1846 / 139 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

2 8 lsct 1 ein Mitglied des Justiz⸗Ministeriums, von Jagemann, im Auftrage der babischen Regierung nach Belgien und England gereist, um die dortigen Anstalten in allen ihren Einrichtungen genau lennen zu

lernen.

Kurfürstenthum Hessen. In der Sitzung der kurhessischen Stände⸗Versammlung vom 15. Mai berichtete Herr Rehm 8 den Kultus⸗Ausschuß über den Gesetz⸗Entwurf, die Trennung der ul⸗ verbände, die Schulpflichtigkeit, die Erhebung des Schulgeldes und der Schulversäumungs⸗Strafen, so wie die Gehülfen und die Pen⸗ sionirung der Schullehrer betreffend. den Antrag des Ausschusses die Berathung des Entwurfs, dieser Sitzung bis §. 7. gefördert wurde.

Oesterreichische Monarchie 8 28 Venedig, 10. Mai. (A. Z.) Gestern besuchten unsere hohen nordischen Gäste die Markus⸗Kirche, den Dogenpalast und einige andere Merkwürdigkeiten der Lagunenstadt. Nach der Tafel im vice⸗ königlichen Familienkreise begab sich die Kaiserin nebst der Vice⸗Königin und der Großfürstin Olga nach dem Volks⸗Garten und kehrte über S. Giorgio in der Gondel zurück. Am Abend spielte das Musik⸗ Corps der Marine unter den Fenstern des Palastes einen von der Großfürstin Olga komponirten Marsch, der, in größter Eile einstu⸗ dirt, die liebenswürdige Prinzessin auf das angenehmste überraschte und wiederholt werden mußte. Die Theater⸗Beleuchtung und die Illumination des Markus⸗Platzes, die für den Abend angekündigt waren, wurden abbestellt. In dem zahlreich besuchten Fenice⸗Theater fanden sich übrigens der Erzherzog Friedrich, der Kronprinz von Württemberg, der Prinz von Mecklenburg und der Herzog von Bor⸗ deaux ein. Abends hatten zu der wiederholten Schiffs⸗ eleuchtung auch einige Kauffahrer unter neapolitanischer Flagge das Ihrige bei⸗ etragen und auf den Raaen und Wimpeln Laternen zusgehißt. Heute Sonntag, wird die große Gondelfahrt im Kanal grande statt⸗ finden, ein Schauspiel, das seiner Neuheit halber den hohen Gästen

gewiß interessant sein wird. ist dahin abgeändert, daß Ihre

Die Reiseroute der Kaiserin Majestät nun nicht über Ponteba, sondern über Tyrol und den Bren⸗ sie am 18ten oder 19ten einzu⸗

ner nach Salzburg reisen wird, wo treffen gedenkt. Auch hält man es für wahrscheinlich, daß Ihre Majestät von Salzburg aus nicht, wie es früher hieß, über Prag und Krakau, sondern über Regensburg, Dresden, Breslau, Warschau

gehen werd G khußland und Polen. St. Petersburg, 12. Mai. Se. Majestät der Kaiser hat in Betracht der mangelhaften äußeren Ausstattung der griechisch⸗ russischen Kirchen der in dem westlichen Theile des Reiches zum Res⸗ sort des Ministeriums der Reichs⸗Domainen gehörigen Dörfern befohlen, zur Ausbesserung von 496 baufälligen und zum Bau von 99 neuen Kir⸗ chen in den erwähnten Gouvernements die nach einer vorläufigen Berech⸗ nung dafür verausschlagte Summe dem Ministerium der Reichs⸗Do⸗ mainen zu verabfolgen. Zugleich wird dem Minister vorgeschrieben, diese Bauten unter der Oberaufsicht der General⸗Gouverneure von den Domainen⸗Höfen ausführen zu lassen und zur Ueberwachung des technischen Theiles dieser Bauten für alle Gouvernements einen In⸗ spektor aus der Zahl der höheren Ingenieur⸗Beamten zu ernennen.

2* Frankreich.

* Paris, 15. Mai. Das Amendement, welches Herr Thiers vorgestern bei der Diskussion der Supplementar⸗Kredite vorschlug, bezweckte eine Erhöhung des Postens für die Mission des Herrn Deffaudis nach dem La Plata. Für diese wurden 57,000 Fr. ver⸗ langt, und Herr Thiers beantragte eine Vermehrung dieser Summe um 1000 Fr. Aus der Geringfügigkeit dieser Mehrbeantragung ging indeß schon hervor, daß es sich um ein bes9. Oppositions⸗Manöver handelte, denn mit tausend Franken konnte schwerlich viel ausgerichtet werden für den Zweck, welchen Herr Thiers dabei zu beabsichtigen vorgab, nämlich die C der Streitkräfte im La Plata, um den Diktator Rosas schneller zum Nachgeben zu bringen und den Störungen des dortigen Handelsverkehrs mit einem Schlage ein Ende zu machen. Es entspann sich darüber eine lebhafte De atte zwischen Thiers und Guizot. Letzterer erklärte, Frankreich und England seien übereinge⸗ kommen, nur eine gewisse Streitmacht in dieser c. zu verwenden und in die Zwistigkeiten zwischen den verschiebenen arteiführern am La Plata sich gar nicht zu mischen; er sei auch überzeugt, daß die jetzt dort befindlichen gemeinsamen ttreitkraͤfte vollkommen hinreichen würden, um zum Ziel zu gelangen. Herr Thiers gerieth zuletzt in Leidenschaft und sprach von seinen Ueberzeugungen, die ihm das Recht gäben, für Frankreichs Ehre das Work zu nehmen und zu verhindern, daß es von einem Barbar verhöhnt werde, und daß man französische Unterthanen verhungern lasse. Murren von ber einen, Applaus von der anderen Seite. Herr Guizot: „Ich kann dem ehrenwerthen Deputirten nicht die Ehre einräumen, daß er allein

Die Versammlung beschloß auf welche in

von tiefen Ueberzeugungen bewegt werde. Ich glaube, meine Ueber⸗ zeugung ist in dieser Sache eben so tief wie die seinige, und ich muß laut ihre Aufrichtigkeit geltend machen.“ Herr Thiers: „Niemand hat das Recht, mit hochmüthiger Selbstzufriedenheit von seiner Ueber⸗ zeugung zu sprechen, wenn er seine Meinung so oft gewechselt hat, wie der ehrenwerthe Herr Minister.“ Man ruft zur Ordnung, und es entsteht großer Tumult. Herr Guizot: „Die Kammer braucht nicht zu besorgen, daß ich auf eine solche Aeußerung mit einer ähn⸗ lichen antworten werde.“ Nachdem die Majorität dem Minister ihre Zustimmung zu erkennen gegeben hatte, wurde das Amendement des Herrn Thiers, wie gestern schon erwähnt, mit 188 gegen 103 Stim⸗ men verworfen. 1 b Der Kriegs⸗Minister hat aus Algier eine vom 5. Mai datirte Depesche des General⸗Gouverneurs von Algerien erhalten. Sie ent⸗ hält folgende telegraphische Depesche des Herzogs von Aumale, da⸗ tirt aus Kurireuch, etwa 30 Lieues südlich von Boghar, vom 2. Mai 7 Uhr Abends: „Ich stieß hier gestern zu dem General Jussuf. Fast sämmtliche Große der Uled⸗Nails, Ben⸗Auda, Dschedid (zwei Häupt⸗ linge aus der Wüste von Tittery), die übrigen Dissidenten⸗Chefs aus dem Süden und Osten von Tittery, sind in unserem Lager. Abd el Kader ist am 30. April im Dschebel⸗Amur eingetroffen. Die Kolonne Jussuf, neu konstituirt, und die des Obersten Blangini wer⸗ den sich am 5. Mai zu El⸗Beida befinden, um eintretenden Falles gegen das Dschebel⸗Amur zu agiren. Die Kolonne Camou geht morgen mit den nicht kampffähigen Mannschaften nach Boghar zurück.“ Marschall Bugeaud fügt sodann bei: „Es blieben Abd el Kader nur sehr wenige Reiter, und er konnte weder selbst ein Unternehmen wagen, noch irgend einen Einfluß üben. Wenn er, wie man versichert, eine von Buhamedi abgeschickte ansehnliche Verstärkung erhalten hat, wird er sicher aufs neue das Glück ver⸗ suchen und entweder nach dem Osten zurückkehren und sich wieder

dem Dschurdschura nähern oder Handstreiche an der Gränze des Tell

zwischen Tiaret und Teniet⸗el⸗Had wagen oder sich vielleicht in das Warensenis werfen. Auf diesem Punkt ist Hadi⸗Seghir mit neuer Kühnheit aufgetreten. Er hat in diesen letzten Tagen eine Razzia im Norden und im Süden dieser Gebirge ausgeführt; bei der ersteren führte er zwei Stammtheile der Ataff mit fort, bei der zweiten wurde er zurückgeschlagen und verlor fünf Mann und mehrere Pferde. Es ist Zeit, den Brand zu dämpfen, welchen er in diesem Berghaufen unterhält. Die Kolonne, welche ich dahin führen werde, ist auf dem Marsch. Ich werde morgen am Wed⸗Ger zu ihr stoßen Ich habe den Courier aus dem Westen noch nicht erhalten; ich kann Ihnen demnach keine Nachricht geben von dem Dahara und der Provinz Oran.“ Der Moniteur Algerien vom öten meldet in bestimm⸗ tester Weise, daß Abd el Kader, nachdem er sich bereits nach dem Kabylien des Dschurdschura auf den Marsch begeben hatte, in Folge der von dem General d'Arbouville in den Gränz⸗Distrikten der Pro⸗ vinz Konstantine über die Uled⸗Nails und von dem General Jussuf an den Gränzen der Provinz Algier errungenen Vor⸗ theile auf jenen Zug wieder definitiv verzichtet habe. Marschall Bugeaud wollte am 6ten von Algier nach den Gebirgen des Wa⸗ rensenis, im Süden von Orleansville, abgehen, um aufs neue dieses Land zu unterwerfen und El⸗Seghir⸗Embarek, den vor kurzem von dem Emir Abd el Kader dort eingesetzten Kalifa, aus diesem Distrikte

zu vertreiben. Abd el Kader hat, wie man von anderer Seite ver⸗ nimmt, in dem Dschebel⸗Amur,

wohin er sich zurückbegeben, eine Ver⸗ stärkung von 800 Reitern seiner Deira erhalten, und es sollen dies die einzigen disponibeln Streitkräfte der aus Algerien ausgewanderten Stämme sein. Durch diese Verstärkung ist er in den Stand gesett. wieder einen oder den anderen Handstreich zu wagen. Der Herzog von Aumale und General Jussuf sind beauftragt, alle Bewegungen des Emirs während der Operationen des Marschalls Bugeaud bei den Kabylen des Warensenis zu überwachen.

Ueber den Unfall auf der Nimes⸗ und Alaisbahn erfährt man, daß bei dem Bruch des Lokomotivrades zwei Waggons und ein offener Wagen von den Schienen geworfen wurden. Der Maschinist hatte bei dem Unfall aber die Geistesgegenwart, sofort die Lokomotive von den Waggons zu lösen, und verhütete dadurch großes Unglück. Von den 70 Passagieren wurden nur 16 verwundet, und von diesen sind nur zwei lebensgeführlich verletzt.

Aus Dijon erfährt man, daß die ersten Justiz⸗, Civil⸗ und Mili⸗ tair⸗Behörden des Departements nach St. Jean de Losne mit zwei Compagnieen Insanterie abgeschickt haben, um Maßregeln gegen das Mordbrenner⸗System in den umliegenden Dörfern zu treffen. Zwei Personen, auf welchen dringender Verdacht ruhte, sind bereits in Haft

ebracht; eines diefer Individuen hatte vollständiges Feuerzeug und under bei sich.

Die Justiz hat den Stempel⸗Beamten Lasseroy freigespro⸗ chen, welcher beschaldigt war, Zeitungs⸗Stempel ausgegeben zu haben, ohne sie in Rechnung zu setzen. Die Freisprechung begrün⸗ dete sich darauf, daß Lasseroy bewies, diese Stempel blos zum Ersatz verdorhener Blätter gebraucht zu haben.

b.

Budget einschließen sollen. T ine⸗2 sei nichts ins Kapitel des Schiffs⸗Materials eingetragen worze

ihre Beförderung sehr der Staatsschiffe. so strenge und ausgedehnte Bürgschaften fordere. Di geschähen öffentlich unter dem Vorsitz von höheren Marine⸗U Genaue, tüchtige Kenntnisse seien unumgänglich nothwendig. 6 die erste Bedingung zur Zulassung in den Marinedienst. Abstimmung.) Dufaure verlangt Minister in Betreff Marine⸗Minister: heimniß. gefühlt und sich Toulon habe anfangs geschrieben,

möglichen Nachforschungen seien angestellt worden.

len hätte zu einigen Strafmaßregeln Anlaß geben sollen.

Das Kapitel wurde ebenfalls angenommen.

Aus St. Etienne wird vom 13. Mai berichtet, daß das; der Gruben⸗Arbeiter, die bereits fast sämmtlich wieder zu ihm beiten zurückgekehrt waren, plötzlich aufs neue wieder begonne Sämmtliche Gruben der Gemeinde Outre⸗Furens, welche sa Drittheil des ganzen Bassins von St. Etienne bildeten, stande mals verlassen.

Der Bericht Mai bei dem Pairshofe zum Vortrag

Anfangs der Börse wurden heute die Notirungen der Eisenbahn⸗Actien zu ü jedoch wieder eine rückgängige Bewegung ein. ten hoben sich etwas bei stillem Geschäft.

über das Attentat von Fontainebleau soll kommen.

große Anstrengungeng zu treiben. Um 2 ½ l Die französische

Paris, 14. Mai. Die Deputirten⸗Kammen heute die Verhandlung des Gesetz⸗Entwurfs über die Supplen und außerordentlichen Kredite für 1845, 1846 und die abgesche Verwaltungs⸗Jahre fort. Der ganze erste Artikel wurde vonmn dann zu Art. 2 übergegangen. Herr Jules de Lasteyrieh die Defizits nicht, die in Betreff der transatlantischen Pu vorgekommen seien. Er ist der Ansicht, daß man diese Ausgah vorhersehen können. Die Verwaltung hätte diese Rechnung Der Marine⸗Minister erwied

der außerdem schon sehr geringe Kredit, den man dazu hätte! gen müssen, im Jahre 1845 seine Verwendung nicht hätte können. Es handle sich um eine außerordentliche Ausgabe, keinem Falle im ordentlichen Budget siguriren könne. Den wurde angenommen. Herr Beaumont von der Somm nun Bemerkungen über das Marine⸗Personal, das seiner Ansih bald eine neue aristokratische Pflanzschule werden würde. Der rine⸗Minister entgegnete, daß die Prüfung der Kandidate

ernstlich genommen werde an gebe wenige Civil⸗Laufbahnen,

Es Die M.

Das Kapitel wird gleichfalls angenommen. aus Anlaß der Seehäfen genauen Auffch des Brandes des Mourillon zu Toulon. Dieser traurige Vorgang vertrage ks Die Central⸗Verwaltung habe ihre ganze Verantwand Aufklärung zu verschaffen gesucht. Der Prist er glaube Böswilligkeit im d Publikum Kenntniß gegeia Die ule . Zuletzt hätten sich n‚ der von Paris dahin gett

Das Ministerium habe davon dem

muthungen hätten sich nicht bestätigt. nungen aller Lokal⸗Behörden wie Commissaire in der Ansicht vereinigt, daß weder ein Kompleot ein Verbrechen vorhanden gewesen bei der Ursache des L. Seitdem seien noch viel schärfere Ueberwachungs⸗Maßregeln men worden. Herr Estancelin: Unter dem alten sei mit dem Tode bestraft worden, wer durch Unvolj keit zu einem Brand Ausbruche in den Staats⸗A. Anlaß gegeben. Ein Unglückfall wie der des 44

et Einer der beklagenswerthesten Umstände sei Galeeren⸗Sträflinge der Bag Kein Komplott sei entdecv v

rine⸗Minister: die Verwaltung genöthigt sei, die Staatswerften zuzulassen.

Aber es sei gewiß, daß der Brand auf mehreren Punkten ausgebrochen.

Verbacht habe gegen einige Individuen des keinen Beweis verschaffen Herr Gauthig Rumilly stellte eine Frage an den Minister der öffentlichen ten in Betreff des Unglücks auf der Eisenbahn von St. Etiemn sehle immer ein allgemeines Eisenbahn⸗Polizei⸗Gesetz, das Hauptübel. Der Minister: Die Untersuchung sei im Gang erwähnte Gesetz werde ersetzt durch bestehende Verwaltungs⸗ Das Kapitel wird genehmigt. Herr L. de Malleville 1 Guizot über die Zustände von Syrien. Herr Guizot: I. sei delikat, er könne der Oeffentlichkeit gewisse Aktenstücke un mittheilen, wohl aber mehrere andere. Das werde er morgen Wir haben heute direkte Nachrichten aus Algier vom d-. aus Oran vom Zten. Der Marschall hatte Algier am 6ten? um den Ober⸗Befehl der Kolonne zu übernehmen, die in den seris⸗Gebirgen operiren soll, um den dortigen Unruhen durch t kräftiger Streiche ein Ende zu machen. Die neuesten der 9 zugekommenen arabischen Berichte bestätigen die Aufschlüsfe ü Lage der Deirah Abd el Kader's. Die ausgewanderten Beni hatten sich von der Deirah getrennt und die Straße nach Fez schlagen, mit der Absicht, an den Kaiser von Marokko die S. Einräumung von Ländereien zu richten; es waren ihrer ungyih

obgewaltet, aber man habe sich

——

lockenden Frühlingszeit nur spärlich versammelte Publikum, meistens aus Musikkennern bestehend, spendete dem Konzertgeber oftmaligen catsan

Plautus. Geppert, dessen Verdienste um die Plautinische Kritik und Gewande des Originals auf un⸗ von uns bereits mehrmals mit ge⸗ e⸗

1u“

Heerr Prof. den Versuch, die altklassische Komödie im serer Bühne wieder ins Leben zu rufen, . bührender Anerkennung erwähnt worden ind, hat so eben einen neuen weis gegeben, daß er in diesem seinem Streben nicht müde wird. Unter dem Titel: Rudens, eine Komödie des Plautus, lateinisch und deutsch (Berlin, 1846, in Kommission der Nicolaischen Buchbandlung), hat er den Cyklus seiner früheren ähnlichen Bearbeitungen Plautinischer Stücke wieder um eines erweitert. Und wir glauben die Freunde der schalk⸗ haften Muse des römischen Komöden um so mehr auf diese Bereicherung der Literatur des altklassischen Theaters aufmerksam machen zu müssen, da sie, abgesehen von den sonstigen Vorzügen, noch dadurch einen besonderen kritischen Werth erhalten hat, daß der gelehrte Herausgeber bei einem län⸗ geren Aufenthalte in Mailand in den Stand gesetzt war, aus dem bekann⸗ fen Ambrostanischen Palimpsest, der ältesten und werthvollsten Handschrift für die Kritik des Plautus, den Text des vorliegenden Stückes um Vieles zu verbessern. Entging ihm diese bedeutende Hülfe bei seinen früheren

so erfreulicher, daß er uns die Hoff⸗

Plautinischen Studien, so ist es um nung macht, auch bei seinen serneren, noch 42 erwartenden Bearbeitungen extes⸗Kritik Gebrauch machen

des Dichters von dieser Haupt⸗Quelle der zu konnen. Die Bemerkungen, die der Herausgeber gleich hier in der Vorrede über die kritischen Grundsätze niedergelegt hat, welche ihn bei der Benußung der erwähnten Handschrift leiteten, empfehlen wir der be⸗ sonderen Aufmerksamfeit und der näheren Prüfung der Philologen.

Ueber den Charalter und die Vorzüge der deutschen ebersetzung, welche dieselben sind, wie in den früheren von dem. Herausgeber besorgten Ausgaben Plautinischer Stücke, haben wir uns bereits bei anderer Gele⸗ geheit mit verdientem Lobe ausgesprochen. Wir erwähnen daher nur noch, daß auch diese Bearbeitung des „Rudens“ zunächst einem praltischen Zwecke dienen soll. Herr Prof. Geppert ladet nämlich damit zugleich zu einer 1 Paese Ng des Stückes im Originale ein, welche, unter seiner Leitung, am

23ͤten d. M. in dem neu eingerichteten Theater der Gesellschaft Konkordia (Blumenstraße 9) stattfinden soll. Die frühaeren so gelungenen ähnlichen Versuche lassen die Freunde alt klassischer Komödis auch hier wieder einen wahrhaft genußreichen Abend erwanten.

Zur Quellenkunde der vaterländischen Geschichte.

Novus eodex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellen⸗ schriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten. Herausgegeben von Dr. A. F. Niedel, Königl.

preuß. Geh. Archivrath ꝛc. Berlin bei Morin. Von 1838 v“ 1846. VIII Bände 4.

Es ist bei diesem Unternehmen das ersprießlichste Förderungsmittel der allgemeinen Landesgeschichte in einer Planmäßigkeit und Großartizkeit in Angriff genommen worden, welche die dankbarste Anerkennung verdient. Wir verschulden diese zwiefach, einmal dem um Geschichte des Vaterlandes hochverdienten und thätigen Manne, welcher der Herbeischaffung, zum großen Theile der Ermittelung und Bewältigung des dargebotenen reichen Stoffes sich unterzog; dann aber auch der erleuchteten Regierung, ohne deren kraf⸗ tigste und nachhaltige Unterstützung der beste Wille, die aufopferndste Hin⸗ gebung aller Kräfte und die au ezeichnetste Befähigung des Einzelnen nicht ausreichend sein würde, ein Werk von solchem Umfange ins Leben zu rufen. Aber Vollendung erscheint uns auch als echens he Fes sg a; denn der Nutzen, den das Gebotene stisten kann und unausbleiblich in reichem Maße stiften muß, ist zum großen Theil abhängig von dem Grade der Vollständig⸗ keit, in der die Absicht erreicht wird, den gesammten, der Mittheilung würdi⸗ gen Urkunden⸗Vorrath einer für die allgemeine Landesgeschichte so 42 Provinz, wie die Mark Brandenburg, zu erschöpfen. Daß ein solches Un⸗ ternehmen, selbst wenn sein Nutzen ganz allgemein anerkannt würde, von der Gunst des Publikums allein nicht getragen werden könne, versteht sich ganz von selbst. Es wäre eben so ungerecht, an das Publikum, wie an das Unternehmen selbst eine derartige Forderung zu stellen. Denn zwischen der gereiften und schmackhaft zubereiteten Frucht, die mit Leichtigkeit das große Publikum genießen will, und der Gewinnung eines nicht zu erschöpfen⸗ den, ergiebigen uellbodens, der allein befähigt ist, gute Früchte zu tragen, wie das Unternehmen zu erzielen bezweckt, liegen naturgemäß noch viele Stadien der Vermittelung. Ja, glücklicherweise wird ein Jeder sagen, der die Vortheile und Genusfe einer auf dem Gebiete der Vatedlands⸗Geschichte

esteigerten Thätigleit kennt; der mit freudiger Theilnahme das wachsende nteresse des Bolks für seine Geschichte wahrnimmt, und der mit dem Herausgeher zu der innigen Ueberzeugung gelangt ist, daß eine Grundbe⸗ dingung für die zweckmäßsge Forthildung des Volks eine über alle Stände und Klassen desselben verbreitele Kenntniß seiner Geschichte ist. Wir heben hier ein Wort des Verfassers heraus: „Der Mensch lebt in der Zeu zwi⸗

schen zweien Welten, die beide zugleich ihre Segnungen über ihn nen, der vergangenen und der zukünftigen, und nie ungestraft lam einen oder der anderen vergessen. Die großen Warnungen beiel⸗ die Regeln des Lebens für Völker und Gemeinden, wie für Fan Individuen sein, wo der ruhige Entwickelungsgang dieses Lebens nst öftere Fehltritte unterbrochen, durch Irrthum und Sünde gestört um werden soll. Hat gleich die Zakunft einen höheren Reiz für uns, an sie die Erwartung des Segens göttlicher Verheißung knüpft, die Vergangenheit, ohne durch Geschichte erleuchtet zu sein, als7 mähtes Aerndtefeld hinter uns liegt; so ist es doch gerade die f heit, deren in der Geschichte aufgefaßte Erinnerungen das Duyl Gott dem sterblichen Auge die Zukunft verdeckt hat, zu erhellen 1a und deren ernste Mahnungen uns eindringlich lehren, jenes Sah hienieden schon theilhafter zu machen.“ .1 Was den Inhalt des hier gebotenen Stoffes betrifft, so fene ganze Masse in zwei Haupttheile, deren erster der Orts⸗ und spegel desgeschichte gewidmet ist. Die bisher erschienenen 5 Bände diest Abtheilung bringen über 2300 Urkunden, der Mehrzahl nach bisha kaunt und auf den öfters deshalb wiederholten Reisen des Heral zusammengebracht. Jeder einzelne Abschnitt, in denen uns die bedenn geistlichen Stistungen, die Städte, Burgen und die angesehensten Gesc in einer geographisch geordneten Reihenfolge mit dem dahin gehöri lunden⸗Vorlalbe vorgeführt werden, ist eingeleitet durch eine ge Abhandlung, in denen wir eben so viel treffliche Monographieen oder deren lehrreiche Zusammenstellungen und Hinweisungen auf unkte, worauf es bei dergleichen Lokalgeschichten vorzüglich anfom sblecch⸗ Anregungen zu geben vermögen für diejenigen, we⸗ 6 ziellster Kenntniß zwar aller gegenwärtigen Lokal⸗Verhaͤltnisse aushe leicht sich von Mittheilung ihres Wissens durch die Schwierigteit schrecken lassen, alles dasjenige herbeizuschaffen, was für ihre Orlag zerstreut und vereinzelt in zahlreichen, ihnen schwer zugänglichen

emhalten ist. 8 . Wir erhalten nun in diesen 5 Bänden zuvörderst die ganze Nachrichten von der Einführung

und zwar als Einleitun fgi in dieselbe und über die erste Gestaltung des Landes unter markg die Geschichle

2 4 1 - Herrschaft, demnächst in 22 besonderen Abschnitten Badt Perl 3

kunden von Stadt und Dom Havelberg, von der Perlcha dem Kloster Marienfließ a. d. Stepeniz, von den Herrschaften 7 Wittenberge und dem Geschlechte der Edlen Gänse von zulic a

Stadt Kyrih, von Buꝛg, Amt und Stadt Wittstod, von em

Plichsten Folgen haben können.

des Christe⸗

nr, welche ihre Familien und ihre Heerden mit sich vegführten.

man der Entscheidung des Kaisers auf ihr Bitt⸗ Nach den bestehenden Verträgen und vorzüglich venn der Kaiser seinen noch in jüngster Zeit gegebenen Zu⸗ ugen getreu bleiben will, wird er nicht wohl einen Beschluß fönnen, ohne zuvor mit den französischen Behörden sich darüber

enehmen.

lingeduld sah entgegen.

Se EEE“

Sroßbritanien und Irland. London, 14. Mai. Die Verhandlungen des Parlaments an beiden letzten Tagen boten nicht viel Interesse, und die Unter⸗ Debatte über die dritte Lesung der Kornbill ist vorgestern noch beendet worden. Die Redner gegen die Bill erregten so wenig

lnahme, daß das Haus gezählt werden mußte und nur durch zu⸗ herbeigeeilte Mitglieder die beschlußfähige Anzahl von 40 her⸗ bracht, die Verhandlung also nicht abgebrochen wurde. Man riet heute bestimmt die Theilung des Hauses in diesem letzten hium der Bill. Gestern beschäftigte sich das Haus mit der Zehn⸗ en⸗Bill in seiner Mittags⸗Sitzung, brachte es aber nicht zur Ab⸗ ung und vertagte die Debatte über diesen Gegenstand bis zum tage. Die Diskussion bot nichts Neues; die Whigs, wie Herr

puchere und Andere, widersetzten sich im Verein mit den Mi⸗ n der Bill aus den bekannten ökonomischen Gründen, die Ultra⸗ 8, wie Herr Colquhoun, Lord J. Manners, vertheidigten be aus Humanitäts⸗Rücksichten.

Das Accise⸗Amt soll mit dem Stempel⸗ und Steuer⸗Amt in ürt verschmolzen werden, daß künftig nur ein Zoll⸗Amt für die sben auf von auswärts kommende Gegenstände und eine Be⸗ für die im Innern zu erhebenden Abgaben bestehen wird. Prinz Albrecht legte vorgestern mit großer Feierlichkeit und in mwart einer sehr glänzenden Versammlung von Zuschauern, für e Bänke bis zu 1000 Personen bereit waren, den Grundstein zu neuen Kirche für Seeleute in Dockstreet, unweit der London⸗ die dort unter den Auspizien der Sailors Home Society (Ma⸗ „Heimats⸗Gesellschaft) erbaut wird und auf 9000 Pfd. St. ver⸗ agt ist; 6000 Pfd. St. sind dazu bereits unterzeichnet. Sie 800 Stühle fassen, und der Eintritt in dieselbe wird völlig ein.

[An der Börse ward gestern das Fallissement der Firma Beattie omp., die nach Ostindien und der Levante große Geschäfte e, bestätigt. In Smyrna erlittene Verluste werden als Grund geben. Die Passiva werden auf 400,000 Pfd. Sterl. geschätzt. Am 8ten ward das dem berühmten Dichter Robert Southey in poeten⸗Ecke der Westminster⸗Kathedrale gewidmete Denkmal voll⸗ z, es besindet sich dicht neben dem Denkmal Shakespeare's und die wohlausgeführte Büste des Dichters dar, die als Inschrift seinen Namen, seinen Geburts⸗ und Todestag trägt.

Die britische und auswärtige Schulgesellschaft, deren Zweck da⸗

geht, für den Schulunterricht armer Kinder zu sorgen, hielt ge⸗ unter Lord J. Russell's Vorsitz ihre 41ste Jahres⸗Versammlung.

Einnahme des vorigen Jahres, welche 14,654 Pfd. Sterl. be⸗

„reichte kaum für die Ausgaben hin. Eine unbekannte Dame er Gesellschaft ein Geschenk von 1000 Pfd. Sterl. übersandt.

Dem Cork Reporter zufolge, wäre der Großfürst Konstantin

Kußland stündlich im Hafen von Cove zu erwarten.

Vorgestern Nachmittags nahm die londoner Polizei zum ersten⸗ vom Tower Besitz, wo sie fortan die alten Ordonnanzwächter

gen und bei Tage wie bei Nacht den Dienst in der Festung ver⸗

wird. Man hat ein Stations ae aaccgehler erbaut. haus für einen Sergeanten und

Belgien.

Brüffel, 15. Mai. Die mit der Prüfung des die Ueberein⸗ mit Frankreich betreffenden Gesetz⸗Entwurfs beauftragte Central⸗ ien hat sich vorgestern wieder versammelt und die Erklärungen Rixisters der auswärtigen Angelegenheiten gehört, welche vor⸗ h die Frage der Wollenstoffe berührten. Der Senat hat vorgestern einstimmig den Gesetz⸗Entwurf in der Eisenbahn⸗Tarise und jenen in Betreff des allgemeinen ts⸗Rechnungswesens angenommen. Graf Vilain XIV. erklärte eiläußg zu Gunsten einer Postal⸗Reform. Am 12ten d. M. brach in der Nähe der Station von Tirlemont chse einer Lokomotive, welche einen von Lüttich abgegangenen führte; diese Lokomotive kam aus den Schienen und stürzte von Damm hinab, der sich an dieser Stelle über die Dächer der er der Stadt erhebt. Glücklicherweise zerriß die Kette, welche olomotive an den Zug befestigte, sonst hätte dieser Unfall die n Der Maschinist, der mit der otive hinabßürzie, ist der Einzige, welcher schwer verwundet ohne daß man jedoch für sein Leben fürchtet. 8

ansee, von dem Kloster zum heiligen Grabe, von der Stadt und Burg Leuzen, von der Rattenburg und Familie Haldern, von der Stadt Wilsnack, von dem Hause Stavenow und aligen Besitzern desselben, von den Städten und Burgen Freien⸗ bienhurg und Reuhausen mit den Familien von Rohr und von he non dem Schlosse Friedrichsdorf oder Fretzdorf; von dem Amte ed, mit dem Städtchen Dossow und Schlosse Wolfshagen; von dem Hehlm und den Edlen von Havelberg; von dem Bisthum Havelberg hKüchen Verfassung der Priegnitz vor der Reformation; von dem sapttel zu Havelberg; Bemerkungen über die kirchlichen Verhältnisse veegnih in der katholischen Zeit; von der Stadt Havelberg; endlich vermischte, diese Provinz betreffende Urkunden. Hieran schließt sich se. üüclmark der ganze ruppinsche Kreis in 7 Abschnitten, handelnd 1n 1* von Lindow und der Herrschaft Ruppin, von der Stadt Neu⸗ 1 88 dem dasigen Dominikaner⸗Mönchstloster, von der Stadt Wu⸗ 19 g. b. Dosfe, von der Stadt und dem Kloster Gransee, von dem eegbofhee und Städtchen Lindow, von dem Domainen⸗Amte Rup⸗ 4 Uen Burgen und Städtchen Alt⸗Ruppin und Wildberg, endlich wüurgen, Aemtern und Städtchen Rheinsberg und Reußtabi a. v. 8 1- geographische Reihe unterbrechend, erhalten wir schließlich noch 89 tmarl betreffenden Band, der uns eine vortreffliche Geschichte 56 vverthvolle, größtentheils bisher unbenutzt gebliebene Urhunden sch 8 Zahl) dee St. Nikolai⸗Domstiftes zu tendal bietet und eine 22 er Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg mit 400

Der zweite Haupitheil, von noch allgemei 8 gemeinerem Interesse, umfaßt in 2 Fe-. Urkunden zur Geschichte der auswärtigen Verhältnisse der 81 - enburg. Sie sind größtentheils auf einer von Sr. Majestät m eligen Könige Allergnädigst unterstützten Reise, welche behufs Er⸗ hund Sammlung von Quellenschriften für die Geschichte der Mark 5 vn im Jahre 1839 von dem unermüdlichen Herausgeber unter⸗ Dreor wn ans den Archiven und Bibliotheken zu Breslau, Wien, becr ec; agdeburg, Warffenbüttel, Braunschwelg, Hannover, Ham⸗ eo Fühg 158. und Stettin Esaeneeegca. noch der 9 . nun das bis dahin Gebotene auch ist, so steht * I e 5 der Mittelmark und Altmark unerledigt da; vor⸗ 1 v Uckermark und Neumark, die geschichtlich am we⸗ gung. Da n nzen, einer umfassenden und recht baldigen Berück⸗ raschen Foui ürsen wir uns ja wohl der Hoffnung eines gedeihlichen btas chreitens zur Vollenvung hingeben. Denn wir halten die

I I „Neapel, 5. Mai. Gestern Abend um 7 Uhr haben sich der König, die Königin und die Grafen von Aquila und Trapani mit bedeutendem Gefolge an Bord des Königlichen Kriegs⸗Dampsschiffs „Tancred“ nach Palermo eingeschifft. Die Fregatte „Isabella“, die Brigantinen „Principe Carlon, „Generoso“ und „Intrepido“, so wie die Dampfschiffe „Ruggiero“, „Roberto“, „Ercole“ und „Archimede“, folgten dem „Tancred“ mit vielen Truppen, welche die Garnisonen von Sicilien ablösen sollen. Diese oft wiederholten Besuche des Kö⸗ nigs sind für die Insel von dem größten Nutzen; in zahlreichen Audienzen empfängt er Bittsteller und Bittschriften, und mannigfache Verbesserungen im Verwaltungswesen werden endlich auch Sicilianern mit Dank anerkannt. 1 1“ Spanien. Madrid, 9. Mai. Gestern wurde das Cirkular des Ministers des Innern an die politischen Chefs in Bezug auf die Bildung der Wahllisten veröffentlicht. In diesem Cirkulare drückt die Regierung den Wunsch aus, daß das neue Wahlgesetz baldigst in Ausführung gebracht werde. Zugleich fordert sie die Lokal⸗Behörden in den Pro⸗ vinzen auf, nichts zu verabsäumen, um in möglichst kurzer Frist die vorbereiteten Operationen zu vervollständigen, die vor Vornahme neuer allgemeiner Wahlen unerläßlich sind.

Die Provinz Granada ist in Folge des in Granada stattgehab⸗ ten Vorfalls in Belagerungsstand erklärt worden. ,

5 Madrid, 8. Mai. Im tiefsten Frieden und ohne alle Symptome irgend einer politischen Aufregung habe ich nach zweimo⸗ natlicher Abwesenheit die Hauptstadt Spaniens angetroffen. Ge⸗ räuschvoll sind die Gassen, die Puerta del Sol ist mehr als je von den niederen Volksklassen überschwemmt, aber fast nirgends bemerkt man Schildwachen, und die Patrouillen, welche unter Narvaez Herr⸗ schaft Tag und Nacht die durchstreiften, kommen nicht mehr zum Vorschein. Das politische Gezänk findet seinen Platz nur in den Tagesblättern, denen die Milde des Ministeriums Isturiz die ihnen von dem Diktator Narvaez auferlegten Zügel abgestreift hat. Trifft man noch Gruppen, sei es auf den Straßen, sei es in diplomatischen Salons, mit heftigem Wortwechsel beschäftigt an, so wird man so⸗ gleich gewahr, daß der Streit das letzte Wettrennen oder die Ver⸗ dienste der Persiani und Ronconi's betrifft.

Der Aufstand Galiciens ist, Dank der Tapferkeit und Entschlos⸗ senheit des jungen Generals Don Jose de la Concha und der Treue seiner Truppen, vollständig unterdrückt. Dieses Ereigniß hat zu wich⸗ tigen Erfahrungen geführt. Die verhängnißvolle Thätigkeit des un⸗ versöhnlichen Feindes der Ruhe seines Landes und seiner Königin hat sich aufs neue, ihm selbst zur Schmach, erprobt. Denn es ist kein Geheimniß, seine Parteigänger selbst berufen sich darauf, daß Espar⸗ tero von London aus den Aufstand anzettelte, Geld und Waffen ab⸗ schickte und nur die ersten Erfolge abwartete, um seinen unbesiegba⸗ ren Degen den Rebellen in Person zuzuführen. Mit dem Geschrei: „Es sterbe Narvaez!“ begann der Aufstand, gerade als der Herzog von Valencia mit fast unbeschränkter Gewalt an der Spitze der Re⸗ gierung stand. Nur Truppen (fünf Bataillone) nahmen an dem Auf⸗ stande Theil, und doch mußte man stets die Parteigänger des Gene⸗ rals Narvaez die Behauptung aufstellen hören, daß der Zauber sei⸗ nes Namens hinreiche, um die Bande der Disziplin in der Armee zusammenzuhalten. Seine letzte Diktatur wurde durch den Vorwand zu rechtfertigen gesucht, daß er der Mann der Nothwendigkeit sei und mit seinem Zurücktreten das Land in den Abgrund der Anarchie versinken würde. Und der Aufstand brach aus, trotz der Anwesenheit des Mannes der Nothwendigkeit, und ward sofort unterdrückt, trotz der Entfernung eben dieses Mannes. Und durch wen? Gerade durch den jungen General, den Narvaez so eben im Zorn seines Amtes als General⸗Capitain der baskischen Provinzen entsetzt hatte. Denn der persönlichen Tapferkeit des braven Concha, der in der Uniform eines gemeinen Soldaten an der Spitze einer Compagnie die sich auf das hartnäckigste vertheidigenden Rebellen in Santiago von Haus zu Haus vertrieb und stundenlang einem Kugelregen trotzte, hat man es zu verdanken, daß der freilich sehr blutige Sieg errungen wurde. Der Selbstentsagung, mit der er sich unser die Befehle des ihm persön⸗ lich abgeneigten Generals Billalonga stellte, verdankt man es, daß die Bande der Mannszucht nicht erschlafften, und sein Edelmuih, so wie die Milde des Mimister⸗Präsidenten Isturiz, ersparte dem Lande das traurige Schauspiel der Niedermetzelung sämmtlicher Offiziere, die an dem Aufstande Theil genommen hatten. Von funf⸗ zig wurden zwölf nach dem Ausspruche des Kriegsgerichts erschossen. Der ehrwürdige Erzbischof von Santiago, den die Rebellen als Geißel unter sich behielten und mit Miß⸗ handlungen überhäuften, warf während des Gefechtes sich dem Ge⸗ neral Concha zu FJüßen, um Schonung der Schuldigen zu erflehen.

von der Stadt Pritz⸗ gewonnene Ueberzeugung von der Nützlichkeit und Nothwendigkeit des groß⸗

Während diese verzweiflungsvoll ihr Blut vergossen, entflohen die

von den

Haupt⸗Rädelsführer und nahmen mehr als 300,000 Piaster aus öffentlichen Kassen mit sich. Auf diese Weise ö spruch, „Abschaffung des Steuer⸗Systems, zur Aussührung. Wir erfuhren gestern aus Lissabon, daß die Mitglieder der anfrührerischen Junten von Vigo und Pontevedra in Poriugal anlangten und sich über Viana nach Porto begaben. Der Aufstand in der portugiest⸗ schen Provinz Entre Minho, der mit dem in Galicien in vager Va⸗ bindung stand, wird nun gleichfalls unterdrückt werden. Die Ban⸗ den, die in Asturien auftraten, sind nach Portugal geflüchtet, und diejenigen, welche in der Gegend von Salamanca erschienen, sind ven⸗ sprengt worden.

Leider lassen jedoch die Feinde der Ruhe nicht ab, auf anderen Punkten der Halbinsel ihr blutiges Werk auf dem Wege des Meu⸗ chelmordes fortzusetzen. Schon um das Ende des vorigen Monates erhielten die Behörden von Malaga die Anzeige, daß die Esparte⸗ risten in Gibraltar einen Aufstand in Andalusien anzuzetteln suchten. Einige Truppen wurden demnach in aller Eile in das Gebirge von Ronda und nach Loja abgeschickt, aus Malaga selbst aber mehrere verdächtige Personen verwiesen. Am isten entdeckten die Behörden von Granada eine Verschwörung und ließen 5 Offiziere der Be⸗ satzung, so wie einen auf Wartegeld stehenden Obersten, verhaftan, auf deren Mitwirkung die Verschworenen rechneten. Am 2ten sollte die Bewegung in Malaga ausbrechen. Als der Oberst und Regi⸗ ments⸗Chef Trabado Abends 7 Uhr mit mehreren Offizieren und dem Gefe politico, Fulgosio, auf der Alameda auf⸗ und abging, vighen ihnen einige Privatpersonen, deren eine den erwähnten Obersten rüͤck⸗ lings mit einer Pistole niederschoß. (S. das gestr. Blatt der Allg. Preuß. Ztg.) Der Meuchelmörder, von den übrigen Offtzieren verfolgt, flüchtete, nachdem er sich mit einem Degen vertheidigt hatte, in einen Volkshaufen, aus dessen Mitte mehrere Schüsse auf die Of⸗ fiziere abgefeuert wurden. Man konnte seiner demnach nicht habhaft werden. Zu gleicher Zeit sielen auch in anderen Straßen Schüsse, es erscholl das herkömmliche aufrührerische Geschrei, allein die Ein⸗ wohner verschlossen sich in ihre Häuser, und die Militair⸗Behörden trafen solche Anstalten, daß am 3ten Morgens die Ruhe vollkommen wiederhergestellt war.

Die Minister sind entschlossen, die Cortes aufzulbsen und neue Wahlen anzuordnen. Zu diesem Behufe ist an die Chefs der Pro⸗ vinzen bereits der Befehl ergangen, die durch das neue Wahlgesetz angeordnete Eintheilung derselben in Wahlbezirke vorzunehmen. Die neuen Cortes werden jedenfalls am 10. Oktober eröffnet werden. Unterdessen wird die Königin, deren Gesundheitszustand nur weni zu wünschen übrig läßt, sich im Laufe des nächsten Monats 829 Guipuzcoa in die Bäder von Santa Agueda begeben, um späterhin Seebäder zu nehmen. Zwei der Minister werden sie begleiten. „Der General Narvaez hat sich nun endlich dazu verstanden, den ihm aufgedrungenen Titel eines außerordentlichen Botschafters am neapolitanischen Hofe anzunehmen, sich jedoch vorbehalten, für jetzt im südlichen Frankreich bleiben zu dürfen, um die Pyrenäenhäder zur Herstellung seiner durch mannigfache Anstrengungen erschütterten Ge⸗ sundheit zu benutzen. 1 ““

vereinigte Staaten von Nord-Amerihka.

London, 14. Mai. Das Paketschiff „Liverpool“ ist vorgestern und das Dampfschiff „Caledonia“ gestern mit Nachrichten aus den Vereinigten Staaten in Liverpool angekommen, weiche die endliche Entscheidung der Oregonfrage in der amerikanischen Legislatur mel⸗ den. Das erstere Schiff hatte New⸗York am 23sten v. M., das letztere am 1sten d. M. verlassen, und die Kongreß⸗Verhandlungen gehen bis zum 23. April. Am 16. April hatte bekanntlich der Se⸗ nat das Amendement des Herrn Crittenden zu den ihm vom Reprä⸗

sentantenhause überwiesenen Oregon⸗Resolutionen nach mehrwöchent⸗

licher Berathung angenommen und damit den Grundsatz ausgesproche

daß er allerdings in die Kündigung des mit 1a aegees cen. Oregonvertrages von 1827 einwillige, aber dadurch eben eine güt⸗ liche Vereinbarung in der Streitfrage herbeizuführen wünsche. Ueber⸗ dies sollte die Zeit der Kündigung von dem Gutdünken des Präsi⸗ denten abhängen. Man war gespannt darauf, ob das Repräsentan⸗ tenhaus seine so verbesserten Resolutionen gutheißen werde. Am 17. April wurden sie demselben vom Senate übermacht und am nächsten Tage lebhaft debattirt. Ein Mitglied des Hauses, Herr Owen, stestte sofort ein Amendement, demgemäß anstatt eines „freund schaftlichen“ Ueberein⸗ kommens eine „schleunige Beilegung der obschwebenden Differenzen’“ empfohlen und die Stelle, daß die Kündigung „dem Gutdünken“ des Präsidenten überlassen bleibe, gänzlich gestrichen werden sollte. Dies Amendement wurde mit 100 gegen 87 Stimmen, also mit einer Ma⸗ jorität von 13 Stimmen, angenommen und die Resolution des Senates, so verbessert, mit 144 gegen 40 Stimmen gutgeheißen. Am 20. April erhielt der Senat dieselben zur Bestätigung zurück, verweigerte aber die Zustimmung mit 30 gegen 22 Stimmen, und sprach sich also mit 8 Stimmen Majoritäͤt für die Beibehaltung seiner ursprünglichen Resolution aus. Das Repräsentantenhaus, so⸗

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arrigen Unternehmens für zu fest begründet, um irgendwie der Befürchtung Raum zu geben, als könne die dem Werke bis jetzt höchst freigebig ge⸗ währte Unterstützung aufhören und so demselben vor Erreichung seiner schö⸗ nen Zwecke den Untergang bereiten. Nein, unsere Befürchtungen werden durch ganz etwas Anderes erregt, durch das Gefühl von Besorgniß, wel⸗ ches der Verfasser, der seine besten Lebenskräfte und manche Opfer ande⸗ rer Art diesem Werke dargebracht hat, in dem Vorworte zum 5ten Bande ausspricht, daß Gottes Vorsehung seinem irdischen Dasein ein kürzeres Ziel geset haben möge, und 8 ihm deshalb die Vollendung eines Werkes von so bedeutendem Umfange wohl nicht vergönnt sein werde. Möchte dies schmerzliche Vorgefühl auf einer Täuschung beruhen; möchte dem verdienstvollen Begründer des Unternehmens ein Theil der Arbeiten durch die Beihulfe Anderer, wie seitens des Professors Danneil in Salz⸗ wedel bei Bearbeitung der Schulenburgischen Geschichte geschehen ist, ab⸗ ea und ihm die beruhigende Aussicht gegeben werden, daß die Fort⸗ ührung des wefflichen Werkes auch für den Fall gesichert sei, wenn ein höberer Rathschluß ihn vor Beendigung desselben dieser schönen Wirksamkeit enireißen sollte. Leopold von Ledebur.

MRom, 1. Mai. (A. Z.) In dem so eben ausgegebenen vierten Fascikel zweiter Series der Annali delle Scienze religiose, deren Leiter jetzt Hrosessor Amighi ist, finden sich, unter anderen Abhandlungen und Memoi⸗ ren, besonders zwei lirchlich⸗politischen Inhalts, welche Aufmerksamkeit ver⸗ dienen: 1) Dei fatti comprovanti la tendenza del Governo allo stabili- mento della toleranza roligiosa in Suezia e in Norvegia; 2) della Con- venzione del Collegio cattolico del Gran Consiglio del Cantone di San Gallo con la santa, Sede sulla riorganizzazione del Vescovado di San Gallo, e sida conto della pubblicazione di cinque giornali cattolici in Allemagna.

Die päpstliche Akademie der Altenhums⸗Wissenschaften, deren Wieder⸗ gebun unter der Prästdenz des Fürsten Borghese schon früher erwähnt wor⸗ den, zählt in diesem Augenblick nach Angabe des vorliegenden Verzeichnis⸗ ses 183 Ehren⸗, ordentliche und korrespondirende Mitglieder. Von deutschen Souverainen sindet sich unter Ersteren der Name König Ludwig's von Bapern; unter Letzteren sind von Celebritäten Deutschlands in Wissenschaft und Kunst aufgeführt: Aler, von Humboldt, Boechh, Welcker, Thiersch, Gerhard, Klenze.

Preisaufgaben.

Die oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften hielt am 21. April c. dem Jahrestag ihrer Stiftung, die 89ste Haupt⸗Versammlung. Sie wieder⸗ holte die bereits zweimal gestellten, aber unbeantwortet gebliebenen briden Pretennsgasn⸗ deren erste eine

„vollständige, geordnete und urkundlich beglaubigte Geschichte der bau⸗

lichen Entwickelung der Stadt Görlitz von shrer dhhen elg, bis zeben Iöö 69 hes 1e k- preuß. Cour., von denen die Hälste der Magistrat zu örlitz zahlt, welcher diese . schlagen hat. 8- . 8 8

zuae 1ger., us ö

„geschichtliche Entwickelung, wie sich die kirchlichen Zustände der Ober⸗

Lausitz von der Einführung des Christenthums an 88 8 Annahme der

Reformation gestaltet haben.“

Der Preis für die beste Lösung dieses Themas wurde verdoppelt und demnach ebenfalls auf 100 Rthlr. preuß. Cour. sixirt. Die Gesellschaft machte außerdem zum Gegenstande einer neuen Preisaufgabe die

„Würdigung der Kunstleistungen des Malers Nathe, mit einer bivgraphi⸗ schen Einleitung“ und setzte dafür einen Preis von 50 Rthlr. preuß. Cour. aus.

Der äußerste Termin für die Einreichung der die obigen drei Preis⸗

Aufgaben betreffenden Bewerbungsschriften ist der 31. Januar 1847. Zum Andenken an den vor 500 Jahren geschlossenen Bund der Sechs⸗

städte endlich wurde aus den gewöhnlichen Fonds der Gesellschaft noch ein

vierter Preis von 50 Rthlr. preuß. Cour. ausgesetzt für die deste „geschichtliche Entwickelung der Umstände, welche die Verbindung der Sechsstädte herbeiführten“.

Der Termin für die Ablieserung der auf diesen Gegenstand bezüglichen Abhandlungen ist bereits der 1. August c., indem eine vom Präsidenten der Gesellschaft zu ernennende Kommission der diesiährigen August⸗Versamm⸗ lung über die eingegangenen Abhandlungen Bericht eisatten soll.

Die betreffenden Schriften sind mit einem Motto und mit einem ver⸗ siegelten, des Verfassers Namen enthaltenden und auf der Außesseite das alach⸗ Motto führenden Zettel an das Sekretariat der Gesellschaft ein⸗ zusenden. 1