In Uebereinkunft mit dem vorletzten Redner wurde vom Referenten noch vor dem Schlusse der Sitzung folgende Fassung des betreffenden Zu⸗ satz Paragraphen 22 ½¼ in Antrag gestellt: „Wird in den in den §88. 21
und 22 bezeichneten Fällen der Rechtsweg eingeschlagen, so soll im Bezirke des rheinischen Appellations⸗Gerichtshofes von Köln bei C bjekten, die 100 Rthlr. an Werth nicht übersteigen, die Kompetenz des Friedensgerichts, in dessen Bezirk die Pfändung stattgefunden hat, begründet sein.“ — Der §. 22 ⅛ wird in dieser Fassung von der Plenar⸗Versammlung angenommen. * 3u §. 24 bemerkt ein. Abg. der Landgemeinden: Er mache den Vor⸗ schlag, statt „durch Ausruf oder Anschläge“ zu setzen „durch Ausrnf und Anschläge“. Es möchte sonst der Ausruf unterbleiben, das möchte er aber nicht; der Ausruf geschehe gewöhnlich an den Kirchen nach dem Gottes⸗ dienste, und dies sei die beste Veröffentlichung. — Ein Abgeordneter der Landgemeinden bemerkt hierzu, daß dies vielleicht nicht der allgemeine Mo dus der Bekanntmachung sei, worauf der Ausdruck „auf gewöhnliche Weise“ oder „auf ortsübliche Weise“ vorgeschlagen wurde. — Der Referent meinte sferner, um jeden Zweifel zu heben, sei es zweckmäßig zu setzen: „durch offentliche Verkündigung und Anschläge.’“ Diese Umwandlung erhielt die allgemeine Zustimmung, und wurde der §. 24 in dieser Fassung von der Plenar-Versammlung angenommen.
*ꝙ Die übrigen Paragraphen des Entwurfs, so wie der Executions
Gebühren⸗Tarif werden nach dem Vorschlage des Ausschusses von der Plenar⸗Versammlung angenommen.
Es folgte hierauf die Verlesung zweier Adressen an des Königs Ma jestät, betreffend: 1) den Ausbau des Nord⸗Kanals, 2) den bergischen Schul-Fonds. Beide wurden von der Plenar⸗Versammlung genehmigt.
Der Herr Landtags⸗Marschall veranlaßt ferner den Vortrag des Be richts über den Bezirksstraßen Baufonds.
Nach Verlesung des Antrags über die Verwendung der Ueberschüsse des Bezirksstraßen⸗Baufonds pro 1844—45 wird bemerft, daß dem Prinzip, den Bezirksstraßen- Baufonds mit kleinen weiteren Anleihen belastet zu sehen, allerdings beizustimmen, indessen es doch ausnahmsweise möchte gestattet werden, da, wo es sich darum handle, nur noch einzelne kleinere Strecken in beinahe vollendeten Straßenzügen zu vollenden und solche um so schnel ler der regelmäßigen Benutzung übergeben zu können. — Zwei Abgeordnete aus dem Stande der Ritterschaft treten diesen Ansichten bei, um so mehr, als der Staat dergleichen Anleihen zinsenfrei gebe. Ein anderer Abgeord neter dieses Standes bemerkt dagegen, wie nothwendig es sei, von allen ferneren Anleihen zu Lasten des Bezirksstraßen⸗Baufonds zu abstrahiren und diese exceptionelle Steuer endlich aufzuheben. Ein Abgeordneter der Städte entwickelt, wie es im Prinzip nothwendig sei, die Anträge des Re serenten zu genehmigen, und stimmt für dieselben, welchem auch ein Abgeord neter der Landgemeinden beistimmte, indem er sich auf die Verhandlungen des Landtages pro 1837 über die Wege⸗ Oidnung im Allgemeinen und in specie auf die Bezirksstraßen bezog und die Ansicht aufstellte, daß diese außerordentliche Steuer auf der linken Rheinseite endlich aufgehoben werden müsse.
Demnach wurde zuerst die Frage gestellt: „Soll des Königs Majestät gebeten werden, die bereits gusgebauten Bezirksstraßen als Staatsstraßen zu übernehmen und gegen Einziehung der Wegegelder aus Staatskosten verwalten und unterhalten zu lassen, so wie alle noch auszubauenden Be⸗ zirksstraßen entweder gleich auf den Staatsstraßen⸗Etat zu übernehmen, oder, wenn dies nicht möglich sein würde, die exceptionelle Steuer von 5 pCt. in der Zukunft lediglich zur Ausbauung der noch zu beendenden Bezirksstraßen⸗Strecken und nicht ausgebauten Bezirksstraßen verwenden zu lassen und so deren endliche Erlassung in eine, wenn auch für manche Theile noch entfernte Aussicht zu stellen?“ Der Antrag wird von der Plenar⸗Versammlung einstimmig angenommen.
Die fernere Bitte: „Soll des Königs Majestät in Berücksichtigung der traurigen Lage, worin sich namentlich der Bezirksstraßen Baufonds im Regierungs Bezirk Trier befindet, gebeten werden:
1) die Trier⸗Metzer Bezirksstraße von Feyen bis zur französischen Gränze hinter Peil; die Trier-Mainzer Bezirksstraße von Hetzerath bis zur Granze des Regierungs⸗Bezirks Trier bei stumpfen Thüren; die Saarlouis⸗Birkenfelder Bezirksstraße von Lebach nach Tholey bis zur Gränze; die Vianden⸗Wittlicher Bezirlsstraße von der Gränze bei Vianden über Bittburg bis Wittlich, wo sie in die Koblenz Trierer Staatsstraße mündet; gleich zu Staatsstraßen, sowohl in der Unterhaltung als der zu vollenden⸗ den Ausbauung erklären zu lassen?“ wird ebenfalls einstimmig ange ommen.
Die dritte Bitte: „Soll des Königs Majestät gebeten werden, die Aachen- Luxremburger Bezirksstraße zurn Staatsstraße zu erklären und alle bereits darauf verwendeten Kosten dem Bezirksstraßen⸗Bau⸗Fonds ersetzen zu lassen?“ wird auch einstimmig angenommen.
Die vierte Bitte: „Soll des Königs Majestät gebeten werden, die Summe von 42,067 Rthlr. 1 Sgr., die dem Bezirlsstraßen⸗Bausonds des Regierungs⸗Bezirks Düsseldorf dadurch entstanden, daß mittelst Allerhöchster Kabinets⸗Ordre vom 18. August 1830 die Straße von Neuß über Meurs, Panten nach Kleve zur Staatsstraße, dagegen die frühere Staatsstraße von Krefeld über Geldern nach Kleve zur Bezirksstraße erklärt worden, dem Bezirksstraßen⸗Baufonds des Regierungs⸗Bezirks Düsseldorf erstatten und diese Gelder zum endlichen völligen Ausbau der Straßen von Krefeld über Geldern nach Kleve verwenden zu lassen?“ fand ebenfalls die einstimmige Beistimmung der Plenar⸗Versammlung. ““ Darauf wurde nach näherer Entwickelung des ganzen Bezirksstraßen⸗ bau⸗Verhältnisses die Frage gestellt: „Sollen auf den Bezirksstraßen⸗Bau⸗ fonds noch neue verzinsliche Darleihen aufgenommen und fontrahirt werden dürfen?“ Diese Frage wird nach einer längeren Debatte einstimmig ver neint; hingegen die Ansicht gebilligt, daß, wenn unverzinsliche Darleihen zum rascheren Ausbaue einzelner Straßenstrecken in bereits schon längst im Ausbau begriffenen Straßenzügen ersorderlich seien, dieselben unter dem Beding angenommen werden möchten, daß durch deren Rückerstattung der Ausbau der Bezirksstraßen im Allgemeinen nicht zu sehr erschwert und ge hemmt werde. Dem Herrn Ober⸗Präsidenten ist demnach auf sein Pro- memoria in specie eines jeden Regierungs Bezirks für die Baupläne pro 1844 — 45 zu erwiedern: Daß aus denen ohne fernere Anleihen als dis⸗ ponibel in Aussicht gestellten Geldmitteln:
Im Regierungs⸗Bezirk Koblenz:
¹) die Boppard⸗Simmerer Straße völlig ausgebaut werde, der Rest dann 2) auf die Bonn⸗Trierer Straße verwendet werde, die beantragten 13,536 Rthlr. für die Lützerrath-Alser Straße, aber so lange. ausgesetzt und unberücksichtigt bleiben mögen, bis die Entscheidung Sr. Majestat über die gestellten Bitten hinsichtlich des Bezirksstraßen⸗ fonds im Allgemeinen eingetroffen seien.
Aus dem Regierungs⸗Bezirk Trier war man der Ansicht: ) für die Saarlouis⸗Berncastler Bezirksstraße.. 600 Rthlr. ) für die Stadt Kyll⸗Berncasteler 11,500 — ) für die Vianden⸗Wittlicherr .. 3000 „
) für die Prüm⸗Birkenfelder v“ 1198 . cs ce 11141”““ des im Jahre 1811 ausgenomme⸗ Bezirksstraße aber als nicht Urn. für den Ausbau der Koblenz Lütticher 88 als nicht mit Genehmigung der Stände aufgenommen zu beantragen und die Verwendung dieser Gelder zu so mannigfachen dringenderen Bedürfnissen im Regierungs⸗Bezirk ri 88 v 84 teresse zu befürworten. 8 “ konnte man die 11““ ö“
Svnle Me zantragten 9050 Rthlr. für die aachen luremburger Be⸗ zirksstraße pro 1844 — 45 aus den bereits angeführten Gründen ni villigen, sondern sich nur dafür aussprechen, für die düre nden nicht be willigen, so sprechen, für die düren- montjoier Be
5 3 1
zirksstraße 2164 Rthlr., und den Rest für die aachen⸗krefelder Bezirksstraß
zu bewilligen. chen⸗krefelder Bezirksstraße Ad Regierungs⸗Bezirk Köln
war man einstimmig einverstanden, den ganzen disponib 8 3 1844—45 für den Ausbau der köln Henlaes Beüirksstraße 1“ n5
Ad Regierungs⸗Bezirk Düsseldorf 8 war man der Meinung, die Hälfte des disponiblen Fonds pro 1844 —45 für die krefeld klever Bezirksstraße, die andere Hälfte aber für die köln⸗ venloer Bezirksstraße zu bestimmen und die viersen aldekerker Bezirksstraße einstweilen und bis dahin nicht zu berücksichtigen, bis die Entscheidung Sr. Majestät auf die gestellten Bitten eingetroffen sei. 1 Sonst t dem Referate bei und sprach noch den Wunsch gus,
8 “ “
282
wie nothwendig es sei, daß die ständischen Deputirten über alle Bezirls Straßen⸗-Bau⸗Angelegenheiten zeitiger und vollständiger unterrichtet werden müssen, wobei die im Jahre 1837 von den Ständen entworfene Instruc⸗ tion maßgebend werden möge.
Hierauf theilte der Herr Landtags⸗Marschall der Versammlung eine vorläufige Benachrichtigung des Herrn Landtages⸗Kommissars mit, daß auf telegraphischem Wege die Genehmigung Sr. Majestät des Konigs, betreffend die beantragte Verlängerung des Landtags für einige Tage, eingetroffen sei.
Nachdem der Herr Landtags Marschall noch die Tagesordnung der nächsten Sitzung mitgetheilt, schloß derselbe die heutige Sitzung und be⸗ 8 auf Montag, den 17. Juli c., Morgens 9 Uhr, an
Charlottenburg, 5. Aug. (B. K. Z.) Das Mauso leum der verstorbenen Königin Louise, in welchem jetzt auch König Friedrich Wilhelm III. ruht, ist durch den Königlichen Sohn zu einer Grab⸗Kapelle erweitert, und am 3. August, in Beisein der ganzen Königlichen Familie und der Umgebungen, durch den Hofprediger l)r. Strauß unter Assistenz des hiesigen Superintendenten Mann und des Geheimen Hofrathes Predigers von Hengstenberg aus Teltow, ein⸗ geweiht worden. Nach dem Gesang: „Komm heil. Geist! erfüll' ꝛc.“, folgte die Predigt über Genes. 25, dann das Kirchengebet, zum Schluß einige Verse aus dem von dem seeligen König besonders ge⸗ schätzten Lied: „Was Gott thut, das ist wohlgethan.“
Aus der Provinz Sachsen, im Aug. (Berl. Allg. Kirchenz.) Der Minister der geistlichen Angelegenheiten hat unterm 10. Juli folgendes Reskript an die General⸗Superintendenten erlassen:
„Des Königs Majestät haben bereits vor längerer Zeit über den un günstigen Zustand sich zu äußern geruht, in welchem das kirchliche Gemein dewesen, insbesondere die Seelsorge und das Verhältniß der seelsorgerischen Kräfte zu der Zahl und den Bedürfnissen der Gemeindeglieder in einer großen Anzahl von Gemeinden der evangelischen Landeskirche sich befindet, und zugleich mich zur Einreichung solcher Vorschläge aufgefordert, die geeig net sein möchten, den betreffenden Mängeln und Uebelständen abzuhelfen. — Das warme und lebendige Interesse, das Allerhöchstdieselben für das Heil und Gedeihen der evangelischen Kirche vor Allem in dieser Beziehung zu erkennen geben, hat meine Sorge hinsichtlich dieser Angelegenheit nur ver⸗ doppeln können, und es zum Gegenstand meines angelegentlichsten Nachden⸗ kens gemacht, auf welchem Wege das kirchliche Gemeindewesen, auf eine den Segen des Predigt⸗Amtes und der Seelsorge fördernde Weise am sicher sten und angemessensten geordnet und, mit Beachtung bestehender Rechte, zu einer gedeihlichen Entwickelung geführt werden möge.
„Seitdem bin ich je länger je mehr zu der Ueberzeugung gekommen, daß die evangelische Kirche, wenn ihr wahrhaft und dauernd geholfen wer den soll, nicht nur von Seiten des Kirchen⸗Regiments geleitet, sondern vor⸗ nämlich aus eigenem, inneren Leben und Antrieb erbaut sein will, und daß mithin eine gründliche Abhülfe der ihr beiwohnenden Mängel nicht sowohl durch die Darreichung von Staatsmitteln und durch eine anordnende Thä⸗ tigkeit Seitens der Kirchen-⸗Behörden erwartet werden kann, als vielmehr von der allgemeinen Anerkennung des Uebels und von der Vereinigung gemeinsamer Kräfte, besonders aber von den Gemeinden ausgehen muß. — In dieser Beziehung sind vornämlich die Synoden, wenn auch zur Zeit nur aus geistlichen Mitgliedern bestehend, als diejenigen kirchlichen Organe zu betrachten, von welchen die Vorschläge für eine bessere Ge⸗ staltung und Entwickelung der kirchlichen Verhältnisse zunächst an⸗ geregt und vorbereitet werden lönnen. — Es darf erwartet wer⸗ den, daß die Geistlichen es selbst am tiefsten empfinden werden, wie sie unter den gegenwärtigen Verhältnissen und bei dem Mangel einer die Seel sorge und das wahre Gemeindeleben pflegenden und stärkenden Ordnung, auch bei der gewissenhaftesten Treue nicht im Stande sind, das ihnen an⸗ vertraute Hirtenamt auf eine, den Anforderungen desselben entsprechende Art zu verwalten. Man darf nicht weniger der Hoffnung sich hingeben, daß eine gründliche Besprechung dieser Angelegenheit, wie sie evangelischen Geist lichen in der Mitte ihrer Amtsbrüder geziemt, und eine lebendige, zugleich
aber ernste und besonnene Zusammenwirkung der Geistlichen, Anträge und Vorschläge zur Folge haben werde, die auf die einfachsten und treffendsten, zugleich den lokalen Verhältnissen entsprechendsten Mittel der Abhülfe leiten und geeignet sind, die Gemeinden für den heiligen Zweck zu gewinnen und den christlichen Gemeinsinn zu beleben, ohne welchen nichts Bedeutendes in der Kirche Christi je geschehen ist und geschehen kann.
„Unter Allerhöchster Zustimmung Sr. Majestät des Königs soll daher diese Angelegenheit nunmehr zuvörderst den Kreis⸗Synodal⸗Versammlungen der Geistlichen vorgelegt, und es sollen die Letzteren, nach ihren Super intendentur⸗Bezirken, unter dem Vorsitz und der Leitung ihrer Ephoren, unverzüglich zu diesem Behufe zusammenberufen werden. Ew. Hochwürden ersuche ich, das diesfalls Erforderliche sofort zu veranlassen und den Super
intendenten, unter Mittheilung der gegenwärtigen Verfügung, aufzugeben, ihre Svnodalen spätestens auf die Mitte des Monats August d. J. zu sammenzuberufen und zugleich auch die im Bereiche ihrer Diözese wohnen den Militair⸗Geistlichen zur Theilnahme an den Verhandlungen einzuladen. Damit die Kreis⸗Synoden hierbei sogleich auf praktische und fruchtbare Weise in den Mittelpunkt ihrer Berathungen geführt werden, sind zunächst die Besprechungen damit zu beginnen, daß sich die Geistlichen über den ge⸗ genwärtigen Stand der Verhältnisse ihrer Gemeinden aussprechen, sich ihrer jetzigen Stellung als Prediger und Seelsorger und der auf ihnen jetzt lie genden Verpflichtungen llar bewußt werden, die Mitwirkung und den Beistand, welche ihnen bei Erfüllung dieser Verpflichtungen von Kirchen Vorstehern und kirchlichen Gemeinde⸗Beamten geleistet werden, oder welche sie doch nach der jetzigen Verfassung von ihnen erwarten können, deutlich ins Auge fassen, und so ein klares Bild von dem Zustande der kirchlichen Gemeinde Verhält⸗ nisse entwerfen. — Sodann werden die Versammlungen den jetzigen Zustand mit dem früheren, besseren oder schlimmeren, zu vergleichen und weiter zu erwägen haben, welche Hindernisse, Mängel und Gebrechen, bei der gegen wärtigen Lage der Dinge, vorzüglich die Ausrichtung ihres Amtes erschweren, was etwa wegen Vermehrung der seelsorgerischen Kräfte und wegen anderer Einrichtung der Kirchen Vorstände, mit Rückblick auf die Diakonie in dem apostolischen Zeitalter, in Vorschlag zu bringen, und wie die diesfälligen Vorschläge früher oder später in Ausführung gebracht werden können. Hierüber haben die Kreis⸗Synoden sich gutachtlich und zugleich in solchen Weise zu äußern, daß ihre Wünsche, Bedenken und Anträge klar hervortreten, und die protokollarisch aufzunehmenden Verhandlungen ein vollständiges und ge⸗ treues Bild der stattgefundenen Berathungen geben. Wo abweichende An⸗ sichten, Wünsche und Anträge hervortreten, wird darauf zu halten sein, daß auch diejenigen der Minorität, unter Angabe ihrer Gründe und unter Be zeichnung der Stimmenzahl, in das Protokoll aufgenommen werden. Ueber die von Ew. Hochwürden in Gemäßheit dieser Verfügung zu tressen den Einleitungen will ich die nähere Anzeige unverzüglich erwarten. Dem nächst sehe ich der Einsendung sämmtlicher Kreissynodal⸗ Protokolle, mit einer von dem Vorsitzer jeder Kreissynode anzufertigenden Zusammenstellung der einzelnen Anträge und dessen Gutachten über die letzteren, spätestens in den ersten Tagen des Monats September d. J. zur weiteren Veranlassung entgegen. Eine Abschrift des Kreissonodal Protokolls ist von dem Vorsitzen⸗ den zurückzubehalten und im Archiv aufzubewahren.“
Aus Norddeutschland, im August. (Zweites Schrei⸗ ben über das Treiben der Kommunisten.) Keine Gefahr, wie gering sie in ihren Anfängen auch sei, ist zu verachten; deshalb verschmähen wir es nicht, nach Anleitung des amtlichen auf unzweifelhaften That sachen beruhenden Berichtes, den die von der züricher Regierung ein gesetzte Untersuchungs Kommission erstattet hat, ein Bild von dem Wesen und Treiben der deutschen Kommunisten in der Schweiz zu geben. .
Als der Ausgangspunkt der Kommunisten Vereine erscheint das große Centrum revolutionairer Wühlungen, Paris. Von hier aus erhält Weitling, unter dem Titel „Pflichten“, die Bundes⸗Artikel, deren wesentlichste Bestimmungen wir hier mitzutheilen uns nicht ent⸗ halten können.
1) Die „Verbrüderung der Gerechten“ besteht aus Deutschen oder deutsch Redenden.“
“ 8 E1“
2) Sie bezweck Erlosung der Menschheit und Begründung glei⸗ Rechte und gleicher Pflichten für Alle und Jeden. 3) Diese Verbindung ist geheim.
—
4) Sämmtliche Brüder wachen über die gegenseitige Sittlichkeit.
5) Jeder ist gehalten, die Zahl der Mitglieder durch neu auf zunehmende vermehren zu helfen.
6) Erfordernisse zur Aufnahme sind: sich darbietende Bereitwilligkeit.
7): Unter allen Brüdern herrscht Gleichheit, und in jeder Ge fahr ist Beistand und Sorge für die Hinterbliebenen eine Pflicht, welche mit den Pflichten gegen Vaterland und Menschheit gleichsteht.
8) Eine der wesentlichsten Verpflichtungen ist gegenseitige Offen
heit. Wer gegen Personen oder Sachen etwas vorzubringen hat,
der trage dies öffentlich vor.
9) In den Sitzungen dürfen die Vorschläge, welche Einzelne zu machen haben, nur einen Theil der Zeit hinwegnehmen, damit noch
in der Besprechung der Prinzipien fortgefahren werden kann.
10) Wer dreimal ohne eine triftige Entschuldigung von den
Sitzungen hinwegbleibt, erklärt damit seinen Austritt.
11) Gleiche Pünktlichkeit, wie in dem Besuche der Sitzungen,
wird in der Entrichtung der Monatsbeiträge gefordert. Auf diese sehr einfachen Bestimmungen, die wir hier nicht nä⸗
her erörtern wollen, weil der Zweck ziemlich durchsichtig ist, hatte
Weitling, wie es scheint, ein bei weitem verwickelteres Gebäude auf⸗
geführt. Zuvörderst verlangte er, um der brüderlichen Gesinnung der Verbündeten auch ein äußeres Zeichen zu geben, daß sie sich unter
einander „Du“ nennen sollten. Außerdem empfahl er den Verbün
deten den engsten Umgang unter einander, damit einer den anderen
anfeuere. Wer von dem Sitze des Vereins sich entfernte, wurde ver pflichtet, wenigstens alle drei Monate einmal zu schreiben, um ihn in beständiger Verbindung zu erhalten. Für die Aufnahme wurden be stimmte Formen festgesetzt. Wer sich aufneh 1
vierzehn Tage vorher vorgeschlagen werden, und die Aufnahme er-
7
folgte, wenn Niemand etwas dagegen einzuwenden hatte. Nach
einem ziemlich weitläuftigen Examen, in dem der Vorgeschlagene über
seine Grundsätze Rechenschaft ablegen mußte, wurde ihm das Gelöbniß der Verschwiegenheit abgenommen, und darauf wurde sein Name in die Liste dessen eingetragen, der ihn aufgenommen hatte. In den Ver sammlungen wurde zuerst jeder befragt, wen er in der Zwischenzeit von der letzten Vereinigung für den Bund gewonnen; wenn er keinen anzugeben vermochte, mußte er über die Gründe Rechenschaft ablegen, die ihn abgehalten. Darauf wurde von den einzelnen Mitgliedern be richtet, was sie von Dingen vernommen, die für den Bund von In teresse sein konnten. Endlich schritt man zu der Vorlesung von Auf⸗ sätzen oder Schriften, die im Sinne des Vereins abgefaßt waren und zu einer Erörterung Veranlassung gaben, welche die Anwesenden in den Bundesgrundsäͤtzen befestigte. Ob Alles dies gerade so, wie es Weitling entworfen hat, zur Ausführung gekommen, ist uns nicht be kannt; jedenfalls wird man dem Plane eine Berechnung nicht ab- sprechen können, die auf nichts weniger als Geistesverwirrung dentet. Die Verbündeten verbargen sich nicht, daß mit der Aufnahme von Handwerksgesellen in ihren Verein für die Förderung ihrer Zwecke noch keinesweges Alles gethan sei. Sie erkannten den bedeutenden Einfluß, den die Presse in unseren Tagen hat; deshalb suchten sie vor allen Dingen durch Flugschriften und Aufsätze in den Zeitungen zu wirken; sie suchten Verbindungen mit allen Journalen anzuknüpfen, bei denen sie eine gewisse Verwandtschaft mit ihren Grundsätzen vor aussetzten. Mehrere Schweizerblätter standen ihnen zu Gebote; auch deutsche Journale, welche kommunistische Artitel aufgenommen hät ten, werden genannt. Der pariser Korrespondent Weitling's erwähnt mit großem Lobe des Dr. Ruge, des Herausgebers der hallischen Jahrbücher, dem er geschrieben habe. Schmerzlich beklagt wird das Aufhören der Rheinischen Zeitung, besonders auch, weil einer der Verbü⸗
indeten, A. Becker, der ein fleißiger Mitarbeiter gewesen zu sein scheint, dadurch eine Erwerbsquelle verliere. „Der Kommu nismus“, heißt es in einem Briefe vom 8. Februar d. J, „hHat ihr den Hals gebrochen“; dies sei aber dennoch ein gutes Zeichen, weil es einen Beweis biete, daß man in Deutschland „darüber nachzuden⸗ ken“ anfange. Herwegh spielt in den Briefen der Kommunisten eine trau rige Rolle. Ernimmt an kommunistischen Mahlzeiten Theil und läßt sich alle die noch dazu nur erheuchelten Ehrenbezeugungen gefallen, die ihm erwiesen werden. „Wir haben Dir hier mit Herwegh eine famose Parade gemacht“, schreibt der schon erwähnte Becker an Weitling, „wir haben ihn als einen der Unsrigen behandelt.“ Dabei wird mit der schmutzigsten Gemeinheit eingestanden, daß es darauf abgesehen sei, von Herwegh Geld zu erpressen: ein Passus beiläufig, der auf die Ehrenhaftigkeit und den untadelhaften Wandel der Kommunisten ein sonderbares Licht wirft. Gutzkow scheint die Kommunisten zu Paris kennen gelernt zu haben. Er schreibt von Hamburg aus (unter dem 16. Oktober 1842) an Weitling, ist unwillig über einen Aufsatz in der Aachener und in der Augsburger Allgemeinen Zeitung, der ihm ganz falsche Aeußerungen über die Kommunisten unterschiebe, und versichert, daß er zwar zuweilen und jedenfalls in den Hauptsachen von den Kommunisten abweiche, läßt dabei aber „dem Prinzip“ und Talent Weitling's Gerechtigkeit widerfahren, dem er mittheilt, daß er ihn an Otto Wigand empfohlen habe. In einem späteren Briefe ohne Da tum bedauert er, Weitling nicht persönlich kennen gelernt zu haben. „Ich bin für das kommunistische Prinzip“, schreibt er, „hätte aber doch Manches mit Ihnen gesprochen.“ Im Verfolge fordert er Weitling auf: „Schreiben Sie für den Kommunismus, wenn er auch erst im Himmel ein geführt wird. Es ist auch gut, sich schon hienieden um das Jenseits verdient zu machen.“ Nicht in unmittelbarer Beziehung zu den Schweizer Kommunisten, aber in desto engerer Verbindung mit jenen zu Paris steht nach den vorliegenden Papieren Dr. Heß von Köln, einer der thätigsten Mitarbeiter der „R heinischen Zeitung.“ „Dr. Heß“ schreibt der pariser Korrespondent Weitling's am 15. Mai d. 82 „ist ein konsequenter Junghegelianer von klarstem Wasser, daher ist er Kommunist.“ „Jr. Heß“, bemerkt der pariser Korrespondent, „ist sehr wirksam für die Belehrung der Gebildeten, hat aber manche Barockheiten, z. B. will er durchaus nur Anarchie und Atheismus predigen.“ Dieß mißbilligt der Korrespondent, nicht um der Sache willen, sondern weil durch solche Worte „Anstoß gegeben werde. Welchen Werth die Schweizer Kommunisten auf ihre literarischen Verbindungen legen, ersieht man aus dem Schreiben eines Bundes Mitgliedes vom 2. Januar d. J. „Deutschland ,‚heißt es darin, „muß in Alarm gesetzt werden.“ „Thöricht, sich bioß auf Vereine beschränken zu wollen. Die ganze Liter atur m uß vom Kom munismus infizirt werden; und dazu sind Weitling, Gutzkow, Herwegh, Becker ꝛc. schöne Anfänge“ (1). Wir wollen zu der Ehre der mit Weitling und Becker auf gleiche Linie gestellten Schriftsteller hoffen, daß die Erwartungen, welche die Kommunisten von ihnen hegten, sehr übertrieben waren; aber selbst wenn diese Erwartungen völlig grundlos gewesen wären, wie der Bericht der züricher Unter suchungs Kommission in Bezug auf Gutzkow anzunehmen scheint, war es nicht mindestens Leichtsinn, zu denselben auch nur den ent ferntesten Anlaß zu geben? “
E. 1 r untadelhafter Wandel, Charakterstärke, Muth, Eifer, Ausdauer und die zu jedem Opfer
zgmen lassen wollte, mußte
Ausland. Deutsche Bundesstaaten.
Bayern. München, 6. Aug. (A. Z.) Der wichtigste gestern erzielte Gesammt Beschluß ist unstreitig jener über den Wahl Census der Land-⸗Eigenthümer ohne Gerichtsbarkeit. Derselbe geht dahin: „Se. Königl. Majestät möchten gesetzlich auszusprechen geru hen, daß in allen Verhältnissen, welche durch die Bestimmungen der Verfassungs- Urkunde und spätere Gesetze auf Grundsteuer Simpla basirt sind, die durch das Grundsteuer⸗Gesetz vom 15. Aug. 1828 gesetzlich festgestellten Grundsteuer⸗Simpla in Anwendung zu kommen haben.“ Die Hauptrichtung der stattgefundenen Debatte erhellt am klarsten aus einem Zusatz der von den Abgeordneten Frhrn. v. Thon⸗ Dittmer und Decan Friedrich beantragt, von der Kammer aber mit Stimmenmehrheit verworfen wurde, des Juhalts: „es seien hier nach der entgegenstehende Staatsraths⸗Beschluß vom 25. Novem⸗ ber 1836, insbesondere aber die Ministerial Ausschreibung vom 1. Januar 1843 außer Wirksamkeit zu setzen.“ Von lokalem, hohem Interesse für die Steuerpflichtigen in dem Regierungs Bezirk Unterfranken und Aschaffenburg ist ein zweiter gestern erzielter. Ge sammtbeschluß über den Gesetz Entwurf, die Gewerbs und Personal⸗ Staats Auflagen in eben diesem Bezirk betreffend. Die Kammer stimmte in dieser Beziehung noch einem von der Kammer der Reichs räthe beantragten Wunsch nachträglich bei, des Inhalts: „Es möge die Regierung Bedacht nehmen, daß denjenigen Unterthanen, welche Abgaben und Leistungen, deren gleichen für die Grundholden des Staates durch die Einführung der Personal- und Gewerbs⸗Steuern aufhören, an Gutsherren, Corporationen und Stiftungen noch fer ner zu entrichten haben, eine angemessene Entschädigung zu Theil werde.“ Um endlich über einen dritten Berathungs-Gegenstand, nämlich über den Freiherrn von Weldenschen Antrag auf Uebernahme der Kosten für Straßen-Alleen auf das Staats Aerar den nöthigen Gesammtbeschluß herbeizuführen, bedarf es noch der Zustimmung der Kammer der Reichsräthe zu folgendem Wunsch: „Se. Königliche Majestät wolle allerunterthänigst gebeten werden, die Anlage raria lischer Baumschulen an hierzu geeigneten Plätzen so wie die Mitbe nutzung der Schul- und Industrie Gärten zum Zweck der Baumzucht für Straßen⸗Alleen Allergnädigst zu beschließen und für die Errich tung, Vermehrung und sorgfältige Pflege der Schulgärten, insoweit es ohne Belästigung der Gemeinden geschehen kann, Allerhuldvollst Sorge tragen zu lassen.“ Statt desselben hatte nämlich die Kammer der Reichsräthe vorgeschlagen: „Se. Königliche Majestät wolle aller— unterthänigst gebeten werden, sämmtlichen Kreis-Regierungen den Vollzug der Allerhöchsten Verordnung über Errichtung von Schul⸗ und Industrie-⸗Gärten strengstens einzuschärfen, und anzuordnen, daß in den letzteren die zur Bepflanzung der Alleen an den Straßen no thigen Bäumchen gezogen, und die Schullehrer angehalten würden, die Pflege der Straßen Alleen unter Zuziehung der erwachsenen Schuljugend zu übernehmen“; wogegen sich aber diesseits einstimmig ausgesprochen wurde.
= Sachsen. Dresden, 9. Aug. Die Einführung des neuen Grundsteuer Systems, welches mit dem 1. Januar 1844 ins Leben treten soll, setzt gegenwärtig die Einwohner unserer Stadt, namentlich die Angesessenen, in nicht geringe Aufregung. Bei der Berathung der Grundsätze des neuen Systems war man sich, wie es scheint, der Folgen, die deren Anwendung für das Grundeigenthum der gr. oßen Städte haben würde, noch gar nicht so recht bewußt geworden. Jetzt sind nun aber diese Folgen durch Aufstellung und Auslegung der neuen Grundsteuer Kataster den städtischen Grundstücks⸗Besitzern mit mathematischer Gewißheit zum Bewußtsein gebracht worden, und haben Besorgnisse aller Art verbreitet, die allerdings nicht ganz ohne Grund sein möchten. Daß durch die neue Besteuerungsweise die großen Städte dem platten Lande gegenüber unverhältnißmäßig be schwert erscheinen, stellt jetzt Niemand in Abrede, da sich durch die Aufstellung der Kataster ergeben hat, daß alle Grundbesitzer in den großen Städten mit dem zwei⸗- und dreifachen, nicht wenige mit dem vierfachen, ja einige selbst mit dem fün ffachen Betrage ihrer bisherigen Grundsteuer betroffen werden. Daß die Betroffenen dadurch einen Theil ihres Kapital⸗Vermögens einbüßen, und zwar ohne Entschädigung, läßt sich nicht in Abrede stellen, und so manche Folge der neuen Besteuerung für die Städte läßt sich vielleicht noch gar nicht ermessen. So wird vielleicht wegen des sin⸗ kenden städtischen Grundwerthes so manches Konsens Kapital, das deren Besitzer nicht mehr für ausreichend gesichert hält, gekündigt, dem Schuld⸗ ner es schwer oder unmöglich werden, an dessen Stelle ein neues Darlehn aufzunehmen, der Zinsfuß für städtische Konsens Kapitale wird steigen, und vielleicht beim Mangel der Aufbringung gekündig ter Kapitale so mancher Hausbesitzer am Ende sein Eigenthum aufgeben müssen. Dazu kommt die traurige Erfahrung, daß die städtischen Gewerbe siberhaupt schon allenthalben danieder liegen. Aber nicht nur die Hausbesitzer, sondern auch die Mieth bewohner der großen Städte sind lebhaft bei der neuen Grundbe steuerung betheiligt, weil die Mehrzahl der Hausbesitzer, um dem sie treffenden Vermögensverlust wieder beizukommen, wo es irgend mög lich, den Miethzins steigern wird, welcher ohnedies schon sehr bedeu⸗ tend ist.
Unter diesen Umständen ist es in der That nicht zu verwundern,
aß die Annäherung der neuen Besteuerung, namentlich in Dresden ind Leipzig, Besorguisse verbreitet hat. Von Leipzig wurde deshalb eine Deputation der Grundbesitzer, jedoch ohne offiziellen Charakter, an den Finanz- Minister gesendet, und zu demselben Zwecke versam nelten sich vor einigen Tagen die Stadtverordneten von Dresden zu einer außerordentlichen Versammlung, in welcher diese Angelegenheit nit Freimuth besprochen, und gleichfalls eine Deputation mit amt ichem Charakter, zur Absendung an den Finanz Minister gewählt vurde. Freilich mußte man sich zu gleicher Zeit bescheiden daß diese Maßregeln jetzt, nachdem die Grundsätze der neuen Einrich⸗ ung zwischen Regierung und Ständen eben erst vereinhart worden üir die laufende Finanz⸗Periode der nächsten 3 Jahre ohne irgend einen Einfluß bleiben müßten, daß sie nur als Demonstrationen angesehen werden und nur die Hoffnung einer Aenderung für die Zu⸗ kunft gewähren könnten. Aber wir sind überzeugt, daß die Regie⸗ ung diesen Beschwerden ihre Aufmerksamkeit nicht entziehen werde. Eine vor etwa 8 Tagen in Prag verübte grauenvolle Unthat beschäftigt unsere Stadt deshalb lebhaft, weil die Urheber des schreck ichen Ereignisses leider zw ei junge Dresdner, der gebildeteren Klasse angehörig, sind. Ein junger Oekonom, 17 ½ Jahr alt, Namens Schurig, und ein Buchdruckergehülfe, etwas über 20 Jahr alt, Namens Glöbel, beide von Dresden gebürtig, entfernten sich un
längst von hier, mit Pässen nach Prag und Ungarn versehen. In
Prag ließen sie sich die von allen Besuchern der Stadt bewunderte kostbare Monstranz in der Kapelle des Kapuziner⸗Klosters Loretto
zeigen, welche durch ihre reiche Ausschmückung mit Perlen und Edel
steinen (sie trägt bekanntlich unter Anderem 6666 Brillanten) berühmt ist, und fanden, da man ihnen auf ihre Bitten die Erlaubniß, die Monstranz abzuzeichnen, gab, mehrere Tage hintereinander Zutritt
in der Kapelle, wobei allemal nur ein Mönch von hohem Alter, der 1 7
die Kostbarkeiten des Klosters zu zeigen pflegt, und ein Sakristan 8“
8
“
gegenwärtig waren. Am letzten Tage ihrer Anwesenheit in der Kapelle
nun, welche immer hinter ihnen verschlossen wurde, schlug der eine der jungen Frevler mit dem bleiernen Ende eines schweren Stockes den alten Mönch zu Boden, während der Andere mit einem Dolch stich den Sakristan niederstieß. Allein beide unglückliche Opfer waren nicht geschickt genug getroffen, um nicht noch durch Hülferuf einen solchen Lärm zu verursachen, daß einige in der Kirche zurückgebliebene Leute dadurch herbeigezogen und beide Verbrecher, obgleich der Eine sich mit dem Dolche Bahn gebrochen hatte, festge⸗ nommen worden wären. Nach zuverlässiger Nachricht ist einer der Verwundeten bestimmt, nach weniger verbürgter Mittheilung
sind Beide gestorben. Die Verbrecher hatten jedenfalls den Plan, durch Ungarn nach der Türkei zu entkommen und dort ihren kostbaren Raub zu verwerthen. Um den untersuchenden Behörden mit Nach weisungen an die Hand zu gehen, ist von hier aus ein Polizei⸗Beamter nach Prag gesandt worden.
Kurhessen. Marburg, 3. Aug. (D. A. Z.) Gestern Abend wurde Professor Jordan wieder in das Kriminal- Gefängniß auf hiesigem Schloß abgeführt. Er hatte wegen der Behandlung, die ihm von Seiten der Administrativ Behörde widerfuhr, das kur fürstliche Obergericht um Schutz angerufen, welches dagegen nach fünf Tagen mit dem Befehle der Wiederverhaftung antwortete.
Mecklenburg ⸗Schwerin. Doberan, 7. Aug. Se. Königl. Hoheit unser Großherzog ist gestern Nachts gegen 12 Uhr von seiner Reise nach St. Petersburg glücklich wieder hier eingetrofsen. Ihre Königl. Hoheit die verwittwete Frau⸗ Großherzogin und Ihre Hoheit die Herzogin Louise sind am 5. d. aus den böhmischen Bädern hier angekommen. Die Pferderennen werden am 10., 11. und 12. d. M. stattfinden.
Hrz. Sachsen⸗Meiningen. x* Meiningen, 7. Aug. Gestern Abend 7 Uhr wurde die Frau Herzogin, eine geborene Prin zessin von Hessen Kassel, von einer Prinzessin glücklich entbunden. Es wurde sogleich mit allen Glocken geläutet und eine Betstunde gehal ten. Es sollte eine Illumination veranstaltet werden; allein man kam überein, das dazu bestimmte Geld zum Ankauf von Brod für die Ar men zu verwenden.
Freie Städte. ** Frankfurt a. M., 8. Aug. Ihre Königl. Hoheiten der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin von Sachsen-Weimar⸗Cisenach trafen gestern aus dem Haag hier ein und sind heute nach Weimar weitergereist. .
Der Bundes Präsidial⸗Gesandte, Herr Graf von Münch⸗Belling hausen, war vorgestern in Wiesbaden, wo Se. Majestät der König der Belgier bis gegen Ende dieses Monats verweilen wird. 8
Der englische Dichter, Sir E. Lytton Bulwer, ist nach Kissingen gegangen und will auf der Rückreise in unserer Stadt einen längeren Aufenthalt nehmen.
Heute ist denn endlich die Nachricht eingetroffen, daß sich Espar⸗ tero am 30. Juli im Hafen St. Marie bei Cadix auf dem englischen Schiffe „Malabar“ eingeschifft hat, und zwar Morgens um 4 Uhr. Die spanische Insurrection ist somit vollendet und hat kaum länger als zwei Monate gedauert. Auf die Börse machte diese Nachricht keinen Eindruck; Ardoins blieben wie gestern. Die Börse war sonst sehr belebt; die meisten Fonds, namentlich Partial⸗Loose, blieben⸗ wieder höher. “ 3
8
vb““
Paris, 6. Aug. Es heißt, daß der spanische Geschäftsträ⸗ ger, Herr Hernandez, unverzüglich zurückberufen werden wird.
Der Baron von Varennes, französischer Botschafter am Lissabo⸗ ner Hofe, ist vor einigen Tagen in Marseille angekommen und wird einige Monate in Frankreich zubringen. Einige Personen glauben, daß er nicht wieder nach Lissabon zurückkehren werde und dieser Posten dem Herrn von Glückberg, derzeitigen Geschäftsträger in Madrid, be⸗ stimmt sei.
Berichte der Generale Lamoricière, Bourjoly, Bedeau und des Obersten Tempoure aus Algier enthalten das Nähere über die Un terwerfung des Stammes der Flittas, der nicht weniger als 40,000 Seelen zählen soll.
Ein Journal bemerkt, daß die gegenwärtige Revolution zu Ma⸗ lagga am 23. Mai begann und am 30. Juli endete, also 65 Tage dauerte. Die Revolution von 1840 währte 90, die von 1836 70, die von 1835 69 und die von 1820 68 Tage.
Herr Bosio hat in den Werkstätten des Instituts seine für das Museum von Versailles bestimmte Marmorgruppe, darstellend: „Frank⸗ reich, umgeben von den schönen Künsten“, vollendet.
2** Paris, 6. Aug. neulich von dem französischen Schiffe „Gregeois“ auf der Höohe des Cap de Gate gesehen wurde, das aber die englische Flagge geführt haben soll, wird hier wohl mit Unrecht für die Flottille des Kapudan Pascha gehalten, da nach dem Datum der Abfahrt des türkischen Geschwaders aus den Dardanellen, verglichen mit dem Datum, unter welchem das obenerwähnte Geschwader gesehen wuͤrde, die türkische Flottille schwerlich schon so weit gekommen sein konnte. Man ist bis heute noch durchaus nicht gewiß darüber, ob die Kreuzfahrt des Ka pudan Pascha, welche die Absendung mehrerer Kriegsschiffe nach Tunis veranlaßte, überhaupt nur eine Demonstration gegen den dortigen Bei, der bekanntlich mit Frankreich stets das beste Einper nehmen zu bewahren gesucht hat, und für die gute Nachbarschaft, die er mit den französischen Besitzungen in Nord Afrika hält, seinerseits auch auf dessen Schutz im Falle eines Angriffs auf ihn von irgend anderswoher rechnet, zum Zwecke hat. Ist dieses wirklich der Fall, und tritt die französische Flotte in der That dem Vollzuge
Lehr-— und Exerziermeister zur Organisirung und Unterweisung der⸗ selben erbeten, und im Jahre 1842 vom Marschall Soult auch er⸗ halten hatte. Ein Eskadrons⸗Chef von der reitenden Artillerie⸗ Herr Lecorbeillier, hat sogar auf das ausdrückliche Verlangen des Bei eine Kanonen Gießerei zu Tunis ins Leben gerufen, die bereits in Thätigkeit sein soll. Außer den französischen Offizieren sind auch mehrere sardinische im Dienste des Bei, unter Anderen ein Herr Caligaris von Turin, der an der Spitze einer polytechnischen Schule zu Tunis steht, die bereits 60 Zöglinge hat, und bei deren Errich⸗ tung die polptechnische Schule zu Paris als freilich nicht so leicht zumal in Afrika zu erreichendes Muster vorgeschwebt hat. Herr Caligaris, der die ganze Anstalt leitet, soll ein Mann von sehr aus⸗ gedehnten, umfassenden Kenntnissen sein.
Grossbritanien und Irland.
Sägs, e — 3 Der Zustand in Wales ist noch immer verkleideten Rebektatöchtern ehcM JS. 2 98s 2 Zehnten verweigert, und die 11“ bebreg icht im Stande, den Unfug zu steue Die8 1 8 ee 1 5 Sarh ö dilgs z steuern. Die Regierung hat darum auch Militair ist 8 8 “ eine Aufgabe für die Polizei als für das 1“ ha Herrn Hall als ihren Kommissarius mit meh ausgezeichneten Polizei-Agenten Londons nach Cardigan abge S Die letzteren indeß stoßen auf eine ungemeine Erbitterung des Volks gegen sie, und mehrere derselben sind bereits wieder nach London zurückgekehrt, Herr Hall aber, der besonders beauftragt ist, die Be schwerden der Waliser zu untersuchen, flößt durch sein ruhiges lieb reiches Wesen den Pächtern Vertrauen ein, die in großer Anzahl ihn angehen, um ihre Klagen hören zu lassen. Es scheint danach, daß L“ den Willen hat, durch eine Beseitigung der gerechten eschwerden der Waliser deren Unzufriedenheit und deren Gewalt⸗ thaten abzustellen, und man kann wohl annehmen, daß es ihr gerade nicht unangenehm ist, durch den gegenwärtigen Aufstand des Volkes dcu Feee gezwungen zu werden. Denn diese Unruhen in Wales sind recht eigentlich nur durch die Willkür, Ungerechtigkeit und Unzuverlässigkeit der dortigen veralteten Magistrats Regierungen ver⸗ anlaßt und zu solcher Ausdehnung gediehen, und die Regierung wird die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, obschon sie eine Tory⸗Re⸗ Pernaß ist, durch die Einrichtung einer geordneten Regierungs⸗ olizei die Centralisation zu fördern und ihren Einfluß damit auszudehnen. Freilich wird sie auf einen hartnäckigen Widerstand ihrer Partei stoßen, und die Times eifert schon jetzt dagegen, aber die Noth der Umstände dürfte zum Nachgeben zwingen, da die Re⸗ bekkamänner nicht anders beruhigt werden können. Dieser Aufstand ist übrigens ohne politische Bedeutung und droht dem Lande keine Gefahr. Vorzüglich veranlaßt durch den Druck eines unvernünftigen Wege⸗ Zollsystems in den Händen einer eigennützigen Corporation
Das Geschwader von 9 Segeln, welches
der Aufträge, welche der Kapudan von der hohen Pforte in Bezug auf den Bei von Tunis erhalten hat, hinderlich in den Weg, so könnten daraus unangenehme Verwickelungen für Frankreich mit der Pforte nicht nur, sondern auch mit den anderen derselben befreunde ten Mächten erwachsen. Macht der Kapudan Pascha wirklich einen Angriff auf den Bei von Tunis, bevor noch die französische Flotte demselben zuvorkommen kann, so kommt es darauf an, ob der Bei für sich allein im Stande ist, erfolgreichen Widerstand entgegenzu⸗ setzen. Es ist daher nicht ohne Interesse, die Militair⸗Streitkräfte zu kennen, über welche der Bei in einem solchen Falle verfügen könnte. Als der Bei Achmed im Jahre 1837 zur Regentschaft gelangte, hatte er nur zwei Regimenter Infanterie, jedes ungefähr 2000 Mann stark. Aber seit jener Zeit war er unablässig. bemüht, seine Militair⸗ Macht nicht blos zu vermehren der Zahl nach, sondern auch durch bessere Organisation auf einen respektableren Fzuß zu setzen. Jetzt begreift seine Armee fünf Regimenter Infanterie, ein Regiment Ka⸗ vallerie und ein Regiment Artileerie. Jedes Infanterie-⸗Regiment besteht aus drei Bataillons von je 1000 Mann, das ganze Regiment also aus 3000 Mann. Das Kavallerie⸗Regiment besteht aus sechs Eskadrons, jede zu 180 Mann, mit dem Stabe im Ganzen 1100 Mann. Das Artillerie-Regiment zählt gleich jedem Infanterie⸗Regiment 3000 Mann. Alle diese Truppen sind so ziemlich gut in taktischer Bezie⸗
hung eingeübt, da der Bei sich von dem französischen Kriegs⸗Ministerium
(denn das neue Armen Gesetz, wie die Zehnten-Zahlung üben nur unter den jetzigen Verhältnissen einen momentanen Druck), wird er durch die Wegschaffung dieses Systems beseitigt werden.
Der Unternehmer des französischen Schauspiels im St. James⸗ Theater, Mitchell, der so eben seine Saison geschlossen, hat so schlechte Geschäfte gemacht, wie vormals die deutsche Oper in London, wie⸗ wohl sein Personal aus vorzüglichen Schauspielern zusammengesetzt war, unter Anderen aus Dlle. Déjazet, Vernet, Levasseur, dem Ko miker Bouffé. Herr Mitchell zahlte zu hohe Gagen, z. B. der dẽ jazet 50 Pfd. für einen Abend.
London, 41. Aug. Mehrere Personen, welche in Wales wegen der Zerstörung eines Zoll⸗Gatters verhaftet worden, sind von dem Friedensgericht der ferneren Haft übergeben, um vor das Assisen gericht gestellt zu werden. Da indessen nur ein einziger Zeuge ge gen die Gefangenen vorhanden ist, welcher wenig Glauben zu verdie⸗ nen scheint, so ist kaum eine Verdammung zu erwarten; denn eng lische Geschworene pflegen nicht nach unbestimmbaren Eindrücken, son dern nach gesetzmäßigem Zeugniß zu urtheilen, und die Richter fragen
nicht, hat der Beklagte das Verbrechen begangen, dessen man ihn zeiht, sondern ist es bewiesen, daß er schuldig ist. Eine Frei V sprechung aber dürfte den Geist des Aufruhrs unter den Walisern nur noch mehr aufregen. Es ist freilich verdächtig genug, daß eine Kiste Waffen für einen der Verhafteten von Bristol angekommen ist,
₰
und da dieses seit der Verhaftung geschehen, an die Versender ein Brief gelangt ist, daß sie dieselben zurückhalten möchten. Aber der Brief ist nicht von ihm, und bis jetzt ist noch kein Beweis vorhanden, daß er die Waffen bestellt hat. Auf jeden Fall aber wird ihn darum kein Geschwornengericht der Theilnahme an der Zerstörung des Gatters schuldig erkennen, wenn diese nicht anderweitig erwiesen ist.
Was mehr Hoffnung giebt, daß die Unruhen bald beigelegt wer⸗ den dürften, ist der Umstand, daß bereits eine Landstraßen⸗Kommis⸗ sion beschlossen hat, diejenigen Gatter wegnehmen zu lassen, deren Unbequemlichkeit erwiesen ist, und dabei den Zoll zu ermäßigen. Auch versichert man, die Bewegung sei durchaus ohne politischen Charakter. Wenigstens ist an einen Zusammenhang mit den irländi⸗ schen Unruhen gar nicht zu denken, indem die Waliser die Irländer, obgleich beide von keltischem Ursprung sind, aufs bitterste hassen. Dieser Haß stammt aus den ältesten Zeiten her, und hat mit der Religion nichts gemein. Wie wenig sie aber den Engländern geneigt sein fönnen, geht daraus hervor, daß von 1,000,000 Seelen, welche das Fürstenthum enthält, die, welche kein Englisch verstehen, auf 600 ,000 geschätzt werden, welche fast alle Dissenters sein sollen. Auch schreibt man es dem Umstand, daß die meisten Prälaten und Pfarrer Eng⸗ länder oder anglisirende Waliser gewesen, zu, daß die anglikanische Kirche so wenig Fortschritte unter dem Volke gemacht hat; während zugleich, merkwürdig genng, der Katholizismus, der sich unter den erlandischen und schottischen Kelten so streng behauptet, unter ihnen fast gänzlich verschwunden I u“
Die Debatten im Unterhause über die irländische Kirche waren den ersten Abend ziemlich lebhaft, löste sich aber am zweiten von selbst in Nichts auf. Denn müde des vielen Geredes einer langen Session fanden sich nicht einmal 10 Mitglieder, die Zahl, die nach altem Brauch gegenwärtig sein muß, wenn das Haus irgend ein Geschäft verrichten soll, ein; und die Debatte mußte ohne weiteres vertagt werden. Nun steht es zwar unter solchen Umständen einem Mitgliede frei, seinen Vorschlag zu er⸗ neuern. Aber Herr Ward, von welchem der fragliche Vorschlag ausge⸗ gangen war, erklärte gestern Abend, da die Minister gegenwärtig ge⸗ wesen, und alles gethan hätten, um das Haus vollständig zu machen, aber die Häupter der Opposition es an ihrer Gegenwart hätten fehr len lassen, so wolle er während dieser Session nichts weiter in der Sache thun. Was inzwischen in den Debatten die meiste Aufmerk⸗ samkeit erregte, ist die Wiederholung der freundlichen Gesinnungen gegen den Katholizismus von Seiten derjenigen Konservativen, welche man nun allgemein mit der Benennung das junge England be⸗ zeichnet. Sie wurden diesmal von einem Herrn Bailie Cochran aus gesprochen, und waren um so auffallender, da derselbe am Tage vor⸗ her sich mit solcher Bitterkeit über die schottischen Presbyterianer er⸗
goß, daß der Morning Her ald, als Organ des Protestantismus,
es für seine Pflicht hielt, beide Reden dieses Mannes neben einander 8
zu stellen. Hiermit wird natürlich auch der Vorschlag in Verbindung ge⸗ bracht, welchen ein anderes Mitglied, Lord John Manners, vorge⸗