der Schlesischen Leinwand⸗Fabrication und Hemmung der freien Ein⸗ fuhr Böhmischer Leinwand; 2) einer städtischen Kommune um einen mäßigen Einfuhrzoll auf ausländisches Eisen; 3) einer städtischen Kommune, die Eisenbergwerks⸗Angelegenheit betreffend; 4) mehrerer ländlichen Gemeinden in Ober⸗Schlesien mit Klagen über den durch Mangel an Vekturanz in Folge des stockenden Hüttenbetriebes herbei⸗ geführten Nothstand; 5) der Hütten⸗Beamten, Arbeiter und Gemeinde, einer Herrschaft in Ober⸗Schlesien, mit gleichen Klagen wie die vor⸗ stehende; gaben zu einer lebhaften Debatte Veranlassung, in wel⸗ cher man sich über die Frage, ob Schutzzölle wünschenswerth und daher zu befürworten seyen, theils im Allgemeinen, theils mit spezieller Beziehung auf die für Schlesien so un⸗ gemein wichtigen Industriezweige, wie die Leinwand ⸗Fabri cation und der Betrieb der Eisenhüttenwerke, mit Ernst und Wärme aussprach und die Gründe für und wider eine bejahende Be⸗ antwortung dieser Frage entwickelte. Man einigte sich in dem Be schluß: „Se. Majestät den König allerunterthänigst zu bitten, nachdem der Gewerbfleiß und die Industrie Schlesiens zu der gegenwärtigen Entwickelungsstufe gelangt, die in dem Gesetz vom 20. Mai 1818 §. 5 ausgesprochenen Grundsätze der Reziprozität in der Steuerge⸗ setzgebung für die Einfuhr der Manufakte des Auslandes eintreten zu lassen, durch Retorsions⸗Maßregeln gegen das Ausland die Märkte des Inlandes zu schützen, und durch Differentialzölle die Preußische Rhederei und den Absatz der Produkte inländischen Gewerbfleißes möglichst zu fördern.“
Von den zur Abstimmung gestellten Fragen wegen spezieller An⸗ träge auf Schutz⸗Zölle: gegen das Einbringen fremden Eisens, gegen die Einfuhr Böhmischer Leinwand, gegen die Einfuhr Englischer Lei nengarne erlangte keine eine entscheidende Stimmenmehrheit.
Nur dafür erklärte sich eine solche Stimmenmehrheit: „Se. Kö nigl. Majestät allerunterthänigst zu bitten, das auf der Schlesischen Gränze eingehende Russisch⸗Polnische Roheisen zu besteuern.“ 8 Die Petition der Abgeordneten aus dem Stande der Landge⸗ meinden, mit Ausnahme derer aus der Ober⸗Lausitz, wegen Aufhe bung der Patrimonial⸗Gerichtsbarkeit und durchgängige Einführung ollegialischer Gerichte, mit deren Begutachtung der siebente Provinzial Landtag seine Berathungen beendigte, wurde zwar nicht in ihrem ganzen Umfange angenommen, jedoch in Folge derselben mit großer Stimmenmehrheit beschlossen: „Se. Königl. Majestät allerunter⸗ thänigst zu bitten, daß in allen Fällen, in welchen Prozesse des Guts⸗ herrn gegen Gerichts⸗Einsassen zu entscheiden sind, auf Antrag jeder Partei, das nach der Verordnung vom 14. Dezember 1833 substi⸗ uirte Gericht das Erkenntniß abzufassen haben möge.“
Seitungs-Uachrichten. Ausland.
—.,.,—
Kussland und Polen. 8
St. Petersburg, 23. Mai. Se. Majestät der Kaiser hat den diesseitigen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister bei der hohen Pforte, Butenieff, in gleicher Eigenschaft an
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die Höfe von Rom und Toskana zu versetzen und den Wirklichen Geheimen Rath, Titoff, zu seinem Nachfolger in Konstantinopel zu
ernennen geruht.
. Frankreich.
Paris, 24. Mai. Die Nachrichten aus Spanien beschäftigen heute die hiesigen Journale fast ausschließlich. Nur die Débats halten in Ermangelung der Details über die stattgehabte Minister Krisis ihre Meinung noch zurück. Die Presse dagegen äußert sich in folgender Weise: „Es ist jetzt augenscheinlich, daß die Unterwer fung Espartero's unter die Wünsche der Majorität der Repräsentanten nur ein Spiel war, daß er die Häupter der Majorität nur deshalb abwechselnd mit der Bildung eines Ministeriums beauftragte, weil er überzeugt war, das Gelingen ihrer Bemühung zu verhindern, und daß, wenn das Ministerium Lopez sich bildete, dies gegen seinen Willen geschah. Zwei Dinge sind bei den neuesten Nachrichten aus Madrid besonders bemerkenswerth: Die Ursache der Entlassung des Mini⸗ steriums Lopez und die Namen seiner Nachfolger. Die Ursache ist die Weigerung, Linage und Zurbano zu entlassen, zwei Personen, die auf das vollständigste die Englische Politik in Spanien re⸗ präsentiren. Die bis jetzt bekannten Nachfolger sind der Präsident des Senats, der die Adresse gegen die Spanische Verfassung und gegen Frankreich votirte, und jener Mendizabal, der, obgleich von Geburt ein Spanier, seiner Gesinnung und seinen Gewohnheiten nach ein Engländer ist. Man wird einräumen, daß, wenn die Her⸗ ren Bezerra und Mendizabal sich noch dem Senator Marliani zuge⸗ sellen, England nicht besser in Spanien repräsentirt seyn kann. Woran dachte der Kongreß der Deputirten, als er zu Espartero von Amnestie, von Versöhnung sprach, als er dem Programm eines loya len und friedfertigen Ministeriums Beifall zujauchzte, als er die blu⸗ tigen und unnützen Hinrichtungen in Barcelona brandmarkte? Da⸗ mit ist Espartero, den Ayacuchos und England nicht gedient! Was sie wollen, ist etwas ganz Anderes: es ist der Haß gegen Frank⸗ reich, es ist der Bürgerkrieg, aus welchem England und die Ayacuchos Vortheil ziehen, es ist das Regiment Mendizabal's, Linage's und Zurbano's. Man weiß, welchen Platz Linage in der Neigung des Regenten einnimmt, und wir würden uns nicht wundern, wenn er noch einen Minister aus ihm machte; erhob doch Caligula sein Pferd zum Konsul. Man werfe uns nun noch vor, daß wir an den Gesinnungen Espartero's verzweifelt und seine an⸗ scheinende Achtung vor den constitutionellen Prinzipien als ein Spiel betrachtet haben. Durch die Auflösung des Ministerium Lopez wird der Majorität des Deputirten⸗Kongresses der Krieg er⸗ klärt und trotz des Lakonismus der offiziellen Depeschen kann man schon sehen, daß der Krieg angenommen worden ist. Der Umstand, daß der Kongreß fast einstimmig dem abgetretenen Ministerium sennn⸗ Dank votirt, deutet auf sehr ernste Schwierigkeiten, die dem neu zu bildenden Kabinette bevorstehen werden.“ — Der Constitutionnel ist eines von den wenigen Blättern, die sich des Regenten noch an⸗ nehmen und die von dem Ministerium Lopez gestellten Bedingungen tadeln. Dieses Journal sagt unter Anderem: „Alle Freunde des
Regenten entfernen, alle diejenigen, welche sein Vertrauen haben, als eben so viel Feinde des Landes bezeichnen, die Armee im Namen des Ersparungs⸗Systems bedrohen, die Tgsen er des Regenten durch Handlungsweise am hef⸗
tigsten getadelt haben, das heißt, gegen die Person des Regenten
selbst eine Art von Feindseligkeit kundgeben, das heißt, die Versöhnung
durch die Reaction ersetzen, das heißt endlich, der Regierung der jun⸗
gen Königin heftige Kämpfe vorbereiten. Der Krieg gegen die Per⸗ 88 wo es sich doch wesentlich nur um die Sachen handelt, scheint uns im höchsten Grade unpolitisch. Wir vermuthen, daß Herr Lopez, obgleich er zu den Exaltados gehörte, sich, ohne es zu wissen, zum
einige von denen ersetzen wollen, die seine
EEWETqTEE
8 8 1 b “ Werkzeug einer Partei hergab, die nicht die seinige war. Die Staats⸗ männer Spaniens wenden sich gegenwärtig augenscheinlich der neu aufgehenden Sonne, d. h. der Partei zu, von der sie vermuthen, daß sie am meisten Einfiuß auf die junge Königin ausüben werde. Immerhin; aber es heißt, die Interessen Spaniens und die eigenen Interessen schlecht verstehen, wenn man eine Reaction gegen dasjenige beginnt, was man drei Jahre hindurch auf das Eifrigste unter⸗ stützt hat.“
Die Deputirten⸗Kammer begann gestern die Erörterung über den Gesetz-Entwurf, durch welchen ein Supplementar⸗Kredit von etwa 29 Millionen für Algier verlangt wird. Die Erörterung war ohne alles Interesse, da die Gegner sowohl, als die Vertheidiger der Afrikani⸗ schen Besitzungen ihre früheren Argumente lediglich wiederholten, und Alle dahin übereinstimmten, daß der Kredit bewilligt werden müsse, welches auch wahrscheinlich in der heutigen Sitzung schon gesche⸗ hen wird.
Das Abendblatt die Patrie enthält Folgendes: „Gestern war in der Kammer das Gerücht verbreitet, daß ungünstige Nachrichten von der Expedition des General Barraguay d'’'Hilliers eingegangen wären. Man wollte wissen, daß dieser General sich in einer Lage befunden habe, in welcher er unfähig gewesen sey, von der Französi⸗ schen Kavallerie Gebrauch zu machen, und daß die verbündete Ka⸗ vallerie der Araber ihn im Stich gelassen habe. Diese Nachricht wurde von Jemanden erzählt, der, was den Zustand der Dinge in Algier betrifft, für gut unterrichtet gehalten wird.“
Der Herzog und die Herzogin von Nemours werden sich im Lause des nächsten Monats nach London begeben, um der Königin Victoria einen Besuch abzustatten, und der Vermählung der Prinzessin Auguste, mit dem Erbgroßherzoge von Mecklenburg⸗Strelitz beizuwohnen.
Der Gesundheits⸗-Zustand des Admirals Roussin hat sich, wie es heißt, seit einigen Tagen so sehr verschlimmert, daß er gezwungen seyn wird, sein Portefeuille niederzulegen.
O Paris, 24. Mai. Der Handels⸗Minister, heißt es, wird in der heutigen Sitzung das von der Deputirten⸗Kammer votirte Zuckergesetz der Pairs Kammer vorlegen. Man versichert, daß Herr Charles Dupin, einem höheren Winke zufolge, jeder Opposition gegen die Entscheidung der Zuckerfrage von Seiten der Deputirten-⸗Kammer sich enthalten wird, und daß die Pairs-Kammer mit wenigen Aus nahmen entschlossen ist, das Gesetz in seiner gegenwärtigen Form an zunehmen. Personen; welche die Meinung des Königs über den Ausgang der Zucker⸗Debatten in der Deputirten⸗Kammer kennen wollen, behaupten, daß Ludwig Philipp mit dem neuesten Zuckergesetz sehr zufrieden sey, weil der König im Grunde ungern sah, daß man der Regierung den Vorwurf machen könnte, eine National⸗Industrie aus politischen Rücksichten unterdrückt zu haben, wie es der ministe⸗ rielle Gesetz⸗Entwurf mit sich brachte. Die persönliche Ansicht des Königs enthält gleichsam den Schlüssel zu dem Stillschweigen, welches Herr Guizot bei der Diskussion der Zuckerfrage beobachtete und wel⸗ ches die Annahme des Amendements Dumont Passy so sehr förderte.
Herr Cunin⸗Gridaine scheint sich in das neue Zuckergesetz gut⸗ willig fügen zu wollen; denn er spricht nicht mehr von seiner Ent⸗ lassung. Er wird gleich nach der Abstimmung des Zuckergesetzes in der Pairs⸗Kammer einen Urlaub von anderthalb Monat begehren, um die Heilquellen von Neris zu besuchen, da seine durch die letzte Krankheit stark erschütterte Gesundheit die Benutzung jener Heilquellen
ihm zum dringenden Bedürfnisse macht. Der Minister der Finanzen ist von seinem neuesten Gicht⸗Anfall noch nicht vollkommen hergestellt, es ist daher noch sehr zweifelhaft, oh die auf übermorgen festgesetzten Interpellationen des Herrn Schützenherger in Betreff der Tarifs⸗Er⸗ höhung der Schifffahrt auf den Kanal der Rhone zum Rhein, werden stattfinden können. Auch wird schwerlich die Deputirten⸗Kammer heute mit der Diskussion der außerordentlichen Kredite für Algerien fertig werden. Obwohl der Bericht der Kommission nur zu sehr mi⸗ nisteriell lautet, indem er der Regierung gewährt, den Effektivstand der Französischen Armee in Algerien auf 80,000 Mann Truppen zu bringen, so reduzirt die Kommission die verschiedenen Kredits⸗Bewilli⸗ gungen doch um 500,000 Fr., zu welchen Reductionen der Marschall Soult sich nicht verstehen mag, weil dieselben sich auf das Budget des laufenden Jahres beziehen und gleichsam de facto die damit verbundenen Ausgaben verordnet sind.
Die Regierung, welche nicht ungern sieht, daß die mehr oder weniger gährende Eroberungslust der Französischen Nation einen Ab⸗ zugs- Kanal in Algerien findet, zögert aus politischen Gründen, das System der Herren Bugeaud, Blanqui ainé, Enfantin, kurz jener Männer, welche Algerien am besten kennen, zu adoptiren. Sie wünschte zwar, daß General Bugeaud mit geringeren Geldopfern die Unterjochung des Emir betreiben möchte; allein Herr Bugeaud er⸗ wiedert darauf, daß der Krieg gegen Abd el Kader nur mit impo⸗ santen Kräften geführt werden kann, weil man sonst Gefahr läuft, durch einen unerwarteten Ueberfall des Feindes, was in jenen Ge genden nur zu sehr zu fürchten ist, gänzlich aufgerieben zu werden. Der Kriegs⸗Minister wünschte gar sehr, daß der General⸗Gouverneur persönlich die außerordentlichen Kredite für Algerien vor der Kammer vertheidigt hätte. Deshalb ließ erauch an ihn die Einladung ergehen, während der zweiten Hälfte der parlamentarischen Session auf Urlaub nach Paris zu kommen. Herr Bugeaud behauptet aber, seine Gegenwart sey noch dringender in Algerien, wenn man mit Erfolg die Expedition gegen Abd el Kader zu Ende führen will. Daher rühren 8 oft maligen Gerüchte der Abreise des General Bugeaud nach Paris, ohne daß dieselben sich so bald verwirklichen werden.
Man versichert, daß die Budget⸗Kommission nicht weniger als 22 Millionen im Ausgabe-Budget der Regierung zu streichen beab sichtigt. Diese Reduction bezieht sich zunächst auf die beiden Depar tements des Innern und des Krieges. In Betreff des ersteren ver⸗ weigert die Kommission der Regierung die projektirte Gehalts-Er höhung der Unter⸗Präfekten. In Betreff des anderen Departements sind die beantragten Reductionen so bedeutend, daß Marschall Soult sich genöthigt sah, kürzlich an 20,000 Mann Truppen auf 8 Monate zu beurlauben, um durch die während dieser Zeit gemachten Erspar nisse im Kriegs⸗-Budget für den Fall, daß die Kammer die von der Kommission im Budget von 1844 vorgeschlagenen Einschränkungen annehmen würde, das daraus sich ergebende Defizit des Kriegs⸗De⸗ partements zu decken. “
Herr von Lamartine, welchen die Journale seit Sonntag von hier abreisen lassen, hat erst heute (Mittwoch) um 7 Uhr Morgens seine Reise nach Macon angetreten, wo ihm die Einwohner seiner Vaterstadt einen glänzenden Empfang bereiten.
Paris, 24. Mai. Die Algierische Frage ist in der gestri gen Sitzung der Deputirten⸗Kammer so scharf und so ernstlich gestellt worden als je. Der Rückblick auf ein Kolonial⸗Budget, das, die von der Regierung verlangten Zuschuß⸗Kredite eingerechnet, die fabelhafte Summe von hundert Millionen beinahe erreicht, hat der Idee der Afrikanischen Eroberung manche ihrer bisherigen Anhänger abwendig gemacht und alle Gegner derselben in ihrer Opposition bestärkt und be⸗ festigt. Mehrere der gestern auftretenden Redner sprachen mit fast leidenschaftlicher Beredtsamkeit gegen die weitere Verfolgung des ge⸗ genwärtig in Bezug auf Algerien beobachteten Systems. Die Herren
Manuel und Joly verlangten geradezu im Namen des National
“ 8 “ 8 “ 8 — “ “ 8 Interesses die Räumung Afrika's, wo sie höchstens die Beibehaltung einiger Küstenpunkte zugestehen wollten. Dem Vortrage des zweit⸗ genannten Deputirten gebührt ohne Frage der Preis der gestrigen Sitzung. Herr Joly machte mit dem eindringenden Tone der eigenen Ueberzeugung die Grundsätze geltend, welche in dem Herzen eines jeden Mannes, für den Freiheit und Recht und Menschlichkeit nicht leere Formeln sind, gegen einen Unterjochungs⸗Krieg, wie der der Franzo sen mit den Arabern, protestiren. Geschichte und Statistik mußten ihm Belegstücke für jedes seiner Worte liefern, deren manches einen sichtbaren und tiefen Eindruck auf seine Zuhörer machte, einen Ein⸗ druck, den die lauwarmen Redensarten des ihm auf der Tribüne nach folgenden Herrn Chasseloup⸗Laubat gewiß nicht zu verwischen geeignet waren. Indessen ist es natürlich gleichwohl keinem Zweifel ausgesetzt, daß die Mehrheit der Kammer sich auch diesmal für die Fortdauer des in Afrika herrschenden Zustandes der Dinge aussprechen und die von der Regierung verlangten Kredite und Kontingente bewilligen werde. 8 8
Grossbritanien und Irland.
Oberhaus. Sitzung vom 23. Mai. (B. H.) Graf von Powis beantragte die zweite Verlesung der von ihm einge brachten Bill gegen die von der Kirchen⸗Kommission angeordnete Ver einigung der Bisthümer von St. Asaph und Bangor und hielt eine lange Rede, um die Nothwendigkeit dieser Bisthümer zur gehörigen Verwaltung der Seelsorge, besonders in Wales, darzuthun. Der Herzog von Wellington, so wie der Erzbischof von Canter 1 bury, der Bischof von London und andere Prälaten, vertheidigten dagegen den Beschluß der Kirchen⸗-Kommission, dem besonders die Absicht zum Grunde liegt, mit den durch die Vereinigung der beiden Episkopal-Diözesen ersparten Revenüen ein neues Bisthum zu doti⸗- ren, welches in Manchester errichtet werden soll, um den dasselbe um gebenden volkreichen Distrikten die bis jetzt ihnen fehlende geistliche Oberaussicht zu geben. Die Bischöfe von Salisbu ry, Exeter (der bekannte Dr. Philpotts) und St. Davids erklärten sich sehr eifrig für die zweite Verlesung der Bill des Grafen von Powis, welche derselbe aber, die Hoffnungslosigkeit seines Widerstandes segen den Willen der Minister einsehend, endlich zurücknahm, unter dem Vor behalte jedoch, den Gegenstand in der nächsten Session wieder vorzu bringen.
Unterhaus. Sitzung vom 23. Mai. Ein Versuch de
Herrn Hawes, die sogenannten Dänischen Forderungen, d. h. die in die dritte Klasse rangirten Forderungen der Britischen Kaufleute, deren
Schiffe während des Krieges mit Dänemark von letzterem im Jahre 1807 in der Ostsee weggenommen worden sind, von neuem zum Ge⸗-
genstande einer Adresse an die Königin zu machen, scheiterte an dem Reglement des Hauses, dem zufolge ein solcher Antrag nur in dem Gesammt⸗Ausschuß des Hauses gemacht werden darf, und an der ent schiedenen Weigerung Sir Robert Peel's, dem Gesuch des Herrn Hawes gemäß, sich eine Umgehung des Reglements gefallen zu lassen. An dieser dritten Klasse der Forderungen, welche bekanntlich die Regierung an zuerkennen schon wiederholt sich geweigert hat, und welche im Ganzen 225,000 Pfd. betragen, haben 110 Personen Theil. Die in die bei den ersten Klassen verwiesenen Forderungen, welche die Regierung be reits in den Jahren 1835 und 1836, einem Beschlusse des Parla⸗ ments gemäß, bezahlt hat, betrafen die Buchschulden und das auf dem festen Lande von Dänemark konsiszirte Britische Eigenthum.
London, 24. Mai. Auf der Eisenbahn zwischen Stockport und Manchester sind die Preise erhöht worden; dies erregte aber so große Unzufriedenheit, daß sofort Versammlungen gehalten wur den und die Bildung einer Gesellschaft beschlossen worden ist, welche einen äußerst billigen Eilwagendienst zwischen beiden Städten einrich ten wird.
In mehreren Theilen des Landes werden jetzt Versammlungen gehalten, deren Zweck die Erlassung von Petitionen an das Parla ment um Trennung des Staates und der Kirche ist.
Bei Lloyd's ist ein erschreckendes Verzeichniß von 35 Schiff brüchen angeschlagen. Die meisten derselben haben in den Nord Amerikanischen Gewässern stattgefunden; viele Menschenleben und reiche Waarenladungen sind dabei untergegangen. “ “
—bnn—
“ Deutsche Bundesstaaten.
* Frankfurt a. M., 26. Mai. Ihre Kaiserl. Hoheit
die Frau Großfürstin Helene von Rußland wird sich, wie man hört,
direkt nach Baden begeben und daselbst mit Ihrer Königl. Hoheit der Frau Herzogin von Nassau zusammentreffen. Auch Se. Durchlaucht der Herzog von Nassau wird Baden besuchen. In den Taunus Bädern ist es noch ziemlich still, da die seitherige Witterung wohl der Vegetation, aber nicht der Bade⸗Saison günstig war. Mitthei lungen aus Wiesbaden zufolge, haben sich Ihre Durchlauchten der Prinz und die Prinzessin Peter von Oldenburg zum Besuche des fürstlichen Hofes nach Neuwied begeben.
Die Angabe, daß die Bundes⸗Versammlung diesmal schon im August ihre gewohnten Ferien antreten werde, ist ungegründet; auch wird der Herr Graf von Münch-Bellinghausen diesen Sommer nicht in Wien verbringen.
Der Baron Anselm von Rothschild ist noch nicht nach dem Haag abgereist; er erwartet noch den Courier, der ihn dorthin berust. Mit wahrhaft ängstlicher Spannung sehen die Börsenspekulanten der Ent scheidung der 2ten Kammer der Generalstaaten über das Konversions gesetz entgegen. Es hängt momentan das Wohl und Wehe der Börse davon ab, d. h. der hiesigen, die so viel in Holländischen Fonds umsetzt. Nachdem die Königl. Niederländische Regierung der Kam mer weitere Aufklärungen gegeben und das Versprechen geleistet hat, die Verwaltung so zu vereinfachen, daß die Ausgaben des Landes die Einnahmen nicht überschreiten, mithin das Defizit, das selbst in die sem Jahre noch vorhanden ist, verschwinde, steht wohl zu erwarten, vaß das Konversionsgesetz von der Kammer angenommen wird. Gleich wohl erwartet man keine große Erleichterung davon für das Schul denwesen Hollands. Die Holländischen Fonds hielten sich in dieser Woche aber dennoch auf die Amsterdamer Course fest und blieben selbst heute etwas höher. Auch die Oesterreichischen Effekten verfolgten in dieser Woche eine steigende Neigung und die Berichte aus Wien lau ten günstig. Etwas haben sich die Spanischen Ardoins wieder ge hoben, doch scheint der Name Mendizabal seine W rkung an der Börse verloren zu haben, sonst würde dessen Ernennung zum Finanz⸗Mini⸗ ster den Cours der Ardoins mehr gehoben haben. In den Portugie sischen Fonds fand wenig Aenderung statt, eben so in den Nebenpa pieren der Börse. Anhaltende Veräußerungen haben den Cours der Taunusbahn⸗Actien heute auf 355 ½ Fl. zurückgedrängt. Die Frequenz ist allerdings in diesem Monat schwächer als im Mai des v. J., doch wird der Juni mit den Pfingst⸗-Feiertagen um so ergiebiger seyn. Das Geld hat im Course etwas angezogen, der Diskonto steht 3¼ „Ct. Die Main⸗Dampfschifffahrt macht gute Progresse und der Wasserstand ist ihr überaus günstig. Der Mai ist aber auch der Vegetation so günstig, daß diese gegen frühere Jahre weit voraus ist. HaneSst —h
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Preßburg, 22. Mai. Die acht Königlichen Propositionen, welche dem Reichstage zur Erörterung vorgelegt werden, betreffen im wesentlichen folgende Gegenstände: 1) Revision der Elaborate der Landes-Deputationen des letzten Landtags, betreffend das Kriminalge⸗ setzbuch, die Regulirung der Straßen und Alimentirung der Truppen; 2) Mittel, um den bei. Deputirten⸗Wahlen in den Komitaten häufig vorkommenden Ausschweifungen durch gesetzliche Vorkehrungen zuvorzu⸗ kommen und die entstandenen zu unterdrücken; 3) Abstellung der Kla⸗ gen des vierten Standes (der Königl. freien Städte) über Nichtge währung des ihnen zukommenden Antheils an der Gesetzgebung, und zwar möglichst schnelle Abstellung derselben noch vor Kreirung eines dies fälligen definitiven Gesetzes; 4) Emporhebung des Handels und Her beischaffung der zu diesem Zweck nöthigen Fonds; 5) nöthige Modi sicationen der jüngsten Kreditgesetze; 6) Errichtung einer Kredit⸗Anstalt zum Vortheil und zur Erleichterung der Grundbesitzer; 7) Abstellung der für die Reichstags⸗Mitglieder bisher üblichen Gratiswohnungen in Preßburg; 8) Rückerstattung der für mehrere Reichs⸗Deputationen durch das Königliche Aerar vorgestreckten Summen von 700,000) Fl.
Die zweite Proposition lautet wörtlich folgendermaßen:
„Se. Majestät vernahmen mit tiefer Betrübniß Seines väterlichen Herzens jene traurigen Vorfälle, welche in einigen Komitaten bei Ausübung der besonderen Prärogative des Adels, während der Zusammenkünfte zu öffentlichen Verhandlungen in Mord und alle Art schwerer Erzesse übergin gen, und darauf soll das Augenmerk gerichtet werden. Da, wenn nicht für die Ju tunft Gegenmaßregeln ergriffen werden, aller Ernst und alle Würde in denöffentli⸗ chen Berathungen aufgehoben und weder eine persönliche, noch Eigenthumssicher⸗ heit, am mindesten die Freiheit der Stimmäußerung in solchen Versammlungenge⸗ schützt wären und dieses einen Haupttheil der Sorgen Sr. geheiligten Ma jestät ausmacht, so mögen die Reichsstände um so mehr über die Beseiti⸗ gung und energische Verhinderung dieser Beschwerden, die schon zur Zeit Seines höchstseligen Großvaters, glorreichen Andenkens, im fünften Punkt der Königlichen wohlmeinenden Propositionen vom Jahre 1790 vorkamen und seit der Zeit dennoch wieder den erwähnten Grad widergesetzlichen Miß brauches erreichten, im Sinne des §. 8, Tit. II. Thl. III., so wie des 58sten Artikels vom Jahre 1723, berathen und die dem Zwecke geeignetsten Maß regeln Sr. Allerhöchsten Einsicht unterbreiten.“
Zu den Fragen, die auf dem Reichstag von 1839 noch nicht erledigt wurden, gehört auch das Recht der Nichtadeligen zur Er⸗ werbung von Grundeigenthum, wie auch die Frage der Gleichheit aller Konfessionen vor dem Gesetze.
Das Szalader Komitat ist bis zu diesem Augenblick noch ohne Repräsentation; als Ursachen davon werden die bei der Congregation vorgefallenen Unordnungen und die daraus entstandenen Mißverständ
nisse mit dem bekannten Abgeordneten Deak angegeben.
Bei der Wichtigkeit der Gegenstände, die auf diesem Reichstag zur Sprache kommen sollen, glaubt man allgemein seine Dauer auf wenigstens ein Jahr anschlagen zu müssen.
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Luzern, 22. Mai. Der Tagsatzung und sämmtlichen Ständen
haben die Aargauischen Klöster eine Vorstellung eingereicht, deren
Schluß folgendermaßen lautet: „Es möchten die zur Tagsatzung ver
sammelten Abgeordneten der hohen eidgenössischen Stände den Stand Aargau 1) zu getreuer Einhaltung des beschlossenen status quo nach dessen Sinn und Wortlaute, sodann 2) zu getreuer Beachtung der bundesurkundlich gegebenen Garantie der Stifte und Klöster anhalten und hiermit die Unterzeichneten in ihr Eigenthum, in ihre Rechte und in ihr pflichtmäßiges Walten, unter gegenseitig sicherstellenden Vorkeh⸗
rungen, wieder einsetzen.“
““ Spanien. ““
2 Madrid, 17. Mai.*) Die neuen Minister schreiten auf der Bahn der Versöhnung, die sie sich vorgezeichnet haben, mit Umsicht vorwärts. Bis jetzt ist aus der Klasse der hohen Beamten der Ge neral Seoane der einzige, der in der Eigenschaft als General-⸗Capi tain von Catalonien seine Entlassung erhalten hat, und zwar, nach dem er sie ausdrücklich verlangt hatte. Die kaum abgetretenen Mi nister sprachen zwar kurz vor ihrem Abgange in einem Rundschreiben den Satz aus, daß alle Beamte entweder mit den Ministern stimmen oder als Chrenmänner ihre Entlassung fordern müßten; die Richtig⸗ keit dieses Satzes scheint aber für jetzt wenigstens von den Anhän⸗ gern des aufgelösten Kabinets nicht anerkaunt zu werden, kein ein ziger von ihnen bekennt sich zu den Grundsätzen der neuen Verwaltung, und dennoch beharren alle auf den ihnen von den frü⸗ heren Ministern angewiesenen Posten. Dies giebt natürlich zu man cherlei Ausstellungen Veranlassung. Namentlich bezeichnet die öffent liche Meinung den General Linage, der als General⸗Inspecteur der ämmtlichen Infanterie⸗ und Provinzial⸗Milizen einen außerordent lichen Einfluß auf die Ernennung und Beförderung der Ofsiziere aus⸗ übt, so wie den General⸗Inspecteur der Kavallerie, Ferraz, als die Personen, welche ihre Stellung am meisten mißbraucht hätten, und deshalb zurücktreten müßten. Einige behaupten, der neue Kriegs⸗ Minister hätte erwartet, daß diese Herren ihre Entlassungen einreichen würden, und, als dieses nicht geschah, die Entlassungs-Dekrete dem Regenten zur Unterzeichnung vorgelegt, letzterer sich aber geweigert, sie zu genehmigen. Andere sind dagegen der Meinung, die neuen Minister wären in den Wunsch des Regenten, daß beide General⸗ Inspektoren beibehalten werden möchten, eingegangen.
Die wichtige Stelle des Intendanten der Provinz Barcelona hat eine Person erhalten, die den Moderirten ganz besonders verhaßt seyn mußte. Dennoͤch erklären die ihnen als Organ dienenden Blätter
b . Ic 4 C½l¼ . 8 c. . sich mit dieser Wahl für einverstanden und versichern, ihr Groll sey
beschwichtigt. Daß der neue mit dem Hause Rothschild abgeschlossene Queck⸗ silber⸗Kontrakt nicht rückgängig gemacht werden könne, darüber schei⸗ ien die Minister einverstanden zu seyn, und die Moderirten, so wie alle Unbefangenen, sprechen dieselbe Ansicht aus. Die Frage aber, ob der abgegangene Finanz⸗Minister das Recht hatte, an diesen Kon rakt die Bedingung eines Vorschusses von 50 Millionen Realen zu knüpfen und das Pachtgeld ausschließlich, und seiner ursprünglichen Be⸗ stimmung entgegen, zur Abtragung der Zinsen der Zproc. Coupons anzuweisen, wird eben so allgemein verneint, und man be⸗ steht laut darauf, daß der abgetretene Finanz⸗Minister des halb zur Verantwortung gezogen werden möge. Der Deputirte Garcia Villalta erklärte im Kongreß, jener Minister hätte seine De⸗ krete vom 3ten und 15ten v. M. erlassen, um an der Londoner Börse große Summen zu gewinnen, und sich dadurch einen Schandflecken aufgeprägt, der so lange an ihm haften würde, als er sich nicht von
ihm reinige. 8 Die Kommission, welche den Entwurf des Amnestie⸗Gesetzes aus⸗ zuarbeiten hat, besteht aus den Deputirten Cortina, Olozaga, Luzuriaga, *) Obgleich wir durch die in Paris eingetroffenen und in der gestri⸗ gen Nummer der Staats⸗Zeitung mitgetheilten telegraphischen Nach⸗ richten von dem am 20. Mai erfolgten Rücktritt des Ministeriums Lopez bereits in Kenntniß gesetzt sind, so glauben wir doch, unseren Lesern die nachstehenden Bemerkungen zu dessen Charakteristik von etwas früherem
Datum nicht vorenthalten zu dürfen. Anmerk. der Redact.
— 11“ 9 8
Gonzalez Bravo, Alsina und zwei Senatoren. Herr Olozaga ist mit der Abfassung beauftragt, und wird seine Arbeit den Cortes binnen we
niger Tage vorlegen. Man beabsichtigt, von der Amnestie nur die Personen auszuschließen, welche bei Gelegenheit von Volksbewegungen öffentliche Gelder zu Privatzwecken verwandten. Uebrigens verhehlt man sich nicht, daß das Amnestiegesetz an den Ayacuchos heftige Gegner finden werde. Mit dem Vorgeben, daß es den Cortes nicht zustehe, in dieser Angelegen
heit die Initiative zu ergreifen, sondern daß es der Königin vorbe⸗ halten bleiben müsse, nach ihrer Gelangung zur Volljährigkeit von einem so erhabenem Vorrechte Gebrauch zu machen, suchen sie die Stimme des unerbittlichen Hasses, die aus ihnen redet, zu bemänteln. Keinem ist die gezwungene Entfernung vom heimi
schen Boden so unerträglich, wie dem Spanier. Jede Minute, um die sie verlängert wird, erscheint ihm als ein Zeitalter. Was der Regent als Gnade verleihen kann, würde, von der jungen Königin bewilligt, vielleicht nur als ein Akt der Gerechtigieit erscheinen. Als solchen nahmen wenigstens die verbannten Achtzehnhundertzwölfer die ver
hängnißvolle Amnestie auf, durch welche eine andere Königin aus voller Machtvollkommenheit sie in die Heimat zurückrief. Man sollte daher glauben, daß diese Leute, wenn es ihnen wirklich so sehr um den Ruhm des Regenten zu thun wäre, sich bemühen würden, gerade diesen schönsten Lorbeer in den Kranz zu slechten, den sie ihm aufge setzt haben. Der Eifer, mit dem sie die Amnestie bis auf die Voll jährigkeit der Königin hinausschieben wollen, erklärt auch wohl die Hartnäckigkeit, mit der sie sich weigern, den Zeitpunkt, an welchem letztere eintreten solle, bestimmt anzugeben. In der Adresse des Se nats wird eine solche Angabe geflissentlich umgangen, und die Herren Ferrer und Heros erklärten sogar, daß eine ausdrückliche Erwähnung des 10. Oktobers 1844 als eine gegen den Regenten gerichtete Be⸗ leidigung zu betrachten seyn würde. Der Kongreß der Deputirten muß entgegengesetzter Ansicht seyn, denn in dem Entwurf seiner Adresse ist jener Tag ausdrücklich als der erwünschte des Regierungs
Antritts Isabella's II. bezeichnet, und wenngleich Niemand annehmen wird, daß der Regent einer solchen Mahnung bedürfe, so verlaugten doch die mancherlei Gerüchte, durch welche das Volk in Unruhe gesetzt wird, eine solche Widerlegung.
Man versichert, der Regent hege den Wunsch, eine Aussöhnung der Spanischen Kirche mit dem Römischen Stuhle herbeizuführen und habe desfallsige Eröffnungen an den Papst ergehen lassen. In der That haben vor kurzem zwei Spanische Prälaten, die dem Römi schen Stuhle am meisten Anstoß erregten, der von der Regierung zum Bischof von Malaga ernannte Herr Ortigosa und der Admini strator des Erzbisthums Saragossa, der als solcher von dem ausge⸗ wanderten Erzbischofe nicht anerkannt wurde, ihre geistlichen Würden freiwillig niedergelegt.
Abends. Im Senate befragte heute Herr Calatrava (Er⸗ Finanz⸗-Minister) den Finan: Minister, ob die Regierung den Queck silber-Kontrakt als gültig anerkenne, und erhielt zur Antwort, daß die Minister alle abgeschlossene Kontrakte gewissenhaft vollziehen würden.
In dem Entwurfe der Adresse der Deputirten kommen die Worte vor: „Die erlauchte und jugendliche Fürstin, welche, kraft des Ausspruchs des Volks, den Thron inne hat.“ Diese Phrase hat mit Recht Anstoß erregt, und auf den Antrag des Herrn Luzuriaga beschloß die Kommission heute, die Worte „kraft des Ausspruchs des Volks“ in die „kraft des Gesetzes und des Ausspruchs des Volks“ umzuändern. Der Kongreß genehmigte dieses und schritt zur Dis⸗ kussion der einzelnen Artikel. 8 . 11
Paris, 24. Mai. Die neue Madrider Kabinetskrise wird hier in Paris ganz in gewohnter Französischer Weise aufgefaßt und beurtheilt. Als wir durch den Telegraphen erfuhren, daß der Ge⸗ neral Linage der Stein des Anstoßes gewesen, an dem das Ministe
D
rium Lopez nach achttägiger Dauer gescheitert, da war die Ansicht
des großen Publikums gleich fertig. Der General Linage, sagte sich
dasselbe, steht auf einem guten Fuße mit Herrn Aston; folglich ist
er der Vermittler des Englischen Einflusses auf den Regenten, folglich
war seine Person bei den letzten Ereignissen der Mittelpunkt, um
welchen sich der Kampf der Französischen und Englischen Partei in Spanien drehte, folglich feiert die letztere in der gegenwärtigen Ka⸗ binetskrise einen neuen Triumph. Wie wird sich Herr Lopez wundern, wenn er sich durch das Französische Urtheil plötzlich in den Reprä⸗ sentanten einer „Französischen Partei“ verwandelt sieht! — Wie man weiß, hatte sich Herr Lopez gleich in seiner ersten Unterredung mit dem Regenten für den Fall, daß er an die Spitze des Ministeriums träte, das Recht vorbehalten, der General Linage und einige andere Militairpersonen aus der unmittelbaren Umgebung des Regenten, von ihren gegenwärtigen Posten zu entfernen, und der Regent war auf diese Forderung eingegangen, vielleicht in der Hoffnung, daß Herr Lopez die ihm gegebenen Vollmachten nicht in ihrer ganzen Ausdehnung gebrauchen, daß er ihn nicht zu der Trennung von dem Manne zwingen werde, der seit Jahren sein vorzügliches Wohlwollen und Vertrauen besitzt. Diese Erwartung schien einen Augenblick sich zu rechtfertigen. Die Madrider Blätter vom 15ten berichteten, daß Herr Linage freiwillig um seine Entlassung von dem Posten des General-⸗Inspektors der Infanterie nachgesucht habe, und daß ihm dieselbe von dem neuen Kriegs⸗Minister, General Serrano verweigert sey. Diese Nachricht wurde von den Freunden des Regenten und des Ministeriums Rodil⸗Almodovar mit großer Freude, als von der ehemaligen Opposition mit nicht minder großem Mißfallen aufgenom men, aber sie wurde von keiner Seite ernstlich in Zweifel gezogen. Die Organe der weiland Coalition verschrieen die Verweigerung der Entlassung des Generals Linage als einen Beweis von unverzeih licher Schwäche, als einen Widerspruch zwischen den Handlungen des Ministeriums und seinen Versprechungen. So standen die Dinge in Madrid heim Abgang der letzten Post vom 17ten. Wie stimmt da⸗ mit nun die durch den Telegraphen überbrachte Nachricht? Wenn man nicht voraussetzen will, daß der General Serrano dem General Linage die Entlassung nur verweigert, um ihn absetzen zu können, so muß man annehmen, daß der Kriegs = Minister bei jener Weigerung bloß in eigenem Namen gehandelt, und daß sein Verfahren durch Kabinets⸗Beschluß umgestoßen worden sey. Diese Annahme wird um so wahrscheinlicher, als die Madrider Blät⸗ ter vom 17ten allerdings von einer für den Abend dieses Tages be⸗ vorstehenden Versammlung des Kabinets⸗Raths zur Untersuchung der Frage von der Beseitigung der in Amt und Würden stehenden „Aya cuchos“ reden. Was nun aber den Regenten vermocht, die Herrn Lopez anfangs ertheilten Vollmachten zurückzunehmen und von seinem Versprechen der Einwilligung in alle von dem neuen Conseil⸗Präsi⸗ denten für nothwenig erachteten Personal⸗Veränderungen wieder ab zugehen, das wird erst beim Eintreffen ausführlicherer Nachrichten mit einiger Sicherheit bestimmt werden können. Portugal. 8
X Lissabon, 14. Mai. Nach den letzt eingetroffenen Briefen aus Paris werden wir der Ankunft der hohen Gäste unserer König⸗ lichen Familie aus Frankreich erst in den letzten Tagen des laufenden Monats entgegenzusehen haben. Man weiß nun gewiß, daß nebst dem Prinzen August von Sachsen⸗Koburg und seiner Gemahlin, der
Prinzessin Clementine, auch der erlauchte Vater und der jüngste Bru⸗ der unseres Königs hierher kommen werden. Daß deren Aufenthalt etwa 4—6 Wochen dauern wird, habe ich Ihnen bereits mitgetheilt. Man hatte in den letzten Tagen hier wieder Gerüchte von einem Plane zur Vermählung der Königin Isabella von Spanien mit dem jungen, jetzt vierzehnjährigen Prinzen Leopold von Sachsen⸗Koburg, Bruder des Königs Ferdinand von Portugal, hier in Umlauf gesetzt, mit dem Beifügen, daß sich besonders von Seiten Großbritaniens eine derartige Wahl der jungen Königin von Spanien aller möglichen Un⸗ terstützung zu erfreuen haben würde. Es würde dadurch zwischen den beiden Höfen der Pyrenäischen Halbinsel ein neues verwandtschaftli⸗ ches Band geknüpft werden, das auch für die künftige politische Stel⸗ lung der beiden Brudervölker zu einander von hoher Wichtigkeit wer⸗ den könnte. Ohne diese Seiten der Sache verkennen zu wollen, dürfte aber die Ausführung des Projektes doch auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen, wenn man ernstlich daran denken wollte; vor läufig scheint die ganze Angabe aber, wie man schon aus der Quelle, von welcher sie ausgegangen ist, schließen kann, noch jeder wirklichen Begründung zu ermangeln.
Nachdem nun alle Differenzen zwischen dem hiesigen Hofe und der Römischen Kurie zu beiderseitiger Befriedigung ausgeglichen sind, indem der Römische Stuhl die von der Portugiesischen Regierung vorgenommenen Ernennungen zu den verschiedenen bischöflichen Sitzen, die erledigt waren, als rechtmäßig anerkannt, und denselben durch Er
theilung der päpstlichen Consecration an die betreffenden Kirchenprä laten seine definitive Bestätigung gewährt hat, und die nöthigen Bullen und Breven aus Rom dazu angelangt sind, hat der Patriarch von Lissabon nun in aller Form Rechtens von seinem Stuhle Besitz genommen, ohne daß jedoch die darauf bezügliche Feierlichkeit mit einem besonderen Gepränge umgeben worden wäre. Man sieht nun auch dem Eintreffen der Nachricht von der zu Rom erfolgten Con⸗ secration der noch übrigen Bischöfe, welche in einem der nächsten Konsistorien durch Seine Heiligkeit vorgenommen werden sollte, in Bälde entgegen. Daß das endliche Zustandekommen eines geordneten Zustandes der kirchlichen Verhältnisse dieses Landes durch die erfolgte Ausgleichung der Jahre lang bestandenen Mißhelligkeiten zwischen der höchsten weltlichen und der höchsten geistlichen Macht auf den öffent lichen Geist des Landes eine vortheilhafte Rückwirkung äußert, kann kein unbefangener Beobachter in Abrede stellen.
Ueber die weiteren Arbeiten beider Kammern behalte ich mir vor, Ihnen morgen noch Genaueres mitzutheilen; heute nur so viel, daß die Budget⸗Kommission der Deputirten⸗Kammer ihren Bericht erstat⸗ tet hat, und daß nach demselben die sämmtlichen Lasten des Schatzes für das laufende Jahr auf 8,539,151 Dollars berechnet sind, wozu jedoch noch die zu Zahlung der Dividenden an die Staatsgläubiger nöthigen Summen hinzugefügt werden müssen, für welche bekanntlich die Junta des öffentlichen Kredits spezielle Vorsorge zu treffen hat. Mit welchen Mitteln dieselbe zu diesem Zwecke ausgestattet wurde, habe ich Ihnen schon gemeldet. Die nächste zu London zu zahlende Dividende wird aller Wahrscheinlichkeit nach noch mit Wechseln auf den künftigen Ertrag des Taback⸗Kontraktes bezahlt werden, welche den Londoner Bankhäusern jede erwünschte Sicherheit bieten, da diese Papiere, selbst wenn die richtige Bezahlung derselben Hemmnisse fände, jedenfalls an den Portugiesischen Zollstätten in ihrem vollen Werthe angenommen werden, also stets ohne Verlust verwerthet wer den können.
Am Sonnabend langte bei der hiesigen Spanischen Gesandtschaft ein außerordentlicher Courier an, welcher dem Spanischen Mi nister, Grafen Aquilar, die Botschaft von der Bildung eines neuen Kabinets unter der Präsidentschaft des Herrn Lopez und seiner des Grafen Aguilar's Ernennung zum Minister der auswärtigen Angele⸗ genheiten überbrachte. Diese Nachricht kam dem Gesandten ziemlich unerwartet und scheint ihn eben nicht sehr erfreut zu haben: es heißt, er zaudere noch, den ihm übertragenen Posten mit dem eines Gesandten hier zu vertauschen.
Die Königin erfreut sich unausgesetzt des erwünschtesten Befin⸗ dens; bereits sind die üblichen Kirchengebete für ihre glückliche Ent⸗ bindung angeordnet worden.
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Alerandrien, 6. Mai. Heute ist der Prospekt zu einer Aegyptischen Land⸗ und See⸗Assekuranz⸗Compagnie ausgegeben wor den. Das Unternehmen ist hauptsächlich zum Besten des Transits über die Landenge von Suez bestimmt und auf 500 Actien zu 1000 Talaris berechnet, welches Kapital jedoch verdoppelt werden kann. Die Actien-Gesellschaft wird auf 10 Jahre gebildet, sie hat, sobald 200 Actien unterzeichnet sind, ihre Operationen zu beginnen; das Haus Briggs und Compagnie sind die Gründer, und Herr Sidney Terry wird die Geschäftsführung besorgen. Es sollen eben so auf die Dampfschiffe, welche zwischen Alexandrien und Europa, als welche zwischen Suez und Indien gehen, Versicherungen angenommen werden. Zugleich hat der Vice-König einen regelmäßigen Transportdienst zwischen Suez und Alexandrien, unter Garantie für jeden Schaden und Vorschuß eines unaufkündbaren Anlehens von 400,000 Talaris, durch die Gebrüder Zizinia errichten lassen.
Alexandrien, 6. Mai. (Oesterr. Lloyd.) Der Umstand, daß einige Kaufleute in Kalkutta eine ansehnliche Partie Indigo mit telst des Dampfbootes „Hindostan“ nicht absenden wollten, weil sie den Waaren⸗Transport von Suez nach Alexandrien nicht versüchsern konnten, hat binnen wenigen Tagen zwei große Versicherungs⸗Anstal ten ins Leben gerufen. Die eine, unter dem Namen „Compagnie égyptienne Tassurance terrestre et maritimen, mit 500 Actien zu 1000 Rthlr., wird vom Handlungshause Briggs und Comp. ge leitet werden und übernimmt die Versicherung gegen Verluste zur See auf den Fahrten zwischen Alexandrien und Europa, ferner zwischen Suez, den Häfen am Rothen Meere und Ostindien; die andere, mit einem gleichen Kapitale, wobei Mehmed Ali sich mit 400,000 Rthlr. betheiligen will, steht unter der Leitung der Gebrüder Zizinia und über⸗ nimmt den Güter-Transport zwischen Alerxandrien und Suez. Man sagt, Mehmed Ali's Söhne wollten sich, auf Veranlassung ihres Va ters, bei dem Briggsschen Unternehmen mit 400 Actien betheiligen.
Die Russische Sanitäts⸗Kommission hat in Kahira von Peststoff durchdrungene Kleider durch 49 bis 520 R. Wärme reinigen und von zehn Personen vierzehn Tage lang tragen lassen, ohne daß diese wären angesteckt worden. Durch das glückliche Resultat dieses Ver suchs ermuthigt, haben sich bereits 47 vollkommen gesunde Personen erboten, gegen 5 Piaster (7 ½ Silbergroschen) täglich, die auf er⸗ wähnte Weise desinfizirten Kleider der Pestkranken anzulegen und sich einer Kontumaz zu unterziehen. 8
Inland.
Köln, 26. Mai. Die Zeitungen der Rhein⸗Provi ten folgende Allerhöchste Verordnung, die Kompetenz der gerichte in der Rhein⸗Provinz betreffend: 8
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