Freie Stadt Lübeck. Ein von Berlin am Juni in Lübeck eingetroffener Courier hatte die Nachricht überbracht, daß der Kronprinz von Württemberg seine Reiseroute über Berlin nehmen und in Swinemünde nach St. Petersburg sich einschiffen werde. In Folge dessen sollte noch am nämlichen Tage das in Travemünde lie⸗ gende russische Kriegs⸗Dampfschiff „Grosiatschy“ (vergl. Nr. 172 der Allg. Preuß. Ztg.) nach Swinemünde in See gehen, um von dort aus den künftigen Gemahl der Großfürstin Olga nach St. Pe⸗ tersburg überzuführen. Die Anwesenheit des „Grosiatschy“ in Tra⸗ vemünde hat dort, wo die Zahl der Badegäste sich bereits bedeutend mehrt, ein reges Treiben verursacht. Namentlich waren es die aus⸗ gezeichneten, dem Publikum aufs freigebigste vorgeführten Leistungen des am Bord befindlichen Musik⸗Corps (von 40 Mann), welche zur angenehmsten Unterhaltung der Bewohner und der zahlreichen Be⸗ sucher Travemünde's beitrugen. Am Bord des „Grostatschy“ befindet sich der Kaiserl. russische Contre⸗Admiral, Graf von Heyden.
Freie Stadt Krahau.
Krakau, 22. Junni. Die heutige Gazeta Krakowska enthält folgende Bekanntmachung des Civil⸗Administrations⸗Raths der freien Stadt Krakau und ihres Gebiets: „Da die von der Po⸗ lizei⸗Direction veröffentlichte Verfügung, wonach der den nächtlichen Dienst versehenden Militair⸗Wache sofort Rede zu stehen ist, in Ver⸗ gessenheit gerathen, so bringt der Administrations⸗Rath, in Gemäß⸗
heit Reskripts Sr. Excellenz des General⸗Lieutenants Grafen von Castiglione, Chefs der Civil⸗ und Militair⸗Verwaltung, vom 19ten d. M., den Bürgern und Einwohnern der Stadt Krakau und ihres Gebiets in Erinnerung, daß sie, wenn sie des Nachts an Militair⸗Patrouillen oder Wachen vorüberkommen, welche den Dienst versehen, auf deren Ansprache sogleich still zu stehen und zu antworten verpflichtet sind, widrigenfalls sie sich selbst die Schuld beizumessen haben, wenn die Militair⸗Wache sich genöthigt sieht, nach den ihr ertheilten Vorschriften zu verfahren. Krakau, 19. Juni. Der Direktor des Administrations⸗Raths: J. Ksienzarski.“
„Die Frohnleichnams⸗Feier hat hier, in derselben Weise, wie in früheren Jahren, in aller Ruhe und Ordnung stattgesunden. 1“
8 Rußland und Polen.
E1“
St. Petersburg, 19. Juni. Se. Majestät der Kaiser hat unterm 3ten d. M. zu Warschau folgendes Reskript an den Com⸗ mandeur des 3ten Infanterie⸗Corps, General der Kavallerie, Ge⸗ neral⸗Adjutant Rüdiger, gerichtet: „Fedor Wassiljewitsch! Während Ich Ihrem ausgezeichnet eifrigen, treuen und langjährigen Dienste stets volle Gerechtigkeit widerfahren ließ, gereichte es Mir zum be⸗ sonderen Vergnügen, Mich abermals von den umsichtigen und zweck⸗ mäßigen Anordnungen zu überzeugen, welche Sie als Ober⸗ Befehlshaber der Truppen getroffen haben, die im Februar d. J. zur Besetzung Krakau's und zur Sicherstellung Un⸗ erer Gränzen gegen die Insurgentenhaufen von Galizien und Posen her dienten, so wie auch von dem raschen Vollzug der Truppenbewegungen, ungeachtet der ungünstigen Jahreszeit und der chlechten Wege. Ihre Operationen bei -. wichtigen Auftrage sind zu Meiner vollkommenen Zufriedenheit mit vollständigem Er⸗ olge gekrönt worden, und Sie haben sich dadurch ein Recht auf
22
b60
Meine aufrichtige Erkenntlichkeit und Mein Wohlwollen erworben,
welche Ich Ihnen für ihren so nützlichen und rühmlichen Dienst hier⸗
mit zu erkennen gebe. Ich verbleibe Ihnen stets wohlgewogen. (gez.) Nikolaus.“
Warschau, 21. Juni. In Berücksichtigung der sechsund⸗ dreißigjährigen treuen und eifrigen Dienste des verstorbenen Ober⸗ Hofmeisters Fürsten Jablonowski, Präsidenten des Wappen⸗Amtes es Königreichs Polen und Mitgliedes des Administrations⸗Raths, oll der Wittwe desselben, geborenen Fürstin Lubomirska, auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers, aus dem Schatz des Königreichs eine
reich bezeichnet die öffentliche
der Angelegenheiten in Algerien beauftragt zu werden.
fanterie und 4061 Reitern bestehen.
MNur gegen das bestimmte Versprechen des Finanz⸗Ministers, daß ein vollständiger Gesetz⸗Entwurf über die Post⸗Reform in der näch⸗ sten Session vorgelegt werden solle, hat die Deputirten⸗Kammer den Vorschlag des Grafen von St. Priest zur Einführung eines gleich⸗ mäßigen Briesporto's von 20 Centimes verworfen.
Seit einigen Tagen ist die Rede davon, es werde sich ein syri⸗ sches Comité bilden, an dessen Spitze Herr von Lamartine gestellt werden solle. Mehrere namhafte Männer würden an diesem Comité Theil nehmen, unter Anderen die Herren Arago, Montalembert, Leon von Malleville, Villeneuve, Cormenin und Tracy. Die Bestrebungen dieser Gesellschaft sollen dahin gerichtet sein, die Interessen der christ⸗ lichen Bevölkerungen Syriens zu wahren und zu fördern.
Herr Valdivielso, der mexikanische Gesandte am madrider Hofe, ist für denselben Posten in Paris bestimmt, an die Stelle des Ge⸗ neral Almonte, dessen Ernennung zurückgenommen wurde.
Wie verlautet, hätte der verstorbene Papst der Königin der Franzosen ein schönes Christusbild aus Elfenbein testamentlich ver⸗ macht, auf welches er großen Werth legte, und das er in seinem Oratorium hatte.
„Der Kardinal von Arras hat seine Reise nach Rom noch nicht weiter fortgesetzt, da er sich durch die heiße Witterung zu ange⸗ griffen fühlt.
„Von Havre erfährt man, daß die Assekuranz⸗Prämien auf ame⸗ rikanische Schiffe dort nicht gestiegen sind, daß man also die mexika⸗ nischen Kaperschiffe nicht fürchtet.
Es sind schon über 50 Deputirte nach ihren Provinzen zu⸗ rückgereist.
Herr von Lagrenée, französischer Botschafter in China, ist in Paris eingetroffen.
Der Bei von Tunis hat ein Grundstück in Paris gekauft, worin nach dem Muster des ägyptischen Instituts ein Erziehungs⸗Institut für junge Tunesen eingerichtet werden soll.
„Deer französische Gesandte in Konstantinopel hat sich beim Divan über das Benehmen der wallachischen Regierung gegen den franzö⸗ sischen General⸗Konsul Billecoecg beschwert.
Die Gräfin von Meulan, Wittwe des General⸗Majors Theodor von Meulan, eine Schwägerin Guizot's, starb Mittwoch Nachts nach einer langen Krankheit im Hotel des Ministers. Die Verstorbene gnn 4 eine geistreiche Frau von ausgezeichneten Fähigkeiten ge⸗ Admiral Baron Bougainville ist an der linken Seite vom Schlage getroffen worden.
Das Journal de Lille erzählt, daß Herrn Jules Janin bei den Eisenbahn⸗Festen zu Lille der in Brillanten gefaßte, vom Sultan Abd ul Medschid ihm verliehene Orden Nischan Iftichar im Ge⸗ dränge vom Rocke geschnitten worden.
2x Paris, 20. Juni. Die Deputirten⸗Kammer setzte heute die Verhandlung des Einnahme⸗Budgets fort. Herr Morti⸗ mer Ternauvr schlägt einen Zusatz⸗Artikel vor, wonach die Fabri⸗ cation von Cider und Birnwein im Innern von Paris der Aufsicht
unterworfen werden soll. Zugleich wird durch diesen Artikel die Art bestimmt, in welcher die Auflage auf diese beiden Fabrikate erhoben
werden soll. Die Verletzung der vorgeschlagenen Bestimmungen soll bestraft werden gemäß Art. 129 des Gesetzes vom 28. April in Be⸗ treff der an den Schatz zu zahlenden Abgabe und gemäß Art. 8 des Ge⸗ setzes vom 29. März 1832 in Betreff der Octroi⸗Abgaben. Herr Ternaux entwickelt sein Amendement. Dasselbe sei eigentlich nichts als die Wieder⸗ holung eines Artikels, den die Deputirten⸗Kammer und die Pairs⸗Kammer
6 b Meinung ben General⸗Lieutenant La⸗ moricière als denjenigen, welcher am geeignetsten sei, mit der Leitung
Zufolge eines kürzlich veröffentlichten Berichtes beläuft sich der Effektivstand der Streitkräfte in Algerien auf 99,699 Mann Fuß⸗ truppen und 18,118 Reiter, uneingerechnet die aus Eingeborenen und Hülfstruppen gebildeten Abtheilungen, welche aus 6587 Mann In⸗
orge Bentinck dabei, daß innere Ursachen für die W ; Behauptung sprächen, und erlaubte sich v.. vehehen gegen Sir Robert Peel und die Tendenz der Maßregeln d 1 welche eben so wie des Ministers persönliches“ Verhalten 8 dienten, die Achtung, welche man bisher vor dem Charakter englischen Gentlemen zu hegen gewohnt gewesen sei, 1 tergraben. Für diese Aeußerungen wurde der Lord 4₰ John Hanmer und Herrn Roebuck scharf mitgenommen. Lord John Russel erklärte unzweideutig, daß der Pp. Minister sich vollkommen gerechtfertigt habe, aber nichtsdestoweg wiederholte Herr d’'Israeli die Anklage nochmals und 9f daß er dieselbe für unbegründet nicht ansehen könne. Der Ka der Schatzkammer suchte die Vertheidigung Sir Robert 1 aus seinen eigenen Reminiscenzen zu vervollständigen, Herr 6 3 und Lord Sandon protestirten gegen die Störung, welche 80 schäfte durch Herbeiziehung solcher Persönlichkeiten leiden, ug 8- Letzterer nicht umhin, zu erklären, daß er wohl wg Sir Robert Peel hätte als Führer seiner Partei in e 1827 ein hochherzigeres Verfahren gegen Canning 8 ten. Nachdem noch mehrere andere Redner, namentlit Morpeth und Herr Villiers, sich durch die Erklärungen ; Peel's vollkommen zufriedengestellt bezeugt hatten (der Letzten geradezu, nicht durch Sir Robert Peel, sondern durch die Grundbesitzer, deren Sache Lord G. Bentinck jetzt so eifrig n dige, sei der „herrliche Canning zu Tode gehetzt worden“), um; dem Andere, wie die Herren Newdegate und Borthwick, m hatten, daß sie keinesweges überzeugt worden seien, wurde da genstand verlassen und auch die an der Tagesordnung befindlige batte über die Zwangsbill vertagt.
London, 20. Juni. Die Königin hat gestern ihre der Insel Wight, Osbornehouse, bezogen.
Die Hofzeitung enthält nachträglich noch eine bedeuten, zahl von Beförderungen unter den Offizieren, welche sich auz ledsch in Sind und China ausgezeichnet haben. Drei Obers⸗g. tenants von den Königlichen Truppen und drei von den Trupan ostindischen Heeres sind zu Adjutanten der Königin mit den Fa von Obersten befördert worden, außerdem 12 Majors zu Uhys⸗ Lieutenants und 29 Hauptleute und Rittmeister zu Majors.
In der Dienstzeit der englischen Truppen hat eine voig Aenderung stattgefunden. Der Rekrut, der sich anwerben lisßt, 1e fortan die Wahl zwischen drei verschiedenen Dienst⸗Fristen: bat Infanterie kann er sich anwerben lassen auf 7, 14 oder 21 N. bei der Kavallerie auf 10, 16 oder 24; bei der Artillerie auf! 16 oder 21 Jahre.
Bisher war bei dem General⸗Post⸗Amt in London die ECimic⸗ tung, daß diejenigen, welche dafür bezahlten, ihre Briefe (üher Ae Andere erhalten konnten. Man hatte sich darüber oft beschweg, in dessen dauerte der Mißbrauch sort, und erst jetzt ist er abgesthif Die Briefträger dürfen nun von Privatpersonen keine Jahrame mehr annehmen, alle erhalten ihr Salar vom Staate, und damut frühzeitig mit der Abgabe der Briefe fertig werden, ist ihre . um 12 vermehrt. Der Dandelsstand erspart damit jährlich i 2000 Pfd.
Es ist wieder ein Mitglied der Universität Orford, David La zur römisch⸗katholischen Kirche übergetreten. Er weigert sich ch auf seine Kollegiumsstelle zu verzichten, obwohl alle akademist Würden und Emolumente an das Bekenntniß der 39 Artikel gebu sind. Uebergetreten ist ferner, unter Aufgebung zweier einträglht Pfründen, Herr E. Horne, Lienbverine. erantscher Sbrr⸗Pfand Southampton; dann Lady Georgiana Fullerton, Schwester A. Granville's und Verfasserin des Romans „Ellen Middleton““. Cambridge sind seit sechs Monaten ebenfalls mehrere Mitglied und Angehörige der Universität zur katholischen Kirche übergetrete Wie es heißt, gehen die kirchlichen und akademischen Behörden dan um, strenge Maßregeln zu ergreifen, um so viel als thunlich d Umsichgreifen der katholischen Richtung unter den Angehörigen
Va
üon ab.
Jats soll die Papstwahl beschleunigt haben.
en. Die Blokabe⸗Frage sei auch sehr bedenklicher Natur, n,Hfer. sich, wie viel kostbare Metalle auf britischen Kriegs⸗ ffen aus den mexikanischen Häfen ausgeführt werden dürften. Die blichtung der Oregon⸗Frage sei aber jetzt wahrscheinlicher geworden, dman glaube, daß die nordamerikanische Regierung die mit der „Hi⸗ ia“ überbrachten englischen Vorschläge annehmen werde. Trotz⸗ sei aber die allgemeine Tendenz der amerikanischen Politik eher erisch und angreifend als friedlich und versöhnlich; denn durch jetzigen Siege werde die Whig⸗Partei in Nord⸗Amerika ganz zu 9 ichtet und das Selbstvertrauen der Amerikaner auf ihre
eri 1 mie schen Leistungen wachsen. Bei solchen Elementen sei denn zu rechnen.
einen festen und dauerhaften Frieden nicht Die Times spricht wiederholt die Befürchtung aus, daß man der neue Eisenbahn⸗Katastrophen zu gewärtigen habe, wenn dem hel nicht zeitig entgegengearbeitet werde. Nach ungefährer Ab⸗ ütung seien Bills von 150 Millionen Pfd. jetzt vor beiden Häu⸗ oder auf die Königliche Gutheißung wartend. Diese Thatsache ige die ernstesten Besorgnisse rege machen und verdiene die ernst⸗ e Erwägung derer, die da wüßten, was es heiße, sich in Unter⸗ mungen einzulassen, die man nicht ausführen könne.
Es heißt, daß Sir James Graham und Lord Francis Egerton zen nächsten Tagen zur Pairswürde erhoben werden sollen, der e unter dem Titel Lord Preston, der Letztere als Lord Ellesmere. Amtlichen Angaben zufolge, belief sich die Bevölkerung von gland, Wales und Schottland am Ende des Jahres 1845 auf 672,571 Seelen. Im Jahre 1801 zählte man 10,942,646 Ein⸗
er. 8 herahim Pascha befindet sich jetzt in Birmingham, wo er alle briken aufs sorgfältigste in Augenschein nimmt. Sein Beglei⸗ „Soliman Pascha, geht dieser Tage zu seiner Familie nach
Capitain Stokes hat der geograpbischen Gesellschaft zu London n Plan vorgelegt, wonach die Herstellung einer regelmäßigen mpfschifffahrt zwischen Indien und Sidney in Neu⸗Süd⸗Wales wohl aussührbar sein soll. Auf diese Weise würde künftighin Dauer der Reise von England nach Sidney, welche jetzt im nstigsten Falle vier Monate währt, um volle zwei Monate gekürzt
den.
Lord Elgin, der Gouverneur von Jamaika, ist auf Urlaub mit wwner Familie, von Jamaika kommend, mit dem westindischen Dampf⸗ iffe „Jorth“ hier eingetroffen.
Nach dem Manchester Guardian wird die gesammte Baum⸗ llen⸗Aerndte in den Vereinigten Staaten für das Jahr 1845—46 he an 2,200,000 Ballen betragen, während sie noch vor einem pnate nur auf 2,100,000 Ballen veranschlagt wurde.
Die Hitze war vorige Woche in London so bedeutend, daß eine ame, welche die Regentstreet hinaufging, vom Sonnenstich getroffen, ußtlos niedersank, jedoch, zu einem nahewohnenden Arzte ge⸗ acht, bald wiederhergestellt wurde. Ein Kind von 4 Jahren dage⸗ welches zu Clapham, unweit London, vom Sonnenstich getroffen de, starb. 88 18 1
8
Paris, 21. Juni. (O. P. A. Z.) Die Regierung hat heute ch telegraphische Depesche die Nachricht von der vollzogenen Papst⸗ hl erhalten. Der Kardinal Johann Maria aus dem Hause der afen Mastai Ferretti ist Papst geworden. Er ist geboren zu Sinigaglia Kirchenstaat am 13. Mai 1792 und war Erzbischof von Imola. s Konklave hat nur zwei Tage gedauert. Am 14. Juni be⸗ gten, war es schon am 16. Juni zu Ende. Man hat noch selten so kurzes Konklave gesehen. Die politische Lage des Kirchen⸗
Der neu erwählte pst, der den Namen Pius IX. angenommen hat, ist erst 54 Jahr Zer soll gemäßigten und konziliatorischen Charakters sein; seine nennung ist allgemein gut aufgenommen worden.
Die in Marseille erscheinende Gazette di Midi meldet, daß Kardinal Micara, dessen Erkrankung bereits erwähnt wurde, am
1Haltung des diesseitigen Gesandten, Herrn Gonzalez Bravo, erhoben
Spanien.
3 Madrid, 15. Juni. Unsere Nachrichten aus Lissabon gehen bis zum Sten. Die Bezirke von Porte⸗Aveiro und die ganze Provinz Tras os Montes hatten sich der Regierung unterworfen, und die Volkshaufen, welche die Stadt Porto eingeschlossen hielten, waren in ihre Heimat zurückgekehrt. In anderen Theilen des Landes sollen die Volks⸗Juntas noch auf ihrer drohenden Haltung beharren. Un⸗ terdessen werden zahllose Amtsentsetzungen vorgenommen und auf diese Weise die Ehrgeizigen wenigstens zum Theil befriedigt. Unter den spanischen Truppen, die an der portugiesischen Gränze in Galicien und Castilien aufgestellt sind, greift die Desertion immer mehr um sich, und die während des Aufstandes in Portugal eingesetzten Juntas nehmen diese Ueberläufer nicht nur mit offenen Armen auf, sondern gestat⸗ ten ihnen auch, im Widerspruch zu den in Kraft stehenden Traktaten, den Gebrauch ihrer Waffen. Dieser Umstand, so wie auch verschiedene Reclamationen, welche das neue portugiesische Ministerium gegen die
haben soll, scheinen die gereizte Stimmung, welche zwischen beiden Höfen in Folge der letzten Ereignisse eingetreten war, allerdings noch höher zu spannen und zu einem lebhaften Notenwechsel Veranlassung zu geben. In den letzten Tagen fertigte der portugiesische Gesandte, Baron von Renduffe, mehrere Couriere nach Lissabon ab. Dem Vernehmen nach, hat der neue Minister der auswärtigen Angelegen⸗ heiten Portugals, Graf von Lavradio, diesem Diplomaten in sehr schmeichelhaften Ausdrücken geschrieben. Der bisherige Secretair der portugiesischen Gesandtschaft am hiesigen Hofe, Commandeur Soares Leal, traf vor wenigen Tagen mit Depeschen von Lissabon hier ein und wird am 20sten von hier nach Berlin abgehen, wohin er in gleicher Eigenschaft versetzt worden ist.
Am 6ten traf der Kronprinz von Dänemark an Bord der Fre⸗ gatte „Gefion“ in Cadix ein. Von dort begab er sich unter dem Inkognito eines Grafen von Wagrien nach Sevilla.
Die Regierung hat Gebete zum Behuf einer glücklichen Papst⸗ wahl angeordnet und einen Beamten, Herrn Aycoitia, mit Depeschen nach Rom abgeschickt. Dieser Agent soll beauftragt sein, von dem der spanischen Krone zustehenden Veto Gebrauch zu machen, falls die Wahl auf eine der diesseitigen Regierung nicht genehme Person fallen sollte. Die hiesigen Blätter nehmen keinen Anstand, diesen Schritt für fruchtlos und selbst lächerlich zu erklären.
Die Feier des Frohnleichnams⸗Festes erhielt in diesem Jahre einen besonderen Glanz, indem die Königin Isabella zum erstenmale seit ihrem Regierungs⸗Antritt der die Hauptstraßen durchziehenden Prozession zu Fuß folgte. Der Infant Don Francisco de Paula ging ihr zur Seite, und unter dem Gefolge befand sich auch der französische Botschafter, eine Kerze tragend. Als die Prozession über die Plaza Mayor schritt, stürzte ein Gerüst mit vielen Zuschauern ein, die meistens schwer beschädigt wurden. In einer anderen Straße wurde fast im Angesicht der Königin ein Mensch, der in einer Schänke in Händel gerathen war, ermordet. Abends wurde das Drama „Karl II. der Behexte“ im Theater del Principe aufgeführt. Dieses Stück schließt mit der Ermordung eines als lasterhaft dargestellten Mönches. Kaum war der Vorhang gefallen, als auch die Zuschauer das Geschrei erhoben: „Es erscheine der Mörder des Mönches!“ um ihm ihren Beifall zu zollen. Da die anwesende Behörde dies nicht gestattete, so steigerte die Aufregung sich bis zu den gröbsten Exzessen, bis endlich eine Compagnie Soldaten die Ruhestörer ver⸗ trieb. Der Verfasser des erwähnten Drama’s, in welchem eine na⸗ türliche Tochter des Königs Karl's II. von Spanien auftritt (!), ist General⸗Direktor des öffentlichen Unterrichts.
BHrasilien.
Privatbriefe aus Porto Alegro vom 10. März melden unter Anderem: „Es wird unseren deutschen Landsleuten lieb sein, zu erfahren, daß Ihre Kaiserl. Majestäten die Kolonie von St. Leopoldo am Jacuhyfluß besuchten und dieselbe in dem blühendsten Zustande fanden. Der beste Beweis darüber möge folgender Umstand sein, daß
Privatbetrieben:
2) aus den “. 1842. 1843.
1844.
—
Pud. Pfr. Sol. 52 25 89
———— —— — Pud. Pfd. Sol. Pud. Pfd. Sol. 48 27 72 2 37 8
52
Werch⸗Isetsk
Kaslinsk und Kischtimsk 24 78 15 Nishne⸗Tagilk... 2 Sypssert 26 Schaitansk 53 Newiansk 26 Bilimbajewsk 82 Werchne⸗Ufaleisk 38 Krestowosdwishensk 73 Wsewoloblagodatsk 47 Iltabansk⸗Teptiaresk... 71 Troitzk 80 Petropawlowsk 24 Beresowk. . . 2 ½ aus den übrigen Betrieben *) —
15 39
—
32
—— 19—nn
36 37 20 21 30 37 34 14 39 16 29 1 37
7
51
10 14 40 70 26
39 176
25 im Ganzen 1062
3
95 aus Krons⸗ und Privatberg⸗ werken zusammen 298 38 64 313 Production viel ersichtlicher. 1817 die jährliche schnittlich betrug, und ren. In jenem Jahre fand man dagegen maligen Goldklumpen der Erde betrachtete. 10, 20 Pfd. und darüber nichts so ganz
tuts in St. Petersburg niedergelegte, gehörenden mijaßkischen Goldsandlagern, In den Jahren 1821—30 betrug die
von 1821 bis 1825 inkl. 606 Pud 17 nik, so daß der Jahres⸗Durchschnitt, der, erst 18 Pud betragen hatte, 289 Pud 20 Pfund gestiegen war. der Ural 299 Pud 25 P
8 Psund und 1841 bereits von 332 Pud dahin hatte sich also die Zunahme in der des allerdings letztbetrachteten mhebliꝛ Jahren. Noch unbeträchtlicher war sie später,
doch schon um mehr als das Dreifache, Nach den oben verzeichneten,
haben, iinri den Jahren 1830 **)
Pud. 4
8 10
jetzt bereits auf resp Fünf Ja
des Jahres 1830 verhielt sich zu der des Jahres . als offiziell geltenden russischer deren zum Theil stattfindende Widersprüche wir uns auszugleichen betrug der ostsibirisch⸗altaische Gold⸗Erw
2
als bedeutsam genug herausgestellt, Zeit schon minder erheblich ausfiel
erb Pfund. “
Sol.,
2 31
90
In früheren Jahren war indeß die Steigerung in der uralischen Gold⸗ Dies erhellt schon daraus, daß bis zum Jahre Ausbeute des Goldes im Ural nicht über 18 Pud durch⸗ daß es von dem Jahre 1825 als Ausnahme galt, wenn man Goldklumpen fand, die nur ein oder einige Pfund schwer wa⸗ schon ein Stück, welches beinahe 14 Pfd. an Gewicht hielt und welches man als den Riesen unter allen da⸗ Seitdem waren Stücke von Ungewöhnliches mehr, ja im Jahre 1842, am 26. Oktober, fand man eine, jetzt im Museum des Berg⸗Insti⸗
2 Pud 7 Pfd. 92 B preußische Pfd., schwere Goldstufe in den zum slatustischen Hütten⸗Bezirke die sich in neuerer Zeit auch über⸗ aupt durch ihre reiche Goldproduction auszeichnen. g 4₰ * 1 Gesammt⸗Erzeugung des urali⸗ schen Goldes 2054 Pud 1 Pfund, nämlich in den fünf ersteren Jahren Pfund 42 Solotnik, in den fünf letzteren Jahren von 1826 bis 1830 inkl. 1417 Pud 23 Pfund 54 Solot⸗ wie schon erwähnt, bis 1817 noch . 121
d. i. 77
Pud 11 ½ Pfund und
Ganz anders ist dagegen, wie schon oben angedeutet, welches uns die Erträge der ostsibirisch⸗altaischen Goldbergwerke und Gold⸗ wäschereien liefern. Obgleich das hier gewonnene m im Jahre 1830 und in den zunächst darauf folgenden Jahren höchst unbe⸗ deufend und im Gegensatze zu den durch ihren Reichthum so berühmten Goldgruben und Seö “ “ 8 o übertraf der Goldgewinn der letzten Jahre im ai de tre 16“ 1 nm die sibirische Gold⸗Ausbeute 1844 bereits = 1:221. chen Journalen,
hre später (1835) lieferte sund; 1839 bot er eine Ausbeute von 313 Pud 9 Pfund 81 ¾¼ Solotnik. Gewinnung des uralischen Gol⸗ wenngleich sie in der , als in den früheren wie wir oben gesehen haben. das Resultat,
Bis
Gold⸗Quantum noch
bemüht
Solotnik.
26 ½
35 14 ¼
648 — 981
20
8 “ 61½
Der Gesammtbetrag der altaischen Bergwerke während aller 15 Jahre ist demnach = 4122 Pud 33 Pfund 20 1% Solotnik, wäͤhrend die Gesammt⸗ Ausbeute aller uralischen Goldgruben von 1815 bis Ende 1844, also in 30 Jahren, nun auf etwas über 6300 Pud zu berechnen ist. 88
Am riesenhaftesten hat sich der sibüische Goldbetrieb im jeniseiskischen Kreise an den Gränzen China's, besonders in den Flußthälern der Bol⸗ schaja Muroschnaja, der Uderj, Bolschaja Ostrowna, Podkammenaja Tun⸗ gusta, Pita u. s. w., gesteigert, während die fämmtlichen übrigen, zur al⸗ faischen Berg⸗Verwaltung gehörenden Kreise Ost⸗ und West⸗Sibiriens, mit dem aus dem altaischen und nertschinskischen Silber ausgeschiedenen Golde, zusammen kaum ein Drittheil des gesammten sibirischen Goldbetriebs bilde⸗ ten. Der jeniseiskische Kreis hat daher auch die meisten Hütten⸗Verwaltun⸗ gen, deren Zahl stets im Wachsen begriffen ist, indem im Jahre 1842 nur einige funfzig, 1843 bereits 65, 1844 schon 71 Goldbergwerks⸗Verwaltun⸗ gen hier gezählt wurden. In allen goldergiebigen Kreisen Ost⸗ und West⸗ Sibiriens gab es im Jahre 1842 einige 80, 1843 mehr als 90, 1844 be⸗ reits 117 besondere Verwaltungen, indem sich mit jedem Jahre immer mehr und mehr Compagnieen vereinigen, die diesem freilich ungewissen, aber mög⸗ licherweise auch sehr ergiebigen Kulturzweige ihre Kräfte widmen. Fast sämmtliche Goldwäschen des Altai werden von Privaten betrieben; die 8 Kronc hat von diesem einträglichen Erwerbszweige, was den Altai betrifft, noch so viel wie gar keinen Gebrauch gemacht, doch sahen wir auch im Ural die Goldproduction in den Privatbetrieben schon von größerem Belang als die in den Kronsbergwerken, deren Einkünste sich zu jenen nur etwa wie 4:5 ver⸗ hielten. Besonders sind es die Familien Jakowlew, Wsewoloshly und Shukowsky, die Fürstin Butera, die Gräfin Strogonow und die Erben der Demidow's, Turischaninow's, Jakowlew's und Nastorgujew's, welche im Ural den gesammten Gold⸗Ertrag aus den Privat⸗Gold⸗Bergwerken erzie⸗ len; der Garde⸗Cornet Jakowlew, dem das ergiebigste aller uralischen Gold⸗ Lager zu Werch⸗Isetsk gehört, hatte im Jahre 1842 eine Ausbeute von mehr als 48 Pud, 1843 von nahe 53 Pud, 1844 von mehr als 52 4 Pud. Man muß hierbei bedenken, daß das Pud Gold 50,000 Rubeln Banko, d. i. etwa 15,000 Rthlr. preuß. Courant, gleichgeschätzt wird. Jene Aus⸗ beute hatte also einen Werth von resp. 795,000 und 787,500 preuß. Rthlrn. in den letzteꝛwähnten beiden Jahren. — 1
Von den sibirischen Goldwäschen erzielen den meisten Gewinn die Compagnieen Schtschegolow und Kusnezow, die im südlichen Theile des jenisciskischen Kreises, in den Gold⸗Sand⸗Geschieben des Flusses Bolschaja Muroshnaja, im Jahre 1843: 54 Pud 24 Pfd. 29 ¾ Solotnik Gold ge⸗ wonnen, welcher Gewinn sich schon im solgenden Jahre 1844 auf 87 Pud 14 Pfd. 65 Solotnik erhöht hatte. Hier hatte die Gold⸗Ausbeute also be⸗ reits einen Werth von mehr als 1,310,000 preuß. Rthlrn. erreicht. Nächst jenen Familien sind es besonders die Familien Mjasnikow, Malewinskv, die Compagnieen Rjasanow und Balandin, Tolkatschew und Korobkow
hlagflusse gestorben sei.
Rom, 13. Juni. Außer dem frischen Cypressenzweige am hldaten⸗Tschakot und dem schwarzen Rande der römischen Zeitung nert im weltlichen Publikum nichts Trauerndes mehr an das ver⸗ ne Kirchen⸗Oberhaupt, seit für dessen Seelenheil der Erzbischof Capua, Kardinal Serra Cassano, diesen Morgen die neunte und
ie Messe in der St. Peters⸗Kirche celebrirt und unter Assistenz Kardinal⸗Priester Fransoni, Barberini, Spinola und Brignole am nmenden Katafalk ihm die letzte Absolution ertheilt hat. Mon⸗ or Rosani hielt sodann eine durch gedankenreiche und glänzend edte Latinität musterhafte Leichenrede, worauf das Sagro Collegio, ufs der letzten Congregation, in den Vatikan zog. “ Tausende von Neugierigen jedes Alters und Standes eilen über
(tie Engelsbrücke, den Katafalk zu bewundern, dessen kolossaler Tem⸗ vpeibau nach Angabe des Architekten Vespigniani mit seiner Spitze fast den Dachstuhl der Basilika erreicht. Die (wie bereits erwähnt) durch Reißen der Stricke beim Hinaufwinden zertrümmerte Statue Religion ist durch eine minder große allegorische Figur von dem tafalk Pius VIII., gleichfalls die Religion vorstellend, ersetzt rden, welche sich nun winzig genug auf dem riesigen Katafalk enimmt. Dem Programm des Ceremonienmeisters de Ligne zufolge, wird Kardinal Micara (siehe oben) morgen Vormittag halb 10 Uhr (der St. Peterslirche die das Konklave einleitende Messe singen d um 6 Uhr Abends mit allen anwesenden Kardinälen von der nche San Silvestro aus unter Vortragung des Kreuzes und Ab⸗ gung des Hymnus Veni Creator Spiritus die im nahen päpst⸗ he Palast des Quirinals für das Konklave eingerichteten Zellen gichen. Von ihrer zahlreichen Dienerschaft sind für diese Zeit jeder minenz nur drei Leute bewilligt. Drei Kardinäle hüten wechselnd die clausura et munditia Conclavis. Militai⸗ scher Marschall und Kustos desselben ist Principe Agostino bigi (die Würde ist in dieser Familie erblich und veran⸗ ht ihr bedeutende Kosten.) Gouverneur ist Monsignor Palla⸗ ini, Sacrista Monsignor Castellani, Ceremonienmeister Monsignor Ligne, die Communications⸗Rollen werden von Patriarchen, Erz⸗ schöfen und Bischöfen des päpstlichen Hofstaats, so wie von wirk⸗ en Protonotarien, Regularklerikern, Referendarien und Votanten Obergerichte der Rota und Segnatura, auch vom Padre Maestro sagro Palazzo an drei Stellen uüͤberwacht, um jede durch die apo⸗ Nlschen Constitutionen untersagte Berührung mit der Außenwelt den aardinälen unmöglich zu machen. Ob die Kardinäle zu Fuß oder in hagen ihren Einzug halten werden, ist bis jetzt im Publikum unbe⸗ nnt. Nur weiß man, daß sämmtliches Militair morgen auf den onte Cavallo beordert ist.
Universität Schranken zu setzen.
Gegen die allgemeine Erwartung sind dieser Tage auf dem sigen Getraidemarkte die Preise höher gegangen. Die Morn Chroniele sagt in dieser Beziehung: „Das Steigen der traidepreise scheint um so auffallender, da es gewiß ist, daß bit 10 Tagen die 2 Millionen Quarter ausländischen Weizens und M. welche unter Zollverschluß liegen, gegen einen Zoll von 4 Sh.) fügbar sein werden, und da überdies eine so reichliche und so fe zeitige Weizen⸗Aerndte zu erwarten steht, wie sie noch selten vork Die unmittelbare Ursache des Höhergehens der Preise liegt dun daß fortwährend nur geringe Zufuhren auf den Markt kommen a rend die Vorräthe der Händler und Müller fast erschöpft sim. gleich nämlich die Getraide⸗Vorräthe der Pächter noch sehr beüde lich sind und man seit vielen Monaten bemüht war, durch die ie, triebensten Angaben über die Wirkungen einer Aufhebung der K.— gesetze Unruhe und Schrecken unter den Landwirthen zu verbm so zeigen doch die Pächter nicht die mindeste Neigung, eilig zut kaufen, sondern halten mit solcher Beharrlichkeit zurück, als umn das Parlament mit Annahme einer Bill zur Vertheuerung M Korns beschäftigt wäre. Zu gleicher Zeit ist es ein wohl bemas (802 werther Umstand, daß sowohl aus Belgien, als aus Deutsce. Bestellungen auf Weizen eingegangen sind, der auf dem lornnan Markt für dort gekauft werden soll. Schon sind neulich für N. gien 20,000 Quarter Weizen hier angekaust worden. In den Reg⸗ Provinzen fürchtet man, daß die Roggen⸗Aerudte nicht genügend ah fallen werde, und die auf hiesigem Markte eingetroffenen Bestellunf haben den Zweck, die Lücken auszufüllen. Ist dies nicht die . Widerlegung der seit vier Monaten ohne Aufhören uns vorgepre ten Behauptungen, daß wir von der Mitbewerbung ausländst Kernerzeuger das Schlimmste zu fürchten hätten? b8 1
d
schon angenommen haben aus Anlaß der Diskussion des Gesetz⸗Ent⸗ wurfs, die Verfälschung der Weine betreffend, und welcher Artikel damals, nach gemeinsamem Uebereinkommen, ins Einnahme⸗Budget verwiesen worden sei. Der Finanz⸗Minister erklärt seine Zu⸗ stimmung zu dem Amendement, das auch von der Kammer angenom⸗ men wird. Herr Lanyer schlägt eine andere Zusatz⸗Verfügung vor, kraft welcher die Befreiung von der Vorwegnahme von 10 pCt., welche durch Art. 16 des Gesetzes vom 17. August 1822 den Städ⸗ ten gewährt wurde, die ermächtigt sind, ihren Octroi⸗Tarifen Zusatz⸗ Centimen zuzufügen, um Ausgaben öffentlichen Nutzens zu decken oder Anlehen abzutragen, anwendbar sein soll, so oft die Zusatzsteuern den Zwecköffentlichen allgemeinen oder lokalen Nutzens betreffen, und besonders wenn sie zu blos zeitweiligen oder zufälligen Ausgaben bestimmit sind. Der Finanz⸗Minister bekämpft das Amendement, weil dadurch der Ertrag des Zehntheils an den Einkünsten des Octroi zu Gunsten des Staats beeinträchtigt werde. Herr Lanyer besteht auf seinem Amendement, er verlange nur Vollzug des Gesetzes von 1822, das bestehe, aber nicht vollzogen werde. Der Finanz⸗Minister: Das Amendement sei nicht der bloße Vollzug jenes Gesetzes, sondern ein Zusatz dazu. Der Minister führt dies noch weiter aus. Nach dop⸗ pelter Abstimmung, die zweifelhaft bleibt, wird zum Skrutinium durch Theilung geschritten; 130 Stimmen erklären sich für, 101 gegen das Amendement, es ist also angenommen.
Großbritanien und Irland.
Unterhaus. Sitzung vom 19. Juni. Die heu⸗ tige Diskussion war für das Ausland von geringem Interesse. Sie wurde, wie schon erwähnt, durch eine längere Erklärung Sir Robert Peel's über sein Verhalten gegen Canning in der Eman⸗ cipations⸗Frage veranlaßt. Lord George Bentinck und Herr d'Is⸗ rnaeli nebst Anderen werfen nämlich dem Minister vor, im Jahre 1827 während das Oberhaus noch darüber erörtert, es 9 v“] jaus persönlichem Hasse gegen Canning die Emancipation der Katho⸗ rathsam sei, die Kornerzeugung in Deutschland und den Vereine
Paris, 21. Juni. Die Deputirten⸗Kammer hat heute das liken bekämpft zu haben, obgleich er schon im Jahre 1825 dem Gra⸗ ten Staaten aufzumuntern, sehen wir Käufer aus den Re⸗ Budget der Einnahmen für 1847 mit 239 Stimmen gegen 13 fen Liverpool erklärt habe, daß er von der Nothwendigkeit der Nach⸗ provinzen zum londoner Markt ihre Zuflucht nehmen, und die ho votirt. giebigkeit in dieser Frage überzeugt sei; zum Beweise beru⸗ angelangte Post aus Nord⸗Amerika berichtet, daß dort ein zien
Prinz Joinville wird mit seinem Geschwader auch Neapel be⸗ fen sie sich auf den Mirror of Parlament, der über⸗ bedeutendes Desizit in der Getraide⸗Aerndte zu erwarten steht. 1 suchen; nach diplomatischer Uebereinkunft darf er aber nur mit vier einstimmend mit der Times eine im Jahre 1829 von Sir jüngsten Briefe vom Schwarzen Meere melden, daß dort die Sw Schiffen in den dortigen Hafen einlaufen. Robert Peel im Unterhause gehaltene Rede mittheilt, in welcher durch Heuschrecken bedeutend gelitten haben, und noch ganz spit⸗/
Dem Toulonnais wird aus Algier geschrieben, man glaube derselbe jene Erklärung aus dem Jahre 1825 geradezu eingesteht. auf dem gestrigen Markte abermals Nachfrage nach aus läntee noch immer an den Rücktritt des Marschalls Bugeaud; mit Ungeduld Sir Robert wies nun sehr ausführlich uach, daß man auf die Ueber⸗ Weizen unter Verschluß, welcher für den unverzüglichen Vena sehe man jetzt der Entscheidung darüber entgegen, wer dem Herzoge einstimmung des Mirror of Parlament mit der Times kein Belgiens dienen soll. Kann trotz aller dieser praktischen Lehren von Isly im General⸗Gouvernement von Algerien nachfolgen werde; Gewicht legen könne, da der Bericht des ersteren wörtlich der Times Oberhaus mit Annahme der Kornbill noch zögern?“ 8 das Heer und die Bevölkerung würde die Wahl des General⸗Lieute⸗ entnommen sei, und führte dagegen die Berichte der Morning Nach dem jetzigen Stande der nordamerikanisch -mexikansie nants Lamoriciere mit der größten Freude begrüßen; dieser Chronicle, des Morning Herald und anderer Blätter über die Kriegs⸗Verhältnisse findet die Times es unwahrscheinlich, daß d General sei nicht blos ein tüchtiger Heerführer, sondern habe erwähnte Rede an, in denen ihm die Aeußerung in den Mund ge⸗ Krieg durch eine bloße desinitive Feststellung der Texasgränze engc auch vollständige Kenntniß von diesem Lande, und unter ihm legt wird, daß er schon im Jahre 1825 dem Grafen Liverpool er⸗ werde. Die Freiwilligen und Rekruten aus dem Norden zögen würde ohne Zweifel die Colonisation unermeßliche Fortschritte klärt habe, es sei nothwendig, daß er (Sir Robert Peel) schaarenweise nach der Gränze, und diese würden ohne einen Fe Gestern und heute wurden Einlaßkarten zu dem Palast des Qui⸗ machen. Auch von anderer Seite vernimmt man, daß alle aus dem Kabinette scheide, damit seine der Emancipation wider⸗ nicht heimkehren wollen. Die demokratischen Blätter wiesen auf . al von dem Marschall des Konklave, dem Fürsten Chigi, ausge⸗ Schritte, welche bei dem Marschall Bugeaud in letzterer Zeit strebende Ansicht dasselbe nicht an den durch den Drang der Um⸗ lockende Plünderung mexikanischer Kirchenschätze hin, und dies verlengheilt, um die ganze häusliche Einrichtung der Kardinäle und Kon⸗ geschehen, um ihn dazu zu bestimmen, noch einige Zeit an der Spitze stände etwa nöthig werdenden Maßregeln hindere, und diese Massen von Abenteurern, in den Krieg zu ziehen; dazu komme 20 avisten zu besehen. Es war eine solche Menge da, daß man hätte der Verwaltung von Algerien zu bleiben, ohne Erfolg geblieben seien. Verston von der Sache, setzte der Mansßer hinzu, sei die einzige noch die Expedition des Capitain Fremont nach Kalisornien 1S neben sollen, ganz Rom sei hingeströmt. Bis jetzt sind 49 Kardi⸗ Marschall Bugeaud werde im nächsten Juli auf seine Güter zu Ex⸗ mit der Wahrheit übereinstimmende, nicht aber die von der Times die mit derselben beabsichtigte Blokade, was Alles dazu beitrage, ¹ hier vereint; heute werden noch einige erwar t. cideuil zurückkehren. Nicht nur in Algerien, sondern auch in Frank⸗ und dem Mirror gegebene. Dessenungeachtet heharrte Lord Ge⸗ Pb
ebenslängliche Pension von 3750 Rubel ausgezahlt werden.
Der diesjährige Wollmarkt in Warschau, der nun beendigt ist, begann unter ungünstigen Aussichten für die Produzenten; die Ver⸗ luste, welche die Besitzer von Schäfereien durch Sterben der Thiere in den letzten Jahren erlitten, nnd das anhaltende Fallen der Wollpreise auf den auswärtigen Märkten ließen in doppel⸗ ter Hinsicht einen bedeutenden Ausfall besorgen. Dazu kam,
daß die Hitze vor und während der Schur nachtheilig auf das Waschen der Wolle eingewirkt hatte, welches fast in allen Sorten gegen das vorige Jahr zurückstand. Der zahlreiche Zufluß von Käufern, sowohl aus dem Innern wie vom Auslande, wog jedoch diese ungünstigen Umstände einigermaßen auf, und die Wolle wurde auf dem hiesigen Markt im Durchschnitt 4 bis 6 Thaler höher bezahlt als in Breslau. Indeß waren die Preise immer noch 10 bis 14 Thaler niedriger als im vorigen Jahre: bei den besseren Sorten 16 Thaler, bei den mittleren 10 bis 12, bei den ge⸗ ringeren 8 bis 10 Thaler auf den Centner. Nur einige Produzenten, welche die lebhafte Nachfrage des ersten Tages benutzten, wo noch wenig Wolle am Markt war, erhielten die vorjäh⸗ rigen, zwei sogar noch höhere Preise bezahlt. Die besseren Sorten galten 70 bis 73, die mittelguten 60 bis 62, die gutgewaschenen mittelmäßigeren 55 bis 57, minder zut gewaschene 50 bis 52, die geringeren Sorten 47 bis 50 Rthlr. Im Ganzen waren über 8000 Ctr. (zu 132 Pfd.) an Markt gebracht; hiervon wurden etwas über 5000 verkauft, das Uebrige blieb in Lagerung. Die höchsten Preise bezahlten hiesige Fabrikanten; die fremden Käufer waren durch ihre im vorigen Jahre erlittenen Verluste bedächtiger im Ankauf geworden. Man hofft, daß im nächsten Jahre der Wollmarkt sich für Verkäufer und Käufer günstiger gestalten wede.
überall, wohin Ihre Majestäten in dieser vom Kriege heimgesuchten Provinz kamen, Sie mit vielen Bitten um Unterstützungen oder milde Gaben bestürmt wurden, während in St. Leopoldo kein einziger deut⸗ scher Kolonist irgend etwas verlangte. Auch haben Se. Majestät den Bau einer protestantischeu größeren Kirche genehmigt und dazu 2000 Pfd., wie auch die Kaiserin 1000 Pfd. beigesteuert. Wenn nicht schon die Besoldungen der Prediger (sowohl hier als in Nova Friburgo, wo jetzt beinahe nur Deutsche, und in Petropolis, wo bereits an 700 Protestanten neu angesiedelt sein sollen) im Budget aufgeführt, von der freien Ausübung unseres Gottesdienstes zeugten, so wäre die obige Beisteuer gewiß der beste Beweis, daß mehr als religiöse Dul⸗ dung in Brasilien herrscht.“
1 Die neueren Fortschritte 8 des Gold⸗ und Platina⸗Betriebes in den nralischen . und altaischen Bergwerken Nußlands.
Bereits in zwei früheren Aufsätzen (vergl. Nr. 191 und Nr. 193 im vorigen Jahrgange dieser Zeitung) haben wir aufmerksam gemacht auf die von Jahr zu Jahr stetig fortschreitende Zunahme in der Gold⸗ und Pla⸗ tina⸗Ausbeute, welche Rußland aus dem Betriebe der uralischen und altai⸗ schen Bergwerke erzielt. Unsere damaligen Mittheilungen bezogen sich auf eine schon ziemlich beträchtliche Reihe von Jahren, da uns die gemein⸗ schaftlichen Berichte aus der Kommerz⸗Zeitung, dem Journal des Berg⸗Departements und der Zeitschrift für Manufaktur und Bergwesen aus den Jahren 1830 bis inkl. 1843 zu Gebote standen. Wir sind im Stande, gegenwärtig auch die Resultate der letztverflossenen beiden Jahre 1844 und 45 an die obigen anzureihen, wodurch sich uns abermals Gelegenheit bieten wird, die noch steis im Fortschreiten begriffene Zunahme besonders der Gold⸗Production Rußlands und überhaupt jene fast ans Unglaubliche gränzende Ertragfähigkeit der uaalisch⸗sibirischen Gru⸗ ben an edlen Mineralien zu erkennen.
Dieser Zuwachs kommt indeß fast allein auf Rechnung der altaischen und überhaupt der ostsibirischen Bergwerke und Goldwäschen, minder be⸗ deutsam ist er in den Gruben des eigentlichen Ural, wo zwar auch im All⸗
emeinen eine Zunahme des Goldbetriebes stattfindet, die aber in letzter Zeit besonders sehr wenig in die Augen fällt. Nach der oben erwähnten Zeitschrist für Manufaktur und Bergwesen, die in St. Peters⸗ burg in russischer Sprache erscheint, stellte sich der Gold⸗Ertrag sämmtlicher uralischen Bergwerke folgendermaßen heraus:
Es wurde gewonnen an Gold 1) aus den Kronsbergwerken:
1842. 1843.
Pud *) Pfd. Sol. 8 95 10 87 27 47
28
31 38 65
8
*) Deren es noch sieben giebt, nämlich zu Bursiansk, welches Berg⸗ werk im Jahre 1842 21 Pfd. 78 Sol. lieferte; zu Tamjan sk, wo 4 Psd. 6 Sol.; zu Maloistoksk, wo 2 Psd. 27 Sol.; zu Ser iewsk, wo 1 Pfd. 40 Sol.; zu Rostessa, wo 1 Pfd. 79 Sol.; zu Rewdinsk wo 77 Sol. und zu Alapaewsk, wo 0 Sol. Gold in jenem Jahre ge⸗ wonnen wurden. 2 G
**⁴½) Die Nordische Biene, die sich ebenfalls auf amtliche Angaben beruft, giebt den Gold⸗ Ertrag des Jahres 1830 = 5 Pud 32 Pfund 593 Solotnik und den des Jahres 1842 = 631 Pud 5 Pfund 21 ¾ Sol. an Wir haben in obigen Angaben stets den Betrag des aus dem nertschins⸗
Pfunde, was 35 preußischen Pfunden lischen und altaischen Silber ausgeschiedenen Goldes bei der Total⸗Summ
* 11
“
— ———
Pud. Pfd. Sol. Pud. Pfd. Sol. 829 35 72 33 8 89
Katharinenburg Slatust Bogoslow Goroblagodat
im Ganzen
33 30 83 43
31 35 19
21 878u 21 56 7;8168
47 42 15 137
13
29*⁷7
*) Ein Pud hat 40 russische Pfuf gleichkommt. 96 Solotnik gehen auf ein russisches Pfund.
möglichen Folgen des begonnenen Krieges sehr ungewiß er