1842 / 359 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Oberst Webb, der Redacteur des New York Inquirer, ist wegen eines Duells, in welchem er seinen Gegner verwundet hat, zu zweijaͤhrigem Gefaͤngniß verurtheilt worden.

8 Die Fluß⸗Verbindung mit dem Westen ist bereits durch den Eisgang gehemmt, und eine Menge zur Verschiffung bestimmte Waaren sind dadurch zuruͤckgehalten worden.

Nach Berichten aus Buenos⸗Ayres vom 15. Oktober war dort noch kein entscheidendes Treffen vorgefallen. Die Republik

Uruguay hatte 10,000 Mann zum Widerstande aufgeboten.

Süd⸗Amerika. Paris, 20. Dez. Ich habe Ihnen kuͤrzlich (vergl. St. Z. Nr. 354 Srͤd⸗Amerika) die Resultate des Kampfes zwischen den Texianern und Mexikanern nach den Berichten der Ersteren mitgetheilt, welche darin sich einen vollstaͤndigen Triumph beimaßen. Die offiziellen Berichte der Mexikaner nun sagen gerade das Ge⸗ gentheil, naͤmlich im Wesentlichen Folgendes: „Am 11. September Morgens nahm der General Woll mit 600 Mann Reiterei und 400 Mann Fußvolk Besitz von San Antonio de Bejar. Hundert⸗ undfunfzig Texianer verschanzten sich in den Haͤusern des Haupt⸗ platzes der Stadt. Als sie aber den Anmarsch der Mexikanischen Armee vernahmen, ergriffen 78 unter ihnen die Flucht, und 72 ergaben sich nach halbstuͤndigem Widerstande auf Gnade und Ungnade. Denen, welche entflohen, kam ein dichter Nebel dabei sehr zu statten. Am 18ten ruͤckten dreihundert Texianer gegen San Antonio an. Der Ge⸗ neral Woll verließ die Stadt mit einem Theile seiner Streitkraͤfte, um ihnen den Kampf anzubieten, allein da haͤtten die Texianer um Ruͤckzuge geblasen. Nachdem sie etwa drei und eine halbe zuruͤckgewichen waren, wurden sie von den Mexikanischen Truppen uͤberfallen, formirten sich aber hinter einem undurchdring⸗ lichen Gehoͤlze am Arroyo Salado und setzten sich in Bereitschaft zur Vertheidigung. General Wall begann das Gefecht, waͤhrend desselben aber bemerkte er, daß 150 Texianer seine Nachhut an⸗ griffen. Augenblicklich schickte er die Obersten Montero, Rangel und Carasso mit zwei Eskadrons Reiterei und einem kleinen Feld⸗ geschuͤtze gegen sie ab, welche nach viertelstuͤndigem Kampfe den Texianern 120 Mann getoͤdtet (2), 14 verwundet und 5 Gefangene abgenommen haben sollen. Die, welche am Arroyo Salado gestanden hatten, zogen sich nach großem Ver⸗ luste zuruͤck, konnten aber der einbrechenden Nacht wegen nicht verfolgt werden, da auch die Mexikanischen Truppen verlangten, daß Halt gemacht werde, weil sie den ganzen Tag nichts gegessen hatten. Die Texianer sollen in diesem Feldzuge ihre Waffen, Munition, Pferde verloren und mehr als 600 Mann Todte, Verwundete und Gefangene gehabt haben, welche Letztere aber nach der Versicherung der Mexikaner von ihnen gut behandelt wurden. Um die ganze Laͤcherlichkeit dieses mit gewaltigem Bombast ge⸗ schriebenen Buͤlletins zu zeigen, genuͤgt es, zu bemerken, daß die Mexikaner von 600 getoͤdteten, gefangenen und verwundeten Texia⸗ nern sprechen, waͤhrend an allen Gefechten uͤberhaupt keine 600 Texianer Theil genommen haben. In den beiderseitigen Berichten herrscht offenbare Uebertreibung.

b9 ö“

Breslau, 22. Dez. (Schl. Z.) Von den 669 immatrikulir⸗ ten Studirenden der hiesigen Universitaͤt im letztverflossenen Som⸗ mer⸗Semester waren zu Ende desselben 159 abgegangen, dagegen seitdem 166 zugetreten, wonach die Gesammtzahl derselben im lau⸗ fenden Winter⸗Semester 676 ist, die Frequenz also gegen das vorige Semester um 7 zugenommen hat. Von diesen 676 gehoöͤ⸗ ren der katholisch⸗theologischen Fakultaͤt an 193 (darunter 1 Aus⸗

laͤnder), der evangelisch⸗theologischen Fakultaͤt 108 (1 Aus⸗ laͤnder), der juristischen 123 (1 Auslaͤnder), der medizinischen 114 (2 Auslaͤnder), der philosophischen 138 (1 Auslaͤnder). Außer diesen immatrikulirten Studirenden besuchen die Hochschule als zum Hoͤren der Vorlesungen berechtigt: 4 solche, deren Immatri⸗

culation noch in suspenso ist, 46 Eleven der medizinisch⸗chirurgi⸗ schen Lehr⸗Anstalt und 10 Pharmaceuten, Oekonomen und Berg⸗ baubeflissene, so daß uͤberhaupt 736 an den Vorlesungen theilneh⸗ men. Diese werden von 40 ordentlichen und 10 außerordentlichen Professoren, so wie von 26 Privat⸗Dozenten, endlich von 4 Lek⸗ toren und 7 anderen Lehrern fuͤr den Sprach⸗ und Kunst⸗Unter⸗ richt gehalten.

Die Französische Industrie und ihre gesetzlichen 8 Garantieen.

„, Paris, im Dezember. Wir haben bereits Gelegenheit gehabt, von den Betruͤgereien, die in der Franzoͤsischen Industrie und dem Franzoͤsischen Handel vorkommen, so wie von dem Nach⸗ theil, der daraus fuͤr die Konsumenten sowohl im Inlande als im Auslande entsteht, zu sprechen. Die Berichte unserer Konsuln im Auslande, die von unseren Seefahrern dem Marine⸗Minister mitgetheilten Nachweisungen bestaͤtigen jeden Augenblick die Unred⸗ lichkeit unserer Kaufleute, und auf mehreren Punkten der Erde ist unser Handel in gaͤnzlichen Mißkredit gerathen. Im Inlande geht es nicht besser: eine Unzahl von Erzeugnissen wird verfaͤlscht, und man wird zugleich hinsichtlich der Qualltaͤt und der Quantitaͤt getäͤuscht. Fuͤr eine Menge von Waaren ist die Verifizirung fast unmdglich, und der Konsument ist gendothigt, sich deshalb auf den Fabrikanten und den Kaufmann zu verlassen. Da jedoch die 1 zielle Redlichkeit mit jedem Tage mehr abnimmt, so reduziren sich die Garantieen fast auf nichts. Die Maßregeln, welche den Betrug verhindern koͤnnten, sind sel⸗ ten und werden gewoͤhnlich schlecht angewendet. Die Miß⸗ braͤuche sind so groß geworden, daß die Regierung daran denkt, ihnen einen Damm entgegenzusetzen und gewisse Maßregeln ergreift, um dieselben zu unterdruüͤcken, die Garantieen zu sichern und die sogenannten Fabrikzeichen zu reguliren. Man wird leich begreifen, daß es niemals moͤglich seyn wird, eine Kontrolle uͤber alle Fabrik⸗Erzeugnisse auszuuͤben; da man gegen den Be⸗ trug und die Unredlichkeit zu kaͤmpfen hat, so sind die Gesetze und Verordnungen sehr haͤufig ohne Kraft. Hei einer Nation ist die industrielle und kommerzielle Redlichkeit eine Folge der Sitten; sie ist eine National; Eigenschaft, die sich nicht durch Strafgesetze schaffen laͤßt. Die Betruͤgereien und Nachahmungen erscheinen unter so zahlreichen und mannichfachen Formen, daß es fast un⸗ mdoͤglich ist, sie zu uͤberfuͤhren und sie auf wirksame Weise zu un⸗ terdruͤcken. Und dann sind, wie bereits bemerkt, die Verifizirungen hr haͤufig unmoͤglich oder wenigstens so schwierig, daß der Kon⸗ sument in den meisten Faͤllen genoͤthigt ist, darauf zu verzichten. Wir wollen etwas naͤher auf diesen Gegenstand eingehen. In Frankreich wird der Rohrzucker mit Staͤrkezucker ver⸗

fremde Bestandtheile; das Olivenoͤl wird mit anderen Oelen ver⸗ mischt; das Mehl und das Kuͤchensalz sind haͤufig Gegenstand gefaͤhrlicher Verfaͤlschungen. Der Konsument besitzt kein Mittel, diese verschiedenen Betruͤgereien nachzuweisen; er kann sie wohl nachher wahrnehmen, aber nichts aze ihn vorher erkennen, daß er betrogen worden ist. Wie soll man den Werth der vergolde⸗ ten, versilberten, plattirten und der meisten aus etallgemischen fabrizirten Waaren erkennen? Um sich von der Gute der Waare zu uͤberzeugen, müßte er sie zerstoͤren. In der Gewebe⸗Industrie wird es bald kein Erkennungsmittel mehr geben. Seide, Wolle, Hanf, Leinen werden mit Baumwolle gemischt, und die Fabrik⸗ zeichen dienen haͤufig nur dazu, den Konsumenten zu taͤuschen, in⸗ dem der Fabrikant unter dem Schutze dieses Zeichens eine gerin⸗ gere Qualitaͤt fuͤr eine bessere verkauft.

Der Handels⸗Minister, Herr Cunin⸗Gridaine, welcher sich sehr eifrig mit den Details des Handels und der Industrie be⸗ schaͤftigt, will den Kammern in der naͤchsten Session einige Maßregeln vorlegen, um dem Betruge Einhalt zu thun. Die Fabrit⸗Zeichen bestehen bereits; die Conseils der Sachverstaͤn⸗ digen sind die Depositarien derselben. Allein, wir wiederholen es, sie dienen eben sowohl dazu, die Mißbraͤuche zu verdecken, als dem Kaͤufer Garantieen zu bieten, weil es fast gaͤnzlich an Re⸗ pressiv⸗Mitteln fehlt. Der Gedanke, den Konsumenten so viel wie moͤglich gegen Betrug zu schuͤtzen, ist nicht neu in Frankreich, und schon vor der Revolution, als die Corporationen noch existirten, be⸗ schaͤftigte man sich mit dem Gegenstande und suchte der Unzulaͤnglich⸗ keit der damals eingefuͤhrten Fabrikzeichen abzuhelfen. Das Edikt vom Jahre 1779 will, daß alle neuen Stoffe eine besondere Bleimarke oder sonstiges unterscheidendes Zeichen haben sollen. Dies Edikt hatte außerdem noch das Merkwuͤrdige, daß es, ungeachtet

des Bestehens der Corporationen, jedem Fabrikanten voͤllige Freiheit gab, alle Stoffe zu versertigen, die er fuͤr passend hielt, vorausgesetzt, daß er sich niemals des Namens und Zeichens eines bekannten Stoffes bediente. Auf dieses fast siebenzig Jahre alte Prinzip will der Handels⸗Minister jetzt wieder zuruͤckkommen. Es handeit sich darum, den Handels⸗Geschaͤften durch ein Mittel zur Beur⸗ theilung der inneren Qualitaäͤt der Waaren Sicherheit zu geben und zugleich den Gang der Consumtion und der Production zu reguliren. Die Frage uͤber die Fabrik⸗Zeichen betrifft zugleich das Interesse des Werkaͤufers und des Käͤufers. Dem Gesetzgeber muß sogar das Interesse des Letzteren als das groͤßere erschei⸗ nen, denn wenn das Gesetz ihm nicht einen besonderen Schutz ge⸗ waͤhrt, so wird er unfehlbar das Opfer der Unredlichkeit und der Habgier. Chaptal sagt: So lange der Fabrikant und der Konsument mit Sachkenntniß kontrahiren koͤnnen, ist die Einmischung der Regie⸗ rung unnuͤtz; wenn aber die Hand oder das Auge nicht mehr uͤber die Guͤte oder die Qualitaͤt eines Erzeugnisses urtheilen koͤn⸗ nen, dann ist es billig, daß der Gesetzgeber einschreite, um dem Publikum eine Garantie zu geben. Diese Garantie muß in dem anzunehmenden System mehr dargeboten als aufgedrungen wer⸗ den. Der Konsument muß seine Zuflucht dazu nehmen koͤnnen, wenn er es seinem Interesse fuͤr angemessen haͤlt. Eine Anwendung dieser Ideen findet sich bei der Seiden⸗ Industrie; es ist die Condition des Soies. Bekanntlich wird die Seide, bevor sie in den Verkauf kommt, einer Operation der Aus⸗ trocknung unterworfen, um das darin enthaltene Wasser zu ent⸗ fernen. Auf diese Weise ist man gegen Betrug und Irrthum gesichert, und die in Lyon verkaufte Seide hat stets denselben Grad der Austrocknung. Es liegt hierbei kein Zwang zum Grunde, aber dieser Gebrauch ist so allgemein geworden, daß kein Kauf⸗

mann ohne diese vorlaͤufige Manipulation einen Handel schließt. Es wuüͤrde sich nun darum handeln, diese Art der fakultativen Oberaufsicht auf andere Zweige der Industrie anzuwenden und durch besondere, von der Behoͤrde anzubringende Zeichen, auf den I die Qualitaͤt der verschiedenen Erzeugnisse erkennen u lassen.

Es ist dies kein leichtes Unternehmen, und man wird dabei auf ziemlich große Hindernisse stoßen. Unter dem alten Systeme wurde die Industrie der Corporationen durch Verordnungen in gewissen Graͤnzen gehalten; heutzutage kann Jeder frei seinen Ein⸗ gebungen folgen, unter der Bedingung, daß er fuͤr seine Werke aufkommt. Die Einrichtung der Fabrik⸗Marken wuͤrde nicht der Nothwendigkeit einer praͤventiven Kontrolle unterworfen seyn. Jeder Fabrikant muͤßte aufgefordert werden, seine Erzeugnisse nicht nur, wie es gegenwaͤrtig geschieht, mit einem besonderen Zeichen ihres Ursprungs, sondern auch ihrer Qualitaͤt zu versehen. Er muͤßte ein Zeichen waͤhlen, das eine gewisse Art der Fabrication bezeich⸗ nete, doch muͤßten ihn die strengsten Strafen treffen, sobald er sich desselben auf betruͤgerische Weise bediente.

Man glaubt, daß durch Einfuͤhrung der fakultativen Zeichen fuͤr den Ursprung und die Qualitaͤt der Waaren unser durch die Betruͤ⸗ gereien der Detail⸗Verkaͤufer (pacotilleurs) kompromittirte Ausfuhr⸗ Handel wieder etwas an Sicherheit und Kredit gewinnen wuͤrde.

damentlich muß man fuͤr Sendungen nach entfernten Gegenden das Vertrauen der Kaͤufer sicher stellen. Wir wissen nicht, ob diese Ansichten und Hoffnungen sich verwirklichen werden; aber so viel ist gewiß, daß es dringend noͤthig ist, ein Mittel aufzufin⸗ den, um die Betruͤgereien und Verfaͤlschungen, welche in den mei⸗ sten unserer Industriezweige vorkommen und an denen sowohl der innere als der auswaͤrtige Handel Theil nimmt, zu unterdruͤcken.

Preise der vier Haupt⸗Getraide⸗Arten

in den fuͤr die Preußische Monarchie bedeutendsten

Marktstaͤdten im Monat November 1 842, nach einem

monatlichen Durchschnitte in Preußischen Silber⸗ groschen und Scheffeln angegeben.

Namen der Staͤdte. Weizen Roggen Gerste Hafer

faͤlscht oder vermischt; die Weine und Branntweine enthalten

202 190. 23 20“ 20

20, ⁸. 24 1 24

22 14 2712

16

Koͤnigsbebrr 472½ Memel... 56 Tilsit 5. Insterburg Rastenburg Neidenburg Danzig Elbing Konitz

2

SSggES

90 2

Namen der Städte. Weizen Roggen

Berlin. eevsüove⸗ Brandenburg. 58 Kottbus 59 2 —— a. d. .. 57 9% Landsberg a. d. WDW. 53 l Stettin 52 8 . Stralsund.. g 56 vmheeeee

67 8,2

ℛ.IVSMaAESN

Ogo

Ab 920g 9 2 9 2.

89IS

obschuz . *

Ratibor.

—,—

Magdebuuusg . Stendal

Halberstadt

Nordhausen

Muͤhlhausen

Erfurt

80——— 2 2

2

2.

SgAEH

Muͤnster E1“

Minden

HPebrechen. ““ ortmund

82

9555F

AEg⸗

g

—2 S

Kreuznach Simmern

8 Oesterreich. Schreiben aus Linz. (Die Pilsen⸗Budweiser Koh⸗

Geeschichte.

Durchschnitts⸗Preise

der 12 Preußischen Staͤdte... 5 Posenschen Staͤdte.. 9 Brandenburgischen und

Pommerschen Staͤdte. 11 Schlesischen Staͤdte ... 8 Saͤchsischen Staͤdte... 4 Westphaͤlischen Staͤdte. 14 Rheinischen Staͤdte ..

A1n

nun n mn

Meteorologisc e Zeobachtungen.

Se. Majestat der Koͤnig haben Allergnaͤdigst geruht:

1812.

Morgens 25. Dez.

6 Uhr.

334,68 Par. + 2,0° n. 0,7⁰° h. 79 pCt. balbheiter. wNw.

Abends 10 Uhr.

Nachmittags

2 Uhr. Beobachtung.

Luftdruck Luftwärme.. Thaupunkt.. Dunstsättigung Wetter

335,84“ Por. 335, 38“ Par. + 2,7° n. + 1,2° R. 8 1/4° R. 2,9° h. 70 pct. 70 pct. heiter. beiter. Niederschlag 0. Nw. WNW. Wärmeweobsel + 3,20 WNW. 0,8° u. Tagesmittel: Am 24. Dez. 332,72 Par. + 4,70K. P† 2,90 h. 84 pct. Nw. 8 * 25. * 335,30 + 2,00 1,72 73 %Nw.

Auswärtige Börsen. Amsterdam, 22. Dez. Niederl. wirkl. Sch. 52 ¼. Kanz-Bill. —. 5 ½ Span. 18 5⅞. 3 do. 23 ½. Pass. —. 8 Preuss. Präm. Sch. —. Pol. —. Oesterr. 108 ⅓. Antwerpen, 21l. Dez. Zinal. 4 ½. Neue Aul. 18 ⅜.

HIamburg, 24. Dez. Bank-Aectien 1635 Br. Engl. Russ. 108. Paris, 21. Dez. 5 % Reute ün cour. 118 90. 3 % Reute fn nhr⸗ 78 60 Aul. de 1841 —. 5 Neapl. an compt. 106. 20. 59 8,8. Rente 23 Pa22 8

Wien, 21. Dez. 5 ⅜˖ met. 1091%¾. 48 101 ½. 3 —. 235 —. 5 —. Hauk-Aetien —. Anl. de 1834 718 ¾ Ae 1829 278 ½.

Königliche Schauspiele. Dienstag, 27. Dez. Im Opernhause: Auf Begehren: Marie, oder: Die Tochter des Regiments, komische Oper in 2 Ak⸗ ten, nach dem Franzoͤsischen des St. George. Musik von Donizetti. Im Schauspielhause: 1) Shakespeare amoureux. 2) La première représentation de: Faute de s'entendre, comédie nou- velle en 1 acte et en prose, du théatre françgais, par M. Du- veyrier. 3) La reprise de: Un pont-neuf, vaudevilse en 1 acte. Mittwoch, 28. Dez. Im Schauspielhause: Doktor Wespe. Donnerstag, 29. Dez. Im Opernhause: Der Jurist und der Bauer. Hierauf, zum erstenmale: Die Tarantel, pantomi⸗ Seg. 1 e 00 Scribe und Coralli. Musik von . Gide. Für das Koͤnigl. Theater eingerichtet von Dlle. Fann Elßler. (Dlle. F. Elßler: Lauretta.) 88 b Preise der Plaͤtze. Ein Billet zu den Logen des ersten Nengg t Sgr. 8 5

s wird ersucht, die durch Meldungen fuͤr alle Vorstellunge

der Dlle. Elßler reservirten Billets bis Mäcfwoch den Lelungen Mittags 2 Uhr abholen zu lassen. 1656 Im Schauspielhause: Franzoͤsische Vorstellung.

Königsstädtisches Theater.

Dienstag, 27. Dez. Einen Juyx will er sich machen. Posse⸗ mit Gesang in 4 Akten, von J. Nestroy. Musik von A. Müuͤller Mittwoch, 28. Dez. (Italienische Opern⸗Vorstellung.) Zun erstenmale: Maria, ossia: La Figjia del Reggimento. (Marie oder: Die Tochter des Regiments.) Opera buffa in 2 Atti Musica del Maestro Donizetti.

Donnerstag, 29. Dez. Zum erstenmale: und Ruͤckkehr, oder: Das Geheimniß des grauen Hauses. mit Gesang in 4 Akten, von J. Nestroy. Musik von A.

Verantwortlicher Redackenr Dr. J. W. Zinkeisen.

Auellwärme 7,10 R. Flusswürme 2,2 9 R. Bodenwärme 4,5 R. Ausdünstung 0,014 Rh.

Wolkenzug..

58 a0. 101 ½.

Ausg. —. Zinsl. —,

1—.

Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerei. 8

Nach einmaliger 1 8

Gluͤck, Mißbrauch

Allgemeine

Staats⸗Zeitung.

Amtliche Nachrichten.

Frankreich. Paris. Spanische Haͤndel. Briefe aus Paris.

Parteistellung in der Zuckerfrage. Graf Mols und Herr von Lveee parlamentarische Fragen fuͤr die bevorstehende Session.)

Großbritanien und Irland. London. Abreise des Erbgroß⸗ herzogs von Mecklenburg⸗Strelitz. Uebereinkunft hinsichtlich der Kanadischen Anleihe. Vermischtes.

Dänemark. Schleswig. Provinzialstaͤnde. Schluß der Debatte uͤber die Daͤnische Sprache in der Schleswigschen Staͤnde-Ver⸗ LJ

Deutsche Bundesstaaten. Muͤnchen. Abgeordneten⸗Kammer. Antrag auf Errichtung eines zweiten protestantischen Schullehrer⸗ Seminars. Die Abgabe von Waldstreu. Neuer Straßenzug

an die Saͤchsische Graͤnze. Gewerbewesen. Dispensations⸗

Taren bei Verheirathung von Protestanten. Zwischenwahlen

der Abgeordneten. Darmstadt. Neue Convention des Suͤd⸗

gemischten Ehen. Kassel. Gesetz⸗Entwurf uͤber religioͤse Erzie⸗ 3 hung der Kinder aus gemischten Ehen. Schreiben aus Frank⸗ furt a. M. (Sparkasse; Boͤrse.)

lenbahn.)

Italien. Neapel. Der Aetna. Bevoͤlkerung des Koͤnigreichs. Como. Professor Dr. J. Frank †.

Spauien. Madrid. Barcelona. Schreiben aus Paris. (Adresse des Minister⸗Raths an den Regenten uͤber die gegen Barcelona zu ergreifenden Maßregeln.)

Inland. Potsdam. Transport von Brennmaterial.

Naͤberes uͤber die Besitznahme der Marauesas⸗Inseln.

Wissenschaft, Kunst und Literatur. Zur Deutschen Stamm⸗

1

Dem Ehren⸗Domherrn und Inspektor des katholischen Prie⸗

3 zucker und den Ruͤbenzucker auf dem Wege der Erhoͤhung jener deutschen Muͤnz⸗Vereins. Religioͤse Erziehung der Kinder aus 8

nuͤnftige Personen folgen bei allen bedeutenden Gelegenheiten ihrer eigenen Ansicht und lassen sich durch die Heftigkeit eines Journa⸗ listen nicht selbst zur Heftigkeit verleiten.“

Man glaubt, daß der Infant Don Francisco de Paula den Winter uͤber mit seiner Familie in Paris zubringen werde.

Boͤrse vom 22. Dezember. Die Boͤrse war heute wie⸗ der vollkommen beruhigt, und man glaubte, daß alle Gruͤnde zur Uneinigkeit zwischen Frankreich und Spanien durch die Absetzung Gutierrep's beseitigt worden waͤren. Die Zproc. Rente schloß

= Paris, 21. Dez. Der vom Ministerium vorzulegende Gesetz⸗Entwurf uͤber die Zucker⸗Frage wird von den Betheiligten mit großer Spannung erwartet. Wenn es gegruͤndet ist, daß man den Kammern die Gleichstellung der Auflage auf den Kolonial⸗

auf den Ruͤbenzucker, bis sie derjenigen auf den Koloniaͤlzucker gleichkommt, vorschlagen will, so kann man versichert seyn, daß sich Widerstand von allen Seiten dagegen erheben wird; vor Allem von Seiten der Ruͤbenzucker⸗Fabrikanten selbst, welche schon bei dem jetzigen Maße der Auflage Klagen uͤber Klagen ertoͤnen ließen, fuͤr deren wirklichen Grund freilich die erst vor wenigen Tagen wieder veroͤffentlichten offiziellen Angaben uͤber die Resultate der Ruͤbenzucker⸗Fabrication eben keinen sehr schlagenden Beweis ab⸗ geben; von Seiten der Seehaͤfen und Kolonieen aber nicht min⸗ der, da wir erst durch die Zuschrift der Handels⸗Kammer von Bordeaux (vergI. St. Ztg. Nr. 356) neuerdings gesehen haben, was diese als unerlaͤßliche Bedingung fuͤr Vermeidung des Ruins der Kolonieen aufstellen, naͤmlich die gaͤnzliche Unterdruͤckung des Ruͤbenzuckers mit Entschaͤdigung der Fabrikanten. Am allerwe⸗ nigsten werden die Vertheidiger der Kolonial⸗Interessen mit der Weise sich einverstanden erklaͤren, wie man die Gleichstellung der Auflagen auf beide rivalisirende Produkte bewerkstelligen will, da in der That die Kolonieen dabei nur sehr wenig gewinnen wuͤrden. Und selbst ob der Schatz am Ende aus dieser Erhoͤhung wirklichen Vortheil ziehen wuͤrde, ist mehr als zweifelhaft, da die hoͤhere Besteuerung defini⸗ tiv doch nur eine Verminderung des Verbrauchs der Waare nach sich ziehen kann, so daß die Mehreinnahmen von den einzelnen Quan⸗ titaͤten des konsumirten Ruͤbenzuckers vielleicht nicht einmal hin⸗ reichten, um den in der Gesammtmasse entstehenden Ausfall wieder

vollkommen auszugleichen. Die gaͤnzliche Unterdruͤckung des Ruͤbenzuckers hat in der Kammer nicht nur zahlreiche Anhaͤnger, sondern auch im Ministerium selbst sind mehrere Mitglieder der⸗

e.

sterhauses zu Neisse, Poppellack, den Rothen Adler⸗Orden drit⸗ ter Klasse; dem Schleusenmeister Wilhelm Weiß am Klodnitz⸗ Kanale, dem Schullehrer und Kantor Neumann zu Gro Schwarzlosen, so wie dem Lehrer und Kantor Berndt zu Stadt Zinna, das Allgemeine Ehrenzeichen; desgleichen dem Seidenweber Leven zu Darksnoekel, im Regierungs⸗Bezirk Duͤsseldorf, und dem Schaͤfer Michgel zu Klein⸗Roͤdersdorf, im Kreise Heiligen⸗ beil, die Rettungs⸗Medaille am Bande zu verleihen.

2 2

Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz August ist nach Strehlitz abgereist.

selben guͤnstig, namentlich der Marine⸗Minister und der Handels⸗ Minister. In der Kammer stehen sich die Vertheidiger der beiden Industrieen nach wie vor mit fast vollkommen gleichen Kraͤften gegenuͤber, und gerade darin liegt die Schwierigkeit fuͤr das Ministerium, das sich so auf keine imponirende Majoritaͤt stuͤtzen kann und sicher ist, welche Maßregel es auch vorschlaͤgt, die Kammer in zwei etwa gleiche Haͤlften sich theilen zu sehen, und zwar noch mit dem besonders schlimmen Umstande, daß auf beiden Seiten seine Anhaͤnger sich vertheilt finden und also ganz gewiß durch eben das, was den Einen willkommen ist, bei den Anderen Anstoß erregt wird. Wenn es dem Ministerium gelingt, uͤber diese Klippe unverletzt hinwegzukommen, so hat es eine der groͤßten Schwierigkeiten uͤberwunden, die bisher der Fran⸗

zoͤsischen Verwaltung sich darboten. Allein meine auf einem

Zeitungs⸗Uachrichten. Ausland. 8

Paris, 22. Dez. Gestern soll sich der Spanische Ge⸗ schaͤftstraͤger, Herr Hernandez, in das Ministerium der auswaͤr⸗ tigen Angelegenheiten begeben und dem Herrn Guizot auf offizielle Weise angezeigt haben, daß der Regent den politischen Chef 8,.

Catalonien, Herrn Gutierrez, auf die Reclamationen des Herrn von Gluͤcksberg in Madrid, und bevor er noch die diplomatischen Noten erhalten, durch welche das Kabinet der Tuilerieen Genug⸗ thuung verlangte, abgesetzt haͤtte. Man versichert, daß Herr Gui⸗ zot sich, in Folge dieser Mittheilung, fuͤr zufriedengestellt erklaͤrt hat. Man bemerkt in der That heute, daß die ministeriellen Blaͤtter die fruͤher heftige Sprache gegen die Regierung Espartero's gemildert haben. 1.

In der Presse liest man: „Die Ernennung des Herrn von Lesseps zum Offizier der Ehren⸗Legion hat die Wuth der Englischen Journale verdoppelt. Sie haben mit Recht in dieser Thatsache den Beweis erblickt, daß die Franzoͤsische Regierung sich dem ed⸗ len Benehmen ihres Konsuls zugesellt. Der Sun und die Morning Chroniecle folgern daraus, daß die Angelegenheiten ernst werden wuͤrden, wenn Espartero, wie jene Blaͤtter ihm zu rathen scheinen, Herrn von Lesseps zwaͤnge, Spanien zu verlassen. Es fehlte England nur noch, daß es den Regenten zu diesem Akt der Thorheit zwaͤnge. Die Chroniele fragt, welche Beweg⸗ gruͤnde die Spanischen Agenten haben koͤnnten, den Franzöoͤsischen Konsul zu verleumden. Diese Beweggruͤnde sind augenscheinlich das Beispiel und die Instigationen des Englischen Konsuls.“ Die meisten der uͤbrigen hiesigen Blaͤtter druͤcken die Besorgniß aus, daß der Ton der Englischen Journale die Spaltung zwischen Frankreich und England immer unheilbarer machen werde. Diese Aeußerungen geben Galignani's Messenger zu folgender Be⸗ merkung Anlaß: „Einige unserer Pariser Kollegen scheinen, in ihrer Unkenntniß des Englischen Charakters, zu glauben, daß, weil ein Englisches Journal die Franzosen mit solcher Lebhaftigkeit an⸗ greift, durch ganz England ein entschiedener Haß gegen Frankreich und der Wunsch vorwalte, es zu Feindseligkeiten zu reizen. Wenn sie die Englische Presse etwas naͤher beobachtet haͤtten, so wuͤrden sie wahrgenommen haben, daß noch weit heftigere Angriffe gegen Parteien und Individuen nicht die geringste Besorgniß erregen

genaueren Studium dieser Frage beruhende Ueberzeugung geht dahin, daß man so lange kein definitives Resultat erzielen wird, als man nicht ein energisches Mittel ergreift. Mit den halben

Maßregeln, welche alle Interessen befriedigen sollen, aber nicht

e

koͤnnen, wird weder den Einen noch den Anderen geholfen seyn.

= Paris, 22. Dez. Es ist schon wiederholt darauf auf⸗ merksam gemacht worden, daß alle Combinationen fuͤr ein neu zu bildendes Ministerium unter der Praͤsidentschaft des Grafen Molè, wobei man sogar die Namen aller Mitglieder des kuͤnftigen Ka⸗ binets nannte, voreilig seyen, da sie fast durchaus nur auf bloßen Hypothesen beruhen. Allerdings darf man wohl annehmen, daß, wenn einmal die Stunde fuͤr den Ruͤcktritt des jetzigen Ministe⸗ riums schlagen sollte, der Graf Molé und seine Freunde berufen seyn werden, die Erbschaft der Portefeuilles anzutreten. Allein fuͤr den Augenblick ist davon noch keine Rede, und wenn man so⸗ gar gesagt hat, Graf Molé habe Herrn von Lamartine Anerbie⸗ tungen zum Eintritt ins Kabinet mit ihm machen lassen, die aber von diesem zuruͤckgewiesen worden seyen, so konnten solche Behaup⸗ tungen nur auf absichtlicher Entstellung der Thatsachen oder auf gaͤnzlicher Unkenntniß der Personen und Sachverhaͤltnisse beruhen. Die Stellung der beiden genannten Staatsmaͤnner, die man hier in einem Kabinet vereinigen will, ist, seitdem Herr von Lamartine in der letzten Session die bekannte Meinungs⸗Aenderung vorge⸗ G hat, fast diametral verschieden, wo nicht ganz entgegen⸗ gesetzt.

Graf Molé ist heute noch, was er vor 3 Jahren war, ein Konservativer mit Leib und Seele, fern allen ausschließlichen Ideen und ein System der Versöhnung und der Milde allen schroffen Maßregeln vorziehend; einer seiner Lieblingsgedanken, den er auch, wenn er wieder ans Ruder kommen sollte, sicherlich mit allem Eifer zu verwirklichen suchen wuͤrde, ist, das Band zwischen dem rechten und linken Centrum, das in den letzten Jah⸗ ren aus mancherlei Ursachen gelockert wurde, so daß sich deide konservative Fractionen der Kammer manchmal in einer fast feind⸗ seligen Haltung gegenuͤberstanden, wieder fester zu knuͤpfen und so eine zahlreiche, kompakte und uͤber das, was sie will, in allen Hauptpunkten einige Majoritaͤt um die Verwaltung und den Thron zu schaaren, eine Majoritaͤt, die nicht jeden Augenblick durch den kleinsten Zwischenfall der Gefahr ausgesetzt waͤre, zer⸗ sprengt zu werden. Vor Allem aber ist Graf Molé ein Staats⸗ mann von praktischer Erfahrung, jeden gewagten Neuerungen und dem Experimenten⸗System eben so abhold, als dem wahren natur⸗ gemaͤßen Fortschritte auf dem Wege der Entwickelung von Innen heraus zugethan. Ob man nun besonders in den letzteren Bezie⸗ hungen von Herrn von Lamartine dasselbe sagen kann, moͤchte

und oft nicht einmal zu einer Erwiederung Anlaß geben; denn ver⸗

wohl sehr in Zweifel stehen.

Herr von Lamartine hat, vor Allem, noch keine Beweise ab⸗ gelegt, daß er neben den schoͤnen Theorieen uͤber die Regierungs⸗ kunst, die er in der Kammer mehrmals seinem Auditorium zum Besten gab, auch Geschick zur Geschaͤftsbehandlung, wenn ich so sagen darf, das praktische Talent der Verwaltung habe. Er hat diese Beweise erst noch abzulegen, und vorlaͤufig wird also, bis solches geschieht, ein Zweifel in dieser Hinsicht um so mehr ge⸗ stattet seyn, je mehr Herr von Lamartine durch seine der Reihe nach erfolgten Gesinnungswechsel zu der Meinung Veranlassung gegeben hat, daß er eigentlich feststehende politische Prinzipien und Ueberzeugungen noch gar nicht erlangt habe, daß er vielmehr an der Stelle derselben nur von einer gewissen Anzahl ge⸗ neroͤser und als solcher immerhin anerkennenswerther Ideen erfuͤllt sey, die aber aus dem Kreise ihrer Allgemeinheit noch nicht herausgetreten, vielleicht ihm selbst noch nicht recht zu einem kla⸗ ren Bewußtseyn gekommen seyen. Ohne eine solche Annahme waͤre es in der That nicht wohl begreiflich, wie er im Zeitraume weni⸗ ger Jahre, sich von der legitimistischen Fahne entfernend, zur Fahne Odilon Barrot's haͤtte uͤbergehen koͤnnen. Wenn je die Trans⸗ formationen in der Stellung und den Ansichten eines Mannes schnell und auf auff⸗llende Weise vor sich gingen, so war es ge⸗ wiß bei Herrn von Lamartine der Fall, dessen redlicher Charakter nichtsdestoweniger von allen Seiten anerkannt wird. Aber daß unter solchen Verhaͤltnissen Graf Molé haͤtte daran denken koͤn⸗ nen, ihn neben sich in einem Kabinet zu haben, das auf Homoge⸗ nitaͤt Anspruch machen wollte, das ist kaum glaublich.

Desgleichen sollten vom Grafen Molé dem Herrn Dufaure Anerbietungen gemacht worden seyn, aber gleichfalls eine Weige⸗ rung erfahren haben. Auch diese Thatsache ist ungegruͤndet, so wie uͤberhaupt erst, wenn einmal die beiden Kammern vollstaͤndig versammelt und die Chefs der verschiedenen Parteien hier anwe⸗ send seyn werden, von einer gemeinsamen Verstaͤndigung, von Transactionen unter denselben die Rede seyn kann. Die Depu⸗ tirten, welche schon hier eingetroffen sind, und zu denen taͤglich noch neue kommen, halten allerdings bereits haͤufige Besprechungen, aus denen man ersieht, daß sie eben dieselben Gesinnungen wieder mitbringen, mit denen sie zuletzt Paris verlassen hatten; die Maͤn⸗ ner der Opposition bleiben auf der einen, die konservativen auf der anderen Seite. Wenn jene aber niemals unter sich einig wa⸗ ren und daher auch nie etwas von Bedeutung allein durchzusez⸗ zen vermochten, so sind jedoch auch unter den Konservativen man⸗ nigfache Anlaͤsse zu Meinungs⸗Verschiedenheiten vorhanden, die aber nicht erst jetzt hervortreten, sondern schon seit laͤngerer Zeit

sich bemerkbar machten und allerdings mit dem Gegensatze zwi⸗ schen den beiden konservativen Chefs, den Herren Molé und Gui⸗ zot, in Beziehung stehen.

Ich habe gestern einige Fragen beruͤhrt, die in der bevorste— henden Session zur Sprache kommen werden. Außer den dort genannten werden namentlich auch die Zoll⸗Verhaͤltnisse ein Ge⸗ genstand lebhaftester Eroͤrterung werden. Die Elsasser Deputir⸗ ten namentlich sollen beabsichtigen, die Handels⸗Verhaͤltnisse zu Deutschland, die in neuester Zeit, in Folge der durch mehrere Franzoͤsische Beschraͤnkungs⸗Maßregeln gegen Deutsche Artikel er⸗ folgten Repressalien des Deutschen Zoll⸗Vereins, eine unguͤnstige Wendung genommen haben, zur Sprache zu bringen und auf An⸗ nahme eines liberaleren Systems nach dieser Seite hin zu drin⸗ gen. Die Vertreter der weinbautreibenden Departements werden mit den Deputirten der oͤstlichen Departements fuͤr alle Deutsch⸗ land zu gewaͤhrenden Beguͤnstigungen stimmen, weil sie von dorther Erleichterungen fuͤr den Eingang ihrer Weine erwarten. Dabei kann es nicht fehlen, daß auch die Frage wegen der Einfuhr fremden Schlachtviehs in Frankreich wieder zur Thange kommt, uͤber welche aber, wie die neuesten Diskussionen derselben in den Journalen gezeigt haben, gewaltig verkehrte Ideen hier vorwal⸗ ten. Besonders uͤberschaͤtzt man die Wichtigkeit, welche Deutsch⸗ land jetzt noch auf eine Konzession in dieser Hinsicht legen wuͤrde, weil man die seit zwanzig Jahren außerordentlich veraͤnderten Verhaͤltnisse in dieser Beziehung zu wenig kennt. Mehrere General⸗ Conseils, und namentlich das des Departements der Seine, haben uͤbrigens aufs neue und kraͤftigste ihre Stimme dafuͤr erhoben, daß man endlich von dem gegenwaͤrtigen System, das Schlachtvieh, das aus dem Auslande eingefuͤhrt wird, nach Koͤpfen und nicht

nach dem Gewicht zu besteuern, abgehen moͤge. Seit vier oder fuͤnf Sessionen, in denen diese fuͤr das Wohl der unteren, beson⸗ ders der arbeitenden Klassen des Volkes so hochwichtige Frage zur Sprache kam, wurde von Seiten der Minister immer nur auf alle Reclamationen desfalls geantwortet, daß noch erst umfassendere Erkundigungen eingezogen, genauere Untersu⸗ chungen des Sachverhaͤltnisses vorgenommen werden muͤßten. Nach den Erfahrungen so langer Jahre und den von allen Seiten mit immer zunehmender Energie sich erhebenden Reclamationen, und insbesondere auch nach den wiederholt von dem jetzigen Minister des Handels und des Ackerbaues, Herrn Cunin⸗Gridaine, gege⸗ benen Zusagen, duͤrfte man doch wohl hoffen, daß endlich einmal etwas in der Sache geschehen werde.

Auch die Frage wegen des Projekts zu einem Zollverein mit Belgien wird in der Kammer nicht unbeachtet bleiben. Verthei⸗ diger und Gegner des Projektes haben, wenngleich mit verschie⸗ denen Motiven und Zwecken, doch ein gleiches Interesse, einmal zu wissen, wie sie daran sind, und besonders die Eisenhammer⸗Besitzer glauben immer noch das Schwert des Damokles uͤber ihren Haͤup⸗ tern aufgehaͤngt, so lange nicht eine bestimmte Erklaͤrung des Mi⸗ nisteriums abgegeben wird, daß das Projekt ein fuͤr allemal auf— gegeben ist. Um ihre Besorgnisse zu erhoͤhen, kommen nun auch die Antworten der verschiedenen Handels⸗Kammern der Seeplaͤtze auf die Einladung der Reunion Lemardelay, sie durch Delegirte zu

beschicken, hinzu, welche durchaus abschlaͤgig und dem Zollvereins⸗ Projekte guͤnstig lauten. So hat so eben die Handels⸗Kammer von Marseille in ganz gleichem Sinne auf die Einladung geant⸗ wortet, wie schon vor ihr jene von Havre, Nantes und Vordeaux gethan hatten. Die Stimmung fuͤr die Union mit Belgien ist unstreitig jetzt vorherrschend: dessenungeachtet darf man als gewiß annehmen, daß diese nicht zu Stande kommen wird. .

9