Wetzel zu Freiburg, Obergerichts⸗ Advokat Sander zu Rastatt, Regie⸗ —2 en zu Stettin, Geheimer Rath Rettig zu Freiburg und Handelsmann Bassermann zu Mannheim. — Zu⸗ gleich enthält dieses Regierungsblatt die Ernennung der 16 landes⸗ herrlichen Wahl⸗Commissaire. — Unter den Militairdienst⸗Nachrichten ist angeführt, daß durch höchste Ordre vom 27. August der Major von der Suite der Reiterei Prinz Karl zu Salm⸗Reiferscheidt⸗Krautheim Durchlaucht die unterthänigst nachgesuchte Entlassung erhalten habe.
Sachsen⸗Koburg⸗Gotha. +X Koburg, 18. Sept. Vor⸗ gestern Abend kam Se. Durchlaucht der Prinz August von Sachsen⸗ oburg mit seiner Gemahlin, der französischen Prinzessin Clementine, bei uns an, und wurde von der Bevölkernng unserer Residenzstadt mit großem Jubel festlich empfangen. Die Straßen, welche zu dem für die hohen Herrschaften eingerichteten Palaste der hochseligen Herzogin Wittwe führen, waren erleuchtet und mit Flaggen und Kränzen geschmückt, und freudiger Zuruf begrüßte das erlauchte Paar, das dem Vernehmen nach den Winter über bei uns verweilen wird. Die Hoffnung, die man mit dem Eintreffen der hohen Gäste unseres Herzogs verknüpfte, daß dieselbe zur Veranlassung dienen würde, den Zwiespalt in Bezug auf die Landtags⸗Wahl unserer Residenz aus⸗ zugleichen, hat sich bis jetzt nicht bestätigt. Die Wahlen im ganzen Lande sind beendigt, die Hauptstadt Koburg allein ist noch zurück. Der Landtag soll im nächsten Monate eröffnet werden, und es läßt sich um so mehr vorhersehen, daß derselbe die erfreulichsten Ergeb⸗ nisse herbeiführen wird, da unsere Staats⸗Einnahmen sehr bedeu⸗ tende Ueberschüsse über die Ausgaben darbieten sollen.
634 Oesterreichische Monarchie.
Grätz, 16. Sept. Am 11ten d. M. wurde der diesjährige Postulaten⸗Landtag mit den herkömmlichen Feierlichkeiten hier eröffnet. Nachdem sich des Morgens die Stände im Landhause versammelt hatten, und der Landeshauptmann Graf von Attems daselbst einge⸗
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troffen war, wurden aus den anwesenden Ständen die Abgeordneten
gewählt, welche sich in feierlichem Zuge nach der Hofburg begaben, um den Landes⸗Gouverneur Grafen von Wickenburg, als den von Sr. Majestät für den Landtag abgeordneten Hof⸗Commissair, abzu⸗ holen. Nach dem Eintreffen des Zuges im ständischen Rittersaale wurde von dem Abte zu Rein unter AÄssistenz ein solennes Hochamt abgehalten, welchem auch ein zahlreiches Publikum beiwohnte. Nach Beendigung des Gottesdienstes wurde der Hof⸗Commissair, Graf von Wickenburg, in die Rathostube begleitet, wo derselbe sowohl das von Sr. Majestät eigenhändig gefertigte Kreditiv, als auch das Postulat für das Jahr 1844 mit einer dem Gegenstande und den Umständen angemessenen würdevollen Rede übergab. Nach Ablesung des Beglaubigungsschreibens antwortete der Landeshauptmann in Aus⸗ drücken der tiefsten Ehrerbietung. Mittags gab der Graf von Wicken⸗ burg eine glänzende Mittagstafel. Am darauf folgenden Tage fand in der Versammlung der Herren Stände die Eröffnung des Kaiser⸗ lichen Postulates und die Berathung anderer ständischer Angelegen⸗ heiten statt. b
b Die Erzherzoge Franz Joseph, Ferdinand Maximilian und Karl Ludwig, Söhne des Erzherzogs Franz Karl, langten, unter dem In⸗ kognito als Grafen von Habsburg reisend, in Begleitung des Herrn Aso, des Grafen von Bombelles und der Grafen von Coronini, Ledohowsky und Morzin, von Ischl über Aussee, das Ensthal und Pruch kommend, am 11ten d. M. zu Grätz an, wo sie an diesem Tage noch die Burg, das Joanneum, die Domkirche, das Mausoleum, den Schloßberg nebst mehreren anderen Merkwürdigkeiten der Hauptstadt in Augenschein nahmen. Am folgenden Tage wurde in den Morgenstunden noch die Besichtigung des Palais Sr. Kaiserl. Hoheit des Erzherzogs Jo⸗ hann, des Koliseums und der dortigen Vorbereitungen für die Versammlung der Naturforscher vorgenommen, hierauf die Reise über Gleisdorf nach Ilz fortgesetzt und nach der Mittagstafel in leichten Fuhrwerken nach Riegersburg, Feldbach und dem schönen Kurort Gleichenberg gefahren, wo Ihre Kaiserlichen Hoheiten die reizende Gegend, so wie die mit ihr im Einklang stehenden Gebäude und Anlagen des Actien⸗Ver⸗ eins besichtigten. Die Reise wurde sodann über Fehring nach Für⸗ stenfeld fortgesetzt, von wo Ihre Kaiserl. Hoheiten am 13ten Mor⸗ gens nach dem durch sein Georgicon berühmten Kesthely in Ungarn 1“ 1“
rbkereih.
Paris, 19. Sept. Herr Aston, der britische Gesandte am spanischen Hofe, ist vor zwei Tagen von Madrid in Paris eingetrof⸗ fen und wird heute seine Reise nach London fortsetzen. Während seines Aufenthalts in Paris war er in fast beständiger Konferenz mit Lord Cowley. Er soll die Meinung geäußert haben, daß die provi⸗ sorische Regierung von Madrid ihrem Sturz nahe sei.
Um der Fortifications⸗Frage ein neues Interesse zu geben, hat man jetzt auch das Gerücht verbreitet, es sei im Kriegs⸗Ministe⸗ rium ernstlich davon die Rede, alle großen zahlreich bevölkerten Städte Frankreichs, wie Rouen, Nantes, Toulouse, Bordeauxr, Marseille und andere, mit Befestigungswerken einzuschließen. Die Oppositionspresse verbindet nun mit ihrer erneuten heftigen Polemik gegen die wirklichen und vermeintlichen Fortifications⸗Arbeiten zugleich die neue Anregung
den letzten Jahren hier zu Lande gemacht hat. bisher drei verschiedene monarchisch gesinnt sind,
der Wahlreform⸗Frage. Der Courrier français und der Com⸗ merce nehmen besonders laut das Wort und sochern zu Petitionen um Erweiterung des Wahlrechts aufz; die Deputirten⸗Kammer hat die Befestigung von Paris votirt, sie repräsentirt daher nicht den Willen der Nation, und es muß eine organische Umwandlung vorge⸗ nommen werden; dies ist das neue Losungswort der Opposition. Alles was man bis jetzt über die Angelegenheit in der Straße Pastourel weiß, ist, daß die Instruction dem Herrn Didier anvertraut worden, der sich seit zwei Tagen ohne Unterbrechung damit beschäftigt. Neue Nachsuchungen haben eine abermalige Beschlagnahme von Ge⸗ genständen herbeigeführt, worunter sich Waffen und eine Fahne befin⸗ den. Der Weinhändler, bei welchem die Kommunisten in dem Augen⸗ blicke ihrer Gefangennehmung versammelt waren, hat bereits zwei Verhöre vor dem Instructionsrichter bestanden. Es scheint erwiesen, daß er der Sache der Verschwörung völlig fremd ist, und daß die Kommunisten an diesem Tage zum ersten Male bei ihm eingekehrt waren. Sie wechselten häufig die Lokalitäten ihrer Versammlungen, um die Nachforschungen der Polizei irre zu leiten. Der Weinhändler wird also wahrscheinlich sogleich in Freiheit gesetzt werden. — In dem Augenblicke ihrer Gefangennehmung hörten die Kommunisten den Entwurf zu einer Proclamation verlesen. Unter ihnen, die sämmtlich Arbeiter ohne Arbeit sind, befindet sich ein alter Offizier. Einer von ihnen war bereits früher wegen Fälschung verurtheilt. Der Herzog von Montpensier wird am 28sten d. M. in Metz erwartet, hat aber den Wunsch ausgedrückt, daß man ihn daselbst durchaus nicht als Königlichen Prinzen empfangen möge, da er blos als Artillerie-Capitain, um seiner Belehrung willen, dorthin komme. In Folge der letzten aus Barcelona eingegangenen Nachrichten hat der See-Präfekt von Toulon den Befehl erhalten, in aller Eil zwei neue Kriegsschiffe nach der Küste von Catalonien abzusenden.
m Paris, 19. Sept. Die Verschwörung, welche unsere Po⸗ lizei so eben entdeckte, und wovon gestern alle unsere Tagesblätter sprachen, hatte, wie es verlautet, eine Kommunisten⸗Tendenz. Es ist kaum glaublich, welche Fortschritte der Kommunismus überhaupt in
Schulen desselben: 1) die Fourrieristen, welche
des radikalen Cabet, betitelt eine Reise nach Jcarien, worin die Kommunisten⸗Theorieen praktisch dargestellt werden. Ungeachtet Cabet ein Erzrepublikaner ist, so verwirft er die gewaltigen Mittel zur Erreichung seines Zweckes, so, daß er neulich bei dem Kommunisten⸗Prozeß in Toulouse laut erklärte, „daß er nie die Vertheidigung eines Kommunisten übernehmen würde, der an revolutionairen Umtrieben Theil genommen hätte; 3) die Ultra Kom⸗ munisten, welche, mit den Waffen in der Hand, die agrarischen Ge⸗ setze der heutigen Civilisation einimpfen möchten, und nicht nur die Gemeinheit der Güter, sondern auch die Gemeinheit der Weiber pre⸗ digen, kurz das ganze Familiensystem umstoßen möchten. Zu dieser letzteren Klasse gehören die neulich Verhafteten, welche aber zugleich, wie alle Ultra-Kommunisten, den Umsturz des Thrones wollten, weil die monarchische Regierungsform mit ihren Lehren im schreiend⸗ sten Widerspruche steht. Schon seit ein paar Monaten hatte die Polizei die geheimen Kommunisten⸗Gesellschaften im Auge, und sie erinnern sich, wie ich beim Anlasse der Juli⸗Tage Ihnen meldete, daß die Regierung auf den Ausbruch neuer Unruhen gefaßt, alle Vorkehrungen getroffen habe, um jede Ruhestörung während der Juli⸗Tage sogleich zu unterdrücken. Ihrer radikalen Tendenzen we⸗ gen, sind die Ultra⸗-Kommunisten wenig gefährlich, denn nichts ist heutzutage verhaßter in Frankreich als das Wort: Republik. Die Franzosen haben die Herrschaft der Republikaner zu gut im Andenken behalten, als daß es ihnen je darnach mehr gelüsten dürfte. Nicht also an sich selbst ist der Kommunismus der Radikalen für die innere Ruhe des Landes gefährlich, sondern weil er den politischen Factionen als blindes Werkzeug dient, um Unruhen hervorzurufen. Bei dem kürzlichst entdeckten⸗ Komplott der Ultra⸗-Kommunisten spielt die Politik die Hauptrolle, denn wie man mich versichert, scheint unsere Regierung die Beweise in Händen zu haben, daß die Unruhen in Spanien, Italien und Deutschland mit der neu entdeckten Verschwö⸗ rung von Paris in enger Verbindung stehen, und daß die radikale Partei, wie man sagt, einen Hauptschlag zu wagen im Begriffe stand. Die Verhaftungen dauern fort und sollen bereits über sechzig betragen, obwohl viele Verdächtige durch die Fucht den Nachforschungen der Polizei sich zu entziehen gewußt haben. Man bemerkt, daß der Po⸗ lizei⸗Präfekt jetzt regelmäßig zweimal des Tages nach St. Cloud fährt, um dem König über den Gang der gemachten Entdeckungen mündlich Bericht zu erstatten.
Der Herzog und die Herzogin von Nemours werden heute um 2 Uhr in Maͤcon erwartet. Der Munizipal⸗Rath jener Stadt wird dem Prinzen entgegengehen. Ein Brief aus Maͤcon meldet, daß Herr von Lamartine eigens sein tief in den Bergen hinein liegendes Schloß St. Point verließ, um als Mitglied des Munizipal⸗Rathes den Her⸗ zog von Nemours zu empfangen. Da der nämliche Munizipal⸗Rath die nöthigen Gelder verweigerte, um zu Ehren der Anwesenheit des Prinzen in Maͤcon einen Ball zu veranstalten, so wurde auf den Vor⸗ schlag des Herrn von Lamartine eine Privat⸗Subscription dazu eröffnet.
Man unterscheidet
2) die Icarianer, so genannt von dem Werke
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Kaum hatte Herr von Lamartine seinen Namen auf die Liste gezeich⸗ net, so wurde in ein paar Stunden eine mehr als hinlängliche Summe
um dem Prinzen einen sehr glänzenden Ball zu geben. Lamartine bei dieser Gelegenheit geht daß er nur gegen die Regierung und
aufgebracht, Das Betragen des Herrn von absichtlich dahin, zu beweisen, nicht gegen den König und dessen Familie denkt. Morgen wird der Herzog und die Herzogin von Nemours
Opposition zu treiben ge-⸗
sich am Bord des Dampfbootes „Hirondelle“ von Maͤcon nach Lyon
begeben, wo der Prinz die großen Herbst⸗Manöver befehligen wird.
Der so pomphaft angezeigte Kongreß der Weinbauer in Bor⸗ deaur schleppt sich mühsam fort, nachdem die einflußreicheren Depu⸗ tirten, die daran Theil zu nehmen versprochen hatten, wie Lamartine, Berryer, Mauguin, Lagrange u. s. w. ausgeblieben sind. Dem Ver⸗ nehmen nach ist deren Ausbleiben dem Umstande zuzuschreiben, daß Herr Granier de Cassagnac, Haupt⸗Redacteur des Pariser Globe und Verfechter der Sklaverei, anzeigen ließ, er wolle bei dem Kon— greß erscheinen.
Der Commerce will wissen, daß man heute den Herrn Olo⸗ zaga in Paris erwartet, der den Hof der Tuilerieen zu einer Inter vention in Spanien zu bewegen beauftragt sein soll. Ich werde Ge⸗ legenheit haben, die Nichtigkeit der Gerüchte, die man über die fran⸗ zösische Intervention ausstreut, darzuthun. Vor der Hand beschränke ich mich, Sie zu versichern, daß man bei der hiesigen spanischen Le⸗ gation, wo Herr Olozaga absteigen soll, nichts von seiner bevorstehen⸗ den Ankunft weiß und auch daran nicht glaubt, weil erstens seine Functionen als Oberhofmeister der Königin
Isabella mit dem Posten eines Gesandten in Paris sich nicht mehr vertragen, und zweitens, weil am Vorabend der Wahlen und
der Einberufung der Cortes des⸗ sen Gegenwart in Spanien erforderlich ist. L11“
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Srossbritanien und Irland.
London, 19. Sept. Der Prinz und die Prinzessin von Hohenlohe⸗Leiningen, begleitet von einem Theil ihrer Familie, sind vorgestern in Windsor zum Besuche bei der Herzogin von Kent, der Mutter des Prinzen, eingetroffen. Ihre Majestät die Königin, die Stiefschwester in Woolwich aus Belgien zurückerwartet.
Das lange diesmalige Ausbleiben der ostindischen Post hat so⸗ wohl in London, als in Liverpool, Manchester und anderen großen Provinzialstädten die Kaufmannschaft veranlaßt, für die Ausführung eines von der „Orientalischen Dampfschifffahrts⸗Gesellschaft“ entwor fenen Planes, wonach künftig die ostindische Post regelmäßig in 29 Tagen von Bombay nach London befördert werden soll, Versammlun⸗ gen zu halten. Die Route über Marseille soll beibehalten werden.
HS Ib Antwerpen, 19. Sept. Die Königin Victoria langte heute
um 3 ½ Uhr, in Begleitung Ihrer Majestäten des Königs und der Königin der Belgier, so wie des Prinzen Albrecht, von Laeken kom⸗ mend, auf dem hiesigen Bahnhofe an. Die hohen Herrschaften wur den mit allen üblichen Ehrenbezeigungen und von dem lauten Jubel der versammelten Menge empfangen. Nachdem Ihrer Großbritani⸗ schen Majestät die ersten Behörden der Stadt vorgestellt waren, be⸗
gab sie sich mit ihren erlauchten Wirthen nach dem Schlosse. Alle wie alle öffentlichen und Privatgebäude, wa⸗ Später traten Ihre Majestäten auf den
Straßen der Stadt, so ren festlich geschmückt. 1 1 Balkon heraus, um einen von der Stadt veranstalteten Festzug zu sehen, und besuchten um 4 Uhr die Kirche Notre-Dame. Die Königit Victoria schien von der Schönheit dieser großen Cathedrale lebhaft bewegt und betrachtete längere Zeit das herrliche Gemälde von Rubens, „die Abnahme vom Kreuze,“ so wie die übrigen Gemälde desselben Meisters, welche diese Kirche besitzt. Auch widmete sie den zierlichen in gothischem Styl ausgeführten Holzarbeiten, welche diese Kirche aufzuweisen hat, besondere Aufmerksamkeit. Der König fragte, ob die Verfertiger dieser kunstvollen Skulpturen nicht gegenwärtig seien und der Direc⸗ tor der Akademie, Herr Wappers, Künstler, Herrn Geerts aus Löwen, unter berühmte Rathhaus so vortrefflich restaurirt worden,
dessen Leitung das dortige
stellte die beiden ausgezeichneten
des Prinzen, wird übermorgen (2lsten) Nachmittags
und Herrn
Durlé, nach dessen Zeichnungen die Holzschnitzwerke im antwerpener
Dom ausgeführt werden, Ihren Majestäten vor, von mit den schmeichelhaftesten Lobsprüchen beehrt wurden. Später nah⸗ men Ihre Majestäten die Hafenbassins in Augenschein und begaben sich dann nach der Place-Vert, wo vor der Rubens⸗Statue von der Gesellschaft Orphea inmitten einer zahllosen Menschenmenge ein Kon⸗ zert ausgeführt wurde. Um 6 ½ Uhr kehrten die hohen Herrschaften nach dem Schlosse zurück. Abends war die ganze Stadt erleuchtet.
Wenngleich der Besuch, womit die
ꝓ½½ Brüssel, 19. Sept. 88 nicht dieselbe Bedeutung wie
Königin von England Belgien beehrt, in Frankreich hat und hier wohl mehr vorwaltend durch Familienbande, als n bestimmt wurde, so wird doch dieser ehrenvolle Besuch und der biedere herzliche Empfang, den der erhabene Gast in allen Städten erhalten, als ein frohes Ereigniß in der Erinnerung Aller, und wir wagen hinzuzusetzen, auch im Andenken der erlauchten Fürstin, zurückbleiben.
Wir übergehen, wie billig, die Einzelnheiten, die über diese Fest⸗
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scheinung eine sehr gewinnende, und Vorzüge wie Mängel verschmelzen sich zu einem angenehmen Ganzen, dessen ausgezeichnete Leistungen gewiß viel dazu beitragen werden, die begonnene Stagione zu beleben. Ihre Toilette war auch heute wiederum ausgesucht: im ersten Akt erschien sie in der Tracht der vornehmen Schotten (weißes Mousselinekleid mit schottischem Besatz und hochrother goldverzierter Atlasschärpe), dann als Braut in einem weißen, mit Krepp und Rosen verzierten Atlaskleid, einem Kranz von blaß⸗ rothen Rosen um die edle echt italienische Stirn.
Sgr. Ferrari Stella, welcher den Edgard von Ravenswood (unsere Künstler sprechen den Namen nicht englisch aus) sang, wurde bei seinem Auftreten empfangen. Er ist in der Gunst des Publikums schon befestigt. In der That, ein vorzüglicher Tenor, mit einer gleich kräftigen als ge⸗ schmeidigen Stimme. Am schönsten klingt sie in den Brusttönen von g — f, die tiefere Region vom kleinen c bis l ist schwächer. Herr Stella hat eine gute Schule durchgemacht, und versteht das Falsett mit dem Bruststimme vortrefflich zu verbinden, so daß man höͤchst selten den Uebergang aus einem Stimmregister in das andere bemerkt. Er weiß den Ton sicher zu tragen, hüte sich aber vor dem Ansetzen des Tons von unten herauf, eine Vortrags⸗ art, die leicht zur Manier wird. Ein Glanzpunkt seiner Leistung wie der ganzen Oper war das Duett im ersten Akt (B-dur) mit Pizzika⸗Be⸗ gleitung 1Sve. te sull' aura , dessen Grundgedanke in der Wahnsinn⸗Scene als Reminiscenz wiederkehrt, und das von ihm und Fräu⸗ lein Malvani auf das lieblichste vorgetragen ward. Edgardo's Haß, der sich schon im ersten Akt bei der Stelle: „Sulla tomba che rinserra“ ge⸗ dämpft ankündigt, bricht in dem Ensemblestück und Finale des zweiten Akts, dem Culminationspunkt der Oper, mit glühenden Flammen aus, so daß der Sänger die volle Macht seines Organs wirken lassen konnte und dies auch mit einer erschütternden Wahrheit that, die sich bei dem Fluche: „Ah di Dio la mano irata ti disperda“ zu tragischer Größe steigerte. Bei den Worten: “ So che al paterno cenere
8 b Giurai strapparti il core
übernahm sich Sgr. Stella Etwas, da einem Tenor eine solche Ausdrucks⸗ weise schon körperlich nicht heilsam sein kann; dagegen sang er die Sterbe⸗ Scene, und besonders die wiederkehrenden Worte „O bell' alma inamo-
rata etc.“ mit einem Gefühl, das in den Augen der Zuhörer wiederleuch⸗ tete und überwältigend wurde. “ u“
Herr Capitini, ein vortrefflicher kunstgebildeter Bassist, wie Deutsch land außer Staudigl kaum einen von gleicher Kraft und Fülle besitzt, machte als Lord Enrico Asthon sein edles Organ im Triumph geltend. An die großen italienischen Schauspielhäuser gewöhnt, lerne er seine Massenstimme nur mehr für die hiesigen Räume zurichten, möge auch die Manier, den Ton beben zu lassen, zu tremoliren, nicht zu oft anbringen. Dazu, welch ein feuriges Spiel, gehoben durch ein südlich blitzendes Auge! Sein Vortrag der daktylischen Rhythmen des Männer⸗Duetts „O sole, piu rapido a sorger t'appresta“ war hinreißend. e
Der andere Bassist, Herr Giuseppe Bien, welcher den Raimondo sang, hat eine weit schwächere, doch angenehme Stimme, die er nur noch nicht zu gebrauchen versteht, so daß er beinah mit dem Auditorium ins Gedränge gerathen wäre. Auch soll die Partie des Raimondo dem Sign. Bien, welcher ihr nicht ganz gewachsen, entzogen und dem Primo Basso Sign. Simone Grandi übertragen werden, und scheint Letzterer nicht nur zu Berlin am 25sten, sondern auch zu Potsdam am nächsten Mittwoch darin aufzutreten. “ . 8
Ueber den zweiten Tenoristen, Herrn Cavirani, Darsteller des Artur, wie über Frl. Gaetana Borghi (Alisa) bleibe das Urtheil ausgesetzt, bis wir sie in einer Leistung sehen, die es möglich macht, letzteres zu begründen. Wir bemerken nur noch, daß das Ensemble vortrefflich war und das Ganze von dem neuen Kapellmeister Herrn Buzzolla mit Sicherheit und ohne alle Ostentation geleitet wurde. Le;zerer ist ein geborener Venetianer, und entwickelte schon früh so bedeutende musikalische Anlagen, daß die Stadt ihn zu seiner Ausbildung auf ihre Kosten nach Neapel sandte; Donizetti ward sein Lehrer, und er gilt in ganz Italien für einen der tüchtigsten und hoffnungs⸗ vollsten Jünger desselben. G
Dem Publikum, welches die bevorstehende Wiederholung der „Lucia di Lammermoor“ zu besuchen gedenkt, dürfen wir aus Ueberzeugung einen
genußreichen Abend versprechen. 1
Vorläufige Anzeige
über die Blumen- und Frucht⸗Ausstellung der Gesell⸗ schaft der Garten— Freunde *).
Die Blumen⸗- und Frucht⸗Ausstellung der Gesellschaft der Garten⸗ Freunde Berlins im Hotel de Russie, überaus reich in Hinsicht der Mannig⸗ faltigkeit, wie an Seltenheiten, wurde heute, den 24. September, dem Publikum gegen ein Eintrittsgend von 5 Sgr. geöffnet. Sie bietet einen nie gehabten Genuß. Gleich a. Eingange von einem stattlichen, mit Blüthen bedeckten Myrthenbaum be⸗ grüßt, treten wir in den für eine solche Ausstellung sehr geeigneten Saal ein, dessen Wände mit den ausgezeichnetsten und seltensten Blüthen⸗ und fruchttragenden Gewächsen geziert sind, welche die Königlichen, Privat⸗ und Handels Gärten von Potsdam, Charlottenburg, Schönhausen, Schöneberg und Berlin aufzuweisen haben. Die Mitte des Saales, welche von zwei langen, pultartigen Tischen mit Dahlien⸗ und Frucht⸗ Sortimenten, irdenen Gefäßen im neuesten Geschmacke belleidet, werden durch eine flache Tafel mit den geschmackvollsten Fruchtaufsätzen, Frucht⸗ körben, Fruchtvasen (die zu verloosenden Hauptgewinne ausmachend) und einer sehr schönen großen bronzirten Vase geschmückt, wobei wir auf einen an dem vorderen Ende derselben höchst kunstvollen Dahlienkorb von Steinpappe aufmerksam zu machen uns erlauben. Zu Ende des Saales führt eine 5 Stufen hohe Treppe, zu deren beiden Seiten die seltensten, durch Größe und Zartheit ausgezeichnetsten Gemüse aufgestellt sind, in das Zimmer, wel⸗ ches die zur Verloosung bestimmten Gegenstände (in Früchten, Blumentischen und blühenden Topfgewächsen bestehend) enthält. 1
Da die Ausstellung auch morgen Montag den 25. September von früh 9 bis Nachmittags 5 Uhr und am Dienstag den 26. September von früh 9 bis Nachmittags 2 Uhr geöffnet sein wird, so⸗ habe ich dies den Freunden und Verehrern von Garten⸗Erzeugnissen mitzutheilen mir nicht versagen wollen. D. K.
te darauf zurückkommen⸗ü Anmerk. d. Red.
denen Beide
die engen durch einschlagende politisch⸗nationale Rücksichten
erhöht durch das gelungene Arrangemen!t,
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2 “ 1
am länugsten der neuen Regierung geschmollt, empfängt jetzt die Nichte
ten festlichen Empfang
wie ein Feuerwerk dem anderen.
tage aus den Journalen zu entnehmen sind, und erlauben uns nur
einige allgemeine Bemerkungen.
Unter den Großstädten hat sich besonders Gent durch seinen charakteristischen und durch die Einmüthigkeit aller Klassen verherrlich⸗ ausgezeichnet. Es ist in unserer Alles verall⸗
gemeinernden, die Eigenthümlichkeiten der Völker wie der Einzelnen, der Zeiten und Sitten auswischenden Gegenwart schwer, Mono⸗ tonie in den Feierlichkeiten zu verhindern. Eine gleicht der anderen, Das quantitative Mehr oder Weniger giebt keinen charaktervollen Unterschied. Gent hat aber hier eine Ausnahme machen wollen. Als die Stadt, welche mit Stolz die Er⸗ innerung und das Bewußtsein trägt, die Hauptstadt von Flandern zu sein, die es sich zur Ehre macht, das flamändische Element aufrecht zu erhalten, welche der Sitz der meisten Gesellschaften ist, die sich die
Auosbildung der Sprache und Literatur angelegen sein lassen, hat sie auch der Königin
von England einen flamändischen Empfang berei⸗ Ein solcher ist aber für den Genter ohne eine an die Erinnerungen sich anschließende Prozession nicht denkbar. Gilden und Gesellschaften, die sich, wenn jetzt auch ohne 1 Cadres und für gesellige
ten wollen. historischen Sämmtliche legale und industrielle Bedeutung, in ihren s8 und fi e- Zwecke erhalten haben, schickten sich daher an, in feierlichem Zuge die Königin zu empfangen und durch die Stadt zu führen. Der hohe Gast soll über dieses Vorhaben wahrhaft erschreckt gewesen sein, und es hat vorher eine Art Vertrag zwischen beiden interessirten Theilen abgeschlossen werden müssen, wonach die Königin einwilligte, in Pro zession empfangen, aber nicht durch die ganze Stadt geführt zu wer⸗ den. Die Gilden und Gesellschaften sollten in Parade⸗Ordnung auf dem Waffenplatze anhalten, während die Stadt Obrigkeiten die Köni⸗ gin in den Regierungs⸗Palast führten. Dieser Vertrag wurde denn auch pünktlich vollstreckt. Was aber noch besonders bei diesem Em⸗ pfang in Gent hervorzuheben, ist die Einmüthigkeit aller Klassen, Stände, ja wir setzen hinzu, aller Parteien. Gerade die Stadt, welche des Landesfürsten mit der offensten Sympathie. Man glaube auch nicht, daß die frühere orangistische Partei daran keinen Antheil genom⸗ men. Gerade diejenigen, welche man als Repräsentanten derselben angesehen, haben sich an die Spitze gestellt. Bedenkt man ferner, vaß Gent die Fabrikstadt ist, welche am meisten von der englischen Konkurrenz zu leiden hat, und wo daher ein gewisses egoistisches Gefühl ein Zurückhalten hätte erklärlich machen können, so ist das Verhalten von Gent um so mehr zu loben, und wir kön⸗ nen in dieser Hinsicht einen Hinblick auf Frankreich nicht unter⸗ drücken, wo sich unter den Industriellen sogleich ein so kleinlicher Geist und die Furcht rege machte, daß man die französische Industrie dem entgegenkommenden Besuche der Königin von England zum Opfer bringen werde. Die Stadt Gent hat Alles gethan, was bei der kur⸗ zen Zeit in ihren Kräften stand, und die erlauchte Fürstin hat auch wiederholt über diese vielfachen Beweise der herzlichsten Aufnahme in voller Rührung ihre Dankbarkeit zu erkennen gegeben.
In Brüssel konnte die Königin nur erwarten, was jede große Hauptstadt, die von einem Königlichen Besuche überrascht wird, geben kann. Was in der kurzen Zeit möglich war, ist geschehen. Die große schöne Königsstraße war schnell in eine freundliche Allee verwandelt wor⸗ den. Die zusammenberufene Bürgergarde hatte sich in einer Anzahl ein⸗ gefunden, wie sie sich selbst bei obligaten festlichen Revuen selten ge⸗ zeigt hat. Eine unzählige Volksmenge füllte alle Straßen, Plätze und den Park. Nachdem die Königin unter den allgemeinsten und lau⸗ testen Beifalls⸗Bezeugungen den Königlichen Palast, sichtbar ermattet von der unter großer Hitze vollstreckten Reise, erreicht und daselbst einige Ruhe genossen, begab sich dieselbe am Arme des Königs Leo⸗ pold durch die wogende Menschenmenge in den Park, wo ein Kon⸗ zert sie erwartete, und kehrte endlich, nach einer öffentlichen mehr⸗ stündlichen Promenade auf den Boulevards, zum Königlichen, durch die Gegenwart aller Gesandten und der Repräsentanten der verschie⸗ denen Autoritäten gehobenen Bankett zurück. An diesem Morgen begab sich die Königin nach Antwerpen, wo neue Festlichkeiten sie e. warteten, um sich dann gegen drei Uhr wieder nach England heim⸗ zuschiffen. 8
Der Besuch des erlauchten Gastes ist diesmal sehr kurz gewe⸗ sen und hat nur ermüdend sein können. Die Königin hat, wie uns dünkt, durch die Schnelle der Reise, größeren Aufwand von Seiten der Städte verhindern wollen. Möge aber dieser erste herzliche Empfang für dieselbe eine Einladung sein, um später, wenn auch in einfacherer Form, ein Land auf längere Zeit zu besuchen, wo eine historische Merkwürdigkeit sich an die andere drängt, und welches in seiner äußeren Natur als der Garten von Europa angesehen wer⸗ den kann.
In eine meiner neulichen Mittheilungen über die Statistik des belgischen Handels (vgl. Allgemeine Preußische Zeitung Nr. 37 Beilage) hat sich, wie ich so eben erst bemerke, wohl nur als Schreibfehler eine unrichtige Zahlen⸗Angabe eingeschlichen, welche einer nachträglichen Berichtigung bedarf, um nicht etwa zu Mißverständnissen und falschen Folgerungen Veranlassung zu geben. Es heißt dort nämlich, daß die Einfuhr belgischer Waaren in Preu⸗ ßen und die Staaten des Zoll-Vereins während des Jahres 1842 nicht weniger als 1112 Millionen Fr. betragen habe. Nun ergiebt sich aber aus den darüber bekannt gemachten offiziellen Dokumenten, daß diese Einfuhr sich nur bis auf den Werth von 16,100,000 Fr. belaufen hat, wovon 11,400,000 Fr. auf Preußen, der Rest auf die übrigen Zoll-Vereins⸗Staaten kommen. Im Ganzen betrug also die Einfuhr nach den genannten Ländern im Jahre 1842 etwa 700,000 Fr. weniger, als im Jahre 1841. Dagegen hat die Einfuhr aus dem Zoll⸗Verein in Belgien während des Jahres 1842 über 22 Millionen Fr. betragen. Das Großherzogthum Luxemburg ist in den genannten Dokumenten noch besonders berechnet. Die Einfuhr aus Belgien dahin betrug 1842 etwa 1,400,000 Fr., während Bel⸗ gien in derselben Zeit für 3,100,000 Fr. Güter von dort zugeführt erhielt. 1“
Spanien.
Paris, 19. Sept. Telegraphische Depesche aus Spanien. Bayonne, 18. Sept. Die Regierung hat am 14ten ein mo⸗ tivirtes Manifest über die Ereignisse von Barcelona veröffentlicht Sie legt die Grundsätze dar, welche sie den Vorschlag zur Bildung einer Central⸗Junta verwerfen ließen, und fordert die 9 nten Spanier auf, ihr Beistand zu leisten, da die Cortes einberufen 1 um alle Fragen, welche das Wohl des Staates zum Zweck haben, zu ent⸗
cheiden. Madrid, 12 1 Reise des 8 Sept. Es ist noch immer die Rede von einer aehee deser Sre laane geemesg ciset Zatatgnet, win ie es Hr. Martinez a Rosa dessen Functionen bei der Arachite . . Die Journale richten übel den useg diesäe gee 8 1d In erpellationen an die offizielle Zeitung, welche übrigens erei s mit einer förmlichen Widerlegung auf die Gerüchte vo Pn⸗ terventions⸗Projekten geantwortet hat. Man hat auch has Ge Föt verbreitet, Herr Olozaga habe den Auftrag, die Könj 8 Christin den Herzog von Aumale nach Madrid zu begleiten pr e dem Herrn Lopez, vormaligen Botschaftssecrekair in aris, solle eine Mission nach der Schweiz anvertraut werden, die
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547 darin bestünde, in den schweizerischen Kantonen die Anwerbung von 3000 Mann zu leiten, welche ausschließlich zu dem Dienste im Palaste der Königin bestimmt sein würden, und es rühre dieses Projekt von dem General Narvaez her.
18. Sept. Ich habe Ihnen vor einigen Tagen neue politische Chef von Bilbao Herr Tejera sein Amt trotz des Widerstandes der General⸗Deputation an⸗ getreten hatte. Diese hat aber nun zu existiren aufgehört. Herr Tejera hatte ihr einen Befehl der Regierung mitgetheilt, nach welchem sie sich als Provinzial⸗Deputation zu konsti⸗ tuiren oder auf ihre Functionen gänzlich zu verzichten hatte. Die Mitglieder der Deputation zogen das Letztere vor als ehrenvoller und übereinstimmender mit den Interessen und dem Wunsche des Landes, das ihnen sein Vertrauen geschenkt habe. Indem sie aber ins Pri⸗ vatleben zurücktraten, erklärten die General⸗Deputirten, daß sie dies thun, um nicht den Kampf des Rechts gegen die Gewalt noch länger hinauszuziehen. Demzufolge faßten sie folgende energische Protesta⸗ tion ab: 1t 8 Protestation der General⸗Deputation von Biscaya.
Die General⸗Deputation, in Betracht dessen, was durch ihren Syn⸗ dikus hinsichtlich der Befehle des Ministers des Innern vom 1., 7., 10. und 31. des letzten Monats August auseinandergesetzt worden ist, in Betracht ferner des Gutachtens der ehrwürdigen Männer des Gesetzes, die sie zu Rathe gezogen hat, und besonders der Beschlüsse der General⸗Regimientos, welche am L2aesten desselben Monats und am ö6ten des laufenden stattgefun⸗ den haben, immer in Betreff der nämlichen Befehle, und mit Schmerz sehend, daß weder die ehrfurchtsvollen Vorstellungen, die sie an die Regie⸗ rung gerichtet hatte, noch die thätigen Bestrebungen ihres Abgeordneten zu Madrid, um eine Modification oder Reform zu verlangen, ein anderes Re⸗ sultat hervorbrachten, als von Tag zu Tag das traurige Loos dieses Lan⸗ des zu verschlimmern, das so würdig ist, mit Billigkeit behandelt zu werden, hat sich entschlossen, von dem ehrenvollen Amte abzutreten, das bisher von jedem Makel frei geblieben ist, und zu welchem sie durch den Willen der Biscayer berufen worden war, ohne zu versuchen, einen unfruchtbaren Kampf des Rechtes gegen die Gewalt zu verlängern, deren Arm erhoben worden ist, um keinen Vorwand zu liefern zu beklagenswerthen ärgerlichen Auftritten durch einen hoffnungslosen Widerstand, noch zu dem Glauben zu veranlassen, als habe sie die Schranken der Gesetzlichkeit und der Klugheit überschritten zu dem Zwecke, aufrührerische Bewegungen hervorzurufen.
Gleichmäßig hat sie beschlossen, wie sie es thut, die bestimmteste und feierlichste Protestation zu erheben gegen das, was von der provisorischen Regierung angeordnet worden ist, auf daß man niemals aus diesen Akten, da sie offenbar ungerecht und eben so sehr zuwider sind den besonderen Gesetzen dieses Landes, welche die Deputation unversehrt zu bewahren geschworen hat, als jenem vom 25. Oktober 1839, welches sie bestätigt hat, die geringste Konsequenz gegen die Institutionen, Privilegien und Freiheiten, guten Ge⸗ bräuche und Uebungen dieses erlauchten Landes, noch gegen die Rechte seiner Eingeborenen, Bewohner und Domizilirten ziehen könne, welche Rechte und Institutionen keine Regierung, wie groß und stark sie auch sein möge, die Befugniß hat, zu beschränken oder abzuändern, ohne die freie Zustim⸗ mung seiner rechtmäßig versammelten Junten. Und auf daß sie dieselben zurückverlangen können in der Form und zu den Epochen, welche sie für angemessen erachten sollten, vor den Cortes der Nation oder vor der unpar⸗ teiischen Nachwelt, wenn für den Augenblick die Gerechtigkeit ihnen verwei⸗ gert würde, hat die Deputation ihre Protestation in dem gegenwärtigen Akte aufgezeichnet, dessen Abschrift an Herrn Juan de la Tejera geschickt werden soll als Antwort auf die oben eingerückte Zuschrift desselben, und die gedruckt werden soll, indem der Secretair der Regierung beauftragt bleibt mit Behändigung der Dokumente, Ausfertigungen, Bücher und Effek⸗ ten ihrer Büreaus.
(Gez.) Domingo Eulogio de la Torre. Matias Izaguirre. Jose Joaquin de Arguinzoniz. Ma⸗ teo de Inchaurrago. Francisco Hormaeche, 1 Secretair.
Der neue General-Capitain der baskischen Provinzen wird seinen Aufenthalt nicht wie die früheren zu St. Sebastian nehmen, sondern er hat Vitoria als Centralpunkt gewählt. Die Militair⸗Intendanz, der Generalstab mit allen ihren Angehörigen werden folglich, der Zahl nach etwa 250 Personen, St. Sebastian verlassen. Man glaubt, die unverholen bei jedem Anlasse hervortretende esparteristische Gesinnung der Bevölkerung von St. Sebastian sei die wahre Ursache zu diesem Entschlusse des General⸗Capitains.
2 Paris, gemeldet, daß der
Das Regiment Infanterie von Mallorka, das bisher in den baskischen Provinzen und längs der fran⸗ zösischen Gränze in Kantonirungen gestanden hatte, wird diese ver⸗ lassen, um nach der Gränze von Portugal sich zu begeben. An seine Stelle kommt das Regiment Africa, das früher zu Gerona und an der catalonischen Gränze gestanden hatte. Dieses Regiment war in der neuesten Zeit eines derjenigen, in welchem die Demoralisirung am meisten Fortschritte gemacht hat.
x. Paris, 19. Sept. Wir haben über Marseille Nachrichten aus Barcelona vom 14ten. Das spanische Dampfschiff „Mercurio“, eines derjenigen, welche den Dienst längs der ganzen Küste von Mar⸗ seille bis Cadix versehen, war am 15ten zu Marseille eingetroffen, nachdem es am Tage zuvor Barcelona berührt hatte. Auch damals noch schwieg das Feuer von den Forts, und fast scheint es, als ob man in denselben nicht mehr mit hinreichender Munition versehen wäre. Einzelne Posten beider Parteien begrüßten sich aber bald da, bald dort, wo sie eben auf einander stießen, mit Kleingewehrfeuer in den Straßen. Ein mittägliches Blatt, das Echo du Midi, hatte gestern, nach einem Briefe aus Barcelona vom 10ten, die auffallende und mit allen übrigen Meldungen in Widerspruch stehende Nachricht gebracht, der Brigadier Amettler, den die Junta als zu ihrer Unter⸗ stützung ankommend dargestellt habe, sei nicht in Barcelona eingerückt, sondern habe im Gegentheile mit seinen Truppen Prim und dem politischen Chef Gibert zu Gracia sich angeschlossen. Diese Angabe war offenbar erdichtet. “
Ueber das Einrücken Amettler's in Barcelona hat man nun be⸗ stimmte Nachrichten. Am 10ten Abends zog er mit seiner Division ein, unter allgemeinem Glockengeläute, dem Abfeuern von Freuden⸗ salven, und dem Vivatgeschrei der dichtgedrängten Volksmasse. Der Constitucional versichert, der Enthusiasmus sei auf seinem höchsten Gipfel gewesen und lasse sich nur mit dem vergleichen, der vor zwei Monaten beim Einzuge Prim's und Milan's geherrscht habe, als dieselben mit der von Sabadell kommenden Junta von Reus zurück kamen. Am Abend war die ganze Stadt beleuchtet. Die Junta, welche sich in corpore Amettler entgegen begeben hatte, erließ am Uiten zwei Dekrete, deren eines Prim als Verräther des Vaterlan⸗ des erklärt, während das andere den Brigadier Amettler zum Ma⸗ riscal de campo und zum General⸗Capitain von Catalonien mit dem Ober⸗Befehle über alle dem Aufstande beigetretenen Truppen ernennt.
Die Division Amettler, welche den Namen der Expeditions⸗Armee von Nieder⸗Arragonien bisher getragen hat, besteht aus dem Isten, 2ten und 4ten Frei⸗Bataillon von Catalonien, einem Bataillon und einer Escadron mobilisirter National⸗ Miliz von Barcelona und end⸗ lich aus zwei Bataillonen Linientruppen. Diese letzteren sind, nach der kleinen Garnison von Mataro, das erste größere Corps von der Linie, das sich dem Aufstande angeschlossen hat, und ihr Beispiel könnte leicht auch auf den Geist der in der Citadelle und dem Fort Mon juich stehenden regulairen Truppen einen schlimmen Einfluß äußern. Die mit Amettler angekommenen Verstärkungen werden auf etwas über 3000 Mann angeschlagen, und so wird es erklärlich, daß er bald 4000 Mann sammeln und in die Provinz ausrücken konnte, um in
dieser überall den Aufstand auszubreiten, was er nach den marseiller Nachrichten vom 14ten damals schon gethan hatte. Die Garnisonen der festen Plätze Gerona und Figueras, deren Anschluß an das Pro⸗ nunciamiento ich schon gestern meldete, sollen die Forts beider Städte der National⸗Miliz derselben überliefert haben. Auch nach dem Sü⸗ den zu breitet der Aufstand sich aus, denn die ganze unter dem Na⸗ men Campo de Tarragona bekannte Ebene ist demselben beigetreten. General Araoz, der neue General⸗Capitain von Catalonien, war am l1ten in die Citadelle eingerückt. Er war von Valencia hergekom⸗ men, von wo er aber nur wenige Truppen herbeiführen konnte, da diese Stadt selbst bei seinem Abzuge in einer außerordentlichen Gäh⸗ rung war, worauf ich weiter unten zurückkommen werde. 3 Araoz und Prim schlugen der Junta von Barcelona gemein⸗ schaftliche Konferenzen vor, worauf aber diese sich nicht einlassen zu können erklärte, worin der Beweis des Selbstvertrauens zu liegen scheint, welches die Ankunft Amettlers und die von verschiedenen Punkten eingetroffenen Nachrichten bei der Junta erzeugt hatten. Fran soll in den verschiedenen Gefechten mehr als 300 Nana ver⸗ Haen Hüsen. und Milans del Bosch, sein Freund, selbst nicht unbe⸗ deuten verwundet worden sein. Prim selbst, der am 14ten auch einige Verstärkungen erhielt, wurde von einer Kugel gestreift, ohne jedoch eine Wunde zu erhalten. In einer von Amettler gehaltenen öffentlichen Rede zu Barcelona, so wie in einem Manifeste des Kom⸗ ö F Frei-Bataillons sollen Todesrufe gegen die Ge⸗ kerale Narvaez, Concha, alle Servilen, und selbst gegen die Königin Christine laut geworden sein. Die der Partei der Moderados zu Madrid ergebenen Journale, Pie der Heraldo, die Posdata, der Castellano und der Faes1n . suchen die Meinung zu verbreiten, als seien bei dem 8 zu Barcelona nur Leute ohne Herkommen, Namen und Besitz an der Spitze, deren eigentlicher Zweck nur auf Plünderung hinauslaufe. Abgesehen davon, daß die Führer des jetzigen Aufstan⸗ des fast durchgehends die nämlichen sind, welche auch im Juni gegen Espartero an der Spitze gestanden und deshalb von den genannten Blättern als unsterbliche Helden gepriesen worden waren, dürfte es nicht ohne Interesse sein, namentlich über die persönliche, soziale und öffentliche Stellung der Mitglieder der Junta einige genauere Notizen zu geben. “ Rafael Degollada, der jetzige Präsident der Junta, ist Ei⸗ genthümer und Richter erster Instanz zu Barcelona; Bosch, Groß⸗ händler in Quincaillerie⸗Waaren; Soler bekleidet die Stelle eines Regidor im Ayuntamiento und ist ein sehr reicher Kaufmann; Ma⸗ sanet ist Grundbesitzer; Castells Arzt; Reverter ebenfalls Arzt zu Vinaroz, einer kleinen Stadt an der Gränze der Provinz Castellon de la Plana gegen Catalonien her; M ontana ist Advokat und Guts⸗ besitzer von Solsona, welche Stadt schon tiefer im Gebirge von Hochcatalonien liegt; Martell, ehemaliger constitutioneller Alcalde von Gerona, während des Bürgerkriegs nicht ohne Auszeichnung als Anführer von Freicorps gegen die Karlisten dienend, Gutsbesitzer; Rius y Rosell, Ehren⸗Auditor des Königl. Gerichtshofs von Barce⸗ lona, und Eigenthümer des berühmten großen Schmelzwerkes, das nach seinem Namen benannt ist; Zulueta ist Architekt, reicher Grundbesitzer und einer der angesehensten Männer der Stadt Barcelona; Feliu und Fabregas sind beide Grundbesitzer. Diese Notizen dürften wenig⸗ stens zu der Annahme berechtigen, daß diese Männer gewiß nicht zu Werkzeugen solcher Ideen sich hergeben werden, wie der berüchtigte Abdon Terradas von Figueras aus sie predigt, die aber offenbar über den Bereich jener Stadt nicht hinausreichen. Daß in Figueras die Republikaner und jetzt sogar die Kommunisten Anhang zu finden im Stande sind, dürfte sich aus der Nähe von Loulouse und anderen Orten Südfrankreichs erklären lassen, welche in diesem Augenblicke als Hauptsitze des Radikalismus bekannt sind.
Was den Stand der Dinge zu Valencia betrifft, so vernimmt man darüber Folgendes. Man haͤtte dort noch lange versucht, die Einigkeit zwischen den Moderados und den Progressisten aufrecht zu halten. Da wurde die Absicht der ersteren “ den General Narvaecz als ersten Kandidaten zu den bevorstehenden Wahlen der Cortes⸗Mitglieder aufzustellen. Hiergegen nun erhoben sich die Pro⸗ gressisten einmüthig, und da sie mit ihren Reclamationen nicht durch⸗ zudringen vermochten, sagten sie sich von den Moderados los und schlossen sich den schon vorher zahlreich vorhandenen Mißvergnügten an. Als der neue General⸗Capitain Roncali ankam, wollten die Mo⸗ derados ihm eine festliche Abendmusik bringen, und wirklich waren die Musiker, welche dieselbe ausführen sollten, bereits vor der Woh⸗ nung Roncali's versammelt, als auf einmal eine große Masse Volks erschien und unter allerlei Geschrei sie vom Platze verjagten. Roncali ist den Progressisten verhaßt wie es scheint, weil er im Jahre 1836, als man damals die Constitution von 1812 proklamirt hatte, sich ent⸗ schieden gegen dieselbe erklärte, und um nicht unter derselben dienen zu müssen, alle seine Stellen und Grade in der Armee niedergelegt hatte. Aber auf diese Demonstrationen beschränkte man sich nicht zu Valencia. Die Mißvergnügten begannen nun, noch erhitzt durch die Nachrichten von dem neuen Aufstande zu Barcelona, Alles zum Los⸗ brechen zu gleichem Zwecke wie zu Barcelona vorzubereiten. In ge⸗ heimen Versammlungen wurden die Pläne dazu entworfen, und dann auch bei dem auf der Durchreise eben in der Stadt verweilenden General Minuissir, der von der Regierung gleich einer Anzahl anderer als Anhänger Espartero's bekannten Generale von Madrid ausgewiesen auf der Reise ins Ausland begriffen ist, Schritte gethan, um ihn zu vermögen, bei einer etwaigen Bewegung sich an die Spitze zu stellen. Minuissir soll den an ihn abgesendeten Commissairen bemerkt haben, ob sie auch die Mittel zur Ausführung eines derartigen Unternehmens besäßen, denn dazu sei Geld, Mannschaft und die Gewißheit der Unterstützung der Massen nothwendig. Nachdem man ihm darüber bestimmte Zusiche⸗ rungen gemacht hatte, soll er sich nicht abgeneigt gezeigt haben, die ihm zugedachte Rolle zu übernehmen. Bestätigen sich diese aus Pri⸗ vatquellen fließenden Nachrichten, so dürfte man bald auch aus Va⸗ lencia ernsten Ereignissen entgegen zu sehen haben.
Nachschrift. Eben noch ganz spät kommen mir die Barcelo⸗ neser Blätter vom 13ten zu, aus denen ich noch das Bemerkenswer⸗ theste nachtrage. Von einer großen Anzahl von Orten waren Bei tritts⸗Erklärungen zu der Insurrection eingelaufen; Cervera, Tarrega Lerida, Villanueva, Hostalrich und das Fort dabei mit seiner Garnison, Monbuy, Castell u. s. w. haben sich derselben angeschlossen, und die Milizen für sie zu den Waffen gegriffen. Zu Villanueva, einer klei nen, aber reichen und stark bevölkerten Stadt, hat man sogleich Be⸗ festigungen aufgeworsen, eine Artillerie⸗Abtheilung organisirt, mehrere vermögende Einwohner haben sich erboten, auf eine gewisse Zeit den Unterhalt von Freiwilligen zu bestreiten, die ins Feld rücken. Auch zu Barcelona selbst ist man mit Organisirung weiterer Streitkräfte beschäftigt; dem Adjutanten Martell's ist die Errichtung und Orga⸗ nisation zweier Batterieen Artillerie aufgetragen worden. Alle Pferde-⸗ besitzer sind aufgefordert worden, vor der Bewaffnungs⸗ und Ver⸗ theidigungs⸗Junta, die im Fort Atarazanas ihren Sitz aufgeschlagen hat, die Zahl der in ihrem Besitz befindlichen tauglichen Pferde an⸗ zugeben, und die Leute, welche für den Dienst in der Artillerie stark genug sind, sollen ebenfalls vor derselben sich stellen. Denen, Teber der Armee und besonders in der Artillerie gedient habens vnng 8 der Vorzug gegeben. Der den Artilleristen ausgeseboe o von diesen selbe, wie der der Freiwilligen in den .“
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