lose National⸗Oekonomie, wenn einige Millionen durch die Centralisirung der Armenpflege unter Aufsicht der Regierung erspart werden.) 8 Aber es ist nicht zu Hause allein, daß man erkennt, welche Wirkung die Regierung auf den National⸗Charakter ausübt. Dieselbe zeigt sich auch bei dem Reisenden in der Art und Weise und in dem Zwecke, wie und wozu er reist. Der Franzose, gewöhnt, unter e. Polizei⸗Kontrolle zu leben, kommt nach England, um ein Land zu sehen, wo Jeder ohne aß umherreisen und ein Gefäß Wasser aus der See schöpfen kann, ohne hesabr zu laufen, eingesperrt zu werden. Diese Dinge machen Eindruck auf ihn, und wenn er sie selbst erfahren und sich von der Wahrheit über⸗ zeugt hat, kehrt er zurück nach Lvon oder Toulouse, um seinen Landsleuten über freie Regierungen Vorlesungen zu halten, für welche Mühe er dann eingesperrt wird. Der Engländer dagegen reist einfach zu seinem Vergnü⸗ gen, fragt nicht nach dem Systeme der Regierungen, damit er nicht für einen Spion oder Jakobiner gehalten werde, und wenn er herzlich über Paßwesen, Wege und geflucht, kehrt er nicht mit halb so vieler Kenntniß von den inneren Verwaltungs⸗Instituten Frankreichs zurück, als er durch einen Besuch der chinesischen Ausstellung über China erlangt.
— Es würde indeß doch von großem Nutzen sein, wenn selbst nur eine mäßige Bekanntschaft mit den Gesetzen und der Verwaltung Frankreichs bei uns allgemeiner wäre. Man würde vor allen Dingen die Institutionen, deren man sich selbst erfreut, richtig würdigen lernen und erfahren, wie sie erhalten werden können; der wahre Begriff der persönlichen Freiheit, die
Vortheile (2) der einzelnen lokalen Provinzial⸗Regierungen und die Wohl⸗ thaten der freien Presse würden dann erst recht verstanden werden; man würde den geringsten Eingriff der Regierung in die lokale Jurisdiction mit argwöhnischen Blicken überwachen und mit einer noch edleren Entrüstung die gegen Rechte und Freiheiten seiner Landsleute versuchte Schmach zurück⸗ weisen, welche die Alles umfassenden Functionen der Civil⸗Kommissarien zu⸗ fügen lönnen.
Es ist deshalb kein gewöhnliches Interesse, welches wir beim Durchlesen der oben genannten Schrift über Frankreich empfanden, die offenbar das Werk eines durchaus seinem Gegenstande gewachsenen Autors ist zc.“
Die Times giebt im Verlaufe dieses Artikels noch kurz den Inhalt des Buches an.
Griechenland. Athen, 6. Dez. (Journ. d. Déb.) Die Frage hinsichtlich Verifizirung der Vollmachten scheint ihre großen Schwierigkeiten zu haben. Die gesetzliche Zahl der Deputirten soll 180 betragen, und es sind deren 220 bis 240 gewählt. An vielen Orten haben dop⸗ pelte Wahlen stattgefunden, aber dazu kommt die noch größere Schwie⸗ rigkeit der Wahlen von Ausländern. Bekanntlich sind die Wahlen nach dem Gesetz von 1829 vollzogen worden. Damals ließen sich die Bevölkerungen der nicht emanzipirten unter türkischer Herrschaft verbliebenen Provinzen trotzdem in der National⸗Versammlung Griechenlands vertreten. Auf den Text dieses Gesetzes sich stützend, haben die in Griechenland ansässigen Macedonier, Epiroten, Thessalier, Smyrnioten, Chioten und Kretenser das Recht wiederum geltend gemacht, Repräsentanten für die Provin⸗ zen, in denen sie geboren sind, in die National⸗ Versamm⸗ lung zu senden. Nun gehören diese Provinzen aber zum ottomani⸗ chen Reiche, und man darf also wohl fragen, ob das, was damals geschehen konnte, als Griechenland noch keine fest bestimmte Gränzen hatte, jetzt thunlich ist, wo es ein genau abgegränztes, besonderes und von der Pforte anerkanntes Land bildet. (Man vergl. die vorläufigen Entscheidungen der Kommission im Artikel Athen in Nr. 175 der Allg. Pr. Ztg.) Die wichtigste Frage, über welche die National⸗Versammlung zu berathen haben wird, ist die hinsichtlich der Konstituirung der ge⸗ setzgebenden Körper. Das Prinzip der Begründung zweier Kammern, und nicht einer einzigen, scheint allgemein angenommen; es handelt sich aber darum, ob die Mitglieder des Senats von der Nation ge⸗ wählt oder vom Könige ernannt werden sollen. Das Ministerium und überhaupt alle Gemäßigten stimmen für einen Senat, dessen Mitglieder der König auf Lebenszeit zu ernennen hätte; eine sehr bedeutende Partei aber erklärt sich für ein Wahl⸗System, wonach der König unter je drei gewählten Kandidaten einen zum Senator zu ernennen haben würde. ““
88
le vi h g. ☛☚ Paris, 17. Dez. Bevor Santana von Mexiko nach sei⸗ nem Landgute in der Nähe von Veracruz abging, erließ er noch an die mexikanische Nation ein außerordentlich langes Manifest, in wel⸗
chem er sich selbst die größten Lobsprüche ertheilt. Ich theile Ihnen daraus nur die bemerkenswerthesten und wichtigsten Stellen mit. Er sagt unter Anderem darin:
„Meine Landsleute! Der schwankende Zustand meiner Gesundheit, ver⸗ ursacht durch eine lange Laufbahn öffentlicher Dienste, die anhaltenden und anstrengenden Arbeiten der Verwaltung in schweren Zeiten, und die Wun⸗ den, die ich in Vertheidigung der heiligen Sache des Vaterlandes empfan⸗ gen habe, nöthigen mich, mich von den Geschäften zurückzuziehen; indeß würde ich meine Opfer fortgesetzt haben durch Verbleiben an der Spitze der Regierung, wenn nicht große Gegenstände des nationalen Interesses mich an die Küsten des Nordmeeres riefen. Stets bin ich überall hingeeilt, wo das Vaterland erheischte, daß ich ihm meine Anstrengungen weihe, als ich überzeugt war, daß ich mich der Aufrechthaltung seiner Rechte, seines Ru⸗ fes und seines Ruhmes hingeben müsse. Ich sage der göttlichen Vorsehung Dank dafür, daß ich, indem ich von der Ausübung einer unbegränzten Ge⸗ walt abtrete, es thun kann mit ruhigem Gewissen und mit der Befriedi⸗ gung, den Familien keine Trauer verursacht, die Bürger keine Thränen ver⸗ gießen gemacht und dem Volke nicht den Druck jenes Despotismus aufer⸗ legt zu haben, den meine Ueberzeugungen und meine Gefühle stets verdammt haben. Ich schuldete meinem Vaterlande dieses Beispiel des Respekts für das, was die Nationen verdienen und die Bürger, aus denen sie bestehen. Das vorwaltende Prinzip meiner Politik war, die Uebung der Gewalt auf die Gränzen des öffentlichen Wohls zu beschränken und sie in eine über die Privat⸗Leidenschaften erhabene Sphaäͤre zu stellenm.
„Vor diesem Tage war die Aufmerksamkeit der Mexikaner auf das Studium und die Annahme einiger politischen Theorieen gerichtet; während dessen hatte man die materiellen Reichthümer vernachlässigt, welche die Durchführung dieser Theorieen voraussetzt, und man dachte nicht daran, dem Volke Brod zu geben, bevor man an seine Heranbildung dachte. Die Armuth, der Mangel an Hülfsquellen lasteten auf den Mexikanern, und ich war in die Nothwendigkeit versetzt, tief nachzusinnen über den Ursprung dieser anormalen Situation, um die geeigneten Mittel zu suchen, allen Zweigen der Production wieder Thätigkeit zu geben. Aus diesen Beweg⸗ gründen habe ich das Prohibitiv⸗System ausgedehnt, auf welches so viele Nationen zurückgekommen sind, nachdem sie die Opfer der angeblichen Axiome einiger Oekonomisten geworden sind. Die Wohlthaten der Unab⸗ hängigkeit waren nur noch eine Chimäre, sobald der Mexikaner bei seiner eigenen Gesetzgebung keine Stütze mehr fand, und als er erkannte, daß er zu allen Opfern sich verstehen müsse, ohne die Vortheile daraus zu ziehen, die er sich von seiner neuen politischen Existenz versprochen hatte. Ich habe in Meriko eine Wahrheit feststellen müssen, nämlich, daß es eben so ehrenhaft, als vortheilhaft ist, den Namen eines Mexikaners zu tragen, und daß die den Ausländern zugestandenen Begünstigungen nicht so weit sich erstrecken dür⸗ fen, daß sie den Landeskindern schaden und ihren Ruin verursachen. Indeß habe ich mit Versöhnung aller Interessen den Ausländern Thore geöffnet, die ihnen versperrt waren, ich habe ihnen das Recht gegeben, Eigenthum zu erwerben, und ich habe die Bürgschaften für sie vervielfacht, deren man in der civilisirten Welt genießt. In den politischen Fragen mit den be⸗ freundeten Nationen hat meine Pflicht mir als Regel gedient; und so wie ich niemals ein der Nation zustehendes Recht geopfert habe, so habe ich auch die freimüthige, aufrichtige und gerade Gerechtigkeit nicht verletzt, die man allen Völkern schuldig ist. Die Verbindungen, die wir mit mehreren Nationen bewahren, sind vortheilhaft, sehr vortheilhaft; aber was schmach⸗ voll ist, kann nie gewinnbringend sein, und nie habe ich eingewilligt, noch werde ich je einwilligen in die Schmach meines Vaterlandes..
„Die Keime der Zwietracht, welche die Nation in Unruhe und Besorg⸗ niß versetzten, sind verschwunden, und dieses Resultat ist eben so sehr den thätigen Maßregeln meiner Regierung, als der Sanftmuth des mexrikanischen Charakters zu danken. Der Friede, diese kostbare Grundlage aller sozialen Hoffnungen, hat sich im Schoße des Volkes befestigt; in Nukatan allein hat die Demagogie, wie überall und zu allen Zeiten, die furchtbarsten Uebel⸗ hervorgebracht. Nukatan hat die edelmüthigsten und wohlwollendsten Zuge⸗ ständnisse zurückgewiesen, und wird die Regierung der Nation zwingen, die ganze Stärke ihrer Mittel anzuwenden, um die Gerechtigkeit ihrer Rechte zu unterstützen. Was Teras anbelangt, dieses andere Land des Skandals, so hat es mehr als einmal im Laufe meiner Verwaltung erfahren, was die Tapferkeit und der sprudelnde Muth unserer Soldaten vermögen; ein Waffen⸗ stillstand ist ihm gewährt worden, um seine Vorschläge hören zu lassen; und wenn sie nicht die Rechte des Landes angreifen, die Integrität seines Ge bietes und die National⸗Ehre, so werden sie mit dem Wohlwollen geprüft werden, welches erleuchtete Regierungen ihren Unterthanen gewähren, wenn sie ihre Verirrungen bereuen.
„Mitbürger, ich gehe endlich ab, indem ich an der Spitze der Regie⸗ rung einen Bürger zurücklasse, der des Vertrauens der Nation wuͤrdig ist durch die Dienste, die er der Unabhängigkeit geleistet, durch die Milde seines Charakters und seine Ehrfurcht vor den Gesetzen. Ich reise ab, durch⸗ drungen von dem lebhastesten Danke für eure unausgesetzte und edelmüthige Gunst; ich betheure euch, daß ich überall, wo ich sein werde, meine Gebete
zum Ewigen emporsenden werde für euer vollständigstes Glück, ich bereit bin, mein Dasein dem Vaterlande zu opfern, das uns das Leben gegeben hat, das unser höchstes Gut und unser ganzer Ruhm ist.
8 Takubapa, 5. Oktober 1843.
(gez.) Antonio Lopez de Santana.“
9
Stettin, 22. Dez. (B. N. d. O.) Schon die Nähe des bevorste⸗ henden Weihnachtsfestes bewirkt, wie gewöhnlich, Stillstand in laufmänni⸗ schen Geschäften. Noch mehr aber, in Bezug auf
Getraide, wird es durch die wiederhosen flauen Berichte vom Aus⸗ lande herbeigeführt. Man hofft zwar auf eine Besserung weiterhin, nament⸗ lich in England, doch läßt sich eiwas Bestimmtes darüber keinesweges bis jetzt absehen. Sollte der Winter so abnorm milde bleiben, wie er seither war, so würde schon dies in allen nördlich gelegenen Ländern nachtheilig auf die Consumtion und Preise von Getraide einwirken. Weizen ist von Exporteurs seit Montag nuͤr am Landmarkt gekauft worden, wo man über 50 Rthlr. für 128./29pf. ukerm. und märkischen nicht mehr bewilligen wollte und auch dazu ankam. Sonstiger Umsatz darin hat nicht stattgefunden und blieben Preise nominell: vom Boden 128/29pf. ukerm. und märk. 52 Rthlr., schwimmend 125/26pf. neuer gelber schles. 50 a 51 Rthlr., vom Boden eben solcher 50 a 51 Rthlr., 129/30 pf. alter do. 53 Rthlr., 125/26pf. neuer weißer do. 52 Rthlr., 130/3 1pf. alter do. 56 Rthlr., auf Lieferung im Frühjahr 125/26pf. neuer gelber do. 53 Rthlr., wozu erlassen, aber keine Kauflust ist. Roggen ebenfalls ohne Umsatz, in loco 117 bis 121 pf. (82 bis 85 /86 pf. pr. Schfl.) 34 a 35 Rthlr., pr. Frühjahr 82 f. pr. Schfl. 33 ¾ Rthlr. Ab⸗ geber, aber keine Nehmer. Von Gerste bleiben Verkäufer fehlend. Nur kleine Partieen Oderbruch in mittelmäßiger Qualität sind seit kurzem am Markt gewesen und zu 24 Rthlr., auch eine Kleinigkeit darunter, begeben worden. Größere wurden nicht angetragen, und würde auf Lieferung im Frühjahr für 102./3pf. Oderbruch 24 ½ a 2 Rthlr. wohl noch zu machen sein, für 106 /7pf. vorpomm. 27 ⸗ 272 Rihlr. Hafer bleibt vernachlässigt und pomm. auf Lieferung im Frühjahr zu 17 ½ Rthlr. käuflich. Erbsen, große 33 a 34 Rthlr., kleine 31 4 32 Rihlr., über welche Preise der Er⸗ porthandel am Landmarkt nicht bewilligen will und dazu auch theilweise kauste. 8 1 8
Saamen. Rapps und Rübsen wird nur sehr selten noch angetragen, ist aber auch ohne alle Frage. Winter⸗Rübsen wurde in einem Falle zu 61 Rthlr. erlassen. Für Dotter wird nicht mehr über 44 Rthlr. geboten. Preuß. Schlagleinsaamen zu 52 Rthlr. zu haben. Kleesaamen, weißer sehr gefragt, aber nichts davon aufzufinden. Von rothem ging in vorigjähr. ord. Mittelwaare einiges zu 11 ¾ Rthlr. ab, neue gut mittel auf 16 Rthlr. gehalten. Thimothee gefragt und 12 Rthlr. dafür verlangt. Steinklee 3 Rthlr. Luzern, jähriger 19 ½ Rthlr. Spörgel 3 Rthlr. Säe⸗Leinsaamen ruht, bleibt aber fest gehalten, rigaer 8 Rthlr., pernauer 8 ¾ a 9 Rthlr., windauer 9 ½ Rthlr.
Für Rappkuchen auf Lieferung im Frühjahr bei größeren Partieen wurde 1 ¼ Rthlr. geboten, für Leinkuchen ebenfalls nicht mehr.
Spiritus aus erster Hand zur Stunde 26 ¾ — ½ %. Das Mehrste im Laufe der Woche dürfte zu 20 ½ % gekauft sein, über welchen Preis man im Allgemeinen nicht bewilligen will. Auf Lieferung im Frühjahr zu 24 %ℳ anzukommen.
s Butter. Der Absatz dieses Artikels ist sehr stockend geworden, und
deshalb ein Rückgang der Preise erklärlich. Gute pommersche Butter würde wohl kaum noch über 18 Rthlr. bedingen, da schöne vorpommersche Waare zu 19 a 20 Rthlr. verkauft wurde. Holsteiner 25 Rthlr. * Fettwaaren. Rüböl ist neuerdings billiger gekauft, in loco zu 10¼ Rthlr., pr. März./ April zu 10 Rthlr., über welche Preise hinaus auch ferner nicht zu machen sein würde. Leinöl zu 10 ½ Rthlr. zu haben. Palmöl und Baumöl auf Notirungen gehalten. Thran ebenso, Südsee 10 Rthlr., berger br. Leber 26 i Rthlr., Astrach. 12 Rthlr.
Hering ohne Veränderung und ganz stille.
Getraide⸗Preise.
Mittler: ““ 1 Rthl. 20 Sgr. 3Pf. 1 Rthl. 15 Sgr. — Pf. 1 821 5 „» — „ 3 „— 9 „ — » 27 »„ 6
LEEöV8
Breslan, 21. Dez. Höchster:
Weizen 1 Rthl. 25 Sgr. 6 Pf.
Roggen 1 „ 7 » „
Gerste 1 „ — » — » — » 28 »
C““ 18 »
Magdeburg, 22. Dez. Höchster und niedrigster Getraide⸗Marktpreis
pro Wispel: Weizen: 47 ½ — 38 Rthlr. Gerste: 28 — 27 Rthlr. Hafer: 18 ½ — 16 ½ »
Roggen: 36 — 35 „
RnarvInEE
Allgemeiner Anzeiger.
und daß
Handels- und Börsen-Nachrichten. 8
[841] SEIqqssshn.
Folgende Verschollene: 3 8
1) Martin Lieske aus Follstein, der in den Jahren
1782 bis 1792 sich don dort entfernt hat,
2) Stephan Matuszonski aus Skorki, der im Jahre
1806 in das Polnische Militair getreten ist und
sich im Jahre 1822 in Szpdlowiec in Gallizien
aufhielt, seitdem aber verschollen ist,
3) Franz Nawrot aus Ciencisko, der sich im Jahre 1812, als er wegen Diebstahls zur Untersuchung gezogen werden sollte, auf flüchtigen Fuß gesetzt hat,
4) Martin Pierzchalski aus Pakosc seit dem Jahre 1798 verschollen,
5) der Bediente Franz Paver Nicolaus Lewandowski, der im Jahre 1814 oder 1815 zu Bromberg in die Dienste eines Russischen Offiziers trat und sich nach Rußland begeben hat,
Thomas Jankowski aus Inowraclaw, der seit dem Jahre 1808, wo er in Polnische Militair⸗Dienste trat, nicht zu ermitteln gewesen,
Der Bauer Christoph Köttke aus Dembowo, Mo⸗ gilnoer Kreises, der sich im Jahre 1814 von dort entfernt hat, um sich in Bessarabien niederzulassen,
8) Stephan Jedrzejewski aus Janowice, der seit dem
Jahre 1806, wo er sich nach dem Königreiche Po⸗ len begeben, unbekannt ist, 9) der Stabschläger Jacob Kaniewski aus Lazyoska, der seit dem Jahre 1820 verschollen ist,
10) die verwittwete Marianna Mrugowska, geborene
Salkowska, aus Wluki, die von dort seit dem Jahre 1830 verschwunden ist,
11) I. Fahnenjunker im ersten Polnischen
Kron Infanterie- Regiment, Joseph v. Gorczyszewski
aus Ostrowo, Kreis Wongrowiec, der seit dem
6 Jahre 1794 aus der Schlacht von Szezekociny
ddie er mitgemacht, verschwunden ist 46
12) Carl Tiedtke, der im Jahre 1807 zu Woydal in
Polnische Militairdienste trat und seitdem ver⸗ schollen ist,
13) Franz Paver Tiedtke, aus Pulkowo gebürtig, und
der in den Jahren 1802 — 1804 in Dulsk als
Knecht diente, soll nach einem Gerücht im
Jahre 1805 oder 1806 in Dulsk gestorben und in
Gora beerdigt seyn. Letzteres hat jedoch nicht fest gestellt werden können,
1¹) der Stellmacher Carl Bachmann, welcher seit dem
Jahre 1832 aus seinem Wohnorte Ruhnow ver⸗ ͤaͤa1.“”“
oedr ihre Erben und Erbnehmer werden hierdurch auf⸗ gefordert, uns von ihrem Leben, Aufenthalt sofort Nach⸗ richt zu geben, oder in dem am 30. März 1844 vor dem Herrn Ober⸗Landesgerichts⸗Assessor v. Vange⸗ row in unserem Instructionszimmer anberaumten Ter⸗ min persönlich oder durch einen Bevollmächtigten, wozu ihnen die Justiz⸗Kommissarien Roquette, Vogel und Schultz II. vorgeschlagen werden, zu melden, widrigen falls sie für todt erklärt und ihr Vermögen ihren näch⸗ sten legitimirten Erben und Erbnehmern ausgeantwor⸗ tet werden wird. u1“ Bromberg, den 3. April 1843. 8 Königliches Ober⸗Landesgericht.
[514 b] JJJ A1166A
Auf eingekommenen Antrag und mit Hinweisung auf die den Stralsundischen Zeitungen ausführlich inserirten Ladungen vom heutigen Tage, werden Alle und Jede, welche an die Verlassenschaft des im Juli d. J. ver⸗ storbenen Pensionarii Johann Jacob Schade von Hövet aus irgend einem Grunde Rechtens Forderungen und Ansprüche haben und geltend machen zu können dafür erachten, zu deren Anmeldung und Beglaubigung in einem der folgenden Termine, den 9. und 30. Januar, so wie den 20. Fe⸗
bruar k. J., Morgens 10 Uhr, vor dem Königl. Hofgericht bei Vermeidung der am 12. März k. J. zu erkennenden Präklusion, hiermit aufgefordert.
Datum Greifswald, den 5. Dezember 1843. Königl. preuß. Hofgericht von Pommern und Rügen. (L. S.) v. Möller, Praeses.
[2005] Nothwendiger Verkauf. Land⸗ und Stadtgericht zu Bromberg.
Das dem Dr. Carl Friedrich Wilhelm Vollmer ge⸗ hörige, zu Schroettersdorf bei Bromberg sub No. 2. belegene, zu Erbpachtsrechten verliehene Etablissement, abgeschätzt auf 6460 Thlr. 1 Sgr. 5 Pf., zufolge der nebst Hypothekenschein und Bedingungen in der Regi⸗ stratur einzusehenden Taxe, soll am 3. Juni 1844, Vormittags 11 Uhr, an ordentlicher Gerichtsstelle sub⸗ hastirt werden.
Rheinische Eisenbahn⸗ Gesellschaft.
E“
[511 b]
Zinsenzahlung pro 1843.
Die Inhaber von 4 ℳ privilegirten Obligationen
8
werden hierdurch benachrichtigt, daß die am 2. Januar 1844 fälligen halbjährigen Zinsen mit 5 Thalern pro Stück von dem gedachten Tage an in unserem Comtoir oder bei den Herren J. D. Herstatt, S. Oppenheim jr. & Co., A. Schaaffhausen, S. H, Stein, ge int Oeder 2 Oo., N. Wergifosse, Mendelssohn L Co., Gebr. Schickler, gegen Aushändigung der fälligen Zins⸗Coupons erho⸗ ben werden können.
Die Zahlung der Zinsen der Stamm⸗Actien für das Jahr 1843 soll nach dem Beschlusse der außerordentli⸗ chen General⸗Versammlung vom 20. November d. J. einstweilen suspendirt und in der nächsten gewöhnlichen General⸗Versammlung, nach Vorlage der Rechnung, über diese Zahlung naͤherer Beschluß gefaßt werden.
Köln, den 18. Dezember 1843.
Die Direction der Rheinischen Eisenbahn⸗Gesellschaft. Hirte, Spez. Dir. Subst.
in Köln
in Aachen,
1 in Berlin,
Literarische Anzeigen.
Der allgemeine 1 [2201]
Wohnungs⸗-Anzeiger für Berlin u. s. w. auf 1844,
redigirt vom Polizeirath Winkler, ist so eben erschienen und wird den resp. Herren Sub⸗ skribenten von heute an zugeschickt. Berlin, 23. Dezbr. 1843. Veit & Comp., Jägerstr. 25.
[2006] Ritterguts⸗Verkauf. 8 b
Ein in der Nähe der Städte Bautzen und Löbau in der Königl. sächsischen Ober⸗Lausitz gelegenes, zu den vorzüglichsten Besitzungen der Provinz gehöriges Erb⸗ und Allodial⸗Rittergut mit herrschaftlichem Schloß, in gutem Stande befindlichen und fast durchgängig massiv erbauten Wirthschafts⸗Gebäuden, sehr bedeutender Zie⸗ gelei, Brauerei, Brennerei, Fischerei, hoher, mittler und niederer Jagd, Ober⸗ und Nieder⸗Gerichtsbarkeit, Torf⸗ stich, auch fährlichen Geldzinsen und bedeutenden Ju⸗ risdictions⸗Nutzungen, wozu circa 620 Dresdner Schef⸗
el Feld von vorzüglich tragbarem Boden, 230 Schef⸗ fel zum größten Theile dreischüriger Wiesen, 22 Schef⸗ fel Gärten, 56 Scheffel Lehden, 370 Scheffel gutbe⸗ standenes Holzland, sehr bedeutende Rind⸗ und Schaf⸗ vieh⸗Heerden von ganz vorzüglicher Rage und überdies noch eine in der Königl. preußischen Ober⸗Lausitz gele⸗ gene gutbestandene Haide von 140 Scheffeln gehören, ist mir zum Verkauf übertragen worden.
Reelle Kaufliebhaber können bei mir auf mündliche und portofreie Anfragen die Bedingungen des Verkaufs und das Nähere über das Gut erfahren, auch gegen Erstattung der Kopialien einen speziellen Nutzungs⸗ Anschlag erhalten.
Bautzen, am 21. November 1843.
Advokat Schenk l1. ““ 8 8
Durch die am 1. November d. J. in Stuttgart stattgefundene öffentliche Verloosung der berühmten Gewehrsammlung Sr. Hoheit des verewigten Her⸗ zogs Heinrich von Württemberg ist unterzeichnetes Handlungshaus in Besitz einiger Pracht⸗Exemplare dieser Sammlung gekommen, welche man zu ver⸗ äußern beabsichtigt.
8 Herr sc ngag Krüg er, Spandauer⸗Straße Nr. 76 in Berlin, ist in den Stand gesetzt, über die Beschaffenheit der Gewehre, Kaufbedingungen u. s. w. jede gewünscht werdende Auskunft zu ge ben, und werden daher die bierauf reflektirenden Herren Jagd⸗ und Waffen⸗Liebhaber ersucht, sich an denselben zu wenden.
Frankfurt a. M., den 20. Dezember 1843.
3 SHBB6ö1
— ——
503] 8 1 Hihelr vnrana ihrer PDel. manenten
Kunst-Ausstellung. Linden ), Belle-Etage, 1b
zeigt ergebenst an
maßuke n⸗ Faüm tlatfnle
Julius Kuhrs Hof-Kunsthandlung 8
12h1S8x P xun s118 84
Das Abonnement breträgt: 2 Rthlr. für ¼ Jahr. 4 Rthlr. —⸗ 8 Rthlr. — in allen Theilen der Monarchie ohne Preiserhöhung. Insertions-Gebühr für den Raum einer Zeile des Allg. Anzeigers 2 Sgr.
1“
Alle Post-Anstalten des In⸗ und Auslandes nehmen auf dieses Blatlt an, für Berlin
die Expedition der Allg. Preuss.
Zeitung: 1 Friedrichsstrasse Nr. 72.
1 Die vierteljährliche Pränumeration dieser Zeitung beträgt 2 Rthlr. Preuß. Cour. für Erpedition selbst (Friedrichs⸗Straße Nr. 72) gemacht, und jeder innerhalb der Ringmauer der Stadt wohnende dem angegebenen Datum, frei ins Haus gesandt. — Auswärtige, des In⸗ oder Auslandes, kann nicht mit Gewißheit die Nummern erwarten, die vor der hier eingegangenen Meldung erschienen sind.
Uebrigens ist die Einrichtung getroffen, daß Inserate, deren Aufnahme in den Allgemeinen Anzeiger dieser Zeitung gewünscht wird, an den Wochentagen von Morgens
Mittwoch den 27stean Dezember
AUAn bHio Leser.
das Inland. Pränumerant erhält das Blatt durch die Stadtpost, schon den Abend vor bewirken ihre Bestellungen rechtzeitig bei den resp. Post⸗Aemtern; wr dies versäumt, Für einzelne Nummern des Blattes ist der Preis 2 ½ Sgr. —
— Bestellungen für Berlin werden in der
9 Uhr ab bis Nachmittags 4 Uhr in unserem Expeditions⸗Lokale, Friedrichs⸗Straße Nr. 72, in Empfang genommen werden. Der Preis der Insertion beträgt für den Raum einer Zeile 2 Sgr. Um wiederholten Anfragen zu begegnen, wird zugleich bemerkt, daß in dem Anzeiger der Allg. Preuß. Zeitung, außer gerichtlichen und anderen öffentlichen Bekant⸗
machungen der Königl. Behörden, literarischen und Kunst⸗Anzeigen, auch Familien⸗Nachrichten jeder Art, so wie Industrie und Handel betreffende Anzeigen, stets Aufnahme finden. Auswärtige haben ihre Inserate unter der Adresse der Expedition in frankirten Briefen einzusenden. 8
“
Amtlicher Theil.
Inland. Liegnitz. Schullehrer⸗Seminar zu Bunzlau. — Arnsberg. Uebertragung der Befugniß zu Versteigerungen. — Meurs. Unglücksfall.
Deutsche Bundesstaaten. Bayern. München. Gemeinderech⸗ nung. — Hof⸗Nachricht. — Landwirthschafts⸗ und Gewerbeschule. — Nürnberg. Verwendung der Sammlungen zu Gunsten der Deutschen in Griechenland. — Sachsen. Leipzig. Ein Besuch im Bazar. — Baden. Karlsruhe. Verhandlungen der zweiten Kammer. — Unter⸗ brechung der Sitzungen. — Kurhessen. Kassel. Stände. Verhand⸗ lungn. — Grh. Hessen. Darmstadt. Reise des Großfürsten Thron⸗
folzns von Rußland. — Sachsen⸗Weimar⸗Eisenach. Weimar. Einznufung des Landtages.
Frankreich. Paris. Rückkehr des Hofes nach den Tuilerieen. — Ab setzug legitimistischer Maires. — Briese aus Paris. (Angebliche Vor⸗ sichmaßregeln seit der Rückkehr des Hofes; Ausgang des Prozesses wehm des Komplotts in der Rut Pastourelle. — Die angebliche Mini⸗
stel⸗grisis und der Bischof von Chaͤlons; Casimir Delavigne’'s Begräbniß; beschleunigte Dampfschifffahrt nach Dover. — Teste's Rücktritt; die Ge⸗ fangenen des Mont St. Michel.)
Grostbritanieun und Irland. London. OConnell über die Kom⸗ c. zur Untersuchung der irländischen Pacht⸗Verhältnisse. — Ver⸗ mischtes.
Spanien. Briefe aus Madrid (Förmliche Beglaubigung und Antritts⸗ Audienz des Fürsten Carini als bevollmächtigten Ministers und außeror⸗ dentichen Gesandten Sr. Majestät des Königs beider Sicilien; Anstel lung eines Secretairs des Minister⸗Rathes; das neuliche Attentat gegen Narvgez. — Diplomatisches; Zinsenzahlung; Debatten über Olozaga, der entwichen sein soll; Graf Bresson.) — und Paris. (Unruhen in Saragossa.) 1
Eisenbahnen. Bruchsal.
(Stand der Frage.)
Handels⸗ und Börsen⸗Nachrichten. Berlin und Paris. Börse.
Königsstädtisches Theater. („Don
Unglücksfall. — Schreiben aus Paris.
nigs Giovannin.) — Dritte Symphonie⸗ Soirée der Königl. Kapelle. — Stettin. Pianist B. Damcke. — Schreiben aus Greifswald. (Winkelmann’s-Fest.) — Paris. Mu⸗ sikalische Soiréen und Matinéen; Meyperbeer's nahe Abreise; die Gebrü⸗ der Belcke; Wechsel in der Direction der italienischen Oper.
Beilage. Italien. Neapel. Schreiben des Professors Gemmellaro über den Ausbruch des Aetna. — Griechenland. Schreiben aus Mün chen. (Angebliches Aufhören der heiligen Synode; fortdauernd schwierige Stimmung.) — Tunis. Schreiben aus Paris. (Die Differenz mit Sardinien.) — Vereinigte Staaten von Nord⸗ Amerika. Schreiben aus New⸗York. (Die bevorstehende Eröffnung des Kongresses; Tyler's anti⸗britische Politik in Betreff des Anschlusses von Teras und des Oregon⸗Gebiets.) — La Plata⸗Staaten. Schrei⸗
(Neueste Nachrichten aus Montevideo und Buenos⸗
Abres.) — Handels⸗ und Börsen⸗Nachrichten. Danzig,
Stettin, Breslau, Magdeburg, Hamburg, London. Markt⸗
bericht.
ben aus Paris.
Amtlicher Theil.
Majestät der König haben Allergnädigst geruht: Dem Grafen Michgel Sumiuski zu gestatten, sich Leszezyc⸗ Suminski nennen zu dürfen;
8 8
Ober⸗Landesgerichts⸗Assessor Schweling zu Münster zum Land⸗ und Staͤdtgerichts⸗Rath daselbst zu ernennen; und
Dem Regierungs⸗ und evangelisch⸗geistlichen Rathe bei der Re⸗ gierung in Stralsund, Dr. Ziemßen, den Charakter als Konsisto⸗ rial⸗Rath zu verleihen.
Den
Demm dirigirenden ersten Lehrer der Provinzial⸗Kunst⸗ und Hand⸗ werks⸗Schule zu Erfurt, Pabst, ist das Prädikat eines Professors beigelegt worden.
8 Berrlin, den 26. Dezember.
Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin Friedrich der lande ist nebst Höchstihren Kindern, den Prinzessinnen Louise und Marie und dem Prinzen Friedrich Königl. Hoheiten nach dem Haag zurückgereist. Angekommen: Der General⸗Major, außerordentliche Gesandte bevollmächtigte Minister am Königl. württembergischen Hofe, Rochow, von Halle. —
und von
Inland.
Liegnitz, 23. Dez. Das heute ausgegebene Amtsblatt enthält folgende Bekanntmachung von dem Direktor des evangelischen Schullehrer⸗Seminars zu Bunzlau: Der Hohen Ministerial⸗Verord⸗ nung gemäß ist von dem Hochlöblichen Königlichen Provinzial⸗Schul⸗ Kollegium zu Breslau seit dem 20. Februar d. J. auch der hiesigen Bildungs⸗Anstalt für künftige Volksschullehrer die Einführung eines zweijährigen Seminar⸗Kursus anbefohlen. Hierorts kann jedoch der⸗ selbe mit Ostern k. J. noch nicht ins Leben treten. Um einstweilen eine solche Reduction der Seminarbildung zu vermitteln, wird die im Februar jeden Jahres übliche Aufnahme⸗Prüfung das nächstemal aus⸗ fallen, weil sonst nach Jahresfrist 90 Individuen zur Uebernahme eines Schul⸗Amts entlassen werden müßten, während schon 45 Seminaristen im liegnitzer Departement nicht mehr allesammt bald nach ihrer Ent⸗ lassung einen Posten erhalten können. Die nächste Präparanden⸗ Prüfung wird daher erst im Februar 1845 statthaben, mithin die Aufforderung zur Theilnahme an derselben im Dezember k. J. erge⸗ hen. Vorläufig wird noch bemerkt, daß künftig Prüflinge, um zuge⸗ lassen zu werden, ihr achtzehntes Lebensjahr zurückgelegt haben müssen.
Arnsberg, im Dezember. Das Königliche Oberlandesgericht zu Hamm findet sich, wie dasselbe in seiner Bekanntmachung d. d. 28. Nov. im hiesigen Amtsblatte erklärt, durch einen speziellen Fall veranlaßt, sämmtliche Notarien seines Departements darauf aufmerk⸗ sam zu machen, daß ihnen vermöge ihres Amtes zwar die Befugniß zusteht, meistbietende Verkäufe beweglicher und unbeweglicher Sachen vorzunehmen, daß sie aber diese Befugniß nicht auf dritte Personen, namentlich nicht 21 ihre Schreiber, übertragen können.
Meurs, 21. Dez. (D. Z.) Ein großes Unglück hat hier stattgefunden! Gestern Nachmittag um halb 2 Uhr stürzte ein Ge⸗ bäude, das der Seminar⸗Direktor Zahn auf der ¼ Stunde von hier
gelegenen Vilt bauen ließ, als man den Dachstuhl aufrichtete, unter furchtbarem Krachen zusammen und begrub unter seinem Schutte 13 Menschen, theils Maurer, theils Zimmerleute. Obgleich gegen tau⸗ send Männer, von nah und fern herbeigeeilt, mit der größten An⸗ strengung unausgesetzt bis Nachts 2 Uhr mit Wegschaffung des Schut⸗ tes beschäftigt waren, so gelang es doch erst diesen Morgen nach er⸗ neuter, mehrstündiger Arbeit, die letzte, die zehnte Leiche herauszu⸗ scharren. Unter den Todten befinden sich fünf Familienväter, welche ihre Frauen und gegen zwanzig noch unversorgte Kinder hinterlassen. Es war ein herzzerreißender Anblick, als die Leichen neben einander auf dem Todtenfelde lagen, Wittwen und Waisen, Väter und Müt⸗ ter, Brüder und Schwestern vor Schmerz zusammenbrachen, klagten und weinten! Dazwischen das Gestöhn, das Jammergeschrei der Verwundeten! Drei der Verschütteten, Familienväter, sind noch am Leben, deren schwere Verletzungen indeß für ihre Rettung sehr große Besorgniß einflößen.
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Ausland.
Deutsche Bundesstaaten.
Bayern. München, 20. Dez. (A. Z.) Zufolge der heute erschienenen Uebersicht über die Ergebnisse der Gemeinderechnung in unsrer Residenzstadt für das Jahr 1842—43 betrug die Summe der Einnahmen 717,481 Fl. 53 Kr. Die stärkste Einnahms⸗Position war auch diesmal vom Malzaufschlag mit 288,075 Fl.
München. (Frankf. Merkur.) Unsere Prinzessin Alexan⸗ dra, jüngste Tochter des Königs, ist auf ihrer Reise nach Italien, von Darmstadt, woselbst sie längere Zeit verweilte, in Hohenschwan⸗ gau eingetroffen. Die jugendliche Prinzessin wird längere Zeit in Italien verweilen. — Die hiesige Kreislandwirthschafts⸗ und Ge⸗ werbsschule ist fortwährend in einem erfreulichen Aufschwunge begrif⸗ fen. Der Andrang von Schülern zur Aufnahme war in diesem Herbste so groß, daß für den ersten Kursus eine zweite Abtheilung
errichtet werden mußte. “
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Nürnberg, 23. Dez. (N. C.) Se. Majestät der König hat zu beschließen geruht, daß, nachdem die Sammlung für die in Griechenland befindlichen, dem Militair nicht angehörenden, somit zur kostenfreien Ueberfahrt nach Triest nicht berechtigten unbemittelten Deutschen schon jetzt einen höheren Ertrag gewährt hat, als zur Erreichung des ur⸗ sprünglichen Zweckes erforderlich ist, von den eingehenden Sammel⸗ geldern nunmehr auch an sämmtliche in Folge der jüngsten Ereignisse in Griechenlaud hülfsbedürftig gewordene Deutsche, ohne Unterschied, ob dieselben dem Civil⸗ oder Militairstande daselbst angehört haben, angemessene Unterstützungen, im Falle der Zustimmung der Geber, und unbeschadet des ursprünglichen Sammlungs⸗Zweckes, verabreicht werden. Es soll dies durch die amtlichen Blätter in sämmtlichen Re⸗ gierungs-Bezirken mit dem Beifügen bekannt gemacht werden, daß alle diejenigen, welche binnen 8 Tagen nach der Bekanntmachung keine Einsprache erheben, als der erwähnten Ausdehnung des ur⸗ sprünglichen Sammlungs⸗Zweckes zustimmend angesehen werden. (Im Kreis⸗Intelligenz⸗Blatt von Mittelfranken Nr. 101 ist bereits das diesfallsige Ausschreiben des Königl. Regierungs⸗Präsi⸗ denten enthalten.) 4 3
Königsstädtisches Theater. Don Giovanni.
„Giovanni quà, Giovanni la!“ In beiden Opernhäusern Don Juan — wohin uns wenden? Wir entschieden uns für die Königsstadt und verbrachten in den überfüllten Räumen des dortigen Theaters den ersten Weihnachtsabend, da der Zusatz auf dem Zettel „Mit Original⸗Recitativen“ schon an und für sich Reiz genug hatte, dieser Aufführung unsere be⸗ sondere Aufmerksamkeit zuzuwenden, abgesehen davon, daß es die erste Vorstellung des Mozartschen Meisterwerks in dieser Saison war und schon als solche zu einem Referat aufforderte. Es handelte sich nämlich um die Entscheidung der Frage, die zugleich für das Urtheil über die höheren Leistungsfähigkeiten der italienischen Gesellschaft eine Lebensfrage war: ob sie im Stande sei, ein großartiges Kunstwerk, das zwar hinsichtlich seiner Melodieenfülle und seiner milden Ebenmäßigkeit auf südlichen Unterlagen zu ruhen scheint, in seinen charakteristischen Grundzügen aber dennoch mit deutschem Herzen gefühlt und mit deutschem Geiste ausgearbeitet ist, vor einer deut⸗ schen Versammlung nach seiner Ursprünglichkeit und in seiner Integrität ins Leben zu rufen. Es ist uns angenehm, berichten zu können, daß die Antwort auf diese Frage durchaus zu Gunsten unserer Gesellschaft ausge⸗ fallen ist. Daß dieselbe sich im Ensemble auszeichnen würde, war im voraus zu erwarten, indem die Mitglieder uns häufig genug wahrnehmen ließen, daß sie, um für eigene Rechnung zu glänzen, sich, wo es sich um dramati⸗ sches Zusammenspiel handelt, nie und nirgend isoliren, sondern Hand in Hand gehen, um eine Einheit der Leistung und Wirkung zu er⸗ zielen. Was diesen Punkt also betrifft, so waren sie auch heute wiederum durchweg brav, und einzelnes Mangelhafte im ersten Finale muß dem seine Aufgabe noch immer allzu handwerksmäßig treiben⸗ den Chore beigemessen werden. Aber auch die Leistungen im Einzelnen glie⸗ derten sich an dem Kunstkörper angenehm zusammen. Szr. Capitini als Don Giovanni zeigte uns, daß er auch für das Verlockende, Sinnliche, Bestrik⸗ kende den musikalischen Ausdruck treffen könne; im Duett mit Zerline („Là ci darem la mano“¹), im (fälschlich so benannten) Champagnerliede, das er unter
stürmischem Beifall wiederholte, im Ständchen („Deh vieni alla finestrab; der Akkompagnist Herr Urbaneck erhielt einen wohlverdienten Applaus) bewährte er dies sattsam. In den verschlungneren Nummern blieb sein Gesang sicher und kräftig; das Spiel war das des noblen Kavaliers, den man, wegen seiner Herzhaftigkeit, mit Bedauern dem Dämon verfallen sieht. — Sgra. Malvani, welche, man mag ihre „Rosine“ und „Maria“ noch so reizend finden, sich am günstigsten in ernsten und feierlichen Rollen zeigt, repräsentirte das hochherzige, ideale Frauenbild, welches Mozart durch seine Donna Anna in unvergänglicher Schöne aufgestellt, in Spiel und Gesang trefflecch und übertraf in den bewegteren Momenten sich selbst, so daß sie in der Arie „Or sai chi l'onore“, der die großartige Erzählung in geschmackvollem Vortrage voranging, das Publikum elektrisirte; die schwie⸗ rigen Verzierungen gelangen ihr hier, wie in der mildträumerischen „Brief⸗ Arie“, vollkommen, obwohl ihre Stimme sich von einer dünnen Umschleie⸗ rung noch nie ganz frei gezeigt hat. — Sgra. Ranzi, das schulgebildetste Mitglied der Gesellschaft, handhabte in seltener Vollendung die schwierige Partie der Elvira, und Sgr. Stella legte in die des Ottavio den vollen Schmelz seiner schönen Stimme. — Sgr. Grandi, einer der gewandtesten Komiker nach dem Geschmack seiner Landsleute, reüssirte, wenn wir letzteren Um⸗ stand im Auge behalten, als Leporello vollkommen; den Schluß seiner graziösen Erzählung „Eh, consolatevi“ nüancirte er so eigenthümlich schön, wie wir ihn noch nie gehört zu haben uns erinnern, und die Figuren klangen als der ver⸗ steckte vohn einer im Grunde durch und durch perfiden Natur. Sgr. Pan⸗ zini als Commendatore war brav, Sgr. Bien als Masetto besser als sonst und Sgra. Peccorini als Zerline aufmunternswürdig. Das soge⸗ nannte Recitativo secco wurde von Allen mit italienischer Sprachvolubilität behandelt und die Oper als ein Kunstganzes in integrum hergestellt. Wir hätten also Vieles anzuerkennen und nichts zu beklagen, als daß auch hier der eigentliche Schluß ausfiel. b 1—
Dritte Symphonie⸗Svirée der Königl. Kapelle.
Gleichsam als musikalische Festgabe brachte uns die dritte Symphonie⸗ Soirée der Königl. Kapelle am Mittwoch vor Weihnachten (20. Dezember) eine Auswahl hochst geistreicher Compositionen anerkannter Meister. Außer der hinreichend bekannten Symphonie von Haydn aus D-dur und der von Beethoven aus C-moll, welche beide, erstere zu Anfang und letztere zum Schluß der Soiréce, unter Taubert's Leitung, mit Feuer und höch⸗ ster Präzision vortrefflich ausgeführt wurden, hörten wir noch zwei andere geniale Musikstücke, die seltener zur Aufführung kommen und deshalb hier einer näheren Besprechung wohl werth scheinen.
Nach der Haydnschen Symphonie erfreute uns nämlich Herr General⸗ Musik⸗Direktor Mendelssohn durch den Vortrag seines G-moll⸗Konzerts auf einem leipziger, mit englischer Mechanik versehenen Flügel. Mendelssohn’s Compositionen athmen groͤßtentheils einen eigenthümlichen, tiefe Originalität beurkundenden Geist, indem sie ungeachtet des romantisch⸗phantastischen oder wild leidenschaftlichen Charakters, der sich fast immer in denselben ausspricht, doch nie ins Barocke ausarten und das, was ein Werk erst zu einem wahren K un st⸗ werke erhebt: innere Einheit bei möglichster Mannigfaltigkeit, immer ent⸗ halten. Das hier in Rede stehende Konzert aus G-moll ist ebenfalls ein höchst phantastisches, geniales Tonwerk, bei welchem auch das Orchester nach Beethoven's Manier selbstständig und wirksam mit eingreift. Mit lebendi⸗ gem Vortrag, voll Kraft und Energie in den leidenschaftlichen Passagen, voll Delikatesse in den Gesangsstellen, brachte uns der Komponist sein Werk selbst zu Gehör und erregte so, sich gleich groß als Tonsetzer wie als Vir⸗ an c be gend, einen wahren Beifallssturm der aufs höchste enthustasmirten Zuhorer.
Das zweite, vorher erwähnte, weniger gekannte Meisterwerk, das heute zur Ausführung kam, ist die Ouvertüre zu „Elisa“ von Cherubini. Die Zusammenstellung eines Cherubinischen Werkes mit einer Symphonie von Haydn, wie sie heute stattfand, erinnert uns an den Einfluß, den Haydn in geistiger Beziehung auf Cherubini ausgeübt hat. Denn erst durch
das Studium der deutschen Musik unseres guten Vater
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