—
a) wenn fällige Zinscoupons, ungeachtet solche gehörig zur Einlösung präsentirt werden, länger als drei Monate unberichtigt bleiben; b) wenn der Transportbetrieb auf der Eisenbahn mit Dampfwa⸗ geen oder anderen dieselben ersetzenden Maschinen länger als ssechs Monate ganz aufhört; 9.) wenn gegen die Gesellschaft in Folge rechtskräftiger Erkenntnisse Schulden halber Execution vollstreckt wird; d) wenn die im §. 5 festgesetzte Tilgung der Obligationen nicht eingehalten wird. In den Fällen a., b. und c. kann das Kapital an demselben Tage, wo einer dieser Fälle eintritt, zurückgefordert werden; im Falle d. ist dagegen eine dreimonatliche Kündigungsfrist zu beobachten. Das Recht der Zurückforderung dauert in dem Falle a. bis zur Zahlung des betreffenden Zins⸗Coupons, in dem Falle b. bis zur Wiederherstellung des ununterbrochenen Transportbetriebes, in dem Falle c. ein Jahr, nachdem der vorgesehene Fall eingetreten ist, das Recht der Kuͤndigung in dem Falle d. drei Monate von dem Tage ab, an welchem die Tilgung der hätte erfolgen sollen. 8 -”
1 Zur Sicherung der Verzinsung und Tilgung der Schuld wird festgesetzt und verordnet:
a) Die vorgeschriebene Verzinsung und Tilgung der Obligationen geht der Zahlung von Zinsen und Dividenden an die Actio⸗ naire der Gesellschaft vor.
b) Bis zur Tilgung der Obligationen darf die Gesellschaft keine zur Eisenbahn und den Bahnhöfen erforderlichen Grundstücke verkaufen; dies bezieht sich jedoch nicht auf die außerhalb der Bahn und der Bahnhöfe befindlichen Grundstücke, auch nicht auf solche, welche innerhalb der Bahnhöfe etwa an den Staat oder an Gemeinden zur Errichtung von Post⸗, Polizei⸗ oder steuerlichen Einrichtungen, oder welche zu Packhöfen oder Waa⸗ ren⸗Niederlagen abgetreten werden möchten. Für den Fall, daß Unsere Gerichte einen Nachweis darüber erfordern sollten, ob ein Grundstück zur Eisenbahn und den Bahnhöfen erforder⸗ lich sei oder nicht, genügt ein Attest des für das Eisenbahn⸗ Unternehmen bestellten Kommissarius.
Die Gesellschaft darf weder Prioritäts⸗Actien kreiren, noch neue Darlehne aufnehmen, es sei denn, daß für die jetzt zu emittirenden Obligationen das Vorzugsrecht ausdrücklich stipu⸗ lirt werde, oder daß zur Anlegung des zweiten Geleises auf der Bahn ein neues Anlehen nöthig werden sollte, in welchem Falle einem solchen Anlehen zum Belaufe von 1,500,000 Rthlrn. ein Hypothekenrecht mit gleichen Vorzügen, als den auf Grund dieses Privilegiums zu emittirenden Obligationen von der Potsdam⸗Magdeburger Eisenbahn⸗Gesellschaft einge⸗ räumt werden darf.
Zur Sicherheit für das im §. 8 festgesetzte Rückforderungsrecht ist den Inhabern der Obligation von der Berlin⸗Potsdam⸗ Magdeburger Eisenbahn⸗Gesellschaft das Gesellschafts⸗Vermö⸗ gen, namentlich die Berlin⸗Potsdamer und die Potsdam⸗ 8 Magdeburger Eisenbahn dergestalt verpfändet, daß denselben die hypothekarische Eintragung auf die der Gesellschaft gehörigen 3 E Immobilien gestattet worden ist.
Ddie vorstehend unter b. und c. erlassenen Bestimmungen sollen jedoch auf diejenigen Obligationen sich nicht beziehen, die, zur Zurück⸗ zahlung fällig erklärt, nicht innerhalb 6 Monaten nach Verfall zur Empfangnahme der Zahlung gehörig präsentirt werden.
Alle in diesem Privilegium vorgeschriebenen öffentlichen Bekannt⸗ nachungen müssen in die Allgemeine Preußische, in eine zweite, n Berlin erscheinende, und in die Magdeburger Zeitung ein⸗
gerückt werden. Sollte eines dieser Blätter eingehen, so genügt die
Bekanntmachung in den beiden anderen, bis zu anderweitigen, mit
Genehmigung ÜUnseres Finanz⸗Ministers zu treffenden Bestimmungen. §. 11
Auf die Zahlung der Obligationen, wie auch der Zins⸗Coupons, die jederzeit nach der Wahl der Berechtigten aus der Gesellschafts⸗ Kasse in Berlin oder Potsdam geleistet wird, kann kein Arrest bei der Gesellschaft angelegt werden.
. Zur Urkund Dieses und zur Sicherheit der Gläubiger haben
Wir das gegenwärtige landesherrliche Privilegium Allerhöchsteigen⸗ händig vollzogen und unter Unserem Königlichen Insiegel ausfertigen
assen, ohne jedoch dadurch den Inhabern der Obligationen in Anse⸗
hung ihrer Befriedigung eine Gewährleistung von Seiten des Staats
zu geben oder Rechten Dritter zu präjudiziren.
Gegeben Sanssouci, den 10. Juli 1846.
8 (L. S8.) Friedrich Wilhelm.
1 Flottwell.
Pprovinz Westphalen. In der Nacht vom 2. auf den
3. August starb zu Münster der Bischof Caspar Maximilian, Freiherr Droste zu Vischering, im 77sten Lebensjahr. E14A1“
8 Deutsche Bundesstaatrer.
8 Königreich Bayern. Se. Majestät der König hat geneh⸗ migt, daß zur augenblicklichen Vertheilung unter die am meisten durch den Hagelschlag Beschädigten und darunter Dringendstbedürftigen des oberpfälzischen Kreises 10,000 Fl. aus der Staatskasse zur Ver⸗ fügung gestellt werden. Die Unterstützung soll vor der Hand den Charakter unverzinslicher Vorschüsse haben, aber die Eigeuschaft von Schenkungen annehmen, sobald beim nächsten Landtage die Zustim⸗ mung der Stände erfolgt sein wird.
8 Königreich Sachsen. Der Wirkliche Geheime Rath Dr. von Langenn, der bisher als Direktor im Justiz⸗Ministerium in Function gestanden, ist zum Präsidenten des Ober⸗Appellationsgerichts ernannt worden und ihm zugleich das Großkreuz des Civilverdienst⸗ Ordens verliehen. — Die Leipziger Zeitung, nach welcher das Ziel der von dem König unternommenen Reise (s. gestr. Allg. Pr. Ztg.) Tyrol und Graubündten ist, berichtet über die kurze Auwesen⸗ heit Sr. Majestät in Leipzig Folgendes: „Da Se. Majestät die Sächsisch⸗Bayerische Eisenbahn noch nicht besichtigt hatten und die vielen interessanten Baue auf derselben kennen lernen woll⸗ ten, so war Höchsten Ortes die Anordnung getroffen, daß unmittel⸗ bar nach dem Eintreffen des dresdener Zuges ein Extrazug den König auf der Bayerischen Bahn bis Zwickau führe und das Direktorium, der Ober⸗Ingenieur und der Regierungs⸗Commissair ihn begleite, um die wichtigsten Punkte zeigen zu können. Alle Chrenbezeigungen und Empfangs⸗Feierlichkeiten waren verbeten. Nach 9 ½ Uhr trafen Se. Majestät mit dem dresdener Zuge ein, und nachdem Sie die in dem Beahnhofsgebäude der Sächsisch⸗Bayerischen Eisenbahn versammelten Vorstände sämmtlicher Königlichen und städtischen Behörden, der Gar⸗ nison, der Universität und der Geistlichkeit zur Cour empfangen hat⸗ ten, setzten Allerhöchstdieselben kurz nach 10 Uhr die Reise nach Al⸗ tenburg fort.“ — Am 4. August wurde in Leipzig die Jahres⸗Ver⸗ sammlung des dortigen Hauptvereins der Gustav⸗Adolph⸗Stistung abgehalten, an der ungefähr 120 Abgeordnete aus den 56 Zweig⸗ vereinen Theil nahmen. Der Pfarrer Kalb empfahl unter Anderem . . .ne sce Gemeinde in Sibirien der Aufmerksamkeit des ereins.
nehmen werden. b8
s in den kleineren Flecken und in den geringsten Dörfern.
934
Königreich Hannover. Im Lande Hadeln und zum Theil auch im Herzogthum Bremen (eben so auch in einigen Gegen⸗ den Holsteins) hat sich leider! auch dieses Jahr die Fertofßel⸗ Krankheit unzweideutig ausgebildet; namentlich sind in der Gegend von Bremerhaven bei den Frühkartoffeln Ranken und Laub flächen⸗ weise bereits schwarz und abgestorben, und auch an den oberen Knol⸗ len schon Spuren von Fäulniß sichtbar.
Königreich Württemberg. Der Schwäbische Merkur enthält folgende Bekanntmachung des Ministeriums des Innern, in Betreff der Ausstellung von Reisepässen an Auswanderer nach Ungarn und Siebenbürgen: „Die Kaiserlich österreichische Ge⸗ sandtschaft dahier hat in neuerer Zeit die Mittheilung gemacht, „„daß es zwar nicht in der Absicht ihrer hohen Regierung liege, die seit einiger Zeit im Gange begriffene Auswanderung Königlich würt⸗ tembergischer Unterthanen nach verschiedenen Gegenden Ungarns und Siebenbürgens gänzlich zu hemmen oder zu sistiren, daß aber die Kaiserliche Gesandtschaft von nun an nur solche Aus⸗ und Ein⸗ wanderungs⸗Pässe mit ihrem Visa versehen werde, deren In⸗ haber, bei allen übrigen, von selbst sich verstehenden Erfor⸗ dernissen, einen authentisch⸗förmlichen Aufnahmsschein in die Gemeinde, wo sie sich niederzulassen gedenken, und überdies ein aktives baares Vermögen von wenigstens 800 Fl. vor⸗ und ausgewiesen haben werden.““ Indem dies hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird, werden die Königl. Ober⸗Aemter, unter Aufhebung der in den diesseitigen Bekanntmachungen vom 13. September 1830 und 29. März d. J. ertheilten Vorschriften, angewiesen, denjenigen ihrer Amtsuntergebenen, welche nach Ungarn oder Siebenbürgen ecuszu⸗ wandern beabsichtigen, besondere Eröffnung hiervon zu machen und ihnen die Reisepässe nur dann auszustellen, wenn sie obigen Forde⸗ rungen Genüge geleistet haben. Daß dies geschehen, ist sodann in den auszustellenden Pässen ausdrücklich zu bemerken. Den 31. Juli 1846. Schlayer.“
Kurfürstenthum Hessen. Der Hamburger Korre⸗ spondeni enthält ein Schreiben aus Marburg vom 31. Juli, worin es (wesentlich übereinstimmend mit einer Korrespondenz⸗Nachricht der Ober⸗Post⸗Amts⸗Zeitung) unter Anderem heißt: „Sicherem Vernehmen nach, sollen gegen die Deutsch⸗Katholiken in Hessen die strengsten Maßregeln ergriffen werden. Allen fremden Bekennern der neuen Lehre ist der Aufenthalt im Kurstaate untersagt; die bereits hier wohnenden Ausländer, d. h. Nichthessen, werden polizeilich aus⸗ gewiesen, und selbst die Inländer sollen nicht überall geduldet werden, sondern in den Orten, wo sie heimatberechtigt sind, sich aufhalten und fortwährend unter polizeilicher Ueberwachung stehen. Den Staatsdienern, welche der neuen Kirche zuneigen, sind die schärfsten Verweise und Ermahnungen zugegangen; ein Gleiches wird von den hiesigen Lichtfreunden behauptet, und namentlich sollen alle diejenigen, welche die Vorstellungen an die Stände⸗Versammlung, in Betreff der Deutsch⸗Katholiken, unterschrieben haben, sehr ungnädig angesehen worden sein.“
Herzogthum Sachsen⸗Koburg⸗Gotha. Eine ältere landesherrliche Verordnung, nach welcher Wildschäden, von denen die ärmeren Bewohner des Landes betroffen werden, vergütet werden sollen, wenn dieselben ein Achtel der erwarteten Aerndte überstiegen, ist jetzt dahin erweitert worden, daß diese Bestimmung künftig bei allen Wildschäden überhaupt eintreten soll. Zugleich ist es gestattet worden, einzelne Stücke Hochwild, die den Feldfrüchten auffallend Schaden zufügen, wegzuschießen, und zwar selbst während der Hege⸗ zeit, sofern nur dem betreffenden Distrikts⸗Forstmeister zuvor die An⸗ zeige davon gemacht worden ist.
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Desterreichische Monarchie.
Prag, 29. Juli. (A. Z.) Gestern Nachmittags ist Ihre Kaiserliche Hoheit die Frau Erzherzogin Maria Dorothea, Gemahlin des Erzherzogs Palatin von Ungarn, hier angekommen und wird, dem Vernehmen nach, einige Zeit hier verweilen. Höchsten Orts ist be⸗ schlossen worden, die Judensteuer vom Jahr 1847 an jährlich um zu vermindern, so daß dieselbe mit dem Jahre 1853 gänzlich er⸗ löschen wird.
Prag wird eine eigene Lehrkanzel der hebräischen Sprache und Literatur erhalten. So eben hat nämlich Se. Majestät der Kaiser dem Doktor der Rechte und Philosophie und Religionslehrer der studirenden israelitischen Jugend, Wolfgang Wessely, die Erlaubniß er⸗ theilt, Vorträge über hebräische Sprache und Literatur bei der phi⸗ losophischen Fakultät zu halten. Die hebräische Sprache wird zwar in der hiesigen theologischen Fakultät für die Zöglinge der Theologie von dem tüchtigen Professor der orientalischen Sprachen, Dr. Mar⸗ schan, trefflich vorgetragen, aber für die Laien bestand bisher noch keine Lehrkanzel dieser Wissenschaft. Dr. Wessely, erst vor kurzem von der syrisch⸗ägyptischen Gesellschaft zu London und von der asia⸗ tischen zu Paris zum Mitglied erwählt, ist ein ausgezeichneter Ge⸗ lehrter, dessen Eifer und gute Lehrmethode wesentlich zur Beförderung der hebräischen Studien beitragen werden.
Venedig, 28. Juli. Se. Kaiserl. Hoheit der Vice⸗Admiral Erzherzog Friedrich wird mit dem Anfang des Monats August Ve⸗ nedig verlassen und eine kleine Fahrt im Adriatischen Meer unter⸗ nehmen, bei welcher Gelegenheit die sämmtlichen Schiffe des Ge⸗ schwaders unter seiner persönlichen Leitung taktische Manöver vor⸗
Fran krei ch. ö
Paris, 1. Aug. Der König, die Königin, die Prinzessin Adelaide, der Herzog von Montpensier und der junge Prinz von Württemberg sind in Begleitung des Kriegs⸗Ministers, des General Athalin, der Obersten Dumas und Thierry und mehrerer Ordonnanz⸗ Offiziere vorgestern um Mitternacht in Schloß Eu eingetroffen. Das Attentat vom Tage vorher war schon auf der ganzen Route bekannt, und die Gegenwart des Königs rief überall die lebhaftesten De⸗ monstrationen hervor. Zu Beauvais und Aumale wurden Ihre Ma⸗ jestäten mit den Beweisen der innigsten Sympathie empfangen; eben so Alle Land⸗ leute, alle Schnitter verließen ihre Arbeiten und eilten an die Straße, wo sie den König mit ihrem Lebehoch begrüßten. Selbst die Nacht hielt die Bevölkerung nicht von diesen Bezeigungen der Theilnahme zurück. Ju Aumale hielten Ihre Majestäten sich andert⸗ halb Stunden auf und zogen die Civil⸗ und Militair⸗Behörden des Orts zur Tafel. Von Aumale bis Eu waren alle Orte, durch welche die Reise ging, mit Fahnen geschmückt und festlich erleuchtet, und die Behörden hatten sich an der Spitze der National⸗Garde aufgestellt, um Ihre Majestäten zu begrüßen, die von all' diesen Manifestationen sehr bewegt schienen.
Das Journal des Débats enthält noch eine nähere Dar⸗ stellung des Mordversuchs gegen den König. „Der Verbrecher“, sagt dasselbe, „welcher den Angriff auf das Leben des Königs unternahm, ist jetzt in den Händen der Gerechtigkeit. Wir wollen ihn darin las⸗ sen. Die Wahlen für die Kammer werden in zwei Tagen stattfinden.
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Wir wollen diesen gräßlichen Vorfall nicht zu Gunsten unserer An⸗
sichten und unserer Interessen ausbeuten. Wir wollen nicht
suchen, ob dieses neue Verbrechen eine politische Bedeutung hat! nicht. Wir wollen warten. Wir haben solche Mittel nicht ni um zu siegen. Die Sache wird schon klar werden; sie wird sur Ehre des Landes früh genug klar werden. Wir wollen
her nur einfach die Thatsachen darstellen. Der König; fand sich auf dem Balkon der Tuilerieen; zu seinen e ten befanden sich die Königin, Madame Adelaide und die Prin sinnen, der Minister des Innern, Herr Duchatel, der Prifct Polizei, Herr Delessert, und der General Jacqueminot. Der si. hatte sich noch nicht niedergesetzt; er hatte angefangen, die M zu grüßen, die ihn mit Zeichen des Beifalls empfing; er hatte Hand auf das Herz gelegt; da ließ sich ein schwacher Knall hin Der König sagte: „Das gilt mir!“ In der Umgebung des gin glaubte man, daß es der Knall einer Rakete sei; aber der König! klärte mit Ruhe: „Nein, es sind zwei Pistolen⸗Schüsse, welche dorther kamen“, und zeigte mit dem Finger auf den — In der That hatte ein elender Meuchelmörder, we außerhalb des reservirten Theils des Gartens, bei der
ter dem Namen der „sitzenden Venus“ bekannten Sm stand, fast zu gleicher Zeit zwei Pistolen⸗Schüsse
den König abgefeuert. Mitten bei dieser allgemeinen Vervi blieb der König ruhig. Er trat auf dem Balkon hervor, deuteten Geberden an, daß er nicht getroffen sei, und befahl, daß das . chester die Nationalhymne fortsetze. Unten in der Menge fand Bewegung statt. Der Mörder wurde von den erzürnten und m. dürstenden Umstehenden ergriffen. Er wurde zuerst nach der P des Schlosses und dann in den Saal der Diana gebracht. wurde er von dem Minister des Innern, Herrn Duchatel, und dem Präsekten der Polizei, Herrn Delessert, verhört. Auch die nigin hatte, so wie der König, den Schuß losgehen sehen. Dieß nigin stürzte sich in demselben Augenblicke in die Arme des Kin⸗ um ihn wie mit einem Schilde zu bedecken.“ Der Constitutig nel hat solgende Notiz: „Henry wurde gestern von dem Iise der Gefängnisse, Herrn Dufresne, besucht. Auf die Frage nach Motiven seines Attentats antwortete er: Er sei im Begriff genne seine Bilanz zu deponiren (sich fallirt zu erklären); da er nicht; Muth gehabt, sich das Leben zu nehmen, habe er den Code au schlagen, um nachzusehen, ob nicht ein Verbrechen darin vorgese sei, das die Lebensstrafe nach sich ziehe, ohne daß man Jemand iü müsse. Da habe er dann den Plan gefaßt, nicht, den König zug morden, sondern nur nach dem König zu schießen, weil ja der Versuch auf das Leben des Königs mit dem Tode bestraft were⸗
General Lamoricière hat in einer vorbereitenden Versam von etwa 800 Wählern am 30. Juli sein politisches Glaubeneh kenntniß abgelegt:
„Ich war“, sagte er, „1830 zugegen bei der Einnahme von Aq Auf der afrikanischen Erde erfuhr ich die Juli⸗Revolution. Ich leisten Dpnastie und den Institutionen, die Frankreich sich gegeben hatte, deng der Treue. Diesen Eid, ich habe ihn gehalten. Es ist wohl unnöthig, ich besonders versichere, ich sei entschlossen, ihn auch ferner zu hah Gleich in der ersten Zeit unserer Besetzung Algeriens beschäftigte ich mit den Mitteln, den Boden, welchen französische Tapfeikeit erobert he zu befruchten. Wir brachten die Civilisation nach Afrika; wir sem rohe Barbarei; aus dem Zusammenstoß mußte Krieg entstehen: ist es gekommen. Ich hatte das Glück, mich einigemale auf zeichnen; mein Name erschien in mehreren Bülletins der Armee von Ä. Als ich 1838 nach Frankreich zurückkam, schlug man mir die Depum vor. Ich erklärte, die Ehre nicht annehmen zu können. Der Krieg me vollem Gang; ich erkannte die Pflicht des Soldaten; er soll seiner Fh solgen und bessere Zeiten abwarten. Uebrigens war damals die algien Frage noch nicht reif, vor die Kammer gebracht zu werden. Im J 1842 wurde mir der Vorschlag zur Kandidatur von neuem gemacht: Lage der Dinge hatte sich nicht geändert: ich trat zum zweitenmal zu, Heute sind die Verhältnisse nicht mehr dieselben: die Talene ¹ Ober⸗Feldherrn, vereint mit den Anstrengungen unserer Armee, habnu⸗
sere Besitzungen in Afrika ausgebreitet und unsere Herrschaft befestigt d jüngste Insurrection der Araber konnte unseren Besitzstand nicht fm
Frankreichs Interesse erheischt, daß wir Algerien kolonisiren, weil die Aach wenig geeignet sind, zur Civilisation und uns nie die Opfer vergelten di den, die wir bringen müßten, um sie zu zwingen, im Frieden mit und leben. Unser Verbleiben auf dem afrilanischen Boden ist bis jetzt nur ih sicher; alle Gegenstände der ersten Nothwendigkeit werden von verschiedas Punkten unserer Seeküste am Mittelländischen Meer auf 2500 Schij zugeführt. Wenn sich Wolken am Horzzont zeigten, hätten wir nicht guf Mißgeschick zu besorgen? Einem derartigen Ereigniß muß vorgebeugt wenf Wir müssen uns bem ihen, Algerien zu kolonisiren. Ueber diese Frage mi ich zu der Kammer sprechen. Nicht von der Kriegführung in Afrika! denke ich zu handeln, sondern von der Colonisation, die seit lange der genstand meiner Studien ist. Es ist hier der Ort nicht, meinen Plan zulegen; in der Kürze mag bemerkt werden, daß die Colonisation nur m lich wird, wenn Menschen und Kapitalien nach Afrika auswandern, jenen Boden, den unsere Waffen der Civilisation geöffnet haben. Dñ Auswanderer und Kapitalien nach Algerien ziehen, muß dort Sichen herrschen; diese kann nicht erreicht werden, ohne Institutionen; man also darauf zu denken haben, unsere Niederlassung in Afrika nach solche Bedingungen zu organisiren. Ich bin bis daher den Parteikämpftm Innern Frankreichs fremd geblieben; ich kenne aber darum nicht wen die Lage unseres Landes im Spstem der allgemeinen Politik, so wie ind zug auf die finanziellen Kräfte. Frankreichs Lage nach außen ist nichl wie wir Alle sie wünschen: wenn ich mich bei der Frage 1 Algerien verweilt habe, so geschah es, weil ich das glühendste Van gen unterhalte, mein Land von einem der bedeutendsten Hihe nisse, die seiner Erhebung im Wege stehen, zu befreien. Ich habe, ℳ langer Abwesenheit, Frankreich durchreist; ich fand überall eine bemels werthe Zunahme des Gedeihens; unermeßliche Bauten sind ausgefühnwe den; andere sind begonnen; aber über unsere finanziellen Mittel ist ad Jahre voraus verfügt; das Budget deckt selbst im Frieden die Ausgel nicht. Unter diesen Verhältnissen habe ich mich gefragt, ob unsert Küstenstrecke von Antibes bis Port Vendres, von Bayonne bis Dünkirc im Vertheidigungsstand ist? ob sich in unseren Zeughäusern Vorräthe befinden. Mit Bedauern habe ich ersahren, daß unsere 8 dieser Beziehung sehr viel zu wünschen übrig läßt. Das hat mich auf! Gedanken gebracht, daß wir uns auf der Bahn nützlicher Verbesserungen weit haben sortreißen lassen, während darüber versäumt wurde, Maßregeln die nöthige Sorge zu widmen. Der unsichere 2 Algeriens, der Zustaud unserer Marine, unserer Finanzen, unserer cnch digungsmittel, das sind die Elemente, aus welchen sich Frankreichs nach außen erklärt: es bedarf langer Zeit und großer Anstrengung, hier eine Aenderung zum Besseren zu . dazu kommen. Eine große Nation, wie die französische, eine induftm und handeltreibende Nation, darf nie im Schoße materieller Wohlfahn schlummern und dabei vergessen, daß die Achtung vor ihrer Flagge Außen die einzige wahre Garantie ihrer Interessen ist. Auf diese Ges⸗ stände habe ich zumeist mein Studium gerichtet: sie werden mich vorneg lich beschäftigen, wenn mir die Ehre zu Theil wird, in die Kammel wählt zu werden.“ 4
Dieser allgemeinen Erklärung solgten spezielle Fragen der w ler, denen aber Lamoricière meist auszuweichen suchte, vornherein gegen die Uebernahme einer sein freies Votum beschn kenden Vollmacht protestirte.
Paris, 2. Aug. Eine telegraphische Depesche aus Eu n0 1. August Mittags 2 ⅞ Uhr meldet, daß der König in vollkomn Gesundheit war. Se. Majestät erwartete um 3 Uhr den Be des Kronprinzen von Bayern. „Gestern waren die besorglichsten, aber durchaus falschen Gell in Paris verbreitet, ehen so auch in Rouen; es hieß, der König
genugse⸗
den erhahkent,
Stande zu bringen; aber es ⸗
indem er 1h
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hatten. Man wird sich erinnern, wie Herr Smith O'Brien eine gewisse Auszeichnung zu Anfang der Session dadurch suchte, daß er sich weigerte, als ein irländisches Mitglied in englischen Comités des Unterhauses zu sitzen. Er wurde auf einige Wochen für sein Nichterscheinen ins Gefängniß des Hauses gesieckt und endlich aus Mitleid und Gleichgültigkeit seiner Kollegen daraus befreit. Nach diesem kleinen Märtyrerthum fühlte sich Herr Smith O'Brien wohl geeignet, unter die Reihen irländischer Patrioten zu treten, und über⸗ nahm auch sofort die Leitung des „jungen Irland“, einer Partei in dem Repeal⸗Verein, welche durch das Journal die Nation vertreten wird und weit ungemäßigter, demokratischer und der Verbindung mit England abgeneigter ist, als die Partei O'Connell's. Die beiden Factionen des Vereins sind nunmehr zum ernsten Bruch gekommen. Smith O'Brien und seine Freunde haben sich aus der Versöhnungs⸗ halle zurückgezogen, und Jung⸗Irland wirft die kluge Herr⸗ schaft O'Connell's ab. Es ist leicht vorherzusehen, daß diese Herren entweder in Unbedeutendheit zurücksinken oder, was wahrscheinlicher ist, daß sie an die wirkliche Ausführung ihrer ver⸗ zweifelten Pläne gehen. Es besteht indeß dieser Unterschied zwischen den beiden Parteien. Bei O'Connell ist die Repealfrage mehr ein Vorwand zur Agitation — ein Mittel, Geld zu erheben, eine Täu⸗ schung, an die er selbst nicht glaubt, und von der er weiß, daß sie niemals wahr werden könne. Aber er hat aus den Dupirten aufrich⸗ tigere und gläubigere Menschen gemacht, als er selbst ist. Jung⸗Ir⸗ land, Smith O Brien und seine Genossen sind nicht geneigt, ihre Vertretung der Repealsache innerhalb der Rechtskniffe oder der fried⸗ lichen Vorwände ihres ursprünglichen Führers einzuschränken. Sie glauben mit ziemlicher Aufeichtigken an die Unabhängigkeit der irländischen Nation und wollen für sie größere Opfer bringen, als O'Connell jemals beabsichtigt hat; könnte ich sie wirklich unfähig halten, für diese ihre Ueberzeugung zu han⸗ deln, so müßte ich eine noch niedrigere Meinung von ihnen haben, als ich habe. Sie sind im Unrecht, sie sind wahnsinnig, sie werden unterdrückt werden, aber sie werden wenigstens ihr Land nicht durch einen groben Betrug und eine schamlose Lüge entehren. Man muß abwarten, für welche Seite das Land sich entscheiden und welche Wendung die Repeal⸗Agitation nehmen wird, nachdem O'Connell ge⸗ nöthigt worden ist, ihren Folgen Einhalt zu thun und ihren Exzessen Widerstand zu leisten; aber jedenfalls hat der Liberator eine gute Gelegenheit, mit den Whigs gegen die revolutionairen Schreier der Repeal sich zu vereinen, und ich zweifle nicht daran, daß er dabei für seine eigene Sicherheit schon sorgen wird. “
11X““
Schlaganfalle ergriffen worden, dann ein Flintenschuß König abgefeuert worden, habe Se. Majestät am Arm und den Herzog von Aumale an der Seite seines getödtet. Es übten hier und in Rouen diese falschen Ge⸗
te nachtheiligen Einfluß auf die Fondsmärlte aus, und darauf seint jenes schändliche Erdichtungs⸗Manöver berechnet gewesen segin liest in den Débats: „Die Wahl⸗Operationen ha⸗ (isten) begonnen. In mehreren Arrondissements, nament⸗
1., 2., 8. und 9ten sind die Wahlen der Präsidenten und krutatoren günstig für die konservative Partei. Einige Büreaus iden in voller Uebereinstimmung gebildet. Eine große Anzahl von shählern, unter welchen die Konservativen in Majorität sind, haben an en Skrutinien nicht Theil genommen. So votirten in dem 3ten tondissement von 1579 Wählern blos 1054. Im Arrondisse⸗ nt von St. Denis fanden sich von 1226 eingeschriebenen Wäh⸗
n nur 408 ein. Man versichert uns, daß im 9ten und 11ten wndissement, als das definitive Büreau proklamirt wurde, einige ihler der Opposition, durch das Ergebniß enttäuscht, gegen die servativen Kandidaten Beleidigungen und Drohungen richteten. Wir dern unsere politischen Freunde dringendst auf, sich in der Erfül⸗ gg ihrer Pflichten nicht durch die gewaltthätigen Handlungen, zu schen die Opposition im Gefühle ihrer Ohnmacht Zuflucht nehmen wollen scheint, einschüchtern zu lassen.“
Man schreibt aus Bologna vom 24. Juli: Der König von pel hat das Beispiel des Papstes in Betreff der Aufhebung der litair⸗Kommissionen nachgeahmt. Das Journal der beiden jcilien veröffentlicht ein Königliches Dekret, welches verfügt, daß am 24. Mai 1826 errichteten Kommissionen für die Staatsver⸗ hen aufgehoben sind. ö“ Großbritanien und Arland.
London, 1. Aug. Die öffentlichen Blätter sprechen sich mit tristung über den neuen Mordversuch gegen den König der Fran⸗ in aus. Der Standard sagt in seinem desfallsigen Artikel: bir sind einigermaßen stolz, wenn wir bedenken, daß wir durch en Vorschlag, ein solches Verbrechen so zu bestrafen, daß der Grund Verbrechens getroffen werde, dazu beigetragen haben, unsere ge⸗ hte Königin vor der Gefahr oder der Verhöhnung von wirklichen rscheinbaren Versuchen gegen das Leben Ihrer Majestät, je nach⸗
nun der Fall ist, zu beschützen. Unser Vorschlag war nämlich, solche Versuche nicht nothwendig als Hochverrath gerichtet wer⸗ müßten, sondern als Vergehen, die mit einer schimpflichen öffent⸗ en Auspeitschung bestraft werden könnten. Dieser Vor⸗
neinem
1 auf den pundet
Brüssel, 2. Aug. Die Repräsentauten⸗Kammer ist auf 6ten d. M. zurückberufen; der Präsident derselben, Herr Liedts, hat den Mitgliedern davon Anzeige gemacht.
Aus Flandern erfährt man, daß Bosheit und Speculationssucht um die Meinung zu verbreiten, als seien die Kartoffeln dieses Jahr wieder von der Krankheit befallen, in vielen Kartoffel⸗Feldern Vi⸗ triol auf die Kartoffel⸗Pflanzungen geschüttet. Gegen zwölf Perso⸗ nen sind darauf ergriffen worden und finden ihre Strafe.
ag des Standard ist von der gesetzgebenden Gewalt genommen worden, und mit dem glücklichen Erfolge, daß seit Zeit kein Angriff mehr auf Ihre Majestät gemacht worden, Hdas von uns angegebene Gesetz, wenn wir uns recht erinnern, fast fünf Jahren ein todter Buchstaben geblieben ist. Sollte die litit dieses Gesetzes nicht auch mit Vortheil in Frankreich ange⸗ umen werden können? Eine Verurtheilung durch einen verhältniß⸗ ßig unbedeutenden Kriminal⸗Gerichtshof, eine lange Gefängnißstrafe, einer öffentlichen, leichten, aber schmerzlichen und schimpflichen Antwerpen, 31. Juli. (Elbf. Z.) Sie werden durch die
speitschung alle drei Monate, würde voraussichtlich die Eitelkeit fanatischsten Hanswurst⸗Patrioten zähmen und die Wuth der ver⸗ ifeltsten Rützlichkeitsmänner besänftigen, während der Glanz eines vozesses durch den Staats⸗Gerichtshof der Pairs und die Feierlich⸗ der Hinrichtung mit der Guillotine jetzt nur dazu dienen, diesen tismus und diese Wuth zu nähren.“ Ueber die letzten Nachrichten aus dem Kaffernlande schreibt die mes Folgendes: „Zwar erlitten weder die Kolonisten, noch die ischen Truppen bedeutende Unfälle, und eben so wenig können sich Kaffern irgend eines bedeutenden Erfolges rühmen; aber man imt ein, daß die Sachlage sich wenig gebessert habe, was in Fäl⸗ „wie dieser, so ziemlich eingestehen heißt, daß die Lage sich ver⸗ limmert habe. Noch nirgends hat man dem Feinde kräftig Ein⸗ it thun können, und derselbe beharrt nicht nur auf seinen Plün⸗ ungezügen, sondern scheint auch in zwei beträchtlichen Haufen, die beiden Seiten von Grahams Town einherziehen, eine stete Rich⸗ g westwärts zu verfolgen. Die Zahl der Wilden scheint nicht recht annt zu sein; während einige Berichte angeben, daß nirgends hr als 500 Kaffern an einem Punkte beisammen gewesen seien, ge⸗ andere die Stärke ihrer Corps als weit beträchtlicher an. Ihre eif⸗Partieen durchziehen den westlichen Bezirk der Kolonie in allen htungen; sie verbreiten, obgleich sie nicht viele Menschen tödten, all Schrecken und Verheerung, indem sie das Schlachtvieh fort⸗ sben und die Pachthöfe niederbrennen. Sie sind jedenfalls blreich geng, um es mit jeder Streitmacht aufzunehmen, bisher gegen sie auftrat; ihre Tapferkeit ist erprobt, h sie kämpfen mit verzweifelter Hartnäckigkeit. Sie kennen Schwäche der Kolonisten an der Gränze und wissen diese Kennt⸗ destens zu benutzen, um ihre Plünderungs⸗ und Verheerungs⸗ ce auszuführen. Die vergleichweise Straflosigkeit aber, welche her ihre Angriffe begleitete, muß sie zur Fortsetzung ihres Raub⸗ ems anfeuern, und dies ist das Schlimmste bei der Sache. Es ist hst unwahrscheinlich, daß Leute, die sich so reich geplündert haben, diese Kaffern, durch anderen Einfluß, als durch den des Schwer⸗ vermocht werden können, zu friedlichen Gewohnheiten zurückzu⸗ ren. Man wird ihre Stämme künftig eben so leicht zu einem bruche in den Westen bewegen können, wie einst die Horden der ntischen Hochlande. Nichts als gänzliche Unfähigkeit wird sie ab⸗ ecken, ein Plünderungs⸗System wieder anzufangen, das so ganz zu n Neigungen paßt und ihnen diesmal so reiche Beute bringt. Mit dem Post⸗Dampfschiffe „Britannia“ sind über New⸗York hrichten aus Cuba eingegangen, welche melden, daß der Gou⸗ neur der Insel, O'Donnell, abberufen und durch den General
holländischen Journale vielleicht schon vernommen haben, daß der Traktat mit Holland nun wirklich gezeichnet ist. Wir wollen nur hof⸗ fen, daß wir nicht lange mit der Annahme hingehalten werden. Die inneren politischen Neuigkeiten unseres Landes, wie der neu ausge⸗ brochene Zwist der beiden liberalen Verbindungen in Lüttich, welcher höchst schädlich und ärgerlich für die liberale Sache ist, und der Wahl⸗ kampf zu Soignies, wo mit schwacher Mehrheit der Graf von Lannoy als katholischer Kandidat zum Ersatz des verstorbenen Duvivier in die Repräsentanten⸗Kammer gewählt wurde, sind von keinem besonderen In⸗ teresse für das Ausland, wenn nicht insofern, als eben aus dem Streite in Lüttich hervorgeht, wie sehr die Gesinnungen unserer Libe⸗ ralen noch voller Schlacken sind und bei allem erwünschten Fortschritt, wie ihn die starke Opposition gegen Herrn von Lannoy beweist, die liberale Sache ihren Trägern in unserem Lande noch nicht jene Selbst⸗ verleugnung eingegeben hat, die vor Allem noth thut. Interessant dürfte es noch sein, zu erfahren, daß in unserer großen Handelsstadt das Schulden⸗Gefängniß im Augenblick ganz jeer steht und sich dadurch der Ruf von der Solidität Antwerpens, in Betreff der Erfüllung von Zahlungs⸗Verbindlichkeiten, aufs neue bewährt sindet. A“
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Rom, 24. Juli. (D. A. Z.) Der Kapuziner⸗General Kar⸗ dinal Micara soll nach der Veröffentlichung der Amnestie und der dadurch hergestellten allgemeinen Zufriedenheit zum Papste gesagt haben: „Sie haben mit einem Blatte Papier mehr gemacht, als Ihr Vorgänger mit 22 Millionen Scudi.“ Denn daß diese zum großen Theil für die Erhaltung des stehenden Heeres aufgegangen sind, ist eine allbekannte Sache. Die Einfachheit des von den Begnadigten zu unterzeichnenden Reverses läßt deutlich die Feder des Papstes selbst wahrnehmen, so wie der zuletzt mitgetheilte Anschlag, mit welchem er für die Zeichen allgem einer Freude dankt und ihre Mäßigung erbit⸗ tet, ebenfalls von eigener Hand aufgesetzt ist. Wenn es damals, als er erschien, Wunder nehmen mußte, daß er von der Staats⸗ Secretarie und nicht vom Governatore unterzeichnet war, so hat spä⸗ ter eine Auseinandersetzung der Umstände davon Rechenschaft zu ge⸗ ben gesucht. Man sagt, daß am zweiten Abende das Volk die Zu⸗ gänge zum Platze vor dem quirinalischen Palaste mit Polizei⸗Solda⸗ ten besetzt gefunden habe. Der Papst habe diese vom Monsignore Marini genommene Maßregel noch zeitig genug erfahren und sie augenblicklich abgestellt. Dagegen sei ihm Tages darauf ein Anschlag zur Approbation vorgelegt worden, in welchem das Volk mit harten doz ) von den Philippinischen Inseln ersetzt worden sei. Ausdrücken zur Ruhe verwiesen worden sei. Diesen habe der Papst
Auch sind auf demselben Wege Nachrichten aus Rio vom lebhaft gemißbilligt, augenblicklich zerrissen und statt dessen selbst jene „Juni eingetroffen. Diese beschäftigen sich ausschließlich mit den schönen Worte aufgesetzt, welche im Namun des temporairen xv’es gelegenheiten am Plata⸗Strome. Die alliirten Mächte handhab⸗ Secretairs, Monsignore Santucci, publizirt worden sind. Es ist die Blokade von Buenos⸗Ayres sehr streng und hatten mehrere dies nicht das einzige Anzeichen von einer ziemlich starken Mei⸗ hiffe, welche dieselbe durchbrechen wollten, bei Ensenada verbrannt. nungs⸗Opposition, die sich bereits gegen den neuen Papst „zu sas seinerseits hatte ein Dekret erlassen, demgemäß die Offiziere bilden beginnt. Hört man ihn doch schon von einigen Anhän⸗ d Mannschaften der alliirten Escadre, so bald man ihrer habhaft gern des alten Regime als einen Framasson verdächtigen, und rde, als Mörder bestraft werden sollen. Aus Corrientes nichts sicherlich ist es in Folge der Einflüsterungen von dieser Seite her, ues. General Rivera war am 13. Mai von Colonia aufgebrochen daß der Pöbel bereits von Befürchtungen murmelt, als könne das d hatte eine Truppen⸗Abtheilung Oribe's geschlagen. Die Parana⸗ Land bei der neuen Ordnung der Dinge verarmen u. dgl. Darin pedition wurde täglich in Montevideo zurückerwartet. unterscheiden sich die stattgehabten Freudenbezeigungen von eh
Die Times spricht sich in einem leitenden Artikel zu Gunsten welche allen früheren Päpsten zu Theil geworden sind, daß die Mar⸗
boffenen Briefes des Königs von Dänemark in Betreff der maglia diesmal fast gar keinen Antheil hat nehmen können, weil ihr f een vder Försg f 89 den Kern der Gesellschaft alle Plätze weggenommen waren.
bE“ kH“ So wie aber bezahlte Klageweiber einen ganz anderen Eindruck X London, 31. Juli. Der unablässige Wechsel und die machen als die ernste, tiefe Trauer aufrichtiger inniger Theilnahme, so wiegen die dem gegenwärtigen Papst widerfahrenen außerordent⸗
lichen, nachhaltigen und freiwilligen Ehrenbezeigungen alle ähnlichen
reudens⸗Aeußerungen, selbst den Jubel, mit welchem Pius VII. bei
ichtigkeit der öffentlichen Angelegenheiten in England haben in den ten Monaten unsere Aufmerksamkeit von Irland ganz abgewendet,
einer Rückkehr in die ewige Stadt empfangen wurde, reichhaltig und vollwichtig auf.
inzwischen die Repeal⸗Agitation ihre Operationen mit ungeschwäch⸗ Thätigkeit fortgesetzt hat. Sie ist indeß in mehr als eine schwie⸗ se Lage gekommen! Die Geldmittel des Vereins haben sich ver⸗ andert, und die Einigkeit der Mitglieder hat in demselben Verhält⸗ abgenommen, als der Gewinn, den sie unter sich zu theilen b 1 8 Fnu tiig e
Rom, 25. ““ “
Juli. (A. Z.) Nach und nach treffen nun Be⸗
richte aus den Provinzen e
in, wie die ertheilte Amnestie aufgenom⸗
men ist. Die Ausbrüche des Jubels und der Dankbarkeit waren in
Perugia, Ancona, Forli,
In einigen Ortschaften, wo
nestie eintraf, wurden die
Schlafe geweckt, und es erfolgte Illumination.
kurz in allen Provinzialstädten gleich groß.
die Post nach Mitternacht mit der Am⸗ Bürger durch Trommelschlag aus dem In anderen Ort⸗
schaften hat man das Bildniß Sr. Heiligkeit auf einem Triumphwa⸗
gen umhergezogen.
In Foligno wurde die Freude dadurch getrübt,
daß man mehrere dreifarbige Kokarden in den Straßen fand, aber
den treuen Bürgern kostete
es denn auch nicht viele Mühe, die bös⸗
willigen Deponenten festzunehmen, und wie man hierher schreibt, sol⸗ len es Unterbeamte der Polizei gewesen sein. Dasselbe soll auch hier
vorgekommen sein, und au
f den deshalb an den Papst abgestatteten
Bericht soll er erwiedert haben: „Hat man die Kokarden weggewor⸗
fen, so ist es ein Zeichen, Solche und andere Züge g.
mehrere Prälaten seinen Sinn für Gerechtigkeit,
Stellen, kennen gelernt.
daß die Leute sie nicht mehr brauchen.“ ehen von Mund zu Mund. Auch haben mit Verlust ihrer
Die Gazzetta privilegiata di Bologna meldet bei Auf⸗
zählung der verschiedenen
des päpstlichen Gnadenaktes allgemeine Aufführung einer auf das F
Festlichkeiten, welche in Bologna wegen stattfanden, daß am 23. Juli Abends eine
Stadt⸗Beleuchtung und gleichzeitig am großen Platze die
est bezüglichen Kantate statthatte, welche der
berühmte Kapellmeister Rossini in Musik gesetzt und deren von 200 Sängern bewerkstelligte Ausführung von dem genannten Tonsetzer
selbst geleitet wurde.
Nach
beendigter Kantate strömte eine zahllose
Volksmenge mit brennenden Fackeln unter Vortragung von Fahnen
und Blumengewinden nach
den Landhäusern des Legaten und des
Erzbischofs, welche Beide auch durch wiederholtes Vivatrufen begrüßt
wurden. Wie es heißt, soll
Hauszinses erscheinen; der
ßigung der Abgaben gewähren,
men soll.
eine Verordnung wegen des hiesigen hohen
Staat will den Hauseignern eine Ermä⸗ die den Miethsleuten zu Gute kom⸗
In Civitavecchia ist in diesen Tagen ein Schiff unter preußischer
Flagge eingelaufen, vielleicht das erste,
welches seit der Erbauung des
Hafens dort gesehen worden ist.
Palermo, 20. Juli. wieder mit der ganzen Königlichen
scheinlich auch mit der Flo
III11“.“ 1 2x Paris,
cation, welche das portu
1. Aug
Der König verläßt uns heute Abend Familie und Gefolge und wahr⸗
ortugal. „Sie kennen ohne Zweifel die Modifi⸗
giesische Ministerium erlitten hat. Allem
Anschein nach aber hat die Königin nur mit aller Mühe sich bewegen
lassen, darein zu willigen.
welche uns heute zukommen,
Die näheren Angaben über den Hergang, scheinen darüber keinen Zweifel zu laͤssen.
Bekanntlich war der General Marquis von Saldanha zum Kriegs⸗ Minister in dem bisherigen Kabinette ernannt gewesen, hatte aber
immer gezögert, den Posten wirklich anzutreten. endlich hatte er von Brüssel aus die Reise über wo er von der Königin,
bon angetreten, . tracht der Treue, die Vater und ihrer Sache
beehrte, mit Ungeduld erwartet wurde.
Erst vor kurzem London nach Lissa⸗ die ihm in Anbe⸗ er zu jeder Zeit ihrem verstorbenen bethätigt hatte, mit ihrem Vertrauen Die Monarchin wollte
keinen entscheidenden Schritt thun, ohne zuvor seine Rathschläge ver⸗
nommen zu haben. Allein tonangebenden Stimmführ
das längere Warten behagte am Ende den ern nicht mehr, und sie beschlossen, um je⸗
den Preis und mit Anwendung jeglichen Mittels die unverzügliche
Erfüllung ihrer Forderung
eines wenigstens theilweisen Ministerwech⸗
sels zu erzwingen, den Widerstand der Königin dagegen zu überwin⸗
den. Der Verdacht, daß
mehrere Mitglieder des Kabinets selbst da⸗
bei die Hand im Spiele gehabt haben, liegt nur allzu nahe, wenn man die Art betrachtet, wie der Schlag ausgeführt worden ist. Man
scheint das höchst unwürdi
ge und bei den besonderen Umständen, in
welchen sich die Königin ihrer Entbindung nahe befindet, doppelt ver⸗
dammenswerthe Mittel durch Einschüchterung bloße Ueberredung zu
erreichen vermochte.
zu haben, der was man nicht Am Sonntag,
angewendet Königin
abzunöthigen,
19. Juli, bemerkten die Einwohner von Lissabon plötzlich mit Erstaunen und ohne daß sie sich die Veranlassung zu erklären vermochten, außer⸗ ordentliche militairische Maßregeln. In allen Richtungen hörte man 8 den Generalmarsch schlagen, Truppen aller Waffengattungen, von der Linie sowohl, als der größte Theil der neu errichteten Bataillone der
Plätze, wie als ob es sich
seitigung aus dem Kabine gange eben so überrascht, Anstalten wurden getroff Meinung darüber man von der
dem, was
dem ihm übertragenen
von Saldanha uneins un von dessen naher Ankunst
lassung des bisherigen Jose Jorga Loureiro, heiten und der Justiz, Der Herzog von Palmell
binet in seiner jetzigen Z Zugeständnissen nur im Entferntesten im sollen aus dem Heere ent
bon zurückgekehrt sind.
außerordentliche
stehen
genöthigt, der Kronprin Minderjährigkeit desselben entschiedenen Radikalen zu
lich schon weit gekommen
schon Mißtrauen gegen
National⸗Garde, durchzogen die
handelte, der gefahrdrohend bevorstände. aber nirgends Zeichen eines solchen kund.
befragt anderen bevorstände, lich nachgab und die Enthebung des Marquis von Saldanha von Posten im Kabinette unterzeichnete, ehe der selbe noch davon Besitz genommen hatte. zu Lissabon, der Herzog von Palmella,
man aber darüber vernimmt, gleicht, wie ein an die revolutionaire Partei.
unheilvollen Plänen umgehen, ment warten für ihre Ausführung.
äffung dessen hinaus, was
Straßen und besetzten die öffentlichen um Erstickung eines neuen Volks⸗Auflaufes Während dessen gaben sich Die Minister, deren Be tte es galt, waren von dem ganzen Vor als irgendwer; denn alle diese militairische en, ohne daß man sie vorher um ihre hätte. Der Königin aber scheint Seite so ernstliche Besorgniß vor eingeflößt zu haben, daß sie end⸗
Allgemein versicherte ma schon längst mit dem Marqui d deshalb für seine eigene Stellung Alles fürchtend, habe bei dem ganzen Manöye
die Hauptrolle gespielt, und allerdings ist ihm, für den Augenblick wenigstens, dasselbe gelungen. Ministers der Marine und der Kolonieen, Dom und des Ministers der geistlichen Angelegen⸗ Herrn Joaquin Felipe do Soure, angenommen. a aber vertauschte das Ministerium der Fi⸗ nanzen mit dem des Innern und Herr Mousinho de Albuquerque da des Innern mit dem der Marine und der Kolonieen. 7 Noch kennt man nicht genau das Programm, welches das Ka
Zugleich wurde die eingereichte Ent⸗
usammensetzung zu befolgen gedenkt. Was Ei dem anderen, neuen
Alle Offiziere, die auch Verdacht chartistischer Gesinnungen stehen, fernt und durch jene ersetzt werden, die erst
kürzlich aus der Verbannung aus Spanien und Frankreich nach Lissa⸗
Das Diario vom L’sten enthielt wieder
eine ganze Menge von Absetzungs⸗Dekreten gegen Subaltern⸗Beamte. Die radikale und republikanische Partei entwickelt in den Klubs eine Thätigkeit; selbst 1 zu, daß die Feinde des Thrones und der Königin mit
die lissaboner Blätter selbst ge⸗ und nur auf den ersten günstigen Mo⸗
Die Königin soll zur Abdankung z zum König e. für die Zeit der eine Regentschaft ernannt werden, die aus bestehen hätte. Dies liefe auf eine Nach⸗ 1840 in Spanien geschah. Es muß sicher⸗
sein, wenn man die jetzt herrschende Partei die hervorragendsten Männer ihrer eigenen
durch