jebrigen wollen. Seine übrigen Reden bei den verschiedenen Em⸗ nfungs⸗Feierlichkeiten wiederholen die bekannten Versprechungen und behandeln das triviale Thema von der Repeal, worunter gegenwärti das unter der protestantischen Bevölkerung Anklang findende föderale System verstanden wird. Hervorgehoben zu werden verdient, das dem Anschein nach ängstliche Streben O'Connell's, die Stimmung des Volkes bei seiner veränderten Repeal⸗Taktik sich günstig zu er⸗ halten. So sprach er unter Anderem in einem Orte der Grasschaft Tipperary: 1 — — es
„Man hat mir sesasz. daß ich nicht genug physische Streitmittel be⸗ säße, um meinen großen Zweck zu erreichen, aber ich kann mich einer grö⸗ ßeren physischen Macht rühmen, als sie irgend ein Eroberer oder Kaiser gehabt oder gewünscht hat. Ja, Männer von Tipperary, ich bin für Euch ins Gefängniß gegangen, das Rasseln der Verbrecher⸗ Eisen klang mir m meinen Ohren, als die Gefängnißthüren hinter mir geschlossen wurden. Ich habe für mein Land gelitten und ich bin bereit, noch mehr für dasselbe zu leiden. Aber Ihr werdet mir meine Arbeit erleichtern, meine Mühen mil⸗ dern und durch das friedliche Abwarten wie bisher beweisen, daß Ihr würdig seid der legislativen Unabhängigkeit, welche Irland erstrebt. Nur einen Monat will ich wegbleiben, und wenn ich zurückkomme, so will ich Schritt vor Schrit diese Gegend durchziehen. Ich werde auf meinem Rückwege dann dem Volke in die Augen sehen, um darin zu lesen, was in Eurem Innern vorgeht, und zu erfahren, ob Ihr wahr seid und man Euch vertrauen kann. Ja, ich werde beginnen in mei⸗ ner Vaterstadt Cahireiveen, von dort nach Killarney, Limerick und Nenagh, und die beste Rede, welche ich in meinem Leben je gehalten, denke ich bei meiner Ankunft hier zu halten! Langsam werde ich alsdann einherziehen, und ich werde dann erfahren, welche Gefühle das irländische Velk beseelen. Ich werde dann sehen, wie ich schon gesagt, ob sie wahr sind und verläßlich, und mein Entschluß wird durch meine Erfahrungen dann gerechtfertigt werden, die Sache zu vollführen, die wir begonnen! Ja, ich kann auf Euch bauen! Ich kann mich verlassen auf Eure Ruhe, auf Eure Folgsamkeit gegen mein Wort. Ich bin über Alles erfreut, daß das Volk sich ruhig und gemäßigt hält und daß es entschlossen ist, so zu verharren. Ich weiß, daß Ihr Al⸗ les thut, um den Frieden zu wahren, ich warne Euch über Alles gegen die Fallen und Schlingen der Spione und geheimen Agenten.“
Ein furchtbares Unglück hat sich vorgestern Nachmittag in der Kohlengrube von Haswell in der Nähe von Durham ereignet. Es fand nämlich gerade zu der Zeit, als eine große Anzahl von Männern und Knaben (man giebt die Zahl derselben auf 150 an) in der Grube beschäftigt war, eine Gas⸗Explosion, wie sie in diesen Gruben nicht selten vorkommen, statt, durch welche sämmtliche Arbeiter bis auf drei getödtet worden sind. Es wurden sofort Anstalten gemacht, die Körper ans Tageslicht zu schaffen, und nach den letzten von gestern Abend datirten Berichten hatte man auch bereits über 100 Leichen hervorgeholt. Die drei geretteten Arbeiter verdankten ihre Erhaltung dem Umstande, daß sie sich am untersten Ende des Schachtes befanden, und daß bei der Verschüttung der Grube mehrere Balken ein schirmendes Dach über ihnen bildeten und zugleich die Stickluft, die sich entwickelt hatte, von ihnen entfernt hielten. Mehrere Arbeiter fand man angekleidet auf einem Haufen zusammen⸗ liegen und schließt daraus, daß die Verschüttung nicht in allen Thei⸗ len der Grube plötzlich stattgefunden hat, da die Arbeiter meistens fast nackt arbeiten, und Jene daher noch Zeit gefunden haben müssen, sich anzukleiden und einen Fluchtversuch zu machen. Der Jammer,
den das schreckliche Ereigniß verursacht hat, ist unbeschreiblich, denn
fast keine Familie in der Umgegend der Kohlengrube giebt es, die
nicht wenigstens eines ihrer Mitglieder verloren hat. ““ Schweiz. 83
Die schweizerische gemeinnützige Gesell⸗
Kanton Zürich. schaft hat bei ihrer Versammlung in Zürich beschlossen, eine aus fünf Mitgliedern bestehende Auswanderungs⸗Kommission zu bilden, die sich mit Allem beschäftigen soll, was die Auswanderung vermindern und, falls sie stattfindet, das Loos der Auswanderer erleichtern kann. Die Kommission soll im Jahre 1845 der Gesellschaft das Resultat ihrer Thätigkeit berichten.
Kanton Luzern. Die hiesige Regierung hat ein Kreis⸗ schreiben an die sechs anderen katholischen Stände erlassen, worin sie dieselben zu einer neuen Konferenz in Betreff der Wiederherstellung der aargauischen Klöster einladet. Die Kosten sollen nach dem Maß⸗ stabe des eidgenössischen Geld⸗Kontingents auf die Kantone vertheilt
erden.
Italien.
Neapel, 24. Sept. (A. Z.) Der König, von dem man allgemein glaubte, er werde in Triest dem Kaiser von Oesterreich einen Besuch abstatten, hat seine Staaten gar nicht verlassen, sondern Ca⸗ labrien, und zwar Cosenza, Catanzaro, Monteleone, Pizzo, Reggio ꝛc. besucht und wird über Brindisi, Manfredonia, Foggia in diesen Ta⸗ gen nach Neapel zurückkehren. Auch die neue Sirg Kolonie auf den Tremiti⸗Inseln besuchte der König und war auf dieser ganzen mit vielen Beschwerden verknüpften Reise stets von der Königin begleitet.
Die in Calabrien und Basilicata aufgefundenen Steinkohlen⸗Lager haben sich, nach der Untersuchung durch sächsische Bergbau⸗Verständige, als sehr unbedeutend ergeben.
Die Anleihe, welche im Jahre 1821 zum Betrage von 2 ½ Mil⸗ lionen Pfund Sterling in England negozüirt wurde, ist nunmehr durch die Einlösung der letzten Obligationen in London völlig getilgt.
Spanien.
3 Madrid, 25. Sept. Die Gaceta enthielt gestern einen amtlichen Artikel, worin erklärt wird, daß die Schwierigkeiten, welche sich der Wiederherstellung der früherhin zwischen Spanien und Ma⸗ rokko bestandenen freundschaftlichen Verhältnisse entgegensetzten, aus dem Wege geräumt wären, und daß man nahe daran sei, eine Ueber⸗ einkunft auf den bereits festgesetzten, eben so gerechten als anständi⸗ gen Grundlagen abzuschließen. Am 17ten kam der spanische Konsul, welchen widrige Winde nach Cadir zurückgetrieben hatten, in Tanger an, wo er von dem marokkanischen Befehlshaber auf das feierlichste, und in Gegenwart des englischen Gesandten empfangen und in seine amtlichen Befugnisse wieder eingesetzt wurde.
Die Grundlagen, auf denen der Friedens⸗Traktat abgeschlossen werden soll, sind, so viel ich erfahre, folgende. Die bei der Hinrich⸗
ung Darmont's betheiligten Beamten werden abgesetzt, die Ueberreste ieses Unglücklichen ausgegraben und nach dem Ritus seiner Religion estattet, seine Angehötigen erhalten eine Geldsumme aus dem ma⸗ rokkanischen Staatsschatz. Die Gränzlinie des von den Spaniern um Ceuta zu behauptenden Gebietes wird auf dem Fuße hergestellt, wie er in dem letzten Traktate zwischen beiden Mächten sestgesetzt ist. Eine Kommission, bestehend aus Spaniern, Marokkanern und den Be⸗ voollmächtigten einer dritten neutralen Macht, soll ernannt werden, um 1 dn Werth einiger spanischer Fahrzenge, deren die Marolkaner sich dessacscch bemächtigten, zu ermitteln. Endlich scheint es, daß die Hani e Regierung allen Ansprüchen auf Entschädigung für die auf
11 Expeditions⸗Corps verwendeten Kosten entsagt.
vbeee — auf diese Weise dem Ausbruch eines nutzlosen Kampfes
Serens aesh, hat der neue Minister der auswärtigen Angele⸗
genheiten, Herr Martinez de la Rosa, sein Augenmerk auf einen an⸗ deren Erdtheil gerichtet. Während der Regbntschaft Espartero's schloß im Ohober 1841 ein Bevollmächtigter der Repüblik vom Uruguay mit drm damaligen Minister der auswärtigen dingelegenheiten, Don
8
Antonio Gonzalez, einen Handels⸗Traktat ab, dessen Bestimmungen sür Spanien so überaus lästig sind, daß nur ein so unwissender Mann wie Herr Gonzalez sich entschließen konnte, ihn zu unterzeichnen. Un⸗ ter Anderen wurden die Schiffe mit uruguagyischer Flagge den spani⸗ schen völlig gleichgestellt, so daß irgend ein fremdes Schiff sich nur mit Papieren dieses Staates zu versehen brauchte, um in Spanien aller Rechte der einheimischen Flagge zu genießen, denn über die Be⸗ schaffenheit der Certifikate und den Ursprung der Schiffsmannschaft war nichts festgesetzt. Die Republik beeilte sich, die Ratification die⸗ ses Traktats hierher zu schicken, allein hier erhoben sich so nachdrück⸗ liche Stimmen gegen den Inhalt desselben, daß die Minister Espar⸗ tero's nicht wagten, ihn zu ratifiziren. Unter dem spanischen Land⸗ volke der nördlichen Provinzen, noch mehr aber unter den Bewohnern der kanarischen Inseln, herrscht der Wahn, daß man in Montevideo sich schnell bereichern könne, ein Umstand, der zu zahlreichen Aus⸗ wanderungen nach dem Uruguay Veranlassung giebt. Während des Zeitraumes von 1836—1841 wanderten 13,606 spanische Unterthanen dorthin aus, denen späterhin etwa 5000 andere gefolgt sein mögen. Diese Leute gelangen zum Theil durch ihren Fleiß zu einigem Ver⸗ mögen, da aber Spanien bisher keinen Konsul bei der Republik an⸗ gestellt hat, so befinden sie sich ohne allen Schutz und sind allen Ar⸗ ten von Gewaltthaten und Erpressungen preisgegeben. Man verhin⸗ dert sie, das Land wieder zu verlassen, und bei dem obwaltenden Kriege mit Buenos⸗Ayres hat man die spanischen Unterthanen ge⸗ zwungen, nicht nur in der National⸗Miliz, sondern auch unter den Linien⸗Truppen Kriegsdienste zu leisten. Ja, man überfiel sogar die in dem Hafen liegenden spanischen Schiffe, führte die Mannschaft ans Land und reihte sie unter die Truppen ein. Alle Klagen jener Un⸗ glücklichen, die hierhergelangten, wurden von Espartero unberücksichtigt gelassen. Die provisorische Regierung hatte beschlossen, ein Geschwa⸗ der nach dem Rio de la Plata zu schicken, als die Händel mit Ma⸗ rokko den Abgang dieser Schiffe verhinderten. Nun hat die Regie⸗ rung auf den Antrag des Herrn Martinez de la Rosa diese Angele⸗ genheit aufs neue in Betracht gezogen, und den diesseitigen Konsul in Bayonne, Herrn Creus, hierher berufen, um ihn, mit den gehöri⸗ gen Instructionen versehen, und von einigen Kriegsschiffen begleitet, als General⸗Konsul nach Montevideo abzuschicken, damit er über die Interessen der dortigen spanischen Unterthanen wache.
Die Regierung hat den vormaligen Finanz⸗Minister Carrasco (Marquis von Santa Olalla) und den Marquis von Peüaflorida, früher Minister des Innern, zu Senatoren ernannt. Jener war von der Provinz Badajoz, dieser von Madrid vorgeschlagen worden.
Die Gaceta veröffentlicht heute ein Königliches Dekret, ver⸗ möge dessen den Inhabern von Schatzbillets, welche in Folge des Gesetzes vom 29. Mai 1842 emittirt wurden, gestattet wird, diese gegen dreiprozentige Staatspapiere zu dem Course von 32 pCt. um⸗ zutauschen. Die Regierung wird den Cortes diese Maßregel mitthei⸗ len. Da dieses Dekret bereits am 13ten unterzeichnet, aber erst heute veröffentlicht wurde, so giebt dieses zu mancherlei Auslegungen Veranlassung. Gestern stiegen an der Börse die drei⸗ und die fünf⸗ prozentigen Papiere. Heute schwankten jene zwischen 28 und 29, diese zwischen 21 ½ und 21 3 auf zwei Monate.
Es heißt, Herr Martinez de la Rosa hätte seinen vertrautesten Freund, den Introducteur des Ambassadeurs, Herrn Arana, zum Ge⸗ sandten in Neapel, und dagegen dessen Schwager, den Herzog von Rivas, der diesen Posten gegenwärtig bekleidet, und ebenfalls ver⸗ trauter Freund des Minister⸗Präsidenten ist, zum Botschafter am französischen Hof ernannt. Es ist indessen wohl anzunehmen, daß nur die persönlichen Feinde des Herrn Martinez de la Rosa dieses Ge⸗ rücht aussprengen, um ihn als einen von unstatthaften Privat⸗Rück⸗ sichten geleiteten Mann darzustellen.
Portugal.
₰½ Lissabon, 24. Sept. Je näher der Augenblick rückt, wo der parlamentarische Kampfplatz in den Cortes sich aufs Neue öffnet, und die Parteien ihre Kräfte abermals gegen einander abwägen, desto eifriger ergeht man sich auch bereits in Berechnungen über die gegen⸗ seitige Stärke und das daraus zu erwartende Resultat des Zusam⸗ menstoßes. Wird das Ministerium die Majorität in beiden Kammern für sich haben? ist die Frage, welche jetzt vor allen anderen die Ge⸗ müther beschäftigt. Die Oppositionsmänner beantworten sie eben so zuversichtlich verneinend, als ihre Gegner bejahend; jene rechnen insbesondere die Majorität in der Pairs⸗Kammer dem Ministerium entgegen zu sehen, seitdem der Herzog von Palmella eine oppositionelle Stellung gegen das Kabinet in Folge des vielbesprochenen Dekrets vom 1. August eingenommen hat. Nach den Erfahrungen der früheren Sessionen jedoch, ja selbst aus der Stimmung und dem Charakter der meisten Mitglieder der Pairs⸗Kammer, läßt sich diese Hoffnung der Opposition durchaus nicht als zuverlässig begründen, und ungeachtet des augenblicklichen Anschlusses des Herzogs von Palmella an die Partei, als deren Haupt man den Visconde Sa da Bandeira betrachten kann, würde diese sich doch sehr irren, wenn sie den Herzog geneigt glauben wollte, in alle Pläne der Septembristen einzugehen. In der Deputirten⸗Kammer ist das Ministerium, wie ich Ihnen schon früher meldete, auch jetzt der Mehrheit sicher.
Von dem Dekrete vom 1. August, das so viel Geräusch verur⸗ sacht hat, machte das Ministerium bis jetzt einen sehr gemäßigten Gebrauch, obgleich es an Anlaß dazu keinesweges fehlte. Die Richter des Appellationshofes hier (corte da relaçao) sind den Wirkungen jenes Dekrels bekanntlich ebenfalls unterworfen. Dessenungeachtet haben sie vor wenigen Tagen eist ein Urtheil des Richters erster Instanz gegen den Herausgeber des Patriota, der wegen eines mit unglaub⸗ licher Heftigkeit geschriebenen, wahrhaft aufrührerischen Artikels in eine Geld⸗ und Gefängnißstrafe verurtheilt worden war, umgestoßen, und der Herausgeber des Blattes geht somit straflos aus. Trotzdem ist bis jetzt keines der Mitglieder des Appellationshofes von hier an einen andern Ort versetzt worden, wie das Ministerium solches kraft der Befugnisse, die ihm das Dekret vom 1. August giebt, hätte thun können.
Die nördlichen Provinzen, besonders die Wein⸗Distrikte an den Ufern des Duro, sind im Anfange d. M. von Natur⸗Ereignissen schwer heimgesucht worden. Dasselbe war in dem Thale des Flusses Povoa der Fall. Furchtbare Regengüsse richteten in Gärten, Feldern, Weinbergen entsetzliche Verheerungen an und vernichteten auf großen Strecken nicht nur die Aerndte dieses Jahres, sondern auch die Hoff⸗ nung auf solche für mehrere Jahre hinaus. Auch Menschenleben gingen dabei zu Grunde. 1 8
Griechenland.
3 Athen, 18. Sept. Die Deputirtenwahl von Athen ergab
in folgender Ordnung die Namen: Kaliphronas, Kolettis, Metaxras und Blachos. Der erste und vierte sind eingeborene Athener. Kaliphronas, ein Septembrist, gilt als ein Anhänger von Kolettis, jedoch mit stark ausgesprochenen autochthonen Sympathieen, welche bekanntlich Kolettis nicht theilt. Auch in der Maina sind die Wahlen ganz im Sinne der bestehenden Regierung ausgefallen. Dort standen dem abgetretenen Ministerium Manrokordatos die beiden alten (früher feindlichen) Fa⸗ milien Mauromichalis und Tsanettalis mit ihrem mächtigen Anhange entgegen, und da dasselbe sah, daß es mit seinen Kandidaten unter⸗ liegen werde, so wurden dem Fortgange der vortigen Wahlen alle
II Bukarest, 6. Sept. Der Fürst Bibesco hat das Ministerium
erdenklichen Hindernisse in den Weg gelegt, was die Leidenschaften so sehr erhitzte, daß der Bürgerkrieg ausbrach und nur mit großer Mühe und Anstrengung von Seiten der Häupter der erwähnten Familien wieder beigelegt werden konnte. blutige Feindseligkeiten vorgefallen sein.
Auch die Wahlen von Korinth sind ministeriell; dort wurden die von Maurokordatos hart verfolgten Chefs der Familie Notaras (der ältesten im Peloponnes) mit eminenter Stimmen⸗Mehrheit gewählt.
Der erste Jahrestag des 3. (15.) September wurde mit einem Tedeum in der Hauptkirche, an welchem Ihre Majestäten Theil nah⸗ men, und dem Desiliren der Garnison vor dem Königlichen Palaste gefeiert. Abends war die Stadt, wiewohl nur spärlich, erleuchtet. Bemerkenswerth ist, daß an diesem Tage viele Offiziere und Soldaten das Denkzeichen des Civilisten ist dasselbe ganz verschwunden. Der Enthusiasmus war nicht übermäßig, der Tag verlief ohne die geringste Demonstration oder Ruhestörung, und kaum hörte man am späten Abend hie und da einen Freudenschuß. Das einzig beklagenswerthe Ereigniß war der Tod eines Knaben aus guter Familie, welcher von einem betrun⸗ kenen Artilleristen aus Versehen erschossen wurde; denn der Schuß galt eigentlich einem Polizei⸗Kommissarius, welcher den Thäter seines Schreiens wegen zur Rede stellte. 8 1—
An diesem Tage wurde eine Broschüre vertheilt, worin sämmt⸗ liche Proclamationen, welche Kalergis seit dem 3. September v. J. erlassen, und einige interessante Briefe, welche er an hiesige und aus wärtige Diplomaten geschrieben, abgedruckt sind. Als historisches Fak⸗ tum müssen wir anführen, daß er in einem Briefe an die hiesigen englischen und französischen Gesandten diesen, neben anderen Verdien⸗ sten um die Sache des 3. September, auch ausdrücklich für die gute Ermahnungen und Rathschläge dankt, welche sie ihm am Abend des 2. (14.) September, also am Vorabend der Revolution zur Aufrecht haltung der Einigkeit und Ordnung gegeben haben. Ein Beleg, de natürlich allen denjenigen sehr willkommen war, welche diese beiden Herren der Mitwissenschaft oder gar der Theilnahme und Leitung de Komplotts vom 3. (15.) September von Anfang an verdächtigs machen wollten. 8
Die Organe der Opposition klagen über das Erscheinen vo neuen Räuberbanden an der türkischen Gränze und wollen mit einem Seitenblick auf den Kolettis schuld gegebenen Propagandismus z verstehen geben, daß die Türken die Einfälle solcher Banden auf jed Weise hervorriefen und begünstigten, seitdem das neue Ministeriurn an der Spitze der Angelegenheiten stehe. Ein Journal stellt die Be⸗ hauptung auf, Rumelien befände sich in derselben traurigen Lage wie 1836. Hierauf antworteten die Freunde des Ministeriums, dies ist sehr wahr, denn wie ein Glied der Maurokordatos ergebenen Familie Stratos sich im Jahre 1836 an der Spitze von zahlreichen türki⸗ schen Räuberbanden, welche er jenseits der Gränze gesammelt hatte, das Land in Aufstand zu bringen suchte und bis Missolunghi vordra ebenso verschreibt nun dessen Bruder seine Freunde von jenseits der Gränze, um sich wegen des Falles seines Gönners und des Wahl⸗ sieges seines Todtfeindes Grivas zu rächen. Ich lasse die Wahrheit der einen und der anderen Behauptung auf sich beruhen und erwähne derselben nur deswegen, weil sie mir für die Charakteristik der hiestt gen Parteikämpfe charakteristisch erscheint. 8
Den 19. September. Heute Nachmittag um 2 Uhr fand die feierliche Eröffnung der Kammern statt. Das für die Sitzungen der beiden Körper bestimmte Lokal ist ein dem König eigenthümlich gehöriges Gebäude, welches derselbe kurz nach seiner Ankunft in Griechenland gekauft hatte und [das unter dem Namen der alten Residenz bekannt ist. Die geräumige Tanz⸗Rotunde desselben, in welchem auch die
National⸗Versammlungen ihre Sitzungen gehalten, ist um der zweiten
Kammer, hier vorzugsweise „Kammer“ im Gegensatze zum „Senate“ genannt, eingeräumt. b walten und dort verkündet, wie in Frankreich und Belgien, der König von einem zu diesem Zweck ausgeschlagenen Throne, welcher hierauf wieder weggenommen wird, die Eröffnung des Landtages, während in der englischen Pairs⸗-Kammer der Thron Jahr aus, Jahr ein fest⸗ steht (da das Oberhaus ursprünglich des Königs Rath war) und die zweite Kammer dorthin zur Eröffnung des Parlaments vorgeladen wird. Zur äußeren Charakteristik der griechischen Constitution gehört auch noch der Vorrang, welcher sowohl in der Constitutions⸗Akte, als auch in den übrigen Staatsschriften der Deputirten⸗Kammer vor dem Se⸗ nate eingerͤumt wird. In Belgien ist dies eben so, nur nimmt dort der König die dritte Stelle ein, während er in der griechischen Charte den beiden Kammern vorsteht.
Nachdem heute Morgen die Sitzungslokale beider Kammern von dem Bischof von Attika geweiht und eingesegnet worden, wurden De⸗ putirte und Senatoren vereidigt; erstere unter Vorsitz des Altersprä⸗ sidenten, für letztere hatte der König, welchem nach der Constitution das Recht zusteht, noch keinen Präsidenten ernannt. Um 2 Uhr Nach⸗ mittags fuhr der König zwischen den Spalieren der hiesigen Trup⸗ pen in das Ständehaus, an dessen Eingang ihn eine Kommission aus beiden Kammern empfing und zum Throne geleitete. Nachdem er auf demselben Platz genommen und die Versammlung zum Sitzen eingeladen, las die Thron⸗Rede ab:
(Da wir diese Thron⸗Rede bereits in Nr. 277, aber nur nach einer mangelhaften Uebersetzung, gegeben haben, so wiederholen wir hier diejenigen Paragraphen derselben, in welchen sich wesentliche Ab⸗ weichungen von jener ersten, wahrscheinlich nur nach dem bloßen An⸗ hören gemachten Uebersetzung finden; es sind folgende:)
„ Meine Verhältnisse zu den fremden Mächten sind durchaus freundschaftlich, und Ich fühle innige Freude, Ihnen dieses anzeigen zu kön⸗ nen. Besondere Danlbarkeit sind wir aber denjenigen Mächten schuldig, welche, nachdem sie uns in dem Kampfe um die Freiheit nachdrücklicher bei⸗ gestanden, unsere Unabhängigkeit thatkräftig unterstützt haben und zu unter⸗ stützen und zu beschützen fortfahren. —.
„Die Ansprüche einer rühmlichen Vergangenheit werden in keiner Weise übersehen werden. Eben so wird unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen der Glanz der heiligen Religion, ihre möglichst vollständige Orga⸗ nisation durch zweckmäßige Gesetz⸗Entwürsfe, ihre Festigung und die Ent⸗ wickelung des öffentlichen Unterrichts, ferner die Vervollkommnung und Verbesserung des Heeres, welchem die Sicherung des Reiches und die ge⸗ naue Vollstreckung der Gesetze obliegt. E 1
„Es ist Ihre Aufgabe, meine Herren, durch die Gewaäͤhrung derjenigen billigen Mittel Meine Regierung zu unterstützen, ohne welche dieselbe in der Leitung der Staats⸗Angelegenheiten auf Hindernisse stoßen müßte, die sowohl den Privat⸗ als den Gesammt⸗ Interessen Nachtheil bringen wür⸗
1 „ 7 2 2 27 2 2 70 1 „Die Vereinfachung der Gesetzgebung und deren mit dem Zustande des
Volkes mehr übereinstimmende Abänderung wird der Gegenstand dieses ersten Landtages sein
Moldau und Wallachei.
des Innern beauftragt, sich über die Maßregeln zu berathen, wie sämmtliche Distrikte des Landes auf eine zweckmäßigere Weise und zur größeren Erleichterung der Einwohner sowohl, als der Verwal⸗ tung eingetheilt und arrondirt werden können. Auch soll zugleich dem Uebelstande abgeholfen werden, daß einige Distrikte gar keinen Haupt⸗ ort als Centralsitz der Behörden haben und derselbe in anderen zu klein oder unzweckmäßig gelegen ist.
Eine zweite Verordnung besagt, daß der Fürst bei seiner letzt
Leider sollen nach der Wahl neue
3. Septembers gar nicht trugen, unter den
Hierhin verfügen sich die beiden anderen Ge⸗
Anwesenheit in Plojescht sich durch den Augenschein von dem nach⸗ theiligen Einflusse überzeugte, den die allzu große Ausdehnung dieser Stadt durch isolirte Ansiedelungen theils auf die Verschönerung und Reinlichkeit, theils auf die Handhabung der polizeilichen und admini⸗ strativen Functionen ausübt und eine Versplitterung der zum Aufblü⸗ hen des Ortes erforderlichen Gesammtkräfte veranlaßt. Das Mini⸗ sterium wird daher beauftragt, sogleich die nöthigen Maßregeln zu ergreifen, um diesem Uebelstande sowohl in Plojescht als auch in an⸗ deren Orten, bei Zeiten durch Aufführung von Barrieren und Be⸗ stimmung eines angemessenen Rayons zu steuern und dafür zu sorgen, daß ein weiterer Anbau außerhalb derselben nicht mehr stattfinde. Türkei.
Konstantinopel, 18. Sept. Der Gesundheits-Rath ist wieder in Wirksamkeit getreten, und die Pforte hat, um den Reprä⸗ sentanten der fremden Mächte einige Genugthuung zu geben, den bisherigen Vice⸗Präsidenten desselben, Emin Efendi, abgesetzt und an seine Stelle den bei den Europäern sehr beliebten Direktor der Qua⸗ rantaine von Smyrna, Riski Bei, ernannt.
Aus Beirut wird vom 7. September gemeldet, daß die Drusen und Maroniten auf den Vorschlag des Kapudan Pascha den Kaiser⸗ lichen Ferman in Betreff der Entschädigung der Christen angenommen haben. (S. Allg. Preuß. Ztg. Nr. 272.) Die Maroniten wer⸗ den, um nicht einem Kaimakam der Drusen untergeben zu sein, mit Bewilligung Halil Pascha's, in das Gebiet ihres Chefs, des Erzbi⸗ schofs, auswandern. I“
La Plata-Staaten.
London, 1. Okt. Mit der dänischen Bark „Sarah Johanna“ sind Nachrichten aus Buenos Ayres bis zum 26. Juli, und aus Montevideo bis zum 1. August eingegangen, die aber über die Unterhandlungen mit Brasilien nichts melden. Die Entfernung des Commodore Purvis von Montevideo hat dort tiefen Eindruck gemacht. Die Desertion unter der Besatzung dauerte fort. In Betreff zweier Milicianos, Namens Goroci und Romero, hatte der jetzige Platz⸗ kommandant und Kriegsminister Pacheco y Obes eine Proclamation erlassen, worin beide für infam erklärt werden, ihre Verfolgung, und im Falle der Habhaftwerdung ihre unverzügliche Erschießung angeordnet wird. Werden sie binnen 48 Stunden nicht festgenommen, so sollen ihre Familien aus ihren Häusern vertrieben, diese verbrannt, an deren Stelle aber eine Tafel mit der Inschrift gesetzt werden: „Hier stand das Haus eines Feiglings, und die Gerechtigkeit der Nation hat es geschleift von Grund aus.“ Ein gleiches Verfahren soll gegen alle beobachtet werden, die künftig desertiren. Durch ein anderes Dekret werden 100 Dollars Belohnung jedem versprochen, der einen der vier Brü— der Mainero, die Kriegsdienste zu thun sich weigerten, tödtet. Diese Schreckensbefehle sollen von dem jetzigen Anführer der ehemaligen französischen Legion ausgegangen sein, die nun einen eingebornen Montevideaner zum Führer hat.
“ Ostindien.
Malta, 25. Sept. (Telegraphische Depesche.) Das Dampfboot „Liverpool“ ist heute Abend mit der indischen Ueberland⸗ Post von Alexandrien hier angekommen. Die Nachrichten aus Bom⸗ bay reichen bis zum 27. August und sind ohne Interesse. Truppen Detaschements, welche nach Schirkarpur gesandt worden waren, mußten wegen großer Hitze und Wassermangels sich wieder zurückziehen. — Eine Expedition gegen den König von Buchara wird in Kabul vor⸗ bereitet. Akhbar Chan wird sie kommandiren. — Das Pendschab ist in größerer Aufregung, denn je. — Lord Ellenborough wird im Laufe des heutigen Tages nach Malta kommen. 8
Die Gewerbe⸗Ausstellung der deutschen Bundes⸗ und Zollvereins⸗Staaten.
(Vergl. Allg. Preuß. Ztg. Nr. 227, 238,
253, 254, 255, 256, 258, 259, 260, 261,
. 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277 und 278.)
1 1 XLVIII. Brennstoffe.
Wenngleich die Brennstoffe, welche Deutschland zu seinen Gewer⸗ ben zu verwenden hat, allgemein bekannt und hier nur im Vorüber⸗ gehen zu erwähnen sind, so haben sie doch eine zu große Wichtigkeit, um darüber ganz zu schweigen, und zumal da der Mangel des immer kostbarer werdenden Holzes den Gewerben großen Nachtheil droht, wird es von Interesse sein, zu hören, daß andere in Menge vorhan⸗ dene Brennstoffe das Holz großentheils zu ersetzen versprechen. Die Anwendung dieser Brennstoffe zur Erzeugung von brennbaren Gasen (Kohlen-Oxyd und Kohlen⸗Wasserstoff⸗Gas), mittelst besonderer Vor⸗
richtungen wird den meisten des Feuers bedürfenden Gewerben einen
bedeutenden Vortheil bieten, da theils hierdurch die ganze Brennkraft nützlich verwendet, theils aber der Nachtheil umgangen wird, welcher durch unmittelbare Berührung der Brennstoffe mit dem zu bearbei tenden Produkte hervorgeht und daher deren Anwendung bisher ent⸗ gegentrat. Es sind schon erfolgreiche Versuche gemacht, mit Gasen Eisen zu schmelzen, und es dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß bald in den meisten Gewerben auf ähnliche Weise Gas verwandt werden wird. Dadurch wird es entbehrlich werden, das Holz zu verkohlen.
Von den in unserer Ausstellung befindlichen Arten von Brenn⸗ material, welche freilich nur von den wenigsten Gewerbetreibenden eingesandt worden, verdienen vorzüglich die Steinkohlen und Coaks von Saarbrücken Beachtung (Kat. Nr. 1189). Dies treffliche Ma⸗
terial, der Quell, woraus ein höchst bedeutender Erwerbszweig der
Rheinlande fließt, ist von vorzüglicher Güte und zu allen paßlichen
Verwendungen in den Gewerben geeignet.
Weniger gut, jedoch auch sehr brauchbar, sind die Stei Schlestens eh hbar, sind die Steinkohlen aus Schlesiens Gruben (von Königshütte und von Eugenien
Glück bei Laurahütte Nr. 2076) und die aus dem plauenschen Grunde
von Pottschoppel, welche auf Burgkhammer verwandt werden. Von den ausgestellten Braunkohlen möchten die in der Umgegend von Berlin, bei Fürstenwalde vorkommenden, theils in den Händen der
Herren von Rappart nnd Bußler, theils in denjenigen des Herrn
Cosmar befindlichen, zu erwähnen sein, da sie für die gewerbliche
ArPesehl in Berlin von dem größten Nutzen zu werden verspre⸗ chen, wenn geeignete Versuche zuvor die Brennräume und Vorrich⸗
tungen diesem Material angepa Nr. 1971 Hi 3 und Nr. 2396 ““ paßt haben. (Nr. 1971 Hildebrandt
Auch für Schlesten, welches noch einen groß S von Braunkohlen und Steinkohlen esitt secbenaneanecen Aca bei Grüneberg gefundene, von dem Kaufmann Pohlenz daselbst unter Nr. 2072 ausgestellte Kohle von Interesse.
Durch die Auwendung des Torfes zur Gaserzeugung wird auch dessen Verbrauch allgemeiner werden und manchen Gegenden Hülfs⸗ mittel zur Gründung technischer Anstalten darbieten können, welche jetzt s nicht haben.
ie von mehreren Gegenden, besonders aus Westphalen, ein⸗ gesandten Holzkohlen liefern den Heesgs eines guten sphencae der
7 Bei weitem der größere Theil der bei den Eisenwerken ver⸗
1483 Waldverkohlung; so die vom Königlichen Hüttenamt zu Lohe und Littfeldt im Kreise Siegen unter Nr. 1200 eingesendeteun.
XLIX. Eisenerze. “
FrArtrmbert.
wandten und mit ausgestellten Eisensteine besteht aus Gelb⸗ und Brauneisenstein mit verschiedenen Beimengungen (Eisenoxydhydrat) aus den Flötzformationen. Diese Eisensteine, zum größten Theil durch Zersetzung von kohlensaurem Eisenoxydul entstanden, enthalten nichts der Eisen⸗Fabrication Nachtheiliges, und daher zeichnet sich alles daraus erzeugte ausgestellte Stabeisen durch Zähigkeit und Weich⸗ heit aus. Die weitläuftigen Werke der Gebrüder Krämer auf der Quint bei Trier (Nr. 1198), Laurahütte (Eisenstein vom tarnowitzer und haulter Revier) (Nr. 2076), Malapane (2775), Königshütte und Gleiwitz ꝛc., Schlesien, (938), Wasseralsingen (2598) und Königs⸗ bronn (2596) in Württemberg u. ga. m. geben Beweise dafür, und ist das aus diesem Eisenstein geblasene Roheisen dem englischen, aus Sphärosideriten der Kohlenformation erzeugt, am ähnlichsten. Aus⸗ gezeichnet in der Form ist der von Pönsgen zu Schleiden (1181) eingesandte kugelförmige Brauneisenstein.
Vieler anderen Brauneisensteine dürfte nicht zu gedenken sein, da sie nichts Ausgezeichnetes darbieten.
Diejenigen Eisenwerke, welche Raseneisenstein verarbeiten, wie z. B. Lauchhammer bei Mückenberg, haben mit Schwierigkeiten we⸗ gen der durch dieses Material so sehr bedingten Sprödigkeit des Guß⸗ und Stabeisens zu kämpfen.
Die meisten der Gegenden, welche den Stahlstein (Spatheisen⸗ stein, Pflinz, kohlensaures Eisenoxydul, Gelbspath, Eisenspath) erzeu⸗ gen, nämlich Siegen und Westphalen, Schmalkalden in Thüringen, Gittelde im Herzogthum Braunschweig, Mägdesprung im Herzogthum Anhalt⸗Bernburg, Inner⸗Oesterreich, haben Proben von diesem un⸗ vergleichlichen, durch seinen Mangangehalt zur Stahlfabrication so ausgezeichneten Material eingesandt. Dieses Material liefert ein wei⸗ ßes, zum Theil spiegelichtes Roheisen, aus welchem das trefflichste, durch Härte und Zähigkeit ausgezeichnete Stabeisen eben so gut wie vorzüglicher Stahl hergestellt werden kann.
Es ist folgender Stahlstein ausgestellt:
1) Von der Grube Georg zu Horhausen unweit Saynerhütte, welche auch noch zu dem Stahlroheisen Brauneisenstein von Horhau⸗ sen (Louise) und Manganstein (einen zelligen dichten Brauneisenstein mit krystallisirtem Pyrolusit) als Zuschlag verwendet.
2) Gebr. Böcking (Nr. 1204) von Asbacher Hütte bei Kirn (Koblenz).
3) Revier Loh und Littfeld und Bergamts⸗Bezirk Siegen. Hier kommt der Stahlstein als Ganzmasse git den 5 Revser Müßen einbrechenden Blei und Kupfererzen vor.
12 Herzoglich anhaltische Bergwerks⸗Kommission zu Harzgerode, Stahlstein von Neudorf, wo er einen Hauptbestandtheil der Ganz⸗ masse (Nr. 2290) der dortigen Bleierzgänge ausmacht.
An Rotheisensteine ist als ausgezeichnet der von Gebr. Krämer (1198) eingesandte von Lommersdorf a. d. Ahr zu bemerken, der Brauneisenstein von Horhausen von der Grube Louise, von Sayner⸗ Hütte eingesandt (Nr. 1205), dürfte als einer der schönsten seiner Art betrachtet werden können. Von Thoneisenstein hat nur die Sophien⸗Hütte bei Myslowitz in Schlesien bei Orzesche Proben ein⸗ gesandt.
Kalkstein als Zuschlag bei dem Hochofen⸗Betriebe ist eingesandt: 1) von Laura⸗Hütte (2070). Derselbe bricht zu Siemianowitz, fer⸗ ner von Sayner⸗Hütte (Grobkalk) von Budenheim bei Mainz und 3) von Königs⸗Hütte in Schlesien (Muschelkalk). Die zur Vitriol⸗ Bereitung gehörigen Kiese sub Nr. 1357, Püttner., 2444 Reichenst., 2149 Kupferberg; 1223, 731 werden hier nur im Vorbeigehen er⸗ wähnt, da sie als Rohstoffe der Vitriol⸗Bereitung angehören.
Es wäre zu wünschen gewesen, daß alle Eisenhüttenbesitzer ihre Eisensteine vollständig ausgestellt und die Ausstellung mit den noth⸗ wendigen Erläuterungen über Vorkommen und Verwendung derselben begleitet hätten. Es ist dies nicht geschehen und daher die vorstehende Uebersicht nur von wenigem Interesse. Rotheisensteine, so wichtig im Eisenhüttenhaushalte, sind sehr wenig in der Ausstellung vorhan⸗ den. Der ausgezeichnetste darunter ist von Johann Georgenstadt (Nr. 2609), faseriger Rotheisenstein (Blutstein) in 10—12 Zoll lan⸗ gen keilförmigen Bruchstücken, ein Vorkommen, welches seines Gleichen an Schönheit kaum finden dürfte.
1. Rohei sm
Wir treten nun zu einem wichtigen Zweige der deutschen In⸗ dustrie, der Roheisen⸗Erzeugung. Dieselbe ist in neuester Zeit durch die Einfuhr englischen Eisens ernstlich bedroht und neuerdings durch die Fürsorge der Zollvereins⸗Staaten durch eine Zoll⸗Erhöhung für das aus dem Auslande eingehende Eisen geschützt worden. Um so mehr wird es von Interesse sein, die eingesandten Roheisen⸗Arten zu vergleichen. Wir theilen das Roheisen ein:
n. in graues Roheisen, zu Gußwerk und Stabeisen Fabrication tauglich, aus Roth⸗, Braun⸗, Thon⸗Rasen und Bohnen⸗Eisenstein mit Holzkohlen oder Coaks erblasen; b. in weißes Roheisen, nur zu trefflichem Stabeisen und Stahl anwendbar, aus Stahlstein erzeugt.
Das erstere Roheisen ist mit dem englischen Roheisen großen⸗ theils zu vergleichen und zu gleichen Zwecken, wie dieses, anwendbar; das letztere ist Deutschland eigenthümlich, und ein Vorzug, welcher den Deutschen eine Stabeisen⸗ und Stahl⸗Fabrication sichern muß, wenn auch die Konkurrenz des ausländischen Stabeisens fortdauere, ja sich vermehren sollte.
Graues deutsches Roheisen, unter welches auch die fertigen Guß⸗ waaren gezählt werden müssen, da sie aus demselben gefertigt sind, ist eingesandt von
1) der Saynerhütte (Nr. 1205), Holzkohleneisen;
2) Remy und Comp. (Nr. 1201), in Wasser abgeschmiedetes zum Frischen bestimmtes Roheisen;
3) den Gebrüdern Krämer (Nr. 1198), Holzkohleneisen;
4) der Laurahütte (Nr. 2076), Coakseisen. Dieses Roheisen ist ungemein grobkörnig und gaar und scheint von vorzüglicher Qualität zur Stabeisen⸗Fabrication;
5) Baller und Comp. zu Wilhelmshütte in Eulau bei Sprot⸗ tau (Nr. 2046). Die Hütte verarbeitet Wiesenerz (Holzkohleneisen);
6) Lauchhammer bei Mückenberg (Nr. 720). Auch diese Hütte verarbeitet Morasterz (Holzkohleneisen);
7) der Königshütte in Schlesten (Nr. 938), Coakseisen;
8) Ilsenburg (Nr. 772), Holzkohleneisen;
9) der Königshütte und Rothehütte im Hannoverschen (Nr. 1828 und 1829), Holzkohleneisen;
10) Rübeland (Nr. 1673), Holzkohleneisen;
11) Zorge (Nr. 1671), desgl. Beide letzteren im Herzogthume Braunschweig;
12) Mägdesprung (Nr. 1674), Holzkohleneisen; im Herzogthum Anhalt⸗Bernburg;
12) Veckerhagen (Nr. 1729) im Kurfürstenthum Hessen, Holzkohlen⸗ Eisen. (Aus Gelbeisenstein der Grobkalkformation erblasen);
13) und 15) Wasseralfingen und Königsbronn im Königreiche Württemberg (Nr. 2595 und 2598), Holzkohlen⸗Eisen.
Dieses Roheisen ist mehr oder weniger zur Gießerei brauchbar,
wie — dem Artikel Gußwerk weiter erläutert werden wird. So⸗ bald dieses graue Roheisen zum Frischen und namentlich zum Puddele angewandt werden soll, ist es vortheilhaft und oft nothwendig, das⸗ selbe einem Vorbereitungs⸗Prozesse zu unterwerfen, welcher in Eng⸗ land und auf vielen Hütten in eigenen Feuern (reßning fires) wie Frischheerde gestaltet, mit mehreren Formen zur Gebläselust und bei Coaks vorgenommen wird. Man nennt diese Arbeit das Weißmachen des Eisens, da das Predial die graue Farbe verliert und ein weißes, strahliges, dem grellen Roheisen ähnliches Ansehen erhält.
Solches weiß gemachtes Eisen ist eingesandt:
1) von Laurahütte; 79 18 828h
2) von Königshütte. WEEE“
In Königsbronn und Wasseralfingen wird nicht auf diese Weise, sondern in einem Gasflammofen das Cisen geweißt und zum Frischen vorbereitet. Das Eisen wird aus dem Hohofen flüssig in den Flamm⸗ ofen, mit Torfgas geheizt, eingetragen. Dieses geweißte Eisen ist auch zu den schönen Hartwalzen von Königsbronn (Nr. 2596) ver⸗ wandt, welche aufgestellt sind und pro Ctr. 20 — 30 Fl. zu stehen kommen. Die Hartwalzen haben einen weißen Ring von etwa 1 ½ Zoll von der Peripherie nach innen und sind inwendig von grauem
„Eine Probe vortrefflichen Roheisens zu Geschützläufen von Kö⸗
nigsbronn erregt unsere Aufmerksamkeit. Es ist ein Stück von einem zersprengten Geschützrohre ausgestellt, welches ein getiegertes, manchem halbirten Roheisen ähnliches Ansehen hat. Einer Notiz der Herren Einsender gemäß, ist das Roheisen zu diesem Rohre aus der Hälfte von Roheisen von Königsbronn aus Bohnenerzen, bei kaltem Winde erblasen, und zur anderen Hälfte von Roheisen von Friedrichs⸗ thal, gleichfalls bei kaltem Winde erblasen und im mit Torf betriebe⸗ nen Flamm⸗Ofen mit geneigtem Heerde zusammengeschmolzen. Es ist erst bei dem 63sten Schuß mit einer Ladung von 18 Pfd. Pulver und 7 Kugeln zersprengt.
“ weiße Roheisen, aus Stahlstein geblasen und manganhal tig (Stahl⸗Roheisen, Stahlkuchen), welches sich wegen seiner Dick⸗ flüssigkeit nicht zur Gießerei, wohl aber zur Stabeisen⸗Fabrication eignet, ist in vorzüglicher Schönheit in mehreren Exemplaren vorhanden:
1) Aus Westphalen und vom Rhein, von Sayner⸗Hütte (1205), von Loh und Littfeld (1260), von Dreßler in Siegen (1246), vom Berg⸗Amte zu Siegen. 8
2) Von Mägdesprung (1674)..
3) Aus Wien von der Kaiserl. Bergwerks⸗Produkten⸗ Verschleiß⸗Direction (Nr. 2697).
Letztere hat eingesandt: a. Schnellfloß, dickgrell (ein weißes festes Eisen); b. Hartflosse (strahliges weißes Eisen); c. Parallen⸗ eisen (weiß, mit sehr kleinen Löchern in Menge versehen) ; d. weiche Flossen (lukiges Roheisen mit großen Poren). Letztere Sorten sind schon vorbereitet zur Stahlfabrication (geweißt), wahrscheinlich im Hartzernennefeuer. Diese Materialien geben den trefflichen steyeri⸗ schen Stahl, von welchem noch einmal die Rede sein wird. Bei dem Verblasen des Spatheisensteins auf solches weißes Roheisen fällt eine ungemein manganreiche vorwaltend grüne Schlacke, welche bei richti⸗ gem Verhältniß die Beschickung und garem Gange leicht die porphyr- artige Ausscheidung von Krystallen zeigt uweilen in zwei verschiede⸗ nen Formen), wovon die Hütte zu Mägdesprung (Nr. 1674) Proben eingesandt hat. 8
LIl. Eisengußwaaren.
Die Benutzung des grauen Roheisens zu Gußwerk von der man⸗ nigfaltigsten Form und Bestimmung wächst immer mehr und ist nicht mehr ausschließlich eine Beschäftigung der Roheisen erzeugenden Hüt⸗ tenwerke, sondern eine Menge von Gießereien, deren Zahl täglich wächst, wie Bedürfniß und Speculation sie hervorruft, kaufen Roh⸗ eisen aus dem In⸗ und Auslande und verarbeiten dasselbe, da sie in der Regel mit Maschinen Bau⸗Anstalten und großen Schmieden ver sehen sind, durch Umschmelzen zu Gußwerk in der Form von Maschi⸗ nen⸗Geräthen, Werkzeugen, architektonischen Gegenständen und Or namenten aller Art. Es sind eine große Menge Beläge für di Fortschritte dieses Theiles der Gewerbe ausgestellt, und man darf mit Befriedigung auf die Vollkommenheit der Produkte der deutschen Gießereien sehen. Durch die Anlage der Königlichen Eisengießerei zu Berlin wurde vor 39 Jahren der Impuls zur Entstehung ähn⸗ licher in den Händen von Privatpersonen befindlichen Anstalten gege⸗ 8 ben, deren Zahl, hohe Blüthe und Bedeutung für die Industrie von Jahr zu Jahr sehr steigt. Berlin hat eine Menge solcher Anstalten auf⸗ zuweisen, unter denen sich die von Borsig, Egels und Freund durch den Umfang ihrer Geschäfte und die Vollkommenheit ihrer Er⸗ zeugnisse ausgezeichnet und einen großen Ruf erworben haben. Da es nicht möglich ist, alle die Gegenstände namhaft zu machen, welch die Anwendung des Roheisens zu Gußwerk in der Ausstellung re⸗ präsentiren, so begnügen wir uns mit Aufzählung der Gießereien, welche Produkte eingesandt haben, die selbstständig als Gußwerk ver⸗ käufliche Gegenstände bilden, mit Ausschluß der Maschinentheile ꝛc. von Roheisen, deren Zahl zu bedeutend ist, um spezieller erwähnt zu werden. —
a. Roheisen erzeugende Hütten, welche Gußwaaren eingesandt
haben. 8
Unter diesen dürften die harzer Eisenhütten zuerst zu nennen sein. Ddie Hütten zu Ilsenburg (Nr. 772), zu Rübeland (1673), Zorge (1071), Mägdesprung (1674) und Wilhelmshütte haben eine Auswahl schöner Plattenöfen eingesandt. Wenn man be der Beurtheilung dieser Gußwaaren sich auf die Arbeit der Gießere beschränkt und speziell in die Prüfung der Ausführung derselben ein⸗ geht, so verdienen alle diese Hütten lobende Anerkennung. Ilsenburg, des Grafen Stollberg⸗Wernigerode, hat doch wohl den Vor⸗ rang. In Hinsicht des Geschmackes, der Anordnung von Forn und Verzierung läßt mancher Ofen zu wünschen übrig. Wir möchten fast glauben, daß manche mit Verzierungen zu sehr überladen seien.
Im Allgemeinen ist der Guß rein und scharf, wenn auch einzeln Theile diese Vollkommenheiten in geringerem Grade zeigen, so muß man doch gestehen, daß die zu rügenden Unvollkommenheiten sich auf diejenigen beschränken, welche mehr und weniger bei der Anfertigung größerer Massen von Gegenständen nicht zu vermeiden sind. Di Hütte zu Ilsenburg hat die reichste Auswahl von ausgezeichneten Gußwaaren geliefert, unter denen auch feine, wenngleich nicht als Ge⸗ genstand der allgemeinen Industrie, rühmlich zu erwähnen sind (z. B ein gegossener Fächer). Sie hat auch im Allgemeinen sehr guten Ge⸗e schmack in der Wahl der Formen und der Decoration der Gußwaa⸗ ren gezeigt. Ein Kandelaber von Rothehütte ist gut gegossen, abe von schwerer Form. 8
Die Hütten zu Lauchhammer bei Mückenberg haben eine Anzahl Oefen ausgestellt, welche in Hinsicht des Gusses und auch der An⸗ ordnung zu wünschen übrig lassen, so ausgezeichnet sonst diese Gießerei im Rufe ist. Der Guß hat nicht überall die gehörige Reinheit und Schärfe, die Oefen sind mit Verzierungen überladen, und die daran angebrachten Statuetten werden schwierig vom Staube zu reinigen sein. Das Poliren der Kanten einiger Oefen hat uns nicht gefallen, da der Rost schwer davon abzuhalten ist und das Ansehen dadurch kaum gewinnt. Eine Estrichplatte war in den Vertiefungen zwischen den erhabenen Vertiefungen emaillirt. Es kann die weitere Ausbil⸗ dung dieser Emaille⸗Arbeit, worin Lauchhammer schon so lange sich