1843 / 83 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

e eFweseni ees an

des Herrn Duvergier von Hauranne und des Herrn von Sade Lnesgee er (Guizot) werde aber am Montag genöthigt seyn, in der Pairs⸗ Kammer der Diskussion über die geheimen Fonds beizuwohnen, welche wahrscheinlich am Dienstag schon erledigt seyn werde; er wünsche demnach, daß die Kammer die Entwickelungen jener Propositionen bis zum Mittwoch aussetzen möge. Die Kammer entsprach diesem Wunsche. Man beschäftigte sich sodann mit den eingegangenen Bitt⸗ schriften. Eine derselben, welche die Abschaffung des Gesetzes fordert, das die Napoleonische Familie aus Frankreich verbannt, wurde an den Conseils⸗Präsidenten gewiesen. 8 1 1 Der Cassationshof hat heute früh sein Urtheil in dem Prozesse gefällt, der gegen die Presse, wegen des von ihr als Beiblatt aus⸗ gegebenen Bülletin des Tribunaur, anhängig gemacht worden war. In der ersten Instanz hatte die Presse ihren Prozeß ge⸗

wonnen (nicht verloren, wie irrigerweise mehrere Deutsche Journale melden), indem das Gericht anerkannt hatte, daß als ein besonderes Journal betrachtet Stempel noch Porto bezahlen solle. Urtheil umgestoßen, und der Prozeß Koöniglichen Gerichtshofe von Amiens

das Beiblatt nicht werden, und also auch weder Der Cassationshof hat dieses wird nun neuerdings vor dem verhandelt werden.

Das Univers zeigte gestern an, daß Herr von Lesseps, Fran⸗ zösischer Konsul in Barcelona, heute oder morgen in Paris eintreffen

werde. Die Presse dagegen sagt, sie glaube zu wissen, daß Herr vor Lesseps, der in der That auf einige Zeit nach Paris kommen wollte, auf den Gedanken, einen Urlaub zu erlangen, verzichtet habe. Es sey auch nicht die Rede davon, ihm einen anderen Posten anzu⸗ weisen, als den, auf dem er die Würde des Französischen Namens so trefflich aufrecht erhalten habe. 3

Galignani's Messenger meldet über das Erscheinen des Kometen Folgendes: „Der gestrige Abend wurde durch ein merk⸗ würdiges Ereigniß bezeichnet. Gegen 7 Uhr zeigte sich plötzlich am Himmel ein ungeheurer Komet. Der Schweif, welcher breit, hell und vollkommen begränzt ist, dehnt sich über einen Raum von mehr als 60 Graden aus. Vom Orion ausgehend, den es unter einem Win⸗ kel von 40° kreuzt, verschwindet der prachtvolle Schweif allmälig unter dem Horizonte, welcher noch von der Dämmerung erhellt war. Der Kopf des Kometen war nicht sichtbar. Heute Abend werden auf der Sternwarte die genauesten Beobachtungen angestellt und wahr⸗ scheinlich sogleich veröffentlicht werden. 8

Man hat nunmehr die Quantität Wasser genau gemessen, welche der Artesische Brunnen in Grenelle binnen 24 Stunden liefert, und man hat gefunden, daß derselbe nach den Preisen, die gegenwärtig für Quellwasser in Paris bezahlt werden, der Stadt jährlich 712,000 Sr. einbringen kann; dies wäre das Doppelte von dem, was der Brunnen gekostet hat.

Besteuerung unterworfen worden.

Börse vom 18. März. Der Umsatz in Französischen Renten war heute nicht von Belang, doch zeigte sich darin eine gute Stimmung, obschon aus London vom 16ten eine niedrigere Notirung der Consols eingetroffen war. Die Spanische aktive Rente hatte eine ganz ent⸗ schiedene Neigung zum Steigen. Man scheint an der Börse zu glau⸗ ben, daß die Spanische Regierung einen Theil ihrer Schuld bezahlen werde. Niemand weiß aber anzugeben, mit welchem Gelde dies ge⸗

schehen soll.

Paris, 18. März. Die Oppositions⸗Blätter bringen heute das Gerücht in Umlauf, daß Herr Teste in Folge des vorgestrigen Votums der Kammer, in Betreff der Eisenbahn von Bordeauxp nach Teste, seine Entlassung zu begehren beabsichtigt, und bezeichnen Herrn Dumont als den Nachfolger desselben. Es kann nicht in Abrede ge⸗ stellt werden, daß ein solches Gerücht gestern Abends in mehreren der am besten unterrichteten politischen Kreise verbreitet war. Man er⸗ zählte, Herr Teste habe sich durch die etwas zu eilige Un⸗ terbrechung des Grafen Duchaͤtel, seines Kollegen, beleidigt gefunden. Als nämlich Herr Teste im Eifer seiner vorgestrigen Rede sich das Geständniß entschlüpfen ließ, daß die verlangten zwei Millionen wirklich nur dazu dienen sollen, den sonst zu Grunde gerich teten Actionairen der Eisenbahn von Bordeaurx nach Teste zur Hülfe zu eilen, unterbrach ihn Graf Duchztel mit Nachdruck, gleichsam um ihn zu bedeuten, daß solche Aufklärungen hier nicht am rechten Orte seyen. In der ersten Aufwallung, sagt man, eilte Herr Teste zum Marschall Soult, um ihm zu erklären, es sey ihm (Herrn Teste) nicht mehr erlaubt, nach einem solchen Auftritt länger im Ka⸗ binet zu verbleiben. Die bestimmte Art, in welcher Herr Teste diesen seinen Entschluß dem Conseil⸗Präsidenten zu erkennen gegeben, soll Marschall Soult überzeugt haben, daß man Mühe haben werde, den Minister der öffentlichen Arbeiten eines Anderen zu bereden. Da Herr Teste seit einer langen Reihe von Jahren mit Marschall Soult sehr eng verbunden ist, indem Ersterer als Sachwalter die Pridat⸗Ange⸗ legenheiten des Marschalls noch gegenwärtig leitet, so soll Letzterer erklärt haben, daß der Austritt des Herrn Teste aus dem Kabinet seine eigene Entlassung nach sich ziehen werde. So fürchtete man allerdings, daß die Differenz zwischen Herrn Teste und Grafen Du⸗ chaͤtel eine Auflösung des Kabinets zur Folge haben könnte, wenn der König nicht vermittelnd dabei interveniren wollte. Der König ließ nun heute gegen elf Uhr das Konseil der Minister zusammenbe⸗ rufen. Was darin vorfiel, ist vor der Hand noch ein Geheimniß. Nur so viel wird mit Bestimmtheit versichert, daß Herr Teste auf seine Entlassung nicht mehr bestehe und sich mit Graf Duchaͤtel völ⸗ lig ausgesöhnt habe. . 8 8 Die Zucker⸗Kommission hat wirklich mit 8 Stimmen gegen Eine den betreffenden Gesetz⸗Entwurf der Regierung verworfen. Die große Schwierigkeit besteht jetzt darin, etwas Zweckmäßigeres zu ersinnen, um die Zucker-Frage vor dem Ende der Session einer Lösung ent⸗ gegen zu führen. Ich habe in einem meiner früheren Berichte Ihnen die große Meinungs⸗Verschiedenheit unter den Mitgliedern der besag⸗ ten Kommission geschildert. Sie werden daraus ersehen haben, wie schwer es seyn wird, nach Verwerfung des ministeriellen Gesetz⸗Ent⸗ wurfes die Majorität für ein anderes festes System zu gewinnen. Herr T 88 giebt sich viel Mühe, um dem in den Ländern des D eutschen Zoll⸗Ver⸗ eins eingeführten Zucker System in Frankreich Eingang zu verschaffen. D. em zufolge, soll von beiden Zucker⸗Arten die nämliche Zoll Gebühr von 29 Fr. 50 Cent. für 100 Kilogr. entrichtet werden, mit dem Unter⸗ schiede jedoch, daß, während es den Kolonieen unbenommen bleibt, so viel Zucker, als sie erzeugen können, nach Frankreich einzuführen, die Rübenzucker⸗Fabrikanten ein bestimmtes Maximum der Production nicht überschreiten dürften. Dieses Marimum soll zwischen 35 und 40 Millionen Kilogr. jährlich betragen. Was darüber an inländischem Zucker fabrizirt wird, soll einer höheren Besteuerung unterworfen werden, um dadurch dem Kolonialzucker die Konkurrenz nicht gefähr⸗ lich zu machen. Dieses System ist Herrn Thiers von den Rü⸗ benzucker⸗Fabrikanten des Departement du Nord als das einzige und beste Mittel angerathen worden, um die verschiedenen Interessen der Parteien in der Kammer zu befriedigen.

Die Vertheidiger des Kolonial⸗Zuckers erwiedern darauf, daß es beinahe unmöglich sey, eine genaue Aufsicht über die Quantität des erzeugten Rüben⸗Zuckers zu führen; denn ungeachtet der Vorkeh⸗ rungen, welche Herr Humann getroffen habe, um der Schmuggel⸗ Fabrication zu steuern, habe die Regierung die volle Ueberzeugung, daß noch gegenwärtig mehrere Millionen Kilogramme Rüben Zucker jährlich in den Handel kommen, die nicht vorgeschriebenerweise der

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354 Einsichtsvolle Männer behaupten daher, daß die laufende Session abermals ohne Entscheidung der Zuckerfrage vorübergehen werde, da es bei den so verschiedenen In⸗ teressen und Ansichten der Deputirten nicht möglich seyn würde, die parlamentarische Majorität zu einem bestimmten Entschlusse zu brin gen. Man muß indessen dem Kabinet die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß es, ungeachtet die Zucker⸗Kommission den Gesetz⸗Entwurf verwarf, mehr als je an dasselbe hält und entschlossen scheint, ihn mit Energie zu vertheidigen. 8 Nachschrift. Die von den Spanischen Blättern neulich verbreitete Nachricht, daß mehrere Städte der Argentinischen Republik die Ober⸗ herrschaft Spaniens anfangs des laufenden Jahres anerkannt haben, erscheinen als ungegründet. Die letzten Nachrichten aus der Havana vom 1.

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Februar erwähnen nicht im geringsten solcher Ereignisse, die durch Reisende aus der Havana dem Imparcial von Barcelona sollen mitgetheilt worden seyn.

„*, Paris, 18. März. Der Bericht, den Herr Rossi in der Pairs⸗Kammer über den Gesetz⸗Entwurf wegen der geheimen Fonds abgestattet hat, ist detaillirter und ausführlicher als derjenige, der in der Deputirten⸗Kammer erstattet wurde. Man zollt in Ersterem der ministeriellen Politik, sowohl der inneren, als der äußeren, den unber dingtesten Beifall. Herr Rossi macht sodann auf die Nothwendigkeit aufmerksam, die geheimen Fonds in Zukunft dem gewöhnlichen Bud⸗ get einzuverleiben. Er ist der Meinung, daß die Kammer ohnehin Gelegenheit genug sinde, um die ministerielle Frage anzuregen; die Erörterung der Adresse, und das Votum bei Gelegenheit des Bud gets wären die natürlichen Anlässe, um die Politik des Kabinets zu beurtheilen. Uns scheint dies sehr richtig, und dieselbe Ansicht ward im vergangenen Jahre schon in der Deputirten-Kammer ausgespro⸗ chen, aber der Minister des Innern hat keine Rücksicht darauf genommen. Was die Nothwendigkeit der geheimen Fonds betrifft, die der Berichterstat⸗

ter als unabweisbar darstellt, so kann man darüber eine verschiedene Ansicht haben; denn die Verwendung derselben ist in vielen Fällen ziemlich schwer zu rechtfertigen. Es begreift sich, daß man der Regierung Mittel bewilligt, um eine Polizei unterhalten zu können, die der Oeffentlich⸗ keit entzogen werden muß; aber der größte Theil der von den Kam⸗ mern bewilligten Geheimen Fonds wird auf eine andere Weise ver⸗ wendet. Die Pariser politische Presse, oder vielmehr einige Organe dieser Presse erhalten, wie Jedermann weiß, sehr bedeutende Sub⸗ ventionen. Die ministerielle Presse in den Departements erhält auch eine Belohnung für den Eifer, mit dem sie dem Ministerium dient. Ferner erstreckt sich die Freigebigkeit des Ministeriums auf mehrere ausländische Journale. Diese verschiedenen Ausgaben nehmen einen bedeutenden Theil der jährlich bewilligten geheimen Fonds hinweg, ohne daß die öffentliche Sicherheit dadurch gewinnt. Dies ist aber noch nicht Alles: da die Journale nicht unsterblich, und die Journa listen nicht unabsetzbar sind, so folgt daraus, daß man vielen politi⸗ schen Schriftstellern, welche Dienste geleistet haben, Pensionen aus den geheimen Fonds bewilligt. Obgleich die Kammer sich nicht sehr schwierig bei Bewilligung der Gehalte zeigt, welche das Ministerium jährlich für ein Heer von Beamten verlangt, so sind doch nicht sämmt⸗ liche Besoldungen in das Budget aufgenommen. Alle die Männer, die mit geheimen Missionen, sowohl nach dem In⸗ als nach dem Auslande gesandt wurden, fahren fort, ihr Gehalt zu beziehen, auch wenn sie gar nicht mehr beschäftigt sind. Es giebt mehrere Männer in Frankreich, die, auf eine geheime Weise in der Diplomatie ver⸗ wendet, sich eine Stellung in der vornehmen Welt zu machen wuß⸗ ten, und dazu bedentender Geldmittel bedurften. In sehr zarte und schwierige Angelegenheiten eingeweiht, haben sie den Schlüssel zu vie⸗ len Dingen, und mehrere derselben beziehen Pensionen von 30 bis 40,000 Fr., welche natürlich aus den geheimen Fonds bestritten wer⸗ den. Man kann ohne Uebertreibung versichern, daß drei Viertel der geheimen Fonds zu Dingen verwendet werden, die der öffentlichen Sicherheit völlig fremd sind. Jene Fonds müssen daher auch mehr als ein Regierungs⸗Mittel denn als ein Polizei⸗ Mittel betrachtet werden, und ihre Nothwendigkeit liegt in der ganzen Art unseres politischen Lebens.

41½¼ Paris, 18. März. Die parlamentarische Session ist seit zehn Wochen eröffnet, und gleichwohl sind die Kammern bis jetzt kaum über die Förmlichkeiten hinausgekommen, welche unter dem Na⸗ men von Adreß⸗Debatten, Verhandlungen über die geheimen Fonds u. s. w. den eigentlichen legislativen Arbeiten zur bloßen Einleitung dienen. Der Anfang der wahren Geschäftsthätigkeit der Deputirten⸗ Kammer ist überdies nicht eben glücklich gewesen; ein schneidender Selbstwiderspruch, der mit der linken Hand zerstört, was er mit der rechten aufgebaut, eine Inkonsequenz der Majorität, welche dem Lande keine großen Leistungen verspricht. Die schließliche Verwerfung des ministeriellen Kredit⸗Antrages für die Eisenbahn zwischen Bordeaux und Teste, dessen einzelne Artikel zuvor mit ansehnlicher Stimmen⸗ Mehrheit durchgegangen waren, ist einer jener merkwürdigen Miß⸗ griffe, durch die sich die öffentlichen Gewalten selbst am meisten schaden.

Das politische Interesse ist in diesem Augenblicke beinahe aus⸗ schließlich den von den Herren von Sade und Duvergier de Hauranne vorgelegten beiden Gesetz⸗Vorschlägen zugewendet. Der erstere der⸗ selben wird, aller Wahrscheinlichkeit nach, das Schicksal der früheren in ähnlichem Sinne gemachten Anträge der Herren⸗ Remilly, Gau⸗ guier, Ganneron u. s. w. theilen. Es ist zu begchten, daß die d ppo⸗ sition weit weniger lebhaft für den Sadeschen Gesetz Vorschlag Partei nimmt, als für die meisten seiner Vorläufer. Der Grund davon liegt theils darin, daß sie ihn unbefriedigend findet, theils darin, daß sie nicht hofft, ihn durchgehen zu sehen. Was den Antrag des Herrn Duvergier de Hauranne betrifft, so hat derselbe ohne Zweifel günstigere Chancen, allein man würde sich täuschen, wenn man aus dem vorläufigen Ausspruche der Büreaus mit allzu⸗ großer Sicherheit auf die Annahme desselben rechnete; denn die Frage von der geheimen Abstimmung ist ihrer Natur nach eine von Heie nigen, über welche sich manche Deputirte scheuen, ihre wahre Mei nung öffentlich auszusprechen.

»Die Nachricht von der Besetzung der Gesellschafts⸗ Inseln im Namen Frankreichs, bestätigt sich nicht nur durch zahlreiche Mitthei ungen aus dritter Hand, sondern auch durch ein gestern eingetroffe

es Privatschreiben des Admirals Dupetit⸗Thouars selbst. Den ersten orwand zu dieser Occupation hat die schon vor. Jahren erfolgte ertreibung Französischer Missionaire von Otaheiti gegeben, eine Maßregel, die im Interesse des inneren Friedens der Insel durch die Eifersucht der anglikanischen und der katholischen Missionen noth⸗ wendig gemacht war. Als Genugthunng für jene angebliche Belei⸗ igung Frankreichs und als Ersatz für die Verluste, welche die Fran⸗ ösischen Missionen in Folge ihrer polizeilichen Entfernung von den Gesellschafts⸗Inseln erlitten haben wollen, verlangte der Admiral Dupetit⸗Thouars die Zahlung einer Summe von 10,000 Piastern von der Regierung der Königin Pomaré. Sey es nun, daß man diese Summe nicht aufbringen können, sey es, daß noch andere bis jetzt unbekannt gebliebene Triebfedern bei dieser Sache im Spiele gewesen, genug die Regierung von Otaheiti bot dem Admiral Dupetit Thouars die Unterwerfung unter die Französische Souverainetät als Aequivalent für die geforderte Genugthuung an. Der Admiral glaubte auf diesen Antrag eingehen zu müssen, und er schloß, vorbehaltlich der Ratifica⸗

tion des Kabinets der Tuilerieen, einen Vertrag mit der Königin Pomaré ab, kraft dessen dem Könige der Franzosen die Oberherrlich⸗ feit über die Gesellschafts⸗Inseln in allen ihren auswärtigen Ver⸗ hältnissen, und außerdem die unmittelbare Leitung der Angelegenheiten der Weißen auf diesem Archipel übertragen wird. Um dem abge⸗ schlossenen Vertrage eine gewisse vorläufige Sanction zu geben, ließ der Admiral Dupetit⸗Thouars hierauf die Französische Flagge auf Otaheiti aufpflanzen, und eine Art Regierung für die auf dem ganzen Archipel lebenden Europäer einsetzen. Der Admiral versichert, daß er in diesen Dingen nicht auf Befehl seiner Regierung, sondern unter eigener Verantwortlichkeit gehandelt habe. Man bezweifelt indeß, ob England sich bei diesem Faktum beruhigen werde, da die Verbindun⸗ gen der Englischen Mission auf jenem Archipel mit dem Mutter⸗ lande sehr innig sind.

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nn— Grossbritanien und Irland. London, 17. März. In der heutigen Oberhaus⸗Sitzung wurde auf den Antrag des Marquis von Lansdowne eine Adresse an die Königin beschlossen, um sie zur Vorlegung der zwischen Sir Henry Pottinger und den Englischen Kaufleuten in Canton geführten Korrespondenz zu veranlassen. Graf Aberdeen äußerte bei dieser Ge⸗ legenheit, daß die Regierung nur die Berichte des Ersteren erwarte, um zur Anordnung der Verhältnisse in Betreff der neu eröffneten Häfen zu schreiten, daß es dazu aber wohl im Laufe dieser Session nicht mehr werde kommen können. Im Unterhause wurde die Bera⸗ thung über die Stimm⸗Registrirungs⸗Bill für England im allgemei⸗ nen Ausschuß des Hauses zu Ende gebracht. 8 811. Ein Schreiben des bekannten Missionairs Gützlaff aus Tschusan vom 28. Sktober v. J. berichtet, daß die Chinesen innerhalb zweier Jahre ihre ganze Schuld an England abtragen wollten. Es lagen sechs Kauffahrteischiffe mit Ladungen vor Anker. Für Wollen⸗ und Baumwollenwaaren bietet Schanghi, die einzige Hafenstadt für Mittel⸗ China, große Aussichten, da von dort aus überall hin in das Land die Waaren zu Wasser bequem befördert werden können; rohe Seide und grüner Thee kämen dafür nach England. Ningpo bietet ähnliche Vortheile. Aus Futschu, der Hauptstadt der Provinz Fokien, wird der schwarze Thee bezogen und dafür rohe Baumwolle und Fabrikate genommen. Dorthin begiebt sich auch Gützlaff. Emoy wird eine Niederlage für alle Waaren, es liefert auch viele Artikel für den Indischen Markt. Für die wißbegierigen Chinesen soll durch Bücher gesorgt werden, namentlich durch Flugschriften über England und den Handel. b Loord Ashley hat am 14ten angekündigt, daß er am 28sten eine Resolution beantragen werde, des Inhalts, daß nach dem Dafürhalten des Hauses die Fortdauer des Opiumhandels die Wirkung habe, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Indien und China zu stören, daß sie ferner dem Manufaktur Interesse des Landes nachtheilig und ganz unverträglich mit der Ehre des Britischen Volkes sey. Es müß⸗ ten daher so bald als möglich Schritte geschehen, um dies Uebel zu entfernen. Die öffentlichen Blätter theilen eine am 13. Februgr hier in London zwischen dem Grafen Aberdeen und dem Grafen St. Aulgire, als Bevollmächtigten Englands und Frankreichs, abgeschlossene Con⸗ vention wegen gegenseitiger Auslieferung von Verbrechern mit. Die in Betracht kommenden Verbrechen sind: Mord, Mord⸗Attentat, Fäl schung und betrügerischer Bankerott. Die Convention ist vorläufig auf die Dauer bis zum 1. Januar 1844 abgeschlossen. Stevenson ist heute abermals von dem Lord⸗ Mayor verhört worden, doch hat Letzterer eine ausführlichere Vernehmung auf mor— gen ausgesetzt, damit zuvor, dem Verlangen des Anwalts der Krone gemäß, ein ärztliches Gutachten über Stevenson aufgenommen wer⸗ den könne. Stevenson äußerte auf die Frage des Lord⸗Mayor, daß er große Lust zur Heimreise habe, und daß er nur deshalb nach Lon don gekommen sey, um die Nation von einer bösen Wunde zu hei⸗ len. Die Glasgow Chroniele giebt einige Mittheilungen über Stevenson, die seine Hinneigung zur religiösen Schwärmerei bestäti gen. Sein Vater und seine ganze Familie gehören zu der strengen Sekte der sogenannten Cameronier oder Mac Millaner in der Graf⸗ schaft Renfrew, die als eine Fortsetzung der Covenanters betrachtet wer⸗ den können. Die Familie Stevenson scheint neuerdings der einzige Reprä⸗ sentant dieser Sekte in der Gegend ihres Wohnsitzes gewesen zu seyn, und der Vater Stevenson's, wiewohl ein alter Mann, pflegte noch in neuerer Zeit jeden Sonntag einen Weg von 16 Miles, von Beltrees nach Glasgow, zu machen, um den dortigen Prediger seiner Sekte, einen Herrn Reid, zu hören. James Stevenson, der Sohn, führte ein ordentliches, thätiges Leben als Weber im Hause seines Vaters bis zur Thronbesteigung der Königin; da äußerten seine Sekten⸗An⸗ sichten ihren Einfluß auf ihn; er vernachlässigte seine Arbeit, studirte die Bibel und verfaßte einige politische Flugschriften, die aber so heftiger Natur waren, daß er keinen Drucker finden konnte. Sein

zu seyn; ein Buchhändler, ise s r ihm, sich in Liverpool einzuschiffen, statt, wie er beabsichtigte, zu Fuße zu gehen und schon bei dieser Unterredung soll er ganz unzweideutige Zeichen des Wahnsinnes gegeben haben. 8. 17. März. Die Bill für die Regulirung der Beschäftigung der Kinder und jungen Leute in den Fabriken und für den besseren Unterricht der Kinder in den Fabrik Distrikten, welche heut Abend im Unterhause zum zweitenmal verlesen wird, ist bei weitem die wichtigste Maßregel, die jemals von einem Englischen Ministerium zur Beförderung der großen Sache, National⸗Erziehung, ergriffen wurde.

II London,

Durch die Kombinirung der Bestimmungen über die Fest stellung der Arbeitsstunden der in den Fabriken beschäftigten jungen Leute mit gewissen wichtigen gesetzlichen Verbesserungen in der Ver fassung der in den Manufaktur⸗Distrikten befindlichen Schulen haben die Verfasser der Bill zugleich hinreichende Muße für die moralische und intellektuell Ausbildung der Kinder zu gewinnen und zugleich dafür zu sorgen gesucht, daß ihre Ruhestunden nicht müßig oder in schlechter Gesellschaft verbracht werden. Durch die ersten Klauseln der kein Kind unter dreizehn Jahren in den, oder in zwei Fabriken oder

Bill soll festgesetzt werden, daß

einer Fabrik länger als 6 6 Stun⸗

bei Nacht beschäftigt werden darf. g 6 10 1 or 1 216 8

Am Sonnabend Abend muß für die Kinder und jungen Leute alle

Für das Essen müssen 1 ½ Stunden

Arbeit um 4 ½ Uhr aufhören. Für bewilligt werden und dasselbe darf nicht in einem Zimmer eingenommen werden, wo gearbeitet wird. Acht halbe Feiertage müssen den jungen Leuten in jedem Jahre bewilligt werden. Es ist beschlossen, daß die Aeltern, da sie von dem Lohn der in Fabriken beschäftigten Kinder direckten Gewinn haben, dafür sorgen müssen, daß jedes Kind wenig⸗ stens drei Stunden täglich die Schule besuche. Wenn die Aeltern, sey es durch Vermehrung der gesetzlichen Arbeitsstunden oder durch Verminderung der gesetzlichen Schulstunden das Gesetz verletzen, so verfallen sie in eine Strafe von 1 bis 10 Shillingen. Dies ist der erste Versuch in England, zum Schulbesuch zu zwingen.

Die zu diesem Zwecke zu errichtenden Schulen sollen unter die Verwaltung gewisser Kuratoren gestellt werden, einer derselben ist Geistlicher des Kirchspiels, die übrigen werden von den Friedensrichtern

ernannt. Diese Kuratoren und die Lehrer stehen unter der Kontrolle e meit, etstgtrut⸗ ae i un

wesen.

bekleidete, bewahrte er sich nicht nur die Liebe, welche das Volk, sei⸗

Entschluß, nach London zu reisen, scheint ihm Janz plötzlich gekommen mit dem er über die Reise sprach, rieth

des Geheimenraths⸗Comité's für den Unterricht und in religiöser Hinsicht unter dem Bischof der Diözese. Der Religions Unterricht wird, unter Leitung des geistlichen Kurators, ausschließlich im Lesen der heiligen Schrift und im Einüben der Liturgie der Anglikanischen Rirche bestehen. Dieser Religions⸗Unterricht darf nicht über eine Stunde täglich währen, und die Aeltern können, wenn Rücksichten des Gewissens dabei zum Grunde liegen, verlangen, daß ihr Kind einem anderen Theile des Unterrichts beiwohne. Jede bereits bestehende Schule kann zu dem Zweck dieses Gesetzes benutzt werden, sobald sie sich denselben Vorschriften unter der Sanction des Geheimenraths⸗ Comité's unterwirft. Um die Mittel zur Errichtung und Erhaltung dieser Schulen herbeizuschaffen, hat das Geheimeraths⸗Comité die Vollmacht, die Friedensrichter anzuweisen, in ihrem Distrikt eine Ab abe zu erheben, die von den Armen⸗Aufsehern zum Besten der Schulen ausgezahlt wird. Die Kommissarien für die Anleihen zu öffentlichen Arbeiten werden ebenfalls Geld zum Bau von Schul häͤusern vorschießen, welches von jener Abgabe in Raten zurückgezahlt werden soll. .“ Dies ist der allgemeine Inhalt der Bill. Die Bevölkerung der Manufaktur⸗Distrikte bedarf des Einschreitens der gesetzgebenden Ver⸗ sammlung am meisten und glücklicherweise können sie in Folge ihrer Lebensweise leicht einer Beaufsichtigung unterworfen und Verbesserun⸗ gen in ihrem Zustande eingeführt werden. Aber dies Gesetz ist nur der Anfang eines allgemeinen National⸗-Unterrichts⸗Systems, welches ohne Zweifel in kurzem in England eingeführt werden wird. Ich meldete Ihnen, mit welcher Einstimmigkeit diese Bill im Parlament aufgenommen wurde, und bis jetzt ist dies fast überall der Fall ge⸗ „Die Dissenters fangen bereits an, dieselbe anzugreifen, da sie wohl fühlen, daß die Errichtung guter Kirchenschulen im ganzen he, wenn auch nach den tolerantesten Prinzipien, ihrem Einflusse auf die arbeitende Klasse unfehlbar nachtheilig seyn muß. Ich zweifle nicht, daß dies der Fall seyn wird. In zwanzig, ja vielleicht schon zehn Jahren werden, nach meiner Ansicht, die höchsten und die niedrigsten Klassen in England der Hochkirche angehören, während die Prinzipien der Dissenters nur in den handeltreibenden Mittelklassen eine Stütze finden werden. Diese Unterrichts⸗-Bill ist übrigens das mächtigste Werkzeug, welches jemals der Englischen Geistlichkeit in die Hände gegeben wurde, wenn sie es nur richtig zu benutzen versteht; und daß sie dies wird, hoffe ich unter Gottes Beistand und mittelst des christlichen Geistes, der jetzt in dem Englischen Volke lebt. Dänemark.

Kopenhagen, 18. März. (Alt. M.) Heute starb Sr. Majestät des Königs General⸗Adjutant für den See⸗Ctat und Königl. Jacht⸗Capitain, Contre-Admiral Wulff. Er war einer der ausge zeichnetsten Offiziere der Marine; zur Zeit des Krieges erwarb er sich den Namen eines Helden, und auf dem hohen Posten, den er zuletzt

er Jugendthaten wegen, für ihn hegte, sondern erwarb sich durch seinen edlen Charakter und seine freundliche, humane Gesinnung die Zuneigung und Hochachtung Aller. —.—

Wien, 18. März. (Aerztl. Bülletin.) Am 17. März, um 7 Uhr Abends. Der Krankheits⸗Zustand des Durchlauchtigsten Erzherzogs ist Abends eben so befriedigend, als er es heute Morgen war. Freiherr von Türkheim. Dr. Zangerl.

angehörenden Prinzen vermähle. Frankreich würde also, um diese sich darbietende Schwierigkeit hinwegzuräumen, entweder den Herzog de la Vitoria, der auch nach Beendigung seiner Regentschaft dem Throne zunächst stehen wird, und die übrigen angedeuteten Per⸗ sonen zu anderen Gesinnungen bekehren oder aus der Ver⸗ mählungs⸗Frage geradezu einen Casus belli zu machen ge⸗ nöthigt seyn. Die Erklärungen, die Sir Robert Peel vor kurzem im Englischen Parlament in Bezug auf die demnächst zu verabredende Freilassung des Prätendenten gab, verursach⸗ ten hier eine solche Ueberraschung, daß die Regierung sofort mittelst Courier ihrem Gesandten in London die Vorschrift ertheilte, die kräf⸗ tigsten Einwendungen gegen eine solche Maßregel zu treffen. Während nun die Verhältnisse Spaniens zum Auslande wenige erfreuliche Seiten darbieten, zieht sich hier das Ungewitter zusammen, dessen Ausbruch durch das letzte Manifest des Regenten beschworen werden sollte. Seit gestern werden in allen Provinzen die Ergeb⸗ nisse der Wahlen geprüft, und noch in diesem Augenblicke ist es durchaus unmöglich, anzugeben, wer aus diesem nicht nur mit Erbit⸗ terung, sondern mit Anwendung aller, auch der verworfensten Mit⸗ tel geführten Kampfe als Sieger hervorgehen werde. We⸗ der die Partei der Minister, noch die der Opposition wagt es, für jetzt die Ueberzeugung auszusprechen, den Sieg davongetragen zu haben. Die Stimmen haben sich fast überall so sehr, und selbst zu Gunsten von Personen, deren politische Gesinnungen nicht genau bekannt sind, vertheilt, daß unmöglich entschieden werden kann, auf welche Seite sich die Waagschale neigen werde. Gewiß ist jedoch, daß in vielen Provinzen zweite Wahlen angestellt werden müssen, weil bei den ersten Niemand die vom Gesetz vorgeschriebene absolute Stimmen⸗Mehrheit davontrug. Auch leidet es keinen Zweifel, daß die von dem Ministerium anfangs ausgesprochenen Erwartungen sich V keinesweges bewährt haben. Trotz aller von den Beamten in Bewe⸗ gung gesetzten Mittel der Gewalt und List kann die Regierung nur auf eine geringe Majorität rechnen und muß auf einen durch die höchste Erbitterung eingegebenen Widerstand gefaßt seyn. Moderirte sind eigentlich nur in Barcelong und in Gijon gewählt worden, Republikaner fast nirgends. Die Regierung kann also, falls sie bei den Wahlen dennoch unter⸗ liegt, ihr Mißgeschick nicht auf Rechnung der Umtriebe der Coalition setzen. Sie wird vielmehr den Kampf mit reinen Progressisten, mit Männern vom September, ihren früheren Verbündeten, auszufechten haben. Prinz Jeroôme Napoleon verweilt fortwährend hier. Gestern besuchte er die Taubstummen⸗Anstalt und erklärte, wie ein ministe⸗ rielles Blatt sagt, nirgends ein so trefflich eingerichtetes Institut ge⸗ sehen zu haben.

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Konstantinopel, 1. März. (A. Z.) Die Hoffnung des Herrn von Butenieff, die Pforte zu einer Modification ihrer Ansich⸗ ten in Hinsicht Serbiens zu bewegen und eine den Wünschen Rußlands entsprechendere großherrliche Erwiederung auf des Russischen Kaisers eigenhändiges Schreiben zu erlangen, ist vereitelt. Vorgestern erhielt der Russische Botschafter aus dem Osmanischen Departement der aus⸗ wärtigen Angelegenheiten eine Zuschrift, worin er dringend ersucht wird, das großherrliche Antwortschreiben so wie es ist an seine Be⸗ stimmung gelangen zu lassen, indem der Sultan in diesem Fall von keiner anderen Seite als von Sr. Majestät dem Kaiser Nikolaus selbst irgend eine Bemerkung oder Erwiederung erwarten könne. Zugleich bedauert der Türkische Minister, den von Herrn von Butenieff geäußer⸗ ten Wünschen nicht nachkommen zu können. Die Pforte scheint daher

Spanien.

id, 11. März. Die Andeutungen, welche Herr Guizot in der Sitzung der Französischen Deputirten⸗Kammer vom Iten in Bezug auf die hier bestehenden Verhältnisse und die Haltung, die das Französische Kabinet für gewisse nicht sehr eutfernt liegende Fälle anzunehmen habe, machte, bilden hier den Gegenstand sehr ver⸗ schiedenartiger Auslegungen. Herr Guizot erfreut sich schon längst nicht mehr des Beifalls derjenigen Personen, die hier Doktrinen fon servatorischer Natur nur deshalb predigen, weil sie hoffen, in diesen Deckmantel gehüllt, der frembden Macht, von deren Mitwirkung und Dazwischenkunft allein sie ihr Emporkommen erwarten, als Männer der Ordnung, als aufrichtige Freunde, als wünschenswerthe Bundesgenossen zu erscheinen. Diesen Leuten ist Herr Guizot bei weitem zu friedliebend, und, wenn sie gleich gewiß nicht in Abrede stellen können, daß man diesem Staatsmanne allgemein Vorliebe für Erhaltung des Bestehenden und dieselben monarchischen Grundsätze zuschreibt, zu denen sie selbst sich zu bekennen vorgeben, so hört man sie doch hier laut darnach seufzen, daß der Vorgänger des Herrn Guizot, jener bewegliche Mann, der ganz Europa herauszufordern geneigt war, wieder an die Spitze des Französischen Kabinets treten möge. Um diesen Wunsch zu rechtfertigen, berufen sie sich auf den Umstand, daß gerade jetzt die Redner der Französischen Opposition, die Herren de Tocqueville, de Lamartine, die Partei der Spanischen Moderirten er⸗ griffen, und die von Herrn Guizot in Bezug auf Spanien befolgte Politik streng verurtheilen, während dieser Minister dagegen sich zum Schutzredner des Spanischen Regenten aufwerfe, und die angeblichen Verdienste der Moderirten zu verkennen scheine. Letztere schmollen also dem Französischen Minister der auswärtigen Angelegenheiten, und doch bleibt es gewiß, daß gerade Herr Guizot der Mann ist, gegen den auch die hiesigen Exaltirten und namentlich die den Regenten zu nächst umgebenden Personen am meisten eingenommen sind. Auch sie würden es als einen Gewinn für ihre Sache betrachten, falls Herr Thiers oder selbst der Graf Molé wieder an die Spitze der auswär⸗ tigen Angelegenheiten träte. Die von Herrnu Guizot in der Sitzung vom Lten abgegebenen Erklärungen sollen auf den Regenten eher einen beunruhigenden als zufriedenstellenden Eindruck gemacht haben. In der That enthält die Versicherung des Französischen Staatsmannes, daß er überzeugt wäre, der Regent arbeite nicht am Umsturze des Thrones und an Errichtung einer militairischen Diktatur, für die sen eben keine Schmeichelei. Der Herzog de la Vitoria wird schwer lich geneigt seyn, seine täglich wiederholten Eide zu verletzen, auch kann er nicht so verblendet seyn, sich dem Wahne hinzugeben, er sey mächtig genug, um den Thron Ferdinand's des Heiligen umzustürzen. Ist dieser gleich in seinen Grundlagen erschüttert und seines Glanzes beraubt worden, bildet er dennoch den nothwendigen Schlußstein in dem hier herrschenden politischen Systeme, und Herr Guizot hat Recht, wenn er überzeugt ist, daß Espartero nicht beabsichtige, ihn wegzu⸗ räumen.

Von ernsterer Bedeutung scheinen die Worte des Französischen Ministers zu seyn, in denen er den etwaigen Uebergang des Spani⸗ schen Thrones an eine andere Dynastie, als die der Bourbons, für ein Ereigniß erklärt, dem Frankreich sich mit allen Kräften zu wider⸗ setzen habe. Es ist bekannt genug, daß der Regent Spaniens, die die junge Königin zunächst umgebenden Personen und die ganze Par⸗ tei, welche ausschließlich die öffentlichen Verhältnisse des Landes lei tet, fest entschlossen sind, niemals zuzugeben, daß Isabella II. sich mit irgend einem den verschiedenen Zweigen der Bourbonischen Dynastie

O Madrid,

fest entschlossen, den Status quo in Serbien zu erhalten. Das Beneh⸗ men des Türkischen Gouvernements wäre unerklärlich, wenn man nicht wüßte, wie sehr es auf die gegenseitige Eifersucht der Europäischen Groß⸗ mächte gegen einander rechnet, und wie es als ausgemacht annimmt, daß ein neuer Russisch⸗Türkischer Krieg ihm den Beistand aller übrigen Großmächte sichern würde. Die Pforte möchte sich übrigens darin täuschen, wie sie sich schon öfter in dergleichen Kalküls getäuscht hat. Mehmed Ali, Pascha von Aegypten, scheint die obwaltenden Mißverständnisse mit Rußland als ziemlich ernst zu betrachten, denn er ließ Se. Hoheit dem Sultan durch seinen hier noch immer aunwesenden Abgesandten Sami Pascha seine unbedingte Ergebenheit ausdrücken, und im Fall eines Bruchs mit Rußland seine Armee und seine Flotte anbieten. Es läßt sich übrigens kaum annehmen, daß Rußland, welches die Wohlthaten des Friedens zu würdigen weiß, daß sein erhabener Kai⸗

ser, welcher Beweise gegeben, daß er nur nothgedrungen an die Ge⸗ walt appellirt, wegen einer Frage, die nur durch verletzte Eigenliebe ihren drohenden Charakter angenommen, die Waffen ergreife und die Ruhe Europa's bloßstelle.

Reschid Pascha ist noch nicht angekommen. Die hiesige Donau⸗ Dampfschifffahrts-Direction hat ihm zu seiner Ueberfahrt von Kusten⸗ dsche hierher ein eigenes Dampfboot nach letzterem Ort entgegenge⸗ schickt. Riza Pascha ist fortwährend das Faktotum im Serai und stand nie bei dem Sultan in größerer Gunst als gerade jetzt. Sa⸗ rim Efendi und er im Bunde suchen von dem Sultan und dem Di⸗ van alle Personen, die der Freundschaft oder Anhänglichkeit an Reschid verdächtig sind, zu entfernen. So muß die Absetzung Tahir Pascha's, so müssen noch einige bevorstehende Aenderungen im Divan erklärt werden.

Nachrichten aus Trapezunt zufolge, hatten die Unterhandlungen zwi⸗ schen der Türkei und Persien in Erzerum bereits begonnen. Der Engli⸗ sche Commissair soli viel Eifer und Energie dabei entwickeln und sich be⸗ streben, einen billigen Vergleich in der kürzesten Frist zu Stande zu bringen. Mehr beobachtend soll sich der Russische Bevollmächtigte verhalten, ziemlich versöhnlich der Persische, fast rücksichtslos und her⸗ ausfordernd der Türkische. Man hat noch keine Nachrichten weder von Erzerum noch von Teheran über den Eindruck, welchen die Ereig⸗ nisse von Kerbelah daselbst hervorgebracht haben. Einige besorgen, daß dieselben einen störenden Einfluß auf die Unterhandlungen üben werden. Man erfährt hier, daß der Pascha von Bagdad von der Expedition zurück bereits in seiner Residenz eingetroffen ist, nachdem er in Kerbelah eine starke Türkische Besatzung zurückgelassen. Von den Rebellen hat der Pascha nur zwei köpfen lassen, die übrigen glaubte er begnadigen zu sollen.

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Vereinigte Staaten von Nord -Amerihka. 88

O New⸗York, 24. Febr. In einem früheren Briefe hatte ich bereits gemeldet, daß der Secretair des Schatzes vom Repräsen⸗ tantenhause die Ermächtigung zu einer neuen Emission von 5 Mil⸗ lionen Dollars in Schatzscheinen verlangt habe. Damit glaubte er dem Kongresse Bürgschaft geben zu können, daß der Schatz am Schlusse des fiskalischen Jahres 1844 eine Bilanz von 400,000 Dollars besitzen werde. Der Minister macht dafür seine Berechnung in folgender Weise. Er nimmt an, daß während des Jahres 1843 die Douanen 13 Millionen Dollars, der Verkauf der Staats⸗Ländereien 2,500,000, die Anlehen und Schatznoten u. s. w. 4,983,358 Dollars ertragen werden, was hinzugefügt zu der nun in Kasse vorhandenen Bilanz von 2,840,041 Dollars, für die Einnahmen ein Total von 23,323,400

Dollars ergiebt. Die Ausgaben sind von ihm auf die Ziffer von

22,932,773 Dollars angeschlagen, was also einen Ueberschuß von

390,627 Dollars für den 1. Januar 1844 in Aussicht stellt.

Nun schlägt der Minister die Einnahmen des Jahres 1814 auf 14 bis 15 Millionen Dollars steigend an, und die Ausgaben auf 16 bis 17 Millionen, zu denen man noch den Rückkauf der zum Ver⸗ fall kommenden Schatzbons hinzufügen muß. Aber durch Verlän⸗

von vierhundert und einigen Tausend Dollars zu Gunsten der Ein⸗ nahmen aufrecht halten zu können.

wirklich einigen Erfolg errungen. Sie war wie ein unerwarteter Bal⸗ sam für alle Finanzmänner gekommen, welche die Zukunft unter viel schwärzeren Farben angesehen hatten und dem Kongresse voraussag⸗ ten, wenn er nicht durch irgend eine entscheidende Maßregel dem wei⸗ teren Anwachsen des Defizits des Schatzes vorbeuge, so werde sich die Regierung zwischen zwei Sessionen unversehens in die peinlichste Verlegenheit und in die Nothwendigkeit versetzt sehen, eine außeror⸗ dentliche Session des Kongresses zu berufen, damit derselben für Wiederfüllung der geleerten Kassen des Staates Sorge trage. Der Kongreß konnte nicht anders als sehr befrie⸗ digt seyn über diese Eröffnung günstigerer Aussichten durch den Staats⸗Secretair des Schatzes, welche den Alarmisten ein wie es schien so schlagendes Dementi gaben. glaubte sich bereits der Mühe der Aufsuchung neuer finanzieller Hülfs⸗ quellen überhoben, so wie der, natürlicherweise für ihn nicht sehr an⸗ genehmen Arbeit, in mehreren Beziehungen das Werk seiner eigenen Hände zu zerreißen, wie dies z. B. bei einer Aenderung des Tarifs der Fall wäre. Die Freude des Kongresses war aber von kurzer Dauer. Der Staats⸗Secretair des Schatzes hatte bei seiner Rech⸗ nung den Präsidenten vergessen, und dieser kam nun vierundzwanzig Stunden nach ihm, um in einer ganz unerwarteten Botschaft das ganze schöne Gebäude von Illusionen und Hoffnungen, welches Jener vor dem Kongresse aufgerichtet hatte, zusammenzureißen. Herr Tyler sagt darin den Repräsentanten: „Ich darf Ihnen meine Besorgnisse nicht verhehlen, daß in dem Anschlage des Ertrages der Douanen und des Verkaufs der Staats⸗ Ländereien, den man Ihnen macht, ein ernstliches Defizit vorhanden seyn möchte. Ich betrachte die Gefahr dieser Enttäuschung für allzu groß, als daß man die Gefahr einer solchen laufen dürfte, wenn es ein Mittel giebt, ihr vollständig zu begegnen. Ich bin weit entfernt, unter den gegenwärtigen Umständen irgend einen Einwurf vorzubrin⸗ gen gegen das Verlangen des Staats⸗Secretairs des Schatzes um eine Ermächtigung, neue Bons zu emittiren in dem Maße, als die alten zurückgekauft seyn werden;z eben so wenig als gegen die übri gen Rathschläge, welche er in diesem Betreff ihnen gemacht hat; aber es wollte mich bedünken, daß die Sache wohl werth wäre, daß Sie in ernstliche Erwägung zögen, ob nicht Subsidien einer sicheren und dauerhafteren Natur vorbereitet werden sollten. Die Emission eines Billets für den Rückkauf eines anderen Billets ist nicht die Zah⸗ lung einer Schuld, die am Ende doch nur auf defini⸗ tive Weise mit Hülfe von öffentlichen Taxen unter irgend einer Forn bezahlt werden kann und muß. Ich kann mich nicht enthalten, hin⸗ zuzufügen, daß in einem Lande mit so vielen Hülfsquellen, wenn diese auf einsichtsvolle Weise ausgebeutet würden, die Einkünfte der Re⸗ gierung, ihr Kredit, ihre Tüchtigkeit zu Erfüllung ihrer Verpflichtun⸗ gen, niemals von momentanen Auskunftsmitteln und Berechnungen von unzuverlässiger Natur abhängen sollten. ... Die Nothwendig keit neuer und umfassender Vorsorge, um den Bedürfnissen des Schatze zu genügen, wird immer dringender, wenn der Kongreß nicht in sei ner gegenwärtigen Session irgend einen Plan annimmt, um die Finanz⸗ Operationen der Regierung zu erleichtern, und den Geldumlauf de

Landes zu verbessern.“ 2. Herr Tyler fordert so den Kongreß förmlich auf, versetzt ihn in—

die Nothwendigkeit, irgend etwas zur Verbesserung der nationalen Geld⸗Circulation zu thun. Manche wollen darin zugleich eine Rache für die Verwerfung des Plaus des Präsidenten zu Errichtung eines Exchequer erblicken. Der Kongreß wird sich dadurch in nicht geringe Verlegenheit versetzt finden. Die Gründe, welche Herr Tyler vor⸗ bringt, sind von der Art, daß sie nicht leicht umzustoßen sind; was er den Herren sagt, ist gewissermaßen die Lection eines Staatsmannes an Neulinge. Der Kongreß hat sich also jetzt zu entscheiden zwischen dem Vertrauen, welches der Staats⸗Secretair des Schatzes hegt, und dem Mißtrauen, von welchem der Präsident erfüllt ist.

O Paris, 16. März. In einer der letzten Sitzungen des Kongresses ereignete sich eine Scene, die zuletzt eine ziemlich komische Wendung nahm. Es handelte sich darum, eine Bill des Senats zu bestätigen, der zufolge die von der Britischen Regierung gewährte Entschädigung von 7,900 Dollars, für die unberechtigte Wegnahme einer Anzahl Sklaven, die sich an Bord der Nord Amerikanischen Schiffe „Comet’“ und „Eucomium“ befanden, an die betreffenden Par teien ausbezahlt werden soll. Die beiden Schiffe „Comet“ und „Eu⸗ comium“, welche eine Ladung Sklaven führten, wurden durch einen starken Sturm an die Küsten von Nassau verschlagen, und von den Britischen Kreuzern daselbst durchsucht, welche die vorgefundenen Sklaven als gute Prise wegnahmen. Die Nord⸗Amerikanische Regierung beschwerte sich über einen solchen Akt der Eigenmächtigkeit von Seiten der Britischen Marine, und erhielt ohne Mühe die so eben angeführte Geld-Entschädigung zu Gunsten der Eigenthümer der weggenommenen Sklaven. Herr Giddings erhob sich als einer der eifrigsten Abolitionisten, die im Kongresse sitzen, gegen die Ausbezah⸗ lung dieser Geld-Entschädigung an die betreffenden Pflanzer. Er behauptete, daß die Pflanzer der südlichen Staaten, welche das ab scheulichste aller Gewerbe, den Menschenhandel, treiben, sich selbst den Schaden, der ihnen dabei erwächst, zuschreiben mögen. Während Herr Giddings so laut perorirte, ging der General Dawson, der Repräsentant von Louisiana, neben dem Redner vorüber, um auf seinen Platz sich zu begeben. Im Eifer der Rede faßte Herr Gid⸗ dings den General fest beim Arme, gleichsam um ihm den Weg zu vertreten. General Dawson, der eine ungewöhnliche Körperstärke besitzt, versetzte aber Herrn Giddings einen derben Stoß, der ihn einige Bänke weiter hinschleuderte. Herr Giddings erhob sich mit der Drohung, für eine solche Unbill Genugthuung zu verlangen. Ge⸗ neral Dawson erwiederte ihm, er sey bereit, sie ihm zu geben, und er möge die Art und Weise selbst bestimmen. Die ganze Versammlung fürchtete schon, daß es zu einem blutigen Zweikampfe kommen werde, als der Beleidigte ganz gelassen versetzte: „In diesem Fall will ich die Genugthunng wählen, die bei uns Männern von Norden üblich ist ich werde an die öffentliche Meinung appelliren.“ Ein lautes Gelächter erhob sich sogleich auf allen Bänken, und Jedermann war froh, die Sache so beendigt zu sehen.

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öXX““ G 0 -T 1 t z London, 17. März. Die Boston Merchants Exchange giebt Nachrichten aus Haiti, welche mit dem von Cayes angekomme⸗ nen Schiffe „Joseph Atkins“ eingetroffen sind. Der Capitain dieses Schiffes berichtet, daß am 20. Januar Abends ein Haufen von 6 8000 Mann sich in der an Cayes gränzenden Ebene gesammelt,

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Der Koͤngreß

gerung der Zinsenzahlung von diesen Bons, und mit Hülfe der ver⸗ langten neuen Emission, glaubt der Minister die angegebene Bilanz

Diese Behauptung hatte durch ihren überraschenden Charakter