sen Gegenstand in der Kammer ohne Resultat bleiben müsse, auch hier⸗
durch das Bemühen des Ministeriums nicht unterstützt werden dürste, da dieses die hierüber mit der österreichischen Regierung einzuleitenden Verhandlungen nicht auf ein Sachsen zustehendes Recht, sondern vielmehr nur auf die bisherigen freundschaftlichen Verhältnisse der beiden Staaten zu einander stützen könne. Staats-Minister von Könneritz wünschte, daß der Antrag des Abg. Rewitzer vor der weiteren Diskussion in der Kammer nach Vorschrift der Landtags⸗Ordnung einer Deputation zur Vor⸗ berathung und Berichterstattung zugewiesen werden möge, und sügte dem später noch hinzu, daß die Regierung den Antrag nur dann berücksichtigen könne, wenn er durch beide Kammern gegangen und vorher von einer Deputation darüber Bericht erstattet d2 Nach seiner Ansicht dürfte es besser sein, einen bestimmten Antrag hier nicht zu stellen; die Kammer habe sich immer dahin ausgesprochen, daß die sächsische Regierung ihre Selbstständigkeit bewahre, sie werde daher auch anderen Staͤaten diese Selbstständigkeit nicht absprechen wollen. Was den von dem Abg. Re⸗ witzer angezogenen Artikel der Bundesakte anlange, so müsse er bemerken, daß dieser gar sehr verschieden ausgelegt werde, und eben so gut wie man im gegenwärtigen Falle daraus das Recht der Deutsch⸗Katholiken zum Aufent⸗ halt in anderen Staaten solgere, eben so gut könnte daraus für die Jesui⸗ ten das Recht gefordert werden, in Sachsen herumreisen zu dürfen; denn es komme hierbei ebenfalls nur darauf an, ob man die Jesuiten für staatsgefährlich halte oder nicht; viele Regierungen hielten dieselben nicht fürstaatsgefabrlich, un⸗ sere aber halte sie dafür und verweigere ihnen aus diesem Grunde den Eintritt. Der Abg. Haase bemerkte, daß es im allseitigen, so wie im Interesse der Deutsch⸗Katholiken sein dürfte, wenn die Kammer über den Antrag des Abg. Rewitzer nicht weiter diskutire, sondern denselben sofort annehme. Auf die von der Ministerbank aus vernommene Erklärung halte er es für angemessen, diesen Antrag durch einen Zusatz zu vervollständigen, näm⸗ lich den: „Die Kammer wolle die Staats⸗Neg erung ersuchen, die des⸗ halb nöthigen Schritte bei der österreichischen Regierung zu beschleunigen und die Kammer von den Ergebnissen unverweilt in Kenntniß zu setzen.“ Dieser Antrag wurde eben so zahlreich unterstützt, wie früher der des Abgeordneten Rewitzer. Hierauf sprach der Abgeordnete von Gablenz den Wunsch aus, diesen letzten Antrag, für den sich auch der Abg. Stock⸗ mann ausgesprochen, zur Berichterstattung an die außerordentliche kirchliche Deputation zu verweisen, um hierauf denselben in beiden Kammern zur Berathung und Beschlußfassung und alsdann an die Staats⸗Regierung bringen zu können und so demselben ein Resultat zu sichern. Der Abg. Haase war hiermit einverstanden und erllärte, als Vorstand jener Depu⸗ tation, daß die Kammer diesen Bericht nach Verlauf zweier Tage erhalten solle. Der Präsident erklärte, daß er diesem ganz beistimme, auch es im Interesse der Sache halte, daß der Antrag des Abg. Rewitzer, wie Staats⸗Minister von Könneritz gewünscht, ebenfalls mit an die Deputation abgegeben werde; er mache diesem gemäß der Kammer den Vorschlag, beide Anträge zur Berichterstattung an die außerordentliche kirchliche Deputation zu verweisen, in der Erwartung, daß zufolge der Versicherung des Vorstan⸗ des derselben diese den Bericht bald an die Kammer bringen werde. Dieser Vorschlag wurde gegen 3 Stimmen genehmigt.
Königreich Hannover. Der Allgemeinen Stände⸗Ver⸗ sammlung des Königreichs ist von der Regierung ein Schreiben, den gegenwärtigen Stand des Landes⸗Eisenbahn⸗Unternehmens im Allge⸗ meinen betreffend, zugegangen, worin unter Anderem bemerkt wird: „Auf der noch nicht in Betrieb gesetzten Bahnstrecke von Hildesheim bis Lehrte sind die Erdarbeiten fast völlig, die Brückenbauten bei weitem zum größten Theil vollendet. Zu Anfang des diesjährigen Sommers wird diese Bahn jedenfalls in Betrieb gesee werden können, da auch die hierzu erforderlichen Bahnhofs⸗Gebäude in Hildesheim bis dahin zur Vollendung gelangen werden. Die Eisenbahn von Celle nach Harburg wird noch im Laufe des gegenwärtigen Jahres vollendet, jedoch, ohne die Sicherheit des Betriebes zu gefährden, wahrscheinlich nicht vor Eintritt des nächstjährigen Frühjahrs für den öf⸗ fentlichen Verkehr in Betrieb genommen werden können. Hinsichtlich der Eisenbahnen von Hannover nach Bremen und nach Minden sind Ein⸗ richtungen getroffen, um ihren Bau im künftigen Jahre (1847) zur Vollendung bringen zu können. Was den Geldbedarf zu den Bah⸗ nen betrifft, so sind, nach einem Schreiben aus Hannover im Ham⸗ burger Correspondenten, die dieserhalb von der hannoverschen Regierung angeknüpften Anleihe-Unterhandlungen nunmehr bis zu dem Abschlusse eines Vertrages mit den fünf Banquierhäusern von Rotbschild, Berend, Cohen, Meyer und Simon gediehen. Demgemäß werden für 6 Mill. Rthlr. 3 ½6prozentige Obligationen in Abschnitten von 100 bis 5000 in Gold oder Courant ausgegeben werden, die, gleich den älteren Landes⸗Obligationen, von Seiten der Gläubiger unkündbar sind. Dagegen soll die Tilgung der ganzen Schuld mit⸗ telst jährlicher Verloosung einer den Tilgungsmitteln entsprechenden Anzahl von Obligationen im Laufe von höchstens 30 und einigen Jahren geschehen. 1
Oesterreichische Monarchie.
Aus Nord⸗Ungarn, 7. März. (A. Z.) bricht Galizien zufolge, ist daselbst die Ruhe und Ordnung so ziemlich her⸗ gestellt, und die Bauern kehren zu ihren Feldarbeiten zurück. Ueber hundert herrschaftliche Bezirke sollen inzwischen ohne alle Administra⸗ tion sein, was sich theils aus den revolutionairen Ereignissen an sich, theils aus dem Umstande erklären läßt, daß die meisten Herr⸗ schaftsbesitzer und deren Beamten, selbst diejenigen, die sich keiner Theilnahme an den Bewegungen der Insurrection schuldig gemacht, in der allgemeinen Verwirrung es vorzogen, ihre Sitze zu ver⸗ lassen und in der Flucht Rettung zu suchen. Nach Herstellung der Ruhe kommen jetzt Manche wieder zum Vorschein, die man früher als erschlagen oder gefangen ausgegeben hatte. Von den Insur⸗ genten selbst ist, außer den Gefangenen, deren Zahl man auf mehr als 2000 schätzt, keine Spur mehr in Galizien, doch sollen in den Karpathen mehrere flüchtige Banden derselben umherirren, die wohl ihre hülflose Lage zwingen dürfte, sich selbst den Händen der Gerech⸗ tigkeit zu überliefern. Die Bewegung von Truppen nach der gali⸗ zischen Gränze dauert fort. So ist gestern in Folge zweier in der Nacht vom 5ten auf den 6ten in Eperies eingetroffenen Estaffetten das dortige verfügbare Militair nach dem Norden abmarschirt und an eben dem Tage um 11 Uhr früh eine Partikular⸗Congregation abgehalten worden, worin durch eine Palatinal⸗Verordnung das Standrecht eingeführt und durch eine zweite dem Komitat angekün⸗ digt wurde, daß die Verpflegung der mobil gemachten Truppen dem Aerar zur Last fallen solle. Die Frage, ob das Komitat die Liefe⸗ rungen gegen Entgelt übernehmen wolle, ward verneinend entschieden, indem die Vorräthe im Komitat gering, andererseits aber die Stuhl⸗ richter zu sehr beschäftigt seien, als daß sie sich damit befassen könn⸗ ten. Tie Stimmung unter der slavischen Bevölkerung in ganz Nord⸗ Ungarn läßt nichts zu wünschen übrig.
Freie Stadt KArakau.
Krakau, 17. März. Die heutige Gazeta Krakowoka ent⸗ ält folgende polizeiliche Bekanntmachung: „Polizei⸗Direction der reien, unabhängigen und streng neutralen Stadt Krakau und ihres Gebiets. Seit einigen Tagen verbreitete sich allgemein das Gerücht, z solle eine Verordnung erscheinen, daß die hiesige Stadt mehrere Tage lang geschlossen bleiben müsse, und es würden Räubereien von in Bauern im hiesigen Gebiet verübt. In ausdrücklichem Auftrage Sr. Extellenz des General⸗Feldmarschall⸗Lieutenants, Chefs der Ci⸗ . unt Militair⸗Verwaltung der Stadt Krakau, benachrichtigt die Polizti⸗Tirection die Bürger und Einwohner der Stadt Krakau, aß kiese Gerüchte unbegründet sind und von umruhigen Leuten bös⸗ weliger Weise verbreitet werden. Zugleich sieht dieselbe sich veranlaßt,
ö
die Verwarnung hinzuzufügen 1
WW Petersburg, Vom aktiven Armee und Statthalter im Königreich Polen sind folgende
Nachrichten aus
356
obige wie andere ähnliche die hiesigen inwohner erschreckende und
beunruhigende Gerüchte zu verbreiten, auf dem gehörigen Wege zu strenger Verantwortung gezogen werden wird. 1846. Der Polizei⸗Direktor Kröbl.
Krakau, 16. März Der Secretair Ducillowicz.“
Rußland und Polen. 13. März. Vom Ober⸗Befehlshaber der
vom 6. März datirte Nachrichten eingegangen:
„Am 3. März rückten die österreichischen Truppen, nach Herstellung der Weichselbrücke, aus Podgorze in Krakau ein, welches drei Stunden vorher von unseren Truppen besetzt worden war. Auch preußisches Militair sollte ehestens eintreffen. In Folge des vom General-Lieutenant Paniutin ein⸗ zelaufenen Berichtes, daß der Aufrührerhaufe, nachdem er Krakau verlassen, seinen Weg längs dem linken Weichselufer nach dem Dorfe Mogilo zu ge⸗ nommen habe, erhielt der Oberst Fürst Bebutoff Ordre, die Aufrührer mit 4 Sotnias irregulairer Kavallerie zu verselgen; inzwischen aber berichtete der Oberst Fürst Bariatinski, welcher am 3ten in der Richtung von Olkusch hin abgesandt worden war, daß die Aufrührer nach Krscheschowize zögen, und daß er, wegen der gänzlichen Ermüdung der Peferde, die an jenem Tage mehr als 60 Werst zurückgelegt, sich genöthigt gesehen habe, in Schiz Rast zu machen. Darauf erhielt das Detaschement des Fürsten Bebutoff ungesäumt den Besehl, nach diesem Punkte abzugehen, um die Operationen des Fürsten Bariatinski zu unterstützen. Fürst Bariatinski hatte unterdessen einige Kralusen zu Gefangenen gemacht und dabei wenig Wi⸗ derstand gefunden. Der übrige Theil der Aufrührer stieß, indem er unseren ihn verfolgenden Detaschements auszuweichen suchte, auf die an der Gränze stehenden preußischen Truppen und streckte, am 4ten, 5 Uhr Nachmittags, die Waffen. Am 5. März erhielten die Truppen des krakauer Detasche⸗ ments Befehl, in ihre Standquartiere zurückzukehren. In Krakau blieben nur 2 Bataillone des Krementschugschen Jäger⸗Regiments mit 4 Kanonen zurück. In Folge einer zwischen dem General⸗Adjutanten Rüdiger und dem öͤsterreichischen General Collin getroffenen Uebereinkunft ward eine (bereits früher mitgetheilte) Bekanntmachung an die Bewohner von Krakau erlassen. Nach den Nachrichten aus Galizien ist die Ruhe daselbst, mit Ausnahme des sandecer Kreises, wo noch einige Aufregung herrscht, wiederhergestellt.“
Zufolge Kaiserlichen Befehls, wurden am 4. März von den in den Gewölben der Expedition der Reichs⸗Kreditbillets wiederum an⸗ gehäuften Geldwerthen in klingender Münze und Barren, 10,815,000 Rubel in Goldmünze und 890,725 Rubel 28 Kopeken in 986 Pud Silberbarren, zusammen 11,705,725 Rubel 28 Kopeken Silber, nach der Peter⸗Pauls⸗Festung in das dazu eigens bestimmte Gebäude, in welchem sich die den Fonds der Expedition der Reichs⸗Kreditbillets und Depositenkasse bildende klingende Münze und Barren edler Me⸗ talle besinden, gebracht. Vorher wurde, am Morgen desselben Tages, vom Revisions⸗Comité unter Vorsitz des Reichs⸗Controlleurs und in Gegen⸗ wart der Deputirten der St. Petersburgischen Börsenkaufmannschaft, in den Gewölben der Kredit⸗Expedition, die zur Uebertragung bestimmte klingende Münze nebst Barren revidirt und in dem oben angeführten Betrag richtig besunden; worauf dieses Kapital, im Beisein der ge⸗ nannten Personen und des Finanz⸗ Ministers, und unter Bedeckung eines besonders dazu beorderten, von zwei Stabs⸗Offizieren geführten Infanterie⸗ und Kavallerie⸗Convois, abgefertigt wurde. Nachdem der Transport der ganzen erwähnten, in klingender Münze und Barren bestehenden Summe noch an demselben Tage beendigt war, vereinigte sich das Conseil der Reichs⸗Kreditanstalten in voller Versammlung, unter Vorsitz des Generals der Kavallerie, General⸗Adjutanten Grafen W. W. Lewaschoff (an Stelle des Krankheits wegen abwesenden Präsidenten des Reichsraths) und in Gegenwart des Kommandanten der St. Peters⸗ burgischen Peter⸗Pauls⸗Festung, Generals der Infanterie, J. N. Sskobelew, so wie der erwähnten Deputirten der Börsenkaufmann⸗ schaft, und revidirte das in das Reservegewölbe der Festung übertra⸗ gene Kapital, von dessen unverkürzten richtigen Bestand es sich über⸗ zeugte. Der im Reservegewölbe aufbewahrte Fonds der Kreditbillets, mit Inbegriff der jetzt dorthin gebrachten Summe, beträgt gegen⸗ wärtig: in Goldmünze (mit Zuschlag von 3 pCt.) 30,385,000 R. S., in Silbermünze 50,000,000 R. und in Barren 7,964,971 R. 27 K. S., zusammen 94,349,971 R. 27 K. S., worüber ein Protokoll aufge⸗ nommen und von allen bei der Revision zugegen gewesenen Personen unterschrieben wurde.
Mittelst Kaiserlicher Reskripte sind zur Bezeigung besonderer Huld für ihre Mitwirkung beim Abschluß des Handels⸗Traktats mit dem Königreich beider Sicilien zu Rittern des Weißen Adler⸗Ordens ernannt: die Minister, Staats⸗Seecretaire in Königl. sieilianischen Diensten, Don Justin Fortunato und Fürst Comitini.
Dem Mitgliede des Reichsrathes, Geheime Rath Kotschubei, ist der Weiße Adler⸗Orden verliehen worden.
Warschau, 17. März. Der heutige Kuryer Warszawski meldet: „In den schon aus den öffentlichen Blättern bekannten, den von frevelhaften Aufwieglern ausgeführten Ueberfall der Stadt Siedlce betreffenden Ereignissen hat sich aus den eigenen Aussagen der fest⸗ genommenen und in Verwahrsam gebrachten Theilnehmer an jener Frevelthat ergeben: 1) daß dieser Frevel in Folge einer verzweigten Verschwörung, die auch in hiesigen Landen Theilnehmer hatte, verübt wurde; 2) daß der Haupträdelsführer desselben der von den Häuptern der Verschwörung aus Posen hierher gesandte dortige Edelmann Bronislaus Dombrowski war, den die Verschwörer zum Generalissimus des Ausstandes auf dem rechten Weichsel⸗Ufer ernannt hatten; 3) daß die Haupt⸗Theilnehmer an diesen aufrühre⸗ rischen Anschlägen Pantaleon Potozki, Stanislaus Kocischewski, Wla⸗ dislaus Zarski, Johann Litynski, Michael Mirezki und Anton Deskur waren; thätige Agenten der erwähnten Verschwörung aber und Hel⸗ fershelfer Dombrowski's: Stephan Dobrytsch und Karl Rupprecht. Alle diese hier aufgeführten Verbrecher wurden vor ein Kriegsgericht gestellt und mittelst Ausspruchs dieses Gerichts, so wie des Feld⸗Audito⸗ riats, für schuldig befunden, und zwar: a) Pantaleon Potozki, Gutsbesitzer von Cisie im Gouvernement Lublin, daß er thätigen und eifrigen Antheil an dem geschmiedeten Komplott genommen, um einen Auf⸗ stand im Königreich Polen zu erregen; daß er bei dem Einfall in die Stadt Siedlce eine Aufrührerbande angeführt, mit seinen Ge⸗ nossen auf die wachthabenden Soldaten und auf Andere geschossen, wodurch sechs Personen verwundet worden und eine gestorben. b) Stanislaus Kocischewski, aus der Stadt Goszezyn im warschauer Kreise gebürtig, daß er an der Verschwörung zur Erregung eines Aufstandes in hiesigen Landen theilgenommen, zu der Aufrührer⸗ Bande bei dem Attentat auf die Stadt Siedlee gehört, mit Anderen zusammen auf die wachthabenden Soldaten, so wie auf Andere, geschossen und eine Schildwache verwundet. c) Wla⸗ dislaus Zarski, aus dem opoczyner Kreise im Gouverne⸗ ment Radom gebürtig, daß er an der Verschwörung zur Erregung eines Aufstandes theilgenommen, zu der Aufrührerbande bei dem Attentat auf die Stadt Siedlee gehört und mit Anderen zu⸗ sammen auf die wachthabenden Soldaten geschossen. d) Stephan Dobrytsch, Kaufmann aus der Stadt Warschau, daß er, im Auftrage auswärtiger Bösgesinnter, thätigen Antheil an der Schmiedung des Komplotts zur Erregung eines Aufstandes im Königreich Po⸗ len genommen. c) Karl Rupprecht, aus Neu ⸗ Alexandria im Gouvernement Lublin gebürtig, daß er von veeh ⸗ Bös⸗
esinnten den Auftrag angenommen, bei Erregung eines Aufstandes im Königreich Polen zum Umsturz der gesetzmäßigen Regierung be⸗ hülflich zu sein, daß er bei der Schmiedung dieses Komplotts thätig
daß, wer d8 nntegehes dnne sowohl
mitgewirkt und an den Berathungen und Vorbereitungen des Attent auf die Stadt Siedlce theilgenommen. f) Johann Litynski, r wohner der Stadt Warschau, daß er, von den Theilnehmern an üů ser That beredet, sich dazu verstanden, zu dem Aufstande mitzuwith und daß er sich bei dem Attentat auf die Stadt Siedlee der Zahl Anderer mit dem Schwerdte in der Hand bef den. g) Michael Mirezki, Edelmann aus dem Gouverneme Lublin, daß er zu dem Haupt⸗Rädelsführer Dombrope in Beziehungen gestanden, mit ihm zur Besichtigung der Fester Iwanogrod sich auf den Weg gemacht und von ihm den Auftrag g genommen, Mannschaft zu sammeln, auch mit zu der Bande gehin h) Andreas Deskur, Einwohner aus dem Gouvernement Lublin, z er in Beziehungen zu einem Bösgesinnten, Dzwonkowski, gestande der aus dem Königreich über die Gränze entkommen, daß auf dessen briefliche Aufforderung sich dem Haupt⸗Rädelssit rer Dombrowski angeschlossen und sich vorbereitet, ihm Erregung eines Aufstandes in hiesigen Landen behülflich b sein. Kraft der von Sr. Majestät dem durchlauchtigen Fäf. Statthalter des Königreichs verliehenen Gewalt hat Se. fürnii Durchlaucht, nach gefälltem Ausspruch des Kriegsgerichts un nf Vorlegung obiges Sachverhältnisses durch das Feld »Auditoriat, „. schieden wie folgt: Potozki, Kocischewski und Zarski aufzuknüh und zwar den Ersteren in der Stadt Siedloe, die beiden Letztern; der Stadt Warschau; den ebenfalls zum Hängen verurtheite Dobrytsch und Rupprecht, nach Vollziehung aller Vorrichtungen hien im Augenblick vor der Execution des Urtheilsspruchs das Leben! schenken, sie zu schweren Arbeiten nach Sibirien zu schicken und ihrer Sw desrechte verlustig zu erklären; Mirezk und Deskur, statt der Todesstri aller Standesrechte verlustig zu erklären, unter den Galgen zu führenn ihnen dort anzukündigen, daß ihnen das Leben geschenkt sei, dann — sie zu schweren Arbeiten nach Sibirien zu schicken; dem Litynski,g sich dazu verstanden, am Aufstande theilzunehmen, und bei dem tentat auf die Stadt Siedlee mit bewaffneter Hand in der Ba der Aufrührer sich befunden, jedoch aus Reue bei ihren Frevelthre nicht mitgewirkt, aus Rücksicht auf diesen Umstand die Todesstrast erlassen, ihn aber unter den Galgen zu führen, aller Standesrn verlustig zu erklären, ihn einmal durch eine Linie von 500 Soldn hindurchzutreiben und zu schweren Arbeiten nach Sibirien schicken; was endlich die Confiscation des Vermögens der wähnten Frevler betrifft, nach Dekretirung des Feld⸗Auditoriats verfahren, und zwar: das ererbte und erworbene Vermögen, 1 Anmerkung zum Artikel 178 des lsten Buchs der Kriegs⸗Krimingh Gesetze, zum Besten des Fiskus zu konfisziren; in Betreff desjenigt Vermögens aber, welches ihnen noch durch Erbschaft zufallen könnte, sich nach den Gesetzen des Königreichs Polen zu richten. Dieses mil der Bestätigung Sr. fürstlichen Durchlaucht versehene Urtheil ist an obigen Personen, mit Ausnahme Potozki's, gestern Vormitags um 10 Uhr auf dem Platz vor der Citadelle hierselbst vollzogen worden.“
Frankreich.
Paris, 16. März. Der König hält heute im Hofe der Tul— rieen eine Musterung über die Infanterie⸗ und Kavallerie⸗Regimen ab, welche in den ersten Tagen des April die Garnison von Pm verlassen.
Ueber den von Herrn von Remusat in die Deputirten⸗Kamnmn gebrachten Vorschlag, wonach gewisse öffentliche Aemter für unpe⸗ einbar mit der Mitgliedschaft der Wahlkammer erklärt werden sollen, sagt das Journal des Débats: „Die Frage ist nicht neu, sie würdt an und für sich wenig Interesse verheißen; aber die Opposition wil wie es heißt, bei diesem Anlasse im Hinblicke auf die bevorstehenden allgemeinen Wahlen Skandal machen. Herr Odilon Barrot fühyr eine arge Malice im Schild; er wird den Vorschlag machen, alle die⸗ jenigen aus der Kammer auszuschließen, welche von der Civilliste eine Gehalt beziehen. Arme Opposition! Sie glaubt sich noch populin zu machen, wenn sie ihre Angriffe bis gegen das Königthum hit richtet! Denn es versteht sich, daß die von Herrn Barrot bean⸗ tragte Unvereinbarkeit nicht zum Zweck hat, fünf oder seche Beamte aus der Kammer zu entfernen, welche die Ehre haben, zum Hause des Königs zu gehören, und die sicherlich nicht im ge⸗ ringsten die Freiheit der Berathungen beeinträchtigen; dem Köng— thum selbst will man ein Zeichen von Mißtrauen geben, man sacht nach einem Vorwande, um die Diskussion auf Gegenstände hinzule⸗ ken, welche der öffentlichen Diskussion durch die Schicklichkeit entzoge sein würden, wenn sie es nicht durch die Charte wären. Doch imme⸗ hin! Die Opposition möge Skandal machen. Es ist dies das lew Hülfsmittel der geschlagenen Parteien.“ Die Zahl der mit besoldenn öffentlichen Aemtern (politischen und nicht⸗politischen) bekleideten Depu⸗ tirten beläuft sich gegenwärtig auf 156. In den Jahren von 1831 bis jetz wechselte sie von 141 bis 159. Die Zahl der Deputirten, welche beim Ein⸗
tritt in die Kammer keine besoldeten Stellen hatten und dann zu ehan ents auf dem Eise gefangen genommen. In dem 2. November 1830—ahre gerieth auch General Caß in britische Kriegs⸗Gefangenschaft.
lichen Funktionen berufen wurden, beträgt seit dem bis jetzt, also seit funfzehn Jahren, nur 51; von diesen hatten 17 bereits früher besoldete öffentliche Functionen bekleidet. In demst ben Zeitraume fanden nicht mehr als 162 Besörderungen solcher 7 putirten statt, welche schon beim Eintritte in die Kammer im Bestc öffentlicher Stellen waren; und von allen diesen, welche in Folz— ihrer Beförderung sich nach dem Gesetze vom 12. September 189% einer Wiedererwählung unterziehen mußten, wurden nur 22 rvich wieder erwählt.
Am 10. März hat sich ein Beamter des Ministeriums der am
wärtigen Angelegenheiten zu Toulon nach Tunis eingeschifft. 10 Toulon gehen sortwährend ansehnliche Truppen⸗Abtheilungen 1. Algerien ab. Es hieß in diesem Hafen, die Dampf⸗Korvetten „G⸗ deur“” und „Chimere“ würden sich demnächst nach dem Plata be ben, um die dort befindliche französische Flotte zu verstärken.
Der Marquis von St. Aulaire, Secretair der französischen ve
schaft in London, ist mit Depeschen für Herrn Guizot in Paris ei
getroffen. 1
as heutige Journal des Döbats sagt, es habe Nachni. ten aus Toscana erhalten, wonach dort eine nicht unbedeutende Aci regung herrsche, veranlaßt durch die Auslieferung Renzi's an n päpstliche Regierung.
Die Kunst⸗Ausstellung für 1846 ist heute eröffnet worden. 1- sind 2412 Gemälde und andere Werke der bildenden Kunst zugelass worden.
In Folge friedlicher Nachrichten aus Amerika und des Steig⸗ der englischen Zproz. Consols ist auch hier eine günstige Stimmu⸗ für die Rente sowohl als für Eisenbahn⸗Actien eingetreten. 20 Notirung der Zproz. Rente ist 35, die der 5proz. Rente um 50 GCn times höher gegangen.
*x Paris, 16. März. In der heutigen Sitzung der Depl“ tirten-Kammer wurde zuerst ein Gesetz über die Mineralwass mit 247 gegen 2 Stimmen angenommen, worauf der Minister Handels und des Ackerbaues folgende Gesetz⸗Entwürfe vorlegte: „% den über die Modelle und Dessins der Fabriken, 2) den über die 8 beitsbücher. Beide Gesetz⸗Entwürfe sind bereits von der Panre⸗ Kammer angenommen. Der Minister des Innern legte dann mehrer Gesetz⸗Entwürfe von lokalem Interesse vor. Die Tages⸗Orduans führte zur Verhandlung des Gesetz⸗Entwurss, durch welchen der
48 Innern einen außerordentlichen Kredit verlangt für Spitä⸗ und Wohlthätigkeits⸗Anstalten. Die Kammer begann sogleich die rhandlung über die einzelnen Artikel, die beide angenommen wer⸗
ber Der ganze Gesetz⸗Entwurf wird endlich mit 238 gegen 2 Stim⸗ 2 angenommen. Nun kam die vielbesprochene Berathung über den dnag des Herrn von Remusat, die Inkompatibilitäfen betref⸗ 8 an die Reihe. Da die Kommission auf Verwerfung des An⸗ 1 zangetragen hatte, so wurde zuerst das Wort einem der Mit⸗ 2 derselben gewährt, welche für den Antrag sich ausgesprochen 8 err Corne: Der Antrag sei nicht neu, aber erscheine durch erade obwaltenden Umstände wie nen verjüngt. Man erinnere 5 bn Thatsachen, die voriges Jahr dem Minister vorgeworfen wor⸗ 9 Darum sei der Antrag doppelt zeitgemäß. Die Kammer sei aitert, sie fühle es selbst, daher sei es der rechte Augenblick, daß ihr politisches Testament mache. Sie solle die Regeln feststellen, sche ihrer Nachfolgerin die Reinheit und Moralität des Parlaments ern könnten. Die Unabhängigkeit habe zwei Grundlagen: den grakter und die Stellung. Allerdings könne der Charakter allein reichen, aber zu allen Zeiten habe man es für unum⸗ nglich nöthig gehalten, daß die Stellung dem Charakter zu Hülfe 2₰ Voriges Jahr sei daran erinnert worden, daß es in der mmer Männer von untergeordneter Stellung gebe, daß neben die⸗ die Herren säßen, welche die Abstimmungen ihrer Untergebenen bachteten, überwachten. Ein eklatanter Beweis davon liege vor. er Minister der auswärtigen Angelegenheiten habe einen seiner Un⸗ tergeordneten für ein politisches, gewissenhaftes Votum abgesetzt. Er dcer Redner) greife ihn darum an, trotz dessen großem Talent, weil h sich starf fühle, trotz seiner Schwäche, durch seine gute Stellung. Per Minister habe zwar gesagt, er lasse die Unabhängigkeit des Vo⸗ üno zu, aber nur in einem gewissen Maße, als ob eine wahre Un⸗ ängigkeit da bestehen könne, wo sie gemessen werde. Der Mini⸗ rhabe das Maß gemacht, das Votum konnte frei sein, aber still⸗ Herr Drouhyn de Luis habe diesen Worten vertraut, chwiegen, aber gegen das Ministerium gestimmt, und dieses habe seiner Absetzung geantwortet. Nein, die Beamten seien nicht frei der Kammer. Nothwendig müßten sie immer sich fügen oder im⸗ die Opfer werden. Vor der Sitzung besprachen die Büreaus den Antrag des Mar⸗ s von Preigne auf Verminderung des Zeitungsstempels und der abgaben der Zeitungen. Der Antrag wurde unter Anderen vom inister des öffentlichen Unterrichts als unklar und unvollständig be⸗ pft, desgleichen von Herrn J. Lefebvre; dagegen unterstützt n- Herrn Berryer. Da nur zwei Büreaus die Vorlesung in der ammer für zulässig erklärten, so wird dieselbe nicht stattsinden. Auch e Commissaire über den Antrag des Herrn von Saint Priest, e Renten⸗Umwandlung betreffend, wurde gewählt. Sechs der er⸗ unten Commissaire sind für die Vertagung der Maßregel, 3 spra⸗ en sch für unverzügliche Ausführung derselben aus.
Großbritanien und Zrland.
London, 16. März. geisen, daß die Haupt⸗Ursache des in Irland herrschenden Elends inesweges, wie man gewöhnlich annimmt, in der Abwesenheit der oßen Grundbesitzer von ihren Gütern zu suchen sei. Dieses Ab⸗ isendsein könne unmöglich von großem Einflusse auf die Verarmung zlands sein, da auch in England die Gutsbesitzer nur ausnahms⸗ eise auf ihren Gütern wohnen. Der Hauptgrund liege in der grakter⸗Verschiedenheit: der Engländer sei fleißig und friedlich; er he keine Verschwörungen, um den Eigenthümer aus seinem Be⸗ wame zu vertreiben, den Boden ins Unendliche zu theilen, bei inem shlechten Wirthschafts⸗Systeme zu beharren und sich jeder faheseerrg hartnäckig zu widersetzen. Der Engländer trägt 1 Ueberlegenheit und sein Glück in seiner eige⸗ n Brust, deshalb ist er nicht genöthigt, die öffentliche roßmuth in Anspruch zu nehmen, und eben deshalb ist das gemeine sk in Irland so weit heruntergekommen und hat das gute Glück, ehör und Beistand zu sinden. Aus dem Berichte der Gesellschaft Verbesserung des Flachsbaues in Irland geht hervor, daß jähr⸗ für 5—6 Mill. Pfd. Sterl. Flachs außerhalb des Landes ange⸗ ft wird, den man zum großen Vortheile des Landbaues in Irland seiba pehen könnte. Dieser Umstand allein beweist, daß, wie über⸗ 71 so auch in Irland, die menschliche Thätigkeit die reichste Quelle es Wohlstandes ist, die durch keine Schätze des Bodens und durch feine Schutz⸗Maßregeln ersetzt werden kann. Der Globe theilt mit, daß Präsident Polk, der jetzt so kriegs⸗ kampflustig sei, im Jahre 1812 britischer Kriegs *Gefangener . Polk war damals Subaltern⸗Offizier in der amerikanischen ee und wurde bei Detroit von einer Abtheilung des 41sten Re⸗ nämlichen
SBelgien.
Brüssel, 17. März. Der Commerce belge sagt über die enwärtigen Regierungs⸗Zustände: „Die lange Dauer der mini⸗ illen Krisis, die ernstlichen Schwierigkeiten, womit jede neue Com⸗ maüon ohne Ausnahme umgeben ist, alles dies war durch die mit ee Lage vertrauten Männer vorhergesehen worden. Seit dem
in d. M. ist der Gedanke, einer Combination gemischter Politik Sitg zu verschaffen, aufgegeben. Die Aussichten neigen sich, wie versichert, zu einer katholischen oder rein liberalen Combination hn. Die Herren de Theux und Dechamps haben am 13ten Abends am 14ten Morgens mehrere Unterredungen gehabt. Herr Van⸗
1 eyer hatte seinerseits am 13ten eine Konferenz im Palast. hrere Blätter haben gemeldet, Herr Vandeweyer habe
zuf seinen Botschafterposten zu London verzichtet. Wir be⸗
ein sehr die Richtigkeit dieser Nachricht. Eine Abdan⸗
. ist eine Protestation gegen ein System oder gegen eine 8 Es ist nach unserem Dafürhalten unmöglich, daß Herr esi eyer im voraus gegen ein System oder gegen eine Gewalt — deeeeog welche noch Niemand kennt und die zuletzt vielleicht 3 den Ideen, welche man diesem Staatsmanne zuschreibt, entspre⸗ f; Es wäre zu wünschen, daß Nachrichten dieser Art, wenn kundhtig sind, unverzüglich widerlegt würden, denn sie haben die
. 6 Aufregung zu unterhalten und wenigstens dem Anscheine trhicerschüttening der Gemüther zu vergrößern. Wir bleiben 8”9. in beobachtender Stellung; wir begreifen zu lebhaft die tte. jeder Art, womit man den Gebrauch dieser Präroga⸗ 8 siebt, um nicht zurückhaltend zu sein; ist aber das Ministerium 8 onstituirt, ist es gleichartig, so wird es, welcher Farbe es
, angehören möge, uns unseren Ueberzeugungen getreu fin⸗ r. Litestfrn war an der Börse zu Antwerpen folgende Mi⸗ de 6 in Umlauf: Vandeweyer, auswärtige Angelegenheiten; 8. ne ns Desghhhrate⸗ Finanzen; H. von Brouckere, Justiz;
4 Enndt, öffeniliche Arbeiten; Chazal, Krieg. Anas ourrier d'Anvers liest man: „Zu der gouvernemen⸗
. aee, vex⸗ Jeder beklagt, haben sich, um das Unglück voll niässtgen dehr schwere diplematische Verwickelungen gesellt. Aus an ger Quelle vernehmen wir, daß keine Hoffnung vorhanden ist, mit
8 auf billigen und ehrenvollen Grundlagen zu unterhandeln.
4
Ein Artikel der Times sucht zu er⸗
357 Die Forderungen des haager Kabinets sind so, daß sie die Verlän⸗ gerung des Aufenthalts des Herrn Mercier in dieser Hauptstadt un⸗ nütz gemacht haben. Dieses Kabinet fordert von Belgien als Be dingung sine qua non die Wiederaufnahme der Unterhand⸗ lungen wegen eines Handelsvertrags, die Zurücknahme aller seit 1830 gegen Holland genommenen Schutz⸗Maßregeln und eine Art offizieller Abbitte. So bewahrheitet sich klar das, was wir vor zwei Monaten sagten, daß der belgische Beschluß vom 29. Dezember der Vorwand und nicht die Ursache des holländischen Be⸗ schlusses vom 5. Januar gewesen ist. Der niederländische Gesandte zu Brüssel erklärt Jedem, der es hören will, daß die Feindseligkeiten Hollands ausgebrochen sein würden, wenn selbst Belgien die privile⸗
girte Einfuhr der niederländischen Kaffees nicht beschränkt hätte. Die
belgische Regierung hat nur zu sehr bewiesen, daß das zarte Verfah⸗ ren, wie das gute Recht, auf ihrer Seite war. selbe eine andere Sprache führt und ein festeres Benehmen zeigt.
Wir bedauern, daß Herr Mercier im Haag der Gegenstand einer Art
von Mystification gewesen, welche geeignet ist, die National⸗Ehre zu kompromittiren.“
Die Wollfabrikanten und Spinner der Stadt Tirlemont haben
das Beispiel, welches ihnen die Städte Verviers, Tournay und S. Nicolas gegeben, nachgeahmt. Es ist für die Bittsteller erwiesen, daß die neue Uebereinkunft mit Frankreich das Signal zur Vernich⸗ tung der Woll⸗Industrie in Belgien sein wird; sie verwerfen den Grundsatz, daß eine Industrie der anderen geopfert werden könne. Der Absatz in Frankreich für unsere Leinenwaaren kann höchstens während zweier Jahre aufrecht gehalten werden. Einem solchen Re⸗ sultat gegenüber, darf nicht ein so großes Opfer vollbracht werden, wie jenes, welches vom Lande gefordert wird; es würde weiser sein, von jetzt an darauf zu verzichten und die Woll⸗Industrie auf eine Weise zu entwickeln, daß sie alle Hände, welche die Leinen⸗Industrie unbe⸗ schäftigt lassen wird, wieder aufnehmen kann.
Spanien.
Madrid, 9. März. Eine Königliche Ordonnanz befiehlt die Ernennung von Provinzial⸗Kommissionen, die aus drei Mitgliedern bestehen und unter dem Vorsitz der Intend anten die Ansprüche eines jeden früheren Mönchs an die gesetzlich bestimmte Pension unter⸗ suchen sollen.
Der Tiempo will wissen, daß die Regierung befohlen habe, die englischen Schiffe in spanischen Häfen nicht wie die begünstigtesten Nationen, sondern wie diejenigen zu behandeln, mit denen Spanien keine Handelsverträge abgeschlossen habe. Dieser Beschluß soll eine Folge der Erklärung des britischen Ministeriums sein, daß der Zucker der Insel Cuba als Sklavenzucker in die britischen Häfen nicht zuge⸗ lassen werden könne.
Portugal.
„A Lissabon, 7. März. Ich fahre fort in Mittheilung des Wichtigsten aus den Verhandlungen der Cortes. In der Pairs-Kam⸗ mer brachte Graf von Labradio einen Antrag ein, wonach bis 1. Juli 1849 der Vollzug des Gesetzes vom 19. April 1845, die Organisation der direkten Steuern betreffend, verschoben bleiben soll. An die An⸗ nahme dieses Antrags des genannten Oppositions⸗Mitgliedes ist kaum zu glauben.
Die Deputirten⸗Kammer beräth über die vom Finanz⸗Minister vorgelegten Gesetz⸗Entwürfe. Am 2ten d. wurde der folgende Ge⸗ setz⸗Entwurf angenommen, den ich Ihnen wegen des besonderen Inter⸗ esse's, das er für alle Besitzer portugiesischer Staatspapiere überall hat, vollständig mittheile:
Art. 1. Die Junta des öffentlichen Kredits hat eine jährliche Dotation von 25,000 Pfund Sterling, um zur Amortisation der Titel der äußeren vierprozentigen Schuld verwendet zu werden, nach den Bestimmungen der achten Bedingung des mit der Gesellschaft Fol⸗ gosa, Junqueire, Santos und Comp. abgeschlossenen und durch die Gesetz⸗Urkunde vom 19. darauf folgenden April bestätigten Kontrakts.
Art. 2. Die durch den vorausgehenden Artikel festgestellte Do⸗ tation soll aus dem Ertrage des Taback⸗, Seifen⸗ und Pulver⸗Kon⸗ trakts entnommen und in gleichen Quoten jedesmal am 10ten jedes Monats direkt der Junta des öffentlichen Kredits übergeben werden.
Art. 3. Die dem zuwiderlaufende Gesetzgebung ist und bleibt hiermit zurückgenommen.
Die Kammer beschäftigte sich darauf mit einem anderen Gesetz⸗ Entwurf, die Vertheilung der Steuern für das Verwaltungsjahr 1846—47 betreffend. Die Gesammtsumme derselben ist auf 2545 Con⸗ tos festgesetzt, wovon 1584 Contos auf die Grundsteuer, 455 Con⸗ tos auf die Personalsteuer und 505 auf alle übrigen Klassen zusam⸗ mengenommen kommen. Ferner legte Herr Derramado, Mitglied der konservativen Opposition, einen Antrag vor, anlangend die Unver⸗ letzlichkeit des Hauses der Staatsbürger, welcher in Betracht gezogen e Ausschusse für Gegenstände der Gesetzgebung zugewiesen wurde.
In der Sitzung vom Zten ereignete sich wieder einer jener Vor⸗ fälle, die nur zu oft in den parlamentarischen Verhandlungen hier zu Lande wiederkehren, sicher aber nicht dazu geeignet sind, die Würde derselben zu erhöhen. Das Diario do Governo hatte nänmlich die Rede des Oppositions⸗Deputirten Herrn Grande bei Gelegenheit der Adreß-Debatte nur im Auszuge mitgetheilt und die Eigenliebe des genannten Herrn dadurch verletzt, der für das Verfahren der Redaction des genannten Blattes nun das Ministerium verantwortlich machen wollte. Graf von Tomar (Herr Costa Cabral) erwiederte, das Unternehmen des Diario sei vollkommen von der Regierung unabhängig in der Wahl der Artikel oder Reden, welche aufge⸗ nommen werden oder nicht, nur zur Einrückung der offtziellen Dekrete und Ordonnanzen sei die Redaction verbunden. Nach⸗ dem noch einige Worte zwischen Herrn Grande und dem Mi⸗ nister gewechselt waren, glaubte man die Sache abgethan, als ganz unerwartet ein wahrer Sturm losbrach. Herr Grande ver⸗ gaß in seiner Heftigkeit, dem Justiz⸗Minister das übliche Prädikat „der hohe“ oder „der edle“ beizulegen, sondern nannte ihn ganz kurz⸗ weg den Justiz⸗Minister. Herr Silva Cabral glaubte diese Unge⸗ bühr durch die Erklärung rügen zu müssen, der Redner habe gegen alle Regeln des Anstandes gefehlt. Es erhob sich darüber ein großer Lärm und eine unglaubliche Verwirrung. Alle Welt wollte das Wort haben, Niemand aber vermochte sich Gehör zu verschaffen, obgleich der Präsident Ordnung herzustellen suchte. In dem Saale selbst, wie auf den Tribünen und Gallerieen, ertönte wildes Geschrei im wirren Durcheinander. Herr Grande sorderte den Präsidenten auf, den Minister zur Ordnung zu rufen, wogegen die⸗ ser einwendete, nicht gegen die Ordnung gefehlt zu haben. Herr Grande wollte das Gegentheil beweisen. So groß wurde die Unordnung, daß man sich eher in Mitte eines Raufhan dels auf einem Jahrmarkte, als in einer gesetzgebenden Versammlung zu befinden glaubte. Es herrschte längere Zeit vollkommene Anarchie in der Kammer, und erst nach längerer Unterbrechung konnte diese ihre Tagesordnung wieder aufnehmen.
Endlich scheint es doch mit dem Baue der Eisenbahn von hier
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gegen die spanische Gränze zu nach Badajoz Ernst zu werden, man
hat Aufträge nach Belgien gegeben für Lieferung des nöthigen Ma⸗ terials. Die letzten Stürme haben auf der See viele Unglücksfälle verursacht. “ ö“ 9
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* Lissabon, 1. März. Gestern Morgen um 9 Uhr ist eine französische Brigg beim Auslaufen auf den Klippen um das Fort Bugio an der Mündung des Tago gescheitert, wobei 11 Menschen das Leben verloren haben; nur der Capitain und Pilot konnten ge⸗ rettet werden. Abends 9 Uhr gerieth das von Gibraltar kommende englische Dampfschiff „Pascha“ mit 76 Personen auf dieselben Klip⸗ pen und schwebte 2 Stunden in der größten Gefahr.
Unter den Reisenden befanden sich auch zwei Deutsche, ein an⸗
das erfah⸗ gesehener Kaufmann, Herr Quade aus Hamburg, und der nach län⸗ Es ist Zeit, daß die⸗
gerer Abwesenheit aus Deutschland heimkehrende Prediger der hiesi⸗ gen deutsch- evangelischen Gemeinde, Herr Dr. Schütze, dessen Ver⸗ lust von seinen vielen hiesigen und auswärtigen Freunden gewiß auf⸗ richtigst würde beklagt worden sein.
Türkesi.
Konstantinopel, 4. März. (D. A. Z.) Zwei englische Kaufleute, Herr Beatie und Herr Wilssen, haben der Pforte den Antrag gemacht, eine Bank mit einem Kapital von 200,000 Pfd. St.
zu errichten, welche zu Darleihen mit mäßigen Interessen zur Unter⸗
stützung des inländischen Handels, der Industrie und des Ackerbaues bestimmt sein soll. Sie verlangen von der Pforte weiter nichts als die Bürgschaft, daß die von der Bank leihenden türkischen Untertha⸗ 8 gesetzlichem Wege zu regelmäßigen Rückzahlungen angehalten werden.
Herr von Bourqueney hat der Pforte eine Note des Herrn Guizot übergeben, in welcher Frankreich von der Pforte, mit Hin⸗ weisung auf die Verhandlungen über diesen Gegenstand in den Kam⸗ mern und die Rede des Herrn Guzot darüber, verlangt, daß sie die Unität des Regierungs⸗Systems im Libanon wiederherstelle, und zwar durch die Ernennung eines christlichen Fürsten; wenn auch von Sei⸗ ten anderer Mächte noch einige Hindernisse hiergegen obwalteten, so werde Frankreich diese zu beseitigen suchen und auf diese Weise die einzige glückliche Lösung dieser verwirrten Frage herbeiführen. Die Pforte ist nun gesonnen, Frankreich zu erwiedern, daß die Libanon⸗ frage bisher steis von ihr und den fünf Großmächten in Gemein⸗ schaft, nie aber mit einer Macht besonders berathen worden, und daß sie deshalb auch in diesem Punkte dieses Verfahren einzuhalten ge⸗ sonnen sei.
Soliman Pascha geht übermorgen über Triest nach Paris auf seinen Gesandtschaftsposten ab. In neuester Zeit ziehen sowohl die europäischen wie die türkischen Diplomaten den Weg über Triest mit dem österreichischen Dampfschiffe dem über Marseille wegen der kur⸗
zen Quarantaine vor. Der Schaden, welchen der letzte große Brand in Philippopo⸗ lis in Bulgarien angerichtet hat, beläuft sich auf 40 Mill. Piaster.
Vereinigte Staaten von Nord-Amerika.
London, 16. März. Das Dampfschiff „Cambria“ ist vor⸗ gestern mit Nachrichten aus New-York vom 2. März in Liverpool angekommen. Der washingtoner Korrespondent des New⸗York⸗ Advertiser meldet, daß für den britischen Gesandten in den Ver⸗ einigten Staaten, Herrn Pakenham, neue Instructionen eingegangen wären, denen zufolge zur Wiederaufnahme der Unterhandlungen in Betreff des Oregongebietes England das Anerbieten der Ueberlassung des 49 °, als Gränze, der ganzen Vancouvers⸗Insel und der Schiff⸗ fahrt des Columbia auf zwanzig Jahre gestellt haben soll. Herr Polk, heißt es weiter, habe indeß die Verantwortlichkeit für die An⸗ nahme dieses Vorschlages nicht übernehmen wollen und versprochen, erst das Gutachten des Senats darüber einzuholen. Die Debatte im Senat über die in der Oregonfrage von der Repräsentanten⸗Kammer bereits angenommenen Resolutionen war noch nicht beendet. Am 26. Febr. hatte nun Herr Colquitt, Mitglied des Senats, eine andere Pro⸗ position im Sinne des Herrn Calhoun und der Friedens⸗Partei vor⸗ geschlagen, deren Annahme, wie es hieß, den Rücktritt des Herrn Buchanan aus dem Kabinet und die Erneuerung der Unterhandlun⸗ gen mit England zur Folge haben würde. Nach dieser Proposition soll die zwischen Großbritanien und den Vereinigten Staaten 1818 abgeschlossene und 1827 erneuerte Convention sogleich nach dem Schlusse der gegenwärtigen Session aufgekündigt werden, falls der Präsident nicht für rathsam halten sollte, die Kündigung noch zu verschieben; aber es soll auch sogleich der Beschluß gefaßt werden, die langwierige Streitfrage hinsichtlich der Gränzen des Oregon⸗ Gebiets so schleunig wie möglich durch Unterhandlung und Vergleich beizulegen, damit die Ruhe in die Gemüther des Volkes zurückkehre und die freundschaftlichen Beziehungen der beiden Länder erhalten würden. Die Debatte, welche über diese beiden Propositionen folgte, wurde am Lbsten nicht beendet, und da der Senat an jenem Tage bis zum 2. März sich vertagte, so konnte das Resultat noch nicht bekannt sein. Herr Webster sprach zu Gunsten der neuen Anträge und tadelte nachdrücklich die angenommene Stellung des Präsidenten. Der Präsident, sagte er, erwarte keinen Krieg, aber wie wolle er ihn vermeiden? Die Frage müsse nach Herrn Polk's Meinung beige⸗ legt werden, und zwar durch Unterhandlung. Aber welche Grund⸗ lage wähle er zum Unterhandeln? Den Anspruch auf das ganze Oregongebiet oder gar keinen. Man könne die Stellung der Regie⸗ rung nicht begreifen, welche das ganze Oregongebiet beanspruche und dabei doch noch unterhandeln wolle. Glaube man denn, daß Eng⸗ land auf dem Wege der Unterhandlung das Gebiet aufgeben werde? Ihm scheine deshalb die Regierung durchaus inkonsequent zu handeln, und er glaube, daß die Majorität des Senats für die bei⸗ den Propositionen des Herrn Colquitt stimmen werde. Die Herren Breece, Hannegan und Allen widersetzten sich den⸗ selben, Herr Colhoun sprach dafür und erklärte die vorliegende Frage für die wichtigste, welche seit der Revolution dem amerikanischen Volke vorgelegen habe. Es handle sich darum, ob diese Frage durch Waffen⸗Gewalt oder Unterhandlung entschieden werden soll. General Caß beharrte darauf, daß die Schwierigkeit nicht anders beseitigt werden könne, als wenn Großbritanien größere Konzessionen mache.
Die weitere Verhandlung wurde hierauf vertagt. 8 8
Ausstellung griechischer Natur⸗ und Industrie⸗ Erzeugnisse.
O München, 17. März. Der Ober⸗Lieutenant Ritter von Zentner, Gründer der polptechnischen Schule in Athen, hat in diesen Tagen dier eine Ausstellung griechischer Merkwürdigkeiten veranstaltet, die, obwohl nur impro⸗ visirt und daber immer noch manche Lücke darbietend, von allen denen sleißig be⸗ sucht und befriedigt verlassen wird, die von ihrem Vorhandensein Kenntniß ha⸗
ben, da von einer eigentlichen Oesfentlichkeit keine Rede ist. Einen wesent⸗ lichen und zugleich in sich abgeschlossenen Bestandtheil der Ausstellung bil⸗ deit eine besondere Sammlung, die, unseres Wissens, von dem Herrn von Zentner wahrend seines langjährigen Aufenthaltes in Griechenland veran⸗