zem eine allgemeine Sitzung gehalten, worin die wichtige und vielfach angeregte Frage uͤber den Vorzug der mit der Hand ge⸗ fertigten vor der Maschinen⸗Leinwand zur Sprache kam. Herr Kindt, der fruͤhere Belgische Kommissar bei den Handels⸗Nego⸗ ciationen in Paris, hatte in einem besonderen dem Minister zu⸗ gesandten Memoire auf die Wichtigkeit dieser letzteren Industrie und deren ausgedehnten Pflege hingewiesen. Das genannte Comité hatte deshalb eine allgemeine Versammlung zusgeschtieben um diesen Gegenstand zur Sprache zu bringen, eigentlich aber in der Absicht, um uͤber die von Herrn Kindt geaͤußerte Meinung einen oͤffentlichen Tadel auszusprechen. Die versammelten Mit⸗ lieder, die freilich Richter in eigener Sache waren, da die neue Industrie keinen Repraͤsentanten hatte, sprachen das einstimmige Urtheil aus, daß die mit der Hand gefertigte Leinwand wegen ih⸗ rer groͤßeren Soliditaͤt den Vorzug verdiene, und Belgien diese alte Spezialitaͤt, die außerdem in der letzten Zeit wesentliche die Kosten verringernde Verbesserungen erfahren, bewaͤhren muͤsse. Daß dieses Urtheil nicht als unbedingte Richtschnur gelten kann, bedarf kaum einer Bemerkung. Ob die Maschinen⸗Leinwand we⸗ niger solide ist oder nicht, darauf kommt es im Grunde gar nicht an, wenn der wohlfeilere Preis bei weitem die einige Monate laͤn⸗ gere Dauer der ersteren aufwiegt. Außerdem hat sich die Indu⸗ strie nach der Nachfrage zu richten. Was hilft es, solidere aber viel theurere Waaren zu liefern, wenn die Nachfrage nach den wohlfeileren immer zunimmt, und die ersteren nur noch als Ausnah⸗ men abgesetzt werden. Wenn nun auch das Verhaͤltniß zwischen der alten und neuen Leinwands⸗Industrie noch nicht dieser Art ist, so darf man doch nicht die immer wachsende Ausdehnung der letzteren verkennen. Ist nicht außerdem der ungeheure Absatz, den England in diesem Artikel nacht und den es jetzt selbst wieder in Frankreich, trotz der letzten großen Erhoͤhung der Eingangs⸗Zölle, findet, ein schlagender Beweis von der immer wachsenden Nachfrage. Mehrere Sprecher in der oben genannten Versammlung gaben fuͤr die vorwaltende Pflege der alten Industrie als Grund an, daß Belgien hinsichtlich der Maschinen⸗Fabrication nie mit England werde rivalisiren koͤnnen, und daher bei seiner alten Spezialitaͤt beharren muͤsse. Allein, so unsinnig es seyn wuͤrde, die aͤltere Fabricationsweise ohne Weiteres zum Untergange zu verdammen, so thoͤricht ist es, die Moͤglichkeit eines allmaͤligen Uebergangs der einen zur anderen nicht anerkennen zu wollen, und der Maschinen Fabrication, deren weitere Vervoll⸗ kommnung man noch gar nicht absehen kann, die ihr gebuͤhrende öflege unter einem Vorwande zu entziehen, wodurch man sich zu einer schmaͤhlichen Unthaͤtigkeit verdammt. Waͤhrend die Belgische Regierung in Paris um Ausdehnung ls⸗Verhaͤltnisse negoziirt, sucht die Franzoͤsische Douanen⸗ d tion die von Belgien theuer erkaufte Verguͤnstigung seiner Leinen⸗Industrie in der Auslegung des Traktats moͤglichst zu beschraͤnken. Nach den Beschwerden, die in den Journalen laut geworden sind, will jetzt die Franzoͤsische Mauth die Garn⸗ Packete oͤffnen und, anstatt in Masse, die einzelnen Gebinde wie⸗ gen, weil die einzelnen nie ein genaues Gewicht haben koͤnnen. Auf diese Weise wird dann aber der Einfuhrs⸗Zoll bedeutend roͤßer und der Vortheil des Traktats geht theilweise verloren. e erste Chikane, die man Franzoͤsischer⸗ seits besonders gegen die Leinen⸗Industrie ausuͤbt. Die Regierung hat fruͤher schon nachdruͤckliche Vorstellungen machen muͤssen, um die Franzoͤsische Zoll⸗Administration von unbilligen Interpre⸗ tationen abzubringen.
In Paris sind die Negociationen um einen Handels⸗Traktat um keinen Schritt weiter gediehen. Belgien hat seit der Ruͤckkehr des Herrn Kindt keinen speziellen Kommissar mehr beordert. Die industrielle und kommerzielle Seite des Handels⸗Projekts ist auch hinreichend eroͤrtert und ins Licht gesetzt worden. Die Ausfuͤhrung leidet aber an den inneren Schwierigkeiten, die so bald nicht ge⸗ hoben werden. Das hiesige im vorigen Sommer gebildete allge⸗ meine Handels⸗Comité hat schon fruͤher seinen Secretair nach Paris geschickt, um die dortigen Comité's der Fabrikherren von dem wahren Zustande der Belgischen Industrie zu uͤberzeugen. Allein so viel man vernimmt, haben die besten Dokumente dieses wohlunterrichteten Mannes wenig bei den Franzoͤsischen Industriellen gefruchtet, die in einer Ausdehnung der Handels⸗Verbindungen und namentlich in einer Zoll-Vereinigung den Untergang ihrer Industrieen erblicken. EETT111“
IEEE. “
Dänemark. Aeg 78
Schleswig, 10. Dez. Se. Majestaͤt der Koͤnig haben an den Koͤnigl. Kommissar der Schleswigschen Provinzial⸗Staͤnde⸗ Versammlung das nachstehende Reskript hinsichtlich einer Beschwerde des Abgeordneten Lorenzen, so wie des Gebrauches der Daͤnischen Sprache in jener Staͤnde⸗Versammlung erlassen:
Christian der Achte ꝛc. Wohlgeborener, Lieber, Getreuer! Wir haben Deinen Bericht uͤber die von dem Abgeordneten der Stadt Son⸗ derhurg, Peter Hiort Lorenzen, an Uns Allerhoͤchst unmittelbar einge⸗ reichte Beschwerde in Betreff der ihm wegen Gebrauchs der Daͤnischen Sprache angeblich widerfahrenen willkuͤrlichen Behandlung in der
rovinzial⸗Staͤnde⸗Versammlung Unseres Herzogthums Schleswig er⸗
halten und finden Wir lins Alergnaͤdigst bewoͤgen, Dir Nachstehendes zu eroͤffnen. Unter Beruͤcksichtigung der in der Verordnung vom 15. Mai 1834 fuͤr das Herzogthum Schleswig wegen naͤherer Regulirung der stäͤndischen Verhaͤltnisse enthaltenen Vorschriften und namentlich der Bestimmungen der §§. 50 und 61, daß die Leitung des Geschaͤftsgan⸗ ges in der staͤndischen Versammlung lediglich dem Praͤsidenten zusteht, und jedes Mitglied sich der desfallsigen Entscheidung des Praͤsidenten unterwerfen muß, koͤnnen Wir das Verhalten des Abgeordneten Lo⸗ renzen, der diese Anordnungen unbeachtet gelassen hat, nicht billigen, 2-Lg. Wir demnach seine Beschwerde, so weit sie ihn persoͤnlich aeefl⸗ auf sich beruhen lassen. Wenn aber dieser Vorgang die Ver⸗ c. * 9 der Ansicht gefuͤhrt hat, daß in jedem vorkommenden ehnenen es von der Genehmigung der Versammlung abhaͤngig zu ey, ob ein eten der Gebrauch der Daͤnischen Sprache
gestattet werden soll, so ko inem solchen B 1 atte eschlusse, der die natuͤrlichen Recht dneten kraͤnken wuͤrde,
nicht Unsere Allerhoͤchst
aus den Verhandlungen der Staͤnde⸗Versam Wir haben nun zwar j p mlun
Praͤsident auf Mittel bedacht seyn will, durch welchehen öen . 6
den Mitgliedern eine wirksame Theilnahme an d The en ⸗ iche gfehlt, durch welche solches auf ein leich dem Geschaͤftsgange der Versammlung entsprechende es⸗nf eine zugleich und namentlich unter Beibehaltung 88. heerochüna erise reicht wärde 8* Deutschen Geschaͤftssprache der Versammlung, so tragen Wir Dir hierdurch auf, Unsere getreue Provinzial⸗Stande⸗Versammmben von de Inhalte dieses Allerh chsten Reskripts in Kenntniß zu setzen bunh die⸗ selbe zur Erstattung eines Allerunterthani sten Bedenkens auf üfor⸗ dern, wie eine wirksame Theilnahme der Daͤnisch redenden Mirezlifoer der Versammlung dadurch zu sichern sey, daß ihre Vortraͤge in einer getreuen Uebersetzung ins Protokoll der Versammlung aufgenommen werden. Wonach Du Dich zu achten, und Wir bleiben Dir uͤbrigens in Fee nen Gnaden gewogen. Gegeben in Unserer Koͤniglichen Residenzstadt Kopenhagen, am 2. Dezember 1842. Christian Rex :c.“
Deutsche Bundesstaaten.
München, 16. Dez. Der Nuͤrnberger Korrespon⸗ dent theilt folgendes Naͤhere aus der éten oͤffentlichen Sitzung
8
haͤtte die Bedingung fuͤr den Gesetz⸗Entwurf bilden muͤssen, nicht aber habe der umgekehrte Fall stattfinden sollen. (Schluß folgt.)
Versammlung vom 17ten d. M. verlas der Land⸗Syndikus die Eingaben, darunter eine auf Erlaß eines Wildschaden⸗Gesetzes, eine andere wegen Errichtung Hoheit den Kurfuͤrsten. Rath Scheffer, Gesetz fuͤr die fuͤnfte Finanz⸗Periode von 1843 — 1845 inklusive und Voranschlag nebst Vortraͤgen des Finanz⸗Ministers zum Voranschla Staats⸗ inklusive; rechtspflege wahrgenommenen Maͤngel betreffend; chen die prozessualischen Restitutionen betreffend; die bei dem renden Berufungen betreffend; 5) desgleichen Zusaͤtze zu dem Ge⸗ seze vom 30, Dkrober 1814, 16,) dir ächenausbe⸗
Zwecken; 6) desgleichen uͤber
2436 der Abgeordneten⸗Kammer uͤber die Bewilligung der Summe füͤr Goͤthe's Haus und Kunstsammlungen mit:
Der Praͤsident der Kammer, Finanz⸗Minister Graf von Seinsheim uͤbergab das Praͤsidium dem zweiten Praͤsidenten, um den von ihm eingebrachten Entwurf zu vertreten. Es erhielt zu⸗ naͤchst der Abgeordnete Stoͤcker das Wort. Er stimme dem Ausschuß⸗Antrag gern bei, schon darum, weil er der Meinung sey: wenn die Regierung bezuüͤglich einer so kleinen Summe von 10,000 Fl. die Zustimmung der Staͤnde einhole, so werde sie dies gewiß auch bei groͤßeren Summen thun, — bei der Verausgabung der 29 Millionen Eruͤbrigungen. Er möchte nicht so von diesem Landtage nach Hause zuruͤckkehren, wie von dem letzten, wo man die Abgeordneten mit bitteren Vorwuͤrfen empfangen, und gesagt habe, sie haͤtten in Mün⸗ chen nichts gethan, als schon verausgabte Summen gutmüͤthig genehmigt. Er frage alle Kollegen, besonders alle Land⸗Eigen⸗ thuͤmer, ob dem nicht so gewesen sey? (Ja! Ja!) der Abgeord⸗ nete scheide mit Sorgen von den Seinigen und von seinem Ge⸗ schaͤfte, und wiederum haͤtten auch seine Angehrigen waͤhrend seines Aufenthalts im ungesunden Muͤnchen in Sorgen zu seyn; wenn man es aber mit allen Opfern und allem Eifer nicht dahin bringe, daß die Lasten des Volkes erleichtert wuͤrden, wenn man wieder daheim des Volkes Spott statt des Volkes Dank hinneh⸗ men muͤsse, dann muͤsse man wohl muthlos werden und wuͤnschen, nie die Ehre gehabt zu haben, Volks⸗Vertreter zu seyn. Doch er hoffe gerade jetzt, es werde nicht wieder so kommen. Sollte es sich aber dennoch anders verhalten, so werde er sich hier frei und ruͤckhaltslos daruͤber aus⸗ sprechen, wie Eid und Pflicht es erheischten. Der Abg. Freiherr von Fraunhofen aͤußert, er wisse die Ehre zu schaͤtzen, daß gerade Bayerns Staͤnde sich zuerst uͤber den fraglichen Gegenstand zu aͤußern haͤtten, und er stimme dem Ausschuß⸗Antrag gern bei. Nur einen Wunsch koͤnne er nicht unterdruͤcken, den, man wolle auf diesem Landtag sich auch der geistigen Interessen des Landes annehmen. Viel sey in dieser Beziehung noch zu thun. Er erinnere nur an die hoͤheren Studien-Anstalten, nur an die hiesige Universitaͤt, an der bekanntlich mehrere Lehrstuͤhle un⸗ besetzt seyen, vielleicht in Folge der Auffuͤhrung eines kost⸗ spieligen Baues u. s. w. Nach ihm aͤußert der Abg. Dekan Boͤckh: Nicht daß einem großen Manne ein Denkmal errichtet werden solle, vielmehr das gemeinsame Zusammenwirken Deutscher Fuͤrsten und Vöͤlker fuͤr einen schoͤnen, allgemeinen Zweck, dies sey das Erfreuliche in dem der Berathung unterbreiteten Gesetz⸗ Entwurf. Alles, was uns der Art entgegenkomme, muͤßten wir freudig begruͤßen. Die geringste Regung zu gemeinschaftlichem Zusammenwirken sey ein Pulsschlag im Leben unserer Nation. Darin liege Muth und Kraft. Man lasse diese Pulsschlaͤge nur sich wiederholen, lasse sie strodmen, und fruͤher oder spaͤter werde sich es zeigen, was die Folge davon sey. Auch die Bezeugung liege aber noch in dem Gesetz⸗Entwurf, daß die Deutschen Fuͤrsten litera⸗ rische Bestrebungen anerkannt und befoͤrdert wissen wollen, daß sie Schriftsteller⸗Verdienst ehren. Die Ansicht des Redners vor ihm, daß die geistigen Interessen der Nation befoͤrdert werden muͤßten, theile er. Wie viel auch geschehen sey, immer bleibe noch zu thun uͤbrig. Was der erste Redner angeregt, werde die Kammer wohl zu gele⸗ gener Zeit wahrzunehmen wissen. Der Abgeordnete Professor Dr. Harleß erkennt die eben angefuͤhrten Gruͤnde wohl an und hat nur Bedenken in Bezug auf einen anderen Punkt. Es ließe sich naͤmlich im Allgemeinen wohl sagen, daß das Bestreben, wel⸗ ches den Gesetz⸗Entwurf zunaͤchst hervorgehoben habe, im Zusam⸗ menhange stehe mit einer uns haͤufig zum Vorwurf gemachten Deutschen National⸗Kranfhrit, naͤmtich mit jener der Monumental⸗ Manie, die uns fort unb fortmnan die Errichtung von Denkmaͤlern gehen laͤßt, waͤhrend anderwaͤrts Thaten geschehen, die dauernder sind, als Werke voͤn Stein und Erz. Als ein zweites Bedenken habe sich ihm ferner die Frage aufgedraͤngt, welcher national⸗politischen Bedeutung denn das fragliche Denkmal seyn werde? Denn bekannt sey ja, daß Goͤthe's Deutsch⸗vaterlaͤndische Gesinnungen oft der Anfechtung unterlegen seyen. Indessen bescheide er sich gern, wenn auch dieser Grund von der Kammer unberuͤcksichtigt bleibe. Aber ein drittes Bedenken habe er zu aͤußern. Die begehrte Summe sey fuͤrwahr eine an sich unbedeutende. Aber bei den bedeutenden Anforderungen, die sonst gemacht wuͤrden, muͤsse auch die kleinste Summe auf das Gewissenhafteste erwogen werden. Die Summe werde nur annaͤherungsweife bezeichnet. Man spreche von der Kreirung eines erst noch genau zu bestimmenden Kapitalstockes. Sey denn die Sache auch wirklich bereits reif genug, daß ein staͤndischer Beschluß uͤber dieselbe moͤglich werde? Rachtraͤgliche Zuschuͤsse zu (nach den Voranschlaͤgen) unuͤberschreitbaren Sum⸗ men seyen bekanntlich oft vorgekommen. Darauf entgegnet der Finanz⸗Minister, wie schon in den Motiven zu dem Ent⸗ wurf und nun auch in dem Vortrag des Referenten im Aus⸗ schusse hervorgehoben worden sey, lasse sich die auf Bayern tref⸗ fende Summe in bestimmten Ziffern noch nicht angeben, sie muͤsse erst ermittelt werden. Die Regierung begehre eigentlich nur die Ermaͤchtigung zur Abschließung des Geschaͤftes. Daß die fragliche Summe nicht wohl eine bedeutende werden koͤnne, dafuͤr buͤrge ja schon der Umstand, daß sich in den Ankaufsbetrag so Viele theilten. — Damit erklaͤrt sich der vorige Redner ziemlich befrie⸗ digt, obschon er der Ansicht bleibt, der Abschluß des Geschaͤfts
Kassel, 18. Dez. (K. Z.) In der Sitzung der Staͤnde⸗
des Denkmals fuͤr Se. Koͤnigl. Der Landtags⸗Kommissar, Ministerial⸗ machte sodann folgende Vorlagen: 1) Finanz⸗
und zur inkommens 2) Gesetz,
Nachweisung der Verwendung des von den Jahren 1831 bis 1841 die Abstellung mehrerer in der Straf⸗ 3) desglei⸗ 4) desgleichen vil⸗Senate des Ober⸗Appellationsgerichts einzufuͤh⸗ er die Abtretungen zu oͤffentlichen Anlegung von Eisenbahnen und die dazu erforderliche Abtretung von Grundeigenthum; 7) des⸗ * die religidse „Erziehung der Kinder aus gemischten hen betreffend; 8) uͤber die Aushebung der im Falle einer Mobilmachung des Bundes⸗ Kontingents zur Ergaͤnzung der Kriegsstaͤrke erforderlichen Pferde fuͤr Kavallerie, Artil⸗ lerie und Armeefuhrwesen; 9) desgleichen die Beziehung des Pfarrei⸗ Einkommens nach Erledigung der Pfarrei betreffend; 10) desgleichen uͤber die Regalitaͤt des Torfs, der Stein⸗ und Braunkohlen im gesammten Kurstaate; 11) desgleichen das Auf⸗
12) die Anwendbarkeit der Strafbestimmungen im §. 96 der Ver⸗ ordnung vom 21. April 1824 auf das Verbot des Verkaufs vom Branntwein unter 20 Maas Seitens der Branntweinbrenner be⸗ treffend; 13) Gesetz, die Straßenpolizei betreffend.
Herr Schwarzenberg berichtete uͤber die Geschaͤftsfuͤhrung des bleibenden staͤndischen Ausschusses mit dem Bemerken, daß im Laufe seiner Functionszeit sich nichts ereignet habe, woruͤber ein Bericht zu machen sey. Nachdem der Landtags⸗Kommissar noch folgende Vorlagen: 1) Gesetz, die Landes⸗Kredit⸗Kasse betreffend; 2) desgl. den §. 18 des Rekrutirungs⸗Gesetzes vom 25. Oktober 1834 betreffend, gemacht hatte, wurde nach dem Antrage des Praͤsidenten beschlossen, die Sitzungstage auf Dienstag und Freitag zu bestimmen. Die Versammlung ging zu einer vertraulichen Sitzung uͤber. Ie“
Oldenburg, 2. Nov. (L. A. Z.) Mit Freude ist hier ein „vom Rhein den 2. Oktober“ uͤberschriebener Artikel in Nr. 299 der Koͤlnischen Zeitung uͤber zu veranstaltende, regelmaͤßig wiederkehrende Versammlungen von Offizieren aller Deutschen Armeen gelesen worden. Wir pflichten den darin ausgesprochenen Ansichten um so mehr bei, weil dort auf Erzeugung nachhaltiger Kameradschaftlichkeit in allen Deutschen Truppen als Hauptzweck der abzuhaltenden Zusammenkuͤnfte hingewiesen wird. Also das frische Soldatenleben im besten Sinne des Worts soll geweckt werden, was verstaͤndige Mittheilungen natuͤrlich nicht ausschließt. Nur scheint es auf Verlesung umfangreicher, gelehrter Abhand- lungen, die nur zu leicht der echt militairischen Richtung wider⸗
streben, nicht vorzugsweise abgesehen zu seyn: ein Gedanke, den man ohne Zweifel mit Beifall aufnimmt, erwaͤgt man, daß solche Vortraͤge nicht immer im Verhaͤltniß zunehmender Laͤnge die Theil⸗ nahme der Zuhoͤrer zu spannen vermoͤgen. — Wenn aber die be⸗ absichtigten Offizier⸗Zusammenkuͤnfte wirklich ins Leben treten, was wir uns und unseren Deutschen Kameraden recht sehr wuͤnschen, so erscheint fuͤr die erste Versammlung kaum ein Ort geeigneter als Leipzig. Denn an Leipzigs Namen knuͤpfen wir mit Recht das Andenken an die Wiedererweckung der gemeinsamen Deutsch⸗ heit; wenige Staͤdte zaͤhlen in ihrer Naͤhe so viele interessante Schlachtfelder, deren gemeinschaftlicher Besuch zum Austausche der lehrreichsten Mittheilungen fuͤhren duͤrfte; endlich liegt Leipzig im Mittelpunkte des groͤßten Deutschen Eisenbahnnetzes. Es ist daher eben so bequem zu erreichen, als die benachbarten großen Staͤdte von dort aus mit Leichtigkeit besucht werden koͤnnen. Moͤchten diese Worte zur Verwirklichung des angeregten Gedankens bei⸗ tragen!
Hamburg, 20. Dez. Die Boͤrsen⸗Halle giebt Nach⸗ richt von der Rehabilitirung zweier hiesigen Feuerversicherungs⸗An⸗ stalten: der „patriotischen Assekuranz⸗Compagnie“ und der „neuen 5ten Assekuranz-Compagnie“, so wie von der Begruͤndung einer voͤllig neuen Gesellschaft unter dem Namen: Feuer⸗Assekuranz⸗ Compagnie von 1843“.
Spanien.
Paris, 17. Dez. Telegraphische Depesch: Perpignan, 15. Dez. Am 12ten wurden in Barcelona dreizehn Soldaten der Frei⸗Corps auf der Esplanade erschossen. Kein Spanier durfte die Stadt verlassen.
Bayonne, 13. Dez. Die hier eingegangenen Berichte aus Barcelona reichen bis zum 11ten um drei Uhr Nachmittags. An diesem Tage waren drei Infanterie⸗Regimenter von Barce⸗ lona abmarschirt, um zu Girona und an der Franzöoͤsischen Graͤnze Kantonnements zu beziehen. Die Fregatte „Inconstante“ war das einzige Englische Kriegsschiff, welches noch vor Barcelona lag; alle uͤbrigen waren nach Malta abgesegelt. Auch die Französischen Schiffe hatten, bis auf den „Meleager“ und zwei Dampfboͤte, den Hafen verlassen. Briefe aus Valencia vom ten berichten, daß die Nachricht von dem Bombardement Barcelona's in jener Stadt, die durch Handels⸗Interessen mit der Hauptstadt Cataloniens eng verbunden ist, große Bestuͤrzung erregt hat. Espartero will, dem Vernehmen nach, auf seinem Ruͤckwege die Urheber des schnell un⸗ terdruͤckten Aufstandes zu Valencia, wo er am 15ten erwartet wird, zuͤchtigen. Mit den Truppen, die ihm folgen, wird er die Karli⸗ stischen Banden zerstreuen, die von der Seite von Castellon de la Plana her sich in dem Maestrazgo zu vermehren beginnen und von el Groc und el Serrador, zwei ehemaligen Lieutenants von Cabrera, befehligt werden.
NF
Madrid, 10. Dez. Es wird jetzt mit Bestimmtheit ver— sichert, daß dem Infanten Don Francisco de Paula die Weisung ertheilt worden sey, mit seiner Familie Spanien zu verlassen.
Die Minister haben jetzt taͤglich lange Konferenzen; es han— zeee sc. wie behauptet wird, um strenge Maßregeln gegen die
resse.
Man versichert fuͤr gewiß, Almodovar, Zumalacarreguy, Ca⸗ latrava und Solano wuͤrden aus dem Kabinet treten; in diesem Falle uͤbernaͤhme Gonzalez das Portefeuille der auswaͤrtigen An⸗ gelegenheiten, Landero das Justiz⸗Departement, Valle die Finan⸗ zen und Infante das Innere.
S Paris, 17. Dez. Nach den gestern eingetroffenen Mit⸗ theilungen aus Perpignan, welche mit Bestimmtheit versichern, daß am 12ten dreizehn der Theilnahme an dem Aufruhre ange⸗ klagte Individuen erschossen worden, laͤßt sich der blutige Charak⸗ ter der in Barcelona eingetretenen Reaction leider nicht mehr in Zweifel ziehen. Die bis zum 11ten gehenden Barceloneser Blaͤt⸗ ter wissen noch immer von keiner anderen Hinrichtung, als die des Hauptmanns Carcana, und da dieser Mann schon am 6ten er⸗ schossen worden ist, so konnte man hoffen, daß er das einzige Suͤhnopfer fuͤr die Empoͤrung der Catalonischen Hauptstadt blei⸗ ben werde, wenn nicht der Telegraph, in einem Tone, der den Unglauben diesmal unmoͤglich macht, jenen traurigen Akt der kriegsrechtlichen Justiz meldete. Diese letzten Hinrichtungen so⸗ wohl als die ihnen vorhergegangene des Hauptmanns Carcana haben uͤbrigens oͤffentlich stattgefunden, und was einige der hiesigen Blaͤtter von den angeblichen Fuͤsilladen in der Citadelle sagen, die man in der Stadt nur durch das unaufhoͤrliche Knallen der Gewehre erfahren, ist eine Erfindung des Hasses, dessen Worte und Werke uͤberhaupt in dieser ungluͤcklichen Sache eine nur zu große Rolle spielen. Wie die Spanische Regierung und zugleich England von Frankreich aus in den Augen der oͤffentlichen Meinung angeschwaͤrzt werden, so raͤchen sich Spanien und die Englaͤnder, indem sie Frankreich auf eine augenscheinlich ungerechte Weise verdaͤchtigen. Glaubt man den Svees der Organe der Spanischen Regierung und den positiven Versicherungen der Englischen Blaͤtter, so ist die Insur⸗ rection von Barcelona großentheils das Werk des Franzsischen Einflusses. Die Londoner Blaͤtter fuͤhren zwei bestimmte Faͤllle an, in welchen sie die Parteinahme des Franzoͤsischen Konsuls fuͤr
suchen von Waarenbestellungen durch Handelsreisende betreffend;
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öMuß nachweisen zu koͤnnen glauben. In dem ersten es .
ernstlicher Widerstand der Barceloneser kaum moͤglich gewesen
waͤre. Konsuls zu Gunsten de der Erklaͤrung finden, SGSenerals van Halen,
b
anstehen, das Verfahren des Britischen Konsuls in Barcelona, der
Einfuhr von Baumwollenwaaren in Spanien von vorn herein als
es Nan g. hat sich geweigert, jenem Verlangen Folge zu leisten, indem er erklaͤrt, daß lich auf seine
seln zuruͤckbehalten laäassen war.
niß der Sache uͤber diese Vorfaͤlle zu urtheilen, in Bezug auf
3 t, den Englischen Zeitungs⸗Berichten zufolge, Herr .,, 2276, des Forts Atarazanas durch falsche Nachrichten von einem Aufstande des ganzen Fuͤrstenthums Cata⸗ lonien zu der uͤbereilten Capitulation gebracht, ohne welche ein
zweiten Fall der Einmischung des Franzoͤsischen r Insurrection betrifft, so will man ihn in die Herr Lesseps, auf das Verlangen des daß seine Familie an Bord eines Spanischen
Was den
Schiffes gebracht werde, abgegeben haben soll. Herr Lesseps, heißt
er der veeee fuͤr ili eneral⸗Capitains verantwort ey, die bekannt⸗ v 4— von den Aufruͤhrern, die sie als Gei⸗ wollten, auf ein Franzoͤsisches Fahrzeug ent⸗ Ein genaueres Bekanntwerden der That⸗Umstaͤnde wird uns ohne Zweifel bald in den Stand setzen, mit voller Kennt⸗ we man Franzoͤsischerseits den Englischen Anklagen die Ant⸗ I fAibie bleiben wird und kann. — 8 1 Ueberraschend ist es, zu sehen, daß die Englischen Blaͤtter nicht
bekanntlich allen Spanischen Fluͤchtlingen die Zuflucht auf den 1 89SJls S b⸗ Nation verweigert hat, in Schutz zu nehmen. Ihnen zufolge, wuͤrde sich England wirklich einer Intervention, iner Verletzung der Neutralitaͤt schuldig gemacht haben, wenn es en Aufruͤhrern durch seine Schiffe den Ruͤckzug gesichert haͤtte. Moöoͤglich, daß man durch eine kalte Argumentation nachzuweisen vermag, daß die Handlungsweise des Englischen Konsuls den herr⸗ schenden staatsrechtlichen Begriffen gemaͤß gewesen, aber man wird nie dahin kommen, irgend Jemand zu uͤberzeugen, daß dadurch icht Pflichten der Menschlichkeit und aller civilisirter Voͤlkerbrauch erletzt worden sey. Wenn die Englischen Blaͤtter die Hoffnung aͤußern, daß un⸗ ter jetzigen Umstaͤnden die Unterzeichnung des lange projektirten andelsvertrages wahrscheinlich keinen Anstoß mehr finden werde, o leisten sie dadurch ihrer eigenen Sache eben so wenig als der Spanischen Regierung einen Dienst. Denn muß man nicht aus olchen Aeußerungen schließen, daß, in der Auffassung der Englaͤn⸗ er wenigstens, ein gewisser Zusammenhang vorhanden ist zwischen den auf jenen Handelsvertrag gestellten Interessen und der gewalt⸗ samen Unterwerfung Barcelona's, und der strengen Reaction, die derselben gefolgt ist? Auf der anderen Seite ist es widersinnig, wenn man von Frankreich aus das Verlangen Englands nach jenem Handels⸗Vertrage als ein unrechtmaͤßiges darzustellen sucht, oder wenn man die Spanische Regierung des Verraths an der Nation beschuldigt, weil sie dem Projekt der Aufhebung des bisher fuͤr Baumwollenwaaren guͤltigen Prohibitiv⸗Systems guͤnstig ist. Die Zweckmaͤßigkeit der Prohibitiv⸗Systeme ist in allen Faͤllen ziemlich weifelhaft, und es ist wenigstens sehr gewagt, das Verbot der
ein durch das ökonomische Heil der Spanischen Nation gebotenes zu betrachten. Die Bedenken gegen die Vortrefflichkeit der gegen⸗ waͤrtigen Spanischen Zollgesetzgebung werden aber doppelt groß, wenn man hoͤrt, daß die Mehrzahl der Provinzen des Landes fortwaͤhrend gegen dieselbe reklamirt und daß ihre Wirksamkeit uͤberdies durch eine vollstaͤndig organisirte Contrebande alle Tage mehr geschwaͤcht wird. Man sammle die Stimmen aller den⸗ kenden Spanier, und man wird finden, daß sich die unermeß⸗ liche Mehrzahl derselben gegen das Prohibitiv⸗System ausspricht. Auch die Entscheidung der Cortes wuͤrde vermuthlich in diesem Sinne ausfallen, obgleich in ihnen, bei der uͤberwiegenden Ener⸗ gie und dem anerkannten Talente der Catalonischen Deputirten, der Nationalwille in diesem Punkte nicht treu repraͤsentirt ist, und obgleich die Cortes außer der blos staatswirthschaftlichen na⸗ tuͤrlich auch die politische Frage in Anspruch bringen, welche sich an das Interesse einer der kraͤftigsten und patriotisch gesinntesten Provinzen des Landes knuͤpft. Wenn indessen der dem Verbot der Baumwollen⸗Waaren zu substituirende Tarif wirklich einen Eingangs⸗Zoll von 25 bis 35 pCt. auf die Englischen Baumwol⸗ len-Waaren legt, so wird sich die Catalonische Industrie entweder mit diesem bedeutenden Zoll⸗Schutze begnuͤgen, oder sie wird durch ihre Protestationen beweisen, daß sie die Theilnahme der Gesetzge⸗ bung nicht verdient. In der That laͤßt sich von dem heutigen Standpunkte der staatswirthschaftlichen Wissenschaft aus schwer⸗ lich die Beguͤnstigung einer Industrie auf Kosten aller uͤbrigen rechtfertigen, welche mit einem Schutz⸗Zolle von 25 bis 35 pCt. die fremde Konkurrenz nicht aushalten kann.
O Madrid, 9. Dez. Obgleich die Regierung im Laufe des gestrigen Tages zwei Couriere aus Barcelona erhielt, hat doch nichts uͤber die eingegangenen Nachrichten verlautet, und die Ga⸗ ceta beobachtet heute das tiefste Stillschweigen. “
Die Franzoͤsische Botschaft hat diesen Morgen ausfuͤhrliche Depeschen von ihrem Konsul in Barcelona erhalten. Der Inhalt derselben soll zur Rechtfertigung des Konsuls dienen und den Beweis liefern, daß die Beschuldigungen, welche der Gefe poli⸗ tico gegen ihn erhebt, auf Unkenntniß oder falscher Auslegung der Thatsachen beruhen. Sowohl gestern wie heute hatte der Fran⸗ zoͤsische Geschaͤftstraͤger laͤngere Zusammenkuͤnfte mit dem Mini⸗ ster der auswaͤrtigen Angelegenheiten, und diesen Abend fertigt er einen Courier nach Paris ab. 1 Hier faͤngt man jetzt an, mit etwas groͤßerer Ruhe die Eindruͤcke zu pruͤfen, welche die Ereignisse von Barce⸗ long und der Ausgaͤng derselben auf die verschiedenen Parteien aͤußern mußten. Im Allgemeinen kann man wohl sagen, daß sich Niemand befriedigt fuͤhlt. Diejenigen, welche an den Triumph jener Rebellion den Sieg ihrer eigenen Sache zunaͤchst geknuͤpft sahen, die Republikaner, fuͤhlen sich tief gedemuͤthigt, indem vor sden Augen der Welt dargethan ist, daß es ihnen, bei aller Hartnaͤckigkeit, an einem festen Anhalte fehlt. Die Moderirten, als Parteimenschen betrachtet, koͤnnen wohl kaum das Gefuͤhl von Schaam verbergen, das sie erfuͤllen muß, indem sie die thoͤrig⸗ ten Hoffnungen vereitelt sehen, welche sie, freilich in anderem Sinne als die Republikaner, auf den Sieg der Rebellion, und feolglich, wie sie sich ausdruͤcken, auf die Niederlage der Usurpation, setzten, und durch deren vorlautes Ausposaunen sie selbst sich das Ansehen gaben, als ob sie die geheimen Anstifter des Aufruhrs gewesen waͤren. Dies waren sie nicht. Hinlaͤnglichen Brennstoff hatten die Haͤnde Anderer seit laͤnger als zwei Jahren in Barcelona auf⸗ gehaͤuft, so daß der Funke, der jetzt ganz zufaͤllig, und offenbar fuͤr die geheimen Wuͤnsche der Moderirten zu fruͤhzeitig, hineinfiel, hinreichte, um die Explosion hervorzubringen.
Es ist erwiesene Thatsache, daß die National⸗Miliz, welche der Regent, als Herzog de la Vitoria, vor zwei Jahren in Bar⸗ celona selbst organisirte, und in deren Reihen kein des Moderan⸗ tismus Verdaͤchtiger, wohl aber der fuͤr Tagelohn dienende Volks⸗ haufe der Stadt zugelassen wurde, zuerst und allein am 16ten auf die Truppen Feuer gab. Dann, als die Republikaner den
stͤtzen zu muͤssen und ernannten auf eigene Hand die reichsten Kapitalisten und angesehensten Buͤrger, die saͤmmtlich fuͤr Mode⸗ rirte gelten, zu Mitgliedern der neuen Junta. Ohne Ausnahme aber sluͤchteten diese aus der Stadt, ohne die ihnen zugedachte Ehre anzunehmen. Indessen sind die hiesigen Moderirten, wie bereits ge⸗ sagt, uͤber ihr vorlautes Geschrei beschaͤmt, und wenn sie dieses gerade jetzt noch verdoppeln, so kann ich darin nur den Todeskrampf eines Verzweifelten erblicken. So lange der Regent vor Barcelona un⸗ entschlossen zoͤgerte, warfen sie ihm vor, daß er mit der Rebel⸗ lion unterhandle. Nun nennen sie ihn einen „Nero, der vom Tarpejischen Felsen auf das von ihm angezuͤndete Rom blicke.“ Eben so wenig befriedigt finden sich die eraltirten Constitu⸗ tionellen; denn auf der einen Seite sehen sie die Nationalmiliz von Barcelona, die durchaus zu ihren Reihen gehoͤrt, mit Bedauern unterliegen, und auf der anderen den Regenten sich außerhalb der gesetzlichen Sphaͤre bewegen, die zu uͤberschreiten die Cortes ihm verboten haben. Zugleich befuͤrchten sie, daß der Regent Veranlas⸗ sung finden duͤrfte, nicht wieder in die vorgeschriebene Sphaͤre zuruͤckzukehren. Die rein persoͤnlichen Freunde Espartero's endlich, die Ayacuchos, koͤnnen sich nicht verhehlen, daß die zauberische Wirkung, die man seinem bloßen Namen beilegte, sich diesmal nicht bewaͤhrt hat. Barcelona fiel nicht vor dem Namen des Sieges⸗Herzogs, sondern vor dem Feuer des Montjuich, und da sich die Stadt nicht aus Demuth vor dem Regenten unter⸗ warf, so betrachtet man das spaͤtere Bombardement nicht als eine gerechte Strafe, sondern mehr als eine Wirkung des Zorns. Denn warum, so fraͤgt man hier, ließ man grade dann die Stadt in Brand schießen, als, wie van Halen in seinen Berichten angiebt, die 4000 rebellischen „Straßenjungen“ von den zur Besinnung ge⸗ kommenen Buͤrgern entwaffnet wurden? Verließ der Regent blos deshalb die Hauptstadt so eilig, um stummer Zuschauer der Ver⸗ nichtung der reichsten und wichtigsten Stadt Spaniens zu seyn? Wie dem auch seyn moͤge, das Verhaͤngniß scheint zu wol⸗ len, daß Espartero auf blutigem Pfade seinem Ziele zugefuͤhrt werden soll. Das erste Jahr seiner Regentschaft ward durch einen verfehlten Aufstand in monarchischem Sinne (denn die Monarchie bedarf keines Aufstandes) und durch die Hinrichtung der ihre Schuld hochherzig buͤßenden bravsten Waffengefaͤhrten Espartero's, so wie durch die gewaltsame Unterdruͤckung der Fue⸗ ros der Baskischen Provinzen bezeichnet. Das zweite Jahr kann bis jetzt die Schutthaufen und die vernichtete Industrie Barce⸗ lona's, die durch Selbstmord gefallen ist, aufzeigen. Die Gaceta nennt diese Opfer, welche Spanien seinem Regenten bringt, „neue Lorbeeren in seinem Siegerkranze.“ Wer wird ihn darum beneiden? Aber endlich wurde Espartero doch aus seiner Erschlaffung aufge⸗ rafft. Das Benehmen der Cortes, der Aufstand gerade der Per⸗ sonen, die ihn vor zwei Jahren in Barcelona (ich rede als Au⸗ genzeuge) als einen Abgott emporhoben, wird ihm die Lehre ge⸗ ben, daß mit Revolutionen und selbst mit schmutzigen Meutereien nicht zu spielen ist, daß man, um einen Fuß auf die zur Dikta⸗ tur fuͤhrende Leiter setzen zu koͤnnen, mit dem anderen zuvor die Hydra der Anarchie voͤllig unterdruͤckt haben muß. Die constitu⸗ tionellen Formen bestehen zu lassen, und daneben durch verstecktes oder offenes Umgehen derselben die Parteien und das Land in bestaͤndiger Erschuͤtterung zu erhalten, scheint Vielen jetzt unmoͤg— lich. Man ist hier auf einen Wechsel der Dinge, auf Gewalt⸗ schritte jeder Art gefaßt. Die Presse selbst ruft sie durch ihre Zuͤgellosigkeit herpor; fremde Diplomatie, welche in den Cortes ein Hinderniß fuͤr ihre Zwecke erblickt, raͤth jetzt ziemlich laut dazu an. Der Espectador, dasjenige Blatt, welches als das
vorgeruͤckt. Er fragte, was die Bewohner dieser Provinz hab veranlassen koͤnnen, der Autoritaͤt den Eintritt zu verwehren, al diese kam, um den Emir Abdallah, Neffen des Emir Beschir, z suchen, der nach den letzten Ereignissen die Flucht ergriffen hatte um dem Loose der Chefs der Drusen zu entgehen. Die Antwort der Einwohner von Jobbe war, daß sie recht wohl von den Un ordnungen, den Plünderungen, den Grausamkeiten und Ex zessen aller Art gehoͤrt haͤtten, welche die Albanesischen Truppen uͤberall sich erlaubt haͤtten, wohin sie nur den Fuß setzten und deshalb haͤtten sie ihnen den Durchzug durch ihre Stadt verweigern zu muͤssen geglaubt. Sie boten jedoch dem Pascha an, ihm persoͤnlich mit einer Eskorte, deren Staͤrke aber zehn Mann nicht uͤbersteigen duͤrfte, den Eingang in die Stadt zu gestatten, wo er dann nach Gefallen Nachsuchungen nach dem Emir Abdallah anstellen koͤnne. Dieser Vorschlag erhielt die Zu stimmung des Gouverneurs Omer, der sich damals zu Beirut befand, wohin er sich begeben hatte, um sich bei dem Ober⸗Gene⸗ ral zu verabschieden, der sich zur Abreise nach Konstantinopel an⸗ schickte. Omer, der seine schlimme Stellung wohl fuͤhlte, ließ de Maroniten sagen, er habe die Mehrzahl der Chefs der Druser nur deswegen ins Gefaͤngniß setzen lassen, um sie zu hindern Zwietracht im Lande zu saͤen und noch einmal seine Ruhe zu sto ren. „Glaubt nicht“, fuͤgte er hinzu, „daß ich in eurem Betreff eben so handeln will, und rechnet auf das Interesse, das ich fuͤr euch hege.“ Einige Tage nachher hatten die Drusen zwei Tuͤr⸗ kische Soldaten getroffen, die auf dem Wege nach Damaskus be⸗ griffen waren, und sie vollstaͤndig ausgepluͤndert, ihnen auch ihre Pferde abgenommen.
„Auf diese Nachricht schickte Omer Pascha den Soliman⸗Ha⸗ madi und Nugy⸗Efendi an die Drusen ab, um sie zu fragen, ob sie seine Autoritaͤt nicht mehr anerkennten? Nein, erwiederten sie, wir koͤnnen uns nicht laͤnger durch den Eselskopf (dies war die Bezeichnung, deren sie sich fuͤr Omer Pascha bedienten) gouver⸗ niren lassen; wir wollen und verlangen zum hundertstenmale al Oberhaupt den alten Emir Beschir. Die Mittheilung dieser Ant wort brachte Omer Pascha zu dem Entschlusse, Beirut zu ver lassen, um sich nach Saida zu begeben und von dort nach Deir el-Kamar. Die Drusen, ihre alten Haͤndel vergessend, wuͤnschen mehr als je, die Allianz mit den Maroniten wieder anzu⸗ knuͤpfen; aber diese, welche die Verschmitztheit und de Mangel an Aufrichtigkeit bei den Drusen kennen, wollen nicht so unbedingt ihnen Vertrauen schenken. Indeß ist der groͤßt Theil der Repraͤsentanten der Maroniten auf den Vorschlag ein gegangen, und man glaubt, daß binnen wenigen Tagen der Re der Nation ihrem Beispiele folgen wird (was inzwischen wirkli eingetroffen ist). Die Bedingungen, welche die Drusen fuͤr den Vertrag mit den Christen vorschlagen, sind: 1) Vertreibung der Tuͤrkischen Truppen aus ganz Syrien; 2) Zuruͤckrufung des alten Emir Beschir, um ihr Gouverneur zu seyn; 3) Befreiung der Drusischen Scheiks, die zu Gefangenen gemacht worden waren. Die Christen wollen, daß man vor Allem die Tuͤrkischen Behoͤr⸗ den aus dem Libanon verjage, und daß die Chefs der Drusen, welche fruͤher eine Schrift zu Gunsten Omer Pascha's unterzeich⸗ net hatten, erklaͤren, daß sie diese Unterschriften nur durch Zwang genoͤthigt und gegen ihren Willen also gegeben haͤtten, daß man sie ihnen lediglich durch Einschuͤchterung abgedrungen habe.
„Auf die Kunde von der Verhaftung der Scheiks Kettar und Abd⸗Salam⸗Ammad gingen der Herr von Hamana, die Familie Abou⸗Nukad und andere Drusische Notabilitaͤten nach Ruchaja ab. Cheble⸗Ariane erhielt die Aufforderung, mit seinen Glaubens⸗ genossen in seine Heimath zuruͤckzukehren, wenn er nicht die Un—
waͤhrste Organ der Ayacuchos anerkannt ist, sagt gestern in Bezug auf die Ereignisse von Barcelöona: —
„Dergleichen Meutereien koͤnnen zwar uͤber die Kraͤfte einer schwachen Frau triumphiren, die von stumpfsinnigen oder treu⸗ losen Rathgebern geleitet wird; aber sie werden stets durch die Thatkraft des Mannes unterdruͤckt werden, der seine lange oͤffent⸗ liche Laufbahn dem Gluͤck und der Wohlfahrt seines Landes ge⸗ widmet hat.“
Wir haben gesehen, daß fast alle Parteien mehr oder weniger dem Regenten abgeneigt sind und sogar ein Buͤndniß gegen ihn geschlossen haben. Der Ausgang der Ereignisse von Barcelona hat zwar seine Gegner nicht vermindert. Aus diesen Ereig⸗ nissen ist aber fuͤr ihn die kraͤftigste Stuͤtze hervorgegangen, deren er bedarf. Bisher galt es in Spanien als unumstoͤßlicher Satz, daß die Truppen nicht zu bewegen waͤren, offensiv gegen das Volk aufzutreten. In Barcelona ist dieses geschehen, und je ungluͤckli⸗ cher dieser Versuch fuͤr die Truppen ablief, um so groͤßer ist ihre Erbitterung und um so reger ihr Wunsch, die Schmach der Nie— derlage zu raͤchen. Eine solche Stimmung wird der Regent zu benutzen wissen.
Hier herrscht dumpfe Stille. Es heißt, die Cortes sollten sich am 26sten wieder versammeln. 8 “ 8
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Serbien.
Von der Serbischen Gränze, 8. Dez. (Deutsche Bl.) Der Kaiserlich Russische General von Lieven, welcher bisher eine ziemlich passive Haltung beobachtete, hat — vermuthlich in Folge neuer Instructionen, welche ihm gestern aus St. Petersburg uͤber Bucharest zugekommen sind — eine ernste Sprache angenommen und geradezu erklaͤrt, daß sein Kaiser die letzte Umwaͤlzung als ein durchaus nur durch fremde Mittel zu Stande gebrachtes Werk im hoͤchsten Grade mißbillige und der neuen Regierung Serbiens nie seine Anerkennung gewaͤhren werde. Dadurch hat der Stand der Dinge ploͤtzlich wieder ein anderes Ansehen erhalten. Die Fluͤchtlinge in Semlin, welche in Folge des fortdauernden, auch von Baron Lieven bitter getadelten Terrorismus in Serbien fast taͤglich neuen Zuwachs erhalten, sind wieder voll der freudigsten Hoffnungen.
Ruͤckblick auf ihre juͤngsten Kaͤmpfe.
Die Drusen.
& Paris, 17. Dez. Ein Brief aus Beirut vom 21. Ok⸗ tober bietet trotz seines aͤlteren Datums noch immer hohes In⸗ teresse, indem er mit allen Details die Entstehung und Veranlas⸗ sung des jetzigen Kampfes der Drusen mit den Tuͤrkischen Trup⸗ pen auseinandersetzt, welcher Kampf mit einem allgemeinen Auf⸗ stande der Gebirgs⸗-Bewohner endigen zu wollen scheint, dessen Ausgang und Folgen sich noch nicht berechnen lassen.
„Als die Tuͤrkischen Truppen“, heißt es in jenem Briefe, „von Berfoya nach Zahle zuruͤckgekehrt waren, ließ Mustapha Pascha, der Gouverneur dieses Platzes, sogleich die Scheiks Georg Bon⸗ nard und Batros Karam, den Neffen dieses letzteren und drei andere einflußreiche Personen ins Gefaͤngniß werfen. Mohamed Pascha, der den Auftrag erhalten hatte, die Bewegungen der Ge⸗ birgsbewohner so viel als moͤglich in der Naͤhe zu beobachten,
Sieg ausbeuten wollten, glaubten sie, sich auf die Moderirten
war mit einem Truppen⸗Corps bis in die Umgebungen von Jobbe
gnade der Regierung auf sich ziehen wolle. Sogleich schickte er seine Familie unter starker Bedeckung ebenfalls nach Ruchaja, und ließ antworten, er koͤnne sich der absurden Aufforderung Omer Pa⸗ scha's nicht fuͤgen, da er geschworen habe, weder Staͤdte noch Pa⸗ scha's zu sehen, bis er die Angelegenheiten seines Landes zu einem Ausgange gefuͤhrt, und durch einen Vertrag die Ruͤckkehr des Emir Beschir und die Wiederherstellung der fruͤhe⸗ ren Institutionen erlangt habe. Alle Haͤupter der Dru⸗ sen sind uͤber diesen Punkt einverstanden. Die Einwoh⸗ ner von Naplus weigerten sich noch immer, der Tuͤrkischen Regierung den Tribut zu bezahlen. Assud Pascha hat die gefan⸗ genen Drusen zu sich nach Saida kommen lassen, um ihre Glau— bensgenossen zu bewegen, von der Insurrection abzustehen. Man versichert, daß er auf die Weigerung der Scheiks, auf seine Wuͤn⸗ sche einzugehen, sie habe in Ketten legen lassen. Mustapha Pascha hatte vor seiner Abreise nach Konstantinopel Rundschreiben an di Einwohner von Zahle und andere Lokalitaͤten vertheilen lassen, um ihnen zu erklaͤren, daß weder der Emir Beschir, noch irgend einer seiner Abkoͤmmlinge jemals ihr Chef seyn werde, und daß er bei seiner Ankunft zu Konstantinopel einen Ferman durchsetzen werde, durch welchen es der Familie Ghabb untersagt wuͤrde, die Ver⸗ waltung des Fuͤrstenthums zu fuͤhren, und wodurch diejenigen mit Galeerenstrafe belegt werden sollten, welche dabei beharrten, sie auf diesen Posten berufen zu wollen.“
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wWwissenschaft, Kunst und Literatur.
Archäologisches aus Athen. n9
Das Sieges⸗Denkmal bei Leuktra. — Die neuesten Entdeckungen auf dem Parthenon.
8 Athen, 27. Nov. In der großen Bootischen Ebene, etwa eine halbe Stunde vom alten Leuktra, liegen drei Huͤgel neben einander und auf ihnen drei kleine Doͤrfer oder vielmehr Weiler, à giα αoαovppie genannt. Wandert man von dort auf der Straße nach dem ungefaͤhr drittehalb Stunden entfernten Thespiaͤ zu, so bemerkt man, noch ehe man dem rechter Hand liegenden Leuktra gegenuͤber sich befindet, dicht an der linken Seite des Weges die Truͤmmer eines alten Monuments, welches (wie ich spaͤter erfuhr) zuerst vom Professor Ulrichs in Athen als ein Denkmal, das von den Thebanern zum Gedaͤchtniß des Sieges von Leuktra errichtet sey, angesprochen und sodann vom Ober⸗ Baurath Schaubert und Architekten Th. Hansen vor ungefaͤhr einem Jahre so weit als moͤglich ausgegraben und einer genaue⸗ ren Pruͤfung unterworfen wuüͤrde. Das Monument bestand, wie sich mit Gewißheit schließen laͤßt, aus einem runden Aufbau, etwa drei und einen halben Metre im Durchmesser, mit einigen Stu⸗ fen und einem Fußgesimse versehen; die Hoͤhe laͤßt sich nicht be⸗ stimmen, da bei weitem nicht mehr alle Baustuͤcke vorhanden sind, den Thespiaͤ geschleppt und zum Bau einer kleinen dicht am Wege befindlichen Kirche verwendet. Dieser runde Aufbau trug e Dorisches Gebaͤlk mit zwoͤlf Triglyphen von 67 Centimetre Hoͤh und eben so viel entsprechende Metopen, und auf diesem Gebaͤlk erhob sich ein kuppelfoͤrmiger, oben abgeplatteter Aufsatz, 82 Centi⸗ metre hoch, welcher rings herum sieben in Relief gehauene runde Thebanische Schilde zeigte, deren jeder beilaͤufig einen Metre im
denn einige davon wurden sogar nach dem ziemlich entfernt liegen⸗