holzes 50,000 R. bezahlt u. s. w., überhaupt zur Verarbeitung von 72,720 Berkowez (1 Berkowez = 10 Pud) Rüben zu Sandzucker vom 1. August 1814 bis dahin 1845 455,786 R. Ass. verausgabt. Dagegen sind auf der mit der Fabrik verbundenen Raffinerie zum Rasstaren der ganzen dort gewonnenen Quantität Sandzuckers nicht
100 Menschen erforderlich. Frankreich. Paris, 26. Juni. Der neue Papst soll bereits ein eigen⸗ händiges Schreiben an König Ludwig Philipp gerichtet haben. Da das Journal des Débats als Beweis einer beson⸗
mehr als nur etwa
deren Gunst, welche der neue Papst dem französischen Botschaf⸗ V
ter bezeigt habe, den Empfang des Herrn Rossi bei der Segenspre⸗ chung hervorgehoben hatte, so bemerkt der Commerce: „Was die
Wichtigkeit dieses Vorfalls vermindert, ist, daß der 2 — V ets das als der Erste bei der Intronisation zu er⸗
reichs, als Repräsentant der ältesten Tochter der Kirche, Privilegium gehabt hat, scheinen. Allein wir müssen uns vielleicht darüber Glück wünschen, daß wir nicht alle Prärogativen der Vergangenheit verloren haben.“
Das Journal des Déöbats bemerkt mit Hinsicht auf die be⸗ vorstehenden Wahlen: „Noch ein Wort der dynastischen Opposition mit der legitimistischen Partei. Wir erkennen mit dem Constitu⸗ tionnel zwei Klassen von Legitimisten, die wir keinesweges zu ver⸗ mischen geneigt sind. Es giebt Legitimisten, die sich das Vertrauen der konservativen Partei verdient haben, und es giebt deren, die von der dynastischen Opposition in Schutz genommen werden, zum großen Aergerniß der liberalen constitutionellen Meinung. Es giebt vernünf⸗ tige, gewissenhafte, einsichtsvolle Legitimisten, die erst für die Ord⸗ nung und dann für die Partei sind, die ihre Zuneigung erst dem Lande und dann der gefallenen Dynastie zuwen⸗ den. Diese ehrenhaften Männer mußten wohl eine Stelle einnehmen in dem neuen Frankreich; sie konnten ihren Einfluß und ihre Mitwirkung einer Regierung nicht versagen, die ihrem Sinn für Konservatismus und Stabilität Genüge leistet. Es ist ihnen nicht als Verbrechen auszulegen, vielmehr als Ehre anzurechnen, daß sie ihre Privatvorliebe dem allgemeinen Interesse des Landes zum Opfer brachten. Wir haben ihnen freudig unsere Reihen geöffnet, so oft sie ohne Bedingung und ohne geheimen Vorbehalt zu uns gekommen sind. Die Regierung darf sich dieser Allianzen, dieser Erobe⸗ rungen rühmen; sie hat sie nicht durch sträfliche Zugeständnisse erkauft; sie verdankt sie ihren festen Grundsätzen, ihrem wei⸗ sen Verhalten, ihrer aufrichtigen Gesinnung. Es giebt aber auch unter den Legitimisten unruhige und händelsüchtige Köpfe, die in der Bezeichnung „mit der neuen Dynastie Versöhnte“ eine Beleidigung sehen und in ihrem unversöhnlichen Haß gegen die Juli⸗Revolution und die Juli⸗Dynastie den Fanatismus oder, wenn man will, den schlechten Geschmack so weit treiben, daß sie erklären, sie würden nie in persönliche Berührung mit dem König treten, den die Revolution auf den Thron erhoben hat. Mit Legitimisten dieser Klasse haben die Herren Thiers und Duvergier de Hauranne einen Bund geschlossen. Es ist eine Verleum⸗ dung der Coalition von 1827, wenn man die Allianz zwischen der dynasti⸗ schen Opposition und den Ultra⸗Legitimisten mit ihr vergleicht. Die Coalition von 1827 hatte nur Einen Zweck, den Sieg der nationa⸗ len Meinung, oder vielmehr jene große Coalition war die Nation selbst. Wer kann dies von der neuen Ligue sagen, die wir den Wäh⸗ lern zu ihrer Erbauung signalisiren, von der Coalition zwischen allen Schattirungen der dynastischen Opposition und den destruktiven Par⸗ teien, den Republikanern und Legitimisten?“ Der Constitutionnel erwiedert darauf: „Müssen wir dem Journal des Débats wie⸗ der ins Gedächtniß rufen, daß die Herren Guizot, Duchatel und alle ihre Freunde 1839 an der Gesellschaft der „schlechten“ Legitimisten sehr viel Geschmack fanden und sie für sehr brave Leute hielten, ob⸗ gleich sie keine Besuche im Schloß machten? Müssen wir wieder⸗ holen, daß keine Verschiedenheit zwischen der Uebereinstim⸗ mung der heutigen verschiedenen Oppositionen zum Sturz eines bedauerlichen Ministeriums und derjenigen ist, die sich 1827 zwischen den doctrinairen, liberalen, imperialistischen und repu⸗ blikanischen Oppositions⸗Parteien gebildet? Niemand hat besser als das Journal des Doébats selbst bewiesen, wie rechtmäßig, noth⸗ wendig und dringend es ist, daß alle Parteien sich in den Wahlen gegen ein schlechtes Ministerium verbinden. Sein trefflicher Artikel vom 11. November 1827 beantwortet in bewunderungswürdiger Weise die Sophismen und Declamationen der ministeriellen Blätter jener Zeit, die in denselben Ausdrücken, welche das Journal des Dée⸗ bats heute zur Vertheidigung des Herrn Guizot anwendet, sich über die Coalition gegen Herrn von Villele entrüstet zeigten.“
Die Angabe, daß die Regierung die Erlaubniß zur Bildung eines Freihandels⸗Vereins verweigert habe, wird jetzt dahin berichtigt, daß der Minister des Innern sich nur das Veto vorbehalten, falls die im Entstehen begriffene Gesellschaft die ihr von der Regierung gezogenen Gränzen überschreiten sollte.
Dem Courrier frangais zufolge, sind alle Zwistigkeiten des Marschall Bugeaud mit dem Ministerium beigelegt, und er würde mithin General⸗Gouverneur bleiben. Uebrigens sei ihm die Erhebung zum Pair angeboten worden. Im Fall seiner Annahme würde sein Schwiegersohn für ihn in die Kammer treten.
Unter den Deputirten, welche in den nächsten Tagen zur Pairs⸗ würde erhoben werden sollen, liest man die Namen Jacqueminot, Las Cazes, Lefebvre, Perier, Vigier; auch soll den Maires von Bor⸗ deaux und von Lille diese Auszeichnung vorbehalten sein.
Der Kardinal⸗Erzbischof von Lyon, Herr von Bonald, hat sich am 22. Juni, ungeachtet der schon erfolgten Papstwahl, mit dem Kardinal⸗Erzbischof von Mecheln, Herrn Sterck;x, doch noch in Mar⸗ seille nach Rom eingeschifft.
Dem Todtenamte, welches in der Kirche Notre⸗Dame für den verstorbenen Papst Gregor XVI. gefeiert worden, wohnte keiner der Minister bei. Der Ami de la vest üon sagt, eine Etiketten⸗ Schwierigkeit sei die Veranlassung dieser Abwesenheit gewesen.
Der französische Reisende Graf Castelnau, der eine Reise nach dem südlichen Amerika macht, hat von Lima aus geschrieben, daß er und seine Reisegefährten, sobald sie sich von den Strapazen der letz⸗ ten Reise erholt, nach Cuzco sich begeben würden, von wo aus sie vom Apurimac aus den Amazonenstrom zu erreichen hofften.
Herr Fruchart, ein naher Anverwandter des Herrn van Buren, Ex⸗Präsidenten der Vereinigten Staaten, ist vor einigen Tagen in Paris angekommen. Er soll die Meinung geäußert haben, der Prä⸗ sident Polk werde zuletzt die von England zur Beilegung der Oregon⸗ Differenz angebotenen Bedingungen annehmen. 3
hind” legitimistische Journal la Nation hat zu erscheinen auf⸗ gehört.
Es soll die Rede davon sein, im ganzen Lande elektrische Tele⸗ graphen anzulegen, so daß die Nachrichten auch bei Nacht befördert werden könnten.
x Paris, 26. Juni. Die Pairs⸗Kammer setzte heute die gestern schon angefangene Verhandlung des Kriegs⸗Budgets fort, Zuerst hielt jedoch der Präsident Boyer die Gedächtniß⸗Nede auf den verstörbenen Pair Admiral Willaumay. Dann wurde zur Tages⸗ ordnung geschritten.
Der Marquis von Boissy richtet sowohl an den Kriegs⸗Minister
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als an die Kommission verschiedene Interpellationen in Betreff des Effek⸗ tivstandes der Armee. Er klagt über Mißbräuche und Skandale, die in der Verwaltung vorkämen, und spricht die Hoffnung aus, daß der Kriegs⸗ Minister darauf eine bestimmte Antwort geben werde. Er fragt unter An⸗ derem, ob es wahr sei, daß man die Absicht habe, einige Gränzfestungen zu entwaffnen, um die Besestigungen von Paris bewaffnen zu können. Graf Beugnot, als Mitglied der Kommission, antwortete in Betreff des Effek⸗ tivstandes der Armee, die Kommission habe die Nothwendigkeit der Beibe⸗ haltung desselben erkannt, nichtsdestoweniger aber dem Minißzen die strengste Wachsamkeit und gewissenhafteste Sparsamkeit anempfohlen, da sonst das Verwaltungsjahr 1847 mit einem beträchtlichen Deftzit schließen würde. Die Lobsprüche, welche die Kommission dem Kriegs⸗Minister ertheilt habe, seien gerecht und wohlverdient. Auch den gewissenhaften Arbeiten der ihn umgebenden Beam⸗ ten müsse ein glänzendes Ehrenzeugniß ertheilt werden. General Gour⸗
gaud tadelt das für die Waffengattung der Artillerie befolgte System.
Wenn man bei diesem System beharre, so werde die unausbleibliche Folge sein, daß man in wenigen Jahren darin gar keinen General⸗Lieutenant mehr finden werde. Es sei daher zu wünschen, daß der Kriegs⸗Minister eine größere Zahl von Marechaux de Camp aus der Artillerie oder aus dem Geniewesen der Wahl Sr. Majestät des Königs zur Beförderung un⸗ terstelle. Der Marquis von Cordoue macht Bemerkungen über die Art, wie der Transport der verwundeten Soldaten geschieht. Er drückt den Wunsch aus, daß Verbesserungen in diesem Dienst, der jetzt sehr fehler⸗ haft organisirt sei, eingefuhrt werden möchten. Mit Vergnügen erkennt er übrigens an, daß dieser Dienst früher noch schlechter bestellt gewesen, und daß bereits namhafte Verbesserungen darin bewerkstelligt worden. Er wünscht, daß die verwundeten und kranken Soldaten in hängenden Wagen trans⸗ portirt werden möchten. Nichts stehe der Einführung Lieser Verbesserung entgegen, da sie auch für die Verurtheilten bereits eingeführt sei. Die jetzige Art der Transporte der Soldaten könne unmöglich fortbestehen, und am allerwenigsten dürse man Sparsamkeitsrücksichten vorschützen in einer Sache, wo es sich um das Leben und die Gesundheit zahlreicher Söhne des Vaterlandes handle. Der Commissair des Königs ant⸗ wortct, der Marquis von Cordoue sei im Irrthum befangen. Ueberall, wo es hängende Wagen gebe, würden sie zur Verfügung der Militair⸗Convois gestellt, und über diesen Punkt habe der Kriegs⸗ Mi⸗ nister die genauesten und bestimmtesten Instructionen gegeben. Aber nicht überall finde man hängende Wagen. In den meisten Fällen seien es Bauern, die auf Nequisition die Wagen für die Transporte stellten. Maß⸗ regeln seien übrigens genommen worden, auf daß in Zukunft nur hängende Wagen für die Transporte verwendet und angeschafft würden. Der Mar⸗ quis von Laplace bemerkt, daß die Wagen, über welche sich der Mar— quis von Cordoue bekllage, fast nur für ermattete Soldaten angewendet würden, aber nicht für eigentlich kranke oder gar verwundete. Diese schice man ins Spital, und man bediene sich dabei gar nicht der Wagen oder Karren. Herr von Castellane macht einige Bemerkun⸗ gen über die Art, wie die Beförderungen in der Armee vor sich gehen. Er behauptet, es sei unmöglich, sich immer an die Regel des Ranges nach der Anciennetät zu halten; wollte man dies thun, so würde man Gefahr lau⸗ fen, oft nur höchst mittelmäßige Offiziere zu haben. General Fabvier tadelt die fehlerhafte Organisation des Kriegs⸗Comité's und verlangt die Errichtung eines obersten Rathes, in dessen Schooß auch die Prinzen des Königlichen Hauses aufgenommen würden. Der Kriegs⸗Minister ant⸗ wortet nun auf diese verschiedenen Bemerkungen. In Betreff dessen, was der Marquis von Boissy gesagt, bezieht er sich auf die Antwort, welche der Graf Beugnot demselben bereits gegeben. In Betreff der von dem Pair gerügten Unterschleife und Mißbräuche ertlärt er, die strengste Aufsicht werde geübt, und kämen, wie die Möglichkeit dazu immerhin vorhanden sei, schlimme Dinge vor, so könne man jedenfalls der obersten Verwaltung sie nicht zur Last legen. Marquis von Boissy bringt seine Einwürfe von neuem vor. Er giebt zwar zu, daß Verbesserungen in der Art des Transports der Sol⸗ daten schon angebracht worden seien, findet sie aber unzureichend und un⸗ vollständig. Auch Klagen über schlechte Qualität des Brods seien vorge⸗ kommen. Der Redner erklärt sich gegen den Antrag, die Königlichen Prin⸗ zen in einen obersten Kriegs⸗Rath zuzulassen. Das wäre nicht constitutionell. Denn was man auch sagen möge, die Prinzen von Geblüt seien nicht so dem Kriegs⸗Minister untergeben, daß derselbe sich ihrem Einflusse entziehen könne. Mit dem Gefühle der tiefsten Ehrfurcht vor dem Königthum bekämpfe er diesen Vorschlag. Der General Fabvier beruft sich dagegen auf das Zeugniß aller seiner Kollegen, die in Spezial⸗Comités gesessen, an dem die Prinzen Theil nahmen. Niemals habe irgendwer größere Kenntnisse gezeigt als sie und mehr Unterwürfigkeit unter die Regierung. So seien sie erzogen wor⸗ den, so seien sie und so würden sie auch in Zukunft sein. „Wie unter der alten Monarchie, so sehen wir“, sagt der Redner, „auch jetzt noch gern unsere Prinzen in den Räthen des Landes sitzen. Glücklich das Volk, das, wie das unsrige, diese monarchischen Sitten hat.“
Der Vicomte Dubouchage hat das Wort in dem Augenblick, wo dieser Bericht des Postschlusses wegen abgebrochen werden mußte.
Wir erhalten mit den Nachrichten aus Algier vom 20sten zugleich die nachstehende Proclamation, welche der Marschall Gene⸗ ral⸗Gouverneur, nachdem er von der Ermordung der französischen Gefangenen bei der Deirah Abd el Kader's genaue Kenntniß erhalten hatte, an alle Stämme der Eingeborenen des Landes sandte; sie lautet folgendermaßen:
„Araber und Kabylen! Ihr habt vielleicht den barbarischen Akt ver⸗ nommen, der an dreihundert französischen Gefangenen durch den Sohn Maheddins, welchen ihr ehemals euren Sultan nanntet, vollzogen worden ist. Als er sah, daß diese Gefangenen vom Kaiser von Marokko zurück⸗ verlangt wurden, daß sie durch unsere Armee befreit werden würden, oder auch endlich, daß sie unbequem zu ernähren und zu bewachen waren, hat er befohlen, sie niederzumetzeln, und sie sind niedergemetzelt worden. Jeder gesunden Menschenverstand und Religion besitzende Araber wird begreifen, daß dies ein Akt der Verzweiflung ist, welcher beweist, daß der Sohn Maheddins von Gott und den Menschen verlassen ist. Man wird auch begreifen, daß er eben so wenig menschlich ist gegen die Musel⸗ männer als gegen die Christen, denn indem er die dreihundert Gefangenen von Dschemma Gasauat ermordete, gab er unserer Rache 4 — 5000 gefangene Araber preis, die sich in Frankreich oder in unseren Plätzen an den Küsten von Algerien befinden. Diese Besorgniß wenigstens, wenn auch nicht die Religion, hätte ihm Einhalt thun sollen; allein er ist eben so grausam geworden, als die Löwen und Panther. Er wird die Früchte seines schrecklichen Verfahrens ärndten; der Kuiser Muley Abd el Rhaman wird ihm keine Theilnahme mehr bezeigen, und die Araber, die ihm noch anhänglich blieben, werden ihre Zuneigung demjenigen nicht be⸗ wahren können, der den Mord von dreihundert Gefangenen ohne alle Noth wendigkeit begangen hat. Besorget nicht, daß wir seine Barbarei durch eine Rache erwiedern werden, welche zwanzigmal stärker sein könnte. Es wird den gefangenen Arabern durchaus nichts zu Leide geschehen, und sie werden wie zuvor behandelt werden. Ihr werdet daraus den ungeheuren Unter⸗ schied sehen, der zwischen unserer Menschlichkeit und dem Charakter Abd el Kader's besteht. Ihr werdet gewiß bedauern, eure Habe und eure Perso⸗ nen geopfert zu haben, um die Sache eines so fluchwürdigen Mannes zu vertheidigen.“
Ein Brief aus Bugia vom 15. Juni berichtet folgende That⸗ sachen. Am 28. Mai hatten die Truppen der Garnison die Heu⸗ Aerndte in der dortigen Ebene begonnen und bis zum 8. Juni im Ganzen ungestört arbeiten können; aber am 9. Juni ließen die Mez⸗ zaais dem französischen Ober⸗Kommandanten erklären, er müsse die Stellung auf der Höhe von Thizi räumen, deren Besetzung für den Schutz der Ebene unerläßlich ist. Auf seine Weigerung beschlossen sie, wie es scheint, im Einverständnisse mit den anderen nächstgelegenen Stämmen, den heiligen Krieg gegen die Franzosen. Als am 10ten die Truppen wieder ausrückten, fanden sie alle Stellungen von den Kabylen besetzt. Trotz ihrer Ueberlegenheit an der Zahl, wurden diese aber kräftig daraus vertrieben. Indeß mußten den ganzen Tag hindurch, so wie im Laufe des 11. Juni, die fortgesetzten Angriffe der Kabylen zurückgewiesen werden. Alle Stämme der Umgegend hatten ihr Kontingent gestellt, so daß man ohne Uebertreibung die Zahl der Versammelten, gegen welche die 3 — 400 Mann Franzosen 4½ Tage lang den Kampf zu bestehen hatten, auf 3000 anschlagen
ann. Die Anordnungen waren von dem französischen Ober⸗Kom⸗
mandanten, Rittmeister im Generalstabe von Wnigis, so gut getroffen, daß seine Leute nur zwei leicht Verwundete hatten, während die Ka⸗ bylen viele Leute und mehrere Pferde verloren. Aus Wuth darüber verbrannten diese das wenige Heu, das die Franzosen in der Ebent zurückgelassen hatten. Als Repressalien schnitten nun diese sogleich auf mehreren Hektaren angebauten Landes der Kabylen das Getraide ab, wovon ein großer Theil in die Stadt gebracht, der Rest, den
man nicht sogleich wegzuschaffen vermochte, verbrannt wurde. An 9
11ten Abends endlich zogen sich die Kabylen zurück und verhielten sich von da an ruhig. Man hat bei diesen Feindseligkeiten aufs neue die Bemerkung gemacht, daß nur die zunächst bei Bugia wohnenden Kabylen wirklich feindselig gesinnt sind. Großbritanien und Irland. “
London, 26. Juni. Ihre Majestät die Königin wird, den jetzigen Anordnungen zufolge, erst den 6. Juli die Insel Wight ver⸗ lassen und nach der Stadt zurückkehren. Die Taufe der neugebore⸗ nen Prinzessin soll in der dritten Woche des nächsten Monats statt⸗ inden. g Die Times erklärt die Nachricht von der Erhebung des Sie James Graham zum Baron von Preston schon aus dem Grunde fin unwahr, weil Verwandte des Ministers von einer älteren Linie vor⸗ handen sind, welche auf die früher in der Familie erblich geweseme und temporair erloschene Baronie Preston Anspruch haben.
Nach dem Globe wird Lord Hardinge binnen kurzem in Eng⸗. land erwartet, da er den Wunsch kundgegeben haben soll, seiner Stelt als General⸗Gouverneur von Indien enthoben zu werden. Auc der Gouverneur von Neu⸗Schoktland, Viscount Falkland, kehrt in August in die Heimat zurück.
Die Bildung des neuen Kabinets ist die Frage, welche jetzt ale Gemütber beschäftigt, nachdem es nicht mehr zweifelhaft ist, daß die Entschiedenheit der gestrigen Niederlage der Minister im Unterhauße Sir R. Peel veranlaßt hat, seine Entlassung einzureichen, und en beginnen wieder eine Menge von Konjekturen und Vermuthungen laut zu werden, welche dem künftigen Ministerium theils ein günst⸗ ges, theils ungünstiges Prognostikon stellen. Ob Lord John Russel oder der Marquis von Lansdowne zur Königin beschieden werden wird, welches Letztere die Times meint, dürfte in den Schwierigkeiten der Stellung eines Whig⸗Ministeriums überhaupt wenig ändern, dem es ist bekannt, wie schwach die Partei der Whigs innerhalb wie außer⸗ halb des Parlaments ist, und wie fruchtlos ihr Widerstand gegen die vereinte Macht der Tories und Konservativen in der gleichgültigsten Frage sein würde. Man glaubt daher mit Recht, daß, wenn die ehe⸗ maligen Mitglieder des letzten Melbourneschen Kabinets, wie es doch den Anschein hat, auch jetzt die künftige Whig⸗Verwaltung bilden sollten, selbst bei einer neuen Parlaments⸗Wahl Sir R. Peel, der durch seine Handelsmaßregeln so populair geworden ist, wieder ang Ruder gelangen dürfte. Er scheint allein im Stande zu sein, durch eine Vereinigung der gemäßigten Fractionen des Unterhausea zu einer festen und starken Partei dem gegenwärtigen untergeordneten Zustand, in welchem keine Partei für sich etwas auszurichten vermag, ein Ende zu machen und die Leitung der Angelegenheiten sich sir eine lange Dauer zu sichern. Die Times äaußert ihre Bedenktn über den Ersolg eines Russellschen Ministeriums folgendermaßen: „Es unterliegt keinem Zweifel, daß Lord John Russell, wenn ihn das Loos, und nicht dem Marquis Lansdowne, als Premier, zufilt jetzt nicht schwanken wird, die Wechselfälle des Kampfes zu vro⸗ suchen; er wird den Rubico überschreiten; dann wird er ein halbe Jahr vor sich haben, um den Plan zum Feldzug zu entwerfen, Allein die wichtigere Wahl seiner Kollegen kann nicht länger verscho⸗ ben werden. Kein provisorisches Kabinet kann länger die fatale Noth⸗ wendigkeit seiner schließlichen Zusammensetzung fern halten. Hieri die Klippe, an der Lord John schon einmal scheiterte und wahrschein⸗ lich wieder scheitern mag. Er tritt auf mit einer entschiedenen Me⸗ norität innerhalb wie außerhalb des Parlaments; wie könnte er sei Heer ohne die Verwendung neuer Führer vermehren? Der alt Stamm kann nur alte Anhänger bringen; das Kabinet kann nur di Lage von 1841 wieder vorführen. Ein bloßes Whig⸗Ministeriun würde hier aber so vereinzelt und hülflos in der Nation sein, als en bloßes konservatives, könnte man ein solches zusammenbringa oder nur erdenken. Lord John Russell hat ein Kabine zu schaffen, und dazu muß er erst eine Partei schaffen Es fehlt nicht an Stimmen, welche die Bildung einer solchen Parn für möglich halten, und zwar durch eine Verschmelzung der Whigh mit den Radikalen, wozu Lord John Russell im Dezember v. J. dunc das Herrn Cobden gemachte Anerbieten des Portefeuilles des Hau⸗— dels⸗Ministeriums den Weg bereits angebahnt zu haben scheint; abt⸗ es ist die Frage, ob eine solche Partei⸗Combination wirklich die öffen!⸗ liche Meinung in England für sich hat.“
Lord Aberdeen hat in diesen Tagen die Abschrift einer m. Preußen abgeschlossenen Verlagsrecht⸗Convention niedergelegt, welch den 13. Mai zu Berlin unterzeichnet und deren Ratificationen den 16 Juni zu Berlin ausgewechselt worden sind. Der Art. 1 der selbe sichert den Verfassern von Büchern, dramatischen Werken ode musikalischen Compositionen, wie den Erfindern, Zeichnern, Kupfer⸗ stechern u. s. w., dasselbe Verlagsrecht⸗Privilegium zu, welcht solchen Verfassern und Künstlern in den eigenen Staater zusteht, sammt den gesetzlichen Schutzmitteln gegen Nachdr und unbefugte Wiederveröffentlichung. Um dieses Rechts ahn theilhaftig zu werden, muß jedes dazu berechtigte, in Prew⸗ ßen erschienene Buch in dem Register der Buchhändler⸗Corpe- ration zu London verzeichnet und jedes in England erscheinende Buh im preußischen Ministerium der Unterrichts⸗Angelegenheiten eingezeich net werden. Artikel 8 besagt, daß die Staaten des Zoll⸗Vereins d Recht haben, dieser Convention beizutreten, welche den 1. Septembr 1846 ins Leben treten und fünf Jahre vorläufig mit einjähriger Vor⸗ auskündigung dauern soll.
Der Globe enthält Mittheilungen über einen Amerikaner, desse Kenntnisse und Fertigkeit in Sprachen staunenerregend sind. heißt Elihu Burrit, trat als sechszehnjähriger Jüngling zur Erlen nung des Schmiede⸗Handwerks in die Lehre und blieb auch Hand werker, erlernte aber dabei durch Fleiß und außerordentliche Anlagen alle modernen und alten Sprachen sowohl, wie die wichtigsten orien talischen, so daß er bereits 1838 über funfzig Sprachen vollkomme verstand und sprach; dabei ist Burrit Schriftsteller, und die Erzeug, nisse seiner Feder werden so geschätzt, daß sie fast in alle amerikan sche Journale übergehen. Bei alledem lebt er anspruchslos fort ung denkt nicht daran, seinen Amboß zu verlassen. Nächstens will derselbe England besuchen.
Neuere Nachrichten aus Ostindien, welche die fällige Ueberland post gebracht hat, die aus Bombay den 20. Mai abgegangen 1'- fügen den Nachrichten der letzten Post nichts Bedeutendes hinzu. Pendschab herrschte nach wie vor Ruhe, und man glaubte, duß Fort Kotekangra werde sich ohne Schwertstreich ergeben. Die Rani
welche an den Folgen einer gewaltsamen Abortion daniederlag, solt
in der Besserung sein. — In der Präsidentschaft Bombay wüthet⸗ die Cholera in 5 hohem Grade, daß ganze Dörfer entvölkert und verlassen waren. Das 22ste Regiment eingeborner Infanterie hat in wenigen Wochen den vierten Theil seiner Mannschaft verloren.
Gegen die Chuads, eine halbwilde Menschenrace im Bezirk von Gun⸗h
ur, welche auch Menschenopfer darbringen soll, ist eine Truppen⸗ ses heilung unter einem Hauptmann M'Pherson geschickt worden, der auch bereits mit ihnen handgemein geworden ist.
Helgien.
Brüssel, 27. Juni. Die Repräsentanten⸗Kammer hat gestern ben ganzen Gesetz⸗Entwurf über die Zucker⸗Industrie angenommen. In der vorgestrigen Kammer⸗Sitzung war die Diskussion des Berichts
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bes Ministers über eine Petition von Bürgern von Alost an der Ta⸗ esordnung, welche die rasche Ausführung der direkten Bahn von Früssel nach Gent verlangen. Die Repräsentanten von Mecheln und ermonde sprachen sich dawider aus und wünschten vorher eine ge⸗ auere Prüfung dieses Planes. Der Minister hatte nichts gegen eine neue ntersuchung des Planes einzuwenden, obgleich derselbe schon zur Genüge rforscht sei. In Erwägung der großen industriellen und kommerziellen gichtigkeit der Bahn und mit Rücksicht auf das Interesse des Schatzes äre er dafür, daß der Staat die Bahn ausführe. Sollte aber die ahn einer Gesellschaft übergeben werden, so müsse sich die Regie⸗ ung doch den Betrieb und die Tarifbestimmungen vorbehalten. Man prach für und wider die Zweckmäßigkeit der Bahn, worauf der Mi⸗ nister der öffentlichen Arbeiten die Sache damit schloß, daß er die Erklärung abgab, eine rasche und vollständige Untersuchung einleiten sassen zu wollen.
Der König hat den kurfürstlich hessischen Ministern der auswär⸗ jigen Angelegenheiten und des Krieges, Baron von Doernberg und General⸗Major Heinrich Schmidt, das große Band des Leopold⸗ Ordens verliehen, den früher als Legations⸗Rath bei der hiesigen bsterreichischen Gesandtschaft angestellten Baron von Handel zum Commandeur, den ehemaligen hannoverschen Gesandten am hiesigen Hofe, Grafen von Kielmansegge, zum Groß⸗Offizier und den Herrn Zulius von Niedhammer, Mitglied der ersten Kammer des König⸗ reichs Bayern, so wie den österreichischen Kammerherrn, Baron Alexander von Vrints⸗Treuenfeld, zu Offizieren desselben Ordens ernannt.
Die vlämische Literatur hat einen bedeutenden Verlust erlitten. Am Dienstag starb zu Gent J. C. Willems, kaum 53 Jahre alt, in Folge eines Schlagflusses. Schmerzlich hat dieser plötzliche Tod alle diejenigen überrascht, die an der vlämischen Literatur Interesse neh⸗ mmen, und die in ihm den Mann erblickten, der zum Aufblühen dieser Literatur am meisten unter seinen Zeitgenossen beigetragen. Durch seinen frühen Tod bleiben viele Arbeiten unvollendet, die er beabsich⸗ tigt hatte.
Die Indépendance bemerkt, daß die Sache der Herren de Ridder und Borguet in den bevorstehenden Assisen, und zwar schon im August, zur Verhandlung kommen werde. Uebrigens heißt es, aß das öffentliche Ministerium Opposition gegen die Verweisung des
errn Borguet vor die Anklage⸗Kammer eingelegt habe, indem es uf Freilassung desselben angetragen, da es die demselben zur Last elegten Dinge nicht als Bestechungs⸗Versuche betrachte.
4 Brüssel, 25. Juni. Die zur Eröffnung der Paris⸗ rüsseler Eisendahn veranstalteten Festlichkeiten, welche in der That n äußerem Glanze Alles, was bisher in dieser Art geleistet worden, ibertrafen, hatten zum Theil die öfsentliche Aufmerksamkeit von dem jiberalen Kongreß und seinen Beschlüssen abgelenkt. Es bleibt aber iese Zusammenkunft von 360 aus den bedeutendsten Notabilitäten estehenden Abgeordneten fast aller großen und kleinen Städte des
Landes ein zu wichtiges Ertigniß, als daß nicht weitere für die politische ntwickelung des Landes bedeutende Folgen sich daraus ergeben ollten. Unverkennbar ist zunächst, daß die liberalen Kräfte des Lan⸗ es, wenn auch keine Organisation, doch eine für den Kampf gegen ie katholische Partei größere Concentration erhalten haben. Es eird diese Macht noch dadurch verstärkt, daß der Zwiespalt, welcher ich in einigen großen Städten schon zwischen der gemäßigten libera⸗ en und einer mehr radikalen Meinung gezeigt hatte, durch ine diplomatische Abfassung des vom Kongresse adoptirten brogrammes nicht ausgeglichen, aber doch für einige Zeit ertuscht ist, so daß alle der katholischen Meinung ent⸗ egengesetzten Parteien unter derselben Fahne kämpfen, wenn
auch im Grunde verschiedene Zwecke verfolgen. In dem Kongresse st der Sieg, wie selbst das Journal de Brurxelles, das katho⸗ ische Hauptblatt, anerkennt, der gemäßigteren, liberalen Meinung ge⸗ blieben, und die radikale Partei hat sich mit einer unbedeutenden
Konzession hinsichtlich des Wahlgesetzes begnügen müssen. Allein
bessenungeachtet steht zu befürchten, daß, wenn nicht eine kräftige
Hand (und wir sehen bis jetzt dieselbe nirgends) diese neue Conföde⸗ ration in den vorgesteckten Gränzen hält, die Früchte am Ende von der radikalen Parkei geärndtet werden. Sehr bedenklich ist es schon, daß eine solche Association in der Central⸗Leitung permanent bleibt und bei jedem Vorfalle die Deputationen zusammenberufen kann. Die Constitution hat freilich das Recht der freien Association garantirt; e für die liberale Meinung hätte eine umsichtigere Politik die lusübung dieses Rechtes in solchem Umfange verhüten sollen. Es könnte zudem eine Zeit kommen, wo die gemäßigte liberale Partei iesen Hebel, dessen sie sich jetzt bedient, gern wieder zerbrechen 19 oder ihn in den Händen einer mehr radikalen Partei lassen nuß.
Nur Eines kann im Allgemeinen bei diesen Kämpfen Beruhi⸗ ung gewähren, daß im Lande, trotz einer äußeren dem französischen harakter ähnlichen Beweglichkeit, im Grunde ein verständiger prak⸗ ischer Sinn herrscht, der, vor Allem auf die Bewahrung der mate⸗ jellen Interessen gerichtet, jeder die wirkliche Ruhe gefährdenden ufregung zuwider ist. Man kann hier nicht die Revolution als Ge⸗ enbeweis anführen. Es wurde dieselbe, wie früher ähnliche Vor⸗ änge, durch den Fanatismus der katholischen Geistlichkeit hervorge⸗
rufen, die sich in ihren Prätensionen beeinträchtigt sah. Jetzt hat ber die Aufregung einen rein liberalen Charakter, und der
Liberalismus ist seinen Prinzipien nach zu abstrakt, zu nüch⸗ ern, um seinen Anhängern nachhaltigen Enthusiasmus oder ar Fanatismus einzuflößen. Nur wenn der Radikalismus, der unter dem Bürger hier keinen Eingang findet, sich der Massen durch Vor⸗ piegelung materieller, alle Noth aufhebender Reformen bemächtigte, würde die Ruhe des Landes ernstlich bedroht werden. Um dieser
efahr zu entgehen, verlangt es eine umsichtige Politik, die liberale dkeinung in die Regierung zu versetzen, um dieselbe von den radikalen
Elementen zu trennen, die, wenn sie unter eigener Fahne zu kämpfen
gezwungen sind, in ihrer isolirten Unbedeutendheit erscheinen werden.
Eine auffallende Beweguug ist jetzt in den Flandern hervorge⸗
ufen worden, welche die Kammer mit Petitionen um eine Zoll⸗ erbindung mit Frankreich bestürmt haben. Als Veranlassung hat
man einige Worte Guizot's genommen, der in der Deputirten⸗
Kammer bei der Diskussion der Handels⸗Convention erklärte, daß ie Hindernisse, welche sich einem Zoll⸗Anschlusse entgegengesetzt,
auf belgischer Seite zu suchen seien. Guizot weiß zu wohl, daß die Schwierigkeiten in einer Belgien weit überschreitenden
Sphäre liegen, als daß man in der Erklärung mehr als eine parla⸗
nentarische, nur die halbe Wahrheit enthaltende Ausflucht sehen ollte, um dem gewöhnlichen, von einer Seite gemachten Vorwurfe, en Einflüssen der europäischen Diplomatie das Interesse Frankreichs aufzuopfern, zu entgehen. Die jetzige Bewegung, der man jedoch
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einen der höchsten wegen seiner Ansicht über die Räthlichkeit und Ausführbarkeit eines Zoll⸗Anschlusses an Frankreich wohlbekannten Staatsmänner der Provinz nicht fremd glaubt, wird keinen weiteren Erfolg haben; es ist möglich, daß auch die flandrischen Provinzial⸗ Stände, denen sich vielleicht die vom Hennegau anschließen, bei ihrer Zusammenkunft im Juli eine Petition abfassen werden; allein die Angelegenheit wird dadurch um keinen Schritt weiter gebracht wer⸗ den. Der nächste Zweck ist zudem blos, den Abschluß oder die Ra⸗ tification der Zoll⸗Convention mit Holland zu vereiteln, da die flan⸗ drische Viehzucht durch die Einführung des holländischen Schlachtviehs beeinträchtigt werden würde. Allein den arbeitenden Klassen, die sich jetzt bei der Theuerung des Fleisches fast gänzlich dieser Nahrung enthalten müssen, würde dieser Vertrag wohlthätig sein, so wie der⸗ selbe doch ohne allen Zweifel, sobald er zu dem, wie man glaubt, nahe bevorstehenden Abschlusse gebracht ist, von den Kammern ange nommen werden wird.
Einen Kontrast mit dieser das materielle Interesse verfolgenden
französischen Bewegung in den Flandern bilden die 300 flandrischen Sänger und Liberalen, welche sich zu dem germanischen Sängerfest in Köln eingefunden und ihre Sympathie für Deutschland lebhaft ausgesprochen haben.
Die Central⸗Kommission der Kammer hat mit 5 gegen 2 Stim⸗ men die Annahme des Handels⸗Vertrages mit Frankreich beantragt.
Italien.
Rom, 20. Juni. (N. K.) Der neu erwählte Papst hat seinen Regierungs⸗Antritt bereits durch eine Reihe wichtiger und segens⸗ reicher Verfügungen bezeichnet. Statt der bisherigen Einrichtung, zufolge welcher ein Staats⸗Secretair au der Spitze der öffentlichen Angelegenheiten stand, sollen dieselben künftig nach der Verordnung Pins' IX. durch eine Congregation verwaltet werden.
Ueber die Ausführung der Eisenbahnen, welche Rom mit dem Norden und Süden in Verbindung bringen sollen, ist, wie man aus siche⸗ rer Hand vernimmt, bereits der Beschluß vom Papste gefaßt, und man sieht der baldigen Bekanntmachung desselben entgegen.
Die sämmtlichen wegen politischer Vergehungen Verhafteten er⸗ warten ihre bereits verfügte Entlassung aus der Haft in diesen Ta⸗ gen. Zugleich werden die näheren Schritte zur Ausgleichung der g 5 Romagna herrschenden Unzufriedenheit in nächster Zeit ge⸗
ehen.
Morgen früh um 8 Uhr beginnt die Krönung des Papstes.
Durch einen öffentlichen Anschlag sind alle Armen hiesiger Stadt eingeladen, sich diesen Morgen um 11 Uhr auf dem Cortile del Bel⸗ vedere im Vatikan zu einer allgemeinen Almosen⸗Vertheilung einzu⸗ finden, wobei Jeder 1 Paolo (4 Sgr. 6 Pf.) empfängt. “
“ Portugal. üngaus Lissabon, 20. Juni. (Engl. Bl.) Der Zustand des Lan⸗ des, welcher sich nach den letzten Nachrichten etwas zebessert zu ha⸗ ben schien, ist jetzt drohender als jemals. In Folge fortwährender Aufreizung hat sich eine überaus große Erbitterung zwischen dem Volk und den Truppen erzeugt, welche am 11ten in Porto zu ernst⸗ lichen Reibungen führte, die zwei Tage lang dauerten. Endlich sah sich der Gouverneur der Stadt genöthigt, das 16te Regiment, das sich besonders verhaßt gemacht hatte, nach Lissabon einschiffen zu lassen. Dort kam das Regiment am 16ten an und zog klingenden Spieles in die Hauptstadt ein. Das Volk, sich dadurch verhöhnt wähnend, empfing die Soldaten mit Verwünschungen und Steinwürfen; der Graf das Antas, Gouverneur der Stadt, suchte das Volk zu beruhi⸗ gen, aber vergebens, jedoch zerstreute sich die Masse, als die Truppen Befehl zum Laden erhielten.
Den Nachrichten aus den südlichen Provinzen und Algarbien zufolge, ist das Militair überall zur Contre⸗Revolution bereit, und in Braganza (Tras os Montes) hat das 3te Infanterie⸗Regiment be⸗ reits den Versuch gemacht, die Königin als absolute Monarchin zu proklamiren, ein Versuch, der an der Festigkeit der Einwohner scheiterte.
Am 19ten begab sich das Volk in Lissabon in großen Massen zum Herzoge von Palmella, um die endliche Erfüllung des Ver⸗ sprechens der Wiedereinführung der National⸗Garde zu verlangen; die Haufen zerstreuten sich jedoch bald, als Graf das Antas ver⸗ sicherte, das betreffende Dekret solle in zwei Tagen erscheinen.“
Serbien iis Belgrad, 15. Juni. (A. Z.) Der Fürst Alexander ist von seiner zur Begrüßung des Großherrn unternommenen Reise gestern hierher zurückg kommen und hat unter dem Jubel einer unermeß⸗ lichen Volksmenge, unter Glockengeläute und Geschützdonner seinen Einzug durch eine Triumphpforte gehalten. Nachdem er in der Kirche ein kurzes Dankgebet für die glückliche Zurücklegung seiner Reise verrichtet hatte, empfing er im Palast die ihm dargebrachten zahlreichen Glückwünsche. Es dürfte nicht ohne Interesse sein, die kurzen Anreden zu vernehmen, womit der Großherr die Verleihun⸗ gen seines edelsteingeschmückten, nach Art eines Ordenssterns getra⸗ genen Bildnisses und eines Ehrensäbels begleitete. Als Reschid Pascha das Bildniß im Beisein des Großherrn an die linke Brust des Fürsten heftete, sprach der Sultan: „Dieses Bild gebe Ich dem Fürsten Alexander zum Andenken an Unsere Zusammenkunft, und Ich wünsche, daß er sich derselben immer erinnern möge, wie sie auch Mir unvergeßlich bleiben wird.“ Die ebenfalls von Reschid Pascha vor⸗ genommene Umgürtung mit dem Ehrensäbel begleitete der Sultan mit den Worten: „Ich umgürte den Fürsten Alexander mit diesem Säbel als Sinnbild der Befestigung seiner fürstlichen Stärke und Macht.“
Türhei. Konstantinopel, 17. Juni. Der Sultan, welcher die Rück⸗ reise von Varna zur See auf der Dampf⸗Fregatte „Eßeri Dschedid“
angetreten hatte, ist am 14ten d. M. Morgens im Bosporus ange⸗
langt. Er stieg bei dem großherrlichen Köschk von Kalender, in der Nähe von Therapia, ans Land und wurde daselbst von der Sultanin Walide und von seinen Schwestern, der Sultanin Atie, Gemahlin Ahmed Fethi Pascha's, und der Sultanin Adile, Gemahlin Mehmed Ali Pascha's, so wie von den Großwürdenträgern des Reichs, bewill⸗ kommnet, worauf er unter dem Kanonendonner sämmtlicher Batterieen der Meerenge sich nach dem Palaste von Tschiragan begab und im Vorüberfahren der Sultanin Esma, einer Schwester Sultan Mah⸗ muds, in Kurutschesme einen Besuch abstattete. Wegen der Rückkehr des Sultans wurde die Hauptstadt und der Bosporus drei Nächte hindurch beleuchtet. Die Batterieen und die mit allen ihren Flaggen und Wimpeln geschmückten Kriegsschiffe gaben fünfmal des Tages die üblichen Kanonensalven.
Der zum ottomanischen Geschäftsträger in Wien ernannte Sami Efendi ist am 15ten d. M. über Gallatz nach seiner Bestimmung ab⸗ gegangen.
Der bekannte vormalige Statthalter von Trapezunt, Abdullah
Pascha, ist am 12ten d. M. hier gestorben.
Vom Schwarzen Meere, 2. Juni. (A. Z.) Einem Schreiben aus Erzerum zufolge, herrscht in Kurdistan noch immer
der gleiche Zustand, die gleiche Verwirrung, wie im vergangenen Jahre. Mahmud Chan hält den Pascha von Wan eingeschlossen, und dieser getraut sich, trotz seiner Feld⸗Kanonen, die er von Erzerum erhalten, aus seinem Felsschloß nicht heraus. Der mächtige Kurden⸗ Häuptling zieht jetzt von all den armenischen und türkischen Ortschaf⸗ ten am Wansee denselben Tribut, der vormals in die Kasse des Pascha geflossen ist. Von einer neuen Aushebung für den Nisam ist in jenen Gegenden keine Rede mehr. In ähnlicher Lage befindet sich der Pascha von Mossul, welcher von Beder⸗Chan in Schach gehalten wird. Es ist noch ein Glück für die Pforte, daß Beder⸗Chan alt und nicht mehr von Ehrgeiz gestachelt ist. Als der mäch⸗ tigste Häuptling von ganz Kurdistan wäre es ihm bei der ge⸗ genwärtigen Stimmung jener Bergvölker nicht schwer, die Herr⸗ schaft über einen sehr großen Theil des türkischen Asiens an sich zu reißen. An Aufmunteruug hierzu von Seiten anderer mindermächti⸗ ger Stammhäupter, wie Mahmud Chan, Zaiual⸗Beg, Nurullah⸗Beg, fehlt es ihm nicht. Aber Beder⸗Chan hat sich nun einmal gewöhnt, der Pforte noch einige äußerliche Zeichen seiner Unterwürfigkeit zu gönnen, und vermeidet einen offenbaren Bruch. Auch thut der Pa⸗ scha von Mossul, dessen Autorität nicht über die Mauern seiner Stadt hinausreicht, sein Möglichstes, den alten Kurdenfürsten bei friedlicher Laune zu erhalten, indem er ihm häusig Geschenke schickt. Vor kur⸗ zem ließ er ihm auf seinem festen Schloß in Buchdan einen pracht⸗ vollen Nischan mit Diamanten zustellen, ein Ehrenzeichen, welches Beder⸗ Chan nicht verschmähte, obwohl er als fanatischer Muselmann ein Todfeind aller Neuerungen ist, die Rekrutirung für den Nisam auf seinem Ge⸗ biet niemals duldete, auch vielen geflüchteten Janitscharen in seinen Bergen eine Zufluchtstätte gewährte. In Erzerum, wo man von dem Zustande Kurdistans genaue Kunde hat, steht selbst unter den europäischen Konsuln die Ansicht fest, daß nach Beder Chan's Tod eine gewaltige Bewegung im türkischen Asien losbrechen wird. Die kriegerischen Buhdan⸗Stämme werden dann wahrscheinlich den wil⸗ den und unternehmenden Zaiual⸗Beg zu ihrem Oberhaupt wählen und allenthalben Einfälle in Mesopotamien machen. Längst warten die Hakkary⸗Kurden, welche sich allein nicht stark genug fühlen, dem Pascha von Mossul die Spitze zu bieten, auf ein solches Ereigniß. Ihr Häuptling, Nurullah⸗-Beg, derselbe wilde Räuber, welcher vor einigen Jahren das gräuliche Blutbad unter den christlichen Nestoria⸗ nern im Dschulamerk⸗Gebirge anrichtete, wird sich dann gern an den Chef der Buhdan⸗Kurden anschließen, der jetzt sein Rival ist.
Brasilien.
London, 26. Juni. Berichten aus Rio Janeiro bis zum 11. Mai zufolge, welche mit dem Packetboot „Crane“ in Falmouth angekommen sind, hat der Kaiser die sechste Session der legislativen Kammer am 3. Mai mit einer Thron⸗Rede eröffnet, in deren Ein⸗ gange er sagt, daß er die Provinzen S. Catharina, S. Pedro, Rio Grande und S. Paulo besucht und überall die kräftigsten Beweise von Unterthanentreue empfangen habe, auch bürge ihr Fortschreiten in Civilisation und Gewerbefleiß für die rasche Entwickelung ihrer Wohlfahrt. Friede herrsche jetzt in allen Provinzen, und dies werde die Ausführung der Maßregeln erleichtern, welche die Kammer etwa zum Besten des Landes für nöthig oder angemessen erachte. In den nörd⸗ lichen Provinzen, besonders in Ceara, habe die Dürre viel Unheil ange⸗ richtet, und die Regierung sei bemüht gewesen, der dortigen Noth nach Kräften abzuhelfen; obgleich nun jüngst dort ein reicher Reger gefallen sei, so werde doch der Schaden, den die Trockenheit verursach habe, nicht sofort ersetzt werden können und daher die Hülfe der Re- gierung jenen Provinzen auch noch ferner nothwendig sein. In Be⸗ zug auf die auswärtige Politik sagt sodann die Thronrede: „Ich wa bemüht, mit allen Regierungen Europa's und Amerika's freundschaft liche Beziehungen zu pflegen. Der Ablauf der Uebereinkunft zwi schen Brasilien und Großbritanien zur Unterdrückung des Sklaven handels wourde durch Meine Regierung der britischen Regierung ge⸗ bührend kundgemacht. Nachdem diese Kundmachung ergangen war, genehmigte das britische Parlament eine Akte, welche brasilianisch Schiffe, die man der Betheiligung am Sklavenhandel für verdächti hält, der Gerichtsbarkeit britischer Tribunale unterwirft. Meine Re gierung protestirte gegen diese Akte und machte alle fremden Mächt mit dieser Protestation bekannt. Treu den eingegangenen Verpflich tungen, dem Handel mit Afrikanern ein Ende zu machen, wird Meine Regierung dessenungeachtet nicht aufhören, die Vorrechte Meiner Krone und unsere Nationalrechte zu vertheidigen. Zur Erreichung so ge⸗ rechter Endzwecke vertraue Ich auf Ihre ergebene und patriotische Mitwirkung.“ Zum Schlusse spricht die Thron-Rede noch die Ho nung aus, daß in den Nachbarrepubliken am Platastrome der Fried bald hergestellt werden möge, und verspricht die Vorlegung des Bud gets für das nächste Finanzjahr, aus welchem hervorgehe, wie seh das Einkommen gestiegen und wie angestrengt die Regierung dur umsichtige Verkürzung der Ausgaben bemüht gewesen sei, ohne die Last neuer Auflagen das unerläßliche Gleichgewicht zwischen den Ein nahmen und Ausgaben des Staates zu Stande zu bringen.
Dasselbe Paketboot hat die Nachricht mitgebracht, daß das bra silianische Kabinet, an dessen Spitze Torres stand, abgetreten und ei neues Ministerium am 8. Mai gebildet worden war, welches aus sol genden Mitgliedern bestand: Finanzen und Marine: Hollanda Caval canti; auswärtige Angelegenheiten: Baron de Cayra (früher Bento de Silva Lisboa); Inneres: Marcelino de Brito; Justiz: Moura Magalhaens; Krieg: Santos Barrete. Ob dieser Ministerwechsel eine Veränderung der auswärtigen Politik zur Folge haben wird läßt sich noch nicht angeben.
Berlin-Potsdamer Eisenbahn.
18 . 1“ 8 8 8 Ip der Woche vom 23. bis incl. den 29. Juni c. sind auf der Ber lin-Potsdamer Eisenbahn 11,770 Personen gefahren.
Se Niederschlesisch -Märkische Eisenbahn. Aulf der Niederschlesisch-Märkischen-Eisenbahn sind vom 14. bi 20. Juni 1846 befördert worden: ““ a) zwischen Berlin und Frankfurt b) zwischen Breslau und Bunzlau
5596 Persone 5707 — 11,303 Personen.
Handels- und Börsen-Nachrichten.
2+¼ Amsterdam, 27. Juni. Die Course mehrerer holländischen Staatspapiere haben sich dieser Tage merklich fester gezeigt, wie zu Anfan der Woche zu erwarten war; allem Anschein nach gab der Wechsel in den Preisen von Actien der Handels⸗Maatschappo und die sich nähernde Ent⸗ scheidung, ob die Zoll⸗Veränderungen in England durchgebracht werde oder nicht, hierzu die Veranlassung. Die genannten Actien blieben ver wichenen Sonnabend auf 170 ¾˖ % stehen, hielten sich diese Woche eini Tage auf 171 ½ %, doch stiegen sie bei anhaltender Frage zuletzt bis 172 ½ Integrale wurden ebenfalls häufig umgesetzt und erreichten von 60 % gestern 60 ½2 %; Zproz. wirkliche Schuld blieb 73 %; Aproz. ditv 9446 % und 3 ⅛ proz. Syndikat⸗Obligationen 89 %. Alte russische Obligationen bei Hope sind nach der diesjährigen Ausloosung von 105 3¾ auf 106 ¾ gestiegen; mit 4proz. Certifikaten bei demselben ging es etwas flauer, da