8 “
8 . schen⸗Inhalt und außerdem zwei Grundstücke von 5 — 2, 2— mit — daß dieselben zur Dotation der Kirche und der künftigen Pfarre dienen sollten. e. bot er sich im §. 5: eine mehrere Morgen große, die Kirche auf 3 Seiten umgebende Fläche, welche ufolge einer in das Hypothekenbuch eingetragenen Beschränkung bis zum 1. pril 1863 nicht mit Wohnhäusern besetzt werden darf, so weit und so lange diese Beschränkung nicht anderweit gehoben werden könnte, unter ausdruͤcklichem Vorbehalte näherer Verabredung der Königlichen Thiergarten⸗Verwaltung in der Art zur Disposition zu stellen, daß er sich die S,g von Garten⸗Anlagen zum Besten des Publikums auf derselben gefallen lasse. — 18
So groß die Opfer waren, welche der „F* hierdurch zur För⸗ derung des gemeinnützigen Zweckes gebracht hatte, so wurde doch späterhin von mehreren Seiten der Wunsch rege, einen Theil der zuletzt erwähnten
läche auf ewige Zeiten zu öffentlichen Garten⸗Anlagen bestimmt zu ehen, um der neuen Kirche für immer eine hinreichend isolirte schoöne Lage zu sichern. Auch diesem Wunsche ist der Besitzer bereitwillig entgegengekom⸗ men und hat in dem unterm Listen v. M. gerichtlich abgeschlossenen Ver⸗ trage außer den beiden Kirch⸗Grundstücken von 1 Morg. 135 ◻ R. eine mit Einschluß des Bauplatzes der Kirche 3 Morg. 53 ◻᷑ R. 89 ◻ Fuß umfassende, 400“ lange und 186“ breite Fläche, von welcher mehr als die Hälfte zu öffentlichen Garten⸗Anlagen abgetreten werden kann, im Ganzen also 5 Morg. 8 R. 89 ◻ F. dem Vereins⸗Vorstande schenkungsweise überlassen. So ist der Entwurf, welchen der anonyme Verfasser jenes Auf⸗ satzes selbst als einen der schönsten und glücklichsten bezeichnet, gelungen, und unsere geehrten Mitbürger mögen, wenn sie den täglich vorschreitenden Bau des neuen Gotteshauses, an welchem so viele fleißige Hände arbeiten, in Augenschein nehmen, sich auch des nunmehr gesicherten Besitzes einer Anlage erfreuen, welche nicht blos der Vorstadt und selbst dem Thiergarten zur äußeren Zierde, sondern auch und hauptsächlich den Mitgliedern der künsti⸗ gen Gemeinde zum unvergänglichen Segen gereichen und selbst die Bewoh⸗ ner der übrigen Stadttheile hoffentlich recht oft zu ernsten und erhebenden Genüssen einladen wird; dann aber, nächst Gott, der Gnade unseres all verehrten Königs danken, welcher durch Uebernahmd des Patronats die Aus⸗ führung des Baues überhaupt erst möglich gemacht hat. Gehen wir nun auf die Behauptungen des anonymen Einsenders zurück, so müssen wir es: 1) für völlig unwahr erklären, daß in den gedruckten Aufforderungen, welche unterm 5. Mai d. J. an eine große Zahl der hiesigen Einwohner wegen Gewährung von Beiträgen erlassen worden sind und in den denselben beigefügten Plänen ausdrücklich eine bestimmte, dem Vereine zum Zwecke künftiger Garten⸗Anlagen überwiesene Fläche angegeben sei. Die Auf⸗ forderungen selbst enthalten hierüber nichts, und auf den Plänen sind ausdrücklich nur die schon erwähnten 1 Morg. 135 —½ R. als Kirchland bezeichnet, die ganze übrige Zeichnung aber deutet nur die gegenwärtige Umgebung der neuen Kirche und die Veränderungen an, welche die im §. 5 des ursprünglichen Schenkungs⸗Vertrages enthaltene Erklärung des Herrn Dr. Vetter bis zum Jahre 1863 gestatten würde. Diese Erklärung ist auch in den gerichtlichen Vertrag vom 24sten v. M. übergegangen; nichts aber kann auch nur entfernt zu dem Schlusse berechtigen, daß jener ganze Raum der Kirche auf immerwährende Zeit geschenkt sein sollte.
2) Die Abtretung des obenerwähnten großen freien Platzes auf der nördlichen Seite der Kirche ist erst in dem Vertrage vom 24sten v. M. er⸗ solgt, es konnte also davon bei Erlaß der Aufforderung vom 5. Mgi nicht die Rede sein. Jene Abtretung ist mithin nicht eine Beschränkung, sondern eine Erweiterung des ursprünglichen Entwurfs. Der von dem anonymen Verfasser ausgedrückte Wunsch, daß die Pfleger der Kirche sich mit dem Be⸗ sitzer wegen der Ueberlassung des übrigen, bis zum Jahre 1863 nicht zu bebauenden Raumes verständigen möchten, ist für uns unerreichbar.
Wenn es aber dem Vereine überhaupt nicht zustand, dem Herrn Dr. Vetter, dessen Freigebigkeit er schon so viel zu danken hatte, noch größere Opfer anzusinnen, so möchte der anonyme Einsender noch weniger hierzu berechtigt sein und können wir schließlich nur wünschen, daß derselbe, statt auf fremde Kosten freigebig zu sein, dem gegebenen Beispiele recht eifrig nachahmen, insbesondere aber auch der guten Sache, welcher dienen zu
wollen er im Eingange seines Aufsatzes sich den Anschein giebt, nicht durch
unrichtige Angaben hinderlich sein möge. Berlin, den 28. September 1844.
7112 Personen.
Berlin-Stettiner Eisenbahn. Frequenz in der Woche vom 228ten bis incl. 28. September 1844
Handels- und Börsen-Nachrichten.
Berlin, 1. Okt. Das Geschäft in Eisenbahn⸗Actien war heut ziem⸗ lich belebt, und deren Course sind seit gestern theilweise etwas gestiegen.
Marktpreise vom Getraide.
Berlin, den 30. September 1844.
Zu Lande: Weizen 1 Rthlr. 19 Sgr. 2 Pf., auch 1 Rthlr. 10 Sgr. 10 Pf.; Roggen 1 Rthlr. 6 Sgr., auch 1 Rthlr. 5 Sgr. 5 Pf.; kleine Gerste (schlechte Sorte) 20 Sgr. 5 Pf.; Hafer 25 Sgr. 2 Pf., auch 20
Sgr. 5 Pf.
Zu Wasser: Weizen 1 Rthlr. 2 2 Pf.; Roggen 1 Rthlr. 2 Sgr. 5 Pf. Rthlr. 4 Sgr. 10 Pf. Sonnabend, den 28. September 1844. Stroh 7 Rthlr. 10 Sgr., auch 6 Rthlr. 3 Sgr. 6 Pf.
6 Sgr., auch 1
Das Schock
Der Centner Heu 1 Rihlr. 2 Sgr. 6 Pf., auch 20 Sgr.
7 Sgr. 7 Pf., auch 1 Rthlr. 13 Sgr. .; Erbsen (schlechte Sorte) 1 Rthlr.
Die Berichte über den Beginn der leipziger Michaelismesse lauten sehr günstig, und man verspricht sich ein glänzendes Resultat. Die Käufer sind zufrieden, denn sie kaufen wohlfeil, und die Verkäufer, denn sie
verkaufen viel. Platze ist.
Die Zahlungen ersolgen prompt, da viel Geld auf dem Die Geschaͤfte aller Großhändler gehen so gut, daß auf den
Comptoiren erst nach Mitternacht die Tagesgeschäfte erledigt werden lönnen. Der Fremden⸗Andrang ist sehr groß; nie sah man in Leipzig so viele Ju⸗ den und Italiener, als während dieser Messe; von Letzteren weiß man, daß
sie besonders wollenes Tuch einzukaufen beabsichtigen.
Auswärtige Börsen. Niederl. wirkl. Sch. 62 78.
Amsterdam, 27. Sept.
5 % Span. 2 18 . Sch. —. Pol. —.
Antwerpen, 26. Sept.
Frankfurt a. M., 28. Bayr. Bank-Actien 727 G. Poln. 300 Pl. 95 ¼ G.
1962.
do. 500 Fl. 94.
Zinsl. —. Sept.
3 % do. 35 126. Pass. 6 ½. Ausg. —. Oesterr. —.
4 % Russ. Hope 92 ½.
Hope 90 G.
Zinsl. 7 ½.
Neue Anl. 20. 5 % Met. 112 ⅜ G.
Stiegl. 89 8⅞ G. do. 200 Pl. 28 ½.
Hauk
5 % 4o. 99 .
Preuss. Pr.
-Aetien p. ult. Int. 61 ¼.
Paris, 26. Sept. 50 % Rente fin cour. 119.5. 3 % Rente üun cour. 81. 90 5 % Neapl. 98. 70. 5 % Span. Rente 32. Pass. 6.
Wien, 27. Sept. 1599. Aul. de 1834 151.
5 % Met. 109 ⁄⁄.
de 1839 131 ½. 112 Livorn. 117 ½.
NReorzlin
Den I. 0 ktober 1844.
4 % 100 ½.
B ör
3 % 76 ½. Nordb. 155 ⅞.
Bank-Actien
Gloggn. 1 15 ½.
§ e.
Fonds.
Pr. Brief.
Cour.
Geld.
AKctien. 8
Pr.
Brief.
Cour. Geld. Gem.
St. Schuld-Sch. ¼ Prümien-Scheine d. Seeh. à 50 T. Kur- u. Neumärk. Schuldversechr. 3 ½ Berliner Stadt- Obligationen 3
Westpr. Pfandbr.
Grossh. Pos. do. do. do. 3 ½
Ostpr. Pfandbr. 3 ½⅔
Danz. do. in Th.
100 8
9⁰¼ 99
100 ¼ 89
100 ¼
48 100 104¼
99 ½
Brl. Potsd. Eisenb. 5 do. do. Prior. Obl. 4 Mgd. Lpz. Eisenb. 8 do. do. Prior. Obl. 4 Brl. Anh. Bisenb. — do. do. Prior. Obl. 4 Düss. Elb. Eisenb. 5 do. do. Prior. Obl. 4 Rhein. Bisenb. 5 do. do. Prior. Obl. 4 I do. v. Staatgarant. 3 ½
103
187 ½
103 98 79
98½
168
103
148 93
78
143 ½
komische Oper in
Brief.
Thlr. zu 30 Sgr.
“ 2„„
Augsburg
Breslau
Leipzig in Courant im 14 Tbl. Puss. 100 Thlr.
Frankfurt a. M. südd. W Petersburg
100 SRbl.
Meteorologische Beobachtungen.
1844. 30. Sept.
Abends 10 Uhr.
Morgens
6 Uhr.
Nach einmaliger
Beobachtung.
1 Nachmittags V 2 Uhr. V
Quellwärme 7,80 R. Flusswärme 10,50 R. Bodenwärme 8,8⁰° R. Ausdüustung 0,011 Rb. Niederschlag 0.
Laftdruck. 336,54 Par. 337,54 Par. 339,16“ Par. Luftwärme .. 6,6° R. + 9,2° R. + 6,6° K. Thaupunkt... 3,7⁰° R. — 1,6° R. + 0,5 ° h. Dunstsättigung 79 pct. 11 pct. 60 pot. Wetter balbheiter. heiter. heiter. W. WNW. WNW. Wärmewechsel †+ 9,9 wyw. — + 2,1° RK. Tagesmittel: 337,419 Par.. + 7,50 R. —+ 0,902 R. 60 pPct. WNW.
Wolkenzug... —
Königliche Schauspiele. 2. Okt. Zum erstenmale wiederholt: Mein Herr Onkel! Lustspiel in 3 Aufzügen, von H. Smidt. Hierauf: Dre Frauen und keine. Und: Der Kurmärker und die Picarde, 1815 Genrebild. b In Potsdam: Carlo Broschi, oder: Des Teufels Anthei 3 Abth., nach dem Französischen, von Scribe
Musik von Auber.
Donnerstag, 3. Okt. Der Sohn der Wildniß. 8 88—
Die eingegangenen Meldungen zum Abonnement im Parquet und auf der Tribüne zu den französischen Vorstellungen im Konzertsaale des Königl. Schauspielhauses sind, so weit dies der beschränkte Raum gestattet hat, möglichst berücksichtigt worden. Es wird ersucht, die Kontrakte in der Wohnung des Herrn Inspektors Harke im Schau⸗ spielhause, Eingang Taubenstraße, — Freitag, den 4ten, Sonnabend, den Zten und Montag, den 7ten d. M., in den Vormittagsstunden von 9 bis 12 Uhr in Empfang zu nehmen.
Königostädtisches Theater. Mittwoch, 2. Okt. (Italienische Opern⸗Vorstellung.) Il Tem- plario. Oper in 3 Akten. Musik von Otto Nicolai. Donnerstag, 3. Okt. Muttersegen, oder: Die neue Fanchon. (Dlle. Quint, vom Hof⸗Theater zu Kassel: Chonchon, als Debüt.)
Der engere Ausschuß des Friedrichvorstädtischen
Kirchenbau⸗Vereins.
Pomm. do. 100 ¹ Kur- u. Neum. do. 3 ½ 100 ½5
Schlesische do. 3 ½ 100 ½
Eisenbahnen.
Berlin-Potsdamer Eisenhahn. In der Woche vom 24. bis incl. den 30. September c. sind auf der Berlin-Potsdamer Eisenbahn 14,939 Personen gefahren.
Gold al marco.
Priedrichsd'or.
And. Gldm. à 5 Th. — Disconto.
Brl. Frankf. — 5 do. do. Prior. Obl. — Ob.-Schles. Eisnb. 1 13 ½ do. Lt. B. v. eingez. — B.-St. E. Lt. A. u. B. — Magd.-Halbst. Eb. 4 Brl.-Schw.-Frb. E. 4 — do. do. Prior. Obl. 4 Bonn-Kölner Esb. 5
8 19511 Ediktal⸗Citation.
Nachdem die Ehefrau des aus Rawicz im Großher⸗ zogthum Posen gebürtigen und hier wohnhaft gewesenen Schneidermeisters Carl Joseph Juritz, Florentine Louise, geb. Hetzschold, gegen denselben eine Klage auf Tren⸗ nung der Ehe wegen böslicher Verlassung bei uns an⸗ ve hat und ein Termin zur Instruction der
ache auf den 9. November 1844, Vormittags 11 Uhr, an hiesiger Gerichtsstelle vor Herrn Land⸗ und Stadt⸗ gerichtsrath Immisch anberaumt worden, so laden wir den entwichenen
Schneidermeister Carl Joseph Juritz dazu hiermit unter der Verwarnung vor, daß er bei sei⸗ nem Ausbleiben des von der Klägerin angegebenen Ehe⸗ scheidungs⸗Grundes für geständig erachtet und demge⸗ mäß in contumaciam gegen ihn auf Trennung der Ehe nicht nur erkannt, sondern auch derselbe für den allein schuldigen Theil erklärt, in die gesetzliche Ehe⸗ scheivungsstrafe und in die Kosten des 9 theilt werden wird. Weißenfels, den 13. Juli 1844. 8 Königl. Land⸗ und Stadtgericht.
11187] 2a 8 Nothwendiger Verkauf.
Das im alten Thorner Stadtgebiete belegene Erb⸗ pachts⸗Vorwerk Kleefelde, den Samuel Elsnerschen Erben gehörig, nach landschaftlichen Prinzipien gericht⸗ lich auf 7452 Thlr. 29 Sgr. 8 Pf. abgeschätzt, soll in termino
den 2. Mai 1845, 11 Uhr Vormittags, an Gerichtsstelle öffentlich lizitirt werden. Taxe und
Hypothelenschein sind in unserer Registratur einzusehen.
Thorn, den 6. September 1844. r (L. 8.) Königs. Land⸗ und Stadtgericht.
[1186] Belanntimachun 9 8. Der am 21. November d. J. von uns angesetzte Ter⸗
min zum Verkauf der Apotheler Nehri i und Apothele in Vrüssom 85 v Frenzlau, den 25. September 1844.
Königliches Justiz⸗Amt Brüssow.
⸗Anhaltische Eisenbahn.
Der §. 14. unseres Betriebs⸗Reglements bestimmt, aß das einzuliefernde Reisege⸗
rozesses verur⸗
hierdurch aufgehoben. 8
Al lg eme in er A nzeiger.
in Berlin (Stechbahn 3), Posen und Bromberg durch
mers und dem Bestimmungsorte deutlich bezeichnet sein solle, widrigenfalls der Reisende sich selbst beizumessen habe, wenn die Beförderung unterbleibt.
Die Nichtbeachtung dieser im eigenen Interesse des Publikums gegebenen Bestimmung hat schon öfter höchst unangenehme Verwechselungen der Gepäckstücke zur Folge
ehabt, welche nur sehr schwer und mit Zeitverlust und genchgemn Nachtheile für den Reisenden zu ordnen ge⸗ wesen.
Wir sehen uns dadurch veranlaßt, die gedachte Be⸗ stimmung hierdurch in Erinnerung zu bringen und drin⸗ gend zur Beachtung zu empfehlen.
Berlin, den 24. September 1844.
Hie Direeklon. — “
[952 b]1 Lite ferung
von Hölzern für den Oberbau der Potsdam⸗ Magdeburger Eiseubahn.
Zum Oberbau der Potsdam⸗Magdeburger Eisenbahn sind nachstehende Hölzer erforderlich:
a) 123,700 Stück Eichenholz, 8 ½ bis 9 Fuß lang,
10 Zoll breit, 6 Zoll hoch;
b) 24,900 Stück Eichenholz, 9 Fuß lang, 12 Zoll
breit, 6 Zoll hoch, und
c) 1100 Stück Eichenholz, 15 Fuß lang, 7 Zoll breit
und 6 Zoll hoch.
Die Lieferung dieser Hölzer, mit welcher im Frühjahr 1845 der Anfang gemacht und die am 1. August 1845 beendigt werden muß, soll entweder im Ganzen oder in einzelnen Theilen denjenigen Unternehmern übertragen werden, von denen das unterzeichnete Comité die an⸗ nehmlichsten Offerten im Wege der Submission erhalten wird. Lieferungslustige werden deshalb hiermit aufge⸗ fordert, die festgestellten Lieferungs⸗Bedingungen in un⸗ serem Büreau (Breitestraße Nr. 26) selbst einzusehen, oder sich daselbst Abschrift geben zu lassen, demnächst aber ihre schriftlichen Preis⸗Offerten versiegelt, mit der äußeren Aufschrift: „Offerte auf das Holzloos Nr..“ baldigst und spätestens bis zum 20. Oktober d. J. an das unterzeichnete Comité einzusenden.
Potsdam, den 24. September 1844.
Comité der Potsdam⸗Magdeburger Eisenbahn- † Gesellschaft. 8
Literarische Anzeigen.
Bei uns ist erschienen und durch alle Buchhandlun⸗
lungen Deutschlands und des Auslandes zu beziehen,
4
118 112 ½
131
E. S. Mittler: [1185] Hand buch “ für den praktischen Navigateur
von Stephan Middelboe, Capitain⸗Lieutenant in der Königl. dänischen Marine und Navigations⸗Eraminator in den Herzogthümern Schleswig und Holstein. gr. 8. 20 ½ Bogen. 5 Thlr.
10 Sgr. Hamburg, August 1844. F. H. Nestler Melle.
Bei Th. Chr. Fr. Enslin in Berlin ist neu erschienen und durch alle Buchhandlungen zu be- ziehen:
Die Reform des ärztlichen [951 b] Personals
der Königl. preussischen Armec von ““ Dr. A. L. Richter, . Regimentsarat etc. etc. Fgr. Oktav. Broschirt. 25 Sgr. 8 Diese unparteiisch und mit Sachkenntniss abge falste Schrift stellt eine sehr zeitgemälse literarische Erscheinung dar, denn sie berührt einen für die Armeen aller dcutschen Staaten höchst wichtigen Gegenstand und nimmt somit nicht blos das In- teresse aller deutschen Militairärzte, sondern auch das der dienstpflichtigen Civilärzte Preulsens in ho- hem Grade in Anspruch. . ö1“
[1188]
Bei C. F. Amelang in Berlin erschien so eben und ist durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes zu haben:
Leitfaden der chemischen Analyse
24 8 organischer Substanzen in ihre näheren Bestandtheile, besonders in technisch- chemischer Beziehung, bearbeitet von Dr. L. Elsner, 8 Lehrer der Chemie und Mineralogie am Königl. Ge- werbe-Institut zu Berlin. II. Theil: Organische Analyse. Mit 1 Kupfer- tafel. 448 Seiten in 8. Maschinen-Velinpapier. Geheftet 2 Thlr.
t
Theil enthält: Unorga Mit zwei Kupfertafeln. 416 Geh. 2 Thlr.
Desselben Werkes I. sche Analyse. Seiten in 8. Maschinen-Velinpap.
(Mithin komplet 4 Thlr.)
Die chemische Untersuchung organischer Substan- zen auf ihre näheren Bestandtheile ist hinsicht- lich der Anwendung organ. Substanzen auf Künste, Gewerbe, Oekonomie, Pharmacie und Medicin von allgemein anerkannter Wichtigkeit; dieser Leitfaden ist daher bestimmt, eine besonders dem Anfänger oft sehr fühlbare Lücke in der chemischen Literatur auszufüllen, da, so viel Ref. bewufst, zur LZeit ein ähnliches Buch für den besagten Zweck noch man- gelt, aulser den älteren Werken von Hermbstädt, Pfaff etc. Ueber die allgemeine Brauchbarkeit des Buches wird sein Inhalt am besten Rechenschaft geben; so findet sich darin namentlich auch die Angabe über die chem. Untersuchung der Wur- zeln, Rinden, Hölzer etc., der Kartoffeln, der Getraidearten, der Runkelrüben auf ihren Zuckergehalt, der Scifen, Lackfar- ben, der gerbstoffhaltigen Substanzen, der humusartigen Stoffe, der Maische, die nothwendigen Angaben über die Untersuchung thierischer Substanzen etc. etc. Auch ist die allgemeine Anleitung zur chem. Untersuchung organ. Substanzen üerhaupt mit besonderem Fleiss ausgear- beitet worden, wodurch das Werk noch mehr an Brauchbarkeit gewinnen dürfte. Noch möge bemerkt werden, dass auch jeder einzelne Band .“ für sich bestehendes Ganze bildet. “
952
1988 %, Es wird zu baldigem Antritt in einer Familie bei Leipzig ein junger wissenschaftlich tüchtiger Mann als Lehrer, namentlich der französischen und englischen Sprache, gesucht. Das Nähere angebende Adressen nimmt das Königl. Intelligenz⸗ Comtoir unter Z. 180. an.
1
[954 b 8 v
Für Entomologen. Der Unterzeichnete hat wie⸗ der große Zusendungen europäischer Schmetterlinge aus dersciöoehen Ländern erhalten und giebt davon gegen
Baar und im Tausch ab. Gunzenhausen in ani
J. G. Fehr.
1a Sb 8 1“
A. Mhimb n
s wpann Hncch h 6 bf
1 Rthlr. - Jahr. n 8 Rthlr. - 1 Jahr. 24 in allen Theilen der Monarchie ohne Preiserhöhung. Inserltions -Gebühr für den Raum einer SZeile des Allg. Anzeigers 2 Sgr.
e 18ng119 „4
. . stem v.snh us 1⸗,1 ..
2* 11“
e das 1üa Er n. . ü 4 182 1 ecter 8858 88ℳz260000000
J20 zit, Ien Zesrle R MKs — Alle Post-Anstalten des In- und
Auslandes nehmen Bestellung auf dieses Blatt an, für Berlin die Expedition der Allg. Preuß. Zeitung: Friedrichsstraße Nr. 72.
No. 275. Inhalt.
Besuch Ihrer Majestäten in Großmann
Amtlicher Theil. Inland. Berlin. stellung. — Provinz Preußen. land eingeführt. Deuntsche Bundesstaaten. Königreich Bavern. (Aussicht auf einen erträglichen b — nfgren. Obererzgebirgischer Missions⸗Verein. — Königreich Württemberg. Hofnachricht. — Verfassungs⸗Jubiläum. — Der ständische Ausschuß. — Großherzogthum Baden. Hofnachricht. — Freie Stadt Bre⸗ men. Auswanderung nach Texas. — Die Naturforscher⸗Versammlung. — Bürgermeister Smidt. Rußland und Polen. Schreiben aus zund. Iehn2 u. Paris. Abd el Kader’'s Verhältniß zu Mulecy Abd el Rhaman. — Der Friedens⸗Vertrag mit Marokko und die vorhergegangenen Verhandlungen. — Prinz von Joinville und Herzog von Aumale. — Politische Flüchtlinge. — Börse. — Vermischtes. — Schreiben aus Pa⸗ ris. (Die Sitzung der General⸗Conseils, namentlich in Betreff der Unterrichts⸗Frage und der Eisenbahnen.) — Großbritanien und Irland. London. Nachrichten aus Brasilien. 2—O’'Connell in dem dubliner Gemeinde⸗Rath. — Die Times über den „Warspite“⸗Korrespondenten. — Tägliche Verbindung mit Hamburg. — Eisenbahn über die Landenge von Suez. 3 Schweden und Norwegen. Stockholm. Der Graf Brahe. — Versammlung des Reichstages in jedem dritten Jahre. Italien. Rom. Thorwaldsen’'s Testament. 8 Spanien. Madrid. Die Apuntamientos werden nicht neu gewählt. — Patriotisches Bankett. — Der Marquis von Casa Irujo zum Gesandten in London ernannt. 1 8 Griechenland. Schreiben aus München. (Die angeblich zu erwar⸗ tende russische Flotte; die Wahlen; Theodor Grivas.)
Die Gewerbe⸗Ausstellung der deutschen Bundes⸗ und Zollvereins-Staaten.
der Gewerbe⸗Aus⸗
Aus Spever.
Warschau. (Bemerkenswerther
Handels⸗ und Börsen⸗Nachrichten. Berlin. Börse. — Amster⸗
dam. Börsen⸗ und Malktbericht.
Königl. Schauspielhaus. (Eine lustige und eine traurige Komödic.) — Königsstädtisches Theater. („Lucia di Lammermoor-e; Sgra. Belloni: Lucia; Sgr. Borioni: Sir Edgardo.) — Tieck's „Gestiefelter Kater”“. —
Vermischtes. Amtlicher Theil.
Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: 18
Dem Regierungs⸗Vice⸗Präsidenten, Freiherrn von Manteuf⸗
fel zu Stettin, den Rothen Adler⸗Orden vierter Klasse; so wie den
Küstern und Schullehrern: Vieweg zu Wildenhain, in der Ephorie
Torgau, und Neumann zu Wansdorf, im Osthavelländischen Kreise, das Allgemeine Ehrenzeichen zu verleihen.
8
Der bisherige Privat⸗Docent Dr. Moritz Gotthilf Schwartze ist zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität ernannt worden.
Auf Allerhöchsten Befehl Sr. Majestät des Königs ist der größte Theil der im Allerhöchsten Besitz befindlichen Oelgemälde neuerer Zeit — mit wenigen Ausnahmen Werke vaterländischer Künstler — in dem Königlichen Lustschlosse Bellevue zu einer abgesonderten Gal⸗ lerie zusammengestellt worden. Der Zutritt zu denjenigen Räumen des gedachten Schlosses, in welchen diese Gemälde sich befinden, ist dem Publikum bis Ende Oktobers an jedem Dienstage und Freitage von 10 bis 1 Uhr Vormittags und von 2 bis 6 Uhr Nachmittags gewährt, und wird für die Zukunft in jedem Sommer vom Anfang Mai bis Ende Oktobers an den ebengenann⸗
als Weihbischof von Erm⸗ C . . 21 Kastellan des Schlosses dieserhalb zu melden.
menden besonderen Schloß⸗Eingang nachweisen.
Weinherbst.) — Königreich Sachsen.
ten Tagen und Stunden geöffnet sein. Der am äußeren Haupt⸗ Eingange zum Schlosse (rechts) wohnende Portier wird den zu neh⸗
hw Personen, die an anderen Tagen die Gallerie zu sehen wünschen, haben sich bei dem
Berrlin, den 2. Oktober 1844. 1 Königliches Hofmarschall⸗Amt.
Bei der heute fortgesetzten Ziehung der Zten Klasse 90ster Kö⸗ nigl. Klassen⸗Lotterie fiel 4 Gewinn von 3000 Rthlr. auf Nr. 7631; 2 Gewinne zu 2000 Rthlr. fielen auf Nr. 34,826 und 42,639; 1 Gewinn von 1000 Rthlr. fiel auf Nr. 20,941; 2 Gewinne zu 400 Rthlr. fielen auf Nr. 13,776 und 75,721; 3 Gewinne zu 200 Rthlr. auf Nr. 45,513. 68,589 und 76,013; und 7 Gewinne zu 100 Rthlr. auf Nr. 3135. 12,161. 15,319. 17,207. 26,858. 38,184 und 44,643.
Berlin, den 2. Oktober 1844.
Königl. General⸗Lotterie⸗Direction.
Angekommen: Der Ober⸗Präsident der Provinz Posen, von Beurmann, von Posen. Se. Excellenz der Königl. dänische Geheime Staats d Fi⸗ nanz⸗Minister, Graf von Moltke, von Leipzig.
Nichtamtlicher Theil. Inland.
Berlin, 2. Okt. Se. Majestät der König geruhten gestern die Gewerbe⸗Ausstellung abermals mit Ihrem Besuche zu beglücken. Allerhöchstdieselben erschienen bereits gegen 8 Uhr des Morgens im Königl. Zeughause, wo Sie von den Geheimen Staats⸗Ministern von Bodelschwingh und Flottwell so wie den Wirkl. Geheimen Räthen Beuth und A. von Humboldt Excellenzen, dem Herrn Geheimen Finanzrath von Viebahn, an der Spitze sämmtlicher Mitglieder der Ausstellungs⸗Kommission und den zahlreich anwesenden fremden Aus⸗ stellern empfangen wurden. Se. Majestät verweilten zunächst län⸗ gere Zeit in den unteren Räumen des Ausstellungs⸗Lokals, wo na⸗ mentlich die Partie der Maschinen, welche hier in allen ihren Zwei⸗ gen so reich vertreten ist, ferner die Stahl⸗ und Eisenwaaren, die Steingut⸗Fabrikate, die Leder⸗Produkte, die Acker⸗Geräthe u. s. w. einer genaueren Prüfung unterworfen wurden. Herr Geheime Rath Beuth hatte die Ehre, Sr. Majestät bei Besichtigung der einzelnen Gegenstände die gewünschten Erläuterungen zu geben, während Herr Geh. Finanzrath von Viebahn Gelegenheit fand, Sr. Majestät meh⸗ rere der anwesenden Aussteller vorzustellen, mit welchen Allerhöchst⸗ dieselben sich vielfach huldvollst zu unterhalten geruhten. Um 11 Uhr erschienen Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin von Preußen und kurz darauf, gegen 11 ½ Uhr, Ihre Majestät die Königin, in Begleitung Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Karl von Bayern, gleichfalls in den Räumen der Ausstellung. Se. Majestät der König verfügten sich, nach vollendeter Besichtigung der in den unteren Sälen befindlichen Gegenstände, nach den oberen Gallerieen, wo Allerhöchstdieselben die⸗ sesmal namentlich von den zum Export bestimmten Tuch⸗ und Lei⸗ nenwaaren genauere Kenntniß zu nehmen geruhten. Auch viele andere der dort ausgestellten Produkte fesselten längere Zeit die besondere Aufmerk⸗ samkeit Sr. Majestät, Allerhöchstwelche sofort mehrere Gegenstände zum Ankauf auswählten. Der Besuch der Allerhöchsten und Höchsten Herr⸗ schaften verlängerte sich bis gegen 2 Uhr. Sie schieden auch dieses⸗ mal sichtlich befriedigt mit den Resultaten Ihres so langen Aufent⸗ haltes in diesen den Früchten des deutschen Gewerbfleißes geöffneten
“
Hallen. Se. Majestät der König gaben namentlich wjederholt Ihren Beifall darüber zu erkennen, daß die Ausstellung auch durch so zahl⸗ reiche und befriedigende Einsendungen aus den nicht zu den preußi⸗
8 Staaten gehörigen deutschen Gebieten sich so vortheilhaft aus⸗ eichne.
Provinz Preußen. Am 28. September wurde der zum Weihbischof von Ermland und Titular⸗Bischof von Abyzon ernannte Dom⸗Kapitular Franz Großmann durch den Ober⸗Präsidenten Böt⸗ ticher in Frauenburg vereidet. Anderen Tages sollte die feierliche Consecration im dortigen Dome stattfinden.
W““
Deutsche Bundesstaaten.
Königreich Bayern. Man schreibt unterm 22. September aus Speyer: Bei der in letzter Zeit für die Zeitigung der Trau⸗ ben im Ganzen sehr günstige Witterung hat sich diese äußerst rasch entwickelt. Schon jetzt sind die Trauben durchgehends besser, als sie im vorigen Jahre zur Zeit der wirklichen Weinlese waren, und es unterliegt daher keinem Zweifel mehr, daß der 1844r Wein jedenfalls trinkbar, bei wiedereintretender günstiger Witterung (da sich seit gestern etwas Kälte und Regen eingestellt) wohl sogar ziemlich gut werden wird.
Königreich Sachsen. Seit dem 7. September d. J. hat sich zu Schwarzenberg ein „obererzgebirgischer Missions⸗Verein“ gebildet, dessen Zweck ist, junge Landsleute zu unterstützen, welche als Lehrer und Prediger zu den deutschen protestantischen Gemeinden Nord⸗Amerika's, die noch keine Schule und Kirche haben, zu gehen bereit sind.
Königreich Württemberg. Se. Majestät der König hat am 26. September dem zum Königlich belgischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am württemhergischen Hofe ernannten Senator, Grafen von Briey, zu Ueberreichung seines Be⸗ glaubigungsschreibens Audienz ertheilt. — Am 25. September, als dem Tage, wo vor 25 Jahren die Verfassung unterzeichnet wurde, versammelten sich zu Stuttgart die in großer Zahl anwesenden Mitglieder beider Kammern der Stände, durch ein gemeinsames Mit⸗ tagsmahl das erste Jubiläum der Verfassung zu feiern. Eine beson⸗ dere Bedeutung und Weihe wurde dieser Feier durch die Theilnahme Sr. Königl. Hoh. des Kronprinzen. Höchstderselbe brachte, nachdem
auf das Wohl Sr. Majestät des Königs getrunken worden, mit Kraft und Nachdruck folgenden Toast aus: „Die Verfassung und einträch⸗ tiges Zusammenwirken von Regierung und Ständen!“ Der Präsi⸗ dent der Kammer der Abgeordneten, Kanzler von Wächter, sprach odann: 1 „Es ist ein großes Glück für ein Volk, wenn es in zweien seiner wich⸗ tigsten Beziehungen in gerechter Weise stolz sein kann, stolz auf seinen Re⸗ genten, stolz auf seine Verfassung. Dieses Stolzes kann Württemberg sich rühmen. Wir sind stolz auf unseren König, welcher mit gerechtem und mil⸗ dem Scepter über uns waltet, das Recht des Volkes schirmt und über sein Glück und seine Wohlfahrt wacht. Wir sind stolz auf unsere Verfassung, welche eben so sehr die Rechte des Volks wie die der Krone achtet, und welche eben dadurch der Krone die festeste Bürgschaft giebt, daß sie stets auf den freudigen Gehorsam eines freien Volkes zählen kann. Der Würt⸗ temberger zeichnet sich aber auch aus durch innige ungeheuchelte Liebe und Ehr⸗ furcht gegen seinen Regenten und durch Anhaͤnglichkeit an seine Verfassung. Das innigste Gefühl kettet ihn in unwandelbarer Treue an sein angestammtes Königshaus, und wenn je wieder Zeiten der Gefahr kommen sollten, so würde er gewiß wie seine Vorvordern die Probe bestehen und willig Gut und Blut für seinen König opfern. Bei diesem Sinne mußte es uns zur höchsten
Königliches Schauspielhaus. Eine lustige und eine traurige Komödie.
Am 30. September zum erstenmale: „Mein Herr Onkel, Lustspiel in 3 Akten, von Heinrich Smidt.“ Derselbe glückliche Erfolg, welchen dieses Stück bereits auf anderen größeren Bühnen gehabt, ist ihm auch in Berlin zu Theil geworden. Es enthält eine umgewendete Onkelgeschichte, denn nicht, wie gewöhnlich, ist es der gutmüthige Onkel, der hier von einem verschmitzten Neffen hinters Licht geführt wird, sondern umgekehrt, der On⸗ kel foppt den Neffen, fängt denselben in seinen eigenen Schlingen, und sucht aus ihm, der bisher ein leichtsinniger Fant gewesen, einen fagonnirten Men⸗ schen zu machen. Die Pointe der Intrigue besteht darin, daß ein Reisen⸗ der, der von einem Dritten bestochen wird, sich zu einer Familie, in deren Kreis ein Onkel erwartet wird, als Pseudo⸗Onkel zu begeben und eine Geldheirath zu vermitteln, jener rechte und erwartete Onkel selbst ist und sonach zu dem, der ihn entsendet hat, in eine wahrhaft komische Stellung geräth. Im Geiste des von Schiller behandelten Picardschen Lustspiels: „Der Neffe als Onkel“ enthält auch das Smidtsche eine artige Verkettung von List und Scherz, neckischen Hintergehungen und munteren Liebeshän⸗ deln. Die Einleitung spinnt sich etwas lang ab, sonst hat die Hand⸗ lung größtentheils jenen lebendigen Verlauf, den das Lustspiel erfor⸗ dert. Die Heiterkeit mancher Situationen wird durch Reminiscenz⸗ witze und die Travestie bekannter Stellen aus Dichtern, wie in „Richard's Wanderleben“, erhöht, nur daß diese Phraseologie in dem Ket⸗ telschen Stück sich natürlicher und ungezwungener herbeiläßt als in dem Smidtschen. Sollte der Titel des letzteren nicht füglicher „Der Onkel als Onkel“ heißen? Für die Aufnahme, die es fand, darf der Verfasser dem darstellenden Personal zu besonderem Dank verpflichtet sein, denn sämmtliche Mitwirkende erregten und erhielten die gute Stimmung des sehr zahlreich versammelten Publikums. Herr Rott führte als Baron Ernst von Sal⸗ bach den doppelgängerischen Onkel vortrefflich durch, eben so Herr Schnei⸗ der dessen windbeutelnden Neffen, Herr Gern gab als Amandus Goldfuß das vcgeaett. e d 4 (Anna) zu allerliebster Staffage diente. Auch die weniger Rollen wurden brav gegeben, so daß das Stuch sich woht Ferehns eder bb EEö“
odann, zum ersten Male: „Balder und So Oriainal⸗Lust⸗
spiel in einem Alkt von M. L. Erich“. Die Firma machte Bankerott, und ihr Name wird fürder nicht mehr in der Liste unserer dramatischen Corporation figuriren. Die mitwirkenden Künstler machten sich am Ende selbst über das Stück lustig und zogen sich dadurch noch mit Glanz aus der Affaire. — u.
Sonderlings, dem Frau von Lavallade
Lammermoor. Sgra. Belloni: Lucia. Sgr. Borioni: Sir Edgardo.
Wir können unseren Bericht über die am 30sten zum ersten Male in dieser Saison stattgefundene Vorstellung der Donizettischen Oper: Lucia di Lammermoor nicht besser beginnen, als indem wir vor allen Dingen der in jeder Beziehung wirklich braven Leistung des Sgr. Borioni als „Sir Edgardo“ zuerst gedenken. Er führte diese Glanzvartie mit jener südlichen Waͤrme und Leidenschaftlichkeit des Ausdrucks sowohl im Gesange als im Spiele durch, die ihren Eindruck auf die Gemüther nie verfehlen, weil sie, unmittelbar dem wahren Gefühle entsprossen, das gleiche auch bei anderen erwecken. Deshalb ist es leicht erklärlich, daß, wenn das Publikum an diesem Abende auch aus anderen Ursachen ziemlich kalt war, dem trefflichen Gesange des Sgr. Borioni fortwährend lauter Beifall wurde. Hatte er schon im ersten Akte und besonders in dem hübschen Schlußduette mit „Lucia“ allgemeine Anerkennung erworben, so steigerte sich die Theilnahme im Finale des zweiten Aktes, in welchem er wahrhaft Ausgezeichnetes leistete, zu solcher Höhe, daß der Hervorruf nach dem Fallen des Vorhangs erfolgte, welcher um so mehr als ein verdienter und der zahl⸗ reichen Versammlung abgedrungener zu betrachten ist, als er nicht wie gewöhnlich von einigen wenigen Parterre⸗Besuchern, sondern vom ganzen Publikum ausging und insofern gleichsam sanctionirt erschien. Auch im dritten Akt ließ Signor Borioni Nichts zu wünschen übrig; oft erinnerte er hier sogar an Moriani, bekanntlich der größte Darsteller dieser Partie, und die Sterbescene am Schluß der Oper hatte ebenfalls so vortreffliche Momente, daß ihm nochmaliger Hervorruf nach derselben zu Theil wurde. Was nun Signora Belloni betrifft, welche die Lucia als Debüt gab, so müssen wir für dies⸗ mal jedwedes Urtheil über sie zurückhalten, da sie uns schon in den ersten beiden Akten an großer Indisposition zu leiden schien, eine Vermuthung, die bestätigt ward, als vor Anfang des dritten Altes der Regisseur die plötzliche Erkrankung derselben meldete und solchergestalt die Vorstellung ohne ihre Mitwirkung zu Ende gespielt werden mußte. Die Partie des Lord „Asthon“ hatte in Sigr. Mitrowich einen Repräsentanten gefunden, der im Ganzen Befriedigendes leistete, obgleich sein Organ, wie es schein, noch viel mit unserem Klima zu kämpfen hat, in Folge dessen es mitunter einen Anflug von Belegtheit bekömmt; auch der Grund des öfteren Abwärts⸗ schwebens seiner Intonation ist wohl hierin zu suchen. Sgr. Mela, mit einer recht angenehmen Baryton⸗Stimme begabt, den wir bisjetzt nur in einer untergeordneten Rolle sahen, hatte als „Raimondo“ schon mehr Ge⸗ legenheit, sich hervorzuthun, und sowohl er, wie Sgr. Cavirani, als Lord Arturo, genügten vollkommen. Besondere Anerkennung verdient übrigens
Lucia di
die in der That glänzende Ausstattung der italienischen Opern durch schöne Kostüme und Dexcorationen.
In dem Lustspiel „Der lange Israel“ debütirte Herr Boden als neu⸗engagirtes Mitglied am 29. September, in der Rolle des Alsdorff. So weit es sich nach dieser einen Partie beurtheilen läßt, ist derselbe ein gebildeter und mit geistigen Vorzügen begabter Schauspieler, der, neben einem gefälligen und biegsamen Organ, auch eine ansprechende Persönlich⸗ keit besitzt. Seine Bewegungen sind leicht, und diejenigen Stellen, worin eine besondere Pointe liegt, trägt er mit richtigem Gefühl und Ausdruck vor. Wenn er einzelne Angewohnheiten, z. B. das gleichmäßig wieder⸗ kehrende Sinken und Heben der Stimme, ganz ablegt, und sein Spiel mehr auf die Wahrheit als auf den Effekt berechnet, so dürfen wir ihm eine günstige Zukunft in Aussicht stellen, da er viele Elemente in sich vereinigt, deren Konzentrirung den guten Schauspieler macht.
Tieck’s „Gestiefelter Kater“.
Vielfach ist der Wunsch geäußert worden, den „Gestiefelten Kater“ von Ludwig Tieck auch dem größeren Publikum vorzuführen, da die beiden früheren Aufführungen bekanntlich nur vor dem Allerhöchsten Hofe und den von der Königlichen General⸗Intendantur speziell dazu Eingeladenen statt⸗ gefunden. Diesem Wunsche ist, wie wir vernehmen, die Gene⸗ ral⸗Intendanz der Königl. Schauspiele entgegengekommen, und nächsten Freitag, den 4. Oktober, wird eine Vorstellung jenes anziehenden Mär⸗ chens im Konzertsaale des Königl. Schauspielhauses stattfinden, die indessen insofern keine öffentliche sein wird, als eine besondere Ankündigung derselben nicht erfolgt. Der Ertrag der Einnahme ist einem wohlthätigen Zwecke bestimmt, und Anmeldungen der gegenwärtig hier weilenden Fremden nimmt das Billet⸗Verkaufs⸗Büreau im Königl. Schauspielhause an. Die Rollen⸗ Besetzung ist die frühere, nur daß Herr Rott den Bötticher spielt, welcher bei den zwei ersten Darstellungen dieses Stückes durch Herrn Döring gegeben d 8 ”
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Breslau, 29. Sept. Dr. Nimbs hat nach vieljähriger Verwaltung des Theaters sein Amt als Stellvertreter des Direktors und Dramaturg niedergelegt und Herr v. Holtei tritt mit dem 1. Oktober in seine Stelle.
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