der übrigens noch immer einer Zerstückelung des Reichs vorzu⸗
aA A e So war die Sachlage im Jahre 1831, was um so mehr zu
1 2,.; da später dargethan werden soll, daß die Angeklagten auch im
L änge, die den jetzigen Prozeß herbeiführten, die Repeal durch 28 be.; friedliche Mittel durchzusetzen trachteten. Es ist dies nicht das erstemal, daß Leute Frieden predigen und Empörung im Schilde führen. Jene Proclamation von 1831 und die kundgegebene Entschlossen⸗ heit der Regierung thaten den Repeal⸗Umtrieben eine Zeit lang Ein⸗ halt; sobald aber das Statut, welches der vollziehenden Behörde sum⸗
t verlieh, außer Kraft trat, begannen die Umtriebe aufs
is al marische Gen Repeal kam wieder in Schwung. In der Thron⸗Rede
und die It von 1833 wurden hinlängliche Vollmachten zur Bestrafung der Störer des
zffentlichen Friedens in Irland und zur Aufrechthaltung der Union gefor⸗ FS. Parlament ee die ihm damals abgeforderte Zwangsakte, welche der vollziehenden Behörde die ausgedehntesten Vollmachten ertheilte, und die Agitation machte wieder Stillstand, weil sie die Anwendung der durch jene Alte verliehenen Vollmachten fürchten mußte. O'Connell bean⸗ tragte 1834 im Unterhause die Aufhebung der Union, und das Ministerium beantragte das Amendement, daß die Legislatur zur Aufrechthaltung der Union fest entschlossen sei. Das Amendement wurde angenommen und O'’'Connell’'s Antrag fiel mit 523 gegen 38 Stimmen durch. Im Jahre 1836 bildete sich der „allgemeine Verein“, dessen Zweck, wie noch bei jeder von O'Connell gestifteten Verbindung, hauptsächlich die Einsammlung von Geldern — der sogenannten Gerechtigkeits⸗Rente — war, nach dem belieb⸗ ten Repealsystem, den armen Irländern von Zeit zu Zeit ihr Geld abzu⸗ nehmen, um es in einer Weise, über die nie Jemand etwas erfuhr, nach Gutdünken zu verwenden. Der „allgemeine Verein“ dauerte bis 1838, wo der „Vorläufer⸗Verein“ gestiftet ward und fortfuhr, den Armen in derselben Weise, wie seine Vorgänger, ihr Geld abzunehmen, ohne über die Verwendung Rechenschaft abzulegen. Endlich wurde im Februar 1840 der jetzige Verein gebildet, der bald zweimal den Namen wechselte und erst im Juli 1840 den jetzigen Namen „loyaler nationaler Repealver⸗ ein“ annahm. Der Verein besteht aus Verbündeten, Mitgliedern und Frei⸗ willigen. Die Verbündeten zahlen nur den kleinen Beitrag von 1 Shilling, so daß sie massenweise im ganzen Lande verbreitet sind; jeder erhält eine Karte, die, ohne den Bestimmungen der Parlamentsakte gegen die Losungs⸗ worte und Zeichen zu verfallen, allen Zwecken entspricht und den Inhaber befähigt, sich seinen Nachbarn als dem Repealvereine angehörig bemerklich zu machen. Die nächste Klasse des Vereins sind die Mitglieder, welche 1 Pfd, St. zahlen. Sie erhalten, als Unterpfand und Mittel der gegen⸗ seitigen Verbindung, ebenfalls eine Karte, die aber die besondere Beachtung der Jury verdient. Es finden sich an den vier Ecken derselben vier Orts⸗ namen mit Daten, welche, wie eine jedem Mitgliede gegebene gedruckte Er⸗ klärung der Karte besagt, vier Schlachten bezeichnen, worin die Irländer zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Theilen ihres Landes die „sächsi⸗ schen Fremdlinge“ geschlagen haben. Dies ist der Verein, der angeblich Frie⸗ den und Ruhe predigt und niemals daran gedacht haben will, unter den verschiedenen Unterthanenklassen Unzufriedenheit zu erregen, während er eine Karte wählte, welche die Vorfälle früherer Jahrhunderte aufrührt, um das irländische Volk zum Hasse der „sächsischen Fremdlinge“ anzufeuern. Die Kante enthält noch eine Menge bildlicher, durch einzelne Unterschriften, wie z. B.: „Irland hat kein Parlament“, erläuterter Darstellungen; sie giebt die während des Krieges gegen Frankreich verausgabten Summen an und behauptet, daß damals der Anführer der britischen Armee und † ihrer Of⸗ fiziere und Soldaten Irländer gewesen seien. Unten auf der Karte stehen die Worte: „Ihr könnt die Union zum Gesetze erheben, aber ihr könnt dies Gesetz nicht für das Gewissen bindend machen“, und darunter „Sau⸗ rin's Rede.“ Saurin hielt aber diese Rede als Mitglied des irländischen Unterhauses, keinesweges jedoch nach Erlassung der Unions⸗Akte. Die Frei⸗ willigen haben ebenfalls ihre Karte, auf welcher die Worte: „Die Freiwil⸗ ligen von 1782 sind auferstanden“, und die Portraits von O'Connell, Grattan, Hood, O' Neill ꝛc. sich besinden. So ist der Verein gebildet, der natürlich auch seine General⸗Inspektoren, Repealpfleger und Einnehmer hat. Die Repealpfleger werden auf Empfehlung der Geistlichen von dem Vereine für die Kirchspiele gewählt; dieselben haben die Verpflichtung, die Schriften über die Verhandlungen des Vereins zu vertheilen und zu verbreiten, und dieses ihr Thun rechtfertigt somit die Anklage, daß sie den Saamen der Zwietracht und des Mißvergnügens ausstreuen und das Volk zum Haß gegen die irländische Regierung anregen. Denkt nur daran, daß zur Zeit der französischen Revolution in ähnlicher Weise die Gemüther des Volks durch den Ami du peuple vergiftet und dasselbe Resultat in diesem Lande im Jahre 1798 durch das bekannte Journal the Preß erzielt wurde. Eine Rede des Herrn Duffy, eines der Angeklagten, über die Pflichten der Re⸗ peal⸗Vorsteher (Herr Smith theilte die Rede mit) erinnert an den Jakobiner⸗ Klub in Frankreich und seine Filial⸗Verbindungen, und man kann behaup⸗ ten, daß derselbe, obwohl Niemand von den Mitgliedern zuerst daran dachte, eine Regierung umstürzte.“ 8 Nach kurzer Charakterisirung der jetzigen Repeal⸗Blätter, des Pilot und der Nation, welche dieselben Zwecke förderten, fährt der Redner fort: 1b 6 „Ein weiterer Schritt der Verschwörung, den ich berühren will, ist die Gewohnheit, große Massen Volkes, die aus weiten Entfernungen kommen, zu vereinen, und durch regelmäßig erlassene Befehle beordert worden sind, und zwar bloß in der Absicht, um sie daran zu gewöhnen, sich zu versam⸗ meln und auf das erste Zeichen ihre Heimat zu verlassen. Bei diesen Meetings kamen sie ohne Waffen zusammen, weil sie zuvor noch einexer⸗ zirt werden sollten, und bis die dazu gelegene Zeit kam, sollten sie einst⸗ 8 weilen sich versammeln und auf militairische Weise marschiren. Wäre nnun das Exercitium vollendet und „käme Englands Schwäche“, so würden
sie an militairische Haltung und Disziplin gewohnt sein und zur rechten Das war der Plan.
8 eit der Befehl zur Bewaffnung gegeben werden. war s sei überhaupt nichts gesehen, was nicht seine Präcedentien in den Jah⸗ ren 1797 und 1798, in den Vorgängen der damaligen Revolution, hätte. Der General⸗Prokurator führt nun eine Menge bekannter Citate aus den Reden an, welche bei den verschiedenen Repeal⸗Versammlungen des vori⸗ gen Jahres gehalten worden sind, um die verbrecherische Absicht der Ange⸗ klagten zu konstatiren, und schließt dann seinen Vortrag, wie folgt: „Ist je von solchen Versuchen zur Aufregung gehört worden? Darf ein solches Treiben in einem Lande geduldet werden, wo das Gesetz noch in Kraft ist? Die Unions⸗Akte besagt, daß das vereinigte Königreich von einem Parlamente vertreten werden soll, und daß, wer dies leugne, den Anspruch der Königin auf die Krone leugne. Giebt es nun einen Advokaten auf Seiten der Angeklagten, der zu sagen wagte, daß diese Unions⸗Aklte nichtig sei?“ Herr O'Connell: „Ja.“ 1 Nachdem der General⸗Prokurator seine Rede beendet hatte, die
über zwei volle Sitzungen sich ausdehnte, wurden die Belastungs⸗ Zeugen verhört, namentlich der Schnellschreiber Hughes, und die Ver⸗ handlung bietet somit wenig Interessantes. ö1“¹
S NguN —
**% Paris, 19. Jan. Wir erhalten auf außerordentlichem Wege die madrider Nachrichten vom 13ten, welche mit der gewöhn⸗ lichen Post, wahrscheinlich der schlechten Wege und des schlechten
Wetters wegen, heute nicht eingetroffen sind. Der General Narvaez, welcher seine Ernennung zum General⸗Capitain des spanischen Heeres bekanntlich abgelehnt hatte, und dem hierauf der Befehl des Kriegs⸗ Ministers zugegangen war, bei dem Unwillen der Königin von seiner Weigerung cbzustchen, hat sich noch immer nicht dazu verstanden, die 8 ihm ertheilte Beförderung anzunehmen. In einem vom 12ten datir⸗ ten Schreiben an den Kriegs⸗Minister wiederholt er seine Bitte, die ihm zugedachte vgabegeugäng ablehnen zu dürfen. „In einer Zeit“, sagt er zur Unterstützung seines Wunsches, „wo Leidenschaft, Partei⸗ wuth nnd, dekeesenveges herrschen, und das öffentliche Urtheil trü⸗ ben, in einer solchen Zeit und in einer so deüclinan und schwierigen Lage, wie die meinige, ist das Zeugniß des eigenen Gewissens und sind selbst die äußeren Zeichen der großmüthigsten Uneigennützig⸗ keit nicht hinreichend, um die Stimme der Verleumdung zum Schweigen zu bringen und um die Welt von seinen rei⸗ nen und geraden Gesinnungen zu überzeugen. Wenn also die Gnade Ihrer Majestät der Königin und das Wohlwollen der Regie⸗ rung einen so hohen Werth an meine Dienste und auf die Fort⸗
“
setzung derselben, auf welche man bis zum letzten Tage meines Le⸗ bens rechnen kann, legen wollen, so sei es mir aus den angeführten Gründen vergönnt, die Verleumdungen, denen mein Ruf preisgege⸗ ben ist, dadurch zu beantworten, daß ich die Beförderung zu höheren Ehrenstellen ausschlage. Wenn die Darlegung dieser Gründe nicht genügt, so ersuche ich die Regierung, mir die Ehre zu Theil werden zu lassen, der Königin in Gegenwart der Minister meine Ansicht vor⸗ zutragen, um sie von der Richtigkeit des Gefühls der Delikatesse und des Patriotismus zu überzeugen, welches mich drängt, auf meinem ersten Entschlusse zu beharren.“ Man sieht dem endlichen Ausgang dieses eigenthümlichen Kampfes zwischen der Regierung und dem Ge⸗ neral Narvaez mit gespannter Neugier entgegen. Welcher von bei⸗ den Theilen auch zusetzt weichen möge, die Feinde des Generals Nar⸗ vaez werden in diesem Vorgange, weit entfernt, sich dadurch imponi⸗ ren zu lassen, ganz gewiß neuen Stoff zu Anklagen und Verdächti⸗ gungen finden.
Der unglückliche Ausgang der Wahlen in Madrid hat die ge⸗ mäßigte Partei mit lebhaftem Unmuthe erfüllt, den sie vergebens zu verbergen sucht, indem sie versichert, daß sie auf ein solches Ergebniß gefaßt gewesen sei, und daß die in den Provinzen vorherrschende
olksstimmung eine mehr als hinreichende Entschädigung für die in der Hauptstadt obwaltenden exaltirten Gesinnungen darbiete. Einem Briefe zufolge, der von einer gewöhnlich sehr gut unterrichteten ge⸗ mäßigten Feder herrührt, ist die Regierung jetzt völlig entschlossen, die Cortes aufzulösen, indem sie sich von allgemeinen neuen Wahlen eine mächtigere Mehrheit verspricht, als die, welche sie gegenwärtig besitzt, und welche allerdings stark genug ist, um ihr bei allen Partei⸗ Fragen den schließlichen Sieg zu geben, der gegenüber aber die Op⸗ position gleichwohl eine gewisse moralische Ueberlegenheit behauptet. Ob diese Erscheinung durch das größere Talent oder durch die größere Popularität der Opposition erklärt werden müsse, mag dahingestellt bleiben. Genug, daß die Opposition, trotz ihrer verhältnißmäßig schwa⸗ chen Zahl der Regierung furchtbar ist, und daß diese die konservative Majorität des Kongresses der exaltirten Minorität desselben nicht gewachsen glaubt. Wäre dem nicht so, alsdann würde das Ministe⸗ rium ganz gewiß nicht zu der Vertagung der Cortes seine Zuflucht genommen haben, und es würde noch weniger jetzt an die Auflösung derselben denken. Die Oppositions⸗Mitglieder benutzen inzwischen die ihnen durch die Prorogation des gesetzgebenden Körpers gewordene Muße, um das Volk in den Provinzen gegen die Regierung aufzu⸗ regen und zum Widerstande gegen deren eigenmächtige Maßregeln zu reizen. So haben namentlich die exaltirten Abgeordneten von Sevilla, die Herren Cortina, Laserna und Vasquez, einen Aufruf an die Be⸗ völkerung ihres Wahlbezirks erlassen, in welchem sie die Regierung sehr heftig anfeinden und geradezu zum Ungehorsam gegen die ver⸗ fassungswidrigen Verordnungen auffordern. Aehnliches ist in Granada von einer noch größeren Zahl von Mitgliedern bei⸗ der Kammern der Cortes geschehen. Das Manifest der Ab⸗ geordneten und Senatoren von Granada erklärt namentlich das De⸗ kret für nichtig und wirkungslos, durch welches das Gesetz von 1840 über die städtischen Verfassungen in Kraft gesetzt werden soll, und es ermahnt die Bevölkerung von Granada, sich diesem angeblichen Ge⸗ setze nicht zu fügen und überdies keine Steuern zu bezahlen, da die Regierung zur Erhebung derselben nicht verfassungsmäßig berechtigt sei. Das fragliche Manifest ist den Einwohnern von Granada durch Mauer⸗Anschläge bekannt gemacht worden, welche der politische Chef der Provinz später herunterreißen ließ, nachdem sich der General⸗ Capitain, General Chacon, geweigert hatte, in dieser Sache einzu⸗ schreiten. Alle diese Vorgänge, zusammengehalten mit der Protesta⸗ tion der Provinzial⸗Deputation von Saragossa gegen das Gesetz über die Ayuntamientos, enthalten leider Grund genug zu Befürchtungen für die Dauer der vergleichsweisen Ruhe, deren Spanien in diesem Augenblicke genießt.
8 GSriechenl and.
50 Athen, 7. Jan. Die ruhige Entwickelung der hiesigen Verhältnisse ist in der letzten Zeit wieder gestört worden. Minister⸗ Krisen und die Frage der Pairs⸗Kammer haben große Aufregung und Verwickelungen hervorgerufen und die Gemüther sind noch nicht wieder beruhigt. Die französische und englische Regierung verlangten nach den in den hiesigen Journalen bekannt gemachten Instructionen Lord Aberdeen's an Sir E. Lyons eine erbliche oder lebenslängliche Pairs⸗Kammer, und die Majorität des Ministeriums schloß sich dieser Ansicht an. Rigas Palamides aber, der Minister des Innern, der, wie wir früher berichtet, an der Spitze einer von der sogenannten französischen Partei abgetrennten Fraction, gegen diese Majorität in Opposition getreten war, erklärte sich für das Einkammer⸗System. Deswegen hauptsächlich verlangte die Majorität, wie man sagt, auf Metaxas Betreiben, seine Entlassung aus dem Ministerium und der König soll in dieselbe nur mit Widerstreben gewilligt haben, weil er erst nach Vollendung der Constitution von dem Rechte, die Minister zu ernennen, Gebrauch zu machen beabsichtigt hatte. Das Ministerium des Innern wurde provisorisch dem Kriegs⸗Minister Londos übertra⸗ gen. Unmittelbar darauf stellte Metaxas folgende Alternative: Ko⸗ lettis solle das Ministerium des Aeußern, Maurokordatos das der Finanzen übernehmen (Beide sind bekanntlich Minister ohne Porte⸗ feuille und nehmen nur an den Fragen über die Constitution und Erhaltung der allgemeinen Ruhe Antheil) und er selbst das jetzt so wichtige Ministerium des Innern erhalten, oder die beiden Erwähnten sollten ganz austreten und es ihm überlassen, ein Ministerium von seiner Farbe zu bilden, — widrigenfalls würde er mit 3 seiner Kol⸗ jegen seine Entlassung nehmen. — Die Unterhandlungen hierüber zogen sich in die Länge, und man hoffte bereits, daß das bestehende Ministerium erhalten werden würde; seit gestern scheinen sie jedoch wieder lebhaft im Gange zu sein, und man erzählt, daß Metaxas im Begriffe stehe, seine Entlassung einzureichen. Auch wird behauptet, daß es sich hierbei nur um die Frage handle, wer das Ministerium des Innern erhalten solle. Einige Journale beklagen diese Wendung der Dinge ohne Rückhalt, bei welchen die Sachen den Personen geopfert würden.
Die Kommission für die Ausarbeitung des Verfassungs⸗Entwurfs hat endlich gestern ihre Arbeiten vollendet, über welche wir jedoch noch nichts Gewisses zu berichten im Stande sind. (S. bereits oben.) Man sagt, nach dem Entwurfe habe der König das Recht, die Mitglieder der ersten Kammer vorläufig auf 10 Jahre zu ernennen. Die Ansich⸗ ten über diese Frage, gegen welche alle anderen in den Hintergrund treten, sind sehr getheilt; die erbliche Pairie will in⸗ dessen Niemand, für die lebenslängliche sind nur Wenige aus Ueber⸗ zeugung, diese erhält aber durch die Empfehlung der beiden Schutz⸗ mächte Gewicht. Die Sympathieen des Landes, welche jeder aristo⸗ kratischen Tendenz feindlich sind, scheinen sich mehr auf die Seite des Einkammer⸗Systemes zu neigen, doch werden dieselben wohl schwer⸗ lich durchdringen. Die Mehrzahl wird sich wahrscheinlich in die Krei⸗ rung einer ersten Kammer, als eines nothwendigen Uebels fügen, aber mehr auf Autoritäten hin, welche die unumgängliche Nothwendigkeit dieses Instituts predigen, als aus Ueberzeugung. Merkwürdig ist, daß viele aufrichtige Anhänger des Thrones der Ansicht sind, daß die Erwählung der ersten Kammer durch das Volk und deren Auflösbar⸗ keit durch die Krone, wie in Belgien, den Interessen derselben und des Landes überhaupt weit mehr entsprechen werde als eine lebens⸗
4*
aisais. Aulainfüvnaahd längliche Pairs⸗Kammer, von welcher der Thron leicht mehr gefährdet als gestützt werden könne, und daß gewichtige auf die speziellen Zu⸗ stände des Landes gestützte Gründe für diese Ansicht sprechen — ein Beweis, wie wenig dasselbe zu einer sogenannten constitutionellen Verfassung reif ist.
Uebrigens ist die Pairie⸗Frage bis jetzt für die bestehenden Parteien eine sogenannte offene Frage, und man hört von Leuten derselben Farbe häufig die entgegengesetztesten Ansichten. Bei ihrer Diskussion möchten sich daher auch die Stimmen auf eine eigene Weise gruppiren.
Oberst Kalergis läßt zum Andenken an den 3. September gol⸗ dene Ringe verfertigen, mit der Aufschrift „Kalergis 1843“, welche er an die Offiziere und Unteroffiziere der Garnison vertheilen wird. Uebrigens verdient sein fortwährender Eifer für die Aufrechthaltung der Ruhe und Sicherheit in der Hauptstadt Anerkennung. Auch in den Provinzen geht es bis jetzt ruhiger zu, als bei der Schwäche der Regierung zu erwarten war. Gleichwohl ist man nicht ganz ohne Besorgniß wegen der Zukunft.
Handels- und Börsen-Uachrichten.
Berlin, 25. Jan. Der Handel in Eisenbahn⸗Actien war heute sehr umfassend und die meisten Effekten erfuhren aufs neue einen sehr bedeu⸗ tenden Aufschwung. Hauptsächlich berührte dies die Köln⸗Mindener, Nie⸗ derschlesischen, Dresden⸗Görlitzer und Frankfurter, welche am Schluß der Börse über Notiz bezahlt wurden. — Potsdamer Actien und Anhalter flauer. — Nach Zarskoje⸗Selo hält die Frage an, und blieben solche zu stei⸗ gendem Course zu lassen.
“ Berliner Börse. 6. Den 25. Januar 1844.
Pr. Cour. 8 8 Pr. 3 Actien. — Brief. Geld. Brief. Geld. Gem
IEIWW“ 104 ½ 103 23³ — 17. 19
. anann
Cour.
Fonds.
Zf. Zk.
St. Schuld-Sch. Pr. Engl. Obl. 30. Präm Sch. d. Seeh. Kur- u. Neumärk. Schuldverschr. Berl. Stadt-Obl. Danz. do. in Th. Westpr. Pfandbr. Grossh. Pos. do. do. do. Ostpr. Pfandbr. Pomm. do. Kur- u. Neum. do. Sechlesische do.
102 2 102 ¼ Brl. Pots. Eisenb. 102** O2n do. do. Prior. Obl. 90 FhIgd. Lpz. Eisenb.
8 do. do. Prior. Obl.
103 100½ Brl. Anb. Eisenb. 102 1012 do. do. Prior. Obl. 48 88 2² [Düss. Elb. Eisenb. 101 1012 do. do. Prier. Obl. 105 * Rhein. Eisenb. Qdo. do. Prior. Obl. Brl. Frankf. Eisb. en 3⸗ . . 1013. 162% Qdo. do. Prior. Obl. 1014 —2Ob.-Schles. Eisb. 2 do. Lt. B. v. eingez. 101 ½ — 5 24 B.-St. E. Lt. A u. B —- Magdeb.-Halber- 13 ¼⁄2 städter Eisenb. II ½ Bresl-Schweidn.- 4 Freihg. Risenb.
100 ¾¼
L=engneeneeöhn
121 Gold al marco. Friedrichsd'or. And. Gldm. à 5 Th. Disconto.
—
1182
118
Pr. Cour. Thlr. zu 30 Sgr.
Brief. Geld.
Amsterdam 250 Fl. Kurz 141 ½ 141 do. 250 Fl. 2 Mt. 140 ¾ 140½ Hamburrg 22 300 Mk. Kurz 151 — do. 300 Mk. 2 Mt. 150 149 ¼ 1 LSt. 3 Mt. 6 25 ½1 2 Mt. 80 1½ 2 Mt. 104 ¼ 2 Mt. — 2 Mt. — 8 Tage 100 2 Mt. 99 ½ 2 Mt. 56 28 — 3 Woch. — 107 ½
IIleeeggegeelnSn
—
Wecechsel- Cour s.
Londoln 14“
Wien mn 20 Xr. . . . . .. .. . . . . .. Augsburg
Breslau 100 Thlr. 100 Thle.
Frankfurt a. M. WAaAZ 100 Fl. Petersburg 100 SRbl.
Leipzig in Courant im 14 Thl. Fuss..
Auswärtige Börsen.
Amsterdam, 21. Jan. Niederl. wirkl. Sch. 54 ⁄2%. 3 % Span. 32.
Antwerpen, 20. Jan. Zinsl. 6 ½. Neue Anl. 20 ¼.
Frankfurt a. M., 22. Jan. 5 % Met. 113. Bank-Aectien 2020. p. ult. 2021. Bayr. Bank-Actien 687 G. IIope 90 ½ G. Stiegl. 89 ⅞ G. Int. 54 2%. Poln. 300 Fl. 95 ¾ G. do. 500 Fl. 98 ½. do. 200 Fl. 32 ¼ G.
HI amburg, 23. Jan. Bank-Actien 1690. Rugl. Russ. 112 ¼ G.
London, 19. Jan. Cons. 3 % 96 ¼. Belg. 104. Neue Anul. 22 ½. Pas- sive 5 %. Ausg. Sch. 12 ½. 2 ½ % Holl. 54 ½. 5 % do. 100 ⅞. Neue Port. 45 ½. Engl. Russ. I116 ½. Bras. 77. Chili 101 ½. Columb. —. Mex. 32 ½⅞. Peru 22 ½.
Paris, 20. Jan. 5 % Rente fin cour. 124. 80. 3 % Rente fin cour. 82. 60. 5 % Neapl. au compt. 106. 85. 5 % Span. Rente 30 ¼. Pass. 5 ½.
Wien, 21. Jan. Anl. de 1834 151. de 1839 122 ½. Bank-Actien 1633. Nordb. 134 ½. Gloggn. 115 ½. Mail. 108 ⅞. Livorn. 98 ⅞. Pesth. 102 ½.
Meteorologische Beobachtungen.
Abends 10 Uhr.
Nach einmaliger Beobachtung.
Nachmittags 2 Uhr.
Morgens 6 Uhr.
1844. 24. Jan.
Luftdruck.... 338,20“ Par. 337,32“ Par. 336,75“ Par. Quellwärme 5,80 R. Luftwärme — 4,60 R. — 0,8 ° R. + 1,7° R. Plusswürme 0,1°0 R. Thaupunkt. — 6,4⁰ R. — 2,9 ⁰ R. + 0,7* R. Bodenwärme 3,7⁰ R. Dunstsättigung 89 pct. 83 pct. 91 pct. Ausdünstung 0,010, Rh. Wetter heiter. Schnee. Regen. Niederschlag 0,047 Rh. WNW. W. W. Würmewechsel — 6,40
Wolkenzug... Iu W. — + 1,8 °9R. agesmittel: 337,42 Par. — 1,20 HR. — 3,90 R. 88 pct. Ww.
Königliche Schauspiele. Freitag, 26. Jan. Regine, Lustspiel in 5 Abth. Hierauf: Lie⸗ beshändel, komisches Ballet in 3 Gemälden, von P. Taglioni. Im Konzertsaale: 1) La vengeance italienne, vaudeville en 2 actes. 2) Dieu vous bénisse! vaudeville en 1 acte. La représentation au bénéfice de Mr. Francisque est remise à la semaine prochaine.
Sonnabend, 27. Jan.
Königsstädtisches Theater.
Freitag, 25. Jan. Gast⸗Vorstellung des Kinder⸗Ballets des Herrn Price aus Kopenhagen in 2 Abtheilungen. Erste Abthei⸗ lung (nach dem ersten Stück): 1) La Gitana, spanischer Nationaltanz, mit Kastagnetten, ausgeführt von Clara. 2) Der Leitertanz. 3) Steyersches Pas de deux, ausgeführt von Clara und Rosa. Zweite Abtheilung (nach dem zweiten Stück): Der Sultan und seine Sklaven, Mohrentanz, ausgeführt von sämmtlichen Kindern. Dazu: Eine Reise nach Spanien. Posse in 2 Akten, von B. A. Herrmann. Vorher: Nach Sonnenuntergang. Lustspiel in 1 Akt, von G. Lotz. Sonnabend, 27. Jan. (Italienische Opern⸗Vorstellung.) Lucia
di Lammermoor. (Sgr. Napoleone Moriani, Kaiserlich österreichi⸗ scher Kammersänger: Edgardo, als Gast.) .“
Vicomte von Létorierctcea.
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Beilage
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— mn m3. u Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.
2 Iunt: Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckeri.
“] 8 9 Awin ine o111“
165
H n mgun b
8 — eilage zur Allg emeinen Preußisch 86
8 E *½ 8r Inhalt. 8
Inland. Münster. Land⸗Armenhaus zu Benninghausen. 812 Deutsche Bundesstaaten. Sachsen. 5 Bevölkerungs⸗ Verhältnisse. — Grh. Hessen. Offenbach. Herstellung der Passage HFüber den Main. — Freie Städte. Ham bu rg. Feuerkassen⸗Anleihe. Oesterreichische Monarchie. Schreiben aus Prag. (Sanitäts⸗ wesen; Hof⸗ und Staats⸗Handbuch; die böhmische Brandschaden⸗Ver⸗ sicherungs⸗Anstalt.) — Frankreich. Paris. Indirekte Staats⸗Einkünfte des vorigen Jah⸗ res. — Betrag der einzelnen Budgets für nächstes Jahr. — Zurechtwei⸗ sung eines Geschworenen. — Vermischtes. Schweiz. Bern. Die Kretinen⸗Anstalt auf dem Abendberge. — Solothurn. Reform der Gefangenhäuser. La Plata⸗Staaten. Schreiben aus Paris. (Protestation und Vor⸗ stellung der in Montevideo ansässigen Franzosen.) Handels⸗ und Börsen⸗Nachrichten. Stettin. Marktbericht. — Dirschau. Schifffahrt. — Riga. Majlktbericht. — Paris. Börse. — London. Getraidemarkt.
IW16“*“
E“ I, talnat I1116“ 11““ 556IoCe“
Münster, 20. Jan. Das heutige Amtsblatt enthält eine
Uebersicht über die wirthschaftliche und polizeiliche Verwaltung des Land Armenhauses zu Benninghausen für 1842, aus der wir folgende Haupt-Ergebnisse entnehmen. Die Einnahmen während des Jahres 1842 waren 31,032 Rthlr. 9 Sgr. 5 Pf., (darunter Bestand vom
vorigen Jahre 4150 Rthlr. 20 Sgr. 11 Pf., Zinsen von Kapital⸗
Vermögen 825 Rthlr. 17 Sgr. 8 Pf., Ertrag von Grundstücken
3300 Rthlr. 24 Sgr. 4 Pf.,, Kostgeld 2515 Rthlr. 6 Sgr. 10 Pf., Arbeitsverdienst 3560 Rthlr. 9 Pf., verkaufte Fabrikate 4085 Rthlr.
46 Sgr. 3 Pf., verkaufte Steine vom Feldziegelbrande 1895 Rthlr. 2 Sgr., Provinzial⸗Beiträge 7331 Rthlr. 16 Sgr. 1 Pf., Zuschuß
aus der Regierungs⸗Hauptkasse zu Arnsberg 1654 Rthlr.). Die Aus⸗
gaben (worunter ein Zuschuß von 800 Rthlr. für Taubstummen⸗Anstalten und ein anderer von 3163 Rthlr. 7 Sgr. 4 Pf. für die Provinzial⸗ pflege⸗Anstalt zu Gesecke) beliefen sich nur auf 27,263 Rthlr. 7 Sgr.
41 Pf.; es blieb daher zu Schlusse der Rechnung ein Bestand von
3769 Rthlr. 1 Sgr. 6 Pf. Durchschnittlich waren 235 Personen in
der Anstalt und ausschließlich der Kranken und Kinder 150 Arbeits⸗
fähige, welche mit verschiedenen Arbeiten in und außer dem Hause beschäftigt wurden. Diese Uebersicht ergiebt, wie auch die am 2ten und 3. November d. J. mit den Herren ständischen Deputirten und
Kommissarien der Königlichen Regierungen vollzogene General⸗Visita⸗
tion erfreuend bestätigt hat, daß die Anstalt in sehr befriedigendem
Zustande sich befindet.
“
“ Deutsche Bundesstaaten.
Sachsen. Plauen, 20. Jan. Die Haupt⸗Seelenzahl der Kreisstadt Plauen, welche mit Einschluß der unter Amts⸗Jurisdiction gehörigen 7 Häuser und beiden Elster⸗Mühlen 871 katastrirte Gebäude (nämlich 719 Wohnhäuser und 152 unbewohnbare Gebäude und Scheu⸗ nen) zählt, beträgt nach der am 1. Dezember 1843 veranstalteten Volkszählung 10,628, nämlich 5080 männlichen und 5548. weiblichen Geschlechts, in 2202 Haushaltungen, 1598 Ehepaare und 3142 männ⸗ liche und 3901 weibliche Personen ledigen Standes, mit Einschluß von 145 Wittwern, 366 Wittwen, 7 geschiedenen Männern und 18 geschiedenen Frauen; nach der Religions⸗Verschiedenheit 10,584 Evan⸗ gelisch⸗lutherische, 4 Reformirte, 39 Katholiken und 1 Israelit. Die Be⸗ völkerung Plauens ist demnach seit dem 1. Dezember 1840 um 476, seit dem 1. Dezember 1837 um 1143, seit dem 1. Dezember 1834 um 1599 und seit dem 3. Juli 1832 um 2058 Seelen gestiegen. — Im Jahre 1843 sind in Plauen 483 Kinder geboren, 390 Personen ge⸗ storben, 130 Paare aufgeboten und 81 Paare getraut worden. Die Zahl der Kommunikanten betrug 6072.
Grh. Hessen. Offenbach, 20. Jan. (Gr. H. Z.) Nach Abgang des Main⸗Eises ist heute die hiesige Schiffbrücke aufgefah⸗ ren und somit die ungehinderte Passage über solche wieder hergestellt worden.
118 u 111“
Freie Städte. Hamburg, 17. Jan. Die für diesen Morgen angesetzte Unterzeichnung der 3 Mill. M. B. Feuerkassen⸗ Anleihe war innerhalb 10 Minuten beendigt. Von den circa 120 Per⸗ sonen, welche sich gemeldet hatten, konnten nur 14 befriedigt werden. An der Börse stiegen darauf diese Papiere bis 97 ¾ pCt., sind also pCt. besser notirt. Jetzt ist also der so lange zurückgehaltene Rest auch vertheilt, und die Speculation hat ein Ende. 3
Oesterreichische Monarchie.
„ Prag, 17. Jan. Der Antrag der Hof⸗Behörden, wegen Aufhebung der Prämien, welche jährlich an einige um das Impfwesen verdiente Aerzte ausbezahlt werden, ist von Sr. Majestät nicht ge⸗ nehmigt, dagegen aber angeordnet worden, daß künftig bei Ver⸗ theilung der Impf⸗Prämien nur auf wirkliche, außergewöhunliche Ver⸗ dienste in diesem Sanitätszweige Rücksicht zu nehmen sei.
Der veraltete Titel: Hof⸗ und Staats⸗Schematismus, welchen bisher der alljährlich erscheinende Almanach aller öffentlichen Behörden und der bei selben Bediensteten führte, ist für die Zukunft in jenen: „Hof⸗ und Staats⸗Handbuch“ verändert worden. Auch der in jeder Provinz erscheinende Almanach wird künftig den Titel: „Provinzial⸗ Handbuch“ führen.
Nach dem letzten Jahres⸗Berichte der böhmischen wechselseitigen Brandschaden⸗Versicherungs⸗Anstalt war der Einlagewerth der ver⸗ sicherten Gebände auf 30,349,510 Fl. Conv. Mze. gestiegen. Die Vereins⸗Auslagen an Brandschaden⸗Vergütungen und Verwaltungs⸗ Kosten betrugen 197,857 Fl. 59 Kr. Das eigene Vermögen des Vereins hat sich bis auf 208,677 Fl. 47 Kr. vermehrt, davon der Reserve⸗Fonds mit fruchtbringenden sicheren Aktiven im Betrage von 172,154 Fl. 43 Kr. Während des 14jährigen Bestehens dieser Ge⸗ sellschaft betrug der Werth der Versicherungen 621,549,300 Fl., an klassenmäßigen Beiträgen gingen ein 2,345,308 Fl. 58 Kr., die Ge⸗ sammt⸗Auslagen betrugen 2,339,811 Fl. 41 Kr., die Zahlungen betrugen von 100 Fl. des Einkommens im Durchschnitte für jedes Jahr 23, Kr., die aber nach der Beschaffenheit der Gebäude so verschieden, daß sie von 30 26 Kr. für die gefährlichste Art von Ge⸗ bäuden, bei den die wenigste Gefahr bietenden bis auf 7283 Kr. für jeden Betrag von 100 Fl. sinken, so daß die Zahlungen der Mit⸗ glieder dieses auf Gegenseitigkeit gegründeten Versicherungs⸗Vereins sich im Durchschnitte der Jahre merklich geringer stellen, als die fixen
Frankreich.
Paris, 18. Jan. Es ist so eben ein offizieller Bericht über den Ertrag der indirekten Steuern im Jahre 1843 und eine Ver⸗ gleichung desselben mit dem der beiden vorhergehenden Jahre erschienen. Die Gesammt⸗Summe dieser Einkünfte belief sich im vorigen Jahre auf 764,573,900 Fr. Im Jahre 1842 hatte dieselbe 751,257,000 Fr. und 1841 nur 715,673,000 Fr. betragen. Die Einregistrirungs⸗ und Hypotheken⸗Gebühren haben 20 7 ½ Millionen, die Zoll⸗ und Schiff⸗ fahrts⸗Abgaben 107 Millionen, die Salzsteuer 58, die Einkünfte vom exotischen Zucker 44 (wovon 37 auf den französischen Kolonial⸗Zucker kommen), die vom einheimischen Zucker 7 ½ Millionen, die vom Ta⸗ back 104 ½, die Getränksteuer 96 ½, der innere Land⸗ und Wasser⸗ Transport 38 ½, die Post 45, der Paketboot⸗Dienst 1,035,000 Fr. eingebracht. Am bedeutendsten war die Zunahme des Ertrags im Jahre 1843 in den Einregistrirungs⸗ und Stempel⸗Gebühren, wo sie 5 Millionen betrug, in den Zöllen mit 4½ Millionen, im Taback mit 3 ½ und im inneren Transport mit 1,398,000 Fr. Abgenommen hat der Ertrag von dem an den Küsten gewonnenen Salz um 1 Million, aber die im Innern von diesem Lebens⸗ mittel erhobene Abgabe zeigt einen fast entsprechenden Mehr⸗ Ertrag. Der einheimische Zucker ergiebt einen Ausfall von 1 ½⅞ Million, auf den man gefaßt sein mußte. Auch der Verkauf von Pulver und der Ertrag der Malle⸗Posten hat 637,000 Fr. weniger eingebracht; eben so zeigt sich in der Getränksteuer ein Verlust von 19,000 Fr. Der Ertrag der Posten ist sich gleich geblieben, aber die Einnahme an Passagiergeld auf den französischen Paketböten in der Levante ist im Steigen, wenn auch langsam, und im Tabacks⸗ Verbrauch macht sich ein anhaltender bedeutender Fortschritt be⸗ merklich. Die Zunahme der Einkünfte aus den indirekten Steuern beträgt im vorigen Jahre gegen das Jahr 1842 im Ganzen 13 ½ Million und gegen 1841 fast 49 Millionen, im Mittel also 21 Millionen, welches als die Durchschnittszahl der jährlichen Vermehrung dieser Einkünfte seit dem Bestehen der Juli⸗Regierung angenommen worden ist. Im Jahre 1831 überstiegen dieselben nicht 554 Millionen, und jetzt betragen sie 765 Millionen, also ein Zu⸗ wachs von 211 Millionen, wobei noch ein Nachlaß von 32 Millionen in der Getränksteuer stattgefunden hat. Von 1816 bis 1830 hat nach einer offiziellen Berechnung die Zunahme des Ertrages der in⸗ direkten Steuern sich jährlich nur auf 14 bis 15 Millionen im Durch⸗ schnitt belaufen. Von 1831 bis 1841 hat die Bevölkerung um etwa 5 pCt., der Ertrag dieser Einkünfte aber um 38 pCt. zugenommen, was in dem offiziellen Bericht mit Betonung hervorgehoben ist, um daraus auf die Zunahme des Verbrauchs und der Production, also des öffentlichen Wohlstandes und Vermögens schließen zu lassen. Der Unterschied in den einzelnen Zweigen der Einkünfte stellt sich für die Jahre 1831 und 1813 folgendermaßen: 1831. 1843. Einregistrirung, Stempel und Domainen 186 Mill. 245 Mill. Zölle, Schifffahrt und Zuckr 109 150 Getränkte.. 74 97 60 69 30 45 104
* 65 554 Mill. 765 Mill. Für das Jahr 1845 sind, nach den der Deputirten⸗Kammer von dem Finanz⸗Minister bereits gemachten Vorlagen, die Budgets der einzelnen Ministerien so ziemlich geblieben, wie im Jahr 1844, bald
etwas mehr, bald etwas weniger. Das Kriegs⸗Budget wird um 2, 27,374 Fr. (73,911 auf Algerien), das Marine⸗ Budget um 143,734, das des Innern um 278,744, das Budget der Justiz um 22,500, das des Handels und Ackerbaues um 401,565 Fr., welche jedoch für die Industrie⸗Ausstellungs⸗Kosten beinahe wieder aufgehen, vermindert. Dagegen erhalten mehr: Kultus 136,400, auswärtige Angelegenheiten 144,100, öffentlicher Unterricht 205,400, öffentliche Arbeiten 1,425,500 Fr. Dieses letztere Budget, im Jahre 1830 mit 34 Millionen dotirt, ist es jetzt mit 150.
„ Die bei dem O'Connellschen Prozeß in Irland erhobene Klage über parteiische Zusammenstellung der Jury hat in Frankreich sogleich Nachahmung gefunden, indem ein hiesiger Geschworener, Doktor Baudelocque, in der Quotidienne daruͤber Beschwerde führt, daß bei der neulich verhandelten Anklage gegen dieselbe, die mit Verur⸗ theilung dieses Blattes endete, das öffentliche Ministerium alle dieje⸗ nigen der durchs Loos bezeichneten Geschworenen, darunter auch ihn selbst, zurückgewiesen habe, die einem freien Lebensberuf oblägen. „Ohne Zweifel“, sagt Dr. Baudelocque, ein Legitimist, „hatte das öffentliche Ministerium, eben so wie die Anwalte der verklagten Partei, das Recht, zehn von uns aus der Liste zu streichen; ist es aber nicht traurig, diese oder jene politische Meinung ausschließlich durch Geschworene aus der handeltreibenden Klasse abgeurtheilt zu sehen? Wie sollen sich wohl unsere Institntionen
vervollkommnen, wenn man aus der Jury alle Männer ausscheidet, die
ihre Inteuigenz durch lange Studien entwickelt haben? Ein gutes
Gesetz über die Geschworenen⸗Iustitution ist also sehr nöthig.“ Ueber
dieses Schreiben, welches den Tag nach seinem Erscheinen unter den
Geschworenen des hiesigen Assisenhofes lebhaft besprochen wurde,
ließ der Präsident dieses Tribunals, Herrn Poultier, nach Eröffnung
der Sitzung einen scharfen Tadel ergehen, indem er einerseits die
darin aufgestellte Behauptung für unrichtig erklärte, mit dem Hinzu⸗
fügen, daß übrigens in politischen Dingen die Gesellschaft und die
Angeklagten bei den Handeltreibenden ebensowohl Sinn für das Wohl
des Landes wie Bürgschaft für völlige Unabhängigkeit fänden, ande⸗
rerseits aber die in jenem Schreiben liegende Uebertretung der Ge⸗
setze rügte, welche jedwede Bezeichnung der Geschworenen, die bei
Abgebung eines Urtheils mitgewirkt, streng verbieten.
In dem bevorstehenden parlamentarischen Kampfe dürften auch
die Angelegenheiten der syrischen Christen zur Sprache kommen. Als
Ursache der Reise des Erzbischoss Murad von Laodicea nach Paris
wird von den ministeriellen Blättern angegeben: „er sei gekommen,
um den Schutz der französischen Regierung zu Gunsten seiner Nation
anzuflehen, die in den letzten Jahren in Folge der syrischen Revolu⸗
tion so viel gelitten.“
Der Constitutionnel ist mit dem Angriff des Herrn von
Tocqueville gegen das Ministerium hinsichtlich der Unterrichts⸗Frage,
aber auch mit der Antwort des Herru Villemain zufrieden: mit Herrn
von Tocqueville, weil dieser gesagt, daß das Ministerium ein un⸗
sinniges System befolge, indem es Leidenschaften und Anmaßungen
schone, welche den Staat bedrohten; mit Herrn Villemain, weil er
auf eine geschickte Weise die Universttät gegen einige Vorwürfe des
Herrn von Tocqueville vertheidigt habe. Dies ist auch die Meinung
des Courrier frangais. Der National vast gec. von Tocque⸗
ville vor, keine Thatsache angeführt zu haben, welche die Frage des
Unterrichts aufflären könnte und eine sinnleere Rede gehalten zu haben,
Prämien anderer Assekuranz⸗Gesellschaften.
verschafft habe. Der Commeree beklagt sich über die ganze Art, wie die Adreß⸗Diskussion in der Kammer geführt werde, indem sie das Resultat habe, die schon so wenig lebhaste Bewegung der Sitzun⸗ gen noch zu schwächen. Er beschuldigt die Opposition der Kälte bei den Debatten, weil es ihr zustehe, den Gemüthern Aufschwung und Bewegung zu geben.
Der neue Minister der öffentlichen Bauten, Herr Dumon, ist von dem Wahl⸗Kollegium zu Agen fast einstimmig wieder zum De⸗ putirten gewählt worden, und an die Stelle des zum Pair ernannten Herrn Passy hat das Wahl⸗Kollegium von Louviers den ministeriel⸗ len Kandidaten, Herrn Charles Laffite zum Deputirten gewählt.
„Der Prinz Mar von Bayern hat vorgestern beim Könige ge⸗ speist; unter den anderen zur Tafel geladenen Gästen befand sich auch der Marquis de Dalmatie, der vor einigen Tagen von seinem Ge⸗ sandtschafts⸗Posten in Berlin hier eingetroffen ist, um den Kammer⸗ Sitzungen beizuwohnen.
General Pajol wurde gestern Abend bei einem Spaziergang auf 38vö 27. Hecglag. gerührt; man brachte ihn in einer
uütsche nach Hause, do oll der Anfall nicht von gefährli Charakter sein. 8 2 Fee M.
Die Klage Jules Janin's gegen Felix Pyat wird am 31. d. M. vor der siebenten Kammer des Tribunals erster Instanz des Seine⸗ Departements zur Verhandlung kommen. 88
2 Bern, 15. Jan. Die Kretinen⸗Anstalt auf dem Abendberge bei Interlacken hat den Beweis geliefert, daß beinahe alle Kinder, welche vor ihrem vierten Jahre in sorgfältige Behandlung genommen werden, von dem Kretinismus in physischer, wie in intellektueller Be⸗ ziehung befreit werden können; noch jetzt lebt im Wallis einer der geachtetsten Aerzte, welcher in seiner Jugend den vollständigen Habi⸗ tus eines Kretins zeigte. Herr Guggenbühl schreibt die Ursache des Kretinismus zumeist den Wohnungen in engen Bergthälern zu, welche keinen Luftzug haben, und in der That zeigen sich auch die meisten Kretinen in den Schluchten der Berge. Leider widersetzt sich noch ein großer Theil des ungebildeten Landvolks der Kur der Kretinen; in Wallis, wo die meisten vorkommen, hält sich jede Fa⸗ milie für unglücklich, welche keinen Kretinen in ihrer Mitte besitzt; man verehrt sie wie eine Art Heilige, welche den ganzen Zorn Got⸗ tes, der sonst der Familie bestimmt war, auf ihre Schultern nehmen. Es wäre zu wünschen, daß von Seiten der dort sehr einflußreichen Geistlichkeit diesem Vorurtheile kein Vorschub geleistet, sondern von denselben kräftig dazu beigetragen würde, den Wahn auszurotten.
Solothurn, 15. Jan. Imn Solothurn beschäftigt man si ernstlich mit einer Reform der “ schafag sucht 8 Systeme der Vereinzelung und des Schweigens so darin zu modifizi⸗ ren, daß die Nachtheile, welche die Befolgung des Auburnschen Systems in der Waadt und in Genf hat, namentlich die häufigen Geisteskrankheiten, darin wegfallen sollen. JBI1“ „ . La Plata⸗-Staaten. 8 Paris, 44. Jan. Der französische General⸗Konsul zu Montevideo, Herr Pichon, hatte die Franzosen der dortigen Legion welche den Näͤmen „sranzostsche Leglon⸗- sich beilogt unb mir sran⸗ zösischer Kokarde und Fahne sich schmückt, als alle anderen Mittel der Ueberredung, um sie zur Beobachtung der Neutralität in dem Kampfe gegen die Argentiner zu vermögen, vergeblich sich erwiesen mit dem Verluste ihrer Nationalität bedroht, nach dem klaren Wort⸗ laute des französischen Gesetzes, wonach jeder Franzose seine Natio⸗ nalität verliert, sobald er in ausländische Dienste tritt. Die Fran⸗ zosen dort aber behaupten, nur durch den Mangel des ihnen noth⸗ wendigen Schutzes in die Nothwendigkeit versetzt worden zu sein, die Waffen zu ergreifen und fügten sich auch auf diese Drohung des Konsuls nicht. Der französische Konsul erklärte nun der Regierung von Montevideo, daß sie sich selbst die Folgen zuzuschreiben hätte, die von Seiten Frankreichs für sie eintreten könnten, wenn die Franzosen daselbst fortführen, an dem Kriege gegen die Argentiner Theil zu nehmen. Hierauf endlich gab die Legion nach, legte die französischen Farben und die französische Kokarde ab und löschte aus ihrer Fahn den Namen Frankreichs aus. Jedoch protestirte sie zugleich gegen diese Forderung und richtete an die Deputirten⸗Kammer eine Petition, in welcher sie ihre Klagen auseinandersetzt und den den nationalen Interessen gebührenden Schutz verlangt. Da die Sache so zu De-⸗ batten in der Deputirten⸗Kammer Aulaß geben wird, so dürfte es nicht ohne Interesse sein, diese Aktenstücke kennen zu lernen. “ I. Protestation. “ Wir, die unterzeichneten Franzosen, niedergelassen auf dem Gebie 1
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orientalischen Nepublik des Uruguap, und jetzt bewaffnet in Folge 4 seligen Ereignisse, welche in diesem Lande den auswärtigen Fnng vW führt haben, den Rosas gegen dasselbe führt,
Erklären auf die seierlichste Weise,
Daß wir bei Ergreifung der Waffen zu unserer eigenen Vertheidigung und zum Schutze unserer Personen und unseres Eigenthums, die bedroht sind von den feindlichen Streitkräften, welche in diesem Augenblicke die Stadt Monlevidev, Hauplstadt der besagten Republik, belagern, niemals daran ge⸗ basees⸗ uns den Ansichten oder der Politik unserer Regierung zu wi⸗ ersetzen;
Daß wir niemals uns strasbar erachtet haben, indem wir als Fahne Farben annahmen, die denen sich annäherten, unter welchen unsere Väter und Viele unter uns gekämpft haben;
Daß nichts uns natürlicher schien, als unsere National⸗Kokarde zu tragen, da jeder Bürger das Recht hat, sie im Auslande aufzustecken;
Daß wir uns nie vorstellen konnten, daß es uns, die wir in Frankreich geboren sind, nicht erlaubt wäre, unsere Titel der Nationalität geltend zu machen, in Folge wovon wir das von uns gebildete Corps „Legion der französischen Freiwilligen“ genannt haben;
Daß das von uns seit dem Tage unserer Errichtung beobachtete Ver⸗ hene “ Jemand berechtigen konnte, Anklagen gegen unsere Moralität zu erheben; G
1 8 der Friede, die Ruhe der Stadt niemals von uns gestört wor⸗ en sind;
Daß so viele Beweggründe für uns, die von dem Konsul Frankreichs, Herrn Pichon, angenommenen feindseligen Maßregeln zur Zerstörung unserer Organisation unbegreiflich machen;
Daß wir nicht begreifen, warum man, da wir weder die Würde unserer Fahne, noch die Ehre unserer Kokarde, noch die Franlreich schuldige Achtung gefährdet haben, will, daß wir auf unsere Fahne, auf unsere Kokarde und auf den Titel unserer Legion Verzicht leisten;
„ Daß wir eben so wenig begreisen, daß der Konsul Pichon die vrienta⸗ c. n gegen Frankreich verantwortlich macht für den Vollzug einer solchen Maßregel, während es notorisch ist, daß die besagte Regierung durchaus keinen direlten Theil genommen hat an unserer Bewaffnung; Daß indeß, da der Konsul Pichon unter seiner Verantwortlichkett im Namen des Königs gesprochen hat, und unser Respelt vor dem Oberhaupte der vve- be⸗ azs 1--8
Andererseits aber die Ruhe, das gegenwärtige Interesse, und vielleicht das zukünstige Geschick der Republik (des ragga) 275 eklatanten 8* weis unserer Sympathieen erheischen;
welche Herrn Villemain nur die Gelegenheit zu einer siegreichen Replik
Die Meinung der gerechten und redlichen Maͤnner unseres eigenen