1846 / 96 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

25. März von Toulon nach Barcelona abgegangen, soll noch ein Dampfschiff nach diesen Meeresstrichen geschickt werden. Es geht das Gerücht, daß auf einigen Punkten der Halbinsel Unruhen ausgebrochen seien, und man versichert, daß die Dampffregatte „Descartes“, welche in den letzten Tagen von Cadix mit Marine⸗Infanterie⸗Truppen abge⸗ gangen, die sie den Fregatten „Reine-Blanche“ und „Armide“ zufüh⸗ ren soll, die Weisung habe, in verschiedenen Häfen anzulegen, um mit Frankreichs Konsular⸗Agenten Depeschen zu wechseln.

Nach Herrn Ducos sprachen vorgestern in der Deputirten⸗Kam⸗ mer noch Herr Corne und Herr Wüstenberg über den Handels⸗Ver⸗ trag mit Belgien und über die kommerzielle Politik überhaupt; sterer bestritt es, gehabt habe, die Seidenwaaren

,2000,000 Fr. zugenommen.

Bedingung gleicher Production Lande zulässig; hier aber, meinte er, werde der französische Landbau durch

ausgenommen, deren Aussuhr um

Ueberschwemmung Frankreichs mit belgischer Leinwand sehr leiden, und ein

etwas höherer Schutz sei nothwendig. Herr Wüstemberg bemerkte dagegen, daß in einem System, welches einerseits die Leinwandfabrikation gegen alle Konkurrenz schützen, andererseits den Seidenwaaren und Weinen keinen Markt eröffnen wollte, durchaus nicht von wahrhafter Gleich⸗ heit zwischen den verschiedenen Gewerbzweigen die Rede sein könnte, und daß jene Gleichheit, welche Herrn Corne vorschwebe, eine blos theoretische, keine praktische sei. Das Schutzsystem habe seine Zeit ausgedauert und müsse jetzt, nicht plötzlich, aber allmälig beseitigt werden.

Ueber den Gesetz⸗Entwurf in Betreff des Handels⸗ Vertrages mit Belgien äußert der Commerce: „Der erste Gesetz⸗Entwurf, den zu erörtern die Kammer berufen ist, betrifft die Ratisication des zwischen Frankreich und Belgien abgeschlossenen neuen Handels⸗Ver⸗ trages; dieser neue Vertrag wird nicht, wie der frühere, in Vollzie⸗ hung gesetzt werden, ohne die legislative Sanction erhalten zu haben, und wenn die Kammern denselben, wie dies schon hinsichtlich mehrerer Handels⸗Verträge geschehen ist, modifiziren wollen, so können sie dies in voller Freiheit thun und ohne sich an vollbrachte Ereignisse zu stoßen. Die Regierungen in Frankreich haben nie durch die Kenntniß der Handels⸗Interessen geglänzt.“ Der Commeree führt, um dies zu beweisen, mehrere Handels⸗Verträge an, geht die Bestimmungen des mit Belgien abgeschlossenen Vertrages durch und fügt am Schlusse hinzu: „Man ersieht aus dieser Darstellung, daß wir berechtigt sind, zu wiederholen, was wir zu Anfang sagten, nämlich, daß in diesem neuen Handels⸗Vertrage, wie in jenen, die wir angeführt, wieder die Geschicklichkeit nicht auf der Seite unserer Regierung ist.“

Nach dem National sollen ernste Unruhen in St. Etienne stattgehabt haben. Der General⸗Prokurator von Lyon hätte dem Großsiegelbewahrer folgende Depesche überschickt: „Ich begebe mich nach St. Etienne. Es hat eine Kollision zwischen den Arbeitern und der bewaffneten Macht stattgefunden. Mehrere Arbeiter sind getödtet worden. Morgen folgt mein Bericht.“

In den letzten Tagen sind mehrere Spanier in Paris angekom⸗ men, welche, in Folge des Wiedereintrittes des Generals Narvaez in das Kabinet, ihr Vaterland verlassen haben.

Zwischen dem von Herrn Thiers inspirirten Constitutionnel und dem ministeriellen JZournal des Déöbats hat sich eine Pole⸗ mik über den Charakter und Werth der Majorität in der Repräsen⸗ tativ⸗Verfassung erhoben. „Wir müssen zugeben“, sagt letzteres Blatt, „daß uns der Constitutionnel in einige Verlegenheit setzt. Er erklärt nämlich: „„Ihr rühmt euch immer, die Majorität zu ha⸗ ben. Herr Duchatel weiß kein anderes Argument vorzubringen. Statt daß er die Opposition zu überzeugen suchen sollte, die, wie Jedermann weiß, nichts so sehr wünscht, als überzeugt zu werden, beruft er sich nur immer auf die Majorität. Ihr habt die Majorität, es sei! Was beweist dies? Sind etwa die Majoritäten nach göttlichem Recht unfehlbar? Kann eine Majorität sich nicht irren? Kann sie nie verführt oder bestochen werden? Lassen wir doch diese unbeholfenen Fragen von der Mehrheit und Minderheit beiseitliegen. Die reine Vernunft möge zwischen uns richten. Be⸗ weiset uns, daß euer Ministerium ein gutes Ministerinm ist, daß wir im Irrthum verkehren und ihr der Wahrheit huldigt. Wohlan!

aßt euch vernehmen; wir erwarten euch festen Fußes.““ Gewiß antwortet das Journal des Débats), unsere Verlegenheit be⸗ teht nicht darin, anzugeben, warum wir das Ministerium vom 29. Oktober dem Ministerium vom 1. März vorziehen. Wir haben das hun⸗ bertmal gesagt, und seit sechs Jahren schon sprechen die Thatsachen lauter ls wir. Hier gilt es aber, den Constitutionnel zu überzeugen und Herrn Thiers das Geständniß abzulocken, daß er bei all seinem Ta⸗ ent, all seinem Geist, jedesmal, wenn er am Ruder war, die öffent⸗ ichen Angelegenheiten in sechs Monaten in eine solche Verwirrung ebracht hat, daß er seinen Nachfolgern für ein paar Jahre zu thun , sie wieder ins Geleise zu bringen! Und dieser Aufgabe zu genügen, wir gestehen es, fällt uns schwer genug. Was der Con⸗ titutionnel von uns verlangt, Niemand hat es bisher zu thun internommen. Casimir Perier, als er (1831) die Unterstützung

Kammer anrief, die Emeute zu besiegen und den Frie⸗

zu erhalten, hat damit nicht gewartet, bis es ihm etwa gelungen wäre, Herrn Barrot oder Herrn Mauguin zu überzeu⸗ gen. Er ließ es sich gefallen, die Stimmen seiner Gegner zu mis⸗ ken, und begnügte sich mit denen seiner Freunde. Auch Herr Thiers, während seines Ministeriums vom 11. Oktober 1832, dem einzigen, in welchem er sich als Staatsmann bewährt hat, gab sich nicht die Mühe, die Linke überzeugen zu wollen. Er würde Jeden ausgelacht haben, der ihm gerathen hätte, mit den September⸗Gesetzen (von 1835) zu warten, bis die Linke sie gut fände. Herr Thiers ist sehr „spiritualistisch“ geworden, seit er aufgehört hat, Minister zu sein. Als er noch mit an der Gewalt war, fand er das Argument der Majorität schlagend genug; sein Zartgefühl sträubte sich damals nicht gegen den „Materialismus“ der Stimmkugeln. Er dachte wohl, obschon die Qualität kollektiv in ihm repräsentirt wäre, sei es doch so übel nicht, auch die Quantität noch hinzuzufügen. Kuͤrz, in allen uns bekannten Repräsentativ⸗Regierungen sind die Minister weit entfernt, die Majoritäten geringzuschätzen. Die Vorliebe für die „reine Vernunft“ entsteht im Gemüth erst an dem Tage, wo man in die Reihen der Opposition übergeht, d. h. an dem Tage, wo man das Ministerium sammt der Ma⸗ jorität verloren hat. Dann ändert sich Alles. Es giebt für die Op⸗ position unwandelbare Sätze: man schmeichelt der Maäjorität, so lange man glaubt, einige Wechselfälle für sich zu haben, sie gewinnen zu können; man giebt dann zu, sie sei ehrlich, aber schen und furchtsam; sie stimmt für die Minister, aber wie ungern! Sie fände sich erleich⸗ tert, wenn nur das Kabinet, das von ihr unterstützt wird, fallen wollte; sie hegt in ihrem Innern eine lebhafte Sympathie für die Opposition. Dos ist die erste Phase. Ist es dann später nicht mehr möglich, sich Illusionen zu machen, ist die Majorität unwiderruflich ver⸗ loren, dann tritt die zweite Phase ein; da heißt es dann: „„Was ist die Majorität? ein Haufen Leute, die sich verkauft haben oder von Natur servil sind; eine Masse ohne moralisches Gewicht; das Gepäck aller Ministerien. Handelt es sich denn um die Majorität? Nein! Es handelt sich darum: wer Recht hat. Schönes Argument, das in der Zahl der Stimmkugeln beruht!““ Herr Thiers, der nicht mehr Minister ist, hält eine Rede bewundernswerth,

Er⸗ daß Frankreich aus dem Vertrag von 1842 Nutzen

Handelsfreiheit fand er nur unter der zwischen dem einen und dem anderen

vernichtend, kurz, eine Rede, auf

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welche Niemand zu antworten wagt, denn daß die Antwort des Herrn Duchatel, da derselbe Minister ist, nicht zählt, versteht sich von selbst. Und nun sehe man! Wirkt etwa die herrliche Rede des Herrn Thiers auf die Stimmung der Majorität? Nichts weniger! Man will so⸗ gar wissen, die geistreiche Petulanz des Herrn Thiers, sein allerliebster Ausfall gegen ein allgemein verehrtes König⸗ thum, hätten der Mazjorität einige Stimmen mehr zugeführt. Und nun sage man noch, daß wir die Repräsentativ⸗Ver fassung haben! Und nun leugne man noch, daß die Majorität bis ins Mark hinein verderbt ist. Die Rede des Herrn Thiers gehört in den Mund eines Ministers, und Herr Thiers ist nicht Minister! Ist es nicht sonnenklar, daß Herr Duchatel seine Majorität mit klingender Münze verkauft? Er mag sie behalten, seine Majorität! Sie könnte sich Herrn Thiers anbieten, er würde sie verschmähen.“ Bei dieser Gelegenheit macht die Ober⸗Post⸗Amts⸗Zeitung folgende Be⸗ merkungen über das Majoritäts —System: „Dieses System wird stets von denen gepriesen werden, die es gerade ausbenten, während die Anderen es verwerfen, deren Zwecke es hin⸗ dert. Auf gründliche Erörterung lassen sich weder die Einen noch die Anderen ein. Nehmen wir ein Volk an, vor dem gesellschaft⸗ lichen Vertrag. Die Majorität hat (nach der strengen Theorie) kein Recht, keinen Schatten von Recht über die Minorität dieses Volkes, ausgenommen jenes, welches diese Minorität ihr freiwillig und ein⸗ stimmig ertheilt; um so mehr, wenn man dieses Volk durch die mo⸗ derne Idee der Repräsentation binden, wenn man als seinen Willen jenen, welchen die Mehrheit seiner Abgeordneten ausdrücken wird, betrachten will, obschon es diesen Willen nie gehabt oder zu erkennen gegeben hat. Es müßte wenigstens das Volk zu⸗ erst einstimmig beschlossen haben, daß es Abgeordnete nach dem Ge⸗ setz der Stimmenmehrheit ernennen wolle, und daß es sich allem dem, Was diese nach eben demselben Gesetz wollen werden, unter⸗ werfen werde, als ob es dies selbst einmüthig gewollt hätte. Wenn alle Individuen der Nation sich nach gemeinschaftlicher Verabredung auf dem öffentlichen Platze versammeln könnten, so würde das Votum der Mehrzahl kein Gesetz sein können und der Gehor⸗ sam der Minderzahl nur eine Sklaverei sein, falls diese Indi⸗ viduen nicht zuerst mit Stimmen⸗Einhelligkeit beschlössen: die Entscheidungen der Mehrzahl sollten die Minderzahl binden. Wenn nun aber diese Individuen auf einem ungeheuren Gebiete zer⸗ streut sind, wenn eine Versammlung derselben an einem einzi⸗ gen Orte rein unmöglich ist, so muß man eine noch stärkere Ver⸗ jeugnung ihres Willens von ihnen sordern; sie müssen vor Allem darauf verzichten, selbst Entschließungen zu fassen, und einwilligen, alle ihre Rechte auf die Wahl einer Deputation zu beschränken; fer⸗ ner müssen sie versprechen, das Gegentheil dessen, was sie, so wie dessen, was ihre Abgeordneten gewollt haben, als ihren Willen an⸗ zuerkennen, salls andere Abgeordnete, welche sie nicht kennen, und welche von Wählern, die sie ebenfalls nicht kennen, ernannt worden sind, es so wollen. Nicht nur ist diese einmüthige Einwilligung nie gegeben worden, sondern sie würde auch, wenn man sie von einer großen Nation verlangte, fast einmüthig verwei⸗ gert oder fast einmüthig zurückgenommen werden, sobald die Nation bemerken würde, daß die Beschlüsse ihrer Abgeord⸗ neten ihrem Willen widerstreiten. Diesen und hundert anderen Schwie⸗ rigkeiten bei der Anwendung des Maäjoritäts⸗Systems ungeachtet, ist man, wie an vielen Orten, auch in Frankreich nach der Juli⸗Revolu⸗ tion von 1830 zu dem Glauben gekommen, in einem Augenblick all⸗ gemeiner Aufregung und Gefahr sei eine Nation leicht zu bewegen, die beiden Grundsätze: von der Gewalt der Maäjorität über die Mino⸗ rität und von der Gewalt der Repräsentanten über die Repräsentirten, zu proklamiren oder proklamiren zu lassen, wenn schon der momentane unaufgeklärte Wille einer Nation nicht ihr wahrer Wille und keine Kundgebung ist, auf welcher das ganze gesellschaftliche Gebäude ruhen kann.“ 8

Der Constitutionnel enthält Folgendes: „Die Unverschämt⸗ heit in Bestechung einflußreicher Beamten übersteigt alle Gränzen. Jemand, der in einen Prozeß verwickelt ist oder vielmehr nur ein An⸗ negen hat, worüber der Staatsrath entscheiden muß, schämte sich nicht, neulich einem Mitgliede dieser Behörde 10,000 Fr. anzubieten, wenn er eine günstige Entscheidung für ihn erwirke. Zum Beweise, daß derselbe auf sichere Zahlung rechnen könne, lege er die erste Hälfte des Betrags im voraus bei. Der Beamte war aber ein Ehrenmann, er wies die Geldsumme mit Entrüstung zurück und denunzirte diesen Versuch administrativer Seelenverkäuserei dem Präsidenten des Staats⸗ Raths, so wie den Ministerien des Handels, der Industrie und der öffentlichen Bauten, in deren Departements das fragliche Geschäft einschlägt.“

Auch nach Eröffnung der neuen Eisenbahn von Orleans nach Tours setzen die Dampfschiffe auf der Loire ihre Fahrten fort, aber zu sehr reduzirten Preisen. Die Fahrt von Orleans nach Tours kostet auf denselben jetzt blos 2 Fr., den Fluß hinauf nur 1 ½ Fr., dazu hat jeder Reisende funfzig Kilogramm Gepäck frei.

Unter den neuen Bank⸗Gesellschaften, welche, wie die von Gonin und Ganneron, bedeutend zu werden scheinen, wird die Central-Kasse für Handel und Eisenbahnen genannt, welche zwei frühere General⸗ Einnehmer, die Herren Baudon und M. de St. Albin, zu Geschäfts⸗ führern und ein Grundkapital von 15 Millionen hat. 5

Die Dampfschiffe „Grondeur“ und „Chimere“ sind nach dem La⸗Plata beordert. In den ersten Tagen Aprils werden sie dahin abgehen. Man soll indeß darauf verzichtet haben, Truppen nach dem La⸗Plata zu schicken.

Im nächsten Juli wird ein Lager in der Nähe von Paris er⸗ richtet, 25,000 Mann sollen in demselben vereinigt werden. Man glaubt, daß diese Vorbereitungen mit dem erwarteten Besuche der Königin Victoria und des Pascha von Aegypten in Frankreich in Ver⸗ bindung stehen.

Die Großherzoglich hessische Regierung hat einen Konsul in Al⸗ gier ernannt.

Man versichert, Marschall Bugeaud beabsichtige, Abd el Kader einen einmonatlichen Waffenstillstand zu bewilligen, um mit demselben über eine Auswechselung der Gefangenen zu unterhandeln.

Herr von Barante wird, wie es heißt, nächstens auf seinen Posten in St. Petersburg zurückkehren.

Lord Brongham ist hier angekommen; er gedenkt bis 15. April zu bleiben. 8

Die Liquidation hat die Notirung der Rente etwas gedrückt; das Geschäst an der Börse war wenig belebt; Eisenbahn⸗Aelien aller Gattungen waren ausgeboten und zu weichenden Preisen zu haben.

2. Paris, 31. März. In der heutigen Sitzung der Depu⸗ tirten⸗Kammer wurde die gestern begonnene allgemeine Diskussion über den Geggnns ggnns 9 8. 13. Dezember 1845 mit Belgien abgeschlossenen Vertrags fortgesetzt.

dem 2 - 1ö9 spricht zuerst gegen den Gesetz⸗Entwurf. Derselbe sei antinational, opfere die in Frankreich kaum erst erstehende mecha⸗ nische Flachsspinnerei dem Interesse Belgiens. Auch gegen die Dauer des Vertrags erhebt sich der Redner, das Uebel solle so sechs Jahre dauern. Ob der Minister des Auswärtigen sich Rechenschaft gegeben habe von dem Schaden, den dieser Vertrag dem Arrondisse⸗ ment von Lisieux verursachen werde? (Gelächter.) „Ja, meine Her⸗

G“

ren“, rust der Redner aus, „die Folgen eures Vertrages werden ap euch zurückfallen. Ich werde gegen das Gesetz votiren, weil es

gen das wohlverstandene Interesse des Ackerbaues und der 9

dustrie ist.“

Herr Lherbette: Man müsse sehen, in welche Lage der Va⸗ trag die beiden Völker stelle. Die Aufmerksamkeit der Kammer mis⸗ sich auf diese allgemeinen Erwägungen lenken. Der Vertrag an sit habe keine sehr große Wichtigkeit. Die Folgen müsse man unten suchen. Es sei bei der großen staatsökonomischen Umwälzung, die i England vor sich gehe, der Wiederhall davon in Frankreich unve⸗ meidlich fühlbar geworden. Die staatsökonomischen Fragen suchte sich an die Stelle der politischen zu setzen. Hellblickende Köpfe hätte dies längst vorausgesehen. Was alle Gemüther in diesem Augenbit beschäftige, seien die Hemmnisse des sreien Verkehrs, gegenüber de Systeme der Freiheit. Er billige den Gedanken des Vertrages. g. sei ein Schritt voran auf dem Wege zum Guten, der Schritt nicht sehr groß, aber er erkenne es an, das Ministerium habe nil weiter gehen können. (Bewegung in verschiedenem Sinne.) Er heif die Dauer des Vertrages von 6 Jahren nicht gut; das sei zu bug, indeß enthalte der Vertrag für Frankreich mehrere Vortheile unic, unwichtigen Verkehrs⸗Artikeln. Die Mißstände des Vertrages sin nicht zahlreich, die Vortheile, die er biete, dagegen thatsächlich. . werde daher für dessen Annahme stimmen. Das System der Hemn. nisse werde fallen; auf diese Verträge, die man jetzt schließe, wen die absolute Freiheit des Verkehrs folgen. Der Vertrag mit Belga sei ein Schritt zu diesem Ziele, allerdings nur der Schritt enn Schildkröte, aber, unter den gegenwärtigen Umständen, bei den ug vorherrschenden Meinungen, sei dies ein Riesenschritt. (Gelächter

Der Handels⸗Minister: Er habe die Absicht gehabt, mgh Herrn Lherbette das Wort zu nehmen, aber dessen Rede sei mehr den Vertrag, als dagegen. Er könnte daher nur die Ansichten de selben noch weiter entwickeln und werde nun erst das Wort nehm wenn einer der Gegner noch den Vertrag angegriffen hätte. Hen Lherbette habe angekündigt, daß er das Ministerium über die goefen in England angeregten Fragen der Handelsfreiheit interpelliren wei. Das Ministerium werde diese Fragen nicht ablehnen, sondern sie siü⸗ müthig beantworten, wenn sie angeregt würden.

Herr Gauthier de Rumilly spricht gegen den Entwus „Die Anhänger desselben berufen sich fortwährend“, sagt er, „auf Handels⸗Ansichten Sir Robert Peel's. England hat aber mit da Schutz⸗System begonnen, dieses hat die englische Industrie auf hohe Vollkommenheit gebracht, wo wir sie sehen. Jetzt, wo Englen überall Schranken errichten sieht gegen seine Waaren, Schranken, w es zuerst ins Leben gerufen, räumt es dieselben, vertrauend auf säin Ueberlegenheit, hinweg, um Nachahmer zu haben und dann alg Märkte sich bemeistern zu können. Es wäre aber für Frankreich säh unklug, das Beispiel Englands nachzuahmen. Eine neue Konkurr wird geschaffen, die unheilvoll ist und zuletzt alle französischen Ind strieen zu Grunde richten muß. Es ist leicht, dem Ministerium Gle⸗ zu wünschen und seine Gegner Retrograde zu nennen. Das ist abn nichts Anderes, als in Gegenwart der Konkurrenz des so mächtigen Englands die Entwaffnung Frankreichs predigen. So wie dilses

seine politische Nationalität behaupten muß, so auch seine industrilr,

(Die Sitzung dauert noch fort.)

Großbritanien und Irland.

London, 31. März. Gestern wurden die nöthigen Befehle ausgestellt, um die Einschiffung von 2000 Mann Truppen von Cok und 1000 Mann von Portsmounth nach Ostindien zu bewerkstelligen. Die Einschiffungen finden in der letzten Hälste des April und in dem ersten Hälfte des Mai statt.

Der bekannte Missionair Dr. Wolff prophezeit auf den Grund seiner an Ort und Stelle gesammelten Kenntniß von der Lage dem Dinge im Pendschab, daß das britische Heer, sobald es erst einma in das Land eingedrungen sei, leichtes Spiel haben werde, da die Muhamedaner und Hindu im Pendschab aus religiösen Ursachen die Seikhs, welche sie deepotisch beherrschen, gleichmäßig hassen und sic gewiß gleich zu den Engländern schlagen werden, sobald sie die Seilh nicht mehr zu fürchten haben. Ur. Wolff räth die Besitznahme des Pendschab und die Ueberlassung Peschauers an die Afghanen an; durch den Besitz Kaschmirs würde England in dem Besitz der Thone von Tübet, Kaschgar, Kokand, Samarkand und Buchara sein und nicht nur den Tod Connolly's und Stoddart's rächen, sondern auch 200,000 in Buchara gefangene Perser befreien können; die Wäaba⸗

nen aber würden nach der Cession Peschauers Englands beste

Freunde sein.

Sgeigitn.

Brüssel, 1. April. Ein gestern Abend ausgegebenes Supple⸗ ment zum Moniteur bringt endlich die Zusammensetzung des nemmn Ministeriums in einer Reihe Königlicher Verordnungen, mittelst dem zuerst die Entlassungs⸗ Gesuche der bisherigen Minister Vandewem und d'Hossschmidt angenommen, dagegen die der Minister Baron d'Ane than (Justiz), Dechamps (Auswärtiges), Malon (Finanzen), Graf vog Muelenaere und Baron d'Huart (Staats ⸗Minister) nicht genehmigt und dann Graf de Theux (der bereits Staats⸗Minister ist) m die Stelle des Herrn Vandeweyer zum Minister des Innenn, General⸗Lieutenant Baron Prisse, an die Stelle des schon srühe wegen Kränklichkeit entlassenen General Dupont, zum Kriegs⸗Minssen und Herr G. J. de Bavay, bisheriger General⸗Seeretair im Depar⸗ tement der össentlichen Bauten, an die Stelle des Herrn d'Hoffschmie zum Minister dieses Departements, ernannt werden. Die Hemm d'⸗Anethan, Dechamps, Malou, von Muelenaere und d'Huart verbse- ben also in ihren Stellen.

Schweiz. 1

Kanton Bern. Die Berner Zeitung theilt die abnte⸗ chenden Ansichten mit, welche unter den Mitgliedern der Redachohe⸗ Kommission des Verfassungs⸗Rathes über einige wichtige Punkte hen⸗ schen. Für das Alter der Stimmfähigkeit wollen die Einen das ül⸗ rückgelegte 21ste, Andere das zurückgelegte 20ste Altersjahr festsetzen; hinsichtlich des Stimmrechtes der Schweizer aus anderen Kantonen gedenken die Einen, dasselbe auf alle Schweizerbürger auszudehnen, während Andere den Grundsatz des Gegenrechtes festhalten wollen Von einem Vermögens⸗Census im bisherigen Sinne ist gar unch die Rede; hingegen wird der Gedanke geltend gemacht, daß um das Stimmrecht zu besitzen, man dem Staate etwas 108 müsse, entweder persönliche Dienste (Militair), oder irgend eine dien Abgabe. Die Steuer⸗Bezahlung könnte natürlich auch eine freswine⸗ sein, so daß, wer sich auch nur für einen geringen Betrag einschrei würde, das Stimmrecht erhielte. Einig ist man darüber, daß dire 1 Wahlen einzuführen seien. In Betreff der Wahl⸗Operation dagehe herrschen zwei Ansichten: die eine will für die Wahlen in den Groß Rath u. s. w. in den Gemeinden abstimmen lassen und dann . die Stimmzettel aller Gemeinden des Wahlkreises an den Haupo, zusammentragen lassen, um das Wahl⸗Nesultat auszumitteln. 14 andere Ansicht dagegen will nicht blos die Stimmzettel, sondern 9 Bürger selbst an den Hauptort versammeln, sie will eigentliche Wa Versammlungen. “]

Spanien.

Madrid, 25. März. Der Conseils⸗Präsident, General Narvaez,

hatte eine lange

Mittel,

zu dotiren, berathen

De haltenen eiherzu

1 olitisch

Konferenz mit mehreren Bischöfen, worin über die den Kultus und Klerus auf geeignete und dauernde Weise wurde.

r Heraldo widerspricht heute dem in mehreren Blättern ent⸗ Gerüchte, daß das neue Kabinet die Königliche Garde wie⸗

stellen beabsichtige.

Der Justiz⸗Minister hat die ihm untergeordneten Behörden in inem Cirkular⸗ Schreiben e Presse die Gränzen der Mäßigung nicht überschreite.

Als die Karlistischen Journale nach dem Erscheinen des Dekrets gegen die 8 böinen, sich aber

aufgefordert, darüber zu wachen, daß die

Presse erklärten, sie würden zwar nicht aufhören zu er⸗ bis auf Weiteres aller politischen Raisonsements

athalten, wenn sie nicht durch außerordentliche Umstände dazu ge⸗

wungen

würden, bemerkte der Tiempo, daß das Schweigen der

garlistischen Blätter sehr natürlich sei, indem die Regierung mehr für eabsolutistischen Prinzipien thue, als jene Blätter selbst im Stande

Hierauf erwiedert nun die Esperanza:

„Wir leugnen nicht, daß wir die Empfindlichkeit, welche der Th'on in diesen Tagen zeigte, so wie die Energie, womit er sich gegen die verfassungs⸗

widrigen

en gesehen

dinets, von Täuf

Eingriffe der parlamentarischen Gewalt vertheidigte, mit Vergnü⸗ haben; wir leugnen nicht, daß die Bildung eines Ka⸗ welches so viele kenntnißreiche Männer enthält, die von jeder Art

schung geheilt sein müssen, für uns ein neuer Beweis gewesen ist,

baß wir uns dem wahrhaften Frieden und jener Versöhnung nähern, wonach

pit streben.

en werden, g -

Vbstand, so pißbeit, wie zwischen der

Aber zwischen diesen Aeußerungen und der Zeit, wo wir sa⸗ wir schweigen nur deshalb, weil uns nichts mehr zu thun übt, weil wir nichts mehr zu befürchten haben, ist noch ein großer wie zwischen der Wahrscheinlichkeit und der Ge⸗

so groß, Hoffnung und dem Besitz.“

Portugal.

Lissabon, 21. März. Der Kammer ist gestern von der Regie⸗

ng ein wichtiger Gesetz⸗Entwurf vorgelegt worden.

en soll

bronsolger das 18te Lebensjahr noch nicht

sesem Z

Nach demsel⸗ Königin Dosia Maria II., wenn der

zurückgelegt hätte, bis zu eitpunkte die Regentschaft und die volle und ganze Ausübung

beim Hinscheiden der

er Köͤniglichen Autorität dem Gemahl der Königin, dem Könige on Fernando, übertragen werden. S 1“

ũ 27„

Sriechenland. März. Als die Regentschasft im Jahre 1834

202

—62.

Athen,

vas neue Strafgesetzbuch einführte, ward die Einführung der Guillo⸗ ine beschlossen und mit großen Unkosten ein Apparat dieser Art aus

rankreich verschrieben.

Die Griechen zeigten indeß einen so entschie⸗

enen Widerwillen gegen diese Hinrichtungeweise, daß zu drei ver⸗

biedene

Malen (zweimal in Athen und einmal in Nauplia) am

Perabend einer Hinrichtung der Scharfrichter ermordet wurde, und a Regierung konnte seitdem Niemanden mehr finden, der den Muth

ehct hätte,

gir otze Ve facte-

diese Stelle anzunehmen und dem öffentlichen Abscheun n. In den letzteren Jahren war dadurch die Todesstrafe Nabgeschafft, indem der König von seiner Prärogative Ge⸗

rauch machte und die Strafe der zum Tode Verurtheilten in lebens⸗

lingliche

Die in

kaputas ltr. 87)

Kettenstrafe verwandelte.

Athen vor kurzem stattgehabte Ermordung des Herrn und die Festnehmung des Mörders (s. Allg. Pr. Ztg. hat nun die Regierung veranlaßt, der Kammer einen Gesetz⸗

küwurf über die Vollziehung der Todesstrafe durch Erschießen vorzu⸗

gen. dh;

Bei dieser Gelegenheit war die Opposition natürlich auf dem Einige wollten die Todesstrafe überhaupt aufgehoben wissen,

zgann suchten allerlei unbedeutende Gründe hervor, um den Vor⸗ g des Ministeriums zu verwerfen; indeß wurde der Gesetz⸗Ent⸗

rf an

genommen und hat rückwirkende Kraft.

die Deputirten Antoniades und Karajannopulos haben der Kam⸗

er eine

chen Bank vorgelegt.

en Gesetz⸗-Entwurf zur Errichtung einer Allgemeinen Griechi⸗ Folgendes ist der wesentliche Inhalt des

Entwurfs: Der Hauptsitz der Bank soll in Achen sein, mit Filialen in Nauplia,

Patras,

Der Zweck der Bank ist Unterschid der Person, Geld

g

Kalamata, Syra, Chalcis und Sparta. a) an jeden sich meldenden Giiechen, ohne zu leihen, auf Hypotheken, auf Depositen von

Tripolitza,

[Gold, Silber und Edelsteinen, auf Bürgschaft von wenigstens zwei solventen

Haydlungshänsern;

Das Kayital besteht aus 5 Millionen Drachmen, welche nach und nach aus Staatsmiteln hervorgehen sollen, und zwar aus dem Erloͤs des Verkaufs von National⸗ und geistlichen Ländereien,

Jahre

zn milden Stiftungen, für Erziehung ꝛc.

Peg svvm

nden.

e in der Kasse. epositen werden 4 „Ct. vergütet. ber 10,000, noch unter 200 Drachmen sein.

¹) Depositengelder mit und ohne Zinsen anzunehmen.

aus den Rückständen vor dem 1843, sobald dieselben eingehen, und aus Geschenken und Legaten Banknoten dürfen von der Re⸗ zu 10, 20, 50, 75, 100, 500 und 1000 Drachmen, mit dem Staats⸗ und der Unterschrift des General⸗Kassirers versehen, ausgegeben Der Betrag des Papiergeldes kann höchstens dreimal so hoch sein, Zinsen können nicht 6 „Ct. jährlich übersteigen. Auf Der Betrag einer Anleihe kann weder Vorschüsse auf Hypotheken bis

er Hälfte des Werths, aber nicht länger als auf zwei Jahre, können nach

ilauf dieses Termins wieder erneuert werden. nen wie folgt: auf Feldsrüchte 60 vCt. des Werths,

dCt., Es gageht

sin Unterstützung erhalten werde.

ei de

Vorschüsse auf Psänder Gold und Silber Edelsteine 50 pCt., Wechsel⸗Diskonto auf längstens 5 Monate.

ist zu bemerken, daß dieser Vorschlag nicht vom Ministerium , und es wird aus mehreren Gründen bezweifelt, daß er Man begreift nicht recht, wo⸗ Regierung das Geld nehmen soll, um die Bank zu begrün⸗

i, auch steht der Ausführung des Projelts das unübersteigliche

derniß im Wege,

daß die schon seit 5 Jahren bestehende griechi⸗

je National⸗Bank das ausschließliche Privilegium besitzt, Papiergeld negugeben; ein Privilegium, welches man ohne die größte Ungerechtigkeit an begehen, nicht vor Ablauf der konzessionirten 25 Jahre aufheben sann. Die Verhandlungen in der Kammer waren in diezer Woche nnerheblich. Die Oppositions⸗Zeitungen haben eine kleine Niederlage

erlinen und sind etwas vorsichtiger geworden.

ser A

1b 18 2 Die Hoffnung, ion und nach diesen andere Zeitungen erzählten mit der größ⸗

n Bestimmtheit, daß Herr Piscatory bei seinem neulichen Ausfluge nige Marmor-Blöcke mit antiken Basreliefs bei Trözene gefunden

dhe

imlich an Bord seines Dampfschiffes habe bringen lassen. Da

in wahres Wort an der ganzen Geschichte ist, so fühlte sich natür⸗ h Herr Piscatory sehr gekränkt und hat sowohl den Aion als die gl ung wegen Verleumdung vor den hiesigen Gerichten angeklagt.

er größten Angst und offenbar, um Herrn Piscatory zu veran⸗ sen seine Klage wegen Defamation zurückzunehmen, enthalten nun eJournale die demüthigste Zurücknahme der Beschuldigung, in⸗

in sie

gestehen, daß sie die Nachricht aus keiner amtlichen Quelle

es nur von Jemand gehört hätten.

ar dem

sosaik⸗

Beim Wegräumen der Erde in den neuen Garten⸗Anlagen hin⸗

Palais entdeckte man in dieser Woche einen sehr großartigen Fußboden, offenbar zu einem Tempel oder anderen großen

entlichen Gebäuden aus der Vorzeit gehörend. Auf demselben fand

8

r Flöte. nte B

auch einen Altar mit einigen Statuen, unter anderen Pan mit

In Salamis wurden vor einigen Tagen einige interes⸗ asreliefs entdeckt, welche von der hiesigen archäologischen Ge⸗

schaft angekauft und in dem Aeolus⸗Tempel aufgestellt sind.

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Belgrad, 17. März. (A. Z.) Es werden hier Vorbereitun⸗ gen getroffen, um den Sultan, der auch Serbien besuchen will, zu empfangen. Briefe aus Konstantinopel melden, daß er den österrei⸗ chischen Staats⸗Kanzler, Fürsten von Metternich, zu einer Zusammen⸗ kunft in unserer Stadt eingeladen habe. Daß ein Kaiserlicher Erzherzog zur Begrüßung des türkischen Kaisers sich in Belgrad einfinden soll, wird aus Wien als gewiß berichtet. Es wird behauptet, die Reise des Sultans werde sich auch auf Bosnien erstrecken und selbst die Herzegowina umfassen, wo die unaufhörlichen Händel der Türken mit den Montenegrinern durch das unmittelbare Einschreiten des Monar⸗ chen vielleicht eine desinitive Erledigung erhalten könnten. Jedoch sind dies nur Gerüchte, die sich auf den Umstand stützen dürften, daß Herr von Titoff am 25sten v. M. in einer etwas energischen Note die Beschwerden Montenegro's (hauptsächlich gegen den Pascha von Skodra) neuerdings der Pforte vorlegte und Abhülfe von Reschid

verlangte, der seinerseits versprach, das Möglichste zu thun, um die

Verhältnisse zwischen dem Vladika und dem Gouvernement ins Klare zu setzen und zu verbessern. Andererseits hat aber auch der Pascha von Skodra eine Reihe von Klagen gegen den Vladika bei der Pforte erhoben, deren Berücksichtigung der Reis⸗Effendi nicht zu umgehen gedenkt, im Falle sie sich als gegründet bewähren sollten. Die zwei

bekannten Inseln auf dem See von Skodra (Lessandria und Wranina)

sind noch immer in den Händen der Türken; es ist bekannt, daß die Letzteren durch einen Gewaltstreich in ihren Besitz gelangten, und daß sie seit der Zeit sich alle Mühe geben, um durch angelegte Befesti⸗ gungen diesen Besitz für die Zukunft zu sichern.

Ostindien.

London, 31. März. Die diesmalige Ueberlandpost, welche Bombay am 3. März verlassen hat, ist in der ungewöhnlich kur⸗ zen Zeit von 28 Tagen befördert worden, und die Berichte über die vierte siegreiche und wahrscheinlich entscheidende Schlacht der Eng⸗ länder gegen die Seikhs am 10. Februar werden bereits von den heutigen Morgenblättern nach der Bombay⸗Times mitgetheilt. Die Seikhs sind über den Sutledsch vollständig zurückgetrieben, und das ganze britische Heer ist am 14. Februar in das Pendschab eingerückt, dessen Hauptstadt Lahore, wie man glaubt, seit dem 24. Fe⸗ bruar in den Händen der Engländer sein dürfte. Die Ereignisse am Sutledsch in ihrem Zusammenhange seit der letzten Schlacht bei Aliwal gestalteten sich nach den Berichten der Bombay⸗Times folgendermaßen:

Bekanntlich lagerte das britische Heer, ungefähr 40,000 Mann statk, in der ersten Hälfte des Jannar längs den diesseitigen Ufern des Sutledsch in einer Ausdehnung von 20 engl. Meilen. General Littler mit seiner Di⸗ vision stand bei Attarih, 7 Miles von Firozpur, verstärkt durch die Division des General Sir John Grey, der hier das Kommando übernahm; das Hauptquartier des Ober⸗Befehlshabers Sir Hugb Gough befand sich 6 Mi⸗ les höher hinauf am Sutledsch und die Umdallah⸗Streitmacht noch weiter binauf, 17 Miles von Firozpur. Den äußersten rechten Flügel komman⸗ dirte hier der General Sir Harry Smith. Den Sieg dieses letz⸗ teren Generals bei Aliwal am 31. Januar über eine 20,000 Mann starke Abtheilung der Seilhs hat bereits die letzte Post gemeldet; nach demselben lag es den Briten ob, die Seikhs aus ihren Positionen diesseits und jenseits des Sutledsch bei Herrikih, dem Hauptquartier des Ober⸗ Befehlshabers gegenüber, zu vertreiben. General Smith setzte sich am 3. Fe⸗ bruar, vier Tage nach seinem Siege bei Aliwal und nachdem er die Forts Gungroma, Buddival und Nurpur hatte zerstören lassen, unter Zurücklassung der Brigade des Obersten Wheeler zur Deckung des heranziehenden schwe⸗ ren Geschützes, in Bewegung, um sich dem Haupt⸗Corps an der Furth von Herrilih anzuschließen. Am 8. Februar traf er im Hauptquartier ein, und sofort wurden die Vorbereitungen zum Angriff auf die Stellung des Fein⸗ des gemacht. Die Hauptposition desselben war der rechten Fronte der Englän⸗ der gegenüber auf dem diesseitigen Ufer und bestand in dem schon mehrerwähnten Brückenkopf, der, stark befestigt, mit 70 Geschützen besetzt war und von 30,000 Seikhs, wohldisziplinirten Truppen, vertheidigt wurde. Eine starke Heeres⸗Abtheilung der Seiths lag ferner noch auf dem jenseitigen User und erhielt mit jener ersten Verschanzung durch eine wohlkonstruirte Schiffsbrücke eine sichere Verbindung. Ein spanischer Ingenieur, Oberst Don Hurboe de Alcantara, soll die Hauptverschanzung angelegt haben. Wiederholte Re⸗ kegnoszirungen ergaben, daß die Besestigung durch eine doppelte halblreis⸗ förmige Linie von Batterieen gebildet wurde; vohe Wälle, tiefe und breite Gräben, eine dreifache Linie von Schutzwehren aus Erde und Planten, Faschinen, Redouten und Bastionen schienen jedem Angriff Trotz zu bieten. Wie in dem Lager bei Firuzeschah, war auch hier Alles unterminirt; die Werke waren überdies noch durch das Flankenfeuer einiger auf der ande⸗ ren Seite des Flusses aufgeworfenen Redouten gedeckt.

Die Operationen der Engländer, im Ganzen hier 20,000 Mann stark, begannen in der Nacht vom 9. auf den 10. Februar mit der in aller Stille berzirkten Besetzung zweier vor den feindlichen Werken liegenden Dörfer Kuhdewalla und Sobraon, welche die Seiths nur des Tages besetzt hielten. Gleichzeitig ward das Belagerungs⸗Geschütz, welches am 5ten bereits im Hauptquartier eingetroffen war, so wie das Feldgeschütz im Halbkreise um den Brückenkopf herum aufgestellt, während zwei Brigaden unter dem Ge⸗ neral Dick am User des Sutledsch Posto saßten, um hier den Befehl zum Angriff auf die rechte Flanke der seindlichen Werke zu erwarten; es waren dies die von Oberst Stacy befehligte Brigade, bestehend aus dem ö0sten und 53sten britischen Infanterie⸗Negiment, und die 6te Brigade unter Oberst Wilkinson; die 5üe Brigade, unter Oberst Ashburnham, stand als Reserve in dem befestigten Dorfe Kuhdewalla. Das britische Centrum bildete Ge⸗ neral Gilbert's Division, deren rechter Flügel an das Dorf Sobrarn sich anlehnte, das derselbe zum Theil besetzt hielt. Auf dem linken Flügel end⸗ lich beim Dorfe Guttah stand die Division Sir H. Smith's. Die Kavallerie⸗ Brigade unter Oberst Curnton sollte die Furth von Herrikih bedrohen, um die auf dem jenseitigen Ufer aufgestellte Reiterei der Seiths in Schach zu halten. Im Rücken der ganzen Stellung, zwischen dem rechten Flügel der Dioision Gilbert und dem linken der Division Smith, war das Reserve⸗ Corps des Brigadiers Campbell aufgestellt, um jene beiden zu unterstützen, und der Ober⸗Befehlshaber der Kavallerie, Sir Joseph Thackwell, befand sich mit dem übrigen Theil dieser Truppengattung als Reserve des linken Flügels. Um 3 Uhr Morgens hatten die Engländer diese Stellungen be⸗ reits eingenommen, und mit Tagesanbruch, als die Sonnenstrahlen den Nebel zerstreuten, eröffneten die Geschütze das Feuer. Um 6 Uhr war die ganze englische Artillerie in Thätigkeit. Paßkugeln, Bomben und Raketen folgien sich mit furchtbarer Schnelligkeit, und die häufigen Explosionen der Munitionswagen im feindlichen Lager zeigten bald die Wirkung davon. Aber bald hatten auch die Seikhs, welche durch das Bombardement anfangs überrascht zu sein schienen, ihre Geschütze bemannt und eröffneten ein so furchtbares Feuer auf die britische Stellung, daß man bald erkannte, die Werke könnten durch ein bloßes Bombardement nicht genommen werden. Deshalb erhielt um 9 Uhr die Brigade Stacy, welcher die Brigade Wilkinson in angemessener Entsernung solgte, Befehl, die Befestigungen zu stürmen; reitende und Fiß⸗ Artillerie, die im Galopo vorging und ihr Feuer auf 300 Schritt eröffnete, deckte sie, als sie 1200 Schritt in tiefem Sande gegen die Werke an⸗ stürmte. Das gleichzeitige Getöse von 120 Geschützen erdröhnte jetzt; das Gemetzel war furchtbar, und es schien zweifelhaft, ob die Befestigungen ge⸗ nommen werden könnten; denn die stürmenden Regimenter fanden sich nicht nur sämmtlichen feindlichen Batterieen ausgesetzt, sondern auch die Reiterei der Seikhs rüstete sich zu einem Ausfall. Aber die Sipahis, eingeborene Regimenter, denen man lürzlich Mangel an Tapfer⸗ keit vorgeworsen hatte, bildeten mitten im Feuer Quarré, und die feindliche Reiterei wagte nicht den Angriff. Sofort ward die Linie wiederhergestellt und der Sturm fortgesetzt, aber noch war nichts gewonnen. Als die Seikhs die englische Linie trotz des Feuers so unerschüttert andringen sahen, zeig⸗ ten sie einiges Schwanken, und alsobald erstürmten die Engländer, das 50ste Regiment voran, die Außenwerke. Das 10te Infanterie⸗Regiment rückte unaufhaltsam, ohne einen Schuß zu thun, bis in die Verschanzun⸗ gen; es solgte das 53ͤte; die Sipahis wetteiferten mit den Europäern in

der Kaltblütigkeit und Entschlossenheit. Die Brigade Ashburnham rückte sofort als Soutien heran; die Divisionen Gilbert und Smith bedrohten mit ihren leichten Truppen die übrigen Theile der Verschanzungen, wäh⸗ rend die Seiths ihre Macht auf den Hauptangriff der Brigaden Stacy und Wilkenson konzentrirten und mit dem Schwerte in der Hand auf die Engländer sich stürzten, um sie wieder herauszutreiben. Es entspann sich ein furchtbarer Kampf, welcher nicht eher endete, als bis alle drei Infan⸗ terie⸗Divisionen der Engländer ins Gefecht geführt worden waren und die Kavallerie unter Sir J. Thackwell einen Weg in die Verschanzungen ge⸗ funden und die Artilleristen der Seikhs bei ihren Kanonen niedergehauen hatte. Jetzt erst hörte das Feuer der Seciths auf, welche in wilder Flucht sich in großen Massen über die Pontonbrücke wälzten, von dem Geschütz und Gewehrfeuer der Engländer dezimirt. Tausende warfen sich in den Fluß, der plötzlich gestiegen war; die Brücke brach theilweise zusammen, und der Fluß war mit Ertrinkenden angefüllt. Zwei Stunden seuerten die Eng⸗ länder in diese Menschenmasse, so daß das Wasser des Flusses buchstäblich von Blut gefärbt war. Als die Munition der Infanterie erschöpft war, setzte die reitende Artillerie das Feuer sort, bis kein Mann mehr innerhalb Schußweite zu erblicken war. Das Mitleid hatte aufge⸗ hört, Pardon ward nicht gewährt; „nicht allein“, sagt die Bom⸗ b a v⸗Times, „hatten wir sehr empfindliche Verluste erlitten, son⸗ dern die Seikhs hatten auch in den ersten Stunden der Schlacht alle in ihre Hände gefallenen Verwundeten grausam verstümmelt oder ermordet. Die Schlacht hatte um 6 Uhr begonnen und war um 11 Uhr beendet, das Handgemenge hat von 9 Uhr an, zwei Stunden, gedauert. Der Verlust der Engländer in der Schlacht vom 10. Februar betrug 2383 Mann, worunter 13 getödtete und 101 verwundete europäische Osfiziere und 303 getödtete nebst 1913 verwundeten Unteroffizieren und Soldaten. Geblieben sind General⸗Major Sir R. Dick, Brigadier Taylor und Oberst⸗Lieutenant Rvan, zwei Hauptleute, neun Lieutenants und drei Fähnriche. Das 53ste und das 62ste britische Infanterie⸗Regiment haben besonders gelitten. Den Verlust der Seilhs, von denen sehr Viele ertranken, giebt man auf 10,000 5 Ihr gesammtes Lager nebst 67 Geschützen fiel den Siegern in ie Häande.

Unmittelbar nach dem Siege empfing der General⸗Gouverneur (der, obgleich ohne bestimmtes Kommando, auch hier wieder mitten im Gefecht gewesen ist) die Abgeordneten Gulab Singh's, die er bis dahin nicht hatte sehen wollen. Sie scheinen indeß auch jetzt nur die Antwort bekommen zu haben, daß man in Lahore das Weitere be⸗ sprechen wolle. Noch in der Nacht vom 10. auf den 11. Februar waren zwei Infanterie⸗Brigaden und eine Brigade Kavallerie mit einem beträchtlichen Geschützpark über den Sutledsch vorgegangen; bei diesen Truppen befand sich der General⸗Gouverneur, der mit ihnen am 14. Februar in Kussuhr, 32 Miles von Lahore, eingetroffen war; an dem erwähnten Tage hatten sämmtliche britische Truppen ihren Einzug in das Pendschab gehalten; es hieß, daß Gulab Singh sich ins britische Lager begeben wolle, und daß ihm ein Lancier⸗Regiment zur Eskorte entgegengeschickt sei. Brigadier Wheeler ging am 17ten von Ludianah aus über den Fluß und besetzte Philur, ohne Wider⸗ stand zu finden. Dies ist die neueste Nachricht, die man vom briti⸗ schen Heere hat.

Von Wichtigkeit ist die schon erwähnte Proclamation des Gene⸗ ral⸗Gouverneurs vom 14. Februar, aus welcher hervorgeht, daß es für jetzt wenigstens nicht die Absicht der britischen Regierung ist, sich des Pendschab zu bemächtigen. Sir Henry Hardinge erklärt nämlich, daß es nur die Absicht sei, die jetzt vollkommen be siegten Truppen der Seikhs sür die Zukunft unschädlich zu machen; es sollen deshalb die Kriegslasten von denen bezahlt werden, welche den Krieg provozirt haben, und bis dahin das Land von britischen Truppen besetzt bleiben; sobald dies geschehen und eine starke Regie⸗ rung eingesetzt ist, werden die britischen Truppen den Pendschab räu⸗ men, mit Ausnahme der Provinzen zwischen dem Sutledsch und Beas, welche in das Eigenthum der ostindischen Compagnie übergehen. 8

Die neuesten Berichte aus Lahore selbst wissen nur von der allgemeinen Uneinigkeit zu erzählen, welche die Nachricht von den Erfolgen der Engländer einerseits und das Erscheinen Gulab Singb's mit seinen Bergvölkern andererseits hervorgebracht hatten. Die Kö⸗ nigin Mutter war einem Plane Gnlab Singh's auf die Spur ge— kommen, sie und den Maharadscha abzusetzen und als Wesir im Na⸗ men der auf den Thron zu erhebenden Kinder Schir Singh's zu regieren. Die Ranih faßte darauf den Entschluß, sowohl Gulab Singh, als die Kinder Schir Singh's ermorden zu lassen. Jener aber entging der Schlinge, und die Ranih sah sich sogar genöthigt, seine Uebermacht anzuerkennen und ihn zum Wesir zu ernennen. Mittlerweile trafen immer bedrohlichere Nachrichten vom Sutledsch über die Erfolge der Engländer ein, während zugleich Insur⸗ rectionen im Innern ausbrachen, und Gulab Singh sah sich dadurch veranlaßt, mit Genehmigung des Durbar, Gesandte an Sir Henry Hardinge zu schicken, um Unterhandlungen anzuknüpfen. Diese Ge sandten kehrten unverrichteter Sache zurück; Gulab Singh selbst, ge⸗ drängt, sich an die Spitze des Heeres zu stellen, weigerte sich dessen, weil, wie er sagte, sein Abgang das Zeichen zum Aufruhr in der Hauptstadt sein würde, und man fand sich nach den letzten Berichten aus Lahore in völliger Rathlosigkeit, zumal da man nun auch die Kunde von den Unterhandlungen des Chefs von Multan mit Gene⸗ ral Napier erhielt. Am 8. Februar, dem Datum der letzten Be⸗ G war man bemüht, die Hauptstadt in Vertheidigungszustand zu setzen.

Aus Sind wird gemeldet, daß die bisherigen militairischen Vorkehrungen eine veränderte Gestalt erlangt haben. Als die Armee von Sind, 15,000 Mann stark mit 30 Geschützen, im Begriff war, aufzubrechen, erhielt Sir Charles Napier am 7. Februar plötzlich Be⸗ sehl, sich in das Haupt⸗Quartier des General⸗Gouverneurs zu bege ben. Der General nahm darauf am 8ten Abschied von den Trup pen, übergab den Befehl dem General Hunter und schiffte sich am 10ten in Sukkur auf dem Dampfschiffe „Napier“” ein; man glaubte, daß er am 17. Februar im Haupt⸗Quartier eintreffen werde. In Mittencote soll auf das Dampfschiff geschossen worden sein, auch heißt es, daß die Multanesen dem General bei Bhawulpore einen Hinterhalt gelegt hatten, dem er indeß dadurch entging, daß er bei Utsch landete. Er befand sich, den letzten Berichten zusolge, in Ahmudpor. Das Hee von Sind soll 50 Miles westwärts von Bhawulpore ein Lager bezie hen, einige Regimenter aber nach Firozpur detaschiren.

Handels- und Börsen-Nachrichten.

Berlin, 4. April. So sehr beschränkt das Actien⸗Geschäft auch in dieser Woche blieb, so ansehnlich waren dennoch die Coursschwankungen. Die nächste Veranlassung zu einer nach der Liquidation erfolgten Steige⸗ rung waren die sortdauernden Kündigungen, wodurch es sich herausstellte, daß ein großer Mangel an effektiven Stücken einerseits und ein eben so bedeutender Ueberfluß an Geld andererseits stattfindet. Ein so überaus günstiges Verhältniß würde seine gute Wirkung nicht verfehlen, wenn die Besitzer ihre Actien⸗Posten vergrößern moͤchten oder auswärtige Theilnahme reger würde. Beides aber scheint nicht der Fall zu sein, und so kam es auch, daß der Aufschwung nur die ersten Tage dieser Woche anhielt, dann bald wieder in große Flauheit überging und erst seit vorgestern eine stei⸗ gende Tendenz eintrat, in welcher wir unsere Boörse heute verließen.

Besonders hervortretend ist die Steigerung zweier Actien⸗Gattungen, als Magdeburg Halberstädter und Düsseldorf⸗Elberfelder; dennoch sind die Mo⸗ tive hierzu ganz entgegengesetzter Natur. Letztere steigen der vermehrten Einnahmen wegen, wahrend die erstgenannte Bahn geringere Einnahmen hat und überhaupt nur einen sehr geringen Zins (man spricht von 3 ½ 0) abwerfen wird. Es befinden sich indeß sast sämmtliche Actien in einigen