in fröhliches Mahl im Saale des hiesigen Hütten⸗Gasthofes, . I 8. Freude der evangelischen Gemeinde der katholische Geistliche der benachbarten Gemeinde Chorzow, Herr Probst Beder, eingefunden hatte, beschloß die schöne Feier des Tages. Wenden wir am Schlusse unseres Berichts noch einen Blick auf as neue Gotteshaus zurück, welches unter der speziellen Leitung des Herrn Ober⸗Bau⸗Inspektor Breslau ausgeführt wurde, so können wir desselben nur lobend erwähnen. Nicht nur dem Orte selbst, sondern der ganzen Umgegend gereicht es zu einer Hauptzierde. Eben so, wie sein Aeußeres, welches sich dem neueren Spitzbogen⸗Style anschließt, macht das Innere den günstigsten Eindruck, und namentlich erfreulich war es, zu bemerken, wie klar und deutlich, von jedem Platze des Schiffes sowohl, wie der Emporen, die Stimme des Geistlichen vor dem Altar auf der Kanzel zu vernehmen ist, wozu wohl jedenfalls die kassetirte Holzdecke wesentlich beiträgt.
8 8 8 Königreich Bayern. Nachdem Se. Majestät der König sich bewogen gefühlt haben, die Ernennung eines Ephorus der philo⸗ sophischen Fakultät an der münchener Universität in Ihre Hand zu ehmen, ist durch ein Allerhöchstes Reskript der von Würzburg nach München berufene ordentliche Professor der Philologie, D)r. Ernst von Lassaulr, mit diesem Amte betraut worden. — Zwei (ungenannte) Mitglieder der General⸗Synode zu Anspach haben unter der Auf⸗ schrift „Aus Bayern, 18. Nov.“ folgende Erklärung in die Frank⸗ furter Ober Post⸗Amts⸗Zeitung einrücken lassen: „Nach dem Rheinischen Beobachter ist von mehreren Zeitungen ein „„Ma⸗ nuskript — die General ⸗ Synode zu Anspach im Jahre 1844 betreffend““, mitgetheilt und am Eingange des Artikels bemerkt wor⸗ den, daß die General⸗Synode die nachfolgenden Aktenstücke unter solchem Titel veröffentlicht habe. Diese Angabe des Rheini⸗ schen Beobachters veranlaßt uns zu der berichtigenden Bemer⸗ kung, daß die General⸗Synode dieses Manuskript weder veröffentlicht habe, noch auch habe veröffentlichen wollen, daß vielmehr der Abdruck dieses Manuskripts lediglich für die Mitglieder der Synode und ihre Kommittenten bestimmt war, und daß nach dem einstimmigen Wunsch aller Synodal⸗Mitglieder jede Veröffentlichung vermieden werden sollte. Die Einsendung des Manuskripts an den Rheinischen Beobachter zur Aufnahme in seine Blätter kann daher nur von einem Unberufenen geschehen sein.“ Die Mordthat in München liefert einen merkwürdigen Beitrag zur Geschichte der Todesahnungen. Der Gatte der Ermordeten, Hauptmann von Neumayer, befand sich zur Stunde des Mordes auf der Kriegs⸗Biblio⸗ thek und forderte ein Buch; wie er es öffnet, schlägt er zwei blutbefleckte Blätter auf. Er macht den Bibliothekar darauf aufmerksam, der anfangs, ehe er selbst es sah, nicht daran glauben wollte, da sich in der ganzen Bücher⸗Sammlung kein blutbeflecktes Buch finde. Auch die unglückliche junge Frau scheint eine Art Ahnung gehabt zu haben, indem sie wenige Tage zuvor gegen eine Freundin geäußert haben soll; sie glaube, es stehe ihr ein Ungluͤck bevor; sie fürchte sich, wenn sie in ihrer Wohnung allein sei. Die schreckliche That wurde, wie es scheint, zwischen 9 und 10 Uhr Morgens verübt, als die Magd vom Markte kam, die der Unmensch gleich im ersten Zimmer mit einem Beilhieb niederstreckte. Niemand in dem vielbe⸗ wohnten Hause hatte eine Ahnung von diesen Schrecknissen; obgleich man sich wunderte, daß auf öfteres Läuten (es kamen viele Personen, der jungen Frau zum Namenstag zu gratuliren), nicht geöffnet wurde. Erst als der Hauptmann um 1 Uhr nach Hause kam, nach vergeblichem Anläuten zu seiner Schwie⸗ germutter eilte (bei der er seine Frau zu finden glaubte) und mit ihr und einem Schlosser zurückkam, enthüllte sich die Gräuelthat. Der Raubmörder wurde am 16. November 5 Uhr Morgens zu Passau in einem Wirthshause, nachdem die Thür des Zimmers, wo er im Bette lag, aufgesprengt werden mußte, von den Gendarmen ergriffen und gestand in dem gleich darauf beim dortigen Stadtgericht mit ihm vorgenommenen summarischen Verhör die That mit allen Neben⸗Umständen; auch alles Geraubte ward bei ihm vorgefunden, mit Ausnahme des wenigen Geldes, das er unterweges ausgegeben, und einiger Coupons, die er zu Straubing der Mutter seiner Konkubine geschenkt. Der Bombardier Joh. Eppenstein (nach anderen Blättern hieß der Mörder Eppsteiner) ist etwa 28 Jahre alt, er hatte in seiner 6 jährigen Dienstzeit nur zwei Strafen (wegen Ausbleibens über die erlaubte Zeit), in der Grundliste ist er als ein Mensch „ruhigen Gemüths“ bezeichnet. Als man zu München am 'sten erfuhr, daß Epposteiner um drei Uhr mit seiner Gendarmerie⸗Eskorte dort eintreffen werde, und zugleich bekannt ward, daß der Zug durch die Ludwigsstraße über den großen Maximiliansplatz nach dem Gottesacker gehen werde, weil der Befehl vorliege, zuerst mit der Recognition der Leichen zu beginnen, versammelte sich eine ungeheuere Menschenmenge in der kürzesten Zeit theils auf dem Gottesacker selbst, der jedoch bald durch starke Militair⸗Abtheilun⸗ gen gesperrt wurde, theils auf dem langen Wege von dort bis zur Lud⸗ wigsstraße, dann in unabsehbarer Masse in der Ludwigsstraße selbst, und endlich zu vielen Tausenden auch noch außerhalb der Stadt, ja in Wagen und zu Pferde bis mehrere Stunden weit. Man hat Aehnliches daselbst noch nie erlebt. Das entsetzliche, angsterregende Durcheinander, welches sich den Bewohnern der bezeichneten Straßen in dem Augenblicke darbot, als der Wagen, in welchem der Verbrecher mit einem Polizei⸗Commissair und einem Gendarmen saß, und der von fünf Gendarmen begleitet wurde, im schnellsten Trabe vorüberfuhr, ist nicht zu beschreiben. Der Raubmörder schien entsetzlich angegriffen und muthlos zu sein, wie er denn auch beim Aussteigen vor dem Leichenhause mehr getragen als geführt werden mußte und am Sarge der Magd, deren Leichnam zuerst vor ihm aufgedeckt wurde, sogleich um Gnade slehend auf die Knie stürzte. Die Geständnisse des Mörders lassen nur einzig und allein ihn als Schuldigen erscheinen. Die Angabe von der Schwangerschaft der ermordeten Frau ist trotz ihrer all⸗ gemeinen Verbreitung eine unbegründete gewesen.
Königreich Hannover. Se. Majestät der König und Se. Durchlaucht der Prinz Wilhelm zu Solms⸗Braunfels sind am 21. November nach Rotenkirchen abgereist. Se. Majestät der König hat die nach ersolgtem Ableben der Aebtissin von Meding auf die bisherige Chanoinesse Friederike von Meding gefallene Wahl zur Aebtissin des Klosters Lüne bestätigt, und ist dieselbe als solche am 2. November verpflichtet und eingeführt worden.
Großherzogthum Baden. Am 17. November Abends ist das Karl⸗Friedrich⸗Denkmal unter dem Geleite reitender Bürger wohlerhalten in Karlsruhe eingetroffen. Als der mit Fahnen in den badischen und bayerischen Landesfarben, mit Kränzen und Emble⸗ men gezierte Wagen das Thor der Residenz passirte, wurde er von einer zahllosen Menschenmenge, die erwartungsvoll dem Zuge entge⸗ gengegangen war, mit Musik und freudigem Zuruf empfangen, die ihn durch die mit Laubwerk, Kränzen, Fahnen, Teppichen, Büsten ge⸗ schmückte Langestraße bis zum Schloßplatze, dem Orte der Aufstellung des Denkmals begleiteten. — Bei der am 18. November erfolgten Endabstimmung der ersten Kammer über den Entwurf der Straspro LLeeh. erklärten sich 9Stimmen für und 7 gegen denselben. Sehee stimmten die Freiherren: von Andlaw, von Böcklin, von eber. d. J., von Göler (von Mauer), von Marschall (Geh. Le⸗ gations⸗Rath), von Rüdt und von Türkheim (Major). Dafür stimm⸗ Nebenius, Obkircher, Vogel, von Reck, von Göler (der Ober⸗ Hofmarschall, von Gemmingen, von Kettner und die Generäle von Freystedt und von Lassolaye. Aus den Diskussionen geht hervor, daß
ie sieben Mitglieder, welche gegen den Entwurf stimmten überhaupt dem Prinzipe der Oeffentlichkeit und Mündlichkeit abhold sind, oder
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dasselbe wenigstens nur in beschränkterer thut, zur Ausführung bringen möchten.
Herzogthum Holstein. Die nunmehr gebenahe und mit dem Korrespondenzblatt versandte kieler Adresse an die hol⸗ steinischen Stände ist eine förmliche Staatsschrift, in welcher der als Staatsstreich bezeichnete Ussingsche Antrag, und die darauf bezüg⸗ lichen Aeußerungen des Königl. Kommissars mit wissenschaftlichen, aus der Geschichte und dem Staatsrecht hergenommenen Gründen bekämpft werden. Ihre äußere Bedeutung erhält sie aber nicht durch die Zahl, sondern durch das Gewicht der Unterschriften, indem sie unter Anderen von den meisten Notabilitäten der Universität und der Stadt unterschrieben ist. Auch unterscheidet sie sich von den meisten übrigen Adressen dadurch, daß sie keine Dank⸗Adresse ist, wie sie sich denn auch nicht auf die Adresse der Stände bezieht, sondern diese nur bittet, bei Sr. Majestät dem Könige diejenigen Schritte zu thun, welche nöthig sind, um die Rechte des von ihnen vertretenen Landes zu schützen. Die Unterschriebenen richten diese Bitte aber nicht etwa an die Stände, weil sie irgend an der Gerechtigkeit des Königs oder an der Pflichttreue der Stände bei dieser Gelegenheit zweifelten, sondern um die Stände mit dem Gewicht der öffentlichen Meinung in ihren Schritten zu unterstützen und zugleich dem Könige das Zeugniß un⸗ erschütterlichen Vertrauens darzubringen. Dann heißt es am Schluß der Einleitung und bevor zu der Widerlegung übergegangen wird, noch: „Wir vermögen nicht, unsere und unseres Landesherrn Sache getrennt zu denken. Es ist zugleich das hohe Recht Seiner Krone, für welches wir unsere Stimme erheben. Seine Krone — wehe dem, der sie anrührt! ruht auf dem Grunde des Rechtes, eines star⸗ ken, unzweideutigen, lebendigen Rechtes. Wo Willkür und Gewalt herrscht über Ohnmacht und Knechtschaft, da mag der Herrschende thun, was ihm beliebt, zerstören, verwandeln, schalten und walte nach seiner Laune; da ist nicht Recht, noch Gesetz, da ist kein Staat. Aber wer dem Könige, dessen Scepter Gerechtigkeit ist, und dessen Thron auf dem Rechte steht, anzurathen wagt, daß er Willkür übe, das Recht beuge, seiner Staaten Ordnung aus ihren Fugen reiße, sie zu neuen Willkürformen zusammenkünstele, der rührt an der ge⸗ weihten Krone.“ G
Durch das Korrespond enz⸗Blatt erfährt man, daß auf einem gedruckten, nachträglich der Stände⸗Versammlung eingesandten Exemplar dieser Adresse sich noch eine Anzahl namhafter Männer un⸗ terzeichnet hat, und zugleich das gedachte Blatt giebt zu bedenken, ob nicht auch an anderen Orten Männer, die ihre Ansicht und ihre Ge⸗ sinnung in dem Dokumente ausgesprochen finden, diese Art, ihre Bei⸗ stimmung zu erklären, angemessen finden möchten. Dadurch, heißt es, würde diese, wahrscheinlich unter Mitwirkung von Staatsrechts⸗ und Geschichtslehrern an der Universität verfaßte Adresse gewissermaßen eine Erklärung des Landes, den Anmaßungen der roeskilder Stände gegenüber, werden; aber auch so giebt sie den gerade versammelten Ständen ein Mittel mehr an die Hand, das Land als dessen gesetz⸗ liches Organ in dieser Angelegenheit vor dem Throne kräftig zu vertreten. — „Dem sei übrigens“, setzt der Altonaer Mer⸗ kur hinzu, „wie ihm wolle, das Gute darf man sich von der verwegenen Herausforderung der roeskilder Stände⸗Versammlung versprechen, daß die Sache zur Entscheidung kommt und die bisherige Ungewißheit aufhört, wie sie denn schon die Folge gehabt hat, die Gesinnung und das Rechtsgefühl hier zu Lande zu stärken. Die Kraft und die Stärke, welche uns das Bewußtsein giebt, zusammen⸗ zustehen in der Vertheidigung des erkannten Rechts, wird sich aber nicht in Uebertreibungen und Ausschreitungen, sondern in dem festen Maß bewähren, womit wir diese Vertheidigung führen. Mögen die Stände das rechte Mittel und das rechte Wort finden!“
** Frankfurt a. M., 20. Nov. Se. Durchlaucht der Prinz Friedrich zu Hessen verweilt seit einigen Tagen in unserer Stadt, wo bekanntlich die Großtante des Prinzen, Ihre Durchlaucht die Prinzessin Louise zu Na sau⸗Usingen, residirt.
In den letzteren Tagen hat leider auch hier das Tagesgespräch sich eifrigst des kirchlichen Streites bemächtigt und öfter wird die so wünschenswerthe Mäßigung auf der einen wie auf der anderen Seite vermißt. Man hofft indessen, daß bei Zeiten Maßregeln ergriffen werden, welche dem völligen Ausbruche des die Gemüther so sehr aufregenden Streites vorbeugen.
Frankreich.
Paris, 18. Nov. Das Journal des D ats antwortet jetzt auf die Angriffe, welche ihm seine Bemerkungen über den neuen Verfassungs⸗Entwurf in Spanien von Seiten des madrider Heraldo und des Deputirten Calvet im spanischen Kongresse zugezogen haben. Das madrider Blatt hatte die Ansichten seines pariser Kollegen der Unkenntniß über Spanien und dessen Zustände beigemessen und hin⸗ zugefügt, das Journal des Débats würde wohl durch die Cortes⸗ Verhandlungen eines Besseren belehrt werden. Letzteres aber, weit entfernt, durch diese Kommentare die Sache neu beleuchtet zu finden, erklärt, daß, wenn die Dinge in Spanien sich wirklich so verhielten, wie sie von ihren Vertheidigern dargestellt würden, es sehr gern über deren wahren Zustand in Unwissenheit bleiben wolle. „Man spricht uns von einem spanischen Volk“, sagt das ministerielle Blatt, „welches nicht in Insurrectionen ausbreche, sondern dazu getrieben werde, und welches nur Geld zu bekommen brauche, um gegen einander revolutionirt zu werden. Mit Geld sei eine Armee von 100,000 Mann in Spa⸗ nien aufzubringen, die für den Ersten Besten kämpfen werde, wenn man sie nur gut besolde. Das spanische Volk habe für Christine gegen Don Carlos gefochten; gegen Christine für Espartero; gegen Espartero für Narvaez, und es werde gegen Narvaez fechten für Je⸗ den, der es bezahle. Mit einem Wort, es sei eine Nation von Söld⸗ lingen. Wir hatten so viel Achtung vor ihm, es für etwas Anderes zu halten. Von anderer Seite wird es wieder anders geschildert, mit der Versicherung, daß dies sein wahrer Charakter sei. Hiernach küm⸗ mere sich das spanische Volk nicht um Politik, sondern kenne nur zwei Dinge, das Königthum und die Nationalität; es lache über Constitu⸗ tionen und verhalte sich ganz gleichgültig dagegen, ob ihm eine Ver⸗ fassung gegeben oder genommen wird. Wenn dies wirklich der Fall ist, so finden wir es sehr gütig von Narvaez, daß er ihm überhaupt eine Verfassung läßt. Was uns betrifft, so hatten wir uns, wir ge⸗ stehen, eine unter solchen Umständen nur in unserer Phantasie existi⸗ rende Ansicht von dem spanischen Volke gebildet. Es zeigt sich nun, daß diese Ideen nur Träume waren, und daß wir uns in Unwissen⸗ heit über jenes Volk befinden. Die spanischen Journalisten und Redner sagen es uns, und wir müssen es glauben.“ Aus der an der Ober⸗ flaͤche hinstreifenden Ironie dieser Entgegnung ist wohl nicht zu ver⸗ kennen, daß das französische Journal in einiger Verlegenheit ist, die von ihm bei dem ganzen spanischen Volke vorausgesetzte politische Sinnesweise ernst und gründlich darzuthun.
* Paris, 18. Nov. Die Schiffs⸗Division, die aus Anlaß der Vermählung des Herzogs von Aumale nach Neapel geschickt wird, ist weit beträchtlicher, als man glaubte. Am 13ten schickten sich die zu Toulon im Hafen vor Anker liegenden vier Dampfschiffe, der „Gomer“, „Labrador“, „Gassendi“ und Lavoisier” an, alsbald nach
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Ankunft der am 15ten daselbst erwarteten beiden Prinzen, zum 22sten zu Neapel eintreffen wollten, in See zu gehen.
Auf dem Wege über die Vereinigten Staaten sind Nachrichten aus Otaheiti bis zum 6. Juni eingetroffen, wonach die Ruhe damals auf der ganzen Insel zu herrschen schien, ohne daß jedoch die Insur⸗ genten ihre Waffen niedergelegt hatten. Seit dem blutigen Kampfe von Mahahena ist großer Schrecken unter sie gekommen, und sie wag⸗ ten sich nicht mehr aus ihren Verschanzungen heraus. Auffallend ist, daß man noch immer nichts von dem Eintreffen der Nachricht daselbst hört, daß die französische Regierung die Besitznahme der Insel durch den Admiral Dupetit⸗Thouars nicht genehmigt hat, sondern es blos bei dem Protektorat, wie es anfänglich stipulirt war, belassen will. Der Admiral Hamelin, dem jetzt der Oberbefehl über die französischen Streitkräfte in den Gewässern von Oceanien übertragen ist, war auf der Fregatte „Virginie“ bereits am 18. September im Hafen von Rio Janeiro eingetroffen, von wo er nach kurzem Aufenthalte die Fahrt nach Otaheiti fortsetzen wollte.
Wir haben Nachrichten aus Montevideo und Buenos⸗Ayres bis Anfangs September, die wie gewöhnlich sehr verworren und wider⸗ sprechend lauten, je den Vortheil derjenigen Seite beilegend, von der sie ausgehen. Gewiß ist nur, daß einige weitere Scharmützel ohne Bedeutung und ohne Erfolg vor Montevideo vorgefallen sind, daß sich aber diese Stadt noch immer hielt. Die Regierung in der Stadt hatte einige Maßregeln in Betreff der Ausländer getroffen, wodurch die dortigen Engländer sich beschwert glaubten, weshalb sie eine Pro⸗ kestation dagegen einlegten.
— Grossbritanien und Irland. London, 16. Nov. Die plötzlich von neuem geänderte Tak⸗
tik OConnell's, der seinen kürzlich erfaßten Föderalplan gegen die alte Repeal⸗Fahne wieder vertauscht hat, verleiht der irländischen Frage ein neues Interesse. Bei der Zweideutigkeit und Dunkelheit der vielen von OConnell bereits aufgestellten Pläne und Entwürfe ist es indeß schwer, das wahre Wesen seines so eben gefaßten Ent⸗ schlusses, so wie überhaupt die wahren Absichten des Agitators, zu erkennen, zumal da noch die Urtheile der englischen Parteiblätter nicht wenig dazu beitragen, die eigene natürliche Ansicht darüber irre zu führen. Es dürfte deshalb nicht unangemessen erscheinen, den Stand der irländischen Frage vor dem letzten Entschlusse O'Connell's auch einmal nach dem Urtheil eines bekannten französischen doctrinairen Politikers, des Herrn Duvergier de Hauranne, zu beleuchten, der vor einigen Tagen im Constitutionnel seine Ansichten über O'Con⸗ nell's Treiben ausführlich motivirt hat. Derselbe stellt sich zwei Fragen zur Beantwortung: 1) ob O Connell, der Agitation müde, sich auf einen sichereren Boden zurückziehen wollte, indem er dem Fö⸗ deralismus sich geneigt zeigte, und 2) ob er mit seinem neuen Bekennt⸗ niß zum Föderal⸗System einen Schritt vorwärts thun wollte, um neue Anhänger zu gewinnen. Die erste Frage wird verneint und da⸗ hin beantwortet, daß, da O'Connell in seinem eigenen Interesse kei⸗ nen Bürgerkrieg wollen kann, er sich nach seiner Befreiung aus dem Gefängnisse zurückziehen mußte, um die aufgeregten Gemüther sich beruhigen zu lassen; in Betreff des zweiten Punktes heißt es: „Was die Umwandlung der reinen Repeal in eine Föderal⸗Repeal an⸗ betrifft, so werde ich sagen, was ich davon denke, wenn man mir erst 29 llärt hat, was es eigentlich heißt: reine Repeal und Föderal⸗Nepeal. Es ist nicht das erstemal, daß diese Frage aufgeworfen wird, und O Connell und Herr Sharman Crawford selbst sind schon zu wiederholtenmalen öffent⸗ lich in die Schranken getreten, der Erste zu Gunsten der reinen Repeal, der Zweite zu Gunsten der Föderal⸗RNepeal. Aber bis auf den heutigen Tag hat noch Keiner von Beiden einen Plan vorlegen können, der ausführbar, ja, der nur zu verstehen wäre. O'Connell hat bei der Bekämpfung des Sharman Crawfordschen Vorschlages sehr richtig die Schwierigkeiten nachgewiesen, wesche eine Trennung der allgemeinen von den speziellen Staats⸗Angelegenheiten geradezu unmöͤglich machen, nämlich wenn jene von dem Reichs⸗Parlamente, diese von einem irländischen Parlamente entschieden würden; aber mit nicht weniger starken Gründen hat Herr Sharman Crawford den O'Connellschen Vorschlag, die parlamentarische Union ohne die nationale Union zu zersto⸗ ren, als unausführbar dargestellt. Bis zu Ende des vorigen Jahres zog sich O'Connell doch auf diese Weise unter dem Schutze einiger zweideuti⸗ gen und ausweichenden Phrasen aus der Schlinge. „Was ich will“, sagte er, „das ist das alte irländische Parlament in College green, wie es vor der verabscheuungswürdigen Union bestand“, und er ging davon nicht ab. Aber im Monat Oktober v. J. forderte Herr Sturge im Namen der Ra⸗ dikalen von Birmingham die Herren Repealer sehr höflich auf, sich deutlich zu erklären. „Wollet ihr“, sprach er zu ihnen, „eine Trennung der beiden Königreiche? wir werden uns diesem Ansinnen nicht weniger hartnäckig wi⸗ dersetzen, als die Tories. Wollet ihr einfach nur die Kontrolle über eure eigenen Angelegenheiten, die Fragen der hohen Politik, diejenigen nämlich, welche das vereinigte Königreich angehen, gänzlich dem Reichs⸗ Parlamente überlassend? wir werden euch darin beistehen.“ Auf diese bestimmt gefaßte Frage antwortete O'Connell mit einer in seinem Munde auffallenden Theo⸗ rie; für ihn nämlich gäbe es gar keine Beschäftigung mit Fragen der ho⸗ hen Politik, da diese ausschließlich zu den Königlichen Prärogativen gehör⸗ ten. Als Sturge hierauf nachwies, daß eine solche Lösung wohl untet einer absoluten Regierung gut und richtig, unter einer repräsentativen Re⸗ gierung aber falsch und einfältig sei, und seine ursprüngliche Frage -s holte, hatte O'Connell nichts darauf zu eiwiedern und man ließ die Ange⸗ legenheit fallen. Hier sehen wir demnach das Problem der Repeal auf seine einfachste Form zurückgeführt; entweder muß es zwei Parlamente, zwei Ministerien, kurz zwei Regierungen geben, die vollkommen unabhängig
die bis
von einander, mit allen constitutionellen tärogativen belleidet und solglich Herren sind, uneingeschränkt und getrennt über alle Fragen der hohen Po⸗ litik zu entscheiden, selbst über die des Krieges und Friedens, oder es muß wie im Jahre 1782 zwei nominelle Parlamente geben, von denen aber das eine jeder Kontrolle über die Ernennung der Minister und jeder hlennanh⸗ an den wichtigen Angelegenheiten beraubt, nothwendigerweise in 1 18. gigkeit des anderen gerathen muß. In dem ersten Falle ist es eine 6 und O'Connell hat noch niemals bis dahin seine Ansprüche erhoben; in zweiten Falle ist es eine Verzichtleistung, in welche O Connell, 68 und sein Land der Schmach und der Lächerlichkeit preiszugeben, 8 5 willigen kann, noc⸗ wird. Noch einmal darum, was bedeutet die. 58 Fe. peal? und wenn O'Connell sich von derselben entfernt, um der Püeng peal sich zu nähern, wer kann es deutlich erklären, was er sucht
er aufgiebt?
„O'Connell hat übrigens nicht zum erstenmale sich den, Agitation von ben, als neige er sich zu dem Föderal⸗System. Als 1 g - 1en. 1843 ihren größten Umfang erreicht hatte, erklärte er n⸗ 1 1 89 . 9. von Castlabar sehr deutlich, daß, wenn die Whigs und fe Frg “ für den Plan eines Föderal⸗Parlaments e 6 sic genn 1; sar versuchsweise einigen würde. Obschon diese 89 inwillen ·3 ag gen Irland erregte, wurden doch mehrere einfl Feinse.; wfasn 1 . ralisten in den Repeal „Verein aufgenommen. Jetzt erklärt O Lonne 18 radezu, daß er diesen Föderal⸗Plan dem Sopstem von 1782 veeen ühm fordert die Föderalisten auf, von ihren Allgemeinheiten abzulassen, un 88 einen bestimmten Plan vorzulegen. Man sieht es, er legt den Födera 15. das auf, was ihm im vorigen Jahre von Herrn Sturge aufgegeben ngn und er bleibt Herr, je nach den Umständen, sich für oder gegen den Plo zu erklären, um den es sich handelt. vSe 6 9Repeal ohne Trennung oder Föderal⸗Repeal sind demnach, 115. scheint, zwei mangelhaft definirte Formen für ein und denselben Gedan 89 Es sind zwei Worte, welche eine konfuse Sache konfuse ausdrücken, vn die man gebrauchen kann wie man will. Warum aber hat denn die 1r klärung O'Connell's eine so große Sensation erregt und die junge Fatse, die thätigste des Vereins, so unzufrieden gemacht? Weil für das neee land die Repeal gleichbedeutend mit Trennung ist. Vergebens hat O zen. nell in allen seinen Reden und Schriften gegen diese Folgerung protestiu das junge Irland schließt logischer und weniger friedlich, daß, nerd en mal in Dublin ein Parlament versammelt ist, dasselbe sich nicht einer
sich den Anschein gege⸗
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zu sein, welches dem König
zweckmäßig zu finden. Kirche wendigkeit, ein Konkordat mit dem Papste abzuschließen, zuvor jedoch
Känufer eine Entschäd G Er die Frage der Vermählung der jungen Königin erst unter völlig ver
1“ ““
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alt, wie das Parlament von 1782, unterordnen darf. 8 techatheen cen Kampf darüber sich erheben muß, und es traut sich Es vreh an, diesen Kampf zu bestehen. In den Augen dieser Leute war die 2 Vorschlag zu einem Föderal⸗Parlament ein Schritt rückwärts, - Unvillen erregte, der aber O’'Connell doch nichts von seiner Au⸗ 5b .ns fonnte, da er ihn sogleich in seine alte Richtung der reinen
ken fähig war.
Repeal zan baman nun von dieser Taktik O'Connell's absieht und auf den
Grund der Sachen eingeht, wenn man nicht den Unterschied der beiden Re⸗ ealpläne, sondern die Repeal überhaupt untersucht, so findet man leicht, doß dieselbe üunmöglich ohne einen blutigen Bürgerkrieg durchgeführt werden kann. O'Connell setzt dessenungeachtet die Agitation fort (obschon er selbst licht an eine Repeal glauben mag), weil er sich überzeugt hält, ohne die⸗ lbe nichts von England erlangen zu können, und ich (Herr Duvergier de Hauranne) bin gleichfalls der Meinung, daß bei einer Beschwichtigung der Agitation Irland nur Palliativmittel gegen sein Elend erhalten würde. Wie dem aber auch sein mag, es gäbe jetzt für die liberale Partei in England eine schöne Aufgabe zu lösen. Sir R. Peel theilt nicht die Leidenschaften seiner Freunde, aber er kann sich ihnen nicht entziehen, und was er für Irland thun wird, kann deshalb nur gering sein. Die radikale Partei ist zu schwach, um eiwas durchzusetzen; es bleiben allein die Whigs üͤbrig, welche sich zu Verfechtern einer guten Sache erheben und dadurch ihr gesunkenes Ansehen wiederher⸗ stellen tönnten. Niemand ist dazu geeigneter als Lord John Russell, das egenwärtige Haupt der Whigs, ein Mann, so uneigennützig, so geschickt, so wahrhaft liberal. Wenn Lord J. Russell Irland absolute Gleichheit mit England und strenge Gerechtigkrit brächte, so würde er jenem Lande beweisen, daß es keines Föderal⸗Parlaments bedarf, daß es in England eine roße Partei giebt, die gemeinschaftliche Sache mit Irland macht. Wird ich Lord Russell dazu entscheiden? Man muß es erwarten zu seinem eige⸗ nen Heile, zum Heile Irlands und Englands selbst“.
3 Madrid, 12. Nov. Die gestrige Sitzung der Deputirten erhielt erst durch die heutige ihre volle Bedeutung. Der Vortrag, welchen Herr Tejada ablas, war von der Art, daß kein einziges Blatt, selbst die Gaceta nicht, für gut befunden hat, ihn abzu⸗ drucken, der Inhalt muß also höchst ketzerisch, vielleicht gar gefähr⸗ lich erscheinen. Nur um jeder Verdrehung seiner Worte vorzubeugen, hatte Herr Tejada seine Rede schriftlich aufgesetzt, und es ist deshalb etwas mißlich, sie einer gewissenhaften Prüfung zu unterwerfen, ehe sie im Druck erschienen sein wird. Herr Tesjada erklärte mit der größten Freimüthigkeit, Anhänger des alten spanischen Staatsrechtes 3 allein die Regierungsgewalt übertrage. Die Constitution, reformirt oder nicht, könne nur als Uebergangsmittel dienen, um einen festen, bleibenden Zustand herzustellen; die aus der Revolution hervorgegangenen Cortes würden aber nur ein Werkzeug derselben sein, und das Volk, erschöpft durch Umwälzungen und Ge⸗ setzlosigkeit, wäre nicht vorbereitet für die Formen der repräsentativen Regierung. Der Redner schien eine durch den Einfluß der verstän⸗ digsten und begütertsten Personen gemäßigte Monarchie für Spanien Dann sprach er von der Kirche und der Noth⸗
ihre Güter zurückzugeben und in Betreff der
der Weltgeistlichkeit Endlich behauptete er, daß
ä schädigung festzusetzen. änderten Umständen in Erwägung gezogen werden dürfe.
Herr Martinez de la Rosa vertheidigte nicht die beabsichtigte Reform, sondern das Estatuto Real, mit welchem er vor zehn Jah— ren die Revolution eröffnete, und berief sich darauf, daß gerade er damals die Cortes bewogen hätte, Don Carlos und seine Linie von der Thronfolge auszuschließen. „Jetzt hat dieses Gesetz“, fuhr er fort, „geringen Werth, da der Kampf vorüber und der Sieg errun
gen ist; aber als der Himmel noch umwölkt war, als man überall
die Feinde bekämpfte, ohne ihre Anzahl zu kennen, war es ein gro⸗
ßes Verdienst, für jenes Gesetz zu stimmen, das für die Stimmenden
einst ein Todesurtheil werden konnte.“ Der Minister fuhr fort, sein
Estatuto Real als das Ergebniß der tiefsten politischen Weisheit dar⸗
zustellen, welches leider durch die Unverständigkeit einiger Unteroffiziere
in La Granja umgestürzt worden sei. Diese unwiderlegbare Thatsache
veranlaßte ihn, ein Verdammungs⸗Urtheil über politische Revolutionen im Allgemeinen, vorzüglich aber über die von 1840, die zur Regent⸗
schaft Espartero's führte, auszusprechen, bis endlich der Prästdent die Sitzung aufhob und dem Herrn Martinez de la Rosa das Wort für heute vorbehielt. Die Freunde dieses Ministers machten ihn darauf aufmerksam, daß er, anstatt den Vortrag Tejada's zu widerlegen, ihn vielmehr mit sehr gewichtigen Gründen unterstützt hätte. Wenn das Estatuto Real zu einer endlosen Revolution führte, so hätte, meinten sie, Herr Tejada vollkommen Recht, wenn er die Aufstellung eines neuen constitutionellen Machwerkes für ein eben so gefährliches Un⸗
ternehmen erkläre.
Herr Martinez de la Rosa fühlte, daß er den richtigen Ton verfehlt habe und erschien diesen Nachmittag besser vorbereitet im Kongreß. Leider befand ich mich in seinem Rücken, so daß ich seine rasch fließenden Worte nicht genau aufzufassen vermochte. Er begann mit einer Schilderung der Revolutionen, die seit 1808 in Spanien 8 einander folgten, und zog daraus den Schluß, daß sie das Er⸗ gebniß der Nothwendigkeit und des National⸗Bedürfnisses gewesen wären und endlich durch Feststellung einer die Rechte des Thrones des Volkes sichernden Constitution das Glück des Landes herbei führen würden. Diejenigen, welche nach Wiederherstellung der alten spanischen Monarchie strebten, bezeichnete er als Feinde der Freiheit der legitimen Königin, als Anhänger „des in Bourges verwei⸗ 8 en Usurpators“. Auch berief er sich auf die Nothwendigkeit, in hnh Bündniß mit Frankreich, England und Portugal hez. 1a” W Er bemühte sich, darzuthun, daß es Spa⸗ 8v 8 ö““ unumschränkten Monarchie gebräche, Bänden geschiide geist (Herr Martinez de la Rosa hat ihn in fünf volution in d sich den durch die Juli⸗Re⸗ zuschließen Se eeh Frankreich erprobten Grundsätzen an⸗ jetzt nur berühre Zermählungs⸗Frage, sagte er, dürfe er für stzen Uratkals sehrits, dnee dihn⸗ hfalsion des, desfan- Bei dieser überaus ⸗ “ Regierung tiefer darauf eingehen. Königin, dem R ꝛtt zar 89 Frage wäre es die natürliche Pflicht der sie fesseiten 1 Personen, an welchen die Bande der Natur Familke nchg dis g⸗ SSe . die Interessen ihrer erlauchten
iger als die ihres Volkes in Erwägung zu ziehen.
Absicht gegangen, und man könne sie nicht beschuldigen, geheime nes Rrencn vege. da ja der vorgeschlagene versen hhas, daß Herx G e anzeigen müßten, mit wem die Königin sich sichtige nichts Anderes m Schlusse behauptete er, die Regierung beab⸗ festzustellen C!) Der⸗ als die Constitution von 1837 für immer flochten, daß das ause Vortrag war mit solchen Redensarten durch⸗ zu jeder Minute mit lau öffentlichen Tribüne besindliche Volk ihn fast erregten die Worte nes. Beifallsgeschrei unterbrach. Namentlich rung in dem lückichen C. ich habe das Ideal der absoluten Regie⸗ geboren bin G ersb Toskana gesehen; aber da ich in Spanien liche Begeisterung ich es (lo aborresco)“, eine unermeß⸗ de la Rosa Hsee Fnn Tejada erklärte dagegen, Herr Martinez Despotismus od ihn, wenn er ihn für einen Vertheidiger des hätte sich vielm br Anhänger des Don Carlos' halte. Er land hegeben 148 5 im Auftrage der Regierung nach Deutsch⸗
8 en, um die Legitimität Isabella's II, zu vertheidigen, und
um die Wichtigkeit dieser Bemühungen darzuthun, berief er sich meh⸗ reremale nachdrücklichst auf das anerkennende Zeugniß der Gaceta de Augsburgo, die bekanntlich das Organ der monarchischen Mächte wäre und alle revolutionairen Tendenzen bekämpfe. Herr Martinez de la Rosa richtete darauf einige Worte an Herrn Tejada, die dieser mit Kopfnicken erwiederte.
Nun erklärte man, ungeachtet des heftigen Widerspruchs einer groß en Anzahl Deputirter, die Diskussion über das Ganze des Re⸗ form⸗Entwurfes für geschlossen und ging auf die einzelnen Artikel über. Nicht weniger als zwölf Amendements wurden heute vorgelegt.
Die Kommission, welche über die vom Kabinet verlangte Er⸗ mächtigung zur Aufstellung verschiedener organischer Gesetze zu berich⸗ ten hat, verlas heute ihr Gutachten, welches dahin geht, die ver⸗ langte Ermächtigung zu ertheilen. III
Aegypten.
* Kahira, 17. Okt. Se. Königl. Hoh. Prinz Waldemar
von Preußen traf am 6ten d. M. Abends auf einem ihm von Meh⸗
med Ali entgegengeschickten Dampfboote hier ein, stieg aber nicht in dem für Höchstdenselben in Bereitschaft gesetzten auf dem Wege nach Schubra am Nil gelegenen Lustschlosse des Pascha's, sondern in dem vortrefflich eingerichteten Hotel d'Orient ab.
Se. Königl. Hoh. wurden am Tage nach Ihrer Ankunft im Namen Mehmed Ali's von seinem ersten Dollmetscher, Hosref Bei, bewillkommnet, und geruhten, dem Vice⸗Könige am Abende desselben Tages (die Türken empfangen bekanntlich während des Fastenmonats Ramazan erst nach Sonnenuntergang) in Begleitung des in Kahira anwesenden Königlich preußischen General⸗Konsuls Wagner, einen Besuch zu machen. Mehmed Ali empfing den Prinzen am Eingange seines Audienzsaales in der Citadelle von Kahira und lud jach den ersten gegenseitigen Bewillkommnungen Se. Königl. Hoh. ein, Sich mit ihm auf einen großen türkischen Divan niederzulassen, sich selbst zur Linken des Prinzen setzend. Die Unterredung des Prinzen mit Mehmed Ali fand durch Vermittelung des vor ihnen stehenden Dra⸗ goman's Hosref Bei statt, und betraf vorzugsweise die Reise des Prinzen, die Anwesenheit Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Albrecht von Preußen in Aegypten, die der Leitung des Professor Lepsius anvertraute wissenschaftliche Expedition und dergleichen mehr, und nachdem, dem türkischen Gebrauche zufolge, Pfeifen und Kaffee ser⸗ virt worden waren, und Se. Königl. Hoheit dem Pascha Ihre Ad⸗ jutanten vorgestellt hatten, entfernten sich Höchstdieselben nach einer Unterredung von ungefähr einer halben Stunde. Der Prinz hat während seiner Anwesenheit in Kahira das strengste Inkognito be⸗ obachtet, und wie jeder andere Reisende, im leichten Morgenanzuge, nur von seinen Adjutanten und einem Dollmetscher begleitet, die ver⸗ schiedenen Alterthümer und Merkwürdigkeiten besucht. Den 13ten und 15ten d. M. hatte Se. Königl. Hoheit zum Besuche der Pyra⸗ miden von Giseh und Sakkara bestimmt, um an diesen großartigen Stätten des höchsten Alterthums den Geburtstag Sr. Majestät des Königs und denjenigen Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Wilhelm von Preußen durch frohe Erinnerungen an die Heimat zu feiern. Heute hat Se. Königl. Hoheit einem Diner bei Mehmed Ali beigewohnt, wozu der Pascha Höchstdieselben in seinem Staats⸗ wagen abholen ließ.
Der Prinz gedachte am 19ten d. M. nach Suez abzureisen, wohin schon gestern Abend der Graf von Oriolla vorausgegangen ist, um die nöthigen Verabredungen mit dem Capitain des Dampsschiffes „Hindostane“ für die Reise Sr. Königl. Hoheit bis nach der Insel Ceylon zu treffen. Sämmtliche Plätze des „Hindostane“ sind näm⸗ lich schon von englischen Reisenden im Voraus in Beschlag genommen; der Königl. großbritanische General⸗Konsul, Oberst Barnetk, zweifelte jedoch nicht, daß auf seine dringende Empfehlung der Capitain des „Hindostane“ die nöthigen Einrichtungen zur Unterbringung Sr. Königl. Hoheit und dero Gefolges machen werde. Zur Reise von hier nach Suez hat Mehmed Ali die nöthige Anzahl von etwa 25 Dromedaren und Kameelen aus seinem Marstalle zur Verfügung Sr. Königl. Hoheit gestellt. 8
*—* Kahira, 22. Okt. Se. Königl. Hoheit der Prinz Wal⸗ demar von Preußen verließ am 20sten d. Abends Kahira wieder, nachdem Er von Seinem nach Suez vorausgeeilten Adjutanten, Grafen von Oriolla, die Nachricht erhalten hatte, daß er für Höchst⸗ denselben und Sein Gefolge, in Ermangelung eines geeigneten Unter⸗ kommens auf dem nach Ceylon bestimmten Dampfschiffe „Hindostane“, Plätze auf dem am 23sten d. M. von Suez nach Bombay abgehenden englischen Dampfschiffe in Bereitschaft stehen. Zwischen Bombay und Ceylon besteht dann eine regelmäßige Dampfschiff⸗Verbindung, welche Se. Königl. Hoheit zur Fortsetzung Ihrer Reise zu benutzen beab⸗ sichtigen.
Die Gewerbe⸗Ausstellung der deutschen Bundes⸗ und Zollvereins⸗Staaten. (Vergl. Allg. Preuß. Ztg. Nr. 227, 238, 240, 242, 243, 248, 249, 252, 253, 254, 255, 256, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278, 279, 280, 281, 283, 285, 286, 287, 288, 291, 293, 294, 295, 295,; 298, 299, 300, 301, 302, 303, 304, 306, 307, 308, 309, 310, 311, 312, 313, 14, 815 316, 87 318, 319, 320, 321, 322, 323, 324, 325 und 326.)
CXII. Hüte, Mützen und Filzwaaren.
Filzhüte sollen zuerst im 12ten Jahrhundert als Kopfbedeckung bei der Geistlichkeit aufgekommen sein. Seit dem 14ten Jahrhundert wurden sie auch bei anderen angesehenen Leuten üblich. Bei der aus⸗ gezeichneten Brauchbarkeit dieses Stoffes gegen Regen und Kälte, und zur Darstellung von Kopfbedeckungen in einer beliebigen dauer⸗ haften Form, in welcher Hinsicht nur an Gellert's bekannte Fabel er⸗ innert zu werden braucht, konnte es nicht fehlen, daß dieselben bald allgemeine Anwendung fanden.
Zur Verfertigung der Hutfilze werden ausschließlich Thierhaare, namentlich Hasen⸗ und Kaninchenhaare, verwendet: zu den feinen Hü⸗ ten, besonders zum Ueberziehen des Hasenhaarfilzes, werden außer⸗ dem auch Haare von Bibern, Fischottern, Bisamkatzen, Affen und an⸗ deren Thieren gebraucht. Die groben Hutfilze werden aus Lamm⸗ wolle und Kameelhaar bereitet. In neuerer Zeit haben die Seiden⸗ hüte eine Rolle zu spielen begonnen. Die Verfertigung der Seiden⸗ hüte beruht indessen auf einem wesentlich verschiedenen Verfahren, wie diejenige der Filzhüte. Bei den Filzhüten wird das Haar auf⸗ gebürstet und die Befestigung auf der Grundfläche durch das Verfil⸗ zen der Haare selbst bewirkt; bei den Seidenhüten dagegen, welche entweder auf einer Form von Pappe oder von Filz aufgearbeitet werden, geschieht die Anheftung des Velpels durch ein Ankleben, Auf⸗ trocknen, Anbügeln und Festnähen. Das letztere Verfahren ist viel leichter wie die eigentliche Hutmacherei, kann durch Frauenzimmer in sehr kurzer Zeit erlernt werden und pflegt deshalb namentlich bei den Papphüten nicht von eigentlichen gewerbsmäßig ausgebildeten Hut⸗ machern ausgeübt zu werden. Die neuesten französischen Seidenhüte auf Filzgrund werden dagegen von wirklichen Hutmachern bereitet.
Es kann angenommen werden, daß die deutsche Hutmacherei den Bedarf des deutschen Publikums nicht vollständig deckt: es werden
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immer noch Hüte in ziemlicher Anzahl von Frankreich, Belgien un England nach Deutschland bezogen. Paris ist nun einmal der Sitz der Mode und pflegen die neuen Façons der Hüte von Paris zu uns zu kommen: die diesem Ausgangspunkte am nächsten liegenden Plätze, Brüssel, Düsseldorf, Offenbach, Hanau, ziehen in dieser Hin⸗ sicht ebenfalls von ihrer Lage einigen Nutzen und pflegen mit den mo⸗ dernen Façons zuerst aufzutreten. Dagegen haben die Hutmachereien des östlichen Deutschlands, deren in Berlin, Breslau, Deßau, Leipzig Wien, Prag und Hamburg in bedeutendem Umfange betrieben wer⸗ den, einigen Vortheil durch die wohlfeileren Preisen der Hasenfelle und Hasenhaare, welche von jenen westlichen Gegenden her hier ge⸗ kauft werden, und deren laufender Preis sich meist durch die Nach⸗ frage aus jenen Gegenden bestimmt. Die Fabrikanten jener Gegen⸗ den müssen deshalb noch die Transportkosten dieses Rohstoffes tragen, welche sich indessen, bei dem geringen Gewicht desselben, nicht hoch belaufen und durch die bedeutenden, mit Rabatt geschlossenen Ankäufe jener Abnehmer sich oft ganz wieder ausgleichen.
Ddie Hutmacherei beruht zwar immer noch auf den alten Grund⸗ sätzen, indessen sind in neuerer Zeit einige wesentliche Aenderungen eingetreten. Früherhin, wo auch in den höheren Ständen ein Filz⸗ hut mehrere Jahre halten sollte, wurden die Hutfilze sehr stark und deshalb schwer gemacht. In neuerer Zeit, wo es bei den feineren Gattungen nur auf eine etwa einjährige Dauer abgesehen ist, und wo auch das männliche Geschlecht nicht gern schwere Kopfbedeckungen trägt, macht man leichtere Filze, welche sorgfältiger gearbeitet werden müssen. Ehedem wurden die feineren Gattungen gewalkt und als⸗ dann mit dem kostbareren Haar plattirt. Vor etwa dreißig Jahren begann man, wenn wir nicht irren zuerst in Wien, statt dessen bei den Hasenhaar⸗Hüten die feineren Haare auf dem Grundfilze im nassen und erwärmten Zustande aufzubürsten. Je feiner ein Hut wer⸗ den soll, um desto sorgfältiger und länger muß er aufgebürstet wer⸗ den, und pflegt bei den ganz feinen Sorten dies Geschäft wohl bis auf acht Stunden bei einem einzigen Hute fortgesetzt zu werden. In⸗ dessen giebt es manche Haarsorten, welche, weil sie nicht lang genug sind, oder einen zu festen Filz bekommen würden, nicht gebürstet werden können, so werden namentlich die Hüte mit Kastor⸗, Bisam⸗ katzen⸗ oder Affenhaaren noch immer auf einem mit Schelllack gesteiften Hutstumpen von Hasen⸗ oder Kaninhaaren aufplattirt. 8
Die Enthaarung der Felle ist in Deutschland in der Regel noch mit der Hutmacherei verbunden. Es giebt zwar in Hanau, Frank⸗ furt am Main, Berlin und Prag bedeutende Hasenhaar⸗Handlungen, in welcher dieses Enthaaren in bedeutendem Umfange betrieben und die Haare im fertigen Zustande an die Hutmacher abgesetzt werden; indessen arbeiten diese wohl mehr für die auswärtige, wie für die in⸗ ländische Hutmacherei.
Die Fabrication der Hüte ist auf der diesjährigen Gewerbe⸗Aus⸗ stellung nur schwach vertreten gewesen. Es haben nämlich nur ein⸗ gesandt:
Nr. 1886. S. J. Cahen in Hamburg, einen schwarzen und ei⸗ nen grauen Castorhut, welche ihrer Leichtigkeit, der sorgfältigen Aus⸗ führung und schönen Vollendung, bei angemessenen Preisen, wegen, zu den besseren der Sammlung gehören; namentlich war der plattirte sehr schön.
Nr. 2671. G. W. Martini u. Sohn in Offenbach a. M., einen schwarzen Filzhut, einen dito kurzhaarig, einen grauen Hut von Bisamhaar, einen dito von Nutriahaar, einen blonden Biberhut, einen dito geschorenen, zwei ungestutzte Militairhüte, einen rohen Filzhut von Haasenhaaren, einen Hutstumpen von Biberhaaren, geschoren, ei⸗ nen grauen Hut von Kaninchenhaar und einen Turéhut. Diese Hüte sind in allen Beziehungen ausgezeichnet; bei den schwarzen tritt ein schönes tief gedecktes Schwarz hervor, und bei den übrigen ist eben 8 so die Zuthat, wie die Bearbeitung, bei angemessenen Preisen, als vollendet zu betrachten.
Nr. 1719. C. Roesler in Berlin, einen Hut zum Aufstutzen für Uniformen, zwei plumirte Hütc, Naturell⸗Castor⸗ und Bisamkatzen⸗ haar, zwei seidene Hüte und drei schwarze Filzhüte, und endlich eine Zusammenstellung der Arbeiten vom Roh⸗Material ab bis zum voll⸗ endeten Hute, in einem vorgerichteten Hasenfelle, einem Kistchen mit geschnittenen und gebeizten Stückchen, dasselbe mit der Blasemaschine gereinigt und mit den bei der Blasemaschine im Rückstande verblie⸗ benen Stammhaaren; in einer ersten Anlage zu einem runden Hute in einem gewalkten und gebürsteten Filz, in einem geformten Filz und in einem appretirten gefärbten Filz. Die ausgestellten Fabrikate be⸗ währen den Ruf, dessen der Aussteller sich erfreut. Die planirten Castor⸗ und Bisamhaarhüte sind reich an Haaren und lassen genü-⸗ gende Dauer erwarten. Eben so sind die Preise der runden Hüte dem Fabrikate angemessen. Der als Aufschlaghut bezeichnete ist im 1 Vergleich zu ähnlichen Fabrikaten indessen zu theuer. Der Einsender hat durch Einsendung der stufenweise sich folgenden Arbeiten bei der Hut⸗Fabrication zur Belehrung wesentlich beigetragen. 8
Nr. 2359. L. C. Preiß in Berlin, diverse Filz⸗, Castor⸗ und 1— Seidenhüte für Militair und Civil. Die Fabrikate sind sorgfältig gearbeitet und gehören mit zu den besten der Ausstellung. Zu den Seidenhüten ist Velpel aus der Fabrik des Herrn Lehnert genommen, der an und für sich vorzüglich, mit einer Sorgfalt und Umsicht ver⸗ 8 arbeitet worden ist, daß das sogenannte Treppen sich durchaus nicht vorfindet, und die Aehnlichkeit mit einem superfeinen Filzhut vorwal⸗ tet. Da die Nath der eingenähten Platten von der Kante des Hut⸗ kopfs entfernt gehalten ist, so läßt sich auch auf eine längere Dauer des äußeren schönen und glanzhaften Ansehens rechnen. 8
Nr. 12. W. Prehn in Berlin, einen Stutzhut und zwei runde Hüte. Obgleich der Einsender noch zu den jüngeren Fabrikanten der Stadt gehört, so tragen doch seine Fabrikate einen hohen Grad der Vollkommenheit an sich. Die Hüte sind elastisch, tief schwarz gefärbt und recht gut appretirt. 8
Nr. 34. Vassel u. Co. in Berlin, runde und Militairhüte von Seidenvelpel auf Filzfutter, so wie einen Hut a ressort. Die Fa⸗ brikate sind sorgfältig und fleißig hergestellt und haben gute Formen. Der Velpel, welcher französischen Ursprungs sein soll, ist schwer und reich an Seide, so daß auch das Aeußere an Glanz gewinnt.
Nr. 1919. Jacob Pfeil in Berlin, drei gestutzte Hüte für einen General, Kammerherrn und Jäger, sämmtlich dekorirt. Die Fabrikate sind recht gut. Die Garnirung ist sehr sauber und ausge⸗ zeichnet. “.
Nr. 39. C. Schilling in Berlin, einen kurzhaarigen und einen langhaͤarigen schwarzen Filzhut. Die Fabrikate bethätigen den Fleiß und die Umsicht des Einsenders. 1
Nr. 1441. C. A. Paur in Stuttgart, fünf gestutzte Uniform⸗ hüte, zwei runde Seidenhüte, zwei runde Filzhüte, zwei dito Naturell, zwei graue Sommerhüte mit flachen Köpfen und breiten Krämpen und zwei grüne Tyrolerhüte. Die Uniformhüte sind aus sehr gutem Material, in richtigem Verhältniß des Gewichts, gefertigt. Dasselbe sindet bei den runden Hüten statt. Die Naturelthüte sind in Farbe und Appretur egal. Dasselbe ist bei den Tyrolerhüten der Fall.
Nr. 1779. Fried. Krause in Wien, zwei röthlich graue Herren⸗ hüte, welche aus einem melirten Gewebe gefertigt und mit einer was⸗ serdichten Appretur einpregnirt zu sein scheinen.
Nr. 1917. A. Bernhardt in Berlin, zwei seidene Hüte, 14 Paar Filzschuhe von bedrucktem Filz, ein Paar ohne Sohlen, und ein Paar Sohlen. Die Hüte sind lobenswerth ausgeführt und auch