1843 / 7 p. 3 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

währen, die ihm eine so große moralische Unterstützung verleihen, und ihre eigenen Interessen fördern würde. Die Achtung, die ich der Un⸗ abhängigkeit meines Landes schuldig bin, verbietet mir, um eine solche Anerkennung zu bitten Colicitar). Ganz Europa darf überzeugt sein, daß ich die mir durch die Nation anvertraute Regentschaft, nur in die Hände der Cortes niederlegen, nicht aber mir eine Entsagung ab⸗ trotzen lassen werde. Ich wünsche nichts sehnlicher, als daß der durch die Constitution festgesetzte Zeitpunkt, an welchem Ihre Majestät die Königin die Zügel der Regierung zu übernehmen hat, recht bald er⸗ scheinen möge.“ 3

Der General Linage erhielt gestern, als er im Gefolge des Regenten aus dem Thore ritt, durch das Pferd einer neben ihm reitenden Person einen so heftigen Schlag, daß er in ein Haus ge⸗ tragen und verbunden werden mußte. Nach einer halben Stunde konnte er die Reise in einem Wagen fortsetzen.

Der General Seoane hat der Regierung gemeldet, daß er heute, den 22sͤten, mit 38 Bataillonen in Barcelona, wo die Truppen ihn mit Ungeduld erwarteten, einrücken würde.

Der General Don Antonio van Halen ist zum General en Chef der Armee von Andalusien ernannt worden, so daß die General⸗Ca⸗ pitaine von Andalusien und Granada in Bezug auf militairische Ope⸗ rationen ihm untergeordnet sind. Wir haben Nachrichten aus Granada bis zum 14ten. Seit dem 11ten hatte der General Al⸗ varez die Stadt aufgefordert, sich binnen 12 Stunden zu ergeben, aber späterhin nichts Ernstlicheres unternommen. In der Stadt wa⸗ ren 20,000 Bewaffnete entschlossen, sich standhaft zu vertheidigen. Von den Zinnen der Alhambra flatterte das Banner Castiliens, das seit dem Einzuge der katholischen Könige dort aufbewahrt wird. Die Hartnäckigkeit, mit welcher die Einwohner auf ihrem Widerstande be⸗ harren, ist eine auffallende Erscheinung.

Unsere Nachrichten von Malaga gehen nur bis zum 14ten. Am 13ten waren von dort zwei starke Kolonnen ausgerückt, um Granada zu Hülfe zu eilen. Ein englisches und ein französisches Kriegsschiff kreuzten vor dem Hafen. Die Erbitterung des Volkes auf die Engländer war aufs Höchste gestiegen, und machte sich auf der benachbarten ECisengießerei la Constancia, die unter englischer Lei⸗ tung steht, in Thätlichkeiten Luft. Am 16ten marschirten einige Trup⸗ pen von Cadix aus, um in Verbindung mit denen des Barons Ca⸗ rondelet Malaga anzugreifen. Almeria beharrte ebenfalls auf dem Aufstand, und schickte Mannschaft nach Granada. In Se⸗ villa ward am 17ten eine neue aufrührerische Bewegung durch die feste Haltung der Truppen unterdrückt. Auch in Burgos droht ein Aufruhr auszubrechen. Die beiden Er⸗Deputirten Collantes und Ar⸗ quiaga, wurden am 18ten in Briviesca verhaftet, weil sie die Be⸗ satzung zu verführen suchten. Auf dem Wege nach Burgos, wohin man sie brachte, gelang es ihnen jedoch, mit dem sie begleitenden Offizier zu entfliehen.

Abends. In Corusia brach der Aufstand am 18ten aus. Der General⸗Capitain wurde von den Rebellen verhaftet. Die Truppen leisteten keinen Widerstand. In Granada dauerte der Aufstand noch

am 17ten fort. In Valencia war bis zum 20sten nichts Besonde⸗ res vorgefallen. Am 17ten sollte Murcia von 3000 Pronunzirten, die von Alicante und Cartagena kamen, angegriffen werden.

x * Paris, 1. Juli. Die Junta von Barcelona hat sich durch die Drohung der Einäscherung der Stadt nicht erschüttern, sich kein Zugeständniß abzwingen lassen. Ihre Antwort auf das Verlan⸗ gen Zurbano's, daß die Straße nach Barcelona sofort von den Trup⸗ pen der Insurgenten geräumt werde, ist in der nachstehenden Procla⸗ mation enthalten, in welcher durch aufgeblasene Worte ein stolzer, eiserner Männersinn hindurchblickt.

„Barceloneser! Unser gemeinschaftlicher Feind, der wilde Zurbano, verlangt die Räumung der Punkte, welche von den constitutionellen Trup⸗ pen und von der National⸗Garde besetzt sind, und er droht mit einer so fortigen Beschießung der Stadt, wenn wir uns weigern, seinen Willen zu erfüllen. Die oberste Junta, als treue Vertreterin eurer Gesinnungen, kennt die große und majestätische Aufgabe, die ihr von euch anvertraut ist, und von eurem Heldenmuthe belebt, sagt sie: „„Die Enkel der Borell und der Berenguer sterben, aber sie ergeben sich nicht. Barceloneser, euer Name, der von jetzt an dem der Numoͤntiner gleichsteht, wird künftig in der Ge⸗ schichte an eine der glänzendsten und heldenmüthigsten Thaten geknüpft sein. Verlassen wir die Stadt, deren Thüren uns bei Tag und bei Nacht offen stehen. Laßt sie unsere Häuser verbrennen, wenn wir nur auf der Brand⸗ stätte derselben frei athmen können. Vor unseren patriotischen Gesängen werden die Torannen, mit Schmach und Schande bedeckt, in den Staub sinken. Es lebe die Verfassung! Es lebe die Königin! Es lebe die Central⸗Junta! Nieder mit Espartero!““

Diese letzten Worte sind die erste Kriegs⸗Erklärung, welche die Junta von Barcelona gegen die Regentschaft Espartero's ausspricht, wenngleich es längst nicht mehr zweifelhaft war, daß das ganze cata⸗ lonische Pronunciamiento stillschweigend zum Hauptzwecke hatte, den Herzog de la Vitoria von der Spitze der Regierung zu verdrängen. Am 23sten war Barcelona in der unmittelbaren Erwartung, daß das Feuer von Monjuich von einem Augenblicke zum anderen beginnen werde. Die Einwohner waren unablässig bemüht, ihre beste Habe in Sicherheit zu bringen, und es schien, als ob bald nichts übrig bleiben werde, als die Wände der leeren Häuser. Bei einer neuen Konferenz, welche die Konsuln von Frankreich und England mit dem Gouverneur von Monjuich hatten, wiederholte dieser das Versprechen, daß er vor jedem weiteren Schritte die Rückkehr der am vorigen Tage in das Hauptquartier des General⸗Capitains geschickten Offiziere abwarten werde. Die Konsuln sollen, um ihren Vorstellungen mehr Eindruck zu verschaffen, erklärt haben, daß der Oberst Echalecu im Falle der Beschießung der Stadt weder für sich, noch für seine Sol⸗ daten und Offiziere auf das Asylrecht auf den fremden Schif⸗ fen rechnen könne. Man sagt überdies, daß das Volk von Barcelona entschlossen sei, auf den ersten Kanonenschuß von Monjuich einen allgemeinen Sturm auf das Fort zu laufen,

das bei seiner weniger zahlreichen Besatzung allerdings mög⸗ licherweise durch die von Wuth und Verzweiflung getriebenen Tau⸗ sende der barceloneser Bevölkerung überwältigt werden könnte. In⸗ zwischen hat sich nun mit dem Rückzuge Zurbano's auf Cervera und Lerida die unmittelbare Gefahr von Barcelona entfernt. Die Um⸗ stände, welche den Rückzug des General⸗Capitains von Catalonien veranlaßt und begleitet haben, sind noch nicht bekannt, doch ist dabei allem Anscheine nach weder ein Kampf, noch eine Capitulation wirk⸗ sam gewesen. Ob Zurbano sich nach seiner Vereinigung mit Seoane stark genug glauben wird, um von neuem gegen Barcelona vorzurücken, wird der Erfolg lehren. Dagegen ist es kaum zweifelhaft, daß Espartero bei seinem Unternehmen gegen Valencia auf keine ernstlichen Schwierigkeiten stoßen werde. Wie wenig der Aufstand im Süden zu bedeuten habe, beweist schon der Umstand, daß Espartero mit ein paar tausend Mann Truppen, vielleicht 6 blos mit seiner Reiterei, ohne olles Hinderniß bis auf einen Tagemarsch von Valencia vordringen konnte, und daß auch die aufrührerische Pro⸗ vinzial⸗Hauptstadt Albarete nicht den geringsten Widerstand gegen ihn versuchte. Die in den Dienst der Insurrection hineingezogenen Trup⸗ pen haben überdies schon so viele Zeichen von der Unzuverlässigkeit lhrer revolutionairen Gesinnungen gegeben, daß es nichts weniger als wahrscheinlich ist, daß sie ihrer neuen Fahne, Angesichts ihres alten und jedenfalls beliebten Feldherrn, treu bleiben werden.

V

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Das Diario merantil von Valencia bestätigt, daß es sich in dieser Stadt darum landelt, das Gesetz außer Kraft zu setzen, durch welches die geistlicen Güter zu Zwecken des Staats eingezo⸗ gen sind: „Es ist zu unsrer Kenntniß gekommen“, sagt das genannte Blatt, „daß die ehrwürüͤge Geistlichkeit der Provinzial⸗Hauptstadt eine Eingabe an Ihre Gcellenz die Rettungs⸗ Junta gerichtet hat, in welcher sie um die Zuwückgabe der geistlichen Güter bittet. Wir haben überdies gehört, daß die Mitglieder der Junta von den besten Absichten beseelt und sehr geneigt sind, auf das fragliche so recht⸗ mäßige Verlangen einzugehen. Die Rettungs⸗Junta würde sich mit Ruhm und Ehre bedecken, venn sie diesen großen und menschenfreund⸗ lichen Schritt thäte, und die ganze Stadt würde einen frohen Tag feiern, denn alle Valencianer wünschen von ganzem Herzen, daß jene Maßregel stattfinde.“ Das Diario mercantil fügt hinzu, daß die Geistlichkeit in der Stadt und Provinz Valencia bis jetzt unge⸗ achtet der durch das Gesez ausgesprochenen Confiscation, im unge⸗ störten Genusse ihrer Grund-⸗Eintünfte sei, ein Umstand, der dann freilich die Verfügung, um welche es sich handelt, für Valencia zu einer eben so leicht ausführbaren macht, als sie in den Theilen des Landes, wo die geistlichen Güter bereits eingezogen und verkauft sind, absolut unmöglich sein würde.

Der Gazette du Midi wird unterm 26. Juni von der äußer⸗ sten Gränze geschrieben: „Die Generale Narvaez, Oribe und Concha sind heute wirklich abgereist, nachdem sie zuvor förmlichen Abschied von unseren Behörden genommen haben. Sie stiegen um 12 Uhr mit ihren Adjutanten und Bedienten vor aller Welt Angen in eine eigens für sie bestellte Diligence. Sie werden sich in Port Vendres auf dem „Rubis“ einschiffen. Man sagt, daß Narvaez nach Andalusten geht, und daß von den beiden anderen einer nach Barcelona, und der zweite nach Valencia bestimmt ist.“ Der General Narvaez, welcher sich in der letzten Zeit in der Nähe von Perpignan aufhielt, hatte zwar von dem Präfekt den ostensibeln Befehl erhalten, sich in das Innere des Landes zu begeben, allein er blieb nichtsdestoweniger, mit Jeder⸗ manns Wissen, in der unmittelbaren Nachbarschaft der genannten Stadt, bis er endlich mit seinen eben genannten Waffengefährten auf⸗ brach, nachdem er wenige Tage zuvor eilige und wahrscheinlich auch wichtige Mittheilungen durch den Secretair des Präfekten erhalten hatte. .““

Vereinigte Staaten von Nord-Amerihka.

O New⸗York, 15. Juni. Drei Tage hindurch haben wir den Präsidenten Tyler auf Besuch hier gehabt, nachdem er aus Vir⸗ ginien zurückgekommen war. Hier zählt der Präsident zahlreiche Freunde und Anhänger, und es ist daher nicht zu verwundern, daß er von allen Klassen einen sehr herzlichen Empfang fand. Die kurze Zeit seines Aufenthaltes hier widmete er der Besichtigung der verschiede⸗ nen Anstalten öffentlichen Nutzens, darunter auch des gigantischen Werkes der Wasserleitung des Coron, wodurch die Stadt New⸗York jetzt mit frischem Wasser in Ueberfluß versehen wird. Heute hat der Präsident diese Stadt wieder verlassen und ist nach Boston abgereist, wo er gleichfalls eine willkommene Aufnahme finden wird.

Gestern fand hier eine zahlreiche Versammlung von Repealers im Parke statt. Von Repealers welcher Art, werden Sie fragen, hier in Nord⸗Amerika? Und doch ist es so, die Nachrichten aus England über die in Irland jetzt herrschende Agitation, die Drohungen im eng⸗ lischen Parlamente, Waffengewalt nöthigenfalls gegen Irland anzu⸗ wenden, und die Berichte über die da und dort in Irland unter O'Connell's Vorsitz gehaltenen großen Volks⸗Versammlungen, haben auch das Blut der zahlreichen hier befindlichen, und wie ihre Lands⸗ leute daheim, durch sehr reizbaren Charakter sich auszeichnenden Ir⸗ länder in Wallung gesetzt. Gestern Abend also hatte im Park eine große Anzahl derselben sich versammelt, um sich über die Frage der Zurücknahme der Union zwischen England und Irland, d. i. der Parlamente beider Länder, sich auszusprechen. Aber auch Stimmen, welche diese Union vertheidigten, ließen sich vernehmen, doch waren die Gegner der Union bei weitem in der Mehrheit, und ihre Sprache war eben so heftig als drohend, offen⸗ bar darauf berechnet, in England Eindruck zu machen. Einige Red⸗ ner sprachen sogar unter lautem Beifall die Drohung aus, eine Re⸗ bellion in Kanada erheben zu wollen, wenn England gegen Irland Gewalt brauchen würde. Indeß gingen die Versammelten ruhig wie⸗ der auseinander. Die Krankheit der Influenza herrscht hier so allgemein, daß nur wenige Familien davon verschont sind. Einige Blätter können sogar nicht in ihrem gewöhnlichen Umfang erscheinen, weil fast alle Setzer erkrankt sind. In New⸗Orleans sind wieder einige Fälle gelben Fie⸗ bers vorgekommen.

M

☛Ꝙ Paris, 1. Juli. Die Niederlage der Merxikaner durch die Yukataner bei Merida wird auch durch die neuesten Nachrichten aus Mexiko, die bis zum 26. Mai reichen, bestätigt. Es heißt darin auch, die Truppen, welche dort kapitulirten, seien bereits nach Mexiko zu⸗ rückgekehrt, was aber noch der Bestätigung bedarf. Indeß dauerte die Belagerung von Campeche noch immer fort, aber auch die große Sterblichkeit unter den Belagerern zu Lande wie zu Wasser, denn auch die mexikanischen Dampfschiffe, namentlich der „Montezuma“, hatten viele Leute und selbst mehrere Offiziere verloren. Die merxi⸗ kanischen Blätter bringen gewaltig pomphafte Sieges⸗Berichte aus Anlaß des kleinen Scharmützels, der sich zwischen den beiden mexrika⸗ nischen Kriegsdampfern und dem Commodore Moore, als dieser von einer Windstille überfallen worden war, entsponnen hatte, wofür dieser aber bereits wieder Rache genommen hat.

Angekommene Fremde.

Hotel de Russie. J. Rotondi, Edler von Arailga, Kaeiserl. Königl. Wirklicher österreichischer Regierungs⸗Rath, nebst Frau Gemah⸗ lin, aus Wien. 2

Hotel de Rome. Oberst von Reitzenstein, Commandeur des NRegi⸗ ments Garde du Corps, aus Potsdam.

British Hotel. Freiherr von der Lanken, Kammerherr, nebst Frau Gemahlin, aus Klieken. Duntzfeld, Grossirer und Direktor der Cen⸗ tral⸗Kasse, nebst Frau Gemahlin, aus Kopenhagen.

Meinhardt's Hotel. Dr. med. Warwinsky aus Moskau. fessor Niemever und Frau Gemahlin aus Halle. .

König von Portugal. Medizinalrath und Professor von Hochel, aus Krakau. Hauptmann, Grafen J. und A. Preza, Gutsbesitzer, aus Posen. Frau Majorin von Maikow, W. von Maikow, Kollegien⸗ Secretair, N. von Maikow, akademischer Maler, von Solonitzyn, Kollegienrath, sämmtlich von St. Petersburg. Barandon, Schiffs⸗ Capitain, aus Stettin. 88

Hotel de Prusse. von Larisch, Major, aus Kümmeritz. Landge⸗ richtsrath Augustin, aus Brandenburg. Baron von Plotho, Rit⸗ terguts⸗Besitzer nebst Familie, aus Lütgengrätz. Pfarrer Hildenhagen, aus Quatz.

P ro⸗

Stadt London: Baron von Röder, Major, und Baronin von Rö⸗ der aus Wansdorf. Professor Bachmann aus Greifswald. Herr Gutsbesitzer von Wedell nebst Fräulein Tochter von Stettin.

Hotel de Saxe: Kaiserl. Russischer Kollegienrath, Professor Dr. Volck⸗

mann nebst Familie aus Dorpat. Herr von Kleist aus Stettin. Pro⸗ fessor Robinson aus Kassel.

Hotel de St. Petersbourg. Fougner, Polizei⸗Direktor und Ritter, und Toste, Ritter des Wasa⸗Ordens, aus Christiania.

Kaiser von Rußland. Probst Berlin, aus Schonen in Schweden. Meeting und Lantanley, irländische Edelleute, aus Dublin. Schou⸗ wenoff, Kollegien⸗Rath, aus St. Petersburg.

In Privathäusern. Gustav Baron Clodt von Jumgensberg aus Reval, Friedrichsstraße 150 bei Wolff. E. Lehman n, Superin- tendent und Ober⸗Pfarrer nebst Frau Gemahlin aus Belgard in Pom⸗ mern, Jerusalemerstraße 29 bei Doebes. Professor Hirschfeld aus Greifswald, Hinter der Kathol. Kirche 2a bei Ostermann. Der Groß⸗ herzogl. Weimarische Kammersänger Herr Wölfl aus Weimar, Jeru⸗ salemerstraße 66 bei Greiner.

Verlin-Stettiner Eisenbahn. 8 Section Berlin-Angermünde. 3 Frequenz in der Woche vom 25. Juni bis incl. 1. Juli 4578 Personen.

1843

Meteorologische Beobachtungen.

Nach einmaliger Beobachtung.

Abends 10 Uhr.

1843. 5. Juli.

Luftdruck. .. 337,70“ Par. 337,41 .““ 337,31 Par. Luftwärme ... 14,29 R. + 26,5° R. + 15,9 °9 R. Thaupunkt . .. 8 12,90 R. 12,50 R. + 12,2° R. 87 pCt. V 36 pCt. 78 pCt.

heiter. I heiter. heiter.

Morgens Nachmittags 6 Uhr. 2 Uhr.

Quellwärme 92 n. Flusswärme 16,109 R. Bodenwärme 28 R. 1 Ausdünstung 0,021 Rb. Niederschlag 0.

Dunstsättigung

1 Wetter 88 0. 0. 0. I Wärmewechsel + 27,1°

5292 Wolkenzug. .. 0. 12,9 R. Tagesmittel]: 337,47 Par. + 19,00 KR. 12,5 0 K. 67 pcCt. 0.

He n ln e Den 6. Juli

r B ö r 1843.

Pr. Cour. Brief. Geld. [Gem.

EE Fonds. 8 Geld.

Actien. 8† Brief.

Bel. Pots. Eisenb. 7 do. do. Prior. Obl. Mgd. Lpz. Eisenb. do. do. Prior. Obl. Brl. Anb. Eisenb. - do. do. Prior. Obl. Düss. Elb. Eisenb. 5 do. do. Prior. 0bl. 4. Rhein. Eisenb. do. do. Prior. Obl. Brl. Frankf. Eisb. do. do. Prior. Obl.æ Ober-Schlesische Eisenbahn. 4 Brl.-Stet. E. Lt. A.

do. do. do.

S 1

St. Schuld-Sch. 3 ½ 104 103 ½ Pr. Engl. 0bl. 30. 103 102¾ Präm Sch. d. Sech. 90 ½ I 1 Kur- u. Neumürk.

Schuldverschr. 3 ½ 102 Berl. Stadt-Obl. 3 ½ 103 ¼ Danz. do. in Th. 48 Westpr. Pfandhr. 3 102 Grossh. Pos. do. u 106 ¼ 101½ 1014 Ostpr. Pfandbr. . 103

3 ½ 103 ¼

103 ¼¾ 102 102 ½1

do. do.

Pomm. do. Kur- u. Neum. do-.⸗ Schlesische do.

Gold al marco. Friedrichsd'or. 13 s 13 12 And. Gldm. à 5 Th. 11 15 11212 8 3 4

do. do.

114 ¾

stempelte.

Disconto.

Pr. Cour. Thlr. zu 30 Sgr. Geld.

IKurz 141 8

2 Mt. 141 ½⅔

h e 72 Co uxn s.

1

Brief.

do. 250 PFl. HIamburg 8 M. Kurz 150 ½1

do. 300 MM. 2 Mt. 150 149 1St. 8 Me. 66 17126 UE. 2 NM vgteE tAIe“ . Fl. 2 Mt. Augsburg 2 Mt. Rreslau 100 Thlr. 2 Mt. 100 Thblr.“ 8 Tase

) 2 Mt. 100 Fr.

2 Mt. 100 SRbl. 3 Woch.

Amsterdam 250 Fl. V

London

104 ½

102 99 ⁄¾

100 99 %

Leipzig in Courant im 14 Thl. Fuss. .

Frankfurt a. M. Petersburg

Auswärtige Börsen. Amsterdam, 2. Joli. Niederl. wirkl. Sch. 53 8. 5 % Span. 17 26. Antwer pen, I. Juli. Zinsl. 5. Neue Anl. 178. Hamburg, 4. Juli. Bank-Actien 1670. Engl. Russ. 111 28 Paris, 1. Jul. 5 % Rente fin cour. 121. 55. 3⁰% Rente fin cour. 80.

5 % Neapl. au compt. 106. 20. 5 % Span. Rente —. Pass. 45. Wien, 1. 2 1. 5 % Met. 111 ½. 4 % 101. 3 % 77. Actien 1620. Anl. de 1834 142 ½. de 1839 111 ½.

Bank-

Königliche Schauspiele.

Freitag, 7. Juli. Im Opernhause: Auf Allerhöchsten Befehl: Faust, Oper in 3 Akten, mit Tanz. Musik von Spohr. (Herr Schmetzer: Graf Hugo; Mad. Burchardt: Röschen, als Gastrollen.)

Sonnabend, 8. Juli. Im Schauspielhause: Zum erstenmale wiederholt: Der Ruf, Lustspiel in 1 Akt, nach Secribe, von J. von Plötz. Hierauf: Die Frau im Hause.

Sonntag, 9. Juli. Im Opernhause: Die Stumme von Portici. (Herr Schmetzer: Masaniello, als Gastrolle. Frl. Ch. von Hagn: Fenela. Dlle. Marx: Elvire.)

Ein Platz in den Logen des ersten Ranges 1 Rthlr. 10 Sgr. zc.

Zu dieser Oper bleiben die bereits gekauften, mit Donnerstag bezeichneten Opernhaus⸗Billets gültig, auch werden die dazu noch zu verkaufenden Billets mit Donnerstag bezeichnet sein.

In Charlottenburg: Strauß und Lanner. Hierauf, auf Be⸗ gehren: Vor hundert Jahren.

111

Oeffentliche Aufführungen.

Sonntag, den 9. Juli, wird Herr Antoine Bazzini im Hotel de Russie Mittags von 12—2 Uhr eine Matinée musicale veranstal⸗ ten, in welcher unter Anderem ein großes Quartett von Beethoven (C-dur), das Adagio und Scherzo eines Quartetts von Spohr, die Fantasie über Themata aus Beatrice di Tenda und das Quar⸗ tett aus den Puritanern (für Violine allein), von der Composition des Konzertgebers, zur Ausführung kommen werden. Frl. Charlotte von Hagn und die Herren Gebrüder Gans werden den Konzertgeber unterstützen. Billets sind für 1 Rthlr. in der Schlesingerschen Mu⸗ sikalien⸗Handlung und an der Kasse für 1 Rthlr. 10 Sgr. zu haben.

Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.

Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerei. 2

Beilage

sige städtische Verwaltung dürften verabfolgt werden, und daß der gemachte Vorschuß im künftigen Oktober zurückerstattet werden solle.

Inland.

Breslau, 1. Juli. (Bresl. Z.) Fünfundvierzig Bezirks⸗ Vorsteher unserer Stadt haben eine Protestation gegen die in Aus sicht stehende Vereinigung des Oberschlesischen und des Nieder⸗ chlesisch ⸗Märkischen Eisenbahnhofes der Stadtverordneten sammlung vorgelegt. Der an uns gelangten Mittheilung zufolge, hat die Stadtverordneten⸗Versammlung diese Protestation dem Ma⸗ gistrate mit dem Antrage zugestellt, die geeignetsten Mittel und Wege anwenden zu wollen, um den großen Nachtheil von der Stadt abzu wehren, welcher ihr durch Ausführung des fraglichen Projektes un

fehlbar zugefügt werden würde.

Ver

Vom Rhein, im Juli. (Elb. Z.) Es wird einen Jeden, dem das Heil seiner Provinz am Herzen liegt, mit Freude erfüllen, zu sehen, wie die Kommission, welche zur Beurtheilung der Einrich⸗ tungen in der Siegburger Irren⸗Heilanstalt ernannt ist, in ihren Vorschlägen zur Verbesserung des bisherigen Zustandes das Prinzip der Sparsamkeit so glorreich durchgeführt hat. Eben so anerken nungswerth ist es, daß besagte Kommission die Pflege der Kranken einer Congregation von barmherzigen Schwestern übergeben wissen will, welche in Italien wie in Frankreich mit außerordentlicher Hin⸗ gebung und Gewissenhaftigkeit sich diesem schweren Liebesdienste unter ziehen; wiewohl hierbei die Protestanten völlig unberücksichtigt geblieben sind, welche doch auch ihr gutes Recht auf die Anstalt haben. Lassen wir aber auch jenen Bestrebungen der Untersuchungs Kommission alle Anerkennung widerfahren, so muß die Art und Weise, in welcher die Bemühungen des Herrn Dr. Jacobi von ihr besprochen werden, einen Jeden betrüben, der die Thätigkeit dieses Mannes zu beobachten Gelegenheit gehabt hat. Man sollte mei nen, daß die offenkundigsten gewichtigsten Beweise vorliegen müß⸗ ten, wenn mau einem Manne, der mit der treuesten Liebe sich diesem Berufe hingegeben hat, durchaus allen praktischen Sinn absprechen, ihn deshalb der Entsetzung von seinem Amte würdig erachten wollte, und man müßte daher erwarten, daß dieses von den Antragstellern dargelegt wäre. Der einzige Beweis aber, den man zur Begründung seiner Unbrauchbarkeit für genügend erachtet, ist der, daß Herr Ja— cobi den Wunsch ausgesprochen habe, daß sich Leute finden möchten, welche aus christlicher Liebe dem Berufe der Krankenpflege sich wid meten, da dann der Erfolg der Behandlung ungleich größer sein würde, und daß Herr Jacobi es nur schmerzlich bedauere, daß sich zur Zeit noch Niemand durch den inneren Drang der Liebe bewogen gefühlt habe, in seiner Anstalt die Wartung der Kranken zu überneh men. Einen solchen Vorschlag hält die Kommission für thöricht, da es ja Keinem zuzumuthen wäre, mitten unter rohen Wärtern sich die sem Berufe zu widmen. Wir dürfen zur Widerlegung nur darauf hinweisen, daß bereits in der Charité zu Berlin solche Personen zu wirken begonnen haben, mitten unter dem rohen Geschlecht von Wär⸗ tern und Wärterinnen.

Ausland. Deutsche Bundesstaaten.

Kurhessen. Kassel, 2. Juli. In der gestrigen Versamm lung der Stände verlas der Herr Landtagskommissar ein Schreiben der Staats Regierung, als Antwort auf das Auskunfts⸗Ersuchen der Stände über die Gründe der Ausschließung des Abgeordneten Wip permann von den Geschäften der General Brand Versicherungs⸗Kom

„2

age

zur Allgemeinen P

—ÿ—ꝛꝛꝛOõm.’ ——

Dieses glückliche Ergebniß, das uns einer sorgenvollen hebt, erregt hier allgemeine Freude. 9 Oesterreichische Monarchie.

Wien, 25. Juni. Fürst Metternich wird seine Reise nach Ischl bestimmt am 30sten d. M. auf dem Donau⸗Dampfboot über Linz antreten, bis Ende Juli daselbst verweilen, und gedenkt Anfang Augusts auf seinen böhmischen Herrschaften einzutreffen und auf Kö⸗ nigsmark einen mehrwöchentlichen Aufenthalt zu nehmen. Ein Theil des Hauspersonals des Fürsten ist bereits nach Ischl abgegangen. Vom diplomatischen Corps werden dem Fürsten der französische und der englische Botschafter, Graf Flahaut und Sir R. Gordon folgen, und auch der russische und der preußische Gesandte, Graf Medem und General Canitz werden zeitweise Ausflüge nach dem Aufenthalte des Staats⸗Kanzlers unternehmen.

Der diesseitige Gesandte am portugiesischen Hofe, Frhr. von Marschall, wird auf Urlaub hier erwartet.

Russland und Polen. St. Petersburg, 29. Juni. Einem Kaiserl. Befehl vom 18ten d. zufolge, soll Se. Kaiserl. Hoheit der Großfürst Thronfolger welcher sich zur 1sten Garde⸗Infauterie⸗Division zählt, fortan beim abgesonderten Garde-Corps stehen.

Der General⸗Militair⸗Gouverneur von Moskau und General der Kavallerie, Fürst Golizyn I., hat einen achtmonatlichen Urlaub ins Ausland erhalten, und es ist zu seinem Stellvertreter für diese Zeit der General der Infanterie, Fürst Schtscherbatoff, Mitglied des Reichs Raths, ernannt worden.

1“ Der Vice-Admiral Daniloff, der sich in Retraite-Zustand befand, ist in diesen Tagen hier gestorben.

Die neun letzten Artikel des Kaiserlichen Manifestes über Um⸗ wandlung des Russischen Papiergeldes, wovon die acht ersten Artikel bereits mitgetheilt sind (vergl. Allg. Preuß. Ztg. Nr. 4), lauten folgendermaßen:

IX. Um zur vollständigen Einheit der repräsentirenden Werthzeichen zu gelangen, sollen nach und nach auch die Devpositenbillets aus dem Umlaufe gezogen werden. Zu diesem Zweck soll: a. Die Annahme von Silbergeld und Barren in der Depositenkasse, mit der Eröffnung der Expedition für die Kreditbillets, aufhören; die Umwechselung der dieser Kasse präsentirten DOepositenbillets aber soll nach wie vor ungehindert sortdauern. b. gür die sowohl in den Reichsschatz und in die Kredit Anstalten kommenden, als auch laut Art. VIII. dieses Manifestes zur Bildung des Umwechselungs⸗ Fonds bestimmten Depositenbillets wird der Erpedition klingende Münze ausgezahlt, von ihr dagegen eine gleiche Summe in Kreditbillets genommen werden, c. Alle in die Depositenkasse, mittelst Umtausches, zurückgekehrten Depositenbillets sollen, nach gehöriger Revision, vernichtet werden. d. In der Folge soll die Depositenkasse, auf besonderen Befehl, aufgehoben und fernere Maßregeln zur endlichen Einziehung der noch übrig bleibenden De positenbillets, nebst Einstellung ihres Umlaufs als Zahlmittel, getroffen werden.

X. Nach Maßgabe des durch etwanige verstärkte Umwechselung zuneh⸗ menden Bedarfs soll der Fonds für die Kreditbillets aus dem Reichsschatz bis zu dem im Art. VII. bestimmten Verhältniß ergänzt werden.

XI. Die Umwechselung der Kredit⸗Billets gegen klingende Münze, d. h. gegen Gold- und Silbergeld, mit Beobachtung des gesetzlichen Ver⸗ hältnisses dieser Münzsorten unter einander, geschieht in St. Petersburg in der bei der Erpedition der Kredit⸗Billets bestehenden Umwechselungs⸗Kasse, nach dem Wunsche der Präsentanten, ohne Beschränkung der Summe, in Moskan aber in der dortigen Abtheilung aus dem dazu bestimmten Theil des Fonds, bis zum Belang von 3000 Rubel in eine Hand. Die durch Umwechselung gegen klingende Münze einkommenden Kredit⸗Billets werden in der Umwechselungs⸗Kasse verwahrt, bis für selbige, zur verhältnißmäßigen

mission des Inhalts, „daß der Wahl desselben zum Mitgliede der General⸗-Brand Versicherungs Kommission die dem Landesherrn auf den Grund des geltenden Staatsrechts und der bestehenden Staats Praxis zukommende Bestätigung deshalb versagt worden sei, weil derselbe während seines langjährigen öffentlichen Berufs regelmäßig Ansichten und Gesinnungen ausgesprochen und befolgt habe, velche die Wirksamkeit der Regierung zu erschweren suchten, und ihren begründeten Befugnissen und wohlmeinenden Absichten und Willenserklärungen zum Theil aufs Aeußerste entgegentraten, daher nur erwartet werden könne, daß derselbe als Mitglied der ge nannten öffentlichen Behörde mehr hindernd als nützlich sein werde.“ (Herr Wippermann bat ums Wort.) Der Herr Landtagskommissar theilte weiter den Beschluß des Finanzministeriums mit, wodurch er⸗ öffnet wird, „daß der sowohl bei den Renten und Passivzinsen, wie bei dem Finanzgesetze ständischerseits gemachte Vorbehalt, daß den erhobenen Ansprüchen in Betreff der Domanialien der ehemals Ro⸗ tenburger Quart überall nichts vergeben werden soll, als nicht vor handen angesehen werde.“ Sodann verlas derselbe ein höchstes Reskript vom 30. d. M., wonach die Stände unter Versicherung landesfürstlicher Huld und Gnade bis zum 1. Oktober d. J. vertagt werden, und erklärte hierauf kraft höchster Vollmacht die Ver sammlung für entlassen, worauf die Mitglieder alsbald den Saal verließen.

Großherzogthum Hessen. Mainz, 1. Juli. (F. J.) Der Bedarf an Brod für die Bewohner hiesiger Stadt bis zur künf⸗ tigen Aerndte ist nun zu dem gegenwärtigen Preise von 16“ Kr. für den 4pfündigen Laib Brod gesichert. Dieses glückliche Resultat verdanken wir den Bemühungen der hiesigen Civil⸗ und Militair⸗ Behörden und dem Wohlwollen der hohen Bundes Versammlung in Frankfurt. Da bei gänzlichem Mangel von der Stadt gehörenden Brodfrüchten und der durch die ungünstige Witterung stets hinaus geschobenen Aerndte ein bedeutender Ausschlag zu befürchten war, so berief der Herr Bürgermeister Nack das Syndikat hiesiger Bäcker die Herren Barthels, Ruppel und Seemann, um sich mit ihnen über die zur Sicherung der städtischen Brod⸗Consumtion zu treffenden Vorkehrungen zu besprechen. Sie eröffneten ihm, es befänden sich in dem hiesigen Militair⸗Magazine bedeutende Vorräthe von Mehl, und es wäre vielleicht möglich, von dort einen Vorschuß bis nach einge thaner Aerndte zu erhalten. Der Herr Bürgermeister wendete sich deshalb sogleich an den Herrn Regierungs⸗Präsidenten Freiherrn von Lichtenberg, und dieser stellte das Gesuch um eine solche Abgabe an den Herrn Grafen von Leiningen Westerburg, Vice⸗Gouverneur der Bundesfestung. So geneigt sich dieser letztere der Erfüllung dieser Bitte zeigte, so erklärte er jedoch, nicht von ihm, sondern von der hohen Bundesversammlung in Frankfurt hänge die Gewährung derselben ab. Der Herr Regierungs Präsident, der Alles, was zum Besten seiner Verwaltungs Angehörigen gereicht, mit dem längst bekannten Eifer betreibt, richtete nun ein Gesuch an das großherzogl. Staatsministerium in Darmstadt um Unterstützung der Bitte bei der hohen deutschen Bundesversammlung, und eine Deputation des hie sigen Gemeinderaths verfügte sich mit einer Bittschrift nach Frankfurt Der Bundestag beschäftigte sich unverweilt mit dieser für uns so wichtigen Angelegenheit, und gestern traf schon die Nachricht hier ein, daß 2000 Malter Mehl aus dem Militair Magazin an die hie⸗

Ergänzung des Fonds, wiederum Gold⸗ und Silbermünze erlangt wird.

XII. Bis zur Einrichtung der Umwechselungs⸗Kassen in St. Peters⸗ burg und Moskau und bis zur gleichzeitigen Aufhebung der bei der Leih⸗ bank und den Verwahrungs⸗Kassen bestehenden aäͤhnlichen Kassen sind die Bank und die Verwahrungs⸗Kassen verpflichtet, zur Bildung des Umwechse lungs-Fonds der Kredit-Billets⸗Erpedition beizutragen und dazu letzterer, nach Verhältniß der einer jeden dieser Anstalten gegebenen Menge Kredit Billets, die entsprechende Geldsumme zu überliefern und diese nöthigenfalls nach demselben Verhältniß zu ergänzen. 8 XIII. Um in den Gouvernements die Umwechselung kleiner Summen gegen Kredit⸗Billets zu erleichtern, werden die Kreis⸗Rentereien verpflichtet, nach Grundlage des Manifestes vom 1. Juli 1839, jedem Verlangenden in eine Hand, bis zum Belang von 100 Rubel, auszuwechseln.

XIV. Die allmälige und nach Maßgabe der Bequemlichkeit vorzu nehmende Emission der Reichs⸗Kredit-Billets mittelst Austausch gegen Assignationen und mittelst der aus dem Reichsschatz und den Kredit-An⸗ stalten zu machenden Zahlungen soll mit dem bevorstehenden 1. (13.) No⸗ vember beginnen.

XV. Von der Zeit an beginnen auch die Umwechselungs⸗Kassen in den durch gegenwärtiges Manifest bestimmten Gränzen, den Verlangenden für Kredit Billets klingende Münze und umgekehrt auszuliefern. Was die Umwechselung von Assignationen gegen Kredit⸗Billets auf den Wunsch von Privatpersonen betrifft, so wird deshalb seiner Zeit eine besondere Verord nung ergehen.

XVI. Die bei den Kron⸗Behörden liegenden Assignationen sollen, so bald statt ihrer die entsprechende Menge Kredit Billets ausgeliefert worden, an die Erpedition dieser Billets zur gehörigen Revision und Vernichtung geschickt werden. M

XVII. Damit durch Einstellung der Annahme von Einlagen in der Depositen- Kasse die Verlangenden nicht der Bequemlichkeit beraubt werden, für ihre klingende Münze und Barren leichtbewegliche Werthzeichen zu er langen, wird vom Tage des Beginnens der Wirksamkeit der Umwechselungs Kassen, d. h. vom 1. (13.) November d. J. an, die Annahme solcher Einlagen in den genannten Umwechselungs⸗Kassen und die Auslieferung von Kredit⸗Billets dafür, nach den für die Depositen⸗Kasse vorgeschriebenen Regeln erlaubt. Zu noch größerer Bequemlichkeit der Deponenten aber wird es gestattet, außer der Silbermünze und Gold⸗ und Silberbarren auch Nussische Goldmünze anzunehmen und dafür, nach dem gesetzlichen Werth Verhältnisse des Silbers und Goldes, die entsprechende Summe in Kredit Billets auszuliefern. Die von Kron⸗Behörden und Privat⸗Personen ein⸗ getragenen Depositen werden, nachdem dafür Kredit⸗Billets ausgeliefert worden, ganz zum Fonds dieser Billets geschlagen und sollen somit zu kei⸗ ner anderen Verausgabung, als bloß zum Wiederumwechseln angewendet werden. 8 XVIII. Die Kreditbillets⸗Erpedition und deren Abtheilung in Moskau stehen unter der Kontrolle des Conseils der Kredit⸗Anstalten, auf Grundlage des Art. VII. des Manifestes vom 1. Juli 1841. Außerdem wird dieses Conseil jährlich aus seiner Mitte einen Deputirten vom Adel und einen von der Kaufmannschaft zur Theilnahme an der allmonatlichen Revision der Summen der Erpedition wählen.

XIX. Bei der Revision der Jahres⸗Rechnungen der Erpedition, welche in der für die Kredit- Anstalten überhaupt vorgeschriebenen Ordnung anzu stellen ist, hat das Conseil dieser Anstalten seine ganze Aufmerksamkeit dar auf zu richten, ob die für die Circulation der Kreditbillets festgesetzten Grund regeln in aller Pünktlichkeit beobachtet werden, namentlich: ob die Menge der gegen Assignationen ausgelieferten Billets der Summe der ausgewech selten Assignationen entspricht; ob der Umwechselungs⸗Fonds, nach Grund⸗ lage der Art. VII und VIII. dieses Manifestes, wenigstens dem sechsten Theile der für Assignationen und Depositenbillets ausgelieferten Kredit⸗ billets gleichkömmt; endlich, ob die Kreditbillets, welche für die in der Erpe⸗ dition niedergelegten Depositen und für die in derselben abgelieferten Depo⸗ sitenbillets ausgegeben worden, durch einen ihrem ganzen Betrage entsprechen⸗

den Fonds sichergestellt sind.

Zeitunzg

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Frankreich.

Deputirten⸗Kammer. Sitzung vom 29. Juni. Im Lauf der fortgesetzten Diskussion des Marine⸗Budgets klagte Herr Mermilliod über die Verzögerung eines Gesetz⸗Entwurfs in Betreff des Kauffahrtei⸗Dienstes und fragte, ob zu hoffen sei, daß die Re⸗ gierung in der nächsten Session diese so lange schon erwartete Maß⸗ regel endlich einbringen werde. Darauf erwiederte der Marine⸗ Minister, daß zwei Entwürfe zu einem solchen Disziplinar⸗Gesetz für die Kauffahrtei⸗Marine zu verschiedenen Zeiten vorbereitet und der Kriegs- und Marine⸗Kommission mitgetheilt worden seien; es hätten aber Schwierigkeiten in Bezug auf die exceptionelle Gerichtsbarkeit, deren Beibehaltung doch unerläßlich sei, sich ergeben; die Regierung habe sich dadurch behindert gefunden, und sie sei jetzt nicht im Stande, zu sagen, wann die Sache vor die Kammer werde kommen können; jedoch versicherte der Minister, daß man sich angelegentlichst damit be⸗ schäftige. Bei dem 9ten Kapitel, welches die Vorräthe in den Wer ten und die Bauten betrifft, wofür 27,803,000 Fr. verlangt werden führte Herr Tupinier darüber Klage, daß man das Marine⸗Ma⸗ terial in den letzten 6 Jahren sehr vernachlässigt habe; an Schiffs⸗ bauholz sei jetzt fast nur ein Drittel so viel vorhanden, als früher, weil man nicht gehörig dafür Sorge getragen, den Abgang zu er neuern. Herr Corné sprach gegen das System, daß man die Dampfmaschinen für die Marine in Regierungs⸗Anstalten und nicht von Privat⸗Fabrikanten bauen lasse.

„Die Kammer“, sagte der Redner, „hat neulich dem Plan des Kriegs⸗ Ministers hinsichtlich der Anstalten für Pferdezucht sich opponirt. Die Dampf⸗ maschinen aber sind die Pferde der Marine und sollten eben so wenig von dem Marine-Departement selbst produzirt werden, wie die Pferde von dem Kriegs⸗Departement. Frankreich steht in Ansehung seiner Dampfmaschinen gegen England zurück.“

Herr Hernour: Ich möchte wissen, was der ehrenwerthe Deputirte unter diesem Zurückstehen meint?

Admiral Leras: Es ist nicht patriotisch, zu behaupten, Frankreich stehe hinter seinem Rival zurück.

Der Präsident: Der tapsere Admiral hat nicht das Wort; es ist nicht in der Ordnung, daß er die Kammer anredet.

Admiral Leray: Ich muß dennoch meine Erklärung wiederholen.

Herr Corné: Ich meinte unter dem Ausdruck „Zurückstehen“ die Zahl unserer Dampfschiffe, wie aus dem Bericht des Grafen Daru über die transatlantischen Paketschiffe hervorgeht. Ich kann versichern, daß Pri⸗ vat-Anstalten in großer Schnelligkeit vortreffliche Dampfmaschinen von 450 Pferdekraft angefertigt haben. Es werden aber jetzt nur 900,009 Fr. für Privat⸗Anstalten gefordert, und mit einer so geringen Summe kann diese riesenhafte Fabrication nicht unterhalten werden.

Der Marine-Minister: Ich will nicht leugnen, daß sehr treffliche Dampfmaschinen in den Privat⸗Werkstätten gearbeitet werden, aber das ist kein Grund, die Regierungs⸗Fabrik zu Indret aufzugeben, die als Muster⸗ Anstalt dienen soll, in welcher alle Verbesserungen erprobt und, wenn sie sich bewähren, ausgeführt werden können.

Herr Mermilliod; Ich wünsche der Kammer Glück zu den Fort⸗ schritten, welche Frankreich in der Fabrication der Dampfmaschinen gemacht hat, und vermöge deren es nicht mehr zu den Fabriken des Auslandes seine Zuflucht zu nehmen braucht. Aber um Mißbräuche zu verhindern, ist es nöthig, alle französischen Fabrikanten bei Austrägen der Regierung zur Kon kurrenz zuzulassen. Voriges Jahr votirte die Kammer 14 Dampfschiffe von 450 und 4 von 220 Pferdekraft für die transatlantische Schifffahrt. Es wurden an verschiedene Personen Aufträge für Maschinen ertheilt, aber statt daß man sich an Fabrikanten von Ruf hätte wenden sollen, hielt man sich zum Theil an Leute, die mit der Sache nicht im geringsten bekannt sind. Eine der auf diese Weise begünstigten Personen war ein Verfertiger von eisernen Bettstellen. Wie kann man nun wohl erwarten, daß ein sol cher Mann eine ordentliche Dampfmaschine fabriziren oder sie innerhalb der bestimmten Zeit liefern könnte? In Folge dieses Gunstsystems hat erst neulich eine Verzögerung im Paketboot⸗Dienst stattgefunden.

Herr von Lacoudraie vertheidigte das Verfahren der Re⸗ gierung und behauptete, die Aufträge seien an vollkommen kompetente Personen ertheilt worden. Es wurden darauf dieses und die folgenden Kapitel ohne Reduction angenommen. Eine Frage des Herrn Ri⸗ viere de Larque, ob Maßregeln zum Schutz der Franzosen in Bue⸗ nos-Ayres getroffen seien, beantwortete der Minister der aus⸗ wärtigen Angelegenheiten dahin, daß das in jener Gegend stationirte Beobachtungs-Geschwader um ein Kriegsschiff verstärkt worden und daß jetzt daselbst eine zum Schutz der Franzosen hinrei⸗ chende Seemacht anwesend sei. Auf eine andere Frage des Herrn Estan⸗ celin, ob in Oceanien eine Justiz⸗Behörde eingesetzt sei, erklärte Herr Galos, daß die dort kommandirenden Offiziere mit der nöthigen Vollmacht zur Entscheidung von Civil⸗ und Kriminal⸗Sachen beklei⸗ det seien. Nach Votirung des Marine⸗Budgets ging man zum Fi⸗ nanz-Budget über, dessen Erörterung nichts von Interesse darbot.

Paris, 31. Juni. Das Ministerium scheint die Erörterung über den Gesetz-Entwurf hinsichtlich der Forderung von 200,000 Fr. für die Juli⸗Feier, bei der übrigens diesmal keine Volkslustbarkeiten mehr stattfinden sollen, zu scheuen. Man hat die Debatten darüber bisher immer noch hinauszuschieben gewußt, in der Hoffnung, daß, wenn die Sache in den letzten Augenblicken der Session zur Sprache komme, die Kammer, um nur schnell zu Ende zu kommen, den mmiste⸗ riellen Entwurf ohne Umstände genehmigen werde.

Herr Guizot hat gestern erklärt, daß die Regierung bei den neuen Behörden von Haiti ernstlich auf Bezahlung der Schuld an Frankreich gedrungen habe. Wie es scheint, hat der Französische Konsul zu Pont au Prince bei der provisorischen Regierung gleich nach dem Sturz des Präsidenten Boyer die nöthigen Schritte ge⸗ than, um deren Intentionen hinsichtlich der Französischen Schuldfor⸗ derung kennen zu lernen. Die Antwort soll anfangs ausweichend, dann aber wenig günstig gelautet haben. In Folge dessen hätte das Kabinet der Tuilerien, wie es heißt, der haitischen Regierung anzei⸗ gen lassen, daß, wenn das rückständige Semester nicht mit Ablauf des gegenwärtigen berichtigt wäre, Frankreich sich genöthigt sehen würde, außerordentliche Maaßregeln eu ergreifen, und die Republik Haiti zur Erfüllung ihrer Verbindlichkeiten zu zwingen.

Herr von Montbel, einer der Minister Kalr's X., ist am 25. Juni zu Marseille angekommen und hat sich am folgenden Tage von da nach Toulouse begeben. Er soll in der letzten Zeit häufige Konferenzen mit dem Herzog von Bordeaux gehabt haben und angeblich der legi⸗ timistischen Partei dessen Räthschläge zu überbringen beauftragt sein. Im Schoße dieser Partei herrscht noch fortwährend heftige Fehde. Bekanntlich hatte die Gazette de France vor einiger Zeit ein Schreiben von einem Herrn von St. Valry mitgetheilt, welches die gröblichsten Angriffe gegen Herrn Berryer enthielt. Der Sohn des Letzteren begab sich daher mit einigen Zeugen auf den Landsitz des Herrn von St. Valry, um ihn für jene Behauptungen zur Rechen⸗ schaft zu ziehen. Dieser beeilte sich auch, seine eigenen Anschuldigungen in demselben Blatte zu widerrufen, und es scheint, daß legitimistische Autoritäten sich ins Mittel legten, um die Sache gütlich euszugleichen. Dessenungeachtet nimmt die Erbitterung zwischen den Anhängern Herrn von Genoude und denen des Herrn Berryer täglich gu. übliche

Herr von Lamartine gedenkt eine Umreise durch e Frankreich zu machen, wahrscheinlich um sich ben Hekst eh g