1845 / 106 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

weis, wie die Christen dort von den Juden behandelt würden. Nicht ein einziger Jude befinde sich dort, der einer anderen Beschäftigung folge, als der des Schachers; nicht ein einziger treibe etwas Anderes als Handel und höchstens das Metzger⸗Gewerbe. Warum wählten ste nicht dieselben Beschäftigungen wie die Christen? Es gebe Ort⸗ schaften im Siegkreise, deren Einwohner ihr Hab und Gut bis auf das Bett den Juden schuldig seien, und die Juden ließen es ihnen nur so lange, als sie von ihnen noch etwas zu ziehen wüßten. Ein Abgeordneter der Landgemeinden bestätigt die Richtigkeit die⸗ ser Beschuldigung und bemerkt, daß im Kreise Siegburg allein ge⸗ genwärtig drei Juden wegen Wuchers gegen Christen in Untersuchung änden. 1 Der Referent führt nochmals die Vertheidigung der Juden und bemerkt, daß, wenn sie sich erheben sollten, ihnen die Mittel dazu gegehen werden müßten. de. J1e88,2 Ein Abgeordneter des Ritterstandes erklärt sich für eine all⸗ mälige Reform. Er wünscht das Deiret aufgehoben, den Art. 16 Tit. 3 desselben jedoch beibehalten.

Von anderer Seite wird darauf hingewiesen, daß es ein Unter⸗

ied sei, diejenigen Juden zu emanzipiren, die dem Glauben und 9n eteehe⸗ ihler Väter treu gebliehen, und diejenigen, die sich ganz oder theilweise davon losgesagt und den Christen angenähert hätten. Für diese Letzteren könne der Schritt zu einer vollständigen Emancipation kein schwieriger sein. Politische Rechte könne der Jude nicht ansprechen, so lange er nicht ungetheilt dem Volke angehöre, dessen Wohl oder Wehe der Besitex jener Rechte zu bewachen habe. Andere wollen die Behauptung widerlegen, daß es im Sieg⸗ Kreise keine ackerbautreibenden Juden gebe. Noch Andere gründen das posttive Recht der Juden auf Gleichstellung auf den Art. 16 der Bundes⸗Akte, die §§. 7 und 8 des Edikts vom 11. März 1812 und die Bestimmung des Dekrets vom 11. März 1808, daß dieses zehn Jahre nach seinem Erlaß von selbst erlöschen solle; ferner auf die Theilnahme der Juden an dem Befreiungskriege und ihre gleichen Opfer in demselben. Für ihre Zulassung zu öffentlichen Aemtern spreche das Beispiel, daß im Ober⸗Landesgerichts⸗Bezirke Köslin ein zum Schiedsmann gewählter Jude 269 Streitsachen bis auf drei glücklich beigelegt habe. Noch wird das jüdische Religionsbuch, der Talmud⸗Berachhoth, angezogen, in welchem es heißt: „die messiani⸗ sche Zeit wird alsdann eintreten, sobald jeder Druck der Regierung wird aufgehört haben.“ Ein Abgeordneter der Landgemeinden macht geltend, daß in Frankreich, Holland, Luxemburg, Belgien, wo das in Rede stehende Dekret gegolten, aus dessen Aufhebung keinerlei nach⸗ theilige Folgen hervorgegangen, und ein Abgeordneier der Städte bemerkt, daß zum Vermischen der verschiedenen Volksstämme, zum Aufnehmen einer kleineren Nationalität in eine größere, der Geschichte zafene⸗ die Verheirathung der verschiedenen Klassen unter einander nöthig sei. Als man endlich zur Abstimmung schreitet, wird die Frage: Spoll Se. Majestät gebeten werden, das Napoleonsche Dekret vom

11. März 1808 auf der linken Rheinseite vollständig aufzuheben?

durch Aufstehen mit großer Mehrheit bejaht. Die zweite Frage: Soll Se. Majestät gebeten werden, den Juden gleiche politische und bürgerliche Rechte mit allen übrigen Unterthanen zu bewilligen?

wird mit 56 gegen 16 Stimmen gleichfalls bejahend entschieden.

In der Nachmittags⸗Sitzung (2iste) wird zur Wahl eines Inspektors für die Provinzial⸗Feuer⸗Soözietäts⸗Direction und zur Wahl von Kommissarien zur Mitberathung der Feldpolizei⸗Ordnung und Servituten⸗Ablösung geschritten.

nhiichtamtlicher Theil.

8 Inland.

1 Berlin, 16. April. Se. Majestät der König haben Aller⸗ gnädigst geruht: dem Mustk⸗Direktor und Professor der Musik, Lud⸗ wig Landsberg in Rom, die Anlegung des ihm verliehenen Her⸗ zoglich luechesischen St. egSrdes dritter Klasse, so wie dem Schöppen und Töpfermeister Riemert in der bernburger Vorstadt Kalbe, der ihm verliehenen Königlich hannoverschen Kriegsdenkmünze für 1813, zu gestatten.

*ℳ Potsdam, 14. April. Am heutigen Tage, Morgens zwischen 9 und 10 Uhr, wurde im Beisein Sr. Majestät des Föniss, der Prinzen und Prinzessinnen des -ge⸗ Hauses, der Chefs der hiesigen hohen Civil⸗ und Militair⸗Behörden, des Vorstandes der Geistlichkeit und der Kommune unserer Residenz, der mit dem Bau beauftragten Beamten und Gewerksgenossen und einer sonstigen zahl⸗ reichen Versammlung der Grundstein für die neue Kirche am Rande des Parks von Sanssouci unter der üblichen Feierlichkeit gelegt. Auf Befehl Sr. Majestät des Königs ist zu diesem Akte derselbe Tag gewählt worden, an welchem vor hundert Jahren Höchstdessen glor⸗ reicher Ahne, Friedrich der Großt, den Grundstein zum Schlosse Sanssouci legte; ein Tag, der für die Stabt Potsdam gewiß zu einem der bedeutendsten und beziehungsreichsten gehort, weshalb die Feier nicht allein bei der neuen Kirchengemeinde, sondern auch bei sämmtlichen Einwohnern den innigsten Anklang fand. Nach dem Gesange eines Liederverses tvat der erste Bischof der Provinz, Dr. Eylert, an die Gruhe, in welcher der Grundstein be⸗ reits an der Stelle des zu erbauenden Altars versenit lag, und hielt über die Bedeutung des frommen Aktens eine kräftige, in die Herzen der Anwesenden dringende Rede. Darauf ward die über den heuti⸗ gen Vorgang und den Bau lautende Urkunde von dem Ober⸗Baurath Stüler (als Stellvertreter des Architekten der Kirche, Ober⸗Bauraths Persius) verlesen und diese nebst einer Zeichnung des Bauplanes, einem Exemplar von sämmtlichen während Sr. ajestät Regierung —— Münzsorten und den am heutigen Tage zu Berlin er⸗ schienenen Zeitungen in einem gläsernen, mit Kupfer umgebenen Cy⸗ linder, verschlossen, verlöthet und in die Aushöhlung des Grundsteines gelegt. Nachdem der Deckstein hierüber verseht und Sr. Majestät der Hammer auf einem seidenen Kissen von dem Ober⸗Baurath Stüler hüberrricht worden war, vollfuͤhrzen Merhöchstdiefeiben und nach Ihnen die süämmtlichen anwesenden Prinzen die üblichen drei Hammerschläge. Ein Gieiches geschah von den hohen Hoschargen, den Chess der Be⸗ hörden, von allen zu dieser Feier eingeladenen und von den mit der au⸗Ausführung betrauten Personen. 1 Hierauf deutete der Herr Bischof in küstiger Ansprache auf die vor hundert Jahren geschehene Grundsteinlegung des Schlosses Sans⸗ souci hin, die in ihren Folgen von so ee weithistorischer Be⸗ deutung geworden ist, legte dann dem Gotteohanse auf All öchsten Besehl den schönen Namen der Friedenskirche bei und erslehte endlich ben göttlichen Segen e ferneren Gedeihen des frommen Werkes. Der Gesang eines Liederperses beschloß die Feier, welche in den Herzen aller Auwesenden ungergeßlich soin wird. Die Umgebungen der Baugenbe, abgegrünzt durch die hereits gusgeführten Umfassungsmauern daer Kirche, waͤren geschmückt mit dem frischen Grün der schönen T. ans den Könzglichen Treih⸗ häusern, welche, nach Anordnung des Garten⸗Direktors Lenné von den

Warschau,

lichen Rein⸗Ertrag von

z. B. in ihrem Lande dem Bu

fen,

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* 11““

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2 ““ 87 52 .

Hofgärtnern in den lieblichsten Gruppen aufgestellt, einen heiteren,

wohlthuenden Anblick gewährten. d2..

Die Kirche wird in der Form einer römischen, dreischifsigen Ba⸗ silika erbaut, der sich ein Atrium und zur Seite stehend ein schlanker Glockenthurm auschließt. Später werden sich einige Gebäude für die Wohnung des Geistlichen, die Schule der Vorstadt und für andere Zmocke anreihen, die einen mit Springbrunnen versehenen Säulenhof umfassen. Die ganze Gebäudegruppe, mitten in dem reizenden Park belegen, wird zu den armuthigsten Erscheinungen der Architeltur⸗ gehören, die wir Sr. Majestät bersits verdanken. Die Kirche hat eine äußere Länge von 134 Fuß und eine Breite von 69 Fuß. Die Kirchenschiffe werden geschieden durch Arkaden, von ionischen Säulen unterstützt, deren Schäfte Monolithe von dunkelgrünem Mar⸗ mor und aus den hartenberger Brüchen in der Grafschaft Wernige⸗ rode entnommen sind. Die dazu gehörenden Kapitäle und die Archi⸗ volten der Arkaden werden aus weißem Marmor in Carrara selbst gearbeitet. Die vier Säulen des Baldachins über dem Altartische sind von Jaspis, ein Geschenk Sr. Majestät des Kaisers von Rußland. Das Gewölbe der Chornische nebst Gurtbogen wird mit einem Mosaikbilde geschmückt, welches früher der Kirche S. Cipriano zu Murano ange⸗

hörte und bei deren Abbruch von Sr. Majestät dem Könige im Jahre

1834 erworben worden ist.

Der Bauplan zu der neuen Friedenskirche ist auf Befehl Sr. Majestät von Allerhöchstdessen Architekten, dem Ober⸗Baurath Persius, vaageacesat, derselbe L.89 mit der eerg, v 82 die g- zielle Ausführung des Werkes aber dem Baumeister von Arnim über⸗ tragen worben. 2 Fr 3 g 1 5 8b

Provinz Pommern. In Swinemünde erblickte man am 13. April vier Seefahrzeuge, die im Ansegeln waren. Ein Dampf⸗ schiff bugsirte einen Schooner bis zum Lebbiner Berge, aber das Fahrzeug durch das Haff zu bringen, schien unmöglich, da das Eis in demselben bereits zu treiben angefangen hatte und der ganze Strom damit angefüllt war.

Provinz Schlesien. Am 13. April starb in Breslau der Geheime Medizinal-Rath Dr. Wendt, seit 1813 ordentlicher Professor der Medizin an der dortigen Universität. In der Breslauer Zeitung fordert Herr Richard Schreiber zur Bildung eines Actien⸗ Vereins Behufs der Einführung und Akklimatistrung des peruanischen Alpaka⸗Schaafes in Schlesien auf. Er hält diesen Plan keinesweges für so unausführbar, wie es auf den ersten Blick scheinen möchte. Von der ausgezeichneten seidenartigen Wolle des genannten Thieres sollen im Ganzen jährlich an 3 Mill. Pfund aus Peru in England eingeführt werden. 1““

Deutsche Bundesstaaten. ““

Hannover, 14. April. (Hannov. Ztg.) Die Vor feier des Geburtsfestes Ihrer Königlichen Hoheit der Kronprinzessin wurde gestern Abend durch einen großen Zapfenstreich der vereinigten Musik⸗ Corps der hier garnisonirenden Regimenter begangen. Heute Morgen ertönte Festmusik und Mittags Geläute von den Thürmen der Stadt⸗ Kirchen. Bei dem Herrn Staats⸗ und ZJustiz⸗Minister von Stralen⸗ heim war ein Diner, und heute Abend wird eine Assemblé im König⸗ lichen Residenzschlosse stattsinden, zu welcher über 300 Personen ein⸗ geladen sind. 8

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Königreich Württemberg. In der Sitzung der Kammer der Abgeordneten vom 9. April machte der Abgeordnete Schubler den Antrag, die Regierung zu bitten, dafür zu sorgen, daß der Vertrag mit dem Fürsten von Thurn und Taxis wegen der Post⸗Anstalten als nichtig und verletzend aufgehoben werde. Motion mit 63 Stimmen gegen 9 beschlossen. In ihrer Sitzung vom 10. April verwarf die Kammer den Kommissions⸗Antrag wegen Bewilligung der für 1845—48 verlangten jährlichen Summe von 10,000 Fl. als Fonds für geheime Ausgaben mit 44 Stimmen ge⸗ gen 43. Der Finanz⸗Minister erklärte hierauf, daß er sich von Sei⸗ ten der Regierung hinsichtlich der Deckung der in Frage gestandenen Ausgaben das Weitere vorbehalte.

Großherzogthum Mecklenburg⸗Schwerin. In Schwerin sind bereits gegen 100 Arbeiter mit dem Abtragen der Wälle des alten Schlosses beschäftigt, dessen Neubau bis Ende 1847 so weit vorgeschritten sein soll, daß die der Stadt zugekehrte Seite bezogen werden kann. Das ganze Gebäude wird dagegen erst im Jahre 1850 vollendet sein. dcg. 1

M

Rusoland und Polen. 12. April. Der Fürst Statthalter des König⸗ reichs ist gestern von St. Petersburg wieder hier eingetroffen.

Dem General⸗Lieutenant und General⸗Adjutanten Grabbe sind durch Kaiferliche Verordnung vom 19ten v. M. die in dem Gouver⸗ nement Augustowo belegenen Güter von Krakopol, welche einen jähr⸗ 2250 Silber⸗Rubel liefern, als erbliches Eigenthum verliehen worden.

Zoll.

Heute früh war der Wasserstand der Weichsel 15 Fuß 1 Die Brücke wird nun bald wieder aufgestellt werden.

Frankreich.

Paris, 11. April. Der König hielt gestern, begleitet von den Herzogen von Nemours und Aumale und dem Prinzen von Joinville, im Hofe der Tuilerieen und auf dem Carrousselplatze über das dritte Regiment des Genie⸗Corps, das 47ste und 62ste Linien⸗Regiment, das 9te Dragoner⸗ und 7te Husaren⸗Regiment und 2 Batterieen des in der Militairschule kasernirien 4ten Artillerie⸗Regiments eine Musterung ab und vertheilte dann militairische Ehrenzeichen an meh⸗ rere Offiziere und Soldaten.

Ueber die Verhandlungen der französischen Regierung mit dem Auslande über den gegenseitigen Schutz des literarischen Eigenthums gab Herr Guizot in der gesheigen Sitzung der Deputirten⸗Kammer nachstehende Erklärungen:

„Man muß hierbei zwei Fragen unterscheiden, die von einander 99 verschieden sind. Die Anerkennung des Grundsatzes des literarischen Ei⸗ Ffntsnmne und das Verbot des Nachdrucks in fremden Staaten von den kegierungen derselben zu erkangen, das ist leine so große Schwierigkeit; . Art von Reziprozität haben Preußen und England als Prinzip auf⸗ gestellt. Aber von diesen Regierungen zugleich zu erlangen, vaß sie guch den anderowo als bei ihnen angrfertigirn Nachdruck nicht zuließen, daß sie

Wandal den Vertrieb von belgischem Nach⸗ verböten und die Bücher theurer aus Frankreich bezögen, statt sie im Nachdruck von Belgien zu kau⸗

das ist eine ganz anhere Frage. Dieses Zugeständniß ist dem von Preußen und England aufgestellten Re⸗ iprozitits⸗Grund fatz nicht begriffen, nud hier liegt die eigentliche Schwierigkeit. Bon Sardinien haben wir aber nicht nur die Anerkennung des Prinzips des literarischen Eigenthumg, nicht nur das Verbot des Nachdrucks auf seinem Geblet, son⸗ dern anch das Verbot der Zujassung jevweden fremden Nachdrucks erlangt. Es hat borauf verzichtet, velgischen Machorug zu kaufen. Dasselbe Zuge⸗ sändniß suchen wir von den anderen Ssaaten zu erlangen, mit denen wir über diese Sache unterhandeln, und wir glauben, daß die Unter Fablung ohne dies nicht wirkfam und vohlhändig sein und das beabsichtigte Ziel nich errelchen kann.“ gv

druck französischer Werke

Es ward der Druck der.

Die gestern von der Pairs⸗Kammer angenommenen Be rtikel 2—4 des Gesetz⸗Entwurss über die Sfl olgenden Inhalts: Die im Jahre 1786 für Guadeloupe u

bn der g, wonach jedem Sklaven bei seiner F

nique erlassene Verordnun

nung ein kleines Stück Land zu eigener Bebauung angewiesen

den soll, wird auf das französische Guiana und a bon ausgedehnt. Die Arbeitszeit der Sklaven soll bis 6 Uhr Mends dauern, mit 2zstündiger Rast dazwi zeit können Bnchrgersen⸗ noch 2 Stunden Arbeit den. Die Sklaven sollen in Besitz alles Eigenthums bleiben, sie zur Zeit der Bekanntmachung dieses Gesetzes inne haben, n sie beweisen können, dieses Eigenthum gesetzlich erworben Dieses Privilegium erstreckt sich jedoch nich Böte, welche Gegenstände niemals im Besitz von Sklaven sein Die Sklaven können Eigenthum erben, vermachen, Stirbt ein Sklave ohne Erben oder ohne Te Eigenthum seinem Herrn anheimfallen. 4ten Artikels, welchem

zufolge

von 6 Uhr Men

7

zu haj

Der letzte Paragraph der Herr de facto der

mund seiner Sklaven sein soll, wenn die Gerichtshöfe es nicht

nöthig erachten, einen anderen zu ernennen,

wurde noch einmal

die Kommisston zurückverwiesen. Das Wesentlichste von den Ansichten der Deputirten⸗Kommisg über die Renten⸗Konversion ist in folgender Stelle ihres Ben

enthalten: „Die Kommission glanbt, daß der Augenblick gekonnn ist, diese so oft erörterte und so oft wieder

scheiden, und daß eine r F Vertagung derselben eine Erniedn⸗

für den Kredit und das

nsehen Frankreichs sein würde. Si⸗

den Vorschlag auf die einfachsten Punkte zu begränzen gesucht, n

alle Einwürfe zu beseitigen und die Zustimmung aller Parteien in 5

Kammer und die Unterstützung des Kabinets selbst zu erlangen, letzteres bei der Diskussion über die Angemessenheit der Ewemn des Vorschlages zu verstehen gegeben hat. Die Kommission zi

kein Bedenken, zu erklären, daß der Staat berechtigt lösung des Kapitals oder die Herabsetzung des Zinses

als Aeme

tive anzubieten; daß die Umstände dieses Anerbieten als zaitgnit erscheinen lassen, und daß es in diesem Fall die Pflicht der gien

gewalten ist, dieses für alle zu vollbringen. nigen Worten zusammenfassen: die Einlösung ihres Kapitals oder die Umwandlung der neue 4 ½proc. Rente mit Garantie auf 7 Jahre anzubieten. Frist zu bestimmen, die kurz genug wäre, Operation dieser Art der Unsich 3) Stillschweigen als Einwilli

Alle unsere

ö185 des Landes so wichtige

orschläge lassen sich in folgenden

1) Den Renten⸗Inhabern entan öprac.: h. um nicht inmitten tir erheit der Ereignisse ausgesetzt zu

gung in die Konverston zu betrachm

Das Journal des Débats glaubt vor dem Beginn der Kam Diskussion über diese Frage noch einmal mit allen Kräften gegen Maßregel der Konvertirung auftreten zu müssen, indem es sal „Die Kommission der Deputirten⸗Kammer, welche mit Unterss

des Vorschlages zur Renten⸗Konversion beauftragt war, hatn Eingehen auf den Plan einer Umwandlung der 5prozentigen Neanf 4 ½prozentige die Garantie gegen weitere Zinsverkürzung, die su

Jahre bewilligt werden sollte, auf sieben Jahre beschränkt und zur mse⸗ Vollziehung der Maßregel sehr summarische Operationen empsohlen. öffentliche Diskussion des Projekts kann nicht lange mehr aubh ben; welches Ergebniß wird sie haben? Die Kammer ist un

kennbar günstig gestimmt für die Konversion.

Aber die Kan

kann sich irren; wir haben nicht gehört, daß sie das Vorrecht! Untrüglichkeit anspreche. Wie auch die Wahlkammer entscheiden n wir bleiben bei unserer Ansicht: wir halten die Konversion sür Gewaltmißbrauch. Das Beispiel der fremden Regierungen, di Zins ihrer Staatsschuld heruntergesetzt haben, kann hier nichh,

weisen.

Die fremden Regierungen haben ihren Gläubigen bie

immerwährende Rente verkauft; sie haben ihren Fonds nich,wn einer Reduction der ursprünglichen Schuld auf ein Drittel dei K minalwerths, mit dem Namen: Konsolidirtes Drittel, belegt. d kommt, werdet ihr sagen, daher, daß die französische Regi nachdem sie Banferott gemacht hatte, das Bedürfniß fihlie, h Publiklum bei Kontrahirung neuer Anleihen Muth einzefleh

oder, den Versuch machen wollte,

der zu

heben. Ganz recht;

ihren zerstörten Kredit n. aber es ist ja gerade dieser

stand, der unserer 5prozentigen Rente ihren eigenthümlichen 9 rakter giebt. Ja, die französische Regierung, ihres Kredits veru mußte die Kapitalien durch Versprechungen anlocken, deren sich une Regierungen füglich enthalten konnten. Die Rentiers haben da sagen der französischen Regierung Glauben geschenkt, sie haber gutem Glauben ihre Ersparnisse in dem 5 proz. Fonds angelegt der Ueberzeugung, daß sie sich immerwährende Renten anschess⸗ Die einfältigen Leute meinten, was eine Regierung sage, darn

sich zu verlassen. Soll nun heute ihre Leichtgläubigkeit der Van bung, die ihnen droht, zur Entschuldigung dienen? Vom G⸗ punkt des Rechts und der Billigkeit aus zeigt sich die Konnms⸗

verwerflich und hartem Tadel ausgesetzt.

Ein Schuldner mißbmue

seine Gewalt, um sein Wort nicht halten zu müssen. Finonzal trachtet und in der Form, wie die Konverston in einem aus der⸗

viduellen Initiative hervorge wird sie eine sehr mangelhaste

. Projekt zur Berathung bm⸗

peration sein, weil sie den frus

sischen Fonds ihre durch die Drohung der Konversion zurückgeheln Elastizität nicht wiedergiebt. Konversion die im Werke stehenden großen Staatsbauten eher

men als fördern.

In Bezug auf Zeitgemäßheit wid

Sie wird dem Börsenschwindel neue Nahrung

ben und Störung ins Geldwesen bringen. Man erinnert sch n welche wahnsinnige Unternehmungen auftauchten, als Villle nen Konverstons⸗Plan zur Verhandlung vor die Kammer hi.

Heute wird sich das Speculations⸗Fieber auf die ganze Unterschied von 1825 wird darin lefte

werfen

; der

isenbeh

daß der Paroxysmus im Jahre 1845 in noch weit stärkeren 6)

tomen

kund werden dürfte.

Unparteiische Personen sollten dan

sonderen Umstand beachten, daß die Konverstons⸗Projelte hen. Begleitung sehr verwerflicher Gesinnungen aufs Tapet kommen.

sucht n

ämli

Samen der Zwietracht unter die verschiedenen Lin klassen zu streuen und den we cesgh Rentier als einen Bum darzustellen, der dem Volke die be

nur, heißt es dann, der Kapitalist zieht 5 pCt. von seinen 5 während der Grundbesitzer in den Departements sich 9

e Substanz aussauge. 9

18

schätzt, wenn er 3 ½ oder auch nur 3 pCt. gewinnen kann. Uumm Rente deunkt man sich Paris, die Provinz ausbeutend und den va⸗ ban der Kapitalien beraubend, deren er so nöthig bedarf⸗ ug⸗ vertire nur, und die Kapitalien werden sich der Landwirihscheft wenben; man konvertire nur, und nichts wird leichter sein, 4 Abgaben, die auf dem Ackerbau lasten, zu vermindern. An

würde es angenehm sein, wenn die Kapitalien dem

Landhau 2

24ℳ 2 . 2 2 2712 8 si flössen und die Agrikulturisten Auleihen zu billigen Bedingungen, Wie mag man sich aber schmeicheln, die Konverssonn dazu thun? Wenn der Wucher gegenwärtig au dem Cnf

den. etwas

bestz anf

dem Lande nagt, so ist die Ursache bieser maneg⸗ 2

scheinung nicht darin zu suchen, daß der Rentier zu . von seinem Kapital bezieht. Ueberdies ist das Lettere 82 71

seltnere Fall, denn wer erst neuerlich sein Vermögen in de zeptigen Renze nach dem Tages⸗Cours angefegt hat, genießt nuf

der fün

fprozentige Fonde würbe,

410 wenn man ihn sür unruckzahlbar eie

stimnn aven 9 nd Me uf die Insel Ber

schen; zur Aen mehr venlangt.

t auf Feuergewehre a

kaufen, verfa stament, so soll

gesetzliche de

verschobene Frage zu n

e steigen, daß er unr 3 ½ und zuletzt nur 3 pCt. geben dürfte.

8 de ach Zustand der Agrikultar⸗Interessen in Bezug auf den grebit der Grundbesitzer hat seinen Grund darin, daß unsere Hy⸗ potcheken⸗Ordnung sich burchaus nicht mit der Ausdehnung des Kre⸗ wite verträgt. Jedermann weiß das; selbst die Regierung gesteht es u, denn sie bringt ja selbst die Hypothekar⸗Reform in Anregung. Follt ihr dem Eigenthümer des Bodens Kredit verschaffen, so glaubt dech nicht, das könne durch den Ruin der Rentiers geschehen; denkt vielmehr darauf, Institutionen in Frankreich einzuführen, wie sie im sorden von Europa, in Preußen und in Polen, mit so ersprießlichem Effolge bestehen. Es wäre freilich zu wünschen, daß man den Grund⸗ vittz von einem Theil der ihn drückenden Abgabenlast befreien könnte; man würde sich dadurch eine Hülfsquelle bewahren für die glücklicher⸗ nise noch in weiter Ferne liegende Zeit, wo Anarchie und Krieg den Ertrag der indirekten Abgaben mindern werden. Aber welche Steuer⸗Erleichterung hofft man durch die Konversion möglich zu machen? Durch die Umwandlung der 5proz. Rente in 4 ½proz. würden 10 bis 12 Millionen an Zinsen erspart werden. Darf man an⸗ nhmen, daß eine so geringe Steuer⸗Erleichterung wesentlich auf in Stand der Kreditverhältnisse der Grundbesitzer einwirken werde? Sie macht nur 3 pCt. von dem Gefammtbetrage der direkten Abga⸗ hen, nur 5 pCt. auf die Grundsteuer insbesondere aus. Der größte Dienst, welchen die Regierung dem Ackerbau leisten könnte, wäre, spenn sie bemüht wäre, die Productionskraft des Bodens durch wohl⸗ verstandene Verbesserungen in der landwirthschaftlichen Kultur zu er⸗ höhen. Man beneidet heute den Rentier, weil er mit Sicherheit auf sein Einkommen zählen kann und dieses Einkommen nominell 5 pCt. on seinem Kapital beträgt. Es ist wahr, in unseren Tagen hat der Kentier nicht zu besorgen, daß ihm sein Zins ausbleibe. Der Staat s der pünktlichste Schuldner. Das wird so fortgehen, so lange die holiik der Ordnung und des Friedens, die der Juli⸗Regierung in een Augen der Nachkommen unsterbliche Ehre machen wird, die Dberhand behält. „Kömmt aber diese liberale und konservative helitik, diese Politik, welche die Productions⸗Thätigkeit im Innern nd das gute Vernehmen mit den Mächten nach außen pflegt, kömmt e nur allein dem Rentier zu gut? Die Rente ist seit 1830 gestie⸗ den; ist sie denn das einzige Eigenthum, das an Werth gewonnen hat? Wir glauben versichern zu dürfen, daß der Grundbesitz in noch dürkerem Verhältuiß im Verkaufs⸗Werth gestiegen ist. Auf mehr ie; einem Punkt unseres Landes hat diese Steigerung 50, ja 800 pCt. erreicht. Ordnung und Frieden sind eben so wohl auch den Fabrikanten zu gut gekommen. Man hört nicht von gro⸗ hen Vermögen, die seit 1830 in der Rentier⸗Klasse entstanden wären; man hört dagegen viel von großen Vermögen, die in Folge her Politik der Ordnung und des Friedens in unseren Manufaktur⸗ Stöbten aufgekommen sind. Sollen auch diese jetzt dezimirt wer⸗ ent Sollten die schlimmen Tage wiederkehren, sollten die tur⸗ alenten Leidenschaften oder die abenteuerliche Politik, welche zu infang 1831 und Mitte 1840 eine so düstere Zukunst voraus⸗ ehen ließen, von neuem obsiegen, so würde freilich der Grundbesitz ine erschwerte Steuerlast zu tragen haben, der Rentier aber noch peit schlimmer daran sein. rund und Boden können nicht veggetragen werden; die Rente dagegen dürfte so in Mißkredit ge⸗ athen, daß eine Inscription eben nur ein werthloses Papier wäre. Dhne auf die stürmischen Epochen der Revolution zurückzuweisen, er⸗ unern wir nur an den Stand der Rente vor dem 13. März 1831 nd an das Fallen im Sommer 1840. Und doch war man da⸗ als erst bei den Präliminarien der Anarchie und des Krieges. iine entschieden anarchische Regierung würde die Rente konsis⸗ iten; eine 11 Nr Regierung wäre nicht im Stande, den msbedarf aufzubringen. Es kann keine Rivalität bestehen zwi⸗ hen dem Grundbesitz und dem Rentebesitz; Agrikulturisten und Ren⸗ ses haben ein und dasselbe Interesse: die Erhaltung der versöhnlichen nd vermittelnden Politik, die sich seit funfzehn Jahren so fruchtbar ür Frankreich erwiesen hat; die Renten⸗Konvertirung aber ist in ssenbarem Widerspruch mit dieser Politik.“

Es hat so eben wieder ein Duell in Paris stattgefunden, welches fiel Aufsehen erregt. Der Herzog von Rovigo und Herr Perregaux varen die beiden Gegner; sie schlugen sich mit Degen und wurden Beide verwundet, der Erstere so bedeutend, daß man um sein Leben esorgt ist. Unter den Sekundanten werden der Fürst von der Moskwa, Graf d'Alton und der General Lagrange genannt.

Eine Königliche Verordnung vom 28. März befiehlt die Veröf⸗ entlichung des am 6. Juni 1843 zwischen Frankreich und der Re⸗ kuhlik Aequagtor abgeschlossenen Handels⸗ und Schifffahrts⸗Vertrage, esen ever am 9. November 1844 zu Quito ausgewechselt verden sind.

„Herr Ledrü⸗Rollin überreichte gestern der Deputirten⸗Kammer pieder eine von 40,000 Arbeitern unterzeichnete Petition, worin um essere Organisation der Arbeit gebeten wird. Früͤher war schon eine ihnliche, mit eben so viel Unterschriften, vorgelegt worden.

„Der Präfekt des Seine⸗Departements, Herr von Rambuteau, vil die Offiziere der National⸗Garde, welche Theil an den Unter⸗ christen gegen die Bewaffnung der Feßungswerke von Paris genom⸗ en haben, ernstlich zur Verantwortung ziehen. Die meisten derselben aben eine Ladung erhalten, im Prüsestut⸗Conseit auf dem Stadt⸗ hause zu erscheinen, um mündlich oder schriftlich ihre Vertheidigungs⸗ ittel darzulegen. Vorgestern haben bereits 9 dieser Offiziere der mf. orderung Folge geleisiet; sie waren von den Herren Ledrü⸗Rollin dnn Jolg assistirt. Das Urtheil wird erst in einigen Tagen erlassen werden.

Der französische Botschafter in Wien, Graf von Flahaut, ist gestern in Paris eingetroffen. Herr von Bussières, der französische Gesandte in Dresden, der längere Zeit zu Paris auf Urlaub zuge⸗ bracht, soll seine Entlassung eingereicht und den Geschäftsträger zu

hington, Herrn von Barourt, zum Nachfolger erhalten haben.

Großbritanien und Irland.

deUnterhaus. Sißungen vom 9teu und 10. April. Die gezandlungen beider Sitzungen boten Weniges von allgemeinem In⸗ esse. JIn der ersteren wurde eine große Anzahl von Petitionen 28 die höhere Geldbewilligung des Kollegiums von Maynooth ein⸗ sebtacht, und Herr Ferrand, das ultratoryistische Mitglied für Kil⸗ servivster zeigte an, haß er am Freitage, dem Tage der zweiten Le⸗ ePgvon Sir R. Peel's Bill, eine esen vorlegen werde, worin 9. ersetzung des remier⸗Ministers in Anklagestand wegen mancherlei ugbehen gegen die Verfassung verlangt würde. Die Anzeige wurde Hea hggen Gelächter aufgenommen. Die ührigen Geschäfte des 8 waren größtentheils sormeller Art.

cine evor heute das Haus zu der Tagesordnung üöberging, entspaunn sich sea vngert Unterhaltung über die morgen zur zweiten Lesung ste⸗ Mapnooth⸗Bill. Sir Charles Napier machte bemertlich, de boti Mitalieder, welche Regierungs⸗Aemter belleideten, sich bei enth ten Abstimmung über die Maynooth⸗Bill des Votums gängzlich achalten hätten, und fragte, ob dieselben wirflich, wie das Gerücht 9 ihrer Aemter entsetzt wären, und wenn nicht, oh die Maynooth⸗ volte lberhaupt eine offene sei? (Die Morning Chroniele hir nämlich vor einigen Togen wissen, daß Herr Fißroy, einer der ch ernannten Lords der Admiralität, und Capitain Meynell, dienst⸗

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sitz des Oregon⸗Gebiets geltend zu machen,

thuender Kammerherr der Königin, ihrer Aemter verlustig gegangen wären, weil sie sich jener Abstimmung enthalten hätten.) Sir R. Peel erklärte, daß in letzter Zeit keine Veränderungen unter den Mitgliedern der Regierung und leine Entlassungen stattgefunden ha⸗ ben, in Betreff der Maynooth⸗Frage aber das Ministerium dieselbe für eine Regierungsfrage von der höchsten Wichtigkeit halte und er Alles aufbieten werde, den Erfolg derselben zu sichern. (Hört, hört!) Herr Ward, Whig⸗Mitglied für Sheffield, der zu morgen sein bekanntes Amendement zur nooth⸗Bill angekündigt bati wodurch der Erfolg der ministeriellen Maßregel sehr zweifel⸗ aft zu werden drohte, zeigte hierauf an, daß er dies Amendement auf eine spätere Zeit aussetzen wolle, indem er der Regierungs⸗ Maßregel jede mögliche Förderung angedeihen lassen und seine Freunde nicht in die peinliche Lage setzen wolle, gegen eine Resolution zu stim⸗ men, welche sie billigten. Er würde sein Amendement in einem an⸗ deren Stadium der Bill vorbringen, und zwar, wie er später erklärte, als eine Belehrung des ersten Comité's. Auf eine Anfrage des Herrn Hindley bemerkte hierauf Sir R. Peel, daß er zu morgen die zweite Lesung seiner Bill auf der Tagesordnung unverändert stehen lasse, um so mehr, weil das Haus nunmehr die Gelegenheit haben würde, sich über das Prinzip derselben ausschließlich zu erklären. Herr Chri⸗ stie beantragte hierauf in einer ausführlichen Rede, welche das ganze System der akademischen Erziehung in England beleuchtete, eine Adresse an die Königin, worin um die Niedersetzung einer Kom⸗ mission zur Untersuchung aller auf Privilegien, Einnahme und Verwaltung, auf den Zustand der Erziehung, der Religion, des Lehrens und Lernens an den Universitäten Oxford und Cambridge Bezug habenden Gegenstände gebeten werden soll. Da der Antrag ein Versuch der liberalen Partei zur Reorganisation der englischen Universitäten und zu deren Befreiung von den Ein⸗ flüssen der Kirche war, so erfuhr er heftigen Widerstand von Seiten Sir R. Inglis und eine beredte Vertheidigung von Seiten Lord Palmerston's. Von den Ministern sprach der Schatz⸗Kanzler dagegen, worauf der Antrag mit 143 gegen 82 Stimmen, also mit 61 Stimmen Majorität, verworfen wurde.

London, 11. April. Eine Deputation von Abgeordneten der verschiedenen Dissenter⸗Gemeinden hatte gestern eine Audienz bei Sir R. Peel, um ihn um Aufschub der Verhandlungen über die Maynooth⸗ Frage anzugehen, damit das Land Zeit habe, sich über dieselbe mit Muße auszusprechen. Trotz der Andeutung, daß man sich an die Königin wenden würde, gewährte der Minister nicht das gestellte Gesuch und erklärte, daß er fest eutschlossen sei, nächsten Freitag auf die zweite Verlesung der Bill anzutragen. Auf das Ansuchen dieser Deputation war der Lord⸗Mayor indessen bereit, ein Meeting zusam⸗ menzuberufen, um gegen diese Maßregel mit aller Kraft zu kämpfen. Man sieht, daß der Fanatismus der Hochkirche den englischen Dissenter⸗ Sekten auch nicht fremd und bei ihnen der Begriff religiöser Frei⸗ heit ein sehr exklusiver ist.

Mit dem Paketboot „Montezumg“ sind vorgestern Nachrichten aus den Vereinigten Staaten (New⸗York) vom 18. März hier eingegangen, die indeß zu den gestern bereits gemeldeten wenig hin⸗ zufügen. In Bezug auf die Colonisation des Oregon⸗Gebiets theilt indeß der New⸗York Courier und Inquirer eine bemerkens⸗ werthe Nachricht mit. Den Aussagen eines Reisenden (Dr. White) zufolge, welcher kürzlich nach dem Oregon gereist d. beginnt an den Willamette⸗Fällen eine Kolonie (Oregon City) sich schnell zu entwickeln. Die Stadt enthält mehrere hundert Einwohner, vier Stores, drei Säge⸗ mühlen und zwei Kornmühlen, die eine zum Werthe von 15,000 D. Sie hat eine förmliche Kolonial⸗Regierung mit einer Vertretung von fünf Grafschaften durch 13 Mitglieder, die eben eine achttägige Ses⸗ ston gehalten und 25 Bills erledigt hatten. Eine dieser Bills ver⸗ bietet Einfuhr, Bereitung und Verkauf geistiger Getränke im Gebiete. Die exekutive Gewalt besteht aus einem Ausschuß von drei Personen, ein Oberrichter versieht die Justizpflege und bereist zweimal jährlich jede Grafschaft. Die Kolonie beschreibt Dr. White als im gedeih⸗ lichsten Aufblühen begriffen.

Die Times äußerte sich neulich über Gelegenheit der desfallsigen Verhandlungen im Parlamente sehr ent⸗ schieden gegen die Ansprüche der Amerikaner. „Da die Amerikaner durch das Organ ihres Präsidenten so nachdrücklich Absichten kund⸗ gegeben haben, welche sich mit der Anerkennung keiner anderen Rechte als der von ihnen in Anspruch genommenen vertragen, so ist es zweck⸗ mäßig, ihnen im voraus auf die unzweideutigste Weise davon Nachricht zu ertheilen, daß ihre anmaßenden Ansprüche, falls sie denselben Folge zu geben gesonnen sein sollten, den evidentesten Casus belli konstituiren, der jemals in den rer Englands zu den Vereinigten Staaten vorgekommen ist. Der in der itzung vom 4ten kundgegebene energische Entschluß ist nicht etwa die Entschließung individueller Staatsmänner oder des ge⸗ genwärtigen Ministeriums, sondern die innigste Ueberzeugung des bri⸗ tischen Parlaments und der gesammten Nation. Betrachtet man die Inaugural⸗Adresse des Herrn Polk als das Manifest seiner Regierung, so findet sich der Präsident, indem er Pläne der Gebietsvergrößerun zu den seinigen gemacht und sich von der seit der Praͤssverischaßt Washington's bis auf die Zeiten des Herrn Webster befolgten Politik der Vereinigten Staaten abgewendet hat, bereits mit zwei Kriegen be⸗ droht. Der Krieg mit Mexiko ist so nahe bevorstehend, daß wir mit der größten Spannung die nächsten Nachrichten von jenem Lande er⸗ warten. Der Krieg mit Großbritanien liegt entfernter, ist aber noch unvermeidlicher, es wäre denn, daß sich die Drohungen der Ameri⸗ kaner nur als Fanfaronaden und blauer Dunst ergäben, was wohl möglich wäre, denn die Regierung der Vereinigten Staaten, die rasch bei der Hand ist, wenn es gilt, einen Streit zu entzünden, ist sehr wenig vorbereitet, denselben durchzufechten.“ Unter die Gefahren, welche die Vereinigten Staaten in dem Kriege mit Mexiko bedrohen, rechnet die Times vorzugsweise die Störung des amerikanischen Handels durch die mexikanischen Kaper, unter die Gefahren des Krie⸗ es mit England die Blokade der Seeküste und den Aufstand der

klaven in den südlichen Staaten der Union.

Ein londoner Korrespondent der Augsb. Allg. Ztg. schreibt über die Stellung der Oregon⸗Frage Folgendes: „Die britische Re⸗ gierung hat niemals aufgehört, die Negociationen in Washington in einem as- . 9. Geiste sortzuführen, und erst neuerlich wurde vem Kabinet Herrn Tyler's der Vorschlag gemacht, die Streitfrage dem schiedsrichterlichen Ausspruch einer unbetheiligten dritten Macht zu unterstellen. Aber das jüngste Verfahren der amerikanischen Exekutiv⸗Gewalt hat den britischen Miister des Auswärtigen auch vermüßigt, durch unseren Gesandten in Washington der ame⸗ rikanischen Regierung auf das hestimmteste (in ihe most

recise and peremptory manner) erklären zu lassen: jeder

rsuch, die von ihr verlautbarten Ansprüche auf ausschließlichen Be⸗ sei es durch Gewalt oder auch nur durch solche civilstaatliche Handlungen, welche Souveraine⸗ tätsrechte über das streitige Gebiet involpiren würden, werde Seitens der britischen Krone alsbald geahndet und zurückgewiesen werden (will at once be resented and repressed on ihe part of the British Crown). Kurz, unsere Regierung hat den einhelligen und wohlbedachten Beschluß gefaßt, die Oregon⸗Frage den Vereinigten Staaten zegenüber zu einem casus belli zu machen. Sobafd die washingtoner Regierung Miene machen würde, die in Herru Polk's

die Oregon⸗Frage bei

gabe nicht gewachsen ist,

Präsidentenbotschaft anempfohlenen Maßregeln in Bezug auf jenes Gebiet auszuführen, wäre der Krieg gegeben.

Nach der Shipping Gazetze wäre die neulich erst angeord-⸗ rr. Leenens von Matrosen für die Flotte plötzlich wieder 2inge⸗ ellt worden.

Die Mitglieder der Kommission für die Reduction der Staats⸗

schuld zeigen an, daß von dem vorjährigen Ueberschuß der Staais-

Einnahme, im Betrage von 3,356,105 Pfd. 8 Sh. 6 Pce., den Vor⸗ schriften der betreffenden Parlaments⸗Akte gemäß, der vierte Theil, nämlich 839,026 Pfr. 7 Sh., zum Rücktauf von Stocks und Schatz⸗ kammerscheinen verwendet worden sei. 1— . Nach der Post wird der Prinz von Syrakus, Bruder des Kö-⸗ nigs von Neapel, zum Besuch bei der Königin erwartet.

„X London, 11. April. Die Dotirung des Maynooth⸗ Kolle⸗ giums ist gegenwärtig hier das jede andere Frage zurückdrängende Thema der politischen Unterhaltung. der einen Seite haben Bigotterie und Intoleranz Kirchliche und issenters, Presbyterianer und Puseyiten in ihrem gemeinschaftlichen theologischen Haß gegen die römisch⸗katholischen Irländer vereinigt; auf der anderen beeilt sich die Regierung, ihren Plan zu einem schleunigen Ende zu führen, wie ein General, der den Marsch forcirt, wenn er mit einem ihm an Truppenzahl überlegenen Feinde zu thun hat. Die Whigs haben ihre Feindseligkeiten ziemlich eingestellt, und O' Connell selbst hat sich offen und mit Nachdruck zu Gunsten der Maßregel ausgesprochen. In meinem letzten Schreiben glaubte ich aus gutem Grunde den der Regierung von Seiten der Whigs zukommenden Beistand als zweifelhaft und gering veranschlagen zu müssen, und zwar weil in Folge einer am letzten Sonntage von den Whighäuptern abgehalte⸗ nen Konferenz wohl das Prinzip der Geldbewilligung für Mapnooth unterstützt, aber bei Gelegenheit eines Amendements gegen die Re⸗ gierung gestimmt werden sollte, so daß auf diese Weise durch eine zufällige Verbindung der Whigs mit den widerspenstigen Konservati⸗ ven Sir R. Peel gezwungen würde, seine Maßregel aufzugeben und sich von der Leitung der öffentlichen Angelegenheiten zurückzuziehen. So standen allerdings die Sachen, als ich Ihnen zuletzt schrieb, und wenn Herrn Ward's Amendement, die Fonds für diese Dolation aus den Einkünften der irländischen protestantischen Kirche zu nehmen, bei der zweiten Lesung der Maynvoth⸗Bill vorgekommen wäre, so hätte dies wahrscheinlich auch solche Folgen herbeigeführt. Aber der Mar⸗ quis von Lansdowne, Lord Clarendon und die enhaftescen und ge⸗ mäßigtsten Mitglieder der Opposition sind mit klügeren Rathschlägen durchgedrungen; Herr Ward ist bestimmt worden, seinen Antrag, der in der That eine Erneuerung der berühmten „Appropriations⸗Klausel“ ist, an welcher die Regierung Sir R. Peel's im Jahre 1835 scheiterte⸗ noch auszusetzen, und die Whigs werden sonach der Maßregel ihren starken Beistand gewähren. So weit, glaube ich demnach, ist der Erfolg sicher; aber das Land wird darum nicht weniger durch die heftigsten Anläufe der organisirten Theokratie bewegt werden, welche das Lebens⸗Element einer so großen volksthümlichen Partei Englands ist; es werden darum nicht weniger Tausende von Petitionen gegen die Maßregel beide Häuser des Parlaments überfluthen und viele Parlaments⸗Mitglieder darum nicht weniger von ihren Wählern zu strenger Rechenschaft für dieses Votum gezogen werden.

Bei dem gegenwärtigen merkwürdigen Zustande der politischen Angelegenheiten und Parteien in England sind übrigens die Regie⸗ rung und überhaupt die Staatsmänner beider Seitken dem Unter⸗ hause weit voraus, während dieses wiederum dem Lande voraus ist, aber die natürliche Folge aller der wankenden politischen Beziehungen muß die Auflösung der Parteien und der Sturz einer Verwaltung sein, welche sich auf die Einheit dessen stützt, was in der Wirklichkeit so uneins ist. Ueber die vier großen Fragen des Ackerbau⸗Schußes, des freien Handels, der Behandlung der irländischen Katholiken und der Volks⸗Erziehung steht die Regierung Sir R. Peel's im Wider⸗ spruch mit ihren Anhangern und im Einklang mit ihren Gegnern, aber es ist doch ohne Zweifel rühmlicher und würdiger, den Weg erleuch⸗ teter Staatsmänner kraftvoll vorwärts zu streben, weder getrieben von der Volksleidenschaft, noch von dem Volksvorurtheil, als gelähmt durch ein unedles Beharren bei den Doktrinen einer Partei stehen zu bleiben, welche der Stimme des Gewissens und der Politik nicht folgen will. Wenn Sir R. Peel's Schwierigkeiten sich vermehrt haben, so ist dies nicht daraus entstanden, weil er fecner Auf⸗ sondern daß er über den gegenwärtigen Bereich der öffentlichen Meinung in England hinausgeht; für seine eigene Größe und für die wahren Interessen der großen Prinzipien konservatipen Fortschritts, die er aufrecht erhält, dürfte es vielleicht selbs⸗ nothwen⸗ dig sein, daß er in ihrer Vertheidigung falle. Ich habe bereits öfter behauptet, daß die Tories mit Peel das Experiment wiederholen wer⸗ den, was sie mit Canning schon einmal versucht, obschon es dessen Tod und ihre eigene gänzliche Niederlage herbeiführte; aber die Tories von 1845 sind unendlich schwächer als die von 1827. Peel selbst und Wellington, damals die Leiter der Armee der Intoleranz, waren bestimmt, im Jahre 1829 durch feierliches Abschwören die Wahrheit der bisher angegriffenen Grundsätze anzuerkennen; sie werden gegen⸗ wärtig ihrerseits wieder angegriffen für ihr gemäßigtes, aber konse⸗ quentes Festhalten der Politik, die den Katholiken Irlands bürgerliche Rechte ertheilte, indem sie die Ausdehnung der Wohlthaten einer sester begründeten Kirche und eines besseren Systems katholischer Erziehung in Vorschlag bringen.

8 Niederlande.

Aus dem Haag, 12. April. In der vergangenen Nacht starb hier plötzlich der Staats⸗Minister Baron Merkus de Kock.

Selgien.

Brüssel, 12. April. Im Laufe der sfortgesetzten Debatten der Repräsentanten⸗Kammer über die Armee suchte Herr Rogier zu be⸗ gründen, daß die so loyal und gewissenhaft von dem früheren riegs⸗ Minister, General von Liem, geforderten Zahlen von dem sjetzigen Minister hätten beibehalten werden müssen. Er sprach herau lange über die Achtung und die Wichtigkeit, welche man der Armee zuer⸗ kennen müsse. . d'Huart vertheidigte den J. Dexr Kriegs⸗ Minister suchte ebenfalls die Zahlen, die Pläne und die Ersparungen des Gesetz⸗Entwurfs der Regierung zu rechtfertigen. Herr Mamillus erklärte, daß er, obgleich er bedaure, daß der Gesetz⸗Entwurf sich nur auf einen einzigen Theil der Militair⸗Organisation beziehe, füͤr die Zahlen der Central⸗Section votiren würde. Herr von Merode ging in veenesee Bemerkungen über die im moralischen und intellekrnel⸗ len Interesse der Armee vorzunehmenden Reformen ein, und 1

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von Lacoste bestand vorzüglich auf den Punkt, daß man nicht glau⸗ ben müsse, die Kammexr wolle sich durch ihr jetziges Votum vexpfl ten, die Kriegs⸗Budgets durch eine einfache Formalität zu votiren. b

85 Dänemark.

Kopenbagen, 11. April. (A. M.) Die von ben Bürger⸗ Repräsentanten Lopenchagens an den Kösig gerichtete Adresse in Betreff der schleswig⸗holsteinschen Verhältnisse ist gestern dem Ge⸗ heimen Kabinets⸗Secretair überreicht worden, da der König die Deputation nicht annehmen wollte. Unterzeichnet ist dieselbe von 34 Bürger⸗Repräsentanten; der Magistrat hat sich geweigert, dersel⸗