1843 / 165 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

8 1 Nothwendiger Verkauf. Behufs Aufhebung der Gemeinschaft. Stadtgericht zu Berlin, den 4. Januar 1843. Das in der Grenadierstraße Nr. 20 belegene Grund⸗ stück der Pflesserschen Erben, gerichtlich abgeschätzt zu 12002 Thlr. 25 Sgr. 6 Pf., soll Theilungs halber am 29. August 1843, Vormittags 11 Uhr, an der Gerichtsstelle subhastirt werden. Taxe und Hy⸗ pothekenschein sind in der Registratur einzusehen. Nothwendiger Verkauf. Stadtgericht zu Berlin, den 29. April 1843. Das in der großen Hamburgerstraße Nr. 2 belegene Bentziensche Grundstück, gerichtlich abgeschätzt zu 5366 Thlr. 27 Sgr., soll am 5. Dezem ber 1843, Vormittags 11 Uhr, an der Gerichtsstelle subhastirt werden. Taxe und Hy⸗ pothekenschein sind in der Registratur einzusehen. Die Wittwe Jacob Cohen, Dena geb. Zadeck Nauen, oder deren Erben werden hierdurch vorgeladen. 8 8 892

MNothwendiger Verkauf. Stadtgericht zu Berlin, den 20. März 1843. Das in der Mühlenstraße Nr. 34 belegene, vorher Schmidtsche, jetzt Skodowskysche Grundstück, gerichtlich abgeschätzt zu 8209 Thlr. 24 Sgr. 7 Pf., soll wegen nicht erfolgter Belegung der 6850 Thlr. betragenden Kaufgelder am 3. November 1843, Vormittags 11 Uhr, an der Gerichtsstelle resubhastirt werden. Taxe und vpothekenschein sind in der Registratur einzusehen.

11“ Von den Unterzeichneten, als Kollatoren der nach⸗ benannten Stiftungen, wird hierdurch bekannt gemacht, daß von dem Kommunal⸗Landtage im November die⸗ 8 ses Jahres folgende Stipendien zu verleihen sind: J. bei der von Gersdorfschen Stiftung a) ein Stipendium für Studirende auf den Uni⸗ versitäten Halle und Leipzig von Weihnachten dieses Jahres ab; ein dergl. für Studirende auf dem Gymnasio zu Görlitz von Johannis dieses Jahres ab, und sind zum Genuß dieser beiden Stipen⸗ dien vorzugsweise Jünglinge aus dem von Gersdorfschen Geschlecht, nächst diesen aus an deren Oberlausitzschen adeligen Familien, nach ihnen aber auch bürgerlichen Standes be⸗ rechtigt; ein Stipendium für arme Fräuleins aus Ober⸗ lausitzschen adeligen Familien, vorzugsweise aus dem von Gersdorsschen Geschlecht von

seinerseits dem Unternehmen zu gewährende Be⸗ günstigungen,

c) die hierdurch bedingten Abänderungen des Gesell⸗ schafts⸗Statutes,

d) eine Abänderung des §. 48. des Geeellschafts⸗ Statutes rücksichtlich der Art und Weise, wie die Legitimation des Directorii der Gesellschaft gegen

drüte Personen und Behörden zu führen

Diejenigen der Herren Actionaire, welche dieser Ge⸗

neral⸗Versammlung beiwohnen wollen, haben in Ge mäßheit des §. 29. des Gesellschafts⸗Statutes spätestens am 2. Juli im Büreau der Gesellschaft (auf dem Bahn hofe) ihre Actien zu produziren, oder deren am drit ten Orte erfolgte Niederlegung glaubhaft nachzuweisen und zugleich ein doppeltes Verzeichniß der Num⸗ mern derselben zu übergeben, von denen das Eine zu⸗ rückbleibt, das Andere mit dem Siegel der Gesellschaft und dem Vermerke der Stimmenzahl versehen, als Ein⸗ laßkarte dient.

Der Verwaltungs⸗Rath der Ober⸗Schlesischen Eisen⸗

bahn⸗Gesellschaft.

Personen⸗Dampfschifffahrt zwischen Pots⸗ dam und der Pfaueninsel. Donnerstag, den 15. Juni a. c. Abfahrt von Potsdam um 7 ½%, 9, 12, 2, 5 ½ Uhr, ⸗Pfeaueninsel 8, 10, 4 6 Zwischen Potsdam und Hamburg. Regelmäßige Abfahrten von Potsdam: am Freitag 3 Uhr Mittags. Dampfb. „Falke“. Montag 3 2 „Prinz Carl“. (Diejenigen Personen, welche sich der Dampfschiffe bedienen, werde ich möglichst mit Abonnements⸗Billetten zu der Berlin⸗ Potsdamer Eisenbahn behülflich seyn.) G 4 L. F. Anker, Taubenstr. 10.

National-Versicherungs-

Gesellschaft. Nachdem in der General-Versammlung am 31. Mai und 1sten dieses die Abänderung der früher ange- nommenen Firma: „Preuls. National-Versicherungs- zZank“ zur Vermeidung von Verwechselungen mit anderen Instituten, wie oben genannt Sunter Vor- behalt der Genchmigung der hohen Staats-Behörde beschlossen und der unterzeichnete Verwaltungs- Rath an Stelle des bisherigen nunmchro aufgelösten Comité eingesetzat worden, fordern wir die IIerren Actionaire hierdurch Versammlung

auf, die der General- beschlossene vorläufige Einzahlung

von 2 % des Nominal⸗ Betrages ihrer Actien- Zeich-

von

Weihnachten 1842 ab. bei der von Nostitzschen Stiftung ein Stipendium von 150 Thlr. jährlich für solche, welche im Mi⸗ litairdienst stehen und wenigstens Fähnrich sind, von Weihnachten 1813 ab. Bei diesem haben die Bewerber aus dem von Nostitzschen Geschlecht und insbesondere die Verwandten des Stifters des Ge⸗ genhändlers, Johann Erdmann von Nostitz, den Vorzug vor anderen Personen aus Oberlausitzschen adeligen Geschlechtern. bei der von Poigkschen Stiftung für Fräuleins ein Stipendium von 100 Thlr. jährlich seit Michaelis 1842, vorzugsweise für solche Fräuleins, welche mit der Stifterin, der Kanzlerin von Poigk, gZeborenent von Rodewitz, bis zum 7ten Grade verwandt sind, hiernächst für andere adelige Fräuleins, wenn sie von beiderseits adeligen Aeltern abstammen, evan⸗ gelischer Religion, von unbescholtenem Lebenswan⸗ del und in der Oberlausitz wohnhaft sind, auch nicht 3000 Thlr. eigenes Vermögen besitzen und von ihren Aeltern nicht standesmäßig unterhalten und erzogen werdeu können. bei der von Ponickauschen Stiftung für Söhne der Oberlausitzschen Land⸗Svndicen und Landsteuer⸗ Sekretarien ein Stipendium von jährlich 51 Thlr. 15 Sgr. seit dem 1. Oktober 1841. Zu dem Ge⸗ nusse desselben sind nicht allein die Söhne derjeni⸗ gen obengenannten Beamten berechtigt, welche in der jetzt Preußischen Oberlausitz, sondern auch der jenigen, welche vor dem 5. Juni 1815 in der jetzt Königl. Sächs. Oberlausitz angestellt gewesen sind. V. bei der von Schindelschen Stiftung ein Stipen⸗ dium von jährlich 50 Thlr. vom 21. Mai 1843 ab für arme adelige Fräuleins, deren Aeltern. in der Oberlausitz possessionirt sind oder gewesen sind. Alle diesfalls anzubringenden Stipendiengesuche müß sen spätestens bis zum 1. Oktober dieses Jahres nebst den vollständigen dazu gehörigen Zeugnissen an den unterzeichneten Landesältesten von Oertzen hierselbst ein gereicht; später oder ohne die erforderlichen Atteste ein⸗ gehende Gesuche aber werden ganz zurückgewiesen werden. Görlitz, den 18. Mai 1843. Die Landstände der Königl. Preuß. Oberlausitz. (gez.) von Oertzen.

Nieder⸗Schlesisch⸗Maͤrkische Eisenbahn. Mit Bezug auf den Inhalt der von uns an die Actio⸗ nairs unserer Gesellschaft erlassenen Schreiben vom 25. Maie, betreffend die Einzahlung des ersten Einschusses auf die Aruen Benäge, mit denen dieselben bei unserer Gesellschaft nach Reduction der Gesammt⸗Zeichnungen betheiligt worden sind, bringen wir hierdurch in Erin nerung, daß der Einzahlungs⸗Termine am 20. Juni G Mittags 1 Uhr, ablauft 8 Berlin, den 9. Juni 1843. Das Comité der Nieder Schlesisch-Märkischen Eisen bahn⸗Gesellschast.

S er⸗ Ios F; so 3 . Oba 8 Eisenbahn⸗Gesellschaft. Die Herren Actionaire der Ober⸗Schlesischen Eisen⸗ bahn⸗Gesellschaft 1se wir hierdurch 1.— 3. Juli, Nachmittag 3 Uhr, im hiesigen Börse Lokale 1 1 hiesigen Börsen anberaumten General⸗Versammlung ergebenst ein.

Außer den Gegenständen, welche laut §. 21. des Gesellschafts⸗Statuts den ordentlichen jährlichen Ge⸗ neral-Versammlungen überwiesen sind, wird zur Bera⸗ thung und Beschlußnahme der General⸗Versammlung vorgelegt werden: der zweite Nachtrag zum Gesellschafts⸗Sta⸗

tute, welcher betrifft:

a) die Festsetzungen, unter denen nach den Beschlüs⸗ sen der General⸗Versammlungen vom 4. Oktober 1842 und 26. April d. J. das zum Weiterbau der Bahn von Oppeln bis zur Oesterreichischen Landesgränze erforderliche Kapital von 2,400,000 Thlr. aufgebracht werden soll,

die dem Staate zuzuführenden Befugnisse für die

nungen an den unterzeichneten Kommerzien Rath Gribel, im Geschäfts-Lokale der Pommerschen Provinzial- Zuc ker Siederei hierselbst, segen dessen Quittung bis spätestens ultimo dieses Monats zu leisten.

Zur Bequemlichkeit der auswärtigen Herren Ae- lionaire baben wir die Veraustaltung getroffen, dals von diesen die Einzahlung der 2 % auch an die Herren F. M. und ELichborn & Ouittung erfolgen kann.

Nach dem ferneren der General-Ver- sammlung soll das Actien-Kapital der Gesellschaft vnldufg aut- 2 Milionen l'haler Preuls. Conrant wovon bereits 1,900,000 Thlr. gezeichnet sind, be- schränkt und die Ausgabe der im Statut vorbebal- tenen dritten Million dem Beschlusse einer künfti- gen General-Versammlung vorbehalten bleiben.

Bis zur Vervollständigung der ersten 2 Millionen werden wir fernere zum Schlusse dieses Monats, in Berlin bei Herrn F.

in Breslau bei Herrn

ausgeschriebenen 3 Magnus in Berlin Co. in Breslau gegen deren

Beschlusse

Actien -Zeie hnungen noch bis

sowohl hier als auch M. Magnus, Eichborn & Comp. entgegennchmen.

Stettin, den 10. Juni 1843. Der Verwaltungs-Rath der Preufs. National- Ver-

sicherungs-Gesellschaft.

gez. Gribe l. Fretzdorff. Lemonius Tyiest.

F 1 -01d.

Vereinigungs⸗Gesellschaft fuͤr Steinkohlen— bau im Wurm-Revier. BEI

Die Herren Actionaire unserer Gesellschaft werden hierdurch benachrichtigt, daß, da die letzten Zins⸗Cou⸗ pons ihrer Actien mit dem 2. Juli d. J. eingelöst werden, eine Ausgabe von neuen Coupons auf zehn nach einander folgende Jahre, und zwar vom 2. Juli 1844 bis 2. Juli 1853, stattfinden wird. Der Termin dieser neuen Vertheilung ist auf den 2. Juli d. J. festgesetzt, von welchem Tage an die in uuseren Büchern einge tragenen Herren Actionaire diese neue Zins⸗Coupons gegen Vorzeigung ihrer Actien⸗Dokumente und zu er theilender Quittung auf unserem Büreau hier, Wie richsbongard⸗Straße Nr. 1252 ½, oder bei den Herren S. Oppenheim jr. C Co. in Köln in Empfang nehmen können.

Aachen, den 22. Mai 1813.

vöööö“

. 7 8 ge . Vereinigungs⸗Gesellschaft fuͤr Steinkohlen⸗ bau im Wurm⸗Revier.

Die Herren Actionaire unserer Gesellschaft werden hierdurch benachrichtigt, daß die am 2. Juli d. J. fäl⸗ ligen Zinsen von diesem Tage an gegen Aushändigung der betreffenden Coupons bei den Herren Oeder L. Co. hier und den Herren S. Oppenheim jr. K Co.

in Köln in Empfang genommen werden können.

Aachen, den 22. Mai 1843.

ETEEEEI

Bekanntmachung wegen Verpachtung der Mühlengrundstücke zu Wadang, insbesondere einer Maschinen Papierfabrik

Die in Ostpreußen, Regierungs⸗ ezirks Königsberg und dessen landräthlich Allensteinschen Kreise, zu Wa dang belegenen, der Allensteiner Kreis⸗Corporation zu gehörigen Mühlengrundstücke nebst Pertinenzien, bestehend: 1) aus einer Maschinen⸗Papierfabrik, welche mittelst einer Oechelhauserschen Maschine 60 bis 75 Rieß Maschinenpapier täglich zu liefern im Stande ist, aus einer Getraide-Mahlmühle von zwei Gängen,

aus einem Krug⸗Grundstücke,

aus 200 Morgen Acker und Wiesen mittlerer Qua lität und

sollen mit den dazu gehorigen Wohn⸗ und Wirthschafts Gebäuden, Geräthen, Inventarien u. s. w. vom 1. Ok tober d. J. ab auf zwölf Jahre, also bis zum 1. Ok tober 1855, für Rechnung der Besitzer an den Meist⸗ bietenden verpachtet werden.

Zur Abgabe des Pachtgebots ist ein Licitations⸗Ter⸗ min auf den 1 24. Juli d. J., Vormittags 11 Uhr, im Fabrik⸗Gebäude zu Wadang anberaumt, zu welchem cautionsfähige Pachtlustige hiermit eingeladen werden.

Zur Nachricht wird bemerkt, daß Wadang die einzige Maschinen⸗Papierfabrit in der Provinz Preußen ist, an⸗ dere irgend erhebliche Papierfabriken sich nicht in der Nähe befinden und daher auch der Lumpen⸗Ankauf ge⸗ sichert ist. 8 Die Pacht⸗Bedingungen theilen auf portofreie An⸗ frage der Königl. Landrath Martens in Allenstein und der Rittergutsbesitzer von Peguilhen auf Kunzkeim bei Bischoffsburg mit.

Wartenburg in Ostpreußen, am 29. April 1843. Das Comité der Allensteiner Kreis⸗Corporation für Me⸗ G liorations⸗Angelegenheiten.

Guͤter-Verkauf.

Die Eigenthümer der auf Rügen im Gingster Kirch⸗ spiel belegenen Allodial⸗Rittergüter Dubkevitz und Kluck⸗ sevitz haben zum Zweck einer Erbtheilung den Verkauf der gedachten Güter, welche bis Trinitatis 1844 ver⸗ pachtet sind, beschlossen und mich zum öffentlichen Auf⸗ bot derselben bevollmächtigt. Zur Ausrichtung dieses Auftrages werden hiermit die erforderlichen Aufbots⸗ Termine auf den 13. und 27. Juni und 11. Juli die ses Jahres, Vormittags 10 Uhr, angesetzt, und ich er suche die Kausliebhaber, sich dann in meinem Hause einzusinden. Die Verkaufs⸗Bedingungen, wie auch die Gutskarten und Flur-Register, können bei dem Herrn von Berg hierselbst oder bei mir eingesehen werden. Zur vorläufigen Nachricht gereicht, daß die Güter, welche neben einander liegen, sowohl zusammen, als auch einzeln aufgeboten werden, daß die Area von Dubkevitz 909, bie von Klucksevitz 1057 Magdeburger Morgen beträgt und beide Güter sehr ergiebigen Boden haben, auch die Gebäude von besonders guter Beschaf fenheit sind. Stralsund, den 8. Mai 1843.

G. Schwing.

8

Königliche Justiz⸗Kanzlei.

Alle diejenigen in dem Debitwesen des weiland Ge⸗ neral Lieutenants, auch Ober⸗Forst⸗ und Jägermeisters Georg Ludewig Grafen von der Schulenburg srüher aufgetretenen und noch nicht befriedigten Kreditoren, welche sich in dem ad instantiam des Mandatars der Grafen von der Schulenburg aus der jüngeren Hehlener Linie, in Uebereinstimmung mit dem gräflich von der Schulenburgschen curatori bonorum et ad lites, mit⸗ telst Proklamag vom 8. November 1842 auf den 8. März d. J. angesetzt gewesenen Ediktal⸗Termine und bislang mit ihren Ansprüchen nicht gemeldet haben, werden nunmehro, dem angedrohten Präjudiz gemäß,

muel Ludwig

aus einem Aalfange,

11n

n hilneng w88

.“¹“]

von der Theilnahme an der gesammten Konkurs⸗Masse

und insonderheit den dazu gehörenden künftigen Lehns⸗

nutzungen gänzlich ausgeschlossen. Zelle, den 30. Mai 1843.

EWIIZ

Auf geschehenen Antrag werden nachgenannte abwe

sende Personen, nämlich:

1) Johann Gottfried Friedrich, aus Köhra, welcher als Zimmergeselle ums Jahr 1800 auf die Wan⸗ derschaft sich begeben, seit länger denn 20 Jahren, nachdem er die letzten Nachrichten von Berlin aus den Seinigen gegeben, etwas nicht von sich hat hören lassen und dessen Vermögen in 32 Thlr. 29 Ngr. 6 Pf. besteht,

2) Johann Christoph Friedrich, ebendaher, welcher als Husar mit den Königl. Sächs. Truppen im Jahre

1812 nach Rußland gezogen und seitdem einige Nachricht nicht wieder von sich gegeben hat, dessen Vermögen in 33 Thlr. 15 Ngr. 6 Pf. besteht, beiderscits vertreten durch den bestellten Abwesen⸗ heits⸗Vormund Mstr. Carl Friedrich Regel in Köhra, 3) Gottlieb Klette aus Belgershain, welcher als Ge⸗ meiner bei einem Sächs. Infanterie⸗Regiment dem Russischen Feldzuge im Jahre 1812 beigewohnt, nicht zurückgekehrt, auch seitdem etwas nicht von ich hat vernehmen lassen, in der Person Mstr. Sa

Muüllers hier einen Abwesenheits Vormund hat und dessen Vermögen in circa 90 Thlr. besteht,

1) Johann Gottlieb Stunde von hier, Gemeiner bei Polenz Dragoner, welcher im Jahre 1813 in den Reihen der Sachsen mit gesochten und bei War⸗ chau eingegangenen Nachrichten zufolge soll ge blieben seyn, dessen Vermögen 66 Msl. beträgt, Abwesenheits⸗Vormund aber der hiesige Hintersässer Johann Gottlieb Nebe ist,

im Falle des erfolgten Ablebens aber deren Erben und

alle diejenigen, welche aus irgend einem Rechtsgrunde

Ansprüche an das Vermögen dieser Abwesenden zu ha

ben meinen, Gerichts wegen «dictaliter geladen, künftigen

EqEIEEII1843,

Vormittags 9 Uhr, in Person und resp. gehörig bevor⸗

mundet und sonst legal an hiesiger Gerichtsstelle zu er

scheinen, und zwar die Abwesenden, um ihr Vermögen in Empfang zu nehmen und darüber zu quittiren, deren

Erben und etwanige Gläubiger aber, um ihre Erb⸗ und

sonstigen Ansprüche anzumelden und zu bescheinigen,

unter der Verwarnung, daß die Abwesenden im Falle ihres Nichterscheinens in diesem Termine für todt wer den erklärt und ihr Vermögen an ihre Erben oder Gläu biger werde verabfolgt, deren Erben und Gläubiger hin⸗ gegen bei ihrem Außenbleiben in dem anberaumten Ter mine für ausgeschlossen und ihrer Erb⸗ und sonstigen

Ansprüche, so wie der Rechtswohlthat der Wiederein

setzung in den vorigen Stand, für verlustig werden er

klärt werden, mit dem bestellten Kontradiktor, so viel die

Erben und Gläubiger der Abwesenden anlangt, rechtlich

zu verfahren, zu beschließen und sodann

ͤ SOkiobe? 18463 der Inrotulation der Alten und der Einholung oder Abfassung rechtlichen Erkenntnisses,

den 1. Dezember 1843 hingegen dessen Eröffnung ohne besondere Ladung sub poena publicati gewärtig zu seyn.

Den auswärtigen Interessenten wird zugleich die

Bestellung gehörig instruirter und legitimirter Bevoll

mächtigter in Leipzig, Liebertwolkwitz oder Grimma zu

Annahme künftiger Ausfertigungen in der Sache bei

Vermeidung Fünf Thaler Individualstrafe hiermit auf⸗

gegeben.

Belgershain bei Leipzig, am 27. April 1843

Adelich Zehmensche Gerichte. M

1 b eaͤuslichen Unterricht, von Dr. A. Ife.

biltal⸗ Ladung. 1 Auf die von dem hiesigen Maschinen Besitzer Herrn Johann Heinrich Schneider bei uns eingereichte Insol⸗ venz⸗Anzeige haben wir zu dessen Vermogen den Kon⸗ kurs⸗Prozeß eröffnet. 8 Es werden deshalb sämmtliche bekannte und unbe⸗ kannte Gläubiger genannten Herrn Schneiders hierdurch geladen, den 11. Oktober 1843 an hiesiger geordneter Gerichtsstelle in Person oder durch gehörig legitimirte Bevollmächtigte zu erscheinen, ihre Forderungen bei Strafe des Ausschlusses von die⸗ ser Konkursmasse und bei Verlust der Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gehörig zu liquidiren und zu bescheinigen, hierüber mit dem curator litis et bono- rum und nach Befinden unter sich der Priorität hal ber binnen sechs Wochen rechtlich zu verfahren, zu be⸗ schließen und den 29. November 1843 der Publication eines Präklusiv⸗Bescheids, die Außen⸗ gebliebenen betreffend, sub poena publicati sich zu gewärtigen, sodann aber den 13. Dezember 1843 zu Treffung eines Vergleichs anderweit persönlich oder durch gehörig instruirte Bevollmächtigte vor uns an Gerichtsstelle zu erscheinen, der Gütepflegung unter der Verwarnung, daß die, welche nicht erscheinen oder sich nicht bestimmt erklären, ob sie dem Vergleiche beitreten wollen oder nicht, für Einwilligende angesehen werden, beizuwohnen; im Fall aber, daß ein Vergleich in diesem Termine nicht zu Stande kommen sollte, des Aktenschlusses und den 25. Januar 1844 der Publication eines Locations-Urtels publicati g wärtig zu seyn. Auswärtige haben Bevollmächtigte zu Annahme künf⸗ tiger Ladungen bei 5 Thlr. Strafe anher zu bestellen, und wird solches andurch zu Jedermanns Nachachtung zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Lengenfeld im Königlich Sächsischen Voigtlande, den 26. April 1843. Herrschaftlich Förstersche Gerichte daselbst. Friedrich Wilhelm Kunze, Gerichts Direktor.

sub

Ppoena

Auf den Antrag des Krameraltermanns Gottlieb Schroeder hierselbst ist ein Liquidations⸗Termin zur Anmeldung aller Ansprüche an sein zu verkaufendes vorhandenes Waarenlager

auf den 28. August d. J., Vorm. 10 Uhr, angesetzt, und werden Alle, welche Ansprüche und For⸗ derungen an das Waarenlager qu. haben, solche in demselben zu liquidiren und zu justifiziren, unter den Nachtheilen der Abweisung und Ausschließung hierdurch geladen.

Gegeben im Stadtgericht 23. Mai 1843.

Richter und Rath hierselbst.

zu Neubrandenburg, den

Anzeigen. 8Gb1B' —1252 8 und seine 6v1— L 8 1 1 mit besonderer Rücksicht auf ihren Werth als Heilmittel von . Dr. G. Schmelkes, Badearzt zu Teplitz und mehrerer gelehrten Gesellschaf⸗ ten Mitglied. gr. 8. broseh 1 Thlr. Obiges Buch ist durch E. S. Mittler in Berlin (Stechbahn 3), Posen und Bromberg zu beziehen.

Literarische

Bei Windolff & Striese in Königsberg i. d. N. ist so eben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Neuestes Französisches Lesebuch, enthaltend eine Anleitung zur Kenntniß der Natur, nach be⸗ währten Französischen Autoren und begleitet von Hinweisungen auf die wesentlichsten Regeln der Brammatik. Zum Gebrauch für Elementarschulen, isbesondere auch für Erziehungs⸗Anstalten und 15 Sgr.

Bei L. Troschel in Trier ist so eben erschienen und durch alle Buchhandlungen, in Berlin durch die Enslinsche Buchhandlung (Ferd. Müller), Breite str. 23, zu beziehen: C3“ sämmtlicher Gesetze und Verordnungen über das Verfahren bei den Rheinischen Gerich⸗ ten, chronologisch geordnet und mit alphabetischem Sachregister versehen; herausgeg. von J. C. Kohn. Preis 2 Thlr. 15 Sgr. Liter. Anzeige von W. Besser (Behrenstr. 44). Stuttgart. Bei J. F. Steinkopf wird im Herbst d. J. erscheinen: Entwurf einer umfassenden 1 Ordnung für das Königreich Württemberg mit Erläuterungen und Motiven. Etwa 100 Bogen in gr. 8. Bestellungen übernehmen alle gute Buchhandlungen

Civilprozeß⸗

Im Verlage von Duncker und Humblot ist so eben erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben:

Des Rohrzuckers Erzeugung, Verbrauch und Verhältniß zum

Rübenzu cker. Ein staatswirthschaftlicher Versuch von Julius von Hagemeister. gr. 8. geh. Thlr.

Im Verlage von Ed. Bote & G. Bock, Jäger- stralse 42, erschien so eben: Tichsen, Otto. Unruhe f.

Pfte.-Begl. op. 19. 10 Sgr. Succo, F. A. Frü hlingslied. Duett f. So- u. Alt od. Tenor u. Bals m. Pfte.-Begl. Sgr.

3 Lieder f.

eine Singst. m.

pran 0p. 4. 7 ½

Engel, Carl. Begl. 0p. 5. 10 Sgr.

Decker, Const. Fant. u. Variat. üb. das Volks- lied „Auf Matrosen die Anker gelichtet“ f. das

1 Singst. mit Pfte.-

v. Götz. 1

5 8

Pianoforte zu 2 Händen. op. 8. 20 Sgr.

EEE1A1““ b I1ä16““

(in Berlin die W. Bessersche). 6

1 Rthtr. - * Jahr.

8 Rthlr. 1 Jahr. in allen Theilen der Monarchie RPpoohne preiserhöhung.

Alle post-Anstalten des In- und Auslandes nehmen Bestel- ung an, für Berlin die Expedition der Staats-Zeitung: riedrichsstrasse Nr. 72.

1 Die vierteljährliche Pränumeration der Expedition selbst (Friedrichs⸗Straße Nr. dem angegebenen Datum, frei ins Haus gesandt.

2

Für einzelne Nummern des Blattes ist der Preis 21*

Amtliche Nachrichten. Nußland und Polen. Frankreich. Paris.

Kalisch. Wollmarkt.

Vermählung des Prinzen von Joinville mit der Prinzessin Francisca von Braganza. Lamartine’s Festrede. (Schluß). Briefe aus Paris. (Lamartine's politische Bekenntnisse und seine Zu⸗ kunft als Mann des Volkes. Rothschild und die Eisenbahnen. Zur Statistik der letzteren.)

Großbritanien und Irland. Parlaments Verhandlungen. Oberhaus. Diskussion und ministerielle Erklärung über die Beamten⸗ Entlassungen in Irland. London. Freisprechung der von den Assi⸗ sen verurtheilten Chartisten.

Deutsche Bundesstaaten. der Eisenbahn⸗Proposition. St. Petersburg.

Oesterreich. Preßburg.

Schwerin. Näheres über die Annahme Bevorstehende Reise des Großherzogs nach

Ungarischer Reichstag. Die Städte⸗Re⸗ form und der Sprachen⸗Konflilt. Wien. Eisenbahn. 1 Spanien. Briefe aus Madrid. Stand der Dinge in Malaga, Gra nada und anderen Orten des Sudens; Blick auf die nördlichen Provin— zen; Mendizabal's Finanz⸗Maßregeln; wahrscheinlicher Wechsel in der

72) gemacht, und jeder innerhalb der Auswärtige, des kann nicht mit Gewißheit die Nummern erwarten, die vor der hier eingegangenen

ö“““ Rthlr. Preuß. Cour. Stadt wohnende Pränumerant

2 8 „2 5 Staats⸗Zeitung beträgt 2 Ringmauer der In⸗-⸗ oder Auslandes, bewirken ihre Meldung erschienen sind.

Sgr.

nigin von Portugal; die zweitälteste, die Prinzessin Januaria, ist 21 Jahr alt; sie ist präsumtive Thronerbin, bis der Kaiser Dom Pedro J. Kinder hat, und darf aus diesem Grunde Brasilien nicht verlassen. Nachstehendes ist der Herrn von Lamartine: Gehen wir den Dingen auf den Grund, mal eine so anhaltende und freundliche Aufmerksamkeit schenken. Heben wir alle Schleier, die den geheimen Sinn der Dinge verhüllen. Welches ist der wahre, tiefe, ich möchte sagen, heilige und göttliche Gedanke der De⸗ mokratie und der Französischen Revolution? Es ist kein anderer Gedanke, als der Gedanke des Christenthums, der Tendenz und des Strebens nach Einheit! Die Einheit des Volkes mit sich selbst, durch Unterdrückung der Vorurtheile und der Privilegien, die uns trennten! Die Einheit der Völker mit seiner Regierung! Die Demokratie ist die Einheit. Die Revolution ist die Einheit. Der wahre Liberalismus ist die Einheit! Die Verschmelzung der Stände, der Gewerbe, der Verhältnisse in eine einzige und kompakte National⸗Individualität! Das ist es, was Frankreich will, was es selbst ohne sein Wissen will. Das ist es, was unsere verschiedenen Regierungen leider beständig nicht gewollt haben! Die DT. emokratie will einigen, und die

Schluß der gestern mitgetheilten Rede des

m. H., da Sie mir doch ein

Englischen Gesandtschaft; angebliche diplomatische Sendung.) und Paris. (Proclamationen des politischen Chefs und Tagesbefehl des fommandirenden Generals zu Barcelona.) Portugal. Schreiben aus Lissabon. Koburg.)

(Ankunft der Prinzen von

Regierung will trennen. Sie will es durch erbliche Pairsschaft, die im

für das Inland. erhält das Blatt durch die

Bestellungen rechtzeitig

Grunde nur eine Regierung durch Geburtsrecht seyn würden. Sie will es durch eine Wahl⸗Methode, die auf eine wahre Wahl Oligarchie hinausläuft. Sie will es durch das, was sie das legale Land nennt, im Gegensatze zu einem Lande von 30 Millionen Bürgern, die sich außerhalb des Wahl⸗Ge

Serbien. Ferman des Sultans in Bezug auf die neue Fürstenwahl. Inland. Schreiben aus S tettin. (Weitere Nachrichten über den Auf⸗ enthalt Sr. Masestät des Königs.) Wollmarkt. Breslau. Staats⸗ Minister von Schön. Nachrichten von den Veränderungen in der Bevölkerung des Preußischen Staats, welche durch Geburten, Heirathen und T odesfälle während des Kalenderjahres 1842 entstanden. (Fortsetzung und Schluß.) 8

Amtliche Uachrichten.

Kronik des Tages.

Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: Dem Fürstlich Schaumburg Lippeschen Schloß-Hauptmann und Zustizrath, Freiherrn von Ulmenstein, den Rothen Adler⸗Orden dritter Klasse zu verleihen; G Den bisherigen Landgerichts Rath von Ingersle ben zu Brom⸗ berg zum Ober süctematonzgenichts Rath bei dem Ober⸗Appellations⸗ eri Posen; un Faich . .. Ober⸗Landesgerichts Referendarius, Ritterguts⸗ besitzer, Freiherrn von Werther n auf Brücken „zum Landrath des Kreises Sangerhausen, im Regierungs⸗Bezirk Merseburg, zu ernennen. Angekommen: Se. Excellenz der Wirkliche Geheime Staats⸗ und Finanz⸗Minister von Bodelschwingh, von Gr. Bähnitz. Se. Excellenz der Königl. Hannoversche Wirkliche Geheime Rath, Graf zu Stolberg⸗ Stolberg, von Wien. Der Königl. Dänische Etatsrath Esmarch, von Kopenhagen. Abgereist: Der Hofmarschall und Intendant der Königl. Schlösser, von Meyerinck, nach Boitzenburg. Der Großherzogl. Mecklenburg⸗Schwerinsche Wirkliche G eheime Rath, außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister am hiesigen Hofe, Graf von Hessenstein, nach Neu⸗Strelitz.

Zeitungs-Uachrichten.

Ausland.

—.B—

Russland und Polen.

Kalisch, 6. Juni. Der erste Wollmarkt, welcher in diesem Jahre hier abgehalten wurde, hat ein ziemlich gutes Resultat gelie⸗ fert. Es waren am Markte ungefähr 3000 Centner Wolle, die in den Tagen vom 28. bis zum 31. Mai an inländische Fabrikanten bis auf ein Viertel des ganzen Quantums von 40. bis 105 Rthlr. pro Centner 132 Pfd.) verkauft wurden.

8

u““ Frankreich.

Paris, 10. Juni. Das ministerielle Abe ndblatt enthält fol⸗ ende amtliche Anzeige: „Se. Königl. Hoheit der Prinz von Joinville hat nach seiner Ankunft zu Rio Janeiro, versehen mit der Einwilligung des Königs, bei Sr. Majestät dem Kaiser von Brasilien um die Hand Ihrer Kaiserl. Hoheit der Prinzessin Francisca von Braganza angehalten, welche ihm gewährt wurde. Die Vermählung hat zu Rio Janeiro am 1. Mai vollzogen werden sollen. Der Prinz von Joinville führt die junge Prinzessin auf der Fregatte „belle Poule“ nach Frankreich. Man erwartet Ihre Königlichen Hoheiten im Laufe des nächsten Monats. 8

Der Prinz von Joinville soll unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Frankreich zum Contre⸗Admiral ernannt werden. Die Prin⸗ zessin Francisca von Braganza⸗ ist die dritte Tochter Dom Pedro's. Sie ist in ihrem neunzehnten Lebensjahre; ihre Schönheit und die Eigenschaften ihres Geistes und Herzens werden sehr gerühmt. Die älteste Tochter Dom Pedro's ist Maria da Gloria, gegenwärtig Kö⸗

setzes befinden. (Beifall.) Sie will es durch die Befestigung von Paris, sie will es durch ein Regentschafts⸗Gesetz, welches der Nation das unver⸗ ääußerliche Recht entzieht, während eines Interregnums selbst für sein Heil zu sorgen. Sie will es endlich durch die Isolirung eines Thrones, den man auf die beschränkte Grundlage einer Regierungs⸗Aristokratie stellen will, statt ihn auf die unerschütterliche und breite Grundlage eines ganzen Volts zu stellen. Ja, das sind überall die beiden widerstrebenden Tendenzen des Volkes und der Regierung, und dann wundert man sich noch, daß die Opposition anwächst! Ich wundere mich nur darüber, daß sich nicht schon die ganze Nation mit uns in der Opposition befindet! (Stürmischer Bei fall.) Welch eine schöne Aufgabe hatte die Vorsehung der Monarchie von 1830 aufbehalten: die Aufgabe, endlich die Einheit der Nation und ihrer Regierung zu gründen. Ludwig der Dicke bereitete uns durch die den Ge⸗ meinden bewilligte Freiheit auf die nationale und politische Freiheit vor. Ludwig XIV. und Colbert verliehen uns die Administration, jene bis dahin unbekannte centralisirte und gleichmäßige Wirksamkeit des Staats. Die Re⸗ volution von 1789 gab uns die Gleichheit, die vernünftige Gleichheit, die Gleichheit des Adels und nicht der Gemeinheit, die Gleichheit, welche wir Alle wollen; denn der Adel Aller, der Adel des Volkes, das ist die Frei⸗ heit! (Beifall.) Der Juli Regierung war es vorbehalten, die Einheit der Nation zu organisiren und zwar durch eine ausgedehnte. Vertheilung der politischen Rechte an alle Klassen der Bürger, welche das Volk bilden. Dies war, was mich betrifft, der Gedanke, der mich vom Anfange meiner politi⸗ schen Laufbahn an beseelte, und von dem ich mich nicht trennen werde, so lange Sie mir Ihre Unterstützung gewähren, auf die ich stolz bin, und die mir Stärke verleiht! 8

Aber, sagt man mir, du denlst vielleicht richtig, jedoch du stehst allein, allein inmitten der Leidenschaften und der Interessen, die stärker sind, als du! Ich stehe allein, m. H.? Und wer sind denn Sie! Und warum sehe ich mich denn von zahlreichen Bürgern aus allen Klassen der Bevölkerung umdrängt, denen ich persönlich entweder gleichgültig oder unbekannt bin? Allein, m. H.? O ja, man ist oft einige Jahre allein, wenn man mit der Mehrheit ist, aber eine überlegene Stärke, die Zeit, arbeitet ohne unser Wissen für uns, und es kommt der Tag, wo statt einzelner Anhänger im Parlamente ein ganzes Volk auf unsere Seite tritt. (ebhafter und lange anhaltender Beifall.)

Da Sie meinen schwachen Worten so viel Aufmerksamkeit schenken, so will ich weiter gehen und Sie über eine Sache unterhalten, die öffentlich anzuregen eigentlich nicht meine Absicht war. Was ich Ihnen nicht sagen wollte, war, daß der demokratische Gedanke, der Gedanke der Einheit der Bürger nicht allein ein populairer, sondern auch vielleicht der einzige Ge⸗ danke des Heils für die Regierung ist. Wir stehen. vielleicht am Vor⸗ abend von kritischen Tagen, an denen die Nationen ihrer ganzen Energie und ihrer ganzen Einstimmigkeit bedürfen, um sich vor Revo⸗ lutionen zu bewahren. Gott kennt allein den Tag der Krisen; aber unsere Zeit ist mehr als jede andere unvermeidlichen Ereignissen aus gesetzt. Nehmen Sie an, daß in einer Epoche, die Gott noch lange von uns fern halten möge, eine stürmische Regentschaft alle Parteien mit Kräf ten, die durch Hoffnungen vermehrt würden, wieder ins Leben riefe. Neh⸗ men Sie an, daß Europa diese inneren Spaltungen benutzen wollte, um das durch die Juli⸗Monarchie verlorene Terrain wieder zu erobern. Neh⸗ men Sie an, daß die Erhebung des bewaffneten Europa’s mit dem Kampfe der Parteien in Frankreich zusammenträfe.

Würde es dann nicht das höchste Glück für Frankreich seyn, wenn die Eintracht unter uns Allen fest begründet wäre, wenn der öffentliche Geist, belebt durch gemeinschaftliche Rechte, alle Bürger gegen die Factionen im Innern und gegen die Feinde von Außen zusammenhielte? Ja, nur darin ist das Heil zu suchen ; nur die Massen sind stark genug, um die Parteien zu erdrücken. Die Zeit der Massen rückt heran, und ich freue mich darüber; aber ihr Wirken muß regelmäßig seyn, wenn es dauerhaft seyn soll. Und eben deshalb lege ich so viel Werth auf jene Versammlungen, auf jene großen Musterungen des öffentlichen Geistes, auf jene öffentlichen Mittheilungen, wo Männer, die selten Gelegenheit ha⸗ ben, im Leben zusammen zu treffen, sich verständigen, sich schätzen lernen, wo die Hand, welche den Degen oder die Feder führt, die Hand drückt, welche den Pflug leitet oder die Art führt, wo die Unterschiede verschwinden, wo die Ideen sich nähern und die Herzen sich durchdringen! Ja, es ist schön, auf diese Weise das Volk in zroßen Massen zu versammeln nicht um es in seiner Regierung aufzureize!, nicht um seinen Leidenschaften zu schmeicheln, sondern, im Gegentheil, um alle die Vorurtheil vinwegzuräumen, welche uns schwächen, indem sie uns spalten.

SEine Stimme: Ja, wie O'Connell in Irland.

Herr von Lamartine: Ich höre den Namen O'Connell ausspre⸗ chen. Aber nein, m. H., glücklicherweise O'Connell und uns, zwischen

Volkstribun des Mittelalters, nimmt den Titel eines Agitators seiner Na

tion an, regt 8eeSe- 8 Mittel die guten oder schlechten Eigenschaften der Bevölkerung an,

bereitet Stürme vor, aus tergang und die erschwerte Knechtschaft eines Volkes hervorgeht! Wir ha

ben, Dank dem Himmel, nichts

Bestellungen für Berlin werden in der Stadtpost, schon den Abend vor

bei den resp. Post⸗Aemtern; wer dies versäumt,

freies Land, welches sicher ist, seine Freiheit zu bewahren, bedarf niemals der Agitation. Im Gegentheil, m. H., es kömmt nur darauf an, den öffentlichen Geist zu beruhigen und zu sammeln, und ihm eben durch seine Ruhe das Gefuhl seiner Stärke und seines Ansehens zu verlei⸗ hen. Der öffentliche Geist ist die allmächtige Waffe der Oppo⸗ sition; diese Waffe genügt, aber man darf nicht zugeben, daß sie sich in der Gleichgültigkeit abnutzt. Man wendet mir vielleicht ein, daß bei allen Kämpfen, die zwischen den Ministern und dem Lande geliefert werden, die Regierung große Vortheile über die Bürger habe, indem sie Aemter, Ehren, Gunstbezeugungen, ein ganzes Arsenal von Regierungs Einflüssen, zu verleihen habe, von denen sie oft einen erlaubten, oft aber, indem sie bis zur Bestechung herabsteige, einen strafbaren Gebrauch mache. Ja, das ist wahr; aber wenn der Regierung ihre Bestechung zu Gebote steht, hat nicht das Volk seinerseits auch eine Kraft, die sich allein genügt, wenn es dieselbe mit Gerechtigkeit zu vertheilen weiß? Ja, wenn die Regierung ihre Bestechung hat, so hat das Volk seine Achtung! Die Achtung des Volks, das ist die einzige Bestechung, der uneigennützige Männer zugänglich sind, das ist die einzige, für die ich immer den Muth haben werde, Ihnen zu dienen und sogar Ihnen zu widerstehen. (Beifall.)

Bewaffnet mit einer solchen Stärke des öffentlichen Geistes vermag eine Nation stets Alles, was sie will. Wir werden auf dem Wege der friedlichen Ueberredung die Regierung von 1830 auf ihre ursprüngliche Bahn zurückführen; und wenn sie darauf beharrte, Irrwege zu gehen, wenn sie sich von den rechtmäßigen Tendenzen der Nation lossagte, wenn sie hart⸗ näckig dabei bliebe, durch Anhäufungen von Fehlern das Staatsschiff zu gefährden, so würde Frankreich seinen eigenen Weg gehen! Napoleon ist sodt, m. H.! Große Dynastieen sind untergegangen: . . es ist keinem Menschen und keiner Macht gegeben, das Geschick Frankreichs mit sich fortzuführen. Aber übereilen wir nichts und verzweifeln wir an nichts; der öffentliche Geist wird genügen, um das Land und seine Regierung zu retten; er bedarf dazu weder des Aufruhrs, noch der Anfee⸗ gungen, noch der Drohungen. Der einzige Aufruhr eines freien Volkes, wenn seine Regierung sich verirrt, ist, ihr nicht zu folgen; die einzige Dro⸗ hung: nichts zu fürchten. (Anhaltender Beifall.) Als Erwiederung auf den Toast Ihres Präsidenten, m. H., erlaube ich mir meinerseits einen Toast vorzuschlagen, der alle meine Gedanken, alle die Ihrigen, alle Ge⸗ danken des Landes, und ich wage zu sagen, selbst den Gedanken der Vor⸗ sehung in sich schließt, die, nachdem sie die Völker so lange Zeit durch die Menschen regiert hat, sie fortan durch die Ideen regieren zu wollen scheint:

Auf die regelmäßige und friedliche Erfüllung der Geschicke der Demo⸗ kratie! (Stürmischer und lange anhaltender Beifall.)

*, Paris, 10. Juni. Die Oppositions⸗Blätter jubeln, und seit zwei Tagen muß die Rede des Herrn von Lamartine alle Redac⸗ tionskosten decken. Sämmtliche Schattirungen der Opposition nehmen den berühmten Deputirten von Maͤcon für sich in Anspruch, und jede dieser Nüancen findet in seiner Rede einige Brocken, welche für ihr System passen. Der National sieht Herrn von, Lamartine schon mit großen Schritten auf die Republik losgehen; die G azette be— hauptet, er habe ihr Symbol angenommen; das Sidele zeigt sich aufs höchste gerührt bei Durchlesung dieser demokratischen Manifesta⸗ tion; und selbst der Constitutionnel, das Blatt des Herrn Thiers, zollt einigen Stellen der zu Maͤcon gehaltenen Rede seinen Beifall. Der Enthusiasmus einiger dieser Blätter ist völlig grotesk und dürfte Herrn von Lamartine nicht gerade sehr angenehm seyn. Es wäre ein gro⸗ ßes Unglück für diesen ausgezeichneten Mann, wenn die Vorhersagungen der Opposition sich verwirklichen sollten. Wenn man die Vergangenheit des Herrn von Lamartine betrachtet, wenn man seine Werke liest, wenn

man ihn selbst gesehen und gehört, so scheint es fast unbegreiflich, wie er sich der demokratischen Partei hat in die Arme werfen kön⸗ nen. Herr von Lamartine ist ein vollendeter Weltmann, mit den fein⸗ sten Sitten vereinigt er die reinste und anziehendste Sprache; seine Gestalt ist ausdrucksvoll und edel, und Alles an ihm steht im ent⸗ schiedensten Gegensatz zum Demokraten, wenn man den Typus, wel⸗ chen Frankreich von einem solchen seit den letzten funfzig Jahren lie⸗ fert, mit ihm vergleicht. Ein seltsames Schauspiel mußte es seyn, den Sänger Jocelyn's, den Dichter der Harmonieen und Me⸗ ditationen auf einen Tisch steigen und unter den Resten eines Festmahls eine Rede halten zu sehen. Man kann es sich nicht den⸗ ken, daß Herr von Lamartine auf diesem Wege beharren sollte. Er kennt die Partei nicht, der er sich zugesellt, der Adel seines Charak⸗ ters und die Reinheit seiner Zwecke machen ihn blind, und er täuscht sich über den Werth der Werkzeuge, die er zur gesellschaftlichen Wie⸗ dergeburt Frankreichs anzuwenden gedenkt. Sobald es dazu käme, seine Absichten und Ideen ins Werk zu setzen, würde er sich bald über Bord geworfen sehen und die Bewegung, die er der Gesellschaft zu geben bemüht ist, nicht wieder hemmen können. . Wie man übrigens jetzt erfährt, hat der Maire von Maͤcon bei dem Bankett den Vorsitz verweigert, welcher von einem seiner Adjunkten übernommen worden ist. Die Rede des Herrn von Lamartine hat eine sehr entschiedene oppositionelle Farbe, sie schließt mit folgendem Toaste: à Faccomplissement régulier et pacifique des destinées de la démo cratie! Herr von Lamartine kennt, wie gesagt, die Französischen Demokra ten nicht, und indem er sich ihren Prinzipien anschließt, bereitet er sich eine Zukunft voller Täuschungen und Unruhen, für welche diese populairen Ovationen und Manifestationen des Augenblicks ein

ist nichts gemeinsam zwischen Irland und Frankreich. O'Connell, ein lei⸗ denschaftlicher, populairer, nationaler, religiöser Redner, ein katholischer durch alle der menschlichen Sprache zu Gebote stehenden und denen zuweilen die Freiheit, öfter aber der Un⸗

Aehnliches in Frankreich zu thun! Ein

schwacher Ersatz sind. Es ist zu bedauern, daß ein so ausgezeichneter Mann, wie Herr von Lamartine, welcher von den edelsten Gesinnun⸗ gen beseelt ist, sich hat bis zu einem Abhang verleiten lassen, wo es schon nicht mehr Zeit ist, anzuhalten und umzukehren. Herr von Lamartine hat jedenfalls die reinsten Absichten, die uneigennützigsten Zwecke. Er wünscht die Ruhe, das Glück und die Gröͤße Frankreichs, aber er täuscht sich offenbar in der Wahl der Mittel, wenn er sich Meinungen anschließt, die in der Praxis fast immer zu Umwälzungen führen. Es scheint übrigens, daß die ganze Versammlung erklärt hat, sie schließe sich den politischen Bestrebungen und Handlungen des Deputirten von Macon an und vertrete, indem sie dies ausspreche, nur die öffent⸗ liche Meinung. Der erste Theil dieser Erklärung ist ohne Zweifel 29 denn nur die Leute billigen das Benehmen des Herrn *9n 8882 welche an dem Bankett theilgenommen haben. Aber zugleich

8