davon, an mehreren Gebäuden bedeutende Risse bemerkbar sind. Namentlich ist dies in den höher liegenden Theilen des Orts der Fall, wo die Wirkung überhaupt stärker gewesen zu sein scheint, als in der Niederung, wo sich Schreiber dieses befand. Der Schrecken der Bewohner war natürlich nicht gering. Die ganze Bevölkerung verließ die Häuser, und die Besorgniß, daß sich dieses seltene Phänomen mit ernsteren Folgen wiederholen möchte, hielt Alles stundenlang in einer peinlichen Spannung. Glücklicherweise ist bie jetzt nichts dergleichen eingetreten. Doch will man in der Nacht zwischen 1—2 Uhr einen zweiten schwächeren Stoß verspürt haben. Nach den heute Morgen hier eingelaufenen Nachrichten ist die Erschütterung auch in der ganzen Umgegend und zum Theil noch stärker als hier verspürt worden. Sie scheint sich über den ganzen Hunsrück und noch viel weiter erstreckt zu haben, worüber Sie sicherlich aus ande⸗ ren Gegenden weitere Nachrichten erhalten werden. Man weiß sich hier ähnlicher Erscheinungen durchaus nicht zu entsinnen; nur die Sage aus dunkler Vorzeit will davon wissen.
8 Deutsche Bundesstaaten.
Großherzogthum Baden. Auf die Tagesordnung der Sitzung der zweiten Kammer vom 30. Juli war einige Zeit vor⸗ her die Berathung über die Angelegenheiten der katholischen Dissi⸗ denten in Baden gesetzt worden. Der Geheime Rath Bekk, der an der Berathung als Regierungs⸗Kommissar Theil zu nehmen be⸗ absichtigte, war jedoch mittlerweile erkrankt, und es wurde demnach schon in der Sitzung vom 29. Juli der Antrag gemacht, die Ver⸗ handlungen bis zu der bald zu hoffenden Genesung des Regierungs⸗ Kommissars auszusetzen. Die Oppositions⸗Partei wollte indeß hier⸗ auf nicht eingehen, obwohl der Abgeordnete Buß erklärte, im Fall die Tagesordnung für den folgenden Tag beibehalten werden sollte, würden er und alle übrigen Abgeordneten seiner Par⸗ tei in der Sitzung nicht erscheinen. Sie erschienen denn auch, bis auf den Abgeordneten Stößer, wirklich nicht; nichtsdestoweniger war die zu einer Sitzung ersorderliche Stimmenzahl beisammen. Durch die Vermittelung des Präsidenten Mittermaier wurde aber nach einigen ziemlich lebhaften Erörterungen beschlossen, die Tagesordnung bis zu der folgenden Woche auszusetzen, womit die Sitzung geschlossen
wurde. . 8 “ 1 Großherzogthum Hessen und bei Rhein. Die Großherzoglich Hessische Zeitung bemerkt in ihrem Blatt vom 1. August: „Wir erhalten über die Erderschütterung vom 29. Juli, welche von großer Ausdehnung gewesen zu sein scheint und überall das größte Interesse erregt, fortwährend von allen Seiten Berichte, so namentlich, was die Starkenburg betrifft, aus Darm⸗ stadt, Babenhausen, Schloß Lichtenberg, Oberbeerbach, Reichelsheim, Erbach, Michelstadt, König; — in Ober⸗Hessen aus Hungen, Obbernhofen, Laubach, Grünberg, Watzenborn; in Rhein⸗Hessen aus Odernheim, Dalheim, Dexheim, Oberingelheim, Niederingelheim Bingen ꝛc. Sie stimmen, wiewohl im Einzelnen variirend, im We⸗ sentlichen mit dem bereits Veröffentlichten überein: Zeit des Phä⸗ nomens 5 Minuten nach halb 10 Uhr, Dauer 2—8, ja 15—30 Se⸗ kunden, heller Himmel, ruhige Luft, keine Veränderung des Barome⸗ ters (zwischen 27 — 28 Zoll, Thermometer 16—190° R.), warmer Ostwind; mehrere kurz auf einander folgende oscillatorische Erdbewe⸗ gungen von Osten nach Westen (nach Anderen umgekehrt, auch von Süden nach Norden ꝛc.), gewaltiges Getoͤse (nicht überall vernommen, von Anderen vielfach mit dem nahen Vorbeifahren eines schwer bela⸗ denen Wagens verglichen), starkes Beben der Gebäude, Rütteln und selbst Fallen von Geräthe, Klingen der Glocken, Aufspringen der Thüren ꝛc., großer Schreck der Einwohner, die weitere und heftigere Stöße fürchten und zum Theil entsetzt auf die Straßen eilen, Angst der Thiere, besonders der Vögel ꝛc. — In Nieder⸗ ingelheim fanden sich mehrere Aeltern, deren Wohnungen an die Ringmauern des ehemaligen Palatiums anlehnen, veranlaßt, ihre Kin⸗ der aus den Betten zu reißen und mit ihnen ins Freie zu eilen, da ihnen jene Mauern im Zusammenstürzen begriffen schienen. Leute, welche mit dem Rücken an Wände gelehnt saßen, fühlten sich in dem⸗ selben Augenblicke vorwärts gedrückt und rückwärts gezogen, so wie im Freien Sitzende oder auf der Straße Gehende von einer wellen⸗ förmigen Bewegung ergriffen. In Bingen war die Erderschüt⸗ terung von einem starken Getöse begleitet, demjenigen zu vergleichen, welches man beim Entlassen des Dampfes aus dem Kessel einer Lokomotive vernimmt. Die Häuser der Stadt er⸗ bebten bis auf den Grund, in manchen stürzten freistehende Gegen⸗ stände um, und die Bewohner flüchteten erschreckt auf die Straße.“ Am 28. Juli fand man zu Heubach bei Umstadt bereits völlig reife Trauben im Freien, was für die dortige Gebirgsgegend gewiß eine große Seltenheit ist. (In diesem Jahre scheinen die Weintrau⸗ ben überhaupt 4 bis 6 Wochen früher als sonst zu reifen. Nament⸗ lich gilt dies auch von den Rheingegenden.) ““ 8
Oesterreichische Monarchie. 1 Wien, 31. Juli. Am 16. Juli hat binnen zwei Stunden eine
verheerende Feuersbrunst im Städtchen Glogow, Rzeszower Kreises, 103 Wohngebäude, 21 Scheuern, 71 Stallungen, 46 Speicher und Kram⸗
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buden, nebst zwei jüdischen Synagogen, jüdischem Badhaus, Kranke⸗as pital, Gemeindehaus und Leichenhofumzäunung in Asche gelegt. Ein heftiger Westwind, welcher über die Stadt wehte, hatte in einem Zeitraume von einer halben Stunde das Feuer in den ausgetrockneten Gebäuden (seit dem Frühjahr war kein ergiebiger Regen gefallen) zur unlösch⸗ baren Flamme angefacht. Die vom Felde rückgekehrten aufgeschreck⸗ ten Bewohner hatten kaum Zeit, sich und die Ihrigen zu retten, und selbst dies ist nicht vollständig gelungen, da mehrere Menschenleben zu Grunde gegangen sind. Der Schaden beträgt, amtlich erhoben, 50,570 Fl. C. M., über tausend Seelen sind ohne Obdach, ohne Nahrung, ohne Mittel zum künftigen Gewerbe und sehen mit Ver⸗ zweiflung den nächsten Tagen entgegen, wenn nicht der Edelmuth ihrer Mitmenschen sie vor dem Hungertode schützt.
Wien, 30. Juli. Die bekannt gemachten Rechnungs⸗Abschlüsse der ersten österreichischen Sparkasse und der mit derselben vereinigten Renten⸗Versorgungs⸗Anstalt für das Jahr 1845 bieten solche steigend günstige Resultate, daß dieselben bei dem großen Interesse unserer Zeit an derartigen Anstalten auch in weiteren Kreisen bekannt zu werden ver⸗ dienen. Bei der Sparkasse wurden von 114,945 Aulegern 7,674,966 Fl. 47 Kr. C. M. eingezahlt und 75,080 Rückzahlungen im Betrage von 6,281,051 Fl. 15 Kr. geleistet; die in 162. apitalienbüchern offenen Konti stiegen auf 132,051, somit eine Vermehrung von 10,345 gegen das vorhergehende Jahr. Dieses erfreuliche Ergebniß in Beziehung der für die Sittlichkeit und das Familienwohl der minder begüterten Klassen wird in Bezie⸗ hung auf die national⸗ökonomische Wichtigkeit noch erhöht, in⸗ dem das gesammte Kassen⸗Revirement während dieses Jahres auf 193,486,670 Fl. 11 Kr. stieg. Von dem verwalteten Gesammt⸗ Fonds erscheinen 13,924,785 Fl. 42 Kr., also etwa 46 pCt., auf Grundstücke hypothekarisch angelegt, während die anderen 54 „Ct. in schneller beweglichen Arten, unter Beobachtung der angemessenen Vorsicht, fruchtbringend verwendet wurden, wobei die im Jahre eskomptirten Wechsel 88,916,005 Fl. 21 Kr. betrugen, davon nach Abzug der einkassirten 79,064,779 Fl. 8 Kr. die zu Ende des Jahres noch nicht fälligen 9,851,286 Fl. 13 Kr. verblieben. Die auf Staats⸗ papiere und Actien gegebenen verzinslichen Vorschüsse betrugen 11,160,685 Fl. Durch den neuen Erwerb des reinen Jahres⸗Erträg⸗ nisses von 90,410 Fl. 46 Kr. war das als Reserve⸗Fonds dienende eigene Sparkassen⸗Kapital auf 1,825,153 Fl. 24 Kr. gestiegen. Die Regiekosten betrugen 124,347 Fl. 57 Kr. 8
Auch die Renten⸗Versorgungs⸗Anstalt erreichte eine größere Zu⸗ nahme als in irgend einem der früheren Jahre, und die Zahl der neuen Einlagen betrug 16,046 mit 373,025 Fl. 20 Kr. und 230,007 Fl. 33 Kr. Zuzahlungen zu den Einlagen früherer Jahrgänge. Seit dem Lljährigen Bestande der Anstalt wurden 180,956 Einlagen ge⸗ macht, davon bisher 18,442 in Abgang kamen. Der Kapitalsbetrag stieg auf 7,928,657 Fl. 39 Kr. Bereits vor 2 Jahren hatten meh⸗ rere Einlagen von 200 Fl. die volle Jahresrente von 500 Fl. er⸗ reicht. Durch das Aussterben der 7ten Altersklasse aus 4 früheren Jahrgängen und die in Folge dessen stattgehabten Ueberströmungen auf die folgenden Jahres⸗Gesellschaften und Altersklassen fand aber⸗ mals ein bedeutendes Steigen der Dividenden statt, die bei der 7ten Altersklasse von 1829 die Einlage von 200 Fl. schon um 68 Fl. 47 Kr. übersteigt und selbst bei der 6ten Altersklasse von 1831 über 100 Fl. Jahres⸗Dividende beträgt. Die Anzahl der Komman⸗ diten dieser Anstalt in allen Städten der Monarchie hat sich bis auf die Zahl von 286 vermehrt, und der Reserve⸗Fonds stieg auf 56,454 Fl. 23 Kr. Da die berliner, ganz nach den Prinzipien der hiesigen begründete Renten⸗Anstalt mancherlei Anfechtungen und Zweifel gegen die aufgestellten Berechnungen erfuhr, so bilden die angeführten Ergebnisse eine genugsam sprechende Beantwortung ge⸗ gen die versuchten Einwendungen über die Wirksamkeit derartiger Institute.
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Paris, 30. Juli. Das Journal des Débats beginnt seinen Bericht über das neue Attentat auf den König mit folgenden Worten: „Nein, das Land wird es nicht glauben, daß diese ver⸗ ruchte That noch einmal möglich gewesen, und doch ist es wahr: man hat wieder auf den König geschossen! Der sichtbare Schutz der Vor⸗ sehung, der Wuth und Grimm der Meuchelmörder zu Schanden macht, hat zum siebentenmal dieses für Frankreich so theure und kostbare Leben gerettet. Weder der König, noch irgend Jemand von seiner Umge⸗ bung wurde getroffen. Diese Nachricht wird eine tiefe Bestürzung im Lande verbreiten; wir nnsererseits haben Mühe, unsere Bewegung und unsere Betrübniß zu bemeistern.“ Man erfährt, daß in dem Augenblick, wo der Mörder auf den König feuerte, vier junge Leute, die auf der anderen Seite des Gartens aufgestellt waren, auf⸗ rührerische und für die Person des Königs beleidigende Worte ausstießen und das Volk um sich herum aufhetzten. Alle vier sind verhaftet und zur Verfügung der Justiz gestellt. Wie die Epoque sagt, läge diesem Attentat kein politisches oder Privat⸗ Motiv zu Grunde, sondern der Thäter wollte, wie er vor⸗ giebt, seinem elenden Leben ein Ende und von sich reden machen. Die Pistolen, deren er sich bediente, sind von starkem Kaliber; er sagte aus, daß er sie mit einem Stück Eisen geladen
habe. Da er aus einer Entfernung von 45 Metres schoß, die . stolen angeblich aber nur 15 Metres weit tragen, so ist die N. muthung laut geworden, er sei nicht im vollen Besitz seiner G steskräfte.
Die konservative Politik, als die Grundlage, auf der das jetc Ministerium die Angelegenheiten des Landes leitet, wurde von Hen Guizot in seiner Wahlrede folgendermaßen geschildert und gereh ertigt. — Ion allen Seiten entstiegen (nach den Julitagen) dem erschütten Boden Leidenschaften, Ansprüche, Ideen, Versuche, die einen patriotisch, anderen cigensüchtig, die einen edle Gesinnung kundgebend, die andm verwerfliche Pläne brütend. Das Land mochte besorgen, seine Sichente und seine Ehre, seine Gegenwart und seine Zukunft gefährdet zu sehe es konnte fürchten, von neuem in das revolutionaire Chaos gestüng werden. Zum Glück eytstand in demselben Augenblick, am Nande chaotischen Bewegung, die Politik der Ordnung, der Erhaltung, der gi lichen Freiheit. Es bildete sich die konservative Partei. Sechzehn u Jahre über, in Mitte vieler und starker Schwankungen, bewährt unter h dernissen, gereift unter Ersahrungen, hat sich diese Partei entwickelt. † gewachsen in Zahl und Stärke, hat sie gekämpft und gesiegt. Auf wel Wegen hat sie dieses Ziel erreicht? Es ist ihr gelungen, durch unsen! stitutionen, durch die Publizität, durch öffentliche Verhandlung, durch Wahlen, die Freiheit der Presse, der Tribüne, der Stimmen⸗Abgehn durch unausgesetzte Berusung an die Einsicht, an den gesunden . stand, an die reellen Wuͤnsche, an das wahre Interesse des e des. Die konservative Politik hat sich stets im Schooße Nation, in dem ernsten Gedanken, in dem überlegten Willen des Gena wesens neu gestählt und befestigt. Wir müssen auch eine Regierung Freiheit, eine liberale Regierung sein, und wir sind es. Ich lege besonda Gewicht auf diesen beiden Worte. Frankreich füͤhlt das Bedürfniß, nga zu werden. Es verlangt keine neue Revolution, keine große Aenderunga Nein! Es will eine Regierung, würdig des Namens, eine geregelte, si von dem Gefühl ihres Rechts durchdrungene, ihre Aufgabe erkennende i selbst achtende, von Anderen geachtete Regierung, eine Regierung, diecgh schlossen ist, alle ihre Pflichten wirksam zu erfüllen. Das ist es, was guah reich bedarf. Nicht weniger aber bedarf es einer liberalen Regierung, einer Regierung, die ohne Rückhalt und nach dem vollen Sinn die u. tutionen und die Freiheiten annimmt und gelten läßt, welche die Bürgste sind für den gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft und ihre Eroberug Die nationalen Freiheiten ohne Rückhalt annehmen, heißt nicht, unauste lich davon sprechen; es heißt, sich praktisch üben, sie in anderen achten! in eigener Person standhaft behaupten und anwenden. Man spricht de von einem Geist stationairer Unbeweglichkeit; aber einsthaft daran ga hat gewiß Niemand. Wenn die Freiheit in einem Lande uft wenn sie im Schooße der Ordnung besteht, kann der Fortschritt n ausbleiben; er kömmt mit jedem Tage mehr zu Stande, natürlich, auti nerem Trieb hervorgehend in der ungehinderten Entwickelung der in duellen Freiheiten, unter dem Schutz der öffentlichen Ordnung. Dai dann freilich nicht, ich gebe ecs zu, jener phantastische Fortschritt, von hier und da mehr oder weniger redliche, mehr oder weniger helleehe Geister träumen. Nein! aber es ist der Fortschritt, den d Land wirklich will, den es fordert, den es sucht; es itt Fortschritt, der seinen wahren Bedürfnissen, seinen natürlichen 1” tungen entspricht; und dieser Fortschrit ist es, den wir im 9 halten und mehr und mehr erreichen. Handelt es sich von den materith Interessen? Zu welcher Zeit hat man gesehen, daß sie raschere Fortsch machten, sich vielseitiger entwickelten, größere Thätigkeit entfalteten, nicht durch die Anstrengungen der Bürger und die individuelle Industrie, some unter dauernder und energischer Mitwirkung der Regierung und aller ßen Staatsgewalten? Handelt es sich vom politischen Fortschritt? Ich! denselben in Ein Wort zusammenfassen. wesentlichste, für uns dringendste, war die Schöpfung und Bildung! großen Partei der constitutionellen Regierung, nämlich der konserven Partei. Allgemein wird zugegeben: die wahre constitutionelle Regierung da zu finden, wo sich zwei Parteien einander gegenüberstehen, eine Rü
rungspartei und eine Oppositionspartei, jede mit ihren Prinzipien, mit i
Fahne, mit ihren Führern, täglich unter sich diskutirend über Inten und Angelegenheiten des Landes, eine Idee der anderen, 4 Urtheil, ein System dem anderen entgegenstellend. Das war es, an alle Freunde unserer Institutionen herbeiwünschten. In der That i der regelmäßige Zustand der repräsentativen Regierung; es beruht iin das gegenwärtige Bedürfniß, die künftige Sicherheit des Landes. dih Fortschritt ist es, der bei uns sich zu vollenden anfängt; er ist wichtg den Augenblick, wichtiger noch für die Zukunft. Wir werden eines .m der ganzen Stärke, der ganzen Konsistenz, des ganzen Ansehens der lone vativen Partei bedürfen. Wir werden uns dann Glück wünschen, daß diese Partei im voraus gebildet, geübt, an den Kampf gewöhnt huü Zeiten, wo dies Alles leichter geschehen mochte, als es sich würdt h jassen in jenen anderen, wenn ihre Weisheit und ihre Stärke vielleich die Probe gestellt werden wird. („In dieser Hindentung auf die Zeit ig möglichen Regentschaft“, bemerkt hierzu die Frankfurter O ber⸗Pf Amts⸗Zeitung, „liegt die Haupt⸗Tendenz der Guizotschen Rede: Wällern wird zu bedenken gegeben, daß in die fünf Jahre der ne Kammer ein Ereigniß fallen kann, das den Werth der konservativen Pe erst recht dürfte erkennen lassen.) Doch ist dies, ohne Zweifel, nicht einzige politische Fortschritt, den wir zu machen haben. Noch viele an sind angefangen, noch viele andere sollen nach und nach realisirt weit Wir streben vorerst nach den wesentlichsten, nach den dringendsten.! fonservative Politik weist aber überhaupt keinen Fortschritt zu sie wünscht vielmehr, alle zu erreichen; sie wird alle annethm— sie wird sie alle prüfen und diskutiren, mit dem aufrichtigen Wunsch, ihnen zugesellen zu können. Sie will nur, und das ist ihre Pflicht, doe wirkliche, ernstgemeinte Fortschritte seien, übereinstimmend mit den we lichen Grundsätzen und den allgemeinen Bedürfnissen unserer Geselst Und glauben Sie nicht, meine Herren, daß die konservative Politik sic, mit den materiellen oder selbst mit den politischen Fortschritten ausschlih beschäftigt; sie richtet ihr Augenmerk auch und vornehmlich auf die ue
—
kannten Inhalts zu verweilen, genügt es, der endlichen sorgfältig und im Charakter des Originals erfolgten Herausgabe des sogenannten Harppien⸗ grabs aus Panthos im britischen Museum (Monum. Vol. IV. tav. 2 — 3), ber Reliefdarstellung des versinkenden Amphiaraos, aus Oropos (ebend. av. 5), der Midasvase aus Palermo (tav. 10) und der theatralischen aus Lentini (tav. 12), des Campanaschen Sarkophags mit römischen Hochzeits⸗ scenen (tav. 9) und als wichtigen nach den Bemühungen eines Jahrzehends endlich zugänglich gemachten inschriftlichen Fundes der Tabula Bacbiana alimentaria (Annali XVI. tav. A.) zu gedenken, der ein gründlicher Kom⸗ mentar Dr. Henzen's, jetzigen zweiten Secretairs des Instituts, beigeht. Unter den Mitarbeitern der Annalen werden manche in den früheren Bän⸗ den bethätigte Namen mit Bedauern vermißt; doch ist die Mitwirkung von Veteranen, wie Borghesi und Welcker, von Cavedoni, Secchi, Canina, Melchiorri und anderen älteren Gelehrten vielfach bemerklich neben der erfreulichen Erscheinung eine Reihe jüngerer Alterthumsforscher der Archäologie zugewandt zu finden, unter denen die Namen Brunn, Mommsen, Stephani und Ussing vorzüglich bethätigt erscheinen. Eine besondere Beachtung verdienen endlich die im Bullettino seit mehreren Jahren regelmäßig erscheinenden Protokolle der wöchentlichen Winter⸗Ver⸗ sammlungen des Instituts, welche zuͤgleich ein lebendiges Bild der dabei regsam betheiligten Kräfte und einen überaus reichhaltigen Bericht über die neuesten Entdeckungen und Verhandlungen der Denkmälerkunde enthalten. Der so eben zu Paris erschienene Annalenband für 1845 enthält außer den Erläuterungen eines mit Vasenbildern von Lykurg, Paris, Tiresias, Belle⸗ rophon, Adonis und mit anderen Bildwerken reich ausgestatteten Denkmäler⸗ heftes Aufsätze des Herzogs von Luynes über die Harppien, des Herrn de Saulcy über gallische Münzen, des Herrn de la Saussaye über phönszische Inschriften u. a. m. Als Verfasser jener zum Theil sehr aus⸗ führlichen Erläuterungen machen die Namen Lajard, Letronne, Le⸗ normant, Longpérier, Roulez, De Witte, von deutschen Mit⸗
arbeitern die Herren Jahn, Panofka und Welcker sich bemerklich. Als ein wichtiges archäologisches Werk, welches zwar außerhalb der
regelmäßigen Druckschriften des Instituts liegt, aber unser dessen Auspizien
entstanden und in den Buchhandel gelangt ist, darf hier auch die Bekannt⸗ machung von „Zwölf Basreliefs griechischer Eifindung aus Palazzo Spada, dem kapitolinischen Museum und Villa Albani“ nicht unerwähnt bleiben. Die würdige Ausrüstung dieses Werkes unternommen und großmüthig unter⸗ stützt zu haben, ist ein nicht geringes Verdienst des kunstliebenden Baron von Lotzbeck aus München; neben einer sehr befriedigenden künstlerischen Ausführung kommt den darin behandelten schönen Bildwerken griechischer Heroensage auch ein von Dr. Braun abgefaßter gelehrter und geistreicher Text zu statten.
Sonstige Nachrichten über das archäologische Institut sind in einem von dessen Vice⸗Präsidenten, dem Königl. hannoverschen Residenten zu Rom, Geheimen Legations⸗Rath Kestner, herausgegebenen Notizen⸗Büchlein (Notice sur l'lnstitut archéologique Rome 1846. 36 S. 8.) zusammen⸗ gestellt. Es ist darin unter Anderem auch der Wunsch ausgesprochen, die Bibliothek des Instituts, welche reisenden vaterländischen Gelehrten seit einer Reihe von Jahren zu wesentlicher Beihülfe römischer Studien gereicht, mehr als in den letzten Jahren geschah, von Deutschland aus durch größere oder kleinere Beiträge neu erschienener, hauptsächlich philologischer Werke berei⸗ chert zu sehen; ein Wunsch, der gewiß alle Unterstützung verdient.
Neben der Erörterung so vieler und gedeihlicher Leistungen des Insti⸗ tuts hat sich gleichzeitig nicht verhehlen lassen, daß die Zahl der Subskribenten, auf deren Beiträge die Existenz des Instituts hauptsächlich angewiesen ist, von Jahr zu Jahr bis jetzt gesunken sei. Da der Grund dieses ungünsti⸗ gen Verhältnisses großentheils in dem Kosten⸗Aufwande der zu einer be⸗ trächtlichen Anzahl von Bänden gediehenen Annalen zu suchen ist, so hat die Direction des Instituts neuerdings Anstalten getroffen, daß vom 16ten Bande der Annalen an eine neue Reihe derselben, durch selbstständige Be⸗ zifferung neben der älteren so bezeichnet, anhebt.
Die ausgedehnten Verbindungen des Instituts, welche in dieser Anstalt einen fortwährenden Stapelplatz wissenschaftlichen Verkehrs zwischen Italien und dem Norden begründet haben, sind neuerdings wiederum durch Ermit⸗ telung mehrerer Korrespondenten für klassische Lokalitäten vermehrt worden, in denen das Instizui bis jeht keine genügende Ansprache hatte; so im
neral⸗Konsul Dr. Schulz zu Jerusalem.
Königreich beider Sieilien für Aquila, Catanzaro, Chieti, Eboli, Gallipoli sina, Telese und andere der Alterthumsforschung wichtige Mittelpunktt,! Direction des Instituts ist durch Herrn R. W. Hamilton in Lond vermehrt, der an des verstorbenen Millingens Stelle zum Secretair der d
lischen Section ernannt wurde. Zu Ehren⸗Mitgliedern der Direction den die Herren Leemans zu Leiden, Marquis Northampton zu don und der K. K. Gesandte zu Athen, Herr von Prokesch Osten, ner die Herren Campana zu Rom, Migliarini zu Florenz und 99 Secchi zu Rom ernannt; zu Ehren⸗Mitgliedern des Instituts der Kön⸗ sächsische Staats⸗Minister Herr von Lindenau und der Königl. Pen tanische Gesandte zu Neapel, Herr Temple; zu korrespondirenden Mig dern, außer den vorgedachten für antiquarische Mittelpunkte Neapelt Siciliens, die Herren Ackermann und R. R. Haight zu London, Rittmeister von Rauch und der Oberlehrer Dr. A. W. Zumpt zu7 lin, Architekt Ch. W. Schmidt zu Trier und der Königl. preußische
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Bonn, 29. Juli. (Rhein. Beob.) Vor etwa fünf T vim⸗ den auf dem Kirchhofe zu Bergedorf, zwei Stunden oberhalb Köln, mehe Römersärge ausgegraben. Einige davon waren in Tuff⸗, andere in &0 stein ausgehauen. In einem der Tuffsteinsärge, der einen Trachitdeckel he befand sich ein vollkommen erhaltenes Menschengerippe von fast b11 Länge. Neben ihm lag ein lurzes, sehr schweres eisernes Schwen, eiserne Lanze ohne Stiel und der obere Theil eines eisernen Helms, Ueberrest vom Rost zerfressen worden. Ferner befand sich in dem G. ein kelchartiger Becher von schwarzer glänzender Erde und eine äban Schaale, welche letzte jedoch zerbrochen war. Ein dolchartiges Instrune von der Form wie ein Wetzstahl unserer Metzger, lag weiter unten. dem Deckel eines anderen Sarges, auf welchem jetzt ein Kreuz befesti liest man die Inschrift: VEGETUS PRO 8E EF Avis V. 8. 1. S
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Der erste aller Fortschritte,
hen Interessen, auf das sittliche Gedeihen der Gesellschaft; sie will den — schꝛt des moralischen Werths der Menschen wenigstens eben so sehr, den ihres Wohlseins und ihrer Freibeit. Wie sollte es auch anders „Wie sollte nicht die konservative Politik sich dieses Ziel vorsetzen, wie
sie es nicht erreichen? Welche Grundsätze erkennt sie an? Auf welche
nnungen stützt sie sich? Sie fordert Achtung für Ordnung und Gesetz,
Rechte und Pflichten, für religiöse Glaubens⸗Ansichten. Giebt es 2 ralischeren Einfluß, als den derartiger Grundsätze und Gesinnungen? Und te nicht eine Politik, die ihre Fahne und Regel darin erkennt, auf die ralische Verbesserung der Gesellschaft wirten? Solcherlei sind, von welchem chtspunkt aus man auch die Dinge betrachten mag, ob in Bezug auf iheit und Ordnung, oder auf materielle und moralische Interessen, in m, was das Leben und die inneren Verhältnisse der Gesellschaft berührt, Wirkungen und Erfolge der konservativen Politik, beurtheilt, nicht nach n Zusagen, sondern nach ihren Handlungen.“
Herr Maurokordatos, Mitglied der griechischen Deputirten⸗Kam⸗ „ist zu Paris angekommen. Er ist beauftragt, einen Bericht über öffentlichen Unterricht in Griechenland zu erstatten, und will die alten des öffentlichen Unterrichts in Frankreich besuchen. Ueber die Ursachen des Brandes des Hippodroms weiß man noch zts Bestimmtes; daß das Feuer angelegt war, wird von allen dien versichert. Die gerichtliche Untersuchung wird mit allem Eifer tieben, und man spricht von einigen Verhaftungen. Der Schaden ägt über 4100,000 Fr. und wird von vier Assekuranz⸗Gesellschaften gleichen Theilen getragen. Unersetzlich ist der Verlust von eisernen und damaszirten Rüstungen aus dem funfzehn⸗ Jahrhundert, die zu einem großen Turniere am 29sten d. en sollten und mit großer Mühe aus Sammlungen und Kabinet⸗ zusommengekauft worden waren. Es fehlte durchaus an Wasser, so kam es, daß in nicht mehr als fünf Viertelstunden alle Ställe, aderoben, Nebengebäude und ein Drittel des Cirkus niederbrann⸗ An die abgebrannten Gebäude gränzen die ungeheuren Stallun⸗ und Magazine der Omnibus⸗Gesellschaft; diese wurden durch die smpiers glücklich vor den Flammen bewahrt. Menschenleben sind
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Iit verloren gegangen.
Herr Duchatel hat Maßregeln genommen, um sich auf die mög⸗ schnellste Weise die Nachrichten von den Wahlen in den entfern⸗ u Bezirken zu verschaffen, so daß die 457 Wahlen Frankreichs dem 8. August zu Paris bekannt sein werden.
Im zehnten Bezirk der, Hauptstadt treten fünf konservative Kandida⸗ auf, worunter Herr Agenor von Gasparin sich befindet. Sie en sich wechselsweise verpflichtet, zu Gunsten desjenigen unter n zurückzutreten, der beim ersten Skrutinium die meisten Stimmen slt.
Der National enthält folgende Bemerkung: „Stets zuneh⸗ de Wohlsahrt! In Paris betrug die Zahl der Bankerotte vom Zuli 1845 bis 1. Juli 1846 nicht weniger als 836, mehr als 2 sch. Herr von Rambuteau (der Seine⸗Präfekt) tröstet sich damit, „wie er hervorhebt, die Zahl der Patentirten sortdauernd im ehmen sei.“
Vom 1. Januar bis zum 30. Juni d. J. wurden, wie das urnal des Débats berichtet, vor dem Sachkundigengericht für all⸗-Arbeiter zu Paris 1020 Sachen verhandelt; darunter waren Klagen der Arbeiter gegen ihre Herren und 138 Klagen der en gegen die Arbeiter. Hiervon betrafen 247 Streitigkeiten die zeit, 523 den Lohn und Anderes. Von allen diesen Prozessen den nur 38 durch Urtheilsspruch entschieden; alle übrigen wurden h die besonderen Büreaus beigelegt, mit Ausnahme von 73, he vor das General⸗Büreau kamen, das außerdem über 111 itsachen zu entscheiden hatte.
Das kürzlich gegründete Bankhaus des Herrn Baudon, früheren eral⸗Einnehmers der unteren Seine, das den Namen führt „Cen⸗ ⸗Kasse für Handel und Eisenbahnen“, macht bekannt, daß es tine von 100, 200 und 400 Fr. ausgestellt, die in allen Han⸗ füdten zahlbar sind und nur ½ Centime täglichen Zins für 100 en.
Der Courrier d'Afrique meldet aus Dellys vom 1bten d., dortige Einwohner am 10ten am Eingange des Hafens ein klei⸗ Fahrzeug erblickten, welches mit einem zerfetzten Segel und nur
Ruder versehen war, und auf dem sich ein halbnackter Ma⸗ ebefand. Bald sammelte sich ein großer Menschenhaufen an der lle, wo der Matrose eben landen wollte. Der Arme war durch ger, Durst und Strapatzen ganz entkräftet. Seiner Aussage zu⸗ e, gehörte er nebst einem Bruder zu der Mannschaft des neapo⸗ ischen Schiffes „San⸗Crucisix“, das am 25. Juni von Neapel r Segel gegangen, aber schon in den ersten Tagen so leck war, es am 5. Juli von der Mannschaft verlassen werden mußte und in der Nähe der afrikanischen Küste, zwischen Bugia und Did⸗ p, sank. Die Matrosen, denen es an Wasser fehlte, landeten ihrem Boot bei der Mündung eines Flusses, um ein Faß zu n, wurden dort aber gleich von im Hinterhalt liegenden Kabylen Gewehrschüssen empfangen, wobei der Eine getödtet wurde; der itain flüchtete sich mit den Uebrigen in ein nahe gelegenes Ge⸗ Gaetano (so heißt der Gerettete) nebst einem anderen Ma⸗ en stürzten sich ins Meer, um das Boot wieder zu erreichen; erer fand aber hierbei seinen Tod. Bis zum Abend blieb Gae⸗ im Angesichte der Küste, und da er von der übrigen Schiffs⸗ nschaft nichts mehr vernahm, so muthmaßte er, daß diese von Kabylen getödtet worden. Am 8. Juli befand er sich vor Bugia, n des Gegenwindes und der stürmischen See war aber die Lan⸗ g unmöglich, und er mußte sich nun westlich treiben lassen, um genannten Hafen zu erreichen.
Aus Frankreich werden jährlich eine ansehnliche Anzahl Eier ins land versandt, die einen wichtigen Handelszweig bilden. Nach jelen Berichten betrug die Ausfuhr dieses Artikels im Jahre 5 vur 1,700,000 Stück; 1816 schon 8,800,800; 1822 55 Mil⸗ en und 1829 wurden sogar 99 ½ Millionen Eier ausgeführt. Von Beit an trat eine Verminderung ein, denn die Ausfuhr sank 1830 55 Millionen; im Jahre 1834 war sie jedoch schon wieder auf 00,000 und 1844 auf 88,200,000 Stück gestiegen. Rechnet 16 Eier auf 1 Kilogramm, so betrug das Gewicht dieser Masse 8,000 Kilogramm, die dem Staate 114,000 Fr. für Ausgangs⸗ eintrugen. Der größte Theil der ausgeführten Eier wird nach land gesandt, denn von letztgenannten 88 Millionen gingen we⸗ ens 2 ½ Millionen über den Kanal.
Die Höhen und östlichen Abhänge des Jura sind am 20. Juli einem furchtbaren Unwetter betroffen worden. Die festesten Mauern, ältesten Bäume, auf der Straße befindliche Wagen wurden um⸗ dene se daß ein Erdbeben kaum größeren Schaden hätte anrich⸗ Der General⸗Prokurator in Algerien, Herr Gillardin, hat in * seines Streites mit Marschall Bugeaud seinen Posten ver⸗ Die Gazette des Tribunaugp berichtet, daß zwei Personen, he an der Börse wegen ihrer ausgedehnten Speculationen in nbahn⸗Actien eine Rolle gespielt, verhaftet worden, weil sie bei
zu Orleans jetzt anhängigen Prozeß wegen Schwindeleien und chungen betheiligt gewesen.
Paris, 31. Jali. (Ob. P. A. Z.) Die Blätter verbreiten usführlichst über das Attentat vom 29. Juli. Der National
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Alus dem Haag, 31. Juli.
927 geht so weit, zu behaupten, Frankreich habe kein neues Attentat zu beklagen; nichts beweise, daß irgend ein Mensch den König habe töd⸗ ten wollen; Joseph Henry sei ein Verrückter, der sich nach der Guillotine gesehnt habe. Was von diesen Redensarten zu halten, ergiebt sich schon aus dem Umstande, daß durch Ordonnanz vom 29. Juli die Pairs⸗Kammer einberufen worden ist, ein Ur⸗ theil zu fällen über das Attentat. Joseph Henry ist aus der Con⸗ ciergerie nach dem Gefängniß im Palast Luxembourg gebracht worden.
General Lamoricière hat sich vor den Wählern des ersten Ar⸗ rondissements der Hauptstadt als Kandidat gestellt. Der National ist mit dem politischen Glaubensbekenntniß, das er abgelegt hat, zu⸗ frieden; das will Alles sagen.
„Bei lebhaftem Geschäft blieb die Notirung der Rente fast un⸗ geändert wie gestern; Eisenbahn⸗Actien waren am Schluß der Börse stark ausgeboten. Nordbahn ist auf 700 gewichen.
Sroßbritanien und Irland.
London, 30. Juli. unbedeutende Mittags⸗Sitzung und bot in seinen Verhandlungen nichts von Interesse.
Lord John Russell hat zu dem Herrn Cobden von der Nation
zu machenden Geldgeschenk 100 Pfd. St. subskribirt. Loord John Russell empfing gestern eine Deputation der Associa⸗ tion zur Aufhebung der Malztaxe, welche ihm die Nachtheile der Steuer auf die Lage der Pächter und Feldarbeiter zu entwickeln suchte. Er entgegnete, daß das Gouvernement ihr Gesuch in Er⸗ wägung ziehen werde, und obwohl er noch nicht begreife, wie eine so bedeutende Steuer erlassen werden könne, werde dieser Gegenstand die forgfältigste Erwägung sinden.
Ueber die Annahme der ministeriellen Resoltionen in Betreff der Zuckerzölle von Seiten des Unterhauses herrscht nicht der geringste Zweifel. Der Globe sagt in seinem Börsen⸗Bericht: Der gestrige Erfolg der Minister im Unterhause, durch welchen vermit⸗ telst einer so großen Majorität die Ausdehnung des Freihandels⸗ Grundgesetzes auf die Zuckerzölle durchgesetzt ward, hat auf die Fonds eine günstige Wirkung geübt. Die Erledigang der Zuckerfrage wird jetzt als so gewiß betrachtet, daß das westindische Interesse schon anfängt demgemäß seine Berechnungen zu machen. Auf einigen Seiten spricht man schon von Aufgebung der Plantagen; noch ist indessen im Mutterlande so viel Geld und Unternehmungsgeist, daß sich neue Besitzer finden werden, wenn die jetzigen Eigenthümer ihre Pflanzungen aufgeben wollen. Man hegt übrigens nicht den mindesten Zweifel daran, daß die Bill, deren Erfolg im Unterhause jetzt als völlig gesichert betrachtet werden kann, auch im Oberhause, trotz der eifrigen Anstrengungen Lord Brougham's, zur Annahme gelangen wird. — Die Times äußert in dem nämlichen Sinne: Eine Abstimmung von fast zwei gegen einen in einem Hause von genau 400 Mitgliedern versetzt die defini⸗ tive Erledigung der Zuckerzölle außerhalb der Gefahr einer ministe⸗ riellen Niederlage oder auch nur einer unnöthigen Verzögerung. Die Maßregel wird — dies ist jetzt augenfällig — durchgesetzt werden, und zwar sogar ohne Abänderung.
Der irländische Repealverein zu Dublin hielt vorgestern eine Versammlung, welche auf gestern vertagt ward, und worin es zwi⸗ schen den zwei Parteien, in die er seit einiger Zeit notorisch zerfal⸗ len ist, nämlich zwischen dem „Alten Irland“ und dem „Jungen Irland“, deren Vertreter bekanntlich die resp. Anhänger O'Connell's und S. O'Brien's sind, zu Wortstreiten kam, die beinahe einen per⸗ sönlichen Charakter trugen. S. O'Brien war anwesend und sprach ziemlich ausführlich, was auch von John O'Connell, Herrn Reilly und einigen anderen Repealern beider Parteien geschah. Die Red⸗ ner hielten sich in den Gränzen höflicher Ausdrucksweise, aus denen jedoch die gegenseitige Abneigung hervorleuchtete. Der Globe meint, das Ergebniß werde wahrscheinlich ein vollständiger Riß der ganzen Repeal⸗Narrheit sein, worüber das irländische Volk, wenn es gesunden Menschenverstand habe, sich nur freuen könne.
Die britische archäologische Gesellschaft hält diesmal ihre Jahres⸗ Versammlung in York, unter Vorsitz des Grafen Fitzwilliam, und ist sehr zahlreich besucht. Die alte Stadt YPork — das römische Ebora⸗ kum — ist für die Zwecke dieser Gesellschaft besonders glücklich ge⸗ wählt; ein Theil ihrer Umwallung ist römischen Ursprungs und sehr gut erhalten, auch finden von Zeit zu Zeit lohnende Ausgrabungen statt. Münzen, Inschriften, Urnen u. s. w. werden in Menge ge⸗ funden, so wie Ziegel und Grabsteine, welche beweisen, daß Eborakum der Standort der bten und 9ten Legion war. Nicht minder in⸗ teressant sind die mittelalterlichen Baudenkmale der schöngelegenen Stadt.
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Niederlande.
Der König ist heute Mittag von hier nach Schiedam abgereist. Man versichert, daß Se. Majestät auch die Stadt Delftshaven besuchen wolle. Später, heißt es, würde sich der König nach Utrecht, Soestdyk, Arnheim, Limburg und Luxem⸗ burg begeben. Vor der Abreise Sr. Majestät hatte gestern der bel⸗ gische Minister, Herr Mercier, seine Abschieds⸗Audienz; morgen kehrt derselbe nach Brüssel zurück.
Das Journal de la Haye meldet heute: „Da der Handels⸗ Vertrag zwischen den Niederlanden und Belgien, der am 29sten von den beiderseitigen Bevollmächtigten unterzeichnet wurde, noch den bei⸗ den Regierungen zur Ratifizirung vorgelegt werden muß, so wird die niederländische Regierung den Text des Vertrages wahrscheinlich nicht vor der amtlichen Mittheilung veröffentlichen, welche die belgische Re⸗ gierung den Kammern, die bei der Ratifizirung mitwirken müssen, davon zu machen genöthigt ist. Wir glauben indeß, unseren Lesern einen Dienst zu erweisen, wenn wir ihnen eine Nachricht mittheilen, die wir aus sicherer Quelle haben, nämlich, daß die Ratificationen des Vertrages binnen einem Monat nach Unterzeichnung desselben ausgetauscht werden sollen, oder, wo möglich, noch eher, und daß der Vertrag selbst fünf Tage nach Auswechselung der Ratificationen in Kraft ireten wirr./. “
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Brüssel, 31. Juli. Auf die Nachricht von der Unterzeichnung des Handels⸗Vertrages mit Holland bemerkt das Journal de Liége: „Welcher Art wird nun dieser Vertrag sein? Welche Zu⸗ geständnisse, welche Vortheile wird man von der einen und anderen Seite bewilligt haben? Welche Modisicationen werden sich in dem schon vor einem Monat von den Bevollmächtigten Belgiens und Hol⸗ lands paxraphirten Vertrage haben vornehmen lassen? Dies zu er⸗ fahren sind wir sehr begierig. Das Interesse beider Länder, deren Verbindungen eine beklagenswerthe Handels⸗Differenz nur zu lange unterbrochen hat, erheischt gebieterisch die unverzügliche Einberufung ihrer beiderseitigen Parlamente. Wir wissen bereits, daß unser Mi⸗ nisterium die Kammern in nächster Woche versammeln will, um ihnen den abgeschlossenen Vertrag zur Genehmigung vorzulegen. Möchte eine ähnliche Maßregel auch in Holland getroffen werden können, und möchten wir ohne Verzug die Folgen dieses thörichten Tarifkrieges schwinden sehen, dessen Zeugen und Opfer wir gewesen!k?“”“
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Das Unterhaus hielt gestern nur eine
Der Unter⸗Bibliothekar des Königs, H. A. Scheler, ist zum Lehrer der Prinzen im Sprach⸗Unterricht ernannt worden.
„Herr Vanderstraeten Pouthoz soll zum Gouverneur der Provinz Lüttich ernannt sein.
Vorgestern Abends, nach Angabe der Zeitungen gegen 9 ¾ Uhr, wurde auch zu Lüttich die Erderschütterung wahrgenommen, welche sich den Rhein entlang gezogen. In vielen Häusern sah und hörte na⸗ die 1 sich g Herstal, Argenteau und Maest⸗ richt wird dasselbe gemeldet. Die Bewegun i Süd
““ 11 81 Kanton Zürich. Tagsatzung derselben die Bittschrift sämmtlicher Gemeinden des re⸗ formirten Bezirks Murten um Aufhebung des katholischen Sonder⸗ bündnisses vor. Die Verhandlungen der Tagsatzung betreffen immer noch innere Verwaltungs⸗Gegenstände, Bewilligung von Zöllen, Weg⸗ und Brückengeldern.
Kanton Wallis. In Folge der ungeheuren Hitze ist die Rhone von neuem aus ihrem Bett ausgetreten. In der Rhone⸗ Ebene sind 1000 Jucharten Landes unter Wasser. Ruf den Spitzen des Montblanc ist der Felsen nackt, wo das Eis seit langen Jahren nie verschwunden war. “ 8
Italien.
Nom, 23. Juli. (A. Z.) Vorgestern hat der Papst die Con⸗ gregation degli Studj, bestehend aus 15 Kardinälen, in seiner Ge⸗ genwart versammelt. Es ist dieses das erstemal seit der Errichtung dieser Congregation durch Leo Xil., daß sie vor dem Papst zusam⸗ mengetreten ist. Pius' IX. Versprechen bei seiner Throndesteigung, das Unterrichtswesen neu und dem Jahrhundert angemessen zu ge⸗ stalten, wird sich also bald verwirklichen und nicht mehr als bloße Hoffnung zu betrachten sein.
Heute beginnen die öffentlichen Audienzen, worin der heilige Vater seine Unterthanen ohne Unterschied des Ranges empfängt; sie sind fürs erste zweimal des Monats festgesetzt und dürften abwech⸗ selnd auch auf das weibliche Geschlecht ausgedehnt werden. Am 18ten hatte auch der bayerische Repräsentant, Graf von Spanr, die Ehre, in einer feierlichen Audienz Sr. Heiligkeit sein Beglaubigungs⸗ Schreiben als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Mi⸗ nister beim heiligen Stuhl zu überreichen. Nach der Audienz stattete der Graf von Spaur seinen Besuch bei den Kardinälen Micara und Macchi als Dekanen des heiligen Kollegiums ab.
Am 27sten d. wird der Papst zum erstenmale ein Konststorium berufen, worin er, außer einigen Bischofs⸗Ernennungen, das heilige Kollegium durch eine Anrede begrüßen wird. — Nach dem (bereits gemeldeten) Vorfall in Cesena, wo die Schweizertruppen bei einem Pulvertransport Feuer gaben, wobei 12 Menschen fielen und unter diesen drei todt blieben, ist von hier sogleich der Befehl abgegangen, einen Garnisonswechsel dieser Truppen vorzunehmen.
Nach einer der Allg. Ztg. zugekommenen Mittheilung aus Turin vom 25. Juli soll auch in Faenza ein Volks⸗Tumult in rrac⸗ tionairem Sinn vorgefallen sein, wobei das Wappen des regierenden Papstes herabgerissen und das Gregor's XVI. an die Stelle gesetzt worden sei u. dgl.
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Rom, 24. Juli. (N. C.) Bei der gestern früh stattgehab⸗ ten öffentlichen Audienz hat der Papst abermals einen schönen Be⸗ weis seiner wahrhaft väterlichen Liebe für alle Bedrängte und Hülfs⸗ bedürftige abgelegt; er hat nämlich aus freiem Antriebe eine bedeu⸗ tende Anzahl von Familienvätern und Anderen, die wegen Schulden in den Gefängnissen des Kapitols schmachteten, befreit, indem er sämmtliche Gläubiger zu sich beschied und durch vorläufige baare Zah⸗ lung des dritten Theils der Schulden (über 18,000 Scudi) aus sei⸗ ner Privatkasse die Bande der Unglücklichen löste und sie ihren Fa⸗ milien wiedergab.
Allen denen, welche in den päpstlichen Palästen eine Anstel⸗ lung haben und nicht daselbst wohnten, war herkömmlicherweise der Gebrauch päpstlicher Wagen und Pferde für ihre Dienstleistungen verstattel, und da nach dem bisherigen Systeme an eine Aufsicht in dieser Beziehung nicht zu denken war, so benutzten sie diese Erlaub⸗ niß ganz nach Belieben auf die ausgedehnteste Weise. Dies hat sich jetzt ebenfalls geändert, indem bei der für nothwendig erachteten Be⸗ schränkung des päpstlichen Marstalls alle dergleichen angeblichen Rechte durch den Papst ein⸗ für allemal aufgehoben worden sind.
Pisa, 24. Juli. Der Herzog von Modena mit seiner erlauch⸗ ten Familie kam am 26. Juni, zum erstenmal als regierender Herr, nach Massa und Carrara und eröffnete den von seinem Vater mit großen Kosten erbauten Kanal. Dieser Kanal bewässert zu jeder Jahreszeit die ganze Ebene von Massa, und so wird man jährlich statt einer Aerndte zwei haben. Ueberall wurden der Herzog und seine liebenswürdige Gemahlin mit Jubel empfangen. Auch haben sie öfters den nahverwandten Hof von Lucca besucht.
In Volterra gab man zu Ehren Pius' IX. während drei Tagen
große Feste. Hier hat der heilige Vater im Kollegium von 1803 bis
1809 studirt und nicht mit Dr. Wolff in em.
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Konstantinopel, 15. Juli. Am 18ten wird Mehmed Ali hier erwartet; er befindet sich gegenwärtig in Rhodus, wohin ihm der Sultan allerlei Erfrischungen, wie Ananas aus seinem Garten von Tschiragan u. s. w. gesandt hat.
“ 111“ Berlin-Potsdamer Eisenbahn. In der Woche vom 28. Juli bis incl. den 3. Augusf c. eind auf qer Berlin-Potsdamer Eisenbahn 10,417 Personen gefahren. “
NMiederschlesisch- Märkische Eisenbahn. auͤf der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn siad vom 19. bis
25. Juli 1846 befördert worden: a) zwischen Berlin und Frankfurt 5908 Personen b) zwischen Breslau und Bunzlau 6008 — 11,916 Personen.
Pandels- und görsen⸗-Nachrichten. 1 “ b
Berlin, 4. Aug. Course sind neuerdings gewichen und bleiben matt.
Marktpreise vom Getraide. “ Berlin, den 3. August 1846.
Zu Lande: Weizen 2 Rthlr. 14 Sgr. 5 Pf., auch 2 Rthlr. 12 Sgr.; Rogen 2 Rthlr. 4 Sgr. 10 Pf., auch 1 Rthir. 22 Sgr. 10 Pf⸗; großt
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Am 27. Juli legte der Pröfident der
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