1843 / 2 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

28' 7.

den. Sie selbst scheinen dies vorauszusehen, denn indem sie alle Maßregeln, die nicht auf Beibehaltung des Status quo hinausgehen, als ein Todesurtheil für ihre Eristenz bezeichnen, erklären sie am Schlusse doch, wenn die Regierung sich weigern sollte, auf ihr Gesuch einzugehen, so wollten sie sich, wenn auch mit schwerem Herzen, zur Annahme des Rückkaufs ihrer Fabriken aus höheren politischen Gründen, welche die Regierung dazu veranlassen könnten, entschließen. Die Petition ist vom 22. Dezember datirt und soll von 360 Rübenzucker⸗ Fabrikanten von den 306 Besitzern der überhaupt noch bestehenden Fabriken unterzeichnet seyn.

Srossbritanien und Irland.

gLgvondon, 27. Dez. Der ministerielle Standard er⸗ öffnet sein heutiges Blatt mit der Anzeige, er sey zu der Mitthei⸗ lung ermächtigt, daß Se. Majestät der König von Preußen einge⸗ willigt habe, in der schwierigen und schon so lange obschwebenden Streitfrage über die Entschädigungsforderungen, welche Englische Unterthanen aus der Französischen Blokade von Portendic herleiten, das Schiedsrichteramt zwischen Frankreich und England zu übernehmen.

Die diesjährige Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten an den Kongreß, welche das am Hten d. M. von New⸗ York abgegangene Packetschiff „Independence“ mitgebracht hat, ist, wie gewöhnlich, sehr lang, aber, nach dem Urtheile der Englischen Blätter, präciser und klarer, als man es an Amerikanischen Staats⸗ schriften gewöhnt ist. Sie handelt sehr ausführlich von dem mit England abgeschlossenen Traktate, weist die Vortheile nach, welche eine völlige Erledigung aller Differenzen mit England verspreche, und fordert demgemäß zu alsbaldiger Regulirung der Frage wegen der streitigen Gränze des Oregon⸗Gebietes im fernen Westen der Union auf. Die Flotten⸗Station an der Afrikanischen Küste soll zur Hinderung des Sklavenhandels verstärkt werden. Was die Tarif⸗Frage betrifft, so wird eine partielle Revision undr espektive Ermäßigung des bestehenden Tarifs und zugleich die Einführung des Entrepot⸗ Systems vorgeschlagen. Die Finanzen werden als nicht so bedrängt geschildert, wie sie bisher in den Privat⸗Berichten dargestellt worden; im Uebrigen wiederholt der Präsident seinen Antrag auf Errichtung eines Schatzkammer⸗Büreau's. Den Privat⸗Nachrichten aus den Vereinigten Staaten zufolge, wird aber diese letztere Anempfehlung wahrscheinlich nicht vom Kongreß unterstützt werden. Der Präsident beklagt sich auch sehr darüber, daß das Finanz⸗Departement außer Stande sey, die vom Kongreß genehmigte Anleihe in Europa unter⸗ zubringen, während doch alle Europäische Staaten große Anleihe zu geringen Zinsen machen könnten. Dabei weist er auf die Bankerotte der Banken und auf die Verweigerung der Schuldenzahlung von Seiten einiger Staaten hin. Wie hoch das Schwindel⸗System ge⸗ stiegen, beweist die in der Botschaft enthaltene Angabe, daß im Jahre 1831 für 61,323,898 Dollars, im Jahre 1835 aber schon für 149,185,000 Dollars Banknoten im Umlauf waren. In Be⸗ zug auf Merxiko spricht sich der Präsident sehr versöhnlich aus, auch heißt es, daß in Folge des Eintreffens eines außerordentlichen Couriers mit neuen Instructionen für den Mexikanischen Gesandten in Washington die diplomatischen Beziehungen der beiden Republiken zu einander wieder auf freundlicheren Fuß getreten seyen, ja ein Pri⸗ vatbrief aus Mexiko vom 8. November meldet sogar, daß zwischen dem Gesandten der Vereinigten Staaten in Mexiko und der dortigen Regierung ein Traktat wegen Zahlung der streitigen Entschädigungs⸗ Forderungen Amerikanischer Bürger abgeschlossen worden sey. An der Londoner Börse hat die Botschaft des Präsidenten insofern be⸗ friedigt, als sie die Revision des Tarifs in Aussicht stellt, dagegen ist man unzufrieden über die leichte Weise, mit welcher der Präsident über die finanziellen Angelegenheiten hinwegeilt.

Die Nachrichten aus Lissabon reichen bis zum 19ten d. M. Die Regierung hatte sich zu einer neuen Anleihe von 125 Contos genöthigt gesehen, zugleich indeß Ersparnisse vorbereitet, welche auf 40,000 Pfd. jährlich berechnet sind. Die Frage wegen der Fest setzung des Tarifs für Englische Waaren ist noch immer nicht erle— digt, und die Hauptdifferenz ist, daß die Portugiesen überhaupt keine gleichmäßige Abgabe ad valorem bewilligen wollen, wie sie von der Britischen Handels⸗Kammer, und zwar zum Belaufe von 20 pCt., beantragt worden seyn soll.

Aus Kanada wird gemeldet, daß Sir Charles Bagot auf den Rath seiner Aerzte Kanada unverweilt mit einem milderen Klima vertauschen werde. Er hatte Depeschen des Ministeriums empfan⸗ gen, welche das von ihm neuerdings befolgte System vollkommen billigen.

Ueber die nach Yucatan abgesendete Mexikanische Expedition er fährt man durch die neuesten Berichte aus Amerika nur so viel, daß dieselbe sich am 6. November von Seyba Plata nach Campeche in Bewegung gesetzt hat. Einem in Washington umlaufenden Gerüchte zufolge, beabsichtigte die Regierung der Vereinigten Staaten eine Expedition nach Veracruz. b

„Man erfährt, daß Herr Caldeleugh, der die Vereinigung der Chilischen Regierung mit ihren Gläubigern zu Stande gebracht hat, sich erboten habe, nach Lima zu gehen, um mit der Peruanischen Regierung eine ähnliche Uebereinkunft zu schließen.

Die heutige Hof⸗Zeitung meldet wieder eine große Menge von Ordensverleihungen an Offiziere des Heeres und der Flotte, die in China und Afghanistan gefochten haben.

35I Fondsmarkt hat sich in Folge der besseren Stim ü,; der Pariser Börse und der nach den letzten Nachrichten aus Paris wieder mehr befestigten diplomatischen Verhältnisse zwischen dem Französischen und dem Britischen Kabinette wieder mehr befestigt und auch am Getraidemarkte zeigte sich für Weizen mehr Begehr 89 an den letzten Markttagen, wogegen die übrigen Getraidesorten mei⸗ stens niedriger waren.

*488*

e 2 London, 27. Dez.

jestät der König unpäßlich, weshalb die am 20sten und 21sten Abends beabsichtigten Conseils eingestellt werden mußten, jedoch erfreute man sich der Nachricht, daß der Fall nicht ernstlicher Art sey. Abend wird das Conseil, wie man vermuthet, stattfinden und darin ein Ministerwechsel, Herru, Törnebladh, der an der Spitze des Justiz⸗ Departements steht, betreffend, stattfinden. noch immer nicht ganz von seiner Krankheit hergestellt.

will, brechen zu machen. reiche Herren und Damen, von einem hohen Verschlag umschlossen, auf weichen Kissen sitzen sieht, mit Raum genug für ein Dutzend an⸗ derer Personen, die sich entweder mit harten Bänken und der Zug⸗ luft der offenen Kirchenthüre ausgesetzt begnügen, oder gar stehen müssen. zwischen Reichen und Armen, nicht nur dem Geiste, sondern sogar dem Buͤchstaben der Schrift entgegen ist. genannten Rechte und Vortheile, ist der Englische Geist so gänzlich der Vermischung der Stände entgegen, daß viele, ehe sie sich brü⸗ derlich neben ihren Schneider, Krämer oder Bäcker niedersetzten, lie⸗ ber die Kirche ganz und gar verlassen würden. 1 weg, der sich erwarten ließe, wäre, daß dergleichen Leute, die von den Launen Anderer abhängen, um ni 1 ren, sich nicht dieses Rechtes der Gleichheit bedienen würden. b der Bettler ist unabhängig, und in großen Städten giebt es viele unter den niedrigen Klassen, die auch ohnedies sich um keinen Vor⸗ nehmen oder Reichen zu bekümmern haben, und diese würden sich einen Genuß daraus machen, jenen recht nahe zu sitzen und sich da⸗ bei auch recht breit zu machen. Der Kampf um die Kirchenstühle wird also gewiß nicht leicht abgethan werden.

Blättern, und namentlich in der Times, einen gemilderten Ton gegen das Französische Kabinet in Bezug auf den Aufstand zu Bar⸗ celona bemerkt haben; und schließt daraus, daß es derselben gelun⸗ gen sey, den Grafen Aberdeen von ihrer Unschuld zu überzeugen.

ten an den Kongreß beschäftigt jetzt die öffentliche Aufmerksamkeit, besonders, da so manches darin vorkommt, was mittel telbar auf England neue Tarif Hoffnung, daß uns ndel der seine vorige Lebhaftigkeit erlangen könnte. Tyler es nicht wagt, die Weigerung, ihre Schulden anzuerkennen, welche sich einige Staaten erlaubt haben, auch nur mit einem Worte zu tadeln, ist eben etwas niederschlagend. del ohne Kredit ist ein Unding; und eine Rückkehr zum vorigen Zu⸗ trauen gegen die Vereinigten Staaten, als ein Gesammtkörper, ge⸗ gen die einzelnen Staagten, 1 Union, ist unmöglich, so lange nicht Regierung und Volk sich ge⸗ meinschaftlich gegen jene Untreue ausgesprochen haben. es auf, daß der Präsident gleich mit der Ankündigung der mit un⸗ serer Regierung eingegangenen Ausgleichung der wichtigsten Streit⸗ punkte, noch unerledigten Punkt hervorhebt. tionen (besonders von einer hofft er es) auffordert, den Amerika⸗ nern in derjenigen Uebereinkunft, die sie zur Unterdrückung des Skla⸗ venhandels mit uns Schritte, welche der Amerikanische Minister Cass zu Paris gethan, lobpreist.

Es ist freilich oft empörend, wenn man

Fast ein Jeder giebt es zu, daß eine solche Auszeichnung

Aber selbst ungerechnet die

Der einzige Mittel⸗

cht deren Kundschaft zu verlie⸗ Aber

Man will seit einigen Tagen in den der Regierung anhängenden

Die eben angekommene Botschaft des Amerikanischen Präsiden⸗

oder unmit⸗

Bezug hat. Die Andeutungen, daß der wieder herabgesetzt werden solle, erregt zwar ser Handel mit den Vereinigten Staaten hald wie Daß aber Herr

Denn ein Han⸗

oder auch die einzelnen Bürger der

g .

Auch fällt

welche zwischen beiden Staaten obgewaltet hatten, den Auch, daß er andere Na⸗

eingegangen, nachzuahmen, und dabei die

Hierbei ist freilich auf keinen ewigen Frieden zu rechnen. —— .

Sochweden und Uorwegen.

Stockholm, 23. Dez. Dem Vernehmen nach sind Se. Ma⸗

Heute

Auch ist der Kronprinz Se. Königl.

Hoheit haben sich, wie verlantet, früher nach der Wasser⸗Heilmethode behandeln lassen.

erklärt mit 407,000 Rthlr. Bceo.

An diese beruhi trauens, daß die Versammlung keine unpassende Erwägungen in das Bedenken an Se. Majestät aufnehmen werde, und schloß endlich mit einer dringenden Aufforderung,

Die von den Puseyiten ausgegan⸗ vs bi⸗ gege schon an der Zeit sey, das Institut der ständischen Ausschüsse unbe⸗

gene Anregung gegen die Unziemlichkeit der geschlossenen Sitze in den Kirchen ist, wie sich erwarten ließ, von dem zur Gleichheit hin⸗ neigenden Geist der Zeit ergriffen und in einer Kirche zu Ipswich auf gut demagogisch, d. h. durch die Mehrheit der Stimmen, in An⸗

wendung gebracht worden.

Wenigstens hat die Mehrheit entschieden,

daß alle Thüren von den Sitzen abgenommen und dieselben folglich für Jedermann offen seyn sollen. Ob es in jener Gemeinde Leute giebt, welche Eigenthums⸗Rechte an Stühlen haben, und ob eine Mehrheit durch ihr bloßes sic volo diese Rechte umstoßen kann, oder die Eigenthümer geneigt seyn werden, sich jener Entscheidung zu

muß sich nächstens zeigen.

Auf jeden Fall aber giebt es

olche Rechte in fast allen alten Kirchen, und da nicht alle Eigen⸗ hümer sich werden die Neuerung überall, wo man sie wird ein⸗

ühren wollen, uch wenigstens zu Prozessen, wo nicht zu

tritten, Anlaß geben. Schwieriger noch

Prediger haben, als den von den Stühlen erhobenen Zins. Neuerer verfolgen hierbei, wie bei den meisten ihrer Bestrebunge

rücksichtslos auf alle Verhältnisse der Gegenwart, die Idee einer Kirche, dem Anscheine nach entschlossen, alles was sich derselben nicht fügen

a

gefallen lassen, so wird dieser Gleichheits⸗Ver⸗ skandalösen Auf⸗ wird der Ausspruch bei den meisten Kirchen seyn, welche in der Neuzeit erbaut worden find, indem die meisten keinen anderen Fonds zur Besoldung ihrer Aber die

n,

Silbermünzen ausgegraben worden.

Anfang der Schluß⸗Berathung welchen die beiden Mitglieder der Majorität des Comité's, die Ad⸗ vokaten Beseler Einschiebsel in dem Comité⸗Bericht, wegen des Anschlusses an den Deutschen Bund, zu rechtfertigen und das dagegen gerichtete lästige Amendement des Pastor Lorenzen als eine bloße Redactions⸗Bemer⸗ kung, worüber erst bei der Genehmigung des Protokolls entschieden werden könne, aus dem Wege zu räumen, und dabei in Konflikt mit dem Königl. Commissair auch in Bezug auf dessen Rechte geriethen, der indessen seine Stellung mit Nachdruck behauptete. Dieser eröffnete die Diskussion mit einer Ansprache, worin er sich auf das Bestimm⸗ teste und Entschiedenste gegen die Aufnahme jenes Passus in das Gutachten, als die Kompetenz der Versammlung überschreitend, aus⸗ sprach und bei dieser Gelegenheit äußerte, er sey auch autorisirt, zu erklären, daß Se. Majestät eben so wenig darauf bedacht sey, das Herzogthum Schleswig oder Theile desselben mit dem Königreich Dä⸗ nemark zu vereinigen, als es durch den Beitritt zum Deutschen Bunde in eine staatsrechtliche Verbindung mit Deutschland zu setzen; der Wille Sr. Majestät sey demnach, das Herzogthum Schleswig weder Deutsch, noch Dänisch zu machen, sondern es als solches zu erhalten.

dingt abzulehnen, also ohne die Vorlage eines Gesetz⸗Entwurfs dar⸗ über abzuwarten.

zeigen enthalten folgende zwei Herzogliche Verordnungen vom

23. Dezember 1841 publizirten Verträge vom 16. und 17. d. M.

Das hiesige Handlungshaus Sutthof und Comp. hat sich falli.

Auf der Insel Gottland ist eine bedeutende Anzahl Altrömischer

WöaGnemarh.

Schleswig, 30. Dez. (A. M.) Die letzten Nummern der Schleswigschen Stände⸗Zeitung bringen unter Anderem den

über die ständischen Ausschüsse, in

und Gülich, sich alle mögliche Mühe gaben, ihr

gende Versicherung knüpfte er die Aeußerung des Ver

auch reiflich zu erwägen, ob es jetzt

Brannschweig, 28. Dez. Die Braunschweigschen An⸗

23sten d. M. JI. „Demnach Wir in Folge einer mit Sr. Majestät dem Könige von Preußen, für Sich und in Vertretung der sämmtlichen Staaten des Zollvereins, und mit Sr. Majestät dem Könige von Hannover, für Sich und in Vertretung der übrigen Staaten des Steuervereins, getroffenen Uebereinkunft beschlossen haben, die durch die Verträge vom 106. und 17. Dezember v. J., betreffend die steuer⸗ lichen Verhältnisse verschiedener diesseitiger Landestheile und resp. die Beförderung des gegenseitigen Verkehrs begründeten Verhältnisse noch auf ein Jahr fortdauern zu lassen, von Seiten Unserer getreuen Stände guch die verfasunzmagsae Zustimmung zu dieser Maßregel ügsteh is o wollen Wir hierdurch Folgendes bestimmen:

Die vorhin gedachten, durch Unsere Verordnungen vom

A ite 8

nebst den zu Letzterem gehörenden Uebereinkünften K. B. C. D. und F. sollen auch während des Jahres 1843 in voller Wirksamkeit bleiben.

§. 2. Ein gleiches soll während des Jahres 1843 Statt finden hinsichtlich 1) der durch die Verordnung vom 23. Dezember 1841 publizirten Uebereinkunft zwischen Braunschweig und Hannover wegen der Besteuerung innerer Erzeugnisse in dem dem Zollvereine ange⸗ schlossenen Theile des Königlich Hannoverschen Amtes Fallersleben, 2) der durch die Verordnung von demselben Tage publizirten Be stimmungen der protokollarischen Uebereinkunft zwischen Preußen und den übrigen Mitgliedern des Zollvereins und Braunschweig vom 19. Oktober 1841 wegen der einstweiligen Belassung des Harz=⸗ und Weser⸗Distriktes bei dem Hannover⸗Oldenburgischen Steuervereine 3) der Bekanntmachung Unseres Herzoglichen Staats ⸗Ministeriums vom 30. Dezember 1841, die Verwaltung der indirekten Steuern in den bei dem Steuervereine während des Jahres 1842 verblei benden Landestheilen betreffend, 4) der Verordnung vom 3. Januar 1842, die Einführung verschiedener Erzeugnisse und Fabrikate des Harz⸗ und Weser⸗Distriktes in das Zollvereinsgebiet betreffend, 5) der Bekanntmachung Unserer Herzoglichen Zoll⸗ und Steuen Direktion vom 9. Januar 1842 über das Verfahren bei dem erleich⸗ terten Verkehre zwischen dem Steuervereine und den dem Zollver⸗ bande beigelegten Herzoglich Braunschweigschen Landestheilen, und endlich 6) der Bekanntmachung Unserer Herzoglichen Zoll⸗ und Steuer⸗Direction vom 10. Januar d. J. in Betreff der Erneuerung des unter dem 1. November 1837 abgeschlossenen Vertrages wegen Beförderung der gegenseitigen Verkehrsverhältnisse.

Alle Unsere Behörden und Alle, die es sonst angeht, haben sich hienach zu achten. Urkundlich ꝛc.“

II. „Zur Beförderung und Erleichterung des Verkehrs in den dem Hannover⸗Oldenburgschen Steuervereine einstweilen noch ange⸗ schlossenen Theilen des Herzogthums, den Bezirken der Herzoglichen Kreis Directionen Holzminden und Gandersheim und des Herzog⸗ lichen Amts Harzburg, erlassen Wir, mit Zustimmung Unserer ge⸗ treuen Stände, das nachstehende Gesetz:

Die nach Maßgabe des Gesetzes vom 15. Oktober 1832, die Heranziehung ausländischer reisender Kaufleute zur Gewerbesteuer betreffend, und des Gewerbesteuertarifs vom 4. April 1837 von fremden reisenden Kaufleuten für den Handel nach Proben zu erle gende Gewerbesteuer von resp. 30 Rthlrn., 20 Rthlrn. und 12 Rthlrn. soll für reisende Kaufleute und Fabrikanten aus den Zoll- vereinsstaaten, welche jenen Handel in den zum Zollvereine gehö⸗ rigen Landestheilen nach Art. 17. des Vertrages vom 19. Oktober v. J. wegen des Anschlusses des Herzogthums an den Zollverein und Art. 7. des Vertrags von demselben Tage, wegen der Ausfüh⸗ rung des gemeinsamen Zollsystems im Fürstenthume Blankenburg, steuerfrei zu betreiben berechtigt sind, bei ihrem Gewerbebetriebe in den Eingangs bezeichneten, dem Zollvereine noch nicht angeschlos senen Gebietstheilen auf ein Viertheil, mithin 1) für reisende Wein⸗ händler auf 7 ½ Rthlr., 2) für Reisende, welche außer Messen und Jahrmärkten bei inländischen Kaufleuten Colonial⸗ oder andere see wärts kommende Waaren, oder wollene, seidene oder baumwollene Waaren zum Verkaufe ausbieten, auf 5 Rthlr., und 3) für Rei sende, welche Waaren anderer Art zum Verkaufe ausbieten, auf 3 Rthlr., für die Dauer des Jahres 1843 herabgesetzt werden Alle, die es angeht, haben sich hienach zu achten Urkundlich ꝛc.“

16 1.6“ n GBeftenreich.

Wien, 24. Dez. (A. Z.) Eine Allerhöchste Verfügung vom vorgestrigen Tage gewährt der Lombardisch-⸗Venetianischen Eisenbahn gesellschaft so außerordentliche Begünstigungen, daß dadurch dieses Unternehmen, eines der wichtigsten, das Italien geboten werden konnte, rasch gefördert und vollendet werden wird. Die Gesellschaft erhält dadurch die Zusicherung, daß, wenn ihre Mittel zum Ausbau nicht hinreichen, die Stäaatsverwaltung die Vollendung für eigene Rechnung übernimmt. Ist die ganze Bahn von Venedig nach Mai⸗ land vollendet, so behält die Gesellschaft zwei Jahre lang das Recht, die Bahn, so weit sie von ihr gebaut ist, sammt allem Zubehör dem Staate zu übergeben, der ihr dafür in vierprozentigen Staats schuldverschreibungen den vollen Kapitalbetrag der Actien bezahlt. Jeder der beiden Sectionen der Direction wird ein Bestellter der Regierung beigegeben zur Kontrole der Verwaltung, ebenso ein technisch gebildeter Beamter, der dafür sorgt, daß die Bahn gleich den Staats⸗Eisenbahnen gebaut werde. Die gesellschaftlichen Bauten sind in Jahre einzutheilen, und in den hiernach bestimmten Fristen zu vollenden.

8

—— Spaoanmnien.

Madrid, 20. Dez. Die Gaceta erklärt als Erwiederung auf die Aeußerung mehrerer Französischer Journale, daß die Insur⸗ genten von Barcelong keinesweges Reue gezeigt und niemals bittend vor dem Regenten erschienen wären. „Der Regent“, sagt dies Blatt, „konnte von den Catalonischen Deputirten keine Vorschläge direkt ent gegennehmen, indem dieselben zuerst dem Minister-Conseil vorgelegt werden müssen, welches darüber an den Regenten zu berichten hat, worauf Se. Hoheit alsdann erst verfügt. Der Regent konnte nur nach dem Rathe des verantwortlichen Ministeriums handeln und nicht die Initiative ergreifen. Die gebieterische Nothwendigkeit, für immer die gesetzliche Ordnung zu sichern, dem Thron und den National Institutionen Achtung zu verschaffen und den Geist der Anarchie aus zurotten, machten der Regierung eine gerechte und kluge Strenge zur Pflicht.“ Schließlich erkläart die Gaceta noch, daß die Folgen des Bombardements von Barcelona sehr übertrieben worden seyen.

Der Regierung wird es schwer

2

19. Dez.

Barcelona, w er fallen, die unserer Stadt auferlegte Kriegscontribution von zwölf Millionen Realen zusammenzubringen. Die reichen Kapitalisten haben sich geflüchtet und nur Mobiliar von geringem Werth zurückgelassen. Die Mehrheit der übrigen Steuerpflichtigen scheint entschlossen, sich eher einkerkern und auspfänden zu lassen, als zu bezahlen, allein Niemand wird sich herbeilassen, zu kaufen, wenn es zu Versteigerun gen kommt. Es ist dies schon neulich zu Mataro vorgekommen, wo sich die Einwohner weigerten, die dem Klerus bestimmte Steuer zu entrichten. Als positiv wird versichert, daß eine hochstehende Person erklärt hat, das wirksamste Mittel, binnen 24 Stunden die Eintrei⸗ bung der Steuer zu bewirken, sey wohl das, die vier angesehensten

Steuerpflichtigen erschießen zu lassen. 32

General van Halen hat seit seinem Einzuge in Barcelona au jede Weise das Verfahren des Französischen Konsuls, welches sonst nur die höchsten Lobsprüche erhält, zu verdächtigen gesucht. Herr Ferdinand von Lesseps hat ihm in diesem Betreffe eine Protestation zugeschickt. Der General van Halen, der freilich verlegen seyn mochte, Thatsachen beizubringen, behauptet in seiner Antwort, es sey

ein gewisser Francisco de Paula Cuello, Capitain im 2ten Bataillon

der National⸗Miliz, von einem Französischen Schiffe ans Land gesetzt worden. Allerdings war dies geschehen, aber nicht an der Spa⸗ nischen Küste, wie van Halen's Schreiben insinuirt, sondern zu Port⸗ v“]

Vendres, wo Francisco de Paula Cuello am 3. Dezember an Bord des Staats⸗Dampfbootes „Etna“ anlangte.

Zu Girona sind die Mütter der jungen Leute, die flüchtig sind, und deren man habhaft werden möchte, ins Gefängniß gesetzt worden.

O Madrid, 20. Dez. Die Einstimmigkeit und Härte, mit welcher die Französischen Blätter sich gegen das über Barcelona ver⸗ hängte Bombardement aussprechen, giebt der hiesigen Gaceta heute Veranlassung, sie zu beschuldigen, daß sie ihre Nachrichten aus trüben Quellen geschöpft hätten und in Irrthum gerathen wären. Nament⸗ lich wird der Vorwurf der Härte und Unerbittlichkeit, den das Jour⸗ nal des Débats dem Regenten macht, zurückgewiesen. „Was das Journal des Débats als einen Beweis von Halsstarrigkeit und Strenge oder Hochmuth betrachtet“, sagt die Gaceta, „ist weiter nichts als eine lobenswerthe, den Formen der Repräsentativ⸗Regie⸗ rung dargebrachte Huldigung.“ Ganz vorzüglich aber ist die amt⸗ liche Gaceta darüber erstaunt, daß sogar der National, „dieses unparteiische und höchst liberale Blatt“, sich zu dem Irrthume ver⸗ leiten ließ, als ob das Bombardement bedeutende Verletzungen des Eigenthums, Unglücksfälle, Blutvergießen u. s. w. verursacht hätte.“ Die Französischen Blätter thäten gewiß besser, ihre Nachrichten aus den in der Gaceta abgedruckten Depeschen des Kriegs⸗Ministers Rodil zu schöpfen. Dieser, der sich doch ganz in der Nähe von Barcelona befindet, berichtet Tag für Tag aus Sarriä hierher, der Regent des Reiches verweile fortwährend dort, und es habe sich nicht das Geringste ereignet. Auch ist die Gaceta mit Glückwünschungs⸗ Adressen angefüllt, die von Städten und Dörfern aus allen Gegenden Spaniens an den Regenten, aus Veranlassung des glücklich vollzogenen Bombardements von Barcelona gerichtet werden. So sagt z. B. (in der Gaceta von heute) der Schulze des Dorfes el Frasno: „Durch⸗ lauchtigster Herr! Auf Niemanden kann man besser als auf Ew. Ho⸗ heit die Worte anwenden: veni vidi vici. So oft Ew. Hoheit et⸗ was zu Gunsten der Freiheit unternahmen, so oft haben Sie es auch ausgeführt. Die Freiheit und der Friede liegen in der Hand Ew. Ho⸗ heit. Die Souverainetät des Volkes legte sie dort nieder. . was liegt es also daran, daß eine Handvoll Menschen, die nicht Spanier

7

sind, das Meer der Rebellion aufzuregen suchen, wenn die Wellen sich an der diamantenen Brust eines Soldaten, wie Ew. Hoheit, brechen? Wenn das Blut unserer Brüder, der tapferen Krieger, der Vertheidiger unserer Freiheit, noch in ihren Adern rollte, so würden wir nichts zu bedauern haben; ein militairischer Spaziergang Ew. Hoheit hätte das Attentat vereitelt. Aber dieses Blut, dieses Blut schreit nach Rache“ u. s. w. Die Provinzial⸗Deputation von Teruel sagt in ihrer Adresse unter Anderem: „Ew. Hoheit haben das sanf⸗ teste, das kürzeste, das patriotischste, das einzige Mittel erwählt, welches Sie erwählen mußten, indem Sie ein Glied vernichteten, um den Rest des sozialen Körpers zu retten. Die Klugheit, Gerechtig⸗ keit, und die Menschlichkeit selbst schrieben das Bombardement von Barcelona vor“ u. s. w.

Man kann also in Frankreich leicht zu der Ueberzeugung gelangen, daß es in Spanien selbst Leute giebt, die das Bombardement von Baͤrcelona für vernünftig und des Regenten würdig halten. Eben so sehr irrt man sich in Paris, wenn man voraussetzt, das Benehmen des Englischen Konsuls in Barcelona werde von seiner Regierung gemißbilligt werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß ihm von Seiten des hiesigen Englischen Gesandten die größte Zufriedenheit ausgedrückt worden ist.

Ein wichtiges Attenstück ist der am 14ten in Barcelona erlassene Tagesbefehl, in welchem der von dem Kriegs⸗Minister Rodil dem Regenten vorgelegte Antrag des Minister⸗Rathes über die Art und Weise, wie jene Stadt zu bestrafen sey, enthalten ist. Es heißt darin: „Ein schweres in Barcelona begangenes Verbrechen ist unbestraft ge⸗ blieben. Im vorigen Jahre riß eine revolutionaire Junta die innere Mauer einer Festung der Nation nieder. Wenngleich die Po⸗ litik anräth, gegenwärtig keine neue Untersuchung anzustellen, um die Urheber eines so schändlichen Vergehens zu bestrafen, so erheischt doch die Gerechtigkeit, daß der niedergerissene Theil der Citadelle auf ihre Kosten wieder aufgebaut werde.“ Diese Worte enthalten eine sehr schwere Anklage gegen die Vorgänger des jetzigen Ministeriums, die jene und andere Erzesse nicht nur unbestraft ließen, sondern den Mit gliedern der Junta, die jetzt revolutionair genannt wird, feierlichst ihren Dank aussprachen. In eben diesem Aktenstücke werden die National⸗Milizen von Barcelona mit Recht beschuldigt, die Consti tution und Gesetze mit Füßen getreten zu haben. Bis jetzt hat man aber nur das unglückliche Gesindel dezimirt, welches durch die Chefs der National⸗Miliz erst bewaffnet und dann seinen Henkern überlie fert wurde, und man frägt, ob die Anstifter mit Geldstrafen loskommen werden. Vor allen Dingen verlangt eine hier erschei⸗ nende militairische Zeitschrift, daß man die Kriegs⸗Artikel aufrecht halte, und in Gemäßheit derselben der General, welcher einen festen Platz räumte, ohne alle ihm zu Gebote stehenden Mittel der Ver theidigung erschöpft zu haben, und dadurch der Nation einen unbe⸗ rechenbaren Verlust und eine Beschämung vor ganz Europa verur sachte, erschossen werde.

In Sevilla sind die beiden Bataillone der National⸗Miliz, welche mit den Waffen in der Hand die Entfernung eines Theils der Be⸗ satzung verlangt hatten, auf Befehl des Regenten aufgelöst worden. Auch wurde die Besatzung verstärkt.

Die Anzahl der nach Catalonien bestimmten Truppen ist auf 50,000 Mann festgesetzt. Ueber den Zeitpunkt der Zurückkunft des Regenten ist noch nichts bekannt. Die Reise wird allem Anschein nach über Valencia gehen; ein Regiment Infanterie hat bereits Be⸗ fehl erhalten, verschiedene Punkte der Landstraße zu besetzen, um dem Regenten als Eskorte zu dienen. In Valencia finden viele Verhaf tungen statt. 3

8 e 8

Moldau und Wallache

zucharest, 12. Dez. (A. Z.) Die feierliche Eröffnung der Wallachischen außerordentlichen Deputirten⸗Kammer erfolgte am 29. No vember neuen Styls, an welchem Tage die Logotheten Konst. G. Phillipesko und Alexander Vilara zu deren Secretairen erwählt wurden. Die Wahl eines Fürsten muß spätestens bis zum 21. De⸗ zember erfolgen. Der Groß-Ban Georg Philippesko und der Logo⸗ thet Barbu Stirbey sind nun die Haupt Kandidaten.

—,.—M vereinigte Staaten von Nord-Amerika.

8 ew⸗Vork, 9. Dez. Gestern Abend hat ein Regierungs⸗ Courier die Botschaft, welche der Präsident zur Eröffnung des Kon⸗ gresses an den Senat und das Repräsentanten⸗Haus der Vereinig⸗ ten Staaten gerichtet, hierher gebracht. Sie beginnt folgender⸗ maßen: 5

„Wir haben fortwährende Ursach, dem großen Schöpfer aller Dinge für die zahllosen Wohlthaten, mit denen er uns als Volt gesegnet, unseren innigsten Dank zu sagen. Beglückt mit herrlichen Aerndten, hat der Land⸗ wirth seine Scheuren in Ueberfluß gefüllt, und überall ist Reichthum an den Bedürfnissen des Lebens, seiner Vergnügungen nicht zu gedenken. Während bei einigen anderen Nationen anhaltende und fleißige Arbeit kaum

die Mittel zum Unterhalt zu finden vermag, ist das größte Uebel, dem wir zu begegnen haben, ein den einheimischen Bedarf überschreitendes Ueber⸗

8

8—

maß der Production, welches in anderen Regionen Abfluß sucht und ihn nur mit Schwierigkeit theilweise findet. Der Gesundheits⸗ zustand des Landes ist im verflossenen Jahre, mit einigen Ausnahmen, gut gewesen, und unter ihren freien und weisen Institutionen gehen die Vereinigten Staaten rasch der Vollendung des hohen Geschickes entgegen, welches eine allmachtige Vorsehung ihnen bestimmt zu haben scheint. Frei von inneren Zuckungen und im Frieden mit aller Welt, sind wir im Stande, über die besten Mittel zur Erhaltung und Beförderung der Volkswohlfahrt zu berathschlagen. Solcher Art sind die Verhältnisse, unter denen Sie sich jetzt in Ihren betreffenden Kammern versammeln, und welche Sie veran⸗ lassen müssen, gemeinsamen Preis und Dank an das große Wesen zu rich⸗ ten, welches uns zu einer 2 ation gemacht und uns als solche erhält.“

Die Botschaft geht dann zu den auswärtigen Angelegenheiten über und beschäftigt sich zunächst mit den Beziehungen zu Großbri⸗ tanien:

„Ich wünsche Ihnen Glück, Mitbürger“, sagt der Präsident, „zu der glücklichen Veränderung in der Gestaltung unserer auswaͤrtigen Angelegen⸗ heiten seit meiner vorigen Jahres Botschaft. Damals waren Gruͤnde zu Beschwerden zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritanien vorhan⸗ den, welche, von aufreizenden Umständen begleitet, den oöͤffentlichen Frieden ernstlichst bedrohten. Die Schwierigkeit, die zwischen beiden Ländern schwebenden Streitfragen freundschaftlich auszugleichen, wurde durch den langen Zeitverlauf seit ihrem Ursprung in nicht geringem Grade erhöht. Die Ansichten, welche die Exekutive über verschiedene der streitigen Hauptpunkte hegte, waren in der Betschaft zur Eröffnung Ihrer vorigen Session offen auseinandergesetzt. Die Ernennung eines besonderen Gesandten an die Vereinigten Staaten von Seciten Großbritaniens, mit Vollmachten zur Unterhandlung über die meisten Streitpunkte bekundeten von dort her den Wunsch, dieselben freundschaftlich zu erledigen, und die Erekutive kam jenem Gesandten in demselben Geist entgegen, der seine Sendung veranlaßt hatte. Nachdem der Vertrag, welcher hieraus erfolgte, von beiden Regierungen in gehöriger Weise ratifizirt worden ist, ward hier⸗ bei eine Abschrift davon, nebst der Korrespondenz, die ihn begleitete, mitge⸗ theilt. Ich hoffe, daß Sie nichts Anstößiges darin finden werden, und daß derselbe ein Mütel werden kann, die zwischen den beiden Regierungen so glücklich bestehenden freundschaftlichen Verhältnisse auf unbegränzte Zeit auf⸗ recht zu erhalten.“

„Die Frage uüber Frieden oder Krieg zwischen den Vereinigten Staa⸗ ten und Großbritanien ist eine Frage von hoöchstem Interesse, nicht nur für diese Länder selbst, sondern für die ganze civilisirte Welt, denn es ist kaum möglich, daß ein Krieg zwischen ihnen geführt werden könnte, ohne daß der Frieden der Christenhett dadurch gefährdet würde. Die unmittel⸗ baren Wirkungen des Vertrages für uns selbst werden sich in der Sicherheit fühlbar machen, die dadurch den kaufmännischen Unternehmungen gewährt ist, welche nun, ohne daß sie eine Störung zu befürchten brauchen, ihre Spe culationen nach den fernsten Mͤeeren hin wagen können und, befrachtet mit den mannigfaltigen Erzeugnissen jedes Landes, für unser eigenes Segen zurückbringen.“ (Fortsetzung folgt.)

Die Arbeiter⸗Klassen in England und die jüngsten Bewegungen unter ihnen.

Dritter Artikel. 8 8 111““ 7 271 Nähere Charakteristik der bei dem letzten Aufstande vor⸗ zugsweise betheiligten Arbeiter⸗Klassen. Mißverhältniß zwischen dem Begehr nach Arbeit und den vorhandenen Arbeitskräften. Volksbildung.

Wenn man von dem Elende der Englischen Arbeiter hört, so darf man nicht glauben, daß alle Klassen derselben in dem kläglichen Zustande der Hülflosigkeit sich befinden, den wir in den vorigen Ar— tikeln gezeigt haben. Nicht auf einmal können die üblen Folgen eines zügellosen Industrialismus sich in allen Industriezweigen kund thun, und ein großer Theil der Arbeiter, vielleicht der größte, ist darum noch regelmäßig beschäftigt, und erfreut sich, wenn auch bei geringe rem Lohn als ffrüher, einer noch sganz erträglichen Erxistenz. Na⸗ mentlich gehören zu diesen die Arbeiter in den Fabriken. Jene 50,000 Fabrik⸗Arbeiter, welche den letzten Aufstand mit angeregt hatten, bilden noch nicht den vierten Theil der allein in den Baum⸗ wollen⸗Manufakturen Englands beschäftigten Arbeiter, und nur eine temporaire Stockung im Handel dieser Manufakte hatte sie der Ar beit und des Brodes beraubt. Im Durchschnitt verdient der Arbei ter in den Fabriken 10 Sh. wöchentlich, und das sichert ihm wenig— stens für die Gegenwart seinen Unterhalt. Aber es giebt außer die sen in den Fabriken beschäftigten Leuten noch eine sehr zahlreiche Klasse von Arbeitern, die bei den Maschinen Beschäftigung entweder nicht suchen wollen oder nicht suchen können, die in ihren Hütten mit ihren Weibern und Kindern ihre Arbeit verrichten, und da die voll kommenere Maschinen⸗Arbeit ihren Lohn herabdrückt, schon seit Jah ren in einem dauernden Zustande des tiefsten Elendes leben, aus dem sie sich am Ende durch kein anderes Rettungsmittel herausreißen können, als daß sie ihre bisherige Arbeit gänzlich aufgeben und eine andere Beschäftigung suchen. Es ist die weit verbreitete Klasse der Handstuhlweber. Wenn der flaue Handel und der erniedrigte Ar beitslohn dem Arbeiter in den Fabriken manche Lebensbedürfnisse raubt, ihn wohl auch hie und da dem Hunger preisgiebt, so verläßt ihn doch selten die Hoffnung auf eine bessere Zukunft; wenn aber der Handstuhlweber seine ohnehin zur kärglichsten Eristenz kaum hin⸗ reichende Löhnung verkürzt oder gar aufhören sieht, so muß er fast am Leben verzweifeln.

Diese Klasse war es auch vorzugsweise, welche den letzten Auf stand verursachte; ihr traten jene 50,000, arbeitslosen und eine gleiche Anzahl theilweise oder regelmäßig, aber mit herabgesetztem Lohn be schäftigter Fabrik⸗Arbeiter bei. Wir müssen nach diesen drei Abthei lungen den Zustand der Arbeiter untersuchen, um den Aufstand selbst in ein klares Licht zu stellen.

Die Lage der arbeitslosen Fabrik⸗Arbeiter im nördlichen Eng⸗ land kurz vor dem letzten Aufstande lernen wir am besten aus einem Cirkular kennen, das von einem Comité in der Stadt Stockport, bestehend aus dem Mayor, den Magistrats⸗Personen, der Geistlich⸗ keit und den ersten Fabrikbesitzern daselbst, erlassen wurde; wir können den Zustand der Arbeiter in dieser einen Stadt als Maßstab für alle übrigen Fabrikorte der nördlichen Distrikte gelten lassen. In Stock port und der Umgegend stand zu Anfang dieses Jahres ein Drittheil der Maschinen still, die, wenn im Gange, mehr als 4000 Personen Beschäftigung gegeben haben würden. Im Ganzen zählte man dort 5000 Arbeiter in verschiedenen Handels⸗ und Industriezweigen, welche für arbeitslos galten. Zwei auch drei Familien drängten sich in eine Behausung oder vertauschten ihre Hütten mit Kellern; eine große Anzahl Arbeiter, welche ihre letzten Geräthe und Kleider verkauft hatten, um zu existiren, befanden sich in einem Zustande gänzlicher Hülflosigkeit; ehrliche Leute, die gern arbeiteten, waren gezwungen, mit ihren ganzen Familien Straßenbettler zu werden, oder von einem Tage zum anderen von der Barmherzigkeit ihrer Nachbarn zu leben. Von 15,823 Individuen in 2965 Hänsern, welche unter der Direction der Comités besucht wurden, fand man nur 1204 vollständig, 2866 theilweise beschäftigt und 4148 fähig zu arbeiten, gänzlich ohne Beschäftigung. Der Rest von 7605 Perso⸗ nen war unfähig zu arbeiten. Das wöchentliche Einkommen jener 15,823 Personen betrug durchschnittlich 1 Sh. 4 ½ Pre.; der voll⸗ ständig beschäftigten 7 Sh. 6 ½ P der theilweise beschäftigten 4 Sh. 7 ¼½ Pcec.

Man hat sich bei einem großen Theile dieser Leute keinesweges gewöhnliche, den niedrigsten Volksklassen angehörige Arbeiter vorzu⸗ stellen. Sie befanden sich im bisherigen Zustande des Handels im Besitz reichlicher Subsistenzmittel und führten sogar ein Wohlleben, das dem größten Theile der dortigen Bevölkerung unbekannt ist. Sie besitzen nicht gewöhnliche Kenntnisse in ihren Industriezweigen und eine gewisse Bildung, die mit ihren 12 günstigen Verhält⸗ nissen in stetem Zunehmen war. Beim Beginn der Stockung des Handels und der Arbeit war es daher auch nicht eine verarmte Masse, unter welcher sogleich der Pauperismus eingerissen wäre, sie wehrten sich im Gegentheil tapfer gegen das Unheil und suchten weit und breit Beschäftigung und Unterkommen. Viele haben ihr Vaterland verlassen, um nicht zu anderen Hülfsquellen ihre Zuflucht nehmen zu müssen, als die ihnen ihr Fleiß und ihre Geschicklichkeit boten. Die Zurückgebliebenen haben ihr Elend lange mit Stand⸗ haftigkeit ertragen und Unterstützung aus den Armen⸗Kassen der Kirchspiele nie in Anspruch genommen. CEndlich, als ihnen alle Hoff⸗ nung benommen, verfielen sie auf einen Ausweg, der freilich am we⸗ nigsten ihre Lage verbessern konnte, den Aufstand. Auch darauf kamen sie nicht von selbst, sondern sie waren ein Werkzeug in der Hand der Chartisten und der Anti⸗corn⸗law-league, die ihre Unzu⸗ friedenheit genährt und in der Stille sie gegen die bestehende Ord⸗ nung erbittert hatten.

Die zweite Klasse der im Aufstande thätigen Arbeiter waren die, welche in den Fabriken regelmäßig, doch gegen herabgesetzten Lohn beschäftigt waren, aber im Vergleich mit den übrigen arbei⸗ tenden Klassen jener Distrikte, immer noch in einem Zustande mäßi⸗ ger Wohlfahrt sich befanden. Ihr Einkommen war in den meisten Fällen hinreichend, ihnen bei frugaler Lebensart und verständiger Wirthschaft eine ganz erträgliche Subsistenz zu sichern; denn es be⸗ trug im Durchschnitt 9 Sh. wöchentlich. Sie glaubten jedoch ge⸗ rechten Grund zur Klage zu haben, und hatten ihn auch in ihrem Sinne. Seit 1836 ist ihr Arbeitslohn, sagen sie, mehr als um die Hälfte gesunken, während die Preise der Lebensmittel von 50 auf 80 pCt. gestiegen sind. Damals kauften sie den Quarter guten Weizen für 40 Sh., 1841 dagegen für 75 Sh.; damals verkaufte man breiten gedruckten Zitz für 10 Sh., 1841 hatte derselbe den Preis von 5 Sh. Wenn der Arbeiter früher nur 4 Stück seines Fabrikats zu liefern brauchte, um den Quarter Weizen zu bezahlen, so mußte er jetzt um denselben Preis 16 Stück liefern. Das fühlte er alles, und sah zugleich, daß andere Länder an dem, was ihm fehlte, Ueberfluß hatten; die Erbitterung gegen die Gesetzgebung des Landes, welche das fremde Korn ausschloß, steigerte seine Unzufrie⸗ denheit, und mit dem Wahlspruch „ein gutes Tagelohn für ein gu⸗

tes Tagewerk“ erhob er sich zur Empörung.

Ueberhaupt ist der Glaube, daß die Korngesetze die Ursache von allem Elende sind, unter den arbeitenden Klassen Englands allgemein. Man ist der Ueberzeugung, sie erhöhen die Preise der Lebensmittel, sie be⸗ schränken die Ausfuhr und setzen den fremden Fabrikanten in Stand, den Englischen von allen Märkten zu verdrängen. Charakteristisch ist in Bezug hierauf die Antwort eines Arbeiters in Yorkshire, die er einem Regierungs⸗Kommissarius gab: „Wenn ich ein Kleid fabrizirt habe, und einen Franzosen mit einem Sack Korn auf dem Rücken antreffe, sollte ich mich freuen, mit ihm tauschen zu können, aber da steht gleich zwei Schritt von uns ein Zoll⸗Beamter, der es nicht zu⸗ läßt, und ich mag mein Kleid essen, wenn ich kann!“ So handgreif⸗ lich es auch hiernach scheinen möchte, daß die Korngesetze die Lage des Arbeiters verschlimmern, so glauben wir doch nicht, daß eine Abschaffung derselben ihm von wesentlichem Nutzen seyn kann. Man will billigere Lebensmittel bei dem dortigene hohen Arbeitslohn, zwei Dinge, die durchaus unvereinbar sind. Dick Preise der Lebensmittel werden immer durch den Arbeitslohn best mmt. In jedem Lande bilden die Arbeiter die große Mehrzahl des Volks; ihre Löhnung macht den Fonds, welcher die Preise der Lebensmittel bedingt, und zugleich das Haupt⸗-Element in den Productions⸗Kosten derselben aus. Jede Aenderung des Arbeitslohns hat deshalb eine doppelte Wir⸗ kung auf den Preis der Lebensmittel. Eine Erhöhung des ersten erhöht den Preis der letzteren, weil die Kosten der Production und das Kapital zu kaufen erhöht wird; jedes Sinken des einen muß umgekehrt den Preis der anderen verringern. In Ländern, wo niedriger Arbeitslohn gezahlt wird, sind im Allgemeinen die Lebens⸗

mittel billig, wo hohe Löhnung besteht, sind die Preise hoch. Wie

also auch nach Abschaffung der Korngesetze die Preise sich stellen möchten, immer wären sie abhängig von der Höhe des Arbeitslohns. Dieser aber wird durch das Verhältniß des Begehrs nach Arbeit zu dem Vorrath der vorhandenen Arbeitsfräfte bestimmt, worauf wir weiter unten zurückkommen werden. .

Diese Grundsätze werden durch die Lage dieser zweiten Abthei⸗ lung der im Aufstande thätigen Arbeiter keinesweges widerlegt, denn ihre Löhnung hat sich nur scheinbar verringert, und gesetzt auch, sie hätte sich verringert, so kann ihre gegen die große Masse von Arbeitern doch immer noch geringe Anzahl keine Norm feststellen. Aber jenes ist nicht der Fall, und nur ihr Mangel an Einsicht läßt sie nicht erkennen, daß sie durch die vollkommenere Maschinen⸗Arbeit, obwohl bei geringerer Löhnung im Einzelnen, in Summe mehr oder eben so viel gewinnen, wie früher. Ein Beispiel mag dies deutlicher zeigen. Im Jahr 1829 spann ein Spinner 312 Pfd. Garn in derselben Zeit, in welcher er jetzt 648 Pfd. spinnt. Damals ward er bezahlt mit 4 Sh. 1 Pee. per Pfund; setzt erhält er 2 Sh. 5 Pre. pro Pfund; 312 Pfd. zu 4 Sh. 1 Pce. machen 1274 Sh. und 648 Pfd. zu 2 Sh. 5 Pce. 1566 Sh. Er empfängt also 292 Sh. mehr als im Jahr 1829 für dieselbe Zeit Arbeit. Freilich thut er mehr Arbeit für weniger Lohn, aber er kann doch nicht sagen, daß sein Gewinn geschmälert ist. Freilich kann we⸗ der das alte, noch das neue Korngesetz allen Ansprüchen genügen; aber man muß sich hüten, dasselbe als die Ursache des Elends unter den Arbeitern und seine Abschaffung als das Heilmittel desselben an⸗ zusehen.

Die dritte Klasse von Arbeitern, welche den Aufstand anreg⸗ ten, waren die Handstuhlweber, d. i. die große Anzahl aller derer, welche in ihren eigenen Behausungen auf eigenen oder gemietheten Webstühlen unter dem Beistande ihrer Weiber und Kinder die verschie⸗ denen Stoffe, wie Seide, Wolle, Baumwolle und Leinen gegen gewisse Löhnung für den Fabrikherrn verarbeiten. Man findet in England wie in jedem in der Industrie vorgeschrittenen Lande keine Arbeiter, die zugleich produziren und fabriziren, denn die mit der Industrie stets wachsende Vertheilung der Arbeit bringt es mit sich, daß auf jeden einzelnen Zweig der Production und Fabri⸗ cation besondere Arbeitskräfte verwandt werden. Die Handstuhl weber in England sind deshalb weiter nichts, als von dem Fa⸗ brikherrn gemiethete Weber; die Materialien werden ihnen von die⸗ sem geliefert, und der Lohn ihrer Arbeit, des Webens, ist ihr allei⸗ niges Subsistenzmittel. Diese ganze Klasse der Weber, mit wenigen Ausnahmen, befindet sich seit langer Zeit schon in einem Zustande des tiefsten Elends, dessen natürliche Ursachen zum Theil in der im⸗ mer mehr in Aufnahme gekommenen Anwendung der Dampfwebe⸗ stühle, zum Theil in der mit dem Elende stets wachsenden Anzahl und der niedrigen Bildungsstufe dieser Leute liegen.

Der Dampf⸗Webestuhl, eine Erfindung des Dr. Cartwright, liefert bei seiner immer gleichmäßig angewandten Kraft nicht nur ein

14