9 2 „machte, und wobei die Dörfer St. Ferdinand, Piarabut e St. Amelie, Cheragas und die Trappisten⸗ 2 Nieberlassung zu Staouelie berührt wurden. Der Marschall wollte baber namentlich die bereits in der Kolonisirung des — 8— Sahel erlangten Resultate eee urthele b2 ützer vernehmen, so wie ihre allenfallsigen Gutachten 1 Neter deseas ge Aenderungen des bisher befolgten Systems. Auch
ie Gemahlin des Tochter des Marschalls und die Ge h de Genahtin Ban Hatte sich in dem Dorfe Marabut d Aumale mit
b Fesellschaft vereinigt. 8 der ; * liegt am Eingange der schönen Ebene von
8 SN tbaren Boden, der reichlich bewässert -2 vers seit einem Jahre dort ins Dasein gerufen hat. - achung dieses Terrains schien sich anfangs eine große Schwierig ei 8 enzustellen, namentlich für die im Allgemeinen wenig bemittelten Ansebler der Boden war dort mit wilden Palmbäumen und 2 werk bedeckt, wie sollten diese unbemittelten Ansiedler nun 89 . benutzen können, da einen Hektar Landes urbar zu. 5 öhnli b auf mindestens 9215 v. “ 1. ö jese Schwierigkeit aber zurn ben, ataillon öb Regiments wurde von ihm dahin beordert und ist ge⸗ rade jetzt mit der Urbarmachung beschäftigt. Diese gut geleitete und tüchtig ausgeführte Arbeit ist auch bereits so weit vorangeschritten, daß man gewiß ist, daß noch vor dem Ablaufe der Saatzeit jeder einzelne Ansiedlereinen Hektar Landes 88 “ 8 e..en. ährung seiner Familie auf ein Jahr nöthige Getraide daselbs II vird. Von Cheragas bis zur Niederlassung der Trap⸗ pisten beträgt die Entfernung eine Stunde. In dieser Ebene befin⸗ den sich die Meierhöfe Caron, Kamadschi und andere, und durch sie zog die französische Armee 1830, als sie nach der Landung zu Sidi Ferruch gegen Algier anrückte. Die Niederlassung der Trappisten, die in einem in großem Maßstabe angelegten Kloster bestehen wird, ist noch nicht sehr vorangeschritten. Der eine Flügel des Gebäudes ist indeß bis zum zweiten Stockwerk emporgekommen. Einiges Land umher ist der Kultur bereits gewonnen und angesäet, auch hier mit Hülfe der Armee und der Militair⸗Sträflinge, andere Punkte sind zu Anlage von Pflanzungen vorbereitet, und der Marschall selbst hat den Vätern Trappisten über die zweckmäßigste Weise, Bäume zu pflanzen, Anleitung und Unterweisung gegeben, wie er dies auch bei den An⸗ siedlern zu Cheragas gethan hatte, desgleichen über die Benutzung des bei der Urbarmachung des Bodens gewonnenen Holzes und der Wurzeln der Zwergpalmen.
Von Staoueli gelangt man in kurzer Zeit nach dem Dorfe St. Ferdinand, das ziemlich ausgedehnt ist, und bereits durch 65 Hekta⸗ ren urbar gemachten und mit Getraide angesäeten Landes sich be⸗ merkbar macht, das in diesem Augenblick einer ausgedehnten Wiese gleich sieht. Das Bataillon vom 26sten Linien⸗Regiment, welches diese Arbeiten ausgeführt hat, ist noch auf der Hochebene gelagert, in Mitte der Saatfelder. Jede der in St. Ferdinand angesiedelten Familien wird so 4 Hektaren urbar gemachten Landes erhalten, was
106
genannten Meierei vorüberkam, bemerkte man die ausgedehnten Pflanzun⸗ gen, welche diese Anlage umgeben, die von fünf Familien besetzt ist. Auch die Bevölkerung von Marabut d'Aumale ist bereits vollständig und besteht aus zehn Familien. Die Lage dieses kleinen Ortes wird als sehr hübsch geschildert; er liegt auf einer fruchtbaren, bereits mit an⸗ gebauten Feldern bedeckten Hochebene, von wo man auf der einen Seite St. Ferdinand, Staoueli, Cheragas, Oulet, Fayet und die Hügel von Algier, auf der anderen aber St. Amelie und die Hoch⸗ ebenen von Mahelma mit Sidi⸗Ferruch und dem Meer in der Ferne nach Norden hin im Gesicht hat. Ueberhaupt kann man fast von allen Punkten des Sahel aus in der Ferne das Meer erblicken. Als der Marschall die bei Marabut d'Aumale ausgeführten Arbeiten mit seiner Begleitung besichtigte, deutete er auf die Lager der in der Umgebung stehenden Bataillone, die zu den Arbeiten der Urbarmachung verwendet worden waren, hin, und sprach dabei einige Worte, die als ein Gutachten über die Zweckmäßigkeit der Verwendung der Ar⸗ mee zu dergleichen Arbeiten überhaupt auch ein allgemeines Interesse haben:
„Sie sehen, meine Herren“, sagte er, „die Armee, die Ihnen die Sicher⸗ heit gegeben hat, deren Sie genießen, eine solche Sicherheit, daß Herr de Beaumont, wie er Ihnen so eben selbst erzählte, 80 Lieues durch die Provinzen Titteri und Milianah zurücklegen konnte, allein mit meinem Adju⸗ tanten und meinem Dollmetscher, nicht blos, ohne die geringste Gefahr zu laufen, sondern sogar überall die zuvorkommendste Gastlichkeit, den freund⸗ lichsten Empfang findend, diese Armee, welche die Hacke ergreift, nachdem sie das Schwert niedergelegt hat, und noch thätig zu dem Werte der Koloni⸗ sirung beiträgt, indem sie das Land urbar macht, welches die Kolonisten ausbeuten sollen. In der That ist ein bewundernswerthes Werkzeug, ein unvergleichliches Mittel zur Colonisation in einer Armee gegeben, die in sich selbst drei Arten von Kapitalien trägt: die Sicherheit, welche hier das größte Kapital ist, ihre Arme, die auch ein unermeßliches Kapital bilden, das man durch kein anderes ersetzen könnte, und endlich das Kapital ihres Budgets, das lange Zeit hindurch die einzige Nahrung für Handel und Industrie gewesen ist, bis sie Ihnen die Thüren des Landes geöffnet hat. Es eines solchen Elements berauben oder auch nur dasselbe zu verringen, wäre ein Unheil für die Kolonie und für Frankreich, welches seine Eroberung minde⸗ stens eben so sehr gefährdet, als ihr Gedeihen gehemmt sehen würde.“
Diese Worte haben in Algier Anklang gefunden und sind mit anderer Fassung nur eine Wiederholung des Lieblings⸗Grundsatzes des Marschalls, nämlich daß die Armee eben so unentbehrlich sei, um die Eroberung zu behaupten und Nutzen daraus zu ziehen, als sie es war, um sie zu erlangen.
In einem der Häuser von Marabut d'Aumale nahm die Gesell⸗ schaft ein von der Gemahlin des Marschalls vorbereitetes Mahl ein, während dessen einer der Militair⸗Sträflinge, die zu Erbauung des Dorfes beigetragen, ein von einem aus ihnen verfaßtes Lied so gut sang und dabei von dem Chor der Uebrigen so gut unterstützt wurde, daß allgemeine Rührung dadurch hervorgebracht wurde, und in Betreff einer darin enthaltenen Anspielung, worin die Hoffnung ihrer Begna⸗ digung ausgesprochen war, der Marschall selbst am Schlusse sich er⸗ hob und die Worte sprach: „Ja, ich werde für euch die Königliche Milde anflehen, die man niemals vergebens anruft; ich werde Alles aufbieten, um für euch die Strafmilderung zu erlangen, die ihr durch
d'Aumale begab sich die Gesellschaft nach dem Dorfe St. Amelie, das vollkommen fertig ist und am Tage nachher dem Direktor des Innern übergeben werden sollte, der es dann an die 54 Familien aus dem Bearn abgeben sollte, für die es bestimmt ist.
Am 29sten gaben dann die Kolonisten zu Algier dem Herrn Gustave de Beaumont ein Bankett, worauf dieser am 30sten nach Frankreich zurückreiste; bereits ist derselbe angekommen. Auf dem⸗ selben Wege erfährt man, daß die Anstalten zu dem Feldzuge nach dem Osten der französischen Kolonie mit der größten Thätigkeit zu Algier fortdauern. Täglich kamen neue Truppen an, und selbst die Regimenter, die eigentlich jetzt aus dem Felde heimkehren sollten, werden beibehalten. Man glaubt allgemein, daß Abd el Kader's Macht in den letzten Zügen liege, und daß er zwar sich nicht den Fran⸗ zosen ergeben, aber in irgend einen Marabut sich zurückziehen werde.
“ Eisenbahnen.
Neisse, 8. Jan. (Br. Z.) In einer heut hier stattgefundenen Versammlung der Deputirten der Kommunen Frankenstein, Patschkau, Neisse, Neustadt und Leobschütz wurde unter zustimmender Theilnahme der Vertreter der Breslau⸗Freiburger und Neisse⸗Brieger Bahn⸗Gesell⸗ schaft, der Bau einer Eisenbahn⸗Linie zur Verbindung genannter Städte mit gleichzeitiger Anknüpfung an die sicher gestellte Liegnitz⸗ Frankensteiner Bahn einer⸗, und an die Ferdinand⸗Nordbahn anderer⸗ seits, beschlossen. — Der letztere Anschluß wird nach Umständen über Ratibor oder über Jägerndorf und Troppau vermittelt werden, von wo aus die bestimmtesten offiziellen Anforderungen und höchst vor⸗ theilhafte Anerbieten vorliegen. — Zu dem Ende und zur Aus⸗ führung der Vorarbeiten sind von den genannten Städten namhafte Beiträge bewilligt, und unter Vorsitz des für das Unternehmen rast⸗ los thätigen und hochverdienten Landgerichts⸗Raths Hennig, ein Comiteé von 5 Mitgliedern, zur Führung der vorläufigen Geschäfte, gebildet worden. — Einem Bahnzuge, welcher ohne Konkurrenz mit einer Schiff⸗ fahrtslinie die boden⸗ und industriereichsten und bevölkertsten Gegenden Nord⸗Deutschlands durchschneidet, und dabei Punkte verbindet wie Liegnitz, Jauer, Striegau, Schweidnitz, Peterswaldau, Reichenbach, Langenbielau, Frankenstein, Kamenz, Patschkau, Ottmachau, Neisse, Ziegenhals, Neustadt, Leobschütz, Jägerndorf und Troppau, können die glänzendsten Resultate um so weniger entgehen, als derselbe Peichzeitig der Donau und Wien, Prag über Grätz, so wie Breslau,
erlin und Dresden die Hand bieten wird. — Die mächtigen und unwandelbaren Verhältnisse, welche jene fast ununterbrochen 200,000 Einwohner repräsentirende Städte⸗Gasse längs dem Fuße unserer Berge hervorrief und emporblühen ließ, müssen unzweifelhaft auch der ihre Verbindung vermittelnden Eisenbahn zu Gute kommen. Dasselbe wird mit seinen Verzweigungen Schlesien zwischen Oder und Gebirge ein Bahnnetz geben, wie noch keine Gegend des europäischen Festlan⸗ des sich desselben erfreut, und der hier zu erwartende hohe Aufschwung der Industrie und Landes⸗Kultur wird auch für die näheren und ent⸗ fernteren Bewohner von den ersprießlichsten Folgen sein.
im Ganzen über 200 Hektaren ausmachen wird, die in Kurzem voll⸗
ständig vollendet sein werden. Bereits wohnen 2.
sem Dorfe, andere bereiten sich
vor Ende Winters hofft man alle Häuser besetzt zu sehen. an v. da auf dem Wege nach Marabut d'Aumale in der Nähe der la Consulaire
5 Familien in die⸗ bereits vor, dahin zu ziehen, und noch
eure Arbeiten verdient habt.“
Als man von
Der Oberst Marengo dankte im Na⸗ men der Sträflinge und versicherte ihr gutes Verhalten. hat die Verwendung zur Feldarbeit auf die Besserung Zustandes dieser Leute den heilsamsten Einfluß geübt.
Offenbar v1“ des sittlichen Von Marabut
8 8
eT rmnEE
Bekanntmachungen.
[529 b] AI
Unter Hinweisung auf die den Stralsundischen Zei⸗ tungen in extenso inserirten Ladungen vom heutigen Tage werden Alle und Jede, welche an die auf Rügen im Gingster Kirchspiele belegenen, unlängst verkauften, bisher im Besitz der von der Ostenschen Familie befind⸗ lichen Allodialgüter Dubkevitz und Klucksevitz c. p. aus irgend einem Grunde Rechtens Forderungen und An⸗ sprüche haben und machen zu können vermeinen, auf den Antrag der bisherigen Gesammt⸗Eigener und Ver⸗ käufer, zu deren Anmeldung und Beglaubigung in ei⸗ nem der folgenden Termine, als:
am 15. Januar, am 5. oder am 26. Februar 1844,
Morgens 10 Uhr, vor dem Königl. Hofgericht, bei Vermeidung der am 18. März k. Js. zu erkennen⸗ den Präklusion, hiermit aufgefordert.
Datum Greifswald, den 13. Dezember 1843. Königl. preuß. Hofgericht von Pommern und Rügen.
(L. S.) v. Möller, Praeses.
[40] P r. El a m a1 Der aus Rewal gebürtige, am 4. November 1791 zum hiesigen Bürger aufgenommene Töpfermeister Carl Stephan Bierstädt ist im Oktober vor. Is. mit Tode abgegangen, ohne ein Testament oder sonst bekannte Erben hinterlassen zu haben. Nachdem sein Nachlaß⸗ Vermögen zu 188 Thlr. 19 Sgr. 7 Pf. durch den konstituirten Nachlaß⸗Kurator festgestellt worden, werden Alle und Jede, welche an selbiges aus einem erbrecht⸗ lichen oder sonstigen rechtlichen Grunde Ansprüche und Forderungen haben oder zu haben vermeinen möchten, hiermit aufgefordert, solche in einem der auf den 17. Februar und 2. und 16. März künft. Jah⸗ res, Morgens 10 Uhr, angesetzten Termine anzumel⸗ den und gehorig zu bewahrheiten, bei Strafe der in termino den 30. März künft. Jahres, Morgens 10 Uhr, auszusprechenden Präklusion.
DPa. .ö den 21. Dezember 1813. 1 a 8 Waisengericht. — (L. 8.) Dr. Teßmann.
8 ½. △ 2 — Mühlen⸗Verkauf. Oder. Thehbesigen Stadt⸗Kommune gehörige, vor dem nebst Wohnhann den Mühlen gelegene Papiermühle Wege der 2 2 Schuppen und Garten, soll im See in verkauft werden, und haben wir auf dem rathhä lichen benbn auslichen Fürsten⸗Sa . ; Bursten⸗Saa anberaumt. Die Verkaufs⸗ Hedingane 8 S T ermin rer Rathsdiener⸗Stube einzusehen. n unse⸗
Breslau, den 8. Januar 1842
Der Magistrat hiesiger Haupt⸗ und Residen stadt
[507 b]
Berlin⸗Frankfurter Eisenbahn.
Prioritäts⸗
Die Zinsen der
rung des 2ten Zins⸗Coupons gezahlt. Die Inhaber der Prioritäts⸗Actien werden zu diesem Ende ersucht, die gedachten, so wie die pro tstes Semester 1843 fäl⸗ lig gewesenen und nicht abgehobenen Coupons in der genannten Zeit mit einem nach den Nummern geord⸗ neten Verzeichnisse in unserer Hauptkasse einzureichen und den Betrag dafür in Empfang zu nehmen.
Berlin, den 22. Dezember 1843.
Die Direction der Berlin⸗Frankfurter Eisenbahn⸗
Gesellschaft.
[12 b] Berlin⸗Frankfurter
Eisenbahn. Die Zinsen der Stamm⸗
Artien der Berlin⸗
87 Frankfurter Eisenbahn pro 2tes Semester 1843 mit 2 Thlr. 15 Sgr. spro 1 — Acetie werden in unserer Haupt⸗Kasse auf dem hiesigen Bahnhofe in den Tagen vom 1. bis 29. Februar c., mit Ausnahme der Sonn⸗ tage, Morgens von 9 bis 1 Uhr, gegen Einlieferung des 2ten Zins⸗Coupons, gezahlt. Die Actionaire wer den zu diesem Ende ersucht, die gedachten Coupons in der genannten Zeit mit einem nach den Nummern ge⸗ ordneten Verzeichnisse in unserer Haupt⸗Kasse einzurei⸗ chen und den Betrag dafür sofort in Empfang zu neh⸗ men. Die nicht abgehobenen Zinsen pro 1842 und pro lstes Semester 1843 werden in gleicher Weise bezahlt. Berlin, den 2. Januar 1844. Die Direction der Berlin⸗Frankfurter Eisenbahn⸗
Gesellschaft.
[391 Oeffent! iche Bekanntmachun g. Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntniß,
1) daß in Gemäßheit des §. 4. der höchsten Verord⸗ nung vom 2. November 18306 — Gesetz⸗Sammlung Nr. CLIX. — am 6ten d. M. die sechste Ausloo⸗ sung von Schuldbriefen aus dem ersten geschlossenen Anlehen der Landschaft des Herzogthums Gotha statt⸗ gefunden hat, und daß durch dieselbe die nachverzeich neten 76 landschaftlichen Obligationen, nämlich:
aus Sekie A. Nr. 10. 56.
aus Serie B. Nr. 220. 228. 405. 429.
aus Serie C. Nr. 457. 501. 528. 567. 627. 672.
689. 861. 867. 914. 947. 990. 1070. 1094. 1195. 1223. 1262. 1300. 1436. aus Serie D. Nr. 1935. 1937. 1990. 1996. 2015.
2094. 2273. 2355. 2356. 2487. 2500. 2563. . 2752. 2777. 2873. 2889. 2898. 3025. . 3215. 3597. 3632. 3657. 3669. 3676.
—— 2 Er nENI 9 Allgemeiner Actien der Berlin⸗Frankfurter Eisenbahn pro 2ies Semester 1843, mit 2 Thlr. pro Actie, werden in un serer Hauptkasse auf dem hiesigen Bahnhofe in den Taͤ⸗
gen vom 2. bis 31. Januar 1814, mit Ausnahme der Sonntage, Morgens von 9 bis 1 Uhr, gegen Einliefe⸗
Anzeiger.
Serie E. Nr. 4226. 4391. 4484. 4608. 4705. 4749. 4756. 4790. 4801. 4884. 4999. 5000. 6075. 3178. 5223. 83093.
zur Abzahlung bestimmt worden sind;
2) daß nach Anleitung der §§. 4. und 5. der höch⸗ sten Verordnung vom 19. Mai 1843 — Gesetz⸗Samm⸗ lung Nr. CCblll. — ebenfalls am 6ten d. M. die erste Ausloosung von Obligationen aus dem zweiten geschlossenen Anlehen der Landschaft des Herzogthums Gotha erfolgte, wobei die nachverzeichneten 33 Schuld⸗ briefe, nämlich:
aus Serie A. Nr. 6. 68. 130.
aus Serie B. Nr. 177. 259. 283. 384. 390. 391. 461. 474. 487. 531. 587. 600. 633. 655. 670. 737. 769. 879. 1060. 1113.
Serie C. Nr. 1213. 1214. 1263. 1270. 1311. 1359. 1408. 1504. 1536. 1518.
zur Abzahlung am 1. Julius d. J. bestimmt worden sind.
3) daß nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen in dem §. 7. des zuerst gedachten höchsten Patents vom 2. November 1836 die am 5. Januar 1839 aus⸗ geloosten und realisirten landschaftlichen Schuldbriefe nebst den dazu gehörigen Zinsleisten und Coupons, als:
aus Serie A.
aus
aus
Nr. 59. 142. aus Serie B. 365. 428. aus Serie CG. Nr. 3580. 874. 968. 992. 1042. 1216. 1353. 1478.
Nr. 245,. 351.
aus Serie D.
1852. 1919. 1923. 2099.
2955. 3110. 3148. 3245. 3317. 3432. 3519. 3580. 3715. aus Serie E. 1331.4353. 4452. 4462. 4565. 4617. 4765. 4776. 4782. 4889. 4913. 4930. 5085. 5102. 5115. 5241. 5289. 5298.
2121. 3278. 3820.
1821.
Nr. 4258. 4283. 1679. 4741. 4742. 4793. 4841. 1 1979. 5028.
5140. 5190. 5236.
5305. 5317. 5335. 5374. am 6ten d. M. in Gegenwart eines Deputirten des Herzoglichen Justiz-⸗Kollegiums allhier verbrannt worden sind, und
4) daß ferner die neunten Zins⸗Abschnitte zu den
landschaftlichen Obligationen der ersten Anleihe
sub Nr. 3330 aus Serie D. und
sub Nr. 5355 und 5378 aus Serie E.
so wie die zehnten Zins⸗Abschnitte zu den landschaft⸗ lichen Obligationen
sub Nr. 2596. 3781. 3782 aus Serie D. und
sub Nr. 4320 aus Serie E.,
weil solche innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit nicht realisirt wurden, in Gemäßheit des §. 11. der obengedachten landesherrlichen Verordnung nunmehr er⸗ loschen sind. Gotha, den 9. Januar 1844. Herzogl. sächs. Ober⸗Steuer⸗Kollegium.
4745. 1851. 5071.
[13351] 8
Der Sohn der im Jahre 1835 zu Bernstorff ver⸗ storbenen Kastellanin Tatharina verwittweten Laylie, Namens
Carl Joseph Laplie, geboren am 30. Januar 1794 zu Wabern, Amts Homberg im Hessischen, welcher seit dem 24. März 1811, wo er von Burg in der Mark Brandenburg als Pri⸗ vatschreiber eines Ober⸗Einnehmers Clausewitz die letzte briefliche Nachricht von sich gegeben, gänzlich verschol⸗ len ist, und dessen von der Mutter ihm angefallenes Vermögen allhier unter kuratorischer Verwaltung steht, wird nunmehr hierdurch edictaliter geladen, sich in⸗ nerhalb zwei Jahren a dato, also längstens
am 18. Julius 1845, vor dem unterzeichneten Gerichte zu melden, unter dem endlichen Nachtheile, daß sonst das sub cura stehende Vermögen den sich als seine nächste Verwandten legi⸗ timirenden Personen, nach Maßgabe der landesherrli⸗ chen Verordnung vom 8. März 1774, werde überwie⸗ sen werden.
Alle diejenigen aber, welche als nächste Verwandte des Abwesenden an dessen Vermögen Ansprüche machen zu können glauben, werden sub praejudicio pro omni praecclusionis ebenfalls zu dem obigen Termine vor⸗ geladen.
Wedendorf im Großherzogthum Mecklenburg⸗Schwe⸗ rin, am 17. Julius 1843.
räflich von Bernstorffsches Patrimonialgericht.
Literarische Anzeigen.
Bei Victor von Zabern in Mainz ist so eben erschienen und in sämmtlichen Buchhandlungen Deutsch⸗
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Erinnerungen aus dem Jahre 1842. Vom Verfasser der Erinnerungen aus den Jahren 1837, 38 und 39. (Fürsten Felix Lichnowsky.)
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[17 b]
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Amtlicher Theil. “ 1“
Inland. Vom Rhein. Deutsch⸗evangelische Gemeinde zu Buenos⸗ Ayres. — Dirschau. Unterbrechung des Ueberganges über die Weichsel.
Deutsche Bundesstaaten. Bayern. München. Hofnachrichten. Bamberg. Bevorstehende Ankunft des Kronprinzen. — Baven. Karls⸗
ruhe. Verhandlungen der zweiten KFammer. — Sachsen⸗Weimar⸗ Eisenach. Weimar. Einberufung des Landtages. — Braun⸗
schweig. Aus dem Weserkreise. Die Nachsteuer. — Folgen des
Anschlusses an den Zoll⸗Verein. — Schreiben aus Luxemburg. (Pole⸗ mil des Luxemburger Journals gegen den dortigen kölner Dom⸗ bau⸗Verein.)
Oesterreichische Monarchie. Wien. Der Prinz von Wasa. — Ragusa. Wiederholte Erdstöße.
Frankreich. Pairs⸗Kammer. Marquis von Boissy über die legiti⸗ mistischen Vorgänge in London und gegen deren offizielle Rüge. — Ausstellungen desselben an der Verwaltung der auswärtigen Angelegen⸗ heiten. — Explicationen über das Verhältniß des Staats zum Unter⸗ richtswesen. — Paris. Antwort des Königs auf die Adresse der Pairs⸗
Kammer. — Briefe aus Paris. (Debatten der Adreß⸗Kommission, na⸗
mentlich in Betreff des Durchsuchungsrechts; nord⸗amerikanischer Konsul in Lyon. — Herzog Maximilian von Bayern; Molieère’'s Monument.)
Großbritanien und Irland. London. Neues literarisches In⸗ stitut unter dem Patronate des Prinzen Albrecht. — Schreiben aus London. (Die Jury im O'Connellschen Prozesse und wahrscheinliche Verurtheilung der Angeklagten.)
Niederlande. Aus dem Haag. Antwort des Königs auf die Adresse der Generalstaaten. — Verlust von Original⸗Dokumenten beim Brande des Marine⸗Ministeriums. — Widerlegung der angeblichen Einladung
des Herzogs von Bordeaux nach dem Haag. — Schreiben aus dem Limburgischen. (Weiteres über die Machinationen der Separatisten.)
Spanien. Madrid. Anrede des Herrn Bulwer bei Ueberreichung sei⸗ ner Kreditive und Antwort der Königin. — Widerlegung des Gerüchts von Entwaffnung der National⸗Garde.
Portugal. Lissabon. Eröffnung der Cortes. — Thronrede der Kö⸗ nigin. — Unpopularität des Ministeriums nach englischen Berichten. — Olozaga.
b General⸗Versammlung der Actionaire der Anhalt⸗Cöthener Eisenbahn. 8
Handels⸗ und Börsen⸗Nachrichten. Berlin. Börsen⸗ und Marltbericht. — Paris. Börse.
Königl. Schauspielhaus. (Gastspiel des Herrn Fedor Löwe.) — Wissen⸗ schaftliche Vorlesungen. .““
Beilage.
Amtlicher Theil.
Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht:
Den Ober⸗Landesgerichts⸗Chef⸗Präsidenten, Freiherrn von Man⸗ teuffel in Magdeburg, zum Wirklichen Geheimen Rath mit dem Prädikat „Excellenz”“; und
Den Stadtrath und Syndikus Phillips zu Elbing zum Ober⸗ Bürgermeister daselbst auf sechs Jahre zu ernennen.
Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin Albrecht ist von Rom
hier eingetroffen. Belanntmnachug
Die Lokal⸗Censur in Landsberg a. d. W. ist dem Magistrats⸗ Dirigenten Neumann an Stelle des ausgeschiedenen Bürger⸗ meisters und Polizei⸗Direktors Mehls — übertragen worden.
Potsdam, den 12. Januar 1844.
Der Ober⸗Präsident der Provinz Brandenburg. (gez.) von Meding.
chtamtlicher Theil.
Inland. “
“ ee ““ Vom Rhein, 10. Jan. (K. Z.) Unter den zahlreichen Deutschen, die in Buenos⸗Ayres wohnen, befinden sich auch viele Rheinländer. Kürzlich sind Berichte von mehreren derselben eingelau⸗ fen, aus denen sich ergiebt, daß in jener Stadt im Laufe des Jahres 1842 eine „deutsch⸗evangelische Gemeinde“ gebildet wurde, deren kirchlicher Bestand durch jährliche Beiträge, zu welchen die Mitglieder sich verpflichten, gesichert erscheint. Sie hat sich der Theilnahme des Missions⸗Vereins zu Bremen zu erfreuen, der hauptsächlich nach Ame⸗ rika Geistliche und Lehrer sendet; von demselben erhielt die Gemeinde in Buenos⸗Ayres den Pastor Siegel, der seine Antritts⸗Predigt in der englisch⸗bischöflichen Kirche hielt. Anßer dieser besteht dort noch eine schottische. Beide haben sich der neuen Gemeinde sehr förder⸗ lich gezeigt und sind ihr hülfreich zur Hand gegangen. Sie bedient sich der preußischen Agende. Die argentinische Regierung hat den Pastor Siegel in allen seinen Amtsverrichtungen bestätigt, zu wel⸗ chen neben dem Predigtamte auch der Schulunterricht gehört. Die staatsbürgerlichen Rechte sind in jenem Lande für alle Einwohner, ohne Unterschied der Konfession, ganz dieselben, was auch in Brasilien der Fall ist, und kirchliche Zerwürfnisse kommen nicht vor.
Dirschau, 12. Jan. Abends 4 ½ Uhr. (E. Z.) Das Eis der Weichsel ist so eben bei 10 Fuß 10 Zoll Wasserstand stehen ge⸗ blieben und der Trajekt für den Augenblick gänzlich gehemmt. Bei Tagesanbruch sollen Bretter über die Eisdecke gelegt werden, um die Passage für Fußgänger wieder herzustellen.
Ausland.
Deutsche Bundesstaaten.
Bayern. München, 9. Jan. (N. C.) Morgen geht wieder ein Theil des Hofstaates des Kronprinzen und der Kronprinzessin nach Bam⸗ berg ab. Es bleibt von der ganzen Hofhaltung Ihrer Königl. Hoheiten Niemand hier, sondern diese erhält ihren Sitz stetig in Bamberg, in wie weit sie nicht während der schönen Jahreszeit in Hohenschwangau oder sonst irgendwo ihre Bestimmung erhält. — Uebermorgen ist für unsere höchsten Kreise das erste glänzende Fest in einem großen Hof⸗ ball in Aussicht gestellt. — Heute ist der Ober⸗Lieutenant, Graf von Rechberg, vom Kürassier⸗Regiment Prinz Karl, als außerordentlicher Courier nach Athen abgegangen. — Der neuernannte württembergische Gesandte an unserem Hofe, Graf von Degenfeld, ist bereits seit einigen Tagen hier angekommen. Dagegen verlautet über die Rück⸗ kehr oder Nichtrückkehr des russischen Gesandten, Herrn von Severin, noch immer nichts Zuverlässiges.
Bamberg, 13. Jan. (Fr. M.) Vorgestern und gestern ist bereits ein Theil der Dienerschaft, der Pferde und Wagen und des Gepäckes des kronprinzlichen Hofhaltes hier eingetroffen. Heute wird das zum Hof⸗Marschall⸗Amte gehörige Personal ankommen. Die höchsten Herrschaften nehmen, wie man hört, das Nachtlager in Weissenburg und werden morgen gegen Abend hier einziehen. Ueberall wetteifern zu dem freudigsten und herzlichsten Empfang die Anstalten.
Baden. Karlsruhe, 12. Jan. (K. Z.) In der gestrigen (der 17ten) Sitzung der zweiten Kammer zeigte das Sekretariat an, daß der Abg. Böhme eine Motion zu begründen gedenke, folgenden Inhalts: „auf Vorlage eines Gesetzes über die Aufhebung des fiska⸗ lischen Abzugs⸗ und Nachsteuer⸗Rechts und über die Ablösung dieser Gefälle, insoweit sie anderen Bezugsberechtigten zustehen.“ Staats⸗
rath Frhr. von Rüdt übergiebt der Kammer die Wahl⸗Akten des
sechsten Aemter⸗Wahlbezirks. Die Sitzung wird auf einige Zeit un⸗ terbrochen, während welcher die Abtheilungen eine Kommission ernen⸗ nen, um die Akten zu prüfen. Nach wiedereröffneter Sitzung er⸗ stattet der Abg. Welcker, Namens der Kommission, Bericht über die Wahl. Der Antrag geht auf Genehmigung derselben, und wird von der Kammer angenommen. Die dabei stattfindende Diskussion drehte sich um den vom Abg. Sander angeregten Punkt, daß auch bei dieser Wahl den Wahlmännern ein Lokal zu ihrer Be⸗ rathung vor der Wahl angewiesen worden sei. Der Abg. Sander mit mehreren Anderen erklärt, daß dieses eine Beschränkung der Wahlfreiheit sei, und daß, wenn er diese Wahl genehmige, trotz die⸗ ses Umstandes, er für künftige Fälle sich das Recht vorbehalte, wegen dieses Umstandes eine Wahl für ungültig zu erklären. Staatsrath Frhr. von Rüdterklärt, daß die Regierung es stets für ihre Pflicht hal⸗ ten werde, den Wahl⸗Commissairen im Interesse der Wahlfreiheit, die durch die Zudringlichkeit Dritter nicht beeinträchtigt werden dürfe, Instructio⸗ nen zu ertheilen, die der Aufrechthaltung der Ordnung und der Würde des Wahlaktes angemessen seien, und daß, wenn diese Ordnung gestört werde, die Wahl⸗Commissaire ermächtigt werden würden, die Wahlhandlung zu sistiren und auf einen anderen Tag anzuberaumen. Von Seiten der Abgeordneten Sander, von Itzstein und einiger Anderer wird auf der früheren Ansicht, daß die Wahlmänner das Recht haben müßten, an jedem ihnen beliebigen Ort sich zu berathen, beharrt, während von anderer Seite, namentlich durch den Abg. Rettig, geltend ge⸗ macht wird, daß die Wahl⸗Freiheit am besten geschützt werde, wenn die Wahlmänner vor der Zudringlichkeit Dritter geschützt seien. Der Vorbehalt des Abg. Sander führe lediglich zu subjektiver Willkür, die sich vorbehalte, je nach dem Resultate der Wahl jedem Umstande ein entscheidendes Gewicht gegen die Wahl beizulegen oder darüber hin⸗ wegzusehen. Schließlich wird der Antrag der Kommission von der Kammer angenommen, und der gewählte Abgeordnete, Gutsbesitzer Buhl von Ettlingen, der nach Schluß der Diskussion eintrat, sofort beeidigt. Die Tagesordnung führte darauf zur Diskussion über den Bericht des Abg. Schaaff, die Lahrer Wahl betreffend. Die Kam⸗ mer nahm einstimmig den Kommissions⸗Antrag an, und mit einer an Einstimmigkeit gränzenden Majorität den Antrag des Abg. Bader, daß die Kammer die hohe Regierung ersuchen möge, mit Nichtbeach⸗ tung der in Seelbach zuletzt vorgenommenen Wahlmänner⸗Wahl eine neue vorzunehmen, und sodann das Weitere über eine neue Deputirten⸗ Wahl anzuordnen.
Sachsen⸗Weimar. Weimar, 8. Jan. (L. Z.) Im nächsten Monate wird hier der zehnte ordentliche Landtag seit der Constitution vom 5. Mai 1816 abgehalten werden. Die Deputirten sind bereits einberufen worden, und die Eröffnung der Versammlung wird am 18. Februar geschehen. Man hofft, daß der projektirte Bau einer Eisenbahn von Halle durch das Großherzogthum nach Kassel eine der hauptsächlichsten Propositionen der hohen Staats⸗Regierung an die Landstände ausmachen werde. Der nach Maßgabe der Con⸗ stitution sich jedes Jahr versammelnde ständische Rechnungs⸗Ausschuß wird am Sten k. M. hier zusammentreten.
Braunschweig. Aus dem Weserkreise, 12. Jan. (D. A. Z.) Mit dem seit dem Anfange des laufenden Jahres er⸗ folgten Anschlusse der hiesigen Gegend an den Zoll⸗Verein war zu⸗ nächst die Regulirung der Nachsteuer verbunden, ein Geschäft, welches nunmehr beendigt ist. Je größer in der Regel die Scheu der neu zutretenden Staaten gegen diese Maßregel zu sein pflegt, um so mehr freue ich mich, berichten zu können, daß dieselbe bei uns in der größ⸗ ten Stille und Friedfertigkeit, zugleich aber auch unter dem bereit⸗ willigsten Entgegenkommen von Humanität und Loyalität, in Ausfüh⸗ rung gebracht ist. Ueberhaupt ist die Stimmung der hiesigen Gegend dem neuen Verhältnisse im Ganzen günstig, und man geht der Zu⸗ kunft mit Vertrauen entgegen. Der Handel von Holzminden, der
bedeutendsten Stadt des Weserkreises, wird nach dem Ausspruch aller⸗
önigliches Schauspielhaus.
Gastspiel des Herrn Fedor Löwe. b .Halm: „Der Sohn der Wildniß“, gab uns am 11ten d. Gelegen⸗ Löwe, vom Hos⸗Theater zu Stuttgart, als Ingomar zu sehen. Der Gast, ein Bruder der berühmten Sängerin, hat, wie sein Vater, der nst in Mannheim so beliebte Schauspieler Ferdinand Loͤwe, eine sehr schöne Theaterfigur, ein frisches, dabei der Modulation fähiges Stimmorgan, hat Haltung und Anstand und so viel Sicherheit und Routine, als man in seinem Alter, er ist in der Mitte der zwanziger Jahre, eben haben kann. Zudem trat derselbe, dem Vernehmen nach, heute zum ersten⸗ mal in einer größeren Partie auf, und mit Rücksicht hierauf, wie auf seine Jugendlichkeit, darf man sich mit der Leistung zufrieden erklären. Da sich bei ihm alle äußeren Mittel, die zu einem Schauspieler für das Fach jugendlicher Helden erforderlich sind, verschwenderisch beisammen finden, so kommt es nur darauf an, daß er sich auch die inneren Gaben aneigne, welche erst den wahren Bühnenkünstler ausmachen. In diesem Punkte aber wird er noch Manches nachzuholen haben; namentlich möge er sich doch hüten, falsch zu deklamiren und den logischen Accent so durchaus verkehrt anzuwenden, als er es an manchen Stellen gethan. Er wird das Wort des Dichters, daß die Götter Schweiß vor den Ruhm ge⸗ stellt, wohl beherzigen müssen. Wo er durch seine Recitation sündigte, hal⸗ fen ihm inzwischen seine glücklichen Natur⸗Anlagen immer wieder durch, und so wurde die ganze Erscheinung eine so wahre, so glaubhafte, so aus der Seele herausgelebte und sich in die fremde Seele hineinlebende, daß man über den blendenden, lebendigen Farben die mitunter falsche Zeichnung des Bildes vergaß. Der junge, auch als lyrischer Dichter bekannte Künst⸗ ler hat uns durch seine, aller Komödianterie noch ganz fremde, zu Hoffnun⸗ en berechtigende natur⸗ und kunstkeusche Erscheinung angenehm angesprochen. Er wurde mit Fräulein Charlotte von Hagn (Parthenia) gerufen. Einige Stimmen mischten in den Hervorruf den Namen Grua, der sich F. seine glänzende Leistung als Ingomar hier immer ehrenvoll ausge⸗ zeichnet hat.
Am 13ten d. trat Herr Löwe zum zweitenmale auf, und zwar in dem Schillerschen „Don Carlos“ als Marquis von Posa. „Don Carlos“ ge⸗ hört zu denjenigen Stücken unserer dramatischen Literatur, welche bei zen Mängeln und vielfachen inneren Widersprüchen — zunächst durch den Um⸗
s 1 “ Das hier so beliebte und häufig gegebene romantische Drama von
stand veranlaßt, daß der Dichter im Verlauf der Arbeit selbst an seinem Helden irre wurde und dadurch das Trauerspiel in zwei heterogene Hälften zerfallen ließ — sich in fast ewiger Jugend auf dem Repertoire erhalten, weil sie in ihrer ursprünglichen Anlage unverwüstliche Elemente künstlerischer Schönheit darbieten. So war auch die genannte Vorstellung reich an herr⸗ lichen Genüssen, und man darf es der General⸗Intendantur aufrichtig Dank wissen, daß sie durch solche Vorstellungen mit regem Fleiß den Sinn für die klassische Poesie im Volke zu erhalten mitstrebt. Unter den darstellenden Künstlern, deren Ensemble bekanntlich gerade in diesem Stück ein sehr voll⸗ endetes ist, beschäftigt uns zunächst und hauptsächlich der Gast.
Herr Löwe hat das günstige Vorurtheil, welches der Ingomar sofort für ihn erweckte, in seinem Posa nicht blos gerechtfertigt, sondern auch ge⸗ steigert. Er hat uns diesen Idealisten mit ausdrucksvoller Wahrheit und warmer Innigkeit zur Anschauung gebracht. Vortrefflich waren die Sce⸗ nen, in welchen die Todesahnung den Marquis im erhöhten Grade sanft und schwärmerisch stimmt. Hier kam der weiche Schmelz, den Herr Löwe in der Stimme trägt, recht eigentlich zur Anerkennung, und es bewährte sich, was schon sein Ingomar herausstellte, daß es vorherrschend ein ele⸗ gisches Element ist, welches diesen Künstler charalterisirt. Dazu trägt denn freilich die äußere Erscheinung des blondgelockten Hauptes und seiner ausdrucksvollen blauen Augen nicht wenig bei. Ueberhaupt zeigte es sich, daß der tiefsinnige Posa (dem Schiller die geheimnißreichsten Sprüche aus Kant, fast wörtlich in Rhythmen wiedergegeben, in den Mund gelegt) dem Wesen des Herrn Löwe weit mehr entsprach, als die rohe Naturkraft des Tektosagen⸗Häuptlings. Die berühmte Scene, wo Posa dem Philipp mit Reform⸗Ideen entgegentritt, erregte ein langanhaltendes Beifallklatschen, und nach der Scene, in welcher Posa den Carlos bei der Eboli verhaften läßt, ward Herr Löwe mitten im Akt (gewiß ein, im höheren Drama hier sehr selten vorkommender Fall!) stürmisch gerufen. In der That bezeich⸗ nen wir diese beiden Stellen als den Glanzpunkt seiner Rolle, welchen die tiefergreifende Abschieds⸗Scene bei der Königin zunächst kam. Am Ende des Stücks wurde Herr Löwe noch einmal mit den Herren Rott und von Lavallade gerufen.
Haben wir somit unserem Gaste alle Gerechtigkeit widerfahren lassen, so glauben wir es seiner hochberechtigten Zukunft schuldig zu sein, ihn auf Dreierlei besonders aufmerksam zu machen. Zunächst muß er die Mit⸗ tel seiner Stimme wohl zu Rathe halten, da der zarte melodische Charakter derselben durch Ueberanstrengung leicht verliert. Herr Löwe wurde an bei⸗
den Abenden auf ganze Minuten heiser.
daß der Künstler seine schöne und imponirende Gestalt noch mehr in seine Gewalt zu bekommen suche. Die Anmuth und das künstlerisch Ebenmäßige in den Gebärden ist überall etwas Unerläßliches, besonders in der Helden⸗ Tragödie, wo die Karrikatur ihr sonst sofort zur Seite steht. Die Griechen, bei denen die Bewegung des Körpers künstlerisch ausgebildet war, wußten das sehr wohl, und die Antike kann darum dem Schauspieler nicht genug zum Studium empfohlen werden. Endlich, wir wiederholen es, ist das dritte Erforderniß schärfere und richtigere Accentuirung beim Deklamiren. Wir geben zwar zu, daß hierbei der Meinungs⸗Verschiedenheit ein gewisser Spielraum zuzugestehen ist, sobald der Künstler sich seines Thuns nur be⸗ wußt wird; indeß erscheint es uns doch, als ob Herr Löwe an einzelnen Stellen kaum ein Argument für seine Declamation auffinden würde. Wir zweifeln jedoch nicht, daß derselbe, bei seiner Jugend und seinem sichtbaren Kunsteifer, diese größte und unausbleiblich gefährlichste Klippe aller Schau⸗ spieler allmälig überwinden werde. Tiefes, lang anhaltendes Studium ist das einzige Gegenmittel. 8 “
Die Leistungen unserer heimischen Künstler sind im Ganzen bekannt. Frl. von Hagn scheint als Eboli weniger an ihrem Platze zu sein als ge⸗ wöhnlich. Die Liebesscene mit Don Carlos wurde von ihr mit einer fast widerwärtigen Ziererei gegeben und stand dem gerade hier überaus feinen Spiele der Mad. Crelinger weit nach. Dagegen hatte sie in den spä⸗ teren Auftritten ergreifende Momente. Herr Rott sprach in der Rolle des Philipp allgemein an, wußte dieselbe auch durch äußere Effektstücke zu ver⸗ brämen. Herr von Lavallade könnte vielleicht gerade den Don Carlos zu seiner Hauptdarstellung ausbilden. Wir wüßten keine Leistung, in der er uns so befriedigt hätte. Mad. Werner war in der Rolle der Königin, wie fast immer, überaus brav. Herr Müller und Herr Franz spielten ihre als gelungen bekannten Rollen des Herzogs Alba und des Pater Do⸗ mingo auch dicsmal gut.
Der Abend des 15ten brachte uns das dritte Gastspiel des Herrn Löwe, jedoch auf einem anderen Felde, als dem der früheren Abende, nämlich au dem Gebiet der Posse. Er gab den Studiosus Brauser in den, einem fran⸗ zösischen Stücke durch Lebrün nachgebildeten „Humoristischen Studien.“ Diese Posse bewegt sich in einer Lebens⸗Epoche, an die wir uns mehr oder weniger immer gern zurückerinnern lassen: es ist die lustige, klingende und singende Burschenzeit auf der akademischen Hochschule. Dieser Umstand mag vorzüglich dazu beigetragen haben, dies Stück auf den Brettern dauernd und gern gesehen zu erhalten, denn seinem moralischen Gehalte nach wird
Zweitens scheint es uns nöthig,
es selbst als ein Schwank Mißbilligung erregen. Einen Studenten, ber,
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