storbener oder aus anderen Veranlassungen aus dem Dienste getrete⸗ ner Beamten und Ausschließungen aus den Listen in Folge gericht⸗ licher Erkenntnisse.
Die Allerhöchsten Tagesbefehle werden Sr. Majestät dem Kaiser vorgelegt. Nach erfolgter Allerhöchster Bestätigung werden sie vom Stgats⸗ Secretair gegengezeichnet, worauf sie dann zum dirigirenden Senat gehen, der sie, nachdem sie gedruckt sind, sämmtlichen Behörden mit⸗ zutheilen und den Allerhöchsten Willen zur Ausführung zu bringen hat. (Vereidigungen, die Ausfertigung der Patente, Gehalts⸗Abzüge bei Beförderung im Range und bei Beurlaubungen über 28 Tage, so wie alle durch die Gesetze angeordneten Ausführungen, geschehen nach Maßgabe der bestehenden Vorschriften.)
Zum Geschäftskreise des Departements gehören alle persönlichen Dienstverhältnisse der Civil⸗Beamten, als: a) die Ernennungen aller Beamten, die einen Rang oder die Berechtigung zu einem solchen haben; b) Beförderungen im Range; c) Entlassungen von Beamten, die einen Rang haben; d) Beurlaubungen in den Fällen, die außer⸗ halb der den Ministern und Ober⸗Dirigirenden einzelner Verwaltungs⸗ zweige verliehenen Machtvollkommenheit liegen; e) Ernennungen zu den Aemtern, die nach dem Verzeichnisse den ersten sechs Dienst⸗Ka⸗ tegorieen zustehen, so wie Entlassungen von diesen Stellen und Ver⸗ setzungen; f) Versetzungen aus dem Militairdienst in den Civildienst, so wie Wiederertheilungen früher bekleideter militairischer Rangstufen; g) die Aufnahme von Ausländern, die den Unterthanen⸗Eid geleistet haben, in den russischen Staatsdienst; h) Ausschließung aus den Listen verabschiedeter oder verstorbener Beamten; i) Entscheidungen über das Vorrecht, bei Beurlaubungen Uniform tragen zu dürfen; k) die vollständige und gehörige Führung der Dienstlisten aller im Staatsdienste stehenden und einen Klassenrang bekleidenden Beamten; 1) die Anfertigung und Fortführung eines allgemeinen Verzeichnisses aller im Dienste stehenden Beamten mit Klassenrang in der festgesetz⸗ ten Form, in das alle eintretenden Veränderungen, über welche die verschiedenen Behörden monatweise zu berichten verpflichtet sind, ein⸗ getragen werden; m) die Führung der Dienstlisten derjenigen Per⸗ sonen, die keinen höheren Chef über sich haben, damit diese zum Zeichen für untadelhaften Dienst und in anderen Fällen vorgestellt werden können; n) die Ernennungen der Beamten, die bei feierlichen Gelegenheiten zu assistiren haben.
Durch dieses Statut wird das Verfahren bei Entscheiden über Vorstellungen, die an die höchste Machtvollkommenheit gelangen, und die Art der Ueberwachung der Civil⸗Beamten im Allgemeinen festge⸗ stellt, und zwar unabhängig in allen übrigen Beziehungen vom Ustaw über den Civildienst, der in seiner vollen Geltung verbleibt.
In Betreff der Ernennungen und Entlassungen von Beamten, so wie überhaupt in Bezug auf den Geschäftsgang im Departement, wird nach den für die Ministerien im Allgemeinen geltenden Grund⸗ sätzen verfahren.
Das Inspections⸗Departement steht unter der Leitung des die erste Abtheilung der Höchsteigenen Kanzlei Sr. Majestät des Kaisers dirigirenden Staats⸗Secretairs. Diesem wird für alle zum Ge⸗ schäftskreise genannter Abtheilung gehörenden Sachen ein Kollege bei⸗ gegeben, der zugleich Direktor des Departements ist. b
Das Departement zerfällt in vier Expeditionen. Alle Behör⸗ den haben sich mit ihren Beförderungen im Range betreffenden Vor⸗ stellungen an das Inspections⸗Departement für den Cipildienst zu wenden und dabei die gesetzlich bestimmten Formen und Termine zu befolgen, so wie auch die Dienstlisten beizulegen. Außer diesen Vorstellungen sind diesem Departement auch alle Dienstlisten zur be⸗ stimmten Zeit zuzustellen nebst genauen Angaben über die von den Beamten gezogenen Gehalte. — Bittschriften werden angenommen; aber nur denen, die sich auf die zum Wirkungskreis des Departements gehörende Angelegenheiten beziehen, wird Folge gegeben.
Der Dr. Petzholdt zu Dresden ist als ordentlicher Professor der Oekonomie und Technologie an der Universität in Dorpat angestellt
v11“*“
Paris, 4. Okt. vom gestrigen Tage meldet, daß die Herzoge von Aumale und Mont⸗ pensier auf ihrer Reise nach Tolosa mit großem Enthusiasmus vom Volke empfangen und in letzterem Orte festlich bewirthet worden sind. Am 3ten Morgens reisten die beiden Prinzen nach Vitoria, wo ein ähnlicher Empfang ihnen vorbereitet wurde.
Das Journal des Doébats theilt nach Berichten aus London mit, daß der Graf von Montemolin am 30. September noch dort verweilte. Wie man versicherte, hatte derselbe mit Espartero eine Unterredung gehabt und war bei dieser Gelegenheit von Letzterem aufgefordert worden, die Verpflichtung einzugehen, ein constitutioneller König zu werden. Der Prinz soll sich über einen solchen Antrag unwillig gezeigt haben, doch heißt es, das Resultat der Konferenz sei zu sichtbarer Zufriedenheit beider Theile ausgefallen. Man, fügt noch hinzu, daß der Graf von Montemolin bei der londoner Börse 25,000 Pfd. St. erhoben habe, und daß diese Summe jetzt seine einzigen disponiblen Hülfsquellen ausmache. Cabrera hatte England allein verlassen, um sich nach Spanien zu begeben.
Wie verlautet, hat Herr Guizot dem ersten Secretair der fran⸗ zösischen Botschaft in London, Herrn von Jarnac, direkt die Erwie⸗ derung auf die Note zugestellt, welche ihm von dem Marquis von Normanby, dem britischen Botschafter in Paris, in Bezug auf die spanische Vermählungs⸗Frage am 25. September vorgelesen und in Abschrift mitgetheilt worden ist. Diese Erwiederung soll sehr aus⸗ führlich sein; das französische Ministerium stellt die Bedeutung, welche
“
Eine telegraphische Depesche au Bayon ne
gänzlich in Abrede und erkennt England nur das Recht aller übrigen Mächte Europa's an, zu verhindern, Kronen Frankreichs und Spaniens auf einem Haupte zugelassen werde. Am Donnerstage hatte übrigens Herr Guizot wieder eine Unter⸗
nige empfangen. Gestern verlangte Herr Guizot eine neue Konfe⸗ renz, aber Lord Normanby war zu einem Besuche beim Grafen Molé nach dessen Schlosse Champlatreux abgereist. Man will unter den gegenwärtigen Umständen in diesem Besuch etwas mehr als eine Höf⸗ lichkeitsbezeugung sehen und findet es auffallend, daß die Presse, das Organ des Grafen Molé, denselben mit Stillschweigen übergeht.
In der Presse sind übrigens die spanischen Angelegenheiten noch imner an der Tagesordnung, doch erhält man aus den Erörterungen mehr die unfruchtbaren Resultate einer Partei⸗Polemik als eine Auf⸗ klärung über das wahre Sachverhältniß. Das Journal des Dé⸗ bats beschäftigt sich mit einem neuen Artikel der Times, welcher in ruhiger Sprache erklärt, daß England in der spanischen Frage sich auf einen seiner Würde angemessenen Protest beschränkt habe, woraus das ministerielle Organ die Aussicht auf eine baldige gänzliche Be⸗ schwichtigung der Aufregung in England ableitet. Die Presse ver⸗ theidigt Herrn Guizot gegen den Vorwurf des Co nstitutionnel, er habe sein dem Grafen Aberdeen in Eu gegebenes Wort in Be⸗ zug auf die Heirath dee Herzogs von Montpensier gebrochen, wäh⸗ rend der Constitutionnel abermals auf die durch diese Heirath hervorgebrachte Unsicherheit der politischen Beziehungen zu England hindeutet.
Der Constitutionnel zeigt an, daß die zwei ältesten Töchter der Königin Christine vom Herzoge von Rianzares von Paris nach Madrid abgereist sind, um den Vermählungsfesten beizuwohnen. Der in Brüssel wohnenden Schwester des der Königin bestimmten Ge⸗ mahls, welche bekanntlich ohne ihres Vaters, des Infanten Don Francisco de Paula, Einwilligung sich mit einem Polen verheirathet hat, scheine dagegen die Erlaubniß zur Reise nach Madrid verweigert worden zu sein. 1X“
. Paris, 4. Okt. Die Emeute im Faubourg St. Antoine scheint allmälig ein Ende nehmen zu wollen. Gestern Abend waren indeß wieder zahlreiche Truxppen⸗Abtheilungen im Faubourg aufge⸗ stellt und säuberten die Straßen, so oft ein mehr als gewöhnlicher Zudrang von Neugierigen sich bemerkbar machte; aber es sind keine neuen Verwüstungs⸗Scenen vorgefallen. Vorgestern waren wenig⸗ stene siebzig Verhaftungen vorgenommen worden, und die Gesammt⸗ zahl aller in Haft Sitzenden, gegen welche der Prozeß eingeleitet ist, beträgt nahe an hundert. Diese energischen Maßregeln haben offen⸗ bar gewirkt, und es ist daher zu hoffen, daß endlich die Unordnung definitiv aufhören werde. Nach den Verhören, welche die verhafteten Individuen bereits bestanden haben, kennt man die Namen der Hauptanstifter der Unruhen, und diese sitzen größtentheils auch schon in Haft. Die Instruction des Prozesses ist dem Instructions⸗Richter, Herrn de Saint⸗Didier, übertragen, welcher auch die Vorführungs⸗ Mandate gegen die Individuen erlassen hat, welche beschuldigt sind, die Banden angeführt zu haben. Ueber die wahre Veranlassung zu dieser ganzen Emeute oder, richtiger gesagt, über ren Vorwand dazu giebt der Droit (eine Gerichts⸗Zeitung) Aufschlüsse, welche aus of⸗ fizieller Quelle geschöpft zu sein scheinen. Die bedeutendste Thatsache, welche daraus hervorgeht, ist die wirkliche Schuldlosigkeit der Bäcker, die im Anfang selbst von den unbefangensten Personen des Quartiers stark in Zweifel gezogen worden war.
Das unerwartete Wiedereinlaufen der Flotte unter dem Prinzen von Joinville zu Toulon hat zu verschiedenen Deutungen Anlaß ge⸗ geben. Manche glauben, die Regierung habe eine Begegnung der französischen Seemacht und der englischen unter den gegenwärtigen Umständen vermeiden wollen, da die englische jetzt an der spanischen Küste sich befindet. Allein Gewisses weiß Niemand.
Wie man versichert, ist das Kriegs⸗Dampfschiff „Cerbere“, wel⸗ ches in den letzten Tagen des September aus dem Hafen von Tou⸗ lon ausgelaufen ist, bestimmt, von der Insel St. Marguerite aus dem Fort Brescou die arabischen Kriegsgesangenen abzuholen, welche gegen die noch bei der Deira Abd el Kader's befindlichen französi⸗ schen Kriegsgefangenen ausgewechselt werden sollen. Der „Cerbere“ soll die Araber nach Oran bringen, von wo sie unverzüglich dem Ge⸗ neral Cavaignac zugestellt werden, der mit Abd el Kader sich darüber bereits ins Vernehmen gesetzt hat.
Großbritanien und Arland.
London, 3. Okt, Es heißt, die Regierung rüste eine große Expedition nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung aus und habe aus diesem Grunde den Sir Henry Pottinger zum Gouverneur jener Kolonie ernannt. Angeblich steht diese Expedition zu einer anderen von derselben Art in Beziehung, welche nach Madagaskar abgehen soll, um die Besitzergreifung der Bai von Diego Suarez zu reguli⸗ ren. Nachrichten von der Algoa⸗Bai (in der Cap⸗Kolonie) vom 22. August züfolge, hatten die Truppen die Kaffern nach kurzem Ge⸗ fechte über den Kei⸗Fluß getrieben, wobei ihnen die Weiber und Kin⸗ der der Entflohenen, so wie eine große Menge Vieh, in die Hände geffllen waren.
% Die Regierung hat beschlossen, die Zahl der Truppen in Irland zu permehren, und wie aus Portsmouth gemeldet wird, hat die Ad⸗ mirastät die Ordre erhalten, ein Bataillon See⸗Soldaten dahin zu senden, Es werden demnach 800 Mann, mit einem Oberst⸗Lieute⸗ nant an der Spitze, auf Dampfschiffen nach der Schwesterinsel abge⸗
das englische Kebinet dem utrechter Friedensschlusse beilegen möchte, daß die Vereinigung der
redung mit Lord Normanby und Abends wurde der Letztere vom Kö⸗
hen. Außerdem ist drei Kavallerie⸗ und zwei Infanterie⸗Regj tern, so wie drei Artillerie⸗ und drei Sappeur⸗Compagnieen, der fehl zur Einschiffung nach Irland ertheilt worden. Auch soll n der Küste stationirte Seemacht um sechs Dampfschiffe und zwej atten verstärkt werden. Uebrigens sind vorgestern von dem Fieutenant in Dublin an alle Grafschaften des Landes ausf liche Instructionen zur Beseitigung des gegenwärtigen Nothst in Irland ergangen. Das darüber ausgefertigte Dokument e einen vollständigen und in allen Einzelheiten ausgeführten Plan Reorganisirung der Hülfe⸗Comités und ist betitelt: „Instruct für die Bildung und Leitung der Comités zur Abhülfe des aus Fehlschlagen der Kartoffel⸗Aerndte von 1846 entspringenden Elen Diese Instructionen bestehen aus 29 Paragraphen und beste unter Anderem, daß der Lieutenant der Grafschaft jede Baromg welcher Abhülfe des Elends nöthig wird, in passende Distrikte, t. aus mindestens zwei Kirchspielen bestehend, für die Wirksamtei Unterstützungs⸗Comités einzutheilen und für solche Distrikte die . ren zu errichten hat. Sodann werden die Mitglieder genannt, als öffentliche Beamte allein jene Unterstützungs⸗Comités sollen. Jedes Comité, neu eingesetzt oder schon früher (gat 15. August) bestanden und aufs neue von dem Lieutenant der e schaft zusammenberufen, soll periodisch zusammentreten und in vom General⸗Commissair zu diesem Zweck, wie zur Korresya und Rechnung übermachten Buche die vorkommenden Verhanze protokslliren. Eine höchst wichtige Pflicht der Comités soll a durch ihren Einfluß und Vorgang Verbesserungen im Feldbagz Trockenlegung von Sümpfen und Urbarmachung wüster Länderng befördern. Sobald öffentliche Arbeiten zur Hülse für die Nothleit zu unternehmen sind, haben die verschiedenen Comités in der aa dem Staatsbauten⸗Amt Listen der Hülfe nachsuchenden Personen zureichen, worin 1) die von Unterhaltsmitteln entblößten Pemj welche die zahlreichsten ganz von ihnen abhängige Familien se 2) Personen mit kleineren von ihnen abhängigen Familien, 3) alle anderen Beschäftigung bei öffentlichen Arbeiten nachsucgh Personen, für deren Unterhalt es durchaus nothwendig, aufufüe sind. Nur Personen, welche in wirklicher Noth sind, sollen iim strirt werden. Die Einfuhr, wie bis zu einem gewissen Umfeaugeg Vertheilung fremden Getraides, bleibt der Privat⸗Untenasau überlassen.
Die am 27. August aus Bombay abgegangene Uebersandh des Herrn Waghorn über Triest ist gestern hier eingetroffen. Nachrichten aus Indien betreffen vorzüglich die westlichen Gränst der und wiederholen die schon früher gegebenen Mittheilungen von drohenden Zustande des Pendschab, wo man nach Beendigung Regenzeit für gewiß den Ausbruch eines neuen Krieges erma Die Lords Hardinge und Gough verweilten noch an der Gränz der Sommer⸗Residenz Simla.
Aus Port Philipp in Australien erfährt man, daß Dr. Leil
eine neue Entdeckungsreise von Morton Bay aus direkt nach 1 Australien unternehmen wollte. Er gedachte zuerst die nördliche 9. tung einzuschlagen, um wo möglich die Quellen der Flüsse aufzusut welche in den Meerbusen von Carpentaria fallen; hernach wold sich nordwestlich wenden und, längs der Wüste hinziehend, das unbesuchte Land durchwandern, welches den Bogen nach dem S—. nenflusse hin bildet. Man erwartete, daß er bei dem Eindm in die Wildnisse des inneren Australiens auf große Schwierigi stoßen werde. ee Ztalien. RNom, 26. Sept. (A. Z.) Seit einigen Tagen zirkulin folgendes in einer Provinzialstadt gedrucktes Schreiben: „Alan⸗ Brüder! Unsere heilige Religion ist dem Verfall nahe — dar gedrungene Papst Mastai ist ihr Unterdrücker. Er gehört zum gen Italien; seine Handlungen sprechen deutlich genug. Wac keit also, Klugheit und Muth, Ihr Brüder; habt Ihr ein Hen, ich glaube, so wird die Religion des eingeborenen menschgewornze Gottes siegen. Der Himmel wird uns beistehen, da wir außen göttlichen auch die weltlichen Arme für uns haben, den rechten! Ferdinand's I. und den linken Ferdinand's II. Inzwischen w. nicht müde, den Gläubigen ins Gedächtniß zu rufen, daß derl zehrende Keim (il germe divoratore) vergebens dem Willen Allerhöchsten widerstrebt. „Der verzehrende Keim“ soll unser Sal wort sein, um Jenen zu bezeichnen. Später wird Euch der f bare Tag unserer Glorie bekannt gemacht werden. Der Himmeln uns bei unserem Unternehmen beistehen.“
Ein Exemplar dieses Schreibens soll dem Papst direkt zugege worden sein, ein anderes hat, wie behauptet wird, ein Freund der durch Dokumente beglaubigten Angabe des Autors ihm 1 bracht. Die Volksmeinung — man weiß nicht, mit welchem Enh — bezeichnet den Kardinal della Genga als den Urheber.
Die bevorstehenden Ernennungen der Delegaten finden hier]. vergnügte. Man scheint sich mit der Hoffnung geschmeichelt zu hat weltliche Gouverneurs ernannt zu sehen. Kardinal Amat geht . nach Bologna und wird gern gesehen. Mons. Grasselini gezt Prolegat nach Ferrara.
Die in dem Garten der Väter der Mission liegende Antbon säule soll jetzt zu Ehren Pius' IX. wieder aufgerichtet werdenz Ort ist noch nicht bestimmt. Einige wollen sie zum Schmuct Platzes vor dem Lateran, Andere zu dem von Piazza di Epn verwenden.
Es vergeht keine Woche, daß Pius IX. nicht die eine und dere der zahlreichen milden Stiftungen Roms, Konvente, arts
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Eisfeld nämlich sind Steinbrüche im älteren Flötz⸗ und Muschelkalke ange⸗ legt, ein paar zolldicke Platten werden ausgebrochen und auf dem Ambos in Streifen zerschlagen, die dann wieder in würflichte Stücke zerlegt wer⸗ den. Auf dem Mühlstein der Marmelmühle werden diese Stücke abge⸗ schliffen und zu Kugeln geformt. Die fertigen werden polirt und durch ein geheimes Verfahren blau und roth gebeizt. Eine Mühle kann in 24 Stun⸗ den 5000 Kugeln fertig machen, also in einem Jahre anderthalb Millio⸗ nen Stück.
Auch die Bearbeitung der Schiefertafeln hat man in der Gegend von Gräfenthal und Probstzella zu beobachten die Gelegenheit. Die gebrochenen Platten werden durch den Meißel in dünne Tafeln gespalten, diese Tafeln glatt geschabt, mit der Scheere beliebig zugeschnitten und an den Rändern abgeflacht, damit sie in den Rahmen passen. Bei Sonnenberg werden jähr⸗ lich an 600 Klaftern Tannen⸗ oder Fichtenholz zur Anfertigung der Rah⸗ men verbraucht.
Es ist so leicht von einer Landschaft zu rühmen, wie der Gesang der Vögel sie belebt, wie ihre Wälder vom Harze duften u. s. w. Aber alle diese schönen Dinge haben auch ihre nützliche Seite, und da die poetische bis zum Uebe druß häufig hervorgekehrt wird, so sei es erlaubt, jetzt die nützliche etwas stäcker zu betonen. Dem Reisenden steht ja frei, alle jene dichterischen Empfindungen für sich im Stillen zu hegen, nur darf er sie nicht mehr drucken lassen. Was also die Singvögel anlangt, so sei hier erwähnt, daß die Thüringer sich auf ihren Fang und ihre Abrichtung vor⸗ trefflich verstehen, und daß ihre Vogelhändler die ganze Welt durchstreichen. Einen gut schlagenden Finken zu besitzen, ist eine Art Ehrensache, und man erzählt, daß, als ein Nuhlaer von einem Finken in einem Walde bei Kö⸗ nigsberg in Ostpreußen hörte, der besser schlug, als der seinige, er sich so⸗ fort auf den Weg machte, mit jenem Finken zurückkehrte, bankerott wurde
———— — —j—
und vor Jämmer starb. Ja, sogar nach Amerika gehen die thüringischen Vogelhändser, setzen die ihrigen ab und bringen die ausländischen in ihre Heimat zufück. Wie erstaunt war jener berühmte Reisende, der in den Anden plößlich das Lied des Papageno hörte und den guten Thürin⸗ höcsatn Bexg heraussteigen sah, der, seinen Vogelkorb auf dem Rücken, es ustig sang.
Im Friihjahr werden die geeigneten Stämme der Nadelwälder gelach⸗ tet, d. h. ein biliter Streifen der Rinde abgeschält, aus dem der hatzige Saft hervoeuillt; der gehärtet in die Pechhülten geschafft wird. Die Hei⸗ delbeeren wesden getrocknet und vielfach versendet, namentlich nach den Seeege en und naͤch Frankreich, wo man sie zum Färben der Rothweine
enutzt. 8
Auffallend ist es, daß der Ort, der nicht blos Thüringen, sondern Feinen großen Theil von Norddeutschland mit Wein versorgt, Benshau⸗ sen, selber nicht eine Traube reif werden sieht. Vor etwa 200 Jahren kauften Fuhrleute am Main und Rhein Wein auf und setzten ihn im Nor⸗ den ab, wo sie Fische und andere Produkte als Rückfracht brachten. Aus diesem kleinen Anfang erwuchs eines der größten Speditions Geschäfte, das Deutschland hat, so daß die Sage von Fuhrleuten erzählt, die 99 Pferde im Stalle hasten, und daß man im Norden meinte, Benshausen läge am Rhein. So starke Konkurrenten dieser Handel in neuerer Zeit gefunden hat, so werden doch von da noch jährlich an 9000 Eimer versandt.
Noch wenige Jahre, und auch durch die Einsamkeit des thüringischen Gebirges wird das schrillende Signal der Lokomotive tönen. Dem Lande wird dadurch eine neue Zukunft bereitet, aber dem Reiche der Dichtung wieder eine Provinz entzogen. Wer sich dann nach einer friedlichen Land⸗
schaft sehnt, in die das Geräusch der Städte und ihrer Industrie nicht ein⸗ dringt, wird sich in die Hochalpen und vielleicht nach 50 Jahren nach dem
entfaltete, ist aus dem Herzen des Volkes in die
Chimborasso oder dem Davalaghiri aufmachen müssen. Schon jetzt 1 der Bevölkerung keine Erinnerung an ihre reiche historische Vergangen mehr aufzufinden; die Märchenwelt, die einstmals hier ihr reichstes de Bücher der Gelehrten! wichen. Man hört sie nirgend mehr, sondern muß sie lesen. Eine n
wie die war, die den Gebrüdern Grimm die Märchen ihres Landes! zählte, würde jetzt schon kaum mehr aufzufinden sein; die Armuth sel
an die Scholle, an die Arbeit, an die Fabrik, und man kann noch,
Glück sagen, wenn bei diesem Sinken der geistigen Lebenskräfte wenige
die Rechtschaffenheit und die einfache Bürgertugend gerettet wird.
diesem Lauf der Zeiten zu widerstreben, ist unmöglich, und vielleicht, kommende Jahrhunderte einen Ersatz für die Verluste bringen, die erlitten werden. Wenigstens pflegt es die Vorsehung immer so einzean ten, daß, was das National⸗Leben an der einen Stelle einbüßt, ihe
1 einer anderen wieder ersetzt wird. EE1
Göttingen, 4. Okt. (Gött. gel, Anz.) In der Sitzung der
niglichen Gesellschaft der Wissenschaften vom 1. September wurde von
Geheimen Hofrath Gauß eine Vorlesung überreicht, mit der Ueders
„Untersuchungen über Gegenstände der höheren Geodäsie, zweite Abh
8,5 In der ersten Abtheilung war eine neue Methode, die geodätit
Messungen zu behandeln, vorgetragen, deren Haupt⸗Eigenihümlichkein 5
besteht, daß die meisten Rechnungen anz oder fast ganz eben so gen⸗ y
werden, als befände sich das Dreiecks⸗Spstem nicht auf einer syhan schen, sondern auf einer Kugelfläche, und zwar ohne allen Abbruch sut äußerste Schärfe der Resultate. In dieser zweiten Abtheilung werden die Formeln zur Ermittelung auf der Ellipsoidfläche eniwickell.
*
gierung von Frankreich aus gemacht wurden, sind unter diesen Um⸗ aden ausgeschlagen worden. In Folge dessen wird der Eisenhandel
fimg konnten nicht alle
gangenen en 1 piilira des Laterans abermals vier Individuen zur Tonsur, zwanzig
Abrede gestellt werden.
wisfenschaftliche Institute, angemeldet und unangemeldet, besucht, mdie äußere
und innere Verwaltung dieser Anstalten in der Nähe
en zu lernen. Er fand sogar in diesen Tagen Zeit, der öffent⸗
zen Disputation eines Alumnus des römischen Priester⸗Seminars in Sant Apollonari beizuwohnen. zußerordentlich zahlreich anwesenden Geistlichen merken, sie möch⸗
Zum Schluß derselben ließ er sein persönliches Erscheinen bei dieser Gelegenheit sich zu frucht⸗
ingenderer Belebung ihrer Studien und als Aufforderung zu einer pöhten 9 Verhandlungen über Anlegun
klerikalen Bildung dienen lassen.
von Schienenwegen haben Regierung und die Pächter ihrer Eisengruben veranlaßt, den Me⸗ halt des im Kirchenstaat sich findenden Minerals genauer unter⸗
lge
. zu lassen. Da die hierzu erforderlichen technischen Mittel in Rom unvollkommen sind, te es nach Frankreich. Potemosi in den großen Oefen von Vienne im Dauphiné ver⸗ zallete Einschmelzung ergab, daß namentlich das Material von ante Leone und Gavelli 30 bis 40, das der Tolfa aber 60 pCt.
so belud man ein Schiff mit Eisenerde und Die in Gegenwart der Signori Costa
Guß und Hämmerei vortrefflichsten Eisens liefert, während die
gebigste bisher bekannte Grube Italiens, die auf Elba, nur 50 pCt.
Die Anerbietungen wegen Ankaufs der Tolfa, welche der
girchenstaats, bisher ein sehr passiver Artikel, der aktivste in Ita⸗
werden.
Letzten Dienstag verstarb hier der Baron Guiseppe Tosta Picco⸗ iri, Cavallerizzo Maggiore und geheimer Kämmerer des Papstes.
Der Andrang zum geistlichen Stande erhält sich gegen früher auf iher böhe. Bei der großen Priesterweihe in der letzten Quadra⸗ Wünschenden berücksichtigt werden, weshalb Sonnabend vom Kardinal⸗General⸗Vikar Patrizi in der
den Ordines minores, eben so viele zum Subdiakonat, zehn zum
rkonat und zum Presbyterat funfzehn promovirt werden mußten.
Spanien. z Madrid, 29. Sept. Heute habe ich Ihnen eine Nach⸗
t mitzutheilen, die Beachtung verdienen dürfte. Der französische fhat, wie mit Bestimmtheit versichert wird, der hiesigen Regie⸗ gg die Anzeige gemacht, der Herzog von Montpensier könne sich,
den Fall, daß seine künftige Gemahlin den spanischen Thron be⸗
gen sollte, unmöglich dazu verstehen, die nichtsbedeutende Rolle cs bloßen Gemahls der Königin zu übernehmen; er würde viel⸗ ör auf diesen Fall den Titel und die Vorrechte eines wirklichen nigs von Spanien in Anspruch nehmen. Dieses Ansinnen soll zwar unter
jeigen so bedenklichen Umständen für die spanische Nation und sremden Kabinette ein Geheimniß bleiben und nöthigenfalls sogar Um aber dieses künftige Verhältniß auf schickliche Art schon jetzt anzubahnen, sollen die Minister entschlos⸗
sein, dem Infanten Don Francisco de Asis gleich nach seiner Ver⸗ hlung den Königs⸗Titel und das Prädikat Majestät beizulegen, e, wie es in Portugal geschah, abzuwarten, daß die Königin di⸗ e Nachkommenschaft habe.
Sollte die Vorsehung es so fügen, in Ermangelung derselben die Infantin den Thron bestiege, so
de man sich auf die dem Infanten verliehene Rang⸗Erhöhung als i zur Richtschnur dienenden Fall zu Gunsten des Herzogs von
ntpensier berufen können.
Man erfährt so eben, daß die Behörden von Bordeaux die kar⸗ lischen Obersten Manzanos und Nogueruela nach der Citadelle von iye abführen ließen, weil ste den Plan entworfen haben sollen, in dindung mit mehreren von dem amerikanischen General Flores
worbenen Karlisten den französischen Prinzen den Weg von der uge nach Madrid zu verlegen. Dieser Weg ist übrigens mit ppen und Gendarmen angefüllt; die Prinzen werden sich nirgends
halten, und der Zeitpunkt ihrer Durchreise wird sorgfältig geheim
alten. Der französische Botschafter dringt auf Beschleunigung der mählung. Sie wird, wie man glaubt, schon am 4ten stattfinden,
die hohen Paare werden sich noch an demselben Tage nach injuez begeben, um erst am 10ten zu den Festen hierher zurück⸗
hr. n.
Die fremden Reisenden, die aus den Provinzen hier eintreffen, sen sich, dieses Land zu verlassen, indem sie überall große Auf⸗ ug bemerkt haben wollen.
Die Minister haben sehr beunruhigende Nachrichten aus London lten. Ihre vertrauteren Freunde suchen sich ihrer Staatspapiere entledigen. Diese fallen unaufhaltsam.
Die gestrige Sitzung des Senats war sehr stürmisch. Die Mi⸗ r verstummten vor den heftigen Ausfällen des Generals Serrano.
x Paris, 4. Okt. Man schreibt von der catalonischen Gränze n 29. September: „In unserem Fürstenthume herrscht im All⸗ einen die Ansicht vor, daß, wenn der Graf von Montemolin und General Cabrera einen Versuch gegen Spanien wagen sollten, von der portugiesischen Gränze aus geschehen würde. Aber man ffelt sehr, daß sie in ein solches Unternehmen, dessen Erfolglosig⸗ vorauszusehen wäre, sich einlassen werden. Ihre Flucht und die htung, die sie eingeschlagen zu haben scheinen, haben sicher einen ick, der unschwer sich erkennen läßt. Sie wollten sehen, ob nicht ganze Land, wenn es ihr Entkommen vernähme, die Waffen ge⸗ die in Spanien bestehende Regierung ergreifen würde. Wenn sie sssaire in Spanien haben, so müssen sie jetzt wissen, wie sie unge⸗ daran sind. Allerdings sind einige Manifestationen vorgekom⸗ „die vielleicht mit der Entweichung des Grafen von ntemolin und des Generals Cabrera in Zusammenhang unden haben mögen; aber welches Resultat sie hatten, auch bekannt. Die Bevölkerung des Landes ist in Masse ruhig sehben, trotz einiger fanatischen Priester, die sie zum Aufstande zu eiten suchten und troß der Einflüsterungen der stets bereiten Anar⸗ een. Man hat bei den vier in der Diözese von Seu de Urgel hafteten Priestein, von welchen drei Mitglieder des Kapitels sind, respondenzen mit den Feinden der Regierung gefunden, durch ce mehrere Individuen stark kompromittirt sind. Allein diese stsache steht vereinzelt da, und von allen Punkten des Landes in dagegen die bestimmtesten Nachrichten ein über die vollkommene he und Ordnung, welche überall herrschen. Die Flucht des Grafen
ontemolin hat in Catalonien weit weniger Aufregung hervorge⸗ it, als die verletzende Weise, in welcher einige englische Blätter der Königin und der Infantin von Spanien gesprochen haben. Was
rafen von Montemolin betrifft, so ist sein Name ohne allen uß im Lande. Ein ernstlicher Aufstand ist da unmöglich, der af von Montemolin müßte denn mit den Waffen in der Hand die selterung dazu nöthigen. Und gelänge es ihm auch, alle seine Kkril besindlichen Anhänger unter seiner Fahne zu vereinigen und n Spanien einrücken zu lassen, was wohl eine eben nicht leichte üj ist, so fände er im Lande selbst wenigstens eben so viel Hin⸗ 8 und Widerstand, als Schwierigkeiten, um bis dahin zu ge⸗
‚und das will viel sagen. Rnnüch kürzlich eine Haussuchung bei ihm vorgenommen wurde) ndet, und daß er zu Valencia sich ausschiffen werde, während
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bei Das Gerücht war im Umlaufe, ekannte General Prim habe seine nahe Abreise von Paris (wo
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Ametiler mit einem anderen progressistischen General in Catalonien eindringen würde. Prim selbst soll diese Ankündigung in einem vom 18. September datirten Briefe gemacht haben. Dies wäre also ein neuer Plan im Gegensatze zu denen der Karlisten. In Hoch⸗Cata⸗ lonien soll eine Karlisten⸗Bande unter einem Chef Namens Boquina oder Boquiqua erschienen sein und in kleinen Abtheilungen herum⸗ ziehen, um einen Aufstand vorzubereiten. Indeß sind dies bis jetzt nur Gerüchte, deren Wahrheit oder Falschheit dahingestellt bleibt. Noch immer werden an der Gränze, die jetzt sehr streng bewacht ist, einzelne spanische Flüchtlinge verhaftet, die über dieselbe zu gelangen
Türkei.
82 Konstantinopel, 23. Sept. Gestern, am ersten Tage der Beiramsfeste, begab sich der Sultan nebst allen Großwürdenträgern mit dem üblichen Gepränge in die Moschee Sultan Achmed’'s, um sein Gebet zu verrichten.
Einer Großherrlichen Verordnung zufolge soll bei Aushebung
der Mannschaft für den Militairdienst von nun an vorläusig eine ärztliche Untersuchung der Individuen stattfinden, zu welchem Ende für die Aerzte eine eigene Instruction verfaßt wurde. Nachdem der rebellische Gouverneur des Bezirks von Ravenduz in Asien, Ressul Pascha, von den kombinirten Streitkräften der Paschas von Bagdad und Mossul aus seinen ersten Verschanzungen vertrieben worden, ward er nun auch aus den zweiten Positionen verdrängt. Die türkischen Truppen marschirten hierauf gegen die Stadt selbst, welche nach einer lebhaften Gegenwehr von Seiten der Rebellen ein⸗ genommen wurde. Es heißt, daß die Stadt stark gelitten hat, und daß Ressul entwichen ist, den man übrigens nachdrücklich verfolgte. Die bei diesen Gefechten in die Gewalt der Großherrlichen Truppen gefallenen 3 — 400 Gefangenen sind nach Konstantinopel gesendet worden.
Um dem, wiewohl im geringeren Grade noch fortdauernden Geiste der Widerspenstigkeit in, den Provinzen von Van, Dschezire und Kur⸗ distan ein Ziel zu setzen, hat die Regierung beschlossen, ein Truppen⸗ Corps daselbst zu konzentriren. Gleichzeitig soll Nazin Effendi, wel⸗ cher mehrere Missionen dieser Art an anderen Punkten mit Erfolg erfüllt hatte, dahin abgesendet werden, und zwar um über den Zustand 55 die Bedürfnisse der Einwohner die nöthigen Erhebungen zu pflegen.
Nach Berichten aus Adrianopel vom 18ten d. M. war am 12ten Abends jene Stadt von einer zweiten Feuersbrunst heimgesucht wor⸗ den, welche die dortigen Bazars der Schuhmacher und Sattler voll⸗ kommen zerstörte. Innerhalb drei und einer halben Stunde gingen 500 Boutiken oder Magazine, 3 Chane und mehrere Wohngebäude, sammt einer großen Menge Waaren, zu Grunde. Bei dieser Gele⸗ genheit sind die jüdischen Handelsleute um ihre ganze Habe gekom⸗ men. Die Besorgniß vor weiteren Brandlegungen hält die Einwoh⸗ ner jener Stadt in fortwährender Unruhe, weshalb sie auch ihre werthvolleren Effekten in Sicherheit zu bringen suchen. Die Aus⸗ wanderungen waren sogar so häufig geworden, daß der Gouverneur Tahir Pascha Maßregeln zur Verhinderung derselben treffen mußte.
Am 19ten sind zu Gallipoli zwei ziemlich heftige Erderschütte⸗ rungen verspürt worden. 3 11
vVereinigte Staaten von Nord-Amerika.
London, 2. Okt. (B. H.) Das Post⸗Dampfschiff „Britan⸗ nia“ bringt Nachrichten aus New⸗York vom 15. September und über die Verhältnisse in Mexiko aus Veracruz vom 29. Au⸗ gust. Santana's Aufnahme in Veracruz wird als günstig für ihn und seine Anhänger geschildert, scheint aber nicht so enthustastisch ge⸗ wesen zu sein, wie man erwartet hatte. Er machte sich sofort auf den Weg nach der Hauptstadt, wohin ihm die Friedens⸗Vorschläge des Präsidenten Polk gefolgt sind, welche Commodore Connor nach dem Abgange Santana's von Veracruz erhalten und unverweilt un⸗
ter Parlamentair⸗Flagge an's Land geschickt hatte. Mit den nächsten
Berichten aus Mexiko wird man wohl die Antwort erhalten. Das Gerücht, daß Santana für den Frieden sei, erhält sich, und man weist besonders auf eine Zusammenkunft hin, welche Santana kurz vor seinem Abgange von Havanna mit einem amerikanischen See⸗Offizier gehabt hat, der sich darauf ohne Aufenthalt in's Lager des General Taylor begab. — Die amerikanische Kriegs⸗Brigg „Truxton“ war am 14. August auf einer Untiefe vor dem Flusse Tuppan, 120 Miles nordwärts von Veracruz, total verunglückt, und der Befehlshaber derselben hatte sich mit der Mehrzahl seiner Offiziere und Mannschaft den Mexikanern ergeben müssen. Nur vierzehn Matrosen unter dem Lieutenant Hunter gelang es, sich eines mexikanischen Schooners zu bemächtigen und zum Geschwader zu entfliehen.
Die Santa⸗Fé⸗Expeditien unter dem General Kearney befand sich am 3. August auf Eilmärschen zwischen Bents Ford und Santa Fé. Aus dem Hauptquartier des General Taylor, der erst am 5. September nach Monterey aufbrechen wollte, wird nichts Neues ge⸗ meldet, außer einer gefährlichen Meuterei einer Compagnie Inländer, welche am 31. August statthatte und freilich mit der Gefangenneh⸗ mung der Meuterer endete, jedoch erst, nachdem ein Dampfboot, des⸗ sen sie sich bemächtigt hatten, förmlich mit Sturm genommen war und 25 bis 30 Mann theils getödtet, theils schwer verwundet wor⸗ den waren. Unter den Verwundeten sind ein Oberst und ein Haupt⸗ mann.
Aus den Vereinigten Staaten wird wenig von politischem In⸗ teresse gemeldet. In der Staatskasse herrscht großer Mangel. Die ersten zehn Millionen, die für den mexikanischen Krieg votirt sind, waren gänzlich, die zweite Serie von gleichem Betrage großentheils schon aufgewandt, und der Kongreß würde außerordentlicherweise zu⸗ sammenberufen werden müssen, wenn die ordentliche Session nicht be⸗ reits im Dezember wieder begänne. — Zum Gesandten am londoner Hofe ist für den abberufenen Herrn M'Lane Herr Bancroft ernannt worden. Er wird als ein Mann von vielen gelehrten Kenntnissen geschildert. An Herrn Bancreoft's Stelle hat Herr Mason das Por⸗ tefeuille des Marine⸗Ministeriums übernommen.
Aus Californien erfährt man wenig Gewisses. Der britische Admiral, dessen letzte Nachrichten aus England ihm die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten als sehr bedenklich schildern, ist durch die Besitznahme von Calisornien abseiten des amerikanischen Commo⸗ dore in große Verlegenheit gebracht worden und hat sowohl bei dem britischen Gesandten in Washington, als bei dem General⸗Gouverneur
von Kanada Verhaltungs⸗Befehle nachgesucht.
— ö“ Eisenbahnen. Berlin, 8. Okt. Gestern fand auf der Berlin⸗Hambur⸗
ger Eisenbahn, welche in wenig Tagen dem allgemeinen Verkehr, zunächst für Personen⸗Beförderung, bis Boitzenburg übergeben wer⸗ den wird, die erste größere Probefahrt statt. Mehr als 300 dazu eingeladene Personen nahmen an derselben Theil, darunter namentlich die meisten Mitglieder der Direction und mehrere Notabilitäten der
mit dem Eisenbahnwesen in näherer Beziehung stehenden Industrie⸗
zweige. Nach 6 ½ Uhr fuhr der lange durch Neuheit und äußerste Eleganz des Materials ausgezeichnete Zug von dem provisorisch zu diesem Zwecke eingerichteten großartigen Güterschuppen des berliner Bahnhofes ab. In etwas gehaltenem Tempo, wie es der Zweck ei⸗ ner solchen Probefahrt verlangt, bewegte er sich nach den Haupt⸗ Bauwerken dieser Bahn⸗Anlage, der Spree⸗ und Havelbrücke, nebst einer Fluthbrücke bei Spandau, welche sämmtlich, so wie auch die kleineren weiterhin liegenden Brücken, ganz massiv gewölbt oder in Gußeisen⸗Construction aus der rühmlichg bekannten Fabrik des Herrn Borsig ausgeführt sind. Von Spandau aus berührt die anschei⸗ nend wenige Terrain⸗Schwierigkeiten darbietende Bahn bis nach Boitzenburg folgende Haupt⸗Stationsorte: Nauen, Friesack, Neustadt a. d. D., Glöwen, Wittenherge, Grabow, Lud⸗ wigslust und Hagenow. Anscheinend sagen wir. Denn es ist bekannt, daß der meistens flache Boden fast durchgängig aus leichtem Sande und Moorgrund besteht, bei welchem es an verschiedenen Orten unsägliche Mühe kostete, für Schienenlage und die nöthigen Gebäude eine solide Basis zu gewinnen. Namentlich gehören in die⸗ ser Beziehung die Arbeiten, welche unternommen werden mußten, um für die großartige Anlage des berliner Bahnhofes das geeignete Terrain herzustellen, jedenfalls zu den merkwürdigsten und kostbarsten Werken, welche der Eisenbahnbau bisher aufzuweisen hat. Auch sonst fehlt es nicht an ansehnlichen Terrain⸗Arbeiten. Größere Dämme mußten z. B. zwischen Neustadt und Stüdnitz und im Elbthal bei Wittenberge aufgeworfen werden, während bei Stüdnitz und Ludwigslust bedeutende Durchstiche nöthig waren. Alle diese Bauten sind offenbar mit der äußersten Solidität ausgeführt worden. Vor Allem muß die Schienenlage ganz ausgezeichnet sein. Denn uns sind nur wenig Eisenbahnen vorgekom⸗ men — und wir haben die meisten jetzt bestehenden in und außer Deutschland befahren — bei welchen, selbst bei schnellerer Fahrt, die Bewegung so ruhig und sanft gewesen wäre, wozu natürlich auch die vortrefflich konstruirten Wagen, welche der berliner und hamburger Industrie alle Ehre machen, das Ihrige beitragen mögen. Um so leichter wird sich gerade auf dieser Bahn eine weit größere Schnel⸗ ligkeit erzielen lassen, als bei der gestrigen ersten Probefahrt erreicht und mit Recht für angemessen gefunden wurde. Die ganze Fahrt bis Boitzenburg, wo der Zug um 3 Uhr eintraf, also auf einer Strecke von ungefähr 30 Meilen, dauerte, freilich mit Einschluß eines längeres Aufenthaltes in Wittenberge, 8 ⅞ Stunden, während die Rückfahrt nach Berlin von 3 ½ bis 12 Uhr Nachts, also gleichfalls 8 ½ Stunden, währte. Sobald die Bahn dem öffentlichen Verkehr übergeben sein wird, soll der Weg von Berlin nach Boitzenburg und von da zurück in je 6 ½ Stunden zurückgelegt werden. Dann wird auch eine regelmäßige Dampfschiff⸗Verbindung zwischen Hamburg und Boitzenburg in der Weise stattfinden, daß die resp. Eisen⸗ bahnzüge mit Ankunft und Abfahrt jener Dampfschiffe immer genau zusammentreffen und folglich die Reise von hier nach Hamburg und eben so zurück ganz bequem in einem Tage, d. h. bis zum Abend, vollbracht werden kann. In den nächsten Tagen werden noch mehrere Probefahrten stattfinden. Künftigen Dienstag, den 13ten, wird, wie wir hören, auch Se. Königl. Hoheit der Großherzog von Mecklenburg⸗Schwerin an einer Fahrt der Direction auf mecklenbur⸗ gischem Gebiete Theil nehmen, und Mittwoch, den 14ten, Ihre Königl. Hoheit die verwittwete Großherzogin von Mecklenburg⸗ Schwerin die Bahn zum erstenmale zu einer Extrafahrt nach Berlin benutzen. Donnerstag, den 15. Oktober, dem Geburtstage Sr. Majestät des Königs, wird hierauf die Bahn dem regelmäßigen all⸗ gemeinen Verkehr übergeben werden.
Wir behalten uns vor, über die anderweitigen Verhältnisse die⸗ ser Bahn, welche jedenfalls zu den wichtigsten in dem großen deut⸗ schen und europäischen Eisenbahnnetze gezählt werden muß, noch eini⸗ ges Nähere mitzutheilen, so bald sie bis zu ihrem Zielpunkte, Ham⸗ burg, vollendet sein wird. Namentlich werden wir dann auch den sehr bedeutenden Bahnhofs⸗ und Stations⸗Anlagen, welche, in groß⸗ artigem Style angelegt, zum guten Theile nur erst im Werden sind, besondere Aufmerksamkeit widmen.
Wien, 4. Okt. (Oest. Beob.) Kaum war die untere Strecke der südlichen Staats⸗Eisenbahn von Gratz bis Cilli dem Verkehr er⸗ öffnet, so traf der verhängnißvolle 25. August die obere Strecke von Mürzzuschlag bis Bruck. Durch die heftigsten, plötzlichen Regengüsse mächtig angeschwollen, überstieg die Mürz ihre Ufer und wählte sich 9 ihren Lauf, dem für die erste Zeit keine Macht widerstehen onnte.
Auch die Staats⸗Eisenbahn, beschränkt in ihrer Führung auf den Zug durch enge Thäler, oft hart an den Ufern dieses Flusses vorbei⸗ streifend, mußte sich ungeachtet der großartigen Schutz⸗ und Wehr⸗ mittel, welche man, die Kraft der Hochwasser erkennend, aufzuführen nicht unterlassen hatte, der Gewalt des Elements fügen.
Mehrfache Beschädigungen, die Unterbrechung des Betriebs wa⸗ ren die Folge. Die Beschädigungen sind allerdings bedeutend und bestehen in Folgendem:
In der Nähe von Mürzzuschlag wurde eine Durchfahrt von 6 Ruthen Spannung und mit ihr die Dämme auf 30 Ruthen Länge, ferner ein Durchlaß von 1 Ruthe Spannweite und sammt demselben der Damm auf 12 Ruthen Länge zerrissen; oberhalb Krieglach fand ein Durchbruch der Dämme links der Brücke über die Mürz bis 70 Ruthen Länge und ein zweiter Durchbruch von 40 Ruthen Länge statt; die Dämme aber waren an mehreren Stellen bis auf eine Länge von beiläufig 150 Ruthen angegriffen und theilweise bis ge⸗ gen die Bahnachse abgespült; unterhalb Krieglach wurde ein Durch⸗ laß abgerissen, wodurch sich eine Oeffnung von 10 Ruthen der bei⸗ derseitigen Dämme ergab; bei Wartberg war ein Durchlaß von 2 Ruthen Spannung ganz demolirt, und es zeigte sich eine Oeffnung von 15 Ruthen im Damme; zwischen Mürzhofen und Hofendorf sind ein Flügel der Brücke bei Mürzhofen, die Flügelmauern und ein Lheil des Gewölbes bei 4 kleinen Objekten, dann an beiden Brücken bei Marein und Hofendorf zwei Pfeiler von den herabströmenden Hölzern beschädigt worden; bei Hofendorf wurde eine Durchfahrt von 2 Ruthen abgerissen, wodurch ein Dammbruch von 4 Ruthen entstand; endlich sind zwei Wächterhäuser bei Krieglach zerstört.
Man war nun vor Allem bemüht, die Bahn so schleunig als möglich wieder in fahrbaren Stand zu versetzen, so wie alle jene de⸗ finitiven Herstellungen vorzunehmen, die geeignet sind, künftige ähn⸗ liche Ereignisse unschädlich zu machen, und es war, mit Aufbietung aller Kräfte, schon am 6. September gelungen, die Strecke von Bruck bis Kindberg dem Verkehre wieder zu eröffnen. Am 9. September war auch die Herstellung zwischen Kindberg und Krieglach beendigt, so daß von diesem Tage an auch diese Strecke hätte befahren werden fönnen; da jedoch der Verkehr des gewöhnlichen Fuhrwerks zwischen der Bahn und dem Orte Krieglach wegen der Beschränktheit des Aufstellungsplatzes und des Mangels an Stations⸗Gebäuden hätte gestört werden können, so erschien es nicht räthlich, die Fahrten bis Krieglach früher auszudehnen, als bis auch die weitere Strecke von Krieglach bis Mürzzuschlag in fahrbarem Stande sich befand.
Dieses Ziel ist nun gleichfalls erreicht, so daß auf der ganzen südlichen Staatsbahn vom 4. Oktvber an die regelmäßigen Perso⸗ nenzüge und vom 5. Oktober die regelmäßigen Lastenzüge wieder ver⸗ kehren. Nur die Vollendung einiger Schutzbauten und definitiver
Herstellungen wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.