1843 / 169 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

Städte ein fühlbarer Ausfall entstehe. Dagegen habe der Großdandel, dem unversteuerte Niederlagen zu Gebote stehen, gerade in das Han⸗ noversche nicht abgenommen, und außerdem durch 8 Eröffnung des Absatzes in den Zoll⸗Verein, mit welchem sich die Verkehrs⸗Verhält⸗ nisse immer enger zu knüpfen anfangen, einen nicht unbedeutenden Vortheil erlangt. Im Ganzen sei also wohl eben so viel gewonnen als verloren und es gehe hier wie überall, daß die Gewinnenden schweigen und nur die Verlierenden sich laut beklagen. Was den Anschluß des Harz⸗ und Weser⸗Distrikts betreffe, so sei man vorurtheilsfrei genug, zu begreifen, daß die Inkonvenienzen, deren Ausgleichung hierbei in Frage kommt, nicht durch falsche Beur⸗ heilung der Verhältnisse und fehlerhafte Maßregeln herbeigeführt eien, sondern daß sie gradezu in den geographischen Verhältnissen

seres Landes liegen, die einmal nicht zu ändern sind. Es sei nicht zu leugnen, daß es besser wäre, wenn in Uebereinstimmung mit der anfänglichen Voraussicht sammt jenen braunschweigischen Landestheilen Hannover oder wenigstens die südlichen hannoverschen Provinzen dem Zoll⸗Vereine beigetreten wären; da indeß diese Voraussicht fehlschlug, so mußte die Sache wenigstens aus der Stelle gebracht werden, um einen Zustand, den man nur als ein Provisorium betrachtet hatte, nicht definitiv werden zu lassen. Könnte man die Alternative stel⸗ len: entweder mit dem ganzen Lande wieder zum hannoverschen Steuer⸗Vereine zurückzukehren, oder aber den jetzt beginnenden Zu⸗ stand eintreten zu lassen, so scheine nicht zweifelhaft, daß eine große Mehrzahl der Betheiligten für die neue Ordnung der Verhältnisse sich erklären würde.

Hohenz. Sigmar. Sigmaringen, 6. Dez. (S. M.) Se. Durchlaucht der Fürst haben der Stadt⸗Verschönerungs⸗Kommission außer den früher verwilligten und größtentheils verwendeten 35,000 Jl. ein weiteres Geschenk von 20,000 Fl. anzuweisen geruht. Einem wesentlichen Bedürfnisse wurde durch die im Verlaufe dies Jahres aus städtischen Mitteln neu errichtete Wasserleitung abgeholfen; die Zahl der laufenden Brunnen wird dadurch um vier vermehrt, welche auch durch ihr Aeußeres der Stadt zur Zierde gereichen.

Freie Städte. Frankfurt a. M., 12. Dez. Der Königl. preußische Bundestags⸗Gesandte, Herr Graf von Dönhoff, ist seit vorgestern wieder hier anwesend. Die Sitzungen der Bundes⸗ Versammlung nehmen übermorgen, nach dem Abfluß der Herbstferien, wieder ihren Anfang und der Herr Graf von Dönhoff wird bis zu der wahrscheinlich erst im Frühjahre erfolgenden Ankunft des Herrn Staats⸗Ministers Grafen von Münch⸗Bellinghausen, das Präsidium der Bundes⸗Versammlung übernehmen.

Das aus den sogenannten Urschützen hervorgegangene Scharf⸗ schützen⸗Bataillon unserer Stadtwehr, das aber lange nicht mehr voll⸗ zählig ist, feierte heute sein 50jähriges Jubiläum und erhielt an diesem Ehrentage von dem Senate und der Bürgerschaft die würdigste Anerkennung und Theilnahme. Von den Urschützen des Jahres 1793 sind nur noch sechs am Leben.

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Paris, 10. Dez. Vorgestern fand bei dem englischen Gesand⸗ ten eine große diplomatische Soirée statt, welcher auch der Fürst von Oettingen⸗Wallerstein beiwohnte. Letzterer soll bereits wieder nach München abgereist sein. Die Resultate seiner Mission sind noch nicht bekannt, doch scheinen die Kabinette von Paris und London der grie⸗ chischen Regierung ihre Unterstützung zur Begründung einer dem Geiste des griechischen Volkes angemessenen Constitution zugesagt zu haben.

Als der Herzog von Bordeaux in England anlangte, verkündeten seine Anhänger, daß derselbe mehrere Jahre dort bleiben wolle. Später hieß es, er werde nur drei Monat in London verweilen. In den letzten Tagen glaubte man, der Prinz werde sich nur bis zum 15. Dezember dort aufhalten, und nun scheint es, daß auch dieser Termin noch verkürzt werden und daß der Herzog von Bordeaux schon morgen London verlassen wird. Man erklärt diese beschleunigte Abreise folgendermaßen: Bekanntlich traf der Herzog gerade in dem Augenblick in London ein, als die Königin Victoria die Hauptstadt verließ, um Sir R. Peel auf seinem Landsitz Drayton Manor zu besuchen; als nun die Königin vorigen Freitag nach Windsor zurückkehrte, sagte man in London, es sei dem Herzog von Bordeaux angedeutet worden, daß seine Anwesenheit dem Hofe nicht sehr angenehm sein könne; da also der Prinz keine Aussicht hatte, am englischen Hofe offiziell empfangen zu werden, so soll er geglaubt haben, daß unter solchen Umständen sein verlängerter Aufenthalt in London nur einen üblen Eindruck unter seinen Anhängern hervorbringen könnte. Indeß ist ganz kürzlich noch der Marquis von Larochejacquelin nach London abgereist, um dem Herzog von Bordeaux seine Aufwartung zu machen. .

Mit wie übertriebener Emphase die legitimistischen Blätter den gestern mitgetheilten Briefwechsel zwischen dem Herzoge von Bordeaur und Herrn von Chateaubriand aufnehmen, davon mögen folgende Worte der Gazette de France ein Beispiel geben: „Jedermann“, sagt dies Blatt, „wird, wie Chateaubriand, in dem Schreiben Hein⸗ rich's von Frankreich eine andere Welt, ein anderes All erblicken.

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Wenn das erste Wort, das ein junger Fürst bei seinem Eintritt in die politische Welt vernehmen läßt, die Anerkennung der Volks⸗Frei heiten ausdrückt, so kann man wohl sehen, daß sich die Welt erneut und es in der gegenwärtigen Lage der Dinge weder Stuarts mehr giebt, noch einen Wilhelm von Oranien. Herr von Chateaubriand hatte wohl Recht, als er die in diesem Schreiben verkündete Zukunft mit Freudenthränen begrüßte. Am Schlusse seines Werkes über den Kongreß von Verona sah er mit düsterer Besorgniß in die Zukunft. Diese Besorgniß ist nun verschwunden. Das neunzehnte Jahrhun⸗ dert, dessen Anfänge so schrecklich waren, wird noch Alles verwirk⸗ lichen, was es an Fortschritt und Größe in seinem Schoße trägt. Nach dem Erscheinen der beiden Schreiben giebt es keine Parteien mehr in Frankreich. Unser Herz schwimmt in einem Freudenmeer; auch wir begrüßen die Morgenröthe besserer Tage.“

Der Constitutionnel spricht sich gegen die Ansichten Arago's über die Befestigungsfrage aus, und da dieses Blatt für das Organ des Herrn Thiers gilt, so ist wohl die von einigen Oppositions⸗Blät tern gehegte Erwartung, daß auch dieser in der nächsten Session gegen die Fortisicationen auftreten werde, als unbegründet zu be⸗ trachten. „Man weiß“ sagt der Constitutionnel, „daß Herr Arago entschiedener Anhänger der fortlaufenden Umwallung ist, aber nicht die äußeren Werke will. Sein Spstem ist definitiv beseitigt durch das Gesetz von 1841, das die beiden Vertheidigungsarten kombinirt hat. Es war die Lösung der Frage, welche auch wir wünschten und forderten, und deshalb wollen wir eine Polemik nicht wieder aufnehmen, welche gesetzlich und durch die Ausführung er⸗ ledigte Dinge wieder in Frage stellt.“

Eine vom heutigen Moniteur mitgetheilte Königliche Verord⸗ nung eröffnet dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten auf den Dienst von 1843 wieder einen Supplementar⸗Kredit von 150,000 Fr. für Reise⸗ und Courier⸗Kosten.

Die Erfahrungen der Vergangenheit können wohl die Ueber zeugung gewähren, daß das Kabinet der Tuilerieen einem Interven⸗ tion⸗Gesuch von Seiten der Königin Isabella, wie ein solches, wie es heißt, wirklich in einem Schreiben derselben an den König der Franzosen gestellt sein sollte, nicht nachgeben wird; indeß soll die Königin Christine ihre Vorstellungen beim hiesigen Hofe dringend erneuert haben, um wenigstens so viel zu erlangen, daß man ein Armee⸗Corps an die Pyrenäen⸗Gränze schicke, damit dasselbe bei unvorherzusehenden Ereignissen die Gränze überschreiten könne.

Zwischen Herrn Thiers und dem Grafen Molé, so wie deren beiderseitigen Freunden, soll jetzt vollkommene Uebereinstimmung über alle wichtige politische Tagesfragen herrschen.

Herr von Lamartine ist für 1844 zum Präsidenten der Akade mie von Maͤcon ernannt worden.

Der Wiederabdruck des alten Moniteur von der Versammlung der Generalstaaten bis zum Konsulat ist nun in 32 großen Bänden beendigt; das ganze Werk kostet 400 Fr., wovon 100 Fr. baar und die anderen 300 Fr. in gleichen Raten in den folgenden drei Jahren bezahlt werden.

10. Dez. Frankreich scheint jetzt die Früchte des kommerziellen Systems zu ärndten, das es bisher so be⸗ harrlich verfolgt hat. Dieses System hat dazu gedient, so manche Industriezweige auf französischem Boden einzuführen, die mehr oder weniger nur Schmarotzer⸗Pflanzer auf demselben sind. Die Produkte derselben haben durch die Verbote oder die denselben fast gleichkommenden hohen Zölle, womit man die ähnlichen Erzeug⸗ nisse des Auslandes belastet hat, sich des inneren Marktes bemächtigt, und haben so Frankreich in sden Fall gesetzt, sich, um den üblichen Ausdruck zu gebrauchen, des Auslandes zu überheben, dasselbe ent⸗

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behrlich zu machen. Und welche Vortheile hat Frankreich daraus ge⸗ zogen, daß es diesen als so patriotisch ausgeschrieenen Sieg, dieses als so unschätzbar angerühmte Resultat errang? Es sieht sich jetzt ge⸗ zwungen, die von den durch die Prohibitivzölle geschützten Artikel um zwei⸗ bis dreimal theurer zu bezahlen, als dies sonst der Fall sein würde. Wie kann man es noch wagen, sich über eine solche Theuerung zu beklagen, hört man die Vertheidiger des Prohibitions-Systems sagen, da es sich um französische Erzeugnisse handelt, und nicht um englische, deutsche, russische u. s. w. Nun ist aber diese direkte Folge des bis zu seinen äußersten Konsequenzen getriebenen Schutz⸗Systems nicht die einzige, die indirekten Folgen sind noch viel schlimmer. Ist ein mal das Prinzip der Prohibition der ausländischen Waaren und der so viel als möglich ausschließlichen Versorgung des inneren Marktes durch die innere Production durch einige große Nationen, wie Frank⸗ reich und England, die beide zusammen den ersten Rang in der kommer⸗ ziellen und industriellen Welt einnehmen, ausgesprochen und zur Anwendung gebracht, so muß dieses nemliche Prinzip eben so sehr aus Berech⸗ nung als aus Nothwendigkeit, nothgedrungen auch von den übrigen Völkern angenommen werden.

Bei dem neuen Zustand der Dinge, der dann herbeigeführt würde, und der eben so sehr den Fortschritten der Humanität, als denen der Civilisation zuwider wäre, würden die in der Industrie am weitesten

vorangeschrittenen Völker, diejenigen, welche am meisten Waaren aus⸗

führen, und die sich jetzt ganz besonders auf das Schutzsystem stützen

grade auch diejenigen sein, die am meisten darunter leiden müssen denn der Uebergang von einer durch künstliche Ursachen ins Uebermaß getriebenen Production, zu einer Production, die sich lediglich auf die Befriedigung ihres inneren Bedarfs beschränkt, muß nothwendigerweise schmerzlich für sie sein; während dagegen das Gleichgewicht viel leich⸗ ter und mit viel weniger Erschütterungen sich bei den Nationen her⸗ stellen wird, die sich nicht von einem falschen Ehrgeiz fortreißen ließen, deren Produktivkraft eine weniger schnelle Entwickelung genommen hat, und die sich nur auf die Erzeugung für sich selbst beschränken, ohne an das sast unmögliche Unternehmen sich zu wagen, auch auf den üäußeren Märkten anderen Nationen Konkurrenz in Waaren zu machen, welche diese mit größerer Leichtigkeit und Wohlfeilheit zu erzeugen vermögen.

Diese in ihrem Ganzen und durch die Macht der Umstände, so wie durch den natürlichen Gang der Dinge unausbleiblichen Resultate sind bereits für Frankreich, wie für England, in vielfacher Beziehung hervorgetreten. Deutschland und Rußland, lange Zeit hindurch ge wissermaßen die Vasallen der englischen und französischen Industrie, haben endlich das ihnen von diesen beiden Seiten auferlegte Joch ab⸗ geschüttelt. Nach dem Vorgange Frankreichs und Englands haben sie sich auf die Production geworfen; nach deren Beispiel haben sie durch hohe Zölle die auswärtigen Waaren ausgeschlossen und befriedigen bereits selbst ihren eigenen Bedarf oder sind doch nahe daran, ihn zu befrie⸗ digen. Frankreich hatte provisorisch einigen Ersatz dafür in den Ver⸗ einigten Staaten gefunden, welche die anderwärts ihm erwachsenen Verluste wieder deckten; aber mit dieser Ausgleichung ist es nun seit kurzem auch zu Ende, und zwar immer aus derselben Ursache, und diesmal ist von einem anderwärtigen Ersatze, der Frankreich für die sen industriellen und kommerziellen Schlag zu entschädigen vermöchte, keine Rede. Auch die Vereinigten Staaten haben das Schutzsystem angenommen, im Interesse der eigenen inländischen Manufakturen ha⸗ ben sie auf die Einfuhren aus Europa einen durchschnittlichen Zoll von 25 pCt. gelegt. In Folge der Ausführung dieses neuen Tarifs ha⸗ ben die Ausfüuhren des europäischen Kontinents nach der neuen Welt schon gleich vom ersten Jahre an in einem enormen Verhältnisse ab⸗ genommen, und die Handelsbewegung von Frankreich im Jahre 1842 giebt davon ein laut sprechendes Zeugniß.

Wie schon in einem früheren Schreiben bemerkt, hat die ge⸗ sammte Bewegung des äußeren Handels einen Gesammtwerth von 2 Milliarden und 82 Millionen betragen, was eine Verminderung von 105 Millionen gegen das vorhergehende Jahr ergiebt. Diese Abnahme fällt einzig und allein auf die Ausfuhren, deren Werth um 125,000,000 Fr. gegen die Ziffer des vorhergehenden Jahres zurückgeblieben ist. Zwei Hauptgründe sind daran Schuld, die Wirren in Spanien, und noch mehr der neue Tarif der Vereinigten Staaten, der eine Verminderung der Ausfuhren dahin um etwa 60 Millionen erzeugte, wovon auf den einzigen Artikel der Seidenwaaren 35 Millionen kommen. Solche Ziffern sprechen lauter als alle Raisonnements.

Grossbritanien und Irland.

London, 9. Dez. Wenn irgendwo in England Mißbräuche in der Verwaltung oder Mängel in der Gesetzgebung und Organi sation sozialer Zustände offenbar werden, durch welche das Volk ge⸗ drückt wird, so ist es in der Regel die Times, welche zuerst ihre Spalten den Beschwerden des Volks öffnet und vie Uebelstände durch den Ausdruck der allgemeinen öffentlichen Meinung einer strengen Kritik unterwirft. Die Times hat sich dadurch vorzugsweise zum Organ des englischen Volks, nicht einer besonderen Partei desselben gemacht; sie ist in ihrer Unabhängigkeit der treue Repräsentant John Bull's, mit allen seinen Tugenden, Fehlern und Vorurtheilen, und wenn sie aus den Zuständen von Wales Anklagen gegen die Regierung bereitete oder sich in Bezug auf das Korngesetz in direkte Opposition zu derselben gesetzt hat, oder in Irland strenge Maßregeln gegen die Volksbewegungen empfahl, so drückte sie damit, fern von jedem Partei⸗Interesse, allein die Stimmung der Hauptmasse des englischen Volks aus. In dieser Stimmung ist in Bezug auf den letzten Punkt gegenwärtig eine Aenderung eingetreten; man ist in England zur Erkenntniß gekommen, daß es unmöglich ist, Irland ferner in der bisherigen Weise, nämlich als ein unter jochtes Land, zu beherrschen und zu regieren, und die unmittelbare Folge davon ist, daß die Times ihre bisherige harte Sprache gegen die irländische Bewegung ändert, und durch eine ergreifende Schil derung der Zustände jenes Landes das demagogische Treiben O'Con nelb's gleichsam rechtfertigt. Freilich ist sie noch weit davon entfernt, den Forderungen der irländischen Liberalen in ihrem ganzen Umfange nachzugeben, und es mag überhaupt dem Volke in England noch un⸗ klar sein, wie weit die Konzessionen gegen Irland gehen sollen, aber der Anfang damit ist gemacht, indem man zur Einsicht ihrer Nothwendigkeit gekommen ist. Dieser Stimme des Volks wird nun die Regierung nicht widerstehen und um Parteizwecke willen bei ihrer Politik, welche der nothwendig radikalen Umgestaltung der Dinge in Irland entgegen ist,

behaͤrren können; sie hat vielleicht auch schon ihren Entschluß gefaßt

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den gegenwärtigen Stand derselben nicht kenne, also weder um Kant noch Fichte, noch weniger um die durch Schelling angeregte große Bewegung im Gebiete der Philosophie der Kunst und um die Leistungen Solger’s und Hegel's, noch weniger aber um die den Ursprung des Drama's und das Wesen der Komödie und Tragödie betreffenden Forschungen von Böckh, Thiersch, O. und E. Müller, Welcker und Anderen wisse.

Rötscher scheidet seine Kritik in zwei Abschnitte, deren erster die Polemik Hebenstreit's gegen die Schauspielkunst, als eine Kunst, prüft, und deren zweiter die Behandlung, oder vielmehr die durch ihn verübte Mißhandlung des Standes der Schauspieler in staatsbürgerlicher Hinsicht umfaßt. A Den ersteren Theil anbelangend, besteht der Kern der Hebenstreitschen en darin: die Schauspielkunst könne nie in den Rang einer wahren Kunst treten, weil sie durch das Dichterwerk bedingt sei, weil die Darstellung 8.g. Person des Künstlers hafte, und weil der Schauspieler es nur mit Thatigten 8 9 der Wirklichkeit gegebenen Form zu thun habe, seiner

Rötscher die schla le mangle. Diesen vier Einwendungen setzt bene secsn. 21 Ker ger triftigsten Gegengründe entgegen, mit beson⸗ spielkunst sei keine Adenrlevigung des Einwurfs verweilend, die Schau⸗ an seine Persönlichteit an der Person des Schauspielers hafte, 1. eaSees das Fen e AI. 48 Cl.e Comédien ¹ homme. Beziehung unter Anderem eine Erk EE Massen ergreift und gleichse neine Erhebung des Gemüths, welche ganze des täglichen Lebens ssam verbrüdert, welche sie über den Schlendrian des täglichen Lebens, über die Misere des Tages hinweghebt, nichts Ewiges? Soll die Dauer nur nach dem H 8 ““]

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werden und nicht vielmehr nach der Intensität dn wern E“ haltigenKraft der Erinnerung?“ Treffend sind die Worte w lche⸗ der nach⸗ S. 14 spricht: „Der große Schauspieler trennt sich 8e gg er die ideale Anschauung eines Charakters in seine Lei zsich selbst so, daß

die idea inschauung ei 2 in seine Leiblichkeit hineinbildet seine sinnliche Individualität, seinen natürlichen Ton zu einem Materi herabsetzt und gleichsam zur Aufnahme der idealen Gestalt erweicht büeaesnn wir an seine individuelle Gestalt gar nicht mehr erinnert werden. Vaß dief Fähigkeit, sich von seiner gegebenen Leiblichkeit völlig abzulösen und diefelde zum Ausdruck einer idealen Persönlichkeit umzubilden, so selten angetroffen wird, ist der Grund der so sparsam in der Kunstgeschichte ver⸗ theilten wahrhaft großen Schauspieler. Es giebt eine Menge Darsteller, welche nur da befriedigen, wo sich ihre besondere Individualität,

ihre persönliche Geistesstimmung in einer gegebenen Rolle fortsetzt und höch⸗ stens steigert, denen aber doch die Macht durchaus gebricht, ihre Indivi⸗ dualität zum Ausdruck einer von ihrer besonderen Persoönlichkeit wahrhaft unterschiedenen Gestalt völlig umzubilden. Dies ist der eigentlich schöpfe⸗ rische Akt, welcher den großen Schauspieler charakterisirt. Was in sittlicher Beziehung die Selbstverleugnung ist, d. h. die durch die Macht der sittlichen Idee zum Schweigen und zur Unterwerfung gebrachte widerstre⸗ bende Eigenthümlichkeit mit ihren sich hervordrängenden subjektiven Neigun⸗ gen und Trieben, das ist in künstlerischer Beziehung, auf dem Gebiet der dramatischen Darstellung, die Ueberwältigung der besonderen Individualität, um sie zu einem Gefäß für die Aufnahme und das Gedeihen einer Phan⸗ tasie Gestalt tüchtig zu machen. Dort, auf dem sittlichen Gebiete, soll sich das besondere Selbst zum allgemeinen Selbst erweitern, seine widerspenstige Besonderheit soll also abgearbeitet werden; hier soll das besondere Selbst für ideale Zwecke zu einem bloßen Material herabgesetzt, also nicht minder das in ihm Ungefügige aufgelöst werden. Nur von diesem Gesichtspunkte aus fallen alle die zum Theil abgeschmackten Folgerungen hinweg, welche auch Hebenstreit aus der Erscheinung, daß der Schauspieler die dichterischen Gestalten an seinem Leibe darstellt, so reichlich zieht.“

Eben so gründlich und philosophisch richtig sind Rötscher's Ansichten über die dramatische Form, da Hebenstreit seine Behauptungen für die Nichtigkeit der Schauspielkunst mit besonderer Emphase darauf fußte, daß im Laufe der Zeit die alten Formen der Darstellung neuen Formen gewichen seien, vor denen selbst die gepriesenen Leistungen der Garrik’s, Siddon's, Talma's, eines Brockmann und Iffland in ein Nichts versinken müßten, so daß, seiner Ansicht zufolge, „die einzige und höchste Aufgabe des Schau⸗ spielers“ wäre, „die Rolle vorzutragen und mit dem nöthigen Gebärdenspiel zu begleiten.“ . 1““

Wenn eine derartige Aesthetik in unserer Zeit nur lachenerregend wirken kann, so empört dagegen die zweite Aufstellung Hebenstreit's, derzufolge ein Schauspieler wohl Duldung ansprechen, darum aber noch nicht jedem Staats⸗ bürger mit Ehre an die Seite treten könne, und zwar, „weil er in der Aus⸗ übung seines Geschäfts keine eigne Persönlichkeit geltend machen kann, worauf doch der Werth eines Staatsbürgers beruht“. Ja, Hebenstreit will dem Schauspieler nicht einmal die Standesehre des Handwerters lassen; denn dieser darf sich auf seinen Fleiß, seine Tüch⸗

tigkeit in der Verarbeitung seiner Stoffe Etwas zu Gute thun, er darf dar⸗

auf die Ansprüche auf bürgerliche Achtung gründen: Den Hebenstreitschen Ansichten zufolge ist es dem Schauspieler aber nur vergönnt, die Verachtung, welche auf seinem Gewerbe ruht, durch die Pflichten, die er als Spieß bürger hat (denn Staatsbürger ist er ja nicht), zu vermindern (S. 40). Unser gmunder Dramaturg geht so weit, Seite 122 zu erklären, „daß der Mann, der einen Morgen Landes urbar gemacht hat, in den Augen des Weltbürgers höhere Verdienste besitzt, als die Garrik's und Lekain’s aller Jahrhunderte.“ Wir müssen es denjenigen Lesern, die sich für diesen Ge⸗ genstand speziell interessiren, überlassen, sich an Ort und Stelle zu überzeu⸗ gen, wie Rötscher mit siegreichen Waffen diese Rückwärtsdrehungen des Zeit⸗ rades niederhält, und wie er seinem Gegner selbst da das Schwert det, wo derselbe sich auf die Zeugnisse von Griechen und Römern, Hlden und Christen, Kirchenvätern und Staats⸗Regierungen berust; um 88 1b ihm über den Stand der Schauspieler ausgesprochenen C g eine Nothwendigkeit und Gerechtigkeit erscheinen zu lassen. ““ di fend ist Rötscher's Widerlegung der Berufung auf die Aussprüche der gro⸗ ßen älteren Kirchenlehrer, deren Eifer gegen die, damals sehr E. kenen scenischen Spiele ja nur die Konsequenz einer neuen, das 8 1e 1ega- auflösenden Lehre war, welche, indem sie sich ein Reich erbaut, das nich von dieser Welt ist, sich vor Allem gegen diejenigen Lebens⸗Elemente kehren muß, in welchen sich noch die Welt und das heidnische Leben in seiner Entar fündigten (S. 50). 1 eeeeee. Hana Per Hesfimisten, welche Ansichten, denjenigen Hebenstreit’s ähnlich, über dramatische Kunst und dramatische Künstler hegen, in Deutsch⸗ land vielleicht nicht klein ist, so ist die Schrift Rötscher's, der durch frühere Arbeiten im Gebiet der Philosophie der Kunst, sowie durch den Versuch, die Kunst der dramatischen Darstellung wissenschaftlich zu begründen, ehren⸗ voll bekannt geworden, ebenso zeitgemäß als nützlich, und wir wüßten an ihr nur das Eine auszusetzen, daß sie mitunter in allzu heftigen und maßlosen Ausdrücken abgefaßt ist. Verstummen muß die Sprache der Leidenschaft, wenn es sich um die Richtigstellung von 2 hatsachen oder um die Erörterung von Grundsätzen handelt; wie denn überhaupt bei wissen⸗ schaftlichen Fragen nur das Gewicht der Gründe in der Wagschaale der Prüfung den Ausschlag giebt. 24 1

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und ist durch die Einsetzung der Kommission zur Untersuchung der Pachtverhältnisse dem allgemeinen Wunsche entgegengekommen. Dessen⸗ ungeachtet darf man nicht hoffen, daß die Reform irländischer Zustände schon in die nächste Zukunft fallen wird, denn, wie wir kürzlich bei Gelegenheit mehrfach erörtert haben, bedingen die Konzessionen, welche das Repealgeschrei verstummen machen sollen, und allein eine wesent⸗ liche wohlthätige Aenderung in den Verhältnissen des Landes hervor bringen können, zugleich eine Reform der religiösen und politischen Organisation Englands selbst, die nicht so leicht und nicht so schnell zu bewirken ist. Indeß ist die Umwandlung der öffentlichen Meinung in England ein wesentlicher Moment in den Beziehungen beider Län⸗ der, und der heutige Artikel der Times verdient darum hier eine Stelle: 1

Kann irgend ein vernünftiger Mann sich wundern, wenn ein Baum seine natürlichen Früchte trägt? wenn das Elend Irlands, die Folge man⸗ nichfaltigen Unrechts, diesen Baum hat gedeihen lassen? Irlands Elend ist es, welches das Volk den unvemünftigen und zugleich verbrecherischen Plänen jedes Agitators unterwürfig macht, die Sicherheit jedes Wohl⸗ habenden und den Frieden jeder Gemeinde gefährdet, der Hunger raisonnirt falsch, und nichts ist natürlicher für denjenigen, welcher ihn empfindet, als dem ersten besten Schurken, welcher selbst das absurdeste und verbreche⸗ rischste Mittel angiebt, unbedingten Glauben zu schenken. bae

Die Times schildert nun die Ursachen des Elends in Irland solgendermaßen: 1

„Die hauptsächlichsten und chronischen Uebel Irlands sind mangelhafte Gesetze, mangelhafte Subsistenzmittel, feindlich einander gegenüberstehende Klassen welches letztere Uebel als eine Feindschaft der Racen definirt werden kann und endlich feindselig einander gegenüberstehende Religions⸗ parteien, und das Alles eng in einander verwebt und Alles verschlimmert durch eingefleischte, endemische Unwissenheit. Die organische oder auf die bestehenden Institutionen begründete Gewalt ist Jahrhunderte lang in den Händen einer durch Eroberung zur Herrschaft gelangten Race gewe⸗ sen, welche sich bis auf die neueste herab derselben bedient hat zum Nachtheil eines besiegten, aber in Bezug auf die elemen⸗ tarische oder physische Gewalt noch immer vorherrschenden Volks. Die Gesetze des 17ten und des letzten Theiles des 18ten Jahrhunderts wurden zum Vortheil der bewaffneten Minorität und zum Nachtheil der entwaffneten Majorität erlassen, ein Zustand der Dinge, der ein dauernder nicht sein konnte. Dieser Widerstreit daher zwischen der Natur der Gesetze und der Natur des Volkes, ist eine von den Ursachen, welche das Wachs⸗ thum der Civilisation verzögert hat; denn es war im Grunde nur ein Zu stand legalisirter Despotie, der die Stimmung der ganzen Nation fortwäh⸗ rend reizte und gereizt erhielt, auf der einen Seite durch den Durst nach Veränderung, auf der anderen durch eifersüchtigen Widerwillen gegen die Zwecke, zu welchen diese Veränderung verlangt wurde. Die uncivilisirten Sitten der Irländer haben sie gegen den Theil ihres Elendes, der seinen Druck nicht in der Gestalt des Hungers zeigt, gefühllos gemacht und haben deshalb dazu beigetragen, jenes durch eine lange Reihe von Generationen hindurch fortbestehen zu machen. Schmutz und Aerm⸗ lichkeit in allen ihren verabscheuungswürdigen Ausflüssen Lumpen und selbst völlige Nacktheit tagtäglich Unordnung, Unregelmäßigkeit und Ver⸗ wirrung im Hauswesen gränzenlose Unwissenheit bei ungezähmter Neu⸗ gierde kriechende Erduldung von Beleidigungen für den Augenblick, aber heimtückische, unersättliche Rachsucht hinterher Widerwille und Zunei gung, beides bis zum Uebermaß verfolgt Frechheit mit Schmeichelei wechselnd Feigheit, die ihre Grausamkeit an dem Morde Hülf⸗ loser sättigt, in einer und derselben Person vereinigt mit kühnem Muthe auf dem Schlachtfelde im Kampfe mit tapferen Streitern unaufhörliche Geschwätzigkeit neben tiefster Schweigsamkeit ver⸗ rätherische Niederträchtigkeit gegen einen Feind, Grausamkeit gegen ein Opfer, Verachtung der Wahrheit zu jeder Zeit und an jedem Orte, selbst in dem engsten Lebensverkehr mit dem nächsten Nachbar, als nicht ehrlos betrachtet Prozeßsucht neben einem Abscheu vor allem Gesetz Leicht⸗ gläubigkeit neben eigner Lügenhaftigkeit das sind einige Züge aus dem Wirrbilde, welches man in Irland findet oder das sich vielmehr in Irland nicht verbergen läßt eine Masse moralischer Anomalieen und Verwir rung, gemischt mit phosischen Leiden der schmerzlichsten und peinlichsten Art.“

Die Times erklärt nun im weiteren Verlaufe ihres Artikels, daß die Aufgebung des bisher in Irland befolgten Regierungs⸗Systems nothwendig sei, und sie giebt zur Beseitigung des vielfachen Noth⸗ standes und seines Besorgniß erregenden Einwirkens auf die Ruhe des Landes vornehmlich zwei Abhülfemittel an, die aber, wie jeder einsehen muß, sich als durchaus unzulänglich erweisen müssen. „Nährt die Geistlichkeit“ sagt die Times, „und steht den Armen durch Un⸗ terstützungen bei.“ Diese Anempfehlung der Times ist nicht neu und bereits vielfach im Parlament zur Sprache gekommen; die Zurückweisung der Besoldung aber von Seiten der ka⸗ tholischen Geistlichkeit in Irlalnd so wie der zu erwartende Widerstand des Landes gegen eine um 800,000 bis 1 Million Pfd. Sterl. vermehrte Steuerlast lassen dieselbe als unausführbar erschei⸗ nen. Der Globe, das gemäßigte Whigblatt, den jener Artikel der Times überrascht hat, empfiehlt deshalb statt dessen die Ueberwei⸗ sung eines Theils des Einkommens der anglikanischen Kirche in Ir land an die katholische Geistlichkeit, ein alter Vorschlag der Whigs, und giebt dem Premier⸗Minister den Rath, wenn er sich der drücken⸗ den Lasten seines Amtes und der Sorgen wegen Irland erledigen wolle, diesen, als den leichtesten Weg, einzuschlagen. Weder die Vor⸗ schläge der Times noch des Globe können indeß die anomalen Zu⸗ stände Irlands verbessern, da, wie wir früher gezeigt (Allg. Pr. Ztg. Nr. 139 u. a. O.), nur von radikalen Reformen in den Pacht⸗ Verhältnissen und der Stellung der Kirche dasselbe zu erwarten ist.

Die Nachrichten aus Irland theilen ausführliche Beschreibungen des vor längerer Zeit bereits angekündigten Gastmahls mit, welches dem kürzlich zum Repeal⸗Verein übergetretenen Parlaments⸗Mitgliede für Limerick, Herrn O'Brien Smith, in letzterem Orte gegeben wurde. Ein festlicher Aufzug der Einwohner Limerick's mit Fahnen und Musik⸗ Chören leitete dasselbe in gewöhnlicher Weise ein, und auch beim Mahle wurden die gewöhnlichen Reden über die Durchsetzung der Repeal auf friedlichem Wege gehalten. Einzelne Bemerkungen O'Con⸗ nell's indeß, so wie des nenen Repeal⸗Mitgliedes, verdienen hervor⸗ gehoben zu werden. Wie der Agitator seinen Repealruf seit einer Reihe von Jahren hat vernehmen lassen, nicht zur wirklichen Erlan gung des niemals zu erreichenden Ziels, sondern als ein Schreckens ruf zur Erzwingung des von Irland in Anspruch genommenen und von der englischen Regierung demselben vorenthaltenen Rechts, geht ziemlich deutlich aus Folgendem hervor:

Mein erster Ausspruch geht dahin, England und dem civilisirten Europa anzuzeigen, daß die Union durch die allerschimpflichsten Mittel durchgesetzt worden ist, und daß niemals irgend eine Nation ein größeres Unrecht er⸗ fahren hat. Das Kriegsgesetz wurde im Lande proklamirt; es gab keinen Schutz für Leben und Eigenthum, Einschüchterung überall und jedes er⸗ denkbare Mittel, das Volk zu unterdrücken. Wir erhoben deshalb in spä⸗ terer Zeit, als auch die Emancipation sich unwirksam für die Uebelstände erwies, den Ruf Repeal. Was geschah? Nun, der König, die Lords und Gemeinen erklärten sich gegen die Repeal, aber machten sich anheischig, die Uebelstände Irlands abzustellen. Wir kamen ihnen entgegen mit unserer damaligen „Precurser Society“ und forderten strenge Gerechtigkeit oder Repeal. Die Whigs aber, damals an der Spitze der Verwaltung, hörten nicht auf unsere Vorstellungen, und wir verdoppelten unser Repealgeschrei. Die Tories kamen ans Ruder. Ich stellte ihnen mehr als einmal vor, und die öffentlichen Blätter stimmten mit ein, daß es nur ein Mittel gäbe, meine Repealers unschädlich zu machen, und dies bestände darin, Irland eine angemessene Vertretung im Parlamente zu verschaffen, ein ausgedehn⸗ teres Wahlrecht zu geben und andere Uebelstände, welche das Elend im Lande verursachen, zu beseitigen. Das, sagte ich ihnen, würde meine Re⸗ pealers verstummen machen; aber was haben sie gethan? Doch ja, sie ha⸗ ben eine Kommission eingesetzt, welche die Beziehungen der Grundbesitzer zu

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den Pächtern untersuchen sollen; aber was sagen die autorisirten Organe

der Regierung? Sie behaupten zwei Dinge; England macht Ansprüche auf Irland als seine Schwester oder als seine Unterjochte (or her subju- gatrix). Schluckt das Wort unter, wenn ihr es nicht aussprechen könnt. Seine Schwester! Eine schöne Schwester, dieser John Bull! Was haben wir von seiner Brüderschaft? Aber nun denkt doch nur an die subjugatrix! Ich sage dem Volke von Irland, wir wollen auf friedlichem Wege gewin⸗ nen; wir wollen nicht in den Krieg gehen, aber wir werden niemals einer Unterjochung uns unterwerfen. Ich gebe euch „die Repeal der Union“.

Ueber seinen Prozeß und die Folgen desselben ließ sich O'Connell dahin aus:

Eine Anklage, auf unhaltbareren Anschuldigungen basirt, als die gegen uns gerichtete, ist niemals abgefaßt worden. Sie beschuldigen uns des Auf⸗ ruhrs und der Disloyalität! O, jene da sind nicht loyal, welche die Her⸗ zen der Irländer von ihrer Königin abwendig machen wollen. Doch was wird aus der Sache werden? fragt man. Das hängt, meiner Ansicht nach, allein von der Jury ab. Erhalten wir eine Jurp, die nicht aus der Oran⸗ gisten⸗Partei gedildet ist, dann kann die Repral triumphiren; im entgegen⸗ gesetzten Fall aber ist alle Hoffnung verloren. Man fragt, wie es möglich sein kann, mich zu verurtheilen. Es ist nichts leichter als das, denn eine orangistische Jury spricht ihr Verdikt „gegen den papistischen Agitator!“

Eine wiederholte Ermahnung des Volks zur Ruhe und die Ver⸗ sicherungen, daß das Ziel baldigst erreicht ist, beschließen die Rede des Agitators. Die letzteren werden auf die Ereignisse in Griechenland und auf die vermeintliche drohende Stellung Rußlands gegen Eng⸗ land begründet, wodurch die Regierung bald in zwei Jahren gezwungen werden wird, ihre Truppen anderswo zu verwenden. Wenn das Volk bis dahin sich ruhig verhielte, würde sein Wunsch erfüllt. Unter⸗ dessen möge man Petitionen an das Parlament unterzeichnen. Irland brauche sich vor nichts, als vor Verbrechen und Gewaltthat zu hüten, und mit dieser Gesinnung der kommenden Krisis ruhig entgegensehen. „Möge mich nur kein Mensch beklagen, noch denken, daß ich ein ge⸗ kränkter Mann, ein Gegenstand des Mitleids bin: „C'est le crime, qui fait la honte et non pas la guillotine.“

Herr Smith O'Brien h in langer Rede auseinander, warum Irland, und deshalb auch er, gezwungen sei, den eingeschlagenen Weg zur Repeal zu verfolgen, nachdem die Regierung und das Parlament sich geweigert, Maßregeln zur gründlichen Beseitigung der Uebelstände des Landes zu treffen. Der Redner erwies dies durch die bekannten Argumente.

Sllfen.

Brüssel, 11. Dez. Vorgestern wurde die allgemeine Dis⸗ kussion des Budgets der Mittel und Wege in der Kammer der Re⸗ präsentanten geschlossen. Herr Dumortier stellte an diesem Abend unter Anderem die Meinung auf, Belgiens Heil dürfe nicht in Han⸗ dels⸗Verbindungen, gleichviel mit Frankreich oder Deutschland, sondern in der Entwickelung des Colonisationsgeistes gesucht werden. Herr Merode sprach sich gegen verschiedene Vorschläge wider den Luxus aus. Er glaubte, daß solche Maßregeln den arbeitenden Klassen zum Schaden gereichen würden. Wolle man die Hülfsquellen des Staats schatzes erhöhen, so solle man den Preis der Plätze auf der Eisen⸗

bahn erhöhen. 1 8 ch w 7

l Luzern, 5. Dez. (A. Z.) Der Große Rath des Standes Luzern hat heute Herrn Konstantin Siegwart⸗Müller zum Schult⸗ heißen des Kantons und zum Bundes-Präsidenten der Eidgenossen⸗ schaft für das Jahr 1844 und zum Statthalter Herrn Schultheiß R. Rüttimann ernannt. Herr Siegwart⸗Müller wird mit dem neuen Jahr in Function treten. Derselbe ist bekanntlich im letzten Jahr als entschlossener Vorfechter der katholischen Partei aufgetreten, eine Rich⸗ tung, die er seit dem Jahre 1840 entschieden verfolgt. Bei Gele⸗ genheit der bekannten Straußischen Wirren im Kanton Zürich gab Herr Siegwart (dazumal Staatsschreiber des Kantons Luzern) eine Schrift heraus über die Frage: „Welche religiösen Garantieen ein Staat gewähren müsse.“ Von diesem Augenblick hatte er sich vom Radikalismus losgesagt. Einerseits dieser Veränderung der politischen Grundsätze, andererseits seinen unbestreitbaren Talenten hat Herr Siegwart⸗Müller die heftigen Gegner im radikalen Lager zu danken. Er wird also weniger eine vermittelnde Stellung einnehmen, als der gegenwärtige Schultheiß, Herr Rüttimann.

Die Groß⸗- und Landräthe von Freiburg und Nidwalden haben beinahe einhellig beschlossen, die von Luzern aus beantragte Konferenz der bundesgetreuen katholischen Stände zu beschicken. Es sind nun noch Zug und Obwalden im Rückstand; sie werden wohl bald nach⸗ folgen. Die katholischen Stände verfolgen somit langsam aber sicher ihren Plan. 1

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** Paris, 10. Dez. Man wundert sich sehr darüber, daß die Regierung keine der gewöhnlichen Post vorangeeilte Nachrichten aus Madrid veröffentlichen läßt, indem kaum zu bezweifeln steht, daß der Telegraph in den Tagen vom 5ten bis zum 7ten Stoff zu mehr oder weniger wichtigen Mittheilungen gefunden habe. Durch die heutige Post haben wir die madrider Zeitungen und Korrespondenzen bis zum 4“ten erhalten, deren Inhalt leider nicht geeignet ist, die Be⸗ sorgnisse zu vermindern, welche die neueste Wendung der politischen Treignisse in der spanischen Hauptstadt hervorgebracht hat. Die Be⸗ mühungen des Herrn Gonzalez Bravo, ein neues Kabinet zu Stande zu bringen, haben noch immer zu keinem Ergebnisse geführt, und wenn die der Regierung ergebenen Blätter die Hoffnung aussprechen, das Ministerium im Laufe des 5. Dezember konstituirt zu sehen, so würde es sehr voreilig sein, auf solche Aeußerungen ein großes Gewicht zu legen. Das Gewisse an der Sache ist, daß Herr Gonzalez Bravo an manche Thüren vergeblich angepocht hat, daß die Exaltirten ihm mit einer Stimme und unbedingt alle Mitwirkung verweigern, und daß von den Männern der Regierungs⸗Partei wenigstens viele die Verantwortlichkeit und die Gefahren scheuen, welche die Errich⸗ tung eines ausschließlich gemäßigten Kabinets für sie selbst und für den Staat mit sich bringen würde. Die beiden Degen der christi⸗ nischen Partei, die Generale Narvaez und Concha, denen es freilich nicht an gutem Willen und an Aufopferungsfähigkeit fehlt, würden durch ihre bloßen Namen das neue Kabinet so depopularisiren, daß man nicht daran denken darf, durch einen von ihnen eine der vor⸗ handenen Lücken auszufüllen. Die von mehreren madrider Blättern mitgetheilte Liste der vermuthlichen Mitglieder des künftigen Ministe⸗ riums enthält nur sehr unbedeutende Namen. G

Inzwischen sind nun die Straßen von Madrid am Abend des 9ten schon wieder mit Blut gefärbt worden. Die an der Puerta del Sol versammelten Volkshaufen forderten durch aufrührerisches Geschrei, durch Lebehochs für Espartero und durch Todesdrohungen gegen den General Narvaez und gegen die Christinos überhaupt, das Einschrei⸗ ten der Behörden heraus. Die beschwichtigenden Worte des Sergeant⸗ Majors des Platzes wurden verachtet, und selbst mit Schimpfreden beantwortet, so daß die Behörden endlich Truppen aufmarschiren ließen. Bei dem Zusammentreffen derselben mit der tumultuirenden Menge wurden mehrere Personen verwundet und zwei blieben todt auf dem Platze. Erst um halb zwölf Uhr konnte die Ruhe völlig wiederher⸗ gestellt werden, nachdem man den größtmöglichen Aufwand von mili⸗ tairischen Kräften entfaltet hatte. Unter diesen Umständen muß die Vertheidigungs⸗Rede, welche Herr Olozaga am 3ten und 4ten im

Kongresse gehalten, natürlich Oel ins Feuer gegossen haben, denn der

gestürzte Minister hat mit großer Energie und mit einem für die Spa⸗

nier ergreifenden Pathos gesprochen, und die Form sowohl als der

Inhalt seines Plaidoyer sind völlig geeignet, einen starken Einfluß auf die politischen Leidenschaften der Bevölkerung von Madrid aus⸗ zuüben. Da es möglich wäre, daß Ihnen diese Rede nicht von an⸗ derer Hand zukäme, so theile ich Ihnen nachstehend einige der beach⸗ tenswerthesten Stellen aus derselben mit: „Wie mein Beruf es mit sich brachte“, sagte Herr Olozaga, „begab ich mich am 28sten nach dem Palaste, um die laufenden Geschäfte zu besorgen, und ich ver⸗ fügte mich zu der gewöhnlichen Stunde und auf dem gewöhnlichen Wege in das Arbeitszimmer Ihrer Majestät der Königin, um meh⸗ rere Unterschriften von derselben einzuholen. Die zur Ausfertigung

bereit liegenden Dekrete befanden sich sämmtlich in meinem Portefeuille,

vor mir her ging, wie immer, ein Thürsteher, ich traf in dem König⸗

betreffend eine Reorganisation der polytechnischen Schule in Athen.

lichen Gemache die Personen, welche kraft ihres Amtes dort sein mußten, man wechselte die gewöhnlichen Begrüßungen, und die Arbeit begann. Wie es meine Pflicht war, las ich die zu unterzeichnenden Dekrete vor, wobei ich nicht zu bemerken nöthig habe, daß die Un⸗ schuld sich nicht um Einzelnheiten bekümmert, welche ohne Wich⸗ tigkeit für sie sind. Da die Dekrete sehr zahlreich waren, so hatte ich einige natürliche Ungeduld zu bekämpfen, ein Umstand, von dem ich nichts weiter sagen will. Hierauf wurden denn die Dekrete wie es sich gehört unterzeichnet. Als diese Arbeit beendigt war fand sich Gelegenheit, einige Augenblicke mit anderen Gegenständen sich zu be⸗ schäftigen. Man händigte mir eine Note ein, in welcher die Verdienste

einer Person dargestellt wurden, der man einen Orden zu verleihen wünschte. Außerdem wurde mir eine Artigkeit erwiesen, welche frei⸗ lich nicht die erste war, die aber darum nicht weniger Werth für mich man gab mir ein kleines Geschenk für das, was meine größte Wonne ausmacht, für meine Tochter, welcher ich dasselbe in Gegen⸗ wart von mehreren Personen überreichte, deren Zeugniß ich nicht bedarf, da ich immer für einen Ehrenmann gegolten habe, auf deren Zeugniß ich mich aber berufen könnte, wenn es nöthig wäre.“ Man bringe alle diese Umstände in Anschlag, fügt Herr Olozaga hinzu, und man sage alsdann, was von der gegen mich vorgebrachten An⸗ klage zu halten ist. v.

„Aber angenommen“, fuhr er fort, „daß ein Minister, der bei der Bestätigung dieser oder jener Maßregel interessirt ist, auf einen geringeren oder stärkeren Widerstand stößt; angenommen, daß es die⸗ sem Minister nicht an Verstand fehlt, und daß er die Mittel besitzt, seine Ansichten geltend zu machen; angenommen, daß er wenigstens durch einige Uebung gelernt hat, seine Ideen auszudrücken, und daß er zuweilen glücklich genug ist, um Andere, welche vorher verschiede⸗ ner Meinung waren, zu denselben zu bekehren; angenommen, daß dieser Minister die mittelmäßige Sittlichkeit besitzt, die er noth⸗ wendigerweise haben muß, und daß er so viel Klugheit hat, als ihm unentbehrlich ist: wird jener Minister unter allen diesen Voraussetzun⸗ gen nicht die geeigneten Mittel der Ueberredung in Anwen⸗ dung bringen, um den Widerstand zu besiegen, welchen man ihm entgegensetzt? Ich will mich nicht, auch nicht in Form einer ganz unzulässigen Voraussetzung, mit Leuten vergleichen, welche in einem ähnlichen Falle andere Mittel anzuwenden bereit wä⸗ ren, und ich gestehe, daß ich gar nicht an die Möglichkeit solcher an⸗ deren Mittel gedacht habe, ehe diese Sache so vielseitig hin⸗ und her⸗ besprochen worden ist; aber wäre es denn nicht leichter, mit Rücksicht auf die Schwierigkeit der genauen Prüfung der Dokumente, welche zur Unterzeichnung vorgelegt werden, sich durch andere als gewaltsame Mittel in den Besitz eines solchen Dekretes zu setzen?“ Herr Olozaga legt im weiteren Verlaufe seiner Rede das größte Gewicht darauf, daß er natürlicherweise die Enthüllung des ihm zur Last gelegten Gewaltstreichs fürchten und daß ihn dieselbe nothwendigerweise um die ganze Frucht seines Attentats bringen müsse, so daß dasselbe gar keinen Zweck gehabt hätte. 1

Griechenland.

Triest, 5. Dez. (A. Z.) Mit dem heute eingelaufenen Dampf⸗ boot erhielten wir Briefe aus Athen bis zum 2bsten v. M. Die zweite Zusammenkunft der Deputirten hatte am 21sten unter dem Vorsitz des Herrn Pannutzos statt. Die Verhandlungen beschränkten sich auf die Ernennung einer Kommission zum Entwurf einer Antwort auf die Thron-Rede und einer anderen zur Regulirung der inneren Debatten der Versammlung. Herr Londos machte den Vorschlag, die bestrittenen Wahlen zuzulassen. Herr Rhodius meinte, daß die Be⸗ schlüsse der Kommission um so mehr als gültige anzusehen wären, als die Appellation freigestellt sei. Herr Rhigas Palamides wünschte, daß die Ernennung einer Kommission zur Beantwortung der König⸗ lichen Rede noch unterbliebe, bis über die bestrittenen Wahlen ent⸗ schieden sein werde, da es von Wichtigkeit sei, daß die ganze Ver⸗ sammlung daran Theil nehme. Nach einer lebhaften Debatte über die beiden Vorschläge wurde über die Kommission für das Kammer⸗ Reglement abgestimmt und die Sitzung auf den 25sten vertagt, allein diese wird erst am 27sten stattfinden.

Das neueste griechische Regierungsblatt enthält eine Verordnung,

Im Ministerium der Justiz gehen täglich Veränderungen vor.

Piräeus, 27. Nov. Die Sitzung der National⸗Versammlung in Athen, welche am 25sten statthaben sollte, wurde auf heute ver⸗ schoben. Unter den Deputirten ist ein Prinzipienstreit entstanden, der ernste Folgen nach sich ziehen könnte. Es handelt sich nämlich um die Frage, ob die Kandioten, Scioten, Samioten, Ipsarioten, Epiroten, Thessalier, Macedonier, Thracier, Sulioten u. a., welche an dem Freiheitskampf Theil genommen und zu den früheren Natio⸗ nal⸗Versammlungen ihre Deputirten gesendet hatten, auch jetzt re⸗ präsentirt werden sollen. Die Moreoten sprachen sich besonders dahin aus, daß sie ausgeschlossen werden müssen (was man auch in Konstantinopel verlangt), während eine andere Partei auf dem Gegentheile beharrt. Dieser Streit wirkt bereits hemmend auf den Gang der Verhandlun⸗ gen ein, und die Debatten über die Verfassung dürften dadurch noch ziemlich hinausgeschoben werden. Die Minister selbst sind in dieser Beziehung uneinig, und während Palamides, Londos, Melas und Maurokordatos es mit den Moreoten halten, sprechen sich Kolettis, Metaxas und Mansolas im entgegengesetzten Sinne aus. Kanaris hat sich bis jetzt noch für keine Pagtei erklärt.

S Athen, 26. Nov. Am 24sten begab sich der hiesige russi sche Gesandte Herr von Katakazi in den Piräeus, um seine mit dem französischen Dampfboote von Konstantinopel angekommenen Depeschen selbst in Empfang zu nehmen, und schiffte sich nach Empfang dersel⸗ ben sogleich auf einer im Piräeus besindlichen russischen Korvette ein. Ob Herr von Katakazi von seinem Gesandtschafts⸗Posten ab⸗ berufen sei oder nicht, darüber sind hier die Meinungen noch getheilt. Das übrige Gesandtschafts⸗Personal ist hier geblieben und Herr Staats⸗ Rath von Persiani hat nach der Abreise des Gesandten dessen Ge⸗ schäfte übernommen. Die gestrigen Zeitungen brachten einen Ab⸗ druck des Entlassungsgesuches des Obersten Kalergis von der Kom⸗ mandantur der Hauptstadt an das Kriegsministerium und eines Schrei⸗= bens desselben an Se. Majestät. Er entwickelt in ersterem feine Ansicht über die Rolle, welche der Armee bei den Ereignissen des