1843 / 179 p. 3 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

bst. b. Vorfälle im Palaste gesagt hätte, wahr wäre. Sogleich 12 SSe. durch den Ausruf: „Das ist nicht wahr!“ Der Minister (Gonzalez Bravo) erwiederte: „Es thut mir leid, mich an diesem Orte zu befinden“, worauf Serrano ausrief: „Das ist gleichgültig!“ Der Minister⸗Präsident fragte darauf den General, ob er leugnen könne, ihm im Palaste gesagt zu haben, Olozaga's Benehmen wäre strafbar? Serrano erwiederte, er könne sich dessen nicht erinnern. Der Minister⸗Präsident sagte, der Gene⸗ ral hätte dieses nicht nur ihm, sondern auch einer hochgestellten (elevada) Dame und dem Deputirten Ros de Olano erklärt. Er (der Mini⸗ ster) hätte die feierliche Aussage der Königin dem Kongresse vorgelegt, weil er wußte, daß 62 Deputirte auf Veranlassung Cortina's einen Antrag auf Untersuchung des Vorfalles hätten machen wollen. Dies erklärte Herr Cortina für unwahr, worüber große Aufregung entstand. Der Minister⸗Präsident erklärte, er hätte eine Anzahl von Be⸗ amten abgesetzt, weil sie an einem neuen Aufstande der Provinzen arbeiteten. Der General Serrano erhob sich darauf mit der Er⸗ klärung, der Minister⸗Präsident hätte einen Mißbrauch von seinem Vertrauen gemacht, der nur auf dem Wege der Chre außerhalb des Kongresses gerügt werden könne. Herr Gonzalez Bravo erwie⸗ derte, er setze keinen Zweifel in die Rechtlichkeit seiner Gesinnungen, werde ihm aber auf jede Weise Rede stehen. Ein Zweikampf zwischen Beiden wird für unvermeidlich gehalten. Herr Olozaga soll nach Frankreich entwichen sein. Er erschien weder gestern noch heute im Kongresse.

35 Madrid, 15. Dez. Als der Prinz Carini gestern der Königin sein Beglaubigungs⸗Schreiben als außerordentlicher Gesand⸗ ter und bevollmächtigter Minister Sr. Majestät des Königes beider Sicilien überreichte, hielt er, der heutigen Gaceta zufolge, nach⸗ stehende Anrede: 1

Die Erklärung der Volljährigkeit Ew. Majestät, welche eine neue Epoche der Glückseligkeit in Ihrer Regierung festgestellt hat, und die ganze spanische Nation mit Jubel erfüllt, ist Sr. Majestät dem Könige beider Sicilien, meinem erlauchten Herrn, in dessen Herzen die Gefühle persönlicher Zuneigung, welche für die die beiden Königl. Fa⸗ milien von Spanien und Neapel vereinigenden Bande der Innigkeit und Verwandtschaft so wichtig sind, nie zu bestehen aufgehört haben, überaus angenehm gewesen. Um dies Euer Majestät zu erkennen zu geben, hat man geruht, mich auszuwählen, mit dem besonderen Auf⸗ trage, die engen und freundlichen, beide Höfe mit einander verbindenden Beziehungen immer mehr zu beleben. Durch meinen erlauchten Herrn mit diesem Auftrage beehrt, bitte ich, bei Ueberreichung der Königl. Schreiben, die mich als außerordentlichen Gesandten und bevollmäch⸗ tigten Minister bei Ew. Majestät beglaubigen, Sie mögen geruhen, mir zu erlauben, die Versicherung darzulegen, daß ich lebhaft hoffe und wünsche, dem Willen meines Souverains zu entsprechen, indem ich durch alle möglichen Mittel das Vertrauen Ew. Majestät zu erwerben, und Ihnen unablässige Beweise meiner besonderen Ehrfurcht und des großen Antheils zu geben suche, den ich stets in Bezug auf die er⸗ lauchte Person Ew. Majestät und Dero Königl. Familie an den Tag legen werde.“

Die Königin geruhte darauf Folgendes zu erwiedern:

„Ich nehme mit besonderem Vergnügen die Gesinnungen der Freund⸗ schaft und Zuneigung entgegen, welche mir mein erlauchter Oheim, der König beider Sicilien, auf Veranlassung meiner Volljährigkeits⸗ Erklärung, durch Sie darlegen läßt. Ich hoffe, daß die innigen und verwandtschaftlichen Bande, die uns vereinigen, von jetzt an unauf⸗ löslich sein werden (NYo espero que los vinculos de intimidad y parentesco que nos unen serän de hoy mas indisolubles): und indem ich aus Ihren Händen das Schreiben, durch welches Ihr Souverain Sie beglaubigt, entgegennehme, schmeichle ich mir mit der Erwartung, daß die Wahl einer so würdigen und empfehlungswerthen Person dazu beitagen wird, die guten Verhältnisse, die zum wechsel⸗ seitigen Wohl beider Länder zwischen beiden Höfen bestehen müssen, auf noch festeren Fuß zu setzen.“

Der Prinz Carini richtete darauf noch einige Worte an die Königin, und fand Gelegenheit, insbesondere des Grafen von Trapani zu erwähnen. 1b 1

Der französische Botschafter, Graf Bresson, befindet sich in Folge einer ermüdenden Reise etwas unwohl, empfängt nur wenige Be⸗ suche, und vermeidet, wie verlautet, jede 1 den Zustand der hiesigen Verhältnisse Bezug habende Aeußerung. Ein Courier, der gestern früh von Paris bei der französischen Botschaft eintreffen sollte, ist erst diesen Nachmittag angelangt und hat, wie man vermu⸗ thet, Vorschriften überbracht, die in den neuesten, so unerwarteten Ereignissen ihre Veranlassung finden. 8

In der heutigen Sitzung des Kongresses nahm Herr Isturiz das Wort und berief sich darauf, daß er den Herrn Olozaga als Präsidenten des Kongresses und des Ministeriums in Vorschlag ge⸗ bracht habe, weil er der Ansicht gewesen wäre, nur dieser Staatsmann vermöchte sich über die Parteien zu stellen, und die Zügel der Regie⸗ rung mit fester Hand zu führen. Herr Isturiz beklagte, daß die Aussage der Königin vor die Cortes gebracht, und Geheimnisse veröffentlicht worden wären, welche im Innersten weniger Per⸗ sonen verschlossen bleiben sollten. Der Vice⸗Präsident des Kongresses, Herr Alcon, ein entschiedener Progressist und persönlicher Freund Hlozaga's, erhielt darauf das Wort, und da er bei der ersten Erklärung, die die Königin am 29sten v. M. von sich gab, zugegen gewesen war, und sich sowohl der General Serrano als Herr Pidal auf sein Zeugniß berufen hatten, so war seine Aussage von Bedeu⸗ tung. Er sagte, die Königin hätte ihm den Vorgang ungefähr (poco mas o menos) in denselben Worten erzählt, welche die feierliche Akte enthalte, und dann die anwesenden Personen befragt, wie ihnen das vorkäme (qué os parece?)? Darauf hätten Alle einstimmig erklärt, Olozaga wäre keines ferneren Vertrauens würdig. Als man nun Herrn Lopez als Olozaga's Nachfolger vorgeschlagen hätte, habe die Königin dies abgelehnt, und die Minister Frias und Serrano rufen lassen, die darauf allein mit ihr berathschlagt hätten, ohne daß sonst irgend Jemand einen Rath ertheilte. Endlich erklärte Herr Alcon, er wäre in Allem der Ansicht des Herrn Pidal gewesen und könne durch⸗ aus nichts Verfassungswidriges in den von diesem und dem Minister Gonzalez Bravo eingeschlagenen Verfahren erblicken. Uebrigens hätte er sich der Abfassung der feierlichen Aussage der Königin widersetzt. Der Deputirte Roca de Togores vertheidigte darauf das Be⸗ nehmen der Moderirten, und die Sitzung verlief abermals, ohne daß ein Beschluß gefaßt worden wäre. 8

** Paris, 20. Dez. Am llten sind ziemlich ernste Unru⸗ hen in Saragossa vorgefallen. Der General⸗Capitain von Aragonien, welcher bei der Verwaltung seines schwierigen Postens mit großer militairischer Vorsicht und Strenge zu Werke geht, und der nament⸗ lich seitdem er das Kommando übernommen hat, jede Nacht eine be⸗ deutende Truppenzahl auf den Beinen hält, um für jedes Ereigniß bereit zu sein, hatte sich an dem genannten Tage aus der Stadt ent⸗ fernt, und die militairischen Vorsichts⸗Maßregeln waren deshalb nicht mit der gewöhnlichen Sorgfalt getroffen worden. Die revolutionaire Partei wollte diese Gelegenheit nicht unbenutzt lassen, und es ver⸗ sammelten sich mit Einbruch des Abends große Menschenhaufen auf den öffentlichen Plätzen der Stadt. Die Masse der Versammelten

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und die Bewegung unter denselben wuchs bald so stark, daß die öf⸗ fentliche Ruhe der dringendsten Gefahr preisgegeben schien und daß die militairische Behörde sich veranlaßt fand, an den geeigneten Punk⸗ ten Soldaten aufzustellen. Inzwischen hatte die Militair⸗Musik die Retraite geblasen, und die dieselbe umgebenden Haufen forderten mit großem Geschrei, daß sie die Jota, eine sehr beliebte National⸗ Melodie, spiele. Die Militair⸗Musik, ganz dem sonstigen Ge⸗ brauche, und den strengen Befehlen des Generals Breton zuwider, willfahrte diesem Verlangen. Hierauf verlangte man noch stürmischer die Riegohymne, der Lärm und das Geschrei wurden immer größer, es wurden Lebehochs auf Espartero, und Muero's gegen die Chefs der jetzigen Ordnung der Dinge ausgebracht, und endlich auch die Offiziere und die Soldaten des Regimentes San Fernando, weil ihre Haltung den Wünschen der Ruhestörer nicht entsprach, mit Verwün⸗ schungen und dem Rufe: Nieder mit ihnen! überschüttet. Bei dieser Wendung der Sache ließ man endlich die in Bereitschaft gehaltenen Truppen vorrücken. Die Unruhestifter wurden, da sie nicht bewaffnet waren, und da die Soldaten den besten Geist zeigten, mit großer Leichtigkeit auseinander getrieben. Es scheint dabei, Dank den Be⸗ mühungen der Offiziere, welche die Erbitterung der Truppen im Zaume zu halten wußten, zu keinem ernstlichen Blutvergießen gekommen zu sein, dagegen wurde aber eine beträchtliche Menge von Kolbenstößen ausgetheilt, und mehrere der Tumultuanten wurden zur Haft gebracht. Am folgenden Tage richtete der General⸗Capitain das folgende Schrei⸗ ben an das Ayuntamiento von Saragossa:

„Gestern Abend um die Stunde der Retraite ist ein unruhiger Auf⸗ tritt vorgefallen, der durch einen Menschenhaufen herbeigeführt worden, welcher erst verlangte, daß man ihm die Jota spiele, und der dann in Lebehochs und Mordgeschrei ausbrach. Da man mich in Kenntniß gesetzt hat, daß das Verlangen der Jota immer ein Vorwand zu Unruhen t und daß es die friedlichen Leute, welche die Mehrzahl der Einwohnerschaft bilden, in Schrecken setzt, so ersuche ich Ew. Excellenz dem Publikum be⸗ kannt zu machen, daß ich den unbedingten Befehl gegeben habe, zu ver⸗ hindern, daß die Militair-Musik unter irgend einem Vorwande spiele, aus⸗ genommen, wenn ich selbst es befehle, was geschehen wird, sobald ich sehe, daß die Ruhe vollkommen wieder hergestellt ist. Alle meine Bemühungen werden auf diesen Zweck gerichtet sein. Ich werde die geeigneten Schritte thun, um das gute Vernehmen zwischen der Einwohnerschaft und der Besatzung wieder herzustellen, und um zu verhindern, daß ferner Zerwürfnisse zwischen zwei Klassen stattfinden, die in brüderlicher Eintracht mit einander leben sollten. Aber bei dem geringsten Zeichen der Unordnung werde ich zum Schutze der öffentlichen Sicherheit Truppen aufstellen, und wenn ich gezwungen werde, dieselben einschreiten zu lassen, so kann man darauf rechnen, daß ich ent⸗ schlossen bin, die Ruhestörer mit Nachdruck zu züchtigen. Es ist meine Pflicht, Unglücksfällen vorzubeugen, und ich werde diese Pflicht jeder Zeit mit Vergnügen erfüllen. Mein ganzes Bestreben geht dahin, das Vergan⸗ gene vergessen zu machen und eine Versöhnung der Parteien zu bewirken, welche nicht eine bloße Lüge ist. Ich werde mich glücklich schätzen, wenn ich es dahin bringe, und wenn ich dadurch die Dankbarkeit der Saragossa⸗ ner und der Aragonesen verdiene, und ich rechne zu diesem Zwecke auf die Festigkeit und auf die Mitwirkung des Apuntamiento’s.“

Der politische Chef seinerseits hat den folgenden Bando ver⸗ öffentlicht:

„Bürger! Wenn die Gesetze in Vergessenheit gerathen, so tritt die De⸗ moralisirung der Völker ein, und die Bösen schließen ein Bündniß mit ein⸗ ander, um die Unordnung zu verewigen, welche allein es ihnen möglich macht, die Früchte ihrer Schlechtigkeit zu ärndten. Eine Hand voll von Landstreichern hat es gewagt, diese Stadt zum Schauplatz von Drohungen und Aufruhr⸗Versuchen zu machen. Dies muß ein Ende nehmen. ie spanischen Gesetze, Gesetze von ewiger Gerechtigkeit bieten uns Vorkehrungs⸗ mittel und Strafen, um die friedliche und tugendhafte Bevölkerung dieser Stadt vor den Unfällen zu schützen, mit denen man sie bedroht. Ich habe mich zur nachdrücklichen Anwendung dieser Mittel mit den von der Regierung und den von dem Volke ernannten Behörden verständigt und verfüge demnach: 1

„Art. 1. Titel 19, Buch 12 der neuen Gesetz⸗Sammlung über das Tragen verbotener Waffen ist wieder in Wirksamkeit gesetzt, insofern er mit den später über denselben Gegenstand erlassenen Gesetzen verträglich ist.

„Art. 2. Die Bestimmungen des Titel 31. desselben Buches in Bezug auf Vagabunden, Charletans, Menschen ohne Gewerbe und Leute von üblem Rufe, von der untersten Klasse bis zur höchsten, sind gleichfalls wie⸗ der in Kraft gesetzt.

„Art. 3. Es werden alle nöthigen Maßregeln getroffen, um diejenigen, ohne Unterschied des Standes, gefänglich einzuziehen und zu bestrafen, welche den Bestimmungen der fraglichen Gesetze zuwider handeln sollten, und es werden überdies Schritte gethan, um die gegenwärtige Verordnung auf der Stelle zur Ausführung zu bringen.

„Art. 4. Gewalt wird durch Gewalt vertrieben.“

Eisenbahnen.

Bruchsal, 20. Dez. (F. J.) Gestern Abend ereignete sich auf unserer Eisenbahn ein sehr beklagenswerthes Unglück, das aber⸗ mals den Beweis liefert, welche Thorheit es ist, von einem im Laufe befindlichen Zuge herabzuspringen. Ein Taglöhner von Stettfeld, der bei der Bahn angestellt ist, setzte sich bei dem Abendzuge von hier nach Langenbrücken auf einen Pritschwagen hinter der Locomo⸗ tive, um schneller nach Hause zu kommen. In der Nähe von Lan⸗ genbrücken, als schon der Zug langsamer fuhr, sprang der Mann her⸗ ab, um schnell das Weite zu gewinnen, kam aber nur auf die Schie⸗ nen, wo der ganze übrige Zug über ihn ging und ihm beide Beine und einen Arm aufs fürchterlichste verstümmelte, so daß der Unglück⸗ liche bald den Geist aufgab.

Paris, 20. Dez. Die Ungewißheit der Regierung in Betreff der Eisenbahnen scheint sich ihrem Ende zu nähern. Herr von Rothschild wird die Nordbahn unter den von der Deputirten⸗Kammer in der letzten Session vorgeschriebenen Bedingungen übernehmen; indeß wird diese Unterhandlung noch nicht so bald beendigt werden, da gesetzlich noch nichts darüber festgestellt worden ist, ob sie in Calais oder in Boulogne endigen soll. Die Bahn von Paris nach Lyon wird einer anderen Gesellschaft und die Bahn von Vierzon dem Herrn Casimir Leconte, einem der Unternehmer der Bahn von Paris nach Orleans, überlassen werden. Es giebt eine Partei in der Kammer, welche die Eisenbahnen durch den Staat ausgeführt sehen möchte und die Regierung selbst würde dies vorgezogen haben; aber diese Partei ist nicht die zahlreichste. Da man nun auch die Majorität zu gewinnen suchen muß, um die Dotation für den Herzog von Nemours zu erhalten, so muß man natürlich sich dem System anschließen, welches dieser Majorität am meisten zusagt, wenn es auch mit den Interessen des Landes weniger angemessen ist. Denn man kann sich nicht verhehlen, daß nächst den politischen Fragen, die bei uns immer den ersten Rang einnehmen werden, die Eisenbahnen den Hauptgegenstand der Berathungen in der nächsten Session bilden Und in der That, es ist Zeit, daß diese Angelegenheit endlich erledigt wird, wenn wir nicht hinter allen unseren Nachbarn zurückbleiben wollen.

Berlin-Frankfurter Eisenbahn. In der Woche vom 17. bis 33 Dezember sind auf der Berlin- Frankfurter Eisenbahn 3838 Personen befördert worden.

Handels- und Börsen-Uachrichten.

Berlin, 26. Dez. Während gestern und vorgestern auf unserer Halle bedeutende Umsätze in Hamburger und Köln⸗Mindener Aetien stattgefunden, blieb das Geschäft darin, wie in allen übrigen Fonds, heute sehr beschränkt. Wir notixren seit unserem letzten Bericht folgende Cours⸗Veränderungen:

WEgenan 106 ½ a 107 % bezahlt. Köln⸗Mindener 103 a 103 ¼ %ℳ bezahlt. Anhalter 146 ℳ% bezahlt. 88 Niederschlesische 105 ½ % bezahlt und Geld. Berlin⸗Frankfurter 137 % be

Stettiner 117 ¼ %. Nordbahn 127 ¾ % Brief.

Mailänder 102 ½ % geboten. Gloggnitzer 114 ½ % Brief, 114 ½ % Geldad.

Paris, 21. Dez. Gestern und heute war sehr lebhafte Bewegung an der Börse, und zwar gingen heute die französischen Renten und Eisenbahn⸗ Actien eben so sehr wieder herunter, als sie gestern gestiegen waren. Der Umschwung war natürlich, weil das gestrige Steigen nur in unbestimmten Vermuthungen und Gerüchten seinen Grund hatte. Die Zproc. Rente fiel heute von 81. 60 plötzlich auf 81.35, die 5proc. von 123.40 auf 123. 20. Man sprach heute auch von einer angeblichen Protestation des englischen Gesandten gegen die neuen Zoll⸗Verordnungen für Algier, wobei Lord Cowley sich auf einen mit dem ehemaligen Dey von Algier abgeschlossenen und nicht abgelaufenen Vertrag bezogen haben soll; indeß ist dies auch noch ein bloßes Gerücht.

Auswärtige Börsen.

A msterdam, 22. Dez. Niederl. wirkl. Sch. 55 ½⅛. 5 % do. 99 ½. 5 % Span. 20 ½. 3 % do. 30 ⅛. Pass. —. Ausg. —. Zinsl. —. Pr. Sch. —. Pol. —. Oesterr. 108 8. 4 % Russ. Hope 90 ⅔%.

Antwerpen, 21. Dez. Zinsl. —. Neue Aul. 20 .

Frankfurt a. M., 22. Dez. 5 % Met. 112 6G. Bank-Actien 2018. p. ult. 2016. Bayr. Bank-Actien 675 G. IIope 89 ½. Stiegl. 88 ⅞. Int. 51 8. Poln. 300 Fl. 93 ¾ G. do. 500 Fl. 96 ½. 4. 200 Fl. 31 ¾ G.

Hamb urg, 23. Dez. Bank-Actien 1690 Br. EBugl. Russ. 112 ½ Br.

Paris, 21. Dez. 5 % Reute fin cour. 123. 20. 3 % Rente fin cour. 81. 35. 5 % Neapl. au compt. 106. 60. 5 % Span. Rente 29.

Wien, 21. Dez. 5 % Met. 111 ½. 4 % 100 ¼. Actien 1651. Anl. de 1834 149 ½. de 1839 116. Nordb. 120 ⅞. Raab. 108.

8

Preuss.

Pass. —. 3 % 76 ½. Bank- Mall. 101.

Angekommene Fremde.

Stadt London. Rittergutsbesitzer Rietz aus Rosenfeldt bei Torgau. Kaufleute Krausser, Krüger und Beucke aus Magdeburg und Werner aus Bennshausen. Partikuliers von Plathen aus Bres⸗ lau und von Richter aus Königsberg.

Kaiser von Rußland. Dr. und Rabbiner Meisel aus Stettin. Schlossermeister Schneider aus Posen. Kaufleute Lewisohn aus Hamburg, Sulzbach aus Breslau, Sichel aus Hildesheim, Israel aus Schwerin und Beuttler aus Fürstenberg.

König von Portugal. Dr. med. und prakt. Arzt Quistorp aus Greifswald. Kaufleute Robert aus Neuchatel, Burkhardt aus Bern, Merker aus Landeshut, C. u. K. Nathorff aus Frankfurt a. d. O. und Hornung aus Frankenhausen. Particuliers Robert aus Neu chatel, Lehmann aus Magdeburg und Meyer aus Königsberg. Bang quiers Hamburger und Nathorff aus Frankfurt a. d. D. Bau⸗Un⸗ ternehmer Dettmann aus Kalbe a. S. Gymnasial⸗Direktor Hasenbalg aus Putbus, Insel Rügen. Oekonom Roder aus Möglin. Rentier Klamsli aus Erfurt.

Rheinischer Hof. Rentiere Mad. Munie, und Frl. Munie, drama⸗ tische Künstlerin, aus Paris. Particulier von Brand aus Stettin. Kaufleute Winscheid aus Elberfeld, Lütgens aus Eupen, Lehmann aus Krossen. Fabrikanten Zielcke aus Krossen und Prölß aus Züllichau.

Hotel del'Europe. Rittergutsbesitzer Graf von Bülom, nebst Ge⸗ mahlin, aus Nimmersatt in Schlesien. Oekonom Gerstenberg aus

Kaufmann Simon aus Königsberg in Pr.

Magdeburg.

Hotel de Saxe. Ober⸗ Landesgerichts⸗Referendar Korb aus Frankfurt a. d. O.

Hotel de Prusse. Gutsbesitzer von Kronowsky und Rentier Fro⸗ manskyv aus Posen.

Hotel de St. Petersbourg. Graf Grabowsli, Kaiserl. russ. Kam⸗ merjunker, aus Warschau. Baron von Bistram, Kaiserl. russ. Garde⸗ Capitain a. D., aus Mitau.

Hotel de Rome. Rittergutsbesitzer von Kalkstein aus Psarskre. Rittmeister von Göllnitz aus Greifenberg.

British Hotel. Baron von Uexküll aus Reval. Baron von Pflu⸗ mern aus Hildburghausen. Baron von Hagen, Rittergutsbesitzer, aus der Priegnitz.

Meinhardt's Hotel. Freiherr von Vetter aus Franlfurt a. M. Gutsbesitzer von Kostowski aus Comitzen. Rittergutsbesitzer von Koscielski aus Posen.

Hotel du Nord. Justizrath Herrmann nebst Gemahlin, und Peter⸗ sen, engl. Konsul, aus Stettin.

Kronprinz. Baron von Haindel, Oberst a. D., nebst Gemahlin, aus Stargard.

In Privathäusern. aus Posen, Neue Junkerstr. 1 bei von Wangenheim. Sternberg aus Riga, Chausseestr. 16 bei Schwanitz.

Ober⸗Landesgerichts⸗Rath von Wangenheim von Ungern⸗

Meteorologische Beobachtungen.

1843. 25. Dez.

V Nachmittags Abends Nach einmaliger

2 Uhr. 10 Uhr.

Morgens

6 Uhr. Beobachtung.

Luftdruck.. . 34 1,82“ Par. 341,91 Par. 341,9 4 Par. Quellwärme 6, 1 n. Luftwürme ... +.ñ 5,22 H. + 7,8 °% . + 6,50 R. Flusswärme 4,129 K. Thaupunkt . . . + 1,9⁰ R. + 5,00 R. + 6,09 R. Bodenwärme 6,09 R. Dunstsättigung 92 pCt. 85 pCt. 88 poet. Ausdünstung 0,011, Rb. Wetter neblig. regnig. regnig. Niederschlag 0,019 Rh. Wind SW. SW. SW. Wärmewechsel + 7,99 Wolkenzug... + 4,1° R. Tagesmittel: 311,89 Par.. + 6,52 K. + 5,30 R.. 88 pct. Sw.

Königliche Schauspiele.

Mittwoch, 27. Dez. Ein Sommernachtstraum, nach Shakespeare von Schlegel, in 3 Akten. Musik von Felix Mendelssohn⸗Bartholdy. Tänze von Hoguet.

Im Konzertsaale: Pour la continuation des débuts de Mlle. Mélanie Maulvau, artiste du thédütre du Gymnase: La se- conde représentation de: Nanon, Ninon et Maintenon, ou: Les trois boudoirs, vaudeville nouveau en 3 actes, par Mr. Théaulon. (MlIIle. Mélanie: Nanon.) Le spectacle commencera par: Un mariage à rompre. 1

Donnerstag, 28. Dez. Der Wildschütz, oder: Natur.

Die Stimme der

*

Mittwoch, 27. Dez. (Italienische Opern⸗Vorstellung.) Mariga,

ossia: La Figlia del Reggimento. Opera buffa in 2 Alli. Musica del Maestro Gaelano Donizelti.

Die gymnastischen Künstler aus London: Smith, Kemp, Taylvor, Hollyoak und Chapmann werden, nach beendetem Gastspiel in Leipzig und bei ihrer Durchreise nach Wien, noch einige Vorstellungen geben.

Donnerstag, 28. Dez. Vorstellung der gymnastischen Künstler aus London, in 3 Abtheilungen. Dazu: Der böse Geist Lumpach⸗ vagabundus, oder: Das liederliche Kleeblatt. n I

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Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.

ö“ Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerei. 8 8 Beilage

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8 . Screibe f llaro nachstehendes Schreiben des Professors Gemme Nicolosi vom 1. Dezember, über den Ausbruch des Aetna:

fast immer in die Winter⸗Monate fallen.

ausströmten,

flüssiger Lava hervorbrach.

Cassano hin zur rechten

das, was zu kommen droht, als über Thatsachen.

beizumessen geneigt gewesen ist. man sich nunmehr auf noch weitere Triumphe der nappistischen Partei

willen oder wegen ihrer geheimen Triebfedern beklagen soll.

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Mittwoch den 27sten Dez.

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Ausland.

v“ 11. Dez. (A. Z.) Ein hiesiges Blatt veröffentlicht

Neapel, datirt von

1z jst ei rkenswerthe Thatsache, daß die Ausbrüche des Aetna „Es ist eine bemerkenswerthe Thatsache, Vyn den zulett beobachteten

2 hundert fanden achtzig in den Monaten November und Dezember statt. Am

13. November entstand an der westlichen Seite, wo die Vegetation 8ag. in der Gegend, die man „Guaddarazzi“ nennt, E Spalt, 400 Schritte lang und 40 breit, in gerader Linie eine Miglie er⸗ halb des erloschenen Kraters von 1832, wo jetzt zusammen funfzehn kleine Vulkane sind, die unaufhörlich abwechselnd Rauchsäulen und heiße Asche

welche der Wind bis nach Catania und Messina trug, dann glühenden Schlacken auswarfen, bis zuletzt ein Strom 1 Ich konnte mich der Oeffnung nur bis auf die Entfernung einer Miglie nähern, da ich die umhersprühenden Funken und Schlacken fürchtete, aber, auf einem kleinen 8688 stehend, genoß ich eines der seltensten Schauspiele. Zu meinen Füßen strömte die Lava, die schon über sechs Miglien zurückgelegt hatte. Das Thermometer bezeichnete auf dem Platz, den ich überschritt, 110 Fahrenh. (34°,7 R.) während der ganzen Dauer der Nacht vom 23sten, und ich berechnete, daß der Strom 3 Fuß in jeder Sekunde zurücklegte. Kaum war die flüssige Masse dem Krater entquollen, so breitete sie sich auch schon bedeutend aus, so daß sie an der Strecke, die zwischen mir und dem ausgebrannten Krater von 1832 lag, schon auf eine Breite von einer halben Meile geschätzt werden konnte; ehe

aber Tausende von

sie den Monte Egitto erreichte, hatte sie sich schon zu 2 ½ Miglien Breite

Sie ließ diesen Berg zur Linken und wälzte sich am Monte Seite des Monte Papasia, also immer die Spur der Lava von 1832 verfolgend. Dann senkte sie sich tiefer nach der Be⸗ sitzung der Basilianer Mönche von Messina, genannt Dagola Chinsa, und in vier Tagen war sie weit genug, um das kleine Städtchen Bronte mit dem Untergang zu bedrohen. Plötzlich aber wendete sie sich, strömte an den Höhen, welche Bronte umgeben, hin und durchkreuzte dann die Straße nach

Aderno, indem sie eine Strecke von zwei Miglien mit funfzig Fuß hoher

ausgedehnt.

Lava füllte. Darauf stürzte sie langsam von dem alten Lavafelsen herab und richtete ihren Lauf nach dem Flusse Simeto, welcher fünf Miglien davon entfernt ist.

An dem Abhang von S. Lucia, wo die Lava den Anbau einiger Reben und Oliven begünstigte, auch einige Hüt⸗ ten standen, ist ein Wasser ⸗Behälter; viele Zuschauer hatten sich hier eingefunden um anzuschauen wie der Lavastrom dort eintreffen werde. Unseliges Ereigniß! Die glühende Masse bedeckte das Wasser, welches, da es sich nicht verflüchtigen koͤnnte, wie eine Pulvermine explodirte. Dreißig der Unglücklichen kamen um und 25 wurden schwer verwundet ein trau⸗ riges Ereigniß, welches nicht vorgefallen, so lange der Aetna steht! Am 26sten machte der Strom, welcher sich dem Simeto nahte, in einer Entfer⸗ nung von 3 Miglien vom Flusse Halt, und heute scheint der Krater, dem er entströmte, beinahe erstorben. Indessen öffnete sich der große Krater wie⸗ der, die Gewalt des Gases sprengte die Decke, welche die Höhle bedeckte, ja

es stürzte die östliche Doppelspitze, die bereits 200 Fuß emporragte, in der Mitte zusammen, einen sehr großen Krater öffnend, aus welchem Ranch und ein kleiner Strom von Lava brach, der dem Thale von Bove sich zuwandte.

Wohl 14 Miglien, berechnet man, durchfloß der Strom, wovon 9 bis 10 in vier Tagen. Der verursachte Schaden ist nicht außerordentlich groß, da

es aber meistens die Besitzungen armer Leute waren, die zerstört wurden, so kann man ihn dennoch nur sehr beklagen.“

Sriechenland. I

O München, 19. Dez. Gestern sind wieder einige Briefe aus Athen hierhergelangt, nämlich von Personen, die für ihre Kor⸗ respondenzen auch das von Syra abgehende Dampfboot benutzen, was in der Regel nur von den wenigsten geschieht. Es reichen diese Briefe bis zum 6. Dezember, enthalten aber mehr bloße Andeutungen über In einem dersel⸗ ben wird eines von der National⸗Versammlung gefaßten Beschlusses gedacht, nach welchem die heilige Synode aufhören und die unbe⸗ schränkte Autorität des Patriarchen von Konstantinopel wieder her⸗ gestellt werden würde. An bestimmteren Notizen über diesen Ge⸗ genstand fehlt es vorläufig. In dem fraglichen Brief wird dieser

gangebliche oder wirkliche Beschluß übrigens unbedingt als ein Werk

derselben vom Auslande unterstützten Partei bezeichnet, welchem man bis jetzt allgemein die Herbeiführung der Emeute vom 15. September Ohnstreitig, so wird zugefügt, habe

gefaßt zu machen. Aber nach allem, was man liest, scheinen denn

doch dieser Partei ihre Siege nicht gar so leicht zu werden, oder viel⸗

mehr, es hält schwer, irgend eine Partei mit überwiegendem Einflusse nur überhaupt wiederzufinden.

Vom 27. November bis zum 6. Dezember hatte noch durchaus nicht irgend eine entscheidende Sitzung stattgefunden, vielmehr war

2

diese ganze Zeit durch echt griechische Zänkereien über die Zulassung

oder Zurückweisung theils einzelner Deputirter aus der Morea, theils

jener von ganzen Provinzen absorbirt worden. Der alte Streit über stimmfähige und nicht stimmfähige, über Alt⸗ und Neugriechen, oder ber die Rechte der „Fremden“, ist bereits seiner ganzen Stärke nach wieder erwacht, und gelingt es nicht, ihm in ganz unvorherzusehender Leise ein plötzliches Ziel zu stecken, so wird er sicher zum Aeußersten führen. Schon hat er wiederholte Ruhestörungen veranlaßt, Vorfälle, von denen man nicht recht weiß, ob man sie mehr um ihrer selbst Die ru⸗ higen Bewohner Athens wurden nämlich nicht blos durch einige Volks⸗ Zusammenrottungen gegen verschiedene Fremde (Phanarioten, Candio⸗ ten, Samioten zꝛc.) erschreckt, sondern auch durch die Wahrnehmung, daß diese Gewaltthätigkeiten viel weniger aus dem Volke selbst her⸗ vorgegangen, als von Einzelnen veranlaßt worden seien, denen daran

liegen müsse, ihre Gegner wo möglich auf solche Weise einzuschüchtern.

Gewiß ist es zugleich auffallend, daß der Militair⸗Gouverneur Ka⸗ lergis trotz der verhältnißmäßig sehr imposanten Mittel, die ihm zu Gebote stehen, die fraglichen Aufläufe nicht zu unterdrücken vermochte, und zugleich betrübend, daß sich die Regierung genöthigt finden mußte, Verbannungen von Personen zu de⸗ kretiren, welche keine andere Schuld tragen, als die, sich der Presse zur öffentlichen Vertheidigung ihrer wichtigsten Rechte und zur Zurückweisung der schamlosesten Angriffe ihrer Geg⸗ ner bedient zu haben. Bezieht sich dies auf Soutzos, welcher es un⸗ ternommen zu haben scheint, den Phanarioten ein eigenes Journal zu begründen, und muß man eben darum schon seine Verbannung, welche übrigens noch sechs oder acht andere Phanarioten theilen, als einen Akt der Willkür entweder oder Schwäche bezeichnen, was hat man dann zu den unbestraften Angriffen zu sagen, welche Pöbelhau⸗ fen gegen die Wohnungen und selbst gegen die Personen solcher De⸗ putirten gewagt haben, die, wie der Phanariote Paikos und der Hydriote Buduris, inmitten der National⸗Versammlung sich der Frem⸗ den oder Neugriechen angenommen hatten? Unter den hier ange⸗ kommenen Deutschen, die in griechischem Dienste bis zum letzten Augenblick ausgehalten haben, und die in ihrer dortigen Stellung Gelegenheit hatten, sich die unverkennbarsten Verdienste um das Land

Beilage zur Allgemeinen Preußischen Zeitung.

und zugleich doppelten Undank zu erwerben, gehört der Direktor der polytechnischen Schule zu Athen und griechische Genie⸗Hauptmann von Zentner.

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A☛ Paris, 19. Dez. Der Streit zwischen der

8 ardinischen Regierung und Tunis scheint eine ernste Wendung wirklich nehmen zu wollen, und die Hoffnung, daß es der freundschaftlichen Vermitte⸗ lung Frankreichs gelingen werde, denselben auf eine gütliche Weise zu schlichten, scheint durch die neuesten über Toulon eingetroffenen Nach⸗ richten zunichte zu werden. Es scheint, daß die sardinische Regierung diese Vermittelung selbst bereits abgelehnt hat und sich selbst Gerech⸗ tigkeit verschaffen will. Ja es soll der Abreise des sardinischen Con⸗ suls die Kriegs-Erklärung unmittelbar gefolgt sein, und man sähe dem Erscheinen einer sardinischen Escadre vor Tunis entgegen. Die⸗ selbe soll bereits zu Genua in Ausrüstung begriffen sein. Indeß sind diese Nachrichten, die ich Ihnen jedenfalls mittheilen zu müssen

laubte, im Widerspruche mit der früheren Meldung, wonach der fardinische Vice⸗Konsul zu Tunis zurückgeblieben war, um die laufenden Consulatsgeschäfte zu besorgen.

Alle mittäglichen Posten kommen seit mehreren Tagen sehr ver⸗ spätet an, manchmal um einen ganzen Tag, was besonders häufig auch mit der spanischen der Fall ist. Die Straßen sind in Folge des

Regenwetters in einem sehr üblen Zustande. 8

Vereinigte Staaten von Uord-Amerika.

O New⸗York, 28. Nov. Die bevorstehende Session des Föderal⸗Kongresses wird sich am Montag den 4. Dezember eröffnen. Bereits sind die Repräsentanten und Senatoren von allen Punkten der Union auf dem Wege nach dem Kapitole von Washington, wo bald ein lan⸗ ger parlamentarischer Kampf beginnen soll, der an dramatischen Zwischen⸗ fällen nicht minder fruchtbar zu werden verspricht, vielleicht auch an ärgerlichen Vorgängen, als diejenigen, die bereits stattgefunden ha⸗ ben, seit der Zufall Herrn Tyler durch den unerwartet eingetretenen Tod des Generals Harrison zur Präsidentschaft geführt hat. Bevor noch das Handgemenge, wenn ich so sagen darf, beginnt, dürfte es angemessen sein, den Boden etwas zu untersuchen, auf welchem der Kampf sich entspinnen wird, die respektiven Kräfte der verschiede⸗ nen Parteien zu schätzen, die daran theilnehmen sollen, die Fragen aufzuzählen, die nach einander die Gefahren der legislativen Arena zu bestehen haben werden.

Bevor ich jedoch die verschiedenen Streitfragen die Musterung passiren lasse, die alsbald die Aufmerksamkeit des Kongresses in An⸗ spruch nehmen werden, muß ich einer ganz sonderbaren erwähnen, die vielleicht vor demselben zur Sprache gebracht werden dürfte, wie sie bereits Gegenstand einer Polemik in den Journalen geworden ist. Die fanatischen Vertheidiger der amerikanischen Manufaktur⸗Industrie haben nämlich ein großes Aergerniß daran genommen, daß die Ta⸗ pezirer des Kapitols bei der Dekorirung des Henry⸗Cyklus des Re⸗ präsentantenhauses einen reichen englischen Teppich verwendet haben. Vergeblich berufen sich die so hart Angeschuldigten zu ihrer Nechtfer⸗ tigung auf die Fetzen des früheren Teppichs, der von ächt amerika⸗ nischer Abkunft war, ohne darum länger als drei Sessionen den Rei⸗ bungen der parlamentarischen Fußbekleidungen widerstehen zu können, während sie für den englischen Teppich eine doppelte Dauer gewähr⸗ leisten. Ihre Gegner, die nun einmal unerbittlich sind, erwiedern, es wäre besser gewesen, die Blöße des NJankee⸗Fußbodens gar nicht zu bedecken, als dem britischen Gewebe zu gestatten, selbst in dem Föde⸗ ral⸗Palaste einen Platz sich zu usurpiren.

Dieser Tapezirer⸗Streithandel konnte, wie man sieht, sich wohl fast zu den Proportionen eines internationalen Konfliktes erheben und durfte daher wohl als Einleitung dienen für die Besprechung der Arbeiten der nächsten Session, denn wahrscheinlich wird England nicht blos in Betreff dieses Teppichs mit dem Kongresse abrechnen müssen. Ich habe bereits der Spaltung erwähnt, die zwischen dem Präsiden⸗ ten Tyler und Herrn Upshur, Staats⸗Secretair, einerseits und den sämmtlichen Mitgliedern des Kabinets andererseits ausgebrochen sein soll in Betreff der drohenden Haltung, welche dem Vernehmen nach die exekutive Gewalt anzunehmen beabsichtigt, der englischen Regie⸗ rung gegenüber, bezüglich auf Texas und das bestrittene Gebiet des Oregon. Darf man den allgemein verbreiteten Gerüchten Glauben beimessen, so hätte Herr Tyler, in der Ueberzeugung, daß die eng⸗ lische Diplomatie thätig daran arbeite, um zu gleicher Zeit den dop⸗ pelten Zweck zu erreichen, nämlich die Abschaffung der Sklaverei und die Feststellung der Oberherrlichkeit Englands in Texas, den Ent⸗ schluß gefaßt, in seiner bevorstehenden Botschaft vom Kongresse die Ermächtigung zu verlangen zur Eröffnung von Unterhand⸗ lungen zu dem Zwecke des Anschlusses von Texas an die Vereinigten Staaten, des Anschlusses, der zu wiederholtenmalen von den Texianern selbst nachgesucht worden war, und worauf sie wahr⸗ scheinlich auch jetzt noch gern und mit Eifer eingehen würden. Die angebliche Spaltung, die über diese Frage im Kabinet ausgebrochen sein sollte, ist seitdem offiziell in Abrede gestellt worden; ja man will sogar wissen, Herr Tyler habe sie gar nicht ernstlich im Kabinet zur Vernehmung der Ansicht der übrigen Minister darüber angeregt. Es scheint jedoch gewiß, daß das öffentlich in Umlauf gewesene Gerücht sich nur zur Hälfte getäuscht hatte, und daß in der That Herr Tyler und sein Staats⸗Secretair der auswärtigen Angelegenheiten entschlos⸗ sen sind, das Problem der Einverleibung von Texas in die Föderal⸗ Union in der Botschaft aufzustellen, als einziges Mittel den Gefahren vorzubeugen, welche die junge Republik veranlassen könnte, wenn sie unter die Vormundschaft Großbritaniens oder irgend einer anderen europäischen Macht fiele. Die Botschaft muß allerdings, bevor sie den beiden Häusern des Kongresses vorgelegt wird, die Zustimmung aller Kollegen des Herrn Upshur erhalten, und wie ich schon in meinem letzten Schreiben gezeigt, ist es wahrscheinlich, daß Einige derselben, vielleicht Alle, diche Zustimmung verweigern. Aber Herr Tyler hat bereits zu viele Beweise ee Beharrlichkeit gegeben, mit der er, ohne sich um Hindernisse, selbst um Schlappen, die ihm dadurch zugezogen werden, das einmal sich vorgesetzte Ziel verfolgt, als daß man nicht annehmen sollte, daß der Widerstand seines Kabinets ihn nicht hindern 85 die texianische Frage bis auf die parlamentarische Tribüne zu ringen.

„In Betreff der Besetzung des Oregongebietes sollen die krie⸗ gerischen Absichten, die man Herrn Tyler beimißt, auf das Uebel⸗ wollen und die übertriebenen Prätensiouen gegründet sein, auf die er zu London gestoßen sein soll, als er in Gemäßheit der wechselseitig in dem Vertrage von Washington übernommenen Verpflichtungen Unterhandlungen eröffnen wollte, um auf gütlichem Wege diesen Apfel der Zwietracht zu theilen. Als der Präsident gesehen, daß auf eine unmittelbare Lösung eben so wenig, als überhaupt je auf eine befriedigende dieser Streitfrage zu rechnen sei, soll er sich vor⸗ gesetzt haben, unter der Hand das vom letzten Kongreß unvollendet gelassene Projekt wieder aufzunehmen und die Annahme der voriges

Jahr schon vom Senate votirten Bill zu verlangen, welche der voll⸗ ziehenden Gewalt befiehlt, den Theil des bestrittenen Gebietes, auf welchen die Vereinigten Staaten das Eigenthumsrecht in Anspruch nehmen, militairisch besetzen zu lassen.

So wäre denn England bestimmt, zuerst einen großen Theil des Inhaltes zu der Botschaft des Präsidenten, und dann nicht minder reichen Stoff zu den parlamentarischen Debatten zu liefern. Für jetzt beschränke ich mich auf die Anführung dieser Thatsache, mir vorbe⸗ haltend, ein andermal zu erörtern, inwieweit der Kongreß wohl dieser Art von Kreuzzug gegen die Engländer sich beigesellen wird, wozu Herr Tyler das Signal geben zu wollen scheint, er, der vor nicht vollen zwei Jahren im Namen des amerikanischen Volkes mit ihnen den Friedens⸗ und Freundschaftskuß austauschte, über dessen Aufrichtigkeit jedoch gleich anfangs diesseits und jenseits des Oceans vielfache Zweifel er⸗ hoben worden waren.

Doch verlassen wir diese antibritanischen Möglichkeiten der Bot⸗ schaft des Präsidenten und die Wahrscheinlichkeiten der Debatten des Kongresses. Bevor die Botschaft an den Kongreß überhaupt kommt und Gegenstand der Debatten werden kann, müssen sich die beiden Häuser erst konstituiren, und dieser Prolog der Session wird, allem Anschein nach, reich an Zwischenfällen werden, die wohl eine vorläu⸗ sige Andeutung verdienen. Im Senate wohl wird Alles ohne Lärm und Schwierigkeit abgehen. Dort muß in Abwesenheit eines Vice⸗ Präsidenten der Vereinigten Staaten, der von Amts wegen den Vorsitz in der edlen Versammlung zu führen pflegt, ein zeitweiliger Präsident gewählt werden; da aber die Whigs darin in unbestrittener Mehrheit sind, so kann ihrem Kandidaten gleich beim ersten Skrutin der Triumph nicht ausbleiben. Die Organisation des Repräsentantenhauses da⸗ gegen wird auf ernstliche Hindernisse stoßen, deren Folgen lebhaft die öffentliche Meinung beschäftigen und auf die ich in meinem nächsten Berichte zu sprechen kommen werde.

La Plata-Staaten.

Paris, 19. Dez. Man erfährt nun einiges Nähere über den neuesten Stand der Dinge in Montevideo bis 12. Oktober. Am 30. September hatte der brasilianische Minister von seiner Regierung Instructionen erhalten, welche ihm vorschrieben, nach dem Beispiele Frankreichs und Englands die Blokade von Montevideo anzuerkennen, was große Sensation in dieser Stadt machte. Der französische Kon⸗ sul Pichon machte aus diesem Anlasse neue Bemühungen bei seinen Landsleuten, welche in der französischen Legion dienen, um sie zu ver⸗ mögen, weitere Einmischung in den Streit zwischen den beiden Re⸗ publiken zu unterlassen. Aehnliche Schritte that der sardinische Kon⸗ sul, Herr Gavazzo, bei seinen Landsleuten, die in der italienischen Le⸗ gion dienen. Die orientalische Regierung erließ eine energische Pro 8 clamation. Die französische und italienische Legion versammelten sich auf dem Waffenplatze. Dort hielt der Kriegs⸗Minister eine Rede an sie, worin er ihnen offen die Lage des Landes und die neuen Ver⸗ wickelungen seiner Angelegenheiten auseinandersetzte und endlich am Schlusse im Namen der Regierung erklärte, daß dieselbe jedem volle Freiheit lasse, daß alle diejenigen in den beiden Legionen, welche die Waffen niederlegen wollten, dies auf der Stelle thun könnten. In Folge davon traten wirklich eilf Italiener aus den Reihen und legten ihre Waffen nieder, von den Franzosen rührte sich aber keiner von der Stelle: Offiziere und Soldaten erklärten, auf ihrem Posten bleiben zu wollen. Im Gegentheile erschienen in demselben Augen⸗ blicke achtundsiebzig Franzosen, die bisher nicht bewaffnet gewesen waren, und verlangten in die Legion aufgenommen zu werden, und was das Sonderbarste ist, darunter befand sich auch ein Diener des Konsuls Herrn Pichon selbst. Am 4. Okt. stellten sich desgleichen 28 italienische Freiwillige, und selbst die eilf, die am Tage zuvor die Waffen nie⸗ dergelegt hatten, verlangten wieder in die Legion einzutreten, was ihnen aber der Oberst abschlug. Am 4ten sollen auch 300 Franzo⸗ sen neuerdings in die französische Legion eingetreten sein. Man hatte zu gleicher Zeit zu Montevideo das Nähere über zwei Gefechte zwi⸗ schen Rivera und Urquiza erfahren, in welchen der Vortheil auf Sei⸗ ten der orientalischen Waffen geblieben war.

Als der brasilianische Minister zu Buenos⸗Ayres der argentini⸗ schen Regierung von seinen erhaltenen Instructionen in Betreff der Blokade von Montevideo Kenntniß gab, fügte er bei: „Daß Bra⸗ silien sich für berechtigt ansehe, die Unabhängigkeit der orientalischen Regierung des Uruguay zu beschützen, und daß er deshalb beauftragt sei, vom General Rosas Aufklärungen über den Krieg zu verlangen, den er gegen die Regierung von Montevideo verfolge.“ Rosas soll einfach erwiedert haben, er finde nicht für gut, eine Antwort darauf zu geben, und seine Masharca soll noch denselben Tag sich die gröb sten Insulten vor dem Hotel des brasilianischen Ministers erlaubt ha ben. Herr Ponte⸗Riveiro hätte deshalb augenblicklich seine Pässe verlangt und erhalten.

Bis zum 7. Oktober war die Lage von Montevideo noch gut, und man besorgte keinen Mangel an Lebensmitteln. Man hatte einen Kriegsrath gehalten, dem alle Corps⸗Chefs des Platzes beiwohnten. Der darin gefaßte Beschluß lautete: „Sich mit Rivera zu verstän⸗ digen, der seinerseits mit seiner Kavallerie agiren solle, und dann sollten an einem verabredeten Tage die Truppen der Stadt einen Ausfall machen noch vor Ende Oktobers, um Oribe's Lager anzu greifen.“ Oribe soll durchaus keine Kavallerie haben. Am 18. Oktober ist der brasilianische Minister zu Montevideo zu Rio Janeiro angekommen und soll sich lebhaft für die Nothwendig keit einer bewaffneten Intervention Brasiliens zu Gunsten Montevi⸗ deo's ausgesprochen haben.

EE1 . 1 vHFandels⸗- und Börsen-Uachrichten.

Danzig, 23. Dez. An der Bahn zahlte man für Waizen 110 bis 130pf. 35 à 00 Sgr. Roggen 110 123pf. 30 a 37 Sgr., Erbsen 30 Fehe. Gerste 4zeil. 100 112 pf. 21 a 31 Sgr., 2zeil. 107 115 pf. 28 a 33 Sgr., Hafer 17 a 19 Sgr. pr. Scheffel. Spiritus 12 ½ a 12 ½ Rthlr. pr. 120 Quart 80 % Tr. 1 4 WE“

Stettin, 25. Dez. (B. N. d. O.) tags wegen kein Umgang statt. Landmarkt vom 23sten d.

Weizen. Roggen.

Zufuhren... 16 18

Preise 44 à 50 32 à 35

Breslau, 22. Dez. (Schl. Z.) Wenn wir die Anfuhr von Ge⸗ traide an unserem Markte in der abgelaufenen Woche gegen die anderen Jahre in der Woche vor dem Weihnachtsfeste vergleichen, so müssen wir dieselbe diesmal nur eine mäßige nennen, und glauben wir als Grund da⸗ von die schlechten Wege und die zum Ausdrusch nicht geeignete jetzige feuchte Witterung bezeichnen zu können.

Eine große Kauflust für Weizen zum Versand war nicht gerade be⸗

Im Geschäft findet des Fest⸗

Hafer. Erbsen.

Gerste. 8 9 16 à 18 32 à 34 Rthl.

24 à 26

merkbar, und wurden nur mitunter die schweren Posten zu diesem Zwecke