oder Gemeinde⸗Colléges sollen verwendet werden dürfen, deren Prin⸗ zipale und Regenten von dem Minister ernannt würden.
Die Herren Merilhou und von Barante verlangten, daß es den Städten nach vorgängiger Ermächtigung dazu von Seiten des Ministers des öffentlichen Unterrichts gestattet sein solle, mit Chefs von freien Unter⸗ richts Anstalten oder Pensionen ein Abkommen zu treffen und ihren Anstal⸗ ten Gelder oder Gebäulichkeiten der Gemeinde zuzuwenden. 8
Der Minister des öffentlichen Unterrichts aber erklärte sich egen die Begünstigung von dergleichen Uebereinkünften, die gewöhnlich nur der Speculation zum Vorschub dienten, während die Studien dadurch be⸗ nachtheiligt würden und dies leicht den Ruin mancher Gemeinde⸗Colléges herbeiführen könnte. b
Zwischen diese beiden sich widerstreitenden Ansichten trat nun die
Kommission vermittelnd ein. Die Ertheilung des Rechts zu einer Aenderung in der Bestimmung der Gebäude wurde verweigert, da⸗ gegen Geldunterstützungen für zulässig erklärt, falls die Genehmigung dazu von den Ministern des Innern und des öffentlichen Unterrichts gegeben würde. Die Königlichen Ordonnanzen, durch welche der⸗ gleichen Gewährungen von Geldunterstützungen bereits geregelt sind, bleiben in voller Kraft und Anwendung wie bisher fortbestehen. Durch den Artikel 42 werden alle Verfügungen der Gesetze, Dekrete und Ordonnanzen rücksichtlich der Anstalten für den Sekundär⸗Unter⸗ richt, die mit den Vorschriften des gegenwärtigen Gesetzes im Wider⸗ spruche stehen sollten, als abgeschafft erklärt. Hiermit war die Reihe der Artikel erschöpft, als der Marquis von Barthelemy noch durch ein Amendement die Abschaffung der Abgabe an die Universität bean⸗ tragte. Diese Abschaffung wird zwar allgemein gewünscht, die Kam⸗ mer hielt es aber nicht für zulässig, auf solche Weise eine rein finan⸗ zielle Bestimmung in ein Unterrichts⸗Gesetz einschwärzen zu lassen und der Antrag wurde daher, als nicht hierher gehörig, zurückgewiesen, veeas die Annahme des ganzen Gesetzes mit 85 gegen 51 Stimmen erfolgte.
Deputirten⸗Kammer. Sitzung vom 24. Mai. Nach dreitägigen Debatten ist der Gesetz⸗Entwurf, wonach der Betrieb der bereits gebauten Eisenbahn zwischen Montpellier und Nismes durch Licitation an eine Privat⸗Gesellschaft in Pacht gegeben werden soll, heute mit 190 gegen 60 Stimmen angenommen worden. Mehrere Mitglieder machten auf den Fall aufmerksam, daß gar keine Com⸗ pagnie sich fände, die ein genügendes Gebot machte. Für diesen Fall wurde mit Zustimmung des Ministers der öffentlichen Bauten fest⸗ gestellt, daß alsdann die Regierung den Betrieb übernehmen und die⸗ selben Tarife beibehalten solle, welche durch den Gesetz⸗Entwurf für diese Bahn genehmigt sind. Es kam sodann der Vorschlag des Herrn Cousture zur Berathung, der zum Zweck hat, die Befugniß zur Veränderung des politischen Domizils unter einer einzigen Bedingung zu bewilligen, nämlich die Entrichtung von 50 Fr. direk⸗ ter Steuer in dem Bezirk, wo man in Zukunft seine Wählerrechte ausüben will. Herr von Larey bekämpfte den Vorschlag nicht nur an sich selbst, sondern auch, weil er denselben zu umfassend fand. Er wünschte, daß die Wahl wieder am Hauptort und in zwei Ab⸗ stufungen stattfüände. Bei diesem Wunsch aber erscholl, sowohl von der äußersten Linken, wie aus den Reihen der Majorität, laut und zahlreich der Ruf: Niemals! Herr Laurence, Mitglied der Kom⸗ mission, welcher mit Prüfung des Gesetz⸗Entwurfs über die zur Siche⸗ rung der Wahlfreiheit geeigneten Mittel beauftragt ist, erklärte, er habe sich im Laufe dieser Untersuchung von der Nothwendigkeit des von ihm in Gemeinschaft mit den Herren Cousture und Paltereau⸗ Villeneuve gemachten Vorschlages überzeugt. Er führte den Bezirk von Montpellier extra muros als Beispiel von den zahlreichsten Do⸗ mizil⸗Veränderungen an, die dort zu Hunderten vorgenommen worden seien. Herr Odilon Barrot erklärte mit wenigen Worten, daß er gegen die Erwägung des Vorschlages nichts einzuwenden habe und
ab zu verstehen, daß dieser erste Reform⸗Versuch zu wichtigeren Vor⸗ chlägen führen könne. Herr von Laroche⸗Jacquelin widersetzte sich dem gestellten Antrage eben so wenig, erging sich aber in solchen Abschweifungen, daß der Präsident sich genöthigt sah, ihn zur Ord⸗ nung zu rufen. 1
„Man hat“, sagte der Redner, „in diesen Mauern geradezu erklärt, die National⸗Repräsentation sei eine bloße gesetzliche Täuschung, und wir sollten nicht befugt sein, gegen einen solchen Zustand zu protestiren und die möglichst vollständige Verwirklichung eines Rechts zu verlangen, welches für uns keine Täuschung, sondern eine Wahrheit ist! Wir sind hier Alle in eine sonderbare Lage versetzt. Jede Partei schreit wechselsweise auf dieser Rednerbühne über Käuflichkeit und Bestechung bei den Wahlen. Man spricht von Reform und will doch keine, sondern möchte Frankreich mit ver⸗ rotteten Burgflecken bedeckt sehen. Unter dem bestehenden Wahlgesetz kann es nur Seelenkäufer und Verkäufer geben.’ Der Präsident: Diese Worte greifen den National⸗Charakter selbst an. Ich rufe Sie zur Ordnung. Herr von Laroche⸗Jacquelin: Die Wahl⸗Untersuchungen beweisen, was ich gesagt. Man bellagt sich, daß es möglich sei, durch einige Centimes Steuern in ein Wahl⸗Kollegium einzudringen, aber ich kann dem bestehenden Gesetz umgekehrt vorwerfen, daß es den Wähler ausschließt, dem nur 12 Cent. fehlt, um seine Steuer von 200 Fr. vollzumachen. Ich sagte neulich, bei Gelegenheit des Patentgesetzes, das Ministerium habe eine Thorheit begangen, denn es vermindere die Zahl der Wähler, aber die Thorheit ist nicht so groß, als ich im ersten Augenblick glaubte. Mit eurem Patentgesetz könnt ihr zum Wähler machen wen ihr wollt, denn es ist eine Repartitions⸗Steuer, und ihr braucht dieselbe blos nach Willkür um 1 Cent. zu erhöhen oder zu verringern, so könnt ihr Wähler beseitigen und andere neue an ihre Stelle schaffen. Offenbar, meine Herren, muß das Wahlge⸗ setz geändert werden; meiner Ansicht nach sind wir hier nur eine Repräsen⸗ tation von Notablen, nichts anders; für wahrhaft national kann ich aber nur eine solche Kammer halten, die von allen denen ernannt ist, welche die Steuer des Blutes und des Geldes entrichten.
Herr von Larcy: Ich kann nicht anders als dem Vorschlage des Herrn Cousture mich widersetzen, weil ich darin eine völlige Revolution erblicke. Der Horizont des Wählers ist schon viel zu eng, man darf ihn nicht noch mehr einschränken. Der Wähler eines Deputirten hat nur auf allgemeine Interessen zu sehen. Der Franzose ist überall zu Hause, wenn es sich von den Interessen Frankreichs handelt. Dem Wähler, der den De⸗ putirten zu ernennen hat, und dem Deputirten selbst, ist kein besonderes Interesse anvertraut. Wir sind Alle die Repräsentanten Frankreichs und nicht dieses oder jenes Bezirks. Diesen Charakter muß auch der Wähler mit uns theilen.
„Ddie Kammer entschied indeß fast einstimmig, daß der Vorschlag in Erwägung gezogen werden solle.
Paris, 25. Mai. Die Minister der auswärtigen Angelegen⸗ heiten und der Marine waren gestern zu Neuilly mit dem Könige in Berathung. Man glaubt, daß es sich um die Broschüre des Prin⸗ zen von Joinville und um die in Folge derselben in der Deputirten⸗ Kammer zu erwartenden Debatten gehandelt habe. Herr Thiers hatte gestern eine lange Konferenz mit dem Grafen Molé. Daß Herr Thiers bei der Schrift des Prinzen von Joinville seine Hand mit im Spiel gehabt, indem er zur Publication derselben gerathen, wie schon das Journal des Débats indirekt andeutete, da es von einer Intrigue gegen das Ministerium sprach, zu deren Werk⸗ zeug der Prinz gemacht worden, will man noch mehr aus der Art und - entnehmen, wie sich der Constitutionnel, das Organ des Herrn Thiers, über die Broschüre ausspricht. Dieses Blatt nennt den Artikel des ministeriellen Organs eine impertinente Zu⸗ rechtweisung und legt das vorhergegangene mehrtägige Schweigen desselben so aus, als habe man erst abwarten wollen, was England zu der Note des Prinzen sagen werde. „Wird denn nicht“, fragt
dann das Thierssche Blatt mit emphatischer Entrüstung, „das Natio⸗ nalgefühl sich zuletzt doch noch erheben? Der Prinz ist jung, hitzig, empfindlich, wo es die Ehre des Landes gilt; sein patriotischer Sinn reißt ihn fort; bildet man sich etwa ein, Frankreich habe keinen Jugendmuth mehr und sei nicht wie sonst durchglüht von edlem Stolze? Wenn ein Sohn des Königs die Geduld verliert, wie lange wird Frankreich noch gelassen zusehen?“ Der Constitutionnel scheint hierbei nur übersehen zu haben, daß der Prinz von Joinville sich in seiner Schrift wiederholentlich dagegen verwahrt, als ob er etwa feind⸗ selige Gedanken gegen England hege, indem er mit besonderer Beto⸗ nung stets darauf zurückkömmt, daß er nur hypothetisch spreche, wenn er einen Krieg mit England setze, und die für einen solchen Fall her⸗ zustellende Organisation der französischen Seemacht zu empfehlen und zu vertheidigen. Ueber die Reise des Prinzen von Joinville nach Compiègne fährt man fort, sich in Muthmaßungen zu ergehen, und es wird unter Anderem behauptet, er sei von dem Könige auf einen Monat dorthin verwiesen worden.
Der Herzog von Nemours wird sich nächste Woche nach Metz begeben.
Der Moniteur meldete vorgestern unter den Hofnachrichten, ohne daß bis jetzt von einer erfolgten Standes⸗Erhöhung Victor Hugo's etwas im Publikum verlautet, geschweige eine offizielle An⸗ zeige davon geschehen wäre, der Graf Victor Hugo sei vom Könige empfangen worden. 1
II Paris, 25. Mai. Die heutige Sitzung der Deputirten⸗ Kammer war der Berichterstattung über Petitionen gewidmet.
Herr von Lasteyrie berichtete zuvörderst über die Bittschrift eines gewissen Herrn von Comnene zu Paris, der Maßregeln zur Verbesserung des Zustandes des Departements Korsika vorschlägt. „Die Kommission war betroffen über die der Verwaltung des Präfekten gemachten Vorwürfe“, sagt der Berichterstatter, „dieselben betreffen Akte der Bestechung und Fälschung. Das Ministerium hat in der That eine Untersuchung angeordnet, die aber kein Resultat lieferte. Allein das Benehmen des Präfekten von Korsika scheint der Art, daß es der Achtung Eintrag thut, mit welcher die Verwal⸗ tung umgeben sein muß. Deshalb schlägt die Kommission die Verweisung der Petition an den Minister des Innern vor.“
Der Minister des Innern drückte sein Erstaunen darüber aus, daß man, ohne irgend einen Aufschluß von dem Minister verlangt zu haben, im Namen der Kommission von dieser Tribüne aus Anklagen und Beschuldigun⸗ gen gegen das Verhalten eines hohen Staatsbeamten schleudere, eines Be⸗ amten, dem die Verwaltung eines der Departements von Frankreich anver⸗ traut sei. Der Staatsrath habe einmüthig die Ermächtigung zur gericht⸗ lichen Verfolgung des bezeichneten Beamten verweigert, und er müsse auch seinerseits die auf so leichtfertige, so befremdliche Weise (Murren) auf diese Tribüne gebrachten Anklagen zurückweisen.
Herr von Lasteyrie sucht inmitten des allgemeinen Lärms die stren⸗ gen Worte seines Berichts und die Meinung der Kommission zu recht⸗ fertigen. (Aufregung.)
Herr Pascalis bemerkt, eine andere Petition, über welche Herr Martin Berichterstatter sei, liege bereits vor, und der unverzügliche Bericht über diese Petition könnte vielleicht einiges Licht auf jene Angelegenheit werfen.
Herr Martin (du Rhone) besteigt die Tribüne und erstattet Bericht
über eine Petition, durch welche Einwohner der Stadt Bastia die Dazwischen⸗ kunft der Kammer verlangen, um Mißbräuchen ein Ende zu machen, deren die Verwaltung des Departements Korsika sich schuldig machen soll. Der Berichterstatter widerlegt in seinem Bericht fast alle in dieser Petition, wie in der vorangegangenen, angeführten Beschwerden. Er zeigt, daß der Parteigeist offenbar die Haupttriebfeder bei diesen Anklagen sei, und daß uͤber die Punkte, welche noch nicht genau ermessen werden könnten, eine Untersuchung in der Verwaltung eingeleitet und im Fortgange begriffen. Billigkeit und Wahrheit geböten, sich jedes Urtheils über diese Punkte zu enthalten, besonders in Betracht der vielen Lügen und Verleumdungen, die bereits nachgewiesen seien. Die Verwaltung des gegenwärtigen Präfekten von Korsika sei in vielen Beziehungen zu beloben. Könne man aber sich verwundern über Angriffe gegen ihn in einem Lande, wo die politischen Leidenschaften, gleich allen anderen Leiden⸗ schaften, einen so hohen Grad von Gährung und Heftigkeit erreicht. Der Berichterstatter führt mehrere der vorgebrachten Anklagen an, prüft sie und zeigt durch offizielle Aktenstücke ihre Grundlosigkeit. Deshalb schlägt die deren Organ er ist, der Kammer vor, zur Tagesordnung über⸗ ugehen. Der Minister des Innern bemerkt, die Kammer habe zwei wider⸗ sprechende Berichte gehört. Da die Frage einmal angeregt worden, so müsse sie auch auf eine befriedigende Weise erledigt und erschöpft werden. Auf daß man Zeit habe, sie von der einen Seite wie von der anderen zu instruiren, damit keine Ueberraschung stattfinden könne, verlange er die Fort⸗ setzung der Diskussion für nächsten Sonnabend. (Allgemeine Zustimmung und Beifall.)
Darauf kam die Diskussion über das Verlangen der Ermächti⸗ gung zu gerichtlicher Verfolgung gegen den Deputirten Herrn Au⸗ mont⸗Thieville an die Tagesordnung. Dieser besteigt die Tri⸗ büne, giebt einige Aufklärungen über die Natur der Anschuldigungen, die man gegen ihn richtet, und bittet die Kammer, die verlangte Er⸗ mächtigung zu ertheilen. (Man ruft: Nein! Nein!) Die Fälschung, der man ihn anklage, würde für ihn keinen Nutzen, keinen Gewinn gebracht haben. Die Anklage sei aber schwer, und müsse bis aufs Aeußerste getrieben werden. Der Präsidentverliest das Kommissions⸗ Gutachten, welches darauf hinausgeht, die von dem General Desfour⸗ neaux verlangte Ermächtigung nicht zu gewähren. Die Kammer nimmt fast einmüthig dieses Gutachten als ihren Beschluß an.
*. Paris, 25. Mai. Die Unterrichtsfrage ist gestern vor dem Forum der Pairs⸗Kammer erledigt worden und wird nun vor das der Deputirten⸗Kammer gelangen. Mit voller Sicherheit ist voraus⸗ zusehen, daß der Klerus das, was er in der Pairs⸗Kammer provisorisch gewonnen, vor der Deputirten⸗Kammer wieder verlieren wird. Es wird von neuem die Frage zur Erörterung kommen, ob die Unter⸗ scheidung zwischen Universität und Staat zweckmäßig, ob es gut ist, wenn das Lehrer⸗Personal bei der Zusammensetzung der Prüfungs⸗ Juries in der Minderheit bleibt und die Staats⸗Colléges und Privat⸗ Unterrichts⸗Anstalten von verschiedenen Jurisdictionen abhängen, und ob dem Klerus nicht durch die kleinen Seminarien ein Einfluß ein⸗ geräumt ist, der leicht gemißbraucht werden könnte. Diese Entschei⸗ dung der Deputirten⸗Kammer wird übrigens schwerlich mehr in der jetzgen Session erfolgen, welche abgelaufen sein wird, ehe auch nur der Bericht der Kommission der Kammer, die das Gesetz vorläufig zu prüfen hat, vorgelegt werden kann. Die Herren St. Marc Girardin, Abraham Dubois und Andere, die in der De⸗ putirten⸗Kammer als die Verfechter und Vertheidiger der Interessen des Staats und der Universität, den Uebergriffen des Klerus gegen⸗ über, dieselbe Rolle übernehmen werden, wie sie Herr Cousin in der Pairs⸗Kammer mit mehr Muth und Kraft als Erfolg durchgeführt hat, werden sonach Zeit genug haben, ihre Waffen bis zur nächsten Session zu stählen. Nicht zu verkennen ist, daß bei der Debatte in der Pairs⸗Kammer der Minister des öffentlichen Unterrichts große Nachgiebigkeit und Fügsamkeit bewiesen hat. Der Großsiegelbewahrer aber ist darin noch viel weiter gegangen, so daß das so einflußreiche Journal des Doébats sich wiederholentlich mit offenem Tadel über ihn ausgesprochen hat. Nach einer solchen Sprache dieses Blattes käme der Rücktritt desselben durchaus nicht unerwartet, und wirklich spricht heute der Univers nicht nur von dem des Herrn Martin du Nord, sondern auch von dem des Herrn Villemain, mit dem Beifü⸗ gen, daß Herr Dumon, jetzt Minister der öffentlichen Arbeiten, das Portefeuille der Justiz und des Kultus übernehmen, oder, nach einer
anderen Version, der jetzige General⸗Prokurator und Deputirte Herr
Hebert dieses Departement, Herr Rossi oder Graf Montalivet aber das des öffentlichen Unterrichts übernehmen würde. Vorläufig sind dies indeß noch bloße Gerüchte, deren Begründung abzuwarten ist.
Grossbritanien und Irland.
London, 25. Mai. Der Hof ist vorgestern nach Claremont abgereist, woselbst die Königliche Familie gestern den 25sten Geburts⸗
tag Ihrer Majestät der Königin ziemlich still beging. Auch die Die⸗
nerschaft in Windsor und die in den Königlichen Gärten beschäftigten Personen feierten nicht wie sonst alljährlich dies Fest, indem in Folge des neuerdings eingeführten Sparsamkeits⸗Systems die üblichen Ge⸗ schenke und Bewirthungen unterblieben waren.
Der sogenannte Privilegien⸗Ausschuß des Oberhauses hat in diesen Tagen die Verhandlungen über die von der Königin ihm über⸗ wiesene Petition des Sir Augustus d'Este, worin derselbe bekanntlich seine Ansprüche auf den Rang, den Titel und die Würde seines ver⸗ storbenen Vaters, des Herzogs von Sussex, Grafen von Inverneß und Baron von Arklow geltend macht, wieder aufgenommen. Der Anwalt des Petenten, Sir Thomas Wilde, suchte vorgestern vor dem Ausschusse in einer ausführlichen Deduction diese Ansprüche als recht⸗ mäßig zu erweisen, konnte indeß noch nicht die Entscheidung der Lords erlangen, welche vielmehr die weitere Verhandlung der Sache bis auf unbestimmte Zeit aussetzten. Sir Augustus d'Este ist der einzige Sohn des Herzogs von Susser und der Lady Augusta Mur⸗ ray, Tochter des Grafen Dunmore, mit welcher der Herzog ohne Wissen und Willen Königs Georg III. im Jahre 1793 zu Rom sich vermählte, und seine Successionsrechte würden an sich keinem Zweifel
unterliegen, da die Gültigkeit jener Ehe unbestritten ist, wenn nicht nach einem Statute, der sogenannten Royal Marriage Act, 12. II., die Vermählung der Prinzen des Königlichen
Georg III. c. zen 8 che Hauses von der Zustimmung des Königs abhängig wäre. König
Georg III. aber hat, wie der Petent selbst sagt, diese Vermäh⸗ lung „gemißbilligt“ und sich immer bemüht, die Auf lösung
der Ehe zu bewirken. Da alle derartige Versuche indeß an den Willen des Herzogs scheiterten, welcher bis ans Lebensende die Validität seiner Ehe behauptet und den Petenten immer als
legitimen Sohn „Prinzen Augustus Frederick“, worüber schriftliche Beweise vorliegen, betrachtet hat, so glaubt Sir Thomas Wilde auf
Grund dieses Umstandes um so mehr die Rechtmäßigkeit der Ansprüche
seines Klienten erweisen zu können, als Sir Augustus d'Este wenig-⸗
stens keine Schuld an der Nichtanerkennung der Ehe seines Vaters
trage. Man beschäftigt sich gegenwärtig viel mit dieser Frage, und
ist gespannt auf die Entscheidung der Lords.
Die Verhandlungen des Parlaments während der beiden letzten
Tage waren unbedeutend. Die heute begonnenen Pfingstferien, so wie die gegenwärtig stattfindenden Pferderennen zu Epsom, ließen kaum die beschlußfähige Anzahl von Mitgliedern sich versammeln. Im Oberhause hielt Lord Brougham vorgestern die Geschäfte des Hauses länger als 3 Stunden durch ein hitziges Wortgefecht mit dem
Marquis von Clanricarde auf, der die Zulässigkeit einer Klausel
zu der vorliegenden Lancaster⸗Carlisle⸗Eisenbahnbill bestritt, während
Lord Brougham, dessen Privat⸗Interesse angeblich dabei betheiligt V
sein soll, mit der ganzen Heftigkeit seines Wesens aber vergebens die Annahme der Klausel befürwortete. — Im Unterhause suchte vor⸗ gestern und gestern die radikale Partei vorzugsweise ihre Doktrinen geltend zu machen. Herr Hume beschwerte sich über die hohen Ge⸗ bühren, welche bei Rangerhöhungen und Ordens⸗Verleihungen den Beamten gezahlt würden und dem Lande zur Last fielen; er gründete darauf einen Antrag zur Abschaffung derselben, der indeß ohne Abstim⸗
mung verworfen wurde. Herr Berkeley beschwerte sich über die Polizei⸗ Maßregeln, welche die Regierung in Epsom während der Pferderennen gegen die Volks⸗Belustigungen getroffen habe, wurde indeß von Sir
James Graham dahin bedeutet, daß die Regierung nur die Be⸗ stimmungen des Gesetzes gegen das Spiel in Ausführung bringe, das in Epsom zu einer beklagenswerthen Ausdehnung um sich gegriffen habe. — Die von Sir R. Peel eingebrachte Bank⸗Reform⸗Bill er⸗ hielt gestern die erste Lesung, worauf die Voranschläge für das Ko⸗ lonial⸗Departement berathen wurden. Das Haus vertagte sich bis zum 30sten d. M.
Aus Guernsey meldet man die Ankunft der dorthin beorderten Truppen, welche bis auf 1000 Mann verstärkt werden sollen. Ueber die Verwendung derselben verlautet indeß nichts Bestimmtes.
Das Urtheil des dubliner Gerichts in dem Prozesse O'Connell's war bis auf die gestrige Sitzung aufgeschoben worden, über welche die morgende Post die näheren Berichte bringen wird.
UNirderl anwee.
Aus dem Haag, 25. April. Es ist der zweiten Kammer der General⸗Staaten ein Gesetz⸗Entwurf zur Einlösung und Um⸗ tauschung nationaler Schuld⸗Effekten vorgelegt worden. Man beab⸗ sichtigt, ein neues vierprocentiges Großes Buch anzulegen, die 5proc. Certifikate, so wie die 5proc. ostindischen Losrenten, al pari einzulö⸗ sen oder gegen neue 4proc. Schuld⸗Effekten umzutauschen. Später soll gleiche Einlösung und Umtausch der 4 ½proc. Syndikats und ande⸗ rer über 4 Ct. Zins tragenden Effekten erfolgen. Die neuen 4proc. Schuld⸗Effekten sollen nicht unter 95 ausgegeben, die Summen, welche man in Folge des Anlehens von 127 Millionen disponibel er⸗ hält, zur Schuld-Einlösung bestimmt werden. Zugleich wird bean⸗ tragt, 80 Millionen 2 9ů proc. belgische Inscriptionen zum Preise von 59 ½ zu Geld zu machen. Später soll in gleicher Weise über die noch übrigen 80 Millionen 2 ½ůproc. belgische Inscriptionen verfügt werden.
B/ lg ien.
Brüssel, 20. Mai. Der König von Sachsen ist gestern Nach⸗ mittags in Brüssel eingetroffen und im Hotel de Bellevue abgestiegen, wo der König der Belgier gleich darauf dem hohen Gast einen Be⸗ such machte. Abends speiste dieser mit König Leopold in dessen Palast.
Schweiz.
Lavey, 21. Mai. Das (bereits gemeldete) Gefecht, welches heut früh beim Passe von Trient stattgehabt, entstand dadurch, daß die ganze Kolonne der Unterwalliser sich nach St. Moritz zurückziehen wollte. Der Kampf dauerte lange. Etwa 400 Mann gelang es, unter einem lebhaften Feuer das Wasser, das ihnen bis an die Hüfte ging, zu durchwaten, die übrigen, etwa 200, gingen nach Martinach zurück. Als sie sich hier von allen Seiten umringt sahen, zerstreuten sie sich und suchten, jedoch ohne große Hoffnung, einzeln zu entkom⸗ men. Barman und Joris gehörten zu dieser Truppe, der Letztere hatte eine leichte Wunde an der Stirn. Man weiß noch nicht, was aus ihnen geworden ist. Die Sache des Unterwallis ist gänzlich entschieden und der Kampf selbst zu Ende. Der nach dem Posten von Trient gesandte Parlamentär, welcher für den waadtländischen Abgeordneten, Herrn Ruchet, den Durchpaß verlangen sollte, ist abgewiesen worden. Ein zweiter Versuch wurde gemacht, dessen Erfolg man noch gewärtigt.
Die waadtländischen Freiwilligen, welche vor St. Moritz standen, sind auf die an sie ergangenen dringenden Vorstellungen zurückgekehrt; der Präfekt hat Befehl gegeben, keinen bewaffneten Mann über die Gränze zu lassen. Man bringt die Verwundeten beider Parteien in
das Spital; ihre Zahl ist 16, die der Todten soll etwa 20 betragen. Zwei waadtländer Aerzte sind nach Trient abgegangen, um die Ver⸗ wundeten der Oberwalliser zu besorgen. Diese glauben, daß sie morgen St. Moritz besetzen werden, und es dürfte sich die Occupa⸗ tion über ganz Unterwallis ausdehnen.
9 Uhr Abends. Der Posten⸗Kommandant bei Trient hat ge⸗ antwortet, er werde Herrn Ruchet ohne höhere Befehle nicht durch⸗ lassen. Morgen wird noch einmal der Versuch wiederholt werden. Es scheint, daß die Truppen des oberen Wallis sich mit dem Posten von Trient vereinigt haben, um nach St. Moritz vorzurücken. Die Eisenwerke von Ardon sind beim Abzuge der Unterwalliser nicht an⸗ gezündet worden, überhaupt hat sich mit Ausnahme des Anzündens der Rhone⸗Brücken und einiger Häuser von Verneyres durch die junge Schweiz, keiner der früher gemeldeten Brände bestätigt.
Der Abt von St. Moritz begab sich zu den Siegern von Trient, um vexeg Blutvergießen zu verhindern und den Frieden zu ver⸗ mitteln.
Die einberufene Reserve ist heute wieder entlassen worden.
Zlürich, 24. Mai. Am vorigen Dienstag ist, dem Republi⸗ kaner zufolge, Weitling aus dem Gefängnisse nach Schaffhausen und von da über die badische Gränze transportirt worden.
Ueber die unmittelbare Ursache des Bürgerkrieges im Wallis kann man natürlich noch nicht im Klaren sein; eine Anzahl von Um ständen scheint aber dahin zu deuten, daß sie im (deutschen) Ober⸗ wallis und in den Führern der Priesterpartei zu suchen sei. Ent⸗ schieden ist, daß die Oberwalliser den ersten Schritt thaten und sich gegen das (französische) Unterwallis, wo namentlich Advokaten an der Spitze stehen, in Bewegung setzten, bevor sie von der obersten Landes⸗ Behörde und in gesetzlicher Form eine Aufforderung zu einem solchen Schritte erhalten hatten.
Bern hat bis jetzt noch nicht die Einberufung einer außerordent⸗ lichen Tagsatzung verlangt.
Basel, 25. Mai. Ein Beiblatt zum Schweizer Beobach⸗ ter vom gestrigen Tage meldet, daß der waadtländische Abgeordnete, Herr Staatsrath Ruchet, endlich vom Kommandanten Jost die Er⸗ [aubniß erhalten habe, Trient zu passiren, worauf er mit dem Obersten Bontems nach dem Wallis abgereist sei.
Die Regierung von Wallis protestirt in einem neueren Schreiben an die Regierung von Waadt aufs feierlichste gegen jede Interven⸗ tion; es ist daher sehr zu bezweifeln, daß die waadtländer Bataillone ins Wallis einrücken werden.
v111““ Paris, 24. Mai. Telegraphische Depesche aus Spanien. „Beayonne, 23. Mai. Die beiden Königinnen und die Infan⸗ tin sind am 20. Mai Morgens von Madrid nach Barcelona abge⸗ reist. Der General Narvaez begleitet sie.
** Paris, 25. Mai. Barcelona ist voll von der Erwar⸗ tung der Ankunft der Königlichen Familie, welche wahrscheinlich gestern in der catalonischen Hauptstadt eingetroffen sein wird. Der General⸗Capitain, Baron de Meer, hat seinen Palast geräumt, um ihn zum Empfang der Königinnen in Stand setzen zu lassen, die Konsuln von England und Frankreich lassen prachtvolle Wohnungen für die Gesandten ihrer Nationen herrichten, und das Ayuntamiento hat auf Veranlassung der Regierung Anstalten getroffen, eins der öffentlichen Gebäude zur Aufnahme der übrigen diplomatischen Be⸗ gleitung des Hofes einzurichten. Alle diese Zurüstungen haben augen⸗ blicklich wieder einiges gewerbliches Leben in die catalonische Haupt⸗ stadt gebracht, in welcher die regelmäßige Industrie noch immer in der drohendsten Stockung begriffen ist. Die Zahl der des Dienstes entlassenen Fabrik⸗Arbeiter beläuft sich auf viele Tausende, und es begreift sich leicht, daß das Vorhandensein einer solchen Masse brod⸗ loser Menschen den Wünschen und Entwürfen der unruhigen Köpfe, an denen es in Barcelona noch immer nicht mangelt, einen gefährlichen Vor⸗ schub leistet. Der General⸗Capitain hat sich, im Interesse der öffentlichen Ruhe, veranlaßt gesehen, mehr als hundert Personen eigenmächtig aus Barcelona zu entfernen, indem er ihnen Pässe nach verschiedenen Punkten Spaniens und selbst nach dem Auslande zustellen ließ, mit dem peremtorischen Befehle, sich binnen 24 oder 48 Stunden auf den Weg zu machen. Es ist natürlich, daß durch solche Gewalt⸗ streiche, welche das Leben ganzer Familien zerrütten müssen, die Be⸗ völkerung nicht gerade freundlicher gegen die Regierung und ihre Gewaltträger gestimmt wird. In mehreren anderen Städten des Fürstenthums, namentlich in Reus und Tarragona, sind ähnliche Maß⸗ regeln getroffen worden. Wirksamer zur Beschwichtigung der Unzu⸗ friedenheit und zur Erleichterung der öffentlichen Noth ist es ohne Zweifel, daß die Ueberwachung der Küsten verschärft ist, und daß der Schmuggelhandel theilweise mit Glück bekämpft wird. Leider tritt an die Stelle desselben das erneute Unwesen karlistischer Banden, welche im Innern der Provinz Schrecken und Jammer verbreiten, und von denen man Handlungen der Barbarei erzählt, die selbst in Spanien unerhört sind.
SIa.
O Paris, 25. Mai. Mit dem letzten orientalischen Dampf⸗ boot erhalten wir aus Beirut vom 3. Mai die Nachricht, daß ganz Syrien im Aufstand begriffen ist. Außer den Streitigkeiten zwischen den Drusen und den Maroniten hat die Pforte durch ihre gewalt⸗ same Soldaten⸗Presse den Haß der osmanischen Bevölkerung von Syrien auf sich gezogen. Ende des verflossenen Monats langte der Seriasker Namik Pascha aus Konstantinopel in Beirut an, um auf die nämliche Art, wie Risa Pascha es unlängst in Stambul gemacht hatte, die jungen Leute in den Moscheen festzunehmen und sie dann in die Armee einzureihen. Essad Pascha, Gouverneur von Beirut, stellte dem Seriasker vor, daß, wenn man damit in Beirut beginnen wollte, die jungen Leute in den inneren Provinzen Syriens Zeit gewinnen würden, sich durch die Flucht ins Gebirge zu retten, wo man sie nicht mehr
1*
Bekanntmachungen. [576 b] NETq1111ö3“3““
Alle und Jede, welche an das Gut Varnkevitz und an die Kossatenstelle zu Varnlütkevitz, beide auf der Halbinsel Wittow belegen, Ansprüche und Forderungen haben, werden auf den Antrag des Kommerzienraths F. A. Spalding zu Stralsund, als Käufer dieser Grundstücke, zu deren Anmeldung und Beglaubigung in einem der folgenden Termine:
am 11. und 28. Juni oder 19. Juli d. J., Morgens 10 Uhr, vor dem Königl. Hofgericht, bei Strafe der am 8. August c. zu erkennenden Präklusion, hiermit aufgefordert. Die vollständigen Ladungen sind den Stralsundischen Zeitungen inserirt, auf welche hier des Weiteren wegen Bezug genommen wird.
Datum Greifswald, den 14. Mai 1844.
Königl. preuß. Hofgericht von Pommern und Rügen.
L. S.) Möller, Praese
[698]
worden.
den soll.
Der durch die Ediktal⸗Citation vom 9. April 1840 vorgeladene, von hier entwichene Weinhändler Carl Au⸗ gust Neumann ist in dem 29. Juli 1840 angestande⸗ nen Termine nicht erschienen und deshalb in contuma- ciam wegen betrüglichen Bankerutts zu dem Verlust des Rechts, die preußische National⸗Kokarde zu tragen, und zu sechsjähriger Strafarbeit außerordentlich verurtheilt
Dies wird dem Neumann statt der Publication mit dem Bemerken bekannt gemacht, daß nach Ablauf der ihm zustehenden vierwöchentlichen Restitutionsfrist die Strafe, sobald man seiner habhaft wird, vollstreckt wer⸗
Berlin, den 23. Mai 1844. Aiarh; Königliches Kriminalgericht hiesiger Residenz.
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ereilen könnte. Dem vorzubeugen, beschloß Namik Pascha, sich zu⸗ erst nach Damaskus und dann nach Aleppo zu begeben, um sein Pro⸗ jekt auszuführen. Aber in Aleppo war unterdessen ein gefährlicher Streit zwischen den Einwohnern der Stadt und den Parteigängern der Janitscharen ausgebrochen, welcher in einen blutigen Bürgerkrieg auszuarten droht. Bei der Nachricht, daß Namik Pascha nach⸗Aleppo kommen wolle, um die Ruhe herzustellen, haben die Einwohner be⸗ schlossen, die Stadtthore zu verrammeln und um keinen Preis die Truppen des Seriaskers hereinzulassen.
In Tripolis hat wenige Tage vor der Abfahrt des letzten Dampf⸗ bootes ein blutiges Gefecht zwischen den dortigen Einwohnern und den türkischen Mauth⸗Soldaten stattgefunden. Die Veranlassung dazu wurden die Erpressungen, deren sich die Mauth⸗Soldaten gegen die Einwohner schuldig machen, und wobei sie von dem Gouverneur von Aleppo unterstützt werden. Die Einwohner, darüber erbittert, griffen die Wohnung des Gouverneurs an und begannen eine ordent⸗ liche Belagerung gegen dieselbe. Der Gouverneur, seines Lebens nicht mehr sicher, rettete sich in das Gebäude des britischen Konsu⸗ lats, wo er noch am 3. Mai verborgen lebte. Anstatt Truppen in Syrien auszuheben, wird der Divan sich genöthigt sehen, Truppen⸗ Verstärkungen dahin abzusenden, um die Ruhe herzustellen, was jedoch nicht so bald zu hoffen ist.
Die Lage der syrischen Christen wird täglich bedenklicher. Es ist nur zu sehr erwiesen, daß Essad Pascha selbst die Drusen gegen die Maroniten reizte. Der Divan hatte auf Vorstellung der europäischen Mächte den Maroniten das Recht zuerkannt, einen Schaden⸗Ersatz von 13,000 Beuteln für die von ihnen erlittenen Unbilden zu fordern. Nach dem Rath des Essad Pascha haben die Drusen so eben dem Sultan die Unmöglichkeit vorstellen lassen, jene Summe den Maro⸗ niten auszuzahlen. Sie erbieten sich höchstens, in 12 Jahren 3000 Beutel zu zahlen.
Seitdem Essad Pascha zum Gouverneur von Beirut ernannt worden ist, sind alle Aemter käuflich geworden. Der Gouverneur von Ghasa mußte dem Pascha 300,000 Piaster zahlen, um in seinem Amte belassen zu werden. Mahmud Abd el Kabi erhielt das Muhassetik von St. Jean d'Acre um den Preis von 300,000 Piastern. Die Gerechtigkeit selbst ist käuflich; wer dem Richter die größte Summe anbietet, hat Recht.
Im Libanon herrscht die größte Willkür der türkischen Truppen, die seit einem Jahre dort in Garnison liegen. Sie verüben solche Grausamkeiten, daß in weniger als einem Jahre 54 Maroniten aus Verzweiflung zum Islamismus übertraten, um so dem Hasse der Tür⸗ ken zu entgehen.
Eisenbahnen.
Berlin, 30. Mai. In der Mai⸗Versammlung des Vereins für Eisenbahnkunde trug Herr von Mülmann über den neuesten Verwaltungs⸗ Bericht der Direction der Berlin⸗Frankfurter Eisenbahn⸗Gesellschaft vor. Alsdann sprach Herr Banquier Oppert über die großartigen Bauwerke der Lombardisch⸗Venetianischen Eisenbahn, — namentlich über die Lagu⸗ nenbrücken, über die sehr günstigen Bedingungen, welche diesem Unternehmen vom Staate gestellt sind, über die Frequenz⸗Aussichten und Neigungs⸗Verhältnisse dieser Bahn und über den neuesten Stand der Arbeiten zu ihrer Vollendung. Herr von Malinowski las eine vergleichende Uebersicht der Geschwindigkeit einer Lokomotive mit an⸗ deren bewegten Körpern und einige Bemerkungen zu dem Aufsatze des Herrn Dr. A. Poppe über die Eisenbahn⸗Kurven.
Württemberg. Die Augsb. Allg. Ztg. bringt folgende Nachrichtüber denwürttembergischen Eisenbahnbau: „Nach Mitthei⸗ lungen einiger unserer stuttgarter Korrespondenten hätte eine Kapitalisten⸗ Gesellschaft, an deren Spitze ein berliner Bankhaus, Vorschläge zur Uebernehmung des ganzen Eisenbahnbaues eingereicht, wobei das stete Rückkaufsrecht der Regierung gewahrt bliebe. Darüber werde nun von einer besonders niedergesetzten Kommission berathen. Im Fall irgend darauf eingegangen würde, wäre eine außerordentliche Beru⸗ fung der Stände zu erwarten.“
Mainz, 24. Mai. Dieser Tage geht eine Deputation von hier nach Darmstadt, um dort die Einleitungen zu treffen, die Ge⸗ nehmigung der Staatsregierung für den Bau einer Eisenbahn von hier über Oppenheim und Worms nach Ludwigshafen zu erhalten. Die Deputation wird der höchsten Behörde die Wichtigkeit des Unternehmens und die Dringlichkeit desselben, falls Mainz nicht seinen ganzen Handel verlieren soll, aus einander setzen.
Handels- und Börsen-Machrichten.
Berlin, 30. Mai. Das Geschäft war heute wegen der bedeutenden Regulirungen zur Liquidation sehr geringfügig; die meisten Actien indeß behaupten sich fest im Course.
Paris, 25. Mai. Die französischen Renten gingen an der heutigen Börse entschieden herunter. Es hieß, daß sehr ansehnliche Verkäufe statt⸗ gefunden, um die Geschäfte des Hauses Caccia zu liquidiren. Auch sprach man von der Krantheit des Herrn J. Lafsitte, welche seit einigen Tagen einen besorglichen Charakter angenommen hätte. Die spanischen Fonds sind fortwährend gedrückt.
Auswärtige Börsen.
Frankfurt a. M. , 27. Mai. 5 % Met. 113 8 Bank-Actieu p. ult. 2009. Bayr. Bank-Actien —. Hope 90 Br. Stiegl. 89 ¾ Br. lat. 60 5. Poln. 300 Fl. 94 ⅞. do. 500 Fl. 99 5½. do. 200 Fl. —.
Hamburg, 28. Mai. Bank-Actien 1675. Boagl. Russ. 113 ¼
L. 0 ndon, 24. Mai. Cons. 3 % 99 ½%. Belg. 103 ½. Neue Aul. 24 ½. Pas- sive 5 ½. Ausg. Sch. 13 ½. 2 ½ % IIoll. 61. 5 % do. 100 ½. Neue Port. 46 ½. Engl. Russ. 117 ¼. Bras. 80 ½. chin 102. Colamb. —. Mex. 35 ½¼. Peru 27 ½.
W ien, 27. Mai. Nordb. 144 . Gloggn. 116 ½ Mail. 117. Livorn. 126 ½.
DbIEIIeeqqbö“ 188½* Den 30. Mai 1844. 1 5 — 8 Pr. Cour. ftann. s Pr. Cour Brief.] Geld. Rrief.] Geld.] Gem.
Brl. Pots. Eisenb. 5 170 l do. do. Prior. Obl. 4 1 — Mgd. Lpz. Eisenb. — 195 do. do. Prior. Obl. 4 — Brl. Auh. Eisenb. — 166 ⅔ do. do. Prior. Obl. 4 104 ¼ Düss. Elb. Eisenb. 5 98 do. do. Prior. Obl. 4 99 Rbein. Eisenb. 5 — do. do. Prior. Obl. 4 99 do. v. Staat garant. 3 ½ 98 ⅔ Brl. PFraukf. Bisb. 5 150 ¼ do. do. Prior. Obl. 4 104 ¼ 0 b.-Schles. Eisb. 4 128 ½⅔ do. Lt. B. v. eingez. — 122 — B.-St. E. Et. A u. 3. — 138
3 12 Magd.-Halbst. BE. 4 126 Brl. Schw. Frb. EG. 4 — do. do. Prior. Obl. 4 103 ½
St. Schuld-Sch. 3 ½ 101 100 ⅔ Pr. Engl. Obl. 30. — — Präm Sch. d. Seeh. 88 Kur- u. Neumärk.
Schuldverschr. 32 — Berl. Stadt-Obl. 3 ¼ — Danz. do. in Th. 42v — Westpr. Pfandbr. 4 4 99 ¾ Grossh. Pos. do. 2
do. do. * — Ostpr. Pfandbr. 3 2 ½ 1013 Pomm. do. 3 ½ * 100 ¼ Kur- u. Neum. do. 3 ¾ 100 ¼ Schlesische do.
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Gold al marco. Friedrichsd'or. Aud. Gldm. à 5 Th.
Disconto.
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Pr. Cour. Tblr. 2zu 30 Sgr.
Brief. Geld.
Amsterdam 5 Fl. 141 ½ do. 50 Pl. 2 Mt. 140⅔ Hamburg . ......11““ . Mh. Kurz 3 do. 8 Mb. 2 Mt. London LSt. 3 Mt. Fr. Mt.
Fl. 2 Mt.
Augsburg 50 Fl. 2 Mt. Breslau Thlr. Mt.
2 . 8 Tag Leipzig in Couraut im I4 Thl. Fuss.. rnie. 2 bcaa-
EIIISIVIT5Z5Z“ 100 Fl. V 2 Mt.
Petersburg 100 SRbl. 3 Woch.
Nach einmaliger
1844. Morgeus Nachmittags Abends Beobachtung.
29. Mai. 6 Uhr. 2 Uhr. 10 Uhr.
Luftdruck .. 335,03 Par. 335,42 Par. 334,) 70 Par.] Quellwärme 7,69 R.
.+ 10,1° n. + 15,90 R. + 12,1⁰0 R. Plusswärme 13,90 H.
+ 2,70° n. + 4,1 ° n. + 4,2° R. Bodenwärme 14,0°, R.
54 pCt. 39 pot. V 53 pct. Ausdänstung 0,014 Rb. bedeckt. heiter. Niederschlag 0.
bezogen. Wind 0. 0. 0. Wärmewechsel + 16,2 + 1,8 °9 h.
Wolkenzug. .. — 8 0. — Tagesmittel: 335,07 Par. + 12; ä3 1n
Königliche Schauspiele.
Freitag, 31. Mai. Belmonte und Constanze, Singspiel in 3 Abth., frei bearbeitet nach Bretzner. Musik von Mozart. (Herr Pellegrini wird in der Rolle des Osmin zum vorletztenmale auftreten.) Hier⸗ auf: Zwei Genre⸗Bilder, in englischer und deutscher Sprache, von L. Schneider. Ausgeführt in Dialog, Gesang und Tanz von Dlle. Grünbaum, Dlle. Polin und Herrn Schneider. 1) Ein schottischer Clans⸗Häuptling und sein Sohn. 1715. 2) Hans und Grete. 8
Im Konzertsaale: 1) Quand l'amour s'en va, vaudeville en l acte. 2) La seconde représentation de: Les mémoires de deux jeunes mariées, vaudeville nouveau en 1 acte, par MM. Dennery et Clairville. 3) La reprise de: Le muet de Saint- Malo, ou: Les grandes émotions, folie-vaudeville en 1 acte.
Sonnabend, 1. Juni. Zum erstenmale: Dornen und Lorbeer, oder: Das ungekannte Meisterwerk, Drama in 2 Aufzügen nach C. Lafont, von W. Friedrich. (Herr Hendrichs: Rolla.) Hierauf: Der Verräther. (Dlle. Nicolas: Klärchen.) Und: Zwei Genre⸗Bilder
Sonntag!, 2. Juni. Tell. (Herr Pellegrini wird in der, Parti des Tell zum letztenmale auftreten.) 8
Auf dem Königl. Schloß-Theater zu Charlottenburg: Richard's Wanderleben. Hierauf: Die Erholungsreise.
Billets für die Vorstellungen des Königl. Schauspiels zu Char⸗ lottenburg sind bis zum Tage der Vorstellung, Mittags 1 Uhr, in Billet⸗Verkaufs⸗Büreau des Schauspielhauses zu Berlin und Abends im Schloß⸗Theater zu Charlottenburg an der Kasse zu folgendern Preisen zu haben: 8
Ein Billet zur Fremden⸗Loge 1 Rthlr. Ein Billet im ersten Range Logen 20 Sgr. Ein Billet in einer Parquet⸗Loge 20 Sgr. Ein Parquet⸗Billet 20 Sgr. Ein Billet zum Orchester 20 Sgr. Ein Billet im zweiten Range Logen 15 Sgr. Ein Billet im dritten Range Logen 10 Sgr. Ein Billet in der mittleren Abtheilung des dritten Ranges 10 Sgr. Ein Parterre . 15 Sgr. Ein Biühler zur Gallerie 5 Sgr.
Luftwärme. Thaupunkt . Duustsättigung
Königsstädtisches Theater. .
Freitag, 31. Mai. (Letzte Italienische Opern⸗Vorstellung t dieser Saison.) Cantatrici Villane. Opera buffa in 2 Ktti. Musica del Maestro Fioravanti. 8
Sonnabend, 1. Juni. Eine Reise nach Spanien. Vorher: Zum erstenmale wiederholt: Die ländliche Ruhe, Lustspiel in 1 Akt, von O. J. Kart.
Sonntag, 2. Juni. Der böse Geist Lumpacivagabundus, oder: Das liederliche Kleeblatt
Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.
Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerei
vm 8 dsk
Allgemeiner Anzeiger.
[565 b]
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Um
Abänderung des Fahrplanus. von Berlin 7 ½ u. Mg. 12 U. Mitt.
Mit dem 1. Juni c. werden die Fahrten auf unserer Eisenbahn von
Berlines Han⸗
„nover ausgedehnt. üf diese 48 ¾ Meilen 88gcs ee, eenene 7 lange Strecke, so wie die Sja 3 Reise zwischen Berlin und Dresden mittelst des I. Personen⸗Zuges in
einer Tagesfahrt zurücklegen zu können,
wird vom 1. Junic. ab folgender Fahrplan ausgeführt:
Kriminalgerichtliche Bekanntmachung. M „: Eax . “ Berlin⸗Anhaltische Eisenbahn. pensszenzßse. Zwiscenzus
Abfahrt 4 ½⅞ U. Nchm. Fahrtdauer der Personenzüge 4 Stunden.
Die Zwischenzüge übernachten in Witten⸗ 8 berg, von wo sie Morgens 5 ½ Uhr nach Berlin und 5⁄ Uhr nach Cöthen abgehen.
Mit demselben werden Per sonen nur in II. u. III. Wa⸗ genklasse befördert und Frachtgüter nach allen unse⸗ ren Stationen.
Der Haupt⸗Güterzug (ohne Personen⸗Beförderung) zwischen Berlin, Magdeburg, Halle und Lnng) zig geht täglich (außer Montags) um 9 ½ Uhr Vorm. von Berlin und um 8 ½ Vorm. von Cöthen ab.
„„ TFiihen 6 ½ „ „ 1 . „