zae. Ihre Organe sind die Trierer Ztg. und der Rheinisch⸗ menphelische Sprecher.“
e. 4 i ischen Dampfböte haben die *x D 22 ₰ Plh. , 1. . Lüeen- K. kulmer beabsichtigte sühe müssen weil Sturm und Strömung in der Ge⸗ Niderung egbrochenen Düne bei Neufähr so wüthend entgegen⸗ ggend 82 das zuerst aus der Schleuse gegangene Dampfboot mehrere aten, da g in Gefahr schwebte, in die Ostsee getrieben zu wer⸗ — Wasser war in den oberen Stromgegenden bis zu einer, selbst err sgange unerhörten, Höhe gestiegen, bei Derschen bis 23 Fuß Pegelhöhe. Seit gestern ist das Wasser einige Zoll gefallen. Die Deiche nseres Werders sind zwar beschädigt, aber nicht gebrochen; zwei 8 fährliche Quellungen bei Guttland und Czattkau wurden glücklich Lerstopft. Dagegen ist die frische Nehrung in eine sehr traurige Lage versetzt. Ein Erdwall, welcher zum Schutze des sogenannten Mittel⸗ werders, eines sehr blühenden Landstrichs, gegen Sommer⸗ Hoch⸗ fluthen dienen sollte, ist am 1. August durchbrochen und die Dorf⸗ schaften Neynerwerder, Poppau, Glabitz, Jescherbebken, die Rampen bei Nutthoff und der Ziesewald unter Wasser gerathen. Die Saaten, Waideländer, das reife Getraide, das aufgestellte Heu, Alles ist über⸗ schwemmt und großentheils verloren. Die Berichte lauten verzweiflungs⸗ voll, der Verlust beträgt für einzelne Hofbesitzer 1000 bis 2000 Tha⸗ ler und mehr. 1 “
Wäre im Jahre 1840 nicht bei Neufähr die Düne durchbrochen, so würden die unteren Stromgegenden und die Stadt Danzig selbst unter Wasser gesetzt gewesen sein. An der Weichsel liegen zum Um⸗ arbeiten wenigstens 20,000 Last Weizen und Roggen, welche unaus⸗ bleiblich weggewaschen wären, wenn nicht das erwähnte Naturereigniß den Fluthen eine andere Richtung und einen geringeren Stand ge⸗ schaffen hätte. Die auf Staatskosten bei Neufähr angelegte Schleuse
ist unbeschädigt geblieben. 1b 1 Der fast ununterbrochene Regen ist der Aerndte in unserer Ge⸗ dem Rapps ist wenigstens die Hälfte
gend überaus schädlich. Vo vernichtet.
Ausland. Deutsche Bundesstaaten.
Königreich Bayern. Zufolge Ministerial⸗Reskripts vom
4. August hat die Königl. Regierung von Oberfranken den Polizei⸗ Behörden aufgetragen, nachzuforschen, ob außer der mangelhaften Bevobachtung der feuerpolizeilichen Vorschriften von Seiten der Orts⸗ Einwohner, und der vernachlässigten Handhabung der Feuer⸗Polizei bei den Orts⸗Polizeibehörden etwa noch andere allgemeine Ursachen der so häufigen Entstehung von Bränden in Oberfranken zum Grunde liegen, welche durch entsprechende Maßregeln gänzlich oder theilweise beseitigt werden können.
Königreich Sachsen. Der Magdeburger Zeitung wird aus Leipzig gemeldet, mehrere sächsische Offiziere wollten sich dem Feldzug der Franzosen gegen Marokko anschließen. — Die Kir⸗ chen⸗Gemeinde zu Görnitz bei Borna gedenkt ihrem ehemaligen Seelsorger Dr. G. F. Dinter ein für ihre Verhältnisse würdiges
Denkmal von Stein zu errichten und dasselbe am 1. September d. J. feierlich zu enthüllen.
Königreich Württemberg. Der Schwäbische Mer⸗
kur meldet aus Ulm (12. August) endlich sei mit einem Fabrikhause in London der Vertrag zur Beischaffung zweier Remorqueurs zur Befahrung der oberen Donau abgeschlossen und demselben die größtmöglichste Eile anempfohlen worden. “ 1“
Kurfürstenthum Hessen. Dem Frankfurter Jou nal wird aus Nauheim (8. Aug.) geschrieben: 3 „Seit einigen Tagen verweilt der Oberbergrath Henschel von Kassel dahier, um die hiesigen Salinen⸗ und Bade⸗Anlagen in Augenschein zu nehmen und hinsichtlich einer großartigen Erweiterung derselben die nöthigen Untersuchungen anzustellen. Die Staatsregierung scheint endlich die unge⸗ meine Wichtigkeit der hiesigen Sool Quellen erkannt zu haben und nament⸗ lich den vor einigen Jahren erbohrten Sool⸗Sprudel zur Heilung in einem großartigen Maßstabe benutzen zu wollen. Man giebt sich hier den freu⸗ igsten Erwartungen hin und zweifelt nicht, daß unsere Badeanstalt zu den besuchtesten in Deutschland gehören werde, sobald die vorhandenen Mittel gehörige Benutzung finden und die Kurfremden nicht das Allerwesentlichste vermissen werden.“
Großherzogthum Hessen. Se. Hoheit der Erbgroßher⸗ og ist am 14. August von Berchtesgaden in Darmstadt einge⸗ troffen.
Freie Stadt Lübeck. Die Deutsche Allgemeine Zeitung enthält folgende Nachrichten aus Lübeck vom 14. August: „In diesen Tagen sind hier die Ratificationen eines zwischen dem Königreiche Hannover und Lübeck am 14. Februar d. J. zu Dresden abgeschlossenen Schifffahrts⸗Vertrags ausgewechselt worden. Derselbe
führt in fünf Artikeln den an die Spitze gestellten Grundsatz der Gegenseitigkeit durch und bestimmt gleiche Behandlung der beider⸗ seitigen Schiffe in Beziehung auf Abgaben und polizeiliche Beziehungen mit den eigenen, Abschaffung des Strandrechts und Zulassung beider⸗ seitiger Konsuln mit den Vorzügen, welche denen der begünstigtsten Staaten zugestanden sind. Der Vertrag ist zunächst auf zehn Jahre abgeschlossen und dauert stillschweigend auch länger, sofern er nicht von einer Seite aufgekündigt wird. In diesem Fall erlischt er nach Ablauf eines Jahres.“ — Vor mehreren Tagen ward Hauptmann Nachtigal seines Strafarrestes entlassen und fungirt seitdem im Dienste.
Franhkreich. Pearis, 13. Aug. Der Absendung eines französischen Ge⸗ schwaders nach den Küsten von Tunis wird von den hiesigen Blät⸗ tern nicht die geringste Bedeutung beigelegt. „Seit einigen Jahren“, sagt die konservative Presse, „erfährt man regelmäßig im August oder September, daß eine türkische Flotte mit vollen Segeln nach Tunis fährt, um dort eine Landung zu bewerkstelligen und zur Ab⸗ setzung des Bey's zu schreiten, der bekanntlich der Pforte keinen Tri⸗ but mehr zahlt und sich ihr gegenüber in einem fast ganz unabhängigen Zustande behauptet. Um dieselbe Zeit geht ein französisches Geschwader von Toulon ab, um durch seine Anwesenheit die Operationen der türkischen Rootte zu hindern, die dann schnell wieder nach den Dardanellen zurückkehrt. Diese kleine See⸗Scene hat sich so eben erneuert, ohne daß irgend Le. ernstlich davon Notiz nimmt. Der Contre⸗Admiral Parse⸗ üeeg. besindet sich in diesem Augenblicke schon in den Ge⸗ 82ö wo er, wie gewöhnlich, ohne Zweifel dem otto⸗ 9 d miral zuvorgekommen sein wird. Hundert gegen Eins 8 Sache wird ganz eben so ablaufen, wie in den früheren fen. 88 Sense suchte man dieser Bewegung einen Augen⸗ konnten sich nicht zulegen, aber seus die Einbildungen der Coulisse
lünger als fünf Minuten dami äfti 9 amit beschäft auf die Course hatte sie gar keinen Einfluß.“ segugch, zu⸗
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mit mehr Spott, äußern sich die Oppositions⸗Blätter. Der Constitutionnel nennt das Manöver eine jährliche Lust⸗ fahrt, und der Courrier frangais sagt: „Man braucht sich nicht im geringsten zu beunruhigen über die Pläne der Türkei gegen eine Regierung, an deren guten Freundschaft uns für unsere Sicherheit in Algier viel gelegen sein muß. Wir haben mehr als einmal schon auf das Lächerliche dieser jährlichen Expedition aufmerk⸗ sam gemacht; wenn wir ihrer heute erwähnen, so geschieht es nur, weil das Ministerium sich seine Festigkeit, der Pforte gegenüber, zum Ruhm anrechnen und uns dadurch für die Abberufung des Herrn von Aubigny entschädigen zu wollen scheint. Wenn Herr Guizot so kalkulirt hat, so mag er nur seine Rechnung sogleich ändern. Das Land wird hinter diesen prahlerischen Mienen nichts Anderes sehen, als was in der That dahinter liegt, wirkliche Schmach und eingebil⸗ dete Siege.“
Ueber die in englischen Blättern mitgetheilten Aktenstücke in der otaheitischen Angelegenheit, welche von den Direktoren der londoner Missions⸗Gesellschaft publizirt worden sind, bemerkt der Constitu⸗ tionnel: „Diese Korrespondenz bezieht sich zwar nur auf schon be⸗ kannte Thatsachen, sie zeigt aber, wie feindselige Gesinnungen die Missionaire von Otaheiti gegen Frankreich hegen. Auch beweist sie, daß die ehrwürdigen Brüder des Herrn Pritchard seinen Intriguen nicht fremd geblieben sind. Wirklich ergiebt sich aus diesen Briefen, daß die vierteljährliche Missions⸗Versammlung zu Hidiaa sich plötzlich in eine Vereinigung von Bewaffneten umwandelte, die gegen unsere Truppen zu Felde ziehen. Man wird sich erinnern, daß Otaheiti aus zwei Halbinseln besteht, die durch eine schmale Erdzunge, Taravav ge⸗ nannt, von einander getrennt sind. Auf der eigentlichen Insel liegen Papava, nördlich von Papeiti, auf der Westküste, und Hidiaa an der anderen Seite, auf der Ostküste. Die auf der Erdzunge errichtete Batterie schneidet die Verbindungen zwischen beiden Inseln ab und hindert die Unzufriedenen von Teirabu, sich mit denen von Hidiaa zu vereinigen. Nun geht aus der Korrespondenz hervor, daß der ehr⸗ würdige Herr Johnston, der sich zu Teirabu, der kleinsten, aber auch der aufsässigsten unter den beiden Halbinseln von Otaheiti, als Mis⸗ sionair aufhält, so stark in Verdacht steht, seine Beichtkinder zur Ver⸗ einigung mit ihren Brüdern zu Hidiaa aufgemuntert zu haben, daß der Gouverneur es für nöthig hielt, ihm die Rückkehr nach Teirabu zu untersagen, wenn er sich einmal nach der größeren Halbinsel be⸗ geben hätte. Ueberdies liest man in dem einen Schreiben die naive Phrase: „„bis zur definitiven Entscheidung Englands““ Sie verräth alle Hoffnungen, welche Herr Pritchard zu unter⸗ halten nicht Bedenken trug, und wodurch die unglickliche Bevölkerung von Otaheiti zur Empörung getrieben wurde.“ Der Patrie ist, wie sie sagt, ein Schreiben aus London mit der Nachricht zugegangen, daß der Contre⸗Admiral Seymour in wenig Tagen mit einem Linienschiff von 90 Kanonen, dem „Victory“, nach Otaheiti unter Segel gehen und Herrn Pritchard mit dorthin zurück⸗ führen werde, wo derselbe in seinen Posten als Konsul wieder einge⸗ setzt werden solle. „Die Königin Pomareh“, wird hinzugefügt, „soll wieder auf ihren Thron erhoben, die Befestigungen von Otaheiti zer⸗ stört, die Insel in denselben Zustand, in welchem sie sich vor der Ankunft des französischen Admirals befand, zurückgebracht, die fran⸗ zösischen Offiziere abberufen und der Ober⸗Befehlshaber (Dupetit⸗ Thouars) für Alles, was auf Otaheiti vorgefallen, verantwortlich ge⸗ macht werden.“
Man versichert, daß der Marine⸗Minister um die Ehre nachgesucht habe, das Geschwader kommandiren zu dürfen, welches den König im September nach England bringen soll. Da nun Herr von Mackau Vice⸗Admiral ist, so müssen wenigstens 8 Linienschiffe unter seine Befehle gestellt werden. Hierzu dürften, wie man glaubt, die vier Schiffe, mit denen so eben der Contre⸗Admiral Parseval⸗Deschenes nach Tunis abgegangen ist, das noch in Toulon befindliche Linien⸗ schiff „Alger“, und die drei Linienschiffe des Prinzen von Joinville, da man hofft, daß die Anwesenheit dieser Schiffe zu jener Zeit an den afrikanischen Küsten nicht mehr nöthig sein werde, nach dem Ka⸗ nal berufen werden, und die beiden Contre⸗Admirale ihr Kommando beibehalten. Eine Anzahl leichter Schiffe und Dampfböte würde sich dieser Flotte anschließen.
Die beiden ägyptischen Prinzen, welche von Mehmed Ali zu ihrer Bildung nach Frankreich geschickt sind, sprechen schon sehr ge⸗ läufig französisch.
Die Quotidienne hat gestern dem Gerücht widersprochen, daß die Schwester des Herzogs von Bordeaux in morganatischer Ehe mit dem Sohne des Herzogs von Blacas sich vermählt habe und die Angabe für eine böswillige Erfindung erklärt, deren Zweck leicht sich erkennen lasse. Die Re vue de Paris nun, welche hier zuerst diese Nachricht veröffentlichte, sagt heute, daß eine Privat⸗Korrespondenz aus zuverlässiger Hand ihr die Thatsache als richtig melde und sie daher deren Wahrheit behaupte. Keines der anderen legitimistischen Blätter hat den Widerspruch der Quotidienne aufgenommen.
Herr Thiers ist aus den Bädern zu Vichy hier angekommen, hat bereits eine Konferenz mit Herrn Molé gehabt und wurde heute zu Neuilly vom Könige empfangen. Man erzählt sich, Molé habe an Thiers geschrieben und ihn aufgefordert, so schnell als möglich nach Paris zurückzukommen. b
Heute eingegangene Berichte aus Bayonne und Marseille melden übereinstimmend, der Prinz von Joinville habe Tanger bombardiren lassen. Man glaubt dies so verstehen zu müssen, daß das Bombarde⸗ ment wirklich am 2. August schon angefangen, aber gleich wieder ein⸗ gestellt worden, nachdem das Anerbieten des Sultans zu Friedens⸗ Unterhandlungen angelangt sei. Heute früh war übrigens das Ge⸗ rücht im Umlauf, die Regierung habe Depeschen vom Prinzen von Joinville erhalten, wonach Abd el Rhaman nene Ansprüche gemacht hätte, auf die nicht einzugehen wäre, weshalb die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten zu erwarten stehe. (Vergl. unten Spanien.)
* Paris, 13. Aug. Zu den gestern Ihnen mitgetheilten Nachrichten über den Stand der marokkanischen Frage sind noch einige Notizen nachzutragen. In den Depeschen, worin der marolkanische Minister der französischen Regierung anzeigte, daß El Genaui für seine ohne Ermächtigung des Kaisers unternommenen Angriffe auf die Franzosen abgesetzt und in Ketten gelegt worden sei, war über den Marschall Bugeaud bittere Klage geführt, daß er das Gebiet von Marokko verletzt habe; der Minister verlangte daher nicht allein, daß der Marschall dafür einen Verweis erhalte, zurückberufen und ab⸗ gesetzt werde, sondern auch, daß er Stockstreiche erhalte, wie solche in Marokko den in Ungnade fallenden Ministern ertheilt werden, die man mit der Bastonnade so wenig verschont, als den letzten Kabylen des Gebirges. In dem Umstande, daß El Genaui nur gefesselt wurde, will man einen neuen Beweis der Schwäche des Kaisers erkennen. Denn nach dem Gebrauche der Sultane von Marokko würde Muley Abd el Rhaman, hätte er wirklich die Macht dazu besessen, dem Marschall Bugeaud den Kopf El Genaui's geschickt haben; aber bei dem auf⸗ geregten Fanatismus der Bevölkerung gegen die Christen und die Franzosen insbesondere wagte er es nicht. In Afrika ist man daher überzeugt, daß der Krieg in der Provinz Oran von langer Dauer sein werde. Einzelgefechte, Scharmützel, Razzia's werden sich unun⸗ terbrochen folgen, aber ohne ernstliches Resultat. Einen entscheiden⸗ den Schlag gegen die marolkanischen Stämme würde man nur auf
ihrem eigenen Gebiete führen können, dazu aber müßten neue Trup pen nach Afrika geschickt werden. Abd el Kader befindet sich in die sem Augenblicke nicht mehr im Innern von Marokko. Er hat sein Lager zwischen dem französischen und dem der Marokkaner “ schneidet so die Verbindungen zwischen diesen bei⸗ den ab und hat mehreren
hervorzugehen, daß er sich der Bevölkerungen in seinem Rücken siche glaubt, sonst hätte er unmöglich eine solche Stellung nehmen könner
Wenn also auch von der Seeseite her mit Marokko der Friede zu
Stande kommt, so wird der Stand der Dinge auf der Landseite da gegen so ziemlich der alte bleiben. Nach den letzten direkten Briefen von der Armee hatte dieselbe in den letzten Tagen des Juli außer⸗ ordentlich von der Hitze zu leiden, die zwischen 42 und 48 Grad nach dem hundertgradigen Thermometer wechselte. Ein Gerücht, der eng⸗ lische General⸗Konsul, Herr Drummond Hay, wäre von den Marok⸗- kanern ermordet worden, scheint ohne Grund zu sein. Das Comer cio von Cadix wollte diese Angabe aus Ceuta haben, glaubte ab selbst nicht daran.
Sroßbritanien und IZrland.
London, 13. Aug. Die meisten Minister hatten den Tag nach der Vertagung des Parlaments London verlassen und sich auf ihre Landsitze begeben. Indeß schon am Abende desselben Tages (10ten) wurde ihnen von Lord Aberdeen ein Ausschreiben zugefertigt, welches sie zu einem Kabinets⸗Conseil auf heute zurückberief.
Der Standard, das gewöhnliche Organ des Ministeriums, hatte bekanntlich vor einigen Tagen auf Grund angeblich offizieller Dokumente einen Artikel geliefert, in welchem die französischen Offi⸗ ziere auf Otaheiti möglichst entschuldigt und der Konsul Pritchard vorzugsweise als die Ürsache der stattgesundenen Ungebührlichkeiten dargestellt wurde. Der Standard gerieth dadurch in offenen Wi⸗ derspruch mit den Erklärungen der Minister im Parlamente, und man vermuthete daher nicht mit Unrecht, daß jener Bericht aus dem Ka⸗ binet des Herrn Guizot gekommen sei, da man überdies bemerkt hat, daß der Standard schon öfter als Organ der Politik Ludwig Phi⸗ lipp's aufgetreten ist. Der Gebrauch, welchen die pariser Blätter von jenem Artikel gemacht haben, setzt das englische ministerielle Blatt in nicht geringe Verlegenheit und veranlaßt es heute zu der Erklärung, daß das Raisonnement jenes Artikels lediglich auf der Annahme be⸗ ruht, der Konsul Pritchard habe möglicherweise an der Insurrection der Insulaner Theil nehmen und sich dadurch allerdings verantwortlich dafür machen können; es sei auch möglich, daß sein pariser Korrespon⸗ dent, welcher jenen Artikel eingeschickt haben soll, sich habe dupiren lassen.
Man sieht den Berichten über das Resultat der Unterhandlun⸗ gen zwischen den Regierungen Englands und Frankreichs, in Betreff der otaheitischen Angelegenheit, mit großer Spannung entgegen. In Paris wollte man wissen, wie die Morning Chroniele sagt, daß die Antwort, welche die französische Regierung auf die erste Mitthei⸗ lung des englischen Kabinets ertheilt hat, einfach besagte, daß dieselbe von den französischen Offizieren noch keine amtliche Meldung erhalten habe, und daß man nothwendigerweise weitere Nachrichten erst ab⸗ warten müsse. Eine zweite Mittheilung der britischen Regierung soll darauf von sehr vollständigen und authentischen Dokumenten beglei⸗ tet gewesen sein, welche das Ungebührliche des Verfahrens der fran⸗ zösischen Behörden in ein sehr helles Licht stellen;z auch heißt es
ferner, daß abgesehen von dem Verhalten des Herrn d'Aubigny in Bezug auf Herrn Pritchard, jener der britischen Flagge eine ganz entschiedene Beleidigung zugefügt habe, dadurch, daß er dem „Cor⸗ morant“ den Befehl ertheilt, die Insel zu verlassen. „Uns ist es von Anfang an vorgekommen“, schreibt die Morning Chroniecle, „daß die rücksichtslose Art, in welcher dem „Cormorant“ gesagt worden ist, sich „„davon zu machen““, etwas sehr sonderbar gewesen sei. Sollte es sich zeigen, daß von Seiten des Herrn d'Aubigny der britischen Flagge die gehörige Rücksicht vorenthalten oder derselben geradezu eine Beleidigung zugefügt worden ist, so würde das Unrecht, welches England erfahren hat, dadurch natürlich bedeutend größer werden; andererseits aber würde die Schwierigkeit einer Lösung der Frage vermindert werden, da in diesem Falle die französische Regie⸗ rung keine Schwierigkeiten finden könnte, das geschehene Unrecht so⸗ fort einzugestehen und Genugthuung zu geben.“ . “ Unsere Blätter theilen die Briefe zweier englischen Missionaire in Otaheiti mit, welche an die Londoner Missions⸗Gesellschaft gerich⸗ tet sind und über die vielbesprochenen Ereignisse daselbst bemerkens⸗ werthe Mittheilungen machen. Der erste, von dem Missionair C. Barff geschrieben, aus Papiti vom 22. März d. J. datirt, ent⸗ hält unter Anderem Folgendes:
„Als ich von dem zerrütteten Zustande Otaheiti's gehört hatte, ging ich mit Capitain Park vom „Favorite“ auf die Insel, um nach dem Wohl meiner Brüder (der Missionaire) mich zu erkundigen. Ich kam gestern hier an, als die Brüder gerade versammelt waren, um zu berathen, auf welche Weise sich am besten das Blutvergießen verhindein und der Friede erhalten lasse bis zum Eintreffen eines definitiven Bescheides von England. Das Detail dieser Berathungen wird Ihnen baldmöglichst mitgetheilt werden. Otaheiti befindet sich im Belagerungs⸗Zustande. Ich war genöthigt, mich in Person zu dem französischen Gouverneur zu begeben und die Erlaubniß nachzusuchen, am Lande schlafen zu dürfen. Ungefähr 4000 Eingeborene sind in Hidiaa versammelt. Die Franzosen haben ein Schiff von 30 Kanonen und 200 Soldaten an der Landenge aufgestellt, um zwischen Otaheiti und der Halbinsel jede Verbindung abzuschneiden. Bis jetzt haben sich die Eingeborenen vor den Franzosen zurückgezogen und noch ist kein Blut vergossen worden; auch haben sich heute die Missionaire nach Hidiaa begeben, um die Eingebornen zum Frieden zu ermahnen, ohne jedoch das gut zu heißen, was die Fran⸗ zosen thun. Was die jetzige Aufregung veranlaßt hat, ist Folgendes: Drei Häuptlinge waren von den französischen Gouverneuren vorgefordert worden, um bis auf Weiteres gefangen gesetzt zu werden, zur Strafe dafür, daß sie einen von der Königin Pomareh ihnen zugesandten Brief gelesen hatten; aber das Volk weigerte sich, sie auszulicfern, und hat sich seitdem mit ihnen nach Hidiaa zurückgezogen. Herr Pritchard war vor meiner Ankunst plötz⸗ lich verhaftet oder, wie die Proclamation sich ausdrückt, „als Geisel auf⸗ gehoben worden“ (put under reprisal for the goodconduct of the nati- ves) zur Sicherheit für das gute Verhalten der Eingeborenen. Er befindet sich jetzt auf seinem Wege nach Valparaiso auf einem englischen Dampfschiffe. Der Befehlshaber des Dampsschiffes forderte srine Auslieferung als britischer Konsul. Wenn nicht bald ein Arrangement zwi⸗ schen Frankreich und England getroffen wird, so werden binnen kurzem auch die Leewards⸗Inseln besetzt werden. Am 20sten und 2tsten d. Mts. ist auf Morra die französische Flagge aufgepflanzt worden.“ (Es sind die Gam⸗ bier⸗Inseln gemeint, welche von Oiaheiti aus unterm Winde liegen X — Das zweite Schreiben ist vom Missionair R. Thompson und aus Ota⸗ heiti vom 25. März datirt. Es heißt darin: „Ich benutze die Gelegen⸗ heit, welche mir die Rückkehr eines englischen Wallfischfängers bietet, um Sie von der unglücklichen Lage der Otehaitier zu unterrichten. Die Ver⸗ haftung und Vertreibung des Herrmn Pritchard sind Ihnen bekannt. Die Eingeborenen waren von Papiti nach allen Richtungen hin ent⸗ flohen, sind indeß seitdem zurückgekehrt und es ist nun in jener Gegend ruhiger. Auf der anderen Seite der Insel aber ist, wie ich zu meinem Bedauern berichten muß, der Krieg ausgebrochen. Blut ist auf beiden Seiten geflossen. Die Ursache dieses unglücklichen Ereignisses sind die harten und unduldsamen Maßregeln der französischen Behörden gegen die eingeborenen Häuptlinge. Vier Häuptlinge in und um Papaoa wurden vorgefordert, um dem Gouverneur ihre Unterwerfung zu bezeugen. Dieses zu thun verweigerten sie. Die französische Dampf⸗Fregatte fuhr darauf ab, um den Gehorsam zu erzwingen, und die Häuptlinge und das Volk zogen
von seinen Leuten aufgefangenen Boten die Köpfe abschneiden lassen. Es scheint daraus der Beweis
sich nach Taravao zurück, der Landenge, welche Taiarabu mit Otaheiti verbindet. Dort stieß eine große Anzahl der Bewohner von Taiarabu zu hnen. Die Franzosen folgten ihnen nach Taravao und das Volkzog sich ruhig nach Taaone an der Ostküste Otaheiti's zurück. Die Franzosen haben auf Taravao eine Batterie errichtet. Am 23sten d. M. begab ich mich nach Papiti zur Be⸗ rathung mit den Brüdern. Wir beriefen eine Versammlung nach Papaoa und hegten, um Blutvergießen zu verhindern, den Wunsch, die Vermittelung zwischen den Franzosen und den Eingebornen zu übernehmen. Wir bega⸗ ben uns zu dem Gouverneur und alsdann nach Hidiaa, aber wir fanden, daß es schon zu spät war; die Feindseligkeiten hatten begonnen und auf beiden Seiten waren mehrere getödtet worden. Die Brüder, da sie sahen, daß sie jetzt nichts mehr zu vermitteln vermochten, kehrten nach Hause zurück.
Heerr Howe und ich begaben uns nach Tautira und halfen Herrn Jesson, seine Familie in Sicherheit zu bringen. Niemand wollte sich dazu hergeben, das Boot zu rudern, und diese anstrengende Arbeit siel uns selbst zu Theil. Als
wir zurückkehrten, sahen wir das französische Dampfschiff anlangen. Als es vor Hidiaa angekommen war, begann es Traubenschüsse auf die hülflo⸗ sen Weiber und Kinder abzufeuern. Es fuhr während der Fahrt längs der Küste mit dem Schießen fort und ging vor Taravao vor Anker. Im Dunkeln ruderten wir an dem Schiffe vorbei — die Küste war mit Lichtern besäet, das Volk auf der Flucht in die Berge begriffen. Der Gouverneur
befand sich am Bord des Dampfschiffes. Nur sehr wenige Leute sind noch in Papaoa geblieben, nur zwei oder drei bei Herrn Orsmond und drei oder
vier in der Wohnung des Herrn Jesson. Alle Anderen sind bei Hidiaa versammelt. Die Folgen dieses Vorfalles werden furchtbar sein. Ich beabsichtige bald nach Hidiaa zurückzukehren. Alle Missionaire sind un⸗ verletzt.“
Rach der von der Morning Chroniele gegebenen Version der Rede Sir R. Peel's über die Parlaments⸗Vertagung vom 9ten d. sind unter „den anderen Umständen“, welche die Vertaguug einer Prorogation vorziehen lassen, außer dem Cassations⸗Gesuche O'Con⸗ nell's, der gegenwärtige Zustand Ihrer Majestät zu verstehen und nicht die gegenwärtigen auswärtigen Verhältnisse des Landes, wie von einigen Blättern behauptet wird. Wir haben den desfallsigen
Parlaments⸗Bericht nach dem Worttexte der Times gegeben, der ab⸗
weichend von dem des Standard und der Morning Chronicle
scchwer erkennen läßt, ob der Minister überhaupt unter den „anderen
Umständen“ etwas anderes meinte, als die Abwesenheit der Richter und die Nothwendigkeit einer Erledigung der O' Connellschen Sache in diesem Jahre.
Schweden und Uorwegen.
Stockholm, 9. Aug. Der Präsident der Steuer⸗Kammer, Westrand, Deputirter des Adelsstandes hat auf eine Abänderung in dem Schätzungswesen angetragen. Er schlägt darin unter Anderem vor,
daß alle Staats⸗Beiträge, sowohl die Grundsteuer, wie alle übrigen Steuern, die jetzt noch in natura erhoben werden, künftig in baarem
Gelde direkt an die Staats⸗Kasse erlegt werden sollen; daß der vom Staate besoldete Beamte nicht mehr, wie jetzt, sein Gehalt von dem
Steuerpflichtigen selbst entnehmen solle und daß die Grundsteuer auf
einen bestimmten Geldbetrag für den Hof festgesetzt werde.
Der Adels⸗Deputirte Bernhard Rosenblad hat zur Konsolidirung des Kredits der Bank auf solgende Abänderungen in dem Bankgesetze angetragen: 1) Das feste Kapital der Bank soll nach Abzug aller Schulden und Verbindlichkeiten, die unbeweglichen Güter und das Inventarium nicht mit eingerechnet, 10 Millionen Rthlr. schwed. Bko. betragen, nach dem Münzfuße von 1830 und zwar dergestalt, daß, wenn in irgend einem Jahre dieses Kapital geringer vorgefunden werden sollte, das Fehlende aus dem ersten einkommenden Gewinne ergänzt werde. 2) Die Reichsstände sollen Namens und kraft des Reiches Schweden dafür verantwortlich sein, daß, unter allen mög⸗ lichen Ereignissen, alle von der Bank kontrahirten Schulden und Ver⸗ bindlichkeiten ausgeglichen werden.
Im Bürger⸗ und Bauern⸗Stande ist darauf angetragen worden, die Bischofs⸗Aemter, mit Ausnahme derjenigen des Erzbischofs zu Upsala und des Bischofs zu Lund, in welchen beiden Städten sich Universitäten befinden, einzuziehen.
Der Antrag des Abgeordneten Huß, in Bezug auf die Errich⸗ tung einer Central⸗Behörde für die Geistlichkeit u. s. w. (S. Allg.
Preuß. Ztg. No. 222.), ist vom Bauernstande an den betreffenden
Ausschuß zur Berichterstattung verwiesen worden.
Dänemark.
Kopenhagen, 16. Aug. (A. M.) Hinsichtlich der Ausfüh⸗ rung des Allerhöchsten Reskripts vom 14. Mai 1840 wegen des Ge⸗
brauchs der dänischen Sprache in Justiz⸗ und Administrativsachen in
denjenigen Distrikten des Herzogthums Schleswig, wo das Dänische
. Kirchen⸗ und Schulsprache ist, haben Se. Majestät unterm 11. Juli
d. J. zu bestimmen geruht, daß diejenigen Beamten, welche ungeach⸗ tet ihrer erklärten Befähigung zum Gebrauch der dänischen Sprache sich derselben in Rechtssachen, die im ordentlichen Prozeß verhandelt werden, bisher nicht bedient haben, solches in Zukunft bei diesen Sachen thun sollen. Ferner haben Se. Majestät in Betreff der dar⸗ über entstandenen Zweifel, von welchen Behörden die in deut⸗ scher Sprache erlassenen Verfügungen der höheren und höchsten Kollegien behuf der Publication ins Dänische zu übertragen seien, zu bestimmen geruht, daß solche Uebertragung bis weiter und so lange bewandten Umständen nach nicht von gedachten Kollegien selbst sämmt⸗ liche von ihnen ausgehende Erlasse und Verfügungen, welche die Un⸗ tergehörigen in den erwähnten Distrikten angehen, dänisch ausgefer⸗ tigt werden können, von den Amtmännern, welchen die fraglichen Er⸗ lasse zugefertigt werden, beschafft werde. Zugleich haben Allerhöchst⸗ dieselben zur Erleichterung des Verständnisses der von den höheren Behörden unmittelbar an Untergehörige gerichteten Deutschen Reso⸗ lutionen und Bescheide Allerhöchst anzuordnen geruht, daß selbige durch die betreffenden Amtmänner den Untergehörigen bei Zustellung des Originals in dänischer Sprache schriftlich verständigt werden.
Schleswig, 13. Aug. In der 17ten Sitzung der Stände⸗Ver⸗ sammlung am 8. August fand die Schluß⸗Berathung über den Gesetz⸗Ent⸗ wurf in Bezug auf die Entlassung der Schullehrer statt. Der Berichter⸗ statter, Etatsrath Esmarch, wies rücksichtlich des Pensionirungs⸗Fonds auf die große Summe von 1,400,000 Rbthlr. hin, die jetzt für Pensionen und Gratiale verausgabt würden und meinte, daß die 2000 Rbthlr., welche erforderlich seien, um vierzig Schullehrer mit je funfzig Thalern zu pensio⸗ niren, auch wohl noch leicht würden aufzubringen sein.
Bei weitem die Hauptdiskussion betraf das Prinzip des Entwurfs, die Schullehrer auf dem Verwaltungswege zu entlassen. Der Berichterstatter vertheidigte es theils aus geschichtlichen Gründen, indem seit länger als 80 Jahren dasselbe angewandt sei, ohne daß man von Unzuträglichkeiten etwas vernommen habe, theils aus Gründen der Zweckmäßigkeit, indem die Frage, ob ein Schullehrer für sein Amt fähig, eine reine Thatfrage sei, die von keiner Behörde besser beurtheilt werden könne, als von derjenigen, welcher die Leitung des ganzen Schulwesens übertragen sei. Zudem liege es in der Natur der Sache, daß die Beurtheilung dieser Verhaltnisse nicht streng juristisch gehalten werden könne, so daß, wenn man auch den Ober⸗Kon⸗ sistorien dieselbe anvertrauen wollte, doch immer eine administrative, keine richterliche Behandlung der Sache eintreten werde. Advokat Storm sprach sich zwar gleich mehreren anderen Abgeordneten auch für die administrative Behandlung der Sache aus; allein er glaubte doch, den Entwurf abrathen zu müssen, weil die einzelnen Bestimmungen dessel⸗ ben so vage und unbestimmt, so komplizirt und vielseitiger Deutung fähig seien, daß dadurch die Schullehrer einer großen Willkür anheim gegeben werden würden. In ähnlicher Weise stimmte auch der Herzog von Au⸗
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subenbung dem Prinzip des Entwurfs bei, fand aber namentlich die Be⸗
immungen über die Penssonirung so unbestimmt und theilweise so diplo⸗
matisch ausgedrückt, die Verhältnisse der adligen Distritte so wenig genü⸗ gend berücksichtigt, daß er den Entwurf entschieden für unfertig erllärte und deshalb die Anempfehlung desselben widerrieth. 1b
Nachdem noch Dr. Müller gegen das Prinzip der Absetzbarkeit aller
Beamten, aber für den Entwurf und die Comité⸗Anträge sich ausgesprochen hatte, nahm der Königl. Kommissar das Wort, um zu erwiedern, daß es sich ier lediglich um seine persönliche Ansicht, nicht aber um ein Prinzip der handle. Man habe ihn durch Hinweisung auf das frühere Ver⸗ fahren der Kanzelei und auf verschiedene Gesetze zu belehren versucht, aber jedes Kollegium könne mit der Zeit und dem Wechsel seiner Mitglieder seine Ansicht ändern. Daß die Entlassung vom Dienst immer als Strafe zu betrachten, sei eben so wenig richtig, wie es richtig sein würde, die An⸗ stellung als eine Belohnung anzusehen. Die Anführungen aus Nassau und Waldeck bewiesen aber gerade, daß cs eben der positiven Gesetze bedürfe, um die Unabsetzbarleit zu behaupten, solche Gesetze aber lägen eingeräumter⸗ maßen bei uns nicht vor. Der Redner ging auf den Entwurf über, um noch einmal darauf hinzuweisen, daß es gar nicht die Absicht der Regie⸗ rung gewesen, die Schullehrer unsicherer zu stellen und sie einer größeren Willkür zu unterwerfen, daß vielmehr nur darauf Bedacht genommen sei, den Kompetenz⸗Konflikt zwischen Regierung und Ober-Konsistorium zu regu⸗ liren und Anhaltspunkte für die Entscheidung zu geben. Daß aber die Fragen, ob ein Schullehrer faul, ob er nachlässig sei, ob er die Disziplin zu handhaben wisse ꝛc. nicht wohl Gegenstand einer richterlichen Unter⸗ suchung sein könnten, das scheine ihm völlig klarz wolle man dennoch den Ober⸗Konsistorien die Cognition übertragen, so weiche man ganz von dem Prinzip vollständiger Trennung zwischen Administration und Justiz ab. Uebrigens habe man sich, seines Wissens, nie dar⸗ üͤber beschwert, daß Schullehrer ohne Grund entsetzt seien, hänfig aber habe man darüber geklagt, daß die Kommunen unwürdige Schullehrer nicht hät⸗ ten los werden können. Zum Schluß wies der Klosterprobst Graf von Reventlow noch auf die merkwürdige und interessante Erscheinung hin, wie eine einfache und an sich vollkommen klare Sache dadurch verwirrt und zu einer ganz anderen Sache umgestaltet werden könne, daß die juristisch ge⸗ bildeten Mitglieder der Versammlung vom praktischen Gesichtspunkt abge⸗ wichen seien und sich in staatsrechtliche Theorieen versenkt hätten. Der Redner bedauerte sehr, daß jene Deductionen dahin geführt hätten, den Pastor Moritzen von seiner früheren Ansicht abzubringen.
Die schließliche Abstimmung hatte das Resultat, daß die Pensionirungs⸗ Anträge des Comité's abgelehnt, dagegen das Amendement des Landr. von Rumohr, wonach der Staat nur subsidijär zutreten soll, mit 27 gegen 12 Stimmen angenommen ward. Die von dem Comité vorgeschlagene Weg⸗ lassung der Bekenntnißschriften ging mit 20 gegen 19 Stimmen durch, und schließlich ward der amendirte Entwurf mit 26 gegen 13 Stimmen als Ge⸗ setz angerathen.
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Nom, 5. Aug. (A. Z.) Vorgestern traf bei der hiesigen preußischen Gesandtschaft die Nachricht von dem Attentat gegen Se. Majestät den König von Preußen ein und hat, wie gewiß überall, auf alle Deutschen den schmerzlichsten Eindruck gemacht.
Se. Majestät der König von Bayern ist in der vergangenen Nacht von hier abgereist, um über Bologna und Modena in seine Staaten zurückzukehren.
Die Regulirung der kirchlichen Angelegenheiten Spaniens scheint noch in weiter Ferne zu liegen. Don Castello y Ayensa, welcher als Agent der spanischen Regierung hierher gesandt wurde, soll zwar mit sehr umfassenden Instructionen versehen sein, allein bis jetzt ist es ihm nicht gelungen, mit der hiesigen Regierung in Verbindung zu treten. Sein Vorgänger, Herr Hoyos, welcher Rom in diesen Tagen verlassen hat, wird in Madrid die beste Auskunft darüber geben kön⸗ nen, wie der päpstliche Stuhl die spanisch⸗kirchlichen Angelegenheiten betrachtet.
Palermo, Ende Juli. Ich habe Ihnen unlängst (vergl. Nr. 214 der Allg. Preuß. Ztg.) einige statistische Notizen über den hiesigen Schwefelhandel, vorzüglich in Betreff Preußens und des deutschen Zoll⸗-Vereins, mitgetheilt. Ich will versuchen, Ihnen jetzt dergleichen in Bezug auf den zweiten hiesigen Haupt⸗Ausfuhr⸗Artikel, das Oliven⸗Oel, zu geben.
Wenn Schwefel für die Manufakturen überhaupt nothwendig und der Transport desselben der Schifffahrt einträglich ist, so ist unter allen Urstoffen Olivenöl für die Wollenstoff⸗Fabriken vielleicht der un⸗ entbehrlichste. Wir haben gesucht, uns sichere Angaben über die Ausfuhr der letzten Jahre aus dem Reiche beider Sicilien oder auch nur aus Sicilien im engeren Sinne, mit Hinweisnug auf die Vertheilung der⸗ selben auf die verschiedenen Consumtions⸗Länder, zu verschaffen. Allein obschon eine Menge Angestellter dem Namen nach an der statistischen Darstellung des Handels arbeiten, so ist doch seit 1838 nichts ver⸗ öffentlicht worden. So viel ist uns indessen bekannt, daß nicht un⸗ bedeutende Partieen Oels nach Stettin verschifft worden sind, und daß noch größere nach Holland und Hamburg gingen; von denjeni⸗ gen, die über Triest und vielleicht über Genua durch die Schweiz nach den Vereins⸗Staaten gingen, wollen wir nicht sprechen, da dieselben mit unserem Zwecke direkt nichts gemein haben.
Wenn wir nun auch wissen, daß sowohl in Holland als in Ham⸗ burg der Verbrauch von ordinairem Olivenöl nicht unbedeutend ist, so glauben wir doch annehmen zu können, daß der größte Theil des dorthin verschifften Oels nur transitirt und lediglich für die preußi⸗ schen und anderen Zollvereins⸗Staaten an der Elbe wie am Rhein bestimmt war, und dort entweder zur Seifen⸗Fabrication, zur Tür⸗ kischroth⸗Färberei und für die Wollen⸗Manufakturen verwendet wird.
Wie bedeutend nun dieser Artikel schon für die Schifffahrt ist, geht aus dem über den Schwefel Gesagten hervor, und daß von den hieraus entspringenden Vortheilen der dem Zoll⸗Verein zugehörenden Rhederei nichts zufließt, liegt klar am Tage.
Daß aber auch Olivenöl den verschiedenen Zweigen der Wollen⸗ und Baumwollen⸗Industrie unentbehrlich ist, beweist der ungeheure Absatz desselben in den vornehmsten Manufaktur⸗Ländern, und vor⸗ züglich in England, wo die Total⸗Einfuhr im Jahre 1842 nicht weniger als 19,170 Imp. Tuns oder 388,192 Zoll⸗Ctr. und im Jahre 1843 wieder 16,350 JImp. Tuns oder 331,088 Zoll⸗Ctr. be⸗ trug, wovon im Jahre 1842 im Lande selbst konsumirt wurden 8610. Tuns oder 174,351 Zoll⸗Ctr., wieder ausgeführt wurden 680 Tuns oder 13,770 Zoll⸗Ctr. und im folgenden Jahre wurden konsumirt 9500 Tuns oder 192,503 Zoll⸗Ctr. und ausgeführt wurden 350 Tuns oder 7087 Zoll⸗Ctr.
Bei diesem Anlaß verdient bemerkt zu werden, welche Verände⸗ rungen die englische Regierung in den Zollsätzen zur Erleichterung der Einfuhr dieses der Industrie so nothwendigen Artikels allmälig zu treffen für gut gefunden, und wie durch diese Heruntersetzung die Consumtion sich vermehrt, dagegen die Wiederausfuhr vermindert hat.
Bis zum Jahre 1824 war der Einfuhr⸗Zoll 18 Pfd. 15 Sh. 7 Prce. p. Imp. Tun und die Einfuhr betrug im Durchschnitt jähr⸗ lich 3570 Tuns. Vom Jahre 1824 bis 1831 war bei dem auf 8 Pfd. 8 Sh. herabgesetzten Zoll *) die durchschnittlich jährliche Ein⸗ fuhr auf 7800 Tuns gestiegen.
1832 war bei der herrschenden Ungewißheit über den Zoll und die großen Vorräthe vom vorigen Jahre b
*) Für Oel unter sicilianischer Flagge war der Zoll 1828 ausnahms⸗ weise 9 Pfd. 9 Sh. p. Tun und 1829 10 Pfd. 10 Sh.
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die Ein⸗ die Con⸗ die Wieder⸗ fmuhr sumtion ausfuhr Tuus. Tuns. Tuns. 220 6220 3780 EEE1A1AX“ 7540 4930 1290 . 1834 Zoll 4 Pfd. 4 Sh. p. Tun *) 7920 6650 810 1835 9.8 8 “ 2500 3620 ½ * 1835 Inha e 7480 610 111““ e Se ig; 7690 710 ETT1nuu““ üag vnretshen veir 5820 1020 1840 Iris ae g 8350 7710 500 4700 I.ag 600 * 8610 680
114*“ 7010 1842 Zoll 2 Pfd *n8) 19170 1843 do. 16350 9500 350
Diese Reduction des Zolls in England wurde durch die Finanz⸗ Verwaltung des Vereinigten Königreichs als Nothwendigkeit für die Manufakturen desselben anerkannt und keinesweges deshalb vorgenom⸗ men, weil die Productions⸗Länder darauf drangen oder dagegen den englischen Industrie⸗Erzeugnissen Begünstigungen einräumten; denn noch ist im Reiche beider Sicilien der Ausfuhrzoll auf eben diesem Artikel derselbe und die Einfuhr⸗Zollsätze auf Manufakturwaaren sind unver⸗ ändert, obschon in England der Oele beider Sicilien bei der Ermäßigung des Zolles auch — jedoch ausnahmsweise — gedacht wurde. Es fällt daher klar in die Augen, daß diese Herabsetzung des Zollsatzes auf einen so wichtigen Urstoff nur die Erleichterung der Verfertigung der Fabrikate, zu denen dasselbe dient, zum Zweck hat. Denn die englische Regierung, welche zur Begünstigung ihres Fabrikstandes kein Opfer scheuen darf, hat recht gut begriffen, daß wer den Urstoff billig an⸗ schaffen kann, auch in den Stand gesetzt wird, den verarbeiteten Stoff billig zu liefern, und darum vor anderen Fabrikanten einen Vorsprung zu gewinnen, um den ihn Niemand bringen kann.
Wenn nun in Betracht gezogen wird, daß der Eingangs⸗Zoll auf Oel in England von 2 Pfd. St. mit englischer Flagge sich mit 21 Sgr. pro Vereins⸗Zoll⸗Centner, und der von 4 Pfd. St. mit neapolitanischer Flagge mit 1 Rthlr. 12 Sgr. pro Vereins⸗Zoll⸗ Centner gleichstellt, so muß einem Jeden in die Augen fallen, daß in dieser Hinsicht auch der englische Fabrikant für diesen wichtigen Artjkel vor dem deutschen einen nicht unbedeutenden Vorsprung hat, welcher um so bedeutender wird, je mehr Oel bei der Fabrication unter tausend Gestalten in Anwendung kommt.
Wir wollen nun von den vielen Produkten beider Sicilien nur noch des einer so vielartigen Verwendung fähigen, der Smalte, gedenken, von dem ebenfalls sehr bedeutende Partieen nach den Zoll⸗Vereinsstaaten am Rhein vorzüglich, namentlich für die großen Saffian⸗Gerbereien in Mainz, und zwar, weil es anders nicht möglich ist, unter fremder Flagge verschifft werden. Zu welchem Industriezweige dieser Farbestoff weiter verwendet wird, ist uns nicht bekannt; wir wissen aber, daß im ersten Semester dieses Jahres nicht weniger wie 80,000 Säcke an Gewicht 120,000 Zoll⸗Vereins⸗Centner aus Sicilien nach England gingen, das Doppelte des in einem gleichen Zeitraume in früheren Jahren verschifften Quantums, woraus ich schließen muß, daß dieses Produkt dort irgend eine neue Verwendung gefunden hat, welche dasselbe wahrscheinlich nun auch bald in Deutsch⸗ land finden wird, und darum die Aufmerksamkeit des Handels⸗ und Fabrikstan der Rhederei verdient.
sySpanien. — E
5 adrid, 7. Aug. Aus den französischen Blättern er⸗
fahren wir, gegen welch schweres Verhängniß die Hand des Höchsten Preußen und Europa geschirmt hat.
Der Heraldo enthält in Bezug auf dieses Ereigniß heute einen Artikel, der, wie ich mit Bestimmtheit versichern kann, als der Aus⸗ druck der Empfindungen der achtbarsten Bewohner Madrid's zu be⸗ nachten ist a 88 ich Folgendes entlehne:
„Mit tiefer Betrübniß theilen wir am gehöri O 1 1 8 eine wichtige Nachricht Der vor freffticht 8882, ebens den SAge Preußen war der drohendsten Gefahr ausgesetzt, Opfer eines schauder⸗ haften Meuchelmordes zu werden, der Preußen und Europa mit Trauer erfüllt, und in dessen Verwünschung Spanien ganz gewiß einge⸗ stimmt haben würdee Unsere Presse widmet einem Ereignisse einige Zeilen, an dem die hochherzige spanische Nation Antheil nimmt, indem sie Preußen mit ganzem Herzen beglückwünscht, daß die göttliche Vorsehung das wichtige Leben seines guten Königs gerettet ha. Wir werden die hohe Sittlichkeit und die Achtung, die wir vor dem edlen Charakter der preußischen Nation hegen, nicht wegen der That eines hoch strafbaren Menschen in Abrede stellen, dessen individuelles Verbrechen, das vielleicht als Geisteszerrüttung zu betrachten ist, keinesweges die sprichwörtliche Rechtlichkeit und Biederkeit des deutschen Volkes beeinträch⸗ tigen kann.“
Die heute aus Cadix eingegangenen Blätter vom 2ten berichten, daß man auf dem Wartthurme Nachmittags eine kurze Zeit lang Kanonendonner in südlicher Richtung vernommen habe. Die Blätter vom 3ten fügen nichts weiter hinzu. In einem Privatschreiben aus Tarifa vom 2ten, das mir mitgetheilt wurde, heißt es: „ein so eben von Tanger eintreffendes Fahrzeug überbringt die Nachricht, daß das ganze französische Geschwader vor diesem Platze eine drohende Stellung eingenommen hat, und daß die Einwohner aufgefordert sind, die Stadt zu verlassen, um sich vor dem bevorstehenden Bombarde⸗ ment zu retten. Man hört Kanonenschüsse, die man indessen für Signale hält.“
Der Castellano sagt diesen Abend: „Unser Korrespondent in Puerto de Santa Maria schreibt uns unter dem Zten Folgendes. Gestern begann das Bombardement von Tanger durch das französische Geschwader. In Cadix hört man den Kanonendonner, und vom Wartthurme sieht man das Feuer. Heute ist von hier ein Dampfschiff mit mehreren Personen abgegangen, um es zu sehen.“
Die hiesige französische Botschaft hatte bis diesen Nachmittag keine Nachrichten aus Cadix oder Gibraltar erhalten.
In Ceuta hieß es am 30sten, der englische General⸗Konsul, Herr Hay, wäre von den Marokkanern ermordet worden.
Die spanischen nach Ceuta bestimmten Truppen befanden sich am 30sten in Tarifa und den Linien von San Roque.
Gestern traf hier ein Courier aus Barcelona ein, der Depeschen an den vormaligen Minister, Herrn Gonzalez Bravo, abzugeben hatte. Dieser ist aber vor zehn Tagen von hier abgereist, um sich auf seinen Gesandtschafts⸗Posten nach Lissabon zu begeben. Der Courier ei ihm nach und wird ihn in Sevilla oder Cadix einholen. G
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* * Paris, 13. Aug. Der vornehme Unbekannte, dessen ge heimnißvolle Anwesenheit in Barcelona so großes Aufsehen machte, ist weder, wie man allgemein vermuthete, der Graf von Trapani noch ein anderer der Prinzen, welchen man Ansprüche auf die Hand
*) Für Oel aus beiden Sicilien dagegen unter englischer Fl 8 Pfd. 8 Sh. und unter sieilianischer S1ag 40 Pfd. 10 Fhich Flags
**) Für Oel überhaupt war der Zoll 4 Pfd. 4 Sh., unter stciliani scher Flagge 8s Psfb. . Sh.
***) Für Oel überhaupt 2 Pfd., unter sicilianischer Flagge aber 4 Pfd. Diese Differenzial⸗Zollsätze sind Repressalien gegen die beider Sicilien, welche den Ausfuhr⸗Zoll auf Oel unter fremder Flagge um 50 pCt. höher als unter einheimischer Flagge einfordert. 8
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