1844 / 288 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

Nichtamtlicher Inland.

Provinz Pommern. Ueber die Fahrt des schon verloren 589 glücklich erhaltenen und am 9. Oktober in Istadt angekommenen schwedischen Post Dampssch ifffs „Svenska Lejonct wird den Börsen⸗Nachrichten der Ostsee nachträglich Folgendes aus Greifswald gemeldet: Das Schiff mußte einen fürchterlichen Sturm ausstehen, bis es unter Christiansöe Schutz fand. Fast im⸗ mer hat es auf einer Seite gelegen und im Raum über zwei Fuß Wasser bekommen. Die Pumpen waren unklar geworden und die Besatzung hat mit außerordentlicher Anstrengung arbeiten müs⸗ sen, sie im Gange zu erhalten, sich dabei wahrhaft ausgezeich⸗ net, aber an der Rettung selbst fast verzweifelt. In Christiansöe war das Schiff zweimal eingelaufen, um Schutz zu suchen und Holz als Feuerungsmaterial einzunehmen. Das lübecker Dampsfschiff, welches am 11. Oktober früh in Astadt sein sollte, war des Abends noch nicht dort eingetroffen. Sturm und Unwetter sind während der letzten acht Tage in diesem Theile der Ostsee so heftig gewesen, wie vielleicht lange nicht. Das preußische Post⸗Dampfschiff „Eli⸗ sabeth“ hat sich aber auch bei dieser Gele genheit als vorzüglich be⸗ währt, und seine Reisen zwischen Schweden und Pommern ohne Unterbrechung fortgesetzt.

8

Provinz Westphalen. Am 9. Oktober fand zu Mün⸗ ster die statutenmäßige General⸗Versammlung der Actionaire der westphälischen Dombau⸗Vereine statt, in welcher die Wirksamkeit des dortigen Haupt⸗Vereins und der demselben beigetretenen übrigen Dombau⸗Vereine der Provinz, so wie das Resultat des Rechnungs⸗ Abschlusses für 1843—44 von der Direction öffentlich dargelegt wurde. Es ergab sich daraus, daß der Geist für die Vollendung des herrlichen Denkmals altdeutscher Baukunst nicht erloschen, son⸗ dern fort und fort thätig und lebendig erhalten war. Die technischen Untersuchungen über Herstellung des Max⸗Klemens⸗ Kanals und Verbindung desselben mit der Ems sind beendet. Da dieses Projekt allerseits die regste Theilnahme genießt und das In⸗ teresse aller nördlichen Provinzen Deutschlands so innig berührt, so spricht der Westphälische Merkur den Wunsch aus, daß das Er⸗ gebniß der Untersuchung, welches, dem Vernehmen nach, ein höchst günstiges ist, veröffentlicht werde.

Seit längerer Zeit finden wir in über den hohen Sundzoll, Beschränkung des

* Magdeburg, 9. Okt. öͤffentlichen Blättern von Stettin Klagen welcher von allen Seiten angegriffen und als eine 2 Verkehrs für die Ostsee⸗Häfen! bezeichnet wird. Den Grund oder Ungrund dieser Klagen lassen wir auf sich beruhen, können aber durch Fakta beweisen, daß wir uns noch viel mehr über die Zölle auf der Elbe zu beklagen haben, welche so unnatürlich hoch sind, daß unser Elbverkehr sichtlich darunter leidet, indem alle überseeischen Be— ziehungen von Waaren für hier viel billiger über Stettin auskommen, und daher auch von Jahr zu Jahr mehr den Weg über diesen Platz zu uns nehmen. Wir wollen nur beispielsweise anführen, daß 100 Tonnen Häringe an stader und Elbzoll bis hier circa 70 Rthlr. kosten, während der Sundzoll auf 100 Tonnen nur circa 7 ½ Rthlr. beträgt, wovon in Stettin noch 2 pCt. auf die preußische Eingangssteuer (eine Begün⸗ stigung, die allein Stettin hat) mit 2 ½ Rthlr. vergütet wird, so daß man nur 5 Rthlr. Zoll rechnen kann. 1 1

Fast im gleichen Verhältniß stehen alle übrigen Haupt⸗ Artikel, und da die Schiffsfracht von England nach Stettin und Hamburg, so wie von beiden Plätzen hierher ganz gleich steht, so liegt es auf der Hand, daß die Haupt⸗Beziehungen des hiesigen Platzes von Soda, Farbehölzern, Reis, Rosinen, Eisen ꝛc. den ganz unnatürlichen Weg über Stettin nehmen müssen und nur der erste nöthige Bedarf noch über Hamburg bezogen wird.

Um bei dem Artikel Häringe stehen zu bleiben, wollen wir nur erwähnen, daß für magdeburger Rechnung von England allein jährlich circa 40,000 Tonnen Häringe bezogen werden, von welchen nur etwa 3000 bis 4000 Tonnen für den nöthigsten Bedarf über Hamburg und die übrigen 36,000 Tonnen den weiten Weg zu uns über Stettin nehmen, da bei diesen die längere Dauer der Reise nicht mehr so sehr in Betracht kömmt, wenn man berechnet, daß auf diese Weise mehr als ½ Rthlr. pro Tonne erspart wird.

Aus dieser einfachen Sachlage geht klar hervor, daß Magdeburgs Handel nicht allein in viel größerem Nachtheil rücksichtlich der Elbzölle steht als Stettin in Betracht des Sundzolls, ja, daß Stettin auf Kosten des Elbverkehrs sehr begünstigt ist, indem der Weg zu uns von England und Frankreich über Stettin ein ganz unnatürlicher ist und bleibt. 8

Diese enorme Belastung des freien Elbstromes ist auch der Grund, daß Eisenbahnen rechts und links der Elbe theils angelegt oder pro⸗ jektirt werden und mit der Wasserstraße in Konkurrenz treten wollen, welches ihnen bei der jetzigen Lage der Dinge auch nicht schwer fallen dürfte. fics, ist indeß wohl zu erwarten, daß die lauten und gerechten Klagen nicht allein des hiesigen, sondern des Gesammt⸗Handelsstandes Sachsens über diese hohen Zölle doch am Ende bei den betheiligten Regierungen durchdringen werden, und bleibt nur zu beklagen, daß es nicht schon jetzt der Fall ist, sondern erst die größte Noth klar hervortreten muß, ehe man die wirklichen Thatsachen glaubt. Daß diese Noth theilweise schon vorhanden sei, beweist der namentlich in diesem Jahre so sehr gesunkene Elbverkehr.

Ausland. Deutsche Bundesstaaten.

isg vssh z. ge

Königreich Bayern. Am 7. Oktober wurde zu Dürkheim in der Pfalz die diesjährige Versammlung der Freunde und Beförderer des Wein⸗ und Obstbaues aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes und besonders aus dem weinreichen Rhein⸗Bapern im Rathhaussaale eröffnet.

In der Mitte desselben ist eine Tribüne für die Redner errichtet, die reich mit Früchten geziert ist, und vor welcher aus einer kleinen Fontaine köst⸗ licher dürkheimer Wein sprudelt. Drei geräumige Säle, rechts vom ersten, sind mit einer überaus reichen Sammlung von Weintrauben angefüllt, welche nach den Gegenden, aus denen sie stammen, geordnet sind. Bei dem schwierigen Transport der Trauben war es vorauszusehen, daß deren aus den göne Gegenden nur wenig, desto mehr aber aus der Umgegend vorhanden waren, und unter diesen sind besonders die größeren Samm⸗ lungen von Dürkheim, Wachenheim, Ungstein und Heidelberg hervorzuheben. Berherrschende Sorten waren die Traminer, Silvaner, Rieslinge, Ruländer und die Gutedel des rheinbayerischen Oberlandes. Allgemecine Bewunde⸗ rung erregte die in Deidesheim gebaute sehr große englische Perltraube, . Sorte, die in England den ganzen Winter über in den Früchteläden ehen ist, und die sich veneec für die größeren Seereisen eignet. Neben der außerst geschmackvollen Zusammenstellung auf den mit Pflanzen Kränzen und Draperieen verzierten Tischen ist noch insbesondere rühmend zu erwähnen, daß alle Tranben mit dem Holz und Laub und jede Sorte in einem Blumentopfe aufgestellt sind. Die Zahl solcher Stöcke beträ 5 as Obst ist in vier Salen links vo döe, Awneg 88 r4ꝙ m groößeren Sitzungs⸗Saalt aufgessellt und esteht hauptsächlich aus Aepfeln und Vinnen, die in einer Schönhrit, Volltom⸗

menheit und Mannigfaltigkeit vork

werden mit aller Thätigkeit betrieben.

1524

den sind, wie man sie selten sehen wird; außerdem sind aber auch Pfisssche, Mandeln, Kastanien, Nüsse, Mis⸗ peln und die in der Rheinpfalz ziemlich häufig kultivirten Sperben (Sorhus domestica) ausgestellt. Unter den größeren Sammlungen zeichnen sich be⸗ sonders die aus dem heidelberger Universitäts⸗Garten, die von Gärtner Velten in Speyer, Dochnahl aus Neustadt, aus den Gärten des Herrn von Comuzi in Dirmstein und der Gemeinde Freinsheim, so wie die schönen Suiten der dem Rheingebiet eigenthümlichen Sorten aus. Diese Lokalsor⸗ ten sind für den Pomologen sehr wichtig, weil sie ihm die an anderen Or⸗ ten meist weniger gut gedeihenden Sorten in ihrer Stammform zei⸗ gen. Die Sammlung der aus allen Gegen den zugeschickten Weine ist in dem Keller desselben Gebäudes aufgestellt und zählt über 200. Flaschen. Unter ihnen befinden sich auch Weine aus dem Königl. würt⸗ tembergischen Hofkeller. Die Zahl der bis jetzt eingeschriebenen Mitglieder der Versammlung beträgt gegen 200. Ein Restript der Königl. Regie⸗ rung der Pfalz trägt sämmtlichen Land⸗Kommissariaten und Polizei⸗Behör⸗ den auf, zu wachen, daß bei den nun begonnenen Terrain⸗Vermessungen für die pfälzische Eisenbahn die Signalstangen, Blöcke ꝛc. nicht beseitigt, den Arbeitern keine Hindernisse in den Weg gelegt, überhaupt die Operatio⸗ nen nicht gestört werden.

Königreich Sachsen. Sttatistischen Notizen über die wich⸗ tigsten Fabrikzweige im Königreich Sachsen entnehmen wir folgende Hauptzahlen. Der Erzeugungswerth sämmtlicher Fabrikate in Sachsen wird auf die runde Summe von 37,915,000 Rthlr. geschätzt. Die Arbeiterzahl beläuft sich auf 160,500. Im Ganzen ernährt die In⸗ dustrie 284,300 Menschen. Für die Baumwollenweberei und Weberei gemischter Zeuge sind 30,000 Stühle, darunter 4000 mit Jacquard⸗ Vorrichtungen, und 400 mechanische Webstühle; für die Damast⸗ Manufaktur 1000 Stühle; für die Kammgarnweberei 4000 Stühle; für die Posamenten⸗Fabrication 1500; für die Seidenweberei 400 Stühle mit Jacquard⸗Vorrichtungen, für Streichgarnweberei und Tuch⸗ Manufaktur 6000, und für die Strumpf⸗ Manunfaktur 22,000 Stühle vorhanden. Für Baumwollspinnerei giebt es 500,000] Spindeln; für die Kammgarnspinnerei 40,000; für Streichgarnspinnerei 100,000 Spindeln. Für die Eisen⸗Erzeugung und Eisen⸗Fabrication bestehen in Sachsen 20 größere Eisenhüttenwerke, 16 Hohöfen, 15 Kupolöfen, 50 Frischfeuer, 3 Blechwalzwerke, 1 Puddlungfrischereien und 1 Stab⸗ walzwerk; für den Maschinenbau 20 Werkstätten. Für die Papier⸗ Fabrication sind 64 Mühlen mit 7 Maschinen, für die Typographie und Lithographie 300 Buchdrucker⸗Pressen, 30 Schnellpressen und 150 Steinpressen, für Zeugdruckerei 1000 Drucktische, 10 Perrotinen und

8 Walzen vorhanden.

Königreich Württemberg. Die Wahl⸗Angelegenheiten Zu Stuttgart hat die Bür⸗ ger⸗Gesellschaft in der Versammlung vom 7. Oktober einstimmig beschlossen, den Banquier Friedrich Fedrer zum Deputirten der Hauptstadt zu wählen. Die Besprechung der Wahl⸗Angelegen⸗ heit durch die Presse scheint übrigens auf Schwierigkeiten zu stoßen; denn der Beobachter vom 10. Oktober erscheint mit einer leeren halben Seite und erklärt dabei, der weiße Raum sei nicht durch seine Schuld vorhanden, da er verhindert worden, den Schluß eines Artikels, unter dem Titel „Wahl⸗Angelegenheiten“, mitzutheilen. Der Schwäbische Merkur berichtet aus Ulm vom K. Oktober: „Die alte Hütte neben unserem Münster ertönt wieder von den Mei⸗ ßelschlägen kunstfertiger Steinhauer, denn seit mehreren Wochen hat unter der umsichtigen Leitung des Herrn Professor Mauch von Stutt⸗ gart, des neunen Münster⸗Baumeisters, die Restauration dieses wun⸗ dervollen Bauwerks wirklich, und zwar am oberen Kranze begonnen, um vor allen Dingen Einhalt zu thun, den weiteren durch Feuchtig⸗ keit hervorgebrachten Zerstörungen der Gewölbe des Thurmes, die leider schon viel weiter um sich gegriffen haben, als man fürchtete. Es ergiebt sich immer deutlicher, wie sehr es die höchste Zeit war, gründlich einzuschreiten und an die Erhaltung eines Denkmals zu ge⸗ hen, wie Deutschland kein zweites an Größe und Vollendung aufzu⸗ weisen hat.“

Oesterreichische Monarchie.

89 Wien, 9. Okt. Die Hof⸗Kammer hat beschlossen, vom 1. November eine Ermäßigung der Preise mehrerer Tabackssorten ein⸗ treten zu lassen, besonders bei den seineren Gattungen, deren Ver⸗ kaufspreis in so großem Mißverhältnisse zu jenem stand, der für ähn⸗ liche Sorten im Auslande bezahlt wird. Am bedeutendsten ist diese Herabsetzung bei dem Varinas⸗Kanaster von 7 Fl. auf 4 Fl. 30 Kr. und bei holländischem Krull von 3 Fl. auf 1 Fl. 48 Kr. C. M. das Pfund. Auch bei einigen Gattungen der nicht in den Aerarial⸗Fa⸗ briken erzeugten, sondern vom Auslande bezogenen Cigarren ist eine Ermäßigung des Verkaufpreises angeordnet, jedoch bei Weitem in zu geringem Betrage, um dem schwunghaften Schleichhandel in diesem Artikel vorzubeugen. Diese Aenderungen gewähren die Hoffnung, daß auch bei den geringeren Tabackssorten für den Bedarf der unteren Volksklassen bald eine Ermäßigung eintreten und dadurch am besten der an unseren Gränzen so schwunghaften Einschwärzung dieses Ver⸗

7

brauchsmittels entgegengetreten werden dürfte.

Pearis, 10. Okt. Während die telegraphische Depesche aus Calais über die Ankunft des Königs in Windsor von den überaus lebhaften und herzlichen Bewillkommnungen berichtet, mit denen Se. Majestät von dem englischen Volke überall empfangen worden sei, weisen die hiesigen Oppositions⸗Blätter auf die Sprache hin, welche in englischen Zeitungen fortwährend gegen Frankreich geführt werde, wobei ihnen namentlich die Berichte über den erwähnten neuen Kon⸗ flikt zwischen englischen und französischen Offizieren bei Otaheiti als Beleg dienen. „Wir wollen“, sagt unter Anderem der National, „das gute Vernehmen vervollständigen und diese glückliche Reise ver⸗ herrlichen, indem wir die englischen Blätter ihrerseits sprechen lassen. Als wir die uns gestern zugekommenen öffneten, fanden wir mit gesperrter Schrift gedruckt, solgende Worte: Schwere Unbill; neue Beschimpfung eines englischen Offiziers von Seiten der Fran⸗ zosen; unangenehmes Zusammentreffen; beklagenswerthe Kollision. Dann folgen grobe und bittere Schmähungen gegen unsere Marine. Und wovon handelt es sich am Ende? Von einer neuen Unver⸗ schämtheit der Engländer, die unsere Offiziere sich nicht gefallen lassen wollten. Wir sagen von einer neuen Unverschämtheit und bedienen uns desselben Ausdrucks, den die britischen Journale gebraucht haben. Es ist ihre Version, die wir geben, denn sie selbst erklären, Lientenant Rose habe von dem Admiral den Befehl gehabt, die französische Autorität auf Otaheiti nicht anzuerkennen. Er erkannte sie nicht nur nicht an, sondern er trotzte ihr noch dazu, und nun erhebt er ein lautes Ge⸗ schrei, weil er zwei Stunden am Bord der Fregatte „Charte“ zu⸗ gebracht, wo er mit der größten Höflichkeit behandelt wurde.“ Da⸗ gegen giebt der ministerielle Globe folgende Darstellung von dieser Sache: „Das Gefecht von Mahena hatte so eben stattgefunden. Die Königin Pomareh ist am Bord des „Basilisk“, die persönliche Sicherheit der Franzosen von den Eingeborenen angegriffen. Das Protektorat, welches der französischen Regierung das Recht giebt, den Verkehr von Ausländern mit der Insel zu reguliren, berechtigte voll⸗ kommen zu dem Verbot jeder Communication mit den Eingeborenen und der Königin Pomareh. Was geschah nun? Ein Offizier des „Hazand“ begab sich an Bord des „Basilisk“, wo die Köni⸗

gin sich aufhielt. Niemand hinderte ihn daran. Der Offizier des „Hazard“ verließ den „Basilisk“. man, daß er dies wolle? Dies folgt nothwendig aus der ihm vom Capitain der „Charte“ ertheilten Antwort: Jede Verbindung mit der Insel ist ausdrücklich verboten. In beiden Fällen war das Verfahren der französischen Schiffe durchaus natürlich. Offizier landen, so mußte er daran verhindert werden; glaubte man aber irrthümlich, daß er dies wolle, so ist kein großes Unglück dabei. Im ersten Fall wurde der Offizier mit der Erklärung zurückgeschickt, daß alle Verbindung mit der Insel verboten sei. Im zweiten Falle wurde über das Geschehene höfliches Bedauern kund⸗ gegeben. In alle dem liegt kein Mißbrauch der Gewalt und keine Demüthigung für irgend Jemand. Genug, wenn der Vorfall wirklich stattgefunden hat, was zum mindesten noch zwei⸗ felhaft ist, so wäre es eine ganz unbedeutende Sache und nicht zehn Minuten ernstlicher Aufmerksamkeit von Seiten der beiden Regierun⸗ gen werth. Natürlich aber müssen die Zeitungen beider Länder gro⸗ ßen Lärmen darüber erheben, denn sie haben nichts Anderes zu thun, als ein Nichts zu etwas Ungeheurem anzuschwellen, welches nachher wie Seifenblasen zerplatzt.“ Nach dem Messager hat übrigens die Regierung vorgestern Berichte vom Gouverneur der französischen Nieder⸗ lassungen in Oceanien erhalten, die bis zum 11. Mai reichen und von dem oben besprochenen Vorfall nichts erwähnen. Seit dem Gefecht vom 17. April,

in welchem die bei Mahena verschanzten Insurgenten geschlagen und zerstreut wurden, hatte kein Treffen wieder stattgefunden. Am 1. Mai war der Namenstag des Königs der Franzosen zu Papeiti mit vie⸗ lem Glanz und in der vollkommensten Ordnung gefeiert worden. Die Häuptlinge aller Bezirke von Otaheiti und der Insel Eimeo wanen dazu eingeladen und erschienen, von den angesehensten Personen jedes Distrikts begleitet. Sie zeigten alle, nach der Versicherung des ministeriellen Blattes, versöoͤhnliche und friedliche Gesinnungen, denen Capitain Bruat vertrauen zu können glaubte.

Dem Constitutionnel zufolge, hätte sich die mit der Reor⸗ ganisirung der polytechnischen Schule beauftragte Kommission nach langen Verhandlungen für inkompetent zur Entscheidung über die lnu⸗ terrichts⸗Fragen erklärt.

Gestern sind die Eisenbahnen von Orleaus nach Chateaurour und Nevers und die nach Bordeaux, die erstere auf 39 Jahr und 11 Monat der orleansschen Gesellschaft, die letztere auf 27 Jahr und 278 Tage der Gesellschaft Laurent Luzarche und Mackenzie zugeschla- gen worden. Bei der ersteren hatte nur ein einziges Gebot stattge⸗- funden, daher auch fast die äußerste, von den Kammern gesetzte Gränze, nämlich 10 Jahre, bewilligt werden mußte. Auf die andere waren drei Gebote eingegangen; außer der genannten Gesellschaft von der Compagnie Baouer und Rothschild zu 31 Jahr 3 Monat und von der Compagnie Blaque⸗Drouillard und Rumigny zu 36 Jahr weni⸗ ger 1 Tag. kulanten in ihren Kabriolets auf die Börse. Wettfahrt. dieser Kabriolets und die darin Sitzenden rannten zu Fuß nach dem Glückstempel, ohne sich um Kutscher und Roß zu kümmern. In der ersten Stunde realisirten die Actien der Compagnie Mackenzie 90 SFr. und die der anderen Compagnie 125 Fr. Prämie auf die Actie von 500 Fr. Der Sidele klagt darüber, daß in den letzten Tagen wieder skandalöse Schwindeleien im Actienhandel an der Börse stattgefunden

hätten, wozu die Promessen der verschiedenen Compagnieen dienten,

welche auf die beiden genannten Eisenbahnen zu bieten beabsichtigten.

Bloße Promessen, die am folgenden Tage ganz werthlos sein konnten, wurden mit beträchtlichen Prämien verkauft, trotzdem, daß ein König⸗

licher Commissionair beauftragt ist, darauf zu halten, daß die Börse

nicht in ein Spielhaus ausartet.

Die Presse meldet, daß von allen fremden Kaufleuten zu Magatlan in Mexiko ein Protest gegen die Behandlung unterzeichnet worden sei, die ein Offizier der dortigen Garnison einem französtschen Matrosen habe widerfahren lassen; der Unglückliche sei nämlich an einen Pfahl gebunden und, nachdem er hier 200 Hiebe mit einem Rohr erhalten, dann in einen Kerker geworfen und dort eine unnenn⸗ bare Abscheulichkeit an ihm verübt worden.

* Paris, 10. Okt. Der König wird bestimmt bis nächsten

Montag aus England zu Schloß Eu zurück sein, Herr Guizot noch

Montag und Dienstag daselbst bleiben, aber am Mittwoch hier wie⸗ der eintreffen. In wenigen Tagen wird Oberst Eynard, Adjutant des Marschalls

Bugeaud, Paris wieder verlassen, und dem Marschall den nachgesuch-⸗

ten Urlaub überbringen, so daß derselbe binnen fünf oder sechs Wo⸗ chen in Frankreich eintreffen dürfte, um sich vorerst auf seine Güter zu Excideuil, und später nach Paris zu begeben, wo er dann als Deputirter jenes Arrondissements an den Arbeiten der Kammer wird theilnehmen können. Der Marschall wünscht dies um so mehr, al er vor der Kammer selbst seine Pläne zur Kolonisirung des Lande auseinandersetzen und deren Annahme durchsetzen möchte. Der französische Gesandte in Mexiko, Baron Alley de Ciprey, hat alle diplomatischen Verbindungen mit der mexikanischen Regierung abgebrochen, seit der dortige Minister der auswärtigen Angelegen⸗ heiten auf seine Reclamationen in Betreff der erschossenen Gefan⸗

genen von Tabasko erwiedert hat, diese Unglücklichen seien auf Befehl

des Präsidenten Santana erschossen worden. Wie dieser neue Streithande Frankreichs mit Mexiko ausgehen wird, läßt sich schwer voraussehen. Es könnte leicht eine günstige Diversion für die Texianer daraus er⸗ wachsen, welche Santana eben mit 30,000 Mann „unbesiegbarer Truppen“ (mexikanischer Styl) angreifen, und wozu er vier Millionen Dollars durch eine Steuer von 14 pCt. von dem Werth der Hänsern aufbringen will. Glücklicherweise für die Texianer bestehen die 30,000 Mann, welche sie vernichten sollen, vorläufig nur auf dem Papier, und die vier Millionen Dollars werden noch nicht sobald in Kasse sein. 2

Graf Ratti⸗Menton, bekannt von der Juden⸗Verfolgung zu Damaskus, zuletzt französischer Konsul zu Canton in China, ist hier eingetroffen. Gleich nach seiner Ankunft zu Makao gerieth er in Streit mit dem Obersten Dubois de Jancigny, der von dem Mini⸗ ster der auswärtigen Angelegenheiten mit einer außerordentlichen Sendung nach Indien und dem asiatischen Archipel beauftragt war, und dieser Streit führte zu einem förmlichen Skandal. In Folge davon wurden die beiden Betheiligten nach Paris zurückgerufen, um sich zu rechtfertigen. Herr Dubois de Jancigny ist schon seit länge⸗ rer Zeit hier, und nun soll auch Graf Ratti⸗Menton über sein Be⸗ nehmen Aufschlüsse geben. Sich vollkommen zu rechtfertigen, dürfte ihm aber schwer werden. Sein Benehmen hat nicht nur die französischen Interessen in China gefährdet, sondern, wie man besorgt, auch der Sendung des Herrn von Lagrenée ernst⸗ liche Schwierigkeiten vorbereitet. Der erste und Hauptpunkt wird sein, ob es Herrn von Lagrenée gelingt, sich mit dem Beherrscher des himmlischen Reiches in direkten Verkehr zu setzen, was noch sehr zweifelhaft ist. Der jetzige Kaiser von China, Tauk Wang, geboren im Jahre 1781 und gegen das Ende des Jahres 1820 auf den chinesischen Thron gelangt, wird zwar als ein Mann von sanftem, mildem Charakter, beseelt vom Geiste der Billigkeit und Gerechtigkeit und als ziemlich aufgeklärt geschildert, aber nur mit Bedauern ist er von dem Systeme seiner Vorfahren abgegangen,

8

Wollte er landen, oder glaubte

Wollte der englische

ffreundschaft zusammenstellen kann.

Kaum waren die Zuschläge erfolgt, so jagten die She Es war eine völlige In der Rue de Varennes stürzte das Pferd eines

welche alle Häfen des himmlischen Reichs, bis auf einen einzigen, den Ausländern hermetisch verschlossen.

Sroßbritanien und Irland.

London, 9. Okt. Der Besuch des Königs der Franzosen in Windsor ist ein Ereigniß, dessen Bedeutung unsere Blätter nicht ge⸗ nug hervorheben zu können scheinen; er bildet das Haupt⸗Thema ihrer gegenwärtigen Erörterungen, und erfährt, wie schon gemeldet,

in der gesammten Presse eine günstige und wohlwollende Beurthei⸗ lung. „Der Schluß eines durch die Anzahl und die Bedeutsamkeit Königlicher Besuche in England ausgezeichneten Sommers“, schreibt die Times, „wird noch bemerkenswerther durch den Besuch des Souverains jener Nachbar⸗Nation, mit welcher solche Höflichkeiten noch niemals ausgetauscht wurden, bis im vorigen Jahre die Königin Viktoria durch den freundschaftlichen Ausflug nach Eu das Beispiel dazu gab. Wir bemerkten bei jener Gelegenheit, daß wir mit dem ganzen englischen Volke mit Genugthunng wahrgenommen hätten, wie solche Beweise gegenseitigen Vertrauens und wahrhafter persönlicher Achtung nunmehr die Förmlichkeiten des bloßen diplomatischen Ver⸗ kehrs und die alten Traditionen des unter der Maske der Etikette verhehlten Mißtrauens unschädlich machten. Der Hof Englands ist in diesem Jahre der Schauplatz gewesen, wo solche praktischeren und besseren Beziehungen gekrönter Häupter unter einander hergestellt worden sind, und wenn wir auch nicht annehmen wollen, daß mit diesen Zusammenkünften eine arkadische Simplizität in der politischen Welt oder die Auslöschung alter gewohnter Leidenschaften und In⸗ triguen erzielt worden ist, so glauben wir doch, daß solche Zusammen⸗ künfte die dabei betheiligten erhabenen Personen überzeugen müssen, daß die großen Interessen der ihrer Obhut anvertrauten Nationen

9

am besten durch gegenseitige Mäßigung, Aufrichtigkeit und Wohlwollen

unter ihnen selbst gefördert werden. Da wir wünschen, daß dieselben freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Königin von England und allen anderen Souverainen Europa's, aber besonders mit allen den⸗ jenigen Fürsten bestehen mögen, welche an ihren Hof gekommen sind, so haben wir jeden Versuch, diese Besuche zu Gelegenheiten der Darlegung von ausschließlichen Bevorzugungen zu machen, zu hintertreiben gesucht. Ein und dieselbe Gastfreundschaft erwartet hier die Vertreter der ent⸗ gegengesetztesten Prinzipien und die Herrscher der entferntesten Länder Europa's; denn die Achtung, welche wir unseren erlauchten Gästen zollen, wird nicht nach unserer Bevorzugung oder Antipathie gegen irgend eine fremde Regierung gemessen. Nichtsdestoweniger ist die Ankunft des König Ludwig Philipp an diesen Küsten ein Ereigniß, das man unmöglich den gewöhnlichen Vorgängen Königlicher Gast⸗ In seiner Person erblicken wir vor uns den letzten überlebenden Acteur des großen Dramas der franzö⸗ sischen Revolution, den einzigen glücklichen Theilhaber an ihren Ge⸗ fahren und ihren Belohnungen, zu dessen eigenem Vortheil die Unglücksfälle eines langen ereignißvollen Leben beigetragen haͤben, und der am Ende seiner außerordentlichen Laufbahn als der Urheber und Schirmherr der constitutionellen Freiheit, der materiellen Wohlfahrt und des Friedens Frankreichs dasteht. Es ist das erste Mal in der Geschichte unserer Beziehungen zu Frank⸗ reich, daß wir dessen Souverain auf dem Boden Großbritaniens empfangen, nicht (wie es schon öfter der Fall war), weil er ein Flüchtling oder weil er unter den Unfällen innerer Revolutionen dazu gezwungen ist, sondern weil er der glückliche, der triumphirende König der Franzosen ist glücklich in dem langen Kampfe mit Anarchie und Rebellion, die wiederholt gegen sein eigenes Leben gewaffnet waren, triumphirend in der Erhaltung jener Friedens⸗- Politik, welche das charakteristische und das nicht am wenigsten ruhmwürdige Ele⸗ ment seiner Macht ist. König Ludwig Philipp kommt nach England, weil er während der letzten 14 Jahre unter Wechseln und Gefahren das große Prinzip glücklich behauptet hat, daß die Wohlfahrt und Frreiheit Frankreichs Frieden erfordere, und daß Frieden für Frank⸗ reich und Europa Freundschaft mit England bedeute.“ Die Berichte über das, was dem britischen Schiffs⸗Lieutenant Rose vom „Hazard“ in Otaheiti begegnet ist, stimmen nicht ganz mit einander überein. Times und Post behaupten, daß dem Lieutenant auf sein Verlangen eine genugthuende Erklärung gegeben worden sei, während Globe, Chroniele und Herald das Gegentheil melden. Das letztere scheint das richtigere zu sein, da Lieutenant Rose sich veranlaßt gesehen hat, auf Urlaub nach England zu kommen (er ist am 5ten in Falmouth gelandet), um der Admiralität persönlich Be⸗ richt über ihm zugefügte Unbill abzustatten. Die Haupt⸗Veranlassung des ganzen Vorfalls scheint darin gelegen zu haben, daß der Lieute⸗ nant Rose sich bei seiner Verhaftung benahm, als ob er im Bereich einer dritten Macht sich befinde, während die französischen Behörden verlangten, er solle verfahren, als ob er auf französischem Gebiete sei, auf welchem der Offizier mit seinem Kriegsboot kraft küstenpoli⸗ zeilicher Anordnung angehalten und verhaftet wurde. Die Häuptlinge der Navigator⸗Inseln haben sich an den Be⸗ fehlshaber des „Hazard“ gewandt, als dieses Schiff auf der Fahrt von Otaheiti nach Sydney die Inseln berührte, und ihm eine Adresse an die Königin von England überreicht, in welcher dieselbe gebeten wird, die Inseln gegen Frankreich unter ihren Schutz zu nehmen. Lieutenant Rose hat diese Adresse nach England gebracht, die aber wohl keinen Erfolg haben wird, da die englische Regierung jede di⸗ rekte Herrschaft auf den kleineren Inseln der Südsee, um die dorti⸗

ggen Verhältnisse nicht zu kompliziren, aus Grundsatz von sich zu wei⸗

sen scheint, wie die Desavouirung des Lord G. Paulet beweist, der bekanntlich die Sandwich⸗Inseln in Besitz genommen hatte. B“ Griechenland.

6 Athen, 26. Sept. Georg Konduriotis aus Hydra ist

zum Präsidenten des Senats ernannt, da er aber noch nicht hier an⸗

gekommen ist, so konnte der Senat noch keine Sitzungen h Man glaubt jedoch allgemein, daß bei der ee a. dessen Arbeiten sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt werden, und die⸗ sons⸗ sich ausschließlich der Deputirten⸗Kammer zuwenden werde. Dort ist gleichfalls noch wenig geschehen, weil man sich nur langsam und mühevoll aus dem Labyrintbe der Vorfragen wickeln kann, welche die großen Unregelmäßigkeiten der Wahlen hervorrufen Si. min sterielle Partei verstärkt sich indessen täglich purch bie An kunft von Deputirten aus denjenigen Provinzen hoee 1 89 ihren Wahlen noch im Rückstande waren odeun diese sind sämmtlich ministeriell (das vorige Ministerium hatte die Taktik d Wahl in den ihm vorzugsweise opponirenden Provinzen auf jede Weise zu verzögern und hinzuziehen, während es dieselbe in denscdas es auf den Sieg hoffen konnte, möglichst beschleunigte) S sition hat daher bereits ihre Kräfte vollständig versammelt und Pan neuen Zuwachs mehr zu erwarten. Um aus diesem Verhältnisse Vor⸗ theil zu ziehen, versuchte sie gleich in der Eröffnungs⸗Sitnlee Gegner zu überrumpeln, indem sie, früher auf dem Platze bes. ee noch vor der Thron⸗Rede die Wahl eines Kammer⸗Präsidenten 1.8 tragte. Dieser Anschlag wurde jedoch durch die Energie eini 2 Fehe Deputirten vereitelt. 8 81 n der ersten vorbereitenden Sitzung schritt man von drei Mitgliedern, um zu banestia en e. von 1ꝓ wählten Deputirten provisorisch an den Arbeiten der verenldr theilzunehmen berechtigt seien, damit keine Provinz durch eine größere

8 M 11“ 8 1“

1“

1525

Anzahl Deputirter vertreten werde, als ihr gesetzlich zukomme. Diese Maßregel bedarf einer näheren Erläuterung. Bekanntlich verord⸗ nete unser verunglücktes demokratisches Wahlgesetz, daß, um die von ihm beliebte unmittelbare censusfrrie Wahl durchführen zu können, in jeder Gemeinde besondere Wahlurnen aufgestellt werden sollten, der Skrutin aber aller Wahlurnen eines Wahlbezirkes an dessen Haupt⸗ ort vorzunehmen sei. Wegen der zahllosen bei dieser örtlichen Wahl vorgefallenen Unregelmäßigkeiten ereignete es sich nun öfter, daß gegen die Wahlurne, welche zwischen zwei Kandidaten den Ausschlag gab, Nullitäts⸗Einreden vorgebracht wurden. Dies veranlaßte nun sünf Gouverneure, welche es weder mit dem abgetretenen Ministerium, noch mit der jetzt am Ruder befindlichen Opposition gegen dasselbe verder⸗ ben wollten, statt einfach auf die Stimmen⸗Mehrheit zu sehen, an beide Nebenbuhler bedingte Wahlanzeigen zu erlassen, welche in folgender Form abgefaßt waren: Wird die Wahl⸗Urne des Demos X. annullirt (resp. nicht annullirt), so sind Sie Deputirter. Nun erschienen natürlich beide Nebenbuhler in der Kammer, und gegen sie reichte der von die⸗ ser in einer provisorischen Reunion gefaßte Beschluß, daß nur die mit Wahl⸗Anzeigen von Seiten der Gouverneure versehene Depu⸗ tirte provisorischen Zutritt erhalten sollten, nicht aus. Damit nun keine Provinz bei der Erwählung der Prüfungs⸗Kommission der be⸗ strittenen Vollmachten durch mehr Stimmen vertreten werde, als ihr gesetzlich zukömmt, mußte also erst die Vorfrage entschieden werden, welche von den doppelten Wahl⸗Anzeichen gesetzlich sei. Nach Be⸗ seitigung dieser Frage wird die Kammer zur Wahl der erwähnten Kommission schreiten.

Ueber Stärke und Strellung der Parteien behalte ich mir vor, Ihnen ausführlich zu berichten, sobald die Verhältnisse, welche jetzt in einem wahren Chaos schwimmen, sich etwas mehr geklärt haben werden, und beschränke mich darauf, Ihnen die Ansicht mitzutheilen, welche eines unserer gelesensten Blätter über die jetzige Kammer im Allgemeinen fällt. Bei weitem die meisten Deputirten sind gute ehr⸗ liche Bürger, welche keine ungemessenen Ansprüche erheben. Alle haben Haus und Hof zu verlieren, wenn Griechenland dem Strudel der Anarchie anheim fällt. Wir müssen ferner gestehen, daß wir unter ihnen weder einen Mirabeau noch einen irländischen Grachen entdeckt haben, welcher fähig wäre, diese Versammlung zu beherrschen und für außerordentliche Dinge zu elektrisiren. Ueberhaupt sind bei uns die Männer der Ordnung und der Ueberlegung so überwiegend, daß Nie⸗ mand von dem Umsturz der Dinge träumen kann.

Moldau und Wallachei.

Jassy, 29. Sept. (D. A. Z.) Am 27. Mittags um 1 Uhr fand hier ein Erdbeben statt, welches in einer mehrere Selunden an⸗ haltenden, so heftigen Erschütterung bestand, daß Thüren aufsprangen und Fensterscheiben zersprangen; die Erschütterung war von einem dumpfen unterirdischen Geräusch begleitet. Mehrere Tage zuvor wehte ein so heißer Sirokko, daß man selbst Abends, wo sonst erfri⸗ schende Winde Kühlung bringen, in den Luftzug eines Backofens ge⸗ rathen zu sein glaubte.

Die in der Moldau wohnenden Armenier fahren fort, überall Schulen anzulegen, wo sich eine hinreichend starke Anzahl ihrer Glau⸗ bensgenossen befindet. Sie bilden abgesonderte Corporationen, die sich selbst für ihre Gemeinde⸗Bedürfnisse besteuern und diese Gelder sehr nützlich anwenden. Ihre Schulen sind besser als die moldaui⸗ schen eingerichtet. In allen werden vier Sprachen gelehrt; in der zu Jassy Armenisch, Moldauisch, Lateinisch und Französisch, in der zu Roman statt der französischen Sprache die deutsche, ebenso zu Ro⸗ toschan; auch Galacz, Fokschan und Okna besitzen armenische Schulen. Die Armenier sind in diesem traurigen Lande eigentlich die Einzigen, über welche die Humanität sich freuen kann, sie sehen wohlhabend aus und sind dabei rechtliche Leute, an denen man nur tadelt, daß sie in Geschäften sehr vorsichtig sind; dabei sind sie aber sehr gast⸗ frei und reinlich, in ihrem Aeußern stets anständig, wogegen die Ju⸗ den meist ärmlich und schmutzig aussehen, die Zigeuner halb nackt einhergehen, der moldauische Bauer das Bild der Armuth, der Skla⸗ verei zeigt, und die Deutschen meist aus in Trunkenheit und Lieder⸗ lichkeit verfallenen Handwerksburschen bestehen.

Die beiden englischen Missionaire, welche sich hier befinden, um die in diesem Lande sehr zahlreichen Juden zu bekehren, fahren in ihrem mühsamen Berufe fort. Da sie sehr streng sind und nur solche taufen, welche nach mehreren Monaten Unterricht die Probe abgelegt haben, daß sie nicht nur die Lehren des Christenthums be⸗ griffen, sondern auch einen moralischen Wandel geführt, so ist die Zahl ihrer Proselyten sehr klein, aber ihr Wirken um so verdienst⸗ licher, da sse zugleich eine Schule errichtet haben, in welcher Kinder aller Konfessionen umsonst Elementar⸗Unterricht erhalten. Ein fana⸗ tischer Rabbiner hatte gegen diese Missionaire den Bann ausgespro⸗ chen, daß nämlich kein Koscherfleisch an die Aeltern solcher Kinder verkauft werden solle, welche ihre Kinder zu den Missionairen schick⸗ ten, und daß bei ihnen keine Beschneidung vollzogen werden dürfe. Der englische Konsul Gardener suchte bei dem österreichischen Konsul, Ritter von Eisenbach, Hülfe gegen diesen Zeloten, der ein österreichi⸗ scher Unterthan ist. Da auch die Kinder der Preußen und der Zoll⸗ Vereins⸗Unterthanen darunter litten, wendete sich der preußische Kon⸗ sul, Ritter Neigebaur, an das Ministerium des Kultus, und dieses hat ein strenges Verbot gegen den Rabbiner erlassen, da man wohl dn⸗ daß die Schul-Anstalten jeder Konfession befördert werden müssen.

8 8 11““

Die Gewerbe⸗Ausstellung der deutschen Bundes⸗ und Zollvereins⸗Stnaten.

(Vergl. Allg. Preuß. Ztg. Nr. 227, 238, 240, 242, 243, 218, 249, 252,

253, 254, 255, 256, 258, 259, 250, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267,

270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278, 279, 280, 281, 283, 285,

286 und 287.)

LXIII. Arbeiten aus natürlichen Steinen. (Schluß.)

Arbeiten aus Marmor sind eingesandt:

Nr. 349. Von der Steinmetz⸗Werkstatt des Baurath Cantian: 1) Eine Schale aus weißem karrarischen Marmor. Gegenüber Fenster Nr. 113. 2) Eine runde Tischplatte aus giallo di Siena. Pseiler zwischen den Fenstern Nr. 112 und 113. 3) Eine Tischplatte aus rosso autico corallino, 5 Fuß 10 Zoll lang, 1 Fuß 4 Zoll breit.

4) Eine Tischplatte aus porto

5) Eine Tischplatte ans porto

6) Eine Tischplatte aus giallo di Sienna.

7) Eine Tischplatte aus verde di polchevre.

Sämmtlich auf einem freistehenden Tisch, gegenüber vom Pfeiler zwischen den Fenstern Nr. 113 und 114.

Nr. 1101. Von Schüll und Schleicher in Düren, Regie⸗ rungs⸗Bezirk Aachen. Mehrere Marmorplatten aus karrarischem Marmor, ferner St. Anna, Griotte, Bardiglio, Napoleon, Porto venere Marmor, theilweis in einfach länglichtem Format oder mit geschweiften Kanten und auch kreisrund. Vorzugsweise vor dem Pfeiler zwischen den Fenstern Nr. 113 und 114 und gegenüber von demselben

vom Gegenüber vom

venere Marmor, sein geadert. venere Marmor, breit geadert.

111111“““

im Mittelgang zu finden.

Nr. 1264. Vom Marmorschleifer Tonglet in Helden, Regie⸗ rungs⸗Bezirk Arnsberg:

1) Eine Kamin⸗Einfassung von erst neuerdings aufgefundenem und zu künstlicheren Arbeiten verwendeten Marmor.

2) Eine Probe von ähnlich gefärbtem, ebenfalls in jener Gegend vorkommendem Marmor.

3) Eine Probe von röther gefärbtem Marmor, der, wenn rößere Stücke davon zu gewinnen sein werden, für nin⸗Cinfassungen Tischplatten ein noch günstigeres Material, als die beiden anderen Marmorarten in Aussicht stellt.

Vor dem Pfeiler zwischen den Fenstern Nr. 114 und 115.

Nr. 1673. Verwaltung der Rübelander Hütte bei Blanlen⸗ burg a. H.:

1) Zwei Tischplatten aus rothbuntem Marmor vom Krokstein.

2) Zwei Tischplatten aus schwarz und weiß gebändertem Mar⸗ mor, mit geschweisten und gegliederten Kanten. Ausgelegt auf frei⸗ stehendem Tisch vor Fenster Nr. 113 und im Mittelgange.

3) Ein Mörser aus demselben schwarz und weiß gebändertem Marmor zum Gebrauch in Küchen und Konditoreien. Gegenüber vom Pfeiler zwischen den Fenstern Nr. 113 und 114. 1

4) Eine Musterkarte von, zunächst der rübelander Marmor⸗Mühle vorkommenden Marmorarten, unter denen sich namentlich schöne roth⸗ bunte auszeichnen. Bei den Platten sub 1 und 2 mit ausgelegt. b 739. Herzoglich nassauische Zuchthaus⸗Fabrik in Dietz an

Lahn:

1) 5 geschweifte Consolplatten, aus schwarzem, hellgrauem, dun⸗ kelgrauem, hellrothem, dunkelrothem, aus der Lahngegend abstammen⸗

den Marmor. 2) 10 Dosen aus denselben Marmorarten gearbeitet. 3) 8 Dinte⸗ und Sandfässer, ebenfalls daraus gefertigt. 1) 5 Briefbeschwerer. .“ 2) 5b Leuchter aus schwarzem Marmor. Sämmtlich auf sreistehendem Tisch vor dem Pfeiler zwischen den Fenstern Nr. 112 und 113. MNr. 1794. Vom Baumeister Kranner in Prag. Drei Was⸗ serleitungs⸗Röhren mit Wasserläufen von verschiedener lichter Weite, die vermittelst einer cylindrischen Säge dergestalt ausgebohrt worden sind, daß aus dem Wasserlauf ein noch brauchbarer Cylinder genom⸗ men worden ist. Am Mittelgang, gegenüber vom Fenster Nr. 113.

Nr. 1934. Vom Hof⸗Steinmetzmeister Moser in Berlin. Eine Platte mit einer Sammlung Muster von politurfähigen härteren Stei⸗ nen und Marmor ausgelegt. Auf freistehendem Tisch im Mittelgang, gegenüber den Fenstern Nr. 112 und 113.

Nr. 1966. Napoleon Devisse.

1) 3 runde und mehreckige Marmortafeln aus weißem karrari⸗ schen Marmor, verschiedenartig mustvisch nach einer neuen Methode ausgelegt und zusammengesetzt.

2) Ein Postament aus spanischem Broccatello⸗Marmor von Ta⸗ feln zusammengesetzt, mit darauf stehender Schaale.

3) Em Postament aus karrarischem Marmor, auf gleiche Weise gefertigt.

Ausgelegt und aufgestellt in dem Mittelgang und zunächst dem⸗ selben, gegenüber von den Fenstern Nr. 112 und 113.

Nr. 2380. Steinmetzmeister Trippel in Berlin. Eine Tisch⸗ platte mit Proben von verschiedenen politurfähigen Steinen ausge⸗ legt. Die Einfassung bildet Aleppo⸗Marmor. Im mittleren Gange gegenüber vom Fenster Nr. 112.

Nr. 2581. Königl. bayerische Straf⸗Arbeitshaus⸗Inspection zu St. Georgen. Eine Chatulle, auf den Außenflächen mit Mustern von verschiedenartigen in Franken einheimischen Marmorarten ausgelegt. Obere Etage zunächst dem Fenster Nr. 35 und 36 zu finden.

Nr. 2878. P. J. Berger in Venlo.

1) Ein Pilaster zu einem Kamin aus weißem Marmor zunächst Fenster Nr. 113.

2) 3 Paar Konsols aus weißem italienischen, schwarzem belgi⸗ schen und Napolcon-Marmor, an der geschweiften vorderen Ansicht

mit Kanelirungen versehen.

3) Eine Rosette aus weißem karrarischen Marmor.

4) Ein Schreibzeug aus schwarzem Marmor.

Auf freistehenden Tischen im Mittelgang, gegenüber den Fenstern Nr. 112 und 113.

5) 2 Fliesen foürnirt mit schwarz und weißem karrarischen Marmor. Zunächst dem Pfeiler am Mittelgang zwischen Fenster Nr. 111 u. 112.

Serpentin⸗Arbeiten hat eingesandt:

Nr. 2225. Die Serpentinstein⸗Drechsler⸗Innu sächsischen Erzgebirge.

1) 8 Fruchtschaalen, kreisrunder Form.

2) 10 Vasen. 1b

Vor dem Pfeiler, zwischen den Feustern Nr. 114 und 115.

3) 1 Schachspiel. Beim Fenster Nr. 115.

4) Eine Musterkarte von verschiedenen theilsweis sehr schön ge⸗ färbten Serpentinstein⸗Arten.

Auf freistehendem Tisch vor dem Pfeiler zwischen den Fenstern Nr. 113 und 114. 3) Dichter Kalkstein, Thonschiefer, Wetzschiefer.

Der dichte Kalkstein kommt in Deutschland sehr häufig und in großen Massen anstehend vor, ist indeß nur ein poröseres und wei⸗ cheres zu gewöhnlichen Arbeiten anwendbares Gestein, aus welchem Grunde denn auch die Ausstellung Weuniges davon aufzuweisen hat. Eben so sind die Einsendungen von Wetzschiefer nur spärlich ausge⸗ fallen, da solcher von der für feinere Schleifsteine erforderlichen Be⸗ schaffenheit nur an wenigen Orten Deutschlands vorkommt. Auch Thonschiefer konnte keine große Vertretung erhalten, indem die nach⸗ barlichen norddeutschen Brüche nur die kleinen, allgemein gekannten, zum Dachdecken und zu Schreibtafeln geeigneten Tafeln liefern, grö⸗ ßere von dem Flächeninhalt und Stärke der ausgestellten aber in der Regel aus England bezogen und demnächst nur hier, wie es im vor⸗ liegenden Falle geschehen, den Umständen gemäß formatisirt werden. Insbesondere sind die englischen Schiefertafeln in neuester Zeit bei massiven, gemauerten Treppen vielfach zum Abdecken von den Stufen und Potesten an der Stelle von Bohlen benutzt worden und haben gute Dienste geleistet; weniger haltbar haben sich solche im Freien, und zwar als Trottoirsteine, bewährt.

Nr. 496. Vom Schieferdeckermeister Trümpelmann in Ber⸗ lin. Eine aus englischem, bei Bangor gebrochenen Schiefer entnom⸗ mene, hier bearbeitete Platte. Zunächst Pfeiler Nr. 98 besindlich.

Nr. 1171. Gustav Schwarze zu Riehl, Kreis Malmedy. 33 Stück diverse Wetzsteine. Auf freistehendem Tisch zunächst dem Pfeiler zwischen den Fenstern Nr. 112 und 113.

Nr. 1630. G. Holtzhey in Neustadt bei Koburg. Eine Schie⸗ fertafel in polirtem Rahmen. Obere Etage bei Fenster Nr. 38.

Nr. 1796. Ignatz Klepsch in Außig. Zwei Fußbodenplat⸗ ten aus böhmischem Kalkstein.

Nr. 1934. Hof⸗Steinmetzmeister J. T. D. Moser. gleichen Platten aus Kalkstein von Rüdersdorf. Nr. 115 ausgelegt.

1“

Zwei der⸗ Vor dem Fenster

4) Bernstein. Der Bernstein, wahrscheinlich ein Harz vorweltlicher Bäume und zugleich ein vaterländisches Naturprodukt, das theils aus der Ostsee gesischt, theils am Strande gegraben, besonders aber von Sturm⸗

* ““ 8 8— .