nicht mehr auf dem Polizei⸗Büreau visiren zu lassen, sondern sie nur bei ihrem Ausgange am Thor den Polizei⸗Revisoren vorzuzeigen. 4) Wenn nach Verlauf von 10 Tagen eine aus der Previnz angekom⸗ mene Person noch länger in Warschau zu verweilen wünscht, muß sie ihren Paß oder sonstigen Legitimationsschein in der Kanzlei des betreffenden Bezirks einreichen, um sich zu Erlangung einer Aufent⸗ haltskarte als qualifizirt auszuweisen. 5) Da die Pässe und Scheine von Personen, welche eine Aufenthaltskarte erhalten haben, im Poli⸗ zei⸗Büreau niedergelegt werden, so können solche Personen sich nicht anders als nach erlangtem Visa dieses Büreau's aus Warschau entfernen. 6) Die in den hiesigen stehenden Büchern eingetragenen Einwohner
—
Warschau's müssen, wenn sie auf eine Zeitlang verreisen wollen, der
alten Vorschrift gemäß sich Pässe verschaffen, die das Polizei⸗Büreau
auf Grund einer Qualifications⸗Bescheinigung der Polizei Kommissa⸗ rien ertheilt. 7) Von dieser Nothwendigkeit sind nur diejenigen aus⸗ genommen, welche Spazierfahrten außerhalb der Stadt machen.
Frankreich.
Paris, 1. Juli. Die Königliche Verordnung, welche die Auf⸗ lösung der Deputirten⸗Kammer aussprechen soll, wird, wie das Jour⸗ nal des Débats mittheilt, wahrscheinlich am nächsten Montag oder Dienstag im Moniteur erscheinen. Die allgemeinen Wahlen wür⸗ den am 1. August statthaben und die Kammern auf den 17ten des⸗ selben Monats einberufen werden.
Der Sud de Marseille will von einem Schreiben des Pap⸗ stes an den französischen Gesandten Grafen Rossi wissen, worin fol⸗ gende Stelle vorkomme: „Schreiben sie ihrem Könige, daß ich ihn liebe, daß ich Frankreich liebe, und ersuchen sie ihn, mir eben so freundlich, wie meinem Vorgänger, gesinnt zu bleiben.“
Ueber die letzte Rede Peel's bemerkt das Journal des Dé⸗ bats: „Der Abschied Peel's war voll Würde, aber zugleich voll Gewandtheit. Wenn, wie es heißt, der Führer der alten konserva⸗ tiven Partei nach Italien geht, so dürfen wir sicher sein, daß er nicht erwartet, man werde ihn dort bleiben lassen, und daß er zu⸗ rückkehren wird. In seiner Rede erläuterte er die Sachlage sehr vollständig und klar. Er erhob keine Beschuldigungen und enthielt sich aller Polemik. Er wollte Niemand verwunden, weder seine alten Freunde, noch seine neuen Bundesgenossen, die wieder seine Feinde geworden sind. Dies hinderte jedoch nicht, daß er Manches sagte, was für beide äußerst verletzend sein mußte. Hätte das Parlament seine Reform⸗Maßregeln verworfen, so würde er an das Volk appellirt haben, aber sie wurden sämmt⸗ lich angenommen, und er selbst gestand ja ein, daß Männer, welche eine ihren früheren Erklärungen geradezu entgegengesetzte Politik einführten, die Strafe dieser Inkonsequenz tragen und nach erlangtem Erfolge von der Gewalt zurücktreten müßten. Peel ist unter seiner großen Schwierigkeit, Irland, gefallen, aber durch sein momentanes Scheiden ans der Gewalt erledigt er sich dieser ewigen Schwierigkeit. Hier hat er das richtigste Urtheil bewährt. Was die Stärke der Whigs ausmachte, wird jetzt ihre Schwäche, die irländische Politik. Ihr erlagen sie 1841, und durch sie steigen sie 1846 wieder empor. Seit lange war die Whigpolitik mit der Idee von Wohlwollen und Versöhnung gegen Irland eng verknüpft. Peel hat Sorge getragen, die Whigs des Monopols dieser friedlichen Politik zu berauben, und er er⸗ innert mit vollem Grunde das Volk daran, daß er es war, der in den letzten Jahren das Meiste that, um diese Grundsätze der Gerechtigkeit gegen Ir⸗ land zu verwirklichen und praktisch auszuführen. Das Nämliche that er bezüglich der Handels-Politik. Er verspricht den Whigs in Be⸗ treff derselben seine Unterstützung, jedoch unter der Bedingung, daß sie auf dem Pfade fortschreiten, den er ihnen vorgezeichnet hat. Er will sie aufrecht halten, aber nur dann, wenn ihre Politik eben so liberal ist, als die seinige. Wenn Peel am Rande seines Sturzes so zu reden sich erlaubt, so schreibt er seinen Nachfolgern Gesetze vor und entwirft ihnen unumwunden ihr Programm. Uebrigens kann man von Peel sagen, daß er triumphirend unterlag. Er braucht nur herzusagen, was er gethan, um seine eigene Lobrede auszusprechen; es ist eine gar leichte Sache: Europa dem Frieden wiedergegeben; Indien unterworfen; die Finanzen hergestellt; das Desizit aus⸗ gefüllt; der Handel neu belebt und erweitert; dies sind die Eroberungen seiner friedlichen Politik, welche zu seinen Gunsten um den Vorrang kämpfen. In das Lob, welches Peel der hohen Sitt⸗ lichkeit und der christlichen Gesinnung wohlverdient zollte, welche Lord Aberdeen's Handlungen seit fünf Jahren auszeichneten, werden gewiß alle mit England verbündeten Regierungen von Herzen einstimmen. Als ob aber das gefallene Ministerium bis zuletzt hätte glücklich sein sollen, war es noch im Stande, dem Parlament und England anzu⸗ kündigen, daß die einzige Schwierigkeit, welche den allgemeinen Frie⸗ den gefährden konnte, definitiv beseitigt sei.“ Der National findet den wahren Beweggrund von Peel's Rücktritt in seiner Abgeneigtheit, durch die Duldung einer seither ihm feindlichen Partei oder einer erst kürzlich von ihm abgefallenen Fraction sich im Amte zu behaupten. In einem anderen Artikel sucht der National darzuthun, daß der Ein⸗ tritt eines Whig⸗Ministeriums die Wahrscheinlichkeit der Fortdauer des Friedens mit den Vereinigten Staaten vermindere, weil anzu⸗ nehmen sei, daß Lord Palmerston in kurzem England in Streitigkei⸗ ten mit der meikanischen Regierung verwickeln werde. Dagegen be⸗ merkt Galignani's Messenger, daß der National Lord Pal⸗ merston's Aeußerungen über die Oregonfrage nicht gelesen zu haben scheine, sonst würde er es wohl nicht gewagt haben, diesem Staats⸗ manne minder versöhnliche Gesinnungen, als die vom abtretenden Ministerium kundgegebenen, so ohne allen Grund beizumessen. Die France äußert, daß Peel's Fall das Ansehen eines Triumphs habe, eine Meinung, die fast von allen pariser Blättern getheilt wird.
Nach dem Courrier du Havre entwerfen die neuesten Mit⸗ theilungen aus Port au Prince eine höchst düstere Schilderung von der Lage der Dinge in der haitischen Republik, die noch immer von politischen Zuckungen heimgesucht war. Die Insurgenten im Süden von Haiti verwüsteten die Kaffee⸗-Plantagen. In Port au Prince selbst folgte ein Brand auf den anderen, wodurch die ängstlichste Spannung hervorgerufen wurde.
Es heißt, Marschall Soult beabsichtige, nun auch die Conseils⸗ Präsidentschaft des Kabinets niederzulegen und sich ganz in das Pri⸗ vatleben zurückzuziehen. Auch der Handels⸗Minister, Herr Cunin⸗ Gridaine, welcher sich gegenwärtig im Bade Vichy befindet, soll aus Gesundheitsrücksichten Willens sein, noch vor Eröffnung der nächsten Session aus dem Kabinet auszuscheiden. Das Handels⸗Ministerium würde dann, wie es heißt, entweder dem Herrn Bignon oder dem Herrn Saglio übertragen werden.
Marschall Bugeaud soll eingewilligt haben, das General⸗Gou⸗ vernement von Algerien noch beizubehalten. Er wäre zu diesem Ent⸗ schlusse durch die Vermittelung des gegenwärtig in Algier verweilen⸗ den Herrn von Salvandy, Ministers des öffentlichen Unterrichts, vermocht worden.
Nach einem Schreiben aus Oran vom 25. Juni soll General Cavaignac ein Gefecht mit den Arabern bestanden haben, wobei an 500 derselben auf dem Platz geblieben wären. Die Einzelnheiten dieser I* fehlen noch.
Von Dijon wird unterm 1. Juli gemeldet, daß auf dem großen Werkplatze bei Blaizy an der Essenbahn von b06 at voon 5 blutige Fehde zwischen den französischen und den piemontesischen Ar⸗
beiter ausgebrochen war. Jene hatten zu wiederholten Malen die Entfernung der Piemontesen verlangt, worauf aber die Unternehmer ausweichende Antwort gab. Am 30. Juni pflanzten darauf die Fran⸗ zosen, mehrere Hundert Mann stark, eine rothe Fahne auf und griffen die Anderen an. Es gab Todte und Verwundete, und der Tumult war bei Abgang des Berichts noch nicht gestillt.
Auf der Eisenbahn von Sceaux brachen neulich um halb 9 Uhr Abends die Ketten zwischen Lokomotive und Tender, so daß erstere allein ihren Weg fortsetzte. Die Passagiere mußten mehrere Stun⸗ den warten, bis eine neue Lokomotive sie abholte.
In der Nähe von Arles fand kürzlich auf der Avignon⸗Mar⸗ V seiller Eisenbahn eine merkwürdige elektrische Erscheinung statt. Ei⸗
nige zwanzig Arbeiter hatten sich während eines starken, jedoch von keinem Gewitter begleiteten Regenschauers in ein Wachthaus geflüch⸗ tet, in dessen Nähe die von der Durance kommende Eisenbahn zur Zeit aufhört. Plötzlich, ohne daß man einen Blitz sah, erfolgte eine furchtbare Explosion; ein junger Arbeiter wurde erschlagen, ein an⸗ derer blieb eine Stunde lang ohnmächtig, acht erhielten Verletzungen und alle übrigen mehr oder weniger starke Stöße. Der Blitz hatte wahrscheinlich weiter oben die Schienen getroffen, war dieselben ent⸗ lang gelaufen und, da in der Nähe des Wachthauses die metallische Leitung aufhörte, in den mit Menschen gefüllten Raum eingedrungen.
Es erscheint jetzt hier ein Journal im Interesse Louis Napoleon’'s.
Dem Akhbar zufolge, wird der Herzog von Aumale nach seiner Rückkehr von Oran noch die früher von ihm verwaltete Provinz Konstantine besuchen.
In Marseille ist der im letzten Kriege der Seikhs mit den Eng⸗ ländern oft genannte Oberst Mouton angekommen, der den Dienst in Lahore in Folge des Friedensschlusses verlassen mußte, und den der Courrier de Marseille als einen früheren Offizier der afrikanischen Jäger bezeichnet.
Die neuesten Berichte aus Persien stellen das Gerücht in Ab⸗ rede, als herrsche dort die Cholera; der Gesundheits⸗Zustand war im Gegentheil ganz erwünscht.
Die Börse war heute sehr fest, obschon die Notirung der Con⸗ sols an der londoner Börse unverändert geblieben. In 5proz. Rente hatten zahlreiche Käufe statt.
*.α Paris, 3. Juli. Die englischen Blätter haben neulich ge⸗ meldet, daß das von Montevideo eingetroffene Schiff „Philomel“ zwei Abgesandte, einen von der englischen, den anderen von der fran⸗ zösischen Legation, im La Plata nach England gebracht habe. Nun giebt ein Brief aus Montevideo vom 7. Mai, welcher mit dem fran⸗ zösischen Schiffe „Coriolan“ in Havre eintraf, Aufschluß über den Zweck der Sendungen, mit welchen die Herren Turner und Chevalier an ihre betreffenden Regierungen beauftragt sind. Die vielseitig aus⸗ gesprochene Besorgniß über die Unwirksamkeit der englisch⸗ fran⸗ zösischen Intervention im La Plata, da derselben hinreichende Streitkräfte für den Landkrieg abgehen, werden dadurch voll⸗ kommen bestätigt, und das endliche Schicksal von Monte⸗ video läßt sich unter solchen Umständen leicht voraussehen: es wird zuletzt doch noch dem argentinischen General Oribe wieder in die Hände fallen und dieser General sodann die Präsidentschaft der orientalischen Republik wieder erhalten, nach welcher er schon lange vergeblich strebt. Die beiden Abgesandten sind, wie man versichert, beauftragt, von ihren Regierungen neue Instructionen zu verlangen. Der Letztere soll Herrn Guizot Details mittheilen über den Stand der Dinge und bestimmt erklären, daß es nur zwei Mittel gebe, um endlich zu einer Lösung zu kommen, nämlich, die Absendung einer mächtigen Expedition oder das Aufgeben der Intervention. Da in beiden Fällen die Dienste des Barons Deffaudis unnöthig werden, indeß im ersten Falle der Admiral Lainé hinreichte, um die militairischen Operationen zu leiten, im zweiten aber die einzuschla⸗ gende Politik diametral den Instructionen des bisherigen Gesandten entgegengesetzt sein würden, so müßte ein neuer französischer Ge⸗ sandter nach dem La Plata geschickt werden, und Herr Chevalier hat wirklich von Seiten des Barons Deffaudis selbst den Auftrag, dessen Zurückberufung zu verlangen. Das wird als zuverlässig versichert, und die Beschlüsse, welche die beiden Kabinette nach Empfang dieser Depeschen fassen werden, sind sonach von der höchsten Bedeutung. Was nun die neuen Instructionen anlangt, welche die Regierungen von England und Frankreich geben sollen, so ist, was Frankreich we⸗ nigstens betrifft, vorauszusehen, daß es den von Herrn Guizot in den beiden Kammern gegebenen Erklärungen gemäß schwerlich geneig sein wird, weitere Opfer für eine verlorene Sache zu bringen, es müßte denn sein, daß der Eintritt eines Whig⸗Ministerinms in England ein ent⸗ schiedeneres Auftreten desselben in dieser Frage zur Folge hätte, was jedoch noch nichts weniger als wahrscheinlich ist. Wenn England wirk⸗ lich eine stärkere Macht nach dem La Plata schickte, so würde Frank⸗ reich wohl auch nicht umhin können, das Gleiche zu thun. Der Grund aber, der annehmen läßt, daß auch England sich schwerlich enschließen werde, neue und noch größere Opfer an Leuten und Geld für einen sehr ungewissen Kampfpreis zu bringen, liegt in den Erfahrungen, die es bei einem früheren Kriege gegen Buenos-Ayres 1819 schon ge⸗ macht hat. Die Engländer vermochten damals Buenos⸗Ayres wohl zu nehmen, aber nicht zu behaupten und mußten sich entschließen, die
Eroberung wieder aufzugeben.
Großbritanien und Irland.
London, 3. Juni. Ihre Majestät die Königin ist mit dem ganzen Hofstaat gestern Abend im Buckingham⸗Palast von der Insel Wight eingetroffen. Lord John Russell hatte unmittelbar darauf eine Audienz, in welcher das neue Ministerium definitiv konstituirt worden ist. Dasselbe besteht nach Angabe der Morning Chronicle, des Haupt⸗Organs der Whigs, aus folgenden Mitgliedern:
Prä.sident des Conseils — Marquis von Lansdowne,
Geheimsiegelbewahrer — Graf von Minto,
Minister des Innern — Sir George Grey,
Minister der auswärtigen Angelegenheiten — Viscount Palmerston,
Kolonial⸗Minister — Graf Grey,
Erster Lord des Schatzes — Lord John Russell,
Kanzler der Schatzkammer — Herr Charles Wood,
Kanzler des Herzogthums Lancaster — Lord Campbell,
General⸗Kriegs⸗Zahlmeister — Herr Macaulay,
Erster Commissair des Forst⸗ und Wald⸗Departements — Lord Morpeth,
General⸗Postmeister — Marquis von Clanricarde,
Präsident des Handels⸗Amtes — Graf von Clarendon,
Präsident des ostindischen Kontroll⸗Amtes — Sir John Hobhouse,
Staats⸗Secretair für Irland — Herr Labouchere,
Erster Lord der Admiralität — Graf von Auckland.
Dazu kommen die im Laufe des heutigen Tages erst definitiv besetz⸗
ten Aemter des 8 Münzmeisters — Herr Sheil, “
Kriegs⸗Secretairs — Herr Fox Maule.
Nicht Mitglieder des Kabinets sind 1 Lord⸗Lieutenant von Irland — Graf von Besborough, Ober⸗Befehlshaber des Heeres — Herzog von Wellington, General⸗Feldzeugmeister — Marquis von Angleseyxy.
Die unteren Stellen sind noch nicht besetzt; Sir Thomas W. wird ohne Zweifel General⸗Prokurator und Herr Jerwis oder! Romilly General⸗Fiskal werden. Heute noch wird Sir R. nach der Stadt kommen, und da alle früheren Minister glei hier anwesend sind, so glaubt man, daß morgen oder überm die feierliche Uebergabe der Amtssiegel an das neue Ministerium finden wird.
— (B. H.) Heute hielten sowohl Oberhaus wie Unt Sitzungen von kurzer Dauer. In letzterem wurden Wahlauss ben Behufs der Wiedererwählung der neuen Minister beantragg und bei dieser Gelegenheit von der obenerwähnten Besetzung Aemter des Münzmeisters und Kriegs⸗Secretairs Anzeige gen Die Bill wegen Verlängerung der Zuckerzölle hat die Königliche nehmigung erhalten.
Die Times giebt heute nähere Angaben über die Vorzz welche der Bildung des neuen Kabinets vorausgegangen sind. man sieht, ist das Kabinet ausschließlich aus den Mitglieden Whig⸗Partei zusammengesetzt und zeigt keine Spur der Vereinbr mit anderen Parteien, in der allein man eine Bürgschaft si Dauer des Ministeriums Russell erblickte. Aus jenen Angabe Times geht indeß hervor, daß die Schuld jener Einseitigkein neuen Premier⸗Minister nicht beizumessen ist, und daß man üben das Kabinet in seiner jetzigen Gestaltung wohl nur als ein pron⸗ sches zu betrachten hat. Lord J. Russell hat sich nämlich, nachdem er ie Königin den Auftrag zur Bildung des neuen Ministeriums em hatte, mit Sir Robert Peel in Verbindung gesetzt und von dems das Versprechen erlangt, daß er seine Maßregeln im Allgem unterstützen und dieselben jedenfalls nicht aus dem Grunde allein, sie von einem politischen Gegner herrühren, bekämpfen wolle. soll Sir Robert Peel ziemlich unzweideutig die Absicht kundge haben, nicht wieder ein Staats⸗Amt übernehmen zu wollen. M. deß Lord John Russell zum Pfande für seine Aufrichtigkeit von verlangt habe, daß er drei seiner früheren Kollegen, nämlich dier Dalhousie und Lincoln und Herrn Sidney Herbert, veranlassen mog das neue Kabinet einzutreten, soll Sir R. Peel sich abgeneigt erklän ben, eine so delikate Mission zu übernehmen, welche, wenn erfolgreit manchen Mißdeutungen würde Anlaß geben können. Gllüc war Lord John Russel mit dem Herzoge von Wellington, da bewegen ließ, dem Wunsche der Königin gemäß, den Obert über das Heer zu behalten; zugleich jedoch erklärte, daß er politische Laufbahn für geschlossen ansehe und im Parlamente noch über Gegenstände, welche sein spezielles Amt betreffen, i werde. Als darauf Lord John Russell auch ihm dem P. machte, sich für den Uebertritt der obgenannten drei Mitg⸗ des Ministeriums Peel in das neue Kabinet zu verwenden, auch der Herzog anfangs eine ähnliche ausweichende Antwont, Sir Rober: Peel, ließ sich indeß endlich bewegen, einem von; John Russell verfaßten Aufforderungs⸗Schreiben an jene drii nister seine Zustimmung zu geben. Die übereinstimmenden Antm ten auf dieses Schreiben vernichteten aber für jetzt jede Aussich den Eintritt der drei Herren in das Whig⸗Ministerium, und scheiterte die wohlgemeinte Absicht einer Coalition mit der gemd ten konservativen Partei. Denselben ungünstigen Erfolg ham versuchte Annäherung an die radikale Partei, worunter man jetzt; zugsweise die Mitglieder der Anti⸗Corn⸗Law⸗League zu verstehen Nach langen und lebhaften Debatten beschloß man, Herrn G ein Amt anzubieten, dieser aber, der bei den jahrelangen,¹ näckigen Kämpfen der League mit den Monopolen sowohl Gesundheit, als seine Geschäfte geopfert hat, erklärt vorläufig, beiden Rücksichten wegen, auf längere Zeit von der politischen B scheiden zu müssen, und dem Ministerium ist nichts übrig geblieben sich die Verwendung seiner Talente und Fähigkeiten auf spätere ten vorzubehalten. Auch zweien anderen (von der Times nichte haft gemachten) Mitgliedern der League sind von Lord John A Anträge gemacht worden, welche der Eine, ebenfalls aus Privatrückst abgelehnt, der Andere möglicherweise annehmen wird. Aus Allem hervor, daß Lord John Ruüssell für jetzt keine Wahl hatte, al Kabinet ausschließlich aus den Materialien zu konstruiren, welche dien Partei lieferte, und die Art und Weise wie dies geschehen, scheint im l meinen gut aufgenommen worden zu sein. Auffallend ist nur, man statt des in Irland sehr beliebten Lord Morpeth Hern boucheère zum Staats⸗Secretair für Irland gemacht hat, dert in seinem Fache, dem Handels⸗ und Industriewesen, für einen tüchtigen Geschäftsmann gilt, als Staatsmann aber im Ganzen nig bedeutet und mit Irland in gar keiner Beziehung gestanden Die Ernennung des Herrn Wood, früheren Secretairs der Abn lität, als Finanzier aber ganz unbekannt, zum Kanzler der Sl Kammer, erklärt man sich daraus, daß Herr Baring, der frühen haber des Finanz⸗Portefeuille, sich entschieden weigert, wieder en zu übernehmen. .
Die Anti⸗corn⸗law⸗league hat gestern in Manchester eine d ral⸗Versammlung gehalten, um die Beschlüsse ihres Exekutiv⸗Con wegen Auflösung des Vereins zu bestätigen. mit vielem Beifall aufgenommene Rede, in welcher er diese Best zu motiviren bemüht war und zugleich einen kurzen Rückblick ar Geschichte der League zu geben. Es wurde dann einstimme schlossen, die Thätigkeit der League zu suspendiren, vorbehaltlt Auflösung des Vereins im Jahre 1849, das Exekutiv⸗Comitte zu ermächtigen, den Verein sofort wieder ins Leben zu rufen, die Protectionisten ernstliche Versuche zur Wiedereinführung der . gesetze unternehmen sollten. Den Häuptern der League sollen E. geschenke überreicht werden. In einer besonderen Versammlung t dann über ein Ehrengeschenk für Herrn Cobden berathen und Comité eingesetzt, um Vorschläge zu machen. Die allgemeine S scheint sich für ein Geschenk von 100,000 Pfd. St. auszuspr worin zugleich ein Ersatz für die von Herrn Cobden der League!
Vernachlässigung seiner Privatgeschäfte gebrachten Opfer liegen ue
X London, 3. Juli. Die muthmaßliche Liste der à Minister, die ich Ihnen vor etwa einer Woche zusandte, und N Berlin hat gedruckt sein müssen, ehe noch die Bildung des Ket⸗
in London wirklich erfolgt war, erweist sich als ziemlich richtig.
einzige wichtige Veränderung ist die, daß Lord Grey vermocht voh ist, seine Abneigung gegen Lord Palmerston als auswärtigen M. zu überwinden; er übernimmt nämlich die Kolonieen anstatt des Clarendon, den ich genannt, und der dies Amt auch wirklich erh⸗ hätte, wenn Lord Grey der Regierung nicht beigetreten wäre.— Clarendon erhält das Handels⸗Amt. Francis Baring hat die nahme eines Amtes aus Privatgründen abgelehnt, und Charles 1 wird Schatz⸗Kanzler sein; aber nichts kann die außerorder Schwäche der Whigmänner in den Finanzen und Handelssachen wiegen. Marquis von Clanricarde wird General⸗ Postmeiste einem Sitz im Kabinet; er ist ein guter Redner und hat die ha⸗ gabte Tochter Canning's geheirathet. Der übrige Theil des Müun riums besteht aus den Maͤnnern, die ich früher genannt habe. Obgleich indeß das Resultat meine Voraussagung also ge fertigt, so sind doch inzwischen noch große Anstrengungen ge worden, um die Grundlage der Regierung zu erweitern, und Whigleiter waren einstimmiger Meinung über die Zweckmäßigkeit, Verbindungen auszudehnen; mehrere von ihnen würden bereitn
Herr Cobden hiehte
ales an Belgioen ergriffen habe.
edeutende Aemter aufgegeben haben, wenn man einige der jüngeren Mitglieder der Peel⸗Verwzaltung hätte dafür gewinnen können. Diese nanze Unterhandlung wurde von Lord John Russell mit großem Takt nd Delikatesse geleitet, und obschon Lord Lincoln, Lord Dalhousie und Herr Herbert seine Vorschläge ablehnten, so hat die ganze Ver⸗ handlung doch allen Parteien große Ehre gebracht und unter den hesten Peel⸗Anhängern und den Whigs jede Spur einer feindseligen Gesinnung ausgelöscht.
Die Whigs waren, im Ganzen genommen, geneigt, eine Stelle
und zwar eine Stelle im Kabinet, Herrn Cobden anzutragen, und z geschah kein feindseliger Versuch, ihn auszuschließen. Aber man rwog, daß gerade in jetziger Zeit der Zustand von Herrn Cobden's rvat⸗Angelegenheiten und die Dankbarkeit des Volkes von England in ihm darzubringendes National⸗Geschenk von 100,000 Pfd., wel⸗ hes durch Subscription erhoben werden soll, bereits als wohl geeig⸗ et in Aussicht gestellt haben — ein sehr passendes Zeugniß für den Führer einer Volkssache, aber doch ein Zeugniß, das einem Minister der Krone nicht wohl anstehen möchte, anzunehmen. Aber gewiß ist s mehr als wahrscheinlich, daß in nicht langer Zeit Herr Cobden aufgefordert werden dürfte, in die Verwaltung einzutreten.
Der Herzog von Wellington soll, dem Vernehmen nach, bei jetzi⸗ ner Gelegenheit erklärt haben, daß er nunmehr von den Parteikäm⸗ gfen des politischen Lebens Abschied nehme, und während er den
berbefehl der Armee behält, damit noch seine letzten Stunden dem
kande geweiht sein mögen, welchem er so vielfach gedient, hat er eschlossen, den Debatten des Oberhauses fortan fern zu bleiben und einen Einfluß auf die künftigen Combinationeu dieser erhabenen Ver⸗ ammlung mehr auszuüben.
Es ist eine Ehre für die lebenden und leitenden Staatsmänner Englands, daß diese große und merkwürdige Veränderung durchaus
phne eine gereizte Stimmung oder die Keime von Feindseligkeit zwi⸗
chen den letzten Ministern und ihren Nachfolgern zu hinterlassen, vor ch gegangen ist. Die persönlichen Mittheilungen, welche zwischen hnen stattgefunden haben, sind freundlich, würdevoll und höflich ge⸗ vesen. Nicht eine Spur gemeiner Begehrlichkeit nach Aemtern war zuf irgend einer Seite sichtbar. Sir R. Peel legte das Amt nie⸗ ber, Lord John nahm es mit gleicher Schicklichkeit auf. Ihre ge⸗ genseitigen Beziehungen zu einander waren ritterlich und uneigennützig.
Die Morning Chroniecle vom heutigen Tage enthält einen ollständigen Bericht über die Auflösung der Anti⸗corn-law⸗league ind ihre letzte Versammlung in Manchester, die dem Volke wie den Polksleitern nicht geringere Ehre macht. Die Geschichte dieses Ver⸗ ins bietet ein merkwürdiges Beispiel von Selbstbeherrschung einer olksmenge, und obschon er wie alle Volks⸗Bewegungen während einer Dauer Haß und Aufregung erweckte, so hat er doch den Ruhm avongetragen, welcher der Ausübung der höchsten öffentlichen Tu⸗ genden gezollt wird, und hat seine Arbeiten mit einem feierlichen Ver⸗ gleich beendet, würdig der mit Erfolg vertretenen Sache.
Belgien.
Brüssel, 4. Juli. Die Repräsentanten⸗Kammer hat auch vor⸗ gestern die allgemeine Berathung über die neue Zoll⸗Convention mit Frankreich noch nicht beendigt. Vorgestern sprach sich besonders Herr Isy sehr entschieden gegen diese Uebereinkunft aus. Er findet sie achtheilig für Belgien und schlägt kurzweg ihre Verwerfung vor, will aber, daß man dann sechs Jahre lang jährlich 1 ½ Millionen Fr. Ausfuhr⸗Prämien für Linnen bewillige, indem er sich davon ür diese Industrie große Vortheile verspricht. Dann äußert r sich aber auch gegen die angeregten Versuche zu einem Boll⸗Anschluß an Frankreich, die nur falsche Hoffnungen unter⸗ ielten, welche zu nichts führen würden. Nicht begreife er aber, wie ie Regierung, die doch die Unmöglichkeit desselben einsehe, nicht das polk durch bestimmte und klare Erklärungen darüber ins Reine setze.
ohabe man gesehen, wie ein Staats⸗Minister, der Gouverneur von landern, ruhig dafür petitioniren lasse; er hätte das Volk früher aus kiner Täuschung ziehen müssen. Herr Muelenaere erwiederte lrauf, daß er selbst dieser Petitionirung ganz fremd geblieben, er abe weder direkt noch indirekt diese Demonstrationen unterstützt. Das petitioniren habe er nicht verhindern können, noch dürfen. Herr dsy berichtigt, er habe nur andeuten wollen, daß man die Bevöl⸗ rung über die Unmöglichkeit eines Zoll⸗Anschlusses an Frankreich ätte belehren müssen, damit sie sich nicht trügerischen Hoffnungen ingäbe. Herr Zonde spricht dann ebenfalls gegen die Convention, hährend Herr de Haerne sich für dieselbe erklärt und in Bezug uf die Zollanschluß⸗Frage meint, daß man nicht wissen könne, ob die zukunft sie nicht noch möglich machen könne. Herr Dechamps lahm darauf das Wort und sagte (nach einem Bericht der Aach. heitung) im Wesentlichen: „Man fragt die Regierung, was sie von einem Zollanschluß an Frankreich für jetzt und die Zukunst halte.
Dies nur bleibt mir zu erklären, daß kein Vorschlag dazu gemacht wurde,
aß keine Unterhandlungen darüber zwischen beiden Ländern stattge⸗ nden, daß wir weder einen Vorschlag anzunehmen, noch zu ver⸗ eigern hatten. Man verlangt eine Erklärung auf die Frage, ob ie Regierung an die Möglichkeit eines Zoll⸗Vereins mit Frankreich laubt oder nicht. Die belgische Regierung glaubt eben so wenig n diese Möglichkeit, als die französische Regierung. Aber ich will ben so wenig die Zukunft über diese Frage binden, als die Regie⸗ ung dies mit Hinsicht auf die Wahlreformfrage wollte. Es können sich Um⸗ ände bieten, wo diese Frage ernstlich geprüft werden könnte. So frage ich je, welche nicht an die Möglichkeit einer unverzüglichen Verwirkli⸗ ung dieses Anschlusses glauben, ob sie es für unmöglich halten, daß erselbe in der Zukunft unter den Auspizien eines Vertrages statt⸗ de, den wir zugleich mit England oder mit Deutschland abschlössen nd vielleicht gar mit anderen Ländern, wie Holland, Schweiz, Sar⸗ inien, Spanien, was nur die Verwirklichung des Systems der Han⸗ elsfreiheit wäre. Allein selbst bei diesen Hypothesen, welche, ich äume es ein, nur in sehr ferner Zukunst eintreten könnten, müßte äit diesen Zoll⸗Associationen keine Bedingung verknüpft sein, welche irekt oder indirekt die Unabhängigkeit und Neutralität Belgiens ver⸗ hen könnte, dürfte keine Bedingung dabei gestellt sein, welche die gislative, gerichtliche oder administrative Unabhängigkeit Belgiens frleten könnte, eben so wenig, als die deutschen Staaten des Zoll⸗ zereins sich dieser Rechte begeben. Ich sagte, daß die belgische Re⸗ nerung nicht an die Verwirklichung eines solchen Gedankens in naher zukunft glaubt. Ich fügte hinzu, daß die französische Regierung eben wenig als die belgische daran glaubt. Man hat Worte angeführt, e ein berühmter Staatsmann Frankreichs (Herr Guizot) auf der ribüne gesprochen. Man hat aber augenscheinlich diesen Worten einen Hinn und eine Bedeutung beigelegt, die sie nicht hatten. Ich brauche inen anderen Beweis dafür, als die Worte, welche derselbe Minister am März 1843 in der Pairs⸗Kammer über diese Frage äußerte. rerklärte damals, daß er nie die Initiative eines solchen Vorschla⸗ Seinen Worten nach, wäre Belgien her geneigt, hierin die Initiative zu ergreifen. Seit 1843, seit dem age, wo auf der französischen Tribüne diese Worte gesprochen wur⸗ be geschah von Seiten der belgischen Regierung in Betreff dieser holl⸗Vereinigung nichts, kein desfallsiger Vorschlag wurde gemacht lec grörtert Ich wiederhole mithin, daß es unklug wäre, unter . evölkerung chimärische Täuschungen zu unterhalten. Ich wieder⸗ Hole aber, es ist dies eine Frage der Zukunft. Niemand kann, Nie⸗
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mand möchte aber sie heute entscheiden; sie kann von vielen Umständen ab⸗ hängen, die man heute nicht vorhersehen kann. Die Thatsache, wel⸗ cher gegenüber wir uns heute befinden, ist, daß Belgien seit einigen Jahren in ein System von Differenzial⸗Verträgen mit den großen uns umgebenden Mächten getreten ist. Der Vertrag mit Frankreich, die in Frankreich bestehende Gesetzgebung sichert Belgien auf dem französischen Markte Prämien für unsere drei großen Industrieen, die Linnen⸗Industrie, die der Kohlen und die des Gußeisens. Unser Vertrag mit dem Zoll⸗Verein hat unserer metallurgischen Industrie Differenzial⸗Vortheile gesichert. daß Verträge ähnlicher Art mit den anderen uns umge⸗ benden Staaten zu Stande kommen werden. Jeder unserer Industriezweige würde so auf den Kontinentalmärkten Privilegien und Differenzial⸗Verträge sinden, die mit der Zeit die Vortheile hervor⸗ rufen werden, die man als unverzügliches Resultat von einem Zoll⸗ Anschluß an Frankreich oder Deutschland erwartet. Dies System von Differenzial⸗Verträgen wird für unsere großen Industriezweige eben so wirksame Resultate erzeugen, wie der Zell⸗Anschluß selbst. In
politischer Beziehung bietet dieses System Belgien Garantieen der Unabhängigkeit und Neutralität, die denen, welche ein Zoll⸗Anschluß
an einen oder den anderen unserer Kontinental⸗Nachbarstaaten uns böte, weit überlegen sind.“ Dann sucht der Herr Dechamps durch faktische Belege zu beweisen, wie irrig die Annahme sei, daß nur im
Zollanschluß das Heil des Landes liege, indem er zeigte, wie die
verschiedenen Industriezweige des Landes seit 1831 in fast unglaub⸗ lichem Fortschreiten begriffen wären. Schließlich sprach noch Herr David stark gegen die Convention, die der Linnen⸗Industrie nichts nütze und die Wollen⸗Industrie sogar Frankreich zum Opfer bringe. Die Kammer vertagte sich sodann.
Auf die Bemerkung des Handelsblads, daß, obgleich die Grundlagen und Hauptpunkte des Vertrags mit Holland beiderseitig festgestellt, die definitive Abfassung noch nicht vollendet sei, und daß wohl noch mehrere Monate hingehen dürften, ehe derselbe ins Leben trete, spricht die Independance die Hoffnung aus, daß beide Re⸗ gierungen Maßregeln treffen möchten, um die gegenseitig bedrücken⸗ den Zollbestimmungen mindestens vorläufig aufzuheben.
Nach dem Messager de Gand sind am 1. Juli auf dem Kar⸗ toffelmarkte zu Gent Ruhestörungen ausgebrochen, die durch Leute, welche sämmtliche auf den Markt kommenden Kartoffeln aufkaufen und sie dann zu einem ungeheuren Preise wieder verkaufen, veranlaßt wurden. „Diese Handlung“, fügt das nämliche Blatt hinzu, „ist durch das Strafgesetzbuch vorgesehen, und die Polizei müßte so unerlaub⸗ ten Speculationen ein Ende machen.“
Schweden und RNorwegen.
Stockholm, 29. Juni. Folzendes ist die Reise⸗Route des schwedischen Königspaares: Der König hat am 27. Juni Stock⸗ holm verlassen und gedachte heute oder morgen in Axevalla zu sein, wo derselbe Militair⸗-Uebungen einiger Regimenter beiwohnen wollte. Am 3. Juli beabsichtigt der König über Boräs nach Halmstadt zu gehen und am Montage von da die Reise über Engelholm, Helsing— borg und Landskrona nach Malmö fortzusetzen. Ihre Majestät die Koͤnigin, der Herzog von Dalekarlien und die Prinzessin Eugenie ha⸗ ben ebenfalls am 27. Juni Stockholm auf dem Dampfschiffe „Ra⸗ keten“ verlassen und sind nach Norrköping abgereist. Von da wird die Reise nach Schonen fortgesetzt. Im Gefolge des Königs befin⸗ den sich: der erste Stallmeister Braunerhjelm, der Kabinets⸗Secre⸗ tair Sandels, der erste Leibarzt Thelning und der Adjutant Major Lovén; im Gefolge der Königin: die Hofdame Mörner, der Hof⸗ marschall Liljenkranz, der Kammerherr Wachtmeister und der Hofarzt Dr. Grill und außerdem die Kavaliere der Prinzen, Capitain Eketra und Capitain Posse, so wie die Hofdame der Prinzessin, Anker.
Dänemark.
Kopenhagen, 3. Juli. Se. Königl. Hoheit Prinz Gustav Fcbtin hat heute Gammel- und Nyholm, so wie das Zeughaus, be— sichtigt.
Durch Königl. Resolution ist bestimmt worden, daß in Zukunft zur Sicherheit der Hebungen für die Königl. Kasse, außer den in §. 2 der Verordnung vom 8. Juli 1840 vorgeschriebenen Effekten, auch Actien der Nationalbank angenommen werden dürfen, doch nur zum Belauf, worauf sie lauten.
Die Kur⸗ und Bade⸗Anstalt von Klampenborg hat bekannt ge⸗ macht, daß in diesem Monat von einem Punkte ihres Territoriums nach einem anderen desselben ein „Wettrudern“ gehalten werden soll, welches das erste ist, das hier in Dänemark stattfindet.
Schweiz.
Kanton Zürich. Die sämmtlichen Bischöfe der Schweiz, mit Einschluß des apostolischen Vikars in St. Gallen, haben eine la⸗ teinische Petition an die Tagsatzung eingegeben, betreffend die Kloster⸗ Aufhebung, die Staats⸗Administration und die Novizengesetze. Da sie anzunehmen scheinen, die Tagsatzung verstehe nicht Latein, so füg⸗ ten sie eine französische und ein deutsche Uebersetzung bei.
Kanton Bern. Der Große Rath hat in seiner Sitzung vom 1. Juli gegen den Sonderbund instruirt. Dem Antrage der Regierung gegenüber, welche die Gesandtschaft im Allgemeinen an⸗ wies, zu allen Maßnahmen gegen das Sonderbündniß, weil gegen den Art. 6 des Bundes, zu stimmen, wurde mit großer Mehrheit der Antrag Ochsenbein's angenommen, der sofortige Auflösung des Sonderbundes, selbst durch Waffengewalt, ausspricht. Nach Para⸗ graph 1, der die zu verlangenden offiziellen Aufschlüsse betrifft, heißt es: die Gesandtschaft soll 2) dahin wirken, daß das Sonderbündniß, als mit dem eidgenössischen Bundes⸗Vertrage unvereinbar, sofort auf⸗ gelöst werde. 3) Sie wird auch dazu stimmen, einen diesfälligen Beschluß mit allen dem eidgenössischen Bunde zu Gebote stehenden Mitteln zu vollziehen und die betreffenden Stände für alle nachthei⸗ ligen Folgen verantwortlich zu machen, die aus dem bundeswidrigen Sonderbunde entstehen dürften. Die Gesandtschaft wird endlich 4) dahin wirken, daß die ordentliche Tagsatzung nicht aufgelöst, sondern nur verschoben werde, bis einem diesfälligen Beschlusse vollständiges Genüge geleistet und diese Angelegenheit endlich erledigt sein wird.
Kanton Genf. Der Große Rath hat fast einstimmig in Betreff des Siebnerbundes folgende Instruction beschlossen: „Die Gesandtschaft soll dem Vorort ihren Dank für die in dieser Sache gethanen Schritte ausdrücken. Sie soll zu allen Maßregeln mitwir⸗ ken, welche zum Zweck haben, die betreffenden Akten zu koͤnstatiren und aufzuklären; sie soll, wenn es nöthig ist, zu diesen Maßregeln veranlassen. Wenn sich die Tagsatzung berufen findet, zu entscheiden, ob das betreffende Separatbündniß dem allgemeinen Bunde nachthei⸗ lig sei, soll die Gesa dtschaft das Protokoll offen behalten und un⸗ verzüglich an ihren Stand referiren. Sollte schon vor dieser Ent⸗ scheidung vorläufig der Antrag auf eine Einladung an die betreffen⸗ den Stände gestellt werden, dem Separatbündniß zu entsagen und dasselbe aufzulösen, so soll die Gesandtschaft zu diesem Antrage stimmen.“
Kanton Aargau. Auf die den öffentlichen Blättern entnom⸗
Die Regierung hofft,
mene Nachricht, daß die badische Regierung die Konzession ertheilt habe, daß die Schweizer⸗Nordbahn bei Koblenz über den Rhein auf badi⸗ sches Gebiet hinübergeführt und an die dortige Hauptbahn angeschlossen werden dürfe, soll sich die diesseitige Regierung in ihrer Sitzung vom 2. Juli veranlaßt gefunden haben, wiederholt eine Abordnung aus ihrer Mitte an die Regierung des Standes Basellandschaft zu entsenden, um deren Augenmerk abermals anf alle Folgen und Nachtheile hin⸗ zulenken, welche aus der Versäumung des noch vorhandenen günstigen Augenblickes, um die Bahn dem schweizerischen Gebiete zu erhalten, entstehen könnten, und derselben deren ernste Erwägung auf das drin⸗ gendste anzuempfehlen. 8
Kanton St. Gallen. Im Oberlande, in der Nähe des Sinzerkammes, wurde von Weißtanner Alpenknechten ein herrlicher Steinbock gesehen. Auch scheinen sich die Gemsen seit Einführung de St. gallischen Freiberge und der Beschränkung der Hochjagd bedeutend zu vermehren; es wurden Truppen von 10 bis 12 Gemsen im Kal⸗ fenser⸗ und Weißtannerthale gesehen. Zwei Lämmergeier haben in F. 8 Lavtina nach einander vier Schafe von der Heerde weg⸗ geholt.
Nom, 27. Juni. (A. Z.) Es ist von hier der Befehl ab⸗ gegangen, daß die außerordentlichen Kommissionen in den Provinzen Kusgeföft und alle Prozesse wegen politischer Vergehungen suspen⸗ irt sind.
„Es ist vorgestern direkt vom Papst einem unternehmenden Manne die Erlaubniß zur Vorlegung der Eisenbahn⸗Pläne im Kirchenstaat ertheilt worden. Der vom vorigen Papst bereits gethane Ausspruch, daß nur Inländer zur Ausführung und zur Leitung von Eisenbahnen verwendet werden sollen, ward vom gegenwärtigen Papst bei dieser Gelegenheit bestätigt. In zwei Monaten sollen die Projekte bei der Regierung eingereicht sein. In der Stadt heißt es fälschlicherweise, die Erlaubniß zur Anlegung einer Eisenbahn von hier nach Civita⸗ vecchia sei bereits ertheilt. Der heilige Vater fährt fort, täglich Audienzen zu ertheilen; in einer derselben hat er dem verdienten und bescheidenen Verfasser des rühmlich bekannten Werks: „L'Italia illustre“, Professor Betti, beständigem Secretair der Akademie von S. Luca, das Commandeurkreuz des St. Gregorius⸗Ordens ertheilt. Von Allen, die bis jetzt die Ehre hatten, sich dem Papst zu nähern, wird, außer seinem wohlwollenden Benehmen, seine Welterfahrung und seine freie leichte Art im Umgang mit Menschen hervorgehoben. Welche Hoff⸗ nungen die Erwählung in den Provinzen hervorgerufen, zeigen die Berichte aus Bologna, wo man am Abend des Tages, an welchem die Nachricht dort eintraf, die ganze Stadt freiwillig beleuchtete, was zu Ehren der letzten Päpste dort nie geschehen war. In Sinigag⸗ lia, der Vaterstadt des heiligen Vaters, ließ man es nicht bei der Illumination bewenden, sondern es bildete sich eine Gesellschaft, die beschloß, seine Statue in Metall ausführen zu lassen, auch eine an⸗ tike Wasserleitung, wodurch die Stadt mit gutem Trinkwasser ver⸗ sehen werde, wieder herzustellen und sie Acqua Pia (nach Pius IX.) zu benennen. Am ersten Tage gleich hatte man zu die⸗ Zweck die ansehnliche Summe von 80,000 Secudi unterschrieben.
Vorgestern hat die ernannte Consulta di Stato sich zum ersten⸗ mal versammelt und über die Organisation der Armee sich Bericht von dem Mons. Medici Spada, Presidente delle Armi, erstatten lassen. Wie man vernimmt, sollen mehrere Abtheilungen der Frei⸗ willigen mobil gemacht und nach den Legationen geschickt werden.
Zu seinem Privat⸗Secretair hat der Papst seinen früheren Leh⸗ rer, den Abate Graziosi, ernannt.
Der. Kardinal Bonald, Erzbischof von Lyon, ist hier eingetroffen.
Der bekannte Architekt und Schriftsteller Osten aus Hannover hat uns vor kurzem verlassen, um in seinem Vaterlande mehrere Bauten auszuführen und zugleich sein Werk über longobardische Ar⸗ chitektur im nördlichen Italien herauszugeben.
Der Direktor des Museums und des Münz⸗ und Antiken⸗Kabi⸗ nets in Dresden, Hofrath Dr. H. W. Schulz, ist auf Besuch hier eingetroffen. 8 8
Spanien.
35 Madrid, 28. Juni. Gestern ist eine Königliche Verord⸗ nung erschienen, welche die Hauptorte der 349 Wahlbezirke, in die das Land eingetheilt ist, und deren jeder einen Deputirten zu ernen⸗ nen hat, festsetzt. In einem an die Provinzial⸗Chefs gerichteten Rundschreiben wird zugleich bestimmt, daß die Wahllisten am 15. No⸗ vember für geschlossen erklärt werden sollen. Demnach werden die Cor⸗ tes nicht vor dem Ende Dezembers zusammentreten können, ein Umstand, der der Oppositions⸗Presse Veranlassung giebt, in die bittersten Klagen gegen die Minister auszubrechen. Man hält ihnen vor, daß sie die Steuern des laufenden Jahres eintreiben, ohne durch die Cortes zu ihrer Erhe⸗ bung ermächtigt worden zu sein. „Wodurch“, fragt der Espanol heute, „unterscheidet unser Ministerium sich von den absoluten Regierungen? Herr Isturiz, Präsident des gegenwärtigen Kabinets, sagte uns in einer berühmt gewordenen Sitzung, das Ministerium Narvaez⸗Mon verfahre unter repräsentativen Formen wie eine absolute Regierung. Diese Worte wenden wir jetzt auf den an, der sie aussprach. Wenn die kostbarste Garantie des Volkes in der Dazwischenkunft besteht, welche es bei den Abgaben und Ausgaben zu äußern hat, und diese Dazwischenkunft nichtig gemacht wird, wozu, fragen wir, will das Volk alsdann die Repräsentativ⸗Monarchie?“
Die beabsichtigte Verlegung des Aufenthaltes der Königlichen Familie nach la Granja hat zu verschiedenen Berathschlagungen der Minister Veranlassung gegeben und wird allem Anschein nach nicht stattfinden. Der französische Hof soll nämlich neuerdings den Wunsch zu erkennen gegeben haben, daß die Königin Isabella, von ihrer Mutter und Schwester begleitet, auch in diesem Sommer die baski⸗ schen Provinzen bereisen und somit die Gelegenheit finden möchte, mit dem das Seebad in S. Jean de Luz benutzenden Herzoge von Nemours zusammenzutreffen. Die Leibärzte der Königin sprachen sich zwar in Betracht der unerträglichen Hitze gegen eine so weite Reise aus, und der Minister⸗Präsident, Herr Isturiz, soll, im Einverständ⸗ niß mit der Königin Christine, entschlossen gewesen sein, den Wunsch des französischen Hofes mit Hinweisung auf dieses ärztliche Gutach⸗ ten für unzulässig zu erklären und auf dem Ausfluge nach la Granja zu beharren, allein der Finanz⸗Minister, Herr Mon, und sein Schwa⸗ ger, der Minister des Innern, führten dagegen an, daß der franzö⸗ sische Hof sich für beleidigt halten müßte, wenn die Königin ihren Aufenthalt nach irgend einer anderen Gegend als der von ihm be⸗ zeichneten verlegen würde. Man glaubt deshalb, daß die Königliche Familie Madrid entweder gar nicht verlassen oder sich in die baski⸗ schen Provinzen begeben wird. Für jetzt scheint noch kein Entschluß gefaßt zu sein.
Der Heraldo, das Blatt des Generals Narvaez, versicht Tag für Tag die Behauptung, Mexiko könne sich nur vermittelst der Auf⸗ richtung eines mit einem spanischen Infanten zu besetzenden Thrones gegen die Uebermacht der Vereinigten Staaten retten. Es muß ge⸗ wiß überraschen, daß dieses Blatt einem der spanischen Infanten (und nur die Söhne des Infanten Don Francisco können ihm als solche erscheinen) die Fähigkeit zutraut, einen so zerrütteten Staat, wie die mexikanische Republik, vom Untergange retten und gegen den Wil
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