1843 / 143 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

werden die Zimmer des nordö lichen Flüge s,

elchen Se. Königl. Hoheit der Kronprinz Marximilian bewohnen eer zℳ. vollständig hergestellt und eingerichtet sein, und so ist die er⸗ —2 Ausssicht vorhanden, daß wir wahrscheinlich schon im nächsten unseren allverehrten Thronfolger nebst hoher 5 bei uns sehen werden. Die Frauen der hiesigen Stadt sind⸗ schon längere Beit damit beschäftigt, der durchlauchtigsten Frau bei Ihrer Ankunft ahier ihre Verehrung auf eine sinnige Weise an den Tag za. ge. und allgemein ist der Wetteifer in Vorbereitungen für einen feierli gg und herzlichen Empfang des geliebten Paares. Die Aerndte is nun vorüber und, mit Ausnahme des Futters, nicht ganz so erwünscht ausgefallen, wie man erwartete. Die Spekulanten benutzen dies und treiben die Preise der Früchte wieder in die Höhe. Auch die Preise des Mastviehes waren bis auf die jüngste Zeit noch immer im Stei⸗

des laufenden Monats

gen. I 3. 7. 8 . - 8 sedoch ein schnelles Sinken der Viehpreise zur Folge. Dies wird aber nur dann nachhaltig sein, wenn auch in unseren Nachbarstädten die

Fleisch⸗Taxen herabgesetzt werden.

Regensburg, 13. Nov. (R. Z.) Die geistlichen Ererecitien, welche dieses Jahr in der hiesigen Diözese schon zum zweitenmal öf⸗ fentlich abgehalten wurden, fanden so allgemeine steigende Theilnahme bei unserem gesammten Klerus, daß nicht blos 151 Priester im Kle⸗ rikal⸗Seminar zu Regensburg daran Antheil nahmen, sondern schon 8 Tage zuvor 77 im Studien⸗Seminar zu Amberg, und 8 Tage danach im Kloster Metten 60 Weltpriester, wovon Einige sogar aus Böhmen gekommen waren, und 26 Ordensgeistliche. Es haben so⸗ mit über 300 Priester, das ist mehr als der vierte Theil unserer ganzen Diözesan⸗Geistlichkeit, die bekanntlich nach dem Schematismus 1148 Mitglieder zählt, in Einem Jahre diese heilsame, von der Kirche so sehr empfohlene und durch die Erfahrung immer erprobte Geistes⸗Erneuerung mit eben so viel Freude als geistlichem Nutzen gehalten.

Baden. Baden, 13. Nov. (A. B. Z. u. Karlsr. Z.) Gestern sind im Großherzogl. Schlosse zu Baden eingetroffen: Se. Königl. Hoheit der Großherzog, Se. Hoheit der Erbgroßherzog Ludwig, Se. Hoheit der Prinz Friedrich, Se. Hoheit der Prinz Wilhelm, Se. Hoheit der Prinz Karl, Herr Graf Broussel, Vice⸗ Oberst⸗Kammerherr, Herr Oberst⸗Lieutenant von Hinkeldey, Herr Regierungs⸗Rath Frey, Herr Hofrath Holzmann und Herr Geh. Kämmerier Frohmüller, nebst Dienerschaft. Morgen, am Vorabende des Leopold⸗Tages, um 6 Uhr, wird die hiesige Einwohnerschaft durch die Organe der hier bestehenden bürgerlichen Kavallerie⸗ und Infanterie⸗Corps, nebst 60 in schwarzen Frack gekleideten jungen Bür⸗ gern, Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog einen Fackelzug in dem Schloßgarten unter Musik und Gesang darbringen. Es ist wirk⸗ lich auffallend, wie, den Nachrichten zufolge, die von allen Seiten eingehen, überall die Lebensmittel im Preise steigen, und dies nach einem so fruchtbaren Sommer. Wenn die Weine im Preise hoch stehen, so ist dies leicht begreiflich, da die geringen Weine fast alle aufgezehrt sind. Mit den Früchten ist dies anders, und wenn hier auch der gänzliche Mangel an Vorräthen von früher ein Steigen der Preise veranlassen mußte, so hätte dies doch längst wieder nachlassen sollen.

Karlsruhe, 14. Nov. (F. J.) Das heunte hier ausge⸗ gebene Staats⸗ und Regierungs⸗Blatt enthält die Er⸗ nennung des Freiherrn von Blittersdorff zum Bundestags⸗Gesandten für den in seine Stelle eingetretenen Herrn von Dusch als Staats⸗ Minister des Großherzoglichen Hauses und der auswärtigen Angele⸗ genheiten; eben so die Ernennung des Geheimen Raths Baumüller, bisherigen Ober⸗Voigts und Ober⸗Amtmanns zu Durlach, zum Di⸗ refktor des evangelischen Ober⸗Kirchen⸗Raths.

Heute ist auch Ihre Königl. Hoheit die Großherzogin nach Ba⸗ den abgereist, wo jetzt die ganze Großherzogliche Familie im neuen Schlosse versammelt ist und wo morgen der Namenstag Sr. König⸗ lichen Hoheit des Großherzogs im stillen Familienkreise begangen wer⸗ den wird.

Heidelberg, 14. Nov. (M. J.) Seit 10 Tagen hält da⸗ hier im Gasthause zum „Prinz Karl“ eine Kommission des 8ten deutschen Armee⸗-Corps unter Vorsitz des Königl. württembergischen Generals von Müller ihre Sitzungen. Die Kommission besteht von

Die Herabsetzung der Fleisch⸗Taxren in diesem Monate hatte Felde vermessen, oder endlich aufgelassen worden ist.

Seiten Württembergs: aus dem eben genannten General, dem Oberst⸗ Lieutenant von Weißenstein und Oberst⸗Lieutenant und Adjutant Kale; von Seiten Darmstadts: aus den Herren Wachter, Oberst, Glock, Oberst⸗Lieutenant und Hauptmann Schaffnit; von Seiten Badens hat bis jetzt nur Major von Roggenbach Theil genommen, indem die beiden übrigen Mitglieder durch Krankheit verhindert waren. Wie man hört, hat die Kommission den Zweck, die erforderliche Einheit und Uebereinstimmung in das 8te deutsche Armee⸗Corps zu bringen, na⸗ mentlich in Armatur, Montur und im Exercitium. Nach der Thätig⸗ keit, dem Fleiße und der Ausdauer, womit diese Kommission arbeitet, zu schließen, läßt sich nur etwas Gediegenes und Gutes von ihr er⸗ warten. 8

Sachsen⸗Weimar⸗Eisenach. Weimar, 14. Nov. (L. Z.) Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben den Geheimen Rath und Kanzler der Landes⸗Regierung zu Weimar, Dr. von Müller (bekannt durch seine bedeutenden Missionen nach Paris, Warschau ꝛc. während der Jahre 1806 1813), so wie den Ober⸗Hof⸗Marschall und Hof⸗ Theater⸗Intendanten Freiherrn von Spiegel, zu Wirklichen Geheimen Räthen mit dem Ehren⸗Prädikate Excellenz ernannt.

Freie Städte. Lübeck, 15. Nov. Die Lübeckschen An⸗ S enthalten eine vom 9ten d. M. datirte Bekanntmachung der s Cene Stadtgerichts, in welcher, mit Bezug auf eine Verordnung Stadt und - 1824, allen Bürgern und Einwohnern der Verkehr mit Sebietes das Einsetzen in das Zahlen⸗Lotto und der

Zahlen⸗Lotto⸗Loosen bei Geld⸗ und resp. Gefängnißstrafe

auf das strengste untersagt wird.

oxrre; 8 4 1 Preßbure kerreichische sämmtlich an ir Nnri an. . 11“ Se ztenten um Instructi⸗ t d8, 1 gingcheich des Köuigsichen Restiiyts voen 19. Lreancr noee putirten einischer Vorträge von Seiten der kroa tisch en De⸗ z omen haben. Man glaubt allgemein daß dies In d 8 „, do ese In⸗

structionen auf Festhaltung des frü c p, 8 G rüheren stä 5 8

auf die Votirung einer neuen Repräfenratsendischen in

werden. In diesem Fall scheint ei 8 e. Majestät lauten

88. gu. eine Auflös⸗ Landtags fast unvermeidlich, und scon wsang sicer Aufhebung des der der Ständetafel auf die Crörterung der e 8 Mitglie⸗ vor eine Frage, die gewöhnlich am Schluß des . tagskosten Debatte kommt. es Landtags zur

O Wien, 10. Nov. In der Absicht, dem Stei baue einen größeren Aufschwung zu gd, ist danc Nee bar. nung befohlen worden, im ganzen Umfange der Monarchie den Stein⸗ kohlenbau von Staatswegen in größerem Umfange als bisher zu betreiben, ohne jedoch die auf diesen Zweig gerichtete Privat Industrie

1“ e.“ 8

.“““ v“ irgendwie zu beeinträchtigen. Es ist zur Erreichung dieser Absicht gleichzeitig festgesetzt worden: daß zum Behufe eines Steinkohlen⸗ baues für Rechnung und Nutzen des Aerars, den dazu berufenen Abminsstrationg⸗Behörden das Recht eingeräumt sei, einen ausschlie⸗ ßenden Schurfraum nach Maß des gestellten Begehrens bis zur Aus⸗ dehnung eines Kreises, dessen Radius vom Ausschlagspunkte Eintau⸗ send Klafter betragen kann, auf 5 Jahre, vom Tage der Ausfertigung der Schurf⸗Lizenz, im gesetzlichen Wege in Anspruch zu nehmen. Die Gewährung des ausschließenden Schurfraumes für einen Aerarial⸗ Steinkohlenbau hebt die, bis zum Tage der dazu erwirkten Lizenz in demselben Raume bereits erworbenen Privat⸗Bergrechte nicht auf. Der erste Aufschlagspunkt, von welchem aus das Aerar ein ausschlie⸗ ßendes Schurfrecht erhielt, hat so lange bezeichnet zu bleiben, bis entweder die fünfjährige Frist verstrichen, oder der Schurfraum zum Für den Aera⸗ rial⸗Kohlenbau ist übrigens bewilligt worden, daß auf einen Fund 10, nach Umständen aber auch bis 20 Gruben⸗Feldmaße mit dem Zuge⸗ ständnisse verliehen werden dürfen, alle diese Maße mit einem einzigen Einbau bauhaft zu erhalten.

1öö“ 14. Nov. Der heutige Moniteur bringt drei Kö⸗

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nigliche Verordnungen vom 6ten d. M., wodurch der bisherige außer⸗

ordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister bei Sr. Majestät dem Könige von Preußen, Graf Bresson, zum Botschafter bei Ihrer Majestät der Königin von Spanien, der bisherige Botschafter am spanischen Hofe, Graf Salvandy, in derselben Eigenschaft bei Sr. Majestät dem Könige von Sardinien und der bisherige Botschafter am sardinischen Hofe, Marquis von Dalmatien, zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister bei Sr. Majestät dem Kö⸗ nige von Preußen ernannt werden. Man sagt, das Ministerium habe das Ergebniß der Abstimmung in den Cortes über die Voll⸗ jährigkeits⸗Frage abwarten wollen, ehe es offiziell die Ernennung des Grafen Bresson zum Botschafter in Spanien angezeigt. Graf Bresson wurde gestern in seiner neuen Eigenschaft vom Könige empfangen und blieb heute den ganzen Morgen im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten in Konferenz mit Herrn Guizot, der ihm seine Instructionen übergab. Wie verlautet, wird Graf Bresson schon morgen oder übermorgen nach Madrid abreisen. Auch die ver⸗ wittwete Königin Marie Christine hat alle Vorbereitungen zur Ab⸗ reise nach der spanischen Hauptstadt getroffen und wartet, dem Ver⸗ nehmen nach, um Paris zu verlassen, nur auf die Ankunft von De⸗ peschen des General Narvaez, worin sie die Nachricht zu finden hofft, daß ihrer Anwesenheit in Spanien sich nichts entgegenstelle. Der spanische Geschäftsträger, Herr Hernandez, begab sich heute früh nach dem Hotel der Königin Christine und hatte eine lange Unterredung mit Ihrer Majestät.

Der Erzbischof von Bordeaux präsidirte am 11ten bei der Inau⸗ guration der Fakultät der Wissenschaft und Literatur in dieser Stadt. Der gesammte Klerus begleitete ihn. 8 b

Dem Courrier français zufolge, würde der Prinz von Join⸗ ville im Januar eine große Reise unternehmen und zwar mit einem Geschwader von Toulon aus in See gehen.

Es soll dem Baron Taylor, der sich in diesem Augenblick mit einer artistischen Mission des französischen Hofes in Italien befindet, gelungen sein, mehrere Gemälde von großen Meistern und einige der bedeutendsten Goldschmiede⸗Arbeiten der florentinischen Schule, unter anderen von Benvenuto Cellini, zu erwerben.

Herr Wheaton, der Gesandte der Vereinigten Staaten am preu⸗ ßischen Hofe, ist von Berlin hier angekommen.

Grossbritanien und Irland.

London, 14. Okt. Der Empfang des Herzogs und der Her⸗ zogin von Nemours bei ihrer Landung in Woolwich am Sonnabend (11ten) und bei ihrer Ankunft in Windsor war äußerst zuvorkommend und herzlich zugleich. In Woolwich begrüßte zuerst die Ankunft des Dampfschiffes „Archimede“, welches die hohen Herrschaften herüber⸗ gebracht hatte, von den Batterieen ein Königlicher Salut, und Lord Byron, Kammerherr der Königin, so wie Oberst Wylde, Stallmeister des Prinzen Albrecht, denen sich der französische Botschafter, Graf St. Aulaire, der französische Geschäftsträger, Graf von Chabot, und Herr Durant St. André, der französische General⸗Konsul, angeschlossen hatten, begaben sich an Bord des „Archimede“, um den hohen Besuch im Namen der Königin zu bewillkommnen. Die hohen Herrschaften wur⸗ den darauf unmittelbar nach der Landung von Lord Byron und dem Obersten Wylde nach Windsor geleitet, wo die Königin sie auf der Schloßtreppe schon empfing und die Herzogin von Nemours durch eine herzliche Umarmung begrüßte. An demselben Tage Abends, so wie vorgestern und gestern, fanden zu Ehren der Angekomme nen große Banketts statt, woran indeß nur der Hof und die Personen im unmittelbaren Gefolge des Herzogs und der Herzogin von Nemours Theil nahmen. Heute ist der Herzog nach London abgegangen, wo er im Buckingham⸗Palast das diploma⸗ tische Corps empfangen wird. Ein großes Bankett veranstaltet heute der Graf St. Aulaire, wozu sämmtliche Kabinets⸗Minister und die in London anwesenden fremden Gesandten geladen sind. Der Herzog kehrt morgen nach Windsor zurück und, wie es heißt, soll sein Besuch bei der Königin bis zum 25sten oder 27sten ausgedehnt werden.

Die Verhandlungen des Gerichtshofes der Queens-Bench in Dublin nehmen jetzt vor allen anderen Dingen die Aufmerksamkeit der Presse und des Publikums in Anspruch. Und doch sind die Nachrichten aus Irland nur dürftig und uninteressant. Man zerrt an dem Buch⸗ staben des Gesetzes hin und her und verbringt die Zeit der Sitzungen des Gerichts mit Zänkereien und schikanösen Redensarten. Das barsche Wesen des General⸗Prokurators, Herrn Smith, trägt nicht wenig dazu bei, die angeklagte Partei noch mehr aufzureizen und sein schwankendes Beneh⸗ men giebt den Oppositionsblättern vielfache Gelegenheit zur Aufdeckung von Blößen, welche das Ansehen der Regierung beeinträchtigen. So erheben die Angeklagten Reclamationen, daß ihnen gestattet werden möge, die Abschriften der Anklage-Akte mit dem Original zu ver⸗ gleichen, welches ihnen endlich nach vielen Widersprüchen des Gene⸗ ral⸗Prokurators gewährt werden mußte. Sie trugen ferner darauf an, die Namen der Zeugen der Anklage⸗Akte einzuverleiben, was aber entschieden als unstatthaft zurückgewiesen wurde. Unter solchem Hin⸗ und Herreden erklärte der General⸗Prokurator, daß die Regierung neue Anklagen gegen vier der Angeklagten einzubringen beabsichtige, weil sie in Folge „neuer Entdeckungen“ O'Connell und drei Andere des Hochverraths mit Grund beschuldigen könne. Bis jetzt aber ist von Seiten der Regierung nichts geschehen, und das Vorhaben, wenn sie es wirklich hatte, scheint aufgegeben zu sein. Alles dies erzeugt eine für die Regierung sehr ungünstige Stimmung unter allen Par⸗ teien, und nicht allein die liberalen, sondern auch die Tory⸗Blätter zeigen sich über die Art und Weise, wie die Regierung in der Per⸗ son des General⸗ Prokurators vertreten wird, unzufrieden. Abgesehen von der Orangisten⸗Partei in Irland, die, vertreten durch die Dublin Evening Mail, über jene Ankündigung des Herrn Smith jubelte,

jetzt aber in bittere Vorwürfe gegen denselben ausbricht, sprechen sich auch in England Morning Post und Times über das unsichere ved schwankende Prozeß⸗Verfahren tadelnd aus. Nur der Stan⸗ 1 der sich fest an die Regierung angeklammert, um nicht

bei der gegenwärtigen Zersplitterung und Zersetzung der Tory⸗Partei

zu fallen, sucht das Verfahren zu rechtfertigen, muß dabei aber zu gezwungenen wenig überzeugenden Argumenten seine Zuflucht nehmen. Nach den letzten Nachrichten aus Irland von vorgestern hatten die Angeklagten abermals versucht, einen Aufschub des Plaidoyer⸗Termins, welcher auf den 13ten festgesetzt ist, zu erlangen, und zwar dadurch, daß sie die Unvollständigkeit der Anklage⸗Akte zu erweisen sich be⸗ mühten, um mit der Rektifizirung derselben entweder die Anberau⸗ mung eines neuen Termins oder gar eine neue Einleitung des ganzen Prozesses zu bewirken. Es steht indeß zu erwarten, daß das Gericht diese vorgebliche Unvollständigkeit der Anklage⸗Akte nicht für begrün⸗ det erkennen und die eigentlichen Prozeß⸗Verhandlungen nach dem Verlauf von vier Tagen, d. i. am 14ten, ihren Anfang nehmen werden.

London, 14. Nov. Die Times hat so eben die öffent⸗ liche Aufmerksamkeit auf die Formen des Gerichtshofes gelenkt, wel⸗ chem die Entscheidungen über Schmuggeln und sonstige Betrügereien gegen den öffentlichen Schatz obliegen. Dieser heißt Court of Exche⸗ quer und stammt eigentlich aus den Zeiten des Absolutismus, wo er nichts anderes war, als ein Hofgericht, welches Niemand verantwort⸗ lich war, als dem Monarchen, und scheint in Bezug auf Fiskal⸗Pro⸗ zesse die Härte seiner alten Formen großentheils beibehalten zu ha⸗ ben. Während das Gesetz nun einen, der einer Verschwörung gegen den Staat, der Anreizung zum Aufruhr, ja des schwärzesten Hochver raths angeklagt ist, durch Formen schützt, welche der Krone jeden Schritt höchst beschwerlich machen, und der kleinste Verstoß gegen diese Formen den Verbrecher durchzuhelfen vermag, ist einer, welchem ein Geldbetrug gegen die Krone zur Last gelegt ist, gleich von vorn herein und im ganzen Verlauf der Prozeduren so mit Formen um⸗ garnt, daß Angeklagte, einmal schuldig erkannt, in der Regel mit Hab und Gut zu Grunde gerichtet werden. So war bis vor wenigen Jahren das Stehlen eines Menschen (eines Kindes z. B.) kein straf würdiges Vergehen, und man konnte den Räuber nur wegen des Stehlens der Kleider belangen; und noch jetzt kann ein Vater für die Verführung einer Tochter nur unter dem Vorwande Entschädigung suchen, daß er dadurch ihrer Dienste beraubt worden.

Unser Publikum blickt von Tag zu Tage mit zunehmender Be⸗ sorgniß auf den O'Connellschen Prozeß und fürchtet dessen Schluß, gleichviel wie der Würfel falle. Die Regierung fühlt wohl die Ge⸗ fahr eben so stark, da ihre Vertheidigungs⸗Anstalten eher zu⸗ als ab⸗ nehmen. Eine zweite Anklage, welche sie gegen O'Connell und einige seiner Konsorten vorzubringen drohte, hat sie verschoben oder vielleicht gänzlich aufgegeben. Sie soll sehr ernsthafter Art gewesen sein; es fehlte ihr aber wahrscheinlich an solchen Beweisen, welche deren Schuld hätte klar machen können. Sie hat aber unstreitig Beweise von einer ausgebreiteten Verschwörung unter der Bauerschaft, wie sie denn auch in denjenigen Gegenden, wo sonst die Band⸗Verschwö⸗ rung am meisten verbreitet zu sein pflegte, ihre größten Streitkräfte hat, und diese so aufgestellt scheinen, daß sie am sichersten die Massen von einander trennen und zugleich die Städte vor plötzlichen Ueber⸗ fällen beschützen können. Sie weiß zugleich wohl auch, daß O'Con⸗ nell selbst durchaus keine Aufstände will und gewiß seinen Einfluß dagegen benutzen würde, wenn es dazu kommen sollte. Schickte sie ihm ja den Augenblick, wo das Kabinet zum Entschlusse gekommen war, die Versammlung bei Dublin nicht stattfinden zu lassen, eine Ab schrift ihres Verbots zu, ehe dasselbe noch gedruckt und angeschlagen werden konnte. Und O'Connell's Eilboten waren schon in vielen Rich tungen auf dem Wege, um dem aus ferneren Gegenden kommenden Volke die Umkehr zu gebieten, ehe die Proclamation der Regierung im Publikum erschien.

Gestern hörte ich in der geographischen Gesellschaft, daß Aden bereits 22,000 Einwohner zählt, wovon Viele einen vortrefflichen Gartenbau treiben, besonders die Parsen, von denen viele von Bom⸗ bay übergesiedelt sein sollen. Als der Ort vor 6—7 Jahren in den Besitz der Engländer kam, bestand er aus wenigen Hütten mit kaum 600 Einwohnern. Da man auch einen bedeutenden Fluß in der Nähe entdeckt hat, welcher eine gute Strecke ins Innere schiffbar ist, und an demselben sich eine zahlreiche, starken Ackerbau treibende Bevölke

rung findet, so läßt sich wohl erwarten, daß in wenig Jahren mehr

der britische Einfluß sich von hier weit über Arabien und Ost⸗Afrika hin verbreiten und ein großer Handel mit den dortigen Völkern ent⸗ spinnen werde. Brüssel, 15. Nov. Gestern Mittag versammelten sich die Mitglieder beider Kammern im Saale der Repräsentanten⸗Kammer Der Senator Graf von Quarré führte als Alters-Präsident den Vorsitz. Die Herren Delhoungne und Vandensteen versahen die Se⸗ cretair-Functionen. Die Minister der Justiz, der auswärtigen Ange legenheiten, des Innern, des Krieges, der Finanzen und der öffent lichen Arbeiten befanden sich auf ihren Plätzen. Der Präsident wählte zunächst durchs Loos die Mitglieder für die Kommissionen zun Empfang Ihrer Majestäten. Auf der Tribüne des diplomatischen Corps bemerkte man den apostolischen Nuntius, Msgr. Pecci, den französischen Botschafter, Marquis von Rumigny, den preußischen Gesandten, Freiherrn von Arnim, den niederländischen Gesandten, Herrn Rochussen, die Geschäftsträger Dänemarks und Portugals, Legations⸗Secretaire und Attaché's der Gesandtschaften Frankreichs, Englands, Spaniens und Preußens, und den belgischen Gesandten am wiener Hofe, Herr O'Sullivan de Graß. Die vorderste Reihe der Tribüne war von Damen eingenommen, unter denen man die Herzogin von Bassano und die Gemahlin des Ministers Nothomb bemerkte. Um 1 Uhr wurde die Königin von der mit ihrem Empfang beauftragten Depu tation auf ihre Tribüne geleitet. Der Herzog von Braban und der Graf von Flandern kamen mit Ihrer Majestät. Bei ihren Erscheinen wurde die Königin von den Mitgliedern der Kammer! und von dem Publikum, welches die Tribünen dicht anfüllte, mi lange anhaltendem Applaus empfangen. Nach 1 Uhr. meldete der Chef der Huissiers die Ankunft des Königs. Se. Majestät er⸗ schien in der Generals⸗Uniform der Bürger Garde, von einem zahl reichen Generalstabe umgeben, voraus die mit dem Empfang des Königs beauftragte Deputation. Einstimmiger Beifall und der Ruf: „Es lebe der König!“ erscholl zu wiederholten Malen in der Kam⸗ mer und auf den Tribünen. Nachdem der König diesen Empfang mit einer huldvollen Verneigung erwiedert hatte, nahm Se. Maje⸗ stät auf dem Throne Päatz, bedeckte sich und hielt folgende Eröff nungsrede an die Kammern: „Meine Herren!

Ich erhalte von den fremden Kabinetten fortwährend Zeichen des Ver⸗ trauens und der Freundschaft.

Die Königin von Großbritanien hat kürzlich Belgien durch den Besuch einiger unserer Provinzen einen Beweis lebhafter Sympathie gegeben.

Unsere Bevölkerungen, sich glücklich fühlend, daß sie ihre alte Gast⸗-

freundschaft ausüben konnten, haben eine so herzliche Beeiferung an den

Tag gelegt, daß Meine erhabene Nichte im Stande war, den guten Geist zu würdigen, der dieselben beseelt.

Die Gebiets⸗, Finanz⸗ und Strom⸗Fragen, deren Lösung durch den

Traktat vom 5. November 1842 vorbereitet war, sind durch Conventionen, welche die Frucht des Eifers und der Einsicht der von den beiden Regie⸗ rungen niedergesetzten Kommissionen waren, bis in ihre geringsten Einzel

heiten geregelt worden. .“

Unsere politischen u nachbarlichen Verhältnisse zu dem König⸗ reich der Niederlande und dem Großherzogthum Luremburg sind dergestalt auf dauerhaften und regelmäßigen Grundlagen geordnet.

In Folge dieser Anordnungen ist Belgien in den Besitz von Valuten ekommen, welche die Vermehrung des Staats⸗Eigenthums, die Verminde⸗ ung der schwebenden Schuld und die Abtragung der Lasten, womit ver⸗ chiedene Schifffahrts⸗Wege noch beschwert waren, gestatteten.

*Um die letzten Spuren eines uns schon fernen Zustandes der Feindse⸗ ligkeit zu tilgen und noch überschwemmte Landstriche dem Ackerbau zurück⸗ ugeben, wird eine neue Berufung an Ihr Billigkeits⸗Gefühl und Wohl⸗ wollen ergehen..

Ein großes Werk ist nun vollendet: die in den Jahren 1834 und 1837 dekretirten Eisenbahnen sind in ihrer ganzen Ausdehnung dem Verkehr ibergeben. 1 n 8 Als Belgien eine so bedeutende Unternehmung verfolgte, hatte es den

Linfluß wohl erkannt, den dies Werk auf unsere Handelsverhältnisse und auf unseren inneren Wohlstand ausüben müsse. Wir sind schon in Besitz einiger dieser Früchte gelangt; die anderen verspricht uns die Zukunft. Meine Regierung wird fortan ihre Aufmerksamkeit auf die Grundlagen

es einzuführenden Benutzungs⸗Systems konzentriren, und zwar von dem oppelten Gesichtspunfte des industriellen Nutzens und der Finanz⸗Be⸗ dürfnisse.

Sie haben noch über die Beschlüsse der seit drei Jahren bestehenden Untersuchung zu entscheiden. Es ist dies einer der wichtigsten Gegenstände,

it dem Sie sich in dieser Session zu beschäftigen haben; er erhält einen

euen Charakter der Dringlichkeit durch die Entscheidungen, welche Sie hin⸗ sichtlich internationaler Akte, die Ihrer Gutheißung vorgelegt wurden, ge⸗ troffen haben.

Es knüpft sich daran auch eine sehr interessante Frage, auf welche Ich im vorigen Jahre schon Ihre Aufmerksamkeit hingelenkt habe. In einem

ewerb⸗ und handeltreibenden Lande, wie das unsrige, und wo es eine zahl⸗ reiche gebildete Jugend giebt, ist es nothwendig, den Unternehmungsgeist durch Begründung eines regelmäßigen Verkehrs mit entfernten Ländern zu ermuntern. Eine zu diesem Zweck errichtete Gesellschaft, nach dem Muster der vor einem Jahrhundert begründeten, würde dem Lande die größten

Dienste leisten.

Belgien, so berühmt durch seine Ackerbau⸗Fortschritte, schließt indeß och unbebautes Gebiet in sich; Meine Regierung wird Vollmachten von Zhnen verlangen, um ein Ergebniß herbeizuführen, welches unseren Bevöl

kerungen neue Hülfsquellen verschaffen würde.

Das Kanal-Spstem strebt danach, sich zu vervollständigen. waltung befleißigt sich mit anhaltendem Eifer der Studien und Arbeiten, welche die Sorge für unsere schiffbaren Straßen erheischt.

Die Ausführung des Gesetzes über den Elementar⸗Unterricht schreitet vorwärts. Ich wünschte, daß Sie ungeachtet der vervielfältigten Arbeiten der Session sich mit Vervollständigung der Organisation des Unterrichts möchten beschäftigen können.

Sie werden Gesetz⸗Entwürfe in Bezug auf die Pensionen der Civil⸗ Beamten und der Geistlichen und in Bezug auf die allgemeine Rechnungs⸗ legung über die Einkünfte und Ausgaben zu prüfen haben.

1 Es ist Ihnen ein Gesetz vorgelegt, um den Mitgliedern der Justiz eine

mit der Wichtigkeit ihrer Functionen vollständiger entsprechende Stellung zu

sichern. Ich wünsche, daß dasselbe im Lauf dieser Session erörtert werde,

eben so wie das Gesetz, welches der Geschäftskreis der Friedensrichter ord⸗ en soll.

Die Armee hat nicht aufgehört, durch ihren Ordnungssinn, ihre Manns⸗ zucht und ihre Fortschritte im Unterricht sich um das Land wohl verdient und Meiner beständigen Sorgsamkeit würdig zu machen.

Es sind Maßregeln getroffen worden, und andere sollen noch folgen, um in ihren Reihen einen nützlichen und unablässigen Wetteifer zu unter⸗ halten und zu entwickeln.

Es wird Ihnen ein Gesetz⸗Entwurf zur Vervollständigung ihrer Or⸗ ganisation vorgelegt werden, die dann auf dauerhaften Grundlagen einge⸗ richtet sein wird.

Ohne die Hoffnung auf eine ausgedehntere Reform der Militair⸗Gesetz⸗ bücher aufzugeben, schien es dringend, einige Abänderungen in dem Straf⸗ Systeme einzuführen; es werden Ihnen Maßregeln zur Verminderung der Zahl der militairischen Einsperrungen und Verluste vorgelegt werden.

Es macht Mich glücklich, Ihnen anzeigen zu können, daß es möglich sein wird, mit aller Schonung der Interessen der Steuerpflichtigen, ein voll⸗ ommenes Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen des öffentlichen Dienstes und den Einnahmen des Schatzes herzustellen. Dieses so wünschenswerthe Ziel werden wir durch Verminderung der Ausgaben und durch einige Ihnen unverzüglich vorzulegende Finanz⸗Maßregeln erreichen.

So ist es uns denn gestattet, Meine Herren, mit Zuversicht in die Zu⸗ kunft zu blicken. b

Die Ver⸗

Der Geist der Einigkeit und Eintracht, die Liebe zu den National Institutionen werden Sie ohne jedes andere Vorurtheil bei Erfül⸗ lung der Aufgabe beseelen, welche Sie mit Mir zum Heil des Vaterlandes, zu seiner sittlichen und materiellen Vervollkommnung zu erfüllen haben. Dann werden Sie um Ihre Mitbürger sich wohl verdient machen und sich neue Ansprüche auf die Dankbarkeit des Landes erwerben.“

Nach dieser Rede entfernte sich der König, begleitet von der Deputation, die ihn hereingeleitet hatte, und unter lauten Acclamatio ien der ganzen Versammlung. Der Königin und ihren beiden Söh⸗ nen wurden dieselben Zeichen der Sympathie zu Theil. Beide Kam⸗ mern versammelten sich dann in ihren resp. Sälen und begannen ihre Arbeiten. In der Repräsentanten⸗Kammer wurde zunächst die Kom⸗ mission zur Prüfung der Vollmachten durchs Loos zusammengestellt.

1 ½ Brüssel, 14. Nov. Die Kammern sind heute feierlich vom Könige eröffnet worden. Die Thron⸗Rede, die in den letzteren Jah⸗ ren eine ungewöhnliche Ausdehnung erhalten hatte, konnte sich dies⸗ mal kürzer fassen, da die wichtigsten Gesetz⸗Entwürfe, welche früher von Jahr zu Jahr als stehender Artikel in der Thron⸗Rede verzeichnet blieben, durch eine thätige Administration zur Diskussion gebracht und zu Gesetzen erhoben worden sind. Die auswärtigen Verhältnisse mit Holland sind in allen Hauptpunkten, in Bezug auf die Schuld, die Schifffahrt und die Gränzbestimmungen geregelt, das Elementar⸗ Unterrichts⸗Gesetz votirt und im Wege der Ausführung. Die letzten Nachwehen der Revolution sind durch das Indemnitäts⸗Gesetz geho ben. An eine Aenderung in den organischen Institutionen, wie frü⸗ her in dem Gemeindewahl⸗Gesetze, wird nicht gedacht. Bei dem Be⸗ dürfnisse der politischen Ruhe in den Institutionen und in der Ad ministration beschäftigt ein Hauptgedanke die Gemüther aller derjenigen, die unter den auf der Oberfläche sich tummelnden Parteien das wahre Interesse des Landes verfolgen, die Besserung der materiellen Lage, die Sorge für Arbeit in den Werkstätten der Industrie, in den Büreaus des Handels, auf den Gefilden eines noch großen brachlie⸗ genden Landestheiles. Diese ganze Richtung hat auch ihren getreuen Wiederschein in der Thron⸗Rede gefunden, die den Kammern einen Arbeitsplan vorzeichnet, welcher die drei Zweige der materiellen Wohl⸗ fahrt befaßt. Was den Handel und die Industrie betrifft, so schweigt die Thron⸗Rede diesmal gänzlich von den Verhandlungen, die mit anderen Ländern, namentlich mit dem Zoll⸗Verein, angeknüpft sind. Man würde sich aber irren, wenn man daraus das Aufgeben, den Stillstand oder die bevorstehende ungünstige Beendigung derselben daraus ableiten wollte. Die Verhandlungen werden mit Eifer fort⸗ geführt; allein da sich noch kein gewisses Resultat in Aussicht gestellt, so hat die Thron⸗Rede besser ein Stillschweigen darüber behauptet, statt blos vage Hoffnungen auszusprechen, denen man sich früher zu et nters. Statt dessen kündigt der König aber diesmal die Vorlegung eines Projekts zur Bildung einer großen Handels⸗Gesell⸗ saßt a8 wie sie in früheren Zeiten eine Quelle der Wohlfahrt des Landes war, das Projekt, worauf schon in der Thron⸗Rede des ver⸗ Jahres angespielt wurde, scheint demnach zur Reife gedie⸗ 8* eee in großer Spannung den Plan der Ennwickelang 888 solchen Geer 1“ Berh 8 Red 1G g Gesellschaft zu fördern gedenkt. Die Thron⸗ ede weist dann ferner auf die Fruchtbarmachung der Kampine und

anderer Landestheile hin, wovon schon durch die votirten Canalisatio⸗ nen der Anfang gemacht ist. Der König spricht endlich den Wunsch aus, daß das Unterrichts⸗Gesetz in Bezug auf den mittleren Unter⸗ richt vervollständigt und andere auf die Besserung der Stellung der Magistrate, Richter u. s. w. abzweckende Gesetze diskutirt werden mögen. Das vorgezeichnete Programm ist kurz und bündig, und kann von den Kammern, wenn sie sonst Zeit und Kräfte zu Rathe halten, und nicht, wie häufig, in unnützen Diskussionen versplittern, in dieser Session leicht ausgeführt werden.

Die erste Operation, welche die Deputirten⸗Kammer nach der Verification der Vollmachten vorzunehmen hat, ist die Wahl des Prä⸗ sidenten und der Vice⸗Präsidenten. Es nimmt diese Wahl diesmal ein um so größeres Interesse in Anspruch, als einestheils der vor⸗ jährige Präsident und einer der Vice⸗Präsidenten, die der katholischen Meinung angehörten, bei den allgemeinen Wahlen anf dem Kampf⸗ platze geblieben sind und als andererseits sich wahrscheinlich bei die⸗ ser Gelegenheit die durch die Wahlen etwas veränderte Stellung der Parteien genauer kundgeben wird. Vielfache Combinationen sind versucht, die Partei⸗Interessen mannigfach aufgeregt worden. Die Regierung scheint aber mit Recht die Wahl auf Deputirten lenken zu wollen, die sich von den Extremen fern gehalten haben.

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Aarau, 11. Nov. (N. Z. Z.) Der Dekrets⸗Entwurf des aargauischen Kleinen Raths über die Wiedereinsetzung der Frauen⸗ Klöster Fahr, Maria⸗Krönung in Baden, Gnadenthal und Hermet⸗ schwyl lautet:

„Wir Präsident und Großer Rath des Kantons Aargau thun kund hiermit: Daß Wir, nach Einsicht der, die Wiederherstellung der vier hierseitigen Frauen⸗Klöster betreffenden Schlußnahmen, sowohl der Unsrigen vom 19. Juli 1841 und 29. August 1843, als auch derjenigen der hohen eidgenössischen Tagsatzung vom 31. August 1843, beschlossen haben: §. 1. Es werden hiermit: a) die hierseitige Schlußnahme vom 13. Ja⸗ nuar, so wie unser Dekret vom 20. Januar, beides 1841, über die Aufhe⸗ bung der Klöster im Kanton und die Liquidation der diesfälligen Vermö⸗ gens⸗Verhältnisse, so weit sie die vier Frauen⸗Klöster Fahr, Maria⸗Krönung in Baden, Gnadenthal und Hermetschwyl betreffen; und b) Un⸗ ser Dekret vom 19. Juli 1841, insoweit es das Frauen⸗Kloster Hermetschwol mitbeschlägt, zurückgenommen und aufgehoben. §. 2. Den Konventualinnen und Laienschwestern der genannten vier Frauen⸗ klöster wird demnach a) für Fahr, Hermetschwyol und Gnadenthal auf den ersten Christmonat nachkünftig, b) für Maria⸗Krönung auf den, den Ordens⸗ schwestern noch anzuzeigenden Tag, sobald die baulichen Einrichtungen zu ihrer Wiederaufnahme vollendet sein werden, der Wiedereintritt in ihre Klöster geöffnet. Der kleine Rath wird daäfür sorgen, daß der Tag der Wiedereröffnung den Ordensgliedern vorher schriftlich angezeigt werde. §. 3. Vom Tage der Wiedereröffnung an (§. 2.) treten die genannten vier Klöster wieder in diejenigen Verhältnisse gegenüber dem Staate zurück, in welchem sie sich unmittelbar vor dem 13. Januar 1841 befunden haben, und es erlischt von gleichem Tage an für die Glieder jener Klöster je⸗ der Anspruch auf den Fortbezug der nach dem Dekret vom 20. Januar 1841 genossenen, und im Dekret vom 19. Juni gleichen Jahres eventuell wieder zugesicherten Jahrgehalte. Jedes der vier Klöster hat an die Gesammt⸗ Summe der ausgerichteten Jahrgehalte nach Verhältniß seines Vermögens zu dem gesammten Klostergute beizutragen. §. 4. Jeder der vier Kloster⸗ Konventce) wählt seinen Beichtiger, den er auf eigene Kosten zu unterhalten und zu besolden hat, aus der Zahl von Geistlichen, die mit den gesetzlichen Wahlfähigkeits⸗Akten versehen sind. Die Wahl ist jedoch der Bestätigung des Kleinen Rathes unterworsen. §. 5. Gegenwärtiges Dekret, durch wel⸗ ches alle früheren Bestimmungen, so weit sie damit in Widerspruch stehen, aufgehoben sind, soll durch den Kleinen Rath sofort bekannt gemacht und vollzogen werden.“

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* Neapel, 5. Nov. Die kleine Insel Lampedusa zwischen Sicilien und Malta hat in der letzten Zeit die Aufmerksamkeit der neapolitanischen Regierung auf sich gezogen, die seit langer Zeit ihre Souverainetäts⸗Rechte über dieselbe auf ostensible Weise nicht aus⸗ übte, wodurch von Zeit zu Zeit Zweifel über das Vorhandensein dieser Rechte entstanden. Die Regierung hat jetzt diese Insel von dem Eigenthümer derselben, dem Fürsten von Lampedusa, für die Summe von 40,000 Dukaten angekauft und beabsichtigt, dort ein Depot für Verurtheilte oder eine Straf⸗Kolonie zu gründen, die für Sicilien dasselbe sein soll, was mehrere kleine Inseln an der Küste von Neapel für das Königreich diesseits der Meerenge sind, nämlich ein Botany Bay im kleinen Maßstabe, aber von großem Nutzen als Ableitung der schlechten Elemente, woran die Bevölkerung der Haupt⸗ stadt Ueberfluß hat. (S. Allg. Preuß. Ztg. Nr. 136 Beilage.)

EE111“ Paris, 14. Nov. Telegraphische Depesche aus Spanien

Bayonne, 13. Nov. Die Königin Jsabella II. hat am 10. November vor den beiden, im Sitzungs Lokal des Senats ver⸗ einigten Kammern den Eid geleistet. Ihre Majestät ist allenthalben mit dem lebhaftesten Enthustasmus empfangen worden.

Madrid, 8. Nov. Diesen Nachmittag halb vier Uhr verkündete Kanonendonner und Glockengeläute den Einwohnern der Hauptstadt, daß die Cortes die Königin des Landes für volljährig erklärt hatten.

In Folge einer von der Regierung an die Cortes gerichteten Aufforderung vereinigten sich um zwei Uhr Nachmittags beide Kam mern im Saal des Kongresses in gemeinschaftlicher Sitzung, um über die Volljährigkeits⸗Erklärung abzustimmen. Der Präsident des Senates, Herr Onis, übernahm den Vorsitz. Es wies sich aus, daß 76 Senatoren und 133 Deputirte, im Ganzen also 209 Mit⸗ glieder zugegen waren. Die vorgelegte Frage lautete: „Erklären die Cortes Ihre Majestät die Königin Isabella II. für volljährig?“ Sie wurde in mündlicher Abstimmung durch 193 Stimmen bejaht, durch 16 verneint, und folglich für bejaht erklärt. Der Präsident rief aus: „Die Cortes erklären Ihre Majestät die Königin Isabella II. für volljährig.“ Ein donnernder Beifall, und der kaum endende Ruf „Es lebe die Königin!“ folgte dieser Erklärung. Die Hüte wurden geschwenkt, die Tücher der Damen flatterten auf allen Seiten, und unter Thränen umarmten sich die Zuschauer. Auch rief man: „Es leben die Cortes, es lebe Narvaͤez!“ Gegen den Antrag stimmten die Herren: Bernabeu (Re⸗ publikaner), Tabuerniga, Crook, Gomez Sancho, Ochoa (Centralisten), Calvo y Mateo (Republikaner), Guzman y Manrique, Ibars, Garrido (Esparteristen), Ayguals (Republikaner), Posada, Lobis, Norato, Mora, Andrade, Verdu y Perez. Darauf entfernten sich die Senatoren, und der Präsident des Kongresses schlug vor, eine Deputation an die Kö⸗ nigin zu schicken, um sie zu beglückwünschen. Herr Crook bestand darauf, der ganze Kongreß solle sich zu diesem Behuf zur Königin begeben, indem auch diejenigen Deputirten, welche gegen die Volljäh rigkeit stimmten, mit Vergnügen Ihre Majestät beglückwünschen wür⸗ den. Dasselbe verlangte der Marquis von Tabuerniga, mit dem Hin zufügen, daß, da einmal die Volljährigkeit beschlossen wäre, die Kö⸗ nigin keinen treueren Unterthan, die Freiheit und der Thron keine sicherere Stütze haben werde, als ihn; alles Vergangene möchte ver⸗ gessen sein und eine neue Aera beginnen. Die ganze Versammlung stimmte in seinen Ausruf: „Es lebe die Königin!“ ein. Darauf be⸗ schloß der Kongreß einstimmig, daß sämmtliche Deputirte sich zur Kö⸗ nigin begeben sollten, um sie zu beglückwünschen.

Es heißt, daß Ihre Majestät bereits morgen im Senat den Eid

auf die Constitution ablegen werde, um die Zügel der Regierung zu übernehmen. Man hatte geglaubt, daß die Opposition weit staͤrker sein würde, aber der Mordversuch von vorgestern hat Vielen die Augen geöffnet.

Diesen Abend haben die Einwohner und auch die fremden Diplo⸗ maten ihre Wohnungen glänzend beleuchtet.

Als der General Narvaez vorgestern Abend, den Kugeln der Meuchelmörder entgangen, im Theater erschien, und von seinen Freun⸗ den zur Ergreifung außerordentlicher Maßregeln aufgefordert wurde, soll er geäußert haben: „Meine Herren, denken Sie an die Rettung der Königin und des Landes, darauf allein kommt es an!“ Um die Königin nicht zu erschrecken, verhehlte man ihr den Vorfall, bis sie in den Palast zurückgekehrt war. Dort von dem Ereigniß unterrichtet, brach sie in einen Strom von Thränen aus, und trug ihrer Ober⸗Hofmeisterin, der verwittweten Marquisin von Santa Cruz, noch um Mitternacht auf, sich in die Wohnung des Generals zu ver⸗ fügen, um ihm die Allerhöchste Theilnahme auszudrücken, und zugleich als ihren Willen zu erkennen zu geben, daß er fortan seine Wohnung nicht mehr ohne Bedeckung verlassen möge. Gestern wurde das Haus des Generals bis spät in die Nacht von Be⸗ suchenden bestürmt. Alle hier anwesenden Generale, die große Mehrzahl der Granden, das sämmtliche Offizier⸗Corps, viele Privat⸗ personen, die den General nicht einmal von Ansehen kannten, und sogar Damen hohen Ranges stellten sich ein, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Ein zahlreicher Volkshaufen, der sich vor der Wohnung des Generals versammelt hatte, brach, als dieser zu Fuß erschien, um sich in den Senat zu begeben, in das Geschrei aus: „Es lebe Narvaͤez! Nieder mit den Meuchelmördern!“ Abends faßte die bescheidene Wohnung des Generals die Zahl der Besuchenden nicht. Alle Musik⸗Corps der Besatzung brachten ihm eine Serenade dar, und als er auf dem Balkon erschien, erscholl von allen Seiten ein lautes Lebehoch. Der junge Bermudez de Castro, Verfasser eines vortrefflichen Werkes über den räthselhaften Minister Philipp's II. Don Antonio Perez, wird, allem Anschein nach, gerettet werden, da die Kugel zwar über das linke Auge eindrang, jedoch den Schädel selbst nicht verletzte. Der unglückliche Major Baseti aber liegt in den letzten Zügen.

Das Eco del Comercio macht heut einige Betrachtungen über den Mordanschlag, aus denen ich Folgendes mittheile:

„Diesen General, der eine Celebrität erworben hat, betrachtet die all⸗ gemeine Menge seiner Gegner als einen Cäsar, als einen Cromwell, als einen Buonaparte, als einen Ludwig Philipp, wenngleich geringeren Ranges. Die Geschichte berichtet uns die Anschläge, die gegen das Leben dieser Männer gerichtet wurden, weil man sie als die Seele ihrer Regie rung betrachtete. So geht es dem General⸗Capitain von Madrid ebenfalls.... Seinem Entschlusse schreibt man die Entwaffnung der National⸗Miliz und andere Verwaltungs⸗Maßregeln zu, an die er vielleicht nicht gedacht hat... Es bekämpfen einander zwei Parteien, die beide nach der ausschließlichen Gewalt streben, und in diesen Kampf hat sich die ganze Nation gemischt. Die Anführer sind folglich den Wirkungen der Nache ausgesetzt, die häufig in der Geschichte vorkommen, und die, so verbrecherisch sie sein mögen, das Volk nicht berühren, dessen Namen nicht beflecken und keinen Schatten auf seine Geschichte werfen. Patrioten waren die, welche Cäsar angriffen. Die Unternehmungen gegen Cromwell gingen von hohen Klassen aus. Buona⸗ parte konnte sie nicht vermeiden, und auch gegen den König der Franzosen wurden sie gerichtet.“

Unsere Nachrichten von Barcelona gehen bis zum 4ten. Man giebt sich hier der Hoffnung hin, daß die dortigen Rebellen die nun erfolgte Volljährigkeits⸗Erklärung der Königin zur Veranlassung neh⸗ men werden, um sich zu unterwerfen.

Es hat sich ausgewiesen, daß eine der hiesigen Kasernen, in welcher 800 Mann untergebracht sind, unterminirt worden war.

**R Paris, 14. Nov. Die Junta von Barcelona scheint den Metallvorrath erschöpft zu haben, der es ihr bisher möglich machte, das Geld schlagen zu lassen, das sie zur Besoldung der National⸗ Gardisten und der Freiwilligen und zur Bestreitung der sonstigen öffentlichen Bedürfnisse nöthig hatte. Durch einen Bando vom 7ten hat sie eine Zwangs-Anleihe ausgeschrieben, die sich auf eine sehr bedeutende Summe belaufen muß, da mehrere einzelne Personen in derselben für 10,000 Piaster begriffen sind. Das von der Junta gegebene Versprechen, die Anleihe in 8 Tagen zurückzuzahlen, kann unter allen obwaltenden Umständen nur als ein rein illusorisches an- gesehen werden. Man hat übrigens die beste Ursache, zu glauben, daß die Junta nicht einmal so viele Quartos realisiren werde, als sie Piaster gefordert.

Die in Saragossa in Folge der Belagerung eingetretene Stockung der Geschäfte droht eine schlimme Rückwirkung auf die Fabrikstädte des südlichen Frankreichs, namentlich auf Toulouse, Lyon und Nimes zu äußern. Der Werth der Waarenvorräthe, welche für die Messe unserer lieben Frau del Pilao in Saragossa aufgehäuft waren, wird auf 25 Mill. Fr. geschätzt, von denen die aragonesischen Kaufleute einen großen Theil den französischen Fabrikanten schuldig sind, welche ihre Zahlungen von dorther gewöhnlich nach dem Schlusse jener Messe, am Ende des Monats November, erhalten. Da die Kaufleute in Saragossa nun aber diesmal nichts verkauft haben, so werden sie auch schwerlich zahlen können.

Der General Concha hat, in Gemäßheit der abgeschlossenen Capitulation, zunächst von allen Einwohnern von Saragossa, welche nicht Mitglieder der National⸗-Garde sind, die Ablieferung der in ihrem Besitz befindlichen Waffen gefordert, eine Maßregel, welche ohne Widerstand vor sich gegangen ist. Hierauf verlangte der Ge⸗ neral Concha, daß die verschiedenen Bataillone der National⸗Garde von Saragossa ihm die Namens⸗Verzeichnisse ihrer Mitglieder ein⸗ reichen, damit diejenigen Individuen, welche nicht die gesetzlichen Ei⸗ genschaften besitzen, aus den Reihen der National⸗Garde entfernt werden können, wie dies gleichfalls in der Capitulation ausdrücklich ausbedungen ist. Dieser Forderung weigerte sich das zweite Bataillon der National Garde nachzukommen, während die übrigen ihr ohne Widerrede Genüge leisteten. Der General Concha beschloß, jenen Ungehorsam nachdrücklich zu bestrafen, und er verfügte die vollständige Entwaffnung des widerspen stigen Bataillons. Um die Vollziehung seines Befehles zu sichern, leh er die ganze Garnison unter das Gewehr treten und an den wichtigsten Punkten der Stadt Geschütz auffahren. Dank diesen mi⸗ litairischen Vorkehrungen ging die Entwaffnung ohne Widerstand, wenn auch nicht ohne Manifestationen des Zornes und der Erbitterung vor sich. In einer gleich darauf erlassenen Proclamation, in welcher der General die besonnene Haltung lobt, welche die Masse der Be⸗ völkerung beobachtet und in der er die fernere gewissenhafte Erfüllung der Capitulation verspricht, wird auch speziell die Zusage der baldigen Reorganisation des aufgelösten Bataillons der National⸗Garde gegeben.

Auf den 10ten war eine große Truppenschau aller die Besatzung von Saragossa bildenden Heer⸗Abtheilungen angeordnet, und man glaubt, daß sogleich nach Beendigung derselben neue Verstärkungen für die catalonische Armee abgehen solten.

Vereinigte Staaten von Nord-Amerika.

O New⸗York, 24. Okt. Die in nicht unbedeutender Zahl

hier sich aufhaltenden Franzosen sind in voller Bewegung: es handelt

sich darum, dem General Bertrand, der, wie ich schon früher ange⸗ tündigt, dieser Tage hier eintreffen wird, einen glänz nden E