et ke uterstützung. Ein
5 8 8 — für kirchliche Bedürfnisse ver⸗ vaüten- solle, und in wieweit die Forensen, auch wenn sie einer anderen Konfession angehörten, als derjenigen, um deren Bedürfnisse es sich handle, dazu heranzuziehen seyen? Ein Abgeordneter der Städte: diese Frage sey auf der linken Rheinseite durch die Gesetze vom 30. Dezember 1809 und 14. Februar 1810 eutschieden. Ein anderer Abgeordneter dieses Standes: auf dem rechten Rhein⸗Ufer erfolge die Heranziehung mit Genehmigung der Regierung nach Anhörung des Gemeinde⸗Raths. Ein Abgeordneter der Ritterschaft: kein Mitglied einer Konfession könne gezwungen werden, zu den Bedirfnissen einer anderen Konfession beizutragen; deshalb dürfe man auch nicht schlecht⸗ weg die Grundstücke heranziehen. Zwei Abgeordnete desselben Stan⸗ des: im Regierungs⸗Bezirk Aachen stehe der Grundsatz fest, daß auch bei kirchlichen Neubauten und Reparaturen nur die Konfessions⸗Ge⸗ nossen herangezogen würden. Ein Abgeordneter der Ritterschaft: dennoch aber habe die Regierung in einzelnen Fällen davon abwei⸗ chende gütliche Einwilligungen genehmigt. Ein Abgeordneter der Städte: die ganze Frage sey Gegenstand einer dem diesjäh⸗ rigen Landtage vorgelegten Königlichen Proposition, und werde bei deren Berathung ihre Erledigung finden. Ein Abgeordneter der Ritterschaft: die Königliche Proposition beziehe sich nur auf die linke Rheinseite. Ein Abgeordneter der Landgemeinden: das Preu⸗ ßische Landrecht unterscheide zwischen kirchlichen und bürgerlichen Ge⸗ meinden; was für die ersteren Rechtes sey, könne bei der vorliegenden Berathung nicht zur Sprache kommen; welcher Ansicht ein Abgeord⸗ neter der Städte beitritt. Ein Abgeordneter der Ritterschaft: nach den Motiven zum §. 12 scheine der Ausschuß auf diese Unterscheidung kein Gewicht gelegt zu haben. Ein Abgeordneter dieses Standes: die Aufbringungsweise der kirchlichen Bedürfnisse sey für die Evange⸗ lischen durch die Kirchen⸗Ordnung von 1835, für die Katholiken durch den zur Berathung vorliegenden Gesetz⸗Entwurf regulirt und dadurch die ganze Frage beseitigt. Ein Abgeordneter der Ritterschaft: da nach §. 24 die Forensen ohne Rücksicht auf ihre Konfession nach ihrem Grundeigenthum zu den kirchlichen Bedürfnissen der Gemeinden her angezogen werden könnten, so möge die Versammlung, wenn sie die Ansicht theile, daß kirchliche Bedürfnisse nur von den Konfessions⸗ Genossen zu decken seyen, den Ausschuß beauftragen, eine entspre⸗ chende Bestimmung in irgend einem §. des Gesetzes aufzunehmen. Ein Abgeordneter der Landgemeinden: wenn er auch dieser Ansicht beitrete, so halte er die Aufnahme einer dahin abzweckenden Bestim⸗ mung in das gegenwärtige Gesetz doch nicht für passend. ECventuell möge bei der Diskussion der darauf bezüglichen Königlichen Propo⸗ sition das Erforderliche veranlaßt werden. Hierauf wird der §. 25
in der von dem Ausschusse vorgeschlagenen Fassung angenommen. Gegen den §. 20 wird von keiner Seite ein Einwand erhoben. Nachdem der Landtags⸗Marschall angezeigt, daß die Abgeordneten von Kempis und von Runkel dem zweiten Ausschusse zugesellt worden seyen, wird die nächste Sitzung auf morgen Vormittags 9 Uhr an⸗
beraumt und die heutige geschlossen.
Zeitungs-Nachrichten. Ausland.
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Paris,
gläsernen Glocke bedeckt; es nimmt nach einigen Sekunden die Richtung des herrschenden Windes an, und bezeichnet eine Viertel⸗, oft auch eine halbe Stunde früher, die Veränderungen, welche in dem Winde eintreten. Die Vorrichtung besteht in einer dünnen Holzplatte von 3 oder 4 Zoll Länge, die frei über die Nadel einer Bussole an einem stählernen Zapfen hängt, welcher mittelst einer achatenen Halbkugel in das Holz eingefügt ist. In jener Holzplatte ist auf einem Drittel seiner Länge nach dem Ende zu eine Spalte geschnitten, in welcher 3 oder 4 Magnete in gerader Linie, etwa Zoll von einander entfernt, angebracht worden sind. Diese Magnete sind sehr leicht und auf Uhrfedern zubereitet. Sie sind in perpendiculairer Richtung zu dem Horizonte angebracht und entbehren also jeder Polarität; ihre Süd
pole stehen über, ihre Nordpole unter der Holzplatte.
Börse vom 17. Juni. In der Französischen Zproc. Rente hatten an der Börse heute wieder sehr zahlreiche Schwankungen statt. Sie eröffnete zu 79, fiel auf 78. 75 und hob sich wieder auf 79. 5, zu welchem Course sie schloß. Der Umstand, daß das Fort Mont juich, welches Barcelona beherrscht, nicht im Besitz der Insurgenten ist, und daß deswegen die Insurrection von Barcelona noch keine be⸗ sondere Wichtigkeit hat, beruhigt die Spekulanten einigermaßen. Von einigen Personen wird indeß versichert, daß die diesen Vormittag ein getroffenen telegraphischen Depeschen die Besitznahme dieses Forts durch die Insurgenten melden. An der Börse wurde behauptet, auf außerordentlichem Wege sey aus Madrid vom 14ten die Nachricht einge⸗ troffen, daß Valencia sich wieder den dem Regenten Espartero treu geblie⸗ benen Truppen ergeben habe. — Nachschrift: Es heißt, von der
Gränze sey die Nachricht eingetroffen, daß die Garnison des Forts
Montjuich sich am 14ten gegen den Gouverneur aufgelehnt und der neu ernannte Gouverneur am nämlichen Tage das Kommando des Forts unter dem Jubel der Einwohnerschaft Barcelona's angetreten habe. Aus Madrid soll vom 14ten Abends die Nachricht eingetroffen seyn, daß der Regent beschlossen habe, sich selbst an die Spitze der Armee zu stellen und nach Catalonien zu begeben.
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B 99. Parxise 19. Juni. Die Debatten in Betreff der von der
u get⸗ kommission vorgeschlagenen Reduction von 14,000 Mann in dem Effektivstand „unserer Armee versprechen sehr lebhaft zu werden. Die 7e Fee in Spanien haben unser Kabinet veranlaßt, vorgestern. w8. udget Kommission in außerordentlicher Sitzung zu versammeln, derselben vorzustellen, daß die Regierung mehr als jemals darauf bestehe, die vorgeschlagene Reduction nach Kräften zu bekämpfen. Herr Guizot, welcher dabei im Namen seiner Kollegen das Wort führte, gab der Budget⸗Kommission deutlich zu weein. daß es zu einer Kabinetsfrage kommen könnte, wenn die Ronnfssson sich nicht eines besseren bereden lassen wollte. Die Kommission isag sprach, die Sache in reifliche Erwägung zu ziehen, und wahite e den gestrigen Tag (Sonntag), wo die Kammer keine öffentliche Sig⸗ zung hielt, um ungestört, wenn es nöthig seyn sollte, den ganzen Tag dazu zu verwenden. Sie blieb in der That Eg⸗
wendig machen zu lassen, sie blieb einstimmig der Meinung,
werden müsse.
Der König, welcher viel darauf zu halten scheint, daß der Effektiv⸗
and der Armee nicht vermindert werde, ist heute gegen Mittag eigends nach Paris gekommen, um den Minister⸗Rath zu präsidiren, worin vorzüglich die Mittel erörtert wurden, durch welche das Bestreben der 11A66““ öe-—“;
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Abgeordneter der Ritter⸗
19. Juni. In Rochefort hat man vor einigen Tagen Ver⸗ suche mit einem neu ersundenen Wind⸗Barometer gemacht. Dieses neue Instrument wird im Zimmer auf einen Tisch gestellt und mit einer
2 . — 8 at mehr als vier Stunden beisammen, ohne von ihrem früheren Entschlusse sich ab⸗ 2 V x V1 daß die obenerwähnte Reduction von 14,000 Mann ohne weiteres ausgeführt
Kommission zu vereiteln wäre. Die Vertrauten des Kabinets wollten
heute während der Sitzung der Kammer wissen, den Gedanken, eine ministerielle Frage daraus zu machen, verzichtet hätte, daß aber die Minister wechselseitig sich verpflichtet, die fragliche Reduction mit aller Energie zu bekämpfen. Herr Guizot und Herr Teste werden vorzüglich dem Marschall Soult beistehen, um die Last der Diskussion mit ihm zu theilen. Die Kommission ihrer⸗ seits will hartnäckig ihre Ansichten vertheidigen. Man ist unter den Deputirten beinahe allgemein der Ansicht, daß ungeachtet der Be⸗ mühungen des Ministeriums die vorgeschlagene Reduction mit einer großen Majorität durchgehen dürfte.
Heute wurde der Gesetz⸗Entwurf der Regierung wegen einer Kredit-Bewilligung von 2,230,000 Fr. zu Gunsten der Marquesas⸗ Inseln für das Jahr 1844 den Kammern im Druck mitgetheilt. Die in der Sitzung vom 12ten I. M. bewilligten 5,490,000 Fr. beziehen sich auf das Budget des laufenden Jahres. Da aber gegenwärtig das Budget von 1844 diskutirt wird, so mußte nachträglich ein be⸗ sonderer Gesetz⸗Entwurf eingebracht werden, um die darin gelassene Lücke auszufüllen. Die verlangte Summe von 2,230,000 Fr. soll fol gendermaßen verwendet werden:
Löhnung und Unterhalt der Truppen.... Allgemeine Ausgaben der Verwaltung. .. 2,113,000 „ Zusammen 2,230,000 Fr.
Unter die allgemeinen Ausgaben gehört die Summe von 570,000 Fr. zur Errichtung von Vertheidigungs⸗Arbeiten, welche vom Mili tair⸗Genie auszuführen sind, und 385,000 Fr. zur Unterhaltung von zwei Dampfschiffen, welche die Commnnication zwischen den Marque sas⸗Inseln und dem Mutterlande pflegen werden. Die Marquesas⸗ Inseln werden daher bis zum Ende 1844 provisorisch uns an 8 Mil lionen kosten.
Der Bericht des Herrn Vatout über den Gesetz⸗Entwurf, be⸗ treffend die Feier der Julitage, wurde ebenfalls heute vertheilt. Der⸗ selbe trägt im Grunde auf die Annahme des ministeriellen Projektes an, weil, wie Herr Vatout bemerkt, es sich nicht ge ziemen würde, wenige Tage nach der Einweihung der Todten⸗Ka⸗ pelle (13. Juli) des Herzogs von Orleaus, in deren Nähe Thea⸗ ter zu errichten, Volks ⸗Belustigungen anzuordnen, Feuerwerk abzubrennen u. s. w. Aber damit es nicht den Anschein habe, als wollte, wie einige Journale behaupten, die Regierung die Feier der Julitage unterdrücken, so schlägt der Berichterstatter vor, daß man dem ministeriellen Gesetz⸗Entwurfe einen dritten Artikel hinzu⸗ füge, welcher lauten soll: „Vorstehende Kredit⸗Bewilligung wird die⸗ ses Jahr und ausnahmsweise ausschließend zu frommen Zwecken, um damit das Andenken der Opfer der drei großen Tage zu ehren, ver⸗ wendet werden.“
„Die gewöhnlichen Juli-Feierlichkeiten werden im Jahre 1844 wieder aufgenommen werden.“
So amendirt, wird die Kammer den Gesetz⸗Entwurf annehmen, obwohl es eine bedeutende Anzahl von Deputirten giebt, welche die verlangten 200,000 Fr. der Regierung verweigern wollen, weil der Grund, welchen das Kabinet anführt, um dieses Jahr die Juli- Festlichkeiten zu unterdrücken, eine treffliche Gelegenheit darbiete, das schwerbelastete Budget um 200,000 Fr. zu erleichtern.
Heute wurde die Petition des Tribunals⸗Präsidenten von Bourganeuf und Konsorten, um die Erlaubniß von der Kammer zu erhalten, den Herrn Emil de Girardin wegen Injurien⸗Beleidigung vor Gericht zu laden, in den Büreaus der Kammer diskutirt. Die Meinungen sollen sehr getheilt gewesen seyn, doch ist mir das Endresultat der Erörterung noch nicht bekannt. Ich weiß aber aus guter Quelle, daß Herr von Girardin entschlossen ist, wenn die Kam⸗ mer den Bittstellern die verlangte Erlaubniß verweigern sollte, sich freiwillig vor Gericht zu stellen. Es handelt sich dabei um eine wichtige Preßfrage, worin die Gesetzgebung bisher sehr unsicher war. Nach den eigentlichen Preßgesetzen ist der Gérant für alle in seinem Journal enthaltenen Artikel verantwortlich, und der eigentliche Verfasser eines Artikels kann nur dann zur gerichtlichen Verant⸗ wortung gezogen werden, wenn er seinen Artikel unterzeichnete, was im vorliegenden Fall Herr Emil de Girardin nicht gethan hat. Der Prozeß sollte also nur gegen den Géranten der Presse einge leitet werden; denn giebt man einmal zu, daß der Urheber eines Ar tikels als der eigentlich Schuldige, und der Gérant nur als dessen Mitschuldiger zu betrachten ist, so muß man logisch richtig auch den Drucker als Mitschuldigen betrachten, weil, während der Gérant sein Journal dem Hauptschuldigen eröffnete, der Drucker den Ar⸗ tikel abdruckte, folglich zur Verübung des Verbrechens gleich dem Géranten beitrug. Das Prinzip der Mitschuld des Druckers wurde bisher von allen Organen der Presse energisch bekämpft, denn da der Drucker dadurch eingeschüchtert würde, Opposition gegen die Regierung zu treiben, so müßten alle Oppositions⸗Journale bald aus Mangel an Druckern eingehen.
Grossbritanien und Irland.
London, 17. Juni. Der König von Hannover wird, dem Vernehmen nach, bis Ende Juli's oder Anfang August's in England verweilen. Prinz Albrecht ist heute in der Staatsbarke nach Wool⸗ wich abgefahren, um die jetzt ganz vollendete Königliche Dampf⸗Jacht „Victoria und Albrecht“ daselbst zu besichtigen.
In Irland sollen künftig in allen Besatzungen des ganzen Landes die Truppen dem Gottesdienste vollständig bewaffnet und mit Tornister beiwohnen. Die Forts am unteren Shannon werden Königliche Marine⸗Soldaten, die man täglich auf Dampfschiffen erwartet, zur Besatzung erhalten; zwischen Limerick und dem Eingange des Shannon will die Regierung zwei bewaffnete Dampfschiffe aufstellen. Die Festungswerke von Athlone werden stark mit Geschütz besetzt und die Wachen verdoppelt. Die Truppen zu Galway haben zur Vorbereitung für O'Connell's Besuch 60 scharfe Patronen der Mann empfangen.
Nach Berichten aus Dublin vom 15ten d. M. hat bei Limerick eine große Repeal⸗-Versammlung stattgefunden, die, von mehr als 100,000 Menschen besucht, einem katholischen Priester, Namens Co⸗ stelloe, Veranlassung gab, das Thema ausführlich zu entwickeln, daß, ungeachtet der Emancipation der Katholiken, doch wahre Religions freiheit in Irland noch nicht herrsche. Auch diese hoffte er von der Wiederherstellung eines Irländischen Parlaments, und daß die Repeal durchgehen werde, bezeichnete er als so gewiß, daß er es eher für möglich erklärte, die Wogen des Oceans in ihrem Laufe aufhalten zu können, als die Bewegung des Irländischen Volkes zu Gunsten der Aufhebung der Union. Zugleich behauptete er, daß das Ministerium es nicht wagen werde, gegen das unter O'Connell's, der Priester und Bischöfe Leitung vereinte Volk bei der bekannten bedenklichen Stim⸗ mung unter den Irländischen Truppen Gewalt zu gebrauchen. O'Con⸗ nell, der dieser Versammlung ebenfalls beiwohnte, begnügte sich bei dieser Gelegenheit mit einer mehr sekundären Rolle als gewöhnlich, hielt indeß ebenfalls eine längere Rede. 2
Die Times, welche den Zustand von Irland aus einem sehr trüben Gesichtspunkte betrachtet, hatte bekanntlich erklärt, es stehe dort ein Bürgerkrieg bevor. Diese Behauptung wird dem gedachten Blatte von Irland aus bestritten. Es giebt hierauf nun zwar seine Freude
daß dasselbe auf
117,000 Fr.
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über diese Widerlegung zu erkennen, meint aber boch, daß, wenn die . his Wine
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ahaat; 894.
Agitation dort wie bisher fortdauere, so daß fast täglich Hunderttau⸗ sende zusammenkämen und auf alle mögliche Weise aufgeregt würden, der Bürgerkrieg unvermeidlich seyn werde. Das genannte Blatt be harrt daher bei seiner Meinung, daß die kräftigsten und entschiedensten Maßregeln in Irland angewandt werden müßten, und erklärt, sie müsse, wenn Sir R. Peel jetzt nicht zu solchen Mitteln greife, es geradezu in Abrede stellen, daß derselbe für den Posten eines Eng⸗ lischen Premier⸗Ministers tauge. vXAX.X“ —.— E an
Brüssel, 19. Juni. An die Stelle des zum Gouverneur des Belgischen Luxremburg ernannten Herrn Smits ist Herr Louis Deswert zum Direktor der Bank von Belgien ernannt worden.
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Deutsche Bundesstaaten.
Aurich, 19. Juni. (Hannov. Z.) Das Ostfriesische Amtsblatt enthält folgende Publication in Betreff des auf den 30. Juni 1843 ausgeschriebenen allgemeinen Landtages:
„Von wegen Sr. Majestät des Königs, meines Allergnädigsten Herrn, wird den getreuen Landständen des Fürstenthums Ostfriesland und des Harrlingerlandes hiermit eröffnet „Daß Allerhöchst gedachte Se. Majestät geruhet haben, einen allgemeinen Landtag ausschreiben zu lassen, und zu dem Ende den unterzeichneten Landdrosten Marschalck zu Allerhöchstihrem Landtags⸗Kommissarius Allergnädigst zu ernennen. Der Zweck dieses all⸗ gemeinen Landtages ist, einen, nach Sr. Majestät weiteren Allerhöchsten Entschließungen abgeänderten Entwurf einer Verfassungs-Urkunde für die Provinzial⸗Landschaft des Fürstenthums Ostfriesland und Harrlingerlandes — nachdem die von dieser Landschaft unter dem 12. Oktober 1840 einge⸗ reichten Erklärungen über den früheren Entwurf der betreffenden Verfas⸗ sungs⸗-Urkunde von Sr. Majestät einer sorgfältigen Prüfung unter- zogen, auch jene Erklärnngen in verschiedenen Punkten zu einer Allerhöchsten Berücksichtigung geeignet befunden worden sind den getreuen Landständen Behufs ihrer nach vorgängiger Berathung dar⸗ über abzugebenden endlichen Erklärung zugehen zu lassen. Vermöge des mir ertheilten Allerhöchsten Auftrags wird der Anfang des angeordneten allgemeinen Landtags auf Freitag den 30sten d. M. hiermit bestimmt, wo⸗ nach die getreuen Landstände des Fürstenthums Ost-⸗Friesland und Harrlin⸗ gerlandes sich zu achten haben und zu solchem Landtage hierdurch berufen werden, daß sie auf demselben zu dem bemerkten Zwecke und an dem be⸗ stimmten Tage in Aurich in dem landschaftlichen Hause verfassungsmäßig erscheinen und ihre Deputirte mit genugsamer Vollmacht absenden, unter der Verwarnung, daß, obgleich der Eine oder der Andere nicht erscheinen möchte, mit den gehorsamlich Komparirten dennoch der Landtags⸗Verfassung und den Rechten gemäß verfahren werden soll. Urkundlich unter des vor⸗ benannten Allerhöchst ernannten Königlichen Landtags⸗Kommissarius Unter⸗ schrift. Aurich, den 14. Juni 1843. Marschalck.“
Altona, Juni. (H. N. Z.) Mit dem Versinken oder Ausweichen eines Theiles des durch einen Sumpf geführten Dammes auf der Eisenbahnlinie von Altona nach Kiel hat es allerdings seine Richtigkeit. Dieser Damm bei Meimerstorf war aber erst circa 20“ lang und in unbedeutender Höhe versuchsweise mit Erde aufgeführt, da es an Sand in dieser Gegend fehlt. Diese fette Erde, Lehm, hat sich dann im moorigen Grunde verschlämmt.
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Leipzig, 22. Juni. Diese Nacht zwischen 1 und 2 Uhr brach in der Schmiedewerkstätte auf dem hiesigen Leipzig⸗Dresdener Eisen bahnhofe eine Feuersbrunst aus, die das Gebäude, in welchem sich die Werkstatt befand, in Asche legte. Den Anstrengungen der Lösch⸗ mannschaften gelang es bald, des Feuers Meister zu werden gegen 4 Uhr war es schon wieder gedämpft. 8-
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Madrid, 13. Juni. Man spricht von Insurrectionen, die zu Cindad Rodrigo, Alicante, Sevilla und an anderen Orten ausgebrochen wären. Doch sind dies nur erst Gerüchte. Positiv— dagegen ist die Nachricht von der Erhebung Valencia's. General Zabala soll eine der Bewegung günstige Proclamation erlassen haben. Bei den Re⸗ volutionairen steht dieser junge General in größtem Ansehen. Bis jetzt ist Madrid ruhig. Auch sind hier alle Vorkehrungs⸗Maßregeln getroffen, um jeden Insurrections⸗Versuch unmöglich zu machen. Die Truppen sind auf das erste Zeichen zum Ausmarsch bereit. Der Ge⸗ neral⸗Capitain und Herr Mendizabal hatten diesen Morgen eine Kon⸗ ferenz mit dem Regenten. Dem Regenten soll, jedoch vergeblich, von einigen Seiten der Rath ertheilt worden seyn, der Bewegung nach⸗ zugeben und sich an die Herren Cortina und Olozaga wegen Bildung eines neuen Ministeriums zu wenden. Espartero, so heißt es, ant wortete: „Nein, ich werde nicht nachgeben; ich weiß wohl, daß es meine Bestimmung ist, den Tod des Kriegers auf dem Schlachtfelde mit dem Schwerte in der Hand zu erdulden.“
In Andalusien greift zwar die Bewegung fortwährend weiter um sich; doch konzentrirt sie sich dort insbesondere noch auf Granada, Almeria und Malaga. Im Augenblick, wo die Junta von Malaga sich aufzulösen im Begriff stand, überbrachte ein Dampfboot die Nach⸗ richt von der Erhebung von Reus. Dies gab den Insurgenten wie der neuen Muth, und die Junta blieb am Ruder. Man ist hier noch immer ohne Nachrichten von dem General Alvarez. Es heißt blos, Granada habe Anstalten getroffen, Widerstand zu leisten und es seyen zu diesem Zwecke sogar alle Straßen verbarrikadirt worden.
So eben verbreitet sich das Gerücht, ein Theil der Truppen des Generals Alvarez sey zu den Insurgenten übergegangen; auch sollen schlimme Nachrichten aus Burgos, Logrono und Santander eingetrof fen seyn.
Durch Dekret vom 11ten ist der General Seoane zum Ober Befehlshaber der vereinigten Armeen von Arragonien, Valencia und Catalonien ernannt worden. Es ist diese Ernennung durch die Noth wendigkeit motivirt, die Leitung der militairischen Operationen in die⸗ sen drei Provinzen in einer einzigen Hand zu konzentriren. —
Die Regierung hat bei den Wahlen der Madrider National⸗ Garde einen nicht unwichtigen Vortheil errungen. Herr Cortina ist nicht wieder zum Commandeur des 2ten Bataillons gewählt worden. Ein Gleiches ist dem Herrn Miranda, früheren Commandeur der 2ten Artillerie⸗Batterie, widerfahren.
Barcelona, 13. Juni. Den Ereignissen der beiden letzten Tage war schon seit einer Woche die größte Gährung vorausgegan⸗ gen; alle Geschäfte, alle Arbeiten stockten; die Masse des Volks und der Arbeiter trieb sich den Tag über auf den Straßen, den Plätzen, den Spaziergängen herum und diskutirte über die Maßregeln, die zu treffen wären; ein Gleiches thaten auch die anderen Klassen der Ein⸗ wohnerschaft und der Stadtrath. Der General⸗Capitain Cortinez, ein allen Gewaltthätigkeiten abgeneigter Mann, hielt die Truppen nebst den Offizieren in die Kasernen konsignirt, um jede Kollision zwischen ihnen und den Einwohnern zu verhüten. So hatte die Bewegungs⸗Partei alle Muße und Freiheit, ihre Pläne vorzuberei⸗ ten und auszuführen. Während die Central⸗Junta von Sabadell aus sich alle mögliche Mühe gab, die Aufregung zu steigern, bildete sich zugleich inmitten des Stadtraths von Barcelona selbst eine Volks⸗ Kommission; sie übernahm die Leitung im Inneru der Stadt un
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und
dem Vorsitze des Brigadiers Castro, eines bei dem Volk und den Truppen in gleichem Ansehen stehenden Mannes; er war übrigens der Berufung zu dieser Function nur mit der Ermächtigung des Ge⸗ neral⸗Capitains gefolgt. Die Einwohner von Barcelona wurden durch die Nachrichten aus Malaga, Granada und anderen Städten, wo die Gegner Espartero's obsiegten, mehr und mehr aufgereizt, ohne auch nur auf den geringsten Widerstand zu stoßen. General Cortinez, dem alle Verbindung mit der Central⸗Regierung abgeschnitten war, der kein Geld, keine Lebensmittel mehr für die Truppen hatte und auf diese seit der Vertreibung Zurbano's nicht mehr zählen konnte, suchte so viel wie möglich eine neutrale Stellung zu behaupten. Allein auch dies war ihm bald nicht mehr möglich. Durch geheime Emissaire bearbeitet, wiegelten die Unteroffiziere ihre Soldaten auf; am 141ten fraterni⸗ sirten sie mit dem Volk, und Cortinez, um einen Zusammenstoß zwi⸗ schen den noch treu gebliebenen Truppen und den Insurgenten zu verhüten, trat endlich, wie bekaunt, in der verflossenen Nacht eben⸗ falls dem Pronunciamiento bei. Bald wurde dies in der ganzen Stadt bekannt. Heute am frühen Morgen konnte die Menge die (gestern mitgetheilte) Proclamation des General⸗Capitains lesen, welche von einer anderen, diese glückliche Entwickelung ver⸗ öffentlichenden Proklamation der Munizipalität begleitet war. Ueberall hört man nun Jubel und Gesänge, sieht man Tänze, und es herrscht eine Freude, die an Wahnsinn gränzt. Die Barcelonesen finden sich endlich an Espartero gerächt; seine Soldaten sind auf ihrer Seite; sie sind Herren der Stadt und der Garnison. Die Soldaten sind nicht mehr konsignirt, sie vermischen sich mit den Einwohnern, welche sie umarmen. Die Munzipalität kündigt in ihrer Proclamation an ‚daß dieser Tag nur der Freude und der Brüderschaft gewidmet sey. „Keine Besorg⸗ nisse,“ sagt sie, „kein Mißtrauen mehr. Volk und Soldat des Vater⸗ landes, umarmt Euch als Brüder, im geheiligten Namen Isabellaͤ's! Unser General⸗Capitain will, daß die Truppen sich auf eine feierliche Weise der majestätischen Bewegung dieser Provinz anschließen; ein erhabener Entschluß, welcher für immer sein edles, edelmüthiges, wahrhaft Spanisches Herz ehrt.“ Die Munizipalität fordert hierauf das Volk auf, dieses Ereigniß durch ein Te Deum und außerordent
liche Belustigungen zu feiern. Am Schlusse empfiehlt sie als einzigen politischen Ruf: „Es lebe die Constitution! es lebe Isabella, es lebe die National⸗Unabhängigkeit, es lebe die höchste Junta! Kein Mord⸗ geschrei, keine Beschimpfungen mehr.“ Die Central Junta, welche sich gestern nach Manresa, einer Stadt von 2 „000 Seelen, im Mittelpunkt Cataloniens begeben hatte, wird sich nun von neuem hier installiren. Indeß bleibt der Triumph der Barcelonesen unvollständig in ihren eigenen Mauern, so lange das Fort Montjuich nicht in ihren Händen ist. Sie haben verlangt, daß der Gouverneur durch einen Anderen ersetzt und die Garnison zur Hälfte aus Milizen und zur Hälfte aus Sol— daten gebildet werde. Der General⸗Capitain hat ihnen diese Forde⸗ rung bewilligt. Der Gouverneur hatte sich, wie man sagt, geweigert, sein Kommando abzugeben, allein der General⸗Capitain hat, offiziell an seine Stelle den Obersten Pujol ernannt, der das Zutrauen des Volks genießt.
Ueber den Aufstand von Valencia hat man noch wenig Details; auf die Nachricht von den Empörungen von Reus und Barcelona hatte die National⸗Miliz gleich die Waffen ergriffen. Der General⸗ Capitain Zavala hatte zu gleicher Zeit seine Truppen versammelt, und man war sich während eines ganzen Tages im Angesicht geblieben. Aber die Stimmung der Soldaten war nicht die nämliche, wie im vorigen Jahre; es war leicht zu sehen, daß man sie schwerlich dazu bringen würde, für die Sache des Regenten auf die National⸗Garde zu feuern. Bald erhielt die Insurrection die Oberhand, und ein Theil der Truppen schloß sich den Milizen an. Das Volk überließ sich nun wilden Exzessen. Man hat den unglücklichen Gamacho, politischen Chef von Valencia, einen Haupt⸗Anhänger Espartero's, den man in Folge seiner despotischen Verwaltung verwünschte, und mehrere seiner Agenten ermordet.
O Madrid, 12. Juni. Vorgestern Abend verbreitete sich hier das Gerücht, die Einwohner Saragossa's hätten sich Tags zuvor gegen die Regentschaft Espartero's erklärt. Da der Regent selbst der Meinung zu seyn scheint, daß die Ruhe des ganzen Landes durch ein solches Ereigniß erschüttert werden müsse, so herrschte hier keine geringe Bestürzung. Gestern wurde mit Tagesanbruch eine außerordentliche Zeitung in den Straßen ausgerufen, die einen kurzen Bericht des General-Capitains von Arragonien, Seoane, enthielt. Aus diesem ging hervor, daß eine Handvoll verbrecherischer Rebellen sich am Morgen des 9ten des Platzes der Kathedrale bemächtigte, wo das Ayuntamiento und die Provinzial⸗Deputation versammelt waren, gegen 4 Uhr Nachmittags jedoch auseinandergesprengt wurde. Der General fügte hinzu: „Ich finde keine Worte, um die Ent⸗ schlossenheit und den Enthusiasmus, den die Truppen, die National⸗ Miliz und die Einwohner bei dieser Gelegenheit zeigten, zu schildern.“ Man vermochte sich demnach hier kaum zu erklären, wer die Rebellen gewesen seyn konnten, wenn Truppen, Milizen und Bürger einig waren.
Heute bringt die Post uns folgende Nachrichten aus Saragossa. In der Nacht vom Sten stellte sich der Ex-Deputirte Quinto (ver⸗ trauter Freund Olozaga's und noch vor einem Jahre Sections⸗Chef im Ministerium des Innern) an die Spitze von etwa 50 mit Büchsen, Pistolen und Dolchen bewaffneten nichtswürdigen Menschen, die für Parteigänger des Infanten Don Francisco gelten, und holte einige Alkalden aus ihrer Wohnung, brachte sie in das Rathhaus und zwang sie, die übrigen Mitglieder der Munizipalität dorthin zu berufen. Hier wurde diese Behörde gezwungen, ein Programm zu erlassen. Unterdessen überrumpelten einige andere Verschworene sechs Kanonen der National⸗Miliz und nahmen auf dem Kathedralplatze (plaza de la Seo) vor dem Rathhause eine Stellung ein. Am Morgen des 9ten wurde die National⸗Miliz durch Generalmarsch versammelt, und sobald sie erfuhr, wer die Verschworenen waren, verlangte sie die Ermächtigung zum Angriff. Darauf entließen die Meuterer die Mit⸗ glieder des Ayuntamiento's, die sich, begleitet von Herrn Quinto, in die Reihen der National⸗Miliz begaben, ihre Proclamation für er⸗ zwungen erklärten und eine neue im Sinne der Ordnung erließen. Varauf verkündete der General⸗Capitain Sevane das Kriegsgesetz, vermöge dessen er die höchste Civil⸗ und Militairgewalt in sich ver einigte, und ließ die Truppen sich neben der National⸗Miliz aufstellen. Letztere war im höchsten Grade über die Verrätherei der Meuterer aufgebracht und forderte diese zweimal auf, sich zu ergeben. Als sie sich weigerten, eröffnete die National⸗Miliz das Feuer und zwang die Meuterer zur schleunigen Flucht. Von der Kavallerie verfolgt, konn⸗ ten sich nur 10 bis 12 retten, 37 andere wurden eingeholt und er⸗ warteten bei Abgang der Post ihr Schicksal. Die Ruhe war voll⸗ kommen wiederhergestellt.
Trüber lauten die Nachrichten, die heute aus anderen Gegenden der Halbinsel eingegangen sind. ¹
In Granada war die ganze Bevölkerung am S8ten entschlossen, sich den anrückenden Truppen des Generals Alvarez zu widersetzen. Man errichtete Barrikaden und bewaffnete alle Bürger. Der 8 fehlshaber der Artillerie, 1 Oberst und 2 Capitaine wurden, als ver⸗ dächtig, auf die Alhambra gebracht. Mehrere Unteroffiziere des Re⸗ giments Asturien wurden von der Junta zu Offizieren befördert. bie Junta verbreitete das Gerücht, daß man in Malaga eine Fran⸗
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zösische Fregatte erwarte, die das Pronunciamiento unterstützen solle.
Die Anzahl der in der Stadt befindlichen zum Widerstande entschlos⸗ senen Truppen und Milizen belief sich auf 3000 Mann; etwa 5000 befanden sich in der Umgegend, den Angriff des Generals Alvarez erwartend. E 8
In Malaga fand man am 7ten für gut, den Terrorismus einzuführen. Die Junta, „in Betracht, daß das Heil des Volks das höchste Gesetz wäre“, erließ folgendes Dekret: „Wer auf irgend eine Weise die öffentliche Ruhe stört oder zum Ungehorsam gegen die eingesetzten Behörden aufreizt, wird summarisch gerichtet und erschossen.“
In Almeria erhielt man am Sten durch das von Barcelona kommende Dampfschiff „Mercurio“ Nachricht von dem bei Tarragona ausgebrochenen Aufstande. Diese Kunde erfüllte die Einwohner mit Begeisterung; man läutete alle Glocken, erleuchtete die Häuser, ver⸗ mehrte die Rüstungen.
In Sevilla trafen die Behördeu am 5ten kräftige Maßregeln, um allen etwanigen Versuchen, die Ruhe zu stören, vorzubeugen. Noch am 7ten herrschte vollkommene Ruhe.
In den größeren Städten Alt-Castiliens und Galiciens herrschte bedeutende Aufregung, die nur durch die feste Haltung der Truppen gedämpft werden konnte. Namentlich scheint man in Valla⸗ dolid, Zamora, Burgos, Lugo, Orense wenig auf den Fortbestand der Ruhe rechnen zu können.
Am bedenklichsten sind aber die heute aus Catalonien einge⸗ gangenen Nachrichten. Da Ihnen diese auf kürzerem Wege als über hier zukommen, so füge ich für jetzt nichts darüber hinzu.
Der General Seoane hat durch ein Dekret von gestern den Ober⸗Befehl über alle in den Distrikten von Arragonien, Catalonien und Valencia befindlichen Truppen erhalten. Es ist zu vermuthen, daß Zurbano und sein großer Bewunderer Scoane, der noch vor kurzem im Senat erklärte, daß man die vollblütigen Bürger Barcelona's zur Ader lassen müsse, den Aufstand mit Energie zu unterdrücken wissen werden.
Paris, 18. Juni. Das falsche Gerücht von einem Auf⸗ stande in Barcelona hat am 10ten den Aufruhr in Valencia bewirkt, und die Nachricht von dem Aufruhr in Valencia hat die Gährung in Barcelona zum Durchbruche gebracht. Das Pronunciamiento von Valencia hat in der That nicht nur die Aufregung der auf ihren revolutionairen Ruf unerhört eifersüchtigen Barceloneser bis zum höch⸗ sten Grade gesteigert, sondern es scheint auch das Ereigniß zu seyn, das den General⸗Capitain von Catalonien in seiner Treue gegen die Regierung am meisten wankend gemacht, welches ihm den förmlichen Uebertritt zu der Bewegungspartei abgedrungen hat, ohne den die⸗ selbe schwerlich die Oberhand hätte gewinnen können. Obgleich der General⸗Capitain noch am 11ten in einem Schreiben an die Konsuln der fremden Mächte seinen festen Entschluß ausgesprochen, im Falle eines Angriffs auf die Truppen, die Stadt mit allen seinen Batte⸗ rieen zu beschießen, so zeigte er doch schon am Morgen des folgenden Tages viel zweideutigere Gesinnungen, indem er seinen am 10ten erlassenen Armeebefehl außer Kraft setzte, obgleich dieser, wie aus der gestrigen Mittheilung seines Inhalts hervorgeht, im Wesentlichen nichts enthielt als Vorschriften, Warnungen und Drohungen gegen militai⸗ rische Pflichtvergessenheit, gegen Verrath und Ueberlauf. Die Zu⸗ rücknahme des fraglichen Armee⸗Befehls ist sonderbarerweise dadurch motivirt, daß das Ayuntamiento eine Deputation an den General⸗ Capitain geschickt, durch welche es sich für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe verbürgt habe. Nach diesem Schritte des General⸗ Capitains ließ sich sein ferneres Verfahren leicht voraussehen. Eine an ihn abgeschickte Botschaft der Provinzial⸗Deputation und des Ayuntamiento, dahin gehend, daß er dem General Zurbano bei der Wendung der Dinge, auf welche der Aufstand in Valencia schließen lasse, den Befehl zur einstweiligen Einstellung der Feindseligkeiten ge⸗ gen Reus zufertigen möge, wurde von dem General Cortinez mit der
Erklärung beantwortet, daß er bereits Maßregeln in diesem Sinne
getroffen habe. Der General-Capitain ertheilte zugleich den beiden genannten Behörden den Rath, eine Deputation nach Madrid zu schicken, um den Regenten durch ihre Vorstellungen zur Nachgiebigkeit gegen den auf die Wiederherstellung des Ministeriums Lopez und die Erfüllung seines Programmes gerichteten Volkswillen zu bewegen. Die Provinzial⸗Deputation und das Ayuntamiento gingen auf diesen Vorschlag ein, und die aus ihrer Mitte gewählten Abgeordneten machten sich sogleich, in Gemeinschaft mit mehreren Sendboten des Generals Cortinez, auf den Weg nach der Hauptstadt.
Inzwischen war das Volk von Barcelona weit entfernt, sich zu beruhigen, es füllte die Straßen und die öffentlichen Plätze mit im⸗ mer drohender werdendem Geschrei, und man mußte sich von einem Augenblicke zum anderen auf das Schlimmste gefaßt machen, als der General Cortinez sich zuletzt förmlich und öffentlich für einen Anhän⸗ ger des Pronunciamiento erklärte. Gegen 12 Uhr Abends erschien er auf dem Balkon seines Hauses an dem Platze San Jaime, um die dort versammelte Volksmenge anzureden, und ihr dier Versicherung zu geben, daß er ihre Sache zu der seinigen gemacht habe. „Ich habe die oberste Junta benachrichtigen lassen“, fügte er hinzu, „daß ich mich zu ihrer Verfügung stelle, und daß sie nach Barcelona kommen kann, sobald sie will. Es lebe Isabella II.! Es lebe die Verfassung! Es lebe die Einigkeit!“ Diese Erklärung wurde mit tausendstimmigem Jubelgeschrei aufgenommen. Als Unterpfand seines Wortes gab der General⸗Capitain die Ernennung des bei dem Volke sehr beliebten Obersten Pujol, eines geborenen Cataloniers, zum Kom⸗ mandanten des Forts Monjuich. Die oberste Junta, die ihren Sitz von Sabadell nach Manresa verlegt hat, wird ihren Einzug in Bar⸗ celona wahrscheinlich schon am 13ten gehalten haben. Es steht zu vermuthen, daß eine ihrer ersten Regierungs⸗Handlungen in der Ca⸗ talonischen Hauptstadt eine Beschlußnahme über abermalige gänzliche oder theilweise Abtragung der kaum wiederhergestellten Citadelle und vielleicht auch der inneren Forts der Stadt seyn werde.
In dem übrigen Catalonien stehen die Sachen nicht minder schlimm für die Regierung. General Zurbano ist in sei⸗ nem Angriffe auf Reus nicht glücklich gewesen. Der Oberst Prim hatte Reus mit seinen Truppen bei dem Heranrücken des Expeditions⸗ Corps des Generals Zurbano verlassen, und das Ayuntamiento war mit demselben wegen Uebergabe der Stadt in Unterhandlungen ge⸗ treten. Woran diese Unterhandlungen gescheitert, ist noch unbekaunnt, genug Zurbano eröffnete am 11ten mit 24 Kanonen, unter denen einige Vierundzwanzigpfünder, das Feuer auf Reus. Bald war eine Bresche in die Stadtmauer gelegt, durch welche zwei Compagnieen im Sturmschritt eindrangen; allein sie wurden im Innern der Stadt so übel empfangen, daß sie sich wieder zurückziehen mußten, indem sie den größten Theil ihrer Leute auf dem Kampfplatz ließen. Inzwischen hatte guch der Oberst Prim die Feindseligkeiten gegen Zurbano begonnen, und die⸗ ser sah sich zuletzt genöthigt, einen Waffenstillstand zu verlangen, um seine Verwundeten einzusammeln. Was weiter vorgegangen, und ob der General Zurbano durch seine Verluste oder durch die ihm von Barcelona aus zugefertigten Befehle des General⸗Capitains zum Rückzuge veranlaßt ist, liegt noch im Dunkeln. Das Gewisse an der Sache ist, daß er mit seinen Truppen in der Richtung von Saragossa abmarschirt ist. Den Barceloneser Berichten zufolge, die ohne Zwei⸗ fel übertrieben sind, hat Zurbano 2000 Mann Todte und Verwundete vor Reus gelassen. Eine Batterie, die ihm zweimal weggenommen
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ar, hat er zwar zuletzt sind vernagelt in Tarragona angekommen. Sr.
In Valencia ist das Pronunciamiento, wie es scheint, unblutig vor sich gegangen. Der daselbst kommandirende General Zabala hat sich, eben so wie der General Cortinez, auf Unterhandlungen und Vergleiche mit den Insurrectionslustigen eingelassen, die denselben Aus⸗ gang gehabt haben, wie in Barcelona. Der politische Chef, Herr Camacho, ein Mann von Talent und Energie, der aber im Hasse der Opposition gegen die Ayacuchos einen der ersten Plätze einnimmt, scheint größere Festigkeit bewiesen zu haben, und er soll sich als Ge⸗ fangener in der Gewalt der Aufrührer befinden.
Der seit einiger Zeit in Perpignan befindliche Chef der ersten Junta, welche während des November⸗Aufruhrs v. J. in Barcelona regierte, ist mit 20 oder 30 seiner Mitverbannten über die Spanische Gränze gegangen und hat sich des Dorfes la Junquere bemächtigt.
Paris, 19. Juni. Durch die Weigerung des Komman⸗ danten des Forts Monjuich, den Befehl in die Hände des Obersten Pujol niederzulegen, ist die ganze Bedeutung des Pronunciamiento von Barcelona wieder in Frage gestellt. Beharrt der Kommandant von Monjuich auf seinem Entschlusse, und bleiben ihm seine Soldaten treu, so wird Barcelona ohne Zweifel seine Thore öffnen, sobald der General Seoane, dem der Ober⸗Befehl über alle Truppen in Arra⸗ gonien, Valencia und Catalonien übertragen ist, mit einem Belage⸗ rungsheere vor die Stadt rückt. Monjuich ist auf mehrere Monate mit Vorräthen aller Art versehen, und Barcelona wird sich ganz g wiß nicht zum zweitenmale kalten Blutes den Wirkungen seiner Ba terieen aussetzen. Hierbei mag bemerkt werden, daß die Nachricht von der Uebergabe des Forts Monjuich, welche die heutige Presse, ohne Angabe des Ortes und des Datums, von der Gränze erhalten haben will, im höchsten Grade problematisch ist. Gleichwohl muß man sich darauf gefaßt machen, die Besatzung von Monjuich, obgleich der Kommandant dieselbe durch Entlassung des unzuverlässigsten Theils derselben gereinigt, das Beispiel der Garnisonen der Citadelle und des Forts Atarazanas nachahmen zu sehen, welche auf den Antrieb ihrer Unteroffiziere dem Pronunciamiento beigetreten sind, noch ehe sich der General⸗Capitain selbst förmlich erklärt hatte. Der Abfall des einen und das Schwanken des anderen Theils der Truppen ist überhaupt augenscheinlich der entscheidende Grund gewesen, welcher den General⸗ Capitain zu der Lossagung von seiner militairischen Pflicht vermocht hat. Obgleich sich die Barceloneser nicht darüber täuschen können, daß der General Cortinez nur einer wirklichen oder vermeinten Nothwendig⸗ keit nachgegeben, indem er zu dem Aufstande übergetreten ist, so haben sie doch seine Abdankung und die Uebertragung seiner Amtsgewalt auf den General Valdes nicht annehmen wollen, vermuthlich weil sie dem Letzteren noch weniger trauen zu dürfen glauben.
Die ersten Berichte über die Belagerung von Reus stellen sich in vielen Punkten als irrig heraus. Zurbano rückte am 11ten früh morgens von Tarragona aus vor Reus, welches der Oberst Prim mit seinen Truppen noch keinesweges verlassen hatte. Zwischen 9 und 10
aber drei Stücke derselben
Uhr begann ein heftiges Feuer auf die Stadt, das bis Nachmittag
fortgesetzt wurde. Obgleich eine starke Bresche in die Stadtmauer gelegt war, so konnte sich Zurbano des Platzes doch nicht bemächti⸗ gen, und er kehrte gegen Abend mit vielen Verwundeten nach Tar⸗ ragonga zurück. Am 12ten Morgens zog er von neuem gegen Reus aus, auf das eine noch lebhaftere Kanonade als am vorigen Tage eröffnet wurde. Die furchtbaren Wirkungen des Feuers der Belage⸗ rer bewogen endlich das Ayuntamiento, den Obersten Prim zu bitten, er möge ihre Stadt nicht unnöthigerweise dem Untergange preisge ben. Der Oberst Prim entschloß sich, auf die Vorstellungen der Orts⸗ behörde, die Stadt zu räumen, und er zog sich nach Villaplana zu⸗ rück. Reus trat hierauf in Unterhandlung mit Zurbano, welcher ihm eine Capitulation zugestand, in der seinen Einwohnern persönliche und Eigenthums⸗Sicherheit, und überhaupt vollständige Straflosigkeit für das Vorgefallene zugesichert wurde. Zurbano hielt kraft dieser Ca⸗
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pitulation seinen Einzug in Reus, kehrte aber noch an demselben Tage
nach Tarragona zurück. Sein Marsch nach Arragonien wird unter diesen Umständen, trotz der Autorität des Telegraphen, einigermaßen zweifelhaft.
Aus Valencia erfährt man, daß der dortige General⸗Capitain, General Zabala, ungeachtet seines ostensibeln Anschlusses an den Auf⸗ stand, von der revolutionairen Junta seines Amtes entsetzt ist. Ein schlimmeres Loos hat den politischen Chef Herrn Camacho getroffen. Er wurde, in dem Augenblick, wo er das Volk anredete, durch einen Ba⸗ jonetstich verwundet, der ihn indessen nicht verhinderte, sich durchdie Flucht in eine Kirche zu retten. Der wüthende Haufen verfolgte ihn indessen in dies Asyl, und er wurde daselbst entweder ermordet, oder er erschoß sich selbst, um seinen Verfolgern nicht in die Hände zu fallen. Das Gewisse ist, daß sein Leichnam mehrere Stunden lang unter kanniba⸗ lischem Jubelgeschrei durch die Straßen von Valencia geschleift wurde. Der politische Chef von Barcelona hat sich besser aus der Klemme zu ziehen gewußt. Sein Name sigurirt in einer Glückwünschungs⸗ Adresse, welche die Provinzial⸗Deputation an den General⸗Capitain wegen seines Uebertritts zu dem Aufstande gerichtet hat, an der Spitze der Unterzeichneten. 1
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vVereinigte Staaten von Uord-Amerihka. O New⸗York, 31. Mai. Der günstige Stand des Geld⸗ marktes dauert fort, noch nie erinnert man sich, eine solche Masse baaren Geldes in Umlauf gesehen zu haben, als dies jetzt der Fall ist, so daß die Kapitalisten nun alle Mühe haben, dasselbe anzulegen. In den Gewölben der Banken von New⸗NYork allein liegen über zehn Millionen Dollars baar vor, und ihre Papiere haben sich alle um 5, ja theilweise um 10 pCt. im Course gehoben, und die Kapitali⸗ sten, welche dergleichen besitzen, zeigen sich selbst zu vortheilhaften Preisen nicht geneigt zum Losschlagen. Uebrigens muß hierbei be⸗ merkt werden, daß die Papiere des Staates New⸗NYork stets in gu⸗ tem Rufe gestanden und gesucht waren. Der Zinsfuß ist bei dieser Leichtigkeit, sich Geld zu verschaffen, natürlich gefallen und beträgt jetzt fast bei allen hiesigen Banken nur 5 pCt., an zwei pCt. weni⸗ ger als je. Dasselbe Verhältniß zeigt sich auch in Betreff der Papiere der anderen Staaten, namentlich derjenigen, welche nie dem Repudiations⸗Systeme gehuldigt haben, oder es doch jetzt wieder von sich weisen, und an Erfüllung ihrer Verbindlichkeiten gegen ihre Gläubiger denken. So ist besonders die Nachfrage nach Ohio⸗Pa⸗ pieren noch immer sehr stark und die Versuche einiger, dieselben im Course wieder herabzudrücken, sind nicht blos vollkommen fehlgeschla⸗ gen, sondern diese Papiere sind im Gegentheil seitdem noch bedeutend gestiegen und stehen bereits auf 92 ½ zu 93, ein Stand, den sie seit langer Zeit nicht mehr erreicht hatten. Das Anlehen, welches für diesen Staat im Belaufe von anderthalb Millionen zu 7 pCt. gemacht wurde, wurde zum Theil sogar mit dem Course al pari angebracht, und trägt jetzt schon 5 bis 6 pCt. Prämie. Ueberhaupt hat die Speculation sich großentheils wieder auf die Staatspapiere geworfen. Auch die von Kentucky sind wieder sehr gesucht und bereits auf Pari gestiegen, das Vertrauen in beisir Staat ist aus dem Grunde um so größer, als er verhnaag, weit weniger verschuldet ist, als die meisten en I sind Indiana, die zu einer großen Entwerthung herabgesunken waren,