1843 / 18 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

dem verflossenen Jahre 9929 Rthlr. 11 Sgr. 9 Pf., die Ausgabe aber 9997 Rthlr. 23 Sgr. 10 Pf. Ihre Majestäten der König und die Königin von Preußen haben Ihre huldreiche Theilnahme an die sen Anstalten schon auf vielfache Weise bewiesen und beabsichtigen eine ähnliche große Diakonissen Anstalt zur Bildung evangelischer Pflegerinnen für die östlichen Provinzen in Berlin zu errichten. Se. Miajestät der König hat 11,300 Rthlr. zum Bau eines neuen Hauses für die Zwecke der hiesigen Anstalt als zinsfreies Darlehen Allergnä digst bewilligt. Die Anstalt genießt für Briefe unter Kreuzband, Geldsendungen und Pakete bis 10 Pfd. unter der Rubrik: „Ange legenheiten der rheinisch⸗westphälischen Diakonissen⸗Anstalt“ und der Adresse des Pfarrers Fliedner Porto-Freiheit im Umfange der preu⸗ ßischen Monarchie.

Königsberg, 14. Juli. Die hiesige Allgemeine Zeitung enthält folgendes Schreiben aus Berlin vom 27. Juni. Die in einem Korrespondenz⸗Artikel aus Berlin in Nr. 170 der Aachener Zei⸗ tung enthaltene Erzählung von der auf Verdacht des Betruges er⸗ folgten Verhaftung eines hiesigen Bürgers und Gewerbetreibenden, der nach vier Wochen als unschuldig freigelassen worden, stimmt, ge nauer Nachforschung zufolge, mit der Wahrheit nicht überein. Der einzige hier vorgekommene Fall, auf welchen dieselbe sich nach den in jenem Artikel angeführten Einzelnheiten möglicherweise beziehen könnte, verhält sich durchaus anders, als dort angegeben worden. Wegen Betrügerei in Bezug auf gewisse Wechsel ist allerdings auf Veran lassung des hiesigen Kriminalgerichts, jedoch erst, nachdem die den

Verdacht des Betrugs begründeten Indizien konstatirt worden, ein hiesiger Einwohner verhaftet worden. Die Haft desselben ist so lange fortgesetzt worden, als die Lage der Untersuchung dies erforderlich machte. Die Entlassung ist aber dann nicht deshalb, weil er un schuldig befunden worden, sondern nur vorläufig und bis zu dem zu erwartenden Erkenntnisse erfolgt, wie dies in vielen Untersuchungen vorkommt und vorkommen muß.

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Württemberg. Stuttgart, 12. Juli. Der Fruchtpreis

zettel, den der heutige Schwäbische Merkur gab, zeigte noch Aufschlag in allen Fruchtgattungen und auf allen Fruchtmärkten. Es waren dies die Preise, wie sie sich in Folge des langen Regenwetters bis in die erste Woche des Juli hinein gesteigert hatten, während schon damals die Witterung einen günstigeren Charakter angenommen hatte. Das fortwährend gute Wetter hat nun auch bei uns, wie in anderen Ländern, günstig auf die Fruchtpreise eingewirkt, und wir hoffen, der nächste Fruchtpreiszettel werde bedeutenden allgemeinen Fruchtabschlag bringen. Unser gestriger Fruchtmarkt hier war sehr von Verkäufern besucht, welche sich alle noch ihrer Vorräthe zu hohen Preisen entledigen wollen. Neben Frucht aus Bayern war auch württembergische von der Alb ꝛc. auf dem Markte. Dagegen fehlten seit beinahe einem Jahre zum erstenmale die Fruchtkäufer aus dem Badischen: ein Zeichen, daß die Zufuhren den Rhein herauf nach und nach das Bedürfniß in der Pfalz, in der Gegend von Pforzheim ꝛc. decken. Dennoch wurde viele Brodfrucht verkauft, ohne Zweifel, weil die Bäcker hier und auf dem Lande sehr geringe Vorräthe haben und also kaufen müssen. Die Preise sämmtlicher Brodfrüchte gingen mehr oder minder bedeutend herab.

Baden. Heidelberg, 12. Juli. (M. J.) Die ganze Stadt war heute festlich geschmückt, Blumengewinde und Fahnen an allen Häusern, dabei das regsamste Treiben der Menge, von früh bis spät. Einer Ehrenpforte gleich prangte das Thor. Es zeichneten sich durch besonders sinnreiche Verzierungen die Wohnungen des Advokaten Kräuter, Geh. Raths Chelius, Kaufmanns Grösser und der „badische Hof“ aus. Diese Anstalten galten dem Empfange der durchlauchtig⸗ sten Prinzen Ludwig und Friedrich, welche heut Abend 8 Uhr in einem schön gezierten Wagen auf der Eisenbahn mit S. K. H. dem Großherzoge hier anlangten. Die Bürgergarde zu Fuß stand am Bahnhofe und empfing die verehrten Gäste mit klingendem Spiele, und die reitende Bürgergarde wartete an der Chaussee und begleitete den Wagen in die Stadt, wo die Fürsten unter dem Jubel des Volkes, und von Böllerschüssen von der Anhöhe begrüßt, einzogen. Die großherzog⸗ lichen Prinzen werden das schon begonnene Semester Privatvor⸗ lesungen hören, im nächsten jedoch den öffentlichen Kollegien bei⸗ wohnen.

Die mit Würt dem Verneh⸗

(Schwäb. M.)

Juli. 2 betreffen

Karlsruhe, 11. (Schwa Verhältnisse

temberg vereinbarten Gränz

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men nach die Kondominat⸗Orte Widdern und Edelfingen, und die in einigen Gränz⸗Gemeinden streitigen Markungs⸗ und Hoheits-Gränzen.

Die Theuerung fängt an zu weichen: nach heutiger Polizei Bekanntmachung soll der zweipfündige Laib Brod von 10 auf 8 Kr. herabgesetzt sein; auch werden schon häufig neue Kartoffeln feil ge boten, welche dieses Jahr überhaupt einen außerordentlich reichen Er trag zu liefern versprechen.

Freiburg, 10. Juli. (Oberrhein. Z.) Bei den steigen den Fruchtpreisen in der jüngsten Zeit wurde wiederholt in öffentli chen Blättern die Bemerkung gemacht, daß die Theuerung, welche an manchen Orten wirklich recht drückend wurde, keinesweges eine Folge des Mangels an den verschiedenen Fruchtgattungen sei, sondern viel mehr ihren Grund in der Furcht einer geringen Aerndte habe. Daß diese Meinung in der That die richtige war, davon haben die letzten Tage den augenscheinlichen Beweis geliefert. Denn kaum hat die eingetretene günstige Witterung die Hoffnung auf eine gesegnete Aerndte wieder belebt, kaum haben die wenigen heißen Tage der vorigen Woche die Reife der Früchte sichtbar gefördert, so zeigt sich fast überall auf den Märkten kein Mangel mehr, und allenthalden ist ein merkliches Fallen der Fruchtpreise eingetreten. So war zum Bei spiel am letzten Sonnabend der hiesige Fruchtmarkt so ungewöhnlich überführt, daß eine größere Masse an Früchten seit Jahren hier nicht aufgestellt, weshalb auch, trotz der raschen und starken Aufkäufe, gleichwohl die Preise sämmtlicher Fruchtgattungen ansehnlich ge wichen sind.

Sachsen⸗Weimar⸗Eisenach. Ilmenau, Mitte Juli. (Weim. Z.) Der hiesige Stadt⸗Rath hat durch Eröffnung eines Getraide⸗Magazins, durch Straßenbauten und durch Backen von Brod aus Korn- und Gerstenmehl zur Linderung des Nothstandes, so weit es in seinen Kräften stand, zweckmäßig gewirkt.

Lübeck, 5. Juli. (A. Z.) Der im benachbarten Mecklenburg zur Ausführung kommende Plan, Elbe und Warnow mittelst eines Kanals zu verbinden, kann uns insofern erwünscht sein, als er eine Annäherung zwischen dem dänischen und lübeckischen Deputirten in der Elbeschifffahrts-Kommission zu Dresden bewirken muß, ein Wunsch unserer Staats⸗Behörden, der bisher noch zu den frommen gehörte. Es liegt jetzt nicht minder im Interesse des Herzogthums Lauenburg als in dem unsrigen, daß die über Rektifizirung und Correction des Stecknitz Kanals gepflogenen Verhandlungen baldigst zu einem befrie⸗ digenden Resultate geführt, und jene zu Gunsten der lauenburger Schif fer und zum empfindlichsten Nachtheil unserer Stecknitz-⸗Fahrer seither bestandenen Beschränkungen unserer Kanalböte, namentlich ihre Aus schließung von der Elbe, aufgehoben werden. Eine ernstliche Konkurrenz hat der Stecknitz⸗Kanal wohl kaum von einer Wasserverbindung zwischen Elbe und Warnow zu befürchtenz; je kürzer die Strecke ist, auf welcher die Seeschiffe der Vermittelung der Fluß⸗Fahrzeuge bedürfen, um so vor züglicher ist sie; wie viel weiter auf Binnengewäͤssern von Hamburg nach Rostock als von Hamburg nach Lübeck ist, zeigt ein Blick auf die Landkarte. Man erinnert sich dabei an Napoleon's riesenhaftes Projekt, einen Kanal von Dassow (einem 3 Meilen von hier entfern⸗ ten mecklenburgischen Städtchen an einem mit der Trave zusammen fließenden See) in ziemlich gerader Linie bis Lüneburg zu graben, der breit und tief genug sein sollte, um die größten Linienschiffe zu tra⸗ gen, und so mit der Zeit die Ostsee als geschlossenes Meer auf im

mer der Französischen Flagge zinsbar zu machen. Bekanntlich war vor mehreren Jahren das zu einer Eisenbahn von Hamburg nach Lübeck erforderliche Actien -Kapital zusammengebracht, konnte indeß nicht benutzt werden, da die dänische Regierung, obwohl sich das Londoner Kabinet für die Hansestädte verwendet hatte, aus Rücksicht für das mit Lübeck rivalisirende Kiel der Ausführung des Projekts seine Erlaubniß verweigerte, so daß dasselbe vorläufig auf gegeben werden mußte. Seit nun der Bau einer Eisenbahn von Hamburg nach Berlin auf dem rechten Ufer der Elbe definitiv be schlossen, ist auch jenes alte Projekt, Lübeck und Hamburg durch einen Schienenweg zu verbinden, hier wieder aufgetaucht; und man sieht sehr gespannt der Entscheidung aus Kopenhagen entgegen, ob die Berlin⸗Hamburger Eisenbahn, wie von Preußen gewünscht wird, über Büchen oder, wie Lauenburg erwartet, über diese Stadt geführt wer den soll, um alsdann bei der dänischen Regierung die geeigneten Schritte zu thun, die Einwilligung zu einer Eisenbahn von Lübeck über Ratzeburg und Mölln zum Anschluß an die Berlin-Hamburger Bahn zu erhalten.

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Pairs⸗Kammer. Sitzung vom 12. Juli. Graf Daru überreichte den Bericht der Kommission, welche damit beauftragt war, den Gesetzentwurf zu prüfen, durch den die Spirituosen, welche

nicht mehr zum Trinken tauglich sind, von allen Zöllen befreit wer den sollen. Die Kommission hatte sich zu Gunsten dieses Gesetz entwurfs ausgesprochen. Sodann zog die Kammer sich in ihre Büreaus zurück, um den Gesetzentwurf über das Einnahme⸗Budget für den Dienst von 1844 zu prüfen und nöthigenfalls eine Kom mission zu näherer Untersuchung dieses Entwurfs zu ernennen. Nach einer halbstündigen Unterbrechung begann die Sitzung wieder. Die Büreaus hatten selbst die Kommission zur Prüfung des Einnahme Budgets ernannt und dieselbe aus folgenden Mitgliedern zusammen gesetzt: Baron Davillier, Graf Beugnot, Graf Chaltet, Graf von Mürat, Graf von Ham, Graf von Lariboisièere und Vicomte von Abancourt. Hierauf erstattete der Herzog von Albufera, der Präsident Boullet, der Graf von Beaumont, der Baron von Delort und Herr Romiguière, der Reihe nach, Berichte, in denen vorgeschlagen wurde, daß die Kammer verschiedene Gesetz Entwürfe in Betreff außerordentlicher Auflagen und Anleihen, die von den Departements des Ain, der Seine, der Arriège, der oberen Garonne, des Jura, der Seine und der Vendee, so wie von den Städten Amiens, Angouleme, Castres, Dole, Havre, Mans, Turcoing und Vannes votirt worden, ohne Weiteres genehmigen möge. Der Mar⸗ quis von Audiffretlegte hiernächst den Bericht der Kommission, die mit Prü⸗

fung des Gesetz⸗Entwurfes über das Ausgabe⸗Budget für den Dienst von 1844 beauftragt worden, auf die Tafel nieder. Eben so überreichte der Fürst von Eckmühl einen Bericht über den Gesetz⸗Entwurf in Betreff des Wie

deraufbaues des Central-Gefängnisses zu Beaulieu. Alle diese Be⸗ richte wurden zum Druck und zur Vertheilung verordnet. Einen Ge⸗

setz⸗Entwurf über die Einsetzung eines Friedeusgerichts zu la Guillo

tiéere im Rhone Departement genehmigte die Kammer mit 90 gegen 6 Stimmen. Ebenfalls ohne Diskussion votirte die Kammer mehrere Gesetz- Entwürfe in Bezug auf verschiedene Veränderungen in den Territorial-Abgränzungen der Departements des Calvados, der Eure, der Loire, der oberen Loire, der Lozère, des Norden, des Ober⸗Rhein, der Seine und Oise und der Vogesen. Die Erörterung des Aus⸗ gabe⸗Budgets wurde auf nächsten Montag angesetzt. Der letzte Gesetz Entwurf, der noch an der Tages⸗Ordnung war, betraf die Eröffnung eines Kredits von 200,000 Fr. für die 13te Jahresfeier der Julitage von 1830. Herr Dubouchage erklärte zwar, daß er sich der Bewilligung dieser Forderung nicht widersetzen wolle, fand es aber doch seltsam, daß man die Departements zu Unterstützungen bei

steuern lasse, die allein unter die Armen der Hauptstadt vertheilt wer

den sollten, so daß es auch billig wäre, den ganzen Kredit nur von der Stadt Paris tragen zu lassen. Der Minister des Innern. erwiederte, daß, obgleich eine traurige Erinnerung (an den Tod des Herzogs von Orleans) in diesem Jahre noch die gewöhnlichen Feste

hindere, doch die Leichenfeierlichkeiten zum Gedächtniß der Gefallenen nicht unterbleiben würden, und daß die Vertheilung von Almosen nur eine Ergänzung dieser Trauerfeier sein solle. Die drei Artikel des vorliogenden Gesetz Entwurfs wurden hicrauf einer nach dem anderen votirt und schließlich das ganze Gesetz mit 77 gegen 19 Stimmen angenommen. 1 v114X“

Paris, 12. Juli. Der Herzos Herzogin von Nemours werden Neuilly nicht eher verlassen, bis die ganze Königliche Familie versammelt ist, was nicht vor Ende dieses Monats der Fall sein dürfte. Nach den großen Manövern werden Ihre Königlichen Ho heiten noch mehrere Orte in der Bretagne besuchen und gegen Ende Augusts zu Brest eintreffen.

Admiral Roussin soll am Sonnabend den unwiderruflichen Ent schluß kund gegeben haben, sich von seinem Ministerposten zurückzu ziehen, und man hätte, wie es heißt, nur so viel über ihn vermocht, daß er sein Portefeuille noch so lange behalten wolle, bis die Er nennung seines Nachfolgers erfolgt wäre.

Das Journal des Débats enthält ein Schreiben aus dem Hafen Akarsa in Neu⸗Seeland vom 22. Februar, worin gemeldet wird, daß die französische Korvette „Allier“ am 22. Januar von dort abgesegelt war, um nach Frankreich zurückzukehren; sie sollte bei Otaheiti, den Marquesas- Inseln und Lima anhalten. Der englische Kolonialgon verneur Shortland war am 2. Februar nach Akarsa gekommen und hatte kraft des proklamirten Souverainetätsrechts der Krone England über Neu Seeland und die dazu gehörigen Inseln die britische Flagge auch auf dem von französischen Kolonisten okkupirten Landstrich auf gepflanzt. Herr Berart, Commandeur der Korvette „Rhein“ prote stirte gegen diese Besitzergreifung. Shortland benachrichtigte die Kolonisten von den englischerseits getroffenen Einrichtungen in Be⸗ zug auf den Wallfischfang in der Nähe der Küste von Neu⸗Seeland und die Abgaben von den Einfuhr⸗Artikeln, worauf die Kolonisten sich gegen diese Anordnungen verwahrten und von dem Vorgefallenen Bericht nach Paris erstatteten.

Auf dem Hofe der Werkstatt eines Maschinenbauers in der Rue du Faubourg St. Antoine sieht man seit einigen Tagen eine Loko

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wie keine vor ihr. Seitdem hat freilich eine solche Erweiterung in den musikalischen Mitteln stattgefunden, daß die einfache Instrumentation jener Zeit oft dürftig erscheint, wenn sie nicht von so tiefer Empfindung inspirirt und in so großem Styl gehalten ist, wie bei Gluck; aber obgleich Sacchini diesen Meister des lvrischen Drama's nicht erreicht, so kömmt er ihm doch in einzelnen Partieen seiner Musik sehr nahe, und diese haben denn auch bei der Wiederbelebung des „Oedip“ auf dem Pariser Opern⸗Theater ihre Wirkung nicht verfehlt, während von manchen Stücken, besonders von der Mehrzahl der Arien, auch die wärmsten Freunde der älteren Musik einräumen müssen, daß sie den Zuschnitt einer Modeform tragen und unserem Geschmack nicht mehr zusagen können. Die interessan teste Analyse der Oper hat Hektor Berlioz im Journal des Débats gegeben. Als die wirkungsreichsten und großartigsten Musikstücke derselben bezeichnet er die Einleitungs⸗Scene zu dem bekannten Duo zwischen Oedip und Antigone, die Chöre und vorzüglich das Trio des dritten Akts zwi schen Oediv, Antigone und Polvnices, welches an Erhabenheit und Wahr⸗ heit des mannigfach bewegten, leidenschaftlichen Ausdrucks dem Bedeutend- sten sich anschließt, was in der dramatischen Musik produzirt worden. V „Ein interessantes Fattum für die Musiker aller Länder ist die kürzlich hier. erfolgte Bildung eines „Musikkünstler⸗Vereins zur Unterstützung hülfs bedürftiger Musiker“, der vorzüglich durch die Bemühungen der Herren Taylor, Meverbeer, Lißt, Halevy, Schlesinger, Thalberg, Auber, Martinez de la Rosa, Berlioz und Anderer ins Leben gerufen wurde und sich bereits sehr reger Theilnahme erfreut. Lißt sandte von Petersburg aus als Bei⸗ trag 1000 Fr., eben so Meverbeer von Berlin eine ansehnliche Summe ein, und es ist zu erwarten, daß die ausländischen Künstler überhaupt, da sie gleiche Berechtigung zur Unterstützung wie die französischen haben sollen, sich nach Kräften bei diesem wohlthätigen Verein betheiligen werden. Die Sta⸗

tuten desselben sind nach Wien, Berlin, Petersburg, London und nach an deren Hauptstädten an namhafte Handlungen zur Vertheilung übersandt worden. Brüssel. Das in deutschen Blättern verbreitete Gerücht vom Tode des Violinisten Prume wird im Moniteur belge vom 13. Juli für ungegründet erklärt; nach der Angabe dieses Blattes hat sich das Befinden des ausgezeichneten jungen Virtuosen vielmehr in der letzten Zeit gebessert.

Nostock. An den Tagen des 14., 15, 17. und 18. Juli findet hier das vierte norddeutsche Musikfest statt. Die beiden geistlichen Konzerte, am ersten und dritten Tage, werden von dem Königlich hannoverschen Hof Kapellmeister Marschner, das erste weltliche Konzert, am zweiten Tage, von

dem Musil⸗Direktor Weber aus Rostock, das zweite, am vierten Tage, vom

Großherzoglich oldenburgischen Hof⸗Kapellmeister Pott dirigirt. Im ersten geistlichen Konzert werden Mendelssohn's Symphonie Kantate „Lobgesang“ und 42ster Psalm nebst einigen kleineren Piécen von anderen Kirchen Komponisten, im zweiten das Oratorium „Judas Maccabäus“ von Händel, in den beiden weltlichen Konzerten aber Somphonieen, Ouvertüren, Konzerte für einzelne Instrumente mit Orchester⸗Begleitung, Arien und Duetten ausgeführt. In den beiden Kirchen Konzerten besteht der Sänger⸗Chor aus 310, das Or chester aus 150 Personen. Die bei den verschiedenen Aufführungen, geist lichen wie weltlichen, vorkommenden Solo⸗Partiecen im Gesang haben die Damen Marschner aus Hannover, Schlegel aus Schwerin, Schloß aus Leipzig und Hahn aus Neu⸗Strelitz, die Herren Dettmer aus Dresden, Wolff aus Halberstadt, Kiel aus Schwerin, Ischiesche aus Berlin und Wi⸗ demann aus Hannover übernommen. Die Soli der Instrumental⸗Konzerte werden von den Herren Freibier aus Schwerin, Kotte und Kummer aus Dresden, Pott aus Oldenburg, Schmitbach und Heinemeyver aus Han⸗ nover, Riefstahl aus Frankfurt a. M., Willmers aus Kopenhagen und Zimmermann aus Berlin vorgetragen. Die geistlichen Konzerte finden in der St. Marien⸗Kirche, die weltlichen im Schauspiel hause, Nachmittags von 5 Uhr an, statt. Zu den ersteren werden je zwei, zu den letzteren je eine mehrstündige Probe abgehalten. Von sechs der Mitwirkenden kommen eigene Compositionen zur Aufführung, die zum Theil ganz neu, zum Theil dem musikalischen Publikum bereits bekannt sind. Dahin gehören zwei Quvertüren, komponirt und dirigirt von Marsch ner, ein großes Violin-⸗Konzert, komponirt und vorgetragen von Pott, eine große Fantasie für Violoncell, desgleichen von Kummer, ein Flöten⸗Con⸗ certino mit Variationen, desgleichen von Heinemeper, und eine Fantasie für Fagott, desgleichen von Schmitbach.

Prag. Unser Theater war in den letzten Monaten voller Leben. Erst erfreute man sich an den mannigfachen Charakter⸗Darstellungen des Herrn Rott vom Königlichen Theater zu Berlin, der einige Wochen hier mit großem Beifall gaästirte, dann an dem Gastspiel der Mad. Peroni⸗ Glaßbrenner, die uns von Hannover aus besuchte und ebensalls den leb⸗ haftesten Applaus erhielt. Nun aber sollte uns auch noch der Genuß zu Theil werden, die berühmte Schwester der noch berühmteren Malibran hier zu hören. Pauline Viardot⸗Garcia, jetzt Primadonna der italie nischen Oper in Paris und während der letzten italienischen Opern⸗Saison in Wien auch für diese als Hauptzierde gewonnen, trat auf ihrer Durchreise von Wien nach Berlin hier ein paarmal als Rosine im „Barbier von Sevilla“ im hiesigen Theater auf und feierte einen hier selten erlebten Triumph. In der Sceue am Klavier wollte das da capo kein Ende finden, und die gefällige Künstlerin trug jedesmal einige eingelegte Gesangsstücke vor. Es

war eben so wohl die geistige Lebendigkeit, welche den Ausdruck ihres Gesanges erfüllt, wie die hohe Vollendung der Form desselben, was so hinreißend wirkte, daß man nie genug davon hören konnte. Der Andrang nach Billets war außerordentlich, und man sprach überall nur von der ausgezeichneten Fremden. In Wien, wo Mad. Viardot⸗Gareia nicht geringeren Enthusiasmus erregt hatte, mußte „der Barbier von Sevilla“ im Lauf der italienischen Opern Saison, von Anfang April bis Ende Juni, funfzehnmal gegeben werden. Nächst der Rosine wurde die Fonnambula der Mad. Viardot am meisten bewundert, und diese Oper erlebte daher auch mehrere Wiederholungen; außerdem trat die Sängerin dort in Opern von Donizetti und Ricci auf. Unter den in der Unterrichts-⸗Scene im „Bar bier“ von ihr eingelegten Liedern und Romanzen hatten Dessauer's Ouvrez, das „Rataplan“, von Mad. Malibran komponirt, der Contrabandista von Garcia, dem Vater der beiden Sängerinnen, las Nadadores, la Fiancée und einige andere, die in dem Schle⸗ singerschen „Album Garcia“ zu finden sind, so wie einige eigene Com positionen der Mad. Viardot, den meisten Beifall. Daß die Gesangs Vir tuosin zugleich ein bedeutendes Compositions⸗Talent und überhaupt eine sehr vielfeitige artistische Bildung besitzt, übt auf ihre Leistungen als Sängerin und Darstellerin den vortheilhaftesten Einfluß aus und giebt ihnen ein in je⸗ der Hinsicht durchgeistigtes Gepräge. Ein in Paris bei Troupenas erschie nenes Album von Liedern ihrer Composition ist in Deutschland noch wenig bekannt, verdient aber, daß unsere Musilfreunde sich damit vertraut machen. Sie werden unter anderen trefflichen Gesängen zu ihrer Ueberraschung darin auch drei in deutscher Sprache finden, auf die deutschen Worte komponirt, unter diesen zwei Uhlandsche Gedichte, „der Knabe vom Berge’ und „die Kapelle“. Die Kompo⸗ nistin, eine geborene Spanierin, die nur vor fünf Jahren einmal wenige Wochen in Deutschland gereist ist, versteht und spricht das Deutsche doch so ausgezeich net, wie man es bei Individuen der romanischen Volksstämme gewiß selten finden möchte. (Mad. Viardot Garcia ist vor einigen Lagen in Berlin eingetroffen, wird aber leider nur kurze⸗ Zeit hier verweilen. Man hofft indeß, daß uns wenigstens einmal der Genuß zu Theil werden wird, sie jetzt als vollendete dramatische Sängerin zu bören, nachdem wir früher schon, im Jahre 1838, als sie das Theater noch nicht betreten hatte, ihre außerordentliche Virtuosität und ihren feurigen Vortrag als Konzertsängerin fennen gelernt, in einer Zeit, wo die Künstlerin diese Laufbahn eben erst begann, da sie bis dahin dem Piano sich hatte widmen wollen, auf welchem sie auch bereits eine sehr eminente Fertigkeit besaß. Vielleicht wird dieselbe, wie verlautet, wenigstens in einzelnen Scenen aus dem „Barbier“ und dem „Othello“ hier aufzutreten Gelegenheit finden.)

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notive, welche, wie eine kleine Brigg, mit Masten, Segeln und

Alaaggen ausgestattet ist. Es soll damit ein Versuch gemacht werden,

och es sich als praktisch erweisen werde, die Treibkraft des Windes nit der des Dampfes auf Eisenbahnen zu verbinden. Sollte das Erperiment gelingen, so würde sehr viel Brennmaterial erspart verden.

Börse. Die Effekten hielten sich heute ziemlich gut; die Fproc. Rente wurde 121.60, die 3proc. 80.30 notirt; spanische aktive Schuld 26 ¼ à 27 ohne Umsatz, weil von Frankfurt keine Aufträge tingegangen waren.

1 m Paris, 12. Juli. Die Gerüchte über eine bevorstehende Kabinets-Modification tauchen abermals auf. Es fehlt nicht an Leu⸗ en, die denselben Glauben schenken, weil es gewiß scheint, daß nach em Schlusse der Sitzung der Admiral Roussin sich aus dem Kabinet urückziehen wird. Uebrigens ist es allgemein bekannt, daß keine po itischen Gründe, sondern reine Gesundheits⸗Rücksichten die Veran assung zum bevorstehenden Rücktritt des Admiral Roussin geben. Man hat als den Nachfolger desselben den Grafen Salvandy genannt. Es wäre nicht das erstemal, daß ein Mann, der gar nicht zur Ma⸗ rine gehört, das Portefeuille des Seewesens erhalten hätte. Der Baron Charles Dupin wurde vor einigen Jahren zum See⸗Minister erwählt, obwohl er nie in seinem Leben auf einem Kriegsschiffe ge⸗ dient hat. Aber als Sections⸗Chef im Departement des Seewesens

besitzt er ausgedehnte Kenntnisse in der Marine, deren Graf Sal⸗

vandy vollkommen entbehrt. Die Kandidatur des Grafen Salvandy zum See⸗Minister hat aber auch keinen ernstlichen Grund, sondern es ist höchstens davon die Rede gewesen, Herrn Salvandy, wenn eine

Modification des Kabinets eintreten sollte, vorzüglich zu berücksichtigen.

CEine Modification des Ministeriums liegt indessen gegenwärtig weder

in dem Willen des Königs, noch in dem Wunsche des Herrn Guizot.

Die Deputirten⸗Kammer, von der allein eine Minister⸗Krisis ausge-

hen konnte, ist de facto geschlossen und mit ihr die Gefahr, welche

die Existenz des Kabinets bedrohte, verschwunden. Die Kammer hat

sich in einer solchen Verwirrung aller politischen Nüancen getrennt,

daß das Kabinet selbst sehr verlegen wäre, anzugeben, aus welchen Elementen die ministerielle Majorität eigentlich jetzt besteht. Bis zur nächsten Session können Ereignisse eintreten, welche die Stellung der einen oder der anderen Partei in der Kammer genauer bestimmen I

werden, um das Kabinet in die Lage zu setzen, die wahren Elemente kennen zu lernen, wodurch es seine Kräfte verjüngen und verstärken könnte. Wenn aber nicht außerordentliche Begebenheiten eintreten, wird das bestehende Ministerium sich vor der nächsten Session, mit Aus nahme des Admirals Roussin, als dessen muthmaßlichen Nachfolger man den Vice- Admiral Le Roy betrachtet, in seinen wesentlichen Be standtheilen nicht ändern.

Die Revue de Paris, die unter der gemischten Inspiration des Grafen Molé und des Herrn Thiers geschrieben wird, will wissen, daß der Marschall Soult mit der Idee umgehe, von seinem Schloß St. Amand aus, dem König seine Entlassung als Präsident des Mi⸗ nister-Rathes einzusenden, in welchem Falle dann Herr Guizot die Präsidentschaft des Conseils übernehmen würde. Die Angabe der Revue de Paris gleicht der moutarde après le diner. Wahr ist es, daß der Kriegs⸗Minister sich zurückziehen wollte, als die Deputir ten⸗Kammer Miene machte, die von der Budget⸗Kommission vorge schlagene Reduction von 14,000 Mann anzunehmen, und daß Herr Guizot, den Entschluß seines Kollegen nicht theilend, im Kabinet als Prä⸗ sident geblieben wäre. Die Verwerfung der fraglichen Reduction ließ die Sachen beim Alten, und der Marschall hat keinen Grund mehr, um seine Demission einzureichen. Obwohl hoch bejahrt, ist seine Gesundheit rüstig. Von den eigentlichen politischen Streitfragen hat sich der Marschall immer so viel als möglich ferngehalten, wenn man nur nicht in seine Militair-Verwaltung eingreift, läßt er seine übrigen Kollegen in ihren respektiven Departements schalten und walten, wie sie es am besten verstehen.

Die ganze Königliche Familie hat heute um 2 Uhr Nachmittag das Lustschloß Neuilly verlassen, um sich nach der Familiengruft von Dreux zu begeben. Vor der Abreise des Königs wurde noch ein langer Minister- Rath abgehalten, bei welchem Se. Majestät den Vorsitz führte. Die Königliche Familie wird Freitag zur Tafel in Neuilly zurückerwartet, wird aber bis zum nächsten Sonntag gar keine Besuche annehmen. Es ist dafür gesorgt worden, daß der König während seiner Abwesenheit dreimal des Tages einen summa rischen Bericht alles dessen, was von Wichtigkeit in den einzelnen Ministerien vorfällt, erhält. Außerordentlich wichtige telegraphische Depeschen sollen sogleich dem König mitgetheilt werden.

Der Ausflug des Hofes nach Eu wird erst nach dem Schlusse der Session der Pairs-Kammer stattfinden, um welche Zeit der Herzog von Nemours seine Inspections⸗Reise in die Pro vinzen anzutreten gedenkt. Dann werden auch die Minister sich einige Erholung gönnen. Herr Guizot wird während der Einberufung der Conseils généreaux auf seinem Schlosse Val Richer unweit Caen ein paar Wochen verleben. Der Handels Minister, der erst von einer schweren Krankheit genesen, wird ins Bad reisen, Herr Teste eine Inspections⸗Reise unternehmen. So lange die spanischen Angelegen⸗ heiten nicht eine entschiedene Haltung gewinnen, will Marschall Soult die Hauptstadt nicht verlassen. Man befürchtet noch immer in Paris, daß Espartero, unter dem Vorwande, die Cortes in Cadix einzuberu fen, die Königin Isabella aus Madrid nach Cadix führe, um sie als ein Instrument seiner eigenen persönlichen Sicherheit gegen die In surrection zu gebrauchen. In einem solchen Falle würde das Kabinet der Tuilerieen sogleich den Vice⸗Admiral Mackau mit der Flotte nach Cadix beordern. Alle Vorkehrungen zu einer solchen See⸗Erpedition sind bereits getroffen, und die Flotte des mittelländischen Meeres, die in Toulon segelfertig liegt, ist mit Kriegs-Munition und Lebensmit⸗ teln auf mehrere Monate versehen worden.

Grossbritanien und Irland.

Oberhaus. Sitzung vom 11. Juli. ie Ausschuß Verhandlungen über die schottische Kirchen-⸗Bill des Lord Aberdeen wurde heute fortgesetzt und die Bill bis zur 6ten Klausel genehmigt. Lord Aberdeen hatte zuvor angezeigt, daß er bereit sei, das von Lord Brougham angekündigte Amendement anzunehmen, welches, wenn auch nur theilweise, der Bill den Charakter eines deklamatori schen Gesetzes geben wird. Lord Campb ell, der dagegen protestirte, weil das Amendement nicht auf den Charakter der ganzen Bill wir ken könne, konnte indeß mit seiner Ansicht nicht durchdringen.

Unterhaus. Sitzung vom 10. Juli. Unter den ver⸗ schiedenen Fragen, die zu Anfang der heutigen Sitzung, ehe das Haus zur Tages⸗Ordnung überging, an die Minister gerichtet wurden, ist die des Herrn Turner hervorzuheben, der unter dem Eindruck des allgemeinen Unwillens über das kürzlich zwischen dem Oberst Fawcett und Lieutenant Munroe vorgefallene Duell die Frage stellte, ob die Regierung in der nächsten Sitzung nicht eine Bill gegen Duelle ein⸗ bringen würde, worauf Sir Robert Peel indeß erklärte, daß er auf die Frage nicht vorbereitet sei und sie auch einer reiflichen Ueberle⸗ gung bedürfe. An der Tages⸗Ordnung war sodann die vertagte De batte über die irländischen Zustände in Folge des Antrags des Herrn O'Brien. Es nahm zuerst Capitain Bernal das Wort, um für

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den Antrag und unter Wiederholung der schon von den früheren Rednern erörterten Beschwerden Irlands gegen die Regierung zu sprechen. Der Redner machte besonders bemerklich, wie die jetzige Regierung, als sie noch Opposition war, zu einer Untersuchung der irländischen Zustände stets bereit war, um dem damaligen Mini⸗ sterium Verlegenheiten zu bereiten, jetzt aber nach drei Jahren sich einer solchen Untersuchung widersetze. Wie die Regierung übrigens gegen Irland gesinnt sei, erkannte Herr Bernal aus den Gesinnun⸗ gen ihrer höheren Beamten; der General⸗Prokurator für Irland, Herr Jackson, sei der eifrigste Orangist, ebenso der Kronanwalt Herr Smith; der Präsident der Handelskammer (Herr Gladstone) habe 1840 gegen die Geldbewilligung für das Seminar in Maynooth ge⸗ stimmt, endlich Sir James Graham die Endschaft aller weiteren Konzessionen erklärt, obgleich Irland nicht im Besitz dessen sei, was die Unionsakte versprochen; dazu habe er noch Grund, zu glauben, daß der Premier⸗Minister mit den Gesinnungen seiner Kollegen über⸗ einstimme. Die Regierung ziehe den Bürgerkrieg dem Nachgeben vor; sie wäre ohnmächtig Gutes, aber entschlossen Böses zu thun. Zur Wiederherstellung der Ruhe in Irland wollte Herr Bernal das Amt des Lord⸗Lieutenants abgeschafft, das Seminar in Maynooth. mit den protestantischen Universitäten gleichgestellt und die katholische Geistlichkeit dotirt und anerkannt sehen; man möge die Ursachen der Unzufriedenheit beseittgen und man würde Ruhe haben.

Ddie folgenden Reden, mit Ausnahme der des General⸗Anwalts für Irland, Herr Smith, und des Lord Howick, enthielten keine neuen haltbaren Argumente zur Unterstützung der Beschwerden Ir lands oder zur Vertheidigung der Regierungs⸗Politik. Die letztere ibernahm Sir Howard Douͤglas, dessen Rede insofern bemer⸗ kenswerth ist, als sie zwar anerkannte, daß für Irland etwas gethan werden müsse, aber eine Berücksichtigung der Beschwerden nicht eher für statthaft erklärte, als bis die Agitation sich gelegt habe. „Ich würde selbst einer gegründeten Beschwerde nicht abhelfen, so lange als die Agitation fortdauert“, sagte der Redner und beantragte die Annahme eines solchen Grundsatzes. Indeß fand dieser Antrag nicht V einen einzigen Unterstützer. Herr Stuart sprach darauf gegen die Regierung, ebenso Capitain Rous, ein Tory, zum großen Aergerniß seiner Partei. Mit ihm stimmte der folgende Redner, Herr Som⸗- noville, ein Liberaler; Beide erörterten die falsche Stellung der Kirche, und wollten gleichmäßigere Vertheilung des Kirchenguts.

Der General-Anwalt für Irland, Herr Smith, vertheidigte darauf die vom Ministerium vorgenommenen Ernennungen in der Justiz⸗ Verwaltung gegen die Beschuldigung des Orangismus von Seiten des ersten Redners Herrn Bernal; seine Rede währte mehrere Stun⸗ den, machte indeß keinen Eindruck auf das Haus. Das Resultat derselben war eine Zurückweisung des Antrags des Herrn O'Brien, weil bei den verschiedenen Ansichten der Vertheidiger desselben über die Mittel zur Abstellung der Beschwerden ein Comité des Hauses zu keinem Schluß kommen würde.

Die effektvollste und auch beste Rede der heutigen Sitzung war die folgende des Lord Howick, nicht wegen neuer Argumente für die Haltbarkeit der irländischen Beschwerden, denn sie wiederholte auch nur das früher Gesagte, sondern wegen ihres lebhaften Kon⸗ trastes mit der Rede des Sir Howard Douglas, dessen starren Grund⸗

sätzen, welche die Regierung zu unbedingten Zwangs Maßregeln gegen

beklagenswerthes Resultat, welches aber auf das schlagendste beweist, wie illusorisch die genannte Convention für das hiesige Land gewesen ist. Die Einfuhr der deutschen Weine und Seidenwaaren hat ch seit dem August vorigen Jahres für den einen und den anderen Artikel nur um 100,000 Fr. vermehrt, eine Erhöhung, die kaum nennenswerth ist und wahrlich kein Anlaß zu einer Sprache hätte werden sollen, wie man sie in der französischen Kammer geführt hat. Man hört in der französischen Presse, so wie auch in der Kammer, immer von den Prätentionen der Unersättlichkeit, der Undankbarkeit Bel⸗ giens und seiner Regierung reden und vergißt gänzlich, mit welcher Nach⸗ giebigkeit es seinen sehr gemäßigten Zoll⸗Tarif an der französischen Gränze aufrecht erhält in der steten bisher immer fehlgeschlagenen Hoffnung, daß endlich die Versprechungen in Erfüllung gehen, die man in Paris macht, und wodurch man eigentlich nur die Schritte, die nach ande⸗ ren Seiten hin gethan werden könnten, zu vereiteln sucht. Allein wir glauben, daß die Sachen bald eine andere Gestalt erhalten dürften und daß, wenn nicht bald ein anderer Zustand vortritt, die Kammern ihre nächste Session nicht schließen werden, ohne auf mehrere franzö sische Einfuhr-Artikel den Tarif bedeutend erhöht zu haben. Die Stadt Verviers, berühmt durch ihre Tuchfabriken, schmeichelt sich so⸗ gar, daß der König bei der feierlichen Eröffnung der Eisenbahn am 17ten d. M. die Zoll⸗Erhöhung auf die wollenen Zeuge als eine pro⸗ visorische Ordonnanz⸗Maßregel ankündigen werde. Es würde dies ein sehr entschiedener Schritt sein und beweisen, daß die Regierung nach der Seite Frankreichs hin alle Hoffnung aufgegeben hätte.

In letzter Zeit sind die mit Preußen und dem Zoll⸗Verein ange knüpften Unterhandlungen mit größerer Thätigkeit betrieben worden, und man scheint die Hoffnung zu nähren, daß in einigen Monaten sich ein für den Anfang nicht unbefriedigendes Resultat herausstellen wird. Mögen diese Erwartungen recht bald in Erfüllung gehen. Jedenfalls wird sich die Regierung in der Unmöglichkeit befinden, die Vergünsti⸗ gungen für die deutschen Weine und Seidenwaaren bestehen zu lassen, wenn sie nicht im November den Kammern von Seiten des Zoll⸗ Vereins ein Aequivalent darbieten kann. sehen mit Freu⸗ den, daß im Allgemeinen die deutsche Presse sich den näheren Handels⸗Verbindungen mit Belgien geneigt zeigt, und nicht, wie es in Frankreich geschieht, Befürchtungen über die belgische Konkurrenz ausstreut. Jedoch wird diese Handels⸗Frage zu häufig unter einem zu einseitigen Gesichtspunkt angesehen und dargestellt. Der Transit Handel, dessen Wichtigkeit man für Belgien hervorhebt, wird hier in seiner vollen Bedeutung erkannt, so wie man noch in dem letzten Jahre mehrere wichtige Maßregeln zur Erleichterung der Erweiterung des selben genommen hat. Allein damit kann sich Belgien nicht begnü⸗ gen. Es muß auch für den einen oder anderen seiner wichtigen In⸗ dustriezweige einige Konzession erhalten, um seine den deutschen Pro⸗ dukten gemachten Vergünstigungen in den Augen des Landes und vor den Kammern rechtfertigen zu können. Um Konzessionen dieser Art drehen sich auch, wie wir glauben, die gegenwärtigen Verhandlungen, deren glücklichen Ausgange wir entgegensehen.

Das frühere Regierungs⸗Journal, l'Indépendant, welches als solches aufgehoben wurde, erscheint bekanntlich seit dem 1. Juli unter dem veränderten Titel: 1'Indépendance belge und hat sich in seinem Programme als gemäßigtes liberales Blatt angekündigt.

Die liberale Meinung ist dadurch offenbar verstärkt worden. Der

Wirn

Irland aufforderten, hier zwar auch die Befolgung einer kräftigen, Einfluß des früheren Indépe ndant in den höheren Kreisen der durchgreifenden Politik, aber vorzüglich der anomale Zustand des Beamten und Staatsdiener ist immer sehr bedeutend gewesen und

Landes mit seinen reichen Naturgaben, seiner treuherzigen, gutmüthigen Bevölkerung gegenübergestellt wurde. Dieser anomale Zustand sei durch die bekannten Verhältnisse der Pacht, das Armengesetz und die Kirche herbeigeführt, und eine Regulirung dieser Verhältnisse durch egislative Maßregeln und Konzessionen in kirchlicher Hinsicht würden enen Zustand bessern.

Die Debatte wurde heute, wie schon gemeldet, wiederum vertagt; man hofft sie morgen zu beenden und auch noch den Premier⸗Minister sprechen zu hören.

London, 12. Juli. Lord Aberdeen's Nachgiebigkeit, seine schottische Kirchen- Bill durch die Annahme des Amendements Lord Brougham's zu modifiziren, hat wahrscheinlich zu dem Gerüchte Ver⸗ anlassung gegeben, daß der Minister die ganze Bill zurücknehmen und dies zum Grunde seines gänzlichen Austritts aus dem Ministerium machen werde. Das Gerücht wurde besonders von der Morning Chroniecle aufgegriffen, die in einem ihrer letzten leitenden Artikel zugleich unwahrscheinliche Nachrichten von einer großen Spaltung in dem Ministerium wegen Irlands damit in Verbin- dung brachte und die baldige Auflösung des ganzen Kabinets pro⸗ phezeite. Mit dem genannten Blatte stimmte sogar die streng toryistische Britania überein und bestärkte dadurch noch mehr jenes Gerücht. Dagegen zeigt nun der ministerielle Standard an, daß er ermächtigt sei, aufs Bestimmteste zu erklären, es bestehe über keine Frage, am allerwenigsten über die irländische die aller mindeste Meinungsverschiedenheit im Kabinet.

Der General Postmeister, Lord Lowther, berichtet auch die Times, soll seit einiger Zeit Conventionen mit den Post⸗Behörden Belgiens, Hollands, Preußens, OesterreichsS, Sachsens, Norwegens, Däne- marks und Rußlands wegen Beförderung von Briefen und Zeitun- gen nach und von England und nach den genannten Ländern auf dieselben Bedingungen, wie der kürzliche Post⸗Vertrag mit Frank⸗ reich eingeleitet haben. Die desfallsigen Unterhandlungen sollen be⸗ reits einem befriedigenden Abschluß nahe sein.

EEEIE †. Brüssel, 12. Juli. Die belgische Regierung ist in der

wird es auch in seiner veränderten Gestalt bleiben, wenn nicht ein

Partei⸗ oder Personen⸗Interesse sich einer ruhigen sachlichen Erörte⸗ rung der anhängigen Fragen unterschiebt.

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Paris, 12. Juli. Telegraphische Depeschen aus Spanien.

Perpignan, 10. Juli. Zurbano ist mit dem größten Theil seiner Division von Lerida abgegangen; er läßt nur ein Bataillon im Schloß und ein anderes in der Stadt zurück; er hat die Straße nach Fraga eingeschlagen.

Bayonne, 10. Juli. Madrid war ruhig am 8ten. Der Re⸗ gent war noch am 6ten mit seinen Truppen zu Albacete. Manza nares, Guadalajara und Alcala de Henares haben sich pronunzirn Ein Bataillon und eine Eskadron der madrider Miliz, angeführt von dem General⸗Capitain, sind am 7. Juli mit 40 Reitern vom Regi⸗ ment Lusitanig nach Alcalä de Henares ausgezogen. General Concha ist am 3. Juli zu Malaga angekommen. Er ist zum Ober⸗Befehls⸗ haber der Truppen ernannt worden, mit welchen er am 4ten nach Sevilla aufbrechen sollte. General van Halen, am 2. Juli nach Cordova gekommen, hatte diese Stadt am 4ten wieder verlassen. Caceres und Olivenza haben sich pronunzirt. 8

Das Wichtigste in den vorstehenden telegraphischen Depeschen ist wohl die Nachricht, daß Alcala de Henares und Guadalajara sich pronunzirt haben, indem durch die geringe Entfernung dieser beiden Städte von Madrid (Alcala etwa 6, Guadalajara 9 Meilen) die Insurrection bis vor die Thore der Hauptstadt gerückt ist, und da beide an der großen Straße nach Saragossa liegen, so dürfte dies Ereigniß von großem Einflusse auf die ferneren Operationen des Ge nerals Narvaez sein.

Eine andere Nachricht von Wichtigkeit ist der Marsch des Ge⸗ nerals van Halen. Wäͤhrend es allgemein hieß, er habe die Absicht, zu dem Corps des Regenten zu stoßen, bricht er plötzlich von Jaen auf und marschirt am 2ten nach Cordova, das er am 4ten wieder verläßt. Er hat sich dadurch nicht nur weiter von Espartero ent⸗ fernt, sondern befindet sich auch dem General Concha gegenüber, der wie die Depeschen berichten, von der Junta von Valencia nach Ma⸗

französischen Kammer der Undankbarkeit angeklagt worden wegen der laga gesandt und zum kommandirenden General der insurgirten Trup

Prorogation der Maßregel, wodurch die deutschen Weine und Sei⸗ denwaaren den französischen gleichgestellt werden. Man hat sich so⸗ gar erlaubt, dieses Betragen der belgischen Regierung etwas leichtsin⸗ nig zu nennen. Man weiß aber nicht, worüber man sich mehr ver⸗ wundern soll, über die wenig geziemende Sprache, die man einer befreundeten auswärtigen Regierung gegenüber führt, oder über die Unkunde, welche dabet hinsichtlich der französisch⸗-belgischen Handels⸗ Verhältnisse an den Tag gekommen ist. Das wahre Regierungs⸗ Interesse hätte vielleicht gefordert, daß man, anstatt die Präventionen gegen Belgien zu nähren und die falschen Kommentare, denen die angegebene Maßregel in der französischen Presse unterlegen, gleichsam von der Tribüne herab zu sanctioniren, die öffentliche Meinung auf⸗ geklärt, und bei dem unmerkbaren Nachtheile, der für Frankreich aus jener Maßnahme entstanden ist, auch auf das Ungenügende des Ver⸗ trages vom Juli 1842 hingewiesen hätte, der weit entfernt, die Ein⸗ fuhr des belgischen Leinens und Garns zu heben, oder nur im Statu quo zu erhalten, ein fortwährendes Sinken derselben zur Folge hat. Die Zahlen der Handels⸗Statistik sprechen hier hinreichend. Frankreich hat im Jahre 1841 an Seidenwaaren für 4,317,000 Fr., an Wein für 5,671,000 Fr. eingeführt, im Jahre 1842 für 5,050,000 Fr. (Seidenwaaren) und für 4,550,000 Fr. (Wein); die Gesammt⸗ Einfuhr für diese beiden Artikel ist also bis auf eine geringe Diffe⸗ renz dieselbe geblieben. Dagegen hat sich die Leinen⸗Einfuhr Belgiens seit dem Vertrage vom Juli um 4 ½ Millionen Franken vermindert. Gewiß ein für Belgien, und besonders für die volkreichen flandrischen Provinzen, die sich haupsächlich von der Leinen⸗Industrie nähren, sehr

pen im südlichen Spanien ernannt worden ist. Die telegraphische Depesche sagt nicht, wohin sich van Halen gewendet hat.

Zurbano ist von Lerida nach Fraga aufgebrochen und hat nur ein Bataillon im Schlosse und ein anderes in der Stadt zurückgelassen. Sein Ziel ist offenbar Saragossa und er scheint es somit ganz auf⸗ gegeben zu haben, irgend etwas in Catalonien zu unternehmen.

Die Armee der catalonischen Insurgenten ist den letzten Nach⸗ richten aus Barcelona zufolge, noch immer von Cervera bis Tarrega und Guisona en échelon aufgestellt. Serrano war eifrig beschäftigt, die Armee zu organisiren. In jeder Provinz sollen nur zwei Ba⸗ taillone der National⸗Garde mobilisirt werden, die übrigen National⸗ Gardisten aber, die sich freiwillig der Armee angeschlossen haben, in ihre Heimat zurückkehren. Er hat eine mobile Kolonne gebildet, die nach Valencia abgehen soll, um nöthigenfalls eine Diversion im Rücken des Regenten zu machen.

Die Central⸗Junta von Barcelona hat ein Dekret erlassen, wo⸗ durch die Hafen⸗Abgaben, welche Herr Mendizabal bei seiner Ernen⸗ nung zum Finanz⸗Minister wiederherstellte, aufgehoben werden. Das

Fort Monjuich hält sich noch immer, und der Kommandant desselben hat erklärt, er werde dasselbe weder der obersten Junta von Barce⸗ lona, noch dem General Seoane, sondern demjenigen übergeben, ber aus dem gegenwärtigen Kampfe als Sieger hervorgehe.

Das in Saragossa erscheinende Eco del Aragon meldet, Secoane am 5. Juli Lerida mit drei Bataillonen und zwer 8 dronen verlassen habe, um sich nach Saragossa zu begeben un

I Insurrection in Calatagud und Darven zu unterdrückeenn