1843 / 68 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

durch ein harmonisches Zu⸗ ammenwirken die deutsche Baukunst ihrem alten Glanze wieder zuzuführen. Erwägt man, welchen Einfluß das Hüttenwesen auf die Ausbildung der deutschen Architektur in früheren Jahrhunderten hatte, so läßt sich von der Realisirung dieser Idee, welcher übrigens so manche Schwierigkeit entgegenstehen möchte, viel Gutes erwarten.

Sachsen. Dresden, 1. Sept. (L. Z.) Se. Königl. Maje⸗ stät haben auf den wiederholt ausgesprochenen Wunsch des Staats⸗ Ministers Bernhard August von Lindenau, wegen vorgerückten Alters und abnehmender Gesundheit, nach fünfundvierzigjähriger Dienstzeit in das Privatleben zurücktreten zu dürfen, demselben die erbetene Entlassung aus dem Staatsdienste, unter Bezeigung höchster Zufrie⸗ denheit mit den von ihm geleisteten vorzüglichen Diensten und unter Aussetzung der gesetzlichen Pension, zu bewilligen geruht. Gleichzeitig haben Se. Königl. Majestät dem Staats⸗Minister von Könneritz die Function des Ordens⸗Kanzlers und den Vorsitz im Gesammt⸗Mini⸗ sterium, dem Staats⸗Minister von Wietersheim provisorisch die Di⸗ rection der Kunst⸗Akademieen zu Dresden und Leipzig und die Ober⸗ Aufsicht über die Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissen⸗ schaften übertragen und demnächst zu verordnen geruht, daß die Direction der Straf⸗ und Versorgungs⸗Anstalten, unter einstweiligem Fortbestehen der dafür niedergesetzten besonderen Kommission, wieder mit dem Ministerium des Innern vereinigt werde.

Leipzig, 4. Sept. Unsere heutige Zeitung bringt unter der Ueberschrift „zum Abschiede“ eine Erklärung des Ministers von Lin⸗ denau, datirt Dresden 27. Aug., aus der wir die Eingangsworte hervorheben:

„Konnte mir im Laufe der vergangenen Jahre die Wahrneh⸗ mung nicht entgehen, daß ich meinen amtlichen Obliegenheiten nur mangelhaft zu genügen vermochte, so mußte ich mich auch veranlaßt finden, auf eine fernere Wirksamkeit im Staatsdienst zu verzichten. Eine 45 jährige Dienstzeit, die eine 25 jährige Minister ⸗Laufbahn in sich begreift, hat mich alt und stumpf gemacht, und somit den Ent⸗ schluß herbeigeführt, aus dem öffentlichen Leben in das des Privat⸗ mannes zurückzutreten. Se. Majestät der König hat mein Gesuch um Entlassung gnädigst zu gewähren geruhet, und ich verlasse Sachsen mit den Gefühlen des Dankes, der Ehrfurcht und der Achtung. Die Nothwendigkeit, zu Ordnung eigener Angelegenheiten, bald verreisen zu müssen, beschleunigt meinen Abgang von Dresden, und wird es mir dadurch unmöglich, von allen Freunden und Be⸗ kannten persönlich Abschied nehmen zu können, so mögen diese Zeilen mich ihrem freundlich⸗wohlwollenden Andenken empfehlen.“

Im Verfolge sagt Herr von Lindenau, daß ihm die Bewilligung einer Pension von 3083 Rthlr. sehr werthvoll sei, als Mittel, auch fernerhin für gemeinnützige Zwecke wirksam zu werden; unter vor⸗ ausgesetzter höchster Genehmigung, giebt er dieser Summe folgende Bestimmung:

700 Rthlr. jährlich zum Ankauf eines historischen Gemäldes von einem sächsischen Künstler, welches somit zum Staats⸗Eigenthum wird; 300 Rthlr. jährlich an einen ausgezeichneten Schüler der technischen Bildungs⸗Anstalt, der sich für Maschinen⸗, Wasser⸗, Eisenbahn⸗Bau ausbilden will, als zwei⸗ jähriges Reise⸗Stipendinm; 400 Rthlr. jährlich zur Vertheilung unter acht evangelische Geistliche des Landes, deren Einkommen die Summe von 400 Rthlr. nicht übersteigt; in Raten zu 50 Rthlr. 900 Rthlr. jährlich zur Vertheilung unter 36 erbländische evangelische Schulmeister, deren

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Szecheny''s Vorschlag zu einer National⸗Anleihe, macht fort⸗ während Aufsehen. (S. Allg. Preuß. Ztg. Nr. 62. Es möge hier zugleich jener Artikel dahin berichtigt werden, daß Ungarns Ter⸗ ritorium nicht aus 62,398,500 Quadratklaftern, sondern aus eben⸗ sovielen Quadratjochen besteht.) 16““

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Paris, 31. Aug. Der Graf von Syrakus und der Herzog von Serra⸗Capriola sind gestern Morgen in dem Schlosse von Eu an⸗ gekommen.

Ueber die Enthüllung des Standbildes Heinrichs IV. zu Pau am 27. d. theilen die Bläatter Folgendes mit: „Das Wetter begün⸗ stigte die Feier sehr. Der Herzog von Montpensier verließ das Schloß um 3 ½ Uhr, begleitet von allen Militair⸗ und Civilbehörden die in großer Gala erschienen waren. Auf der Place Royal ange⸗ kommen, nahm der Prinz seinen Platz auf einer unfern der Statue errichteten Estrade. In der Nähe des Prinzen befanden sich der Herzog Decazes, der Graf St. Criecq, der General⸗-Lieutenant Harispe der Marquis von Lusignan und die Deputirten des Departements. Als die Enthüllung geschehen war, sang man das »Vive IHIenri IV!« und die von Herrn von Liadières gedichtete und von Auber compo⸗ nirte Fest⸗Kantate, die der heutige Moniteur mittheilt. Abends fand eine Festtafel von 400 Couverts und ein Ball champétre im

Park statt. Herr Mendizabal ist noch nicht nach London abgereist, um sich mit Espartero zu vereinigen; er scheint noch nicht alle Hoffnungen auf eine Contre⸗Revolution verloren zu haben. Es heißt, er werde in Paris ein Memoire veröffentlichen, worin er sein Benehmen wäh⸗ rend seiner kurzen Verwaltung rechtfertigen wird. Der General⸗Capitain, Marquis von Rodil, ehemaliger Präsi⸗ dent des spanischen Kabinettes, ist in Bayonne angekommen. Er will die Pyrenäenbäder gebrauchen.

m Paris, 31. Aug. Die seit mehreren Tagen zweifelhaft gebliebene Frage, ob die Königin von Großbritanien nach Frankreich einen Ausflug machen werde oder nicht, scheint endlich bejahend gelöst zu werden. Diesen Morgen, heißt es, ist ein Courier aus Eu in Paris eingetroffen, welcher meldet, die Königin von Großbritanien habe von Norris Castle aus unter dem Datum vom 2ssten l. M. eigenhändig an Ludwig Philipp geschrieben, um dem König der Fran⸗ zosen anzuzeigen, daß sie morgen oder übermorgen dessen Gastfreund⸗ schaft in Anspruch nehmen werde, mit dem Beisatz, daß, da dieser Besuch persönlich der Königlichen Familie gelte, alle Empfangs⸗Feier⸗ lichkeiten, die man ihr als Herrscherin von Großbritanien bereiten möchte, unterbleiben sollten. So würde es zu erklären sein, warum bisher auf offiziellem Wege vom Besuche der Königin Victoria so wenig verlautete, daß das Journal des Débats zu wiederholten⸗ malen ein solches Gerücht bezweifelte. Der Minister des Innern soll heute früh dem Direktor der großen Oper geschrieben haben, sich für morgen Abend bereit zu halten, die Königin Viectoria und den Prin⸗ zen Albrecht bei deren Besuch der Oper zu empfangen und hierzu die Hoflogen einzurichten. Wie lange die Königin Victoria in Frankreich verbleiben wolle, ist noch nicht bekannt. Unser Hof schmeichelt sich, diese liebenswürdige Fürstin zu bewegen, wenigstens eine Woche ihm zu schenken.

Den hier eingetroffenen englischen Zeitungen zufolge, würde meine

Einkommen die Summe von 200 Rthlr. nicht übersteigt; in Ra⸗ ten zu 25 Rthlr., bei deren Vertheilung darauf Rücksicht genom⸗ men werden soll, 1) daß die Empfänger Gatten und Väter sind; 2) daß ihr häuslicher und sittlicher Lebenswandel ein fleckenloser ist; 3) daß ihnen das Bestreben einer höheren wissenschaftlichen Fort⸗ und Ausbildung beiwohnt; 4) daß sie, im freundlichen Einverständniß mit den Gemeinden, für ihre Kirchen und Schulkinder väterlich sorgen und auf de⸗ ren geistige Wohlfahrt in und außer der Kirche und Schule unablässig hinwirken, und 5) daß sie durch Lehre und Beispiel, bei Kindern und Er⸗ wachsenen, Vernunft und Gewissen zu erkräftigen und den Geist der wahren Gottesfurcht, der Sittlichkeit, des Rechts und der Wahrheit, tief einzuprä⸗ gen suchen. 500 Rthlr. für die Geistlichen und Schullehrer im Herzogthum Sachsen⸗Altenburg, zu gleichem Behuf; da mit diesen Prämien ebensowohl ein Anerkenntniß des Geleisteten, als Aufmunterung zu neuer angestrengter Pflicht-Erfüllung bezweckt wird, so wünscht Herr von Lindenau, daß die Namen der damit Ausgezeichneten alljährlich durch die Leipziger Zei⸗ tung bekannt gemacht werden mögen. 100 Rthlr. jährlich den ober⸗erzge⸗ birgischen und voigtländischen Frauen⸗Vereinen; 50 Rthlr. jährlich dem dresdener Verein für Rath und That; 58 Rthlr. jährlich zum Fonds der böhmischen Bade⸗Stiftung; 75 Rthlr. jährlich an Personal-Abgabe.

Baden. Konstanz, 28. Aug. (S. B.) Gestern kam von Zürich der ehemalige französische Minister Thiers mit Familie hier an, und setzte heute seine Reise über Schaffhausen, Basel, Freiburg nach Baden fort. Herr Thiers beehrte kurz vor seiner Abreise das hiesige städtische Archiv mit einem Besuch, der ihm aber, bei der Eile seiner Besichtigung, wohl nicht sehr ersprießlich für seine Ge⸗ schichtsarbeit geworden sein mag.

Freie Städte. *E£ Frankfurt a. M., 2. Sept. Dem Vernehmen nach, wird sich Se. Majestät der König Ludwig von Bayern nächsten Montag von Aschaffenburg nach Wiesbaden begeben, um Sr. Majestät dem Könige der Belgier, Höchstwelcher Dienstag diesen Kurort verlassen will, einen Besuch abzustatten.

Se. Kaiserl. Hoheit der Großfürst Michael von Rußland wird hbeute Abend von Baden hier erwartet. Die beschleunigte Rückkehr

uüffr 82 . g2 dens Pben. Auf dem benachbarten Schlosse Rumpenheim wird als⸗ ald Se. Durchlaucht der Prinz Friedrich zu Hessen eintreffen. Se. Durchlaucht 2 e zu hat sic nach Mainz begeben, um als Gouverneur dieser Bundesfestung einige Wochen daselbst zu verbringen. ücts hphsh Feßter ist sehr emsig mit einer neuen Construction sei⸗ es großen elektro⸗magnetischen Wagens in einer Werkstatt der Tau⸗ s Föbeäbohe hier beschäftigt und wird hoffentlich bald am Ziele Der geschätzte Komponist Ferdie Hiller wird in diesem Win⸗ ter die Konzerte des ENE Fvar demnächst unsere Stadt verlassen. EEE“

Dr. Karl Gutzkow ist hierher zurü 1u“ 8 er zu 1 ““ Her zurückgekehrt. ““

b Oesterreichische Monarchie.

.n Pesth, 98 8g. 9 3.) Von Preßburg hören wir, daß nun ö h die Magnatentafel der Repräsentation an Se. Majestät, schon den jetzigen Reichstag nach Pesth zu verlegen, einstimmi beigetrelen ist. Wenngleich nicht zu erwarten ist, daß diesem Agsuc . ch jetzt willfahrt werde, so überläßt man sich doch der . 2 künftigen Reichstage in Pesth versammelt zu sehen, und allegg 6 wäre Pesth als Mittelpunkt, als volkreichste und geräumigste Statet des Landes, die so viele Bequemlichkeiten bietet, viel geelgneser diesen großen legislativen Versammlungen, als das beschränkte 88 der Gränze des Landes liegende Preßburg. Uebrigens fährt der Reichstag fort, sich mit dem neuen Kriminal⸗Koder zu beschäftigen.

Die Abschaffung der Todesstrafe, für die sich die Cirkular⸗Sitzung

der Stände erklärte, hält man aber für Ungarn noch zu frühzeitig.

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gestrige Mittheilung über die Vorstellung Espartero's bei der Königin insofern eine Berichtigung erleiden, als Graf Aberdeen wirklich dabei zugegen gewesen ist. (Vergl. die Allg. Preuß. Ztg. von vorgestern unter London.)

*. Paris, 31. Aug. Der heute eingetroffene Courrier des Etals Unis giebt eine Analyse der Uebereinkunft zwischen der Kö⸗ nigin Pomare und dem französischen Contre-Admiral Dupetit Thouars, wodurch die Bedingungen für das Protektorat Frankreichs über die Gesellschafts⸗Inseln festgestellt worden sind. Das Dokument ist wört⸗ lich einem auf den Sandwich⸗Inseln erscheinenden Blatte entnommen. Folgendes sind die wesentlichsten Punkte:

„Es soll ein Regierungsrath zu Papeiti, der Hauptstadt von Tahiti, errichtet werden. Dieser Rath wird den Bedingungen des Protektorates gemäß mit der administrativen und vollziehenden Gewalt, so wie mit den politischen Beziehungen bekleidet werden, welche die Regierung der Königin Pomare im Auslande unterhält. Der Regierungsrath wird aus drei Mit⸗ gliedern bestehen, nämlich:

„Dem Konsul von Frankreich, Commissair des Königs bei der Regie⸗ rung Ihrer Majestät der Königin Pomare; dem Militair⸗Gouverneur von Papeiti; dem Capitain von Papeiti.

„Die Entscheidungen des Regierungs⸗Rathes sollen erst erlassen wer⸗ den, nachdem sie im versammelten Rathe in Erwägung gezogen worden sind, und können nur dann zum Vollzuge gebracht werden, wenn sie ein⸗ stimmig gefaßt worden sind.

„Die Civil⸗Justiz soll zu Tahiti durch Tribunale verwaltet werden, deren Mitglieder Eingeborene und von der Königin ernannt sein werden in Streitsachen unter Eingeborenen, gemäß den bereits bestehenden Gebräuchen. Aber in allen Prozessen, worin Einwohner von fremder Abkunft vorkom⸗ men, wird den nämlichen Tribunalen eine gleiche Anzahl von weißen Ge⸗ schworenen (um gemischte Tribunale zu bilden) beigegeben werden, und diese sollen durch den Regierungsrath bezeichnet werden.

„Alle Urtheile sollen nach den bereits im Lande verkündeten Gesetzen erlassen werden.

„Die Eingeborenen und die Weißen sind gleich vor dem Gesetze.

„Die Freiheit der Kulte ist anerkannt und die Regierung gewährt ihnen einen gleichen Schutz. Niemand kann wegen seiner religiösen Meinungen verfolgt oder in Ausübung seines Kultus gehindert werden. 1

„Die individuelle Freiheit ist gewährleistet und Niemand soll verhaftet werden lönnen, außer in Kraft eines Mandats oder motivirten Befehls, der vom Rathe und auf einmüthig gefaßten Beschluß ausgeflossen ist.

„Alles Eigenthum, welcher Art es auch sei, ist gewährleistet; Streitig⸗ keiten, die sich in dieser Beziehung erheben könnten, gehören gemäß den von der Königin gemachten Vorbehalten ausschließlich in den Bereich der aus Eingeborenen zusammengesetzten Tribunale. Niemand soll gezwungen wer⸗ den können, sein Eigenthum zu verkaufen oder auszutauschen.

„Jeder auf Tahiti wohnende Weiße soll gehalten sein, sich mit einem Certififate über seine Nationalität zu versehen, oder von dem Konsul seiner Nation gekannt zu sein, oder sich unter den Schutz eines beglaubigten Agen⸗ ten zu stellen. In Ermangelung einer dieser Bürgschaften wird er als Va⸗ gabund betrachtet und demgemäß aus dem Lande vertrieben.

„Das Verbot des Verkaufs geistiger Getränke, wie es durch die von der Königin Pomare ausgeslossenen Gesetze aufgestellt ist, soll aufrecht er⸗ halten bleiben.

„Die Unverletzbarkeit des Domizils wird anerkannt; ausgenommen hier⸗ von sind jedoch: die öffentlichen Häuser, wie Gasthöfe, Restaurans, Schen⸗ ken, Tabernen und Billards. Die Spielhäuser sind untersagt; jeder Bruch dieses Verbots soll streng bestraft werden, und im Wiederholungsfalle wird die strafbare Pencn aus dem Lande verwiesen. 1 8

„Jeder Weiße, der sich in die Angelegenheiten der Regierung mischt, wie sie zwischen der Königin Pomare und dem Könige der Franzosen be⸗ stehen, oder der durch seine Reden, seine Intriguen, seine Verleumdungeß oder Handlungen die öffentliche Ordnung oder die ute Harmonie zu storen suchen würde, kann nach einer im Rathe und durch einmüthigen Beschlun gefaßten Entscheidung aus dem Lande fortgeschickt werden.

„Die Schiffs⸗Capitaine, welche in dem Hafen von Papeiti einlaufen werden, sollen gehalten sein, im Büreau des Hafen⸗Capitains eine Erklä⸗ rung über die Beweggründe ihrer Ankunft zu geben; sie werden ihn auch von dem Tage ihrer Abfahrt in Kenntniß setzen und die Piloten⸗ und Anker⸗ Zölle bezahlen, wie sie durch die Königin Pomare fesigesetzt worden sind;

diese Abgaben werden forterhoben werden wie bisher, bis darüber durch den König der Franzosen, nachdem er sein Protektorat gewährt haben wird, an⸗ ders entschieden werden wird.“

Grossbritanien und Irland.

London, 30. Aug. Unter den Besuchern, welche gestern dem Ex⸗Regenten von Spanien aufwarteten, bemerkt man den Namen des hiesigen französischen Geschäftsträgers, Grafen Chabot. Der Graf hatte sich nach vorherigem Besuche im auswärtigen Amte nach Mivart's Hotel begeben und seinen Namen hier in das Visitenbuch Espartero's eingeschrieben. Bei der bekannten Abneigung des fran⸗ zösischen Kabinets gegen den Regenten erregt dieser Besuch einiges Aufsehen.

8 Sir Robert Peel hat sich nach seinem Landsitze begeben, und Lord Stanley, aus dem Bade zurückgekehrt, wird während der Vakanz in London verbleiben, da stets einer der ersten Minister am Sitze der Regierung anwesend sein muß.

Pater Mathew setzt seine gpostolischen Arbeiten mit großem Er⸗ folge hier fort. Wie sehr sein Wirken auch von manchen Tord⸗ Blättern und den fanatischen Geistlichen der Kirche unter dem Vor⸗ geben angefeindet wird, daß er als katholischer Priester und nament⸗ lich als vom Papst ernannter Prior des Franziskaner⸗Ordens in Ir⸗ land nur Proselyten für seine Kirche zu gewinnen trachte, so erfährt er doch im Allgemeinen bei allen Aufgeklärten eine bereitwillige Un⸗ terstützung und Aufmunterung. Am Montage hatten ihn eine Anzahl hochgestellter Personen zu einem Frühstücke geladen, bei welchem Lord und Lady Palmerston, der Marquis und die Marquise von Clanricarde, Lord Camoys, Lord Clifford und Lord Lowat und viele Andere anwesend waren. Auch der Herzog von Wellington und Sir Robert Peel wurden erwartet; sie erschienen aber nicht; der Letztere ließ sich entschuldigen. Nach eingenommenem Frühstücke sprach der Pater zu einer Versammlung von 150,000 Per⸗ sonen, war jedoch durch mehrere Schenkwirthe, die durch Herbeischaf⸗ fung von zehn Faß Ale und Porter das Volk von der Bekehrung abzuhal⸗ ten suchten, gehindert seine Mäßigkeits⸗Predigt fortzusetzen. Am folgenden Tage war er in Deptford glücklicher. Bevor er hier das Gelübde abzuneh⸗ men anfing, wurde ihm ein deutscher „Mäßigkeits⸗Apostel“, Matthias Seling aus Osnabrück, vorgestellt, der ihn zu einem Besuche nach Deutschland einlud. Eine gleiche Einladung nach Amerika zu kom⸗ men erhielt der Pater von einem anwesenden Mitgliede des ameri⸗ kanischen Kongresses, Herrn Lawrence. Der Herzog von Wellington, nur von einem Jokey begleitet, ritt zufällig über den Platz, wo die Versammlung stattfand und hielt sein Pferd an, um der Scene mit beizuwohnen. Er wurde sogleich vom Volke erkannt und mit lautem Lebehoch begrüßt. Der Herzog grüßte den Pater, und ritt weiter. Selbst von manchen Prälaten der Kirche wird der Pater Mathew gün⸗ stig aufgenommen. Der Globe veröffentlicht ein Schreiben des Bischofs von Norwich, worin dem menschenfreundlichen Eifer des Paters, der einen großen Theil der Bevölkerung von dem Laster der Unmäßigkeit zu⸗ rückbringe, die höchste Anerkennung zu Theil wird, und worin der Bischof erklärt, daß Männer jedes religiösen Glaubens und jeder Partei dem Mäßigkeits⸗Apostel zum größten Dank verpflichtet wären. Er wolle dessen Bemühungen, falls derselbe nach Norwich käme, nach besten Kräften unterstützen.

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Aarau, 29. Aug. (Basel. Z.) Der Große Rath hat heut mit 110 von 180 Stimmen folgenden Beschluß gefaßt: „Der Große Rath des Kantons Aargau, nachdem er durch seine Ehren⸗ Gesandtschaft auf der diesjährigen ordentlichen Tagsatzung das Ergebniß der Verhandlungen dieser hohen Behörde über die aargauische Kloster⸗An⸗ gelegenheit vernommen hat, ihm auch von dem dringenden Wunsch zahlrei⸗ cher befreundeter Standesboten Kenntniß gegeben wurde, die Kloster⸗Ange⸗ legenheit möchte, so weit es an Aargau liege, im wohlverstandenen Interesse gesammter Eids⸗Genossenschaft, einer beförderlichen bundesgemäßen Erledi⸗ gung, wie sie in Aussicht gestellt werden könne, entgegengeführt werden, be⸗ schließt: 1) Als Beweis, daß das Aargau zur Beurkundung seiner vater⸗ ländischen, versöhnlichen und bundesgemäßen Gesinnungen die Darbringung des letzten möglichen Opfers nicht hartnäckig verweigern wolle, anerbietet der Stand Aargau zu den durch das Dekret vom 19. Juli 1841 wieder einzu⸗ setzen verheißenen, aufgehobenen Frauenklöstern Fahr, Gnadenthal, Maria Krönung, und in gleicher loyaler Weise auch noch das vierte Frauenkloster Hermetschwoyl wieder einzusetzen, in der bestimmten Voraussetzung und auf die erhaltene Zusicherung hin, daß dadurch die Erledigung der ganzen Kloster⸗Angelegenheit durch deren Entfernung aus Traktanden und Abschied noch auf der gegenwärtigen Tagsatzung herbeigeführt werde. 2) Sollte aber wider Erwarten auch obiges mit großer Selbstüberwindung gemachtes Anerbieten den beabsichtigten Zweck nicht erreichen, so wird die Gesandtschaft erklären, daß bei der nunmehrigen Lage der Dinge eine angemessene Erledigung der Angelegenheit durch die Tagsatzung dem Aargau unmöglich erscheine, daß zudem die Pflichten der aargauischen Behörden gegen den eigenen Kanton das längere Schwebenlassen des Klosterhandels und die fernere Handhabung des Status quo nicht mehr gestatten, und daß man demnach in der ge⸗ trosten Hoffnung zu einer Erledigung der Sache schreiten werde, daß die befreundeten Stände, nachdem sie gesehen haben, wie Aargau sich herbei⸗ gelassen, mit schweren, leider verkannten Opfern eine freundeidsgenössische Erledigung herbeizuführen, es nicht übel deuten werden, wenn Aargau nunmehr seiner Konvenienz folge und alle Verantwortlichkeit von sich ab und auf diejenigen wälze, welche rücksichtslos den gargauischen Verhältnissen keine Rechnung tragen wollten, sondern durch ihre Renitenz eine freund⸗ liche Lösung der fraglichen Angelegenheiten vereitelten. 3) Es sei der Kleine Rath beauftragt, auf den Fall, daß die Angelegenheit nicht erledigt werde, bis zur nächsten Wintersitzung umfassende Anträge über die Liquidation sämmtlicher Klöster dem Großen Rathe vorzulegen.“ 1

Die Berathung dauerte zwei Tage. Sowohl die Mehrheit des Kleinen Rathes, als die der Instructions⸗Kommission, die hierüber zu berichten hatte, hatten sich für Stehenbleiben beim früheren Ulti⸗ matum erklärt; die Hauptverfechter dieser Ansicht waren Regierungs⸗ Rath Waller, Seminar⸗Direktor Keller und Herr Dösseckel, Vater; für Einsetzung von Hermetschwyl sprachen besonders lebhaft Regie⸗ rungs⸗Rath Wieland, Regierungs⸗Rath Frei⸗Herose und Präsident

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3 Madrid, 24. Aug. Der Herzog von C lücksberg hat das Schreiben, welches ihn als Geschäftsträger der französischen Regierung beglaubigt, dem diesseitigen Minister der auswärtigen Angelegenheiten noch nicht übergeben, indem er abwartet, daß auch der englische Ge⸗ sandte sein neues Beglaubigungs⸗Schreiben erhalte und einreiche. Ob letzteres angelangt ist, verlautet nicht mit Bestimmtheit. Mau glaubt jedoch, daß, selbst wenn dies der Fall wäre, der Gesandte es bis zu seiner demnächstigen Abreise zurückhalten und durch den zurück⸗ bleibenden Geschäftsträger, Herrn Jerningham, übergeben lassen werde. Herr Aston äußerte am 19. Mai gegen mehrere seiner diplomatischen Kollegen, er habe den damaligen Regenten zu dem Entschlusse veran⸗ laßt, das Ministerium Lopez zu entlassen, und er nehme alle Folgen auf sich. Es dürfte daher jenem Diplomaten wohl nicht erwünscht sein, jetzt eben dieses Ministerium als provisorische Regierung aner⸗ kennen zu müssen. Sobald Lord Aberdeen die Einschiffung Espar⸗ tero's erfuhr, ließ er den spanischen Gesandten, Herrn Sancho, zu sich kommen und sagte ihm folgende Worte: „Spanien kann nicht ohne Regierung bleiben, und die spanische Regierung kann nicht am Bord eines englischen Schiffes aufgeschlagen werden.“ Dies sollen die eigenen Worte des edlen Lords gewesen sein.

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der veegee vepi. sintesf⸗ gha mehrere rj fangen, die von den Junten Galiciens an Espartero ge⸗ bnc heaes- als dieser sich vor Sevilla befand. Aus diesen Brie⸗ fen geht hervor, daß Espartero die ihm insgeheim zugethanen Jun⸗ jen zu allen nur denkbaren revolutionairen Gewaltthaten ermächtigt hatte, um auf diese Weise seine Gegner in Verruf zu bringen. Der unglückliche General Seoane stellte sich in Bayonne der Gemahlin Espartero's vor. Diese schalt ihn aber einen Verräther. .

Man erhielt hier die Anzeige, daß der bekannte französische De⸗ putirte Garnier Pagès am 17ten von Paris nach Barcelona abge⸗ hen sollte, um die dortige Junta in ihrer Widersetzlichkeit gegen die provisorische Regierung zu bestärken und die Verkündigung der Re⸗ zublik zu veranlassen. pul Der Araoz ist zum General⸗Capitain von Catalonien, der Baron del Solar de Espinosa zum General⸗Capitain der cana⸗ rischen Inseln, der General Claveria zum General⸗Capitain von Na⸗ varra, und der General Roncali zum General⸗Capitain von Valen⸗

cia ernannt worden.

Der Genaral Concha,

* Paris, 31. Aug. Wir erhalten heute die barceloneser Blätter bis zum 25sten, in denen wir nichts Beachtenswerthes finden, als die folgende Proclamation des Ayuntamiento, welche das augen⸗ blickliche Aufhören des Parteikampfes in der Hauptstadt von Cata⸗ lonien bestätigt:

„Die Umstände, welche sich der vollständigen Beruhigung und der Wie⸗

derherstellung des Friedens dieser volkreichen und ehrenwerthen Stadt wider⸗ setzten, sind endlich verschwunden. Eine an die Regierung abgeschickte De⸗ putation wird derselben die Lage und die Bedürfnisse von Barcelona mit Unparteilichkeit auseinandersetzen. Die sämmtlichen Behörden sind in den vollen Genuß und die Ausübung ihrer Befugnisse und Gewalten wieder eingetreten. Die Verfassung wird hinfort, dem Buchstaben und dem Geiste nach, in unserer Stadt herrschen. Barceloneser! Laßt Eure Besorgnisse, Eure düsteren Ahnungen und Eure politischen Zerwürfnisse aufhören. Mögen sich alle Parteien davon überzeugt halten, daß die Freiheit keine Gefahr läuft, denn die Freiheit kann nicht mehr in Spanien untergehen. Eben so wenig sind die Personen und das Eigenthum einer Gefahr ausgesetzt, denn jeder Angriff auf dieselben ist ein abscheuliches Verbrechen, welches mit dem Geiste des Jahrhunderts im Widerspruche steht. Ein Jeder halte sich für sicher unter der Aegide des Gesetzes und der Behörden, welchen die Handhabung desselben anvertraut ist. Bilden wir einen festen Kern der Eintracht und der gleichen Gesinnun⸗ gen. Geben wir uns wechselseitig ein Zeichen des Friedens, einen Kuß der Versöhnung. Euer Ayuntamiento, das jedem Parteigeiste fremd ist findet seine Freude darin, Eure Hände in einander zu legen, und es wünscht sich Glück dazu, nach einem Ziele gestrebt zu haben, welches jetzt für erreicht gehalten werden darf: die Ruhe, der allgemeine Frieden, die Sicherheit der Familien. Wachet eifersüchtig über diese unschätzbaren Güter; ihre Erhal⸗ tung und ihr ununterbrochener Besitz sind die einzige Bedingung, deren diese arbeitsame Stadt bedarf, um den Ruf, dessen sie in der ganzen civilisirten Welt genießt, zu rechtfertigen.“

Herr Arrieta Mascarua, Mitglied des letzten Kongresses, ist als Deputirter von Biscava nach Madrid gegangen, um die Regierung zur Zurücknahme des Verbotes der Versammlung der General⸗Junta zu Guernica zu bewegen.

GSriechenland.

Athen, 16. Aug. (A. Z.) Obwohl im Innern Griechenlands die vollkommenste Ruhe herrscht, so sind doch noch nicht alle Besorg⸗ lichen für die Zukunft beruhigt. Sie meinen, gewiß mit Unrecht, die zahlreichen Reductionen, die so viel Menschen in eine hülflose Lage versetzt haben, die schlechte Aerndte, welche die herrschende Noth steigern muß, dürften im nächsten Winter bedenkliche Folgen nach sich ziehen. Unsere Administration entwickelt eine Thätigkeit, die uns zu besseren Hoffnungen berechtigt; alle rückständigen Geschäfte werden in Angriff genommen und in dem kurzen Zeitraum der zwei letzten Wochen allein sind über hundert Königliche Ordonnanzen an die ver⸗ schiedenen Zweige der Verwaltung ergangen.

Herr Piscatory hat dieser Tage eine Audienz bei Sr. Majestät gehabt, und bei dieser Gelegenheit die Gründe entwickelt, welche nach der Meinung des französischen Kabinets die Rückberufung Kolettis von Paris minder räthlich machen. Sie beziehen sich auf die frühere Stellung dieses Ministers. Se. Majestät scheint jedoch über diesen Punkt vollkommen beruhigt, und es erging daher an Herrn Kolettis ein erneuerter Befehl zur unverzüglichen Rückkehr. Man hofft, durch sein Präsidium und durch dessen Unterstützung von Seiten der jetzigen Minister, die beibehalten werden sollen, die beiden großen Parteien des Auslandes die russische und die englische für das Land unschädlich zu machen und eine wahrhaft nationale Regierung zu Stande zu bringen. Ein Ministerium Kolettis würde auf jeden Fall den Wünschen des Landes entsprechen und die in der letzten Zeit et⸗ was gesunkenen Hoffnungen der Griechen wieder aufrichten.

Vereinigte Staaten von Nord-Amerihka.

New⸗York, 15. Aug. Der oberste Gerichtshof der Ver⸗ einigten Staaten hat endlich seine Entscheidung in der Sache der Katharina Gilmour abgegeben, und somit ein für allemal die Regel festgestellt, wie der 10te Artikel des Ashburton⸗Vertrages vom 9. Au⸗ gust v. J. ausgelegt werden soll. Die Schottin Katharina Gilmour, des Mordes an ihrem Gatten schuldig, und durch ihre Flucht nach Amerika außer dem Bereich der Jurisdiction ihres Landes, wurde von den englischen Behörden auf Grund jenes Artikels des washing⸗ toner Vertrages reklamirt, und nachdem manche Bedenken gegen ihre Auslieferung erhoben und die Sache dem obersten Gerichtshofe in Washington submittirt war, entschied dieser zu Gunsten der Reclama⸗ tion Englands. Indeß erhob der Anwalt der Mörderin neue Be⸗ denken gegen den von Herrn Upshur unterzeichneten Befehl, dieselbe auszuliefern, und bestand von neuem bei dem Distrikt⸗Gerichtshofe der Vereinigten Staaten auf die Freisprechung derselben, indem er vor⸗ läufig eine Anwendung der habeas corpus Akte für die Verklagte beantragte. Dieser letzte Versuch, die Person zu retten, mißlang aber wie der frühere, und das letzte Erkenntniß des Richter Bets in die⸗ ser für beide Länder äußerst wichtigen Sache, der ersten noch dazu,

P welche der kürzlich geschlossene Vertrag Anwendung findet, lau⸗

tete wie folgt: In Sachen der Kathariana Cochrane, genannt Gilmour, auf An⸗ suchen einer Anwendung der habeas corpus Akte: Ich bin der An⸗ sicht, daß der zehnte Artikel des Traktats von Washington vom 9. August Sene der zweiten Unter⸗Abtheilung des 6. Artikels der Constitution 18 ereinigten Staaten die Kraft eines bestehenden Landesgesetzes hat, nd demgemäß von den richterlichen Behörden des Landes beachtet und vollzogen werden muß.“ Ve. „Ich bin der Ansicht, daß ein Kommissarius eines Bezirksgerichts der Bereinigten Staaten nach der Kongreß⸗Akte vom 23. August 1842 ermäch⸗ tigt ist, die Functionen, welche der zehnte Artikel des besagten Vertrages vorschreibt, zu vollziehen. befu 7ch bin der Ansicht, daß ein Richter der Vereinigten Staaten nicht Gfugt in⸗ während der Vakanz das Urtheil eines solchen Kommissarius auf Gültiae der habeas corpus Akte einer Revision zu unterwerfen und die igkeit der Beweise füͤr die Kriminalität einer Partei zu prüfen.

„Ich bin der Ansicht, daß der Schutz der habeas corpus Akte recht⸗ mäßig nicht zu dem Zweck gewährt werden kann, den legalen Charakter eines ias er exekutiven Abtheilung der Regierung erlassenen Befehls zu unter⸗ suchen⸗ welcher nach gehöriger Aburtheilung über eine Person durch einen

er⸗Richter der Vereinigten Staaten, die Auslieferung derselben unter den

437 Bestimmungen des zehnten Artikels des besagten Vertrages an die Behörden Großbritaniens zum Zweck hat. „Ich verweigere demnach in diesem Falle die beanspruchte Anwendung der habeas corpus Akte.“ „Samuel R. Betts.“ Richter der Vereinigten Staaten.

Diese Sache war von hoher internationaler Bedeutung, insofern dadurch Gelegenheit gegeben wurde, die Streitfrage über jenen 10ten Artikel des Ashburton⸗Vertrages definitiv zu entscheiden. Abgesehen davon, daß die Fassung des Artikels selbst viele Kontroversen zuließ, welcher bekanntlich bestimmt, daß die Auslieferung nur insofern statt finden könne, als die Kriminalität des flüchtigen Verbrechers durch Beweise konstatirt sei, die nach den Gesetzen desjenigen Landes, wo derselbe aufgefunden würde, seine Verhaftnahme und Stellung vor Gericht rechtfertigen würden, stellte sich als die anscheinende Haupt⸗ schwierigkeit ein ernstliches constitutionelles Hinderniß dieser Ausliefe⸗ rung entgegen. Der Vertrag von Washington war dem Repräsen⸗

tanten⸗Hause nicht zur Annahme submittirt worden und hatte somit für die Justiz keinen legalen Charakter. Wie man sieht, hat aber der Richter die für die Gerichte obligatorische Kraft des Traktats durch eine glückliche Interpretation eines Artikels der Constitution der Vereinigten Staaten erwiesen und die Hauptschwierigkeit der Sache, die zu unangenehmen Verwickelungen mit England hätte führen kön⸗

nen, damit beseitigt.

New⸗York, 11. Aug. Das gelbe Fieber, das von Zeit zu Zeit zu New ⸗Orleans und in den südlichen Staaten der Union überhaupt, besonders längs der Ufer der großen Flüsse so furchtbare Verheerungen anrichtet, bedroht auch die Stadt New⸗York heimzu⸗ suchen. Mit allgemeiner Bestürzung hat man vernommen, daß auf einem neuerlich aus einem Hafen des Südens auf der hiesigen Rhede angekommenen Schiffe zwei Matrosen demselben erlegen sind. Ein dritter Fall ist auf dem von den Antillen gekommenen französischen Schiffe „Gustave Adolphe“, das auch erst vor einigen Tagen auf unserer Rhede eintraf, vorgekommen: auch auf diesem ist ein Matrose an dieser Krankheit gestorben. Doch kamen diese Todesfälle noch sämmt⸗ lich in der Quarantaine vor, bevor die Mannschaft der Schiffe mit der Bevölkerung in unmittelbare Berührung gekommen war. Die Opfer hatten den Keim der Krankheit im Süden in sich aufgenom⸗ men. Obgleich nun dergleichen Fälle in der Quarantaine-⸗Anstalt fast jeden Sommer vorgekommen sind, so ist in Betracht des verheeren⸗ den Charakters der fraglichen Krankheit doch natürlich, daß bei jedem Wiederholungsfalle auch die Besorgnisse sich erneuern. Die Aufsicht und die Strenge der Quarantainen⸗Anstalt sind indeß zur Vorsorge verschärft worden.

Ein anderer Unfall hat die Stadt und Gegend von Philadelphia betroffen, ein außerordentlich heftiger Sturm hat dort großen Scha⸗ den gethan. Alle nicht sehr hoch gelegenen Punkte waren in weni⸗ gen Angenblicken überschwemmt, die meisten Keller und Gewölbe mit Wasser gefüllt, und die darin aufgelagerten Waaren haben dadurch beträchtlichen Schaden gelitten. Das ganze Wiesenland in der Um⸗ gebung von Philadelphia stand unter Wasser und die ganze Landschaft bildete so zu sagen nur einen weiten großen See. Die unbedeutend⸗ sten, seit geraumer Zeit schon trocken liegenden Bäche schwollen in wenigen Minuten zu reißenden Strömen an, welche Alles mit sich fortrissen, was ihnen in den Weg kam. Der Chester⸗Creek erhob sich dreiundzwanzig Fuß über seine gewöhnliche Höhe, und ein so enor⸗ mes Steigen der Gewässer war binnen zwei Stunden vor sich ge⸗ gangen. Im ersten Augenblicke betrug das Wachsen des Wassers, wie man sagt, sechs Fuß in fünf Minuten. Alles was sich an den Ufern des reißenden Stromes fand, war in einem Augenblicke fortgerissen. Eine große Anzahl von Häu⸗ sern aus Holz gebaut, wurden von der gewaltigen Fluth gehoben und mit dem darin befindlichen Geräthe aller Art fortgeführt; mit genauer Noth gelang es noch den Inwohnern, der drohenden Lebensgefahr zu entkommen. Die Brücke, über welche die Eisenbahn wegführt, ist vollkommen zerstört worden, auch die eiserne Hängebrücke wurde fortgerissen. Diese Kettenbrücke bestand seit 30. Jahren, und soll die ersterbaute dieser Art gewesen sein. Auf und am Ridley⸗Creek sind die Verheerungen noch beträchtlicher: dort wur⸗ den alle Brücken ohne Ausnahme fortgerissen, eben so fast alle Müh⸗ len und Fabriken, die an diesem kleinen Flusse oder an seinen Zuflüs⸗ sen errichtet worden waren; nur einige wenige von besonders solidem Baue entgingen dem gemeinschaftlichen Schicksale. Ueberall stößt das Auge jetzt nur auf Trůmmer, und auf dem Delaware sieht man sogar ganze hölzerne Häuser daherschwimmen. Der Verlust an Mobiliar⸗ Eigenthum und der an den Grundstücken angerichtete Schaden lassen sich noch nicht genau schätzen: leider aber ist auch der Verlust einer nicht unbedeutenden Anzahl von Menschenleben zu beklagen, man giebt die Zahl der Personen, welche in den Fluthen ihr Grab gefun⸗ den haben, auf etliche und zwanzig Personen an; zu Chester⸗Creek ist eine ganze Familie umgekommen. Auch ein Theil von New⸗Jersey ist von dieser Kalamität hart mitgenommen worden: Newark, Pater⸗ son, Elizabethtown, Morristown und audere Orte haben bedeutend gelitten. Zu Elizabethtown wurden fast alle Brücken fortgerissen. Der Morriskanal wurde an mehreren Stellen beträchtlich beschädigt. Auch der Delaware- und Rariton⸗Kanal hat zwischen Newbraun⸗ schweig und Princeton viel gelitten, so daß die Schiffahrt nothwen⸗ digerweise wenigstens drei Wochen wird unterbrochen bleiben müssen. Es ist zu befürchten, daß uns noch weitere Nachrichten zukommen werden, wonach die Verheerungen sich auch nach Süden und Westen

hin noch weiter ausgedehnt haben.

Meriko.

Paris, 31. Aug. Ich habe Ihnen kürzlich gemeldet, daß der mexikanische General Sentmanat die Fahne der Rebellion zu Tabasko erhoben hatte, wo er General⸗Gouverneur war. Der heute eingetroffene Courier von New⸗Orleans vom 28. Juli meldet bereits das Ende dieser Schilderhebung. Der Capitain des Pilotbootes „Argus“ hatte in fünf Tagen die folgenden Nachrichten auch Tabasko nach New⸗Orleans überbracht: 1

Am 10. Juli waren sämmtliche etwa 3000 Mann starken mexi⸗ kanischen Streitkräfte, welche abgesendet worden waren, um die Re⸗ bellen zur Ordnung zurückzuführen, ohne einen Schuß gethan zu ha⸗ ben, in Tabasko eingerückt. General Sentmanat, der damals mit ungefähr 400 Mann an den Gränzen der Provinz sich befand, konnte diese rasche Bewegung weder voraussehen, noch hindern. Indeß setzte er sich, sobald ihm diese Nachricht zugekommen war, augenblicklich mit seinen 400 Mann in Marsch, um den ausgeschifften Truppen eine Schlacht zu liefern. Wie gewöhnlich wurde dieser Entschluß mit großem Bombast angekündigt, ein blutiger Kampf vorhergesagt, da Sentmanat zum Wahlspruch genommen habe: Sieg oder Tod. Als er die Ausschiffung Ampudia's vernommen hatte, rückte er wirklich bis zu einer En Palisada genannten Stelle vor, und schlug sich in der That tapfer gegen die Truppen Ampudia's, trotz der großen Ueberzahl dieser, und fügte ihnen nicht unbedeutenden Schaden zu. Erst nach einem lebhaften Kampfe soll er sich nach Tabasko zurück⸗ gezogen haben. Auch dort hielt er sich einige Zeit fest, und brachte seinen Gegnern neue Verluste bei. Endlich aber durch die Schwäche der Streitkräfte unter seinen Befehlen gezwungen, zu wei⸗

chen, zog er sich nach Cundacan zurück, wo er nun den Versuch macht, neue Anhänger zu sammeln, um die Offensive wieder zu ergreifen.

4 b1 &☛ Paris, 30. Aug. Ein Brief aus Haiti vom 1. Juli ent⸗

wirft ein weit weniger günstiges Bild von den dortigen Zuständen, als die auf anderem Wege eingetroffenen Nachrichten es thaten. Am 28. Juni soll zu Jeremin ein kleiner Aufstand stattgefunden haben. Die meist aus Ackersleuten bestehende Bevölkerung der Stadt und Umgegend soll in Jeremie mit den Waffen in der Hand sich erhoben und die Erfüllung der bei Beginn der Revolution Präsidenten Boyer gemachten Verheißungen verlangt haben, nämlich Herabsetzung des Preises der ausländischen Waaren und Steigerung desjenigen der Landes⸗Erzeugnisse, besonders des Kaffee.

zum Sturze des

ge Für den Augenblick gelang es wohl, die Gährung wieder etwas zu besänfti⸗ gen und die Haupt⸗Rädelsführer, welche den Auflauf verursacht hat⸗ ten, festzunehmen. Der Chef derselben hatte eine bedeutende Rolle in der letzten Revolution gespielt; er heißt Camille Lartigue und war einer der drei Deputirten, welche 1839, obgleich in Form Rechtens gewählt und also im Besitze der gesetzlich erforderlichen Vollmachten, Z Boyer's aus dem National⸗Kongresse verjagt aren. Solche Titel auf die Anerkennung seiner Landsleute hielten jedoch die jetzigen Gewalthaber nicht ab, ihn vor eine Militair⸗ Kommission stellen zu lassen; ja, man behauptet, sie habe ihn bereits abgeurtheilt und erschießen lassen. 1 In dem östlichen Theile der Insel sprach man davon, sich von der gegenwärtigen Regierung gänzlich loszusagen, weswegen der Ge⸗ vera Herard Riviere mit seinen Truppen dahin marschirt ist. Zu Fnenn au Prince selbst beherrschen die sogenannten „patriotischen“ provisorische Regierung, und allgemein sollen Klagen laut über Verschleuderung des öffentlichen Schatzes. Der Haß gegen alle Ausländer nahm an Intensität immer mehr zu. Der Nor⸗ den der Insel verhielt sich, wie es scheint, die Zukunft abwartend, so ziemlich ruhig. Die Arbeit lag überall danieder, und der Handel war im Stocken, ein Zustand der Dinge, der nicht lange dauern könnte. Daß die französische Regierung der Winkelzüge, welche die Re⸗ gierung von Haiti gebraucht, um sich der Erfüllung ihrer Verbindlich⸗ keiten gegen Frankreich zu entschlagen, müde ist, und im äußersten Falle Zwangsmaßregeln gebrauchen wird, ist außer allem Zweifel. Am 1. Juli hätte von Haiti die für jedes Jahr stipulirte an der Entschädigungs⸗Summe für die ehemaligen französischen Pflanzer, dann die Zinsen des an der pariser Börse negozirten Anle⸗ hens bezahlen sollen; dies geschah nicht, und eben so wenig fand die Ziehung der 100 Obligationen statt, welche alljährlich dem Vertrage gemäß zurückgezahlt werden sollen, obgleich man die Gewißheit hat, daß es der Regierung von Haiti nicht an den dazu nöthigen Fonds fehlte, für deren Aufbringung der gestürzte Präsident Boyer noch Sorge getragen hatte. Einige Zeit that man von Seiten der neuen Gewalt⸗ haber der Sache gar keine Erwähnung, bis endlich Mahnungen von fran⸗ zösischer Seite elglen. Da machte man allerlei Ausflüchte und schützte die Unmöglichkeit vor, jetzt zu bezahlen. Man verlangte zuerst einen fünf⸗ jährigen Aufschub der Zahlungen, um der Republik die Zeit zu gewähren, sich indeß etwas zu erholen und ihre Finanzen auf einen besseren Fuß zu bringen: Frankreich schlug das Verlangen ab, und that dasselbe, als eine blos vierjährige Frist verlangt wurde. Es ist Thatsache, daß die französische Regierung der Republik hat erklären lassen, sie werde, wenn man nicht binnen einer bestimmten Zeit, ich glaube bis 1. Ja nuar 1844 die Verbindlichkeiten durch Bezahlung der am 1. Juli 1843 fällig gewesenen und am 1. Januar 1844 noch fällig werden⸗ den Zinsen der Schuld und der Quote der Entschädigungs⸗Summe erfüllt habe, durch keine Rücksicht sich abhalten lassen, im Interesse der französischen Staats⸗Angehörigen, welche begründete Forderungen an die Republik zu machen haben, diejenigen Schritte zu thun, welche ihr angemessen und zweckdienlich erscheinen würden. Herr Adolph Barrot, der zum Königlichen Commissair auf Haiti ernannt ist, um dort speziell die Erfüllung der Verbindlichkeiten gegen Frankreich zu überwachen, wird im bevorstehenden Monat September dahin abgehen. Inzwischen scheinen die ehemaligen französischen Pflanzer jener Insel diese Umstände zu benutzen, um die Regierung für den Plan der Wiedereroberung derselben zu gewinnen, wodurch sie in ihr verlorenes Eigenthum wieder eingesetzt werden zu können hoffen. Sie sollen schon vor mehreren Monaten geheime Emissaire nach Haiti geschickt haben, sum dort Alles auszukundschaften, die Oertlichkeiten zu er⸗ forschen, die Spaltungen zwischen den Negern und den Mulatten im mer mehr zu erweitern, die ersteren vielleicht für das französische Interesse wenigstens theilweise wieder zu gewinnen u. s.w. Sie ha⸗ den sich auch mit Herrn Adolph Barrot in Verbindung gesetzt und ihren Ansichten im Ministerium Eingang zu verschaffen gesucht. Dadurch gewinnt das, was ich Ihnen vor mehreren Tagen über den der französischen Regierung beigemessenen Plan, sich des Mole-Saint⸗Nicolas zu bemächtigen, ein erhöhtes Interesse. Die Meinungen über die Räthlichkeit eines solchen Wiedereroberungs Versuches sind jedoch sehr getheilt. Kein Zweifel, daß sehr Viele dafür sind, wie in Frankreich jeder Eroberungsgedanke stets sicher ist, Anklang zu finden; aber die ruhiger Ueberlegenden sehen die Sache für nicht so leicht ausführbar an, indem sie mit Recht die Besorgniß hegen, daß gerade ein Angriff von Außen nur dazu dienen würde, die jetzt in Zwist miteinander liegenden Parteien wieder gegen den gemeinschaftlichen Feind zu vereinigen, und so Frankreich, wenn es offensiv aufträte, entweder der Gefahr des Mißlingens seiner Unter nehmung, oder doch einem blutigen Kriege auszusetzen, in welchem die Haitier vielleicht noch dazu von einer Macht Unterstützung finden wür den, mit welcher Frankreich nicht in Konflikt zu kommen, das höchste Interesse hat.

Eisenbahnen.

Paris, 31. Aug. Das General⸗Conseil des Aube⸗Departe⸗ ments hat eine Million Fr. zum Ankauf von Actien zur Eisenbahn der oberen Seine bewilligt, die durch das Plateau von Brie führt. Diese Summe soll der Gesellschaft, die die Konzession zu dem Bau jener Eisenbahn empfangen hat, als Subvention gegeben werden.

Berlin-Potsdamer Eisenbahn. In der Woche vom 29. August bis incl. den 4. September c. sind auf der Berlin-Potsdamer Eisenbahn 10,884 Personen gefahren. Im Monat August c. fuhren auf der Berlin-Potsdamer Eisenbah 50,502 Personen und betrug die Einnahme 19,943 Rthlr. 22 Sgr. 9 Pf.

Handels- und Vörsen-Nachrichten.

Stettin, 4. Sept. (B. N. d. O.) Getraide. Die Festigkeit, welche Inhaber von jährigem gelben Weizen bereits Ende voriger Woche zeigten, hat seitdem durch Einfluß der besseren englischen Nachrichten noch zugenom-⸗ men. Man hält dergleichen 128 bis 129 Pfd. schles. augenblicklich auf 54 Rthlr. und ist 53 Rthlr. für eine kleine Partie heute bewilligt worden. Weißer ist dagegen wenig gefragt und würde kaum mehr bedingen. Neuen Weizen aus hiesiger Gegend kaufte man am chegestrigen Markte zu 42 à

46 Rthlr. Roggen in loco ganz stille und nominell 36 ½ à 39 Rthlr. *

Onal. gefordert, pro September und Oktober 36 ½ Rählr. bezahlt und no