1846 / 156 p. 3 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

lichen Kosten der Einrichtung reichlich vergelten und sich segensreich für den Verkehr der weiten, bei der Oder⸗Schifffahrt betheiligten Landschaften des Vaterlandes bewähren.

Dies ward auch bei einem Toast auf die „Zukunft des Unter⸗ nehmens“, unter freudigster Zustimmung aller Anwesenden, durch den Herrn Ober⸗Landesgerichts⸗Chef⸗Präsidenten Dr. Scheller in beredten Worten ausgesprochen, indem er darauf hinwies, wie jener verehrte Staatsmann, das mit dem Unternehmen anfänglich vielleicht verknüpfte Geldopfer übersehend, die sich in der Zukunft darstellenden unberechen⸗ baren Vortheile eines erleichterten Verkehrs auf dem vorzugsweise preußischen Strome zum Ziele genommen habe.

Deutsche Bundesstaaten.

Königreich Sachsen. Die erste Kammer hielt am 3. Juni wieder eine öffentliche Sitzung, in der sie sich jedoch fast nur mit Gegenständen von örtlichem Interesse beschäftigte und darauf zu einer geheimen Sitzung überging.

Die zweite Kammer beschäftigte sich in ihren Sitzungen vom 3. und 4. Juni mit dem Deputations⸗Bericht über die (s. Z. er⸗ wähnte) Reform der evangelisch⸗lutherischen Kirchen⸗ Verfassung. Auf Antrag des Referenten wurde vor Beginn der eigentlichen Diskussion der in dem Deputations⸗Berichte niedergelegte Wunsch, daß die Kammer bei gegenwärtiger Berathung von einer Einmischung in das Dogmatische absehen wolle, zur Beschlußfassung gebracht und von der Kammer einstimmig genehmigt, worauf sodann die Debatte, und zwar über sämmtliche in dem Berichte enthaltene Anträge zugleich, eröffnet wurde. Der erste dieser Anträge: „die Kammer möge sich dahin erklären, daß sie damit, daß Reformen in der bestehenden evangelisch⸗lutherischen Kirchen⸗Verfassung wünschenswerth seien, einverstanden sein, wurde in der Debatte nur fluͤchtig berührt, da sich sämmtliche Sprecher für denselben erklärten; auch fand derselbe bei der Abstimmung eine einstimmige An⸗ nahme. In Bezug auf den zweiten Antrag, die Kammer möge dem in der ersten gefaßten Beschlusse: „daß sie eben so wie die Staats⸗ Regierung voraussetze, daß durch eine solche Reform das einheitliche Bestehen der evangelisch⸗lutherischen Kirche nicht gefährdet werde, und daß dabei namentlich nichts vorgenommen werde, wodurch die Glaubenslehren, zu welchen sich die Kirche bekennt, in Frage ge⸗ stellt werden könnten“, nur in seinem ersten Theile beitreten, den Nachsatz desselben aber ablehnen, gab sich jedoch eine Meinungsver⸗ schiedenheit kund, die zu dem Resultate führte, daß der Deputations⸗ Antrag in seinem ersten Theile einstimmig, im zweiten aber gegen 5 Stimmen angenommen wurde. Mehrere Abgeordnete erklärten sich nämlich für Beibehaltung des von der ersten Kammer gefaßten Be⸗ schlusses in seinem ganzen Umfange. Der Abg. Sachße meinte, so, wie die Deputation diesen Satz hingestellt wissen wolle, scheine es, als sollten die Glaubenslehren angegriffen werden, was er, obgleich er die Möglichkeit einer Abänderung derselben keinesweges in Abrede stelle, doch nicht wünschen könne, da hieraus eine Unzahl von Dissidenten hervorgehen dürften. Am entschiedensten erklärte sich der Abgeordnete von Zezschwitz gegen eine Abänderung der Glaubenslehren und mithin für die Beibehaltung des von der ersten Kammer angenommenen Nachsatzes. Derselbe äußerte, daß er einen hohen Werth auf das Glaubensbekenntniß lege, daß dasselbe ledig⸗ lich auf die heilige Schrift gegründet sei und eine freie Forschung nicht ausschließe; auch könnten ja diejenigen, denen das Glaubens⸗ bekenntniß mit der freien Forschung nicht vereinbar scheine, jeder⸗ zeit aus der Kirche austreten. Gegen den dritten Antrag der Deputation, die Kammer möge aussprechen, „daß sie die Ansicht der Staats⸗Regierung theile, daß die Einführung einer Presbyterial- und Synodal⸗Verfassung in geeigneter Weise stattzufinden habe“, machte Vice⸗Präsident Eisenstuck mehrfache Bedenken geltend, indem derselbe auf die Beispiele von Schottland, Hannover und Holland hinwies. Eine größere Betheiligung der Ge⸗ meinden an der Vertretung der Kirche könne wohl auch auf an⸗ dere Weise als durch Einführung von „Zuchtgerichten“ erreicht wer⸗ den. Das einzige Mittel, eine Reform der Kirchenverfassung nutz⸗ bringend zu machen, scheine ihm das zu sein, daß man dem Landes⸗ Konsistorium eine größere Wirksamkeit gewähre, nicht aber Einrich⸗ tungen einführe, welche vielleicht die Staatsverfassung und die Ver⸗ antwortlichkeit der Minister gefährden könnten. Der Abg. Schu⸗ mann erklärte sich nur in der Voraussetzung für Synoden, daß sie gemischt sein, aus Geistlichen und Laien bestehen würden. Bei der Abstimmung wurde übrigens auch dieser Antrag der Deputation gegen 1 Stimme angenommen. Einen Hauptbestandtheil der Debatte bildete der vierte Antrag der Deputation, der dahin geht: „daß gleichzeitig eine Trennung der evangelisch⸗lutherischen Kirche vom Staat als Grundsatz anerkannt und demzufolge für sie eine oberste kollegiale Kirchenbehörde gebildet werde, welcher die eigentliche Kirchengewalt insoweit zu übertragen sei, als solches mit Rücksicht auf die Rechte des Staats geschehen könne.“ Vice⸗Präsident Eisenstuck, so wie die Abg. Rittner, Clauß und Jani, erklärten sich gegen den ersten Satz dieses Antrags und sprachen sich dahin aus, daß die Kirche nicht selbstständig neben dem Staate, sondern in dem Staate bestehen, nicht Herrin, sondern Seele des Staates sein solle; daß man nicht den Staat der Kirche unterordnen und nicht zu dem Zustande des Mittelalters zurückgehen möge, wo der Kaiser die weltliche, der Papst die geistliche Ge⸗ walt in sich vereinigt habe. Der Abgeordnete Hensel I., als Re⸗ ferent, erklärte, daß es keinesweges die Absicht der Deputation sei,

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in diesem Antrage der „gänzlichen“ Trennung der Kirche vom Staate das Wort zu reben, sondern vielmehr dahin zu streben, daß §. 57 der Verfassungs⸗Urkunde verwirklicht werde, nach welchem die Anord⸗ nungen in Betreff der inneren kirchlichen Angelegenheiten der beson⸗ deren Kirchen⸗Verfassung einer jeden Konfession überlassen bleiben sollen. Staats⸗Minister von Wietersheim sprach sich in gleichem Sinne über diesen Antrag aus und erklärte, daß die Regierung ge⸗ gen denselben etwas nicht einzuwenden habe, doch verstehe es sich wohl von selbst, daß derselbe, bevor eine bestimmte Erklärung dar⸗ über abgegeben werden könne, erst noch einer reiflichen Erwägung bedürfe. Dagegen würde eine gänzliche Trennung der Kirche vom Staat unausführbar sein oder, wenn sie ausführbar sei, den Baum des Protestantismus mit der Wurzel ausreißen und die schönen Früchte desselben vernichten müssen. In Bezug auf die in dem Antrag erwähnte oberste Kirchen⸗Behörde führte beson⸗ ders der Umstand ein Schwanken in den Ansichten herbei, daß

zur Zeit noch jede Unterlage fehlt, wie diese zusammengesetzt werden

solle. Die Abgeordneten Hensel II., Schumann und Todt stimmten für dieselbe nur in der Voraussetzung, daß durch sie die Kirchenge⸗ meinden vertreten und die in evangelicis beauftragten Minister einen Theil der in ihren Händen ruhenden Gewalt auf dieselbe übertragen würden, erklärten sich aber dagegen, wie es auch die Abgeordneten Heu⸗ berer und Oberländer thaten, wenn dieselbe aus Staatsbeamten ge⸗ bildet werden und die Kirche gar keinen Antheil daran haben solle, und Vice⸗Präsident Eisenstuck glaubte, daß eine solche Behörde neben der Verantwortlichkeit der Minister gar nicht bestehen könne. Auch der Staats⸗Minister von Wietersheim ging auf eine nähere Erklärung häerüber nicht ein, sondern bemerkte nur, daß es in der Ansicht der Regierung liege, daß die Verwaltungs⸗ Behörde von der Regierungsgewalt ausgehen und ihr ge⸗ genüber eine andere, die Vertreter der Kirche, gestellt wer⸗ den solle, worüber sich jedoch erst vollständig auszusprechen an der Zeit sein werde, wenn eine bestimmte Vorlage gegeben sei. Hierauf wurde über den Deputations⸗Antrag abgestimmt und derselbe von der Kammer gegen 13 Stimmen genehmigt. Die übrigen in dem Depu⸗ tations⸗Bericht enthaltenen Anträge, die Wahl der Zwischen⸗Depu⸗ tation, die eingegangenen Petitionen und einige von der ersten Kam⸗ mer gefaßte Beschlüsse betreffend, wurden alsdann entweder einstim⸗ mig oder gegen nur wenige Stimmen sämmtlich angenommen, und am Schlusse fand die Hauptfrage des Präsidenten, ob die Kammer sich in dem beschlossenen Maße gegen die Staats⸗Regierung erklären wolle, durch Namens-Aufruf eine bejaͤhende Beantwortung.

Königreich Hannover. In der Sitzung der zweiten Kammer der allgemeinen Stände⸗Versammlung vom 26. Mai wurde die Berathung über die Petitionen der sogenannten Deutsch⸗Katholiken in Hildesheim (ver⸗ gleiche vorgestrige und gestrige Nummer der Allg. Pr. Ztg.) fortgesetzt und beendigt. Der General⸗Syndikus hatte die am Schlusse der Diskussion vom Tage zuvor gegen die Fassung seines Antrags erhobenen Bedenken mit einigen anderen Mitgliedern in weitere Erwägung gezogen und erkannte an, daß die Fassung insofern mißverstanden werden könne, als das im ersten Satze erwähnte Recht der Glaubens⸗ und Gewissens⸗Freiheit sich von selbst verstehe und keiner Bevorwortung bedürfe; im zweiten Satze aber nicht alle etwa sonst noch zu gewährenden Zugeständnisse nach §. 32 des Landes⸗Verfassungsgesetzes in das landesherrliche Ermessen zu verstellen seien, da wenigstens die Gewährung politischer Rechte durch die Gesetzgebung bedingt er⸗ scheine; und endlich auf die schließlich hervorgehobene Gegenpetition, zu⸗ mal nach ihrem im Vergleich mit der Petition der hildesheimer Protestan⸗ ten wenig bedeutenden Inhalte, gegen die Absicht zu großes Gewicht ge⸗ legt zu sein scheine, wie denn heide, als nicht unmittelbar zur Sache ge⸗ hörig, ganz zurückbleiben könnten. Zur Beseitigung dieser Bedenken pro⸗ ponirte der General⸗Syndikus nunmehr folgende modifizirte Fassung: 1) Bei Uebersendung der beiden Petitionen der Deutsch⸗Katholiken (vom März und April 1846) der Königlichen Regierung zu äußern: „Stände haben aus der zweiten Petition (vom 29. April d. J.) und aus sonstigen, auf zuverlässige Weise empfangenen Mittheilungen vernommen, daß die Königl. Regierung für die religiösen Bedürfnisse der Petenten, neben der ihnen ver⸗ fassungsmäßig zustehenden Glaubens⸗ und Gewissensfreiheit, durch Gestattung des Privat⸗Gottesdienstes und durch sonstige Einleitungen gesorgt hat. Wenngleich Stände nicht verkennen, daß bei Einräumung größerer den Petenten nach Maßgabe des Landes⸗Ver fassungsgesetzes sonst noch zu ge⸗ währender Zugeständnisse Fragen und Verhältnisse in Betracht kommen können, welche in mehrfacher Beziehung eine vorsichtige Behandlung und sorgfältige Prüfung zu ersordern scheinen, so glauben Stände doch, bei der unverkennbaren Wichtigkeit des vorliegenden Gegenstandes, die eingegan⸗ genen Petitionen zur Kenntniß der Königlichen Regierung bringen und ihr anheimstellen zu müssen, die Wünsche der Petenten in geneigte Erwägung nehmen zu wollen. 2) Petenten von diesem Beschlusse durch Protokoll⸗Auszug zu benachrichtigen.“ Der General⸗Syndikus erklärte im voraus, nach seiner Ueberzeugung nicht weiter, als in diesem Antrage geschehen, gehen zu kön⸗ nen. Wie er so eben glaubhaft vernommen, habe Se. Majestät der König den Deutsch⸗Katholiken die Einräumung der Waisenhaus⸗Kapelle in Hildes⸗ heim zugestanden. Daraus gehe hervor, wie fortwährend darauf Bedacht genommen werde, die religiösen Bedürfnisse der nenen Gemeinde zu befrie⸗ digen, und nach solchen erfreulichen Erscheinungen werde es daher im wohl⸗ verstandenen Interesse der Petenten selbst um so weniger räthlich erscheinen, noch über den Antrag hinauszugehen. Als nach längerer Diskussion end⸗ lich zur Abstimmung geschritten wurde, ward, unter Verwerfung verschiede⸗ ner Anträge einzelner Kammer⸗Mitglieder, der Antrag des General⸗Spyndi⸗ kus mit 67 Stimmen gegen 8 angenommen.

Se. Majestät der König haben dem General⸗Lieutenant von Bock, Commandeur der 2ten Infanterie⸗Division, die erbeteue Dienst⸗ Entlassung, unter Beilegung von Pension und der Erlaubniß zur An⸗ legung der Generals⸗Uniform, bewilligt. Am 2. Juni brach in

Alfeld eine Feuersbrunst aus, die über 100 Häuser verzehrte m nach zwölfstündigen Anstrengungen gelöscht werden konnte.

X Weimar, 4. Juni. Se. Majestät der König von g ßen sind heute Vormittags bei Weimar eingetroffen und, un Stadt herum, nach Ettersburg, der Sommer⸗Residenz unseres; großherzogs, gefahren, um das Diner daselbst mit unseren s lichen Herrschaften und dem König der Niederlande einzanegg Um 6 Uhr Abends erwarten wir den hohen Gast mit den ä Herrschaften im Theater, in welchem Schiller's „Tell“ aufgesän Alles sich bemühen wird, Allerhöchstdemselben einen würdigen (nf zu bereiten.

Der König wird im hiesigen Residenzschlosse übernachten, n nach Naumburg und übermorgen nach Halle zur Eröffnung da ringischen Eisenbahn von Halle nach Weißenfels reisen.

Morgen wird der Grundstein zum hiesigen Eisenbahnhose; von welchem aus man eine herrliche Ansicht von Weimar und Umgebungen mit den Vorgebirgen des Thüringer Waldes hat. haupt dürfte sich die Thüringische Eisenbahn durch die herrlich genden, welche sie durchschneidet, durch das Saalthal von T fels, Naumburg, Kösen, der Rudelsburg und Saleck über! Apolda, Weimar, Erfurt, Gotha und Eisenach mit der vollen des hohen Thüringer Waldes besonders auszeichnen und se Spazierfahrt sehr besucht werden.

Der Stand der Feldfrüchte in hiesiger Gegend läßt ni wünschen übrig.

Freie Stadt Krakau.

Krakau, 3. Juni. Die Gazeta Krakowska meldet „Am 30sten v. M., zwischen 4 und 5 Uhr Nachmittags, g. Ihre Majestät die Kaiserin von Rußland, Königin von Polg⸗ ihrer erlauchten Tochter, Ihrer Kaiserl. Hoheit der Großfürstn und in Gesellschaft Sr. Königl. Hoheit des Prinzen von M nebst zahlreichem Gefolge, in gewünschtem Wohlsein von de nach Italien zurückkehrend, unsere Stadt mit ihrer Durchreseg. ehren. Nachdem in Podgorze die Pferde umgespannt warn, p der Kaiserl. österreichische Feldmarschall⸗Lieutenant Graf Wän gegen war und eine große Menge von Einwohnern Krakaut Standes, Geschlechts und Alters von der Brücke bis zu der tage und von da im nordöstlichen Stadttheil bis nach der schen Barrière hin zur Begrüßung der erhabenen Reisenn versammelt hatte, setzte Ihre Majestät die Reise um Gränze ihres Königreichs Polen fort, wo am Zsten früh seee erhabene Gemahl, Se. Majestät der Kaiser Nikolaus, von An angelangt war und sie zu empfangen harrte. Als die hohen N den herannahten, ließ der Kaiser sein Gefolge an den Gränt zurück, begab sich allein und zu Fuß auf der Chaussee nach den biet von Krakau, Ihrer Majestät entgegen, trat an den herankom den Wagen der Kaiserin, begrüßte Ihre Majestät zur glückl Wiederkehr und geleitete Höchstdieselbe nach Michalowice. Das Empfange Ihrer Majestät, wenngleich in sehr kurzer Zeit, einge tete Zollgebäude hatte von außen eine ganz neue Gestalt erh seine innere geschmackvolle und prächtige Einrichtung aber, die durch Zauber hergestellt war, verlieh ihm das Ansehen eines lichen Aufenthalts. Die Kaiserin und die Großfürstin! logirten in den oberen, der Kaiser und der Prinz Preußen in den unteren Zimmern. Alles schien dieses dersehen des Kaisers und der Kaiserin zu begünstigen, der bei Tage bewölkte Himmel heiterte sich gegen Abend auf, un Wetter wurde sehr angenehm. Die beiden Musik⸗Corps des in kau stehenden Kaiserl. österreichischen Infanterie⸗Regiments von S ling und des Kaiserl. russischen Krementschuger Jäger⸗Regimentz Fuß begrüßten Ihre Majestät in Michalowice und spielten aha⸗ selnd die auserlesensten Werke der neueren Komponisten, undnd ren auch Lwoff's Hymne: „Gott erhalte den Czaren.“ Du Pe schloß im Familienkreise mit einem in den Zimmern der Kaisern gebenen Thee, zu welchem auch der Baron von Ungern⸗Sunze Kammerherr und Resident Sr. Majestät des Kaisers und Kömgz, seiner Gemahlin hinzugezogen zu werden die Ehre hatten. Kaiserlichen Majestäten setzten am 1sten Morgens um halb 9. mit ihrer erlauchten Tochter, der Großfürstin Olga, und in Gc schaft des Prinzen von Preußen, nachdem sie einige Stunden in chalowice ausgeruht, ihre Reise nach Warschau fort.“

Der Namenstag Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreichn am 30. Mai hier festlich begangen; alle Civil⸗ und Militair⸗Zh den statteten bei dem Kaiserlich österreichischen bevollmächtigten denten und General-Konsul, Liehmann von Palmerode, ihre! wünsche ab. 1“

Rußland und Polen.

St. Petersburg, 30. Mai. der, welche den Unterthanen⸗Eid in Rußland geleistet haben, noch bei keiner Gemeinde eingeschrieben sind, sich als Rekrute miethen dürfen, hat der Reichsrath folgendes Gutachten abge welches vom Kaiser bestätigt worden: 1) Ausländern, welche russische Unterthanenschaft getreten sind, ist es erlaubt, sowch den Regeln der Privat⸗Verdingungen, als auch nach denen da dingung bei der Krone, sich als Rekruten zu vermiethen, ohne steren Falle genöthigt zu sein, sich in die Gemeinde der sie Mie einzuschreiben, und in beiden Fällen ohne Beweise über die El

figsten sah er ihn zur Zeit, als er nach der Kattschen Tragödie in Rheins⸗ berg war. Ob er ihm Unterricht im Zeichnen gegeben, ist ungewiß. Professor Eichens, welcher bereits das Brustbild des kleinen Fritz nach dem Pesneschen Gemälde in größerem Maßstab für die genannte Aus⸗ gabe der Werke stach, hat den Freunden der Kunst, wie den Verehrern des Helden, mit dem sehr gelungenen Kupferstich, welchen er nach dem vollständigen Bilde gearbeitet hat, ein angenehmes Geschenk gemacht. Die Vorzüge, welche man seinen früheren Werken gern einräumt, finden sich auch in diesem Blatte wieder: korrekte Zeichnung, treues Wiedergeben des Cha⸗ rakters und ansprechende harmonische Gesammtwirkung. Die Gewänder und das Beiwerk sind mit Geschmack behandelt, namentlich aber sind die Köpfe zu loben, welche, bei der in kleinen Dimensionen doppelt nöthigen Zartheit, zugleich große Sicherheit in der Führung des Grabstichels, sorgsame Mo⸗ dellirung und lebendige Charakteristik zeigen. Dieser Kupferstich, der über⸗ dies ein bequemes Format hat, kann also einer beifälligen Aufnahme, die er reichlich verdient, sich vergewissert halten und kommt recht apropos im gegenwärtigen Moment, wo die Aufmerlsamkeit mehr noch denn ge⸗ wöhnlich auf den großen König hingelenkt ist. Seine Schriften werden endlich auf eine seiner würdige Weise gedruckt, ein literarisches sowohl wie historisches Denkmal; Preuß hat seine Lebens⸗ und Regierungsgeschichte, an welcher auch Ausländer, wie Lord Dover und Th. Campbell sich versuchten, nach allen Richtungen hin ausführlich und urkundlich erläutert und festgestellt, Kugler hat sie durch lebendige Erzählung popularisirt. Fr. von Raumer hat namentlich über die Kriegsjahre interessante Mit⸗ theilungen aus englischen Gesandtschafts⸗Berichten gegeben, Varnhagen des Königs Verhältniß zu Voltaire klar gemacht. Eine Geschichte der Zeit, vom welthistorischen Standpunkte aus, darf man, wie es heißt, von einem unserer ausgezeichnetsten Gelehrten erwarten. Rauch und Kiß sind mit Denkmälern beschäftigt, von denen das eine die meisten Monumente der der Welt an Großartigkeit überragen wird. Man hat endlich selbst die

ßischen Gesandten,

Denkwürdigkeiten der Markgräfin von Baireuth, derselben, die in dem Pes⸗ neschen Bilde dargestellt ist, wieder abgedruckt (leider nicht mit der nöthi⸗ gen Umsicht), ein merkwürdiges, aber einen peinlichen Eindruck machendes Buch; man hat ihre Vermählungs⸗Geschichte, freilich in Karikatur, auf die Bühne gebracht. Mitten in diesen Erinnerungen an eine merkwürdige Epoche wird man denn auch wohl den Eichensschen Stich willkommen heißen. Alfr. Reumont.

Die Serail⸗Bibliothek.

Wir haben bereits Gelegenheit gehabt, auf die Bemühungen des preu⸗ des Herrn von Lecog, dem deutschen Gelehrten, Herrn Abeken, die Ansicht der so viel besprochenen Serail⸗Bibliothek zu verschaffen, aufmerksam zu machen. Der Erfolg hat freilich, wie eine weitere Notiz im Hamburger Korrespondenten berichtet, nicht den Erwartungen ent⸗ sprochen. Man hat dem genannten Herrn eine Kiste mit Büchern gezeigt, die aber nicht zu der gesuchten und noch immer nicht zugänglichen Serail⸗ Bibliothek gehört, sondern nach der Vermuthung Unterrichteter die konfiszirte Bibliothek eines griechischen Gelehrten aus neuerer Zeit ist. Das Verzeichniß soll den Gesandtschaften aller fünf Großmächte mitgetheilt sein. Diese Sammlung besteht nämlich großentheils aus gedruckten Büchern in griechischer, italienischer, französischer und deutscher Sprache, von denen das neueste vom Jahre 1766. Es finden sich zwar auch Handschriften darunter, alle indeß auf Papier und keine älter als das dreizehnte Jahrhundert. Daß sie nichts von Bedeutung ent⸗ halten, ist bereits berichtet, doch interessirt es vielleicht, bei den großen Er⸗ wartungen, die solche Berichte aus der Ferne zu erregen pflegen, etwas Ge⸗ naueres darüber zu erfahren. Die ältesten Schriftsteller, von denen Hand⸗ schriften in dieser Sammlung sich finden, sind Pindar, Penophon (Cyro-⸗

paedia) und Aristoteles (de partibus animalium und de Iongit. dd von allen ist schwerlich noch wichtige Ausbeute für die Kritik zu erun Die Sprüche des Pythagoras und eine griechische Uebersetzung der Shumn des TCato durch Planndes können kein besonderes Interesse in Aeste⸗ nehmen. Das Wichtigste soll die Geographie des Ptolomaeus sin, ne enthält die Handschrift nur den vierten Theil des Werks. Angeheng noch ein Dionysius Periegetes. Das rhetorische Lexikon des Eun da es in verschiedenen Bibliotheken des Occidents vorhanden und n. nicht publizirt ist, wird des Drucks wohl nicht werth 8e sein. Eine Bereicherung der Literaturgeschichte sind wenigstens: pocration Alexandrinus über die natürlichen Eigenschaften der Reiche, da bisher von demselben an physischen Schriften nur ein chen Lexikon bekannt war, und Michael Psellus über die Tugend der;? dem Kaiser Michael dedizirt, vielleicht auch die mit nicht näher bezeic Bruchstücken aus Aristoteles und Proclus Pneumatik verbundenen 2 stücke des Johannes Philoponus uͤber das Astrolabium des Adam wenn sie nicht der von Hase herausgegebenen Schrift des Johannez den Gebrauch des Astrolabiums angehören. Ob die Scholien zum dus und die Handschriften des Diogenes Laertius, von denen noch an was zu hoffen ist, Neues geben, muß von einer genaueren Uatersun der Handschriften erwartet werden. Ueber zwei Handschriften byzanim Historiker sind wir nicht näher unterrichtet. Dasselbe gilt von einer d⸗ schrift über Agrikultur und einer anderen über Grammatik. In nens Sprachen sindet sich ein geographisches Werk über den Archipel 92 stantinopel und der Navigations⸗Vertrag zwischen Sultan Mustaph dem König von Schweden. I

Auf die Anfrage, ob Nng

r Aeltern beibringen zu müssen, nur müssen sie ihrem Alter

nver körperlichen Beschaffenheit nach für den Kriegsdienst taug⸗

ein und allen übrigen Bedingungen, um in denselben treten zu

Genüge leisten. 2) Wenn sie nach den Regeln der Verdin⸗ an die Krone als Rekruten eintreten, so werden für diejeni⸗ gelche sich noch bei keiner Gemeinde eingeschrieben haben, die Besten des Reichsschatzes vorgeschriebeuen 50 Rubel nicht der gezahlt, sondern den sich Vermiethenden selbst gegeben.

em General⸗Intendanten der Flotte, Vice⸗Admiral Wassiljew, St. Alexander⸗Newski⸗Orden und dem General⸗Lieutenant o wie dem Kommandanten von Kiew, General⸗Lieutenant rschewski, der Weiße Adler⸗Orden verliehen worden. 1

Farschau, 2. Juni. Der General⸗Adjutant Graf Orloff, c. Majestät den Kaiser nach der Gränze begleitet hatte, ist hier eingetroffen.

Frankreich.

paris, 2. Juni. Die Presse will der in englischen Blät⸗ thaltenen Nachricht, Ludwig Philipp werde eine neue Reise indon unternehmen, keinen Glauben schenken, sondern berichtigt in, daß die Königin Victoria neuerdings nach Paris eingela⸗ erden sei und ihr der König bis an die Küste entgegenzukom⸗ rsprochen habe. der gestrigen Sitzung der Deputirten⸗Kammer wurde die on des Budgets des Ministeriums des Innern beendigt. liche Kapitel desselben wurden angenommen. Die Kammer am Schluß der Sitzung, daß die Diskussion über die dentlichen Kredite für Algerien erst nach der über das Kriegs⸗ statthaben solle. In der heutigen Sitzung kam das Budget jiseriums des Handels und der Agrikultur an die Reihe. er Kriegs⸗Minister hat nun offizielle Depeschen des Ge⸗ Leutenants Lamoricière erhalten, welche die Nachricht von sclachtung der französischen Gefangenen in der Deira Abd der's vollkommen bestätigen. Es scheint dieses Blutbad, in der Nacht vom 27sten auf den 28. April vollzogen wirklich auf Befehl Abd el Kader's stattgefunden zu haben. fangenen Franzosen wurden in jener Nacht von den Arabern en und nicht ohne heftigen Widerstand niedergemacht. ezelei währte über eine halbe Stunde. Die gefangenen Of⸗ varen am 27. April Mittags unter einem Vorwande entfernt ;oh sie verschont blieben, darüber hat man noch keine sichere

er Herzog von Damas ist nach einer kurzen Krankheit in seinem Lebensjahre gestorben. iu Dünkirchen haben am Mai Ruhestörungen unter den Mrbeitern begonnen und währen noch fort. Man ist mehrere genöthigt gewesen, die Rotten durch die Truppen zerstreuen zu Verhaftungen haben stattgehabt. Die Arbeiten haben noch pieder begonnen, und ein Bataillon des 29sten Linien⸗Regiments an den Stellen, wo die Empörung am 25sten d. ausbrach. as Journal des Débats äußert sich in Bezug auf die Verlesung der Kornhill im englischen Oberhause: „Diese große ist also endlich entschieden. Es giebt in England keine Prohi⸗ etze mehr. Die Vernichtung des Schutzsystems ist dort im atze bestätigt; sie ist für das Getraide vollbracht; sie wird in ewissen Zeit für den ganzen Ueberrest vollbracht werden. Dies zroßes Beispiel, welches England der Welt giebt. Die anderen n sind ohne Zweifel noch nicht in der Fassung, ihm in dem näm⸗ Prade zu folgen, allein der Impuls ist gegeben, und an einem oder deren Tage wird man England nachahmen. Die Stellung des engli⸗ Pristeriums, obgleich von einem großen Hindernisse befreit, ist nißt in einer vollkommenen Sicherheit. Schwerlich wird die in der Tory⸗Partei, um deren Preis dieses große Werk er⸗ porden, ohne Gegenstöße bleiben, welche man unmöglich auf wisse oder selbst wahrscheinliche Weise vorhersehen kann. Aber ngeachtet ist der glänzende Erfolg, welchen die Verwaltung pbert Peel's in Hinsicht dieser Lebensfrage erlangt hat, dazu „glauben, wir wollen gern sagen: hoffen zu lassen, daß die⸗ je Schwierigkeiten, welche ihrer noch warten, 79 werde. sem Falle würde das Kabinet, wenn es fallen sollte, fallen, es eine Aufgabe erfüllt hat, die ihm in der Geschichte eine eutendsten Stellen sichert.“ ber die Kriegserklärung Nord⸗Amerika's gegen Mexiko macht urrier français folgende Bemerkung: „Die Schutzzoll⸗ ist es im Grunde, welche die Vereinigten Staaten zum Kriege se finden kein anderes Mittel, die Tarif⸗Reduction und die mmerbill zu verhindern, als die Union in wahrscheinliche Aus⸗ Lorch den Krieg zu stürzen. Verausgabung von Papiergeld Patzbillets und Erhöhung der Einfuhrzölle sind der doppelte den die Schutzmänner haben erreichen wollen. Allein Eins, hätten voraussehen sollen, wird ihre Berathungen vereiteln. werikanische Handel fängt an, zu fürchten, daß die mexi⸗ Regierung Kaperbriefe ausgebe, und dies wird unvermeidlich hen, indem Mexiko kein anderes Mittel besitzt, um gegen die gten Staaten den ungleichen Kampf zu führen. Wenn die che Flagge heute die alte Animosität John Bull's gegen Bru⸗ athan decken wird, wer kann da die Unfälle und Verwickelungen hen, denen der mexikanische Krieg als Vorwand und Ursprung wird? Die Feindseligkeiten haben begonnen, und eine Reaction ko, welche die Gewalt in andere Hände brächte, könnte ihnen gebieten. Man meldet wirklich, daß einige Provinzen sich für neerklärt haben. Dies ist indessen nur noch ein Gerücht, das Glauben verdient und die Fortführung des Krieges nicht hin⸗ pirde, bis Santana von ganz Mexiko anerkannt sein wird. ird dann am Ende die meisten Kriegskosten bezahlen? Mexiko sch in absoluter Unmöglichkeit dazu, und es ist mehr denn semtch, daß die Vereinigten Staaten unterdessen alle Punkte, e sich im Kriege bemächtigt, als Garantie zurückhalten möch⸗ Es ist ein erster Funke, der aber einen Weltbrand entzünden

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20.

se Akademie der Inschriften hat, auf Vorschlag des Herrn Le⸗ beschlossen, den Minister zu ersuchen, ein auf der Insel Cy⸗ utdecktes assyrisches Monument nach Frankreich bringen zu

ie allgemeine Zoll⸗Verwaltung veröffentlicht im Moniteur Vericht über die Einfuhr im April dieses Jahres. Sie betrug

onen Fr.; etwas mehr als im März. Es geht daraus her⸗

der Handel des Auslandes mit Frankreich im Steigen ist. v. Conneau und die beiden Wächter des Prinzen Louis Napo⸗ am 28. Mai in Peronne als Gefangene eingebracht wor⸗ . sellen dort vor Gericht gestellt werden. 8 Papier⸗Fabrik des Herrn Lanteigne, zu Gouy, bei Durtal, 2f. Mai abgebrannt. Der Verlust wird auf 3 400,000 Fr. 8 Ae Unglück stürzt etwa 100 Bewohner des Dorfs, ie Nn Fabrik arbeiteten, ins Elend. Beso achrichten aus Elboeuf lauten beruhigend. Man ist jetzt songniß über den Zustand der Verwundeien. Die gerichtliche die n wird fortgesetzt.

onsecration des Heern Pavy, Bischofs von Algier, hat

am 24. Mai in

Seeau, 1 hEr E

der Kathedral⸗Kirche St. Johann zu Lyon durch den Erzbischof von Lyon unter Assistenz der Bischöfe von Belley und Autun mit allem Pomp stattgehabt. Herr Blanchet, Bischof vom Oregon, wohnte der Ceremonie bei.

Die Börse war heute anfangs matt gestimmt. Später jedoch stellten sich die Notirungen wieder etwas her, da in Folge der mo⸗ natlichen Abrechnung noch mehrere ansehnliche Blankoverkäufe gedeckt wurden. Am Schluß waren die Effekten abermals sehr angeboten.

x Paris, 1. Juni. In der Deputirten⸗Kammer wurde heute die Verhandlung des Budgets des Ministeriums des Innern fortgesetzt. Bei Kapitel 27, „Gehalt der Präfekten in den Departe⸗ ments“, erhebt sich Herr von Larochejacquelin gegen die Wahl⸗ Umtriebe, die besonders im Departement Morbihan, das er vertrete, stark vor sich gingen. widerspenstigen Konskribirten zu schützen, lege man Garnisonen in die kleinsten Orte. Das sei eine Polizei⸗Politik. (O! o!) ihn wenig, ob der am Ruder stehende Mann Guizot oder Montmo⸗

renecy heiße, ob ein Bürgerlicher oder ein Adeliger dasselbe führe, aber man spreche von Klassen, er bleibe bei der Wahrheit der That-⸗ sachen. Das sei eine verwerfliche Politik, nicht die nationale Politik, Der Minister des Innern:

die er und seine Freunde verlangen. „Die französischen Truppen üben nicht eine Polizei aus, wie sie der ehrenwerthe Deputirte versteht. Sie wachen über die Ord⸗ nung, üben eine Aufsicht, es ist ihre Pflicht, die Ruhe des Landes zu sichern, und sie erfüllen dieselbe mit einer Festigkeit, einer Mäßi⸗ gung, wofür die Regierung ihnen Dank weiß.“ Herr de la Plesse: „Ich erkläre, meine Herren, als Deputirter des Westens, daß in un⸗ seren Departements des Westens die Ruhe seit einer gewissen Reise nach London abgenommen hat; die Parteien haben sich schärfer ge⸗ schieden. Ich kann daher die Regierung nicht tadeln, wenn sie eine Ueberwachung ausübt. Uebrigens kann ich versichern, daß unsere National⸗Garden ihre Pflicht thun würden, wenn die Dinge zu weit kämen. In Betreff der Angabe des Herrn von La⸗ rochejacquelin, von Gendarmen, die auf Widerspenstige geschossen und sie getödtet hätten, so erkläre ich, daß die Gendarmen immer erst dann auf die Widerspenstigen geschossen haben, nachdem zweimal auf sie gefeuert worden war.“ Herr von Larochejacque⸗ lin behauptet dagegen, der Redner vor ihm äußere sich nur so, um die legitimistischen Wähler von den Wahlen zu entfernen, deren Er⸗ scheinen seine Wiedererwählung im Arrondissement von Vitré gefähr⸗ den könnten. Herr de la Plesse: Er halte seine Wiedererwäh⸗ lung für durchaus nicht bedroht. Mit Vergnügen werde er die legi⸗ timistische Partei an den nächsten Wahlen theilnehmen sehen, komme diese Partei mit Loyalität zur Wahl⸗Urne ohne Rückgedanken, ohne hinterlistige Auslegung des Heiligsten, des Eides der Treue gegen den König und die Institutionen des Landes. Herr Joly: Er wolle auf gewisse Argumente zurückkommen, deren sich der Mi— nister des Innern in seiner Antwort an Herrn Thiers be⸗ dient habe. Er habe gesagt, die Verwaltung habe das Ueber⸗ gewicht über die Opposition bei allen Manifestationen des Lan⸗ des und der Kammern, bei den Munizipalwahlen, den Wahlen der National⸗Garde, der General⸗Conseils, in den Wahl⸗Kollegien für die Kammer. Wenn dem so sei, wie komme es denn, daß die National⸗Garde von Toulouse noch immer aufgelöst sei, daß man nicht an ihre Wiederorganisation denke? Wie, daß die Munizipali⸗ tät derselben Stadt aufgelöst worden? Und das Gleiche finde in einer Menge von anderen Städten statt. (Ausruf der Verneinung.) Man solle also sich nicht rühmen, überall die Majorität im Lande zu haben. Ueberall bestehe Kampf, und das einzige Heilmittel liege in der Resorm, nicht in der kleinen, sondern in der, welche Jeder⸗ mann das Stimmrecht ertheile. Herr Dejean rechtfertigt das Verfahren der Regierung im Departement der Ober⸗Garonne. Der Großsiegelbewahrer sagt, die Regierung könne höchstens zu großer Nachsicht beschuldigt werden. Herr Ledru Rollin be⸗ ginnt über die allgemeine Politik eine neue Debatte und verkündet eine Art Wahlprogramm. Er freut sich, daß Herr Thiers auf seine Ideen von 1830 zurückkomme. Aber das sei der Opposition nicht genug, nicht Worten, sondern nur Handlungen könne sie vertrauen. iegPfagsc zuletzt große Aufregung und Lärm. Die Sitzung dauert noch fort.

Wir haben heute direkte Nachrichten aus Oran vom Mai. Dort wußte man noch immer nichts Genaueres über die Ermordun der französischen Gefangenen bei der Deira Abd el Kader's. Daß der General Cavaignac etwas Ernstliches gegen Abd el Kader werde unternehmen können, glaubte man zu Oran nicht, weil der General über zu geringe Streitkräfte verfügen kann, um mit Aussicht auf Er⸗ folg einen Handstreich zu wagen. General Lamoriciere war noch im⸗ mer zu Oran. Die aus Tlemsen eingetroffenen Briefe bestätigten blos, was über die Ermordnung der französischen Gefangenen und über die Auflösung der Deira bereits gemeldet worden. Der einzige Punkt, der noch der Aufhellung bedarf, ist die Richtung, welche Mustapha Ben Tami, des Emirs Schwager, mit der Familie des Letzteren eingeschlagen hat. Trotz verschiedener Berichte ist es noch zweifelhaft, daß sie weiter westlich gegangen. Wahrschein⸗ licher bleibt es, daß sie die Richtung nach dem Süden eingeschlagen, um sich mit Abd el Kader wieder zu vereinigen. Dieser hielt sich nach den letzten Berichten noch immer in geringer Entfernung von Stitten im Dschebel Ksell auf, so daß er sowohl die aus Marokko kommenden Trümmer seiner Deira, als seine Anhänger aus den Wa⸗ renseris⸗Gebirgen bei sich aufnehmen konnte, im Falle Letztere durch des Marschalls Operationen gezwungen worden sein sollten, ihr Land zu verlassen. Briefe aus dem Lande der Flittas kündigen an, daß letztere Voraussicht sich bereits verwirklicht habe, indem Hadsch-Seghir, begleitet von Bu Masa und vier schwachen Reitertruppen, das Tell verlassen und nach dem Lande der Schuala gezogen, von wo sie dann über Fuk⸗el⸗Akba den Rand des Sersu und der Stitten erreicht haben mußten. Vor sich her hatten sie die Kunde verbreiten lassen, daß sie mit einer zahlreichen Reiterei ankämen, was die Flittas ver⸗ anlaßte, sich zurückzuziehen und ihnen so einen freien Durchgang zu eröffnen. Oberst Leflo vom 32sten Linien⸗Regiment schickte sich an, mit einer starken Kolonne aus Mostaganem auszurücken, um die einen Augenblick durch diesen falschen Lärm in Unruhe versetzten Flittas zu besuchen. Eine starke Operations⸗Kolonne, unter den Befehlen des Obersten Renault vom 6ten leichten Regiment, sollte von Frenda ausrücken, gegen Stitten zu, um den Emir aufs neue zu beunruhi⸗ gen und wo möglich zur Räumung auch dieses Zufluchtsortes zu zwingen. Wohin Abd el Kader sich nun wenden soll, nachdem im Daharagebirge, in den Warenseris, im Dschebel Amur der Friede hergestellt ist, läßt sich schwer absehen. Es scheint ihm keine andere Zuflucht übrig zu bleiben, als der Rückzug tief in die Wüste.

Großbritanien und Irland.

London, 30. Mai. Ein außerordentlicher Botschafter des Bey von Tunis ist mit werthvollen Geschenken für die Königin, wor⸗ unter sich ein paar prächtige arabische Pferde befinden, hier einge⸗ troffen und wird sechs Wochen in London verweilen.

Der Gesammtbetrag der im Jahre 1845 in England erhobenen Armensteuern belief sich auf 7,009,511 Pfd. St., wovon 6,857,402 bis zum Schlusse des Jahres verausgabt wurden.

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20.

Unter dem Vorwande, die Gemeinden vor den

Es kümmre

Vom Cap sind Nachrichten vom vorigen Monat hier ange⸗ langt. Der Gouverneur Maitland hatte gegen Sandilli, Tola, Bo⸗ tinan und die Gaikas⸗Stämme im Allgemeinen, so wie gegen ihre engen Verbündeten, den Krieg erklärt und sich selbst an die Gränze begeben, um persönlich den Ober⸗Befehl über die Truppen zu übernehmen. Die Bürger von Grahams⸗Town und anderen Orten hatten sich bewaffnet und den Truppen an⸗ geschlossen, und die Kolonisten erwarteten eine starke Züchtigung der Kaffern, gegen die sie, durch deren beständige und immer häufigere Räubereien sehr erbittert worden. Der Gouverneur Maitland hatte ein langes Manifest erlassen, das die unmittelbare Veranlassung zum Kriege und die Nothwendigkeit desselben nachweist. Es wa⸗ ren 2 oder 3 gefangene Kaffern einer kleinen britischen Es⸗ korte von 20 bis 30 Stamm⸗Genossen entrissen worden, wobei auf beiden Seiten einige Leute das Leben verloren. Diese Gewaltthätigkeit geschah zwischen Beaufort und Grahams⸗Town und soll auf dem Marktplatze von Beaufort zwischen Tola und Botman verabredet worden sem. Mit großer Besorgniß wird hier den näch-⸗ sten Nachrichten aus der Kolonie entgegengesehen.

Die Times bemerkt über den Krieg zwischen den nordamerika⸗ nischen Freistaaten und Mexiko: „Die regulaire Armee der Union soll unverzüglich auf 15,000 Mann gebracht werden, d. h. auf etwa das Doppelte ihres jetzigen Betrages. Außerdem will man 50,000 Freiwillige ins Feld stellen, und die Regierung ist, wie wir verneh⸗ men, ermächtigt, 16 Linienschiffe, 40 Fregatten und eine entsprechend Anzahl kleinerer Schiffe zu bauen, so wie für die Vertheidigung de Meeresküste und der Ufer der Landseen zu sorgen. Solche Vorkeh rungen deuten die Furcht vor noch anderen als den mexikanischen Streitkräften an; das Gewicht jedoch, welches man den amerikani⸗ schen Rüstungsbeschlüssen etwa beimessen könnte, wird bedeutend durch die Thatsache gemindert, daß bis jetzt noch nicht für die finan⸗ ziellen Mittel gesorgt ist, welche zur Verwirklichung jener Rüstun⸗ gen erforderlich sind. Die 10 Millionen Dollars, welche der Kon- greß genehmigt hat, und welche fast den ganzen Baarvorrath des amerikanischen Schatzes bilden sollen, werden bald verausgabt sein; 100 Millionen müssen aufgebracht und verausgabt werden, bevor eine erkleckliche amerikanische Armee oder Flotte im Felde oder auf dem Ocean erscheinen kann, und die Organisirung solcher Streitkräfte wie sie der Kongreß jetzt aufzustellen beabsichtigt, ist nicht das Wer von Monaten, sondern von Jahren. Unterdessen sind die militairi schen Schwierigkeiten an der südlichen Gränze nicht von gewöhn licher Art. Die Armee muß in weiter Entfernung von ihrer Ope rations⸗Basis agiren. Das Land ist dort ohne Einwohner, Heer⸗ straßen und Zufuhren; aller Bedarf für die Truppen muß vom Mis⸗ sissippi⸗Thale aus durch eine weite und wilde Gegend hingeschafft wer den, wo plündernde Indianer die Transporte abschneiden können. Di Jahreszeit wird einer Armee, welche gegen die Hitze jener Breiten keinen Schutz findet, unverzügliche Unternehmungen kaum möglich machen. Es ist daher keinesweges unwahrscheinlich, daß die Mexi kaner das Corps Taylor's vor Ankunft der Verstärkungen schlagen und vernichten, sodann aber in Texas die Offensive ergreifen können. Offenbar würde freilich ein solcher Erfolg ihrerseits blos ein vorüber gehender sein und ihren übermächtigen Feind nur bis zur Wuth er⸗ bittern. Die Mexikaner, obgleich schwach, sind jedoch nicht ohne Waffen, und diese können durch die unbeschützte Lage des nordameri kanischen Handels, so wie durch den sozialen Zustand der südliche Staaten, furchtbar werden. Wenn man übrigens den Bruch zwischen Nord⸗Amerika und Mexiko aus dem allgemeinen Gesichtspunkte betrach tet, so sind die unmittelbaren Folgen dieses Krieges gerade am we nigsten von Wichtigkeit. Der jetzt bestehende Kriegszustand muß so⸗ fort alle die verwickelten Fragen über die Rechte der kriegführenden Parteien und der Neutralen, über Kaperbriefe, Blokade und Schutz de Handels zur Anregung bringen. Schon sind zwei englische Schooner durch eine nord⸗amerikanische Kriegsbrigg von der Mündung des Rio Grande zurückgewiesen worden, bevor noch irgend eine Blokade Kündigung erfolgt war. Neben diesen gefährlichen, aber un zertrennlichen Begleitern des Krieges hat Großbritanien im jetzi gen Augenblick noch andere und wichtigere Interessen auf de Spiele stehen. Die Zeit ist da, wo die Oregon⸗Unterhandlung zum Schlusse gebracht werden muß; und man darf mit Grund annehmen, daß wir wegen der Oregonfrage unter der amerikanischen Bevölkerung auf eine minder gefügige und aufgeregtere Stimmung stoßen werden, sobald die Kriegspartei einmal ihr Uebergewicht dar⸗ gethan, das Land bewaffnet und vielleicht einen leichten Triumph über die mexikanischen Streitkräfte errungen hat.“

Zu Liverpool hat das Feiern der Bau⸗Gewerks⸗Arbeiter, wel ches 9 bis 10 Wochen gedauert, nun beinahe ganz aufgehört. Ein städtischer Beamter veranlaßte eine Zusammenkunft zwischen den Wortführern der Arbeiter und der Meister, in welcher nach einigen Erörterungen beschlossen wurde, daß die Meister auf die von ihnen den Arbeitern zugemuthete Unterzeichnung gewisser Bedingungen ver⸗ zichten sollten. Am anderen Morgen gingen sämmtliche Bauwerks⸗ Gesellen, mit Ausnahme der Maurer, wieder an die Arbeit.

In der letzten Wochen⸗Versammlung des dubliner Repeal⸗Ver eins wurde ein Schreiben O'Connell's verlesen, worin er versichert, daß die Verwerfung der irländischen Zwangs⸗Bill so gut wie ent⸗ schieden sei; bisher habe das Parlament noch alle von der Regierung beantragten Zwangs⸗Bills genehmigt, und es sei daher um so be⸗ deutungsvoller, daß endlich das englische Unterhaus sich abgeneigt zeigen werde, Irland durch solche ungerechte Zwangs⸗Maßregeln zu regieren. Hierauf ward ein Schreiben O' Brien's verlesen, welches allen Mitgliedern des Vereins wechselseitige Schonung und Versöh⸗ nung dringend anempfiehlt. Der Ertrag der Wochen⸗Rente betrug 109 Pfd. St.

Die Gesellschaft zur Verbesserung der Lage der arbeitenden Klas⸗ sen hielt dieser Tage unter Lord Ashley's Vorsitz ihre Jahres⸗Ver⸗ sammlung. Aus dem Berichte erhellt, daß sämmtliche bisherige Fonds der Gesellschaft zur Erbauung von Häusern verwendet worden sind, welche armen, aber braven Handwerkern überlassen wurden. Es sind jedoch in den letzten Wochen wieder ansehnliche Schenkungen eingegangen, worunter 100 Pfd. vom Prinzen Albrecht und 100 Pfd. vom Bi⸗ schofe von London. Die Wirksamkeit des Vereins wurde als höchst wohlthätig und einflußreich geschildert.

Die Literary Gazette zeigt an, daß eine nicht genannte Person die nöthigen Fonds zur Errichtung zweier neuen Bisthüme am Kap der guten Hoffnung und in Süd⸗Australien hergegeben hab Jeder der neuen Bischöfe soll ein Jahrgehalt von 1200 Pfd. St.

beziehen.

GBGelgien.

Brüssel, 2. Juni. Der Gemeinde⸗Rath von Brüssel hat in seiner vorgestrigen Sitzung einen Kredit von 10,000 Fr. für die Volksfeste bewilligt, welche bei der Inauguration der Eisenbahn von Paris nach Brüssel hier stattfinden sollen. Der Bürgermeister er⸗ klärte, er habe am 28. Mai die Nachricht erhalten, daß die Eroöͤff⸗ nung der Nordbahn erst am 14. oder 15. Juni erfolgen werde.

Die russische Brigg „Saima“, Capitain Lofberg, welche am 21. Mai mit Ballast von Antwerpen ausgelaufen war, traf am 30sten wieder dort ein, wozu sich der Capitain durch ein Attentat auf sein Leben gez s 2 imlich vor einigen Tagen