1846 / 73 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

zu gewährende Entschadigung im Betrage von 600 Rthlr. Die Deputation bemerkt hierüber in ihrem Berichte, daß dieselbe auf „eine bei der Juristen⸗ Fakultät vorzunehmende Veränderung“ gegrundet sei; da jedoch hierbei zu⸗ vörderst in Frage komme, ob diese wesentliche Verfassungs⸗Veränderung vorzunehmen sei, die Erledigung dieser Frage aber nach der Landtags⸗Ord⸗ nung durch die erste Deputation zu geschehen habe, so rathe sie der Kammer an, die Beschlußfassung über diese Veränderung auszusetzen und die Sache an die erste Deputation zur Begutachtung abzugeben. Die Kammer er⸗ Hlärte sich hiermit einverstanden.

Königreich Hannover. meinen Stände⸗Versammlung schritt in ihrer Sitzung vom 7. März zur ersten Berathung des Entwurfs einer neuen Gewerbe⸗ Ordnung, aus dessen Begründung die Hannoversche Zeitung namentlich Folgendes hervorhebt:

1) Bestehender Zustand. Die im Königreiche Hannover gegen⸗ wartig bestehende Gewerbe⸗Verfassung ist nach Provinzen verschieden. In den älteren Landestheilen, Kalenberg, Grubenhagen, Göttingen, Lüneburg, Hopa und Diepholz, beruht sie, uübereinstimmend mit dem Gewerberecht, welches in Deutschland überhaupt bis auf neuere Gesetzgebungen die Re⸗ gel gebildet hat, auf den Grundsätzen, daß Handel und Gewerbe den Städten und in den Städten den Zünften angehören. In der Provinz Hildesheim ist der gewerbliche Zustand dem der älteren Provinzen ähnlich. Nar daß die Bekanntmachung wegen Wiederherstellung der Zünfte vom 21. April 1817 manches Veraltete ausgeschieden und manches Ungewisse peiegelt hat. Aehnlich ist das Verhältniß in Ostfriesland. Die Gewerbe⸗ Verfassung ruht auch dort auf den oben erwähnten Grundsätzen; je⸗ doch ist durch die Bekanntmachung der vormaligen Provinzial⸗Regierung Ostfrieslands vom 11. August 1819, so wie durch mehrere spätere Erlasse, der Gegenstand vollständiger als in anderen Provinzen geordnet, und zwar im Ganzen nach freieren Grundsätzen, indem Bannmeile nur einzeln, Ge⸗ schlossenheit der Zünfte gar nicht vorkommt, auch die Zahl der sür das Land zulässigen Gewerbe größer ist. Abweichend sind die Verhältnisse in den Herzogthümern Bremen und Verden. Bei der Schwäche des städti⸗ schen Elements in diesen Provinzen, und bei der in einem beträchtlichen Theile der Provinzen, den Marschen, früh erfolgten selbstständigen Ausbil⸗ dung der ländlichen Gemeinde⸗Verfassung hat der Grundsatz, daß die Gewerbe den Städten angehören, wenn er sich gleich in der Poli⸗ zei⸗Ordnung vom 20. Juli 1692, Kap. 2, §. 1 bis §. 3 ausge⸗ sprochen findet, keine Geltung gewinnen können. Es bestehen da⸗ her zwar Zünfte in den Städten; auch bestehen Beschränkungen für die Umgegend einiger Städte; allein im Uebrigen gilt auf dem Lande als Regel Gewerbefreiheit. Aehnlich ist der Zustand im Fürstenthume Osnabruüͤck. Auch hier bildet Gewerbefreiheit die Regel für das flache Land; in den Städten bestehen Zünfte und zwar in freier Gestalt, indem Gilde⸗ schluß und Bannmeile nicht vorkommen. In den lleineren Landestheilen, welche mit dem Fürstenthume Osnabrück unter die nämliche rovinzial⸗ Verwaltung vereinigt sind, Meppen, Bentheim, Lingen nebst Emsbühren,

ilt in den Städten und auf dem Lande als Regel Gewerbefreiheit. Die Zünste, welche vormals auch dort in den Städten bestanden haben, sind

unter der Fremdherrschaft aufgehoben und später nicht wieder hergestellt worden. Völlig abweichend ist endlich die Gewerbe⸗Verfassung am Harze. Hier, wo der Erwerb wesentlich auf Bergbau und Hüttenwesen beruht, diese und andere damit zusammenhängende Betriebe aber meisten⸗ theils von den Landesherrn und von dessen Behörden abhängen, ist auch fast jeder andere Gewerbebetrieb durch Konzession der Behörde bedingt.

2) Nothwendigkeit eines Gewerbegesetzes. Die Frage, ob eine

Gesetzgebung über Gewerbe nöthig sei, kann nicht sehr zweifelhaft sein.

Vorerst sind nämlich die Bestimmungen, auf welchen das geltende Gewerbe⸗

recht beruht, so sehr zerstreut, ja verborgen in einer Menge alter und neuer

Verordnungen, Landtags⸗Abschiede und sonstiger Erlasse, daß es in der

That schwer ist, sich Kenntniß derselben zu verschaffen. Dies ist aber über⸗

haupt, so vorzugsweise bei diesem Gegenstande, ein Uebel. Ferner sind die

Quellen des Gewerberechts nicht blos zersteeut und schwer zugänglich, son⸗

dern zugleich sehr unvollständig. Ueber wichtige Fragen, namentlich über

solche Verhältnisse des Gewerbebetriebes, welche in der neueren Zeit ihre

Entstehung oder doch ihre Entwickelung erhalten haben, wie z. B. über den

fabrikmäßigen Betrieb, herrschen Zweifel oder bestehen nur Verwaltungs⸗ Grundsätze. Endlich ist, und darin wird der dringendste Grund fur eine

Gesetzgebung liegen, das geltende Gewerberecht in manchen Stücken unangemessen und in der That unhaltbar, unhaltbar auch na⸗

mentlich dadurch geworden, daß die Nachbarstaaten, daß die Zeit überhaupt

vorgeschritten ist. Aus diesen Gründen ist eine Gesetzgebung über den

Gewerbebetrieb unbezweifelt nothwendig, und es kann noch die Frage

entstehen, ob sie eine allgemeine oder eine pro vinzielle sein müsse.

Völlige Gleichförmigkeit in allen Beziehungen zwischen allen Landestheilen

wird übrigens auch bei einer allgemeinen Gesetzgebung nicht nothwendig

sein. Es werden vielmehr da, wo es nöthig ist, auch bestehende provinzielle

Verschiedenheiten in einem allgemeinen Gesetze Beachtung finden können.

3) Leitende Grundsätze. Der erste Grundsatz, welcher bei der Bear⸗

beitung des Gesetzes befolgt worden, ist der, daß das Gesetz auf dem jetzt

geltenden Rechte ruhen müsse. So kann denn die Frage, ob Gewerbe⸗

Freiheit die zweckmäßigste Form für die Gewerbe sei, eine Frage, die in

neuerer Zeit vielfach Gegenstand des Streites gewesen, indem der Satz von der einen Seite eben so lebhaft behauptet, als von der anderen Seite be⸗ kämpft worden ist, hier unerörtert bleiben, zumal Gründe und Gegengründe der Theorie hinreichend bekannt sind. Für den gegenwärtigen Zweck mag die Bemerkung genügen, daß die Frage über Gewerbe⸗Freiheit in ihrer Anwendung auf ein einzelnes Land stets nur im Zusammenhange mit den

übrigen Einrichtungen dieses Landes, namentlich in Bezug auf Heimats⸗

recht, Gemeinde⸗ und landwirthschaftliche Verfassung, Abgaben⸗Verhält⸗

nisse ꝛc. zu betrachten sein wird; und daß die Gewerbefreiheit, sollte sie im

Fünigreiche Hannover eingeführt werden, vielfache Aenderungen in den er⸗

wähnten Verhältnissen erheischen würde. Sie ist nur Ausfluß eines allge⸗ meinen Grundsatzes der volkswirthschaftlichen Freiheit und würde daher, für sich allein stehend, weder feste Haltung, noch volle Wirksamkeit gewinnen. Auch hiervon abgesehen, ist es gewiß richtiger Grundsatz, daß die Gesetzge⸗ bung, plötzliche Aenderungen meidend, allmälig, wie jede Entwickelung, vor⸗ schreiten soll. Es kann daher auch, wer im Grundsatze für Gewerbefreiheit ist, ohne Folgewidrigkeit der Ansicht sein, sie sei nicht einzuführen in einem Lande, wo, wie im Königreiche Hannover, so ungemein viele Beschränkungen im Gewerbewesen von Alters her bestehen. Wenn das Gegentheil, in Verbindung mit anderen tiefgreifenden Maßregeln in einem großen Nachbarstaate zur Zeit schwerer Drangsal geschehen ist, um die Volkskräfte rasch zu wecken und zu steigern, so kann solches für einen kleineren Staat und für ruhige Zeiten kein Vorbild abgeben. Ein zweiter Grundsatz, der bei der Bearbeitung des Gesetzes geleitet hat, ist der, das Veraltete, den Bedürfnissen der Ge⸗ genwart nicht mehr Entsprechende auszuscheiden. Hiernach haben manche Beschränkungen, welche nur in vergangenen, nicht aber in gegenwärtigen Verhälinissen Grund haben, entfernt werden müssen. Dieser an sich unbe⸗ stimmte Grundsatz kann nur bei der Beleuchtung der einzelnen Gegenstände des vorliegenden Gesetzes zur nähereren Entwickelung gebracht werden. Es mag hier nur bemerkt werden, daß er bei der Zurückführung des Zunftzwanges auf seine richtige Gränze, bei der Aufhebung der Bannmeile und bei der Erweiterung der Schranken des Gewerbe⸗Betriebes auf dem Lande seine Anwendung gefunden hat. Ein ferneres Ziel ist drittens gewesen, Gleichmäßigkeit in den Grund⸗ sätzen für das ganze Königreich. Es ist daher der be ehenden großen Ver⸗ schiedenheit des Gewerberechts in den verschiedenen Provinzen ein Einfluß auf die Gesetzgebung zwar nicht völlig versagt, aber doch nur in beschränk⸗ vem Maße eingeräumt worden. Eine vierte Aufgabe bei der Bearbeitung hat darin bestanden, das Gewerbewesen in allen seinen Theilen durch llare und feste Bestimmungen zu ordnen. Der Entwurf hat daher auch solche Gegenstände aufgenommen, welche nicht gerade nothwendige Bestandtheile bilden, wie das Hausirwesen und die Erfindungs⸗Patente. Der Gesetz⸗Entwurf selbst enthält: 1) Allgemeine Bestimmungen §§. 1—20. 2) Allgemeine Erfordernisse zum Gewerbebetrieb §§. 21—27. 3) Dingliche und übertragbare ausschließliche Gewerberechte §§. 28—38. 4) Konzessions⸗ pflichtige Gewerbe §§. 39 62. 5) Zünfte §8. 63 186. 6) Gewerbebetrieb in Städten §§. 187 200. 7) Gewerbebetrieb auf dem Lande §8§. 201 214. 8) Handel §§. 215 247. 9) Gewerbebetrieb im Umherziehen §§. 248— 269. 10) Erfindungs⸗Patente §§. 270 289. 11) Schlußbestimmungen §§. 290 bis 293

. Die erste Kammer der allge⸗

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Großherzogthum Baden. In dem mannheimer Hafen entwickelt sich gegenwärtig durch bedeutende Güterzufuhren eine große Thätigkeit. So kamen dort noch vor wenigen Tagen ein Schlepp⸗ Dampfboot vom Niederrhein und 3 Segel⸗Fahrzeuge an, die zusammen ungefähr 12,000 Ctr. Waaren geladen hatten. Andererseits kommen schon jetzt wieder Auswanderer nach Mannheim, um sich von dort nach niederländischen Seehäfen, zur Einschiffung nach fremden Welt⸗ theilen, zu begeben. Es laufen tägliche Berichte an die Agenturen der Dampfschifffahrts⸗Gesellschaften aus vielen Orten Badens, aus Württemberg und Rhein⸗Bayern ein, wonach die Auswanderungen in diesem Jahre in bedeutender Zahl stattfinden werden.

Oesterreichische Monarchie. Wien, 10. März. (Oest. Beob.) Wir haben in unseren Blättern vom 24. und 25. Februar der Ereignisse erwähnt, welche am 18ten und 19ten gedachten Monats in Tarnow stattgefunden hat⸗ ten. Ein Schreiben aus dieser Kreisstadt vom 22. Februar ent⸗ hält hierüber folgende nähere Angaben: „Nachdem sich die Gerüchte von einem nahe bevorstehenden Angriff der Aufrührer auf unsere Kreisstadt immer mehr verbreitet hatten, schlossen wir uns am 17ten d. M. mit unserer kleinen Garnison auf Kriegsfuß ein und bekamen am 18ten eine kleine Verstärkung durch das Einrücken zweier Kavallerie⸗ Escadrons, die unser Truppen⸗Divisionair, durch die äußerst drin⸗ genden Verhältnisse dazu veranlaßt, verfügte. Die Nacht vom 18ten auf den 19ten war nach bestimmten Nachrichten zum Ausbruch des Auf⸗ standes festgesetzt. Auf Tarnow war der erste und Hauptangriff bestimmt; diese Kreisstadt war als Ausbruchspunkt der allgemeinen Irsarlertion über das ganze Land erwählt. Die schrecklichste Vernichtung war uns zugedacht und jedem Deutschen oder nicht polnisch revolutionair Ge⸗ sinnten der Meuchelmörder bereits aufgestellt. Die gnädige Fügung des Himmels hat uns wenigstens noch 24 Stunden voraus die Ge⸗ fahr aufgedeckt, und wir gewannen noch so viel Zeit, unsere kleine Militairmacht, bestehend aus 2 Bataillonen des Infanterie⸗Regiments Heynau und 3 Eecadrons Kavallerie als Schutzwehr in Bereitschaft zu stellen und wenigstens von der Entscheidung dieser Waffen den Wurf des Schicksals zu erwarten. Alle Vorbereitungen von Seiten der Aufrührer waren, wie jetzt der Erfolg nachwies, auf das voll⸗ kommenste getroffen und ihre Eintheilungen und Sammlungse⸗, so wie Ueberfallsplätze gut gewählt; mit den furchtbarsten und schändlichsten Waffen war Alles versehen; nur eine der wichtigsten Vorbereitungen zu dem großen Kampfe war bis auf den letzten Augenblick verscho⸗ ben und auf den Erfolg und Eindruck des Moments berechnet. In der Nacht vom 18ten auf den 19gten sollten nämlich die einzelnen Un⸗ terthans⸗Gemeinden zur Mitfolge aufgerufen oder durch panischen Schrecken und Gewalt dazu gezwungen werden.“ „Am 18ten, den ganzen Tag hindurch, kamen aus vielen, theils nahen, theils entfernten Gemeinden, wo man sich schon zum Zuge gegen unsere Kreisstadt vorzubereiten begonnen hatte, Deputationen ins Kreisamt, die zitternd und in der furchtbarsten Angst die Schreckens⸗ Ereignisse anzeigten, die uns bevorstanden, ihre Anhänglichkeit an die Regierung und den Widerwillen gegen die Sache der Aufwiegler er⸗ klärten und anfragten, wie sie sich zu verhalten hätten. An alle erging dieselbe und gleichlautende Antwort: „„Laßt euch in keine derartigen Aufwiegelungen ein; es ist Verrath des Staates, des Kaisers, dessen Unterthanen ihr seid. Zeigt genau an, was bei euch vorgeht, es ist eure heiligste Pflicht. Bei Erfüllung derselben braucht ihr keine Furcht zu haben; will man euch zum Verrathe mit Gewalt der Waffen zwingen, so werdet ihr hier noch den Ort fin⸗ den, um euch uns anzuschließen und die gerechte Sache zu verfechten. Bringt die Waffen, mit denen man euch gegen uns versehen will, ans Kreisamt, und wenn euch Jemand zum bösen Bund beredet, und könnt ihr euch seiner bemächtigen, so bringt ihn, ohne Anwendung aller nicht durch die äußerste Nothwendigkeit gebotene Gewalt, in die Hände der Gerechtigkeit.“ Einige der De⸗ putationen hatten schon bei ihrem ersten Kommen auch wirklich einige Emissaire, Dominikal⸗Beamte u. dgl., durch welche sie zur Insurrec⸗ tion aufgerufen wurden, gebunden mitgebracht. Während nun noch viele neue Deputationen in der Nacht erschienen und die meisten der Dagewesenen noch nicht nach Hause gekehrt oder aus Furcht, daß ihnen der Weg zurück nicht mehr möglich sein werde, hier geblieben waren, brach auf sehr vielen Orten, namentlich in Lissa⸗Gura, das Blutbad aus. Als sich die Gemeinden auf den Befehl ihrer Führer versammelt hatten und sie mit Heugabeln, Dreschflegeln, dann mit den für sie heimlich durch die Insurgenten bereiteten Piken, Schlachtmessern und anderen Mord⸗Instrumenten aller Art bewaffnet waren, kehrten sie, als der Augenblick des Aufbruches gegen Tarnow gekommen war, ihre Waffen gegen jene, die sie ihnen gereicht hatten, und theils selbst angreifend, theils wegen ihrer Weigerung, zu folgen, angegriffen, kam es fast auf allen Sammlungepunkten zu mehr oder minder blutigen Kämpfen. Während wir die Nacht vom 18ten auf den 19ten hindurch in banger Erwartung und unter vielem blinden Allarm zugebracht hatten, zeigte sich am Morgen des 19ten die son⸗ derbare und eben so plötzliche als unerwartete Lösung der Dinge, als Bauern aus allen Gegenden mit den Opfern ihrer gegen ihre Auf⸗ wiegler gerichteten und mit jeder Stunde mehr gestiegenen Erbitterung in die Stadt gezogen kamen und theils gebundene, theils getödtete Edel⸗ leute, Mandatare, Oekonomen, Schreiber, Geistliche ꝛc. mit sich brachten und diese sammt den ihnen abgenommenen vielen Waffen überlieferten. Es war ein furchtbarer, schrecklicher Zug, aber man konnte es den Landleuten, bei denen die edle Grundidee hervorleuchtete, so schreck⸗ liches Verderben vom Lande abzuhalten, nur zum Guten rechnen, um so mehr, als sie, indem sie die schon bewaffneten und auf dem Ver⸗ nichtungszuge begriffenen Rebellen unschädlich zu machen suchten, an⸗ fangs nur Gegenwehr angewendet hatten. Die schon früher bezeich⸗ neten Häuptlinge der Umtriebe in unserem Kreise, meistens der hö⸗ heren Adelsklasse angehörend, mit einem großen Theil der kleineren Führer und Anhänger, lagen gebunden und zum Theil durch ihre eigenen Unterthanen getödtet auf den Wagen, es war schrecklich an⸗ zusehen; aber noch schrecklicher die sich laut herausstellende Lehre, wie gräßlich solche Schlechtigkeit sich an sich selbst rächt, wie ruchlos es ist, ein Volk von dem Wege alles Rechtes abbringen und selbes zum Aufruhr gegen seine rechtmäßige Regierung aufreizen zu wol⸗ len! Daß viele Opfer gefallen sind, die das Gesetz nicht hätte überweisen können, manche vielleicht, die gar nicht schuldig wa⸗ ren, ist wahrscheinlich. Es brachte es jedoch der furchtbare Gang mit sich, den die wahnsinnigen Verbreiter des Unheils selbst hervor⸗ gerufen hatten. Es ist schauderhaft, daran zu denken, welche Gräuel⸗ Scenen da vorgefallen sein mußten; denn man zählt bis heute 98 Todte, die theils schon entseelt hierher gebracht, theils hier in Folge der erhaltenen Wunden gestorben sind; unsere Spitäler sind voll, und die Arreste, in die wir beinahe Alles nehmen mußten, was die Bauern nur mit ganzen Gliedern gebracht hatten, um die Leute nicht der Wuth des Volkes selbst auszusetzen, andererseits aber den Zündstoff in der Stadt nicht zu vermehren, sind überfüllt. Erst gestern konn⸗ ten hin und wieder Entsendungen gemacht werden, um wenigstens in den näherliegenden Ortschaften die Ordnung wiederherzustellen.”“ „Vorgestern Nachts hätte wie uns aus Bochnia angezeigt war die Insurrection im östlichen Theile des bochniger Kreises ausbrechen und sich gegen Tarnow wenden sollen. Es scheint auch

in der That eine Bewegung daselbst stattgefunden zu haben, denn

bochniaer Bauern mit Gefangenen umn

gestern kamen auch schon erschlagenen Aufrührern hierhe.,

Verwundeten und auch einigen gefahren.“

Kaschau, 28. Febr. (A. Z.) Ein aus Tarnow vom bruar hier eingetroffenes Schreiben *) eines in Galizien ansässigen begüterten Deutschen giebt Aufschlüsse über die traurige Katastrophe welche die Vernichtung des tarnower Adels und zugleich das Em wenigstens des von Adeligen ausgegangenen Aufstandes zur Folz hatte. Noch am 16ten war Tarnow von Adeligen überfüllt, die a den Abendtafeln mit den Militair⸗ und Civil⸗Behörden dem Anschen nach im besten Einverständnisse sich unterhielten. Diesen war indessen bei dem leichtsinnigen Uebermuthe, womit die Verschwörung öffentlt betrieben wurde, wohl bekannt, daß vom posener polnischen Kasin Tarnow zum Centralpunkt des galizischen Aufstandes bestimmt und dem dortigen Adel die Aufgabe geworden war, es um jeden Puf zu nehmen. Daß das Militair seit 8 Tagen nicht aus den Kleiden gekommen, bewies hinlänglich, wie sehr man auf der Hut gegen ie stündlich erwarteten Ausbruch war. Die Gewißheit, verrathen; sein, bewog die Verschworenen zur Beschleunigung des Ausbrutz Am 17ten Nachmittags war Tarnow plötzlich vom Adel verlch der sich eine Meile davon zu Lisza Gora versammelte, um Waj Munition, Lanzen und Sensenstangen unter die geworbene Tru zu vertheilen.

Dahin wurden die Bauern der ganzen Umgegend durch in Grundherren für den Anbruch der Nacht entboten, um zu Mitte nacht Tarnow zu erstürmen. Die Bauern erschienen, verweigen aber ihre Theilnahme. Befehle, Bitten, Flehen, Versprechen frei Plünderung der ganzen Stadt, besonders ihrer reichen Juden, war fruchtlos. Da geriethen einige der Verschwornen in Wuth, mn Graf Wysolowski faßte den tollen Entschluß, zur Einschüchterung d Bauern mit Pistolen unter sie zu schießen, wodurch einer aus ihn todt hingestreckt wurde. Alsbald entbrannte der Rachedu der Bauern, und mit Wuth fielen sie über die Adeligen h die im Augenblick nach allen Seiten zersprengt waren; um. eine kleine Anzahl, ungefähr 300, blieben gefangen zurück, um in eim Keller geworfen zu werden, bis das zur Hülfe von Tarnow erbetene Mi tair ankommen würde. Eilig sprengte Graf Thurn an der Syf seiner Schwadron herbei und ward mit dem Rufe: „Es lebe d Kaiser!“ empfangen. Auf sein Verlangen fand zwar die Ausliefern der Gefangenen statt, aber die Wuth der Massen war durch den blick des vergossenen Blutes nur noch mehr entbrannt, und im“ waren sechs der unglücklichen Gefangenen während der Abliefen mit Dreschflegeln todkgeschlagen, die Uebrigen wurden auf dem ga zen Wege grausam gemißhandelt und verstümmelt, so daß Mant schwer aufkommen werden. Zugleich erschien eine feierliche Deput tion der immer mehr anwachsenden Bauern⸗Armee beim tarnonn Kreisamt mit der Bitte, bewaffnet bleiben zu dürfen, um die Wa⸗ schworenen zu bekämpfen und lebend oder todt einzuliefern.

Während man einerseits dies Erbieten in dem Drange des N— genblicks als eine unerwartete Hülse annehmen mußte, war man an dererseits gar nicht in der Lage, es abweisen oder die blutschnaubem Rotte plötzlich wieder in ihre Schranken zurückführen zu können, u

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so begannen denn die Gräuel von Mord und Plünderung, wodun 8

schon in zwei Tagen über 400 Adelige meistens grausam zugerich! und über 100 ihrer Leichen nach Tarnow eingesührt waren, meiste mit den eigenen Pferden der Erschlagenen. Die Bauern⸗Bewegum, die sich in einzelne Banden aufzulösen begann, die unter sich mn die Beute streiten, ist so verbreitet, daß Niemand in einem Fuhrwel die Stadt verlassen kann, ohne beraubt und todtgeschlagen zu wer⸗ den; nur die Post⸗ und Eilwagen und die Militairs passiren unge⸗ hindert.

Folgendes sind Graf Karl Kottarski, das Haupt des Aufstandes, wurde als nack Leiche in die Stadt geschleppt, sein zwölfjähriger Sohn bei Plünde rung des Landsitzes getödtet. Graf Starzynski erschoß sich selbst, in den Mißhandlungen zu entgehen. Graf Konopka, Graf Stadniusf todt, zwei Grafen Nyszolowski tödtlich verwundet, von den beu 15⸗ bis 16jährigen Grafen Romer Einer todt, der Andere verra⸗ det. Stanislas Stojowski von Dombrowa todt, man sig⸗ auch seine zwei Brüder. Zwei Rogalinski, For, Gurski todt, B⸗ pinski verwundet, Graf Domski von Wojnitz gefangen.

Das Militair, obgleich meistens aus Polen bestehend, hat st

25. 8 b

Aunt

nur einige wenige Namen der Verunglückten;

des heiligen Alexander⸗Newski. Wir verbleiben Ihnen mit Un⸗ r Kaiserlichen Gnade wohlgewogen. (gez.) Nikolaus.“ Nach dem Rechenschafts⸗Berichte der hiesigen Actien⸗Gesellschaft

Lebens⸗Versicherung für das Jahr 1845 belief sich die Einnahme ben, an Versicherungs⸗Prämien, Zinsen von Kapitalien u. s. w., 3

37,523 Rubel 90 Kopeken Silber und die Ausgabe, an Verwal⸗

el 2

Feüschan Kommissions⸗Gebühren, Auszahlung von Kapitalien

Legodesfällen von Versicherten u. s. w., auf 92,711 R. 97 K. S., „reine Gewinn demnach auf 14 1,811 R. 93 K. S. Von dieser sind 80,000 R. bestimmt, als Dividende zu 4 Rubeln auf

mme 8 Fxie vertheilt zu werden; der Rest ist zum Reserve⸗Fonds ge⸗

agen. 1 saga, 15. Februar starb zu Reval nach langer Krankheit, im vollendeten 58sten Lebensjahre, der berühmte Welt⸗Umsegler Otto nan Kotzebue, Flotten⸗Capitain vom ersten Range. Er hatte dreimal Merde umschifft und auf seinen Reisen wichtige Entdeckungen ge⸗ zücht. Seit 1829 trat er aus dem Dienst und lebte im Kreise söber Familie auf seinem Erbgute Kau in Ehstland. Die Beschwer⸗

der Polar⸗Reisen sollen seinen Krankheits⸗Zustand und seinen Tod

eigeführt haben. b

Zu St. Petersburg starb am 26. Februar die verwittwete Wirk⸗ lche Geheime Räthin, Fürstin Anna Belosselski⸗Belosereki, geborene .. Die Verstorbene war in der Literatur unter Anderem auch

durch eine Uebersetzung der Georgica des Virgil bekannt.

Warschau, 9. März. Ein ausführlicher Bericht im Kuryer Warszawski über das Schicksal der Aufrührer, die den Zug ge⸗ an Siedlce unternahmen, lautet folgendermaßen: „Aus der in den issentlichen Blättern von Warschau erschienenen Kundmachung ist schon bekannt, welche Hingebung für die Regierung die Bauern be⸗ wiesen, indem sie die Haupt⸗Rädelsführer des in der Stadt Siedlee

gebrochenen Aufruhrs, Pantaleon Potozki, Gutsbesitzer von Cisie

Pierog, so wie die Gerichts⸗Applikanten Kocischewski und Zareki,

iffen und in die Hände der Gerechtigkeit lieferten. Eine nähere chreibung dieses Ereignisses wird am besten überzeugen, wie sehr se Bauern, mit eigener Lebensgefahr, die Pflicht jedes treuen Un⸗ hans gegen die Cöö und mit wie rühmlicher Muster⸗ igkeit sie sich bei dieser Sache benahmen. Nachdem die oben er⸗ nten Verbrecher sich vergeblich bemüht hatten, einen Aufstand zu gen, und nachdem sie einen ganzen Tag, den 22. Februar, verschiedentlich feldein und in Dörfern umhergeirrt waren, gelangten sie bekanntlich der Nacht nach dem Dorfe Pierog. Sobald Kocischewski und ski sich in einer Bauernhütte schlafen gelegt hatten, ging der ih derselben, Stanislaus Piesek, still hinaus und versammelte ge⸗ schlos einige Bauern dieses Dorfes, die er davon benachrichtigte, sich in seiner Wohnung verdächtige Leute befänden, und aufmun⸗ e, sie festzunehmen. Da Piesek aber sah, daß diese Bauern sich teten, bewaffneter Leute sich zu bemächtigen, schwang er sich aufs id und ritt im Galop nach dem 4 Werst von da entfernten Dorfe un. Hier fand er indeß nur betrunkene Bauern, da Fastnachten So kehrte er denn wieder nach dem Dorfe Pierog zurück rte ceine Anzahl vorher von ihm versammelter Leute mit zu seiner te, in welcher Kocischewski und Zareski schliefen, hieß sie genau gssen und auf sein Losungswort warten und stürzte sich dann rt mit den Bauern Anton Kotoschka und Johann Piekart die Aufrührer. Die Bauern ergriffen sie bei deu uden und riefen: Herbei! Auf dies Losungswort dran⸗ die Bauern Albert Grzegortschuk, Kasimir Kleschtsch, Franz okurat, Karl Prokurat, Severin Jendrzejewski und Ludwig Nawrozki die Stube herein, entwaffneten Kocischewski und Zarski, banden und zerprügelten sie tüchtig, namentlich Kocischewski, der ihnen iderstand leistete. Unterdessen schlief Potozki in der sogenannten hdecker⸗Mühle. Der Besitzer derselben, Johann Jaworski, nahm Kseine Doppelflinte weg und eilte dem Gemeinde⸗Woyt An⸗ e zu machen. Als Jaworski durch das Dorf Dombrowke kam, achrichtigte er davon den Ortsschulzen Ludwig Zalewski, der, dem er Leute zusammengerufen und ihnen befohlen hatte, sich auf es Zeichen bereit zu halten, selbst sogleich zu Schlitten nach Siedlee „t, um dem Kreis⸗Chef die Sache zu melden. Von dem üller Jaworski erfuhr der oben erwähnte Bauer aus dem ise Pierog, Stanislaus Piesek, daß Potozki in Jaworski's tte übernachte, und sobald Kocischewski und Zarski ge⸗ den waren, munterte er die Bauern auf, sich Potozkos zu be⸗

vortrefflich benommen und seiner Pflicht genau entsprochen. P mächtigen, und fragte, wer sich dazu erböte. Als dies die Gebunde⸗ jetzigen Stande muß es sich noch darauf beschränken, in kleinen Pabnen hörten, machten sie den Bauern Furcht, indem sie ihnen sagten,

der Stadt zu ziehen, um den bedrängten Edelleuten, d. es noch möglich ist, Hülfe zu bringen; so war vor Abgang des Schre⸗ bens die Gräfin Kottarska gerettet worden, als sie eben in größtt Gefahr war, von den Bauern todtgeschlagen zu werden.

tieen aus

Potozti habe eine Menge Gewehre bei sich, ja sogar zwei solche, die er mit gebundenen Händen abfeuern könne. Piesek aber achtete nicht darauf, und es gelang ihm, nicht nur die Bauern Franz Prokurat,

Denselbe Kleschtsch und Nawrozki aus dem Dorfe Pierog, sondern auch den

Abend erwartete man mit Sehnsucht den Einmarsch des Regimens Schulzen Joseph Grochozki und die Bauern Ignatz Kisek und Albert

Leiningen, um diesen Gräueln ein schleuniges Ende zu machen ungarische Gränze war ruhig.

Von der galizischen Gränze, 3. März.

Masse gefunden zu

Sympathie unter der durchaus

so weit sie polnisch national zu nennen,

Oi Langes aus dem Dorfe Kotun auf seine Seite zu ziehen.

Sie Alle, en an der Zahl, begaben sich nach der Mühle und berathschlagten erweges, wie sie sich Potozki's am besten bemächtigen könnten. Johann

(D. All Petart, der an ih ze f ij - art, hrer Spitze stand, entwarf und voll te fol Plan: Ztg.) In Galizien scheint der versuchte polnische Aufstand nirgc Er ließ 1 LEC1

Alle bei der Mühle zurück, begab sich allein an die Stuben⸗

haben, und die Aufregs hr, und als ob er nicht wisse, daß Potozki darin sei, pochte er an in der Minorität hstselbe, rief den Sohn des Müllers, Ludwig, bei E“ bat,

. , . Ar 8 jonai ebo sn 6 I 84 blieben zu sein. Von keiner Seite hört man, daß revolutionaire Bestrete ihth aufzumachen, mit dem Hinzufügen, er sei vor den Kosaken ge⸗

gen sich noch behaupteten, und die fortwährend eintreffenden militairist Kräfte lassen hoffen, daß auch das aus den Zügeln gerathene Lam volk seinen friedlichen Geschäften bald wieder ausschießlich sich zun den wird. Bestürzung und Besorgniß herrschen freilich noch allgeme in Brody hat sogar die jüdische Bevölkerung die Waffen ergrff und sich als eine Bürgerwacht organisirt. Folgende Kundmachung von der Gubernialstelle erlassen worden: b „Die Regierung ist in Kenntniß, daß die dermaligen Unruhen im ¹ großentheils von zwei Emissaren, die sich aus dem Auslande eingeschl haben, Namens Eduard Dembowsti,

Andere zur Theilnahme an ihren ruchlosen Plänen zu verführen. gierung findet sich veranlaßt, einen M. dieser beiden Emissare zu setzen, welche Geldbelohnung demjenigen ve solgt werden wird, welcher einen derselben der Behörde einliefert oder’ solche Anzeige über den Aufenthalt desselben macht, die zur Anhalt; führt. Lemberg, 26. Februar 1846. Ferdinand, Erzherzog von O. reich⸗Este, Civil⸗ und Militair⸗General⸗Gouverneur.“

Rußland und Polen.

St. Petersburg, 5. März. Se. Majestät der Kaise unterm 6. Janunar folgendes Reskript an den Senator der 1 Versammlung des warschauer Departements des dirigirenden Senn General der Kavallerie, Grafen Oscharowoki, gerichtet: „In Be sichtigung Ihres ausgezeichnet eifrigen, von Unserem Statthalter Königreichs Polen, dem General⸗Feldmarschall Fürsten von War Grafen Paskewitsch von Eriwan, bezeugten Dienstes, verleihen⸗ Ihnen Allergnädigst die beifolgenden diamantenen Insignien des *) Obgleich dies Schreiben aus der ersten Zeit der Bewegung 1— so glaubten wir es doch mittheilen zu müssen, da es interessante T. über den Bauern⸗Aufstand enthält. 8

sei. Ende

viehoer 8 . seber zu gehen und hieß Feuer anmachen; Piekart aber bat ihn,

auch Rokowski genannt, und Ther ar möchte

Wiszuioweti, welcher unter dem Namen Zagonski herumgereist ist, ang oh auch nicht K telt wurden, und daß diese beiden Unruhestifter sich thätig bestrebt hoi rief leise . Kasaken im

Dur halten und 8 5 h uf jthn 8 auf Preis von 1000 Fl. C. M. auf Pjekart

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en, habe sich den ganzen Tag im Walde verborgen und möchte gern etwas erwärmen. Als Potozki die Stimme des ihm be⸗ hen Bauern hörte, ließ er die Thür öffnen. Piekart trat nun Finstern in die Stube und begann ein Gespräch mit Potozki. erzählte ihm, wie er den Kosaken entkommen, wie diese viel 2 festgenommen, und wie es schlecht stehe und Alles verloren Potozki versicherte ihn seinerseits, es werde Alles ein gutes nehmen, erhob sich aus dem Bett, fing an im Zimmer auf und das Heizen noch lassen, erst wolle er zusehen, die wartenden Bauern nach der Thür, hieß sie sich bereit * G j 18 z ück und sagte zu Potozki, es sei im Dorfe PgHüd. 6 während des Gespräches der Sohn des Nas⸗ 1 ben Rasash ete, benutzte Piekart einen Augenblick, wo Potozki E’ ergriff ihn bei den Händen, warf ihn aufs ief: Herbei! Sogleich stürzten die Bauern herein, ban⸗ Ken ein ihn zu seinen Gefährten Kocischewski und —— 2ng⸗ en gerade auch Kosaken aus Siedlee an und nah⸗ Seees See. . in Empfang. Außerdem verdient noch das Ront dinag s Lekonomen im Dorfe Kotun, Ludwig Friedrichewitsch, Horn p en. Als dieser von dem Bäauer Stanislaus Piesek aus fates 68 erog erfuhr, daß Kocischewski und Zarski dort über⸗ 3 beirLing. h- 9 den Hütten von Kotun umher; da er aber die st nach St 188 „schickte er Piesek nach Pierog zurück und ritt Utelstunden zurückiegenen er Cfst⸗ n6 r. im Galop in 3 zurückl . er nicht hier allein zeigte si t eamusterhafte Hingebung der Bauern für die bb daß die Aufrührer, die auf Ruhestörungen im auf jene keinesweges rechnen dürfen. Gleich⸗ sen in Siedler drangen, ebenfalls in verbreche⸗

sollte sein, die Ruhe des Landes zu bewahren

Dorfe wären. Er ging nun auf den Flur,

rischen Absichten, drei bewaffnete Emissaire, Cyriak Akord, Dementius Chodakowski und August Karasinski, aus Preußen in das Gouverne⸗ ment Augustowo ein. Nachdem Akord von den Polizei⸗Behörden bei seinem Vater im Dorfe Mankuny im Seyner Bezirk festgenommen war, wollten Chodakowski und Karasinski sich durch die Flucht retten und nach Preußen zurückkehren; als sie aber im Dorfe Dembowki ankamen, wurden sie von den dortigen Bauern gefangen genommen. Der Eine von ihnen, Karasinski, ward in einem Walde von dem Schulzen Bir⸗ stein und dem Arbeitsmann Kasimir Rymkiewitsch eingeholt. Kara⸗ sinski schoß zu seiner Vertheidigung sein Pistol auf Birstein ab und verwundete den Rymkiewitsch mit einem Messer an der Hand; Beide aber, der ihnen von dem bewaffneten Verbrecher drohenden Gefahr nicht achtend und Rymkiewitsch seiner Wunde nicht denkend, verfolg⸗ ten ihn in das Dickicht des Waldes und bemächtigten sich seiner. Alle diese Bauern werden für ihr musterhaftes, mit Lebensgefahr

ausgeführtes Benehmen von Seiten der Regierung nicht unbelohnt

bleiben.“

Der Ober⸗Polizeimeister von Warschau benachrichtigt die hiesi⸗ gen Einwohner, welche in Gemäßheit der am Zten d. in den öffent⸗ lichen Blättern erschienenen Bekanntmachung des Militair⸗Gouver⸗ neurs von Warschau ihre Waffen im Polizei⸗Büreau abgegeben ha⸗ ben, daß sie jetzt die etwa in ihren Händen befindlichen Erlaubniß⸗

scheine zum Besitz von Waffen zurückzustellen hätten, da dergleichen

Scheine fortan keine Geltung mehr haben sollen. Diese Verfügung erstreckt sich auch auf diejenigen, die von jener Erlaubniß keinen Ge⸗ brauch gemacht und keine Waffen bei sich haben.

Die Weichsel ist wieder gefallen, und man ist mit Herstellung der Schiffbrücke nach Praga beschäftigt. Die Höhe des Wassers war heute früh 15 Fuß 4 Zoll. .“ .“

Frankreich.

Paris, 8. März. Vorgestern Abend fand unter dem Vorsitz des Königs ein Minister⸗Rath statt, der bis nach Mitternacht dauerte. Seit einigen Tagen bemerkt man in Paris besondere militairische Vorsichts⸗Maßregeln; die Posten sind verdoppelt und die Zahl der Patrouillen überall vermehrt. An der Börse waren gestern allerlei sehr übertriebene Gerüchte über die polnischen Unruhen verbreitet;

man behauptete auch, es hätten Aufstandsversuche in der Lombardei

und in Ungarn stattgefunden. Das Journal des Débats sindet sich daher veranlaßt, sein heutiges Blatt mit folgender Erklärung zu eröffnen: „Zuvörderst müssen wir sagen, daß bis jetzt nach den deut⸗ schen Blättern, den Privatbriefen und allen Nachrichten, die wir haben einziehen können, diese Gerüchte ohne allen Grund sind. Die Haupt⸗ stadt von Galizien, Lemberg, ist nicht in der Gewalt der Insurrection, wie man verbreitet hatte.“

Es scheint jetzt gewiß, daß Herr Rosst zum französischen Bot⸗ schafter am römischen Hofe ernannt werden wird.

Die für die Expedition nach Madageskar bestimmt gewesenen Truppen erhalten jetzt eine andere Bestimmung.

General Gentil hat einen prächtigen Natagan hierher gesandt, welchen Ben⸗Salem auf der Flucht verlor. Der Degen ist von glän⸗ zendem Stahl und reichem goldenen Griff. Die Namen Abd el Ka⸗ der's und Ben⸗Salem's in arabischen Buchstaben sind darauf in ver⸗ schlungenen Zügen eingegraben. ö

Großbritanien und Irland.

London, 7. März. Die letzten Nachrichten aus Indien ha⸗ ben hier keinen günstigen Eindruck gemacht, und man wiederholt von vielen Seiten die Anklagen gegen die Politik des General⸗Gouver⸗ neurs und die militairischen Anordnungen des Ober⸗Befehlshabers der dortigen Armee. „Die Schlachten von Mudkih und Firuzeschah“, schreibt die Morning Chronicle, „so glorreich für die Truppen, welche sie gewonnen haben, sind doch noch keinesweges entscheidend. Es war sicherlich ein großes Werk, einen Feind mit einem Fünftheil seiner Stärke zu schlagen, aber es ist kein Ruhm für uns, daß wir in Indien zum Kampfe aufgesucht werden. Unser Zweck ist oder und unseren Einfluß in voller Kraft, mit so wenig Opfern als möglich, zu erhalten. Vor allen Dingen aber sollte es unser Streben sein, in ganz Indien, ja in ganz Asien, die Ueberzeugung hervorzurufen, daß unsere Macht stark genug sei, jeden Widerstand niederzuwerfen, und unsere Klug⸗ heit 89 groß, daß wir uns niemals in einen ungleichen Kampf ein⸗ lassen. Gegen diese beiden Grundgesetze der Politik haben wir indeß in dem gegenwärtigen Kampfe gefehlt, denn zwei Schlachten sind geschlagen wor⸗ den, in denen wir mit genauer Noth einer Niederlage entgingen und nach deren Beendigung wir zu schwach waren, mit Nachdruck den Sieg zu ver⸗ folgen. Im Gegentheil, die Seikhs gingen zuerst, als wenn wir gar nicht da wären, auf Firozpur los und lagerten sich dann, eine andere Richtung einschlagend, gemächlich am linken Ufer des Sutledsch. Sie sahen, daß unsere Kraft gelähmt war, und erkannten, daß, obschon der erste Kampf für sie ungünstig ausgefallen, sie nichtsdestoweniger für uns eine gefährliche Macht wären. Daß übrigens ihr ganzes Heer über den Sutledsch zurückgegangen ist, muß man jetzt bezwei⸗ feln, und ohne auf das Gerücht von der Niederlage Sir Harry Smith's etwas zu geben, kann derselbe doch einige Verluste erlitten haben. Unsere Truppen erhalten inzwischen Verstärkungen von allen Seiten, die freilich schon im Oktober oder November nöthig gewesen wären, und binnen kurzem dürfte unser Heer auf 50,000 Mann an⸗ gewachsen sein. Aber ist diese Streitmacht genügend? Das Heer der Seikhs wird nach der Vereinigung mit den Truppen unter Gulab Singh 100,000 Mann zählen, wohl bewaffnet und dis⸗ ziplinirt, wie es bei Asiaten nur möglich ist. Dies Heer hat gegenwärtig auf unserem Gebiete ein verschanztes Lager und unterhält wohlgesicherte Verbindungen. In den unter unserem Schutze stehenden Seikhs⸗Staaten haben sie Dörfer ver⸗ brannt, geplündert und die Einwohner getödtet; selbst auf unserem Militanposten Ludianah soll es vorgekommen sein, daß Kaufleute, die sich und ihre Waaren nicht sicher glaubten, über den Sutledsch ge⸗ flohen sind und in der Seikhstadt Rhiloor Schutz gesucht haben. Alle

diese Dinge, wie auch das Ende des Krieges ausfallen mag, si G in Darauf kehrte 1

nicht geeignet, einen günstigen Eindruck auf die Eingeborenen zu machen. Sie werden erkennen, daß auch wir zuweilen fehlen, daß

auch wir einen Mangel an Vorsicht zeigen, daß auch wir einem fal⸗

schen Vertrauen uns hingeben und auf unserem Gebiete wenigstens eine Zeit lang beunruhigt werden können. Aber was, wird man fra⸗ gen, muß das Resultat des Feldzugs sein? Ohne Zweifel doch die Einverleibung des Pendschab. Nichts Anderes darf folgen, wenn wir unsere Besitzungen in Indien behalten wollen. Der Rückzug aus

Afghanistan brachte uns genug Gefahren, aber eine Niederlage im

Kampfe mit den Seikhs würde noch viel schlimmere Folgen haben. Wir müssen demnach erobern oder uns auf eine Alternative vorbereiten, die wir nicht mit Gleichmuth betrachten können.“ Die wirft nicht ein trübes Licht auf die Vorgänge in Indien, obschon auch sie bedauert, daß die nöthigen Vorbereitungen zur Benutzung des Sieges über die Seikhs nicht getroffen waren. Indeß hofft sie

darum nichtsdestoweniger auf einen glänzenden Ausgang des Kampfes.

„Der Feldzug im Pendschab“, schreibt die Times, „hat nun ernst⸗ lich begonnen. Sir Henry Hardinge befindet sich an der Spitze der besten Armee, welche jemals das britische Indien gesehen hat, und obschon der Handstreich der Seikhs überraschend kam, so ist doch jetzt

eine Ueberraschung bei den unternommenen Operationen nicht mehr möglich. Die Armee beträgt nicht weniger als 43,000 Mann und hat eine starke Artillerie. Die Zeit vom 1. Februar bis zu Anfang April ist die günstigste Zeit des Jahres für Kriegs⸗Unternehmungen in Indien. Gewiß ist auch das Seikhheer auf einen verzweifelten Kampf gefaßt, denn wir können nicht eher die Waffen niederlegen, als bis es vernichtet ist; aber seine Anführer sind uneinig, es hat aufgehört, die Befehle des Hofes von Lahore zu respektiren, und Gulab Singh, der tüchtigste der Dschumnu⸗ Häuptlinge, hält sich fern im Gebirge, wenig geneigt, sich in den Kampf um die Herrschaft der Ebene zu mischen. Ohne

die schweren schon bestandenen Kämpfe wäre das britische Heer wahr⸗ scheinlich mit geringer Achtung der feindlichen Truppen vorgedrungen; das Resultat dieser Kämpfe aber hat sowohl unsere Kenntniß der wirklichen Macht des Feindes verbessert, als auch unser Vertrauen auf die eigene Stärke erhöht.“

In einer besonderen Versammlung der Actionaire der ostindischen Compagnie, welche gestern Morgen abgehalten ward, wurden die auf die neulichen Siege in Indien bezüglichen Aktenstücke vorgelegt und sodann ein Dankvotum für den General⸗Gouverneur, so wie für die indische Armee und ihre Führer, genehmigt.

Gestern ist das Paketschiff „Virginian“ mit Nachrichten aus New⸗York vom 13. Februar in Liverpool angekommen, doch ent⸗ halten dieselben, da sie nur um einen Tag weiter als die letzten rei⸗ chen, nichts Neues. Nachrichten aus Mexiko zufolge (Vera⸗Cruz vom 21. Januar,), befestigte sich dort Paredes Regierung immer mehr. General Arista war neuerdings gegen dieselbe aufgestanden - Tampiko genommen. Der Abfall Nukatan's bestätigte si

SBelgien. HAl .2g

Brüssel, 9. März. Die vorgestern von Herrn Vandeweyer abgegebene Erklärung giebt heute dem Journal de Liége, einem Haupt⸗Organ der liberalen Partei, zu folgenden Bemerkungen Anlaß: „Herr Vandeweyer hat erstens, indem er das Bestehen eines ernsten Zwiespalts im Schoß des Kabinets über die Grundsätze, welche dem Gesetz über den mittleren Unterricht zur Basis dienen sollen, bestä⸗ tigte, die Kammer über die wichtigen Punkte, welche die Uneinigkeit zwischen seinen Kollegen und ihm verursacht haben, in völliger Unge⸗ wißheit gelassen. (Man vergl. das Schreiben aus Brüssel im 8 Blatt der Allg. Pr. Ztg.) Wir sagen: zwischen seinen Kollegen und ihm, weil die Sprache des Herrn Vandeweyer glauben läßt, er habe allein gegen Alle gestanden, und wenn auch der Observateur gestern in Zweifel zog, was wir über das Benehmen des Herrn von Hoffschmidt während der ministeriellen Krisis gesagt, so haben wir Grund zu der Ueberzeugung, daß unsere Mittheilungen aus guter Quelle geschöpft waren. Die zweite Bemerkung, die wir zu machen haben, ist die, daß aus den Worten des Herrn Vandeweyer offenbar hervorgeht, der König habe in Folge der von den Ministern am 2. März in Masse eingereichten Entlassung ihn nur beauftragt, ein Kabinet auf denselben Grundlagen zu bilden, wie die, welche bei der Bil⸗ 1 des vorigen die leitenden waren. Die Independance spricht in Betreff dieser Erklärung Zweifel aus, die wir unmöglich theilen können. Die Erklärung des Ministers des Innern, deren Ausdrücke er genau abwägen und die er seinen Kollegen vorlegen mußte, kann in dieser Hinsicht nicht unrichtig sein. Uebrigens wird sie vom Jour⸗ nal de Bruxelles ohne Vorbehalt angenommen, denn es ruft in seinem Jubel: „„Der wichtigste zu konstatirende Punkt ist der förm⸗ liche Wille, den das Staats⸗Oberhaupt ausgesprochen hat, dem poli⸗ tischen Gedanken getreu zu bleiben, der im Allgemeinen bei der Bildung der verschiedenen Kabinette, welche auf einander gefolgt sind, der leitende war.““ Also hat die Krone sich von neuem für ein gemischtes Ministerium ausgesprochen; die traurige Erfahrung, die wir mit dem vorgeblichen Ver⸗ mittelungs⸗System gemacht, ist also noch nicht lang genug; es sind noch nicht Jedermann die Augen geöffnet, und man zieht ein unaufhörliches unheilvolles Geplänkel einer loyalen und gerechten Entscheidungsprobe zwischen den beiden das Land theilenden Meinungen vor. Wir bedauern diese Verirrung aufs tiefste, und wenn wir uns dem Vorwurf nicht anschließen, den die Independance gegen Herrn Vandeweyer er⸗ hebt, daß er die Krone bloßgestellt habe, wenn wir überzeugt sind, daß er zu dem, was er der Kammer über die Absichten und den Willen des Königs mittheilte, durch seine Stellung ermäch⸗ tigt war, so wird es uns dagegen schwer, es uns zu er⸗ klären, wie der Herr Minister des Innern, der sich mit seinen Kollegen über die Frage hinsichtlich des mittleren Unterrichts in einer Reihe von Kabinets⸗Berathungen nicht hatte verständigen können, wie dieser Minister, sagen wir, nichts Besseres zu thun wußte um den ihm von Sr. Majestät ertheilten Auftrag zu erfüllen, als sich wieder an sie zu wenden und ihren Beistand zur Herstellung des Ministeriums in Anspruch zu nehmen. Dieser Versuch konnte nicht ernstlich gemeint sein, konnte keinen wirksamen Erfolg haben und sieht sehr einem schlechten Scherz ähnlich. Wie, Herr Vandeweyer erklärt sich für einen Mann der liberalen Union von 1840, er legt ein pomphaftes Glaubensbekenntniß hierüber ab, er predigt Annäherung, Versöhnung, er arbeitet seinem Plan zu dem Gesetz über den mittleren Unterricht auf Grundlagen aus, die, seiner Meinung nach, von den gemäßigten Männern der katho⸗ lischen Partei sowohl wie von den Liberalen angenommen werden koͤnnten und sollten, und nun, da sein Projekt hartnäckig von seinen Kollegen verworfen wird und der König ihn mit der Wiederzusam⸗ mensetzung eines Ministeriums beauftragt, waren sie es da und ihre ausschließlichen Doktrinen, an die er sich zu wenden hatte? Sicher⸗ lich nein; denn sie konnten sich nicht so auffallend Lügen stra⸗ fen und die Rolle politischer Marionetten spielen; sie hat⸗ ten überdies Zeit gehabt, sich ihren Entschluß zu überlegen. Aber, wird man sagen, da Herr Vandeweyer ein Ministerium auf denselben Grundlagen bilden sollte, wie die des Kabinets, dessen Entlassung eingereicht war, so fand er sich den Weg versperrt, er war dazu verurtheilt, einflußreichen Deputirten der klerikalischen

Times

Richtung Portefeuilles anzubieten, und er würde sehr wahrscheinlich

auf dieser Seite überall denselben Widerstand gefunden haben, wie von Seiten der Herren Dechamps und Malou.

von Se Wir geben diese Schlußfolgerung zu, aber nur, um daraus den weiteren Schluß zu ziehen, daß deshalb der Herr Minister des Innern einen Auftrag, der so eingeschränkt war, daß er nothwendig scheitern mußte, gar nicht hätte annehmen sollen.“ 3

Handels- und Börsen-Nachrichten.

Marktpreise vom Getraide. 85 95 dert . den 12. März 1846. Zu Lande: Weizen 2 Rthlr. 21 Sgr. 7 Pf., auch 2 Rthlr. 13 Sgr. .; Roggen 2 Rthlr., auch 1 Rthlr. 26 Sgr. 5 Pf.; b., Geihe

2 Pf 1 Rlhi. 18 Sgr.; kleine Gerste 1 Rthlr. 13 Sgr. 2 Pf.; Hafer 1 Rthlr 8 Sgr. 5 Pf., auch 1 Rthlr. 4 Sgr. 10 Pf. Eingegangen sind 121 Wifer.

Zu Wasser: Weizen (weißer) 2 Rthlr. 25 Sgr. 2 Pf., au 2 Rthlr. 21 Sgr. 7 Pf. und 2 Rthlr. 12 Sgr.; Roggen 2 Rüne⸗ 1 Sg9, 2 Pf., auch 1 Rthlr. 28 Sgr. 10 Pf; große Gerste 1 Rthlr. 18 Sgr.⸗ lleine Gerste 1 Rthlr. 14 Sgr. 5 Pf.; Hafer 1 Rthlr. 6 Sgr. 11 Pf. Ein gegangen sind 339 Wispel 14 Schesffel b .