gg. hat, während eben diese theilweise übermäßige Bergebßerung der 2
uffsgefäße eine Quelle stets erneuerter Klagen über mangelndes
den sein. Berrlin, den 27. Dezember 1843. 8 v. Bodelschwingh.
ahr⸗ mwasser geworden ist. — Keinesweges soll aber damit behauptet werden, daß der Zustand des wichtigen Stromes normal und tadelfrei sei, vielmehr sehlt noch viel und müssen noch große Summen geopfert werden, um ein solches Ziel auch nur approximativ zu erreichen. Sich ihm zu nähern, muß das Bestreben der mit der Aufsicht und den Strombauten beauftragten Behör⸗
Inland.
8 * öni 27. Dez. Die hiesige Königl. Regierung macht im 7. überg⸗, Hinweisung auf eine frühere —— in Bezug auf die Geschichte des evangelischen Kirchenrechts von Pro⸗ fessor Dr. Jacobson und dessen aus Königl. Kirchen-Kassen geneh⸗ migte Anschaffung, auf die so eben erschienene Fortsetzung des ge⸗ nannten Werkes aufmerksam, welche die Synodal⸗ und Presbyterial⸗ Verfassung von Rheinland und Westphalen zum Gegenstande hat.
Minden, 26. Dez. In der letzten Zeit ist die neue Landge⸗ meinde⸗Ordnung in dem ganzen Umfange des Kreises Lübbecke einge⸗ führt worden, wo sie demnach in den Aemtern Rohden mit 5, Weh⸗ dem, Dielingen, Levern und Gehlenbeck mit 4, Schnalhorst mit 8 Ge⸗ meinden, Blasheim, Holzhausen, Börninghausen und O ldendorf mit 6, so wie in Alswede mit 5 Gemeinden in Kraft getreten ist.
Ausland. Deutsche Bundesstaaten.
Bayern. Speyer, 20. Dez. Die neue Speyersche Ztg. veröffentlicht folgende Bekanntmachung der hiesigen Regierung: Auf er⸗ haltene allerunterthänigste Anzeige über die Resultate der Kreis⸗Indu⸗
strie⸗Ausstellung der Pfalz zu Kaiserslauten im Monate September l. J. haben Se. Majestät der König Allergnädigst zu befehlen geruht, daß in
dem Kreis⸗Intelligenz⸗Blatte der Pfalz und in den gelesen⸗ sten Blättern des Königreichs bekannt gemacht werde: „wie Aller- höchstdieselben die durch die Verzichtleistung auf allen Ersatz für Trans⸗ port⸗Kosten bethätigte Uneigennützigkeit der meisten Einsender zu der diesjährigen pfälzischen Industrie⸗Ausstellung, sodann die aufopfernden Dienstleistungen der Bürger von Kaiserslauten bei dieser von der Direction der pfälzischen Gesellschaft für Pharmacie und Technik mit dem lobenswerthesten Eifer unternommenen und geleiteten Ausstellung
als einen erfreulichen Beweis des in der Pfalz lebenden regen Eifers
für die Vervollkommnung des Gewerbewesens und würdigen, in ge⸗ meinnützlichem Streben thätigen Bürgersinnes mit Allerhöchstem Wohl⸗ wollen aufgenommen haben, und den Ausdruck dieses Wohlgefallens
zur allgemeinen Kenntniß gebracht wissen wollen.“ Die unterfertigte Stelle veröffentlicht dies Zeichen Königlicher Huld um so freudiger, als sie der Ueberzeugung lebt, daß die Bevölkerung des Kreises es zu würdigen, dankbar zu bewahren und dessen stets werth zu bleiben wissen werde. Königl. bayerische Regierung der Pfalz, Kammer des Innern: Fürst von Wrede.
Württemberg. Stuttgart, 23. Dez. (A. Z.) So sehr
die Theuerung auf viele Klassen der Gesellschaft drückt, so war den⸗
noch unsere Christmesse von Käufern und Verkäufern sehr besucht. Zu dem für Deutschland vielleicht einzigen Möbelmarkt kamen in die⸗
sem Jahre auch Händler mit Tischler⸗Fourniren, und die Steiger⸗
wald'sche Glas Fabrik bezog zum ersten Male den hiesigen Platz und
hatte gar zahlreichen Zuspruch. Die landwirthschaftliche Anstalt in
Hohenheim erfreut sich einer stätigen, und seit der hier 1842 abge⸗ haltenen Versammlung der Landwirthe einer auffallend gesteigerten Zunahme. Sie zählt nun 120 Zöglinge, darunter 70 Ausländer,
von welchen viele hohen Familien angehoͤren. Das zu Ende gehende
Jahr hat große Thätigkeit in Bauten gezeigt. Die Münze und die
8 Reiter⸗Kaserne nähern sich der Vollendung, die neue Kronen⸗Straße sst nun ganz, die vorzüglich ausgestattete Neckar⸗Straße bis auf drei
Beauplätze besetzt.
Baden. Mannheim, 25. Dez. Das in London
188 neuerbaute, einer hiesigen Gesellschaft gehörige Dampfschleppschiff
„Mannheim Nr. 1“ ist gestern, mit zwei holländer Segelschiffen am Schlepptau, welche etwa 8000 Centner Ladung hatten, festlich ge⸗ schmückt unter Böller⸗Salven hier angekommen. Dieses Schiff, das schon lange erwartet wurde, hat einen sehr zweckmäßigen, starken und ssoliden Bau und scheint mit seiner Maschine von angeblich 180 Pferdekraft seiner Bestimmung, die aus Holland kommenden, für hier bestimmten Frachtschiffe, und zwar jeweil zwei derselben, mit 8000 bis 9000 Centnern zu schleppen, vollkommen entsprechend zu sein. Durch seine zwei Rauchfänge zeichnet es sich von aallen seither zu uns gekommenen Dampfböten aus, und ebenso ist uns die weitere sehr zweckmäßige Einrichtung nen, daß die Dreh⸗ scheibe, womit das Ruder regiert wird, mitten auf dem Schiffe zwi⸗ sschhen den beiden Radkasten auf einer Erhöhung angebracht ist. Da
1 jetzt die vier bedeutendsten Handelsplätze am Rhein, Köln, Mainz, Mannheim und Straßburg, mit Dampfschleppschiffen versehen sind,
soo ist zu erwarten, daß dieses beschleunigende Transportmittel dem Waarenverkehre auf unserem schönen Strome noch mehr Leben und Aufschwung geben wird, als es bisher der Fall war, zumal wenn, soo weit möglich, alle Hindernisse beseitigt werden, welche den unauf⸗ ggehaltenen Fahrten dieser Schiffe dermalen noch entgegen stehen.
Vom Schwarzwalde. (Schw. M.) Mit großem Be⸗ Ddeauern hat man seit den letzten Jahren ein Sinken der schwarz⸗ walder Uhren⸗Industrie wahrgenommen. Man sucht den Grund hier⸗ von in verschiedenen Umständen. Zwei hauptsächliche Ursachen dieses Verfalls dürften indessen darin liegen, daß einmal das Althergebrachte inl der Fabrication zu hartnäckig festgehalten wird. Denn nicht zu
verkennen ist das ganz geringe Fortschreiten von Form und Werk,
1“ wodurch die schwarzwalder Uhren hinter denen von Wien, aus der 1 wälschen Schweiz, aus der Franche Comté und England zurückblei⸗ ben müssen. Ja, während früher Sendungen vom Schwarzwalde
8 nach Amerika gingen, gehen nicht nur beinahe keine mehr dorthin, ssondern es konkurriren setzt amerikanische Uhren mit den schwarzwaldi⸗
schen auf dem Markte von England. Alsdann ist der andere Haupt⸗
*
dern selbst betriebene Handel in allen Ländern seit etwa zehn Jahren beinahe ganz in die Hände auswärts ansässiger Kaufleute übergegan⸗ ggeen ist, welche, wie bei jedem anderen Artikel, auf das einzelne Stück ssiicch mit mäßigen Prozenten begnügen, ihren Nutzen in der Menge
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Jahren sich ein Vermögen von 50,000 Fl. und darüber erwarb.
rungen einzuführen.
grund des Verfalls, daß der früher ausschließlich von Schwarzwal⸗
des Absatzes suchen und dabei den Preis der Uhren bei den Uhr⸗ machern herabdrängen. Dieser Ucbelstand ist um so fühlbarer, als von jeher der Uhrmacher nur sein ehrliches Auskommen bei diesem Gewerbe fand, während nicht selten der Uhrenhändler in 10 bis 15
Anhalt⸗Deßau. Deßau, 30. Dez. Das heutige Wochen⸗ blatt enthält folgende Bekanntmachung der Herzogl. Kammer:
„So vielfach es auch durch die Erfahrung erwiesen ist, wie we⸗ nig beim Fahren mit einer Leine der Führer der Pferde dieselben in seiner Gewalt hat, so findet dennoch diese gefährliche Art zu fahren immer noch sehr häufig statt, und wird daher von Neujahr 1844 an das Fahren mit einer Leine, der sogenannten Hotte⸗Leine, in den Städten, Dörfern und auf den Landstraßen und öffentlichen Commu⸗ nicationswegen, zur Sicherstellung der Passage und zur Verhütung leicht möglicher Unglücksfälle, hierdurch bei acht Groschen Strafe verboten.“
Schwarzburg⸗Sondershausen. Arnstadt, 28. Dez. In Nr. 51 des hiesigen Regierungsblattes lesen wir folgenden Erlaß an die hiesige fürstliche Regierung:
„Bereits im verflossenen Winter und Frühjahr wurden aus allen Ge⸗ genden des Thüringerwaldes, namentlich auch aus dem Bezirke des fürst⸗ lichen Amtes Gehren, in Folge der vorhergegangenen Mißärndte, laute Kla⸗ gen über Noth und Mangel an Nahrungsmitteln erhoben. Diese Klagen wiederholen sich jetzt in verdoppeltem Maße, da die Hoffnung der Nothlei⸗ denden auf eine bessere Aerndte in dem nunmehr zu Ende gehenden Jahre leider nicht in Erfüllung gegangen, vielmehr durch den Einfluß ungünstiger Witterungs⸗Verhältnisse die Kartoffel⸗Aerndte, auf deren Ertrag die Natur jene Gegenden hauptsächlich angewiesen hat, abermals fast gänzlich mißrathen ist. Schon jetzt hat der ärmere Theil der dortigen Bevölkerung die wenigen Erzeuguisse seiner Aecker völlig aufgezehrt, Wund da es bei dem Stocken der meisten dort einheimischen Ge⸗ werbszweige, so wie bei der durch die Jahreszeit gebotenen Einstellung der Straßenbauten und anderer öffentlichen Arbeiten nicht minder auch an Gelegenheit zum Erwerbe gebricht, so bietet die Zukunft unseren armen Landsleuten in den Wald⸗Ortschaften die traurigste Aussicht dar, wenn ihnen nicht eine wirksame Unterstützung zur Erleichterung ihrer gegenwär⸗ tigen Noth, noch mehr aber zur Abwendung des im künftigen Frühjahr un⸗ fehlbar zu befürchtenden Mangels an Samen⸗Kartoffeln zu Theil wird. Se. Durchlaucht unser gnädigst regierender Fürst und Herr haben deshalb in Folge eingegangener amtlicher Berichte, so wie auf Verwendung des Land⸗ tags, den Beschluß gefaßt, daß in beiden Landestheilen des Fürstenthums zum Besten der Nothleidenden des gehrener Amts⸗Bezirls Sammlungen milder Beiträge veranstaltet werden sollen, und indem wir Sie zu dem Ende auf höchsten Befehl anweisen, die erforderlichen Einleitungen schleunigst zu treffen, und nicht allein an die Bewohner der Stadt und des Amtes Arnstadt unter Veröffentlichung dieses unseres Erlasses einen Aufruf zur Unterstützung der Hülfsbedürftigen durch Geld oder Naturalien ergehen zu lassen, sondern auch den Ihnen untergeordneten Verwaltungs⸗Behörden, so wie den Geistlichen, die eifrigste Förderung des Zweckes besonders anzu⸗ empfehlen, sind wir überzeugt, daß der schon oft erprobte Wohlthätigkeitssinn unserer oberherrschaftlichen Mitbürger sich auch bei dieser sie so nahe ange⸗ henden Veranlassung aufs neue bewähren wird. Die Vertheilung der zu erwartenden milden Gaben und die dereinstige Rechnungs⸗Ablegung darüber soll höchstem Beschlusse gemäß durch eine aus einsichtsvollen und der Ver⸗ hältnisse kundigen Männern des gehrener Amts Bezirks zu bildende Kommis⸗ sion erfolgen, deren Zusammentreten Sie schleunigst zu veranlassen und an welche Sie demnächst auch die einkommenden Beiträge zu überweisen haben. Sondershausen, den 12. Dez. 1843. Fürstl. schwarzburgisches Geheimeraths⸗ Kollegium. W. von Kauffberg.“
1 b111¹““
2 m Paris, 24. Dez. Die Reise des Grafen Gollina (nicht Solina), Minister des Innern und der Finanzen von Sardinien nach Marseille, derer einer Ihrer hiesigen Korrespondenten Erwähnung
gethan, hat einen ganz anderen Zweck, als die See⸗Anstalten von Marseille zu prüfen, um darnach im Hafen von Genua Verbesse⸗ Wer nur mit den Zuständen der französischen Häfen einigermaßen vertraut ist, der wird eher behaupten, daß die Franzosen hierin den Genuesern noch nachstehen, und von Letzteren, deren Hafen-Anstalten so vortrefflich als möglich sind, noch manches lernen könnten. Es giebt in Europa kaum einen Hafen, der so ver⸗ nachlässigt wäre, als gerade Marseille, die erste Seestadt Frankreichs. Der Hafen ist so verschlammt, daß dessen Wasser tintenschwarz aus⸗ sieht, und daß die mephytischen Ausdünstungen desselben, gleich dem Kohlendampf von London, sich an die Wäsche, Kleider u. s. w. der Einwohner ansetzen. Die Offiziere der Garnison von Marseille haben mehrmals Bittschriften an die Kammer gerichtet, um eine außerordentliche Zulage während der Zeit, wo sie in Marseille liegen, zu erhalten. Ihre Epaulets, Degenkoppel, Tschakoborten werden in wenigen Monaten schwarz und untragbar und müssen durch neue ersetzt werden. Bei dem schönsten Himmel der Provence ist die Sterblichkeit in Marseille verhältnißmäßig grö⸗ ßer als in allen anderen Städten Frankreichs. Alles dies rührt von der Vernachlässigung des Hafens her, dessen Abfluß zu schwach ist, um die Unsauberkeiten einer Stadt von beinahe 150,000 Seelen dem Meere zuzuführen. Die französische Regierung verhehlt sich nicht diesen traurigen Zustand. Aber es werden an 150 Mil⸗ lionen Franken erfordert, um den Hafen von Marseille zu rei⸗ nigen und ihm einen stärkeren Abfluß zu verschaffen. Der Stand unserer Finanzen erlaubt nicht gegenwärtig ein so schweres Geldopfer zu Gunsten einer einzigen Stadt. Man vertagt die Ausbesserungs⸗ Arbeiten von Jahr zu Jahr, und so wird das Uebel täglich größer.
Doch kommen wir zur Reise des Grafen Gollina zurück. Vor ein paar Monaten ist zwischen dem Hofe der Tuilerieen und der Re⸗ gierung von Sardinien ein Handels⸗ und Schifffahrts⸗Vertrag ge⸗ schlossen worden, welcher den Schiffen der einen Nation in den Häfen der anderen das vollkommene Reziprozitätsrecht sichert. Der er— wähnte Vertrag, obwohl ratifizirt, konnte noch nicht zur Ausführung gebracht werden, weil vorher gewisse Förmlichkeiten zu vollziehen sind, um die im Vertrage bestimmten Bedingungen praktisch erfüllen zu können. Die sardinischen Schiffe haben das Recht, in den französischen Häfen so behandelt zu werden, wie französische Schiffe in den Häfen Sardiniens behandelt werden. Die Hafen⸗Einrichtung von Marseille setzt der Ausübung eines solchen Rechtes große Hindernisse entgegen. Während in Genua fremde Schiffe jeder Nation vom frühen Morgen bis nach Sonnenuntergang ihre Waaren ungehindert ein⸗ und aus⸗ laden können, sind fremden Schiffen in Marseille nur die Amtsstun⸗ den des Zoll-Amtes, mithin nur 6 Stunden täglich, dazu gestattet. Die Folge davon ist, daß fremde Schiffe genöthigt sind, in Marseille doppelt so viel Zeit als in Genua vor Anker zu liegen, wodurch ihre Auslagen um eben so viel höher zu stehen kommen. Fremde Schiffe können, wenn sie in den Hafen von Genua aus-⸗ und einlaufen, nach eigenem Ermessen den inländischen Lootsen an Bord nehmen oder nicht. In Marseille sind dagegen fremde Schiffe angehalten, nolens volens den Lootsen zu nehmen. Zwar besteht nach dem Gesetze eine dreifache Lootsenlinie in der Rhede von Marseille, bei welcher fremde Schiffe eigentlich das Recht haben sollten, zu wählen, wo sie des Loovtsen am meisten bedürfen, und darnach die Lootsen⸗Gebühr zu entrich⸗ ten. Das Hafen⸗Amt von Marseille umgeht aber diese Bestimmung und stellt seine Lootsen schon an der äußersten Linie aus, und fremde Schiffe werden angehalten, den Lootsen schon dort aufzunehmen, wenn sie auch noch so gut den hydrographischen Grund der Rhede von Marseille kennen sollten. Die Lootsen⸗Gebühr lastet aber sehr schwer auf fremden Schiffen, sie beträgt 75 Centimen per Tonne, so daß ein gewöhnlicher Kauf⸗ fahrer schon an 500 Franken an Lootsen⸗Gebühren zu entrichten hat, um in den Hafen einlaufen zu können. Die Lootsen⸗Gebühr fließt in die Staats⸗Kasse, da die Lootsen von der Regierung besoldet
sind. Em anverer Uebelstand, denen fremde Schiffe in Mar⸗ seille ausgesetzt sind, besteht in der Nothwendigkeit, für das Ausladen ihrer Waaren an eigene, von der Regierung ernannte Spediteure sich richten zu müssen, die sich theuer bezahlen lassen. In Genua haben französische Schiffe gar keine ähnliche Obliegenheit. Es ließen sich so eine Menge Schwierigkeiten anführen, womit fremde Schiffe in Marseille zu kämpfen haben, welche den Zweck haben, die inlän⸗ dische Schifffahrt zu begünstigen. Die Regierung von Sardinien scheint nun zu verlangen, daß die Schiffe ihrer Nation davon befrei werden sollen, wie es der Geist des neuesten Schifffahrts⸗Vertra⸗ ges mit sich bringt. Das Kabinet der Tuilerieen erklärt sich bereit
bis zu einem gewissen Grade den Forderungen von Sardinien zu will⸗
fahren. Indessen mag der sardinischen Regierung dies noch nicht genügt haben, und sie schickte daher den Finanz⸗Minister nach Genua, um an Ort und Stelle die wahre Sachlage zu erörtern und danach zu referiren. Darauf bezogen sich die mehrfachen Unterredungen welche Graf Gollina mit den Mitgliedern der Handels⸗Kammer von
Marseille und mit den ansehnlichsten Kaufleuten jenes Platzes pflog.
Graf Gollina schien dem Könige von Sardinien am geeignetsten, diese schwere Mission zu erfüllen, weil die Handels⸗Schifffahrt von Sardinien gerade in das Fach des Finanz⸗Ministers einschlägt.
Bei der jährlichen Wahl der Mitglieder der Handels⸗Kammer von Paris pflegt jedesmal der Präfekt der Seine eine Rede zu halten, worin er einen Ueberblick des moralischen, administrativen und finan⸗ ziellen Zustandes der Hauptstadt entwirft.
D
auf 40,450,716 Fr. an. Die zurückbezahlten Depositengelder beliefen
sich auf 34,991,738 Fr. Die Bewegung der pariser Pfandhäuser war beiläufig die nämliche, wie im Jahre 1842, nur sind im laufen⸗ den Jahre um 1,200,000 Fr. mehr, als im Jahre 1842, Pfänder wieder ausgelöst worden. Sonst enthält die Rede des Grafen Ram⸗ buteau keine statistischen Daten, die nicht schon mehr oder weniger bekannt wären. Nur in Betreff der Pflasterung von Paris, läßt sich Graf Rambuteau in dem Sinne vernehmen, als wenn die Munizipali⸗ tät der Hauptstadt entschlossen wäre, dem neuen Holzpflaster vor dem bisherigen Steinpflaster entschieden den Vorzug zu geben. “
Grossbritanien und Irland.
London, 26. Dez. Das Weihnachtsfest hat in den politischen Diskussionen der Blätter eine kleine Pause eintreten lassen; wenigstens nthalten sich die Tory-Organe aller Erörterungen politischer Gegen⸗ stände, und nur „die schlechte Gewohnheit, am ersten Weihnachts⸗ tage überhaupt ein Blatt auszugeben“, zwingt den Standard, auch an „dem Tage des Friedens“ zu erscheinen. Die liberalen Whig⸗ Blätter, welche gegen die streng kirchliche Richtung Alt-Englands eben so ankämpfen, wie gegen die politischen Doktrinen vergangener Zeiten, beobachten den heiligen Christtag weniger streng, und die Morning Chroniele fährt mit ihrer Polemik gegen das Mini⸗ sterium auch in ihrem gestrigen Blatte fort. Der Gegen⸗ stand der gestrigen Erörterung des Whig⸗Blattes sind die
Korngesetze, für deren Unhaltbarkeit dasselbe ein neues Argument
in dem Uebertritt eines konservativen Grundbesitzers, des Herrn Rand, dessen Rede bei Gelegenheit der Versammlung zu Bradford wir neu lich mittheilten, gefunden hat. Die gewöhnliche Schlußfolgerung sol⸗ cher polemischen Artikel ist die Behauptung, daß die Stellung des Peel⸗Ministeriums unhaltbar geworden sei, denn „die Tory⸗Partei, sagt die Morning⸗Chroniele, „ist über die Korngesetzfrage in
zwei Parteien getheilt, von denen die eine, die Tories des
Fortschritts, wiederum so zersplittert ist, daß wir nicht zu erkennen vermögen, wie über diesen Gegenstand noch eine längere Uebereinstim mung fortdauern kann, zumal da Sir Robert Peel sich trügerische Pläne gemacht hat, welche niemals ein günstiges Resultat geben kön⸗ nen. Es ist darum nothwendig geworden, daß alle diejenigen, welche die thörichte Politik der Regierung z. B. in Bezug auf Brasilien und Nord⸗Amerika erkannt haben, welche sehen, was für ein unermeßlicher Nachtheil unserem Handel durch ihre fernere Unterstützung Sir Robert Peel's droht, Einer nach dem Anderen, wie die Gelegenheit es mit sich bringt, jener Politik sich widersetzen und für die Prinzipien des freien Handels sich öffentlich aussprechen. Das ist in Bradford von Seiten des Herrn Rand geschehen; und wir werden es erleben, daß seinem Beispiele noch vor Ostern im Unterhause Viele folgen werden.“
Eine am 15. November aus Kalkutta abgefertigte extraͤordinaire Post ist auf dem gewöhnlichen Wege über Marseille und Paris hier eingetroffen. Dieselbe bringt keine Neuigkeiten aus China, wohl aber wichtige Nachrichten aus Indien und Afghanistan, welche im Friend of India enthalten sind: Nach so eben angelangten Berichten aus Gwalior war daselbst der Khasgee (Fürst) ohne Blutvergießen von den Truppen festgenommen worden und sein Reich am Ende. Man glaubt, daß dies Ereigniß das Vorrücken einer (britischen) Armee un— nöthig machen werde.
Dost Mahomed ist zu Kabul auf Befehl des Fürsten der Gläu⸗ bigen, des Chans von Bokhara, erschossen worden. Es heißt, daß der Chan mehrere Papiere mit seinem eigenen Siegel nach Kabul gesandt und darin erklärt hatte, daß Jeder, der den Dost tödte, in den Himmel komme. Dies Ereigniß wird wahrscheinlich die Einstel lung jedes Versuches der Afghanen zur Besitznahme von Peschauer herbeiführen; das Endergebniß aber dürfte sein, daß Kabul selbst die Beute von Bokhara wird, was den mit der dortigen Sachlage ver trauten Personen gar nicht unwahrscheinlich dünkt. — Die Nachrich
ten aus Sukkur lauten schlimmer als je, indem von den dortigen britischen Truppen 1371 Mann im Spitale lagen und nur 153 ge⸗ sund waren. — Man erfährt jetzt, daß Oberst Stoddart noch in Bokharg am Leben, Capitain Conolly aber hingerichtet worden sei. (A. Z.) Bei der Wichtigkeit der Eisenfrage sind die folgenden kurzen Notizen über die Production eines der Hauptdistrikte in Süd⸗ Wales wohl nicht ohne Interesse für den deutschen Leser. Merthyr⸗ Pydill in Süd⸗Wales ist der Sitz großen mineralischen Reichthums und schaffender Thätigkeit. Die Stadt steht auf kahlen, steilen Hü⸗ geln und die ungeheuren Bergwerks⸗Operationen und Eisenhütten haben sie mit grauen, rauchenden Haufen von Asche und Schlacken umgeben. In diesem Augenblicke sind die Geschäfte durch Ueber⸗ Production sehr gedrückt, indeß die Arbeiter erhalten noch immer erträglichen Lohn und Alle finden Beschäftigung. Es sind daselbst 41 Hochöfen in Thätigkeit, vier verschiedenen Eigenthümern gehörig, und jedes Etablissement besitzt die nöthigen Eisengruben zur Erlan gung des Erzes, so wie die erforderlichen Kohlengruben, um das Feuerungs⸗Material zur Schmelzung des Erzes zu gewinnen. Bei jedem Hochofen sind zur Förderung des Erzes und der Kohlen, so wie zur Fertigung des Eisens, ungefähr 300 Mann angestellt. Jeder Hochofen verzehrt alle 24 Stunden 60 Tonnen Kohlen (à 2240 Pfund englisch) und die Tonne Kohlen steht ungefähr 3 Sh. 6 Pee. bis 3 Sh. 10 Pce. (35 bis 38 ½ Sgr.) ein. Der jetzige Werth einer Tonne Eisen ist ungefähr 4 Pfd. (27 Rthlr.). Achtzehn der Hoch⸗ öfen gehören Six John Guest, und diese allein liefern jetzt ungefähr 1100 Tonnen Eisen per Woche. Der jetzige Lohn für Arbei ter in den Kohlengruben ist 15 Sh. (5 Rthlr.) per Woche; für Ar⸗ beiter in den Eisengruben 14 Sh. (4*, Rthlr.) per Woche, Ofen⸗
7
Arbeiter 20 Sh. (6 ⅞ Rthlr.) per Woche, Tagelöhner 2 Sh. (20 Sgr.)
Hauptst Die gestrige Rede des Grafen Rambuteau schlägt die Summe, welche im Laufe des Jahres 1843 von verschiedenen Bürgern bei der Sparkasse niederlegt wurde,
per Tag, Zimmerleute 2 Sh. 6 Pre. (25 Sgr.), Schmiede 2 Sh. 10 Pce. (28 Sgr.) per Tag. Durch Anwendung des heißen Ge⸗
bläses (hot blast) ist die Nothwendigkeit beseitigt, die Kohlen zur
Verwendung im Ofen erst in Coak zu verwandeln, und es werden dadurch die Kosten dieser ungefähr 40 Sh. per Tonne betragenden Operation völlig gespart, dabei braucht man jetzt kaum das halbe Quantum Kohlen, und die Metall⸗Production ist um 60 pCt. per Woche gesteigert worden. 1“ Moldau und Wallachei.
Galatz, 15. Dez. (A. Z.) Ein Komplott zum Umsturze der gegenwärtigen Ordnung der Dinge in den Donauländern und Bos⸗ nien ist so eben hier entdeckt worden. Es haben zahlreiche Verhaf⸗ tungen stattgefunden. Dieses Komplott scheint mit den bereits früher entdeckten Verschwörungen von Braila eine und dieselbe Tendenz zu haben und die Spuren einer künstlich vorbereiteten und geschickt durchgeführten Einwirkung der polnischen Propaganda auf die slavischen Donau⸗Völker sind dabei kaum zu verkennen. Die höher stehenden Leiteraäͤdieser Umtriebe verschmähen diesmal nicht, zu betrügerischen Vorspiegelungen die Zuflucht zu nehmen und diejenigen als Beförderer derselben darzustellen, gegen welche sie eigent⸗ lich gerichtet sind. So werden in ganz Bulgarien sogar von den Popen inhsdden christlichen Kirchen untergeschobene Ukase verlesen, worin das Oberhaupt der nicht unirten griechischen Kirche alle Gläubigen auffordert, treu an einander zu halten und versichert zu sein, daß sie in jedem Nothfall auf den hohen Schutz desselben rechnen dürften. Es ist nur zu wahr, daß diese verbrecherischen Künste nicht ohne Er⸗ folg bleiben; die Aufregung gewinnt, ohne gerade an Intensität be⸗ sonders zuzunehmen, eine immer größere Ausdehnung, und es bedarf nur eines augenblicklichen Erfolgs der Rebellen auf irgend einem Punkte, um alle diese Länder in helle Flammen zu setzen.
8
*“
Alexandrien, 12. Dez. (A. Z.) Der Pascha befindet sich fortwährend in Ober⸗Aegypten; die Konsuln der großen Mächte sind in Kahira und zum Theil auf Exkursionen nach Ober⸗Aegypten be⸗ griffen.
Die Regimenter, welche um Alexandrien versammelt waren, sind nach Rosette, Damiette und anderen Orten abgegangen, doch hat jedes derselben ein Bataillon zurückgelassen, das zu öffentlichen Ar⸗ beiten gebraucht wird. Die Regierung läßt fortwährend niederreißen, um die Straßen zu erweitern; alle Basare sind dieser Maßregel un⸗ terworfen worden, so daß viele Krämer in diesem Augenblicke keine Buden finden können. Daß die Bevölkerung Alexandriens rasch zu⸗ nimmt, sieht man daraus, daß, obwohl man immer neue Gebäude aufführt, die Quartiere schwer zu finden sind und unaufhörlich theu⸗ rer werden.
Es ist endlich bestimmt worden, daß die Soldaten und Unter⸗ ofsiziere der Armee acht Monate rückständigen Soldes baar erhalten; allein die Offiziere und die übrigen Beamten müssen ihre Forderun⸗ gen, wenn sie nicht Mittel haben, wer weiß wie lange noch zu war⸗ ten, mit 25 und 26 pCt. Verlust verkaufen; diese Assegni nimmt dann die Regierung in Zahlung für die an mehrere Häuser gemach⸗ ten Verkäufe an Produkten.
Die Witterung ist fortwährend rauh, wenngleich am Tage hei⸗ ter; dagegen regnet es fast jede Nacht, und erst nach Sonnenaufgang verjagt der Nordwest⸗Wind die Wolken. Der Gesundheits⸗Zustand
der Stadt ist im Ganzen für die Jahreszeit befriedigend, wenigstens
hört man nichts von Pestfällen.
1 8
EKTani. Tunis, 30. Nov. (Oest. B.) Nach den Verträgen darf die
Einstellung der Getraide⸗Ausfuhr erst zwei Monate später, nachdem
den in Tunis residirenden Konsuln davon Anzeige gemacht worden, eintreten. Da nun der sardinische General⸗Konsul, Ritter Peloso, gegen das sofortige Verbot der Ausfuhr protestirt, aber keine genü⸗ gende Antwort erhalten hatte, so verließ er Tunis und schiffte sich am 27. November mit seiner Familie am Bord eines sardinischen Dampfers nach Sardinien ein. Man erinnert sich, daß bereits im Jahre 1833 Sardinien eine feindliche Demonstration gegen den Bey machte, und daß damals eine sardinische Escadre, von einer neapolitanischen unterstützt, der Differenz ein Ende machte, nicht ohne vorher einige Unruhen in der Regentschaft erregt und der tunesischen Regierung bedeutende Kosten verursacht zu haben. Nachrichten aus Konstantinopel zufolge, hat die Pforte eine Note der sardinischen Regierung erhalten, worin sie sich über das Verfahren des Bey's von Tunis, als über eine Verletzung des Handels⸗Vertrags, beschwert, und droht, falls der Bey nicht binnen einer bestimmten Frist Abhülfe gewähre, werde sie eine Flotte von Genua nach Tunis senden, um ihn mit Waffengewalt zu zwingen. Die Pforte soll er⸗ klärt haben, daß sie von dem Handels-Vertrag zwischen Sardinien und dem Bey von Tunis keine Kenntniß habe, also auch nicht ent⸗ scheiden könne.
C h EIg
London, 27. Dez. Das von Kalkutta am 17. November ab⸗ gegangene Dampfschiff „Hindostan“ hat nach Suez neue Nachrichten
aus China gebracht, welche auf dem gewöhnlichen Wege über Mar⸗
seille und Paris nach England gelangt sind. Aus Canton wird vom 7. Oktober geschrieben, daß der Kaiser von China den Vertrag über den neuen Tarif genehmigt hatte und der Kaiserliche Kommissa⸗ rius Keying mit Sir Henry Pottinger in der Bocca Tigris zusam⸗ menkommen sollte, um den Traktat zu unterzeichnen. Der Kaiser soll den Wunsch ausgesprochen haben, daß auch dieser Vertrag von der Königin von England unterzeichnet und besiegelt werde, um allen über die Authentizität desselben entstehenden Zweifeln vorzubeugen. Der Handels⸗ Verkehr wird indeß unter den neuen Bestimmungen ungehindert sei nen Fortgang haben, ohne daß die Ratisication des Traltats ftge. wartet zu werden braucht. In Singapore hatte der Handel mit britischen Fabrikaten sich gehoben, dagegen war in Tschusan der Markt überfüllt, und in den übrigen Häfen, wie in Hong⸗Kong, hatte sich keine wesentliche Aenderung in dem gedrückten Fustand⸗ des Verkehrs seit der letzten Post gezeigt. Herr Morrifon, der
bekannte Secretair und Dolmetscher Sir Henry Pottinger's, ist am
29. August in Macao gestorben. Der Verlust dieses durch seine Renntniß der chinesischen Sprache ausgezeichneten Gelehrten wird sehr
8 beklagt.
Verhandlungen der Stände darüber.
(Vergl. Allg. Preuß. Zeitung Nr. 175, 176 und 177 Beilage.) III. Berathung der zweiten Kammer.
& Leipzig, im Dez. Die der Verlesung des Deputations⸗Gutachtens lgende allgemeine Debatte war kurz und ergab keine besonders neuen Mo⸗
mente, ausgenommen, vaß der Abgeordnete Ge he die Herbeiziehung der nöthi⸗ gen Kapitalien aus dem Auslande anrieth, um nicht den inländischen Gewerben zu große Summen zu entziehen, worin er aber von dem Finanz⸗Minister und dem Referenten (Abg. Georgi) mit triftigen finanziellen und national⸗ öͤlonomischen Gründen widerlegt ward. Die spezielle Debatte verbreitete sich uerst über die verschirdenen Linien, welche zusammen das sächsische Eisenbahn⸗ System bilden sollen. Abgerechnet eine kurze Debatte uber die Berechtigung zum Bau der Sächsisch⸗Bohmischen Bahn, welche der Abgeordnete Eisen⸗ stuck für einen bereits 1836 in Dresden gebildeten Verein in Anspruch nahm, fand eine ausführlichere Diskussion nur bri der Schlesischen, der Erz⸗ gebirgischen und der Lausitzer Zweigbahn statt, bei der ersteren na⸗ mentlich wegen der angeblich in dem Vertrage mit Preußen (der zwar von der Regierung als inzwischen abgeschlossen angekündigt war, aber der Kam⸗ mer noch nicht vorlag) aufgenommenen Bedingung eines Weiterbaues der Bahn sächsischerseits bis Görlitz, bei der anderen wegen der verschiedenen in Vorschlag gekommenen oder doch von manchen Seiten her gewünschten Richtungen dieser Bahn, bei der dritten endlich darüber, ob, wie die De⸗ putation rieth, der Bau der Zweigbahn der Sächsisch⸗Schlesischen Gesellschaft
‚zur Bedingung gemacht, ferner, ob eine Dampf⸗ oder Pferdebahn gebaut
werden solle. Die heftigste Debatte war die bei Nr. 2, indem hier theils der Wunsch für Aufnahme des ganzen Traltes Zwickau⸗Chemnitz⸗Riesa, theils insbesondere die Ansicht des Separat⸗Votanten Sachse, dem sich cine Anzahl anderer Abgeordneten anschloß, nämlich die Idee einer Bahn von Chemnitz über Freiburg nach Dresden mit derjenigen Beharrlichkeit und Lebendigkeit geltend machten, welche bei Kammer⸗Verhandlungen über Lokal⸗ und Provinzial⸗Interessen leider noch immer bemerkbar ist und wohl auch mehr oder weniger immer bemerkbar bleiben wird. Bei der endlich erfolg⸗ ten Abstimmung ward zunächst die Aufnahme der Bahn Chemnitz Riesa in das Eisenbahn⸗System mit 44 gegen 23 Stimmen beschlossen und hierauf dies System selbst in der von der Staats⸗Regierung vorgeschlagenen und von der Deputation (mit den angegebenen Modificationen) beifällig begut⸗ achteten Ausdehnung genehmigt. Die Ausführung der Linie Chemnitz⸗ Zwickau unter Mitwirkung des Staats ward mit 51 gegen 15 Stimmen abgelehnt und auf den Antrag der Deputation, das Exproprations⸗Gesetz vom Jahre 1837 für diese Linie zurückzunehmen, mit 41 gegen 25 Stim⸗ men genehmigt. Zu dem letzten Beschlusse, der allerdings auffallend ist, da man meinen sollte, den Privaten, wenn sich solche fänden, um jenen Bau dennoch auszuführen, müßte dies unbenommen bleiben, ward die Kam⸗ mer wohl namentlich durch die Rücksichten auf die bei der Sächsisch⸗Baperi⸗ schen Bahn Betheiligten — Privaten und Staatskasse — veranlaßt, die eine Linie Chemnitz⸗Zwickau, als Fortsetzung der Chemnitz⸗Riesaer, dieser Bahn eine gefährliche Konkurrenz bereiten dürften. Die von der Staats⸗ Regierung für die Bahn Löbau⸗Zittau aufgestellte Bedingung einer Bethei⸗ ligung der Städte Zittau und Herrnhut bei derselben ward auf den Nath der Deputation von der Kammer nicht gebilligt. In Bezug auf die Be⸗ theiligung der Regierung bei dem Bahnbau ward der Vorschlag der Depu⸗ tation, diese Betheiligung zunächst nur für diejenigen Bahnen festzusetzen, rücksichtlich welcher Verträge mit dem Auslande bestehen, für die übrigen aber, sie einem künftigen ständischen Beschlusse vorzubehalten, nach langer Debatte angenommen. Auch hinsichtlich der Zeit des Ankaufs der Bahnen von Seiten des Staats war man mit der Deputations⸗Ansicht (d. h. einem längeren als 15jährigen Zeitraume) einverstanden. Die Beschaffung der Geldmittel endlich ward ebenfalls ganz im Sinne der Deputation geneh⸗ migt, desgleichen deren Antrag wegen der Vorlegung der Kommissionen und sonstigen auf das Eisenbahnwesen bezüglichen Verordnungen an die Stände angenommen. Beim Namens⸗Aufruf über das ganze Gesetz erklärte sich nur eine Stimme dagegen. “
IV. Verhandlungen der ersten Kammer. 1 Da der Deputations⸗Bericht, der in der ersten Kammer erstattet ward, sehr kurz ist und sich im Wesentlichen auf den der zweiten Kammer und die Vorlage der Regierung stützt, so gehe ich sogleich zu den Verhandlungen der ersten Kammer über und erwähne jenes Berichts nur in soweit, als er etwas Neues enthält. Ohne sich mit der Erörterung der Vorfrage ausführlicher zu beschäftigen (wie dies die Deputation der zweiten Kammer gethan), ging die Deputation der ersten Kammer sogleich zur Be⸗ gutachtung des von der Regierung vorgelegten und der Beschlußfassung der Stände unterbreiteten Planes über. Bei dem ersten Punkte dieses Planes, die Zustimmung der zu erbauenden Eisenbahnlinien betreffend, erneuerte sich der Streit um die beiden Binnenbahnen. Rücksichtlich der erzgebirgischen Bahn hatte die Masorität der Deputation sich ebenfalls für den Trakt Chemnitz⸗Riesa entschieden, die Minorität dagegen stellte den Antrag: „die Stände⸗Versammlung wolle vor endlicher Beschlußfassung über die Linie einer mit der Elbe und der Sächsisch⸗Bayerischen Eisenbahn zu verbinden⸗ den Binnenbahn in den Erblanden die hohe Staats⸗Regicrung ersuchen, die Ausführbarkeit der Linie von Chemnitz in der Richtung über Oderon und Freiberg nach Dresden untersuchen, im Fall der Ausführbarkeit einen Kosten⸗Anschlag fertigen und das Resultat der nächsten Stände⸗Ver⸗ sammlung vorlegen lassen.“ Endlich hatte auch noch ein Mitglied (Frei⸗ herr von Friesen) in einem Separat⸗Votum beantragt, „über die Erbauung einer Eisenbahn von Chemnitz nach Riesa bei gegenwärtigem Landtage kei nen Beschluß zu fassen, die Staats⸗Regierung aber zu ersuchen, den Stän⸗ den beim nächsten Landtage einen Plan vorzulegen, mittelst dessen das Erzgebirge mit einer der in das Ausland führenden Eisenbahnen durch eine Zweigbahn in die geeignete Verbindung gesetzt werden könne.“ Es han⸗ delte sich also um eine doppelte Frage, nämlich einmal, ob von Chemnitz nach Riesa oder von Chemnitz nach Dresden, mit einer Verlängerung nach rückwärts bis Zwickau, und sodann, ob schon jetzt ein bestimmter Entschluß gefaßt oder die Sache als völlig unentschieden der nächsten Stände⸗Ver⸗ sammlung vorbehalten werden sollte. Ohne der Diskusston in die Einzeln⸗ heiten der Erörterungen über die staatswirthschaftlichen Vortheile jedes die⸗ ser Werke zu folgen — da diese Fragen mehr für das Inland als für das Ausland Interesse haben — will ich nur der Kuriositàt halber anführen, welche Schwierigkeiten sich nach den vorläufigen technischen Vermessungen einer Bahn von Dresden über Freiberg entgegenstellen würden, indem ich darin, daß man durch diese Schwierigkeiten sich nicht sogleich von aller weiteren Erwägung dieser Frage zurückschrecken ließ, einen Beweis zu er⸗ blicken glaube, um wie viel kühner man jetzt an solche Unternehmungen geht, als noch vor wenigen Jahren. Um jene Bahn zu Stande zu brin gen, würde von Tharandt aus eine Steigung von mehr als 1:10 nöthig sein (als die äußerste zulässige Steigung hat man, so viel ich weiß, auf den deutschen Bahnen, bei nicht stehenden Maschinen, 1:150, höchstens 1: 100 betrachtet; in Amerika ist man allerdings viel weiter gegangen, ich glaube bis 1:75), die natürlich nur mit Pferdekräften, und auch dies schwer, überwunden werden könnte. Ferner müßte das Bobritzschthal in einer Länge von 10,000 par. Fuß und in der Mitte 150 Fuß Höhe überdämmt, dann die Mulde mit einer 200 Fuß hohen und 8500 Fuß langen, das Striegisthal mit einer 1701Fuß hohen, 4000 Fuß langen Brücke uͤberschrit⸗ ten werden, und endlich wäre ein Tunnel von 5 — 6000 Fuß anzulegen, andere Ueberbrückungen und dergleichen abgerechnet. Der Kosten⸗Aufwand wurde auf 26 Millionen Thaler angeschlagen. Und dennoch erhoben sich für diese Bahn nicht wenig Stimmen, von denen manche die angegebenen Schwierigkeiten als übertrieben darstellten, andere deren Ueberwindung von künftigen Fortschritten der Technik, von Elektromagnetismus, Galvanismus u. s. w. erwarteten. Nach einer ziemlich langen Debatte ward jedoch schließ⸗ lich der Trakt auf Riesa angenommen, folglich die Aussetzung dieser Linie bis auf weitere Untersuchungen verworsen und zwar mit 20 gegen 17 Stim⸗ men. Schlimmer erging es der Zweigbahn nach Zittau, welche die Majo⸗ rität der Deputation aus dem Eisenbahn⸗Sosteme entfernt wissen wollte, ein Antrag, der auch trotz der lebhaften Opposition eines ihrer Mitglieder, des Dr. Günther, der sich in einem Separat⸗Votum für Annahme des Be⸗ schlusses der zweiten Kammer (Bau der Bahn als einer Pferdebahn) ver⸗ wendet hatte, dem auch mehrere Milglieder der Kammer beistimmten und die Regierung selbst sich zuneigte, dennoch mit 21 gegen 16 Stimmen ge⸗ nehmigt ward. Um jedoch die Möglichkeit einer Ausführung dieser Bahn durch Privatkräfte nicht auszuschließen, beschloß die Kammer, die Ausdehnung des Expropriations Gesetzes auf die Zweigbahn nach Zittau bei der Regierung zu beantragen. Desgleichen verwarf sie den Beschluß der anderen Kammer rücksichtlich der Zurücknahme des Erpropriations⸗Gesetzes für die Linie Chemnitz⸗Zwickau. Die folgenden Punkte wurden sämmtlich in dem von der zweiten Kammer beschlossenen Maße mit wenigen unwesentlichen Modi⸗ ficationen angenommen. Am Schlusse stellte noch der Vice⸗Präsident von Carlowitz den Antrag: „Die hohe Staats⸗Regierung wolle der künftigen Stände-Versammlung darüber Mittheilung machen, welche Begünstigungen
den von Eisenbahnen entblößten Landestheilen, vornehmlich vin üu lichen Erzgebirge, zu gewähren seien, um dieselben für die Verluste, die sie bedrohen, einigermaßen scharleos zu halten.’ Dieser An⸗ trag ward jedoch von mehreren Nednern und von der Staats⸗ Regierung lebhaft bekämpft, indem man namentlich entgegenstellte, daß der angebliche Nachtheil fuür die Landestheile, welche nicht unmittelbar von einer Eisenbahn durchschnitten würden, erst abgewartet werden müßte, bevor man Schlüsse und Anträge darauf hbaue, und daß er möglicherweise eben so wenig eintreten werde, als der von anderen Landestheilen, welche
von einer Bahn berührt würden, erwartete außerordentliche Vortheil. Der
Antrag erlangte blos 7 Stimmen für sich. Beim Namens⸗Aufruf über das Gesetz stimmte von Carlowitz, als der Einzige, mit Nein. Hiermit war das erste Stadium der Berathung des Gesetzes in beiden Kammern ge⸗ schlossen. In Folge des Vereinigungs⸗Verfahrens kamen die beiden Kam⸗ mern dahin überein, daß 1) die Bahn Löbau⸗Zittau zwar in das System der Staatsbahnen mit ausgenommen, ihre wirkliche Ausführung jedoch erst von einer anderweiten Vereinbarung zwischen Ständen und Regierung ab hängig gemacht, auch der Bau derselben nicht der für die Schlesische Bahn zu bildenden Gesellschaft zur Bedingung gemacht werden solle; 2) daß zwar das Expropriations⸗Gesetz für die Linie Chemnitz⸗Zwickau nicht aufgehoben, jedoch bestimmt werden solle, daß, wenn diese Linie von Beginn der Linie Chemnitz⸗Riesa in Angriff genommen würde, alle Verpflichtung des Staats zur Mitwirkung bei der Linie Chemnitz⸗Riesa aufbören solle. Unter diesen Modificationen ward dann nunmehr das Eisenbahn⸗Gesetz von beiden Kam⸗ mern genehmigt.
Finanz⸗Zustand der Nepublik Merxiko.
☛ Paris, 25. Dez. Ich habe Ihnen neulich einige Notizen über den gegenwärtigen finanziellen Zustand der Republik Mexiko verspro⸗ chen: ich komme heute diesem meinem Versprechen nach.
Eine ungeheure Schuldenlast haftet auf dieser Republik, und es ist beinahe unmöglich, ihre Größe genau zu berechnen, da es an ge⸗ nauen Aufschlüssen darüber fehlt, welche selbst die Büreaus der mexi⸗-⸗ kanischen Finanz⸗Verwaltung nicht zu geben vermögen. Annäherungs⸗ weise nur und nach den mäßigsten Anschlägen findet man Folgendes:
Eine innere Schuld, anerkannt seit der Eman-a-a“ cipation, und die von den der Kolonial⸗Regierung schuldigen Summen sich herschreibt; sie ist bekannt unter dem Namen der Schuld aus der Zeit vor der Unabhängigkeit. Zieht man davon den Theil derselben ab, der getilgt worden sein soll, so be⸗ läuft sich dieselbe jetzt, da der größte Theil der⸗ selben verzinslich ist, auf wenigstens. Doll.
Eine positive innere Schuld, obgleich noch nicht in ihrer Gesammtheit anerkannt, herkommend von Summen, die den Chefs der Unabhängigkeit für die Bestreitung der Kriegskosten geliefert wur⸗ den, von rückständigen Gehalten von Beamten, Militairs, Pensionirten aller Klassen u. s. w., von freiwilligen und gezwungenen Anleihen, seit Itur⸗ bide bis auf diesen Tag, dann von Krediten ver⸗ schiedener Art, die nicht in dem Dekrete vom letz⸗ ten 11. Mai inbegriffen sind; diese Schuld beläuft sich mindestens auf.....
Die anerkannte und durch das vorerwähnte Dekret vermittelst 25 pCt. auf den Ertrag der Seezölle zur Liquidation gebrachte Schuld, unge⸗ fähr mit 8 “ Die für das Amortissement der Kupfermünze kontrahirte Schuid kann angeschlagen werden auf
Eine auswärtige Schuld, herkommend von Anleihen und zum Kapital geschlagenen Interessen, zu 6 pCt. verzinslich, und zu deren Zahlung 20 pCt. des Ertrags der Douanen von Veracruz und Tam⸗ pico für die Zahlung der Dividenden angewiesen worden sind ...
Gleicher Theil der nämlichen Schuld, unter dem Namen aufgeschobene Schuld, und die keine Zinsen trägt 8
Für acht Millionen Piaster, die durch die Agen⸗ ten der Republik auf dem Plaͤtze von London ilitm Bons ausgegeben worden sind im September 1842, und die nach den englischen Blättern, sich beläuft auf ungefähr 8,000,000
Andere auswärtige, ihrem größten Theile nach auerkannte Schuld, erwachsen durch Irrthümer und Unerfahrenheit, welche in Folge von Forderungen verschiedener Art sich beläuft auf wenigstens.. 8,000,000 »
131,212,500 Doll.
12,000,000 14,000,000
3,000,000
23,106,250
23,106,250
Gesammtheit: Hunderteinunddreißig Millionen zweihundertzwölftausend fünfhundert Piaster, oder: Sechshundertsechsundfunfzig Millionen fünfhundert Francs.
Von dieser enormen Schuld sind ungefähr
71 Millionen verzinslich, die Interessen werden
entweder bezahlt oder zum Kapital geschlagen wer⸗
den, und die zu 6 pCt. berechnet, eine Summe
ergeben voh. .. 1
Die Nation, die niemals ein wohlgeordnetes
Budget gehabt hat, bedarf für ihre jährlichen
Ausgaben, nach den früheren Budgets ........ Gesammtheit der jährlichen Ausgaben —
Betrachten wir nun die Einnahmen des
Schatzes, die in Folge der früheren und neuen
Verbote fast um die Hälfte sich vermindern müssen,
wenn diese Verbote aufrecht erhalten werden, und
die sonach das stets wachsende Elend vermehren werden. Die direkten Steuern, aus dem Ertrage der
Seezölle, haben sich, nach Abrechnung der Ver⸗
waltungskosten, im verflossenen Jahre belaufen
auf kaum .... 1
Die inneren Zölle, die auch indirekte Steuern sind und den Preis aller Waaren des Verbrauchs, selbst jener der ersten Nothwendigkeit, erhöhen,
belaufen sich auf 8
Die direkten Steuern auf das Grund⸗Eigen⸗ thum, die Patente, Gewerbe, die Kopfsteuer, kön⸗ nen bei dem Zustande der Paralysie aller dieser
Zweige nicht mehr ergeben als.... 8—
Der Ertrag der Einnahmen vom Taback mit Hinzufügung aller Nebenumstände, kann nicht höher angeschlagen werden als auf. 2n
Angenommen, daß die Regierung noch aus den anderen ihr bleibenden Erträgnissen, wie die
der Posten, des Stempelpapiers, des Pulvers u. s. w.
zu ziehen vermöge eine Summe von
so belaufen sich die sämmtlichen Einnahmen des
Schatzes auf “
Da aber die Ausgaben jährlich betragen.. 24,000,000 » so ergiebt sich daraus ein jährliches Defizit von 17,000,000 SPol.
4,000,000 „
20,000,000 » 2I00 000 Son.
500,000 »
10,000,000 »