1844 / 18 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

1 Auagenblicke rie⸗Escadron d in diesem Augenblicke rückt die Kavallerie Escadr. —— aus, Ihre Königl. Hoheiten in Hirscheid ein zuholen. Von allen Thürmen, allen Dächern der Stadt wehen Fah

1 ãᷓ llich geschmückt, und von der Stadtmarkung 8 Enich c9 eine glänzende Beleuchtung vorbe rettetunsängs vertheilte die Königliche Regierung der Oberpfalz an sämmtliche Uinterbehörden eine historisch topographische, „N Inaz Edlen und Ritter von Voith, Königl. quiesz. Oberbergrath, verfaß Beschreibung der ehemaligen Hofmark Fronau, Königl. Landgerichte Noding. Es sollen nämlich Lokalstatistiken für das ganze Königreich angefertigt werden, und als Muster hierfür die Statistik Fronaus dienen. Allerdings ist in diesem Werkchen Anordnung und Inhalt so vortrefflich, daß wir nichts sehnlicher wünschen, als es möchte sich wenigstens für jedes ältere Dorf Bayerns ein Edler von Voith sinden ur Anfertigung der historisch topographischen Beschreibung. Möchten aber andererseits auch Lehrer und Geistliche jeden L rtes so für die Vorarbeiten zu einem solchen Werke sorgen, wie dies bei Fronau der Fall war. 8

Speyer, im Jan. (Sp. Z.) Einer offiziellen Zusammen⸗ stellung entnehmen wir folgende Notiz über die äußeren Verhältnisse der Volksschullehrer in der Pfalz: Gesammtzahl der Lehrer 1111, der Gehülfen 228. Von den Lehrern erhalten 474 eine Besoldung zwi schen 200 —249 Fl.; 110 beziehen zwischen 250 —299 Fl.; 357 eine solche zwischen 300. 349 Fl.; 40 eine von 350, —399 Zl.; 124 end lich eine von 400 Fl. und darüber. Von den Gehülfen erhalten 38 eine Besoldung von 150 174 Fl.; 34 eine von 175—199; und 156 eine von 200 Fl. und darüber.

Württemberg. Stuttgart, 13. Jan. (S. M.) Ver⸗ möge höchster Entschließung vom 30. Dezember ist der bisherige Ge sandte am Königl. bayerischen Hofe, Staatsrath von Schmitz Grol⸗- jenburg, auf dessen Ansuchen, unter Bezeigung vollkommener Zufrie denheit mit seinen vieljährigen treuen und ausgezeichneten Diensten, in den Ruhestand versetzt; dagegen der seitherige Legations⸗Rath, Königl. Kammerherr Graf von Degenfeld⸗Schomburg, zugleich unter Beförderung desselben zum Geh. Legations⸗Rath, zum außerordent⸗ lichen Gesandten und bevollmächtigten Minister an dem Königl. Hof⸗ lager zu München ernannt worden.

Baden. Karlsruhe, 11. Jan. (S. M.) Ueber den im Kohlenbergwerk bei Zunsweiher, in der Nähe von Offenburg, aus gebrochenen Brand vernimmt man, daß der dortige Betrieb (in acht Gängen) auf Anthracit⸗Kohlen auf eine nicht ganz bergmännische Weise durch die Privatbesitzer statthatte, und daß, gegen die allge⸗ meinen Vorsichtsmaßregeln, nur die gewöhnlichen Lampen, nicht die Davyschen Sicherheitslampen angewendet wurden. Auf diese Weise war es möglich, daß die entwickelte böse Luft und der feine Kohlen staub in einem Gange sich entzünden konnten und 9 Menschenleben hinwegrafften. Wegen der tiefen Lagerung der Kohle ist die Förde⸗ rung sehr kostspielig und schwierig. Um den Brand zu ersticken, ist die Grube noch zugeworfen.

Holstein. Kiel, vom 10. Jan. (Pr. W.) Der Kieler Umschlag hat seinen Anfang genommen, die alte Geleitsfahne ist am Thurme herausgehängt, aber es fehlt noch an eigentlichen Umschlags gästen. n Während in früheren Jahren alle Gutsbesitzer und größeren Pächter von nah und ferne schon mit dem 8. oder 9. Januar in ganzen Wagenzügen einzuziehen und bis zum Ende des Monats hier zu ver⸗ weilen pflegten, stellen nur einige wenige Kaufleute nebst Orgeldre⸗ hern, Harfenisten und Harfenistinnen und etwa einige Künstler sich! mit dem Anfang des Umschlags ein und harren aus bis zum Ende des Monats; die eigentlichen Umschlagsmänner, welche Geld holen

und Geld zahlen, kommen höchstens am 12. und ziehen am 14., 15.

wieder ab, nachdem sie ihre Geschäfte im Fluge beendigt haben. Man erwartet im Allgemeinen einen niedrigen Zinsfuß für große Pöste und sichere Hypotheken, überall aber keine Verlegenheit oder irgend bedeutende Zahlungsstockung. Oesterreichische Monarchie. 8 Nagusa, 20. Dez. (Wiener Ztg.) Die hiesige Bevölke⸗ rung, durch die fortwährenden Erderschütterungen in steter Angst erhalten, wurde am 24sten aufs neue in Schrecken gesetzt. Gegen 10 Uhr Abends, während Jeder im Schoße seiner Familie den Eintritt der Weihnachts⸗Feiertage beging, trat ein heftiges Erdbeben ein, wel chem ein Brausen der Luft vorangegangen war. Die gesellige Hei⸗ terkeit des Abends wich augenblicklich der größten Bestürzung. Der Erdstoß, welcher über zwei Sekunden dauerte, war rüttelnder Art, der Himmel heiter und der Wind wehte aus Westen. Gestern aber um 6 Uhr 35 Minuten Morgens trat ein zweites rüttelndes Erdbeben ein, dem eine Detonation voranging, welches jedoch fast 5 Sekunden dauerte und an Heftigkeit jenem vom 3. Oktober, das bekanntlich die Besatzung zur Räumung ihrer Kasernen veranlaßt hatte, nicht viel

Die Zeiten haben sich in dieser Hinsicht merklich geändert.†

nachgab.

Das Barometer steht fortwährend hoch, der Himmel heiter, die Temperatur zwischen +† 7“ und + R. und der Meeresstand sehr niedrig; eine für die gegenwärtige Jahreszeit sehr auffallende Erschei nung. Die Dürre des Bodens ist den Saaten sehr nachtheilig.

Russland und Polen.

St. Petersburg, 11. Jan. Die Verlobung der Großfür⸗ stin Alexandra ist den Kaiserlichen Unterthanen durch folgendes vom 7ten d. datirte Manifest verkündet worden: „Durch die Gnade Got tes, Wir Nikolaus I., Kaiser und Selbstherrscher aller Reußen, thun allen Unseren treuen Unterthanen kund: Nach Anflehung des „gött⸗ lichen Segens und mit der Genehmigung Unserer geliebtesten Ge⸗ mahlin, der Kaiserin Alexandra Feodorowna, haben Wir in die Ver mählung Unserer geliebten Tochter, der Großfürstin Alexandra Niko⸗ lajewna, mit Sr. Durchlaucht dem Prinzen Friedrich von Hessen Kassel eingewilligt und am 26sten d. M. sie nach dem Ritus Unserer orthodoxren griechisch russischen Kirche verlobt. Wir sind überzeugt, daß alle Unsere getreuen Unterthanen Antheil nehmen an dieser freu⸗ digen Begebenheit für Unser väterliches Herz und mit Uns um den Segen des Allerhöchsten für die Neuverlobten flehen werden. Gege⸗ ben in St. Petersburg am 25. Dezember des Jahres 1843 (7. Ja⸗ nuar 1844) und Unserer Regierung im neunzehnten.

(unterz.) Nikolaus.“

Durch einen Kaiserlichen Tagesbefehl vom Sten d. ist der regie rende Herzog von Nassau zum Chef des Odessaschen Lancier Regit ments ernannt worden, welches fortan den Namen „Lancier Regiment Sr. Durchlaucht des Herzogs von Nassau“ führen wird.

Frankreich.

Pelaris, 12. Jan. Der Handels Minister, Herr Cunin Gri daine, hat an die Handels⸗Kammer von Bordeaur in Bezug auf die Formalitäten, welche für Weinversendungen nach den Ländern des deutschen Zoll⸗Vereins angeordnet worden, folgendes Schreiben ge⸗ richtet: „Meine Herren, Sie haben unterm 27. April gegen einen Beschluß der preußischen Regierung rellamirt, der einerseits bestimmt, daß die der Wein⸗-Einfuhr im Großen in Preußen bewilligte Vergütung von 20 „Ct. der Einfuhrzölle fortan nur fuͤr diejenigen Weine gewährt werden solle, welche direkt von den Erzeugungsorten herkommen; andererseits, daß den durch fremde Häfen nach dem Zoll⸗Verein transitirenden Weinen dieser Nabatt nur dann zu Theil werden solle, wenn die Absender sich verschie⸗ dener Formalitäten unterwürfen, welche Sie als sehr lästig und beeinträch⸗ tigend für unsere Ausfuhr bezeichneten. Der Herr Minister der auswär⸗ tigen Angelegenheiten benachrichtigt mich nun, daß die preußische Re⸗ gierung die Anordnung, gegen welche Sie besonders sich erhoben, modifizirt und bestimmt habe, daß die ursprünglich im Verschiffungs⸗ Hafen verlangte Beifügung der Konsulats⸗Siegel hinfort auf Ver langen des Absenders und Empfängers für die Sendungen über Hamburg eben sowohl im Entrepot⸗Hafen geschehen könne. Der Herr Minister der auswärtigen Angelegenheiten Sr. preußischen Majestät hat bei Benachrich⸗ tigung des Herrn Grafen Bresson von dieser Maßregel demselben zugleich angezeigt, daß die Regierung sich darum bemühe, ob es nicht möglich wäre, sie auf die über Bremen und Rotterdam gemachten Versendungen auszu dehnen. Wenn Sie in dieser Hinsicht etwa noch Bemerkungen zu machen haben, so wollen Sie, meine Herren, dieselben mir mittheilen, ich werde sie mit Sorgfalt prüfen.“

Der Courrier français, der gehofft hatte, daß die Zwistig. keiten, welche die verschiedenen Nüancen der Opposition trennen, vor dem allgemeinen Interesse verschwinden würden, ist einzugestehen ge⸗ zwungen, daß die Uneinigkeit mehr als je im Lager der Opposition herrscht, welche in Koterieen getheilt ist, die einigen ausgezeichneten Individualitäten, wie den Herren Dufaure, Thiers, Odilon⸗Barrot

und von Lamartine, gehorchen. „Diese Fractionen“, sagt er, „sind ohnmächtig durch ihre Uneinigkeit; vereint, würden sie unüberwindlich werden und Herrn Guizot oder vielmehr das verhaßte Ministerium, das seit 3 Jahren auf Frankreich lastet, stürzen. Daher kommt der den Wählern gegebene Rath, die Bedürfnisse des Landes zu begrei fen, wenn die jetzige Opposition ohnmächtig ist, sie zu befriedigen.“

Man schreibt aus Cany bei St. Valery de Caux in der Nor mandie, daß an den dortigen Küsten die größte Wachsamkeit herrsche, alle Posten an den Landungspunkten verstärkt seien und überall Waf fen und Munition aufgehäuft worden, als ob man die Landung des Herzogs von Bordeaux vermuthete. b

Der Lieutenant Laity, der bekanntlich in den straßburger Prozeß wegen der Schilderhebung Louis Napoleon's verwickelt war, damals zwar freigesprochen, später aber wegen der Herausgabe einer Bro schüre durch den Pairshof zu einer fünfjährigen Einsperrung verur theilt wurde, hat, nachdem kürzlich seine Strafzeit abgelaufen, die Erlaubniß nachgesucht, die Gefangenschaft Louis Napolcon's zu theilen. Er befindet sich jetzt zu Ham, wo man ihm erlaubt hat, wöchentlich dreimal den Neffen Napoleon's zu besuchen.

Das Journal des Debats meldet, daß die Postmeister auf den Linien von Orleans, Rouen, Straßburg sich zu dem Finanz Mi nister begeben haben, um ihm die traurige Lage vorzustellen, in welche sie durch die Eisenbahnen gekommen sind, so wie die Unmöglichkeit, unter diesen Umständen ihren Dienst fortzusetzen. Die Antwort des Ministers war: die Lage der Postmeister gehe der Regierung nahe; man habe die Nothwendigkeit erkannt, die Relais da, wo sie bedroht

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seien, namentlich auf den großen Verbindungslinien, aufrecht zu er halten, und es werde deshalb ein Gesetz⸗Entwurf über diesen wichti gen Gegenstand an die Kammern gebracht werden.

Der Constitutionnel versichert, Herr Guizot unterhandle mit England nicht, um das gegenseitige T. urchsuchungs⸗Recht aufzuheben, sondern er verlange blos, daß England mit ihm untersuche, ob es nicht möglich sein würde, den nach der Küste von Afrika segelnden Schiffen zu erlauben, einige Bretter und Tonnen Wasser mehr ein zuschiffen, als die Verträge von 1831 und 1833 dies gestatteten. Unterm 13. Dezember wird aus Tunis geschrieben: „Die Gränzfrage zwischen Frankreich und Tunis ist wider alle Erwartung nicht gelöst worden. Jeder Theil macht Ansprüche, welche der an dere nicht anerkennen zu müssen glaubt. Man beruft sich auf alte Verträge. Das Resultat ist, daß die beiden Lager, welche an den Ufern des See's El Balura aufgeschlagen waren, um die Gränze zu bestimmen, abgebrochen worden sind und die Sache wieder in den Händen der Diplomaten ist.“

Der Moniteur enthält einen Bericht des Ministers des Innern über den Antheil an dem Arbeits Verdienst, welcher den verschiedenen Kategorieen von Strafgefangenen vom 1. April an bewilligt werden soll, nämlich in den Central⸗Zucht- und ieregei.hn drei Zehntheile den zu Zwangs⸗Arbeit Verurtheilten, vier Zehntheile den zur Reklusion, und fünf Zehntheile den zu mehr als einjähriger Ge⸗ fängnißstrafe Verurtheilten. Bei Rückfälligen wird der Antheil, nach Maßgabe der früheren Verurtheilung, verhältnißmäßig vermindert, auch können im Fall des Uebelverhaltens, des Unfleißes oder verur sachter Beschädigung als Strafe oder Ersatz nach Entscheidung des Präfekten ganze oder theilweise Abzüge stattfinden. Das Pekulium der Verurtheilten wird in zwei gleiche Hälften abgetheilt, wovon die eine von der Administration zum Besten der Sträflinge während ihrer Gefangenschaft verwendet, die andere ihnen als Ersparniß bei ihrem Austritt aus der Straf⸗Anstalt zugestellt werden soll.

Der wegen seiner Reise zum Herzoge von Bordeaux vor den Cassationshof gestellte Richter Defontaine hat bei diesem Gericht eine Bittschrift eingereicht, worin er verlangt: 1) die Erlaubniß, sich von einem Rath assistiren zu lassen; 2) Oeffentlichkeit der Debatten; 3) Aufschub von 414 Tagen, um seine Vertheidigung vorzubereiten. Der von der Fürstin Czartoryska und anderen französischen und polnischen Damen zum Besten hülfsbedürftiger Polen veranstaltete Ver kauf von Kunst⸗ und Galanterie - Gegenständen hat über 50,000 Fr. eingetragen.

Im Jahr 1843 kamen in Paris 178 neue Theaterstücke zur Auf führung: in der großen Oper 3, im Théatre Français 8, in der ko mischen Oper 7, im Odéon 27, Théêatre Italien 5, Vaudeville 24, Variétés 24, Gymnase 24, Palais Royal 21, Porte St. Martin 9, Gaité 13, Ambigu Comique 9, Cirque Olympique 4.

Beranger hat ein Schreiben an die Studirenden gerichtet, worin er sie ersucht, ihn zu entschuldigen, wenn er ihren Wunsch, an ihrer Spitze am 15ten der Einweihung von Moliére's Bildsäule beizuwoh nen, nicht erfülle. Sein Charakter, seine Neigung und seine Gewohn heiten hätten ihn stets von öffentlichen Feierlichkeiten zurückgehalten, wo er sich nur unbehaglich und außer Stande fühle, ein Wort vor zubringen. Der Dichter bedauert sodann, neulich bei dem Besuche der Studirenden nicht zu Hause gewesen zu sein, und beklagt die Konflikte, welche bei dieser Gelegenheit mit der Polizei stattgefunden. Die Schlußstelle seines Schreibens deutet darauf hin, daß er sich noch fortwährend mit Dichtungen beschäftige, die, wie er sagt, der jünge ren Generation einst beweisen würden, daß der Ruhm und das Glüch Frankreichs ihn bis an das Ende seiner Tage beschäftigt hätten.

Der Minister des Innern hat bei dem Bildhauer David zwei kolossale Statuen zur Verzierung des Eingangs zu dem Grabe Napoleon's bestellt.

*. Paris, 12. Jan. (Kurz vor Postschluß.) Im Adreß Ent wurf der Deputirten- Kammer sind vorzüglich bemerkenswerth der §. 5, welcher lautet: „Dieses gute Einverständniß (mit den anderen Mächten und namentlich mit England) wird ohne Zweifel auch zu dem Erfolge der Unterhandlungen beitragen, welcher, mit Gewährleistung der Unterdrückung eines niederträchtigen Handels, dahin zielen soll, unseren Handel wieder unter die ausschließliche Ueberwachung unserer Flagge zu stellen.“ Dieser Paragraph über das Durchsuchungsrecht erregte um so größeres Aufsehen, je unerwarteter er gekommen war. Der §. 10, der letzte, betrifft die Legitimisten und lautet: „Ja, Sire, Ihre Familie ist wahrhaft national. Zwischen Frankreich und Ihnen ist das Bündniß unauflöslich. Ihre Eide und die unsrigen haben diese Vereinigung besiegelt. Die Rechte Ihrer Dynastie werden un ter der unvergänglichen Gewährschaft der Unabhängigkeit und Loya lität der Nation bleiben. Das öffentliche Gewissen brandmarkt (f1 trit) strafbare Manifestationen. Indem unsere Juli Revolution die Verletzung der geschworenen Treue bestrafte, hat sie bei uns die Hei⸗ ligkeit des Eides besiegelt.“ (Großer Beifall begleitete die Verlesung dieser Worte.) Die übrigen Paragraphen sind eine bloße Umschrei⸗ bung der Thron⸗Rede.

m Paris, 12. Jan. In der heutigen Sitzung der Deputir ten⸗Kammer hat Herr Saint Mare Girardin den Entwurf der Adresse

auf Malta aufgehalten, um die Geschichte des einst so glorreichen Ritter⸗ staates an Ort und Stelle in Sinn und Seele aufzunehmen; er hat seine Ansammlungen späterhin zu Nom, wo er die wenigen, dort noch lebenden bejahrten Commandeure des Ordens kennen zu lernen Gelegenheit hatte, ausgearbeitet und dabei die neuesten Quellen studirt, um sich auch über den Zusammenhang der Dinge während der letzten Katastrophe, welche die Zohanniter betroffen, gehörige Kenntniß zu verschafen. Das Ergebniß⸗ seiner eigenen wie fremder Forschungen enthält die genannte, leicht und anschaulich gehaltene Darstellung der Geschichte des Ordens, welche die Schicksale desselben von der Mitte des elften Jahrhunderts bis zur Ge⸗ genwart umfaßt. Am Schluß wird der wunderbaren Erhaltung des Ordens gebacht und anerkannt, er verdanke dies namentlich der in w. Prinzip eben so löblichen, wie in vielen Folgen ersprießlichen Scheu Oesterreichs, bestehende Institutionen anzutasten, wenn sie nicht, statt des früheren Nutzens, Schaden bringen. 8. 1l. Goöthe’*s Murter, Von Karl Georg Jacob. (S. 391 480.) Höihe hatte noch am Abend seines Lebens die Absicht, seine Mutter durch ine eigene Denkschrift zu „verherrlichen“; er ist darüber hingeschieden, Andere haben diese Pflicht der Pietät geübt. Die eigenthümlich kecke, fast adikale und doch dabei so echi. bürgerlich liebe „Frau Rath“ verdiente ein solches Denlmal ver Anerkennung. Was ihr Sohn Wolfgang, was Bettine, Rahel, deren Gatte, Falt, Riemer, Merck, Wagner, Nicolovius, Döring, Dorom, Binzer u. A. über sie geschrieben, hat Jacob zu einer artigen Blumenlese verarbestet, in der wir zugleich sämmtliche Briefe der I lan deren „Werke, Ausgabe letzter Hand“ chronologisch geordnet, beisammen sinden. Jacob hat Recht, wenn er S. 393 bemerft, daß die größten Männer aller Zeiten einen wesentlichen Theil ihrer Berühmtheit der Aufsicht, Obhut und Vilvung ihrer Mütter zu verdanken gehabt haben. Wenn er als Belege dafür den Großherzog Karl August von Weimar, Walter Scott, Napoleon und Schiller anführt so önnte man sogleich mit einer Legion, ebenfalls durch mütterliche Einwir⸗ ung zu Berühmtheiten gewordenen Männern diese keine Liste ergänzen Göthe verdaulte seiner Mutter zunächst die heitere Erzählungs⸗ und kräͤstige Darstellungsgabe, und dies hatte er auch schon in den zahmen Xenien anerkannt, als er sang:

Vom Vater hab' ich die Natur, 57 es Lebens ernstes Führen,

Vom Mütterchen die Frohnatur Und Lust zu fabuliren.

vVI. Leibnitz in seinem Verhältniß zur positiven Theo⸗ logie. Akademische Rede, am Leibnitzischen Gedächtnißtage, den 0. Juli 1843, vorgetragen von August Böckh. (S. 481 514.) Nachdem der⸗ selbe schon in der Einleitung angedeutet, die Akademieen der Wissenschaften seien früher in Deulschland, voczüglich im Gegensatz gegen die Universitä ien, häufig als ein Anhang des Hofes betrachtet worden, kommt er auf die so häufige Annahme zu sprechen, wonach Leibnitz, der Urheber der ersten Verbindung dieser Art in Berlin, wegen seiner literarischen Beziehungen zu der geistvollen Königin Sophie Charlotte, nur ein sogenannter Hof⸗Philo⸗ soph gewesen wäre, der bei Abfassung der „Theodicee“ seine Ueberzeugun gen seiner Stellung zum Opfer gebracht und seine Philosophie so eingerich⸗ tet hätte, daß sie dem Hofe angenehm gewesen wäre, der überhaupt in theologischen Dingen hinter dem Berge gehalten und anders gerebet, als gedacht hätte. Der gelehrte Redner holt aus den Fundgruben seines Wis⸗ sens alle Gründe herauf, die viese Ansicht widerlegen sollen. Was, äußert er schließlich, Leibnitz auch geglaubt oder nicht geglaubt haben mag: er hatte die wahrhafte Religiösität; der Zweck seiner Theovbicce war, die Menschen zurückzubringen von den falschen Vorstellungen, die ihnen Gott wie einen unumschränkten Fürsten varstellen, der eine despotische Gewalt ausübt, wenig geeignet und wenig würdig, geliebt zu werden; beseelt von einem Eifer, der gottgefällig sein müsse, hoffte er von Gott Erleuchtung und Beistand in der Ausführung eines Unternehmens, welches er zu Gottes Ehren und zum Wohle der Menschen unternommen habe. Wahrlich, bei ihm, wenn bei irgend Einem, bewährte sich, was Baco gesagt hat: „Die Philosophie, mittelmäaäͤßig gekostet, entfernt uns von Gott; aber diejenigen, welche sie ergründen, führt sie zu ihm zurück.“— V. Die Gründung der Universität, deren Säkularfeier in den Jahren 1644 und 1744. bevorstehenden dritten Sätularfeier. Von Eduard Gervais.

Königsberg und Ein Beitrag zur

(S. 915

Interesse, wenigstens nicht für dasjenige, welches historische „Taschenbücher“” liest, und dies auch noch besonders deshalb, weil der Verfasser fast aus⸗ schließlich bei den Antiquitäten seines Stoffes verweilt. 8

VI. Prinz Leopold von Braunschweig. Von G. W. Keß⸗ ler. (S. 681 697.) Der Aufsatz ist aus Arnsberg in Westphalen da⸗ tirt, sein Verf. hat aber früher sechs Jahre in Frankfurt a. d. O. gelebt und dort, wie er sagt, durch glaubwürdige Zeugen, die er namhaft macht, in Erfahruͤng gebracht, daß der bekannte Opfertod des Prinzen Leopold (27. April 1785) ein Märchen sei; bei der Oder⸗Ueberschwemmung sei lein Mensch, sondern nur ein aus Achtlosigkeit im Stalle zurückgelassenes Kalb verunglückt; ein Menschenleben sei also nicht zu retten gewesen, und der sehr mildthätige, aber ercentrische Prinz habe sich blos in Folge 1 99 gehalsischen Ueber⸗ und Frevelmuthes in einem Kahne auf ven, 71 . 85 wagt und sei dabei verunglückt. Sind diese Angaben, 18 Ceean,g der Autor nachzuweisen sich alle Mühe giebt, wahr, was ist dann durch

8* 1 ber d vamit nur um eines der eine so betrübte Wahrheit gewonnen? Wir sind de

schönsten Blätter in der vaterländischen Geschichte ärmer geworden. Ref. begann die Lektüre dieses Aussatzes fast mit Unwillen; er schloß sie, als sich ihm die Glaubhaftigkeit der Schilderung immen lebhaften aufdrängte, mit

Thränen in den Augen. RN.

In der Versammlung der biesigen archäologischen Gesellschaft vom 11. Januar wurden die neuesten archäologischen Werke des Dr. Braun in Rom einer genaueren Besichtigung unterworfen. Herr Gerhard stattete zuvörderst Bericht ab über die bei Brochhaus erschienenen zwei Dekaden unevirter antiker Marmorwerke *), in welchen sowohl die seltene römische Ortskenntniß des Herausgebers sowohl als sein Verständniß der Kunstdenkmäler sich glänzend bekundet hat. Der Plan des Braunschen Werks ging zuvörderst dahin, die Inedita solcher römischen Paläste und Villen zu geben, welche

*) Antike Marmorwerke zum erstenmale bekannt gemacht von Emil

bis 6080.) Diese übermäßig lange und weitschweifige Dissertation hat,

außer für Königsberg selbst, schwerlich für das allgemeine Publikum

Braun. Erste und zweite Dekade. Leipzig 1843. 29 S, 20 Taf. Fol.

v“ 8

vorgelegt, dessen Inhalt wesentlich mit dem übereinstimmt, was ich darüber in meinen letzten Berichten meldete. Der Eindruck des Adreß⸗-Entwurfes auf die Kammer war im Ganzen sehr befrie⸗ digend. Die Opposition hat sich durch die Phrase gegen die Ver träge von 1831 und 1833 etwas überrascht gefunden, denn sie er wartete bei weitem nicht eine so entschiedene Demonstration gegen das Kabinet von Seiten einer Adreß Kommission, worin acht ministe⸗ rielle und nur zwei Mitglieder der Opposition saßen. Die Stelle des Adreß-Entwurfes, wodurch auf die Reise der Legi timisten nach London angespielt wird, wurde mit einem lei sen Murren aufgenommen, indem ein beträchtlicher Theil der Konservativen selbst die Ansicht hegen, die Kommission hätte besser daran gethan, die Zurückhaltung der Thron⸗Rede hierin zu befolgen und der fraglichen Reise gar nicht zu erwähnen. Der Anfang der Diskussion der Adresse ist auf nächsten Montag augesetzt worden. Die Einschreibung der Redner, welche dabei das Wort zu führen wünschen, beginnt morgen um 8 Uhr bei der Eröffnung der Büreaus des Sekretariats der Kammer. Man versichert, daß mehrere Depu tirte sich vorgenommen haben, diese Nacht im Konferenz- Saale des Palais Bourbon zuzubringen, um bei der Einschreibung der Redner die Vorhand zu behalten. In der heutigen Sitzung hat der Finanz⸗Minister zugleich das Budget für 1815 der Kammer vorgelegt. Während ich Ihnen schreibe, ist Herr Lacave⸗Laplagne auf der Tribüne und liest die all⸗ gemeine Uebersicht des Budgets vor, wozu ein paar Stunden kaum hinreichen werden. Da die Förmlichkeit des Ablesens unter dem fort dauernden Geräusche der Unterredungen der Deputirten statt sindet, so kann man die Worte des Finanz⸗Ministers gar nicht ver stehen, um eine auch nur oberflächliche Idee von seinem heutigen Vor trage sich zu machen. Die Deputirten hören um so weniger zu, als jeder von ihnen morgen das ganze Budget, aus drei Foliobänden be⸗ stehend, gedruckt mitgetheilt erhalten wird.

Grosobritanien und Irland.

London, 11. Jan. Die Times vom heutigen Tage enthält folgende Berichtigung einiger von auswärtigen Blättern verbreiteten Angaben über das Einverständniß Englands und Frankreichs in der griechischen Frage und über die nach der Erklärung des französtschen Ministers Herrn Guizot schwebenden Unterhandlungen zwischen bei⸗ den Ländern in Bezug auf das Durchsuchungsrecht: „Wir haben zwei Irrthümer“, schreibt die Times, „in Angelegenheiten inserer auswärtigen Politik zu berichtigen. Der erste be zieht sich auf Griechenland, und wurde zuerst durch zwei fremde Blätter, die gewöhnlich gut unterrichtet sind, verbreitet. Man be⸗ hauptete nämlich, Lord Aberdeen und Herr Guizot hätten in een Grundsätzen, welche von ihnen als die Elemente der griechischen Lonstitution hingestellt wären, ausdrücklich den Vorbehalt gemacht, der Souverain Griechenlands das Recht haben sollte, nicht allein alle Civil⸗ und Militair⸗Aemter zu besetzen, sondern auch Gesetze vorzuschlagen und deren Entwürfe mit vorzubereiten.“ Dem ist nicht so. Sowohl Herr Guizot wie Lord Aberdeen kennen zu gut die Gränzen einer constitutionellen Regierung und die einem constitutio nellen Monarchen zulommenden Prärogative; Beide sind zu aufrichtig emüht, alle Verlegenheit bringenden Umstände aus ihrem Entwurfe ur griechischen Landes Regierung auszuschließen, um noch an einen Borbehalt zu denken, welcher entweder das Volk von der Krone ab hängig machen, oder die Krone der Willkür des Ministeriums preis eben muß. Herr Guizot muß sich erinnern, welche Folge ein solcher Grundsatz unter den Regierungen Ludwig’s XV. und XVI. gehabt at, und Lord Aberdeen kennt als englischer Minister den praktischen Lerth einer auf Verantwortlichkeit der Röniglichen Rathgeber gegrün deten Regierung. . . . In Griechenland, wie in den übrigen constitu tionellen Staaten Europa's, wird deshalb die Befugniß, Gesetze zu geben, bei den Kammern bleiben, deren Stimmen erforderlich sind, jenen verbindliche Kraft zu verleihen. Der zweite Irrthum bezieht sich auf das Durchsuchungsrecht. Die pariser Blättern scheinen auf die vermeintliche Autorität des Herrn Guizot hin anzunehmen, daß Eugland in die Aufgebung des Durchsuchungsrechts eingewilligt habe. Das britische Kabinet hat kein solches Zugeständniß gemacht, und wir können zuversichtlich behaupten, daß so etwas niemals geschehen wird. Sehr gern würde England auf ein Recht verzichten, dessen Ausübung immer von so vielen Verdrießlichkeiten und aufre genden Streitreden begleitet ist, wenn nur die Zwecke, wes⸗ halb es gewährt worden, auf anderem Wege erreicht wer den könnten. Aber wir haben dies Recht um ein großes und kostspieliges Opfer erkauft; wir haben uns desselben bedient, unter Mitwirkung anderer Nationen der Christenheit, um einen schändlichen Handel zu unterdrücken, den wir aber bis jetzt nur zu mäßigen, nicht auszurotten vermochten; und ehe nicht die Verträge, auf welchen dies Recht basirt und durch welche es geheiligt ist, umgestoßen und ver⸗ worfen werden, können wir unserer eigenen Ehre und den gemeinsa men Interessen der Menschheit nicht solchen Schimpf anthun, als ihn das bereitwillige Aufgeben eines der kostbarsten Privilegien und die zaghafte Vernachlässigung einer grosten Pflicht in sich schließen würde.“ Sir Hudson Lowe, der bekannte General, welchem die Bewachung

weise gegen den gefallenen Kaiser vielfach angegriffen worden ist, ob gleich derselbe damals nur die Besehle seiner Regierung vollzog, ist gestern an den Folgen des Schlagflusses, von dem er vor einigen Tagen betroffen wurde, gestorben. Unter seinem Nachlaß sollen sich sehr interessante Dolumente, so wie seine von ihm selbst geschriebenen Memoiren über Napoleon's Gefangenschaft, befinden, deren Veröffent lichung von Seiten eines Freundes des Generals zu erwarten steht. Lord Lathurst's Befehle über die Behandlung des Er Kaisers sollen mit darunter sein.

In Irland wächst die Bewegung unter der katholischen Bevöl kerung in Folge des Verfahrens der Regierung bei der Jury Wahl im O’'Connellschen Prozesse mit jedem Tage. Die Nachrichten aus Dublin vom vorgestrigen Tage schildern wenigstens das Verlangen der Katholiken, die ausgeschriebene Versammlung (S. Nr. 16 der Allg. Pr. Z.) zu Stande zu bringen, damit die Königin um Ein stellung der gerichtlichen Verfolgung der angeklagten Repealer gebe⸗ ten werde, als sehr dringend, und heben besonders hervor, daß von zugsweise angesehene und anti repeal gesinnte Katholiken dieser Be⸗ wegung sich anschlössen. Dieselben verargen es der Regierung sehr, daß sie eine katholische Jury für unfähig erachtet habe, in dem vorliegenden Prozesse ein richtiges Urtheil zu fällen, zumal da es nunmehr gewiß sei, daß mehrere der ausgestriche nen katholischen Geschworenen niemals dem Repeal Verein angehört, noch überhaupt die ganze Bewegung gebilligt haben. Bestätigt sich diese Angabe, so hat freilich die Regierung keinen Grund, wodurch sie ihr Verfahren vertheidigen könnte. Die Versammlungen der Katholiken sollen nächstens in Cork und anderen Städten stattsinden. Der Stadt⸗Rath von Dublin hielt vorgestern eine Versammlung, worin der vorige Lord⸗ Mayor, jetzige Alderman Roe, eine Adresse an die Königin beantragte, des Juhalts, daß sie bei Eröffnung des Parlaments einer Untersu chung der Beschwerden Irlands und in der Zwischenzeit die Sus pension der obschwebenden Staats⸗Prozesse anbefehlen möge, bis wirksame Maßregeln zur Abhülfe jener Beschwerden zur Ausführung gekommen wären. Diese Adresse solle sodann, wenn vorbereitet, den Bürgern zur Unterschrift vorgelegt werden. Nach mehrfacher Dis kussion wurde der Antrag mit 35 gegen 7 Stimmen angenommen.

Der Globe berichtet, daß zwischen Frankreich und England Un terhandlungen im Gange wären, welche Aenderungen in den zwischen

beiden Ländern abgeschlossenen Verträgen zur Unterdrückung des Skla⸗ venhandels zum Zweck hätten. Der ministerielle Morning Herald vervollständigt diese Angabe durch die sehr glaubwürdige Nachricht, daß Lord Aberdeen auf die desfallsigen Eröffnungen des französischen Kabinets gar nicht eingegangen sei, um der Opposition in der fran zösischen Deputirten Kammer nicht neuen Anlaß zu weitläuftigen Er örterungen über diesen Gegenstand zu geben. Der Marquis von Westminster, einer der reichsten Edelleute in England und ein bedeutender Grundbesitzer, hat der Anti⸗corn -law league 500 Pfd. St. als Beitrag zu dem von ihr gesammelten Fonds zugeschickt und in dem die Gabe begleitenden Schreiben seinen Bei⸗ tritt zu den Grundsätzen der League ausgesprochen.

Der neue Gouverneur des Cap, Sir P. Maitland, segelt heute auf seinen Posten ab, und kurz nachher wird auch der neuernannte Gouverneur der Gambia, Bice Admiral Norcott, nach Afrika abgehen. Der Bezirk der Gambia stand bis vor kurzem unter dem Gouverneur von Sierra Leone, ist aber jetzt unabhängig davon, so daß die ganze Landstrecke, 70 englische Meilen nordwärts von Sierra Leone bis zu den Inseln des grünen Vorgebirges, unter Admiral Norcott stehen wird, der als Capitain lange Jahre den Kreuzerdienst in den afrika nischen Gewässern geleitet und persönlich eine ziemliche Anzahl Skla venschiffe weggenommen hat. Das eiserne Dampfschiff „Wilberforce“, welches die verunglückte Niger Expedition mitmachte, ist der Gambia Station beigegeben worden. Die Insel Ascension, welche als Halbweg Station zwischen Madeira und dem Cap und als Rendez⸗ vons unserer Kriegsschiffe von großer Wichtigkeit ist, hat jetzt eben falls einen besonderen Gouverneur und einen Kommandanten erhalten.

8 Brüssel, 18. Jan. Dir Repräsentanten⸗Kammer hat ihre Arbeiten wieder begonnen, und zwar mit Erörterung der einzelnen Artikel des Justiz Budgets. Diese Diskussion rückte in der ersten Sitzung nach den Ferien bis zu dem Kapitel über den Kultus vor. Eine eigentliche Debatte fand an diesem Abend nur über eine für die Stadt Gent zur Beendigung des Baues ihres Justiz Palastes ver langte Supplementar Subsidie statt. Die Regierung hatte nämlich die für diesen Zweck im Budget von 1844 geforderten 50,000 Fr. nur als die Hälfte der Summe angesehen, deren Bewilligung sie vorschlagen wollte. Herr Malon beantragte nun ein Amendement wodurch erklärt werden sollte, daß es mit diesen 50,000 Fr. abge. macht sei. Dieser Antrag, welchen Herr de Theux unterstützte, wurde sedoch beseitigt. Indeß trat die Kammer doch dem Vorschlage der Central- Section bei, nach welchem die Auszahlung der S übsidie von der Bewilligung einer gleichen Summe durch die Provinz abhängig gemacht werden soll. 8

Napoleon's auf St. Helena anvertraut war, und dessen Handlungs⸗

8 Spanien.

m Paris, 1 1. Jan. Die Nachrichten aus Spanien lauten günstig und beruhigend. Um die Umtriebe der Progressisten zu Schanden zu machen,

hat das spanische Ministerium beschlossen, mit Ausnahme des schon profla⸗

mirten Ayuntamiento⸗Gesetzes, keine andere wichtige Maßregel durch bloße Königliche Ordonnanz anzuordnen, sondern die Einberufung der Cortes abzuwarten, um unter deren Mitwirkung die übrigen projektirten Re⸗ formen auszuführen. In der Zwischenzeit wird eifrigst an mehreren Gesetz-Vorschlägen in den respektiven Ministerien gearbeitet, und Alles aufgeboten, auf daß dieselben einer gründlichen Prü⸗ fung der Cortes widerstehen möchten. Die Gerüchte von einer, wenn auch theilweisen Kabinets⸗Aenderung in Madrid sind rein aus der Luft gegriffen. Das Kabinet wird unverändert den in kurzem wieder zusammenkommenden Cortes sich gegenüberstellen. Von einer bevorstehenden Rückkehr der Königin Marie Christine nach Spanien ist es in Paris wieder ganz still geworden. Noch weniger bemerkt man im Hotel de Courcelles irgend einige Anstalten, welche darauf schließen lassen könnten.

Griechenland.

88902 München, 11. Jan. Vorgestern ist wieder ein Ofsizier, Ober⸗Lieutenant Graf von Rechberg, als Courier aus dem Ministerium des Auswärtigen nach Griechenland abgegangen. Ohne außerordent⸗ liche Zwischenfälle wird derselbe am 22. Januar in Athen eintreffen, am 27sten den Piräeus wieder verlassen, und am 7. oder 8. Februar hierher zurückkehren. Ueber den Inhalt der von ihm an den grie chischen Hof zu überbringenden Depeschen läßt sich etwas Näheres nicht berichten, denn Alles, was in dieser Beziehung hier verlautet, beruht auf bloßen Vermuthungen. 8

„Man erzäͤhlt sich von einem Brief des ehemaligen Adjutanten König Otto's und unseres mehrwöchentlichen Gastes, Gennäos Ko⸗ lokotronis, welcher von demselben auf seiner Reise nach Neapel oder aus letzterer Stadt hierher geschrieben worden sein soll. Er betheuert in demselben seine Anhänglichkeit an seinen König und an sein Vater⸗

land, und preist in dankbarer Rückerinnerung die in München gefun⸗

dene Gastfreundschaft und Auszeichnung eben so lebhaft an, als er sich über die ihm in seiner Heimat gewordene Begegnung beschwert. Indessen soll er die bestimmteste Hoffnung aussprechen, daß in letzte⸗ rer Beziehung bald eine Aenderung eintreten und in Folge davon vor Allem seine Zurückberufung stattfinden werde. Die Zahl der hier noch anwesenden Griechen hat gegen früher sehr abgenommen, wenigstens dem Kirchenbesuche nach zu urtheilen. Als ganz unbe gründet muß die in verschiedenen öffentlichen Blättern erhobene Be⸗ hauptung zurückgewiesen werden, daß sich die nach ihrer Heimat zurückgekehrten jungen Leute nur durch ihre Abreise vor den ihnen hier angeblich bevorgestandenen Unfreundlichkeiten hätten retten kön⸗ nen. Wie leicht unter ähnlichen Umständen aus den unbedeutendsten Anlässen die übertriebensten Gerüchte entstehen, das haben in umge⸗ kehrtem Verhältnisse auch wir erst während der vorigen Woche er⸗ fahren. Auf die öffentliche Erwähnung einer der Gemabylin unseres Minister Residenten in Athen angeblich widerfahrenen Unannehmlich⸗ keit hin, wußte man sich hier Dinge zu erzählen, die ans Aergste⸗ gränzten, und Alles sollte obendrein aus sicherster Quelle geschöpft sein. Die am Nten hier eingetroffenen Briefe aus Athen haben aber von allen diesen Dingen nicht das Geringste bestätigt. Herr von Gasser lebt und ist unablässig bemüht, seiner Stellung gemäß vorzugsweise zur Linderung der üblen Lage mitzuwirken, in welcher sich unsere noch in Athen anwesenden Landsleute besinden.

Was ich Ihnen schon unter dem 19. Dezember mitgetheilt habe scheint jetzt seine Bestätigung zu erhalten. Ist auch der Ausspruch

selbst, daß die griechische Priesterschaft als solche in Zukunft wieder unter die Suprematie des Patriarchen zu Konstantinopel zurückkeb ren soll, noch nicht geschehen, so ist doch mit ziemlicher Gewißheit an⸗ zunehmen, daß er nicht unterbleiben dürfte. Nach wie vor wird aber dessen Herbeiführung in Athen selbst von gut unterrichteten Per⸗ sonen als ein folgenreicher Sieg der nappistischen Partei angesehen, von deren Einfluß bekanntlich auch die neuesten Staatsrathswahlen zeugen. LII ☛☚ Paris, 12. Jan. Der auf fünf Jahre wiedererwählte

Präsident der Republik Merifo, General Santana, scheint von einer gewaltigen Kriegslust befallen zu sein. Bekanntlich hat er gegen die Vereinigten Staaten schon aus Auslaß des Projekts der Einverleibung von Texas in dieselben, Kriegsdrohungen gemacht; mit der rebellischen Provinz Ankatan will er abermals das Glück der Waffen versuchen und nun melden die neuesten Nachrichten aus Veracruz, daß er am 13ten diesen Platz besucht, die Truppen der Garnison gemustert, und in einer Anrede an dieselben, worin er ihnen sagte, er sei gekommen,

um die Fortificationen zu besichtigen, erklärt hat, Krieg mit England sei unvermeidlich, und er sei entschlossen, die Ehre seines Landes bis aufs Aeußerste aufrecht zu halten. Er wolle das Schloß von San Juan de Ulloa in Person vertheidigen, und behaupten, so lange er noch einen Tropfen Bluts in seinen Adern habe. Aber noch an dem näm lichen Tage traf die Botschaft seiner Wiedererwählung zum Präsiden

von früheren Sammlern, namentlich für die bei Cotta erschienene Geu hardsche Sammlung antiker Bildwerle, unbenutzt blieben; wie denn mehrere Stulptur-Vorräthe Roms, z. B. die im Kasino der Villa Panfili und in der Villa Ludovisi⸗ befindlichen, erst neuerdings und auch gegenwärtig nur durch besondere Vergünstigung zugänglich wurden. Die bis jetzt ausge wählten Denkmäler sind theils antiquarischen theils artistischen Belangs; ihre geschickte Nachbildung gewährt manchen schönen Blick nach beiden Ve. ziehungen alter Kunstdenkmaͤler. Reich an antiquarischer Erudition sind S Sarkophag⸗Reliess, in denen der Raub der Kora, Meleager, Endymion dar gestellt sind; durchaus singulär ist die in der Villa Altieri vom Herausgeber enideckte dreifache Herme, welche Herr Braun auf Dionysos Dendrites deu tete; minder mothologisch anziehende Darstellungen sind die Erziehung des Zeus, Aegina von Zeus in Adlergestalt entführt, ferner Hektors Bestattung ein Relief, dessen zusammengchörige Theile Herr Braun theils im Palast Colonna zu Rom, theils in Neapel aufzusinden wußte. Künstlerisch gefäl lig ist überdies die Statue des schalthaften Knaben Merkur, mehrere Dar⸗ stellungen des Amor und manches andere, welches der sinnigen Wahl und geschmackvollen Ausstattung dieses Werkes zum Nuhm gereicht.

Eine andere schöne Bekanntmachung des Herrn Braun⸗ ist einer be⸗ malten Schale *) gewiomet, welche durch vorkreffliche Zeichnung und an⸗ ziehende Gegenstände in einem seltenen Grade sich empfiehlt. Bewaffnun und Abschied des Theseus sowohl als des Ajar sind in zwei Außfenblldenn Kodros mit einem Weissager, der ihm sein Schicksal verkündet, im Innern der Schale dargestellt; sämmtliche Figuren sind mit Inschriften versehen welche über die Bedeutung der Bilder nicht zweifeln lassen. So sind in allen drei Scenen Vorbilder aus Athens Vorzeit zur Ausschmückung eines Ehrengeschenkes schicklich zusammengereiht. Das Original dieser schbnen und besonders kunstgerecht farbig nachgebildeten Zeichnungen befindet sich im Besitz des Malers Palagi zu Mailand. 8 .

Neben diesen beiden Werken, denen eine entsprechende Fortsetzung und zunächst eine geneigte Aufnahme des Publikums dringend zu wünschen ist,

.-) Die Schule des Kodros, herausgegeben von Emil Braun. Bem lin bei Schroeder. 1843. Imperial.- Folio.

ward das so eben vollendete achte Hest von Jahn’'s pompejanischen Wand⸗ gemälden *) vorgelegt. Dieses Heft ist reich, wie die vorigen, an anzie henden und wohlausgeführten Darstellungen, besonders architektonischer Art. Unter den mancherlei dahin einschlagenden Blättern ist besonders die Ge⸗ bäude⸗Ansicht aus einem Tablinum der „casa de capitelli colorati“ (Taf. 73) bemerkenswerth, deren verschiedene Aussichtspunlte in perspeltivischer

Ferne überraschend genau sich vereinigen. Wie dieses Bild für die Kennt⸗ niß der Perspektive bei den Alten erheblich ist, wird man auch das aus den Werken des archäologischen Instituts bereits bekannte Glasgefäß, dessen Schönheit mit dem der Portland⸗Vase wetteifert, in farbigen sorgfältiger Ausführung (Taf. 77) gern wiederfinden. Auch ist in gedachtem Heft eine Lafel (80) den Grundrissen verschiedener in den Jahren 1833 bis 1837 ausgegrabener Häuser derjenigen nämlich gewidmet, in denen die in den früheren Hefien dieses Werkes publizirten Gemälde hervorgegangen sind. „Vohn Herrn Wiese ward eine Abbildung der vortrefflichen, gegenwär⸗ tig auch zu Berlin in einem Abguß vorhandenen Statue des Sophokles vorgelegt, welche vor einigen Jahren bei Terracina ans Licht kam und gegenwärtig das neue päpstliche Museum im Lateran schmückt. Sie sindet sich dort, zusammengestellt mit einem Abguß des sogenann⸗ ten Aristides, im Museum zu Neapel und zeigt sich bei dieser Zusammenstellung jener berühmten Statue an Kunstwerth überlegen. Die Nichtigleit der in Rom festgestellten Benennung ward durch Ven gleichung mit der vatikanischen Inschrift Büste nachgewiesen; außerdem erinnerte Herr Gerhard an einen Toveleyschen Sophokles Kopf im briti⸗ schen Museum und an ein gemeinhin übersehenes kleines Sitzbild im Vati⸗ kan, welches den Namen des Dichters auf dessen Sitz veutlich eingegraben zeigt. Zeichnungen dieser beiden Denkmäler wurden vorgelegt.

1 Herr von Hua st setzte die Erörterungen fort, welche er in einer frü⸗ beesn Versammlung über alterömische Basiliken gegeben halte. Auch eine Restauration der athenischen Königshalle ward vorgelegt und zugleich die

*) W. Zahn: Die schönsten Ornamente und merkwürdigsten Ge⸗

mälde von Pompesi, Herkulanum und Stabicd. Achtes Heft. Berlin, Reimer. 1844 ol

Vermuthung geäußert, daß dieselbe Emporen gehabt haben möchte; eine darauf bezogene Stelle des Aristophanes ward jedoch unzureichend befunden. Herr Gerhard sprach sodann uüber Darstellungen der Unterwelt auf griechischen Thongefäßen. Als eine solche Darstellung ist gemeinhin nun die durch Millin bekannte und gegenwärtig in Muünchen befindliche Vase von Canosa bekannt; das sehr ähnliche und ebenfalts stattliche Gefäß, wel ches vor einigen Jahren aus Ruvo in Apulien nach Karlsruhe versetzt ward, ist durch das archäologische Institut zwar bekannt gemacht, war aber noch neuerdings einem gelehrten deutschen Erklärer der Vase von Canosa verborgen geblieben. Durch diesen Umstand ist eine erneute Abbildung senes karlsruher Gefäßes im Novemberstück der archäologischen Zeitung ver⸗ aulaßt und mit Erläuterungen von Prof. Welcker's kundiger Hand beglei tet worden. Mit Bezug hierauf wurden beide Vasenbilder in ihrer Ge⸗ sammtheit und im Einzelnen näher betrachtet; die Baulichkeiten beiden Gefäße führten Herrn Bötticher zu der Ansicht, daß nicht sowohl ein plutonischer Palast als ein geschmückter Thronhimmel der Unterwelts⸗Gott⸗ beiten gemeint sei. Bei Vergleichung der beiden Gemälde entschied sich Heir Gerhard mit Braun und Welcker zu Gunsten des karlsruhen Gefäßes, welches bei aller Fülle seines von Orpheus und Herkules besuchten Unter⸗ weltshauses geringeren Prunk und strengere Wahl der Motive zeigt als das Bild von Canosa. Ueber die bestrittene Frage, ob jene Gefäßbilder der Unterwelt als Nachbilder Polognot's oder als selbstständige Kunstwerle zu betrachten seien, sprach Herr Gerhard sich dahin aus, daß die Gefammtheit jener stattlichen Bilder, denen aus anderen Vasen noch mehrere andere sich binzufügen lassen, den untereitalischen Malern eigenthümlich sei dagegen der Einfluß einzelner Gruppen der im Alterthum vielgefeierten polognotischen Unterwelt auch einzelne Figuren und Motive dieser Gefäße nicht in Zwei⸗ fel gestellt werden könne. Diese Ansicht ward hauptsächlich durch Verglei⸗ chung des polygnotischen Orpheus und seiner Umgebungen mit entsprechen den Figuren der Vasenbilder nachgewiesen, eine weitere Ausführung aben dieses Gegenstandes auf die Vergleichung noch anderer Denkmäler ver- Geen, vit der großen und unschätzbaren Bilder⸗Gallerie großgriechischer asen ange Kathe. 2