1846 / 49 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

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Thor einnimmt und von der Defensions⸗Kaserne bis zur Altroß⸗ gärtner Predigerstraße sich erstreckt, wird zum demnächstigen Gebrauch vorbereitet. Mehrere hundert Schachtruthen Sand liegen schon vor⸗ räthig, um im Frühjahr auf demselben ausgeschüttet zu werden. Außer den Erdarbeiten sind noch etwa 50 Steinmetzger⸗ und Mauer⸗ Gesellen dauernd mit dem Spalten von Felssteinen beschäftigt, welche theils zu den Baͤtardeaux und Thoren, theils zu der hufeisenförmigen Defensions Kaserne im Reduit gebraucht werden, welche vor der gro⸗ ßen Defensions⸗Kaserne erbaut wird.

Rhein⸗Provinz. Dem Rheinischen Beobachter zu⸗ folge, sind dem Ober⸗Präsidenten der Rhein⸗Provinz vorläufig 48,000 Scheffel Mehl aus den Militair⸗Magazinen in Wesel, Köln, Jülich und Koblenz zur Verfügung gestellt, und dieses Mehl soll den bedürftigen Gemeinden gegen Erstattung des Preises, wie derselbe nach der Erndte stehen wird, überlassen werden. E

Deutsche Bundesstaaten.

Königreich Bayern. Die Kammer der Reichsräthe lehnte in ihrer Sitzung vom 12. Februar einen die Bildung der ober⸗ appellationsgerichtlichen Civil⸗Senate betreffenden Gesetz⸗Entwurf, nach welchem diese Senate statt der bisherigen Zahl von 7 Mitglie⸗ dern auf 5 reduzirt werden sollten, nach mehrstündiger Berathung mit 30 Stimmen gegen 3 ab und beschloß vielmehr, zu beantragen, es möge die Zahl der Mitglieder des Ober⸗Appellationsgerichts um einen Direktor und 3 Räthe vermehrt werden.

Königreich Sachsen. Nach einer Bekanntmachung des Kriegsministeriums ist bei der unverhältnißmäßig angewachsenen Zahl der aus der Militair⸗Bildungs⸗Anstalt in die Armee übertretenden Adspiranten zu Offizierstellen bei der Infanterie die Zahl der etats⸗ mäßigen Kadettenstellen bis auf Weiteres von 75 auf 60 herabgesetzt; zu Ende d. J. treten die für die Infanterie bestimmten Zöglinge der 1. Division nicht in die Armee über, sondern bleiben noch ein Jahr in der Anstalt; die für die Kavallerie und Infanterie bestimmten Zöglinge werden dagegen, sofern sie die erforderliche Befähigung zeigen, entlassen und als Portepee⸗Junker angestellt; Ausländern ist der Eintritt in die Armee versagt, so daß sie also auch nicht mehr, wie bisher, bei der Kavallerie Anstellung finden; was indeß für die gegenwärtig in der Anstalt befindlichen Ausländer keine rückwirkende Kraft hat.

Großherzogthum Baden. Nach amtlichen Angaben be⸗ trägt die Zahl der Studirenden in diesem Winter⸗Semester auf der heidelberger Universität 907 (worunter 562 Juristen, 38 Theologen, 146 Mediziner und 631 Ausländer) und auf der freiburger 212 (worunter 41 Ausländer, 79 Theologen, 38 Juristen und 64 Me⸗ diziner).

Frankreich.

Paris, 12. Febr. Gestern nahm die Pairs⸗Kammer die Artikel 4 und 5 des Gesetz⸗Entwurfs über die Arbeitsbücher an. Kein Meister darf danach einen Arbeiter ohne ein solches Buch be⸗ schäftigen und muß dasselbe so lange in Verwahrung behalten, als dieser bei ihm in Arbeit ist. Der Arbeiter kann das Buch vor Ab⸗ lauf seiner kontraktmäßigen Arbeitszeit nicht zurückverlangen, außer wenn der Meister nicht im Stande ist, ihm seinen Lohn auszuzah⸗ len. Ein Amendement des Vicomte Dubouchage, wonach der Arbei⸗ ter das Buch in seinen Händen behalten sollte, da es ihm als Paß dienen solle, um sich jederzeit über seine Person ausweisen zu können, wurde verworfen. Die Deputirten⸗Kammer hat in ihrer gestrigen Sitzung, nachdem sie die Artikel 12 bis 15 des Vor⸗ schlags gegen die Weinfälschung, nach denen die Beimischung einer gewissen Quantität Branntwein unter den Wein bei der Bereitung desselben und auch in einigen anderen Fällen in Gegenwart eines Accise⸗Beamten gestattet sein sollte, auf den Wunsch des Finanz⸗ Ministers gestrichen und diese Bestimmung einem besondern Gesetz vorbehalten, den ganzen mehrfach amendirten Gesetz⸗Entwurf mit 151 gegen 88 Stimmen angenommen.

Herr von St. Priest hatte bekanntlich am Schluß der Adreß⸗ Debatte in der Deputirten⸗Kammer ein auf Umwandlung der 5proz.

Rente gerichtetes Amendement gestellt, dasselbe aber wieder zurückge⸗ nommen. Jetzt hat er nun auf das Büreau des Präsidenten der Kammer einen förmlichen Antrag in Bezug auf denselben Gegenstand niedergelegt. Er schlägt eine Herabsetzung des Zinsfußes der 5proz. Rente auf 4 ½ pCt. binnen eines Termins von zehn Jahren vor und will, daß im Verhältniß zu der Ersparung, welche durch diese Ope⸗ ration erzielt wird, die Salzsteuer verringert werde. Es heißt aber, das Ministerium halte sich seiner Majorität in der Deputirten⸗Kam⸗ mer für so gewiß, daß es die Zurückweisung dieses Antrags verlan⸗ gen werde, ohne irgend eine Verbindlichkeit hinsichtlich elner solchen Maß⸗ nahme für die Zukunft zu übernehmen. Den Entschluß des Ministeriums, die Ausführung des Konvertirungeplans überhaupt zu hemmen, will man auch in dem den Kammern vorgelegten Gesetzentwurf finden, nach welchem es den öffentlichen und ministeriellen Beamten, den Agenten und Angestellten der Ministerien und Verwaltungen, den Entrepreneuren und Lieferanten gestattet sein soll, ihre Cautionen in Renten statt baar zu bestellen und die Umwandlung der bereits gelei⸗ steten baaren Cautionen in Inscriptionen auf das grße Buch zu ver⸗ laͤngen. Die Cautionspflichtigen, sagt man sich, würden es sicher vorziehen, 5proz. Renten anzukaufen und ihre Cautionen darin zu bestellen, als Baarzahlungen zu machen, die vom Schatze nur mit 3 pCt. verzinst werden, und es würde dann also eine weit größere Anzahl von Individuen ein persönliches Interesse dabei haben, dem Konvertirungsplan entgegenzuarbeiten.

Nach einer Mittheilung, welche der Kriegs⸗Minister Moline de St. Yon in der Deputirten⸗Kammer machte, war der Effektivbestand der Armee in Algerien am 1. Dezember v. J. 95,381 Mann, ohne die eingeborenen Truppen zu rechnen. Derselbe Bestand soll für das Jahr 1846 beibehalten werden. Da das Separatbudget für Alge⸗ rien aber nur auf 60,000 Mann berechnet ist, so erfordert die Ver⸗ mehrung der Streitkräfte in Afrika den verlangten Zuschuß von 25 Mill. Fr.

Man hat Nachrichten aus Algier vom 5. Februar. Abd el Kader ist, indem er noch einmal an der Gränze des Tell, im Süden, hinstreifte, bis in das Hodea, zu den Uled⸗Nails unter dem Meridian von Dellys und Hamsa, vorgedrungen. Man besorgte, er werde bis unter den Meridian von Setif vorrücken oder sich östlich bis in den Bezirk von Biskara wenden. Für den Augenblick jedoch hielt er sich bei den Uled Nails auf. Marschall Bugeaud ist am 3. Februar von Boghar aufgebrochen, um südlich ins Herz des Landes der Nails ein⸗ zudringen. Die Generale Bedeau und Arbouville halten sich mit ihren Kolonnen am Saum der kleinen Wüste, um den Durchgang nach dem Innern zu decken. Der Schauplatz dieser Operationen liegt 50 bis 60 Lieues von Algier. Doch hat der Marschall für angemessen erachtet, die Mobilmachung eines Theils der Miliz von Algier anzuordnen; es soll daraus für außerordentliche Fälle eine Reserve⸗-Division zum Schutz der Metidscha gebildet werden. Ein vom Journal des Débats mitgetheiltes Schreiben aus Algier vom 5ten sucht über diese Vorgänge zu beruhigen, indem es sagt: „Die Nachricht von Abd el Kader's Marsch nach dem Osten, durch die kleine Wüste, könnte einige Gemüther in Besorgniß setzen und sie glauben lassen, daß der Zustand unserer Angelegenheiten sich verschlimmere. Indeß ist die Lage der Dinge im Innern durch nichts verwickelt worden; in der ganzen Provinz Algier bis jenseits Medeah herrscht die vollkommenste Ruhe, der Umkreis von Dellys bleibt ebenfalls ruhig, und die Operationen unserer Kolonnen beschränken sich stets auf die Gränzen, in denen sie sich schon seit einigen Monaten bewegen. Sie entfernen sich sogar immer mehr von Algier. Der Marschall hat allerdings den Befehl gegeben, unsere Sträflinge zu bewaffnen, zwei Miliz⸗Batail⸗ lone mobil zu machen und nöthigenfalls Lastthiere für die Convois in Beschlag zu nehmen. Diese weisen Maßregeln mußten indeß unter den Umständen, in denen wir uns befinden, getroffen werden, um für alle Zufälle eines Krieges vorbereitet zu sein, der sich mit europäischen nicht vergleichen läßt. Je mehr unsere Kolonnen sich von den Mittelpunkten der Verproviantirung entfernen, um den Schauplatz des Kampfes nach dem Süden, dem Feinde entgegen, zu versetzen, desto mehr machen die Transport⸗Schwierigkeiten sich fühl⸗

bar, besonders nach einem rauhen Feldzuge, wie der, welchen wir

so eben zurückgelegt. Andererseits erheischen die Beweglichkeit unseres

Feindes und die Leichtigkeit, womit selbst unterworfene Stänme Fahne folgen, sobald diese sich von unseren Kolonnen nicht gegen furchtbaren Razzias geschützt fühlen, die Aufstellung unserer Tnne in Echelons. Es ist nöthig, daß, wenn der Emir plötzlch Marschrichtung änderte und es ihm gelänge, der ihn verfolgen Kolonne in den Rücken zu kommen, er auch dort hinreichende * kräfte findet, um seine Berechnungen zu vereiteln und ihn 8† Verführung verbündeter Stämme zu hindern. Sein behaniis Verbleiben im Südwesten und die zahlreichen Briefe, die nS an alle unsere Kalifas, Agas und Kaids schreibt, um sie zur pörung zu reizen und seine nahe Ankunft zu verkünden, lassen voraussetzen, daß er nicht alle Hoffnung aufgegeben hat, in f Tell zurückzukehren. Daher müssen wir uns 1 allen Seiten gei halten, und da unsere Truppen, die schon so lange im Felde 8 Ermattung und unsere Vorräthe an Erschöpfung leiden, so wene vom Marschall getroffenen Maßregeln nothwendig. Sie sinh Vn gens blos aus Vorsicht genommen, damit man nicht unversehen zer rascht werde, sondern stets eine Reserve habe, die in Abwe sei regelmäßigen Truppen die Ebene der Metidscha decken und ciaee begegnen könne, dessen Eintritt noch durch nichts vorherveis wird.“

Aus Toulon schreibt man: „In Folge unserer Difäne mit Marokko oder doch mit den Bevölkerungen der an unsent ige rischen Besitzungen angränzenden Provinzen jenes Reiches win, man glaubt, leicht der Fall eintreten können, daß die sogenannte g lutions⸗Flotte im Laufe des nächsten Sommers einen Auftrag an marolkanischen Küsten zu erfüllen haben wird. Eine jetzt bestie Thatsache ist es, daß man den Entschluß gefaßt, Abo el Kader 9 dessen Daira überall zu verfolgen, wohin sie sich auch flüchten de⸗ den. Nun aber kann Niemand die Folgen einer Invasion der n rokkanischen Gebietes durch ein französisches Heer voraussehen. 8 einiger Zeit schon werden zu Dschemma⸗Gasauat, welches den ga die Bevölkerungen des Riff beabsichtigten militairischen Openaig zum Angelpunkte dienen zu sollen scheint, bedeutende Vorrätez

Material und sonstigem Bedarfe zusammengehäuft. Alles berrin dort sür eine große Expedition vor.“ Ibrahim Pascha ist am 6. Februar zu Perpignan angekona

Die letzte Deputirtenwahl in Espallion war von der ga gleich in einer ihrer ersten Sitzungen deshalb annullirt worden d man das Skrutinium eine Stunde zu früh geschlossen hatte. dar Espallion gewählte Deputirte Delzers, der bereits in der Kanmn erschienen war und seinen Platz in den Reihen der Opposttion g nommen hatte, mußte sich nun einer neuen Wahl unterziehen. Er; aber nicht wieder gewählt worden, sondern die Wahl ist diesmal ni einer Majorität von 70 Stimmen auf den konservativen Kandidate Herrn Pons, gefallen.

Die französische Akademie der Wissenschaften hat in der Mehes lung für Geographie Herrn Anatole Demidoff und in der Abtheilu für landwirthschaftliche Oekonomie Herrn Schübler, Professor Physik zu Tübingen, zu ihren korrespondirenden Mitgliedern erm

Der Artillerie-Hauptmann Bertrand hat in Folge der Aeri rungen des Generals Montholon in dessen jetzt im Feuilleton Presse erscheinenden Denkwürdigkeiten aus St. Helena über verstorbenen Vater ein Schreiben an die Journale gerichtet, worn unter Anderem sagt: „Das Benehmen des General Bertrand ssi dieser Schrift auf ungenaue Weise, um nicht mehr zu sagen, darge⸗ stellt werden. Ich fühle mich gedrungen, sowohl in meinem Nauen, wie dem meiner abwesenden Brüder, gegen Urtheile zu protestiren, die zu übelwollenden Deutungen Anlaß geben könnten. MWi besshen zahlreiche von unserem Vater hinterlassene Schriften und Daamente, die uns verstatten werden, vollständig zu antworten und die Wa⸗ sachen in ihrer Wahrheit herzustellen.“

Der Prozeß der Trabucarios wird dieser Tage vor dem Afser hof zu Perpignan verhandelt werden. Obgleich die meisten vUo brechen derselben in Spanien begangen wurden, hatten diese N. brecher doch ihren Hauptsitz auf französischem Gebiete.

In Algier herrschen die Pocken in sehr bösartiger Form raffen viele Opfer hinweg. Anch andere Krankheiten füllen dort; während die Lazarethe. Im Monat Dezember waren gegen! Soldaten an der Ruhr gestorben.

wir dennoch zur kritischen Begründung unserer Beurtheilung einige das Wesen seiner Musik aus ästhetischem und musikalischem Standpunkte charak⸗ terisirende, allgemeine Bemerkungen voranschicken, ehe wir zur speziellen Be⸗ sprechung des in Rede stehenden Werkes übergehen. 8

Hector Berlioz ist eine eigenthümliche Erscheinung, das läßt sich nicht in Abrede stellen, aber seine Eigenthümlichkeit beruht auf Unnatur. Von musikalischer Natur findet sich auch nicht ein Fünkchen in ihm vor; seine Musik ist vielleicht mag es paradox klingen die unmusika⸗ lischste, die existirt. Musik, welche sich nicht damit begnügt, Gefühls⸗ Eindrücke hervorzubringen, sondern, ins Gebiet der Dichtkunst und Malerei hinüberstreifend, zusammenhängende Handlungen und Ereignisse schildern will, überschreitet ihr Wesen, wenn sie sich dabei nicht auf Schilderung solcher äußeren Zustände und Begebenheiten beschränkt, welche unmittel⸗ bar eine bestimmte Empfindung in uns hervorrufen. Beethoven malt z. B. in seiner Pastoral⸗Symphonie das „Erwachen heiterer Empfin⸗ dungen bei der Ankunft auf dem Lande“, „frohe und danlbare Gefühle nach dem Sturme“ u. s. w. Der Komponist aber, welcher der Musik ab⸗ zugewinnen sucht, was nur die Dichtkunst gewähren kann, der sie, wie z. B. Berlioz gleich in einer seiner ersten Compositionen: „Episode d'un ar- tiste“, zu einer Sprache der äußeren Darstellung geistiger Justände machen will, thut dem Wesen der Musik Gewalt an. Er dringt dem Zuhörer zum Verständniß gleichsam ein Textbuch auf und zwingt ihn, das aus ihr her⸗ auszuhören, was er hineinhörte. Berlioz' Compositionen wurzeln also auf unmusikalischem Grund und Boden, könnten daher kein künstlerisches Interesse erregen, auch wenn er sich zur Verkörperung seiner Ideen weniger gewaltsamer Mittel bediente und mit mehr musikalischem Wissen und Ge⸗ schmack zu Werke zu gehen verstände, als es in der That der Fall ist. Das Einzige, was seinen Schöpfungen, wenigstens in den Augen des Musikers, Bedeutsamkeit verleiht, ist die geschickte, man kann sagen, geistreiche Instru⸗ mentation, durch welche er den Mangel musikalischer Gedanken zu verdecken weiß. Er entwickelt dabei nicht nur eine tiefe Einsicht in den Charakter der verschiedenartigsten, ungewöhnlichsten, von ihm angewandten Instrumente, sondern auch eine wirklich bewunderungswürdige Speculationsgabe bei deren Zusammenstellung, wodurch er ganz eigenthümliche Effekte hervorzubringen in den Stand gesetzt wird. Dies Talent beutet er denn auch bei allen seinen Werken redlich aus; die Mehrzahl ist sogar lediglich aus Instru⸗ mental⸗Effelten zusammengesetzt.

Den schlagendsten Beweis für unsere in der vorhergehenden Einleitung aufgestellten Behauptungen liefert die zu besprechende Ouvertüre, welche Berlioz „Le Carnaval Romain“ betitelte. Ihr ist im vollsten Maße zener Stempel der Eigenthümlichkeit aufgedrückt, den wir oben, als auf Un⸗ natur basirt, bezeichneien. Ein Karneval bietet schon aus ästhetischem Ge⸗ sichtspunkte keine Aufgabe für ein Tongemälde. Am wenigsten kann man sich aber mit der Art und Weise befreunden, wie Berlioz seine Aufgabe musikalisch löste oder zu lösen vermeinte. Es scheint wirklich, als habe der Komponist durch den Titel nur nach einer Beschönigung für seine barba⸗ rische Musik gesucht. Denn nicht glimpflicher vermögen wir diese ver⸗ schrobenen Rhothmen, diese wiederlichen, das Ohr verletzenden Harmonie⸗ solgen und Modulationen zu bezeichnen, aus welchen das ganze Werk, bei Verleugnung jeder Spur des melodischen Elements, kombinirt erscheint. Gleich der Anfang, mit dem fortwährenden Takt⸗ und Tonartenwechsel, enthält des Un⸗ springt nach 13 Takten in den 4·Talt über, der schon nach 5 Takten einem Andante

sostenuto, Takt, Platz macht.) Wir erwähnen hier (im And. sost.) be- sonders der abscheulich klingenden Harmoniefolgen vom 11ten bis 15ten Takte; eine Stelle, die sich später in E-dur mit einer hinzugefügten Gegenstimme wiederholt und dann wo möglich einen noch übleren Eindruck macht ferner: der sich dem Andante anschließenden mit poco piu ani- mato bezeichneten 3 Takte, in welchen eine Figur von chromatisch und dia⸗ tonisch auf⸗ und absteigenden Sexten⸗Akkorden in Zweiunnddreißigtheil⸗No⸗ ten (durch die Pikkolo⸗Flöte und die anderen Holz⸗Blase⸗Instrumente aus⸗ geführt) einen wahrhaften Höllen⸗Effekt verursacht. Aber auch der letzte, sich wenigstens ohne weitere Unterbrechung bis zu Ende fortspinnende Satz (Al- legro vivace, & Talt) ist überreich an unschönen Wirkungen. Wir könnten deren in großer Zahl citiren, unterlassen es jedoch, um nicht zu ermüden. Dieser Schlußsatz bringt, wie das ganze Werk mit wenigen Ausnahmen, fast durchweg Unnatürliches im Rhythmus, Harmonie und Modulation und entschädigt durch den ungeheuren Instrumentenlärm keinesweges für den Mangel an Melodicen und musikalischen Gedanken. Daß nun die Ouver⸗ türe, die wir für Orchester hörten, in der vorliegenden Gestalt für das Piano zu 4 Händen arrangirt, nicht gewinnen, nur verlieren lann, ist klar. Jed⸗ weder äußere Schmuck fällt hier weg, keine überwältigenden Tonmassen blen⸗ den den Hörer, die Gedanken treten in ihrer ganzen Nacktheit ans Licht. Dem Arrangeur können wir übrigens nachrühmen, daß er bei seiner un⸗

dankbaren Arbeit mit Gewissenhaftigkeit und Treue zu Werke ging. 2) Spielmanns Lied, Gedicht von E. Geibel, für Sopran oder Tenor mit Piano komponirt von F. Gumbert. Berlin bei Schlesinger.

Der Komponist hat sich bereits durch mehrere gefällige, gesangreiche Lieder vortheilhaft bekannt gemacht. Auch „Spielmanuns Lied“, das sich durch ansprechende Melodie auszeichnet und dessen Schluß⸗Refrain auf den Worten: „Ich habe dich lieb“, eine recht angenehm ins Ohr fallende Cantilene bildet, wird gewiß von Vielen gern gesungen werden.

3) Der todte Vogel, für eine Singstimme mit Piano, von E. Vivier. Berlin bei Schlesinger.

Aus einem kleinen Liede kann man natürlicherweise nicht herauslesen, ob überwiegendes Compositions⸗Talent vorhanden; wir müssen daher meh⸗ rere und größere Erzeugnisse des berühmten Hornisten abwarten, bevor wir uns ein bestimmtes Urtheil in dieser Beziehung erlauben dürfen. „Der todte Vogel“ ist eine sehr einfache, fast zu einsache Composition von sinnig⸗ träumerischem Charakter. 60.

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Waallenstein. 8

Prag, 1. Febr. (A. Z.) Die geschichtlichen Verhälinisse des be⸗ rühmten Kriegsfürsten Wallenstein haben in neuester Zeit, auch aus Anlaß der erhobenen Ansprüche auf sein Vermögen von Seiten einiger verwandten Nachkommen, neucs Interesse erregt und mehrere Schriften hervorgerufen. Der juridische Streit ist zwar vom obersten Gerichtshofe schon ein paar Jahre her abschlägig für die Kläger entschieden; aber auch der historischen Aufhellung des Halbdunkels, das über dem bedeutsamen Manne lag, dürfte nun bald ein wünschenswerthes Genüge geschehen; denn die auf Befehl der Staats⸗Verwaltung von der einsichtsvollen Thätigkeit des Archivbeamten der vereinigten Hof⸗Kanzlei, Herrn Emanuel Straube, in Böhmen aufge⸗ fundenen und gesammelten altenmäßigen Beweise sollen sich auf fast acht⸗ zigtausend Stück belaufen. Diese Schätze lagen hauptsächlich in den Ar⸗ chiven des hiesigen Guberniums, des gräflichen Hauses Schlick, dessen Haupt

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je hiesige Advokaten⸗Konferenz hat sich über die Frage be⸗ 8952 dloc antrec die Priesterweihe ein gesetzliches Hinderniß

Verheirathung sei. Gegen dieselbe wird geltend gemacht, daß olge der alten Jurisprudenz der Parlamente und des Konkordats, ches die in Frankreich angenommenen kanonischen Bestimmungen tderherstellte, solches verboten sei. Vom Standpunkte der Freiheit ‚Kultus und der Gewissensfreiheit wurde diese Behauptung aber gefochten, und die Konferenz sprach sich mit geringer Majorität leeßlich für die Heirathsberechtigung der Priester aus.

Der Vorschlag, den der Ober⸗Besehlshaber der National⸗Garde, neral Jacqueminot, der Deputirten⸗Kammer vorgelegt hat, be⸗ edt, die Compagnieen von 250 bis 350 Mann um 1 Lieutenant, Sergeanten und 4 Korporale, die Compagnieen von 350 Mann darüber um 1 Lieutenant, 1 Unter⸗Lieutenant, 1 Sergeanten ds Korporale zu vermehren.

Dem Constitutionnel zufolge, ginge die Absicht des Ministe⸗ us dahin, die Arbeiten der Kammern möglichst zu beschleunigen Hdie gegenwärtige Session, so viel es anginge, abzukürzen; man ffe, 1ah der Kommisstons⸗Bericht des Herrn Bignon über das Bud⸗ kschon vor Ende März fertig sein werde; das Budget solle dann ezüglich zur Diskussion kommen und die Kammer schon im Mai chlossen und dann anfgelöst werden. Die allgemeinen Wahlen rden in diesem Falle im Juli erfolgen.

Es heißt, die Regierung habe den Gedanken an die Madagas⸗ „Expedition von Frankreich aus ganz aufgegeben; man werde von Insel Bourbon aus nur drei Schiffe absenden, um Tamatave zu

umbardiren. 1 8 Der schon seit längerer Zeit angekündigte Gesetz⸗Entwurf über

un Post⸗Reform soll an einem der nächsten Tage zur Vorlage

Focrmen.

Die Notirung ist heute etwas zurückgegangen; die 5proz. Rente

ziich um 20 Cent.; bei der Zproz. war die Variation noch geringer; i den Preisen der Eisenbahn Actien war wenig Aenderung gegen

usstern.

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x Paris, 12. Febr. In der heutigen Sitzung der Pairs⸗ mmer wurde die Debatte über die Arbeitsbücher fortgesetzt. itel 6, wie die Kommission ihn amendirt hat, wird zuerst vom isidenten verlesen.

Marquis von Boissy bemerkt, es seien zu wenige Mitglieder anwe⸗ „man solle die im Lesekabinet abwesenden Herren Pairs holen lassen. ¶präsident findet dies nicht für nöthig, die große Deputation der mmer werde alsbald zurückkommen. Marquis von Boissy: Der Ge⸗ „Entwurf sei eine jetzt viermal umgelehrte Arbeit. Zuerst habe die Re⸗ ung denselben gemacht, dann die Kommission ihn umgearbeitet, und jetzt

ervon ihr von neuem zweimal umgeändert worden. Dies beweise die

wierigkeit der Fassung. Die letzte biete mehrere Mißstände, die der duer zu entwickeln sucht. Er verlangt, der Minister möge förmlich aus⸗ schen, daß das Livret Paßstelle vertrete. Was gestern Herr Gabriel lessen (nicht Frangois) in diesem Betreff gesagt, sei nur eine persönliche inung; er wünsche, de des Ministers zu kennen. Baron Feutrier wnachzuweisen, daß die von Herrn von Boissy gerügten Mißstände kvoxhanden seien. Die Verhandlung dauert noch fort.

Die Deputirten⸗Kammer hatte sich heute Mittags in ihren neaus versammelt, um die Gesetz⸗Entwürfe über das Verlangen r Million für geheime Gelder und über 300,000 Fr. für die stäler und Wohlthätigkeits⸗Anstalten einer vorläufigen Prüfung zu serwerfen. Die Mitglieder waren sehr zahlreich erschienen, weil n wahrscheinlich eine lebhafte Debatte über die geheimen Fonds wartete. In einigen Büreaus war dieselbe aber ganz unbedeutend, underen dagegen ziemlich lebhaft, und besonders bei der Ernennung aummissaire wurde der Kampf sehr hitzig. In zwei Büreaus, wäiten und achten, kam es zum heftigsten Kampfe zwischen der ppostion und der Majorität.

ber Havin erklärte, da er die Politik des Kabinets nicht billige, so se er auch die geheimen Fonds zurück. Er wünscht, die Kommission solle

den Ministern die sörmliche Verpflichtung verlangen, daß sie die gehei⸗

Gelder nicht zu den Wahlen mißbrauchen würden. Herr Emanuel ulle erwiedert, in den geheimen Fonds lägen zwei Fragen, eine des ndsatzes, die andere des Vertrauens. Den Grnundsatz habe die Oppo⸗

anerkannt, indem sie unter dem Ministerium vom 1. März die gehei⸗

Fonds bewilligte. Vertrauen aber flöße ihm das Kabinet vollkommen

Im zweiten Büreau sprach Herr Cesar Bacot den Wunsch aus, geheimen Fonds künftig ins ordentliche Budget aufgenommen zu sehen, der Kammer Zeit zu ersparen. Sein Kollege, Herr Abbatucci,

in der Kriegsperiode Wallenstein's Präsident des Kaiserlichen Hof⸗ h pfans von der Linken, ist nicht dieser Ansicht, weil man dabei einen

raths gewesen, und des Schlosses Friedland, und zwar zum Theil schon Anlaß erhalte, sich

Gefahr naher Zerstöruug, begraben. Sie umfassen, dem Vernehmen mnt ziemlich vollständig den kriegerischen Lebenslauf des Friedländers von Stufe als Oberst bis zu seinem tragischen Ende. Wichtige historische Me mente, wie der des berühmten Rezesses seiner Kriegsobersten vom 12 p⸗ bruur, erhalten hier durch Original⸗Urkunden volles Licht. Was die he⸗ süchtigen Absichten des gegen sein Ende doppelgängerischen Feldhem e⸗ trifft, so dürfte sich dessen Streben nach Böhmens Krone ziemlich unwefh⸗ haft herausstellen. Diejenigen, welche erklären, seine und seiner Gancsmn Ermerdung sei ohne Vorwissen des Monarchen geschehen, werden diee lr⸗ nahme bestärkt finden durch ein höchstes Handbillet aus Wien vom Uhg nach dieser Katastrophe datirt, worin der Kaiser besiehlt, die beriits be⸗ fiszirten Güter des Friedländers, Illo's, Terzkv's und Kinsly's u - ministriren und sorgfältig zu achten, daß den Genannten nichts duet

zufl. eße.

Neuer Hand⸗Atlas des preußischen Staats in 36 96 tern, von F. Handtke. (Glogau bei C. Flemming.) Herr Professor Dr. Berghaus sagt in Nr. 226 der Vossist Zeitung (1845) über dieses Kartenwerk: „Dieser neue Atlas beftt⸗ einer Uebersichts⸗Karte des Staats, aus 9 Provinz⸗Karten, aus 2 ½ rungs⸗Bezirks⸗Karten und einer Karte des Fürstenthums Neuenbuy⸗ Valendis, zusammen also aus 36 Blättern, die in 12 monatlichat rungen zu dem äußerst mäßigen Preise von 10 Sgr. für das Hest (g8, ter) oder 4 Rthlr. für den ganzen Atlas, ausgegeben werden. der Ankündigung gesagt wird: „„daß jeder Kartenfreund, jeder Geographie und jeder gebildete Bewohner des preußischen Staats, sich für die Kunde des Vaterlandes interessirt, diesen schönen Atlas 16 willkommen heißen werde““, so stimme ich dieser Aeußerung vollkons bei, denn diese Arbeit empfiehlt sich in jeder Beziehung: durch tben. zweckmäßige als sorgfältige Bearbeitung nach den sichersten und nen Grundlagen im Gebiete der vaterländischen Geographie und Statistik, 7 durch Klarheit und Deutlichkeit in der technischen Ausführung, die, was Kartenstich, den sauberen Druck, das Papier und Kolorit anbetrifft, n That nichts zu wünschen übrig läßt. Herr Handtle, der Zeichna Atlasses, bewährt sich durch diese Arbeit als ein talentvoller Kartogkaph,⸗ bei dem, was auf Karten darstellbar ist, das Wesentliche vom 1an⸗ lichen sehr wohl zu unterscheiden weiß, worin eben die Kunst besteht, graphische Karten, seien sie zur Uebersicht oder zu ausführlichen Darsag gen bestimmt, sachgemäß einzurichten und dem Auge angenehm zu nang Darum erscheinen diese Karten, selbst die der Regierungs⸗Bezirke, nca überfüllt oder überladen, obwohl man keinen bedeutenden Wohnsih den Dorfschaften vermißt und die Darstellung des Fließenden und de denerhebungen sehr ausführlich ist, was auch von den Straßen⸗Verbin um gilt, unter denen sich die Schicnenwege von den Steinstraßen und 25 funstmäßig gebauten Wegen sehr leicht unterscheiden lassen. Zu den 4 9 Vorzügen des Atlasses gesellt sich der äußere eines bequemen Formatsz ig möge dessen die Karten, wenn man sie in der Mitte salzt, einen se 1u gen Band in Klein⸗Folio bilden werden; ganz gerignet zum Handogeen Mit Vergnügen ergreife ich diese Gelegenheit, den Atlas der allgem

Theilnahme zu empfehlen.

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Lehm. 8 2

ch gegen das Ministerium auszusprechen. Der Opposition gelang es nur in den beiden genannten Büreaus, gErnennung ihrer Kandidaten durchzusetzen. Im achten wurde Herr

vin mit 19 Stimmen ernannt, gegen Herrn Emanuel Poulle, den

ervativen Kandidaten, der 18 erhielt. Zwei Konservative, die ren St. Aulaire und von Bussieres, waren nicht erschienen, und urch verlor der Kandidat ihrer Partei die Mehrheit. Im zweiten reau wurde der Opposttions⸗Kandidat Herr Aylies mit 20 Stim⸗ ernannt, gegen Herrn Latournelle, der 17 erhielt. Die 7 ande⸗ ernannten konservativen Commissaire sind die Herren Harlé, Felix al, Marschall Sebastiani, Baron Duprat, Muret de Bort, Oberst Sevret und Meynard. Auch über den Antrag des Marquis von int Priest wegen Umwandlung der 5prozentigen Rente wurde in Büreaus Beschluß gefaßt. Der Finanz⸗Minister wieder⸗ seine förmliche Erklärung gegen die Zeitgemäßheit der Maß⸗ lin diesem Augenblicke und den Entschluß der Regierung, sich Erwägung des Antrages zu widersetzen. In 4 Büreaus wurde Vorlesung desselben mit 2 bis 3 Stimmen Majorität erlaubt. Die hägung wird also stattfinden. Ein Antrag des Herrn Isambert, die terlegung von Schriften und Druckschriften betreffend, wurde verworfen. i Büreaus erlaubten die Verlesung eines Antrags des Herrn von 8 über die Bedingungen für die Zulassung zu öffentlichen 8 Die Kommission für den Gesetz⸗Entwurf wegen des Kre⸗ von 300,000 Fr. für die Spitäler und Wohlthätigkeits⸗Anstal⸗ wurde gleichfalls ernannt. In der darauf folgenden öffentlichen r kam eine Interpellation oder vielmehr Klage des Herru 19b über die Art vor, wie man die Kommission für Prüfung esetz⸗Entwurfs, die Kredite zur Vollendung verschiedener Ka⸗ betreffend, dessen Verhandlung an der Tagesordnung war, zu⸗ mengesetzt habe. Er sieht ein Lokalitäts⸗Interesse vorwalten, das nülßbräuchen führe. Herr Legrand, Unterstaats⸗Secretair der nüchen Arbeiten, rechtfertigt die Verwaltung, Herr de l' Espée ommission selbst. Herr Lherbette sucht zu antworten, wird nicht mehr gehört. Die Verhandlung dauert noch fort. Marschal Bugeaud hatte am lten seine bisherige Stellung Sahr⸗Wassel verlassen, um sich Boghar zu nähern und so besser alg zu sein, im Osten der Provinz Titteri zu agiren, wenn 4₰ alem und die anderen feindlichen Chefs, die Anwesenheit Abd 889 bei den Uled⸗Nails benutzend, dort etwa einen Aufstand 8 122 suchen. Oberst Pelissier, der in der Nähe von Tiaret bengn er einen beträchtlichen Convoi geführt, hat Befehl erhal⸗ reicen veren des Marschalls am Nahr⸗Wassel zu ersetzen und die 8 tämme an diesem Flusse zu beschützen. General⸗Lieute⸗ zmnen u 1. am 3ten zu Guelfa, füdlich von Kef el Lakdar, an⸗ üa. 9, m folgenden Tage sollte General Marey dort zu ihm ereinigt sollten diese Truppen dann nach Zahry rücken, um

8 ensiv 1 . 2 femsipe zu ergreifen gegen die Stämme der kleinen Wüste,

die Gums lieferten, mit denen er in die Provinz Titteri eingefallen ist. General Comman hat Befehl erhalten, mit der zu Blidah als Reserve zurückge⸗ bliebenen Infanterie nach Medeah zu rücken und nöthigenfalls die Truppen zu verstärken, die etwa gegen Hamsa zu geschickt werden müßten. Die Kolonne unter den Befehlen des Obersten Eynard hat das Land der Beni Buduan, der Schuschauas und anderer Stämme durchstreift, die sich dem Aufstande unter Uled Hadsch Seghir ange⸗ schlossen haben. Nach zwei Gefechten, am 25. und 26. Januar, waren diese Truppen auf keinen feindlichen Haufen mehr gestoßen. Nach den Schätzungen der Araber sollen die Gebirgsbewohner in diesen verschiedenen Gefechten an 300 Mann verloren haben. Am Losten ist Oberst Eynard wieder in Orleansville eingerückt. Im Kreise Tenes haben die Schebeibias, der einzige Araberstamm, der noch im Auf⸗ stande war, sich nun auch unterworfen und in alle ihnen auferlegten Bedingungen gefügt. Der Scheriff Bu Masa war bis Tadschena vor⸗ gerückt, aber am 29. und 30. Januar durch die Truppen unter Oberst⸗Lieu⸗ tenant Canrobert geschlagen worden. In dem ersten sehr hitzigen Kampfe wurde Ben⸗Hini getödtet, der die Beni⸗Hidschah so oft zum Auf⸗ stande verleitet hatte. Im Kampfe vom 30sten gelang es dem Oberst⸗Lieutenant Canrobert, die Infanterie des Scheriffs zu umrin⸗ gen. Wenigstens ein Drittheil derselben ist von den Jägern von Afrika niedergehauen worden. Eine große Zahl von Waffen und Pferden siel den Franzosen in die Hände, die mit großer Erbitte⸗ rung sich schlugen, da sie am Tage zuvor auch nicht unbeträchtlichen Verlust erlitten hatten. Bu Maße, von seiner Infanterie getrennt, that nichts zu ihrer Befreiung, sondern entfloh mit seiner Reiterei. Der Kreis Dellys ist fortwährend ruhig, die Märkte sind dort reich⸗ lich mit Allem versehen. Die Kabylen scheinen für jetzt we⸗ nigstens nur an ihre Feldarbeiten zu denken. Die Anwe⸗ senheit der Kolonne des Generals Gentil am Wed Korso hält sie, wie überhaupt die Bevölkerung im Osten von Algier, in Respekt, was doppelt nothwendig ist, da Abd el Kader durch seine zahlreichen Agenten überall durch Sendschreiben zum Auf⸗ stande aufzureizen sucht, seit er in den Süden der Provinz Titteri eingedrungen. Der Oberst Daumas, Central⸗Direktor der arabischen Angelegenheiten, hat in diesem Lager alle arabischen Chefs versam⸗ melt und im Einverständniß mit ihnen die Maßregeln zur Erstickung von etwa ausbrechenden Unruhen in der Gegend getroffen. Von der Maison Carree aus hat er durch Araber einen Convoi abgeschickt mit 30,000 Rationen für die Truppen, die im Kalifat des Si⸗Ben⸗Mahi⸗ Eddin zu operiren bestimmt sind. General⸗Lieutenant von Lamori⸗ cière befand sich, nach den letzten Nachrichten aus Oran, im Südwesten von Maskara, mit Unterwerfung und Organisation der Stämme be⸗ schäftigt, die an dem letzten Aufstande Theil genommen haben. Ge⸗ neral Cavaignac hatte in der Nähe von Lalla Magrnia die auf das marokkanische Gebiet ausgewanderten Stämme beobachtet, als er von den Ghossels berufen wurde, die der Kalifa des Emir, Bu Hamedi, bis jetzt an der Rückkehr in ihre Heimat gehindert hatte. Als der General am Kiß erschien, überschritten 800 Zelte verschiedener Stämme, besonders aber der Ghossels, die sämmtlich Abd el Kader mit nach Marolkko genommen hatte, die Gränze und stellten sich unter den Schutz des Generals. Die Beni Snassen haben einige Schüsse auf die französische Kavallerie abgefeuert, sonst ging die ganze Be⸗ wegung ziemlich friedlich vor sich. Dann zog der General gegen die Uled Riah, die weiter westlich gelagert waren. Vergeblich suchten diese dem gegen sie gerichteten Angriff zu entgehen, Alle sielen in die Hände des Generals. Dieser hat sie nun, zusammen etwa 4000 Seelen, über die Gränze zurückgeführt. Auf dem Rückmarsch wurde die Kolonne, die nun eine Länge von nicht weniger als vier Lieues einnahm, durchaus nicht beunruhigt. Die neulich verbreiteten Anga⸗ ben von einem marokkanischen Armee⸗Corps, das sich zu Fez organi⸗ sire und gegen Tasa sich in Bewegung setzen solle, bestätigen sich nicht. Bu Hamedi befindet sich fortwährend bei der Daira Abd el Kader's. In der Subdivision Oran ist nichts Bemerkenswerthes vorgefallen. Oberst Grand, vom 2ten französischen Jäger⸗Regiment zu Pferd, manövrirt mit seiner Kolonne und dem arabischen Gum zur Deckung der Ebene zwischen dem Rio Salado und Almeria, eine andere Ko⸗ lonne, unter Oberst Gachot, bei Saida in der Jakubia. General Korte hat für den Augenblick, nachdem er fünf Monate beständig im Felde gestanden, den Ober⸗Befehl dieser Kolonne abgegeben, um sich zu Oran etwas zu erholen. Zwischen dem Scheriff Bu Masa und dem Sultan von Kalaah sollte es Händel geben; jener wollte diesen festnehmen und hinrichten lassen. Nur der Verwendung von Freunden des Letzteren bei Bu Masa gelang es, den Streich von ihm abzuwenden. Welche weitere Maßregeln der Marschall Bugeaud gegen Abd el Kader genommen hat, finden Sie in den heutigen ministeriellen Blättern. (S. oben unter Paris.) Der Umstand, daß sogar zwei Bataillone der Miliz von Algier mobilisirt werden sollen, um nöthigenfalls die Metidscha zu schützen, zeigt hinreichend die Ver⸗ legenheit, in welcher man sich auf Seiten der französischen Generale befindet. I“ 8 8 GEGrohßbritanien und Irland. Unterhaus. Sitzung vom 10. Februar. Die fortge⸗ setzte Debatte über die Handels⸗Reformpläne Sir R. Peel's, welche auch heute noch nicht beendet wurde, bot zu Anfang der Sitzung keine erheblichen Momente. Wie schon mitgetheilt ist, bewegte sich die Diskussion in den bekannten Argumenten für und wider die Ausfüh⸗ rung der Prinzipien des freien Handels, bis Lord Worsley, Whig⸗ Mitglied für Nord⸗Lincolnshire, nachdem einige Tories, wie der Mar⸗ quis von Granby und Lord Brooke, für das Amendement ge⸗ sprochen hatten, sich erhob und die Debatte auf die Stellung der Minister zu ihren Maßregeln lenkte, indem er in der Weise Lord John Russell's die Widersprüche zeigte, welche sich in den jetzigen Handlungen der Mitglieder des Kabinets gegen ihre früheren Aus⸗ sprüche zu Gunsten des Schutzsystems offenbarten. Unter lautem Bei⸗ fall der Opposttion las der Lord Stellen aus verschiedenen früher gehaltenen Reden Sir Robert Peel's und Sir James Graham's vor, welche diesen Widerspruch kundgaben, und suchte dann die Noth⸗ wendigkeit nachzuweisen, daß das gegenwärtige als Vertreter des Schutz⸗ zoll⸗Systems gewählte Parlament erst aufgelöst werden müsse, um die Minister aus ihrer peinlichen Stellung zu befreien. So lange, als das Land sich über den vorliegenden Gegenstand nicht in neuen Wah⸗ len ausgesprochen hätte, müßten die Minister in ihrer jetzigen miß lichen Lage verharren, in welcher sie von der Unterstützung ihrer Geg⸗ ner abhängig wären. Sir James Graham beantwortete die Rede mit der freien Erklärung, daß er seine Ansichten über die Korn⸗ gesetze geändert habe, und entwickelte dann in ausführlicher Weise die Gründe dieser Aenderung, welche keinesweges unehrenhaft genannt werden könnten. Selbst ein Grundbesitzer, der ausgedehnte Länder⸗ Strecken von mittelmäßiger Fruchtbarkeit geerbt habe, sei er gewiß, wie irgend Jemand, den etwaigen üblen Folgen des neuen Gesetzes aus⸗ gesetzt, und es könne deshalb nicht die Rede davon sein, daß die Re⸗ gierung dasselbe vorgeschlagen habe, weil es ihr persönlichen Vortheil bringe. Sie habe die Aenderung vorgeschlagen, nicht allein, weil sie vortheilhaft, sondern vielmehr, weil sie gerecht und richtig sei. Der Minister stellte entschieden in Abrede, daß das neue Gesetz die armen Klassen noch mehr beeinträchtigen werde, und erwies aus der Beant⸗ wortung der Frage: fördert die Aufrechterhaltung der Korngesetze die

welche Abd el Kader

1““

Interessen der Majorität des Volkes, und vermag sie hinreichende und billige Nahrungsmittel dem Lande zu verschaffen? das Gegen⸗ theil aller geäußerten Besorgnisse der früheren Redner. Nach Be⸗ endigung dieser Rede ward die Debatte auf Donnerstag vertagt.

Im Oberhause, welches eine kurze unbedeutende Sitzung hielt, brachte Lord Kinnaird die ihm durch Zeitungs⸗Nachrichten bekannt gewordene Verfolgung katholischer Nonnen in Rußland zur Sprache und ersuchte den Minister der auswärtigen Angelegenheiten um nähere Mittheilung. Lord Aberdeen indeß lehnte jede Erör⸗ terung des Gegenstandes ab, der überhaupt wohl vielfach übertrieben worden sei und mit dem man hier nichts zu schaffen habe.

Sitzungen vom 11. und 12. Februar. Die erstere Sitzung des Hauses am Mittwoch war, wie gewöhnlich, von kurzer Dauer und untergeordnetem Interesse. Lord Bentinck beantragte die Vorlegung mehrerer Verzeichnisse über die Quantität des gegen⸗ wärtig in Großbritanien und Irland in Bond lagernden Getraides. Wie er höre, betrage die Masse desselben nicht weniger als 944,548 Quarter Weizen und 451,464 Ctr. Mehl, welche, nach Erlaß des neuen Gesetzes also plötzlich zu einem Zoll von 4 Sh. eingelassen, den Markt überschwemmen würden. Der Antrag wurde genehmigt. n der heutigen Sitzung wurde die Diskussion über Sir Robert Peel's Maßregeln wieder aufgenommen, aber gleichfalls noch nicht beendet. Die Debatte erhielt nur durch die Reden des Herrn T.

Baring und des Lords Morpeth einiges Interesse, da die übrigen Redner unbedeutend waren und nur in Wiederholungen sich ergingen. Wir kommen auf dieselben zurück. Die fernere Erörterung des Ge⸗ genstandes wurde auf den nächsten Abend vertagt.

Im Oberhause zeigte Graf St. Germans an, daß die Regierung am nächsten Montag eine Maßregel zur Steuerrung der

in einigen Grafschaften

vorfallenden Frevel und Verbrechen einbringen werde. 8

4 London, 13. Febr. Der Standard widerspricht der Nach⸗ richt, daß Lord Afhley die Pairwürde angetragen worden sei.

Auch aus Irland lauten die Nachrichten über den immer mehr hereinbrechenden Mangel sehr bedrohlich. Aus den Untersuchungen der Comités des dubliner Stadtrathes ergiebt sich, daß der Mangel an hinreichenden und gesunden Lebensmitteln schon an mehreren Orten Fieber und Seuchen hervorzubringen beginnt. Für Rechnung der Regierung sind vorläufig in Cork 5000 Fässer amerikanischen Mehles und Mais gelandet worden, die nach Bedürfniß unter die ärmere Klasse vertheilt werden sollen. Aehnliche Ladungen sind nach Water⸗ ford, Limerick und Dublin bestimmt.

Im Norden von Schottland hat der sich immer entschiedener herausstellende Mangel an Kartoffeln zu mehrfachen Unruhen Veran⸗ lassung gegeben. Sie kamen zuerst in Inverneß am 4ten d. M. zum Ausbruch, als eine Ladung Kartoffeln verschifft werden sollte. Das Volk rottete sich zusammen, um die Verladung zu hindern; es mußte das Militair aufgeboten und, als die Menge einige Arrestaten gewaltsam zu befreien suchte, die Aufruhr⸗Akte verlesen werden. Aehnliche Unruhen fanden in Hairn, Campbelltown, Invergordon und anderen Orten statt und veranlaßten den Scheriff der Grafschaft In⸗ verneß, eine Proclamation zu erlassen und strenge Maßregeln zu treffen. Nach den letzten Berichten war die Ruhe nicht weiter ge⸗ stört worden.

X London, 13. Febr. Die fällige indische Post vom 2. Januar ist endlich hier angekommen und hat Depeschen für die Re⸗ gierung überbracht, von deren Inhalt indeß bis jetzt noch nichts wei⸗ ter verlautet, als was schon (über Triest) bekannt geworden ist. Die Nachrichten widersprechen einander wegen der mannigfachen Gerüchte auf beiden Seiten; denn die englischen Zeitungsschreiber in Lahore schicken alle umlaufenden Gerücht aus dem Lager der Seikhs nach Delhi, und der Angriff der Letzteren hat sicherlich sämmtliche nord⸗ westliche Provinzen des britischen Indiens in die höchste Bestürzung versetzt. Es ist bis jetzt noch nicht recht klar, unter wessen unmittel⸗ barer Leitung die Invasion der Seikhs stattgefunden hat. Radschah Gulab Singh, welcher noch von den Dschummu⸗Brüdern übrig ist, ist in dem Gebirge jenseits des Indus zurückge⸗ blieben, obschon einige seiner Truppen schon mit den Khalsas auf den Sutledsch zu marschiren. Ich glaube indeß, er wartet nur auf den Ausgang einer britischen Besetzung des Pend⸗ schab, um dann für sich mit dem General⸗Gouverneur die beste Eini⸗ gung zu treffen. Die Seikh⸗Armee bestand aus drei Brigaden Ka⸗ vallerie und Infanterie und scheint an verschiedenen Stellen den Fluß überschritten zu haben. Einige von den britischen eingeborenen Trup⸗ pen, welche zum Angriff auf gewisse Böte und Pontons bestimmt waren, sollen mit ihren Fahrzeugen zum Feinde übergegangen sein, und gewiß ist es, daß am 8., 9., 10. und 11. Dezember die Seikhs mit einem unermeßlichen Train in Masse über den Fluß gingen, theils durch die Furthen, theils auf einer Schiffsbrücke. Ludianah ward beunruhigt, Firozpur angegriffen, und selbst die im Himalaya gele⸗ genen Sommer ⸗Paläste von Simla sollen bedroht worden sein. Hier in London wird die Frage vielfach besprochen, ob diese Besorgnisse gegründet waren und ob Sir Henry Hardinge wirklich überrascht worden ist, oder ob sein scheinbares Zögern nur eine Falle war, um die Seikh⸗Armee vollständiger in seine Ge⸗

walt zu bringen, nachdem sie selbst durch ihre Invasion den Krieg herbeigeführt hätte. Selbst die Briefe aus Lahore melden, daß die britischen Agenten bis zum letzten Augenblick um die Aufrechterhaltung

des Friedens sich bemühten. Das Verfahren der Seikhs war mithin ein unprovozirter Krieg. zu kämpfen, und sie unternahmen dies auch gewi Zurüstungen und fanatischem Muth. Indeß macht sich hier die bes⸗ sere Ansicht geltend, daß der General⸗Gouverneur schon lange von

ihren Absichten vollständig und genau unterrichtet gewesen sein muß, da er Kalkutta vor zwei Monaten schon verlassen hat, bevor er neoch

den Kampf vollständig vorbereitet hatte. Ein solcher Plan kann nicht so schnell erfunden und ausgeführt werden. Es herrschte darüber kein Geheimniß, und mehrere Wochen vor dem Uebergange de Seikhs über den Sutledsch rüsteteten sich ihre Truppen schon that sächlich zu dem Feldzuge auf dem anderen Ufer. Trotz aller diese

warnenden Vorzeichen soll indeß doch zur Zeit des Angriffs Sir

John Littler nicht über 16,000 Mann am Strom und in der Nach barschaft von Firozpur bereit gehabt haben, obschon nahe an 50,000 Mann in den nordwestlichen Provinzen versammelt sind. 1

Die Debatte im Unterhause ist im höchsten Grade langweilig und trocken. Niemand mag sie anhören, Niemand lesen. Die Frage

der Korngesetze und des freien Handels ist in England als ein Ge⸗

genstand der Debatte erschöpft; die Zeit der praktischen Ersahrung und Anwendung ist da, die Worte haben ihren Einfluß auf die Männer verloren, welche in wenigen Wochen sich mit den Dingen selbst be⸗

fassen werden.

Die Wahl für Westminster, welche in Folge der Annahme eine Stelle bei der Admiralität von Seiten des Capitain Rous demnächst stattfinden muß, bietet einen Kampf von großem Interesse dar, nicht, weil die Kandidaten verschiedene politische Ansichten haben, sondern weil sie übereinstimmen. Capitain Rous ist Konservativer mit Frei⸗

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Sie hatten beschlossen, gegen die Engländer mit ungeheuren