1843 / 16 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

für die arbeitenden Klassen ein eben so wohlfeiles als gesundes Ge⸗ tränk beziehen, dessen sie jetzt so gut als ganz entbehren müssen. Denn was man ihnen jetzt hier unter dem Namen Wein reicht, ist ein elendes Fabrikat, das oft auch nicht einen Tropfen Weines -, um auf die Unterhandlungen mit auswärtigen Mäch⸗ ten zurückzukommen, so erregen die mit Belgien die meiste Besorgniß der Industriellen, und wenn diese in der Kammer angeregt werden, darf man sich auf Wiederholung all der heftigen Angriffe der Oppo⸗ sition gefaßt machen, welche schon die Blätter derselben, als es sich um das Zoll⸗Vereins⸗Projekt mit Belgien handelte, im Interesse der Steinkohlengruben⸗ und Eisenhütten Besitzer erhoben hatten. Doch herrscht über diese Frage kein Einklang zwischen den Mitgliedern der selben Parteien, da das Privat⸗Interesse hier das Partei⸗Interesse in den Hintergrund drängt.

34 Paris, 10. Jan. Der auf Spanien bezügliche Paragraph der Thronrede ist nicht allzu geeignet, die Wiederherstelluug des guten Verständnisses zwischen den Kabinetten von Paris und Madrid zu erleichtern. Die Worte Ludwig Philipp's werden in Madrid wahr⸗

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Autorität anzuerkennen sich weigern; man glaubt daher, es werde wohl von neuem eine Truppenmacht gegen sie gesendet werden müssen.

Sir R. Peel hat unterm Aten seine parlamentarischen Anhän⸗ ger eingeladen, bei Eröffnung des Parlaments am 2. Februar zuge⸗ gen zu seyn.

Am Getraide⸗Markt bleibt die Stimmnug günstig, und schöner trockener Englischer Weizen von allen Gattungen war gestern wieder 2 Sh. höher. Auch für fremden behauptet sich die Preis⸗Erhöhung von 1 Sh.

Der dreimonatliche Stand der Bank ist heute wieder bekannt gemacht; das in Umlauf befindliche Papier hat eine Verminderung von 332,000 Pfd. erlitten, und der Geld-Vorrath hat sich um 3416,000 Pfd. vermehrt. Das erstere beträgt nämlich 19,230,000, V der letztere 10,330,000 Pfd.

Die neuesten Berichte aus Lissabon vom J3. Januar bringen die Rede, mit welcher die Königin am Tage zuvor die Session er öffnet hatte. Sie ist kurz und bespricht hauptsächlich die durch Akkre⸗ ditirung von Gesandten der Nordischen Mächte in Lissabon geebneten Verhältnisse zum Auslande. Auch wird auf die Nothwendigkeit von Ersparungen hingewiesen. (S. Portu gal.)

scheinlich nicht sehr gut aufgenommen werden. Die Sprache der Madrider ministeriellen Blätter gegen Frankreich ist noch immer im höchsten Grade feindselig, wiewohl kaum feindseliger als, wenn nicht der Ton doch der Geist, in welchem die hiesigen, mit dem Ministerium in Verbindung stehenden Blätter von der Spanischen Regierung zu sprechen pflegen. So zum Beispiel insinuirt das heutige Journal des Débats, daß Espartero nichts weniger im Sinne führe, als die Wiederherstellung und Usurpation der unumschränkten Königsgewalt, und stützt diese Anklage auf den Umstand, daß das Dekret über Auflösung der Cortes in denselben Formen abgefaßt sey, in denen die Ordonnanzen Ferdinand's VII. erlassen zu werden pflegten. Diese Sache verhält sich nun allerdings, wie das Journal des Débats behauptet, allein die Folgerungen, die es daraus zieht, zerschellen an der anderen Thatsache, daß die fraglichen Formen nicht einen Augenblick außer Uebung gekommen sind, daß die Königin Christine dieselben immer beibehalten, und daß Espartero sie vom Anfauge seiner Regentschaft an gebraucht hat. (Vergl. übrigens unten Brief aus M adrid.)

Noch immer spricht sich in allen Aeußerungen der öffentlichen Meinung tiefe Entrüstung über das Verfahren der Engländer in Afghanistan aus. Man wartet mit einer gewissen Spannung auf das Urtheil, das die Londoner Blätter über jene Begebenheiten fällen werden. Was die Indischen Zeitungen betrifft, so verthei⸗ digen sie zum Theil die Zerstörung von Kabul und Dschellala⸗ bad. So der Bombay Courier. „Nur große Zwecke“, sagt

II London, 10. Jan. Lord Ellenborough hat mindestens einen Fehler, der für einen Mann, welcher die höchste Stellung in einem Lande einnimmt, kein geringer ist er hat eine Begierde, auffallende Dinge zu sagen und zu schreiben, die nach rhetorischen Grillen schmecken, welche aber nicht im Geschmacke des Englischen Volkes sind. Er begann mit einer Proclamation, die den Rückzug der Armee verkündigte und in der er sich einige sarka— stische Parenthesen gegen seinen Vorgänger und gegen diejenigen Offiziere erlaubte, welche im Begriff waren, wegen ihres Benehmens vor Gericht gestellt zu werden. Hierauf folgte eine etwas prahlerische Er⸗ klärung seiner Absicht, den Handel auf dem Indus und an seinen Ufern auf eine noch höhere Stufe zu erheben, als Aurengzeb, und diese Herzensergießungen werden noch überboten von einer späteren Proclamation an die Indischen Fürsten, welche davon handelt, daß die Sandelholz⸗Pforten des Tempels von Dschaggernaht, die vor 500 Jahren durch eine Afghanische Armee geraubt wurden, wieder dort⸗ bin zurückgebracht werden sollen. Ich glaube, daß Lord Ellenborough die trefflichsten Absichten hegt und eine treffliche Kenntniß von den wirklichen Bedürfnissen Indiens besitzt, und daß dies Alles hätte ge than aber nicht gesagt werden müssen, namentlich nicht in so bombastischer Sprache. Die wahre Größe Englands im Orient be steht nicht in irgend einer phantastischen Nachahmung barbarischen Glanzes oder orientalischer Hyperbeln.

Ich bin jedoch keinesweges unempfänglich gegen den Zweck der

er, „konnten ein solches Verfahren rechtfertigen, aber große Zwecke sind auch glücklich, und wir glauben hinzufügen zu können, definitiv erreicht worden. Wir betrachten die Züchtigung, die Afghani stan von unseren Händen empfangen hat, nur als ein Mit⸗ tel zum Zwecke, zu dem Zwecke des ehrenvollen Rückzuges aus einem Lande, in welchem längeres Verweilen verderblich für uns ge⸗ worden seyn würde.“

EC Srososbritanien und Arland.

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Die Ostindische Post ist am Sonnabend welche die hiesigen Blätter aus den Ostindischen geben, bringen nichts weiter von wesentlichem In⸗ teresse oder von näherer Begründung in Bezug auf die bereits mit getheilten letzten Nachrichten aus Afghanistan, mit Ausnahme einer offiziellen Depesche von General Pollock, welche die Zerstörung des großen Basars von Kabul bestätigt. „Die Ueberreste des ehemaligen Gesandten (Mac Naghten's) waren auf diesem Basar zu öffentlicher Beschimpfung ausgestellt worden“, heißt es in dieser Depesche, „und mein Beweggrund, indem ich denselben zerstören ließ, war, den Afghanen einzuprägen, daß ihr grausames Benehmen gegen einen Britischen Beam⸗ ten nicht ungestraft bleiben durfte.“ Die Sppositionsblätter, welche sich auf die Berichte der Bombay Times stützen, machen dem General⸗ Houverneur Lord Ellenborough und dem General Pollock heftige Vor⸗ würfe wegen der in Afghanistan angerichteten Verheerungen und an⸗ geblich von den Truppen verübten Grausamkeiten.

London, 10. Jan. zier angelangt, aber die Auszüge,

Auch die Times, welche im Uebrigen die Politik Lord Ellenborough's lobt, kann doch nicht umhin, die genommene Rache für nutzlos, unklug und grausam zu erklären. Der ‚Den Gerüchten, daß alle Afghanische Forts, gleich dem Basar von Kabul, zerstört worden, ist wohl Glauben zu schenken, weil es offen bar die Pflicht des Britischen Commandeurs war, diese Denkzeichen an die Siege und Macht Großbritaniens zurückzulassen; aber jene Gerüchte sind von Schilderungen der angeblich gegen die Bevölkerung verübten Grausamkeiten begleitet, wofür wir einer besseren Beglaubigung bedürfen, als die unsicheren Behauptungen der Indischen Blätter, welche schon oft, wie bei Gelegenheit der angeblichen Gemetzel und Gräuel an Kandahar, böswilliger Unwahrheit überführt worden sind. Durchaus unvereinbar mit der Verübung so muthwilliger Grausam⸗ keit ist das, was wir von der Politik des General⸗Gouverneurs wis⸗

Standard jedoch bemerkt in dieser Beziehung:

neueren Maßregeln Lord Ellenborough's. Er sucht sich so viel wie möglich mit Indien zu identifiziren, Indien selbst zu der Ueberzeu gung zu bringen, daß es durch diese Kriege gewonnen hat, daß es eine eigenen Söhne gewesen sind, welche die heiligen Thore an ihren alten Platz wieder zurückgebracht haben, und daß Indien unter der Britischen Regierung, nicht unter ein fremdes Joch gebeugt, darnie⸗ derliegt, sondern im Gegentheil auf eine Höhe des militairischen Glanzes und Ruhms erhoben worden sey, die Alles übertreffe, was

sdie Geschichte von der Regierung seiner größten Beherrscher erzählt.

Dies ist in vieler Beziehung wahr. Die Verbindung oder vielmehr Vereinigung Europäischer Energie mit der Macht und den Hülfsmitteln der Völker Asiens hat nirgends solche Resultate hervorgebracht, wie in den Armeen und in der Verwaltung des Britischen Indiens. Fast an allen anderen Orten haben, wie die Geschichte lehrt, ähnliche Umstände einen Konflikt der Rassen hervorgebracht: in Hindostan haben die Engländer eine wirk liche Vereinigung der Rassen für alle Zwecke der Regierung, des Handels und des Krieges bewirkt. Es ist klar, daß die Kriege in Afghanistan und in China mittelst Asiatischer Hülfsmittel und mit Asiatischen Truppen geführt worden sind. Eine rein Europäische Macht hätte sie nicht unternehmen können. Es ist dies also seit Jahrhunderten das erstemal, daß Indische Heere von auswärtigen Siegen nach Hause zurückkehren, und Lord Ellenborough ergreift diese Gelegenheit, um ihr nationales Selbstgefühl zu heben, indem er sie daran erinnert, daß sie die Armee Indiens bilden und nicht bloße Sklaven oder Hülfsvölker Großbritaniens sind. Dies ist gewiß eine edle und preiswürdige Gesinnung, und der Styl von Lord Ellenbo rough's Proclamationen mag besonders geeignet seyn, jene Gesinnung den Eingeborenen mitzutheilen; aber unglücklicherweise erscheint der⸗ selbe Styl für London zu vrientalisch.

Das rachsüchtige Verfahren der Britischen Armee in Kabul, na⸗ mentlich die Zerstörung der Basars in dieser Stadt und die Plünde⸗ rung der etwa 15 Englische Meilen entfernten Stadt Istalif, sind Grausamkeiten, welche von der öffentlichen Meinung in England aufs strengste getadelt werden. Sie scheinen mit Genehmigung des Ge nerals Nott verübt worden zu seyn, der nach der Vereinigung seines Corps mit dem des Generals Pollock, als ältester Offizier das Ober Kommando übernahm. Der letztere General soll gegen jene schmach vollen Gewaltthätigkeiten protestirt haben. Ich meinerseits bleibe mei ner ersten Meinung, daß es das Klügste gewesen wäre, zu thun, was Lord Ellenborough zuerst vorschlug, nämlich, die Truppen zurückzuzie hen, die Gefangenen Akbar Chan's durch Unterhandlungen und Aus⸗

sen. Alle Afghanische Gefangene, mit Einschluß des Usurpators Dost

Mohamed und der Gattin Akbar Chan's, sind wohlbehalten und eh⸗

renvoll in Freiheit gesetzt, und es ist ihnen dabei keine weitere Be⸗

dingung auferlegt worden, als die, welche eher als ein Kompliment

betrachtet werden kann, daß sie nämlich vor ihrer Abreise bei dem

Durbar oder öffentlichen Lever des General-⸗Gouverneurs erscheinen sol⸗

len. Ueber die Klugheit dieses Gnaden⸗Aktes ist natürlich in Indien ge⸗ stritten worden, aber in England wird man darüber gewiß nicht verschiedener Meinung seyn. Mit dem Kriege mußten auch alle Incidenzien des Krieges ein Ende haben, und nachdem die Britische Regierung weis⸗ lich beschlossen hatte, die unlenksamen Schufte Afghanistan's der Strafe ihrer eigenen Anarchie zu überlassen, war sie auch weder veranlaßt, noch berechtigt, Männer und Frauen, die persönlich kein Unrecht ge

gen uns begangen hatten, als Kriegsgefangene zurückzubehalten. Wäre Akbar Chan oder irgend einer der anderen Mörder in unsere Hände gefallen, so würde der Minister oder General, der ihn nicht hätte aufknüpfen lassen, selbst den Galgen verdient haben; aber so wie die Gerechtigkeit das Aufknüpfen dieser Scheusale gebot, wenn man ihrer habhaft geworden wäre, so erheischte dieselbe Gerechtig⸗ keit, daß man nach Beendigung des Krieges sich in der Strafe ge⸗ gen Personen mäßigte, die nur als Kriegsgefangene zurückgehalten wurden.’“ Dem Hampshire Telegraph zufolge, wird Lord Ellenborough nun sehr bald nach England zurückkehren und den Marquis von Tweeddale, Gouverneur von Madras, zum Nachfolger erhalten. Auf den Stand der Fonds an der hiesigen Börse haben übrigens die letzten Ostindischen Nachrichten günstig gewirkt.

Die letzten Nachrichten über das Befinden des Gouverneurs von Kanada, Sir Chs. Bagot, lauten günstiger; der Nachricht, daß Lord Eliot, der Secretair für Irland, sein Nachfolger werden sollte, wird widersprochen.

Vom Vorgebirge der guten Hoffnung wird unterm 6. November gemeldet, daß die Boers, welche sich in ziemlich großer

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wechselung gegen die in der Gewalt der Briten befindlichen Afghanen zu befreien, getreu. Die öffentliche Meinung entschied das Gegentheil und es wurde ein Feldzug unternommen, um die Grausamkeit des vorhergehenden Jahres durch Grausamkeiten unsererseits zu vergelten. Ich halte diesen Feldzug für kein ruhmwürdiges Ereigniß in der Eng⸗ lischen Kriegs⸗Geschichte; allein es hieß zu viel von der menschlichen Natur erwarten, wenn man voraussetzte, daß die Menschen den mo ralischen Muth der Selbstbeherrschung über die Triumphe der Mili tair⸗Gewalt setzen würden.

Wir können uns wenigstens Glück wünschen, daß dergleichen Nothwendigkeiten vorüber sind. Das Parlament wird mit einem glänzenden Verzeichnisse beendigter Streitigkeiten eröffnet werden, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß die erwarteten Handels Vertraͤge mit Spanien und Brasilien noch zeitig genug in London eintreffen, um in der Thronrede erwähnt zu werden. 1““

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a Brüssel, 10. Jan. Die Deputirten⸗Kammer hat nach einer vierzehntägigen Unterbrechung ihre Arbeiten mit der Diskussion des Budgets der öffentlichen Arbeiten wieder begonnen und wird sodann zur Prüfung des Militair⸗Budgets übergehen. Gegen dieses letztere sind seit dem Friedens⸗Traktate mit Holland 1839 fortwäh⸗ rende Klagen gemacht worden wegen des bei der neutralen Lage des Fne unvergleichlich hohen Militair⸗Etats, der fast ein Drittel der Einnahmen absorbirt. Höchst wünschenswerth wäre es für Belgien, wenn im Militair⸗Budget eine bedeutende Ersparniß gemacht und zur Ausdehnung. des Handels verwandt werden könnte. Die Thron⸗ Rede hatte indirekt die Errichtung einer großen Handelsgesellschaft als das geeignetste Mittel bezeichnet, um den auswärtigen, namentlich

über 1 8.—

Menge jenseits des Orange⸗Flusses gesammelt haben, die Britische

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überserischen Handel zu beleben; allein bei dem Mißkredite, worin jetzt

fast alle Actien⸗Gesellschaften gefallen sind, verlangt die Errich

einer solchen Gesellschaft das thätige Mitwirken des Staates. Belgiens Bezug die verschiedenen Handels⸗ und Industriezweige Besgiens st v inem jungen Manne, Herrn Cloquet, der sich durch Reisen mit dem Auslande, namentlich mit dem Oriente, bekannt ge macht hat, eine interessante Schrift, „itades sur le commerce“ ac. enc. 24 Verfasser wirft hauptsächlich seinen Landsleuten Mangel an Unternehmungsgeist vor, so wie die Befolgung einer im Handel verwerflichen Maxime, nämlich unter dem Vorwande größe rer Solidität, in der Waaren⸗Fabrication keine Rücksicht auf den wechselnden Zeitgeschmack zu nehmen. Als ein hauptsächliches Mit tel zur Verbreitung des auswärtigen Handels bezeichnet der Verfasser mit Recht die Errichtung Belgischer Comtoire in den entfernten Län⸗ dern, da die Gründung von Konsulaten nur eine Vorbereitung, der erste thätige Nachfolge des Handelsstaͤndes den eigentlichen Zweck ver ehlt.

Die Handels⸗Verbindung Belgiens und Frankreichs beschäftigt fortwährend die Französische Presse. Das Werk von LCon Faucher, welches diesen Gegenstand behandelt, ist wegen des tieferen Eingehens in die Frage bemerkenswerth. nach seiner Meinung die Zoll⸗Verbindung mit Belgien eine nähere politische Vereinigung herbeiführen müsse, glaubt jedoch den Belgiern die Versicherung geben zu können, daß diese keine Absorbtion oder die Vernichtung aller Unabhängigkeit nothwendig mache. Ob aber dies letztere nicht die endliche Folge, wenn auch nicht der Anfang, einer solchen Zoll-Verbindung seyn würde, ist bei dem in Frankreich herrschenden Geiste wohl nicht schwer zu entscheiden. Werke, wie das bezeichnete, sind aber immer wohl zu beachtende Zeichen von dem Fortschritte, welchen diese Frage in Frankreich macht, und von allgemeinem Gesichtspunkte betrachtet, stellen wir solche Französische Schriftsteller, die in der großartigen Idee eines Zoll⸗Vereins mit den Nachbarstaaten die Macht⸗Vergrößerung ihres Vaterlandes ver⸗ folgen, unbedingt höher, als die Deutsche staatsökonomische Weis⸗ heit, wie sie von einigen Schriftstellern ausposaunt wird, die der halbgebildeten Menge imponirt und dem Egoismus aller In⸗ dustrieen schmeichelt, die aber, mit einiger Konsequenz durch⸗ geführt, Deutschland nicht blos gegen andere Staaten durch verkappte Prohibitiv⸗Gesetze absperren, sondern auch die einzelnen Theile des Landes gegen einander aufbringen und den kaum geknüpf⸗ ten Zoll⸗Verein gefährden dürfte. Denn wenn die Han⸗

dels⸗Praris, die an sich schon zu sehr dem absondernden Pro⸗

tections⸗Systeme ergeben ist, kein Gegengewicht mehr in der Wissen⸗ schaft findet, die mit ihren Forderungen zum Fortschritt und zur all— mäligen Handelsfreiheit drängt, so müssen die Repulsivkräfte bald das Uebergewicht über die Anziehungskraft gewinnen und zur Auflösung aller innigeren Bande führen. Doch es ist hoffentlich diese neue Erscheinung in Deutschland wohl nur ein vorübergehendes Symptom und die Folge von einem Zustande, den die Gelehrten zum großen Theile verschuldet haben. Während sie sich selbst dem Leben entfremdeten, in der Wissenschaft nur Abstractio⸗ nen verfolgten, anstatt den reichen Gehalt des Lebens und der Erfahrung in ihre Prinzipien aufzunehmen, hat ihnen die Praris den Rücken gekehrt und sich den Sprechern in die Arme ge— worfen, die dem verderblichsten Partikularismus und Egoismus das Wort reden und in ihren Schriften gerade denselben Ton an stimmen, der aus dem Munde der koalisirten Monopolisten von Frankreich herüberklingt.

Während die Revue nationale, das Organ der gemäßig⸗ ten liberalen Meinung, an Ausbreitung gewinnt, ist die Revue de Brurelles, bisher die bedeutendste und gehaltvollste Monatsschrift der katholischen Meinung, mit Ende Dezember eingegangen. war seit einem Jahre von Brüssel nach Löwen verlegt und der Lei— tung mehrerer Professoren der dortigen Universität übergeben wor⸗ den, hatte aber seitdem einen zu theologischen Anstrich erhalten, der eine große Monotonie in die Redaction brachte. Dennoch wäre die Fortsetzung dieser Monatsschrist wünschenswerth gewesen, da dieselbe unter der Geistlichkeit ein größeres wissenschaftliches Interesse zu ver breiten geeignet war, als das bekannte Journal historique et litéraire de Liège, und es überhaupt besser ist, wenn sich die

uchungen als mit der Tages⸗

Sie

Geistlichkeit mit theologischen Unters Politik beschäftigt.

Die Französische Thron⸗Rede, die so eben bekannt wird, enthält auch einen Paragraph über Handels⸗Verbindungen, bei dessen Diskus sion sicherlich die mit Belgien angeknüpften Negociationen zur Sprache kommen werden. Man ist hier sehr darauf gespannt. 6

.,. —VO

Dänemarh.

Kopenhagen, 10. Jan. Als P. H. Lorenzen gestern im

Schauspielhause eintratt wurde er mit dem Ausruf: „Lange lebe Peter Hjort Lorenzen!“ und oft wiederholtem Hurrah! begrüßt. Diesen Abend ist er nach Hadersleben abgereist; auf dem Posthofe hatte sich eine Menge Menschen geschaart, um ihm Lebewohl! zu bringen. 1 1

Auf Nysöe dessen Name sich an eine Reihe von Thorwald⸗ sen's späteren Werken knüpft hat derselbe zu letzten Weihnachten ein Basrelief, die Weihnachts⸗Freude im Himmel vorstellend, model⸗ lirt, das Oehlenschläger, der ebenfalls dort die Weihnachts⸗Zeit zu⸗ brachte, zu einem Gedichte begeistert hat. Die Kunst; Akademie hat unseren Maler Adam Müller zu ihrem Mitgliede erwählt, veranlaßt durch ein in Rom 1841 von ihm angefangenes großes Altarbild: Christus, der die Evangelisten beruft, welches Thorwaldsen für das Museum angekauft hat.

Das Hof⸗ und Stadtgericht hat den früheren Redacteur des Corsars, Morthensen, wegen sieben in Nr. 68 dieses Blattes vom v. J. aufgenommener Artikel nebst einem Holzschnitt, zu 200 Rbthlr. Geldstrafe und einjähriger Censur verurtheilt, den Holzschneider jedoch freigesprochen.

Deutsche Bundesstaaten.

München, 10. Jan. (A. Z.) Die heutige Sitzung unserer Kammer der Abgeordneten wurde durch eine doppelte Debatte zu⸗ nächst über die Zulässigkeit und dann über die Annahme des von 30 protestantischen Abgeordueten au die Kammer gestellten Antrags ausgefüllt, ves wolle an Seine Majestät den König auf verfassungs⸗ mäßigem Wege die Bitte gebracht werden, daß die die Gewissens⸗ freiheit der Protestanten beschwerende Kriegsministerialordre vom 14. Aug. 1838, durch welche die, Kniebeugung vor dem Sanctissimum während der Messe bei dem Militairgottesdienst befohlen wird, zurück genommen werde“, oder vielmehr in letzterem Bezug im strengeren Sinn über eine zu dem Antrag gestellte Motion des Abg. Bestelmeyer, des Sinnes, es wolle an den Allerhöchsten Thron die allerunterthä⸗ nigste Bitte um solche Maßregeln gebracht werden, durch welche die in Folge der fraglichen Verordnung unter den Protestanten veranlaß ten Befürchtungen beseitigt zu werden vermöchten. Indem wir uns vorbehalten, weitere Ergänzungen dieses Berichts nachzutragen, be⸗ schränken wir uns vorläufig auf die bloße Mittheilung der

Der Verfasser verhehlt es nicht, daß

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Schritt von Seiten der Regierung ist, der aber ohne die

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beiden Kammer ⸗Beschlüsse. Für die Zulässigkeit des Au trages sprach sich die Kammer nach einer fast dreistündigen Debatte mit einer an Einstimmigkeit gränzenden Stimmen⸗ mehrheit aus. Eben so wurde die sofortige Berathung und Be⸗ schlußfassung von einer großen Mehrheit beschlossen. Endlich nahm die Majorität der Kammer das obige Amendement des Abg. Bestel⸗ meyer an, wodurch der ursprüngliche Antrag von selbst beseitigt wurde. Während der ganzen Verhandlung waren sowohl sämmtliche reser⸗ virte Logen und Tribünen, als die Galerieen von Zuhörern dicht besetzt. Am Ministertische waren gegenwärtig die Königlichen Mini⸗ ster des Innern und des Kriegs und drei Regierungs⸗Kommissarien.

Dem Vernehmen nach haben Se. Majestät der König für die armen Gemeinden im Spessart, die heuer weder Nahrung für sich noch Futter für ihr Vieh erhielten, das Königliche Geschenk von 40,000 Gulden bestimmt, welche Summe abgesendet werden soll, so wie der Plan zu Vertheilung derselben von der betreffenden König-

lichen Regierung eingegangen seyn wird. 1 1“]

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Gesterreich

10. Jan. Se. Majfestät der Kaiser haben nachstehen⸗

Wien, des Kabinets⸗Schreiben an den Präsidenten der allgemeinen Hof⸗ Kammer und bisherigen Schatzmeister des Oesterreichisch Kaiserl. Leopold⸗Ordens, Freiherrn von Kübeck, erlassen:

„Lieber Freiherr von Kübeck!

Zum Beweise Meiner Zufriedenheit mit Ihren Mir bisher ge leisteten Diensten, verleihe Ich Ihnen das Großkreuz Meines Leopold⸗ Ordens und ernenne Sie zugleich zum Kanzler dieses Ordens; worüber Ich unter Einem das Erforderliche an die Ordens Kanzlei erlasse.

Wien, am 5. Januar 1843. (Gez.) Ferdinand.“

Der neu ernannte Leopold⸗Ordens Kanzler hat in dieser Eigen⸗ schaft den Eid am 6. Januar d. J. in die Hände Sr. Majestät ab gelegt.

Ueber eine neuerrichtete Oesterreichische Finanzwache enthält die Allg. Zeitung folgendes Nähere: „Die Umgestaltung des Oester⸗ reichischen Finanzwesens, zu welcher die Grundlage schon in viel frü— heren Epochen gelegt wurde, die aber jetzt ihrer Entwickelung immer mehr entgegen schreitet, und der gegenwärtig ein besonders energi scher und vielseitiger Impuls gegeben scheint, tritt in einer Reihen⸗ folge von Maßnahmen, von denen eben eine neue wichtige durch Entschließung des Kaisers sanctionirt wurde, immer ersichtlicher her⸗ vor. Diese neueste Kaiserliche Entschließung betrifft eine wesentliche Veränderung in der Gränz⸗ und Gefällenwache, einem Institute, das im Publikum wenig Anklang gefunden hatte, auch wohl manche Mängel enthielt, dem aber bei weitem die meisten durch irrige Ansichten und Unkenntniß des Gegenstandes angedichtet wur— den. Wenigstens die Nothwendigkeit eines solchen Instituts war handgreiflich. In früherer Zeit bestand ein aus Halb⸗Invaliden zusammengesetzter Gränz-⸗Kordon zur Beaufsichtigung der Zoll⸗-Linien und der Gefälle, der weder in der einen noch in der anderen Bezie hung irgend genügende Dienste leistete. Ueberdies war für jedes Monopol, für jeden indirekten Besteuerungszweig eine eigene Aufsicht. So gab es Zoll⸗ und Salz Aufseher, Tabacks⸗Aufseher, Tranksteuer⸗ Aufseher, lauter disjecta membra, die keinen Mittelpunkt hatten. Diesem über die Maßen fehlerhaften Zustande wurde wesentlich durch ie Errichtung der Gränzwache im Jahre 1829 und der Gefällen⸗ Jache 1835 abgeholfen. Aber im Laufe der Zeit waren im Mecha⸗ nismus der Maschine theilweise Mängel wahrzunehmen und die⸗ sen soll durch die eben erfolgte Kaiserliche Entschließung mög⸗ lichst abgeholfen werden. Der getrennte Körper der Gränz⸗ und Gefällenwache wurde zuvörderst in einen einzigen unter der Benennung Finanzwache zusammengezogen. Die theilweise militairische Organisation der früheren Wachkörper und ihre Ein-⸗ theilung in Compagnieen wird nicht beibehalten; dagegen wird ihr ein erster und nöthigenfalls noch ein zweiter Central⸗Inspektor zur unmittelbaren Ueberwachung des Ganzen vorgesetzt, der die sämmt lichen in der ganzen Monarchie vertheilten Abtheilungen, die jetzt keiner solchen unmittelbaren Inspizirung unterlagen, zu bereisen und zu revidiren haben wird. Ueberhaupt trachten die sämmtlichen Be stimmungen der neuen Organisation, indem man den Organismus möglichst vereinfacht, alle überflüssigen Schreibereien beseitigt, die Masse beweglicht, intelligenter macht, das ganze Institut für seine Bestimmung geeigneter auszubilden. Um seine Moralität zu heben, sucht man theils sein Ehrgefühl zu steigern, theils sind höhere Beförderungen und Verdienstzulagen in Aussicht gestellt. Da sich einzelne Versuche, einen Theil der Gränzwache beritten zu machen, von großem Nutzen gezeigt haben, so wird, wo es thunlich ist, diesen Versuchen eine größere Ausdehnung gegeben werden, zumal die Kosten nicht gesteigert wer den. So sind z. B. an der Galizischen Gränze 2046 Mann aufge⸗ stellt. Nach den bereits gemachten Erfahrungen wären, wenn 354 Mann beritten gemacht würden, auf dieser Gränze nur noch 1228 Mann zu Fuß nöthig, was außer dem besser besorgten Dienst noch eine Geld⸗Ersparung von circa 21,000 Fl. zur Folge haben würde. Der ungeheure Kosten-Aufwand und der verhältnißmäßig geringe Nutzen der Gränz⸗- und Gefällen Wache war überhaupt bisher eine im Publikum ganz festgestellte Ansicht. Dem aber ist nicht so. Diese Finanz⸗-Wache hat das Zoll⸗-Gefäll, das Salz⸗Gefäll, das Tabacks⸗Gefäll und die Verzehrungs Steuer, im Ganzen eine Einnahme von etwa 77 ½ Millionen, zu überwachen. Sie kostet dem Staat circa 5,300,000 Fl., folglich stellen sich die Kosten dieser Be⸗ wachung auf circa 7 pCt. Daß aber diese Ueberwachung selbst in ihrem bisher theilweise mangelhaften Zustande von ungeheurer Be deutung ist, dafür zeugt die immer in Vermehrung begriffene Ein nahme. Das Zollgefäll erwies im Jahre 1829 einen Brutto⸗Ertrag von ecirca 8 ½ Millionen, im Jahre 1836 etwa 13 ½ Millionen und 1841 gegen 16 ½ Millionen. Das Salzgefäll im gleichen Zeitraum circa 10, 17 und 19 ½ Millionen. Das Tabackgefäll 6 ½, 15 und 18 Millionen. Die Verzehrungs⸗Steuer stieg seit 1829 bis 1841 von 12 Millionen auf 19 ½ Millionen. Nun ist zwar gewiß diese Vermehrung nicht der besseren Ueberwachung allein zuzuschreiben, son⸗ dern sie wird von einer Menge anderer Ursachen, als zunehmender Bevölkerung, größerer Wohlhabenheit, steigendem Verkehr zum gro ßen Theile bedingt. Aber man wird doch nicht umhin können, auch

der Ueberwachung den Antheil zuzugestehen, der ihr gebührt, und bei einem Objekt von 77 Millionen die dafür nöthig ge⸗ wordene Auslage weder unnütz, noch übertrieben finden. Sehen wir aber die steigende Ziffer vom Jahr 1829. bis zum Jahre 1841 in vier so wesentlichen Gefällen, so muß man sich billig fragen: wie reimt sich dieses unumstößliche Zeichen steigenden Wohlstandes mit den Gemälden zusammen, die in so vielen über Oesterreich erschei⸗ nenden Schriften vorgeführt werden? Wir sprechen hier nicht von gemeinen Schmähschriften, von böswilligen verleumderischen Artikeln in wenig achtbaren Blättern, wir reden von solchen Schriften, die mitunter in wahrhaft patriotischer Absicht geschrieben sind und in mancher anderen Hinsicht viel Beherzigenswerthes enthalten. Wie ist es möglich, daß sie den materiellen Zustand der Monarchie so unbe

friedigend darstellen, und woran liegt es, daß sich nicht nur im Aus⸗

Staat

lung zugestände. Madrid durch einen jungen Diplomaten vertreten, dessen persönliche

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lande, sondern auch im Inlande oft die irrthümlichsten Begriffe ver⸗ breiten und in den Ansichten der Menschen einwurzeln und feststellen? Daran, daß, wo andere Regierungen oft zu viel sprechen, die Oester⸗ reichische gar nicht spricht. Die Verleumdung, wie die Unzufrieden⸗ heit, liegt eben so oft an der Unkenntniß der Thatsachen, als an dem üblen Willen.

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—1 1n Seen nalkire weum. 2ꝙn Luzern, 7. Jan. (Bas. Ztg.) Ueber den Regierungs⸗Raths in Betreff der über die Jesuiten einzuziehenden Erkundigungen vernehmen wir nun folgende nähere Angaben. Die Er⸗ kundigungen sollen eingezogen werden: 1) in wissenschaftlicher und disciplinairer, 2) in religiöser, 3) in politischer, 4) in ökonomi⸗ scher Beziehung. In ersterer (wissenschaftlicher und disciplinairer) Beziehung soll vom Provinzial der Ober⸗Deutschen Provinz einerseits eine einläßliche Darlegung des Schul⸗ und Erziehungs⸗Systems der Jesuiten, so wie der von ihnen angewandten Lehrweise, Lehrbücher und Lehrhefte verlangt werden, andererseits soll er über die Anzahl der Mitglieder der Oöber⸗Deutschen Provinz und deren allfällige Ver⸗ wendung in Luzern, besonders aber auch darüber befragt werden, ob der Orden (bei allfälliger Aufnahme) zugebe, daß nach dem hierseiti⸗ gen Lehrplane und den Disziplinar-Verordnungen, jetzigen und künf⸗ tigen, gelehrt und von den hiesigen Erziehungs Behörden die Lehr⸗ bücher bestimmt werden? und überhaupt ob Aufsicht und Leitung den Kantons⸗Behörden gesichert bleiben? ferner ob es nach den Ordens⸗ regeln zulässig sey, daß ohne Einwilligung der Regierung kein Pro⸗ fessor angestellt, gegen den Willen derselben keiner entfernt, so wie auch auf ihr Verlangen ein solcher zurückgezogen werde? Ferner soll eine Abordnung aus je zwei Mitgliedern des Regierungs⸗Rathes und des Erziehungs⸗-Rathes, unter Zuzug von unbetheiligten Sachverstän digen, durch unmittelbare Anschauung sich zuverlässige Kenntniß von dem Gange der Jesuiten-Anstalten in Schwyz, Freiburg und Sitten zu verschaffen suchen. Der Provinzial ist anzufragen, ob eine solche Abordnung angenommen, und ob derselben zugleich gestattet werde, nach Belieben selbst zu prüfen und Fragen zu stellen? Durch Ver⸗ mittelung des eidgenössischen Geschäftsträgers zu Wien sollen offizielle Aufschlüsse über den Gang der Jesuiten-Kollegien in Oesterreich ein⸗ geholt werden. In religiöser Beziehung soll sowohl durch Anfrage an den Provinzial, als durch Nachforschung jener Abordnung Auf⸗ schluß gesucht werden: auf welche Weise und durch welche Mittel die Gesellschaft Jesu an ihren Erziehungs-Anstalten das religiöse Leben der Jugend zu wecken, zu pflegen und zu leiten sich bestrebe? Ferner soll der Erziehungs⸗Rath von den Bischöfen von Lausanne, Sitten, Chur, Brixen, Linz und Grätz Auskunft begehren über den religiös⸗sittlichen Zustand der den Jesuiten⸗Anstalten anvertrauten Jugend, über das Wirken der Jesuiten als Seelsorger und Prediger, über ihr Verhält⸗ niß zur Weltgeistlichkeit, namentlich über ihre Einwirkung auf die wissenschaftliche und religiöse Bildung derselben, und ob sie mit ihr in gutem Vernehmen stehen; endlich über das Verhältniß des Ordens zu dem bischöflichen Ordinariate selbst. In politischer Beziehung soll der Provinzial befragt werden, in welchem Verhältniß ihr Lehrsystem und besonders ihre Vorträge über Natur⸗ und Staatsrecht, so wie über Geschichte zu den gegebenen Staatsformen und namentlich zur Demokratie stehen? Die Regierungen von Schwyz, Freiburg und Wallis sind anzufragen, unter welchen Vorbehalten der Orden in ihre Kantone aufgenommen worden sey? ob die Kantonal⸗Behörden unverkümmert Aufsicht und Leitung der Jesuiten⸗Anstalten haben und in welchem Verhältniß sie zu denselben stehen? ob die Jesuiten⸗Er⸗ ziehung den demokratischen Verfassungen zum Vortheil oder ˖Nachtheil gereiche, und ob die aus den Jesuiten-Schulen hervorgegangenen Beamteten den demokratischen Grundsätzen zugethan seyen? ob die Regierungen Wahrnehmungen machen, daß die Jesuiten sich in das politische Wirken der Behörden einzumischen suchen? was die Regie⸗ rungen überhaupt von dem Geiste, so wie von dem wissenschaftlichen, religiös-sittlichen und gesellschaftlichen Wirken der Jesuiten in ihren Kantonen halten? Eben so soll der eidgenössische Geschäftsträger in Wien ersucht werden, von der Oesterreichischen Staats⸗Regierung Aufschluß über die Verhältnisse der Jesuiten zum Oesterreichischen

Finlienmn

Neapel, 31. Dez. Gestern Abend ist die Frau Fürstin von

Liegnitz hier angekommen und im Hotel Bellevue abgestiegen.

Der dritte Bruder des Königs, Prinz Anton Graf von Lecce, liegt sehr gefährlich krank danieder.

Wir erfreuen uns fortwährend der herrlichsten Witterung bei einer Temperatur von 15° um Mittag. Seitdem der Aetna zu to⸗ ben aufgehört, entsteigt dem Krater des Vesuvs ein mächtiger

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Madrid, 3. Jan. Ich kann Ihnen mit voller Zuversicht die Erwartung ausdrücken, daß den für den Augenblick zwischen der diesseitigen und der Französischen Regierung obschwebenden Mißhellig⸗ keiten eine befriedigende Ausgleichung bevorsteht. Sollten auch die

Spanischen Minister anfangs den übelwollenden Einflüsterungen un⸗ berufener Personen Gehör geschenkt haben, so finden sie es nun doch

mit ihrer eigenen Würde vereinbar, der Wahrheit Recht zu geben,

und, ohne sich hinter leeren Ausflüchten zu verschanzen, auf jede billige von dem sich für verletzt haltenden Kabinette zu stellende An

forderung einzugehen. Auf der anderen Seite sollen die Mittheilungen, welche der Herzog von Glücksberg im Auftrage seiner Regierung an das

hiesige Ministerium richtete, durchaus von der Natur seyn, daß sie das

Selbstgefühl dieser hohen Behörde keinesweges kränken, noch weniger aber den Spanischen Nationalstolz verletzen können. Die Minister sahen sich durch die unwahren und auf leidenschaftlicher Befangenheit beruhen⸗ den Berichte eines Untergebenen hintergangen. Diesen strafbaren Beamten haben sie bereits seiner Würde entsetzt, und es muß ihnen selbst jetzt Alles daran liegen, daß das Benehmen des Französischen Konsuls auf das vollständigste gerechtfertigt werde, da dieser auf sei⸗ nem Posten verbleibt, und es für die Spanische Regierung erniedri⸗= gend seyn würde, wenn sie einem nicht vollkommen gerechtfertigten fremden Agenten eine amtliche und gegenwärtig höchst wichtige Stel⸗ Die Französische Regierung ist übrigens hier in

Eigenschaften gar sehr dazu beitragen, den zwar nachdrücklichen, aber begründeten Vorstellungen seines Kabinets bei den Spanischen Mini⸗ stern Eingang zu verschaffen. Der junge Herzog von Glücksberg hat sich hier, bei seiner schwierigen Stellung, durch sein offenes und einnehmendes

Wesen jenes so schwer zu erlangende Zutrauen zu erwerben gewußt, dessen

Mangel mehrere seiner diplomatischen Vorgänger von höherem Racg.

und längerer Erfahrung in allen ihren Bemühungen scheitern ließ.

Die seinigen sind, wie die Spanischen Minister selbst anerkennen, immer darauf gerichtet gewesen, Alles zu vermeiden, was der diessei⸗ tigen Regierung auch nur den Vorwand zu irgend einer Mißdeutung

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geben könnte. Er war der erste der fremden Diplomaten, die vor⸗ im Palaste des Regenten erschienen, um diesen zu bewill⸗ ommnen, und das Hotel der Französischen Botschaft war glänzender erleuchtet als irgend ein anderes in Madrid. Auf der anderen Seite ist der gegenwärtige Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Graf von Almodovar, ein Mann von Takt und Umsicht, der, wo nur er zu entscheiden hat, sicher keinen übereilten Entschluß fassen wird. So viel man erfährt, haben die diesseitigen Minister das verlangte Ultimatum von der Entscheidung des Regenten ab⸗ hängig gemacht, und je mehr dieser Gelegenheit hatte, sich durch den ihm gewordenen Empfang von der hier herrschenden Stimmung zu überzeugen, um so weniger wird er wohl eneigt seyn, die innere oder äußere Ruhe des Landes auf das Spiel zu setzen. Dazu kömmt endlich, daß der Englische Gesandte gestern durch außeror dentliche Gelegenheit Depeschen von seiner Regierung erhielt, und da man wohl annehmen darf, daß die darin enthaltenen Mittheilungen, die der Gesandte seit länger als einem Monat erwartete, jeder Zu⸗ nahme des zwischen den Kabinetten von Paris und Madrid eingetre tenen Mißverständnisses vorzubeugen suchen werden, so ist darauf zu rechnen, daß Herr Aston durch den großen Einfluß, den er auf den Regenten und dessen Minister ausübt, die vermittelnden Gesinnungen des Englischen Kabinets unterstützen werde.

Dreizehn der hier erscheinenden Blätter und Zeitschriften sind heute mit folgender „Erklärung der unabhängigen Presse“ hervorge⸗ treten:

„Da die Spanische Regierung sich der Großbritanischen geger⸗ über offenbar in einem Zustande von Abhängigkeit befindet, und in Betracht des bevorstehenden Unterganges, der unsere Industrie be⸗ droht, und der Gefahr, daß eine so wichtige und an so unwiderruf⸗ lichen Folgen reiche Frage, wie die eines Handels⸗Vertrages mit England, ohne irgend eine Gewährleistung für die richtige Lö⸗

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sung entschieden werde und sich endlich in eine Frage der Gewalt und fremden Einflusses umwandle, hält sich die unabhängige Presse, geleitet vom Nationalgefühl und, treu ihrer Pflicht, innerhalb der Schranken des Gesetzes, allen willkürlichen und verderblichen Be⸗

schlüssen, die durch die bestehende Regierung angeordnet werden könn⸗ ten, vorzubeugen und zu widerstehen, zu nachstehender Erklärung verpflichtet:

Die unabhängige Presse protestirt auf das feierlichste und kräf⸗ tigste gegen den Abschluß irgend eines Handels⸗Vertrages mit Eng⸗ land, der nicht in Gemäßheit der Constitution vorgenommen und durch die Cortes, mit voller Freiheit zu deliberiren und zu entschei⸗ den, ratifizirt werden sollte. Madrid, 2. Januar 1843.“ die Namen der dreizehn Blätter.)

Den letzten aus der Havana eingegangenen Nachrichten zufolge, 2 „Jason“, und das Dampfschiff „Congreso“ nach Haiti aus, um die Wie⸗ verauslieferung der aufgebrachten Spanischen Schiffe zu verlangen.

Der Regent ist noch heute so leidend, daß er Niemand empfan⸗ gen kann. Gestern wurde er zu Ader gelassen. Unter solchen Um⸗ ständen kann über die Umgestaltung des Ministeriums noch keine Entscheidung erfolgen. Man glaubt indessen, daß Herr Olozaga an die Spitze eines neuen Kabinettes treten, und sich ihm der General Linage als Kriegs⸗Minister onschließen werde. 8 4

liefen von dort am 16. November die Fregatte „Isabella II.“, die Brigg

Paris, 10. Jan. Der neueste, bis zum 5ten d. M. ge hende Termin, welchen der General Seoane den Barcelonesern zu Zahlung der Contribution gesetzt hat, scheint den Einwohnern der Stadt noch immer zu kurz, und sie haben Schritte zu einer weiteren Verlängerung desselben gethan; bis zum 3ten hat sich aber der Ge⸗ neral⸗Capitain bestimmt geweigert, dieser Bitte nachzugeben. Die Frage des Wann? mußte sich in der That, unter der Voraussetzung der baldigen Wiedereröffnung der Cortes, zugleich als eine Frage des Ob? darstellen. Gelang es den Barcelonesern, die Zahlung bis zu diesem Augenblicke hinauszuverzögern, so durften sie darauf rechnen, daß das Einschreiten der Legislatur sie gegen die ihnen zugedachte ver⸗ fassungswidrige Belastung schützen werde. Ist aber die Contribution einmal in die öffentlichen Kassen eingegangen und verwendet, so ist von der Dazwischenkunft der Cortes wenig mehr zu hoffen, denn von einer Rückerstattung dürfte bei der bekannten Verfassung des Spani⸗ schen Schatzes wohl kaum die Rede seyn. Bei der jetzt erfolgten Auflösung der Cortes ist natürlich die Aussicht verschwunden, mit ihrem Beistande der Contribution zu entgehen, denn der General Seoane wird sich gewiß nicht bis in den Monat April hinhalten lassen.

Die Universität und die ordentlichen Tribunale sind in I celona wieder eröffnet, und von der Verlegung der ersteren wird nicht mehr gesprochen. Was die Münze anbetrifft, so macht sich Cartha⸗ gena Hoffnung, dieselbe in seine Mauern verlegt zu sehen. Die Thore von Barcelona werden noch immer streng überwacht. Nie⸗ mand wird ohne Erlaubnißschein aus der Stadt gelassen. Die in Barcelona lebenden Ausländer sind gehalten, ihre Aufenthaltskarter bis zum 15ten d. M. erneuern zu lassen.

Barcelona, 2. Jan. Nachstehendes ist eine Uebersicht der historisch wichtigen Dokumente, die durch das Bombardement in den hiesigen Archiven zerstört worden sind: Das Gebäude, worin die Archive Cataloniens von 818 an, also von vor der Vereinigung der Grafschaft Barcelong mit Aragon, aufbewahrt wurden, bestand aus 4 8g Sälen. Im ersten Saal waren 31 große Wandschränke;

im ersten befanden sich die Dokumente der allgemeinen Verhandlungen Cataloniens; im zweiten die der Stadt Barcelona; im dritten die von Lerida und der Provinz; im vierten die von Gerona; im fünften die des Königreichs Mallorca; im sechsten die von Taragona; im sieben⸗ ten die Verträge und Vergleiche (concordias) zwischen den Kö⸗ nigen von Aragon, Castilien, Frankreich und England; im achten die des Königreichs Sardinien; im neunten, zehnten, elften, zwölf⸗ ten und dreizehnten die der Städte und Provinzen von Vich, Ri⸗ poll, Manresa, Villafranco, Tarraga, Cervera und Tortosa; im funfzehnten die Heiraths⸗Verträge und Mitgifts⸗Schenkungen der Königinnen; im sechzehnten die Dokumente der Grafschaften Urgel und Pallans (die ältesten Dynasten); im siebzehnten Dokumente des Königreichs Aragon; im achtzehnten der Stadt Taragona; im neun⸗ zehnten der Stadt Hnesca; im zwanzigsten Friedens⸗ und andere Verträge zwischen den Königen von Aragon, Castilien, Portugal und Maurischen Königen; im einundzwanzigsten Dokumente des König⸗ reichs Valencia; im zweiundzwanzigsten der Stadt Valencia und Alcira; im dreiundzwanzigsten des Ordens der Tempelherren; im vierundzwanzigsten des Königreichs Sobrarbe (Wiege Aragons); im fünfundzwanzigsten bis neunundzwanzigsten der Städte Egea, Teruel, Taragona und anderer; im dreißigsten die Testamente und Kodizillen der alten Grafen von Barcelonaz und im ein⸗ unddreißigsten befanden sich die Dokumente des alten Nonnen⸗ Klosters in St. Juan de las Abadesas, das später den regulirten Domherren gehörte und zuletzt das Kloster der vier Königlichen Wür⸗ den hieß. Im 2ten Saal waren die Original⸗Register und De⸗ krete des Koͤnigs Alfons IV. vom Jahr 132. bis 1336; ferner die Juan's II. von 1458 bis zu seinem Tode; weiter der Könige Karl I. (Karl V.), Philipp II., Philipp III. und des IV., nebst den Dekreten der Statthalter. Im 3ten Saale verwahrte man die Original- Register, Schreiben vind Dekrete der Könige: Alfons II. von 1162

(Folgen