und Hingebung sich so sehr auszeichne. Gewiß sey es jetzt mehr als zeitgemaͤß, dem Volk ein Kleinod wie die Gedanken⸗ und Preßfreihelt zuruͤckzugeben. Haͤtten sich die Deut⸗ schen Fuͤrsten 1819 veranlaßt gefunden, die Preßfreiheit in Deutsch⸗ land aufzuheben, so muͤßten sie sich jetzt gewiß zum Entgegenge⸗ setzten dazu bewogen fuͤhlen, die Zuͤgel nachzulassen und dem Volk ein heiliges Gut, die Gedanken⸗ und Preßfreiheit, wiederzugeben. Selbst der Bundesbeschluß von 1819 üuͤber die Aufhebung der Preßfreiheit beruͤhre Bayern nicht unbedingt, denn die betref⸗ fende Verordnung vom 15. Oktober sage ausdruͤcklich, daß der⸗ selbe nur in sofern bindend sey, als durch ihn der Souveraine⸗ taͤt der Krone und der Verfassung kein Abbruch geschaͤhe. Jedenfalls liege es gewiß in der Zeit, daß die Kammer auf ver⸗ SEeFrnsen Weg die in seinem Antrag liegende Bitte an die Stufen des Thrones bringe. Hierauf nimmt der erste Secretair, Freiherr von Thon⸗Dittmer, das Wort und spricht sich füͤr den Antrag des Abg. Dr. Schwindel um so unbedenklicher aus, als er selbst einen gleichen schon 1840 gelegentlich der Berathung uͤber das Nachdruck⸗Gesetz an die Kammer eingebracht habe, der aber nicht mehr zur vollen Erledigung gekommen sey. Man habe sich gleichwohl dem Vertrauen hingeben zu duͤrfen geglaubt, Censur⸗Er⸗ leichterungen wuͤrden eintreten; allein dieselben seyen nicht nur ausgeblieben, sondern Censur⸗ wie Repressiv⸗Maßregeln seyen im Gegentheil seitdem noch strenger geworden, als je zuvor, wovon das voͤllige Schweigen der oͤffentlichen Blaͤtter uüͤber innere Ange⸗ legenheiten, im Verein mit den gestrichenen Artikeln, und die vie⸗ len Beschlagnahmen von Druckschriften zeugten. In letzterer Be⸗ ziehung erinnert derselbe an zwei ihm selbst bekannte und nicht als Ferechtfernigt erscheinende Beispiele, und schließt mit dem Aus⸗ druck seiner Hoffnung, die Kammer werde beide Antragshaͤlften erwaͤgen. Auf die desfallsige Anfrage des ersten Praͤsidenten be⸗ schließt darauf die Kammer, daß der fragliche Antrag zulaͤssig und 2neeeg Ausschuß Behufs weiterer Erwaͤgung zu ver⸗ weisen sey.
Endlich hatte der Ausschuß auch einen Antrag des Abgeord⸗ neten geistlichen Rathes Haas als zur Vorlage an die Kammer geeignet erklaͤrt, betreffend „die Unterstuͤtzung der oͤffentlichen Bi⸗ bliothek zu Bamberg“. Der Antragsteller bezweckt die Eintragung einiger Tausend Gulden auf das Budget der naͤchsten Finanz⸗ Periode, aus dem Grunde, weil in Bamberg von den Zeiten der ehemaligen Universitäaͤt her das Beduͤrfniß einer Bibliothek vor⸗ handen sey, und weil die dort vorhandene Bibliothek zwar eine sehr werthvolle, aber an ihre Kompletirung nicht zu denken sey, da ihre ganzen Jahres⸗Einnahmen in 595 Fl. bestaͤnden. Dem fuͤgt der Antragsteller noch Einiges zu, z. B. daß die fragliche Bibliothek aus fruͤherer Zeit uͤber 70,000 Werke besitze, 250 Hand⸗
schriften u. s. w., und daß ihm jede Unterstuͤtzung der Geistesbil⸗ dung als eine Sorge fuͤr das Wichtigste, fuͤr das wahre Gluͤck der Nationen erscheine. Die Kammer beschlleßt, daß auch dieser Antrag zulaͤssig und an den betreffenden Ausschuß zu verweisen sey.
Darauf tritt Graf Seinsheim das Praͤsidium an den zweiten Praͤsidenten ab, um nach einer kurzen Entfernung aus der Kam⸗ mer in seiner Eigenschaft als Finanz⸗Minister einen Gesetz⸗Entwurf einzubringen, betreffend „die Befreiung der Befestigungswerke und militairischen Gebaͤude an Deutschen Bundes⸗Festungen auf Vaye⸗ rischem Boden von Steuern.“ Danach wird, nachdem noch das Protokoll der Zten verlesen war, die Sitzung geschlossen, in welcher am Ministertische außer dem Justiz⸗Minister die Regierungs⸗ Commissaire General⸗Major von Kunst und Ministerial⸗Raäthe von Bezold, von Mayer und Wanner gegenwaͤrtig waren.
Dresden, 12. Dez. (Saͤchs. Bl.) Der zweiten Kammer wurde am 8ten d. M. ein Entwurf zu einem Gesetze, die Be:
freiung der uͤber 20 Bogen im Druck starken Schriften von der
Censur betreffend, mit nachstehendem Koͤnigl. Dekret uͤbergeben: Nach Zuruͤcknahme des der vorigen Staͤnde⸗Versammlung vor⸗ gelegten Entwurfs su einem Gesetze, die Angelegenheiten der Presse de oͤnigliche Majestaͤt, der
und des Buchhandels betreffend, haben Se. K bei den damaligen staͤndischen FeFügahlungen erklaͤrten Absicht gemaͤß, durch Verordnung vom 11. Maͤrz 1841 (S.
ordnungs⸗Blattes) der Presse und dem Buchhandel diejenigen Erleich⸗
terungen angedeihen lassen, welche auf dem zulaͤsfsig
’ . 1 staͤndischen Schrift vom 20. Juni 1840 seine Erledigung. Dagegen mußte einer der in dem damaligen Gesetz-⸗Entwurfe, wenn auch in beschraͤnkterer Maße beabsichtigten Erleichterungen, naͤmlich der Befreiung der uͤber 20 Bogen
waren, und es erhielt dadurch zugleich der Antrag in der
starken Druckschriften von der Censur, Anstand geßeben werden, weil sie zwar mit den einschlagenden Bundesschluͤssen, n desgesetzgebung vereinbar war, und zugleich neue gesetzliche Bestim⸗ mungen erforderlich machte. Daher lassen Se. Koͤnigl. Majestaͤt nun⸗ mehr den getreuen Staͤnden in der Anlage den Entwurf nn einem Gesetze, die Befreiung der uͤber zwanzig Bogen starken Druckschriften von der Censur betreffend, sammt den dazu gehoͤrigen Erlaͤuterun⸗ gen und Gruͤnden zugehen. Hierdurch wird nunmehr der Presse das mit der Bundesgesetzgebung vereinbare Maß und Frei⸗ heit gewaͤhrt, und sonach durch diesen und den Entwurf zu einem Gesetz uͤber den Schutz der Rechte an literarischen Erzeugnissen und Werken der Kunst, welcher immittelst be⸗ reits zur Vorlage an die Staͤnde⸗Versammlung gelangt ist, der Zu⸗ sicherung in §. 35. der Verfassungs⸗Urkunde genuͤgt, da es, nach Er⸗ ledigung des obgedachten Hauptpunktes, fuͤglich weiteren Erfahrungen vorbehalten bleiben kann, ob und inwiefern die uͤbrigen Gegenstaͤnde eines vollstaͤndigen Preßgesetzes neuer gesetzlicher Bestimmung beduͤr⸗ fen. Se. Koͤnigl. Majestaͤt sehen der Erklaͤrung der getreuen Staͤnde auf beiliegenden Gesetz⸗Entwurf in Huld und Gnaden, womit Sie denselben jederzeit wohl beigethan bleibden, entgegen. Dresden, 30. November 1842. q1616171 (L. S.) Friedrich August. 19118 9 N8 CEbduard Gottlob Nostiz und Jaͤnckendorf. 88
Karlsruhe, 7. Dez. (2. Z.) Oeffentliche Blaͤtter haben in Bezug auf die Badischen Gränz⸗Verhaͤltnisse zum Kanton Aargau die Frage aufgeworfen, ob denn ein einzelner Zoll⸗Vereins⸗ staat gegen außen in der Art Repressalien ergreifen koͤnne, daß er diesen oder jenen Tarifsatz erhoͤhe. Die Frage beantwortet sich von selbst, da die Gemeinschaft der Zöͤlle es ist, welche den Zoll⸗ Verein ausmacht; allein auf jene Verhaͤltnisse ist die Frage ohne
Beziehung, denn Baden hat, gegenuͤber dem Aargau, keinesweges einen Satz des Vereins⸗Tarifes erhoͤht, sondern ist vielmehr zu den
crkunde eine ständische Mitwirkung erforderlich sey,
Der Herr Antrag⸗
gebildet.
sem Morgen melden:
20 des Gesetz⸗ und Ver⸗
cht aber mit der Lan⸗
gekehrt, indem es von der Ausnahmsver⸗ Büaftlsunf — fuͤr einige Schweizerische Einfuhr⸗Artikel einen ermaͤ⸗
— im gegebenen Fall Umgang nahm. igten Zoll stattfinden zn laslkanw; wollte man in einer vorliegenden
1 ar S. Hebranch davon machen, so traten mit dem Weg⸗ fall der gestatteten Ermaͤßlgung die betreffenden eigentlichen Tarifsaͤtze des Vereins wieder ein, und dies eben ist es, was stattgefunden hat. Von der - der Baseler⸗Zeitung und ande⸗ ren Schweizer⸗Blaͤttern, welche sich gegen das Verfahren Aargau's aussprachen, ist deshalb auch namentlich der Umstand hervorge⸗ hoben worden, daß es die Badische Regierung gewesen, welche bei dem Zoll⸗Verein jene fakultativen Ausnahms⸗Verguͤnstigungen fuͤr einige der bedeutendsten Schweizerischen Einfuhr⸗Artikel aus⸗ wirkte und daß diese Ruͤcksicht eine andere Anerkennung verdiente als die kleinlichen Reibungen und Plackereien, in denen sich der Kanton Aargau gefiel. Daß das Interesse eines moͤglichst unbe⸗ hinderten Graͤnz⸗Verkehrs ein gegenseitiges ist, versteht sich von selbst; wenn jedoch von der einen Seite dieses Interesse beharrlich verkannt werden sollte, so ist es offenbar der Aargau, welcher da⸗ bei am meisten zu kurz kommt, da er seinerseits einen ungleich groͤßeren Markt verliert als er dem anderen Theil zu schließen im Stande ist. Ueberdies besteht der diesseitige Absatz naoch der Schweiz, wie bekannt, der Hauptsache nach in Lebensbeduͤrfnissen, deren die Schweiz nicht entbehren kann; will nun der Kanton Aargau dieselben nicht von Baden beziehen, so wird er, da er nicht bis an die Oesterreichische oder Franzoͤsische Graͤnze greifen kann, die Ergaͤnzung der Luͤcke bei sei⸗ nen Schweizerischen Nachbaren suchen muͤssen, welche jedoch das naͤmliche Beduͤrfniß mit ihm theilen, also das, was sie dem Aargau fuͤr seinen Mehrbedarf abgeben, wieder durch vermehrten Bezug aus dem Badischen zu decken haben. Mit anderen Worten, die Badische Gesammt⸗Ausfuhr nach der Schweiz wird im Ganzen dieselbe bleiben, wenn auch der Kanton Aargau sich ganz ver⸗ schloͤsse, und der Unterschied lediglich der seyn, daß eine nun ein⸗ mal stattfindende Nothwendigkeit sich statt des direkten und na⸗ tuͤrlichen Weges indirekte Bahnen bricht. Eine Streitfrage von dieser Beschaffenheit wird sich uͤber kurz oder lang beilegen, da die Natur der Interessen sich immer von selbst geltend macht; was jedoch zuruͤckbleiben duͤrfte, das ist eine verstaͤrkte Motivirung fuͤr das Beduͤrfniß, die große Badische Eisenbahn von Loͤrrach bis an den Bodensee weiter zu fuͤhren.
Der Geheime Referendair Eichrodt „vorsitzender Rath“ beim Ministerium des Innern, ist zum Direktor bei diesem Ministerium befördert worden. (Dieselbe Stellung, welche Nebenius unter dem Minister Winter inne hatte.) Auch spricht man von zahl⸗ reichen Ordens⸗Verleihungen u. dgl. in der Beamtenwelt.
* Weimar, 12. Dez. Gestern Mittag ist Ihre Koͤnigl. Hoheit die Prinzessin zibrecht hier angekommen und im Groß⸗ herzoglichen Residenzschlosse abgestiegen. Hoͤchstdieselbe beehrte gestern Abend mit den Mitgliedern der Großherzoglichen Familie das Konzert im Hof⸗Theater, welches jaͤhrlich zum Besten des Hof⸗Kapell⸗Wittwen⸗Fonds gegeben wird und diesmal in der Auffuͤhrung der Radziwillschen Composition zu Goͤthe's Faust bestand. Dem Vernehmen nach, wird die Prinzessin die fernere Reise nach den Niederlanden morgen antreten.
Italien.
Purin, 4. Dez. Der bisherige Sardinische Geschaͤftstraͤger am Hofe von Belgien, Graf Crotti di Castiglioli, ist zum Sardi⸗ nischen Gesandten in der Schweiz und der Marquis von Ricci zum Geschaͤftstraͤger in Bruͤssel ernannt worden.
1“ Spanien. PMaris, 9. Dez. Es sind hier nachstehende telegraphische Depeschen eingegangen:
68 Perp gnen. 4. Dez. Am 27. November herrschte zu Valencia einige Gaͤhrung. Terruel hat eine provisorische Junta Zu Venarez hatte eine republikanische Insurrection statt⸗
Zollsaͤtzen desselben zuruͤck
gefunden. 1b 1 II. Perpignan, 5. Dez. Berichte aus Perthuis von die⸗
„Das Bombardement von Barcelona hat
am 3ten um 11 Uhr Morgens begonnen. Die Kanonade waͤhrt
fort. Das Volk sagt, daß es lieber die Franzoͤsische Fahne auf⸗
pflanzen als sich ergeben werde. Catalonien erhebt sich in Masse
unnd eilt Barcelona zu Huͤlfe. Die Milizen von Girona und Fi⸗ gueras sind abmarschirt. Die Ankunft der Englischen Kriegsschiffe
hat die Bevoͤlkerungen erbittert. Diese Nachrichten werden durch den Conducteur der Diligence von Figueras bestaͤtigt; er hat auf
der ganzen Route die Sturmglocke laͤuten hoͤren und die Milizen
auf dem Marsch gesehen unter dem Rufe: „Nieder mit Espar⸗ tero! nieder mit den Englaͤndern! es lebe Frankreich!“
— Perpignan, 5. Dez. In Barcelona giebt es keine Junta mehr, das Volk hat wieder zu den Waffen gegriffen, die Freiheits⸗ fahne weht auf den Zinnen, und man ist entschlossen, dem Regen⸗ ten zu widerstehen. — (Nachschrift.) Mit dem groͤßten Vor⸗ behalte theile ich die eben mir zukommende Nachricht mit, daß Espartero nach einem 24stuͤndigen Bombardement zu den Bedin⸗
8 gungen, welche zuerst von der Friedens⸗Junta gestellt worden wa⸗
ren, in Barcelona eingeruͤckt seyn soll.
8 Madrid, 4. Dez. Von dem Infanten Don Francisco de Paula wird fast gar nicht mehr gesprochen, und dieser Umstand allein beweist, daß in jenem Prinzen kein Stoff zu einem Partei⸗
Chef ist. Das Ministerium soll in Verlegenheit daruͤber seyn,
welchen Weg es, den Cortes gegenuͤber, einzuschlagen hat, und die
Coalition scheint eben so unsicher wie das Ministerium. So viel
ist inmitten aller dieser Schwankungen und Zweifel gewiß, daß weder im Parlamente noch außerhalb desselben irgend Jemand
nmnch daran denkt, die Minderjaͤhrigkeit der Koͤnigin zu ver⸗
laͤngern. Die Kommissarien, welche damit beauftragt sind, einen Be⸗ richt uͤber den Entwurf zu einem Handels⸗Traktat mit England u erstatten, haben haͤufige Konferenzen mit dem Finanz⸗Minister.
Herr Aston soll diesen Konferenzen beiwohnen. Ueber die Ansicht
der Kommission ist bis jetzt noch nichts bekannt.
Es ist dem Ministerium gelungen, sich einige pecuniaire Huͤlfs⸗ mittel zu verschaffen. Die halbjaͤhrlichen Zinsen fuͤr die neuen Dreiprozents sind nach London abgegangen, und man versichert, daß das Ministerium sich 12 Millionen Realen auf Havana ver⸗ schafft habe. Die Bergwerke von Almaden sollen der St. Ferdi⸗ nands⸗Bank verpachtet seyn, da dieselbe von allen Bewerbern die vortheilhaftesten Bedingungen gestellt haͤtte. 1
Der General⸗Capitain von Catalonien meldet dem Kriegs⸗ Minister, daß er den Franzoͤsischen Konsul aufgefordert habe, die
Ausschiffung Spanischer Emigranten in Barcelona zu verhindern.
Der Konsul hat darauf erwiedert, daß er nicht allein diesem
Wmunsche genuͤgen, sondern denselben auch seiner Regierung mit⸗
theilen werde, damit die Einschiffungs⸗Punkte sorgfaͤltig uͤberwacht
1
1719
vom 14. Schewwal (17. November) enthaͤlt uͤber die bekannte Ernennung Rifaat Pascha’'s zum Botschafter der hohen Pforte am Oesterreichischen Hofe folgenden Artikel: „Da der Botschaf⸗ ter am Oesterreichischen Hofe, Aakif Efendi, das Klima von Wien
Wa dn mw 6 vnr2: 111mu“
8 bn - u Türkei. Konstantinopel, 23. Nov. Die Tuüͤrkische Zeitung
nicht vertragen konnte und seit seiner Ankunft daselbst fast immer krank war, so daß man die Ueberzeugung schoͤpfte, daß sein Zu⸗ stand bei einem laͤngeren Aufenthalte sich nothwendigerweise ver⸗ schlimmern wuͤrde, so war es nothwendig, fuͤr diesen Gesandt⸗ schafts⸗Posten einen anderen Waͤrdentraͤger zu ernennen. Da nun Rifaat Pascha, welcher unlaͤngst zum Mitgliede des großen Pforten⸗Conseils ernannt worden war, in Folge seiner vorausgegangenen Dienstleistung in den schwierig⸗ sten Aemtern eine umfassende Geschaͤfts⸗Kenntniß besitzt, und nach⸗ dem er bereits fruͤher bei dem erwaͤhnten Hofe akkreditirt gewe⸗ sen, auch in politischen Geschaͤften erfahren, uͤbrigens durch person⸗ liche Faͤhigkeit und Rechtlichkeit ausgezeichnet ist, so geruhten Se. Hoheit, den obengenannten Aakif Efendi von seinem Posten abzu⸗ berufen und an seine Stelle Rifaat Pascha, mit Beibehaltung sei⸗ ner Waͤrde als Mitglied des großen Pforten⸗Conseils zum Bot⸗ schafter in Wien zu ernennen, und er wurde demzufolge mit seiner neuen Wuͤrde bekleidet. Um noch vor Eintritt des Winters an seinem Posten einzutreffen, beschleunigte er seine Reise⸗Vorbereitungen, und wurde in der Nacht vom Mittwoch den 22. Ramazan zur Abschieds⸗Audienz bei Sr. Hoheit vorgelassen. Außer dem Nischan, welches er als Mitglied des Reichs⸗Conseils traͤgt, wurde ihm ein seinem Range als Muschir entsprechendes Ehrenzeichen verliehen. Selbiges empfing er aus den Haͤnden des Sultans und wurde von Hoͤchstdemselben huldreichst entlassen. Schefik Bei, Gehuͤlfe des Mektubdschi, welcher seiner anerkannten Faͤhigkeit wegen zum ersten Secretair bei der Botschaft in Wien ernannt worden war, hatte die Ehre, Rifaat Pascha bei der erwaͤhnten Audienz zu be⸗ gleiten. Den Tag darauf traten sie ihre Reise auf dem nach Kustendsche abgehenden Dampfboote an.“
Konstantinopel, 23. Nov. (L. A. Z.) Mehrere Gesandte der Großmaͤchte hatten Konferenzen mit dem Minister der aus⸗ waͤrtigen Angelegenheiten, Sarim⸗Bey, in Betreff der Syrischen Angelegenheit, so Sir Stratford Canning, die Herren de Bour⸗ queney und von Klezil. Sie drangen nach den von ihren Regie⸗ rungen erhaltenen Instructionen auf die Ernennung eines christ⸗ lichen Kaimakans fuͤr die Maroniten. . Die Pforte hat aber bis jett noch keine entscheidende Antwort hieruͤber gegeben. Auch Herr von Butenieff hatte eine lange Konferenz mit Sarim⸗Bey. Sie soll aber nicht sowohl Syrien als vielmehr Serbien betroffen haben. Herr von Butenieff hatte naͤmlich, wie ich schon fruͤher geschrieben, die ihm von der Pforte mitgetheilte Bestaͤtigung der Wahl des Fuͤrsten Alexan⸗ der blos als eine offizielle Anzeige ad referendum an seine Re⸗ gierung angenommen. Er soll nun hieruͤber aus Petersburg In⸗ structionen erhalten haben, die dahin lauten, diese Verfahrungs⸗ weise der Pforte zu mißbilligen und gleichzeitig auf die Ab⸗ setzung der beiden Minister Wuesics und Petronievich zu dringen. Eben so soll das Petersburger Kabinet gegen Kiamil⸗ Pascha sehr erzuͤrnt seyn und dahin trachten, den seinen In⸗ teressen im Wege stehenden Mann aus Belgrad zu entfernen.
Mustapha Pascha hat seine Functionen als Seriasker wieder angetreten, aber bis jetzt noch nicht das Seriaskerat bezogen, woraus man schließt, daß er nicht mehr lange Seriasker bleiben werde. Die schon so oft besprochenen und schon so lange erwar⸗
handels respektirt werden, Rechte, die um sa gebelllgter seyn muͤssen, je theuerer sie bezahlt werden mußten. Eine
lage, wie wüͤnschenswerth sie auch dem Grundsatze nach seyn mag, wuͤrde in der That zu einer wahren Spoliation des Einfuhrhan⸗ dels werden, der Waaren auf dem Lager liegen hat, die gestern unter einem laͤstigen Regime eingefuͤhrt wurden, und welche die Konkurrenz nicht aushalten koͤnnten mit Artikeln, die zu geringe⸗ ren Zoͤllen zugelassen wuͤrden. Die Anerkennung und Respektirung dieser Art von erworbenen Rechten werden aber wahrscheinlich am meisten nach dem Geschmack des Kongresses seyn, der nicht so
rminderung der Auf⸗
poße Eile haben wird, die von ihm angelegten Fesseln wieder zu
oͤsen.
Der Foͤderalschatz wird am meisten unter diesem Kampfe
zwischen der Gegenwart und der Zukunft zu leiden haben. Jetzt,
wo die Tarif⸗Bill verurtheilt ist und sie nur noch eine Existenz
zu hoffen hat, deren Tage gezaͤhlt sind, wird in dem ohnedies
schon so beschraͤnkten Einfuhrhandel eine neue Zeit des Stillstan⸗
des eintreten. Das fabrizirende Europa, das ohnedies dem letzten
Tarif seine Thore nur halb geoͤffnet hatte, wird sie nun ganz
schließen und die neue Aera abwarten, welche eben anzubrechen
beginnt. Die Amerikanische Regierung wird daher in finanzieller
Hinsicht mehr in Verlegenheit kommen als je, und der Bankerott
wird noch lange drohend ihr zur Seite stehen. Was aber das
Land im eigentlichen Sinne des Worts betrifft, so wird die Ab⸗
nahme in den Einfuhren einerseits und die reiche Aerndte anderer⸗ seits, welche sich auf die Maͤrkte des Suͤdens werfen wird, wahr⸗ scheinlich einen auffallenden Kontrast zwischen seiner Lage und jener der Regierung hervorrufen. In der That ist der demokratische Mecha⸗ nismus der Amerikanischen Union so kombinirt, daß nichts so sehr außerhalb der populairen Sphäͤre liegt, als die Regierung, welche ihre Vertreterin seyn soll. Die Bedingungen der Existenz des einen sind durchaus unabhaͤngig von denen der anderen. Der vollzie⸗ henden Gewalt fehlt die innige Verbindung mit dem Herzen der Gesellschaft, uͤber welcher sie steht, ohne eine rechte Wurzel in ihr und Verkehr mit ihr zu haben. Ihre ganze und einzige Subsistenz stuͤtzt sich auf den Ertrag der Douanen, deren Departement ge⸗ wissermaßen ihre besondere Domaine bildet. Aus diesem Zustand der Dinge kann sich als Folge ergeben, daß der soziale Koͤrper durch Zunahme der inneren Produkte und durch Verminderung der Einfuhr auswaͤrtiger zugleich sich bereichert, waͤhrend die Re⸗ gierung vom ersteren Falle keinen Vortheil fuͤr sich ziehen und durch den zweiten ruinirt werden wird. Das naͤchste Jahr kann diese doppelte, sich widersprechende Wirkung herbeifuͤhren, daß die Re— gierung um so aͤrmer wird, je mehr das Volk sich bereichert, und umgekehrt. Diese Bemerkung, welche meines Wissens bisher den Amerikanischen Publizisten gaͤnzlich entgangen ist, zeigt wohl einen der auffallendsten logischen Fehler der politischen Constitution der Union, wenn man sie als die vollkommenste Verwirklichung des Volks⸗Repraͤsentations⸗Systems betrachtet. ““
ni Mexiko. “
O Paris, 9. Dez. Ein Spanisches Blatt, der Especta⸗ dor vom 4. Dezember, veroͤffentlicht folgendes Dekret der Mexi⸗ kanischen Regierung, welches zum Zwecke hat, den bisher als Me⸗ xikanische Buͤrger betrachteten Spaniern die Wahl zu lassen, das erhaltene Buͤrgerrecht in Mexiko zu behalten oder als Fremde behandelt zu werden. Es lautet:
Art. I. Saͤmmtliche Spanier, welche auf dem Gebiete der Re⸗ publik, zur Zeit, als im Jahre 1821 die Unabhaͤngigkeit der Nation proklamirt wurde, sich befanden, und ihre Namen auf den, laut der Cirkulare des Ministers der auswaͤrtigen Angelegenheiten vom
teten Veraͤnderungen sind noch immer nicht erfolgt. Die Ursache hiervon soll der alte Chosrew Pascha seyn.
Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.
O New⸗York, 20. Nov. Im Triumphe wie in der Nie⸗ derlage scheint eine Art ansteckender Kraft zu liegen. Die aus Massachussetts eingetroffenen Nachrichten haben gezeigt, daß die demokratische Reaction, welche jetzt auf der Oberflaͤche der Ver⸗ einigten Staaten vor sich geht, auch dort ihre Ruͤckwirkung ge⸗ aͤußert hat. Auch in diesem Staate, ihrem letzten, ihrem festesten Bollwerke und Stuͤtzpunkte, scheint die Whig⸗Partei zu unter⸗ liegen wie in den anderen Staaten. Die folgenden Ziffern werden den stufenweisen Fortschritt des Abfalles auch dieses Staates von der Sache der Whigs darthun. Im November 1840 hatte der erwaͤhlte Gouverneur John Davis 70,884 Stimmen erhalten, sein demokratischer Mitbewerber Marcus Morton nur 55,169. Die Majoritaͤt fuͤr den Whig-Kandidaten war sonach noch sehr bedeutend. Im November 1841 stellte sich das Verhaͤltniß schon viel unguͤnstiger fuͤr die Whigs; sie zaͤhlten 55,974, die Demokra⸗ ten 51,357 Stimmen. Und jetzt hat die Abstimmung von 40 Doͤrfern und 264 Flecken oder Gemeinden, deren es uͤber 300 im Staate giebt, Herrn Morton eine relative Majoritaͤt von nahe an 2000 Stimmen verschafft. Welches nun auch das Endresultat der Wahlen von Massachussetts sowohl in Bezug auf den Gou⸗ verneur als die Lokal⸗Legislatur seyn moͤge, jedenfalls haben die⸗ selben eine maͤchtige Manifestation mehr gegen die Whig⸗Politik konstatirt, wie sie in der letzten Session des Kongresses sich kund⸗ gegeben hat.
Die Politik der Whigs laͤßt sich in sechs Hauptpunkte zu⸗ sammenfassen: Errichtung einer National⸗Bank und folglich Kon⸗ solidirung und Verbesserung des Papiergeld⸗Systems; Entziehung des Ertrags der Staats⸗Laͤndereien aus dem Schatze, um ihn un⸗ ter die Staaten zu vertheilen; Straflosigkeit fuͤr die Schuldner auf Kosten der Glaͤubiger durch das Bankerott⸗Gesetz; Fortsetzung ge⸗ wisser oͤffentlicher Arbeiten vermittelst neuer Anleihen; Reform der Constitution und Schwaͤchung der vollziehenden Gewalt, und end⸗ lich Schutz der einheimischen Industrie durch ein fiskalisches Pro⸗ hibitiv⸗System. Zwei von den Punkten dieses Programms der Whigs wurden in der letzten Session verwirklicht, die vier ande⸗ ren scheiterten an dem Widerstande der vollziehenden Gewalt. Das Land hat also zwischen den Grundsaͤtzen, welche diese vertheidigte, und denen ihrer Gegner sein Urtheil gefaͤllt. Es waͤre sogar mög⸗ lich, daß die Modificationen im Tarif und im Bankerott⸗Gesetz fruͤher Platz griffen, als es nach dem gewoͤhnlichen Gange der Le⸗ gislatur zu erwarten ist; wenn naͤmlich die vollziehende Gewalt es fuͤr angemessen erachten sollte, im naͤchsten Maͤrz oder April schon eine außerordentliche Session zusammenzuberufen, oder im anderen Falle, wenn die Whiggistische Majorität des jetzigen Kongresses, vor dem allzu klar und energisch ausgesprochenen Willen der Na⸗ tion sich beugend, freiwillig schon jetzt dieselben sich gefallen ließe. Es laͤge darin eine allerdings anerkennenswerthe Huldigung vor dem Prinzip der demokratischen Souverainetät. Die Abdication des gegenwaͤrtigen Kongresses ist gewissermaßen durch die Gewalt der Umstaͤnde geboten; fuͤr Mandatare, welche die Auftraggeber nicht mehr anerkennen wollen, waͤre Resignation eben so klug als logisch; doch zweifle ich, ob sie solche uͤben werden.
Es ist uͤbrigens zu wuͤnschen, daß der Uebergang vom gegen⸗ wartigen Fiskal⸗Regime zu einem lieberaleren Systeme auf eine
wuüͤrden.
25. Oktober v. J. in allen Bezirken eroͤffneten Registern einschreiben ließen, bleiben befugt, der Eigenschaft Mexikanischer Buͤrger, die ihnen durch den Entwurf von Ingnola und die Vertraͤge von Cor⸗ dova eingeraͤumt wurden, zu entsagen.
Art. II. Die, welche von dieser Befugniß Gebrauch machen werden, sollen auf der Stelle als Fremde betrachtet werden.
Art. III. Die Spanier von Geburt, welche seit 1821 die Eigen schaft Mexikanischer Buͤrger genossen haben, werden fortfahren, die⸗ selbe zu genießen, wenn sie nicht binnen sechs Monaten, vom Tage der Kundmachung des gegenwaͤrtigen Dekrets, ihr entsagen.
So geschehen im Palaste der Regierung, den 10. August 1842. 89 (Unterz.) A. L. de Santana. 2968
11“ 16““ Aachen, 8. Dez. (Aach. Z.) Wir vernehmen mit Ver⸗ gnuͤgen, daß sich die vielen industriellen Etablissements unserer Stadt um ein neues, und zwar in großem Maßstabe, vermehren werden. Es ist naͤmlich im Werk, eine Anstalt zu errichten, in welcher alle Stoffe, besonders Tuche und Leder, in kuͤrzester Zeit impermeabel gemacht werden sollen. Das Verfahren ist das Eng⸗ lische, wofuͤr jetzt das Patent in Preußen nachgesucht wird.
1111“*“
Die in den Zeitungen zum Besten des Friedrich⸗Stiftes ange⸗ zeigte jaͤhrige Ausstellung, Charlotten⸗Straße Nr. 31, der demselben von den verehrten Wohlthaͤtern geschenkten Sachen, beginnt am naͤch⸗ sten Sonnabend den 17. Dezember Vormittags 11 bis Nachmittags 4 Uhr, und endet mit dem 24sten d. M.
Berlin, 15. Dezember 1842. b — Die Direction des Friedrich⸗Stifte
He se;
EEE111“
Cö““ —
EETVW —, —
Das Gebiet des Kriegs⸗Schauplatzes in ᷣ 5175 62 Inner⸗Asien. 8 uhet 12 Zweiter Artikel.
(EVergl. Staats⸗Zeitung Nr. 343.) us, Em66
1 Afghanistan.
IEIEIII
Geht man von dem Pendschab aus bei Attock auf die West⸗ seite des Indus hinuͤber, so betritt man eine neue Voͤlkerwelt, die Afghanische, und somit den eigentlichen Schauplatz des so gluͤcklich beendigten Kampfes.
Der orographische Bau dieses Landes ist sehr merkwuͤrdig. Man unterscheidet vier Hauptrichtungen der Gebirgszuͤge, naͤm⸗ lich 1) von W. nach O. der Indische Kaukasus, ein Theil des großen Taurus⸗Systems der Alten, das vielleicht von den West⸗Gestaden Klein⸗Asiens bis zum Meridian von Nanking als Kuenluͤn oder Nauschan fortsetzt; in derselben Richtung, aber suͤd⸗ licher, streicht ferner die kurze Suffeid⸗Kho⸗Kette. 2) Von N. nach S. der Bolor (oder Oman⸗Gebirge), welcher sich im Norden in den Kirgisen⸗Steppen verliert, und, etwas weiter west⸗ lich geruͤckt, das Soliman⸗System, welches gegen den Indi⸗ schen Ocean abfaͤllt. 3) Von SO. nach NW. der hohe, mit ewigem Schnee bedeckte Himalaya und suͤdlich von demselben die niedrige Salzkette, die sich bei Pind Dadun Chan verliert. 4) Von SW. nach NO. das Kanda⸗System. Es ist hierbei
74
11“
Weise vor sich gehe, wobei die erworbenen Rechte des Einfuhr⸗
noch besonders bemerkenswerth, daß der westliche Himalaya in der
eer F.aant