1843 / 42 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

vee. , welches durch Verträge zwischen Frankreich Recht, welches durch Verträge zwisch * u n Europa's zugestanden ist, die sich gegenseitig welche die Flaggen einer jeden der kontra⸗

ähnli ich meine dem 2 Lg 8. anderen Großmachee verpstichtet baben; wien, im Fall ein Verdacht gegen sie entsteht, zu durch⸗ hirenden Maͤ n Im Jahre 1824, als Herr Rush hier Gesandter suchen. (Hört, börtt) var Zwurde ein Vertrag, ich kann fast sagen auf der Vereinigten egnenc.s zwischen jenem Gesandten und dem ver⸗

den eigenen Wunsch on abgeschlossen, worin das jetzt verlangte Recht

storbenen Heumn vrens Punkte war. Die Schiffe der Vereinigten Staaten

ciner der zugestanee sollten jener Nachforschung (scrutiny) unterworfen werden,

und solches Geschrei erhoben wird. (Beifall.) Die Sache

gegen rworsen, nicht des Prinzips wegen, sondern weil man von

8 ger. Vereinigten Staaten verlangte, daß das Recht an ihren Küsten nicht ausgeübt werden solle, weil seine Ausübung dort nicht erforderlich sey. Herr Canning weigerte sich, den Traktat mit dieser Ausnahme zu Gunsten. jener Küsten zu ratifiziren. Wären jene Küsten damals ausgeschlossen wor⸗ den, so würde jetzt zwischen den beiden Ländern ein vertragsmäßiges Unter⸗ suchungs (visitation)-Recht bestehen. (Hört, hört!) Ich hoffe, daß denen, die jetzt in der Französischen Kammer so leidenschaftlich sich zeigen, die einem Traktat entgegen sind, der so sehr dazu geeignet ist, die Sache der Mensch⸗ lichkeit zu fördern, und die in die Vereinigten Staaten dringen, sich diesem zu widersetzen, ihre Bemühungen nicht gelingen werden. Ich für mein Theil betrachte die Bewilligung dieses Rechts nicht als für England besonders wichtig. Die Frage ist vielmehr eine für alle Handels⸗ Nationen gleich bedeutende. Es ist die einzige Gewähr, die gegen Betrug erlangt werden kann, und selbst mit Hinsicht auf die merkantile Sicherheit sollte sie von allen maritimen Nationen zugestanden werden. Ich bin da⸗ her bereit, erforderlichenfalls zu beweisen, daß die in der Depesche von 1841 aufgestellte Doktrin des Untersuchungs⸗Rechts streng beobachtet worden ist. (Beifall.) Was den kürzlich zwischen England und den Vereinigten Staaten unterzeichneten Traktat betrifft, so erkläre ich, daß wir durch denselben un⸗ sere Ansprüche auf das Untersuchungs⸗Recht nicht aufgegeben haben, und daß wir nicht der Meinung waren, die Vereinigten Staaten könnten bei Unter⸗ zeichnung jenes Traktates glauben, die Ansprüche auf dies Recht seven von

uns aufgegeben. Im Gegentheil, wir glaubten, daß ein Schritt unserem Ziel entgegen gethan sey, da die Vereinigten Staaten einwilligten, eine Seemacht zur Unterdrückung des Sklavenhandels abzusenden, obgleich wir diesen Schritt keinesweges als ein Aequivalent für irgend ein von uns mit Hinsicht auf die Untersuchung in Anspruch genommenes Recht betrachteten oder annahmen, wenn auch die Untersuchungs⸗Befugniß beschränkt wurde, und wenn wir auch kein neues Untersuchungs⸗Recht mit Bezug auf Schiffe verlangten, welche bone fide Amerikanische wären und etwa mit Sklaven⸗ handel sich beschäftigten.“ 8

Der Redner ging nun zu den inneren Angelegenheiten über und gestand zuvörderst ein, daß das Defizit bedeutend sey; man müsse aber bedenken, daß auf 700 Artikel die Einfuhr⸗Zölle herabgesetzt worden, daß die Einkommen⸗Steuer, welche den dadurch entstehenden Aus⸗ fällen als Aequivalent habe dienen sollen, noch nicht zu vollständiger Erhebung gekommen sey, und daß in Folge der höchst ungünstigen Aerndte von 1841 ein großer Ausfall in der Malz⸗Accise entstanden. Allerdings herrsche noch eine empfindliche Noth im Lande, aber man dürfe hoffen, daß die Handels⸗Verhältnisse sich nach und nach wieder verbessern und die Staats⸗Einnahmen von neuem steigen würden. Die hierauf folgende Erklärung des Ministers über seine Handels⸗ Politik ist bereits mitgetheilt worden.

Lord J. Russell besprach zuerst die Indischen Verhältnisse und den Nord⸗Amerikanischen Vertrag und erklärte dann hinsichtlich der Korngesetze, daß die Erfahrung des vergangenen Jahres ihn in seinen Einwürfen gegen die fluktuirende Skala und in seiner Ueberzeugung, daß ein fester Zoll erforderlich sey, bestätigt habe. Bei der jetzigen Skala ströme der fremde Weizen gerade dann herbei, wenn die Aerndte zu Markte komme, der Garten werde somit gewässert, wenn es zu regnen beginne. Er höre zwar, daß Sir R. Peel noch nicht geneigt sey, wesentliche Abänderungen in den Korngesetzen zu treffen; er sey jedoch überzeugt, daß derselbe sich dennoch späterhin zu wichtigen Abänderungen derselben verstehen werde. Diese aber zurückhalten zu wollen, bis man dazu gezwungen werde, sey höchst nachtheilig und lasse die Lage des Landwirths wie des Arbeiters in einer schlimmen Ungewißheit. Er unterschreibe kei⸗ nesweges die Ansichten des Bundes gegen die Korngesetze, aber er wünsche, daß Sir R. Peel etwas vorschlage, was der Agitation ein Ziel setzen könne. Schließlich sprach der Redner gegen die Einkom⸗ men⸗Steuer und meinte, daß die Geduld, womit die Arbeiter⸗Bevöl⸗ kerung ihre schreckliche Noth ertragen habe, in der Thron⸗Rede mehr Anerkennung verdient hätte.

Die hierauf folgenden Reden der Lords Stanley und Pal⸗

merston behandelten vorzugsweise die Indische und Nord⸗Amerika⸗ nische Frage, so wie die hinsichtlich der Kreuzer an der Afrikanischen Küste. Die Frage Lord Palmerston's, oh die Zahl dieser Kreuzer vermindert werden solle und ob sie andere Verhaltungs⸗Befehle empfangen hätten, wurde von Sir R. Peel verneinend beantwortet. Nachdem noch mehrere Redner über die Noth im Lande gesprochen hatten, wurde die Debatte geschlossen und die Adresse, wie schon ge⸗ meldet, einstimmig angenommen. In der Unterhaus⸗Sitzung vom 3. Februar entspannen sich bei Einbringung des Berichts über die Adresse noch einige De⸗ batten in Bezug auf die staats⸗ und landwirthschaftlichen Verhältnisse, worauf der Bericht ebenfalls einstimmig genehmigt wurde.

London, 4. Febr. Die Adresse des Oberhauses wird Ihrer Majestät durch den Ober⸗Kammerherrn vorgelegt werden, und am nächsten Montag wird die Königin die Antwort darauf ertheilen, welche dem Oberhause durch den Oberhofmeister, Graf von Liverpool,

Miünchen, 4. Febr. eb ausgegebenen gedruckten Protokollen zufolge kam in der neunten Siz⸗

mitgetheilt werden wird. Wenn nämlich der Souverain nicht in London ist und das Parlament nicht in Person eröffnet, ist es auch nicht gebräuchlich, daß die beiden Häuser sich in Prozession nach Hofe begeben, um ihre Antworts⸗Adressen auf die Thron⸗Rede zu überreichen.

In dieser Session haben fünf neue Pairs ihre Sitze im Ober⸗ hause eingenommen: Lord Auckland, der zum Grafen erhoben worden, Lord Rodney, der die Pairswürde von seinem Bruder, Viscount Hill und Lord Vivian, die sie von ihren Vätern geerbt haben, und Lord Ponsonby von Imokilly, der zum Viscount kreirt ist.

Am 1sten d. fand in Liverpool ein großes Bankett der Korngesetz⸗ Gegner statt, dem etwa 1000 der angesehensten Einwohner, so wie die als Anhänger der Sache bekannten Unterhaus⸗Mitglieder, bei⸗ wohnten. Nach beendigter Tafel wurden die üblichen Reden gehal⸗ ten. In der neuen Halle des freien Handels zu Manchester wurde am Dienstag Abend die erste der großen Versammlungen gehalten, welche der Haupt⸗Verein gegen die Korngesetze angekündigt hat. Der wesentlichste Zweck dieser ersten Versammlung war die Bericht⸗ erstattung über die Fortschritte des Ligue⸗Fonds. Blos eingetragene Mitglieder des Vereins und Abgeordnete aus anderen Städten wur⸗ den zugelassen; dennoch war die Halle gedrängt voll, und man schätzte die Zahl der Anwesenden zwischen 7000 und 10,000 Personen. Auf der Platform befanden sich Fhser anderen angesehenen Personen die Unterhaus⸗Mitglieder Mark Philipps, welcher den Vorst führte, Gibson, Dr. Bowring und Brotherton. Nachdem der Vorsitzende und Dr. Bowring, welcher erklärte, daß ihre Sache, welche von Millio⸗ nen vertreten werde und die öffentliche Meinung für sich habe, auch im Parlamente endlich siegen werde, gesprochen hatten, verlas Herr Wilson die Liste der Städte und Orte, welche bisher zum Fonds des Vereins beigesteuert haben, unter Angabe des jedesmaligen Betrags. Glasgow steuerte nach dieser Liste 2500, Liverpool 2200, Rochdale 2200, Hubderssield 1805, Leeds 1500, Halifax 1010, Bristol und Ashton under Lyne jedes 1000 Pfd. St.

170 Londoner Konferenz gegen die Korngesetze, Herr Taylor, trat nun vor und erläuterte den etwas auffallenden Umstand, daß die Hauptstadt sich nicht in dieser Liste befinde. London bewege sich etwas langsam, die Sache des Bundes werde darum aber nicht min⸗ der daselbst die kräftigste Unterstützung finden. So viel er gehört, seyen etwa 3000 Pfd. St. gesammelt, diese Summe werde sich aber gewiß mehr als verdoppeln. Noch zeigte Herr Wilson an, daß Manchester selbst fast 7000 Pfd. St. zum Fonds des Bundes beige⸗ tragen habe. Zuletzt wurden eine Menge Beschlüsse gefaßt, welche

darauf hinauslaufen, daß die Korngesetze dem Ackerbau nachtheilig seyen, und daß daher ihre unverzügliche und gänzliche Aufhebung dringend nothwendig sey. Erst spät trennte sich die Versammlung, in welcher gegen 1200 Pfd. St. zum Fonds des Bundes beigesteuert wurden. Die gesammte bisher für diesen Fonds beigesteuerte Summe wird auf mehr als 41,000 Pfd. St. angegeben. Vorgestern ver⸗ sammelte sich der Bund in der Stadthalle, um die Wirkungen der Korngesetze auf die ackerbautreibenden Klassen zu berathen. Herr Cobden war durch ein häusliches Unglück verhindert, beiden Ver⸗ sammlungen beizuwohnen. Auch gestern wurde wieder den ganzen Tag über in der Stadthalle von Manchester verhandelt, und zwar über den Einfluß der Korngesetze auf den physischen und moralischen Zustand des Volkes. Eine große Menge von Geistlichen aus allen Theilen des Landes wohnten dieser Versammlung bei, in welcher Dr. Buruns aus Paisley den Vorsitz führte.

Dem Globe zufolge beläuft sich der Stiftungs⸗-Fonds des Anglikanischen Bisthums in Jerusalem schon auf 10,000. Pfd. St.

In London hat sich eine Gesellschaft für National⸗Musik gebil⸗ det, in deren Versammlungen Englische Lieder, Schottische Balladen und Irische National Melodicen, denen Thomas Moore berühmte Texte untergelegt hat, mit einander abwechseln. Man erwartet nun noch einen Barden aus Wales, um für alle Stämme einen musikali schen Repräsentanten zu haben.

Graf de Grey, Lord⸗Statthalter von Irland, hielt dieser Tage im Schlosse von Dublin sein erstes Lever für die beginnende Saison. Die Aufwartung war sehr zahlreich, und man sah darunter viele Katholiken; „ein Umstand“, bemerkt das Dublin Journal, „der für Se. Excellenz äußerst erfreulich seyn mußte, indem er die Be hauptung Herrn O'Connell's widerlegt, daß der edle Graf von dem gebildeten Theile der Irländischen Gesellschaft als ein Feind des ka tholischen Bekenntnisses betrachtet werde.“

Die Londoner Blätter beschäftigen sich fortwährend sehr lebhaft mit den Debatten in der Franzosischen Deputirten⸗Kammer, besonders so weit sie das Durchsuchungs⸗Recht betreffen, und die Morning Chroniecle äußert bei dieser Gelegenheit, die Aufhebung der beste- henden Traktate müsse, selbst wenn England zu derselben seine Zu⸗ stimmung geben wollte, zum Kriege führen, denn sobald jene Ver⸗ träge nicht mehr beständen, würden Kollisionen an der Afrikanischen Küste unvermeidlich. ““ 889 8

Der Russische Gesandte hat seit einigen Tagen häufige Konfe renzen mit Lord Aberdeen gehabt, bei denen er oft mit dem Franzö⸗ sischen Gesandten zusammentraf. 1

Der Herzog von Sussex will der Taufe des jungen Sohnes und Erben Lord John Russell's persönlich als Zeuge beiwohnen.

Daß, wider Erwarten, Spaniens in der Thron⸗Rede gar nicht erwähnt worden ist, hat die Spanischen Fonds zwar etwas gedrückt, scheint indeß keine Besorgniß vor weiteren Verwickelungen der Spa⸗ nischen Angelegenheiten rege gemacht zu haben.

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VUie derlande.

Aus dem Haag, 5. Febr. Die Auswechselung der Rati⸗ ficationen des Niederländisch-Belgischen Vertrags vom 5. November hat heute im Hotel unseres Ministeriums der auswärtigen Angele⸗ genheiten stattgefunden.

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8 8 —An—

Deutsche Bundesstaaten.

(Augsb. Abendztg.) Den so eben zung der hohen Kammer der Reichs⸗Räthe am 28. Januar der An⸗ trag von 36 Abgeordneten protestantischer Konfession auf Aufhebung der Kriegs-Ministerial⸗Ordre vom 14. August 1838, „die Kniebeu⸗ gung vor dem Sanctissimum betreffend“, zur Berathung. Der Re⸗ ferent des dritten Ausschusses hatte ein sehr erschöpfendes Referat über diesen eben so wichtigen als zarten Gegenstand verfaßt, welches am Schlusse so lautet: „In Erwägung der angeführten Gründe, dann im Betrachte, daß der Beschluß der Kammer der Abgeordneten, indem er sich die Vorstellung der 36protestantischen Abgeordneten aneignete, und sie nur als Modification des Petitums der Letzteren bezeichnet, stetshin einen indirekten Vorwurf über verletzte Verfassung enthält, welcher nach Referentens innigster Ueberzeugung aus den angeführten Gründen nicht fundamentirt ist, und im Hinblicke auf den Umstand, daß der gegenwärtige Landtag sowohl in der Thron⸗Rede als in den Adressen beider Kammern, als ein Landtag gegenseitigen Vertrauens bezeichnet wurde, trägt Referent auf einfache Nichtzustimmung an.“ Der

Ausschuß verfaßte hierauf in seiner Sitzung am 24. Januar nach⸗

stehendes Protokoll: „Protokoll. In der heutigen Sitzung des dritten Ausschusses erstatteten der Herr Referent Ihren Ve trag. Nachdem in der hierauf eröffneten allgemeinen Diskussion von mehreren Mitgliedern des Ausschusses der so umsichtsvollen und gediegenen Weise, mit welcher der Herr Referent diesen so zar⸗ ten Gegenstand behandelt hat, vollkommene Anerkennung geworden war, wurde bei der durch den Herrn Präsidenten veranlaßten Ab⸗ stimmung der Antrag des Herrn Referenten auf einfache Nicht⸗ zustimmung aus den von demselben bezeichneten Motiven mit vier Stimmen gegen eine Stimme angenommen, dabei jedoch einstimmig die Zuversicht ausgesprochen, daß, nachdem ein Theil der prote⸗ stantischen Bewohner des Königreichs sich in ihrer Glaubens⸗ und Gewissens⸗Freiheit beengt fühle, bereits Aufregung und Erbitterung der Gemüther entstanden sey und bei dem Fort⸗ bestande dieser Verhältnisse namentlich die Befürchtung ein⸗ treten könnte, das Wohl des Landes, den Religionsfrieden gestört zu sehen, mit vollem Vertrauen von dem erhabenen Monarchen Bayerns, dem diese Zustände jetzt nicht mehr verborgen geblieben, erwartet werden könne, daß Er in Seiner Weisheit, in Seiner Gerechtigkeit die geeigneten Maßregeln treffen werde, um die Gewissensberuhigung Seiner protestantischen Unterthanen herbeizuführen.“ (Folgen die Unter⸗ schriften.) In der Sitzung selbst sprachen acht Herren Reichsräthe über den Gegenstand, so wie der Herr Referent. Auf die Umfrage des ersten Präsidenten: Will die hohe Kammer dem Antrage ihres Sn„n Ausschusses beistimmen? wurde dieselbe mit 25 gegen 1 Stimme ejaht.

München, 4. Febr. Die in Nürnberg bestandene Bau⸗In⸗ spection des Ludwig⸗Kanals ist auf Befehl des Königs aufgelöst und die Vorstände derselben, Freiherr von Pechmann und Friedrich Bey⸗ schlag, zum ordentlichen Dienst bei der obersten Bau⸗Behörde einbe⸗

Der Vorsitzende der

rufen. Die Sections⸗Ingenieure haben die wenigen noch rückständi⸗ gen Arbeiten zu fördern, bis dann bei demnächst bevorstehender Voll⸗

1. F .

Vor⸗

ü grandiosen Werkes die Kanal⸗Administration ins Le⸗ bven tritt.

Professor Dr. Maßmann hier hat von Sr. Majestät dem König von Ppeußen füͤr sein Werk „König Eraclius, ein Mittelhochdeutsches und Altfranzösisches Gedicht des 12ten Jahrhunderts“ die goldene Huldigungs⸗Medaille erhalten. . .

Dresden, 2. Febr. Se. Majestät der König haben den Mu⸗ sik-Direktor Richard Wagner zum zweiten Kapellmeister bei der Kö⸗ nigl. Kapelle ernannt. 1““

Sigmaringen, 22. Jan. (Schwäb. M.) Unser Landtag ist am 19ten d. M. durch den dirigirenden Geheimenrath Freiherrn Schenk zu Schweinsberg geschlossen worden. Die Ergebnisse dessel⸗ ben können als sehr ersprießlich für das Land bezeichnet werden. Außer einigen kleineren Gesetzen, wie z. B. Abschaffung der körper⸗ lichen Züchtigung bei Militair⸗ und Civil⸗Behörden, Verbesserung des Gerichtsstandes und Rekurszuges in der Strafrechtspflege, über das Verfahren bei unbedingten Zahlbefehlen ꝛc., wurden verabschiedet: eine sehr umfassende Dienstboten⸗Ordnung, ein Gesetz über die Er⸗ richtung einer Verwahrungs⸗ und Besserungs⸗Anstalt für gemein⸗ schädliche Menschen, über die Einführung einer Malzsteuer und Wirth⸗ scafts Abgaben, sodann ein Spportelgesetz. Das Malzsteuer⸗ gesetz hebt alle bisherigen Wirthschafts⸗ und Getränke⸗Productions⸗ Abgaben auf und führt dagegen eine Malzsteuer für die Bier⸗Pro⸗ duction und Wirthschafts⸗Abgaben ein. Für die Vereinfachung der Abgaben für gerichtliche und rechtspolizeiliche Functionen ist sehr wich⸗ tig das Sportelgesetz, welches die bisher zur Landes⸗Kasse bezogene Stempel⸗Abgabe, sodann die gerichtsherrlichen Taren, alle Gewerbs⸗ Konzessions⸗ und Recognitionsgelder, die Revisions⸗ und Abschrifts⸗, so wie die Amtsdiener⸗ Gebühren, nicht minder einen großen Theil der Industrial-Gebühren der Justiz und Verwaltungsstellen aufhebt und dagegen nur eine Abgabe unter dem Namen Sportel einführt. Dieses Gesetz wird schwerlich finanziellen Nutzen für die Landes⸗Kasse, dagegen aber große Vortheile für die Vereinfachung des Sportelwesens und Erleichterung für die Unterthanen zu Folge haben. Das Finanz⸗Gesetz für 1843 46 enthält im Wesentlichen dieselben Positionen, als das für die Jahre 1840— 43; nur Erhöhung der Ausgabesätze für Schullehrergehalte, für die öffentlichen Erziehungs⸗Anstalten, für Landwirthschaft und Gewerbe, auch einen neuen Satz für Verbesserung der Pferdezucht. Ein umfassendes Projekt unserer Regierung, den Uebergang der ge⸗ sammten unteren Gerichtsherrschaft (die theils den landesherrlichen, theils den standesherrlichen Domanial⸗Verwaltungen zusteht) mit Lasten und Vortheilen auf die Landeskasse betreffend, ist auf diesem Landtage nicht zum Schlusse gekommen.

Lübeck, 28. Jan. (A. Z.) Die Anerkennung, welche dem einer unserer ersten Familien angehörenden Dichter Em. Geibel von Sr. Majestät dem König von Preußen durch Bewilligung eines Jahrgehaltes von 300 Rthlr. zu Theil wurde, hat hier in allen Krei⸗ sen die freudigste Sensation erregt. Eben stand der junge Dichter im Begriff, zu einem sogenannten Brodstudium überzugehen und sich nach Spanien zu begeben, um dort seine bereits in Griechenland be⸗ gonnenen Studien der romanischen Literatur fortzusetzen und sich so für ein akademisches Lehrfach auszubilden, doch die Munisizenz des Preußischen Monarchen hat ihn nun in die angenehme Lage versetzt, ganz der edlen Dichtkunst zu leben; statt nach Spanien, wird er sich nun an den Rhein begeben, wohin ihn zunächst das Verlangen treibt, Freiligrath kennen zu lernen

* Frankfurt a. M., 7. Febr. Der Kaiserlich Oester⸗ reichische Hofrath, Baron Nell von Nellenburg, hat nach mehrmonat⸗ lichem Aufenthalt gestern unsere Stadt verlassen, um nach Wien zu⸗ rückzukehren. Die Convention zwischen der Kaiserlich Oesterreichischen Regierung und der fürstlich Thurn und Tarisschen General⸗Direction in Betreff der Aufhebung des Frankaturzwanges und der Ermäßigung des Briefporto's ist, wie bereits gemeldet, zu Stande gekommen.

-— Oe fteygezsch.

Preßburg, 3. Febr. Die hiesige Zeitung ber chtet aus dem Raaber Komitat: „Die von der Königlichen Ungarischen Statt⸗ halterei verordnete Vermögens⸗Conscription der Juden wurde aus dem Grunde nicht ausgeführt, weil die israelitische Bevölkerung des Lan⸗ des vermittelst des Gesetz⸗Artikels 29 v. J. 1840 ein Recht erlangt hat, im Lande zu wohnen, daher sie nicht mehr wie ehedem gedul- det wird und also zur Zahlung einer Duldungssteuer nicht angehalten werden kann, besonders da die Juden an allen sonstigen, dem christ⸗ lichen Kontribuenten obliegenden Lasten Antheil nehmen und zur Zahlung der Toleranzsteuer durch kein Gesetz verpflichtet sind.“

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Nom, 29. Jan. Die Vorboten des Frühlings sind zwar be⸗ reits eingetroffen: die Mandelbäume stehen seit acht Tagen in der Blüthe, der Hollunder hat Blätter getrieben, in den Gärten blühen die Rosen und andere Blumen; aber die Nächte sind seit einigen Ta⸗ gen empfindlich kalt, und die Berge um Rom herum haben sich mit Schnee bedeckt. ö““

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Barcelona, 28. Jan. Die Provinzial⸗Deputation hat in einer offiziellen Mittheilung an den politischen Chef förmlich erklärt, daß sie unter keiner Bedingung irgend eine Vertheilung von Steuern vornehmen werde, die nicht von den Cortes bewilligt worden seyen.

Da die Quartier⸗Kommissarien sich geweigert haben, die An pen⸗Detaschements zu den Bürgern zu begleiten, welche noch 8 85 Zahlung der Contribution rückständig sind, so⸗ hat der e Fpl⸗ tain sämmtliche 25 Kommissarien in die EöEe assen, wach Ligen Suunden jeyoch werraugölig sey gekommen, wo all⸗ Journale sich gegenseitig unterstützen 8 e. ben Seite setzen müßten; er werde daher dem nstituciona nich - —5 letztere Blatt verspricht seinerseits, sich mit mehr antworten. Dies letztere Leende der Ver 8 89, den übrigen Blättern gegen die Feinde der Verfassung und der den

Bürgern gegebenen Garantieen zu verbinden.

—Von der Spanischen Gränze, 29. Jan. Zur⸗ bano hat nach Beendigung seiner Inspections Reise am 24. Ja⸗ nuar Junquiera verlassen und sich nach Figuieras zu begeben, wo er sein Hauptquartier aufschlagen wird.

Der Spanische Konsul in Perpignan hat den Befehl erhalten, den Spaniern keine Pässe mehr nach Catalonien zu geben. Die Gründe einer so strengen Maßregel kennt man nicht.

Paris, 5. Febr. Die heute eingetroffenen Barceloneser Zeitungen wissen nichts von einem neuen Aufstands⸗Versuche, der, ge⸗

e Pariser Blättern zufolge, in der Catalonischen Hauptstadt statt⸗ efunden haben sollte. Dagegen schildern sie allerdings die Lage der

Stadt und die Stimmung ihrer Einwohner in den düstersten Farben. Es ist offenbar nicht bloß Hartnäckigkeit und Geist des Widerstandes, wenn die Barceloneser sich bei der Einzahlung der ihnen aufgelegten Contribution so langsam zeigen. Ein großer Theil der Bürger von Barcelona scheint wirklich unfähig zu seyn, die ihm abverlangten Bei⸗ träge zu jenen leidigen zwölf Millionen zu liefern. Man liest ergrei⸗ fende Schilderungen der Anstrengungen und Opfer, welche es einzel nen Steuerpflichtigen gekostet hat, ihren Antheil an jener Steuer auf zubringen. Der General Seoane selbst scheint sich überzeugt zu haben, daß alle Mittel der Härte nicht hinreichen werden, um jene zwölf Millionen zu erpressen, und man versichert, daß er die Regierung ge⸗ beten, entweder von der ihm vorgeschriebenen Strenge nachzulassen, oder seine Entlassung als General⸗Capitain von Catalonien anzuneh⸗ men. Das Ayuntamiento der Stadt ist, im Gefühle seiner Ohnmacht zum Schutze der seiner Obhut anvertrauten bürgerlichen Interessen, auseinandergegangen, nachdem es seine regelmäßige Entlassung durch den General Seoane verweigert gesehen. Mehrere seiner Mitglieder haben heimlich die Stadt verlassen, oder aber sich versteckt, so daß keine vollzählige Versammlung der städtischen Behörde mehr zusam⸗ mengebracht werden kann. Die unteren Munizipal⸗Beamten, die Vier⸗ tels⸗Alkalden, sind der Haft wieder entlassen worden, welche die mili tairische Behörde gegen sie verfügt, weil sie sich geweigert, die Erecutions Truppen in die ihnen bezeichneten Wohnungen der Widerspenstigen und Säumigen zu führen. Dieses Amt ist jetzt den städtischen Pedellen über tragen, welche in regelmäßigen Zeiten die Functionen der Steuer⸗ Exekutoren versehen, aber gleichwohl stößt die Execution auf häufige Schwierigkeiten, die daher rühren, daß fast alle Einwohner der Stadt die Nummern ihrer Häuser zerstört haben.

Die Spanisch⸗Französischen Verwickelungen sind bis jetzt noch nicht so weit gediehen, als es anfangs schien. Vor allen weiteren Maßregeln scheint die Französische Regierung die Antwort auf die letzte an den Herzog von Glücksberg geschickte Depesche abwarten zu wollen, in welcher, unter Wiederholung der als Ultimatum gestell ten Forderung eine Frist von drei Tagen gestellt worden ist, binnen welcher die Spanische Regierung sich entweder für die Genugthuung entscheiden oder die Abreise des Französischen Geschäftsträgers ge⸗ wärtigen sollte. Unwahrscheinlich ist es übrigens jedenfalls, daß das Madrider Kabinet in Folge dieser letzten Drohung seinen der Fran zösischen Regierung bereits mitgetheilten Entschluß ändern werde.

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Konstantinopel, 19. Jan. (A. Z.) Die Wahl G. Bi besco's zum Hospodar der Wallachei ist von der Pforte bestätigt. Der Berat darüber ist in der Erpedition begriffen, und der Groß⸗ herrliche Commissair zur Installirung des neuen Fürsten wird nächstens ernannt werden.

Hinsichtlich Serbiens hat der Russische Botschafter in seiner neuesten Note die gutwillige oder erzwungene Entfernung des Alexan⸗ der Georgiewitsch aus Serbien und die Vornahme einer neuen Für⸗ stenwahl mit energischer Bestimmtheit verlangt.

8 Inland.

Berlin, 10. Febr. Das Justiz⸗Ministerialblatt publi⸗ zirt nachstehende Allerhöchste Kabinets⸗Ordre:

„Da es in neuerer Zeit öfter vorgekommen ist, daß Festungs⸗Gefan⸗ gene während ihres Arrestes unerlaubte Verbindungen nach außen unter⸗ halten haben, so sollen in Zukunft solche Individuen, welche zu Festungs⸗ Arrest verurtheilt worden und nach den obwaltenden Umständen verdächtig sind, daß sie einen unerlaubten Verkehr nach außen zu unterhalten suchen werden, unter Ausschließung der Festung Spandau, nur nach folgenden Festungen geschickt werden, als Weichselmünde, Graudenz, Stettin, Magde⸗ burg, Silberberg, Glatz, Neiße, Kosel, Wesel und Ehrenbreitstein. Die Ministerien des Krieges und der Justiz haben zur Ausführung dieser Be⸗ stimmung das Erforderliche zu veranlassen. 8

Charlottenburg, den 22. Dezember 1842.

Friedrich Wilhelm.

1

An die Ministerien des Krieges und der Justiz.

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Dasselbe Blatt enthält auch nachstehenden Allerhöchsten Ka⸗ binetsbefehl:

„Ich bin aus den in Ihrem Berichte vom 20sten v. M. entwickelten Gründen damit einverstanden, daß die Bestimmung der Reskripte vom 19. Dezember 1796 und vom 24. Februar 1800, nach welcher die von der Krone verschenkten Güter in Südpreußen nicht an Eingeborne des ehemaligen we veräußert werden sollten, durch die Gesetzgebung des vormaligen Herzogthums Warschau aufgehoben worden und durch die Wiedereinführung der Preußischen Gesetze nicht wiederhergestellt ist. Ich genehmige demnach, daß alle auf Grund jener Reskripte in den Hopothekenbüchern eingetragene Vermerke von Amts wegen gelöscht werden.

Berlin, den 19. Januar 1843.

Friedrich Wilhelm. An die Staats⸗Minister Mühler und Graf von Arnim.“

Erfurt, 7. Febr. Die hiesige Stadtverordneten Versammlung hat sich, wie die Erfurter Zeitung berichtet, für die Veröffent⸗ lichung ihrer Verhandlungen durch den Druck erklärt.

Dasselbe Blatt meldet: „Dem Vernehmen nach sind die Verhandlungen über den Bau der Thüringisch⸗Sächsischen Eisenbahn jetzt so weit vorgeschritten, daß die wirkliche Ausführung des großen Werkes keinem Zweifel mehr unterliegt. Diese wird unter Leitung einer in Erfurt ihren Sitz nehmenden Preußischen Central⸗Behörde geschehen.“

In der heute stattgefundenen sehr zahlreich besuchten Versamm⸗ lung unseres Gartenbau⸗Vereins zeigte ein Mitglied desselben eine Partie Kartoffeln vor, die nach einer neuen Kultur⸗Methode gewon⸗ nen wurden. Die Legung der Saamen-⸗Kartoffeln erfolgte nämlich erst Anfang August in einem locker bearbeiteten Boden 4 bis 6 Zoll tief; die trotz der vorjährigen Dürrung freudig emporgewachsenen Pflaͤnzen blühten im Oktober und wurden beim Eintritt der ersten Kälte mit Stroh bedeckt, um die Knollen bis zu ihrer gehörigen Reife vor den Einwirkungen des Frostes zu schützen. Die vor einigen Ta⸗ gen theilweis herausgenommenen Knollen zeichneten sich, obwohl noch nicht gehörig gezeitigt, durch ihre Größe und Schönheit aus, und die im Monat März vorzunehmende Haupt⸗Aerndte verspricht in je der Hinsicht ein befriedigendes Ergebniß.

Neuß, 5. Febr. (Düsseld. Z.) Eine neue Königl. Gnade ist unserer Stadt zu Theil geworden. Die jüngste Allerhöchste Be⸗ willigung eines Zuschusses von 10,000 Rthlrn. zu dem Restaurations⸗ Bau unserer Münsterkirche noch im frischen, dankbaren Gedächtniß bewahrend, wurden wir heute durch die frohe Nachricht über rascht, daß Se. Majestät die Einrichtung eines Haupt Steuer⸗ Amtes und damit verbundenen Packhofes in hiesiger Stadt zu genehmigen geruht haben. Die immer mehr sich entwickelnde ommerzielle Bedeutsamkeit unserer Stadt, welche zur Sicherung ihrer Verbindung mit dem Rhein auf die Schiffbarmachung

des Erft⸗Kanals erst vor einigen Jahren die ansehnliche Summe von 80,000 Rthlr. verwendete, hatte eine solche Einrichtung schon lange als ein täglich fühlbares Bedürfniß herausgestellt. Bei dieser Anordnung ist zugleich die industrie⸗ und fabrikreiche Gegend von Gladbach, Rheydt, Viersen, Grevenbroich, Wevelinghoven ꝛc. in hohem Grade betheiligt, und es werden diese Nachbarstädte den gan⸗ zen Werth dieser Königlichen Gnade, und die für eine regere Ge⸗ werbthätigkeit daraus hervorgehenden großen Vortheile mit uns ge⸗ hörig zu würdigen wissen.

Bevölkerung von New⸗York.

O New⸗York, 14. Jan. Vor wenigen Tagen ist hier ein interessantes statistisches Dokument zur Oeffentlichkeit gebracht worden, das auch für das gesammte Ausland von Interesse ist. Dasselbe besteht in einer Uebersicht der fortschreitenden Zunahme der Bevöl⸗ kerung der Stadt New⸗York, welche man füglich das London oder Paris der neuen Welt nennen kann. Diese Zunahme ist verhältniß⸗ mäßig beträchtlicher, als die der Bevölkerung der Amerikanischen Union in Masse genommmen, ja, man kann sagen, sie hat vielleicht nicht ihres Gleichen in der Welt. Um dem Leser dies recht augenschein⸗ lich zu machen, will ich die vergleichende Uebersicht des steigenden Wachsthums beider hier einander gegenüberstellen.

New⸗York. Vereinigte Staaten. Im Jahre 1800 60,489. Im Jahre 1800 5,305,925. [810 ( 1810 7,239,81 8 1820 123, 0. 2 1-— 9,638,131. 1880 208,007. » 1830 12,866,920. G 1840 312,710. 2 1840 17,062,566.

Die Durchschnittsziffer der Zunahme der Bevölkerung der Stadt beträgt mehr als 51 pCt. für jede Periode von zehn Jahren seit 1800, und die des Landes in seiner Gesammtheit genommen ein wenig unter 34 pCt. Seit 1820 war das Verhältniß für einen gleichen Zeitraum 62 pCt. für die Stadt und nur 33 für die ge sammte Union. . Wenn diese Zunahme auf dem Fuße von 51 pCt. für jede Pe riode von 10 Jahren bis zu Ende des neunzehnten Jahrhunderts fortdauerte, würde die Bevölkerung von New⸗NYork betragen:

Im Jahre 1850 472,192 Im Jahre 1880. 1,625,730

1 219,0090 »„ » 1890. 2,464,852

8 1870 1,076,643 19900. ö3,706,826 Wenn andererseits die Vereinigten Staaten in dem Verhältnisse fortwährend an Bevölkerung zunähmen, das sie seit 1800 befolgt haben, so würden sie im Jahre 1880 eine Bevölkerung von wenig⸗ stens 52 Millionen, und im Jahre 1900 von 92 Millionen erreichen.

Mag man nun auch zugeben, daß die bisherige Proportion des Wachsthums der Volkszahl nicht immer auf gleicher Höhe sich erhal⸗ ten wird, und daß die hier in Aussicht gestellten Resultate also auch nicht vollkommen sich verwirklichen werden, so bleibt doch nichtsdesto⸗ weniger gewiß, daß Amerika mit wahren Riesenschritten einer großen Bestimmung entgegenstrebt, und daß, wie ein hiesiges Blatt sich aus⸗ drückt, allerdings die neue Welt eines Tages ihrer älteren Schwester eine Ruhebett darbieten kann, ohne selbst im Geringsten dadurch be⸗ lästigt zu werden. b

Indeß muß man gestehen, daß die gegenwärtigen Gäste gewis⸗ ser Theile des verheißenen Landes noch ziemlich schlecht gebettet sind, noch schlechter aber ihre Gläubiger. Die Bewohner von Illinois geben dafür ein sprechendes Zeugniß. Ueberall ertönt dort der Klage⸗ ruf über das herrschende Elend. Der Gouverneur des Staates hat in seiner Botschaft an die Legislatur ein trauriges Gemälde von der finanziellen Lage desselben entworfen: er verkündet laut die absolute Unmöglichkeit für den Staat, seine Schuld, die nicht weniger als 11 Millionen Dollars beträgt, zu bezahlen, und schlägt vor, den Staats⸗Gläubigern 500,000 Acker Landes an Zahlungsstatt anzubie ten. Nach dem Preise, in welchem dort Grund und Boden stehen, würde dies den Staats⸗Gläubigern von Illinois etwa sechs Prozent ihres Guthabens geben, allerdings eine schlimme Aussicht für die gut⸗ müthigen Leute, welche sich herbeigelassen haben, jenem Staate ihre Kassen zu öffnen. Sie mögen sich immerhin mit der Wahrheit trö⸗ sten, daß sechs Cents für einen Dollars doch noch besser ist als gar nichts. Anderwärts, und selbst im Staate New-York, steht man ebenfalls nicht glänzend. Doch darauf werde ich ein andermal zu⸗ rückkommen.

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Briefe von der Aegyptischen Expedition des Professor Lepsius.

(Fortsetzung.) Gizeh, im Zelt bei den Pyramiden, 1. Jan.

Hier, an der Spitze des Delta, wo das Wüsten⸗Plateau, das bisher von Norden her, die westliche Seite des Delta entlang, in südöstlicher Richtung strich, nun in fast gerade südlicher fortgeht, bildet sich, gerade an der Ecke, südlich von Kahira, nördlich von der Stätte des alten Memphis, eine etwas vorspringende Terrasse in un⸗ regelmäßigem Viereck, von etwa 4000 Fuß ins Geviert. Diese hat sich die vierte Dynastie Memphitischer Könige (nach Manetho) zum Begräbnißplatz ausersehen und auf der Diagonale derselben die drei Riesenwerke erbaut: auf der nordöstlichen Ecke Cheops die große Py⸗ ramide, auf der südwestlichen Mykerinus die kleine, in der Mitte des ganzen Plateaus Chefren die zweite; rings um sie her dehnt sich ein ungeheures Gräberfeld aus jenen uralten Zeiten. Mit der Er⸗ forschung dieser bisher viel zu wenig beachteten Monumente (das Interesse hatte sich bisher fast ausschließlich Theben und den Dyna⸗ stieen der Amenophis und Ramses zugewandt) fand ich unsere Expe⸗ dition beschäftigt, die seit dem 9. November hier weilte und wohl noch einige Tage bedarf, um mit der reichen Ausbeute auch nur eini⸗ germaßen abschließen zu können. Vom Fuß der zweiten Pyramide geht ein tiefer Einschnitt durch das Plateau östlich in die Ebene hinab; in diesem, geschützt vor den jetzt herrschenden West⸗Stürmen, stehen unsere Zelte; auf erhöhtem Hügel daneben die Preußische Flagge. Ein anderer Theil unserer Gesellschaft hat sich die nahen Felsengräber zur Wohnung eingerichtet, und ähnliche Räume dienen uns zur Küche, zu Magazinen, zur Stallung für unsere Kameele und Esel. Daß wir auf solche Weise nur diejenigen gebrauchen, in wel⸗ chen sich keine Hieroglyphen finden, versteht sich von selbst.

Hier beginnt denn immer frühmorgens in der schweigenden Wüste ein reges Leben; wenn bei Ihnen noch Alles in tiefem Dunkel begra⸗ ben liegt (bei uns geht die Sonne jetzt vor 7 Uhr auf, und wir sind zugleich um eine ganze Stunde Ihnen in der Zeit voraus), vergol⸗ den die ersten Strahlen die Spitzen der Pyramiden, und bald steigt die goldene Kugel mit ihrem siegreichen Glanz auch für uns über das östliche Gebirge herauf; dann kommen aus dem nahen Dorfe unsere Arbeiter und harren, im Kreise kauernd, daß man sie an die verschie⸗ denen Orte ihrer Bestimmung sende; auch unsere Gesellschaft zer⸗ streut sich noch in der frischen Morgenkühle (wir haben oft nur

R. gehabt bei Sonnen⸗Aufgang) an die Arbeit; und nun be⸗

ginnt der Tag warm zu werden. Von unendlicher Schönheit und Lieb⸗ lichkeit sind diese stillen und heiteren Tage, wie wir deren in der vorigen Woche viele gehabt haben; dann leuchtet die massenhafte, durch Licht und Schatten wunderbar durchbrochene Wüste in ganz eigenthümlich ernsten, braunen, rothen und gelben Tönen; das fruchtbare Nilthal ist, wie eine Sammetdecke, aus Grün und Schwarz zusammengesetzt; zwischendurch ziehen sich blau leuchtende Kanäle, erheben sich, in ma⸗ lerischen Linien, Dörfer aus Palmenhainen und fernhin die weißen Minarets von Kahira; darüber liegt an der Spitze des Mokattam Gebirges die Citadelle in scharfen Linien; am Gebirge selbst aber zeichnet sich jede Schlucht, jede Felsbildung bei der heiteren, klaren Luft in den deutlichsten Formen und Umrissen, obgleich Alles mit dem reizend⸗ sten violetten, lilarothen Duft übergossen ist, und über dem Allen wölbt sich der wolkenlose Aether in tiefblauer Pracht! Freilich sind nicht alle Tage so schön; wir haben auch kalte, bezogene und stürmische Tage, an denen wohl einmal ein Zelt zusammenstürzen will und man sich gern zu einem Freunde in sein Grab flüchtet. Fast immer aber sind die Sonnen⸗Untergänge von einer nicht auszusprechenden Schönheit: da erglänzt der westliche Himmel unten in orangefarbener Gluth, oben in rosenrothem Licht, bis zum Zeuith hinauf; das Gebirge aber in goldenem Purpur. Dann kommen Deutsche und Araber aus allen Grä bern und Thälern zurück; Letztere hocken im Kreise nieder, in ihre weißen Mäntel gehüllt, auf die Bezahlung wartend; die Männer bilden einen, die Kinder einen zweiten Kreis, und so geht Alles in seiner Ordnung.

Ein Grab ist unser Eßzimmer; daß die lange Türkische Pfeife und der Kaffee in seinen kleinen Schälchen, die statt der Untertasse ein metallenes Täßchen haben, nicht fehlen, versteht sich von selbst. Aber von der Pracht und Herrlichkeit des Sternenhimmels können Ihnen selbst die klarsten deutschen, ja auch die römischen Nächte noch keinen Begriff geben. Gerade über uns leuchtet der Orion, unter ihm der Canopus, den Europa nicht kennt; dagegen hat der Polarstern sich schon tief gegen den Horizont geneigt, und der große Bär ist nicht mehr „untheilhaftig der Salzfluth.“

Wenn uns so die Natur in ihrem täglichen Kreislauf die reich⸗

sten und interessantesten Erscheinungen darbietet, an denen sich unser

eigenes Leben regelmäßig und gleichförmig abspinnt wie verschieden

von dem Ihrigen in der winterlich bewegten Hauptstadt so sind

die geschichtlichen Fäden, die uns mit einer Vergangenheit von 5000

Jahren verknüpfen, wahrlich nicht weniger bedeutend und großartig.

Eine große Karte dieses ganzen merlwürdigen Plateaus, auf Grund

der trefflichen Wilkinsonschen entworfen, aber in manchen wichtigen

Punkten mit unsäglicher treuer Arbeit unseres Architekten bedeutend

verbessert, wird Ihnen einmal den staunenswerthen Reichthum dieser Ge⸗ gend darlegen. Jede Pyramide bildet den Mittelpunkt eines Gräberfeldes, auf welchem die Verwandten, Priester und hohen Beamten des Königlichen Erbauers begraben liegen, theils in Kammern in den Felsen ausge⸗ hauen, theils in hohen Malen, die in oblonger Gestalt mit schrägen Wänden und flachen Decken meist etwa 12 Fuß ne. sind, als solide Würfel aus gewaltigen Quadern. In diesen Malen findet sich dann meist eine Kammer voll reicher Hieroglyphen und bildlicher Darstellungen, die als Kapelle gedient haben mag, und hinter der⸗ selben ein tiefer Schacht oder Brunnen. Aehnlich ist die Einrichtung der Felsen⸗Gräber, und die Gesammt⸗Anschauung dieser Denkmäler giebt die überraschendsten Aufschlüsse über die Bedeutung der Pyra⸗ miden und ihr Verhältniß zu den vor ihnen erbauten Tempeln. Die Hieroglyphen und Darstellungen in den Gräbern, aus denen frühere Reisende nur einzelne pikante Lebensscenen ausgezogen, sind sowohl für die Sprache, wie für die künstlerische Entwickelung und für die Geschichte jener uralten Zeit sehr wichtig, und die Reihenfolge der Namen giebt manchen fehlenden historischen Anhaltpunkt. Manch⸗ mal können wir eine und dieselbe Familie in verschiedenen Gräbern durch drei Geschlechter hindurch verfolgen. Der künstlerische Cha⸗ rakter dieser uralten Hieroglyphen ist, in fester, gesunder Derbheit

und Wahrheit, sehr eigenthümlich ausgesprochen, und sehr bald so⸗

wohl von der Blüthezeit der Thutmosis und Sesostriden, als von der Eleganz der Psammetiche zu unterscheiden. Aus ersterer finden sich hier nur einzelne verlorne Spuren; der große Sphinx, dessen Inschrift⸗Tafel wir zum erstenmal genau haben, ist bekanntlich von einem Thutmosis; aus der Zeit der Psammetiche, cirea 700 vor Christi, aber hat sich eine ganze Gräber⸗Gruppe zwischen die vielleicht schon damals sehr zerstörten Bauten der urältesten Zeit eingenistet.

Aber keine Karte, keine Worte, keine Bilder können Ihnen den Eindruck dieser Stätte der Herrschaft des Todes geben! Mit den Pyramiden aber geht es wie mit dem Kolosseum von Rom: das Auge oder die Seele kann den Eindruck ihrer Größe nicht festhalten, und man wundert sich immer von neuem darüber, wenn man den Blick wieder darauf richtet. Die ungeheure, riesenhafte Masse ist in die einfachsten geometrischen Formen eingegränzt; sie wirkt ganz als Masse und ist doch auch durch die Form vollkommen beherrscht, darum erdrückt sie nicht mehr; der Geist hat ihr schon sein Siegel

aufgeprägt. Interessant ist es mir, bei diesem Anblick unse

rer Germanischen Baukunst zu gedenken, deren vollkommenstes Mei⸗ sterwerk, den Kölner Dom, ich noch vor kurzem in all seiner Pracht gesehen, und dessen Eindruck mir daher so lebendig vor Augen steht. Da hat der Geist sich in einen Kampf mit der Masse eingelassen und hat sie überwunden ähnlich wie sie im Organismus über⸗ wunden ist durch das Lebens⸗Prinzip, und zuletzt, mit freiem heiteren Spiel der Willkür über der ursprünglichen Gesetzmäßigkeit schwebend, entfaltet sich dort jede Linie in immer neue Blüthen und Glieder; die einfache, zu Grunde liegende mathematische Linie ist wie durch einen reichen Schleier verhüllt, wie mit den freien schwellenden Formen des Lebens umkleidet. Hier dagegen kommt Alles darauf an, daß die einfache mathematische Linie in der Masse selbst sich ganz und klar dem Auge entgegenstelle, und sich der Seele ungestört in ihrer herrschenden Gesetzmäßigkeit aufdränge. Sie bringt dadurch einen ungeheuren, aber erhebenden Eindruck hervor. Die zweite Pyramide, die Chephren (Schafra der Hieroglyphen) erbaute, liegt etwas höher als die größte; auch ist an der Spitze ein Stück der Bekleidung erhalten, welches sie jetzt über die größere hervorragen macht. Dieser glatten Bekleidung wegen ist aber die höchste Spitze fast unzugänglich; doch sind Lepsius und Bonomi oben gewesen; wir Andere drangen nur bis unter die Bekleidung vor, was leicht ist. Ein Panorama von der Spitze, gerade im Mittelpunkt des Ganzen, ist eine der interessantesten unter der Masse von Zeichnungen, die wir von diesem wenig durchforschten Felde mitbringen. Auch eine Anzahl Gyps⸗Abgüsse der bedeutendsten Sachen hoffen wir unserem Museum zu gewinnen.

In dieser großartigen Umgebung haben wir nun unsere Weih⸗ nacht gefeiert. Von der Spitze der großen Pyramide leuchtete Abends ein prächtiges Feuer, höher als das Kreuz auf St. Peter’s Dom. Im Innern der Pyramide aber, in der hohen, rings mit Granitblöcken von fast 20 Fuß Länge gedeckten Kammer des Königs, hatten unsere Deutschen Freunde ein Chrisgfes angerichtet; in dem Sarkophag des Cheops stand ein schöner Palmbaum mit unzähligen Lichtern und Südfrüchten geschmückt.

Und so haben wir denn das neue Jahr heiter und getrost be⸗ gonnen. Unsere ganze Gesellschaft ist wohl und führt ein heiteres und freundliches Zusammenleben, * guter Humor noch durch nichts gestört worden. Ein wahres Babel von Sprachen haben wir zwar: Englisch, repräsentirt durch den geistreichen jungen Architenten

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