1843 / 19 p. 3 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

1 1 n, w r niemals den König Ludwig ves⸗; , . .nss 1 dem französischen Volke verwechselt Pheir Im Gegentheil, eben so sehr als uns die eH Politik jener erbittert, achten und bewundern wir en gu 2. Sinn und die edlen Gefühle des Volkes. Die große Juli⸗Nation, die durch eine Revolution von nur drei Tagen die Ketten der Tyrannei zu bre⸗ chen und die glorreiche Fahne der Freiheit aufzupflanzen wußte, be⸗ sitzt und wird stets unsere ganz besondere Vorliebe be⸗ sitzen, und auf unsere aufrichtigste Bewunderung Anspruch haben. Noch mehr, unser Unwillen über das Benehmen des Kabinets der Tuilerieen erreicht den höchsten Gipfel, wenn wir bedenken, daß die Politik dieses aus jener volksthümlichen Bewegung hervorgegangenen Königes von Tage zu Tage jenem Volke, auf dessen Schultern er den Thron des heiligen Ludwig's erklommen hat, die Freiheit schmälert. Unsere Liebe und unsere herzlichste Verbrüderung gehö⸗ ren Frankreich; so wie unsere Verwünschungen auf dessen König und dessen Regierung fallen.“ 6“

In ähnlichem Sinn und fast mit denselben Worten ist ein von der hiesigen Provinzial⸗Deputation und dem Ayuntamiento an die Einwohner Madrids gerichtetes Manifest abgefaßt, das so eben in den Straßen als Kriegserklärung gegen Frankreich zum Verkauf aus⸗

erufen wird. Dieses Manifest schließt mit den Worten: „der er⸗ 82 Krieger, der in einem eigenhändigen und feierlichen Aktenstücke die Souverainität des Volkes als höchsten Richter anerkannt hat, vertheidigt mit uns die heilige Sache der Freiheit.“

Sind die Generale Narvaez und Concha wirklich auf Veran⸗ staltung der französischen Regierung mit den Waffen in der Hand nach Spanien zurückgekehrt, so hat eben diese Regierung nicht den Insurgenten, sondern dem Regenten eine Verstärkung zugeschickt, wie dies die Gaceta selbst gestern anerkannte. Beide Generale genießen geringer persönlicher Achtung in ihrem Lande, und ersterer ist namentlich der Armee durch eine Abwesenheit von fünf Jahren ganz entfremdet worden. Die Junten von Castellon und Alicante sollen sich bereits geweigert haben, ihre Mannschaft unter die Be⸗ fehle des General Narvaez zu stellen, und hier in Madrid sind nicht wenige heftig brausende Gemüther durch den Gedanken, daß Nar⸗ vaez käme, um die unumschränkte Monarchie wiederherzustellen, abge⸗ kühlt, und in die Reihen der Vertheidiger des Regenten zurückge führt worden.

Das Eco del Comercio, das Organ derjenigen Eraltirten, die den Sturz des Regenten um jeden Preis bezwecken, s

sagte in seiner Nummer vom 2., der letzten, die erschienen ist: „Wenn wir den leisesten Verdacht hegten, daß man daran dächte, unsere Institutionen anzugreifen; wenn wir befürchteten, daß man daran dächte, die Wittwe Ferdinand's in die Regentschaft wieder einzusetzen, und unsere constitutionelle Königin mit einem Sprößling der regierenden französischen Familie zu vermählen, so würden wir eher als Alle den Beistand der zurückgekehrten Generale verwerfen; mit dem größten Unwillen würden wir auf die Rückkehr dieser Leute und auf den

soll. Reus, das bisher nur eine Stadt zweiten Ranges, eine Villa war, wird dadurch zur Stadt ersten Ranges, zur Ciudad erhoben, und erhält den Beinamen la erforzada, die muthstarke; seiner Na⸗ tional⸗Garde wird die Binde des heiligen Ferdinand als Fahnenzier verliehen und außerdem wird ihm eine Entschädigung für die bei der Belagerung durch Zurbano erlittenen Verluste auf Staatskosten in Aussicht gestellt.

Die beiden Bataillone National⸗Garde, welche Barcelona, wie die übrigen catalonischen Provinzen, zu halten hat, sollen 6000 Mann zählen und aus den unverheiratheten jungen Leuten von 18 bis 25 Jahren ausgehoben werden. Ihr täglicher Sold ist auf 5 Realen oder 4 Realen und einer Ration Brod festgestellt.

Zur Beschleunigung der Schleifung der Festungswerke von Bar celong werden alle guten Bürger aufgefordert, sich zur freiwilligen Mitwirkung zu dieser Arbeit zu verstehen, sich durch Unterzeichnung zu einer bestimmten Zahl von Tagewerken, jedes zu 6 Realen gerechnet, anheischig zu machen.

Eine von dem Obersten Prim an die Truppen Seoane's gerich⸗ tete Proclamation klagt Espartero geradezu an, daß er danach gestrebt habe, die Königskrone auf sein Haupt zu setzen. Es bedarf nicht der Bemerkung, daß der Oberst Prim keine Beweise für diese Beschul⸗ digung beibringt.

Der als Flüchtling nach Barcelona gekommene erste Alkalde von Lerida hat die Nachricht dorthin gebracht, daß der General Seoane am 4Aten mit funfzig Pferden in aller Eile von Lerida nach Saragossa aufgebrochen, weil in dieser Stadt Vorzeichen von ernstlichen Unruhen zum Vorschein gekommen seien. Anderweitige Angaben des Alkalden von Lerida, obgleich der Imparcial sie für wichtig genug hält, um ihretwegen eine außerordentli

liche Beilage erscheinen zu lassen, ver⸗ dienen keine Erwähnung, da wir theils durch den Telegraphen, theils durch die direkten Nachrichten aus Madrid wissen, daß sie ungegrün⸗ det sind. 2 1

Eine die Vermählung der Königin Isabella betreffende franzö⸗ sische Broschüre, welche vor wenigen Tagen hier in Paris erschienen ist, darf nicht unbeachtet vorübergehen. Diese Schrift, für deren Verfasser mit Recht oder mit Unrecht Herr Mignet angesehen wird, und die jedenfalls von einem gewandten und kenntnißreichen Publi⸗ zisten herrührt, sucht der Idee der Verheirathung der Königin von Spanien mit dem Herzog von Aumale bei dem Publikum Eingang zu verschaffen. Der Verf. der Broschüre ist der Meinung, daß auch noch die Aufhebung des bourbonischen Familienpaktes von 1701 das In⸗ teresse der bourbonischen Gesammt⸗Dynastie sowohl als das Interesse Frankreichs auf der einen und Spaniens auf der anderen Seite ge— bieterisch verlange, daß die spanische Krone bei dem bourbonischen Mannsstamme bleibe. Demnach erkennt die Flugschrift nur Prinzen aus den verschiedenen Zweigen der Familie Bourbon als rechtmäßige und zulässige Bewerber um die Hand der jungen Isabella an, und von allen diesen Bewerbern, die sie der Reihe nach an dem Leser vorüberführt, erklärt sie den Herzog von Aumale für durch die Um stände und Verhältnisse am meisten Berufenen und Befähigten, den

Anschluß einer Partei blicken, die uns aufs neue in die Kämpfe der Ehrgeizigen, in Verwirrung und Auflösung stürzen könnte.“

Narvaez ist einer der reichsten Grundbesitzer Andalusiens, und Concha besitzt vermöge seiner Gemahlin ein jährliches Einkommen von 40,000 Piaster. Bestechung kann also wohl nicht auf sie ein⸗

gewirkt haben.

Was endlich die Königin Christine betrifft, so hat sie in einer hier so eben angelangten, von ihr unterzeichneten Schrift auf das feierlichste erklärt, daß sie nie Ansprüche auf die Regentschaft machen würde, sondern sich begnüge, für das Wohl Spanicus zu beten, weit Unheils zu

entfernt, den geringsten Antheil an der Anstiftung neuen haben.

** Paris, 13. Juli. Obgleich der Aufstand in diesem Au genblicke, mit Ausnahme von drei oder vier Provinzen, in alle Theile Spaniens gedrungen ist, so hat die Regierung eigentliche Gefahr doch beinahe nur von Catalonien und von Valencia her zu befürchten, denn nur hier ist die Empörung sowohl ernstlich gemeint als thätig. Die große Mehrzahl der aufrührerischen Städte in den übrigen Theilen des Landes hat sich auf die Verkündigung eines Programms be⸗ schränkt, in dem sehr oft die Regentschaft des Herzogs de la Vito⸗ ria bis zum 10. Oktober 1844 ausdrücklich vorbehalten wird, und das in solchen Fällen als einzige Neuerung die Wiederherstellung des Mi— nisteriums Lopez verlangt. Dieses Programm wird dann von einer Proclamation begleitet, in welcher von Begeisterung, von Heldensinn und von der glücklich vollbrachten Rettung des Vaterlandes die Rede ist, und damit ist das Pronunciamiento vollbracht und abgeschlossen, und man rührt weder Hand noch Fuß, und am allerwenig⸗ sten rührt man an den Säckel, um die Dauer oder den Er⸗ folg desselben zu sichern. In Catalonien hat freilich, wie gesagt, die Sache eine ernstlichere Bedeutung, aber der Geldpunkt ist auch hier die schwache Seite des Aufstandes. Die Zwangs⸗Anleihe geht trotz der Bitten und Drohungen der Junta von Barcelona nicht ein, und statt der Beiträge zu derselben erhält die revolutionaire Behörde alle Tage unzählige Bittschriften der dabei in Anspruch genommenen Bürger, welche die Verminderung oder die gänzliche Erlassung der ihnen aufgelegten Summen verlangen. In ihrem jüngsten Erlasse über diesen Gegenstand erklärt die Junta, daß sie alle rechtmäßigen Gesuche dieser Art in Betracht ziehen will, aber nur unter der Be⸗ dingung, daß die Bittsteller vorläufig die von ihnen verlangten Bei⸗ träge bei Heller und Pfennig einzahlen. Daß viele der Beitrags⸗ pflichtigen in diese Falle gehen werden, ist allermindestens zweifelhaft. Um die fast ganz allein auf Barcelona lastenden Kriegskosten einiger⸗ 8 mäßen zu erleichtern, ist, nächst der gestern erwähnten Verabschiedung

ö vis auf zwei Bataillone für jede Provinz, eine Central⸗ een nach Barcelona einberufen, welche die öffent auf die berschiczener Aufstand herbei⸗ eführt hat, möglichst gleichmäßig Erfolg dieser Masn Provinzen des Fürstenthums vertheilen soll. Der Ingwischen daehe steht noch abzuwarten. das Mißtrauen der 1 dem Geldmangel die Verstimmung und Die catalonischen Demokraten meace n⸗ bbö daraus, daß sie die Christinisch 8. ebbHen hen bitteren Vorwurf sache“ zugelassen haben, und seben füizjere zum Dienste der „National⸗ die Unthätigkeit der den Generalen Söon sich außerdem täglich lauter über den Chefs der Insurgenten, eine 1 Zurbano gegenüberstehen zu wittern anfangen. Der C Fatigkeit, in welcher sie gar Verrätherei

; Der Constituci 8 1 4s Al, *

Amtsblatt der provisorischen Regi b ichti

Frieden redet. v sancch man dem leg gemascwichchen E11“ es in Barcelona von verkappten Agenten Esp dacht und Zwietracht aussäen, indem schwarzen Werke sicherer und erfolgreicher arbeiten siasmus für die Sache des Aufstandes heucheln, falsche Freu

tern wird.

Der General Serrano, als Chef der provisorischen Regierung,

L; durch welche Re für seine der Sache des Aufstandes geleisteten Dienste belohnt ve ben

hat am 3ten eine Reihe von Dekreten erlassen,

öe so wimmelt v artero’'s, welche Ver⸗ sie zugleich, um 8 ihrem

zu können, Enthu⸗

weit gefährlicher seien als die bewaffneten Schaaren des e

In diesen Andeutungen wird auf die scharfe Klippe hi welcher die Empörung oder deren Resultat füher öder ontese can

Thron der jungen Isabella zu theilen. Die Broschüre erklärt übrigens, daß Frankreich Spanien keine Wahl aufdringen wolle, daß es sich aber

vorbehalten müsse, einzuschreiten, wenn man versuchen sollte, der jun⸗ 1 der nicht dem Hause Bourbon

gen Königin einen Gemahl zu geben, angehöre.

Vereinigte Staaten von Uord-Amerika.

New⸗York, 19. Juni. Die ersten natürlich nur allge⸗ mein gefaßten Berichte über die große National⸗Feier von Bunkers Hill bei Boston sind eingetroffen und füllen zum Theil bereits die Spalten der hiesigen Blätter. Es scheint, daß dieses Fest wirklich eines der glänzendsten war, die je in Amerika begangen wurden. Ich werde darauf zurückkommen.

Dagegen habe ich Ihnen in Bezug auf den Geld⸗Marlt die Nachricht von einem neuen Anlehen von 7 Millionen Dollars mitzu⸗ theilen, welches die Central⸗Regierung machen will, und wozu der Staats⸗Secretair der Finanzen so eben Einladung zur Betheiligung daran hat ergehen lassen. Die einzelnen Antheile sollen je 10,000 Dollars betragen und die Rückzahlung innerhalb zehn Jahren der Regierung freigestellt sein für jeden Zeitpunkt, der ihr dazu günstig scheint. Bei dem Ueberfluß an baarem Gelde, der sich noch immer bemerkbar macht, und der durch die fortwährenden Geldsendungen aus Europa stets neue Nahrung erhält, ist es keinem Zweifel unter⸗ worfen, daß die Kapitalisten diese Gelegenheit mit Eifer ergreifen werden, um ihr Geld auf eine nutzbringende und sichere Weise anzu- legen. Einen guten Eindruck hat die aus dem Staate Mississippi angelangte Nachricht gemacht, daß man dort von Seiten der überwie⸗ genden Mehrheit der demokratischen Partei entschieden den Repudiations⸗ System entsagen will. Ich habe schon mehrmals die Ueberzeugung ausgesprochen und wiederhole sie heute, daß alle bis jetzt noch dem schmachvollen Repudiations⸗Systeme huldigenden Staaten durch die Macht der Umstände, selbst wider ihren schlimmeren Willen, sich wer⸗ den gezwungen sehen, den Pfad der Ehrlichkeit wieder zu betreten. Während die Geld⸗Einfuhr fortdauert, und wenig oder gar keines ausgeführt wird, ist das Umgekehrte mit den amerikanischen Produk⸗ ten der Fall, die in großen Massen ausgeführt werden, während die Einfuhr von auswärtigen Manufaktur Produkten ohne alle Bedeu⸗ tung ist. Sehr bemerkenswerth ist auch das sichtliche Aufblühen der Baumwollen⸗Manufakturen in den Vereinigten Staaten, welches einst von der größten Wichtigkeit für dieselben zu werden verspricht. Na⸗ mentlich erfreuen sich die Baumwollengarn Manufakturen in Nord— Karolina einer beachtenswerthen Prosperität. Sonst und vor einigen Jahren noch wurde der Bedarf daran aus dem Auslande, namentlich aus England bezogen, während jetzt umgekehrt die einheimischen Fabriken daselbst den Bedarf nicht blos decken, sondern. auch nicht unbedeutende Quantitäten ausführen. Besonders zu Fayetteville, wo schon sechs Manufakturen dieser Art bestehen, herrscht große Regsamkeit im Fabrikbetriebe, der durch zahlreiche Aufträge aus den bedeutendsten Handelsplätzen der Union wie Philadelphia, New⸗- York, Baltimore, stets neue Nahrung erhält. 8

Die Agitation der Irländer in Amerika zu Gunsten der Repeal⸗ sache ihres Vaterlandes verbreitet sich allmälig über die ganze Aus⸗ dehnung der Union, wo überhaupt Irländer wohnen. Durch die Blätter wird Ihnen wohl auch eine Adresse zugekommen sein, die sie an die französische Nation und die bedeutendsten Männer derselben, um sie zu Gunsten dieser Sache zu interessiren, erlassen haben. Die Sprache dieser Adresse verräth französischen Einfluß auf die Abfas⸗ sung, und wirklich scheint auch der erste von, den drei Unterzeichnern derselben, ein Herr Davezou, Franzose zu sein. Selbst nicht unbe⸗

Staaten angeboten worden, 8 Kanada einfallen soll, sobald England gegen Irland Gewalt brau⸗ chen würde.

British Hotel.

Hotel de St. Petersbourg.

Hotel du Nord.

trächtliche Geldopfer sind von mehreren Irländern in den Vereinigten um eine Armee zu organisiren, die in

Angekommene Fremde.

Stadt London. von Meding, denburg, aus Potsdam. Freiherr von Wedell⸗Parlow, und Rittergutsbesitzer, aus Greifenberg.

Ober⸗Präsident der Provinz Bran⸗ Landrath

Weimar. von Bergen, Gutsbesitzer, aus Frankfurt a. d. D. von Suchorzewski, Gutsbesitzer, aus Wszemborg.

Degener, Geh. Finanz⸗Rath, aus Kämnitz. Baron von Bülow, Gutsbesitzer nebst Gemahlin, aus Elvershagen. Frau

Hauptmann, Baronin von Rosen, aus St. Petersburg.

Hotel de Brandebourg: Sieffert, Konsistorialrath, aus Königs⸗

berg i. Pr.

Hotel de Russie: L. F. Brune de Mons, Rentier, aus Havannah.

Barclav, Major, nebst Gemahlin, aus London. Baron von Hoe⸗ vel, Rittergutsbesitzer, aus Frankfurt g. O.

Hotel de Prusse. von Vollard, Rittmeister a. D. und Ritterguts⸗

besitzer, nebst Gemahlin, aus Starpel. Schlecker, Rittergutsbesitzer, aus Grabow. Ehlermann, Rittergutsbesitzer, aus Böhme. Rheinischer Hof. Lobeck, Professor und Geheimer Rath. Sachs, Professor und Geheimer Rath, aus Königsberg i. Pr. Hotel de Hambourg. Kinzel, Oberst in der Armee, nebst Gemah⸗

lin, aus Frankfurt g. d. O.

Berlin-Potsdamer Eisenbahn. In der Woche vom 11. bis incl. den 17. Juli c. Berlin-Potsdamer Eisenbahn 13,264 Personen gefahren.

Meteorologische Beobachtungen.

Abends 10 Uhr.

sind auf der

Nach einmaliger

1843. Beobachtung.

17. Juli.

Morgens Nachmittags V 6 Uhr. b 2 Uhr.

Luftdruck... 335,52“ Par. 335,92 8 Par. 335, 62 Par. Quellwärme 8 + 14,7⁰ R. + + 15,7⁰09 R. Flusswärme 16,72 R.

Thaupunkt . .. + R. + R. * R. Bodenwärme R. pcCt. V Ausdünstung Rh.

Dunstsättigung pCt. d . bezogen. I Niederschlag Rh.

Luftwärme ...

pCt. Wetter bedeckt. bewölkt. 8 Wind. NW. NW. windstill. Wärmewechsel R. Wolkenzug. .. NW. NW. NW.

Tagesmittel: 335,69 Par. + 15,80 h.. +

SSr li mn er 11s2 Den 18. Juli 1843.

Pr. Cour. Brief. Geld.

- St. Schuld-Sch. 3 ¼ 104 ⁄12 103 12 Brl. Pots. 5 32 Pr. Engl. 0 bl. 30. 4 103 b do. do. Prior. Obl. 4 103 Präm Sch. d. Seeh. 89 ½ Mgd. Lpz. Eisenb. 1 70 ½ do. do. Prior. 0bl. - 103 ½ I

Ia 103 ½ do. do. Prior. Obl. 1032 48 b Düss. Elb. Eisenb. 50 8d 845¾ 102 ¾ do. do. Prior. 091ö. 4 52 l Rhein. Eisenb. 5 1ö” do. do. Prior. 0bl. 4 V 96 96 ¼ Brl. Frankf. Eisb. 5 1 1274 103 ¼ do. do. Prior. 0bl. 4 103 ¼ 103 ¼ Ober-Schlesische 102 ½ Eisenbahn. 4 1 13 ¼ Berl.-Stet. E. Lt. A. 113 do. do. do. Et. B. 113 abge-

Pr. Cour.

Acetien. 8 1Brief.] Geld. [Gem.

Fonds. [8&☚ V

143 ½

Kur- u. Neumärk.] Schuldverschr. Berl. Stadt-Obl. Danz. do. in Th. Westpr. Pfandbr. *

Grossh. Pos. do.

102 Brl. Anb. Eisenb.

8‿‧— *Ad

do. do. Ostpr. Pfandbr. Pomm. do. Kur- u. Neum. do.

Schlesische do.

SEAI

Gold al marco. Friedrichsd'or. And. Gldm. à5 Th.

Disconto.

1 2 ·5³ͥdo. do.

stempelte.

sPr. Cour.

Thlr. zu 30 Sgr. Brief.]Geld. 1413 141 ¾

Wechsel- Cour. s.

Amsterdaaemmmmmmmtmn . . 250 Fl. Kurz HIambugͤa. . . . .. 300 MK. Kurz 150 ½ 150 300 Mk. 2 Mt. 149 ½ 149 London 1 LSt. 3 Mt. 6 26 ½ 6 26 7 EIZII1““ 300 Fr. 2 Mt. 80 ⁄½ 80 ½ Wien in 20 NXr. . 150 Fl. Mt. 104 ¼ Augsburg 150 PFl. Mt. 102½ Breslauk 190 Mt. 9955 99 Leipzig in Courant im 14 Thl. Fuss. . 100 rwne.] 8 Ss. 199 8 Frankfurt a. M. 100 Fl. - V Petersburg²n . 8 100 SRbl. 3 Woch. Auswärtige Börsen.

Amsterdam, 14. Juli. Niederl. wirkl. Sch. 54 316. 5 % do. 100 ¼. Kanz-Bill. —. 5 % Span. 17¹½%. 3⁰% do. 25 ½. Pass. —. Ausg. —. Zinsl. —. Pol. 154. Oestecr. 109 ¼. 4 % Russ. Hope 89 ½.

Antwerpen, 13. Juli. FZinsl. 5. Neue Anl. 17 ⁄.

London 12 Juli. Cons. 3 % 93 ⅞. Belg. —. Neue Anl. 18 ½. Pas- sive 4 ½. Ausg. Seb. 10 ½. 2 ½ % Holl. 53 h. 5 % 100 ½. 5 % Port. —. 3 % —. Bras. 71 2

Paris, 13. Juh. 5 % Rente fin cour. 121. 85. 3 % Rente fin cour. 80. 30. 5 % Neapl. au compt. 106. 5 % Span. Rente 27. Pass. 4 ½.

Wien, 13. Joni. 5 % Met. II1 ¼. 4 % 101. 3 % 76 . Actien 1624. Anl. de 1834 142 ¼. de 1839 111½⅔.

Königliche Schauspiele.

Mittwoch, 19. Juli. Kein Schauspiel.

An diesem Tage ist das Billet⸗Verkaufs⸗-Büreau geschlossen.

Donnerstag, 20. Juli. Im Opernhause: Dramatisch⸗musikalische Akademie in 3 Theilen, unter Mitwirkung der Madame Pauline Viardot⸗Garcia, welche bei ihrer Durchreise nur einmal hier auftreten wird. Erster Theil. Ouvertüre aus dem Barbier von Sevilla, von Rossini. Arie und Duett aus derselben Oper, in italienischer Sprache und im Kostüm vorgetragen von Mad. Viardot Garcia und Herrn Fischer. Zweiter Theil. Huvertüre aus der Zauberflöte, von Mozart. Arie aus derselben Oper, gesungen von Herrn Schmetzer. Cavatine aus der Oper Tancred, von Rossini, gesungen von Mad. Garcia. Fantasie über Thema's aus: Robert Meyerbeer, für Königl. Konzertmeister Herrn Moriz Ganz. Cenerentola, gesungen von Mad. Viardot⸗Garcia. Glocke, von Schiller, vor getragen vom Regisseur des Hamburger Stadt⸗Theaters Herrn Grunert. Dritter Theil. D 8 der Oper „Othello“, von Rossini. (In, italienischer Sprache.) Personen: Desdemona, Mad. Viardot⸗Garcia. Emilia, Dlle. Hof⸗ iuntz. Othello, —. (Herr Schmetzer beschließt als Othello sein

Gastspiel.

do.

W11“ —- 107

Preuss. Präm. Sch.

Bank-

Marktpreise vom Getraide. Berlin, den . ande: Weizen 2 Rthlr. 2 Sgr. 6 Pf., auch 2 Rthlr. 1 Sg 3 SZ cheannn 2 Rthlr.; große Gerste 1 Nthlr. 12 Sgr. 0 Pf.; Hafe 1 Kthlr. 5 Sgr., auch 28 Sgr. 9 Pf. 8 Zu Wasser: Weizen (weißer) 2 Rthlr. 7 Sgr. 6 Pf., auch 2 Rthlr. 5 Sgr. und 2 Rthlr. 1 Sgr. 3 Pf.; Roggen 2 Rthlr., auch 1 Rthlr. 22 Sgr. 6 Pf.; fleine Gerste 1 Rthlr. 7 Sgr. 6 Pf.; Hafer 1 Rthlr. 3 Sgr. 9 Pf., auch 1 Rihlr.; Erbsen 1 Rthlr. 20 Sgr., auch 1 Rthlr. 18 Sgr. 9 Pf. (schlechte Sorte.) Sonnabend, den 15. Juli 1843. 8 Das Schock Stroh 10 Rthlr. 10 Sgr., auch 8 Rthlr. 15 Sgr. Der Centner Heu 1 Rthlr. 5 Sgr., auch 18 Sgr. 8

Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen. Fah

Hotel der ome, von Conta, Landes⸗ Directions⸗Präsident, aus

ckt in der Deckerschen Ge eimen Ober⸗Hofbuchdruckerei. 8 8 1 1 Beilage

der Teufel, von des Violoncelle, komponirt und vorgetragen vom Rondo aus der Oper Das Lied von der

Dritter Akt aus

Inland.

X* Lublinitz, 11. Juli. Heute fand hier die Grundstein⸗ Legung zu dem Gebäude der, von dem früheren Besitzer der Herr⸗ schaft Lublinitz, Justizrathe Franz von Grottowsky, mit dem größten Theile seines Vermögens testamentarisch angeordneten Erziehungs⸗ Anstalt für Kinder christlichen Glaubens, Statt.

Nach einem zum Andenken des im Jahre 1814 am heutigen Tage verstorbenen Stifters in der katholischen Kirche abgehaltenen Requiem, begab sich Vormittags um 10 Uhr der aus der Schützen Gesellschaft, den zahlreichen Kindern der Stadt⸗ und Land⸗ Schulen, 24 weiß gekleideten Rosen⸗Mädchen, die für den Grundstein be⸗ stimmten Gegenstände tragend, den katholischen und evangelischen Geistlichen, den Behörden, den Gutsbesitzern und den Schulzen des Kreises gebildete Festzug auf den vor der Stadt auf einer Anhöhe gelegenen, und festlich geschmückten Bauplatz, woselbst nach einem Choralgesange von dem Superintendenten Pastor Jacob aus Gleiwitz die Einweihungsrede gehalten ward.

Hierauf wurden in die Oeffnung des Grundsteines: zwei von der Handlung Pupke zu Breslau schön ausgeführte Porzellan⸗Platten, auf welchen das Wappen des Stifters und eine perspektivische An sicht des Institutgebäudes mit angemessenen Inschriften gemalt waren, ferner: eine Urkunde über die Stiftung und eine kurze Darstellung der gegenwärtigen Zeit⸗Verhältnisse, so wie die kursirenden Geld⸗ stücke mit dem Gepräge des laufenden Jahres, und verschiedene an dere Gegenstände versenkt, während die Versammlung das Volkslied: „Heil Dir im Siegerkranz“ anstimmte.

Der Stein ward mit einer Platte in Cement verschlossen, die Kalkspeisung des Decksteines von dem Regierungs⸗Präsidenten Grafen Pückler nach kurzer Anrede aufgetragen und bei den üblichen Ham merschlägen ein Lebehoch auf des Königs Majestät ausgebracht.

Nach einem zu dieser Veranlassung eigens gedichteten Festliede

widmete der katholische Ortspfarrer Wittkowitz dem Andenken des Stifters eine Schilderung desselben in polnischer Sprache und voll⸗ zog die kirchliche Weihe des Grundsteines, worauf der um die zweck— mäßige Anordnung der Festlichkeit eifrig bemüht gewesene Landrath. von Koscielsky dem Verdienste des Stifters einen herzlichen Nachruf ausbrachte und ein Hallelujah die Zeier in christlicher Eintracht beschloß. Eigenthümlich war dem, für die Jugend so bedeutungsvollen, Fest, die große Zahl der anwesenden Schulkinder, welche sich bei der Vertheilung der ihnen gereichten Erfrischungen auf mehr als 1200 Köpfe ergab.

Ganz passend ward, während dieser Ergötzlichkeit der Kinder, ein von dem Kreis⸗Deputirten von Aulock auf Kochanowitz für die Ober⸗Schlesier gedichteter patriotischer Volksgesang vierstimmig vor⸗ getragen.

Magdeburg, 16. Juli. (M. Z.) Von Neuem ist ein Theil des Eisenbahn⸗Netzes, das den Westen Deutschlands mit dem Osten verbinden soll, vollendet. Gestern ist der Schienenweg von Magde- burg über Oschersleben nach Halberstadt und nach Braunschweig durch eine solenne Eröffnungsfahrt eingeweihet; mit heute beginnen die täglichen Personenzüge. Am 21. März v. J. geschah der erste Spatenstich auf der Magdeburg⸗Halberstädter Bahn und nach noch nicht 16 Monaten ist die Bahn bereits ganz vollendet; auch die von der Herzoglich braunschweigischen Regierung erbaute Bahnstrecke von Oschers⸗ leben nach Braunschweig ist in ziemlich gleicher Zeitfrist gebaut, und auch sie konnte gestern schon dem Verkehre übergeben werden. Da die Ein⸗ weihungs⸗Fahrt von Magdeburg aus beginnen sollte und man also wußte, daß die von Berlin, Braunschweig und Halberstadt dazu eingeladenen Gäste schon Tags vorher hier eintreffen würden, so hatten sich die Stadt Behörden ein Vergnügen daraus gemacht, bereits vorgestern Abends eine kleine Vorfeier zu arrangiren. Leider war zu bedauern, daß Se. Königl. Hoheit der Prinz Karl verhindert worden waren, uns mit Ihrer Anwesenheit in diesen Tagen zu beglücken, und auch mehrere der sonst noch eingeladenen Mitglieder der höchsten Staatsbehörden in Berlin durch dringende Geschäfte zu erscheinen, abgehalten waren. Der Wirkliche Geheime Ober⸗Regierungs⸗Rath von Wedell, Direktor im Ministerium des Innern, erfreute uns jedoch mit seiner Gegenwart. Die hiesigen hohen Behörden, namentlich Se. Durchlaucht der Prinz George von Hessen, Gouverneur der Stadt, nahmen ebenfalls an der ganzen Feier Theil und nicht minder natürlich das Direktorium und der Ausschuß der Magdeburg⸗Leipziger Eisenbahn⸗Gesellschaft. Es hatte die Direction der hiesigen Dampfschifffahrts⸗Compagnie mit ih⸗ rer immer gewohnten Bereitwilligkeit 2 Dampfschiffe zur Disposition gestellt, welche Freitag Abends 5 Uhr die eingeladenen Gäste und sämmtliche Mitglieder der Stadtbehörden an dem gewöhnlichen Lan⸗ dungsplatze iceeabghen und sie nach dem Herrenkruge, dieser grade jetzt in der herrlichsten Fülle prangenden Anlage, führten. Um sieben Uhr wurden die Schiffe wiederum bestiegen und der herrlichste Abend begünstigte die weitere Lustfahrt bis fast nach Rogätz, während wel⸗ cher dann auf den Verdecken der Schiffe Speise und Trank die von des Tages Hitze Müden labte. Auf dem schönen Elbstrome schallten weithin die ausgebrachten Toaste, die Sr. Majestät unserem Könige und Sr. Durchlaucht dem Herzoge von Braunschweig und der Stadt Magdeburg galten. Erst gegen 11 Uhr ward nach Hause zurückgekehrt. Gestern früh 6 ½ Uhr setzte sich dann der festlich geschmückte, von der Musik des Hochlöblichen 26. Infanterie⸗Regi⸗ ments begleitete Eisenbahnzug mit den 250 Theilnehmenden nach Oschersleben in Bewegung; von dort aus bestieg man den bereit stehenden Zug der Herzoglich braunschweigischen Bahn, und langte um 11 Uhr in Braunschweig an. Während der ganzen Fahrt standen bei allen Ortschaften die Einwohner in gedrängten Massen an der Bahn und begrüßten mit Jubel die ankommenden und vorbeieilenden Gäste. Des Herzogs Durchlaucht hatten in Braun⸗ schweig in dem schönen Saale des Rathhauses ein äußerst reiches Dejeuner dinatoire arrangiren lassen, das nach 5stündiger Fahrt Alle erquickte. Aus vollem Herzen stimmte ein Jeder ein, als den beiden Monarchen, um deren Länder der nun eröffnete Schienenweg nunmehr ein engeres Band schließt, als der Stadt Braunschweig, als dem Ober⸗Bürgermeister Francke ein lautes Lebehoch erscholl. Dem letzteren hatten Se. Durchlaucht in Veranlassung des heutigen Festes das Commandeurkreuz 2. Klasse des Ordens Heinrich's des Löwen, und dem Geheimen Regierungs⸗Rath Mellin das Ritterkreuz desselben Ordens zu verleihen geruht, welcher Beweis höchster Aner⸗ kennung der Verdienste dieser Männer um die Bahn nur mit allge⸗ meiner Freude aufgenommen werden konnte. Nach 1 Uhr verließ der Zug, der auf der braunschweigischen Strecke der neuen Wagen wegen vorsichtig fahhren mußte, Braunschweig wieder, und über Oschersle⸗ ben traf man gegen 5 Uhr in Halberstadt ein, wo im Saale des Herrn Gastgebers Schmahl ein äußerst brillantes Diner bereit war. Daß auch hier bei jedem Toaste auf die hohen Monarchen, auf die Stadt Halberstadt, den Geheimen Regierungs⸗Rath Mellin, den Vorsitzen⸗

den des Ausschusses der Magdeburg⸗Halberstädter Essenbahn⸗-Gesel⸗

llgemein

schaft, Ober-Landesgerichts⸗ Raths Augustin, das Direktorium und Ausschuß der Magdeburg⸗Leipziger Bahn, ein lauter Jubel folgte, verstand sich von selbst. Gegen 7 ½ Uhr wurde Halberstadt verlassen, in Oschersleben trennten sich die braunschweiger und magdeburger Gäste des Festes und um 10 Uhr traf der Eröffnungszug wieder in Magdeburg ein. Der Tag, an dem man mehr als 30 Meilen Schie⸗ nenweg durchfahren war, Braunschweig und Halberstadt sah und an beiden Orten frohe, unvergeßliche Stunden verlebte, war für jeden Theilnehmer ein an Genüssen fast zu reicher gewesen.

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Ausland.

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Deutsche Bundesstaaten.

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Sachsen. Dresden, 12. Juli. (D. A. Z.) Eine mehrfach auch in anderen Staaten gemachte Erfahrung ist es, daß der Censur, wenn sie nicht in Willkür ausarten und der freimüthigen Meinungs Aeußerung zu enge Gränzen setzen soll, es nur selten gelingt, Zeit schriften, welche einmal verwerfliche Tendenzen verfolgen und auf so genannte pikante Artikel über Tagesgeschichte und Politik berechnet sind, in den geziemenden Schranken zu halten. Denn die Redactionen wissen, indem sie selbst den Weisungen des Censors eine unermüdliche Beharrlichkeit entgegensetzen, die Aufmerksamkeit desselben zu ermüt den und durch die Masse des Gestrichenen, völlig Unzulässigen in ihm eine Nachsicht gegen das minder Anstößige und den Glauben zu erzeugen, daß er dennoch seiner Pflicht genüge. Wäre man aber auch geneigt, hierin für die Censoren einige Entschuldigung zu finden, so kann doch darin auf keinen Fall eine Recht⸗ fertigung der von der sächsischen Censur in neuester Zeit einigen Tagesblättern gestatteten wirklichen Zügellosigkeit gefunden werden. So begründet in Fällen dieser Art Erinnerungen und Zurechtweisun⸗ gen der Censoren, ja selbst der Redactionen sind, und so sehr es da mit allemal zunächst zu versuchen sein wird, so stellt sich doch, insofern dadurch der Zweck nicht zu erreichen ist, als das einzige geeignete Mit tel dazu endlich immer nur die Unterdrückung solcher Zeitschristen dar welche sich durch mildere Mittel auf die Bahn der Gesetzlichkeit nicht zurückführen ließen. Eine derartige Maßregel, die zugleich als War nung für Redactionen anderer Blätter von gleicher Tendenz wirkt, mag zweifellos durch die unter dem Titel: Leipziger Lokomotive bisher erschienene Zeitschrift verwirkt gewesen sein, und, wie man ver⸗ nimmt, sollte eine Verfügung in diesem Sinne gegen sie eben ergehen, als es sich herausstellte, daß der Konzessionar der Lokomotive dem ausdrücklichen Inhalte seiner Konzession zuwider, nicht blos die Redac tion, sondern das ganze Unternehmen selbst einem Anderen überlassen habe, den er bei Auswirkung der Konzession nur als Gehülfen der lediglich unter seiner eigenen Verantwortlichkeit zu besorgenden Re⸗ daetion namhaft gemacht hatte. Da sonach, unter Täuschung der Behörden, die Zeitschrift von einem völlig Unbefugten herausgegeben wurde, mithin ohne Konzession erschien, so war es keinesweges an gemessen, die von ihrem Inhaber gar nicht ausgeübte Konzession dem faktischen Herausgeber gegenüber zurückzunehmen; vielmehr mußte einfach das fernere Erscheinen der ohne Konzession herauskommenden Zeitschrift unter Zurückforderuug des gemißbrauchten Konzessionsscheins und mit bloßer Angabe dieses Grundes untersagt werden. Dies ist, wie wir aus guter Quelle wissen, der eigentliche Hergang der Sache, welche in einigen darüber erschienenen Zeitungs⸗Artikeln nicht ganz genau dargestellt worden ist.

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Württemberg. Stuttgart, 12. Juli. (D. A. Z.) Die Be⸗

schleunigungen des Postenlaufs nach Westen und Osten, welche uns durch Augsburg die neuen Einrichtungen auf der Roüte nach Karlsruhe einer⸗ und andererseits versprochen waren, sind noch nicht vollständig ins Leben getreten; insbesondere ist die zugesagte Beschleunigung der Ankunft der wiener Post um 24 Stunden noch zu erwarten. Wir sehnen uns sehr nach den Eisenbahnen, welche in der unvollkommenen Einrichtung der Tarisschen Post eine Revolution und eine theilweise Emancipation von dieser im Privat-Interesse ausgebeuteten und stets nur ungern den Forderungen der Zeit nachgebenden Anstalt hervorbringen müssen. Freudigen Eindruck erregten die einstimmigen Beschlüsse der bayerischen Abgeordneten Kammer im Interesse eines bundesbrüderlichen, freund⸗ nachbarlichen Anschlusses an Württemberg. Die herrschende Theuerung war in Schwäbisch⸗Gmünd der An laß und Vorwand zur Legung von Brandbriefen, welche mit einem allgemeinen Angriffe gegen die besitzende Klasse drohten und zu einem glücklicherweise gescheiterten Brandstiftungsversuche führten. Es sind nun in jener Stadt Anstalten getroffen, um den Armen wohlfeileres Brod zu liefern.

Tübingen, 9. Juli. (D. A. Z.) Die auf der hiesigen Universität zu Ende des vorigen Winter⸗Halbjahrs eingeleiteten Un⸗ tersuchungen wegen verbotener Verbindungen sind zu Ende. Das Ergebniß war, daß zehn Studirende theils auf ein halbes Jahr, theils auf ein Jahr, theils auf anderthalb Jahre von der Universität ent⸗ fernt wurden. Die ganze Untersuchung wurde auf disziplinarischem Wege geführt. Man fand es nicht für nöthig, kriminell einzuschrei⸗ ten. Die erledigte Lehrstelle an der philosophischen Fakultät sollte dem Privat⸗Dozenten Reiff übertragen werden, welcher, vom Hegel schen System abgehend, ein neues, doch diesem verwandtes, aufgestellt hatte. Die katholisch⸗theologische Fakultät protestirte jedoch gegen seine Ernennung; wie es scheint, verlangt sie einen katholischen Pro fessor der Philosophie, wie schon früher ein katholischer Professor der Geschichte verlangt worden war. Professor Dr. Fallati, ein Katho⸗ lik, aber keinesweges Ultramontaner, hält jetzt neben dem ordentlichen Professor Haug historische Vorlesungen. Die Auffindung eines katho lischen Professors der Philosophie dürfte auf Schwierigkeiten stoßen Neuerdings ist von Uebertragung der erledigten Stelle an den Pri⸗ vat⸗Dozenten Zeller die Rede, welcher bisher mehr der Theologie sich widmete. G

Grh. Hessen. Vom Main, 11. Juli. (F. J.) Bekannt lich besitzt der Main zwischen Offenbach und Aschaffendurg bis jetzt keine Brücke. Am empfindlichsten war dieser Mangel bisher in Ha nau und vorzüglich in dem gegenüberliegenden Großherzogl. hessischen Gebiete, wo namentlich das herrlich gelegene Städtchen Groß⸗Stein⸗ heim seit einiger Zeit die verdiente Aufmerksamkeit der Reisenden stärker anzieht, wo vielmehr aber noch das dringende praktische Be⸗ dürfniß jenes stark bevölkerten Gebietes eine bessere und sichere Ver⸗ bindung mit dem gegenüberliegenden Ufer erheischt, als sie durch die kostspielige und in jeder Hinsicht mangelhafte Nehfahrt bei Groß Steinheim erreicht wird. Ueberdies fehlt zu der nächsten Verbin⸗ dung der Maingegend mit dem Neckar seit der Vollendung der wichtigen Odenwälder Straßen gerade nur noch diese Passage, wohl der einzige Punkt, an welchem das Großherzogthum Hessen von einem Nachbarstaate in der Sorge für die wichtigsten Commu⸗ nicationsmittel übertroffen wird, da die kurhessische Chaussee be⸗ reits bis an den Main läuft. Seit dem 1. Juli d. J. nun ist jene

Nehfahrt für 12,000 Fl. von dem Großherzogl. hessischen Fiskus in

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Zeitung. MNiitwoch den 19 n Juli

1 Besitz genommen worden und damit eine Prämisse für die längst be⸗ schlossene Brücke, vorläufig eine fliegende, gewonnen. So lange aber diese Brücke, welche an geeigneter Stelle zunächst die Functionen von vier Ueberfahrten konzentriren muß, noch nicht eingerichtet ist, ändert der erhöhte Rang des Nehs weder seine eigene unselige Beschaffen⸗ heit und Verwaltung, noch die übermäßigen Ueberfahrtsgebühren, noch die oft zur Unzugänglichkeit gesteigerte Mangelhaftigkeit beider Main⸗ Ufer an dieser Stelle. Kutschen wie Frachtwägen sind zu den weiten Umwegen über Offenbach und Seligeustadt genöthigt, statt daß einst selbst die offenbacher Fuhren ohne kurhessisches Chausseegeld den Weg über die Steinheimer Brücke nehmen werden.

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Freie Städte. Hamburg, 6. Juli. (Schl. Z.) Die Enthaltsamkeitssache gewinnt hier immer mehr an Umfang und Einfluß. Der hiesige Verein zaͤhlt bereits über 2000 Mitglieder. Der wohlthä⸗ tige Einfluß des Vereins zeigt sich besonders auf den Bauplätzen, wo eine musterhafte Ruhe und Ordnung herrscht. Auch sind vor kurzem zwei, von hiesigen Handelshäusern ausgerüstete Kauffahrteischiffe nach Amerika in See gegangen, ohne Branntwein zum Trinken an Bord zu haben die ersten deutschen Mäßigkeits⸗Schiffe. Die Matroser erhalten statt des ihnen früher verabreichten Rums größere Portio⸗ nen nahrhafter Speisen. Man hofft, daß diese Schiffe ihre Fahr glücklicher beenden werden als andere Schiffe, deren Matrosen täg⸗ lich Rum erhalten. Das Beispiel Amerika's, von wo bekanntlich jährlich tausende von Schiffen ohne Branntwein in See hen, hat wenigstens gelehrt, daß brave Seeleute auch den mühevollsten Reisen in die Polargegenden des Branntweins nicht bedürfen, und daß solche Schiffe seltner Unglücksfälle erleiden, weshalb sie auch bei den Assekuranzen für eine geringere Summe versichert werden können, als andere Schiffe, deren Ma⸗ trosen Branntwein trinken. Es wird hier bereits auch eine Ab⸗ nahme der Branntwein⸗Consumtion und der Schenken bemerkbar Der Baron von Krüdener zu Wandsbeck ist dem hiesigen Vereine beigetreten und hat 140 Thaler für die wohlthätigen Zweck desselben geschenkt. Auch im Holsteinschen breitet sich die Mäßig⸗ keitsreform immer mehr aus. Der Professor Dr. Büttner, der Verfasser des Werkes: „Die Enthaltsamkeitsvereine in den nord⸗ amerikanischen Freistaaten, Fortsetzung der Baird'schen Ge⸗ schichte der nordamerikanischen Mäßigkeits⸗Gesellschaften bis zum Jahre 1842,“ ist am 19. Juni als Mäßigkeits⸗Agent von hier abgereist. Der Vorstand des hiesigen Vereins gegen das Brannt⸗ weintrinken ist jetzt mit den Vorbereitungen zu der General⸗Versammlung der Deputirten aller deutschen Mäßigkeits⸗Vereine, welche vom 6. bis 9. August d. J. hier stattfinden soll, vielfach beschäftigt. Man erwar⸗ tet zahlreiche Gäste, welche bei den Mitgliedern des hiesigen Vereins eine gastfreie Aufnahme finden werden. Ohne Zweifel wird diese General⸗Versammlung zur Beförderung der Enthaltsamkeitssache in Deutschland viel beitragen und sie zu einer National⸗Angelegenheit des deutschen Volkes machen.

Hamburg, 9. Juli. (D. Z.) Man ist hier sehr ge⸗ spannt über den Ausfall des sogenannten Wurmbschen Pro⸗ zesses, welcher ehestens spruchreif sein wird. Es sind nämlich die hamburgischen Bürger Wurmb, Jambers, W. Hocker, bekannt durch seine Spottgedichte auf hochgestellte Personen, und der Buchdrucker Meldau fiskalisch angeklagt als Verleumder und Verbreiter des Gerüchts, daß der Senator Merk das elterliche Wohnhaus des genannten Wurmb habe gewaltsamer Weise verkaufen lassen, um es für sich zu einem Speicherbau zu requiriren. Der Fiskal hat auf mehrjährige Zuchthausstrafe gegen drei der Angeklagten angetragen und wird nun in nächster Woche die Defension der vier Angeklagten nach hiesigem Gerichtsgebrauch öffentlich ver⸗ handelt werden, wozu der Zudrang des Publikums um so stärker werden dürfte, als außer dem allgemeinen Interesse, die Sache wegen der darin verwickelten vielen hochgestellten Personen sehr pikant ist Daß übrigens eine gewisse Leidenschaftlichkeit und Voreingenommenhei gegen hochgestellte Personen die Angeklagten aufgestachelt haben muß lßt sich um so weniger bezweifeln, als man nicht annehmen kann, daß zi einem solchen Gewebe von Intriguen, welches eine von den Wurmb⸗ schen Erben veröffentlichte, angeblich in London gedruckte Schrift über den gewaltsamen Hausverkauf offen darlegt, ein Hamburgischer Sengagtor (es sollen deren mehrere dabei betheiligt sein) auch nur ein Fädchen zu liefern im Stande gewesen sein wäre. Auf der an⸗ deren Seite aber läßt sich nicht leugnen, daß den Wurmbschen Erben es mag nun sein, durch wen es wolle, großes Unrecht widerfahren ist. Der Vater des hier angeklagten Wurmb lebte mit seiner Familie von den Revenüen eines Hauses; er konnte aber sein Vermögen nicht wohl selbst administriren, ließ es daher auch geschehen, daß man ihm auch einen Kurator in der Person eines gewissen Becker zuordnete. Dieser jetzt verstorbene, Becker scheint jedenfalls eine sehr zweideutige Rolle gespielt zu haben. Wegen eines ausgeklagten Schuldpostens läßt er das Wurmbsche Erbe zum öffentlichen Verkauf anschlagen; der wohl⸗ habende, jetzt angeklagte Jambers, gerührt durch das Unglück der Wurmbschen Familie, bietet wiederholt diesen Posten und säͤmmtliche Kosten an und bittet um Aufhebung des Verkaufs, dessenungeachtet und obwohl die Familie Wurmb mehreremale zu Rath supplizirt wird das Haus verkauft, die Familie Wurmb ins Armenhaus gebracht und der Kurator Becker entschlägt sich der Pflicht zur Rechnungs⸗ Ahblage durch den Tod und die Insolvenz seiner Masse. Der jetzt obschwebende fiskalische Prozeß dürfte über diese Verwickelungen ein helles Licht verbreiten; möchten unsere schwer angeklagten Mitbürger 8 vor demselben gerechtfertigt erscheinen, möge es nur den Schuldigen uns zeigen, auf daß eine gerechte Strafe über ihn verhängt werden bn 2 er nicht etwa schon vor dem Richterstuhle des Höchsten stehen sollte. 8

Frankfurt a. M., 12. Juli. (D. A. Z.) In der Mitte der hiesigen Israeliten trägt sich seit einigen Wochen ein Unwesen ganz eigener Art zu. Ein jüdischer Kaufmann aus Amsterdam, der sich nichts Geringeres als den Titel eines Fürsten (Chebräisch Nassi) von Palästina beilegt, kolligirt von Haus zu Haus, und zwar ohne alle obrigkeitliche Erlaubniß, angeblich zum Besten der Armen in Palästina, in Wahrheit aber, um, wie man aus hier eingelaufenen direkten Berichten von Jerusalem läugst weiß, sich die Mittel zu ver⸗ 3 schaffen, von käuflichen türkischen Beamten eine Art Suprematie über die dortigen Juden für sich und seine Agenten zu erkaufen und so die in dem bombastischen Titel angedeutete Gewalt faktisch zu erlan⸗ gen, eine Gewalt, welche, den Berichten zufolge, bereits auf die barba- rischste Weise und durch die gewaltsamsten Mittel sich geltend zu machen begann; was denn auch im vorigen Jahre Sir Moses Montesiore in Lon⸗ don veranlaßte, zur Uebermachung von Unterstützungsgeldern für die Noth⸗ leidenden Palästina's seine Dienste aufs uneigennützigste anzubieten. Der amsterdamer Nassi wurde von vielen Seiten und in mehreren öffentlichen Blättern aufgefordert, über die bereits in früheren Jahren von ihm kolligirten Gelder, die sich auf nicht weniger als 200,000 Pf. St. belaufen sollen, Rechnung abzulegen. Hierauf aber antwortete er in einem gedruckten „Sendschreiben“ mit Androhung des „Bannes“ und