1844 / 301 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

ies benützen, um das allgemeine Mitleid; erregen, v.n.ze ene nien Sene⸗ auch nur im mindesten den Augen der Reisenden zu verbergen. Da bei dieser Veranlassung die gegen sol⸗ chen Unfug längst bestehenden Vorschriften den Kreis⸗Aemtern aufs neue eingeschärft wurden, so dürfte das Land endlich doch von dieser so oft bisher aber vergeblich beklagten Plage befreit werden.

Der nach dem Abgange des Grafen von Chotek zum Verweser des Oberst⸗Burggrafen⸗Amtes bestellt ewesene Graf Salm, welcher unter dem Erzherzog Stephan die Geschäfte des Guberniums leitete, at den Titel als zweiter Präsident dieser obersten Landes⸗Behörde

rhalten. Unterbau an der Staats⸗Eisenbahn zwischen hier und Ollmütz ist nun fast vollendet, und es wird am 28. Oktober die Einsetzung des Schlußsteins an dem großen Viadukt bei dem einige Stunden von hier entfernten Dorfe Auwal auf feierliche Weise erfolgen. Auf der Strecke von der mährischen Gränze bis Pardubitz ist übrigens auch der Oberbau der Vollendung nahe gerückt. Bei der leider so gesunkenen Moralität unseres Landvolkes haben während dieser Zeit häufige Entwendungen an Oberbau⸗Materialien stattgefunden, wes⸗ wegen auch das Betreten der im Oberbau befindlichen Staats⸗Eisen⸗ bahnstrecken sowohl, als auch der zunächst befindlichen Gräben, unter Androhung von Strafen, untersagt wurde, mit Ausnahme der durch eigene Merkmale bezeichneten Straßen⸗Uebergänge. Frankreich.

Paris, 23. Okt. Es soll ein kleines Geschwader nach Nea⸗ pel geschickt werden, um die Braut des Herzogs von Aumale abzu⸗

holen. Der Zeitpunkt für den Abgang dieser Flottille, die vom Prin⸗ zen von Joinville befehligt werden soll, ist noch nicht genau bestimmt, doch hält man denselben für sehr nahe. Auch die Dampf⸗Fregatte „Gomer“, die den König nach England brachte, soll zu der Expedi⸗ tion gehören.

Die Sophistik einer systematischen Opposition hat sich wohl sel⸗ ten so dreist in ihr Gewebe blicken lassen, als es heute im Consti⸗ tutionnel geschieht, der, da die alten Waffen stumpf zu werden anfangen, eine neue, ziemlich komische Angriffsmethode ersonnen hat. Herr Guizot und seine Kollegen sollen nämlich sich absichtlich in mehreren Stücken noch schlechter dargestellt haben, als sie wirklich seien, um dann, wie die Königin von Schottland in Schiller’'s Tra⸗ gödie von sich sagen zu können: „Wir sind besser als unser Ruf!“ Anders weiß sich das Oppositionsblatt des Herrn Thiers nicht aus der Verlegenheit zu ziehen, als es vernommen, daß es mit Frankreichs Demüthigungen von Seiten Englands doch so gar schlimm nicht stehe, wie es selbst fortwährend seinen Lesern einge⸗ redet. Man höre, welche naive Stellung dabei der Oppositions⸗Presse gegeben wird: „Unsere Minister“, sagt das genannte Blatt, „kennen nur zu gut die Vortheile eines schlechten Rufs und lassen sich keinen davon entgehen. Die traurige Meinung, die man im Lande von ihnen hat, ist ihre Hauptstärke; wir begreifen auch, daß Herr Guizot mit der Unbeliebtheit, in welcher er steht, sehr zufrieden ist. Ja, er legt sich täglich darauf, sie noch vollkommener auszubeuten. Handelt es sich darum, dem Lande irgend ein neues Opfer der Ehre, irgend ein neues, unseliges Zugeständniß aufzubürden, was thut dann unsere Re⸗ gierung? Sie deutet im Gespräch an oder läßt auf Umwegen verbreiten, sie stehe im Begriff, einen noch empörenderen Schritt zu thun, eine ganz unmögliche Feigheit zu begehen. Die ganze Oppositionspresse geht dann fast immer in die Schlinge, sie wiederholt die Nachricht und kommentirt sie mit Entrüstung. So unterhandelte man vor zwei Monaten über

die Pritchardsche Angelegenheit. Alsbald lassen unsere Minister in England und Frankreich aussprengen, Sir Robert Peel verlange die Desavouirung zweier Offiziere auf einmal, und deren unverzügliche Absetzung; man bringt das Gerücht in Umlauf, unsere Minister wür⸗ den nach einigem Widerstande zuletzt Alles bewilligen. Und siehe da! es war nichts daran; die Engländer hielten sich sehr mit Recht durch eine einzige Desavouirung und durch die aus der Pritchard⸗ schen Entschädigung hervorgehende ehrenwerthe Buße vollkom— men zufriedengestellt. Der Ausgang straft also einen Theil der Vorherverkündigungen Lügen. Das Ministerium triumphirt, denn es hat Frankreich mit etwas weniger Uebermaß entehrt, als man es von ihm erwartet hatte. Es rühmt sich seines Verfahrens nun noch als einer preiswürdigen Handlung. Seit drei Jahren liegt das Ministerium zu Englands Füßen, um die Abschaffung des Durchsuchungs⸗Rechtes zu erlangen, deren Negozürung man ihm auferlegt hatte. Seit drei Jahren hat es zwanzigmal mit dem Preis unserer Würde dieses nachgesuchte Zugeständniß bezahlt; endlich soll es durch unsere letzten Erniedrigungen, durch die unerhörte That der Räumung von Mogador, dem britischen Kabinet die Substituirung eines Vertrages an die Stelle derjenigen von 1831 und 1833 entwun⸗ den haben, der uns angeblich auf denselben Fuß setzt, wie Amerika. Was thut es nun vor der Veröffentlichung dieser Nachricht? Es läßt durch einige englische Blätter erklären, die Aufhebung des Durchsuchungs⸗ Rechts solle nur unter der Bedingung an Frankreich bewilligt werden, daß dieses auf das Protektorat von Otaheiti verzichte, oder in einen Handels⸗Traktat mit England eintrete. Unsere Oppositions⸗Blätter, die in dieser Art Alles von Seiten Herrn Guizot's glauben können, nehmen dies Gerücht auf und finden es wahrscheinlich; sie machen daraus einen Gegenstand ihrer Polemik und legen bei dieser Gele⸗ genheit dem Ministerium alle Namen bei, die es verdient. Herr Guizot und seine Kollegen sind entzückt über den Erfolg ihrer List, sie werden keine neue Desavouirung gegen die Person des Herrn Bruat auszuüben

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brauchen, weil sie in der That seine Handlungen schon desavouirt haben; sie werden das Protektorat über Otaheiti nicht aufzugeben brauchen, weil die Wiedereinsetzung der Königin Pomareh durch Englands Dazwischenkunft genügen wird, um unser vermeintliches Protektorat in Wirklichkeit ganz illusorisch zu machen, und England seinen ausschließlichen Einfluß in jenen Gegenden zurückzugeben; sie werden keinen Handelstraktat unterzeichnen, weil sie sich vor der Kammer fürchten. Sie denken also, daß, wenn sie die Abschaffung des Durchsuchungsrechtes ankündigen können, man die Schmach, wo⸗ mit sie dieselbe erkauft, vergessen, und ihnen noch Dank wissen werde, daß sie zu dem Hauptpreise keine unnütze Zugabe hinzugefügt haben.“ So legt die Opposition noch ihre eigenen gehässigen oder widersinni⸗ gen Erfindungen dem Ministerium unter, um eine neue Art von Anklage darauf zu begründen. . b

Die hiesige Buchhandlung von Theophile Barrois hat eine Sammlung von Ausgaben der Werke Dante's und von Schriften über dieselben erzielt, die gewiß von seltenem Umfange ist; sie besteht aus 42 verschiedenen Ausgaben mit Kommentaren, aus 8 ohne Kom⸗ mentare und aus 26 Werken über Dante und sein Jahrhundert.

Großbritanien und Irland. London, 23. Okt. Den neuesten Nachrichten aus Irland zu⸗ folge, findet der Plan O'Connell's, die Repealer in Föderalisten zu verwandeln, wie zu erwarten war, nicht bei Allen seiner Partei Bei⸗ fall. Der Herausgeber des Repealblattes Nation, ein Haftgenosse O'Connell's, protestirt dagegen in einem Briefe an den Agitator und will zwar die Föderalisten als Allüirte aufnehmen, aber es nicht zugeben, daß die Repealpartei ihre Ideen und Grundsätze annehme. Die Mor⸗ ning Chronicle meint indeß, O'Connell sei ein viel sicherer Parteifüh⸗ rer als Hr. Duffy, und er werde zwar die Föderalisten benutzen, ihnen aber nicht mehr Einfluß einräumen, als er für gut finde. Er sei zu klug, dieses den Föderalisten erst vorher auseinanderzusetzen, und er werde sie auffordern, die Bewegung so lange zu leiten und „so lange als Vorspann zu dienen, bis der Wagen oben auf dem Berge sei“. Bis dahin werde er nur die Zügel halten und die Peitsche gebrauchen, sei der Wagen aber erst oben, so werde er Herrn Duffy und jedem an⸗ deren Repealwächter erlauben, wieder ins Repealhorn zu stoßen. Auf ähnliche Weise äußert sich auch der Spectator. „O'Connell“, sagt er, betrachtet die Föderalisten als ein sehr passendes Rekruten⸗Corps; ob er aber bei seiner jetzigen Idee verharren und ihre Forderungen erfüllen, oder sie mit seinen „einfachen Repealern“ so veramalgamiren wird, daß sie sich darunter verlieren, das wird er ihnen Gott segne ihre Einfalt! wohl mit der Zeit sagen. Der lange Brief, in welchem er den einseitigen Handel vorschlägt, ist vielleicht das Wesenloseste, was je seiner, durch die Agitation mechanisch gewordenen Feder ent⸗ flossen ist. Es ist kein Geschäft nicht etwas was geschehen soll, so zwecklos und ausschweifend es auch sein mag, worüber er diskutirt, sondern ein bloßer Schatten von Bewegung etwas um das Interesse wach zu erhalten, während er sich Zeit läßt, zu überlegen und Rekruten zu sammeln, wenn er kann. Indessen läßt sich nicht bestimmen, was hinreichend sein dürfte, das irländische Volk „aufzuregen“, und O'Connell weiß vielleicht so gut als irgend Einer zu beurtheilen, wie weit ein Agitator sich mit jener geschmeidigen Men⸗ schen⸗Race in Kniffe der unverschämtesten Art einlassen darf.“

Das Blatt John Bull giebt folgende Notiz über die Zurüc⸗ berusung des Lord Ellenborough: Die Direktoren der ostindischen Compagnie hatten gegen den Schluß des Jahres 1842 und zu An⸗ fang von 1843 mehrere Depeschen an Lord Ellenborough gerichtet, in welchen sie seine Politik als zu kriegerisch und kostspielig tadelten. Auf die meisten dieser Depeschen antwortete Lord Ellenborough auf eine rechtfertigende Weise, auf die letzte, die er empfing, gab er sein Bedauern darüber zu erkennen, daß seine Politik nicht den Beifall der Di⸗ rektoren habe, daß er aber von der Richtigkeit derselben überzeugt sei, und, vom Ministerium unterstützt, dabei beharren müsse, gerade so, als ob sie von den Direktoren genehmigt werde. Diese Antwort brachte nothwendigerweise die Differenzen zu einer Krisis, und nachdem die Direktoren sich vergeblich an die Regierung wegen der Zurückberufung Lord Ellenborough's gewandt hatten, theilten sie zuletzt der ostindischen oen. mit, daß sie einstimmig beschlossen hätten, die ihnen durch ihr Privilegium eingeräumte Macht anzuwenden und die An⸗ stellung Ellenborough's aufzuheben.

Ein Ingenieur, eine Artillerie⸗Oberst und ein See⸗Capitain be⸗ reisen jetzt die Südküste Englands, um geeignete Stellen zur Errich⸗ tung von Festungswerken ausfindig zu machen.

Dem gestern erwähnten Uebungs⸗Geschwader soll sich auch noch der „Albion“ von 90 Kanonen von Gibraltar aus anschließen.

Das Dampfschiff „Teviot“ ist am 20. Okt. mit der westindischen Post hier angekommen. Die Nachrichten sind aus Demerara vom 18ten, Jamaifa vom 23sten, St. Thomas vom 30. September. Sie melden nichts von besonderem Belang. In Demerarg hatte die Le⸗ gislatur auf den Antrag des Gouverneurs 75,000 Pfd. zur Deckung der Ausgaben für den Transport von 5000 Kuhlis bewilligt, welche jetzt von Ostindien nach Demerara unterweges sind, und dem Mangel an Arbeitern in den Kolonieen abhelfen sollen. Außerdem sind Vor⸗ kehrungen für den Transport von noch 5000 Kuhlis gemacht wor⸗ den, die bis zum März 1845 eintreffen sollen. Diese Maßregeln sind die Einleitung eines umfassenden Planes, die Einwanderung von far⸗ bigen Arbeitern in die britisch⸗westindischen Kolonieen zu befördern, den Lord Stanley in der nächsten Parlaments⸗Session vorzulegen

beabsichtigt, und zu dessen Ausführung die Kosten theilweise von den ü9A 8

Kolonieen bestritten werden sollen.

Niederlande.

Amsterdam, 22. Okt. Das Handelsblad spricht sich in seiner heutigen Nummer folgendermaßen über die Thronrede aus: „Mit Vergnügen haben wir aus der Throurede ersehen, daß der Tarif der Ein⸗, Aus⸗ und Durchfuhr⸗Zölle bald zur Berathung kommen wird. Niederland bedarf einer baldigen Feststellung dieses wichtigen Entwurfes. Alles außerhalb des Landes spornt uns dazu an. Wir wollen nicht verhehlen, daß der bereits bekannte Tarif⸗ Entwurf im Allgemeinen, wie sehr er auch in vieler Hinsicht verbes⸗ sert worden ist, den Wünschen und Erwartungen Vieler bei weitem noch nicht entspricht. Die Anhänger der Lehren eines Gogel, van Hagendorp und anderer unserer ersten Staatsmänner werden gewiß die Worte der Thronrede, „daß die Niederlande sich nicht auf bloße Worte beschränken werden, wenn es die Verbesserung einer freisinnigen Handels⸗ Politik gilt“ mit Freuden begrüßen. Wir schmeicheln uns, daß die Vertreter der niederländischen Nation sich getreu an diese Worte hal⸗ ten, und daß die Regierung, durch die bevorstehenden Berathungen aufgeklärt, den vorgelegten Tarif in mancher Hinsicht im Interesse des Handels abändern werde. Wir meinen hier nicht ausschließlich den Handelsstand, denn, in der wahren Bezeichnung des Wortes ge⸗ nommen, sind darin der Handel, die Industrie, das Volksleben im Allgemeinen begriffen. Dazu wird, wie es uns scheint, eine gänzliche Umarbeitung des Entwurfs nöthig sein, und wir hoffen, daß man dabei mit dem Ernste, der ruhigen Erwägung und Würdigung der äußeren Umstände, welche der Gegenstand dringend erheischt, zu Werke gehen wird.“

Helgien.

Brüssel, 24. Okt. Im Senat wurde gestern der Entwurf der Antwort⸗Adresse auf die Thron⸗Rede verlesen und die Diskussion desselben auf heute angesetzt. Es ist blos en zusammengedrängter Wiederhall der Thron⸗Rede. In der Repräsentanten⸗Kammer wur⸗ den Herr Liedts wieder zum Präsidenten, die Herren von Hoffschmidt und Vilain XIV. zu Vice⸗Präsidenten, und die Herren von Reuesse, Scheiven, Houveneers und von Man d'Attenrode zu Secretairen ge⸗ wählt. Die sodann zusammengestellte Kommission zur Entwerfung der Adresse besteht aus den Herren Fallon, von Huart, Defoere, Dedecker, Pirmetz und Dumortier.

Das den Kammern vorzulegende Gesetz zur Verbesserung des

Gefängnißwesens soll, der Emancipation zufolge, die abgesonderte

Einsperrung bei Tag und Nacht zur Grundlage haben. Eingesam⸗ melte, vergleichende Erfahrungen in mehreren der belgischen Gefäng⸗ nisse sollen die Regierung bestimmt haben, diesem Isolirungs⸗System durchaus den Vorzug zu geben, und man will dasselbe nach und nach allgemein einführen. bSerS38 8 Dtalien. 4 tes 8 RNom, 16. Okt. (A. Z.) Die Abwesenheit des preußischen Minister⸗Residenten, Herrn von Buch, war den hier lebenden Preu⸗ ßen auch diesmal kein Hinderniß, sich 88 zur Feier des Geburts⸗ tages ihres Königs zu versammeln. Nach Maßgabe der Räumlichkeit des Lokals hatte zu dem Ende der Oberst⸗Lieutenant von Moliere, Adjutant Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen, eine Anzahl Landsleute in seine am Tiber⸗Ufer reizend gelegene Villa geladen. Die Uebrigen fanden sich an verschiedenen anderen wirthli⸗ chen Orten in gleicher Absicht zusammen. Das Beieinandersein so vieler Landsleute in der Fremde, gemüthliche und freundliche Erinne⸗ rungen an die Heimat, die Veranlassung der Feier, erhielten die Fest⸗ genossen in der freudigsten Stimmung lange in ihren Kreisen. Erst die späte Nacht trennte sie. Die hier lebenden Preußen, welche bisher ih⸗ rer Studien halber in der nahen und fernen Campagna zerstreut wa⸗ ren, kamen bereits vorgestern zur Stadt zurück, um sich gestern in verschiedenen Zirkeln zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Königs von Preußen zu vereinigen, wo sie bis spät in die Nacht beisammen blieben. Aus der zuverlässigsten Quelle erfährt man, daß die Regierung eine neue Anleihe von zwei Millionen Secudi abzuschließen beabsich⸗ tigt, und daß Herr von Rothschild dieselbe realisiren wird.

Turin, 15. Okt. Die täglich zunehmende Ausdehnung der Staatsgeschäfte hatte schon vor einigen Wochen den König bewogen, das Finanz⸗Departement vom Ministerium des Innern zu trennen und ein besonderes Staats⸗Sekretariat der Finanzen als selbstständi⸗ ges Ministerium zu errichten. Durch eine Königl. Verordnung vom Hten wird nun auch das Seewesen vom Kriegs⸗Ministerinm getrennt; die Zahl der Minister⸗Staats⸗Secretaire ist mithin von fünf auf sieben gestiegen. Heute wurde auf dem Album un⸗ serer Universität das Königliche Edikt angeschlagen, welches die neue Organisation unserer medizinischen Studien zur Ausführung bringe Die beiden Fakultäten der Medizin und der Chirurgie sollen mit Be⸗ ginn des nächsten Schuljahres (1. November) in eine einzige Anstalt verschmolzen werden und ein Kollegium aus 30 Doktoren und einem Präsidenten bilden. Die Dauer der medizinisch⸗chirurgischen Studien ist auf 6 Jahr festgesetzt, und am Ende eines jeden Jahrganges müs⸗ sen die Kandidaten eine Prüfung bestehen, um in dem folgenden Jahr⸗ gang zur Fortsetzung ihrer Studien zugelassen zu werden. Am Ende des sechsten Kursus ist die Prüfung eine doppelte, nämlich für den

wie Entfernung u. s. w. hier hindernd eintreten konnten, obschon einzelne Gegenden, die wenig oder nichts geliefert, nicht so weit von dem Sitze der Ausstellung entfernt waren, wie z. B. Württemberg, die preußischen Pio⸗ vinzen Rheinland und Westphalen; jedenfalls aber gewährt die Karte auch in dieser Beziehung eine interessante Uebersicht und bietet reichen Stoff zu bSe Betrachtungen dar, auf die hier natürlich nicht eingegangen wer⸗ den kann.

Auf der Karte befinden sich noch zwei Beikärtchen und eine Tabelle. Die erste Beikarte in der südöstlichen Ecke des Blattes enthält eine vergleichende Darstellung der einzelnen Ländertheile Deutschlands in Bezug auf ihre Theilnahme an der Gewerbe⸗Ausstellung, nebst einer Andeutung der Ver⸗ theilung der wichtigsten Fabriken und Gewerbe in den deutschen Staaten. Wie in der Haupt⸗Karte durch Angabe der Orte, so ist hier durch mehr oder minder starke Schattirung die größere oder geringere Theilnahme der einzelnen Länder an der Ausstellung noch übersichtlicher hervorgehoben. Eine Tabelle jebt diese Verhältnisse in Zahlen an, wobei der preußische Regierungs⸗ Bezirk Marienwerder, welcher verhäͤltnißmäßig die wenigsten Nummern geltesen bat, als 1 angenommen wurde. Sowohl die Schattirung als die Verhältniß⸗ Zahlen der Tabelle stützen sich auf Berechnungen der von jedem Lande gelie⸗ serien Gegenstände nach der Angabe in Nummern, verglichen mit dem Flächen⸗ n derselben. Es * sich hieraus, daß Berlin beinahe ein Viertel

ünd ausgestellten Gegenstände eingeliefert hat. Durch besondere Zeichen e. die Fabriken in Metallen, Tuch⸗ und Wollenwaaren, Baumwollen⸗

und Seidenwaaren und Leder unterschieden, so wie durch he fabe heea e⸗dendeng wo Leinweberei Nebenbeschäftigung, diejenigen, wo brizirt wird. 3eiefeden, und endlich diejenigen, wo gröbere Leinwand fa⸗ . Die zweite Beikarte enthä b 2 Landstrichen zur Uebersict e 2 ren nebst den angränzenden urch dreizehn verschiedene Zeichen angedeutet, und zwar die Fabriken in Gespin⸗

sten und Geweben, Leder und Papier durch acht, die Fabriken in Metallen durch vier Zeichen; außerdem haben die Salinen noch ein besonderes Zeichen er⸗ halten, und endlich sind die Orte, in denen Fabrilen beider Abtheilungen (Gespinnste u. s. w. und Metalle) befindlich, so wie diejenigen Orte, in denen die technische Kultur eine besondere Ausdehnung erlangt hat, durch besondere Zeichen unterschieden. Fabrikorte, die nichts zur Ausstellung ge⸗ liefert, sind, wie in der Hauptkarte, mit feiner Schrift, und Städte, die mehr als 3000 Einwohner haben, mit größerer, stehender Schrift angege⸗ ben. Die drei industriereichsten Kreise: Elberseld, Lennep, Solingen, sind roth angelegt. 8 eg In der Südwestecke der Hauptkarte befindet sich endlich noch eine Ta⸗ belle, welche die Vertheilung der eingesandten Gegenstände nach den Haupt⸗ Gewerben enthält.

verschiedenen Erwerbszweige eines Landes unter sich u. s. w. veranschau⸗ licht wird.

Noch ist zu erwähnen, daß auf der Karte auch die Schiffbarkeit der Flüsse angedeutet, so wie die Eisenbahn⸗ und Dampfbootlinien angegeben sind.

Auf den Reichthum der auf dieser Karte niedergelegten Resultate noch besonders aufmerksam machen zu wollen, dürste, selbst nach dieser kurzen Uebersicht, unnöthig sein, und es möge hier nur noch bemerkt werden, daß sie zu dem in der hiesigen Buchhandlung von Gropins erscheinenden offi⸗ ziellen Bericht über die erste und für den deutschen Gewerbfleiß so ehren⸗ voll ausgefallene Ausstellung eine nothwendige Ergänzung bildet. Der Preis, 23 Silbergroschen, ist ewiß sehr gering, wenn man bedenkt, welche mühsame Vorarbeiten zu der Entwerfung einer solchen ur nöthig waren.

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* Frankfurt a. M., 24. Okt. Die Huldigung, die unsere

Stadi dem großen Dichter darbrachte, ist nun in ihren Aeußerlichkeiten vor⸗

Es ist hier die Zahl aller aus einem jeden Lande ein⸗ gelieferten Nummern = 100 gesetzt und diejenigen der betreffenden Abthei⸗ lungen nach Prozenten berechnet worden, wodurch das Verhältniß der

über, mit jeder neuen Beschauung wächst aber die Bewunderung des in wah⸗

rer Großartigkeit prangenden Monumentes. Bei dem vorgestern Abend statt⸗ gehabten Festessen hatten sich über 250 Personen eingefunden, und mi Freude begrüßte man unter den fremden Gästen den Kanzler von Müller aus Weimar, den würdigsten Repräsentanten der Ilmestadt, den vielfähri⸗ gen Freund Göthe's und Vollstrecker seines letzten Willens. Der Börsen⸗ saal war hübsch arrangirt und namentlich mit einem vom Maler von Schwind sinnreich zusammengesetzten Transparentbilde, das später Prof. Hessemer erläuterte, geziert. Beil trefflich überwacht. Bevor das Essen begann und nachdem eine kurze Einleitungsstrophe von Sängern des Licderkranzes gesungen war, hielt Dr. Spieß eine von Prof. Schwenk verfaßte Rede. Die offiziellen Toaste

und Reden brachten dann Dr. Müller (auf Frankfurt), Dr. Gutzkow (auf

Weimar), Inspektor Passavant (auf Schwanthaler und Stiglmair), Dr. Weismann (auf die fremden Gäste) aus, die alle mit donnerndem Hoch aufgenommen wurden. Den Toast auf Weimar beantwortete Kanzler Dr. von Muͤller. Die weiteren Reden waren alle humoristischer Natur und wurden von den Doktoren Stiebel, Hofmann, Wihl und vom Schauspieler Hassel vorgetra⸗ gen. Letzterer sprach eine von Malß (dem Dichter des „Bürger⸗Capitain’) verfaßte Rede eines 76jährigen „frankforter Borjers“, die außerordentlich drastisch wirkte. Das Mahl endele erst nach zehn Uhr in aller Heiterkeit. Unterdessen war das Volk in Masse nach der IJllumination des Monuments und des Götheschen Hauses geströmt, hatte das Ständchen der Sänger⸗ Vereine am Monument angehört und deren Zug mit farbigen Lampen be⸗ Fhtae Wie man hört, wird das Fest⸗Comits die bei dem Feste gehaltenen Reden und vorgetragenen Gesänge gesammelt herausgeben. Ein sehr ge⸗ lungener von Amster gestochener Stahistich des Monuments ist nun auch im Verlage der Schmerberschen Buchhandlung für einen Thaler preuß. Cour. zu haben. Das Monument ist den ganzen Tag von Beschauenden um⸗ lagert. en. —.— ͥ];

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tution ist heut Vormittag dem Kongresse vorgelegt worden.

sucht, mehrere organi

Die Ordnung des Ganzen hatte Hofrath

Jabres=Kursus, und zugleich ein allgemeines Befähigungs⸗Examen. Nees⸗ Lansin enc 188 wer es mit Ehren besteht, erhält die Dok⸗ Letz die Befugniß zur Praxis. Die lateinische Sprache

ür d damit 8 H*. 1ehcegrng. beim Vortrag der Professoren, sondern auch bei sämmt⸗

lichen Prüfungen gebraucht.

Spanien. 88 Okt. Telegraphische Depesche aus Spanien:

Paris, 23.

Madrid, 18. Okt. Der Entwurf zu einer Reform der Consti⸗

Das at gleichzeitig im Senat um die Ermächtigung nachge⸗ Ministerium hat g she Gesetze dekretiren zu dürfen.

5 Madrid, 17. Okt. Der Senat hat sich gestern förmlich konstituirt, und die Herren Golfanguer (Administrator der Erzdiözese Toledo), Aldamar (Senator für Guipuzcoa) und den Marquis von S. Felices zu Secretairen erwählt.

Der Kongreß der Deputirten hat alle Wahlakten, bis auf die von Salamanca und Pamplona, gegen welche zahlreiche Einwendun⸗ gen erhoben worden sind, für gültig anerkannt, und bereits 140 De⸗ putirte zugelassen, so daß er sich diesen Nachmittag konstituiren und seine Vice⸗Präsidenten und Secretaire ernennen wird. In den vor⸗ läufigen, in der Wohnung des Banquiers Salamanca gehaltenen Ver⸗ sammlungen, denen etwa 50 Deputirte beiwohnten, war man über⸗ eingekommen, dem bestehenden Ministerium, mit Ausnahme des Ge⸗ nerals Narvaez, ganz vorzüglich aber dem Finanz⸗Minister, Herrn Mon, den heftigsten Widerstand zu erklären. So viel verlau⸗ tet beschloß man, ein neues Kabinet aus folgenden Personen zu⸗ sammenzusetzen. Der General Narvaez sollte Präsident bleiben, ohne ein bestimmtes Ministerium zu übernehmen. Herr Sartorius, Eigen⸗ thümer und Haupt⸗Redacteur des Heraldo, sollte die auswärtigen Angelegenheiten und der General Ros de Olano, der bisher General⸗ Inspektor der Zoll⸗Soldaten war und eines beträchtlichen Unter⸗ schleifes beschuldigt wurde, das Kriegs⸗Ministerium erhalten. Herr Castro y Orozeo, der schon unter dem Grafen Ofalia und neben Herrn Mon Justiz⸗Minister war, dieses Departement aufs neue über⸗ nehmen; Herr Benavides, dermalen Gefe politico von Madrid, Mi⸗

nister des Innern, so wie Herr Olivan, ein sehr kenntnißreicher Mann

(Unter⸗Staͤats⸗Secretair des Innern unter dem Ministerium Isturiz 1836), Marine⸗ und Kolonial⸗Minister werden. Endlich hatte Herr Salamanca, der dem Staate mehr als 20 Millionen Realen schul⸗ dig und zugleich Unternehmer der sehr kostspieligen Oper ist, sich selbst das Finanz⸗Ministerium vorbehalten.

Man muß in Spanien zwar immer auf das Unerwartetste gefaßt sein, die eben erwähnte Combination ist jedoch von der Art, daß mir die Verwirklichung derselben als unmöglich oder auch nur als ernstlich beabsichtigt erscheint. Nur bis auf einen gewissen Punkt läßt sich der öffentlichen Meinung trotzen, eine Erfahrung, welche die gegenwärti⸗ gen, auf den Händen der Moderirten selbst emporgehobenen Minister zu machen auf dem Punkte stehen. Auch haben mehrere Deputirte ihre Ausichten geändert, sobald der General Narvaez, wie ich Ihnen bereits meldete, der erwähnten Versammlung anzeigen ließ, daß er fest entschlossen wäre, sich nicht von seinen dermaligen Amtsgenossen zu trennen, sondern mit ihnen sich zu behaupten oder zu fallen. Nur so viel erscheint als gewiß, daß man die Dauerhaftigkeit eines Ka⸗ binettes, von welchem der General Narvaez ausgeschlossen wäre, für

unmöglich hält.

In einem anderen Punkte haben die Minister nachgegeben. Die Oppositions⸗Partei kam überein, den Herrn Castro y Orozeo, der selbst nach einem Ministerium strebt, zum Präsidenten des Kon⸗ gresses zu wählen. Die Minister, die dem General Aspiroz diese Würde übertragen zu sehen wünschten, haben sich nun be⸗ reit erklärt, sich die Ernennung des Herrn Castro gefallen lassen zu wollen, ohne ihr eine politische Bedeutung beizulegen. Gestern Abend vereinigten sich nun fast sämmtliche Deputirte zu einer Privat⸗Versammlung und stellten eine förmliche Wahl⸗Probe an, in⸗ dem sie mittelst geheimer Abstimmung die Vice⸗Präsidenten Secre⸗ taire und den Präsidenten ernannten. Letztere Würde fiel allerdings vorläufig auf Herrn Castro, die übrigen Aemter wurden aber, gegen alles Erwarten, Personen zu Theil, welche keinesweges zu der Sppo⸗ sitions⸗Partei, die sich im Hause Salamanca's versammelt, gerechnet werden können. Diesen Abend werden wir erfahren, ob die eigent⸗ liche Aufführung des Drama's der gestern gehaltenen Probe entspreche.

Man vermuthet, daß die Regierung bereits morgen die mit der Constitution vorzunehmenden Reformen dem Kongresse der Deputirten vorlegen werde. Noch gestern war die Mehrzahl der Minister der Ausicht, daß der Art. 48, Litt. 5 der Constitution, welcher vorschreibt, daß der König sich nicht vermählen dürfe, ohne durch ein besonderes Gesetz dazu ermächtigt worden zu sein, wegfallen müsse. Eine große Anzahl der Deputirten ist übrigens entschlossen, sich jeder Abänderung beh zu widersetzen, um auf diese Weise die Exaltirten für

Der Clamor publico, ein progressistisches Blatt, erklärt, er zöge die absolute Regierungsform mit allen ihren Folgen der neuen Art von Despotismus vor, den die Minister einzuführen beabsichtigten.

b Die Regierung hat einige Marine⸗Offiziere nach England ge⸗ schickt, um drei Dampfer und 3 Segelschiffe dort bauen zu lassen. Zu diesem Behufe sind 21 Millionen Realen angewiesen worden. Da⸗ der Nraes Kerfa eeeebe ung von 3,513,706 Realen für den Etat Der Banquier Salamanca l t Palast Bue 1 b hat den Palast Buena Vista, welchen S 1- Regent bewohnte, und der seitdem dem Friedensfürsten

en e. zuerkannt wurde, angekauft.

Castro u ge. der veIrg. wählte heute den gSe Isturiz 27 erhielt, zum Prältdonden vr 8 imnmen, von düfan Herr Armero und Perpife zu Haüs enten, die Herren Pacheco, Govantes, R pina zu Vice⸗ Präsidenten und die Herren Malvar ey, Polo und Gispert zu Secretairen. Von diesen letztgenannt acht Personen gehört, so viel ich weiß, nur Herr Malvi Teg.e weng sitions⸗Partei an, die sich in Salams . er, a var der Oppo⸗ anca's Hause versammelt, und der

Ausgang entspricht ganz der er Sämmtliche Minister wohnten pehehenee eggtgzls.

+ *%” is 20 bekannt 22. Okt. In Gemäßheit des in der Thronrede heute durch den X Phegrsemne hat die spanische Regierung, wie wir der Cortes höchst wi 18ea,s eneen 18ten in beiden Kammern

Vegseisanigten Boischläge über Verändernng vena gtengre le lhn 8. wurf eingebracht welcher dlegt⸗ und im Senate ist ein Gesetz⸗Ent⸗ erhalte, die verschiedenen dahin geht, daß die Regierung Vollmacht erkannt’ habe, der gröperen saanfhen Gesetze, deren Bedürfniß man in 9 52„ zu setzen. ze wegen durch Königl. Verordnung Eine Anzahl der spanischen Flüchtlts 1u1 5Jen haben, in Eatasoneeshen aecehade, welce ee diesen Tagen Fahne wieder aufzupflanzen, ist von der französischtn ie ogressissche * 15 Srne aufgefangen worden. Der bekannte dun Po izei hart an 5 en in Saint⸗Jean⸗de⸗la⸗Pla⸗de⸗ 1

ve Cor verhaftet.

Man fand eine Summe von 12,000 Fr. bei ihnen. Ein Adjutant Amettler's und 4 Hauptleute sind am 16ten zwischen Perpignan und Boulou angehalten worden, und man hat eine große Anzahl aufrüh⸗ rerischer Proclamationen in ihrem Wagen gefunden. Einigen anderen Offizieren ist es gelungen, über die spanische Gränze zu kommen, und 858 werden ohne Zweifel bald von ihren weiteren Unternehmungen hören. 1

Catalonien ist bis jetzt durchaus ruhig, aber es scheint dort gleich⸗ wohl viel Mißvergnügen zu herrschen, vorzüglich in Barcelona, wo sich der Druck des militairischen Regiments des Generals de Meer am unmittelbarsten fühlbar macht. Auf der Citadelle und in den übri⸗ gen Haft⸗Lokalen wimmelt es von Gefangenen, die auf den Verdacht der Theilnahme an Verschwörungen u. s. w. eingezogen sind. Diese Maßregeln der Strenge dehnen sich sogar auf Frauen aus, deren fünf oder sechs seit Monaten in der Citadelle sitzen. Die barcelonaer Blätter erwähnen aller dieser Dinge mit keinem Worte. .“

Lissabon, 16. Okt. Die Arbeiten der Kammern gehen ihren ruhigen Gang fort, und das Ministerium kann mit Sicherheit auf seine Majorität in beiden Häusern zählen. In der Deputirten⸗Kammer gab am 11ten das Comité, welches sein Gutachten über die während der Vakanz der Legislatur von den Ministern auf eigene Verantwort⸗ lichkeit erlassenen legislativen Maßregeln abstatten sollte, seinen Be⸗ richt ab, und obschon darin manche einzelne Maßregel nicht gutgeheißen wird, so erklärt sich doch das Comité im Allgemeinen mit der Ten⸗ denz derselben einverstanden und beantragt selbst bei der Kammer die Bewilligung der Indemnitäts⸗Bill. Die Debatte über diesen Gegen⸗ stand, der ein Vertrauens⸗Votum einschließt, hat gestern begonnen und dauert fort; sie wird mit Lebhaftigkeit, aber Mäßigung und An⸗ stand geführt.

In der Pairs⸗Kammer richtet der Herzog von Palmella mit seiner Opposition gegen die Minister nichts aus. Die Regierung be⸗ hält ihre Majorität von 10. Am 11ten wiederholte der Graf von Lavradio seinen schon im November vorigen Jahres vergeblich vor⸗ gebrachten Antrag auf unverweilte Aufhebung der Sklaverei in den asiatischen Besitzungen Portugals, nämlich in Indien, Macao und den Inseln Timor und Solor. Sa da Bandeira und der Herzog von Palmella unterstützten den Antrag, indem sie darauf hinwiesen, daß Portugal in seinem Vertrage mit England vom Juli 1842 sich feierlich verpflichtet habe, zur Unterdrückung der Sklaverei mitzuwirken, keine Sklavenmärkte zu dulden, wie sie doch noch immer in den ge⸗ nannten Besitzungen stattfänden, und diesen Handel eben durch die Aufhebung der Sklaverei zu vernichten. Die britische Nation habe ein glänzendes Beispiel der Uneigennützigkeit gegeben, aber dasselbe werde nur schlecht befolgt, obschon gerade in den asiatischen Besitzungen, wo die Sklaven meistens Eigenthum der Regierung wären, dies ohne sehr große Opfer geschehen könnte. Man verlange noch nicht die Abschaffung der Sklaverei in den Besitzungen Afrika's; daran knüpften sich freilich noch zu wichtige Interessen; aber man möge doch den ersten Schritt in Asien thun, um wenigstens seine Aufrichtigkeit in einer so heiligen und gerechten Sache zu zeigen. Nach dem Vorschlage solle die Emancipation nicht plötzlich, sondern allmälig bei möglichst vollständiger Entschädigung der Besitzer vor sich gehen; die befreiten Sklaven sollten eine Zeit lang zuerst umsonst arbeiten und später ein niedriges Tagelohn erhalten. Der Marine⸗ Minister bestritt indeß den Antrag als voreilig wie im vorigen Jahre, indem er vorgab, noch nicht die nöthigen Informationen über den Zustand der Kolonieen und der dortigen Sklaven⸗Verhältnisse von den betreffenden Kolonial⸗Gouverneuren erhalten zu haben. Diese Antwort gab Senhor Trigueiros noch Gelegenheit zu einigen scharfen Bemerkungen gegen die Minister, doch hatte dies auf die Abstimmung keinen Einfluß. Der Antrag ward mit 23 gegen 18 Stimmen verworfen. Die wahren Gesinnungen der Re⸗ gierung über diese Frage dürfte das Diario durch folgende Worte in Bezug auf die Debatte offenbaren: „Sentimentalität mag beredte Philanthropisten auf der Tribüne begeistern, aber im Kabinet ist sie eine Klippe, die mit Vorsicht umgangen werden muß.“ Die philan⸗ thropischen Vorschläge des Herzogs von Palmella gehen wohl nur aus seiner Opposition hervor, und wenn er am Ruder wäre, so würde er wahrscheinlich eben so wenig bereit sein, die Sklaven⸗Eigenthümer in ihren Interessen anzugreifen, als er jetzt eifrig bestrebt ist, den Ministern feindlich zu begegnen. Im Allgemeinen mag es deshalb wohl wahr sein, daß die Portugiesen noch nicht mit Ernst an die Emancipation der Sklaven denken.

Die Regierung hat neuerdings eine Reihe neuer Quarantaine⸗ Reglements erlassen, welche die bisher von den fremden Flaggen, be⸗ sonders der britischen, genossenen Rechte wesentlich beeinträchtigen. Gegen England hauptsächlich ist auch ein von dem Minister des Auswärtigen in die Deputirten⸗Kammer gebrachter Antrag gerichtet, welcher die Aufhebung der privilegirten Gerichtsbarkeit der fremden vor dem sogenannten Juiz conservador bezweckt.

& Lissabon, 10. Okt. Alle Intriguen, die von gewisser Seite gegen das Ministerium Costa Cabral augesponnen wurden, sind an dem gesunden Sinne des portugiesischen Volkes und dem Patrio⸗ tismus der Mehrzahl der Mitglieder beider Kammern gescheitert. Die Kommissionen derselben haben nun ihre Berichte und Gutachten über die Maßregeln des Ministeriums während des Zwischenraumes zwischen den beiden Sessionen, über den Gebrauch, welchen es von den ihm bewilligten außerordentlichen Vollmachten gemacht hat, ab⸗ gegeben und für Gewährung der verlangten Indemnitäts⸗Bill sich ausgesprochen; es ist eine eben so erfreuliche als unbestreitbare That⸗ sache, daß die öffentliche Meinung dazu ihren vollsten Beifall giebt, was auch die Organe der Opposition dagegen sagen mögen. Die mit Mäßigung gepaarte Festigkeit der Regierung hat dem Lande die Aufrecht⸗ haltung der öffentlichen Ruhe gesichert und es möglich gemacht, eine neue Aera materieller Verbesserungen aller Art in der Verwaltung zu be⸗ ginnen, deren heilsame Wirkung schon in der Gegenwart fühlbar zu werden anfängt, die aber noch weit segensreicher in der Zukunft sich erweisen werden. Ich hatte bereits Gelegenheit, Ihnen über die finanziellen Reformen zu berichten, die der Finanz⸗Minister Baron Tojal allmälig durchführt. Nicht minder thun durchgreifende Refor⸗ men auch in dem Justizwesen Noth, das namentlich in den entfern⸗ teren Provinzen noch an großen Gebrechen leidet. Auch diesen Miß⸗ ständen wird endlich Abhülse werden, der feste Wille der Regierung dazu steht außer allem Zweifel, aber sie bedarf dazu Zeit. Das Fortschreiten zum Besseren kann nur allmälig geschehen, und je mehr der Thron und die Institutionen des Landes an Stabilität ge⸗ winnen, je festeren Fuß die Verwaltung im Vertrauen des Volkes faßt, und je mehr die Ueberzeugung in diesem sich begründet, daß vor Allem jede neue Erschütterung durch fruchtlose Kämpfe um bloße Theorieen und Formen vermieden werden müssen, desto leich⸗ ter wird auch der Regierung die Lösung der großen Aufgabe werden, deren ganze Schwierigkeit sehr wohl begreift, und an welcher sie mit unermüdlichen Anstrengungen arbeitet. Die Thatsache tritt immer handgreiflicher hervor: das portugiesische Volk ist der politischen Kämpfe, die seine Lage um keinen Schritt vorwärts gebracht haben, müde. Das Volk will praktische Resultate, materielle Verhesserung seiner Lage, und dadurch, daß die jetzige Verwaltung dieses? edürf⸗

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niß richtig erkannt und dasselbe zu befriedigen sich vorgesetzt hat, ist sie auch sicher, im Volke einen festen Halt zu sinden, gegen alle Par⸗ tei⸗ Weangat

„Es gewinnt mehr und mehr Wahrscheinlichkeit, daß der Plan für Errichtung einer Eisenbahn von hier nach Porto zur Ausführung kommen wird. E3ZIe“

4—I 85 111“ v11A1XA“ Konstantinopel, 9. Okt. (D. A. Z.) Omar Pascha, wel⸗ cher hier angekommen ist, hat 1600 albanesische Rekruten mitgebracht und 2000 stehen in und bei Salonichi bereit, um ebenfalls hierher eingeschifft zu werden. Das von Albanien zu stellende Kontingent ist wegen der abermals dort ausgebrochenen Unruhen von 8000 auf 15,000 Mann erhöht und dem Armee⸗Corps von Anatolien zuge⸗ theilt worden. Man will die halsstarrigen Bewohner zum Gehor⸗ sam bringen, es koste was es wolle. Von dem hiesigen Armee⸗Corps werden Truppen nach Albanien gesandt. Nach Omar Pascha's Aus⸗ sage, welcher in der nächsten Woche wieder nach Albanien abgeht, herrscht dort die größte Ruhe. Privatbriefen zusolge dauern jedoch die Räubereien noch immer fort; Mahmud Pascha ist noch nicht be⸗ siegt und steht an der Spitze einer zahlreichen Bande, die ihre Streif⸗ züge bis vor die Thore von Salonichi ausdehnt, wo vor kurzem drei Kaufleute erschlagen und beraubt wurden.

Man versichert, die Pforte wolle, auf Anrathen Muhammed Ali Pascha's, nach dem Bairamfeste einen neuen Ferman über die Qua⸗ rantainen erlassen, wodurch der Chef derselben, Muhammed Ali Pascha, vom Conseil unabhängig werden und die unumschränkteste Gewalt in Betreff der Anstellung der Beamten erhalten soll. Gleichzeitig sollen die Repräsentanten der fremden Mächte nicht mehr Mitglieder des Conseils, sondern wie früher nur Abgeordnete bei demselben sein, welche einzig und allein die Interessen ihrer Nation vertreten, ohne sich in dessen innere Angelegenheiten zu mischen.

11A14A*“

Die Gewerbe⸗Ausstellung der deutschen Bundes⸗ und Zollvereins⸗Staaten.

(Vergl. Allg. Preuß. Ztg. Nr. 227, 238, 240, 242, 243, 248, 249, 252,

253, 254, 255, 256, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267,

270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278, 279, 280, 281, 283, 285, 286, 287, 288, 291, 293, 294, 295, 295, 297, 298, 299 und 300.)

LXxXV. Ziegel⸗Fabrication.

Dieser weit ausgebreitete Gewerbzweig ist nicht in dem Maße vertreten, um ein vollständiges Bild von seinem gegenwärtigen Stande erhalten zu können.

Die eingesandten Fabrikate zeigen im Allgemeinen eine bedeu⸗ tende Vervollkommnung, welche sich erst in den letzten Decennien ent⸗ wickelt hat. In dieser Zeit hat die Ziegel⸗Fabrication durch Einfüh⸗ rung der Thonschneide⸗ und Schlamm⸗Maschinen eine wesentliche Verbesserung erfahren. Der unsichere Betrieb auf sogenannten Feld⸗ Ziegeleien schwindet mehr und mehr und macht den gedeckten Schuppen und geschlossenen Oefen Platz. Vorzugsweise hat aber die Fertigung der Formsteine, der geschnittenen Steine und der Ornamente zu den Bauten, eine Ausbildung erlangt, wie sie nur das Mittelalter in der Blüthe seiner Baukunst aufzuweisen hatte.

Die Erzeugnisse der Königlichen Ziegelei am Werbellin⸗See zu Joachimsthal unter Nr. 541 gehen mit musterhaftem Beispiel voran. Die eingesandten Konsols, Akroterien, farbigen Gesims⸗Fries⸗ stücke und Verblendungssteine zeichnen sich durch ihre Schärfe, Festig⸗ keit und angenehme Farbe aufs vortheilhafteste aus. Die Färbung ist entweder durch Einlegung gefärbter Thonmassen von gleichem Schwindemaße, wie die Hauptmassen bewirkt, oder durch einen An⸗ strich von fein geriebenem Eisenstein mit Thonerde verbunden, welche eingebrannt wird, hergestellt. Die römischen Dachpfannen, deren Anwendung jetzt allgemeiner wird, haben einen solchen dunkelbraunen schützenden Farbenanstrich.

Nr. 725. Bolze in Salzmünde bei Halle hat eine reichhaltige Sammlung von Klinkern, gewöhnlichen und porösen Mauersteinen, Fliesen, Dachziegeln, Friesverzierungen, Blättern, Röhren und Cha⸗ mottsteinen ausgestellt. Die zu den Klinkern verwendete Masse scheint fast zu flüssig, um für den Betrieb im Großen mit Nutzen gebraucht werden zu können. Die gefärbten Fliesen sind von fester Masse. Den Ornamenten bleibt eine korrektere Zeichnung zu wünschen. Von sehr guter Masse und Bearbeitung erscheinen die gewöhnlichen Steine, Röhren und die Chamottsteine.

MNr. 771. Borchmann in Rathenow, und Nr. 945. Knösel in Grottkau haben Dachsteine, Ersterer auch Mauersteine und Fliesen von fester Masse, ausgestellt.

Nr. 974. Gewert in Patawern, Regierungs⸗Bezirk Königs⸗ berg. Verblendungs⸗ und Formsteine, sowohl in Form als Masse von ausgezeichneter Qualität. 5

Nr. 1532. Biehl u. Co. zu Waiblingen (Württemberg). Ge⸗ falzte Dachplatten von gut bearbeiteter Masse.

Nr. 2091. v. Zalewsky, und Nr. 2092. Bromberg. Mauersteine und Klinker.

. Peterson in Könnten bei sorgfältiger Be⸗ arbeitung des rohen Materials ein besseres Fabrikat liefern.

Nr. 2326. Karl Huffzky in Mariaschein bei Teplitz. Pro⸗ ben glasurter und unglasurter Dachziegel zeigen eine sachkundige Be⸗ handlung des rohen Materials. Die Steine sind leicht und sehr sorg⸗ fältig bearbeitet.

Nr. 2459. H. von Treskow auf Radajewo. Mauer⸗ und Dachsteine. Letztere von ungewöhnlicher Stärke. Die Dachsteine mit durchgehenden Nasen in Stelle der Hohlsteine erscheinen von prakti⸗ schem Werthe für die Eindeckung vom Frost.

Nr. 2507. Didier in Podejuck. Poröse Mauersteine, Cha⸗ mottsteine und ein Kupol⸗Ofenstein von eigenthümlicher Form. 8

Nr. 2619. J. Böhme in Jena. Zusammengekittete Dachstein von fester Masse und drei Stück Proben von Klinkern, welche die Eisenbahnschienen vertreten sollen. 8

Nr. 2725. W. Kamp in Tegelen bei Venlo. Dachziegel und Flie sen von sehr gutem Material und vortrefflicher Arbeit.

Nr. 2943. Baron von Saurma auf Ruppersdorf bei Bres⸗ lau. Dachziegel, Mauersteine und Fußbodenplatten zeigen eine sorg⸗ fältige Bearbeitung des Materials und scharfen Brand. 1

Nr. 2757. Gustav Kühn in Neu⸗Ruppin. Mauersteine von guter Bearbeitung.

LXXVI. Dräthe aus Eisen, Stahl, Kupfer, Neusilber, Zink und Blei.

Die Draht⸗Fabrication im Allgemeinen ist nicht nur bei der so außerordentlich ausgedehnten Anwendung der Drähte eine der wichtigsten Metall⸗Verarbeitungen; sondern sie hat, um ein voll⸗ kommenes Produkt zu liefern, trotz der Einfachheit des Fabrikats manche Schwierigkeiten zu überwinden, zumal wenn für bestimmte spezielle Anwendungszwecke gewisse Eigenschaften des Drahtes in ausgezeichnetem Grade gefordert werden. Solche Beispiele kommen unter Anderen bei denjenigen Eisen⸗, Stahl⸗ und Messing⸗Drähten, welche als Klavier⸗Saiten dienen, und bei dem zur Uhrßellang der Kratzmaschinen⸗Beschläge angewendeten Eisen⸗Drahte, dem sogenann-

Rishfise Aiistehe Eatsriehz, ess ef ben 878 ,18,5 888 ¹

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