sey, sehr vollständig erörtert, jener Nachweis aber von der großen Mehrheit als eine überflüssige, unpraktische und schädliche Beschränkung verworfen und zuletzt zur vollen Befriedigung der Stände jene Gesetzstelle von der Staats⸗ Regierung dahin interpretirt: . 1
„daß derjenige zur Ansiedelung für berechtigt zu achten, welcher gesunde Glieder und dadurch die Fähigkeit habe, sich zu ernähren.“ (Verhandlungen der zweiten Kammer der Landstände im Jahre 1821. 7ter Band, 19tes Heft, S. 17.)
Im Herzogthum Oldenburg genügt zur Uebersiedelung die Bescheinigung, daß der Aufzunehmende sich bis dahin rechtlich ernährt hat, ohne fernere Untersuchung oder Nachweisung in Betreff des künftigen Unterhaltes.
(Gesetz vom 22. März 1780. 6.)
Im Königreiche Dänemark und den dazu gehörigen Deutschen Staaten darf Niemand, der sich ehrlich ernährt hat, gezwungen wer⸗ den, seinen Wohnort zu verlassen, oder Bürgschaft zu bestellen, daß er dem Distrikte auf den Verarmungsfall nicht zur Last fallen wolle, er mag sich kurz oder lange dort aufgehalten haben.
(Gesetz vom 23. Dezember 1808.) Auch im Königreiche Württemberg wird von dem Nachweise der Ernährungs⸗Fähigkeit in concreto ganz abgesehen. (Gesetz vom 15. April 1828. Art. 21); und im Großherzogthum Baden nur der Nachweis eines Lebensbe rufes oder Nahrungszweiges und der Befähigung dazu verlangt. (Provis. Gemeinde⸗Ordnung §. 10 und 12.)
In den beiden letzteren Staaten muß der die Aufnahme in das Gemeinde⸗Bürgerrecht Nachsuchende zwar auch noch den Besitz eines bestimmten Vermögens, sogenannten Einbringens, darthun. Indessen sind Beschränkungen dieser Art so durch allgemeine Erfahrungen als schädlich und zweckwidrig erkannt worden, daß wohl schwerlich Jemand versucht seyn möchte, ein solches Beispiel in unserem Staate als nachahmungswerth zu empfehlen.
In welchem Verhältnisse steht denn, um näher auf diesen Punkt einzugehen, der Besitz eines Vermögens von 100 Rthlr. oder auch 500 Rthlr., oder die Gewähr, die dasselbe einer Gemeinde leisten kann, eines Vermögens, bei dessen Berechnung alle Mobilien, mit Ausnahme der Kleider, alle ausstehende Forderungen, sogar zu hof⸗ fendes dereinstiges Vermögen, in Anschlag gebracht werden, mit dem Nachtheile, den die Confination Aller derer, welche es nicht nach zuweisen im Stande sind, der gesammten Staatsgenossenschaft bringt!
Es bedarf wohl keiner Anführung, daß die Thatsache redlicher und vollständiger Ernährung während eines ganzen Jahres (vergl. §. 3) mehr für die fortdauernde Erwerbsfähigkeit eines Arbeiters spricht, und der Gemeinde, welche er zum Aufenthalte gewählt, ge⸗ gründetere Hoffnung gewährt, nicht leicht die Pflicht zur Unterstützung zu seiner und seiner Familie Besten in Ausübung bringen zu müssen, als die Gewißheit, daß er im Besitze von 2 Rthlr. bis 10 Rthlr. jährlicher Rente, oder eines Vermögens selbst bis zu einigen Hun⸗ dert Thalern im Augenblicke der Aufnahme ist.
Dieses Einbringen ist so gering, daß das Kapital kaum hinreicht, eine einzelne Person, noch weniger eine Familie, ein ganzes Jahr hindurch zu ernähren, und wird gewiß durch die Summe, welche der
wendung der Kräfte zu verstehen
Ansiedler, bei vorausgesetzter stillschweigender Erwerbung des Wohn⸗ sitzes, durch Aufenthalt während Jahresfrist verzehrt und also auch erworben hat, weit übertroffen. Hat er aber ohne eine solche baare Beihülfe sich redlich erhalten, so muß die Fähigkeit, sich durch seine Geschicklichkeit und Kraft vollständig auch für die Dauer Unterhalt u verschaffen, als weit klarer erwiesen betrachtet werden, als wenn er ein kaum nennenswerthes Vermögen, welches die Lücke in dem Erwerbe zwar eine Zeit lang, aber auch nur für eine kurze Zeit aus üllen konnte, darthat. Uebrigens ist es bekannt genug, wie es um den Nachweis eines solchen Einbringens steht. Das Bestreben, Beschränkungen dieser Art
312
zu umgehen, ist eben so groß, als der Erfolg leicht und sicher; es wird dem Aufnahme Begehrenden die Gelegenheit nie entstehen, eine Forderungs⸗Urkunde, gegen deren Geltendmachung er den Aussteller durch Rückschein gesichert hat, oder auch baares Geld zu produziren, was er mit der einen Hand vorzeigt, mit der anderen dem Darleiher wiedergiebt. Die schlimme Folge einer so durchaus illusorischen An⸗ ordnung ist nur die durch den Reiz und die Leichtigkeit der Umgehung oder Uebertretung verminderte Achtung für die Gesetze, die Förderung wuche⸗ rischer Unternehmungen und die Verschlechterung der Lage der geringeren Klasse, indem man sie dem Wucher preisgiebt und dadurch den Grund zur wirklichen Verarmung legt. Sollte aber gegen die Vereitelung der Vorschrift auch wirklich eine Sicherung möglich seyn, — die jedoch ohne eine lästige weit ausgedehnte Kuratel und nachtheilige Verhin⸗ derung des Umlaufs der Baarschaften nicht zu erreichen ist, so fehlt es für die Bestimmung des Quantums an aller natürlichen Grund⸗ lage. Je höher das Einbringen bestimmt wird, desto direkter und positiver wird die freie Anwendung des Arbeits⸗Kapitals erschwert, desto gewisser gehen alle erfahrungsmäßigen Vortheile derselben ver⸗ loren, desto unzweifelhafter werden alle Nachtheile hervorgerufen, die früher angedeutet worden; — je niedriger, desto gehaltloser wird die ganze Maßregel, desto vexatorischer in Beziehung auf alle dieje⸗ nigen, die wegen Mangel eines Besitzes von solcher Geringfügigkeit sich in einen bestimmten Kreis gebannt und ohne Gelegenheit vor⸗ theilhafter Anwendung ihrer Kräfte und Fähigkeiten in demselben zur Armuth und zum Entbehren verurtheilt sehen.
Wo andere oder ähnliche Hindernisse für die freie Entfaltung aller Thätigkeiten ersonnen worden, ist das Resultat immer dasselbe gewesen; das Streben der Regierung, Alles anzuordnen und zu len⸗ ken, hat überall zur Willkür, zur Beeinträchtigung der natürlichen Freiheit und nach theuren Erfahrungen dahin geführt, die ganze Nich⸗ tigkeit und Verderblichkeit der Einmischung in die individuellsten Ver⸗ hältnisse überzeugend darzuthun.
Berlin-Frankfurter Eisenbahn. In der Woche vom 5. bis 11. März 1843 sind aul
Franklfurter Eisenbahn 6547 Personen befördert worden.
der Berlin-
1843. 12. März.
Nach einmaliger Beobachtung.
Morgens 6 Uhr.
Nachmittags
Abends 2 Uhr.
10 Uhr.
Luftdruck... 339,1 18 Par. 338,40 Par. 336,92“ Par. Quellwärme 6,9⁰ It. L. uft würme .. . + 0,9⁰ R. + v K. + ,5 k. Flusswürme 1,0 8* Thaupunkt — 0,49 R. + 1 R. + 9I R. Bodenwärme 3920 „R. Dunstsättigung 87 pCt. 1 pCt. 88 pCt. Ausdünstung 0,013 Rb. Wetter trüb. trüb. trüb. Niederschlag 0,0 Rh. Wind 88 1. 80. 80. Wärmewechsel +† 4,29° Wolkenzug... — 80. — — 0,1° h. Tagesmittel: 338,14 Par... + 2,10 K. + 0,59 K. 82 pCt. S0.
Auswärtige Börsen.
Amsterdam, 9. März. 5 % do. 101 9%. Kauz- Bill. —. 5 % Span. 19 ℳ%. Preuss. Präm. Sch. —. Pol. —.
A ntwerpen, 8. Määrz. Zinsl. —. Neue Anl. 19.
HIambu r G, 11. März. Bank-Actien 1645. Bugl. Russ. 110.
Pari S, 8. März. 5 % Rente fin cour. 120. 20. 3 % Rente fin cour. 81. 70. 5 % Neapl. au compt. 107. 20. 5 % Span. Rente 26 ½¼. Pass. 4 ½.
Wien, 8. März. 5 % Met. 110 ⅛. 4 % 101 ¼. 3 % 78. 9% —.
1 % —. Hank-Actien 1628. Anl. de 1834 142 ½. de 1839 114 ½
Niederl. wirkl. Sch. 56 . 3 % do. 28. Pass. —. Ausg. —. Zinsl. 4 v6. Oesterr. 108 ½. 4 % Russ. Hlope 90.
Berliner Börse. Den 13. März 1843.
Pr. Cour. Brief.] Geld. [Gem.
Pr. Cour.
Fonds. Brief.] Geld.
Acilien.
104¼ NX Pots. Eisenb. do. do. Prior. Obl. Mgd. Lpz. Bisenb. do. do. Prior. Obl. Brl. Anh. Eisenb. do. do. Prior. Obl. Düss. Elb. Kisenb. 7 do. do. Prior. Obl. Rhein. Eisenb. 3 do. do. Prior. Obl. Westpr. Pfandbr. 3 Berl. Fraukf. Eis. Grossh. Pos. 84 4 do. do. Prior. Obl.4 do. do. 3 ½ 0 b.-Schles. Eisb. Ostpr. Pfandbr. 3 ½ “
Pomm. do. 3 ½
St. Schuld-Sch. Preuss. Englische Obligat. 30. Präm. Sch. der Seehandlung. Kur- u. Neumürk. Schuldverschr.] Stadt- Obligationen. Danz. do. in Th.
104 135 ½
103 ½ 102 ¾
Berliner
Gold al marco. 1 1 4 Friedrichzd'or. — Kur- u. Neum. do. 32 2nd. Gldm. à 5 Tb. —
““
Schlesische do. 3 ½ 7 .
Disconto. —
Königliche Schauspiele. Dienstag, 14. März. Im Opernhause. Auf Allerhöchsten B fehl: Armide, große heroische Oper in 5 Abth., mit Ballet. Musik von Gluck. (Neu einstudirt.)
Preise der Plätze. Ranges 1 Rthlr. 10 Sgr. ꝛc.
Zu dieser Vorstellung bleiben die bereits gekauften, mit Freitag bezeichneten Opernhaus⸗Billets gültig, auch werden die dazu noch zu verkaufenden Billets mit Freitag bezeichnet seyn.
Im Schauspielhause: 1) Le jeune mari, comédie en 3 actes 2) Un mari charmant, vaudeville en 1 acte.
Mittwoch, 15. März. Im Schauspielhause: Belle⸗Isle, oder: Die verhängnißvolle Wette.
Donnerstag, 16. März. Im Schauspielhause.
weißes Blatt, Schauspiel in 5 Abth., von C.
Ein Platz in den Logen des ersten
Mademoiselle d
Zum erstenmale Gutzkow.
6 Königsstädtisches Theater.
Dienstag, 14. März. Zum erstenmale wiederholt: Wie denken Sie darüber? Dramatische Kleinigkeit in 1 Akt, von R. Hahn Hierauf: Vorstellung der Pantomimisten Herren Gebrüder Lehmann: Die drei Liebhaber in Verzweiflung. Komische Pantomime in 1 Akt. Dem folgt: Kain und Abel. Historisch⸗plastisches Gemälde. Dann: Intermezzos, ausgeführt durch die Herren Whittoyne und Maurice Zum Schluß: Der Riesenhahn, oder: Die Geburt Harlequins. Englische Pantomime in 2 Akten.
Mittwoch, 15. März. (Italienische Opern⸗Vorstellung.) Maria, ossia: La Figlia del Reggimento. (Marie, oder: Die Tochter des Regiments.)
Donnerstag, 16. März. (Italienische Opern⸗Vorstellung.) Zum Benefiz der Sängerin Signora Laura Assandri, zum erstenmale wie⸗ derholt: La Gazza ladra. (Die diebische Elster.) Opera in 2 Atti. Musica del Maestro Rossini.
Etwaige Mehrzahlungen über die gewöhnlichen Preise der Plätze werden von Seiten des Kassirers im Billet⸗Verkaufs⸗Büreau nur gegen Quittung in Empfang genommen.
Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.
Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerei.
wan.
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Bekanntmachungen.
P T b 1 1 C a n d 11 . Freiwilliger Verkauf. Die in Westpreußen im Departement des Königli chen Ober⸗Landesgerichts zu Marienwerder gelegenen bisher zusammen bewirthschafteten Rittergüter Sedlie⸗ nen und Bialken, nebst dem Vorwerke Ruden, dem Bialkenschen Theil zu Groß Paradies, dem Vorwerke J. Hohensee und Sulafken, Alles zusammen zufolge der nebst Hopothekenschein und Bedingungen in hiesiger
guten,
tenen Weinen
8 Sgr. landschaftlich abgeschätzt, sollen im Termine den 8. (achten) April d. J., Vormitt. 11 Uhr, an ordentlicher Gerichtsstelle durch freiwillige Licitation subhastirt werden. Marienwerder, den 13. Februar 1843. Civil-Senat des Königl. Ober⸗Landesgerichts.
nisse werden vor
Würzburg, am “]
668 Bekanntmachung. Breslau⸗Schweidnitz⸗Freiburger V Eisenbahn⸗Gesellschaft.
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der.
Wein⸗Versteigerung.
Wegen vorgerückten hohen Alters haben wir uns entschlossen, unsere seit vielen Jahren betriebene Wein⸗ handlung aufzugeben und unser aus ganz vorzüglich meistens selbst gebauten und ganz rein gehal⸗ bestehendes 8 öffentlich zu verkaufen, wozu wir Strichs-Termin auf Montag den 20sten künftigen Monats März J. und die darauf folgenden Tage, ljedesmal Vor⸗ mittags um 9 Uhr und Nachmittags um 2 Uhr an⸗ 1 fangend, anberaumt und die Abfüllungs Zeit auf 2 bis Registratur einzusehenden Tare — auf 38,444 Thlr. 3 Monaäte festgesetzt
die Weinproben verabreicht und Kaufsliebhaber hierzu höflichst eingeladen.
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Bemerkt wird, daß die feineren Weine in schicklichen kleinen Partieen abgegeben werden.
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2 1822er
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Allgemeiner Anzeiger für die Preußischen Staaten.
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Leistenwein.
1. Der Maurer. Mit 8 Ta⸗ löschgeräthemacher, Bött⸗
feln. 1½ Thlr. cher. Mit 5 Taf. 20 Sgr.
6 184ter 6 1812er — 1839er 4 24⁴ 6 2 1827er 1818er
Weinlager meistbietend
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haben. — Die übrigen Beding⸗ der Versteigerung bekannt gemacht,
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27. Februar 1843. 1 Gebrüder Ziegler, 8 Blasiusgasse II. Dist. No. 396.
18022er
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1783er
Gewächs.
1748er im 1sten Keller.
im Zten Keller Steinwein.
Lindleinsberger Neueberger. Steinwein.
Lindleinsberger. Neueberger.
⸗ 1 Steinwein. Schalksberger. Lindleinsberger. Steinwein. Rother Marbacher. Heinrichsleiden Steinwein. Schalksberger. Steinwein.
Leistenwein.
.Der Steinmetzer, Bild-b. Der Töpfer, Lehmer, Sta⸗ hauer, Stucateur, Bron⸗ ker u. Decker flacher Dä⸗ ceur, Vergolder. Mit 12 cher in Lehm. Mit 1 Ta⸗ Tafeln. 1 ¼ Thlr. fel. 10 Sgr. 3. Der Zimmermann. Mit,7. Der Brunnenmacher, 13 Tafeln. 1 ½ Thlr. Dammsetzer, Drechsler, Der Tischler, Schlosser, Seiler. Mit 2 T. 15 Sgr. Schmidt, Nagelschmidt,s. Der Klempner, Kupfer⸗ 8 Drahtflechter, Glaser, An⸗ schmidt, Schieferdecker, . streicher, Lackirer, Tapezie V Stroh⸗ und Rohrdecker, 8 ‚rer. Mit 2 Taf. 20 Sgr. Spließ⸗, Schindel⸗ und 5. Der Gelb⸗ u. Glockengie Spohndecker. Mit 2 Taf. ßer, Spritzen⸗ u. Feuer⸗ 17 ½ Sgr.
Für Architekten, Bau⸗Beamte, Bau⸗Hand⸗ werker, Haus⸗-Besitzer ꝛc. Mit Bezug auf die Werke von Triest, Gillpy, Sachs, Wolfram ꝛc. Vom Königl. Regierungs⸗Bau⸗Inspeltor Sachs. Nr. 1—8. Mit einem Atlas von 44 Fig.⸗Taf. 6 Thlr. 34 Linden, Schlesingersche Buch⸗ u. Musikhdlg.
In Gemäßheit des §. 13. unseres Gesellschafts⸗Sta tuts wiederholen wir hiermit unsere Bekanntmachung om 9ten v. Mts., tndem wir die Herren Actionaire nseres Unternehmens zur vierten Einzahlung auffordern. Diese sindet in der Zeit vom 1. bis 8. April d. J., während der Vormittags⸗Amtsstunden von 8 bis 12 Uhr, in unserem Büreau, Antonienstraße kr. 10, statt, und ist mit dreißig Prozent eines jeden lctien⸗Betrags zu 200 Thlr. nach Abrechnung der Zinsen, welche zu 4 Prozent von den bereits eingezahl⸗ en 30 Prozent für das erste Quartal d. J. 18 Sil⸗ bergroschen betragen — sonach mit 59 Thlr. 12 Sgr. unter Vorlegung der Quittungsbogen und gegen Quit⸗
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1839er 1835er
1827er 1834er
Steinwein. Lindleinsberger.
Neueberger. 2
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und nimmt Bestellungen
Heinrich sleiden Dümm ler, Linden 19. 2* 98 .
Steinwein. Ravensburger Gündersleber.
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In Stuttgart bei Steinkopf
Burgstr. 8, zu haben:
im 2ten Keller.
8, „N- Literarische Anzeigen. In einigen Tagen erscheint die 2te Eylert, Charakter⸗Züge aus dem Leben Friedrich Wilhelm's III. darauf an in Berlin Ferd.
ist erschienen und in Berlin in Oehmigke's Buchhandlung (J. Bülow),
Eine Schweizer⸗Reise von S. C. Kapff.
Puhlished This Day, One closely and beautifully printed Volume 8vo. of more than 1350 pages, 50s. boars,
A Dictionary, Practical, Theoretical aud Histori- cal, of Commérce and Commercial Navigation. II- lustrated with Maps and Plans. By J. R. M'’Cul- loch, Esq. A New Edition, with a new and en larged Supplement, containing ihe New Tariff, the New Corn Law (with an Article on the latter) and bringing down the information in the work to Sep- tember 1842.
The New Supplement, separately, 5s. sewed.
Sold by every Bookseller in Germany, in Berlin
Ausgabe von
Ir Band.
“
tung des Haupt⸗Rendanten Plümicke zu leisten; der⸗ selbe ist von uns ermächtigt, noch fernerhin volle Einzahlungen und zur Bequemlichkeit der Herren Actionaire auch schon vor dem 1. April Einzahlungen jener 30 Prozent anzunehmen, welche letztere jedoch künftig erst vom 1. April d. J. ab verzinst werden können. Der §. 15. der Gesellschafts⸗Statuten besagt näher, welche Folgen eintreten, wenn die Einzahlung dieser 30 Prozent nicht bis zum 8. April d. J. erfolgt Schließlich bemerken wir noch daß wir in uns 8 1 „ de serer am 2ten d. Mts. stattgefundenen Sitzung beschlossen haben, nach Vollendung dieser vierten Einzahlung die ursprünglichen Actionaire aus der persönlichin Verbind⸗ lichkeit für den vollen Nominalwerth ihrer Actien zu entlassen. 1 Breslau, den 6. März 1843. Der Verwaltungs⸗Rath der Breslau⸗Schweidnitz⸗Frei böBlurger Eisenbahn⸗Gesellschaft. EEEE6“ “
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Heinrichsleiden.
Carlstadter Steinwein.
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Lindleinsberger.
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Schalksberger.
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Leistenwein. 8 Steinwein. 1831er 8. — 1835er ns, 1822er FSohebug.
Pfülben.
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Mit 12 Ansichten. Preis brosch. 25 Sgr. Diese gehaltvolle und sehr ansprechende Erzählung, welche schon bei den Lesern der Jugendblätter entschie⸗ denen Beifall gefunden hat, wird sich sicher allgemein als eine der erfreuendsten und lehrreichsten Gaben für junge Angehörige empfehlen, aber auch Erwachsenen durch die Frische und Wahrheit der Darstellung, die ungekünstelte christliche Auffassung aller vorkommenden Beziehungen und die mancherlei eingeflochtenen interes⸗ santen Lebensbilder aus der Natur, Geographie und Geschichte der Schweiz vielen Genuß gewähren. 1u“ Anweisun zur Berechnung und Anfertigung der Bau⸗Anschlaͤge. Enthaltend die Berechnung des Arbeitslohns und der Materialien bei den in der Baukunst vorkommenden IAmtnl 8l Arbeiten.
by Mr. Klexander Duncker, bookseller to the royal court of Prussia-.
Für alle Landwirthe, National⸗Oekono⸗ men, Naturforscher, Obrigkeiten, welche Brodtaxen reguliren, Bäcker und Mehl⸗ “ händler. Jsohn Le Conteur, Obersten der Jersey⸗Miliz ꝛc., über die Varietäten, Eigenthümlichkeiten und Classification des Weizens, übertragen von F. A. Rüder. Mit Abbildungen. gr. 8. geh. 1843. Thlr. ist eben erschienen in der Hinrichsschen Buchhand⸗ lung in Leipzig und in der Plahnschen Buchhand⸗
2. Nitze), Jägerstr. 37 haben. 88 lunã ( be), Jägerstr. 37, zu ho
11“
2 Kthlr. für ¼ Jahr. Mhiha.
4 kthlr. 4 Jahr.
8 Rthlr. ⸗ 1 Jahr. 1 in allen Theilen der Monarchie hne Preiserhöhung.
28en
1892
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Alle Post-Anstalten des In⸗
und Auslandes nehmen Bestel⸗
lung an, für Berlin die Expedition der Staats-Zeitung:
drichsstrasse Nr. 2
——
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I Famhich Fih h s .
2 1“;
Amtliche Nachrichten. Ss
Frankreich. Paris. Die Kosten der Befestigung von Paris; Thiers und sein gegenwärtiges Schweigen. — Briefe aus Paris. (Die Vor⸗ schläge der Opposition in Bezug auf die Verminderung der Beamten in der Kammer und die Aufhebung des scrutin secret; Vermählung der
Prinzessin Clementine. Politische Phantasieen über die Lösung der
vrientalischen Frage und die Deutsche Nationalität.)
Großbritanien und Irlaud. London. Erörterung der Schotti⸗ schen Kirchenfrage. — Nequisitorium gegen die vor Gericht gestellten Chartisten. Prinz von Joinville's und Sir Ch. Napier's Ansichten über den Seekrieg. — Waaren-Ausfuhr des vorigen Jahres. — Brasi⸗ lianische Colonisations⸗Versuche.
Belgien. Brüssel. — Lüttich. Die Eisenbahn nach Aachen.
Deutsche Bundesstaaten. München. Abgeordneten⸗Kammer. Er⸗
lbrigungen des Budgets. Antrag auf Aufhebung des Lottospiels. —
Dresden. Universität Leipzig. Hannover. Eisenbahnen des Landes. Schreiben aus Frankfurt a. M. (Personalien; Main⸗ Neckar⸗Eisenbahn; Börse; Kunst⸗Notiz.)
Oesterreich. Wien. Aerztliches Bülletin.
Italien. Venedig. Die Kontumaz für Schiffe aus Griechenland, den Jonischen Inseln und Algier aufgehoben. .
Spanien. Briefe aus Paris. (Mehrere Orte der Argentinischen Re⸗ publik ziehen die Spanische Flagge auf. — Näheres über die von der Republik Haiti an Spanien ertheilte Genugthuung; das jüngste Erdbeben auf den Westindischen Inseln.)
Serbien. Von der Serbischen Gränze.
Türkei. Konstantinopel. Vermischtes.
Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika. Schreiben aus Paris. (Das Oregon⸗Gebiet.)
Texas. Schreiben aus Paris. (Weiteres über den Kampf mit Mexiko.)
Die Berlin⸗Hamburger Eisenbahn.
Amnestie.
Wissenschaft, Knnst und Literatur. Königsstädtisches Thea⸗ ter. Italienische Oper.
Kronik des Tages.
Se. Durchlaucht der Herzog von Braunschweig ist nach Braunschweig zurückgereist.
Die Königliche Akademie der Künste hat den Goldschmied Sr. Majestät des Königs, George Hossauer hierselbst, wegen Einführung zweckmäßiger Arbeits-Methoden in der Goldschmiede⸗Kunst, insbe⸗ sondere wegen vollkommenerer Darstellung von Vergoldungen, Ver⸗ silberungen und Verkupferungen größerer und kleinerer Gegenstände in Eisen, Blei, Zink und anderen Metallen mittelst des Galva⸗ nismus, zu ihrem akademischen Künstler ernannt und das Patent für
denselben unter heutigem Datum ausfertigen lassen. “
Berlin, den 11. März 1843.
—
(gez.) Dr. Schadow.
Abgereist: Der General⸗-Major und Commandeur der 7ten 1
Landwehr⸗Brigade, von Voß, nach Magdeburg.
Ausland.
—'G—
reeiich
Paris, 9. März. Den neuerlichst gemachten Anschlägen zufolge, werden die Befestigungswerke von Paris im Ganzen über 206 Millio⸗ nen Fr. kosten, wovon 118 Millionen auf die bastionirte Ringmauer und 88 Millionen auf die detachirten Forts gerechnet werden. In dem Berichte, welchen Herr Thiers im Jahre 1841 abstattete, ward die Total⸗Ausgabe auf 133 Millionen veranschlagt, so daß also jetzt schon eine Ueberschreitung des ursprünglichen Anschlages von 73 Mil⸗ lionen berechnet werden kann. Man glaubt aber, daß die wirlliche Ausgabe sich noch weit höher belaufen wird.
Ueber die räthselhafte Stellung, die Herr Thiers in neuester Zeit ingenommen hat, äußert sich heute der Cour rier frangais in olgender Weise: „Die Débats haben das neuerliche Schweigen des Herrn Thiers dem Wunsche zugeschrieben, die Stellung beizube⸗ halten, welche er sich durch seine monarchische Rede über das Regent⸗ schafts-Gesetz bereitet hatte. Andererseits behauptet die Revue de Paris, daß jenes Stillschweigen sich durch die beharrliche Treue erkläre, die Herr Thiers der Opposition bewahre. Herr Dufaure, der sich vom Ministerium abwendete, mußte freilich sprechen, sagt die genannte Revue; aber für den berühmten Chef des linken Centrums, der sich nie⸗ mals von seinen Verbündeten getrennt hat, lag keine Veranlassung dazu vor. Die Revue scheint die Erörterung über das Regentschafts⸗Gesetz, dessen sich die Débats so gut erinnern, vollständig vergessen zu haben. Welches jener beiden Blätter kennt nun die Geschichte des Herrn Thiers am besten? Unseres Erachtens dasjenige, dem er nicht die Worte in die Feder diktirt. Welches von ihnen ist dasjenige, das die gegenwärtige Stellung des Herrn Thiers am besten zu würdigen veiß? Dasjenige, wir wiederholen es, welches nicht in seinem Na⸗ men spricht. Obgleich Herr Thiers, statt sich auszusprechen, es vor⸗ gezogen hat, sich errathen zu lassen, so bestreiten wir ihm doch nicht den Muth seiner Meinung. Noch weniger fügen wir ihm die Schmä⸗
hung zu, zu glauben, daß er hofft, sich durch sein Schweigen einen
Rest von Popularität zu sichenn. Herr Thiers weiß zu gut, daß man die öffentliche Meinung nur unter der Bedingung gewinne, daß man sich um sie bemüht. Da er geschwiegen hat, so verzichtet er auf die Volksgunst, auf die Bürgerkrone, auf den Beisalls⸗
Berlin, Mittwoch den 15 “w„ März
jubel der Menge. Was hat denn aber Herr Thiers gewollt? Er hat der Opposition eine letzte Höflichkeit erweisen wollen, indem er sein Stillschweigen anscheinend zu rechtfertigen suchte. Es ist nun an der Opposition, mit Einsicht auf ein so zartes Benehmen zu antwor⸗ ten, indem sie Herrn Thiers volle Freiheit giebt und sich selbst völ⸗ lig frei macht. Nein, die Zeit ist nicht mehr, wo Herr Thiers An⸗ spruch darauf machte, der Heros der parlamentarischen Omnipotenz, der Repräsentant der Französischen Demokratie, der Mann der Nation zu seyn. Seit dem Regentschafts⸗Gesetze hat er seine Rolle verän⸗ dert. Er ist der Mann der Regierung und der Monarchie. Die Herren Guizot und Molé sind im Stillen eife süchtig auf seinen Eifer. Wir wollen weder die Aufrichtigkeit noch die Wichtigkeit dieser neuen Rolle erörtern; aber warum hüllt sich Herr Thiers noch immer in einen Mantel? Wir wollen ihm behülflich seyn, denselben abzuwerfen, und ihm zu dem Ende seinen Namen, seine Stellung und seinen Platz zurückgeben. Herr Thiers hat die Opposition o lange Zeit zum Besten gehabt, daß er sich vielleicht schmeichelt, das Spiel noch fort setzen zu können. Irrthum! Die Komödie ist aus. Hat nicht Herr Odilon Barrot ganz kürzlich mit einer Freimüthigkeit, die ihm Ehre macht, selbst eingeräumt, daß er sich irrthümlicherweise einigen Täuschungen habe hingeben können! Es giebt vielleicht noch einen anderen Grund, der die Schwierigkeit des Herrn Thiers erklärt. Ohne Zweifel hat er, indem er einen wesentlich gouvernementalen Standpunkt einnahm, alle seine alten In⸗ terventions⸗Projekte in Bezug auf Spanien für eben so viel Irr⸗ thümer erkannt. Wer weiß, ob er nicht sogar in diesem Augenblicke über den Napoleonischen Feldzugsplan erröthet, den er im Jahre 1840 geträumt hatte? Sollte er nun die Rednerbühne besteigen, um sich durch eine Desavouirung seiner Politik zu demüthigen und Herrn Guizot öffentlich das Spiel gewonnen zu geben? Wir glauben, daß Europa jetzt ruhig schlafen kann, ohne durch den drohenden Schatten Napoleon's gestört zu werden, daß es keine Schreckensblicke mehr auf die Rhein⸗Provinzen und auf die Balearischen Inseln zu werfen braucht; Herr Thiers hat sich bekehrt, er giebt der Welt den Frieden. Aber es würde ihm zu schwer geworden seyn, seine Irrthümer
Direktorium und Senat der Königlichen Akademie der Künste.
öffentlich zu bekennen. Wenn man danach strebt, wieder Minister zu werden, dann muß man sich in die Unfehlbarkeit einhüllen. Uebri⸗ gens versichert man, daß Herr Thiers, der schwieg, als es sich darum handelte, sein Votum gegen Herrn Guizot zu motiviren, das Wort wiederfinden wird, um den Gesetz⸗Entwurf über die Staats⸗Minister zu unterstützen.“
Seit einigen Wochen hat sich, wie dem Londoner Globe ein Pariser Korrespondent meldet, der Gesundheits⸗Zustand des Königs Ludwig Philipp wesentlich gebessert. Der König selbst soll versichert haben, er habe sich niemals wohler gefühlt. Es ist diese Nachricht um so erfreulicher, als noch vor kurzem der König sich so angegriffen fühlte, daß sein Zustand seiner Familie die größte Besorgniß ein⸗ flößte. Einer der gewöhnlichsten Gegenstände seiner Unterhaltung ist die Zukunft seiner Dynastie; und es wird wohl nicht ohne Grund versichert, daß er in dieser Beziehung die größte Fürsorge zeigt.
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O Paris, 8. März. Die Erneuerung der Büreaus der De⸗ putirten-⸗Kammer, welche jeden Monat erfolgt, wird am nächsten Sonnabend stattfinden. Diesesmal wird das Resultat ihrer Zusam⸗ mensetzung von großer Bedeutung seyn, da die Opposition, wenn die Bildung der Büreaus günstig für sie ausfallen sollte, willens ist, im Laufe der nächsten Woche die verschiedenen Reform⸗Vorschläge in Be⸗ treff der Definition des Attentats, der Preßgesetze, der Zulassung der Kapazitäten u. s. w. vorlegen zu lassen. Da, wie ich Ihnen neulich bemerkte, Herr von Lamartine nicht gesonnen ist, die Wiederholung der Proposition Remilly, in Betreff der Ausschließung der öffentlichen
Beamten aus der Kammer, zu unterstützen, so gedenkt die Linke einen
anderen Vorschlag einzubringen, demzufolge die öffentlichen Beamten nicht aus der Kammer ausgeschlossen, sondern blos auf 86 beschränkt werden sollen. Man hofft dadurch die große Schwierigkeit zu heben,
die bis jetzt der Verwirklichung der Motion der Inkompatibilitäten im Wege stand.
Jedermann erkennt, daß die täglich sich vermehrende Zahl der öffentlichen Beamten in der Deputirten⸗Kammer der Unabhängigkeit eines Staatsbürgers, welcher das Volk repräsentiren soll, Eintrag thut, da es nur leider zu oft geschieht, daß ein schwankendes Mini⸗ sterium durch Verleihung einträglicher Staats-Aemter seine Gegner entwaffnet. Ungerecht wäre es andererseits, die öffentlichen Beamten mnur darum aus der Kammer zu entfernen, weil sie dem Staate ihre Dienste widmen. Der Unterschied zwischen amoviblen und nicht amo⸗ viblen Staats⸗Beamten, worauf man die verschiedenen Kategorieen der Inkompatibilitäten bauen möchte, ist ein zu unsicherer Maßstab, um die Unabhängigkeit der Deputirten danach zu bemessen. Ein in⸗ amovibler Staats⸗Beamte, wie z. B. die Justiz⸗Beamten, kann immer eine Beförderung erhalten, und dadurch kann ein Kabinet eben so leicht auf dessen Votum, als auf das eines absetzbaren Beamten, einwirken. Die neueste Motion in Bezug auf die Inkompatibilitäten, welche von der Opposition nächstens eingebracht werden soll, vermeidet die Festsetzung gewisser Kategorieen und beschränkt sich darauf, vorzuschlagen, daß g jedes Departement nur höchstens ein Staats⸗Beamte zur Depu⸗
tion zugelassen werden darf. Sollten mehrere derselben im näm⸗ lichen Departement ernannt werden, so wird durch das Loos entschie⸗ den, welcher von ihnen sich zurückzuziehen hat. Etwas Aehnliches geschieht schon gegenwärtig in Betreff der Deputirten, die nicht im Departement, wo sie ernannt wurden, ihren Wohnsitz haben. Sobald drei solche Deputirte in einem Departement erwählt wurden, wird durch das Loos entschieden, wessen Wahl zu annulliren sey. Am fühlans der laufenden Session haben wir zwei Beispiele davon ge⸗ ehen.
Ich zweifle sehr, daß es der Opposition gelingen wird, die oben angeführte Motion in der Deputirten⸗Kammer durchzusetzen, denn die 192 Staats⸗Beamten, die darin sitzen, werden energisch dagegen ar⸗ beiten. Zu vergessen ist jedoch nicht, daß die Motion der Inkompatibilitäten vor einem Jahre nur mit einer geringen Minorität verworfen wurde, obwohl sie weniger praktisch erschien als die gegenwärtige Proposition. Mehr Erfolg darf man der Pro⸗ position versprechen, welche Herr Duvergier d'Hauranne gestern auf das Büreau der Deputirten⸗Kammer niederlegte, und die die Ab schaffung des scrutin secret (geheime Abstimmung) zum Gegenstande
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hat. Sowohl die konservative Partei als die Opposition schließen in sich freie, unabhängige Männer, welche bedauern, daß es einem De⸗ putirten erlaubt ist, durch das scrutin secret sein eigentliches Votum zu verbergen. Es giebt Deputirte, welche anders zu reden und an⸗ ders zu votiren pflegen. Dergleichen Männer schaden mehr ihrer eigenen Partei als selbst ihre Gegner. Sehr oft pflegten entweder das Kabinet oder die Opposition, bevor sie einen definitiven Entschluß fassen, die Stimmen, worauf sie rechnen können, zu zählen. Wenn es dann zur Abstimmung kommt, ist das Resultat des Votums gewöhnlich anders, als man erwartete. Woher kommt dies? Daher, daß einige Deputirten unter dem Deckmantel des scrutin secret an- ders stimmen können, als sie versprochen.
Mehrere Blätter sagen, daß die Vermählung der Prinzessin Clementine mit dem Herzog August von Sachsen⸗Koburg⸗Kohary nach den Oster⸗Feiertagen vor sich gehen werde. Aus guter Quelle kann
ich Ihnen indeß versichern, daß hierüber bei Hofe noch nichts entschie⸗ den wurde, da man auf jeden Fall das Trauerjahr wegen des Todes des Herzogs von Orleans vergehen lassen zu wollen scheint, bevor diese Hochzeit gefeiert werden wird. Vor dem Monat August dürste sie daher schwerlich erfolgen.
ꝓ Paris, 9. März. Das Comité d'Orient, welches sich mit so großem Geräusche ankündigte und in welchem Herr Odilon Barrot neben dem Herzoge von Doudeauville, Herr Cremieur neben dem Marquis von Larochejacquelin figurirte, ist in aller Stille, und ohne eine Spur seines Dagewesenseyns zurückgelassen zu haben, aus dem Reiche der Lebendigen verschwunden. Aber der Secretair des weiland Comité d'Orient, der oft und vielleicht allzuoft genannte Dr. Bar⸗ rachin ist nicht mitgestorben, sondern er fährt mit unermüdlichem Eifer fort, Broschüren, Zeitungs⸗Artikel und Reklamen im Sinne jenes Instituts in die Welt zu schicken. Das neueste Erzeugniß seiner un⸗ erschöpflichen Feder ist eine kleine Schrift, die den nicht allzu beschei⸗ denen Titel: „Solution de la question TPorient“ führt. Hier die Grundlagen, auf welche hin der Dr. Barrachin die orientalische Frage gelöst wissen will: 1) Aufrechterhaltung des Ottomanischen Reiches, unter Beschränkung desselben auf die Asiatischen Provinzen und auf Thracien. 2) Vergrößerung Griechenlands durch Candia, Epirus, Albanien, Thessalien und Macedonien. 3) Gründung eines katholischen Thrones in Syrien und auf Cypern. 4) Gründung un abhängiger Throne in Aegypten, in Tripolis und in Tunis. 5) Oeff⸗ nung der Landenge von Suez für den Handel und Verkehr aller Völker, gegen Entrichtung eines gleichmäßigen und durch Vertrag festzusetzenden Zolles. 6) Errichtung eines Donaubundes, bestehend aus den Staaten Bosnien, Serbien, Bulgarien, Wallachei und Moldau; vertragsmäßige Regulirung der Donauschifffahrt und — Einführung des Französischen Civilrechts in den Staaten des Donaubundes. Durch diese Bedingungen lassen sich, wie Herr Barrachin versichert, alle bei der orientalischen Frage betheiligten rechtmäßigen Interessen mit einander versöhnen, und namentlich wird dadurch das Interesse des Europäischen Gleichgewichts sichergestellt, dem bei der völligen Auf⸗ lösung des Reiches der Osmanen die größte Gefahr droht.
Das neue Blatt des Abbé Genoude, die Nation, geht darauf aus, nicht blos das Französische, sondern auch das fremde Publikum für sich zu interessiren, und sie bringt zu diesem Zwecke fast alle Tage einen oder einige raisonnirende Artikel über ausländische Angelegen⸗ heiten, welche der Mehrzahl der hiesigen Zeitungen bekanntlich nur selten einen anderen als einen bloßen Neuigkeitsstoff liefern. In der heutigen Nummer des genannten Blattes wird, unter der Ueberschrift: La nationalité allemande eine Beleuchtung der Vergangenheit und
der Gegenwart unseres Vaterlandes in volksthümlicher Beziehung versucht. Im Eingange dieses Artikels heißt es wie folgt: „In den
ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung wurde Germanien
von einer großen und starken Race bewohnt. Der kühne, wagemu⸗ thige, kriegerische Theil dieser Race, der Theil, welcher das heißeste Biut in den Adern hatte, und der nur von Ruhm und Eroberungen träumte, verbreitete sich in Gallien, wo er in kurzer Zeit seine Herr⸗ schaft begründete. Der ruhige kalte Theil, der den häuslichen Heerd liebte, der sich in der Betrachtung der Natur gefiel, der sich gern in den tiefen Wald setzte und in süße Träumereien versenkt die Sterne ansah, Dieser Theil blieb dem alten Germanischen Boden getreu. Daher kommt der besondere Charakter dieser beiden Nationa-⸗ litäten, über deren Unähnlichkeit man sich so oft wundert, da sie doch einen gemeinschaftlichen Ursprung haben.“ Wie gefällt Ihnen diese Motivirung der nationalen Charakter⸗Verschiedenheit zwischen Deutschen und Franzosen? Die Darstellung der Nation hat jeden⸗ falls das unbestreitbare Verdienst der höchsten Originalität, und ich wollte wetten, daß in diesem Augenblicke in Deutschland selbst kein einziger Historiker auch nur die entfernteste Ahnung davon hat, daß Göthe die Figur seines Werther den „ersten Jahrhunderten der christ⸗ lichen Zeitrechnung“ entnommen oder doch hätte entnehmen können, ja daß ihm das ganze Volk unserer Vorfahren, wie es vor achtzehn⸗ hundert Jahren war, zum Modelle für jenes Portrait sentimentalen Angedenkens hätte dienen mögen.
Wir wollen uns indessen durch die ausschweifenden Ansichten und Behauptungen, welche in dem fraglichen Artikel der Nation enthal⸗ ten sind, nicht verhindern lassen, anzuerkennen, daß derselbe bisweilen einige richtigere Gedanken enthält. Wir zählen zu ihnen die folgenden: „Der alte Germanische Bau fällt nicht unter den Streichen derer, welche nur zu zerstören wissen; er zerbröckelt Stein für Stein durch die Wirkung des neuen Gebäudes, das man aufführt. Dieses letztere wird nicht auf dem beweglichen Sande der Revolutionen gegründet; es ist das Resultat einer natürlichen Entwickelung, es steigt aus den Trümmern des Baues hervor, an dessen Stelle es tritt, nach dem⸗ selben Gesetze, nach welchem sich man gestatte uns den Gebrauch dieses Bildes — die Puppe in den Schmetterling verwandelt.⸗”)
SGSGFrosobritanien und Irland.
London, 8. März. Der erwähnte Antrag, welchen Herr Fox Maule gestern im Unterhause in Bezug auf die Schottische Kirchenfrage machte, daß nämlich die von der Kommission der Gene⸗ ral⸗Versammlung an die Regierung gerichtete Petition, worin über einen Eingriff der Gerichtshöfe in die kirchliche Jurisdiction jener Versammlung geklagt und die Beschwerde hinsichtlich des Patronats
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