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Personen stark, sämmtlich aus dem Fürstenthum Schaumburg⸗Lippe, nach Bremerhafen ab, um sich dort nach Baltimore und New⸗York einzuschiffen.
5 Braunschweig, 9. März. Das Herzogliche Staats⸗ Ministerium hat, da, dem Vernehmen nach, die Auswanderungen nach Amerika nicht selten zur Verkürzung der Gläubiger benutzt wer⸗ den, sich veranlaßt gefunden, heute folgende Bestimmungen zu veröffent⸗ lichen: 1) Jeder, welcher nach Amerika auszuwandern beabsichtigt, hat davon zeitig der Stadtpolizei⸗Behörde oder dem betreffenden
Herzoglichen Amte Anzeige zu machen; 2) diese Behörden sind ge⸗ halten, solches auf geeignete Weise, durch Einrückung in die Braun-
schweigischen Anzeigen oder in die in den —, * Landesthei⸗
len erscheinenden Lokalblätter oder durch öffentlichen Anschlag in der Gemeinde des Wohnorts des Auswanderers, bekannt zu machen;
und 3) haben diese Behörden die zur Auswanderung erforderlichen Pässe vom 1. April d. J. an erst nach Ablauf von vier Wochen, vom Tage der erlassenen Bekanntmachung an, zu ertheilen.
Die Zurückberufung des Königl. hannoverschen Ober⸗Steuer⸗ raths Hüpeden hat sich bis gegen das Ende des vorigen Monats verzögert; an die Stelle desselben ist von Hannover der Steuer⸗In⸗ spektor von Heimburg hierhergesandt worden.
Freie Stadt Krakau.
Krakau, 7. März. (Schl. Ztg.) Heute Abend traf die erste preußische Post hier wieder ein. Die Briefe und Pakete hatten sich in Neu⸗Berun so angesammelt, daß zwei Paketwagen damit ange⸗ füllt waren. Die Reise durch das Krakauische ist dermalen nicht ohne Interesse, theils weil man über die jüngsten Vorgänge endlich Ge⸗ naues und Zuverlässiges erfährt, theils auch, weil man überall Gele⸗ genheit findet, die Stimmung des Volkes kennen zu lernen. — Das Unglück der Familien ist groß. Fast jede hat den Verlust eines ihrer Glieder zu beklagen. Viele schweben noch fortwährend in Furcht und Zittern, denn jede Stunde kann sie ärmer machen um ihre Stütze und ihr Vermögen. Das Unglück ist um so größer, als die Familien oft in gänzlicher Unwissenheit über das Schicksal ihrer Angehörigen sind. So die berühmte und reiche gräflich Patelskische in Poremba, welche nicht weiß, ob ihr Haupt geflüchtet oder umgekommen ist. — Von preußischer Seite befinden sich nur 2 Bataillone Infanterie und 2 Schwadronen Ulanen in Krakau, die gestern eingezogen sind. Die Russen haben die Hauptwache mit einigen Stücken Geschütz bezogen. Das sonst so rege Leben und Treiben auf den Straßen ist verschwun⸗ den, es ist eine ängstigende Ruhe eingekehrt. — Der österreichische General Collin und der russische haben eine Proclamation an die Einwohner Krakau's erlassen, worin in üblicher Weise den ruhigen Bürgern Schutz versprochen, denen, die Widersetzlichkeiten begehen, ihre Waffen bis zu einem bestimmten Termine nicht abliefern, Strafe angedroht wird. Der kommandirende General, Graf von Branden⸗ burg, befindet sich hier, der übrige Stab in Lipowice.
Krakau, 7. März. (Bresl. Z.) Nachdem ich gestern gegen Abend aus Pleß fortgefahren, bin ich heute mit der preußischen Post hier eingetroffen. Von Neu⸗Berun ist bis auf ein kleines Detasche⸗ ment grüner Husaren alles Militair fort. In Lipowice traf ich den Generalstab des preußischen Corps, dessen Posten bis Przegynia stehen. Von einem Ulanen⸗Unteroffizier wurde mir in Lipowice er⸗ zählt, daß des Tages zuvor eine Patrouille der Schützen einen Kampf mit 5 Insurgenten bestanden habe, wobei einer der letzteren durch die Hand geschossen worden ist; sie wurden überwältigt und durch Lipowice geführt. In Posemba, wo die Post Mittag macht, waren Schützen, sämmtlich im Schlosse und den Wirthschafts⸗Gebäu⸗ den des Grafen Czembek, einquartiert; die Bauern hatten ihnen nach ihrer Ankunft sogleich Essen freiwillig in das Schloß gebracht; sie hatten aber nichts angenommen, da sie der Graf Czembek sehr gast⸗ freundlich aufgenommen.
Das Landvolk begrüßte in allen Dörfern die preußische Post mit freundlichen Gesichtern, in Krakau kamen wir um 7 ½ Uhr Abends an; die Straßen waren sehr öde, selbst Militair⸗Patrouillen nicht be⸗ merkbar. Die alte krakauer Miliz und das Gendarmerie⸗Corps sind wieder organisirt. In Krakau sind von unseren Truppen heute ein⸗ gerückt: ein Bataillon des 23sten und ein Bataillon des 10ten Regi⸗ ments und die 1ste und 5te Schwadron der Ulanen. — Die preußi⸗ sche Post wird vorläufig täglich nur einmal, und zwar bei Tage, be⸗ fördert.
März. (Schles. Ztg.) Aus Krakau erfährt man noch Folgendes: Der Plan der Rebellen war: von Krakau aus auf Posen loszugehen, um sich mit den dortigen, Aufständischen zu vereinigen; die Besetzung Krakau's durch österreichische Truppen und die Wendung der Dinge in Galizien, wo der Aufstand des Adels durch den Aufstand des Volks sich fast aufgerieben und vernichtet sieht, bestimmten indessen die Führer der krakauischen Insurgenten, sich nach dem Süden zu wenden. Die Zahl der regulairen Truppen, die am 23sten, 24sten und 25sten in Krakau organisirt ward, beträgt gegen 900 Mann, jene der Milizen und der bewaffneten Bauern schätzt man auf etwa 20,000 Mann, die übrigens durch Entsendung mehrerer Streif⸗Corps nach der österreichi chen, preußischen und russischen Gränze bedeutend geschwächt sein sollen. Bei einem llei⸗ nen Konflikt an der russischen Gränze liefen mehrere Soldaten, ge⸗ borene Polen, aus Reihe und Glied der russischen Truppen zu den Insurgenten über.
Breslau, 10.
Warschau, 7. März. Der heutige Kuryer Warszawski meldet: „Aus dem Gebiet von Krakau sind Nachrichten hier eingegan⸗ gen, welchen zufolge die österreichischen Truppen, nach Herstellung der Brücke über die Weichsel, eben so wie die russischen, am 3. März in Krakau eingerückt sind. Nach Einvernehmen der die russischen und österreichischen Truppen befehligenden Generale, so wie eines von den preußischen Truppen in Krakau angelangten Offiziers, wurde an die Einwohner dieser Stadt die unten folgende Bekanntmachung in Betreff der einstweiligen Verwaltung von Krakau und der Pflich⸗ ten der Einwohner gerichtet: „„Abtheilungen der Kaiserlich rus⸗ sischen und Kaiserlich österreichischen Truppen haben die freie Stadt Krakau und ihr Gebiet besetzt. Der Zweck dieser Besetzung ist, im Verein mit einer erwarteten Abtheilung der Königlich preußischen Truppen die öffentliche Ruhe herzustellen und das Gebiet der freien Stadt Krakau von den Ruhestörern zu säubern, die sich etwa noch auf demselben verbergen. Die hohen Schutzmächte werden später auf die Mittel Bedacht nehmen, welche sie für nothwendig er⸗ kennen möchten, um die Wohlfahrt des Gebiets der freien Stadt Krakau auf dauernde Weise zu sichern. Ehe jedoch die hohen Schutz⸗ mächte durch das Organ der Konferenz ihrer Residenten ihren dies⸗ fälligen Beschluß kundmachen können, bringen die Befehlshaber der beiden Occupations⸗Corps, nur dazu berufen, über Erhaltung der öf⸗ fentlichen Sicherheit zu wachen, folgende von ihnen verfügte Anord⸗ nungen zur öffentlichen Kenntniß: 1) Die freie Stadt Krakau befin⸗ det sich von jetzt an im Belagerungszustand, und Niemand darf die⸗ selbe verlassen, ohne sich zu legitimiren. 2) Personen und Eigenthum der ruhigen Einwohner werden respektirt werden. 3) Alle Haus⸗Ei⸗
Sehr oft ist ihm auch ein Evangelist
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genthümer oder Verwalter sind, wenn sie nicht die ganze Strenge der Kriegsgesetze auf sich ziehen wollen, zu unverzüglicher Ueberantwortung aller derer, welche an den letzten Unruhen theilgenommen, an die Militair⸗ Behörde verpflichtet. 4) Alle, welche, ohne zur Zahl der Haupt⸗ Aufrührer zu gehören, doch die Schwäche hatten, sich von diesen mit fortreißen zu lassen, müssen sich zum Beweis ihrer aufrichtigen Reue und unbedingten Unterwerfung freiwillig vor der Behörde stellen, da sie nur in diesem Falle einigen Anspruch auf Nachsicht erwerben. 5) Alle, welche Waffen verbergen und dieselben nicht bis zum 6. März, 12 Uhr Mittags, abliefern, unterliegen der Strenge der Kriegsgesetze. 6) Der Präsident und die Mitglieder der freien Stadt Krakau, die sich den Ereignissen entzogen und nun nach der Stadt zurückkehren, werden die einstweilige Ver⸗ waltung bilden, welche die laufenden inneren Angelegenheiten erledigen wird. Der Senator Kopf wird bis zur Rückkehr des Prä⸗ sidenten Schindler diese Verwaltung leiten. 7) Jedes Occupations⸗ Corps hat einen Platz⸗Kommandanten und Platz⸗Adjutanten ernannt, die in Einverständniß handeln werden. 8) Es wird eine gemein⸗ schaftliche militairische Untersuchungs⸗Kommission niedergesetzt, um den Grad der Schuld der festgenommenen Individuen zu ermitteln. Die⸗ jenigen, welche als unschuldig befunden werden, sollen auf der Stelle ihre Freiheit erhalten; gegen die Schuldigen wird den Gesetzen ge⸗ mäß verfahren werden. (unterzeichnet.) General Paniutin. Ge⸗ neral⸗Major von Collin.““
Einem amtlichen Bericht des General⸗Adjutanten Rüdiger, Be⸗ fehlshabers des 3ten Infanterie⸗Corps, an Se. Durchlaucht den Feldmarschall Statthalter des Königsreichs zufolge, sind die öster⸗ reichischen Truppen, nachdem sie die von Podgorze nach Krakau füh⸗ rende Brücke hergestellt, am 3. März drei Stunden nach dem Ein⸗ marsch der unsrigen in die Stadt Krakau eingerückt. Die im Ein⸗ vernehmen der Kaiserlich russischen und österreichischen Truppen⸗Be⸗ fehlshaber, so wie eines aus Berlin abgeschickten preußischen Offiziers, erlassenen Proclamationen, welche die Pflichten der Bürger vorschrei⸗ ben, wurden sogleich bekannt gemacht und werden vollständig ausge⸗ führt. Die preußischen Truppen sind im Anzuge. Eine Horde von Auf⸗ rührern, die in der Nacht vom 2. auf den 3. März sich zerstreute, war am Aten, auf der Flucht nach dem preußischen Schlesien, in Krzeschowize. Eine unter den Befehlen des Obersten Fürsten Baryatynski, Adju⸗ tanten des Großfürsten Thronfolgers, stehende Kosaken⸗Abtheilung hat bereits einige Aufrührer gefangen genommen. Um sich ihrer aller zu bemächtigen, wurden noch Muselmänner, Tscherkessen, zwei leichte do⸗ nische Geschütze und ein Infanterie⸗Bataillon abgeschickt. In Gali⸗ zien, wo die gegen die Edelleute und Herren, die sich wider die Re⸗ gierung empörten, erbitterten Bauern im Kreise Tarnow 60 und im Kreise Bochnia 20 von diesen ermordeten, ist die Ruhe wiederherge⸗ stellt, mit Ausnahme des an Ungarn gränzenden sandecker Kreise. In Ungarn aber hat bis jetzt keine Ruhestörung stattgefunden.“
*
1 fFrankhkreich.
Paris, 6. März. Die Deputirten⸗Kammer bewilligte gestern ohne erhebliche Debatten 6 ½ Millionen Fr. für die Verbesserung der Yonne zwischen Auxerre und Montereau, 4 Millionen für die Ver⸗ besserung der Mayenne zwischen Laval und Angers, 3 Millionen für die Kanalisirung der Mayenne zwischen Mayenne und Laval und 3 Millionen für die Verbesserung der Sarthe zwischen Angers und Le Mans.
Ein neues Rundschreiben des Kriegs⸗Ministers macht bekannt, daß es seine förmliche Absicht sei, den Handelsstand und die acker⸗ bauenden Eigenthümer zu berufen, um direkt mit den Beamten der Militair⸗Intendanturen für die Lieferung des zum Unterhalt der Truppen in allen Garnisonen nöthigen Getraides zu unterhandeln.
Der National macht zu dem neuen Eisenbahn⸗Unfall folgende Glossen: „Man hätte geglaubt, daß die furchtbare Katastrophe auf der Versailler Bahn die Bahngesellschaften vorsichtiger machen würde. Was ist nun wieder geschehen! Wir haben es nur dem Zufall zu danken, daß solch furchtbare Ereignisse nicht häufiger vorkommen. Welche Garantie hat das Publikum? Wurden die Verwalter der Versailler Bahn wegen ihrer Nachlässigkeit bestraft? Wurde die Ge⸗ sellschaft zur Zahlung schwerer Entschädigungs⸗Gelder verurtheilt? Bürger tödten, mit dem Leben der Reisenden spielen, achtungswerthe Interessen angreifen, den Handelstand ruiniren, all dies ist nichts, wenn mächtige Gesellschaften, welche unter ihren Vertretern Depu⸗ tirte haben, sich solcher Fehler schuldig machen.“
Lille, 26. Febr. (Hannov. Ztg.) Es wird nicht ohne In⸗ teresse sein, einige Mittheilungen zu machen über das Kirchenwesen der Protestanten in Frankreich. Man schätzt die Zahl der Protestan⸗ ten auf fünf Millionen; die Meisten derselben sind Reformirte, die Uebrigen sind Glieder des augsburgischen Bekenntnisses. Hier im nördlichen Frankreich sind nur Reformirte, jedoch im Vergleich mit den Katholiken nicht sehr zahlreich. Das Departement du Nord hat 16 Kirchen, wovon seit längerer Zeit drei vakant sind, die wegen Man⸗ gels an Geistlichen schwerlich so bald wieder besetzt werden möchten. Die Kirchen⸗Gemeinden du Nord gehören zwei Konsistorien an, dem zu Lille und zu St. Quentin. Sie sind ehrwürdige Ueberreste aus den Verfolgungszeiten des 17ten Jahrhunderts. Die geistliche Amts⸗ führung ist sehr beschwerlich, weil die zu einer Kirchen⸗Gemeinde ge⸗ hörenden Dorfschaften sehr entlegen sind. Der Geistliche hat 5 bis 15 Stunden zurückzulegen, um seinen Pfarrgenossen das Evangelium zu verkünden und unter ihnen die erforderlichen Pflichten der Seel⸗ sorge zu erfüllen. Von einem regelmäßigen Predigen an jedem Sonn⸗ tage und an jedem Orte kann nicht die Rede sein, jedoch ist keine protestantische Ortschaft, wo nicht zweimal des Sonntags Gottesdienst gehalten wird. In Abwesenheit des Pfarrers liest der Lehrer des Orts, gewöhnlich auch einer der Aeltesten, die das lokale Konsistorium oder den Kirchen⸗Rath bilden, eine Predigt vor. Der Geistliche be⸗ sucht wechselsweise, der Reihe nach, seine einzelnen Pfarr⸗Filialkirchen. behülflich, das heißt junge Männer, die ihre Ausbildung zum Predigtamte einem Prediger ver⸗ danken, jedoch einen akademischen Kursus nicht gemacht haben, die nicht vom Staate angestellt sind, sondern von der Société évangé⸗ liqgue umhergesandt werden. Die Gemeindeglieder machen es sich dagegen bequem. Sie gehen selten in das benachbarte Dorf, wo der Pfarrer für diesmal seine Predigt hält, und bleiben lieber zu Hause, um den einförmigen Vortrag des häufig ungeübten Lesers anzuhören. Sie warten geduldig, bis die Reihe der Predigt durch den Besuch des Pfarrers wieder an sie kömmt. Man darf dies aber nicht so absolut für religiöse Lauheit halten, denn es hat sich einmal der Brauch geltend gemacht, sich zur Zeit mit den von einem Laien ver⸗ richteten Andachts⸗Uebungen zu begnügen. Außerdem bietet die üble Beschaffenheit der Nebenwege, sobald man von den gepflasterten Straßen abgeht, namentlich im Winter und bei nasser Witterung, einen gewichtigen Entschuldigungsgrund für sie dar. Zur Be⸗ friedigung der religiösen Bebürfnisse, zur Befestigung des Glau⸗ bens, möchte wohl, nach allem menschlichen Erkennen und Hoffen, die „Nordgesellschaft zur Verbreitung des Evangeliums unter den zerstreuten Protestanten“ einen gesegneten Erfolg haben. Sie sucht auf die Jugend und auf das Alter zu wirken durch Unterricht und Predigt. Verschiedene Institute bilden Lehrer
und Cvangelisten heran. Die Ecole évangélique zu Lälle unter
Leitung des Herrn Marzials bildet tüchtige junge Männer heran lla
den höheren und niederen Lehrerstand, und die Schüler, welche sich! höheren Studium zu widmen gedenken, werden hier so weit gebmn daß sie an den Akademieen sogleich bei ihrer Aufnahme das Ba lauréat ès lettres erlangen können. Die Ecole évangélique ist vielen reichen Engländern, besonders Schotten, besucht, und die diese höher stehenden Kostgelder machen es möglich, daß viele 1 mittelte, aber talentvolle Zöglinge aus Frankreich hier unentges für den Dienst der protestantischen Kirche vorbereitet werden köm Es wäre vielleicht nicht unzweckmäßig, wenn der Gustav⸗Adolph⸗ ein sich mit den Bestrebungen der Nordgesellschaft vereinigte, namg lich wäre es zu wünschen, daß der Gustav⸗Adolph⸗Verein die En vangélique des Herrn Marzials, der es an den nöthigen Mitteln se jährlich mit einer kleinen Summe unterstützte. Herr Marzialz mit großer Selbstverleugnung ein bedeutendes Vermögen diß Werke geopfert, ohne davon mehr zu haben, als die Freude des lingens, und ohne mehr zu wünschen, als nur den gesegneten 7 stand. Gegenwärtig zählt die Ecole évangélique etwa hundert;, linge, die zum Theil für den Dienst der Kirche vorbereitet Einige der Zöglinge predigen schon in der Zerstreuung, um, Segen ihrer Arbeit ist sichtbar. Während der Klerus der Kath in nachlässiger Ruhe den Bestrebungen der Nordgesellschaft zuf⸗ geht ihm sein Terrain verloren. Das Volk hat eine große Lieh dem Evangelium, das ihm hier geboten wird, und die nächste Zun scheint gute Erfolge zu versprechen. C1161
.α Paris, 6. März. Die Deputirten⸗Kammer si heute die Verhandlung über die Kredite für die innere Schiffse fort. Sie war gestern bei Artikel 10 stehen geblieben, der angem men wurde, und wonach 10 Millionen zur Erbauung der Wassen hälter und der Ableite-Rinnen der Wässer der Nesle angewiesen
den. Nach Artikel 11 sind 12 Millionen bestimmt zur Erbau eines Bewässerungs⸗ und Schifffahrts⸗Kanals zwischen Saint M tory und Toulouse. Herr Dugabé schlägt statt dessen vor, 300 Fr. zur Vornahme der nöthigen einleitenden Arbeiten und Vorstu zu bewilligen, was aber von der Kammer bei der Abstimmung! worfen ward. Der Finanz⸗Minister legte darauf einen Gif Entwurf über den Rechnungs⸗Abschluß des Jahres 1844 vor.
Marschall Bugeaud hat bei seinem Einzuge in Algier an um ihn versammelte Miliz von Algier folgende Anrede gehalten:
„Meine Herren, wir haben eine lange Krise durchgemacht, und dotz noch nicht Alles zu Ende; aber wir sind derselben Meister. Abd el a zählt nur 3 — 400 Reiter; jedoch liegt seine Stärke nicht in den Leutry ihn begleiten; sie liegt in seinem Einflusse auf alle Stämme, deren , pathieen er besitzt, weil seine Sache die ihrer Religion ist. Man fragn es komme, daß wir mit 100,000 Mann nicht dahin gelangen lönnen, n Abd el Kader's zu bemächtigen: der Grund davon ist sehr einfach. m. Feind flieht beständig vor uns mit einer wenig zahlreichen Mannschast, entschlüpft wie ein Fuchs durch die engsten Wege und fast unzugäng Felsen; nichts hemmt seinen Marsch, der durch keinen Convoi aufgehe wird. Denn überall bietet man ihm Mittel zum Unterhalte seine Truppen und seine Pferde; seine Kranken oder Verwun werden von Brüdern aufgenommen, die sie pflegen; seine dienstunfähig wordenen Pferde werden augenblicklich durch frische Pferde ersetzt, wä⸗ unseren Kranken und Verwundeten, wenn wir sie im Stiche licßen, die K abgeschnitten würden. So besteht die Macht Abd el Kader's in der R. lichkeit aus den vereinigten Hülfsquellen und Streitkräften aller Stäm Um also seine Macht zu vernichten, muß man die Araber vernichten; dan haben wir viel niedergebrannt, viel zerstört; vielleicht wird man mich ein Barbaren nennen; allein ich stelle mich über die Vorwürfe der Presse, ven⸗ ich die Ueberzeugung habe, daß ich ein meinem Lande nützliches Werl ü. bringe. Man wirst mir vor, den Krieg nicht mit Kavallerie zu führen, ah die Kavallerie braucht gleichfalls Convois, sie kann ihre Kranken nicht Stiche lassen und könnte nicht schneller marschiren als die Infanterie. In Fra reich war das Gerücht in Umlauf, wir wollten Abd el Kader nicht fangen; diese schuldigung ist das Werk der Dummheit oder der Böswilligkeit. Wn derjenige unter unseren Offizieren, der nicht seinen Ruhm in einen 2 Fall setzen würde? Wie kann man unterstellen, daß ich bei der Ue gabe des Befehls einer Kolonne an einen meiner Generale ihm aneme len hätte, Abd el Kader nicht zu fangen? Was sagen Sie dazu, Genm d'Arbouville? General Gentil war nahe daran, ihn zu fangen, denn war wirklich Abd el Kader, den er vor sich hatte; Abdeel Kader, dem, m der Aussage von mehr als 20 Zeugen, in diesem Gefechte zwei Pferde unten m Leibe erschossen worden sind. Wie dem auch sei, ich behaupte, daß nur der Fe unseren Feind in unsere Hände liefern kann, und daß das Genie eines Alegu der, Cäsar und Friedrich dies nicht vermöchte. Als ich dem hen n General de Bar vorschrieb, auf dem Papier zwei Miliz⸗Bataillone zu g ganisiren, hat man vielleicht geglaubt, es sei dies nur ein plötzlicher Einse von mir gewesen; dem ist aber nicht so.
8 her dadurch nicht abhalten, sfͤͤͤaͤche gehässige Anschuldigungen 8 ddaß dieser sich genöthigt sah, nachzugeben und mit Ernennung des Fhmité's sich einverstanden zu erklären. mcprauf ein Amendement stellte, demzufolge jene Absetzung des Beam⸗
sche seine Mitglieder ihre Aemter verwalten.
akreich geführt hatte, zu Marseille nach seinem Vaterlande einge⸗
Großbritanien und Irland. 8
London, 6. März. Im nächsten Monat soll sich, wie es ißt, abermals ein Geschwader von 8 Linienschiffen und einer Fre⸗ nte bei Spithead versammeln, um eine längere Uebungsfahrt zu un⸗
en.
5 Partei der Agrikulturisten im Unterhause ist bemüht, die isteriellen Vorschläge in Betreff der Korngesetze, welche sie nicht reiteln kann, wenigstens zu verzögern und die Fortsetzung der Be⸗
ung darüber zu verhindern. Zu diesem Ende brachte gestern Ir Etwall einen Antrag auf Ernennung eines Spezial⸗Comité's r das Haus, welches die kürzlich in dem Werk⸗ und Armenhause Andover vorgefallenen Unregelmäßigkeiten untersuchen soll. Da
Antrag ein Tadels⸗Votum gegen den Minister des Innern über
von ihm in jener Sache verfügte Amts⸗Entsetzung eines Armen⸗
Beamten bezweckte und Sir James Graham auf Zurücknahme Antrags unter Versprechung sämmtlicher darauf Bezug habender piere drang, so erhob sich darüber eine lange Debatte, welche
größten Theil der Sitzung ausfüllte. Der Minister er⸗ ärte vergebens, daß die Sache bereits erledigt und die Einstellung r in jenem Armenhause vorgekommenen Unregelmäßigkeiten von
Armen⸗Kommissarien mit dem 1. April verfügt sei; man ließ sich auf die Untersuchung zu dringen und egen den Minister vorzubringen,
Als indeß Herr Christie
zum besonderen Gegenstande der Untersuchung gemacht werden te, und der Minister darin nicht einwilligte, kam es zur Abstim⸗ ng, bei welcher die Regierung in der Minorität blieb und der An⸗ g mit 92 gegen 69 Stimmen angenommen wurde. Es ist dies erste Gelegenheit, da die Tories zum Nachtheil des Ministeriums geltung üben für die wider ihren Willen vorgeschlagenen Maß⸗ eln des freien Handels. Der toryistische Standard schreibt: ist dies die erste Niederlage des Ministeriums vom 18. Dezem⸗ — eines neuen Ministeriums in jeder Beziehung, nur nicht in Personen — neu in seiner Politik, neu in der Autorität, durch — . Wir freuen uns über en Sieg aus vielfachen Ursachen. Es geschieht zum erstenmal, die Geheimnisse von Somersethouse enthüllt werden; es ist die e Erfüllung der 1834 zur Zeit des Erlasses des neuen Armen⸗ setzes auferlegten Verpflichtung, daß die Armengesetz⸗Kommissarien Parlamente verantwortlich sein sollen. Bis jetzt ist diese Ver⸗ wortlichkeit auf Grund des Vertrauens zu solchen Männern, wie James Graham, umgangen worden; nunmehr hat dies Ver⸗ wen aufgehört. Wir betrachten die gestrige Abstimmung als ein eutangsvolles Ereigniß, als den ersten entscheidenden Sieg der d⸗Partei in einer für sie ehrenvollen Sache, welche ihr die barkeit des Landes zuwenden wird. Möge man auf diesem ge fortfahren, und der Sieg ist unser.“ Der Standard ver⸗ t, daß er es gerade gewesen ist, der in unzähligen Fällen das el⸗Kabinet in dessen Armengesetz⸗Maßregeln, welche allerdings mit Politik der Whigs übereinstimmten und das Armenwesen centra⸗ rt und unter Aufsicht des Staates gestellt haben, unterstützt hat, ß er demnach, so wie die Tories überhaupt, sich einer Inkonse⸗ enz schuldig machen, wenn sie jetzt gegen das Ministerium dieser Beziehung auftreten, nachdem sie bei dessen Antritt die un⸗ örte Fortsetzung der Whig⸗Politik zugelassen haben. — Unter den ageren Verhandlungen des Unterhaufes am gestrigen Abend ist ns von Wichtigkeit vorgekommen. Herr Cowper beantragte Vorlegung aller amtlichen Berichte über das angebliche Verfahren wssischen Regierung gegen die Basilianerinnen in Minsk, worauf R. Peel den Antrag als ungehörig zurückwies, da das Haus ein
chlimmes Beispiel geben würde, wenn es die Neigung zeigte, sich
die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen. Uebri⸗ s habe der britische Gesandte in St. Petersburg darüber nichts ichtet, und der britische Konsul in Warschau, ein sehr achtbarer un, habe auf Veranlassung der französischen Zeitungsberichte über se Angelegenheit die Erklärung eingesandt, daß dieselbe, wie er be⸗ isen wolle, entweder ganz falsch oder wenigstens sehr übertrieben rden sei. Nachdem Herr Gibson die Bemerkung gemacht, daß an in anderen Fällen es mit der Nichteinmischung in fremde Ange⸗
legenheiten nicht immer so streng nehme, zog Herr Cowper seinen Ich wußte, daß Ab el Kader Intrag zurück. — Im Oberhause kam nichts von Interesse vor;
die Metidscha eindringen wollte, und ich wollte nicht, daß er da eindrin die Bills über Beförderung öffentlicher Arbeiten in Irland erhielten Zwanzig Wege sind vorhanden, durch welche er sich hätte hineinwerfen fadis Königliche Bestätigung.
ten ein nach Fonduck und ein nach Duera abgesendetes Bataillon gro Dienste leisten können durch Bewachung dieser Punkte.“
nen, ohne der Kolonne des Generals Gentil zu begegnen, und alsdann
Der Brighton Herald will wissen, der Herzog von Rich⸗ nd sei zu der Ansicht gekommen, daß längerer Widerstand gegen Vorschläge Peel's in Betreff der Getraide⸗Gesetze dem Agrikultur⸗
f 11“”“; Iteresse mehr schaden als nüßen würde, und habe deshalb dem Her⸗ Der Marschall setzte darauf den Stand der Bevölkerungen, ote von Wellington bereits seine Stimm⸗Vollmacht zu Gunsten des
byliens aus einander. Abd el Kader würde 40,000 Feuergewehre selbst sinden, wenn er sich dort festsetzen könnte. Um ein sol⸗ Volk im Zaume zu halten, bedürfe es einer kräftigen Faust, sagte und müsse man sich seiner Waffen zu bedienen wissen. Deshalb we er, daß die Miliz kräftig organisirt sei. „Für jetzt“, sagte der M schall am Schlusse, „wiederhole ich, sind wir des Feuers Meister, die Pompiers zu sagen pflegen; aber der Brand raucht noch, hü wir uns also, uns einzuschläfern, und laßt uns wachsam sein.“ 1 In den Bergen der Uled Bessem, südlich von dem Pic Warenseris, ist ein Gesecht geliefert worden; und 2ten Bataillons von Afrika, vereinigt unter den Be Bataillons⸗Chefs Prevost, Ober⸗Kommandanten von Teniet el sind nach 14stündigem Marsche über die Silos der aufgestande Stämme hergefallen und haben eine beträchtliche Beute gem worunter sünfhundert Lasten Gerste und Roggen. Der von
Befehlen
Stämmen zu Hülfe gerufene Kalifa Abd el Kader's im Warenl Hall hat der Durchgange Fönig sei der
des gebirgezücht das Ausscheiden des dicer sein Portefeuille 6 Der frühere Minister des Innern, Baron von Schimmelpenn inck,
Ulid el Hadsch Seghir, suchte vergeblich sich dem Convoi zu widersetzen. Trotz der Schwierigkeiten Landes verloren die Jäger nicht ein einziges Lastthier, brachten Gegentheile dem Feinde beträchtlichen Verlust bei. Unter den 2* befindet sich einer der einflußreichsten Chess der Beni Ligrim,z mens Ali⸗ben⸗Thaman. Der französische Verlust wird auf 2 1 und etwa 20 Verwundete angegeben. Unter den Letzteren berh de sich der Capitain Bastide vom 2ten Bataillon. 8 Zu Dellys herrschte am 26sten wieder vollkommene Ruhe. * aus Abd el Kader geworden ist, wußte man nicht. Dagegen man vernommen, daß Ben⸗Salem und Ben⸗Kassem sich zu den 2 Raten mit der im Kreise Dellys und bei den Issers gemachten 8 zurückgezogen haben. General⸗Lieutenant Bedeau und sein Oeben Offizier waren am 20. Februar Abends, von Bufferick kommend, Bedeckung einiger Jäger von Afrika zu Blidah eingetroffen, aber 0 am folgenden Tage nach Medeah weiter gegangen. Die Ko Kavallerie, unter General Jussuf, 600 Mann stark, war zuletzt! en Blidah und Joinville gelagert. 1 ic Der marokkanische Boischafter Ben Aschasch hat sich am 9
Nachmittags auf dem Dampsschiffe „Meteore“, das ihn schon
1 pf ee hatten.
g Civil⸗Penstons⸗Fonds überließ.
8
utzen Gesetzes übertragen. Die Bill würde in diesem Falle im Ober⸗
se gesichert sein. Die Zahl der nach Ostindien bestimmten Regimenter beläuft sich sechs; von diesen kommen ein Kavallerie⸗ und drei Infanterie⸗ menter aus Europa und zwei Infanterie⸗Regimenter aus China. miliche auf Urlaub in England befindliche Offiziere der im Felde Pe. Regimenter sind beordert, unverzüglich auf ihre Posten zu⸗ ehren. Die Gazette meldet heute die Beförderung mehrerer See⸗
700 Jäger des Upziere, die sich im Treffen bei Punto Obligado im Parana aus⸗
Niederlande.
Aus dem Haag, 7. März. Der Finanz⸗Minister Herr von
zweiten Kammer der General⸗Staaten angezeigt, der Ansicht, daß die Verwerfung des Steuer⸗Gesetzes Ministers nothwendig bedinge; er werde auch noch ferner behalten.
auf seine Penston
verzichtet; wähtend jnj nur drei Viertel zichtet; während er Minister war, bezog er
seines Gehaltes, indem er ein Viertel desselbe
Belgien.
Brüssel, 7. März. achte Nachticht, daß
Die vorgestern von der Independance den fei, dchn ch daß Herr Vandeweyer vom Könige beauftragt acni sei⸗ as Kabinet neu zu bilden, wird heute von der Eman⸗
on bestätigt; nur wisse man noch nicht, ob derselbe den Auf⸗
angenommen habe; dessenungeachtet seien schon in doppeltem Seee im Gange, um den Erfolg dieser Comüinotion Naee en; man beeile sich, Herrn Vandeweyer über die Stim⸗ ha⸗ Najorität zu erschrecken, und sage ihm, daß er das Ruder nicht 1 nn er Hand behalten könner, ohne das Land allen Wechselfällen b uflösung der Legislatur auszusetzen. Die Independance
will heute wissen, daß die ministerielle Krisis in eine ganz neue Phase eingetreten sei und vielleicht eine sehr unerwartete Lösung erhalten dürfte. Dem Journal de Liége wird aus Brüssel geschrieben, man versichere jetzt, daß die Ministerial⸗Veränderung sich auf Er⸗ setzung des Herrn Malou durch Herrn Mercier beschränken werde; ein anderes Gerücht sage gar, das Ministerium werde ganz unver⸗ ändert bleiben, denn die Mitglieder desselben hätten sich ausgesöhnt.
— Der Rheinische Beobachter enthält folgende Statistik der belgischen Journale: „Für die letzte Hälfte des Jahres 1845 konnte man der Emancipation allein 2000 Abonnenten, dem Globe und dem Commerce Belge (andere Ausgaben der Emancipation) zusammen etwa 1000, dem katholischen Jour⸗ nal de Bruxelles 2100, der Independance über 1600, dem Observateur 1550 Abonnenten zuschreiben. Das Journal de la Belgique, mit dem Observateur erscheinend und 700 Abon⸗ nenten zählend, kann natürlich gegen die 1900 des von der Indé⸗ pendance in kleinem Format ausgegebenen Echo de Bruxelles nicht aufkommen. Letzteres hat fast gar keine politische Färbung. Doch läßt der Redacteur der Independance seine Articles de Fond zuweilen darin nochmals abdrucken. Der Politique, welcher seit der Abreise des Herrn Nothomb keine recht klare Stellung mehr hat und sich für die Rückkehr des genannten Staatsmannes aufzube⸗ halten scheint, zählte im Jahre 1844 an 1000 Abonnenten, jetzt sind sie auf 1300 gesunken. Eine den 19. Dezember 1844 hier gegrün⸗ dete Deutsche Zeitung hatte erst 12, dann 8 Abonnenten. Der Belge (sehr alt und früher ami du Roi et de la patrie), durch seine Leerheit und schlechte Redaction bekannt, hat sich mit der Franchise vermählt, und diese mag jetzt gegen 800 Abonnenten haben. Der geist⸗ reiche, in sarkastischer Laune unerschöpfliche Redacteur dieses Blattes ist derselbe, welcher dem Journal de Liäge die sonnabendliche Korrespondenz zuschickt und der die interessanten Artikel des antwerpener Précurseur schreibt. Gewandt in dem lütticher Blatt, ernst und drängend im Précurseur, witzig in der Franchise, doch immer feinen freisinnigen Prinzipien treu, stellt er den tüchtigsten und ein⸗ flußreichsten Journalisten Belgiens dar. Der wöchentlich erscheinende demokratische Débat social, seit dem 1. Juli 1844 bestehend, giebt durch seine 400 Abonnenten die Norm für die Kraft dieser Partei. Dieselbe hat eine monatlich erscheinende Revue Democratique gegründet, deren erste Lieferung, obgleich gut gehalten, doch keine dauernde Zukunft verspricht. Es sollen Republikaner darin arbeiten, und die haben hier keine Sympathieen. Belgien ist ein widerjesuitisches, aber monarchisches Land. In Brügge kompensiren sich die 250 Abonnenten des ultramontanen Nouvellisten und die 240 des Impartial. Der orangistische und städtische Messager de Gand (seit dem sechsten Jahre der französischen Republik erscheinend) zählt 540 Abon⸗ nenten, das jesuitische Or gane des Flandres 250, das zweideu⸗ tige Journal des Flandres jedoch 230. Flämische Blätter ha⸗ ben dort an 600, ja an 850 Abonnenten. Flämisches Element herrscht also vor in der Geburtsstadt Karl's des Fünften. Das liberale, dem Herrn Desoëer gehörige, seit 1764 fest begründete Journal de Liége fußt auf 1300 bis 1400 Abonnenten. Der Redacteur ist der von deutschen Aeltern geborene, charakterfeste und geist⸗ reich begabte Gemeinde⸗Rath Müller. Die ausgezeichnete brüs⸗ seler Korrespondenz, welche dies Journal jeden Sonnabend bringt, rührt, wie gesagt, vom Redacteur der Franchise her. Die Tri⸗ bune, ebenfalls liberal, hat 230, der radikale Libéral liégeois eben so viel, die katholische Gazette de Liége 380 Abonnenten. Während endlich in Antwerpen die 890 Abonnenten des Preè⸗ curseur, gegenüber den 360 des ministeriellen Courrier d'An⸗ vers, bedeutend sind, muß man erkennen, daß in Namur ein ergie⸗ biger Boden für die dort so eben gegründete jesuitische Fakultät zu sein scheint, denn der Ami de l'Ordre hat 400, das Feuilleton Belge 1800 Abonnenten, der Eclaireur hingegen nur 270. Zum Schlusse einige kurze Bemerkungen über die veränderte Stellung ei⸗ niger hiesigen Blätter. Man hat die Independance beschuldigt, ministeriell geworden zu sein. Das ist ein Irrthum. Sie verthei⸗ digt in diesem Augenblicke Herrn Vandeweyer, weil dieser jetzt die liberale Seite vertritt. Der Minister also hat sich besonnen oder besser erklärt, nicht sie. Was man über die Sanftmuth des Observateur gesagt, ist auf folgende Weise in etwas zu berichtigen: In der er⸗ sten Kammer⸗Session erklärte Herr Vandeweyer, man solle sich für den Augenblick nur mit der Kartoffel⸗Frage beschäftigen und die Po⸗ litik bis auf die ordentliche Sitzung vertagen. Da nun der Minister mit keiner eminenten Persönlichkeit der Linken sich verständigt hatte, so griff ihn das Organ dieser Seite natürlich an, denn man sah ihn in verdächtiger Umgebung. Als er nachher in der Adreß⸗Diskussion ein liberales Glaubensbekenntniß ablegte, entschloß sich das Comité des Observateur, seine Schritte und Handlungen abzuwarten. Der Premier⸗Minister verhielt sich still, versprach seinen Freunden das Beste und scheint jetzt ernstlich für seine Partei wirken zu wollen. Daher die günstige eenpaha des Publikums und daher der ver⸗ änderte Ton selbst der zur Linken gehörigen Journale. Wir sind Alle in der höchsten Spannung. Die Linke glaubt nicht an ein homogenes, liberales Ministerium und wünscht darum eine rein katholische (de Theuxsche) Verwaltung, denn die Versöhnungs⸗ und Vereins⸗Komödien sind ausgespielt.“
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Kanton Bern. (N. Z. Z.) Die Sache der neun Regie⸗ rungs⸗Mitglieder kam am 4. März schneller zur Entscheidung, als erwartet wurde. Nur wenige Redner nahmen Theil an der Diskus⸗ sion, indem man sich von liberaler Seite auf den früheren Beschluß des Großen Rathes stützte und schon Gesagtes nicht noch einmal wiederholen wollte. Der Große Rath kam in seinem Entscheid auf sein früheres Votum zurück, indem er mit 96 gegen 80 Stimmen die Abberufung verwarf und den Minderheits⸗Antrag des Herrn von Tillier annahm, der folgendermaßen lautet: „Der Große Rath der Republik Bern spricht sein Bedauern darüber aus, daß durch die bekannte Erklärung von neun Mitgliedern des Regierungs⸗Rathes vom 27. Januar 1846 Anlaß zu Mißverständnissen und Mißtrauen gegeben worden, findet sich jedoch in Erwägung der Nothwendigkeit der Aufrechthaltung von Ruhe und Ordnung und einer geregelten Verwaltung im Kanton Bern und im Vertrauen auf die biedere und vaterländische Gesinnung der neun Regierungsräthe nicht zu weiteren Maßregeln veranlaßt. Der Große Rath empfiehlt dem Regierungs⸗ Rathe während der bevorstehenden Verwaltungszeit bis zur allfälligen Einführung einer neuen Verfassung eine kräftige Handhabung der Gesetze, ohne die in aufgeregten Zeiten nothwendige Vorsicht aus den Augen zu lassen.“
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UAhncona, 28. Febr. Da Alles darauf hindeutete, daß die italienischen Proskribirten den Augenblick des polnischen Aufstandes dazu benutzen würden, um im Kirchenstaate neue Unruhen hervorzu⸗ rufen, so haben die Behörden die nöthigen Vorsichts⸗Maßregeln ge⸗ troffen, und es sind bereits in Pesaro 27, in Fauo 4 verdächtige Personen verhastet woren.
Aus Rom erfährt man, daß der Großfürst Konstantin daselbst angekommen ist.
Konstantinopel, 18. Febr. (D. A. Z.) Der armenische Patriarch verfolgt die Bibel⸗Lesenden und die des Protestantismus Verdächtigen mit unerbittlicher Strenge und Grausamkeit. Wie be⸗ kannt, stehen die Patriarchen an der Spitze der Munizipal⸗Verwal⸗ tung ihrer Nation, und ein großer Theil der Ausübung der Polizei⸗ gewalt über sie liegt in ihren Händen. Hierdurch erhalten sie die Mittel, geistlichen Verfolgungen auch zeitliche beizufügen, was das armenische Patriarchat in dieser Angelegenheit benutzte. Ueber 50 armenische Familien wurden aus ihren Häusern, Buden und Gewer⸗ ben vertrieben. Frauen haben ihre bibellesenden Männer und Kinder
verlassen, und Väter ihre der Ketzerei beschuldigten Söhne verstoßen.
Viele dieser Unglücklichen befinden sich jetzt ohne Obdach, ohne Brod, ge⸗ hen einer unsicheren Zukunft entgegen. Die von dem Patriarchat oder den Gewerbevorstehern erforderlichen Erlaubnißscheine wurden ihnen unter verschiedenen Vorwänden entzogen oder nicht ertheilt, und ihnen unter der Hand zu verstehen gegeben, daß sie vollkommene Verzeihung erhalten könnten, wenn sie das Biebellesen und den Besuch der Anstalten der amerikanischen Missionare unterließen. Diese Leute erklären aber hart⸗ näckig, daß sie weder von ihrem Glauben abgefallen wären, noch ab⸗ fallen wollten, aber sich die Lesung des Wortes Gottes, sei es unter was immer für Strafen, nicht verbieten lassen würden, zumal das Bibellesen dem Volke von der armenischen Kirche in früheren Zeiten gestattet gewesen sei. Trotz dieser Verfolgungen werden die Vorle⸗ sungen der Amerikaner von den Armeniern fortwährend besucht. Den letzten wohnten über 100 Armenier bei. Einige englische Familien von Pera und Galata haben viele dieser obdachlosen Armenier gast⸗ frei in ihre Häuser aufgenommen und lassen ihnen großmüthig alle nur möglichen Unterstützungen zufließen. Ein Engländer hat schon seit einigen Tagen 20 Armenier in seinem Hause, die von seinem Tische essen.
Die verfolgten Armenier haben sich an die hier allgemein und unter den christlichen Rajas fast zum Sprüchwort gewordene Menschenfreund⸗ lichkeit Sir Stratford Canning's gewendet, um seine Intervention zu ihren Gunsten bei der Pforte zu erlangen. Allein es ist dies eine sehr delikate Sache. Obgleich Frankreich das Recht zusteht, bei religiösen Verfolgungen zu Gunsten der orientalischen Katholiken zu interveniren, Rußland zu Gunsten der griechischen Christen und Oesterreich mehr oder minder für die Katholiken Albaniens, so hat allein England durchaus kein ähnliches Recht, am allerwenigsten für die Armenier. Es ist also an ein amt⸗ liches Einschreiten des englischen Gesandten auf dem Wege des Rechts gar nicht zu denken; doch wäre eine mehr freundschaftliche Verwen⸗ dung bei der Pforte im Interesse der Humanität möglich. Es müß⸗ ten aber unwiderlegbare Beweise geliefert werden können, daß diese Verfolgungen wirklich nur des Glaubens halber stattfanden, was sehr schwer halten wird, indem der Patriarch plaustble Gründe genug an⸗ führen wird, warum diesem oder jenem Individuum die Erlaubniß zur Ausübung dieses oder jenes Gewerbes, zur Bewohnung eines ge⸗ wissen Hauses ꝛc. entzogen oder versagt worden sei.
vereinigte Staaten von Nord-Amerika.
London, 6. März. Die neuesten Nachrichten aus New⸗York sind mit dem Dampfschiff „Ducheß of Orleans“ in Havre angekom⸗ men und werden von den heutigen Morgenblättern veröffentlicht. Sie reichen bis zum 16. Februar. Die im Revpräsentantenhause ange⸗ nommenen Resolutionen lagen noch dem Senate vor, der am 12ten die Berathung über dieselben begann, indeß am Schlusse dieser Sitzung die weitere Diskussion auf den 16ten vertagte, so daß erst die näch⸗ sten Berichte aus den Vereinigten Staaten das End⸗Resultat bringen werden. Dasselbe würde, auch wenn der Senat die Reso⸗ lutionen unverändert annähme, keinesweges als ein die Frie⸗ dens⸗Hoffnungen störendes zu betrachten sein, wie einer der Haupt⸗Reduer, die sich am 12. Februar im Senate vernehmen ließen, Herr J. M. Clayton, nachwies. Derselbe äußerte zwar die Ansicht, daß man dem Präsidenten allein die Verantwortlichkeit für die Kün⸗ digung überlassen müsse, da er allein zu beurtheilen wisse, wann und wie es zweckmäßig sei, zu kündigen, zugleich aber behauptete er, daß die Kündigung unerläßlich sei, als der erste Schritt zu einem ehren⸗ vollen Frieden zwischen den beiden Ländern, als eine Maßregel, welche, indem sie der gemeinschaftlichen Occupation ein Ende mache, die einzige wirkliche Veranlassung zum Kriege, die Möglichkeit einer ernsten Kollision zwischen den Kolonisten der beiden Völker im Oregon, aus dem Wege räume. Er halte daher die Kündigung für eine durchaus friedliche Maßregel und unterstütze sie deshalb; denn er sei überhaupt begen jeden Krieg, ganz besonders aber gegen einen Krieg zwischen England und den Vereinigten Staaten in dem gegenwärtigen Augen⸗ blicke, wo jenes seine Kräfte bereits gesammelt habe, diese aber ganz unvorbereitet daständen. Esistzuhoffen, daß diese Ansichten des Herrn Clayton sich allgemeine Zustimmung in beiden Ländern erwerben. — Das Repräsentantenhaus, von der langwierigen Oregon⸗Debatte endlich befreit, hatte sich neuerdings mit der von dem Schatz⸗Secretair, Herrn Walker, vorgelegten Tarif⸗Bill beschäftigt. Der neue Tarif stellt, nach Angabe des New⸗York Herald, zwar die Zollansätze nicht so niedrig, wie man erwartet hatte, setzt aber doch den Zoll von Wollen⸗ und Baumwollenwaaren (der Zoll beträgt jetzt zum Theil 150 bis 200 pCt.) sehr wesentlich herunter und schafft die sogenann⸗ ten Valuationszölle (valution duties) gänzlich ab.
Aus Mexiko hatte man in New⸗York Nachrichten vom 18. Januar, denen zufolge Arista sich in San Luis Potosi gegen Pa⸗ redes und für Herrera erklärt hatte. Möglicherweise geht der An⸗ stoß von Santana aus, der sich in Havana zur Rückkehr nach Mexiko rüsten und von neuem nach der Diktatur streben soll. In Veracruz war man am 21. Januar der Ansicht, daß auch die Differenzen mit den Vereinigten Staaten nicht auf gütlichem Wege würden bei⸗ gelegt werden.
Eisenbahnen.
Aus dem Haag, 4. März. Die Eisenbahnen gewinnen auch hier zu Lande mehr und mehr an Ausdehnung. Am 14ten v. M. ist wieder ein für Holland und den ganzen Handel am Niederrhein wichtiges Unternehmen von der Staats⸗Regierung genehmigt worden, nämlich die von einer hiesigen Gesellschaft projektirte Eisenbahn von Arn⸗ heim über Nymegen und Grave nach Üden oder Vechel bei Herzogenbusch zum Anschlusse an die Zeeuwsch Limburgische Bahn. Durch den setzteren, kürzlich genehmigten Schienenweg und die im Norden bereits vollen⸗ deten oder im Bau begriffenen Bahnen waren zwei Netze vorbereitet, die im Interesse des Handels und der Industrie, so wie zur Erleich⸗ terung des Verkehrs, eine Verbindung erlangen mußten, und dazu ist das neue, die schönsten und bevölkertsten Gegenden Gelderlands und Nordbrabants berührende Unternehmen bestimmt, das vor Allem für das einst so blühende Nymegen, den künftigen Mittelpunkt der ver- schiedenen Bahnlinien, von den segenreichsten Folgen werden dürfte.