1846 / 281 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

8 Der Geheime Rath Dr. Dieffenbach aus Berlin weilt seit vor⸗ gestern Abend in unserer Stadt.

Die Fruchtpreise halten sich bei uns noch auf ihrer Höhe und sind in der verflossenen Woche wieder etwas gestiegen. Die für un⸗ sere Stadt in Holland effektuirten Ankäufe von 30,000 Malter Frucht und 3000 Faß Mehl werden indessen noch im Laufe dieses Monats hier eintreffen und dem Steigen der Getraide⸗Preise mindestens Ein⸗ halt gebieten. Wenn auch die Preise aller übrigen Cerealien hoch stehen, so gereicht es uns doch zur Freude, sagen zu können, daß die Kartoffeln in unserer Gegend gut gerathen und im Preise bereits auf 2 Fl. (1 Rthlr. preuß. Cour.) pro Malter gewichen sindd(.

Oesterreichische Monarchie. Wien, 6. Okt. Se. Königl. Hoheit der Prinz von Preußen

hat gestern früh die Grenadier⸗Division seines Regiments in der Kaserne besichtigt und sich sodann zu einer Artillerie⸗Production nach der simmeringer Haide begeben. Mittags war Hoftafel im Kaiserl. Lustschlosse zu Schönbrunn, zu welcher Se. Königl. Hoheit der Prinz von Preußen, Se. Kaiserl. Hoheit der Großfürst Michael von Ruß⸗ land, die mit der Bundes⸗Inspection beauftragten Herren Generale, die Kaiserl. Minister, obersten Hofchargen und die Präsidenten der Kaiserl. Hofstellen geladen waren.

Se. Kaiserl. Hoheit der Erzherzog Albrecht hat als kommandi⸗ render General an sämmtliche Truppen folgenden Tagesbefehl erlassen:

„Se. Königl. Hoheit der Prinz von Preußen und die übrigen Mit⸗ glieder der Bundes-Inspection haben sich über die Leistungen der Truppen, sowohl bei der gestrigen als heutigen Production, sehr beifällig ausge⸗ sprochen. Auch haben Se. Excellenz der Kaiserl. Hof⸗Kriegsraths Präsident, Graf von Hardegg, hitcrüber seine volle Zufriedenheit ausgedrückt. Es ist Mir angenehm, dieses sämmtlichen Truppen bekannt geben zu können. Mit dem heutigen Tage gehen die diesjährigen Waffen⸗Uebungen zu Ende. Mit wahrer Genugthuung habe Ich Mir auch jetzt von den Fortschritten und der Ausbildung der Truppen aller Waffengattungen und von dem besonde⸗ ren Grade der Manövrirfähigkeit derselben Ueberzeugung verschafft, sehe Mich sonach veranlaßt, Meine volle Zufriedenheit bei so erfreulichen Re⸗ sultaten auszudrücken, die hauptsächlich das Werk der Einsicht und Thätig⸗ keit der Herren Generale, wie nicht minder des unermüdeten Eifers der Herren Stabs⸗ und Ober⸗Offiziere und des guten Willens und der Hin⸗ gebung der Unteroffiziere und Mannschaft sind. Alle Truppen insgesammt haben in gleichem Maße allen Meinen Erwartungen entsprochen. Ich finde Mich daher verpflichtet, Meinen besonderen Dank auszusprechen, und freue Mich, solche von so herrlichem Geiste beseelte Truppen zu befehligen, die, Ich bin überzeugt, in der Gefahr zu den schönsten Erwartungen berechti⸗ gen, im Frieden aber immer einen höheren Grad der Ausbildung zu erlan⸗ gen beflissen sein werden.“

Wie man vernimmt, beabsichtigt der Erzherzog Albrecht eine Reise nach Italien zu unternehmen, um den dort im Laufe dieses Monats stattfindenden militairischen Uebungen beizuwohnen.

Der Kaiserl. Oberst und Brigadier, von Frank, hat den Auftrag erhalten, sämmtliche Pionier⸗Abtheilungen, welche in Ober⸗Oesterreich, Böhmen und Italien liegen, zu inspiziren, um sich von den Fort⸗ schritten derselben zu überzeugen und darüber hierher zu berichten.

Frankreisch.

Paris, 5. Okt. Eine telegraphische Depesche vom 3ten aus Vitoria meldet die daselbst am Abend des genannten Tages erfolgte Ankunft der beiden französischen Prinzen. Am Morgen des folgenden Tages beabsichtigten sie, nach Burgos weiter zu reisen.

Das Schloß in Pau wird jetzt in Stand gesetzt, da der Herzog und die Herzogin von Montpensier nach ihrer Vermählung daselbst anf einige Zeit ihren Aufenthalt nehmen werden.

Die Haupt⸗Gegenstände der Erörterung von Seiten der Presse betreffen noch immer die spanischen Angelegenheiten. Ein neuer rück⸗ sichtsloser Artikel der Times über die Heirath zwingt das Jour⸗ nal des Doébato, seine gestern geäußerte Freude über die allmälig sich kundgebende Mäßigung der englischen Presse zu dämpfen und mit gleich scharfen Waffen zu antworten, während der Constitu⸗ tionnel in einem gedehnten Artikel seinen dynastischen Oppositions⸗ Charakter sich zu erhalten bemüht und die Politik des gegenwärtigen Kabinets auf der einen Seite anfeindet, auf der anderen der herr⸗ schenden Dynastie seine Huldigungen bringt. Der Einfluß des Herrn Thiers auf diese Richtung des Blattes ist nicht zu verkennen, und der heutige Artikel kann als eine Art politischen Manifests seiner Partei gelten.

Die Presse glaubt nach Briefen aus London die bestimmte Versicherung geben zu können, daß Cabrera am 1. Oktober England noch nicht verlassen habe.

*. Paris, 5. Okt. Die Ruhe und Ordnung sind also auch in⸗ Faubourg Saint⸗Antoine wieder hergestellt, Dank dem energischen Einschreiten der Regierung. Aber diese wenigen Tage der Emeute haben dem gewerbtreibenden Stand jenes Quartiers schon Schaden genug zugefügt, und das Mißtrauen gab sich auch vorgestern und gestern Abends noch deutlich genug kund, indem noch immer des Abends zahlreiche Läden geschlossen bleiben. Von sehr erfreulicher Bedeutung ist die Thatsache, daß in dem Augenblicke, als am 2. Ok⸗ tober Abends die Stadt-Sergeanten und die Munizipal⸗Garde eine große Zahl von Emeutiers festnahm, welche mit einem um⸗ geworfenen Omnibuswagen und anderen in der Hast zusam⸗ mengetragenen Material eine Barrikade aufwerfen wollten, von allen umliegenden Häusern lauter und einstimmiger Bei⸗ fallruf ertönte, und die Nachbarn nun, des kräftigen Beistandes der bewaffneten Macht sicher, in Menge herbeieilten, sie zu unterstützen.

Diese Thatsache ist deshalb besonders erheblich, weil sie in den An⸗

nalen aller Emeuten von Paris, welche leider zahlreich genug sind, gauz neu ist. Man muß übrigens die Bewohner des Faubourg Saint⸗ Antoine selbst sich aussprechen gehört haben über die Klasse der Be⸗ völkerung, welche, in der Rne Marguerite und einigen anderen Neben⸗ straßen des Faubourg wohnend, den vorzüglichsten Antheil an den begangenen Unordnungen genommen hat, um auch die wahre Bedeu⸗ tung derselben zu ermessen. Es sind nicht etwa arme, aber ordentliche Familien von Arbeitern, die trotz einer geregelten, sparsamen, nüchternen Lebensweise, trotz der Entbehrungen, die sie sich auferlegen, und trotz ihrer Thätigkeit und ihres Fleißes nicht den hinreichenden Verdienst und Erwerb fänden, um die Kosten der nöthigsten Lebensbedürfnisse für sich und ihre Angehörigen zu bestreiten: es sind Leute aller Na⸗ tionen, von jedem Alter, wenn auch die jungen unter ihnen die Mehr⸗ zahl ausmachen, von beiderlei Geschlechtern, ohne Stand oder Ge⸗ werbe, Leute, denen es auch gar nicht darum zu thun ist, in einer geordneten regelmäßigen Beschäftigung die Quellen und Hülfsmittel für ihren Lebensunterhalt zu finden; Leute, die von überall her in Paris zusammengeströmt sind, wo sie vom Tag auf den Tag leben, ohne festen Wohnsitz bald da, bald dort sich aufhalten, um so den Augen der Polizei, welche sie fürchten, desto leichter sich entziehen zu können. So leben sie denn in einem Zustande unbeschreiblicher Sittenlosigkeit, dessen Minimum noch die wilde Ehe ist, ein wahres Schlaraffen⸗ und Aben⸗ teurerleben, auf Kosten des ordentlichen Theils der Bevölkerung, der öffentlichen Moralität zum Aergerniß, von Lug und Trug und meist auch vom Diebstahl, für welchen sie immer in nächster Nähe bereit⸗ willige Hehler und Mithelfer finden, trotz der Strenge, mit welcher die Tribunale und die Geschworenengerichte jedesmal gegen sie zu Werke gehen, so oft ihnen Gelegenheit dazu geboten ist. Mit einem Worte, der Auswurf, die Hefe der Bevölkerung aller Länder und der ganzen Gesellschaft treibt sich in jenen übelberüchtigten Straßen herum, die ein wahres Pestübel für das ganze Quartier geworden sind. Auch das Quartier St. Marceau im zwölften Arrondissement hat das Un⸗ glück, einige Straßen mit ähnlicher Bevölkerung zu besitzen, unter welcher die bekannten Chiffonniers (kumpen⸗Einsammler, was im Grunde nicht richtig übersetzt ist, da die Chiffonniers nicht sowohl Lumpen von Kleidern, als Papierfetzen in den Straßen zusammensu⸗ chen) noch eine der respektabelsten Klassen sind. Hier findet das Wort populace im schlimmsten Sinne seine vollste Anwendung. Das sol⸗ ches Gesindel in einer so großen Stadt, wie Paris, auch in größerer Zahl sich zusammendrängt, und daß dies um so leichter geschehen kann bei der nicht selten allzu weit gehenden Toleranz und Nachsicht, mit welcher die Fremdenpolizei im Allgemeinen hier gehandhabt wird, kann nicht befremden. Ohne dem wirklich ordentlichen Fremden auch nur im mindesten durch unnütze Plackereien lästig zu fallen, könnte doch die Aufsicht auf Individuen, die wirklich gegründeten Verdacht und Argwohn einflößen, und die nicht selten der Gegenstand des Schreckens und der Besorgniß, immer aber des Abscheus der ordnungs⸗ liebenden Einwohner sind, sehr bedeutend verschärft werden. Daß diese Auf⸗ sicht in der That nicht wenig zu wünschen übrig läßt, zeigt die Masse von Dieben und Gaunern aller Art, die in Paris ihr Handwerk treiben und von denen kaum ein kleiner Theil bis vor die Gerichte kommt, wie zahlreich auch die täglich vor denselben stehenden Individuen im ersten Augenblicke erscheinen mögen. Wenn auch die Angabe mancher, wonach 6 8000 entlassene oder entsprungene Galeeren⸗Sklaven in Paris sich herumtreiben sollen, übertrieben ist, so ist es darum für die öffentliche Sicherheit noch keinesweges beruhigend, wenn auch nur der dritte oder selbst der fünfte Theil der angegebenen Ziffer in Wirklichkeit vorhanden ist: und daran zweifeln selbst diejenigen nicht, welche die Zahl der wirklich vorhandenen Individuen dieser gefähr⸗ lichen Gattung am niedrigsten anschlagen. Vielleicht werden die be⸗ trübenden Ereignisse der letzten Tage wenigstens die eine gute Folge haben, die Behörde zu größerer Vorsicht und Strenge im allgemeinen Interesse, wie in ihrem eigenen zu veranlassen. 1189 Mäccherwons.

Sroͤßbritanien und AZrland.

London, 3. Okt. In Dublin waren vorgestern nach Ankunft des Unterstaats⸗Secretairs für Irland, Herrn Redington, Gerüchte ver⸗ breitet, daß die Minister den Vorschlag des Lord⸗Lieutenants in Be⸗ treff sofortiger Anweisung einer Summe Geldes zur Beschäftigung der Armen in Irland abgelehnt hätten, und Lord Besborough zu⸗ gleich mit dem Staats⸗Secretair für Irland seine Entlassung ein⸗ gereicht habe. Man schenkt indeß dem Gerüchte keinen Glauben, obwohl man das Vorhandensein eingetretener Schwierigkeiten nicht bezweifelte.

In der Betrachtung der spanischen Frage von Seiten der hie⸗ sigen Presse ist noch keine Aenderung eingetreten. Die den franzö⸗ sischen Plänen freundlichen Blätter, wie Standard und Morning Herald, fahren fort, mit dem Journal des Débats gegen Times und Morning Chroniecle zu kämpfen, welche ihrerseits noch eben so bitter als rücksichtslos wie früher die französische Diplo⸗ matie angreifen. Beim Standard hat der veröffentlichte Brief⸗ wechsel zwischen Herrn Bulwer und dem General Serrano in Madrid großen Anstoß erregt, und das Blatt beschwert sich in einem längeren Artikel über diese, wie es das Verfahren nennt, „Verletzung der Gesandtenpflicht“. „Ueber den Inhalt dieses Briefwechsels“, schreibt nämlich der Stan⸗ dard, „worüber unsere Leser für sich selbst urtheilen werden, ist es unnöthig, hier mehr zu sagen, als daß derselbe von Seiten Herrn Bulwer's so frei und rückhaltslos als möglich, und in der That, in

Bezug auf seine Unterhandlungen als Gesandter, so ausführih als wenn er an seinen Vorgesetzten, Lord Palmerston, geschn wäre. Dies ist ohne Frage ein Schritt vorwärts in dem Gebhra und in der Wissenschaft der Diplomatie! Wir sind jedoch verpfli hiermit auszusprechen, daß es nach unserer Ansicht eine unziemliche und fährliche Neuerung ist. Bisher hatte man immer geglaubt, daß ein Gef ter von einer Macht bei der Regierung und nur dllein bei der Regin einer anderen Macht beglaubigt sei; daß ein Gesandter Niema anzuerkennen und Niemanden vertrauliche Mittheilungen zu mm habe, als der Regierung des Landes, an welche er gesandt ist; er verpflichtet wäre, in Betreff der Maßregeln der Regierung, welcher er zu unterhandeln hat, ein eben so unverbrüchliches Schwe zu beobachten, als in Betreff der Maßregeln seiner eigenen Regi Ein Gesandter vertritt nach der alten Ansicht der That und dem N. nach seinen Fürsten, und er ist nicht berechtigt, irgend etwas zu fe was für seinen Fürsten in einem befreundeten Lande zu thun unpas⸗ wäre. Wir sagen, dies ist der bisher angenommene Begriff von wahren Stellung eines Gesandten. Wir können leicht sehen, dieser Begriff auch in dem gesunden Verstande begründet ist, ne wir den Fall auf uns selbst anwenden. Wir wollen einmal ame men, England sei in eine sehr zarte Verhandlung mit irgend iin anderen Lande, zum Beispiel mit Frankreich, verwickelt; die Veng lung würde während ihres Verlaufes, wie natürlich, ein Gegaf des Interesses und daher auch der Abstimmung in unserem ga mente; ein Mitglied der Opposition in dem einen oder dem an Hause würde irgend eine angebliche Forderung oder ein Zugt niß des Ministers als eine Beeinträchtigung darstellen; Beschuldigung würde von den Ministern zurückgewiesen; das dm tions⸗Mitglied, welches die Beschuldigung vorgebracht, wende sit den französischen Gesandten, um durch dessen Zeugniß seine BVish digung zu unterstützen, und der französische Gesandte ertheile Zeugniß in einem langen und ausführlichen Schreiben und ihm, dieses Schreiben in den öffentlichen Blättern mitzutheilen. würden wir mit diesem unverschämten Eindringling verfahren? Wiß wir ihn nicht mit dem nächsten Dampfschiff nach Calais zurückschicken, Das ist keine freudige Aussicht; aber es ist die Aussicht, welce n haben, wenn das Verfahren Herrn Bulwer's nicht mit einem ust lenden Stempel der Mißbilligung bezeichnet wird. Selbst lie berufung würde keine zu strenge Strafe, ja sie würde kamm srr genug sein, im Falle ein englischer Gesandter den Charakter en Führers der spanischen Opposition und eine Aufwieglers annüg Lord Palmerston muß, wenn er das falsche Benehmen Herrn Bulwer nicht schnell, öffentlich und entschieden vit die Verantwortlichkeit davon übernehmen, und Lord Palmej hat an seiner eigenen genug zu tragen.“ Der Stande wie der Morning Herald stellen übrigens nach wie vor das! gestörte Fortbestehen des freundschaftlichen Verhältnisses mit Fra reich in Aussicht, während dagegen die Gegner der französischeng litik glauben, daß es am madrider Hofe zu sehr ernstlichen Exyla tionen kommen werde, da England sich durch die wahrheitswedg Behauptung des Herrn Isturiz in den Cortes, als beruhe die lische Opposition auf getäuschter Hoffnung wegen Zurückweisung; von ihr vorgeschlagenen Kandidaten für die Hand der Königin, koburger Prinzen, in seinem Gesandten und seinem Minister empfe lich beleidigt fühlen müsse und ohne eklatante Satisfaction in di Punkte nicht zufrieden geben dürfe. h““

Däntemark. Kopenhagen, 3. Okt. (A. M.) Der Wehrpflichts⸗Gesetzenin

dessen Berathung die letzten Sitzungen der Roeskilder Stände⸗Versammg.

in Anspruch nahm, ist im Wesentlichen derselbe, welcher auch den byss schen Ständen vergelegt werden sollte und sich deshalb auch in dac Balch gen zur holsteinischen Stände⸗Zeitung abgedruckt findet. Die Abmeda gen sind natürlich durch die Verschiedenheit der provinziellen und lce Verhältnisse bedingt. Die Motive zu beiden sind fast Wort für Wortit einstimmend, es geht daraus hervor, daß die Bemerkungen der vier Stän Versammlungen zu dem ihnen im Jahre 1844 vorgelegten Wehrpsii Gesetzentwurf einer aus milttairischen Mitgliedern bestehenden Kommisf zur Prüfung vom militairischen Standpunkte aus vorgelegt worden, daß, nachdem diese ihr im Wesentlichen von Sr. Majestät gebilligtes h achten abgegeben, die ganze Angelegenheit einer zweiten aus Militair⸗ Civil⸗Personen zusammengesetzten Kommission mit dem Auftrag überge wurde, einen neuen und vollständigen Entwurf zu einer Verordnung gen allgemeiner Wehrpflicht auszuarbeiten. Diese von dem Köniße nehmigte Arbeit ist nun der den Ständen zur Begutachtung vorgel Entwurf.

Zunächst weisen die Motive in ihrem allgemeinen Theil nach, wenn die ganze waffenfähige Mannschaft Dänemarks und der Herzogthü wirklich ausgehoben werden sollte, der Staat nicht im Stande sein wit die daraus erwachsenden Kosten zu bestreiten, indem sich daraus ein von 187,120 Mann ergeben würde, während jetzt die Armee um 78,032 waffengeübten Lerten bestehe. Diese vertheilen sich so, daß

20,900 Mann zur Linie, 18,955 » » Kriegsreserve und 1b 38,176 » ¹ Verstärkung gehören. Ins den Kriegszeiten habe aber allein die Unterhaltung einer - von 100,000 Mann jährlich üͤber 18 Mill. Rbthlr. gekostet. Die Zall männlichen Personen, welche in Dänemark und den Herzogthümem 22ste Jahr crreichen, beträgt 17,000 Mann. Davon werden jetzt jätt als Rekruten ausgehoben: zlur Linie 4982 Mann 1 zum Seedienst . 1000 » . aals dienstuntüchtig zurückgewiesen 4200 » zusammen also 10,182 Mann,

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8 1 daß demnach eirea 7000 Mann waffenfähiger Mannschaft übrig blei⸗ welche nicht zur Armee gezogen werden. Wollte man auch diese in

ich die

das oberslächlich Eingeübte wieder verlernen würde.

Die Einführung allgemeiner Wehrpflicht in einem Lande, in welchem sber die Wehrpflicht ausschließlich auf einem einzelnen Stande geruht be, könne daher nur als ein verändertes Rekrutirungs⸗Gesetz darstellen, welches anordne, daß der Militair⸗Etat (und zwar in der erigen für binreichend erkannten Stärke) anstatt aus einem einzelnen unde in Zukunft in gleichem Verhältnisse aus allen Ständen rekrutirt aden sollt. Das Lvos müsse entscheiden, wer die Wehrpflicht zu leisten e und wer davon befreit werde, woneben dann freilich auch gewisse ge⸗ lich bestimmte Befreiungen, z. B. Königlicher Beamter und ihnen gleich⸗ hellte Kommunal⸗Beamten, erweislicher Versorger ihrer Familien 2ꝛc. vom sen zugestanden werden müssen. Den zu höheren Berufsarten sich vor⸗ nitenden jungen Leuten müsse ferner Gelegenheit gegeben werden, sich in Waffen zu üben, ohne daß die Vorbereitungen zu ihrem künftigen Be⸗ allzusehr darunter litten, in den größeren Städten die Bürgerbewaff⸗ ug die Stelle der Armee vertreten u. s. w.

Dieser allgemeine Theil der Motive zum Gesetz⸗Entwurf ist wohl der pächere der ganzen Arbeit, wogegen zu den einzelnen Paragraphen des wurfs sehr ausführliche Erörterungen hinzugefügt sind. Das Gutachten Comité's erkennt die Vorzüge dieses Entwurfs vor dem in 1844 vor⸗ gten, hauptsächlich in dem Wegfall der mannigfachen Ausnahmen, die setzteere in der Leistung der Wehrpflicht zugelassen habe, und rühmt die c die Königliche Resolution vom 3. August d. J. eingeführte Modifi⸗ on in der Disziplinar⸗Gesetzgebung, wodurch das Eintreten der gebil⸗

ren Etände in die Armee ermöglicht worden. Der Haupt⸗Einfluß des in Entwurfs sieht das Gutachten nicht in dem numerischen Zuwachs

Landesvertheidigung, der eben unbedeutend sei, da die bisherige Stärke

Armee als ausreichend angenommen sei, sondern in dem morali⸗ n Einstuß, den die Verschmelzung aller Stände in der Armee auf

Geist des Ganzen haben müsse. Doch wird die Ansicht ausgesprochen

die Armee bei dieser neuen Organisation eben so wenig wie bei der mhinreichen möchte, einen etwanigen feindlichen Ueberfall, dem das Land

b seiner ganzen Beschaffenheit so sehr ausgesetzt zu sein scheine, zurückzu⸗ sen, weshalb es auch zu beklagen sei, daß die Motive sich gar nicht über Art und Weise aussprächen, wie man die Kriegs⸗Reserve, die doch zu⸗ zst im Fall eines Krieges einzuberufen sei, mit Waffen und vor Allem Offizieren zu versehen denke. Diesem Mangel abzuhelfen, haben des⸗ Hdrei Comité⸗Mitglieder einen besonderen, dahin einschlagenden Plan gearbeitet, der dem Gutachten beigelegt ist. Von einem anderen Comité⸗ liede ist ein Minoritäts⸗-Votum abgegeben, welches mit dem Antrag ßt, die Versammlung möge abrathen, daß der Entwurf zum Gesetz er⸗

nwerde. 8

Iä6 Italien. 18 Genna, 30. Sept. Nach den uns so eben zukommenden esten Nachrichten über den Krankheitszustand der Prinzessin Luise Preußen, hatte sich bei Ihrer Königl. Hoheit gestern, als am en Tage der Krankheit, aufs neue ein stärkerer Fieberanfall ein⸗ ellt, der jedoch heute früh wieder zurückgetreten war. Die übrigen mptome der Krankheit boten jedoch, nach der Versicherung der be- delnden Aerzte, nichts Beunruhigendes dar, und es ist zu hoffen, die Krankheit, nachdem sie nun auf ihre kritische Höhe gestiegen, iner stetigen Abnahme verlaufen werde.

Spanien.

6 Madrid, 30. Sept. Gestern traf der Oberst Fitch, den englische Gesandte vor drei Wochen mit Depeschen an den Ad⸗ 1 Hyde Parker abgefertigt hatte, wieder hier ein. Der Oberst ee die Flotte nicht mehr in Cadix angetroffen und sich, um sie suchen, in Gibraltar an Bord eines Dampfers eingeschifft. Er lie englische Flotte auf der Höhe von Mogador an, wo sie den sschen General⸗Konsul für Marokko, Herrn Drummond Hay, an's dgesetzt hatte. Gleich nach Empfang der Depeschen des Herrn wwer ging der Admiral Hyde Parker mit seiner Flotte nach Gi⸗ tar unter Segel.

Was ich Ihnen gestern schrieb, findet seine Bestätigung im aldo, dem Organ der französischen Botschaft. Dieses Blatt ot für schicklich und nothwendig, daß dem Infanten Don tisvo de Asis der Königstitel und das Prädikat „Majestät“ legt werde. „Auf diese Weise“, sagt der Heraldo, d dem möglichen Falle vorgebengt, daß Se. Königl. Ho⸗

des Generals Serrano) die Ermächtigung zur Erhebu Waffen üben, so würde dazu eine Mehranstellung von 88 Seconde⸗ his Ende besses Jahres. Pa Erof dog Hehs beate sein G.⸗

zutenants und 704 Unteroffizieren erforderlich sein, und dadurch, so wie

Demüthigungen ausgesetzt werde, wie der Prinz Al⸗

t deren erlitten hat. (?).. Wir sind überzeugt, daß die Regie⸗ diese Angelegenheit auf den ersten Wink (des französischen chafters) erledigen werde. Da es sich hier aber um ein Pre⸗ eent handelt, das zur Richtschnur bei künftigen Fällen die⸗ soll, so muß es auf recht feierliche Weise geschehen.“

Das Eco del Comercio wird nicht nur fast täglich vor sei⸗ Erscheinen unterdrückt, sondern der Gefe politico hat dem Eigen⸗ er desselben eine Geldstrafe von 50,000 Realen auferlegt. Der politit’o von Palma in Mallorca untersagte einem dort erschei⸗ n Blatt, „irgend einen auf die Heirath der Infantin mit dem oge von Montpensier bezüglichen und gegen dieselbe gerichteten el aufzunehmen, möge er von der Redaction herrühren oder aus en Blättern genommen sein.“ Der Art. 2 der Constitution ktet allen Spaniern, ihre Gedanken frei ohne voraufgehende r drucken und veröffentlichen zu lassen.

Gestern ertheilte der Senat mit 99 Stimmen gegen eine (die

lung das Folgende hinzufügen.

Partieen

r angn *

ug der Steuern

staunen aus, daß gerade jetzt, da der Sohn des Don Carlos in

Unterhaltungskosten der Mannschaft während einer viermonatli⸗ London angekommen wäre und Spanien mit einem Angriff bedrohe,

n Ererzierzeit, eine Mehrausgabe von 256,160 Rbthlr. erwachsen, ohne „man dadurch eine sonderlich geübte Mannschaft bekäme, die vielmehr

der diesseitige Gesandte am englischen Hofe ier in Madrid be⸗ finde. Der Minister⸗Präsident ertheilte 1e 9 ie unbefriedigende Antwort, daß der Gesandte (Herzog von Sotomayor, der hier seinen Geldgeschäften obliegt) auf seinen Posten zurückkehren würde, sobald sein Urlaub abgelaufen wäre. Der Bischof von Coria entwarf ein sehr trübes Bild von dem Mangel, welchem die Geistlichkeit preis⸗ gegeben ist. Viele Kirchen stürzen ein, weil man nichts auf ihre Ausbesserung verwendet, und an manchen Orten wird, wie der Bischof nachwies, der Gottesdienst in Scheunen, Thorwegen u. s. w. abgehalten.

Heute verkündet der Heraldo, die französischen Prinzen wür⸗ den am Zten in Vitoria, am 4ten in ggicg 9 hier eintref⸗ sen, die Vermählungen aber am 10ten stattfinden. Auch der Schwa⸗ b.-n aehung üe v Musoz, ist den Prinzen entgegenge⸗

ist. Fast stündlich langen Couriere von B⸗ französi⸗ soen öscat an g Bayonne auf der französi

Die diesseitigen Minister haben den von der englischen Regie⸗ rung gegen die Heirath der Infantin eingelegten Protest bis jetzt unbeantwortet gelassen. Dagegen sollen sie die Abberufung des Ge⸗ sandten, Herrn Bulwer, verlangt haben. Dieser erhielt vor einer halben Stunde einen Courier aus London, der Depeschen von der höchsten Wichtigkeit überbracht zu haben scheint.

„Ess sind Bevollmächtigte der neuen Republik Santo Domingo hier eingetroffen, um über die Anerkennung derselben zu unterhandeln.

Explodirende Baumwolle.

AUHMeber diesen gegenwärtig vielsach besprochenen Gegenstand, sind uns nachstehende (auch bereits anderwärts mitgetheilte) Ensensen Seal atneg:

Vollkommen unabhängig von Schönbein und Böttger, auf eine achtung von Pelouze fußend, die mein Lehrbuch der Ssner,enn, 2. g 9 im ersten Bande hat, ist es mir gelungen, eine explodirende Baumwolle dar⸗ zustellen, welche, nach den damit vorgenommenen Versuchen, in der That ganz geeignet erscheint, das Schießpulver zu ersetzen. Um die Resultate wichtiger Entdeckungen so schnell, als es zu wünschen, auf die höchste Stufe der Vollkommenheit zu bringen, scheint es mir nothwendig, dieselben sofort der Oeffentlichkeit zu übergeben, damit Hunderte und Hunderte sich mit der⸗ selben beschäftigen können. Ich verschmähe es deshalb, die von mir ge⸗ machte, höchst interessante Entdeckung, deren Folgen im Augenblick gar nicht abzusehen sind, zu verkaufen oder patentiren zu lassen, und bringe sie hier⸗ mit zur allgemeinen Benutzung ins Publikum.

„Zur Darstellung der explosiven Baumwolle wird gewöhnliche, gut ge⸗ reinigte Baumwolle ungefähr eine halbe Minute lang in höchst konzentrirte Salpetersäure getaucht (die Säure, welche ich benutze, ist durch Destillation von 10 Theilen getrockneten Salpeter und 6 Theilen Vitriolöl bereitet), dann sofort in oft zu erneuerndes Wasser gebracht, um sie varin von der anhängenden Säure völlig zu befreien wobei Sorge zu tragen, daß alle fester zusammenhängenden Theilchen gehörig entwirrt werden und hierauf stark getrocknet. Das explosive Präparat ist dann fertig.

„Die Wirkungen desselben erregen Staunen bei Jedem, der sie sieht. Die kleinste Menge explodirt, wenn sie auf einem Ambos mit dem Hammer geschlagen wird, wie Knallquecksilber; mit einem glimmenden Körper entzün⸗ det, brennt es wie Schießpulver ab, und im Gewehre leistet es, in weit kleinerer Gewichtsmenge, vollkommen das, was Schießpulver leistet.

Man wendet die explosive Baumwolle genau so wie Schießpulver an. Man 1. 28 58. 182 6 11”- in den Lauf, setzt einen

apierpfropf und dann die Kugel auf. e Explosion des Zündhü bringt die Baumwolle zum Fmnlobiren. 1 Ient eses

Ohne Ausnahme sind Alle, welche den in meinem Laboratorium an⸗ gestellten Versuchen beigewohnt haben, auf das vollständigste befriedigt, kein Aber hat sich hören lassen. Das unten gegebene Zeugniß ausgezeichneter mit dem Gewehre vertrauter Männer mag meine Aussagen unterstützen. 3

„Indem ich nun diese wichtige Entdeckung gleichzeitig Deutschland, Frank⸗ reich, England, Rußland, Amerika, überhaupt der allgemeinen Benutzung übergebe, wünsche ich, daß dieselbe recht bald auf die höchste Stufe der Vollkommenheit gebracht werden möge, und hoffe ich vertrauensvoll, daß die höchsten und hohen Souveraine und Regierungen geruhen werden, mir das zu geben, ℳ88,1 Chemiker 4 Aequivalent nennen will.

ie geehrten Redactionen inländischer und ausländischer Zei i werden mich durch Verbreitung dieses Aufsatzes sehr öGeefl

Braunschweig, am 5. Oktober 1846.

Dr. Otto,

Medizinal⸗Assessor und Professor der Chemie.

Gestern, am 4. Oktober, haben wir den ersten Versuchen mi render Baumwolle im hiesigen Laboratorium e dsve vollkommen befriedigenden Resultaten mit Schießgewehr und scharfer 8 uns überzeugt.

Braunschweig, am 5. Oktober 1846. 1 8

1“ Hartig, Dr., A. von Schwarzloppen, Forstrath. Oberförster,

Die heute mit der explosiven Baumwolle fortgesetzten Versuche haben

es fast außer Zweifel gesetzt, daß das Schießpulver durch dieselbe verdrängt

werden wird. In Bezug auf die Bereitung will ich der gestrigen Mitthei⸗ das 8 Wenn man die Baumwolle in den bei der Destillation zuerst übergehenden Antheil der rauchenden Säure, ungefähr eine halbe Minute lang, eintaucht, sie dann zwischen Glasplatten auspreßt auswäscht u. s. vo., so erhält man ein Präparat von sehr ausgezeichneter Qualität. Benutzt man nun dieselbe Säure zur Bereitung noch anderer des explosiven Präparats, so wid dasselbe immer we⸗

niger kräftig erhalten. Wird aber dieses Produkt, nachdem es

; das Ideal realisirt werden wird.

ausgewaschen und wieder getrocknet ist, nochmals mit der Säure behandelt und diese Behandlung auch selbst noch wiederholt, so steigert sich die Wirksamkeit in erstaunlichem Grade. Auch hat sich ergeben, daß Theil⸗ chen der Baumwolle, die fast 12 Stunden lang in der Säure gelegen hat⸗ ten, eine⸗ außerordentliche Kraft zeigten. Dies Alles sind neue Fingerzeige zur Verbesserung des Präparats. Das Kriterium, daß das Präparat die ersorderliche Beschaffenheit hat, um im Gewehr versucht zu werden, ist: daß es, zu einem Kügelchen geformt, auf einem Porzellan⸗Teller abblitzt, ohne den mindesten Rückstand zu hinterlassen, wenn es mit einem glimmenden —2 Brennt 2 * v auf, beschlägt der Teller mit Feuchtigkeit und brenzligen Produkten, so mu it läaneeh 8.„ zligen P ß es wiederholt mit Säure die Wirkungen eines gut bereiteten Präparats sind, i nochmals aus, fast unglaublich. Aus einem Thschepisoß 42 7 geschraubt werden konnte, sind Kugeln von reichlich Zoll Durchmesser mit⸗ telst einer Ladung von ³ Gran (bdem achtundvierzigsten Theile eines Queni⸗ chens! 11 Centigramme) mit der größten Leichtigkeit durch zollstarke tannene Bretter geschlagen worden, wobei die Kugeln noch stark in die Hinterwand einschlugen. Mittelst 6 Gran (dem zehnten Theile eines Quentchens, 4 Decigramme) wurde eine Büchsenkugel auf 45 Schritt Entfernung einen Zoll tief in eine eichene Bohle getrieben. An dreißig Schüsse sind heute in Gegenwart von Artillerie⸗Offizieren, Militairs überhaupt, Forstleuten Büchsenmachern, Professoren u. A. gethan worden. . Da es mir gelungen ist, in der Zeit von drei Tagen ein so kräftiges explosives Präparat zu erzielen, läßt sich mit Bestimmtheit erwarten, daß Dieses Ideal ist eine Baum⸗ wolle, in welche von einer Verbindung des Stickstoffes (Azote, Nitrogen*) mit Sauerstoff (Oxigeène, Oxigen) durch Substitution so viel an die Stelle von Wasserstoff (Hydro- gèene, Hydrogen) getreten ist, daß der Sauerstoff des so entstandenen Produkts ausreicht, allen Kohlenstoff (Car- bone, Carbon) zu Kohlensäure (Acide carbonique; Carbonic acid) zu oxrpdiren, wenn es entzündet wird, so daß als Resultat der Entzündung nur Kohlensäuregas und Stickstoffgas und vielleicht etwas Wasserdampf auftreten. Die Vorzüge, welche die explosive Baumwolle vor dem Schießpulver hat, drängen sich sogleich auf. Nachdem 40 Schüsse aus einem Terzerol gethan, war auch nicht ein Anslug von Schmutz zu bemerken! Nach dem Schusse ist kein Geruch, kein Rauch wahrzunehmen; wie wichtig für den Land⸗ und Seekrieg, für das Sprengen von Minen, von Erzen in den Gruben. Beim Festungsbau braucht nicht mehr Bedacht genommen zu werden auf Abzug des Rauchs, und keine Rauchwolke verräth eine Batterie, man wird todt⸗ geschossen werden, ohne zu sehen, woher die Kugel gelommen. Aber was werden die Schlachtenmaler anfangen, wenn ihnen nicht mehr der roman⸗ tische Rauch zu Gebote steht, hinter dem sich die Phantasie so viel denken kann. Auch das Theater wird seinen Vortheil haben; die Sänger und Sängerinnen, so wie das Publifkum, werden künftighin nicht mehr durch Pulverdampf belästigt. Eine Stimme kann unter so günstigen Verhältnissen an fünf Jahre länger ausdauern. 1e unsere Präparate werde ich ferner offen mittheilen, und ich hoffe, daß dies auch von Anderen mi iche O i geschehen werde. 8 hmH Sfeh en Otto.

Braunschweig, am 6. Oktober 18404.

Handels- und Börsen⸗-Nachrichten.

Berlin, 9. Okt. Das Geschäft war heute nicht so belebt als auch die Course nicht steigend, doch blieb die Stimmung am stig und die gestrigen Notirungen behaupteten sich theilweise fest.

Marktpreise vom Getraide.

ö e. 88 3 Fhebs 1846.

Zu Lande: Weizen (weißer) 3 Rthlr. 6 Sgr, auch 3 Rthlr. 3 Sgr.

7 f. und 2 Rthlr. 28 Sgr. 10 Pf.; Roggen 2 Rthlr. 18 Er. 8%

2 Rthlr. 12 Sgr.; große Gerste 1 Rthlr. 23 Sgr. 5 Pf., auch 1 Rthlr.

22 Sgr. 10 Pf.; kleine Gerste 1 Rthlr. 22 Sgr. 10 Pf.; Hafer 1 Rthlr. 13 Sgr. 2 Pf., auch 1 Rthlr. 9 Sgr. Eingegangen sind 84 Wispel.

Zu Wasser: Weizen (weißer) 3 Rthlr. 12 Sgr., auch 3 Rthlr.

9 Sgr. 7 Pf. und 3 Rthlr. 3 Sgr. 7 Pf.; Roggen 2 Rihlr. 18 Sgr., auch

; 8413 8 Egr 8 8 poge Se Rthlr. 22 Sgr. 10 Pf.; Hafer

lr. gr. .; Erbsen 2 Rthlr. 12 Sgr. ingeg 107 n, FTchche ; h gr. Eingegangen sind A 1 7. Oktober 1846. das Schock Stro thlr., auch 5 Rthlr. 15 Sgr.

9824f. 280 Id. ch hlr. 15 Sgr. Der Centner

8 arto f f el re i e. 1

Der Scheffel 25 Sgr., auch 17 - 4 eh...

ng Faear Eresr So. an5 8

die Preise von artoffel⸗Spiritus waren am 2. und 3. 32

und 26 ¼ Rihlr., am 5. und 6. Oktober 26 ¾ und 26 Rthlr. 1E c

Frehe d. F 25½ und 26 ½ Rthlr. Erei ins Haus geliefert) pr.

FaAShss 3 54 % oder 10,800 % nach Tralles. Korn⸗Spiritus: ohne

Berlin, den 8. Oktober 1846.

Die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin.

8 Wollmarkts⸗Bericht. 62 t

* Breslan, 8. Okt. Nach einem so flauen Markte, wie der ir Juni dieses Jahres stattgefundene, war zu 128 daß Ien,n den se nicht bis zur Entwerthung fallen sollte, um einige Thaler in den darauf fol⸗ genden Monaten steigen müßte, und wirklich hatten wir im Juli und Au⸗ gust einen auffallend starken Begehr nach Lammwollen, die sehr gut bezahlt worden sind, so wie nach feinen polnischen Einschuren, die man ebenfalls zu besseren Preisen als im Juni⸗Markte kaufte. Allein schon Anfangs September hörte die Frage nach Lammwollen auf, und auch die Einschuren wurden nicht höher als in der Juni⸗Messe gewürdigt, da sich wiederum Geldmangel fühlbar machte und Wolle, wie jeder andere Handels⸗Artikel darunter leiden mußte. In den jüngstverflossenen Tagen machte auch noch

Hean

*) Für die geehrten Redactionen französischer und englischer Blätter.

Joseph, oder etwa dem sehr hübschen Bilde von Oppenheim in Frank⸗ furt, auf dem ein junges, schalkhaftes Mädchen einen jungen Araber zum Weintrinken verleiten will (Nr. 1559), springt zu sehr in die Augen, als daß Jemand darauf kommen könnte, dergleichen als analoge Beispiele anführen zu wollen. Soll der Gegenstand des Bildes vielleicht darin eine Entschuldigung finden, daß es eine Tendenz habe, daß es z. B. ein Blatt aus den berliner „Geheimnissen“ sei? Auch gegen solche Zwecke der Kunst müssen wir uns entschieden erklären und in dieser Beziehung selbst über das in der Ausführung so vortreffliche Bild von Karl Hübner aus Königsberg, „das Jagdrecht“ (Nr. 1506), den Stab brechen. Was ist der Gegenstand des Bildes? Er ist sehr klar und verständlich. Wir sehen einen Alten, der sein Feld vor den Verheerungen des Ebers dadurch hat sicher stellen wollen, daß er das Thier erschoß. Ihn hat dafür denn so will es das Jagdrecht das Gewehr des von fern herbeikommenden Jägers

in den Hals getroffen, und er wird mit Hülfe eines jungen Begleiters, viel⸗

leicht des Sohnes, die Hütte, der sie zueilen, nur erreichen, um dort zu sterben. Für wen ist eigentlich das gemalt? Für das Volk, damit es daraus Mängel in den Institutionen herleite, oder für diejeni⸗ gen, welche solchen Mängeln, wenn sie wirklich da sind, abhel⸗ sen möchten? Soll dergleichen bewirkt werden, soll auch z. B. ur Mildthätigkeit gegen schlesische Weber aufgerufen werden, so sind dafür Wort und Schrift vorhanden, aber nicht Pinsel und Farben, und der Künstler, der es unternimmt, auf diese Weise, so zu sagen, Volksredner zu werden, verkennt, nach unserer Meinung, eben sowohl die Sphäre wie den

weck der Kunst, deren Beziehungen zum Leben ganz anders zu vermitteln sind. Hübner ist eben so gut auf Irrwegen, wie diejenigen, welche da mei⸗ nen, die Kunst dürfe nur der Religion dienen; denn er scheint zu glauben, daß sie vorzugsweise ein Organ für die Mängel unseres sozialen Lebens sein müsse. Hübner ist der Eugène Sue der Maler; reflektirt wie das ganze Sujet, er⸗ scheinen auch die Einzelheiten in dem Bilde voll berechneter Wirkung. Diese freche Gleichgültigkeit, womit die Jäger einhersprengen und die uns erbit⸗

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8— .

tern muß, dieses anklagend zum Himmel gerichtete sterbende Auge des Alten,

der sonst ein so ehrliches, fleißiges Gesicht hat, diese schöne Secenerie voll Waldesduft und freundlich hellen Blumen, der blutigen Handlung gegen⸗ über: das Alles ist freilich geeignet, uns im Innersten zu zerreißen. Wir brauchen kein Wort zu verlieren über die bekannte Vortrefflichkeit in der Ausführung, in der sich eben so große Sorgfalt als eine besondere Kraft und Wirksamkeit in der Erfindung der Motive offenbart; nur möch⸗ ten wir dringend wünschen, daß Hübner sich solchen Stoffen zuwende, in denen er der Kunst und ihren höheren Zwecken wirklich dient. Ein Bild von L. Bendir: „Der Liederliche am Krankenlager seiner Frau“ (Nr. 55) gehört gewissermaßen auch zu den der Geheimniß⸗Literatur entnommenen Vorwücfen. Bei aller Vortrefflichkeit der Ausführung kann man doch nicht ohne Mißbehagen dabei verweilen.

Wir wenden uns jetzt zu dem Theile des Genre, welcher Darstellungen aus dem Frauenleben zum Gegenstande hat. Die zahlreichen Bilder dieser Art sind zum Theil von vorzügtichen Meistern. Die Mutterliebe bleibt immer der köstlichste Vorwurf für Gemälde dieser Gattung. „Eine Alba⸗ nerin mit ihren Kindern“ von August Hopfgarten (Nr. 370) ist z. B. ein vortreffliches Bild. Das reinste Mutterglück malt sich in den Zügen dieser jungen Frau, welche das jüngste Kind auf dem Schooße hält, indeß sie innig lächelnd auf das ältere Maͤdchen herabblickt, welches einige Kirschen von dem Schatze in seinem Schürzchen jubelnd emporhält. Eine effeltvolle Beleuchtung trägt dazu bei, die Freundlichkeit der Scene zu erhöhen. Die Anordnung des Ganzen ist angenehm, ungezwungen und natürlich. Nur die Gesichtszüge der Kinder hätten beide etwas hübscher sein können. Auch das Landschaftliche in dem Bilde verdient alle Anerkennung.

„Die glückliche Mutter“ von Herrmann Goldschmidt (Nr. 238) ist gleichfalls ein sehr ansprechendes Bild. Das sind die Madonnen un⸗

serer Zeit; sie zeigen uns das Weib in seinem eigensten Verhältniß, in sei⸗ Leider verliert aber gerade

ner höchsten Wüurde und Verehrungswürdigkeit. 1 era dieses Bild durch die unangemessene Auffassung, die harte und ungefällige

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Darstellung. Das Kind sitzt in der unbequemsten Stellung da und ste mit geknicktem Halse, und die Mutter sieht darüber weg, gen Himmtl.- der Ursulinerin von Julius Schrader (Nr. 816) erscheint das weil

Wesen freilich in ganz anderer Wtise aufgefaßt. Die lebensvolle, lih Beziehung zu dem Kinde fällt hiet weg; ein Buch ist an dessen Stele, treten. Die Blätter mögen viel versprechen von jenseitiger Herrlichkeit,

in dem Kinde liegt der Himmel schon hier an der Brust. Diese Schvch

hat Unglück und Schuld zu beweinen; aber sie ist noch nicht durchgedrn zur Versöhnung. Dabti ist zsie unterdessen kalt und verständig gewolh und muß oft in dem heiligen⸗ Buche lesen, um in ihrer strengen Lehn weise zu beharren. So ist uns der Ausdruck dieses Kopfes erschin Schrader hat hier wohl nicht die Sehnsucht nach der Welt 3 wollen, auch für die lyrische Poesie ein passender und oft benutzter genstand. r 1 Andere Verhältnisse gelten wieder bei Darstellungen von Mädte Figuren. Ihren allgemeinen Charakter, die frohe Vorahnung ihrer st sten Bestimmung durch Bilder wiedergeben zu wollen, würde aufehse erreichbarkeit vollendeter Darstellung innerer Seelenzustände sühren, die befriedigend ausfallen dürfte. Man bleibt auch hier meistens meht; Aeußerlichkeiten stehen, und so kommen wir auf die Balkon⸗Scenuen! dergleichen; wo Maͤdchen des Geliebten harren. Art ist das kleine Bild von dem vortrefflichen Eduard „Landmädchen aus dem Harz“ (Nr. 599). 8 sie mit der vor der Sonne schützenden Hand in die Gegend binein, ai Geliedten zu erspähen. Was denkt sie alles Liebes und Süßes. wird ihr der köstliche Sommerabend vergehen, wenn er nun kommt. theilen sosleich das Interesse dieses Mädchens. Die Landschaft lih⸗ warmef, effektvoller Abendbeleuchtung da. Sie aber kümmert sich un und die ganze Welt nicht. Auch möchten wir es dem Bilde zum Vorzug anrechnen, nicht in so unmittelbare Beziehung zum Beschauer tritt,

Meyerbel

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Ueber die Gartenmauer so⸗

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zum Bewundern auffordert oder den Ausdruck annimmt, als wüßte um dieselbe; und dann, daß es schon wegen der beschei⸗ Ausdehnung mehr anspricht, als lebensgroße Bilder dieser gdie immer weniger befriedigen. Wird die Darstellung junger 5. nicht in dieser Weise zur Erscheinung gebracht, so giebt as treffende Erfassen des Volks⸗Charakters, in Gesichtsform, b. w., willkommene Motive, wie sie sich auch in dem eben er⸗ n ild von Meyerheim finden. Es fömmt dann nur noch darauf 1 er Gesichtsausdruck noch ein besonderes Moment der Darstellung va- oder ob er nur den allgemeinen Charakter des Landes an sich dlad, dem die Figur entnommen ist. So entstehen Römerinnen, nifeinnen, Albanerinnen, Landmädchen von hierher und dorther. Die 8 en Bilder dieser Art sind auf unserer Ausstellung die beiden h . der Umgegend von Rom, von August Riedel (Nr. 1592) *₰ 8 er in Paris (Nr. 1602). Das letztere Bild scheint noch mehr wainse asche⸗ einen besonderen Ausdruck charakterisiren zu wollen. 9 811 blickenden Augen, der scharf geschlossene Mund lassen entwe⸗ L erhnhneg Erregtheit schließen, oder sollen den speziellen Aus⸗ F gemeinen Charakters der Römerinnen wiedergeben. Bei näger en ist eine imposante Ruhe, ein, man möchte sagen, UIindifferentismus über die Figur ausgegossen. Dadurch bie -. . zwei strenge Gegensätze mit einander vermittelt. ss. hat Ruhe und Festigkeit der Form, wie sie der Skulptur Fanbenich der lebendige flüchtige Hauch der Farbe gelegt. Riedel ichter. Duft und Zauber seiner Farbentöne spielen in die in aes man meint, dos ganze Gedicht könne sich vor unseren ng in Schegnie auflösen und in Töne zerfließen. Dagegen hat die 19, effer's Bilde etwas Festes, Mosaikartiges, nicht daß dadurch 8 g sondern als ob die Farbenharmonie plötzlich festge⸗ Büit aunte nert wäre. Dagegen ist der Gesichtsausdruck ein beweg⸗ ernder Leidenschaft, etwa Eifersucht, der aus diesen blauen,

aber doch düsteren und feurigen Augen schlägt. So bilden die Gestalten Riedel's und Scheffer's in allen Stücken diedlebhaftasten 8g; sich auch auf die Nebendinge erstrecken. Bei Niedel ein duftdurchwebter, rosiger, heller Luftton; bei Scheffer ein tiefblauer, eherner Him⸗ mel, der an das co0-*uνeναm des Homer erinnert. Dort einfache helle Gewänder und als Hauptputz der reiche Schmuck des Haares; hier ein grellfarbiges Mieder und dichte Kopfumhüllung. Es ist nicht nöthig, auf alle Vorzüge eines Riedelschen Bildes besonders hinzuweisen: diese wunderbaren Lichteffekte, worin er Meister ist und das Kühnste wagt, so daß Thorwaldsen seinen Schatten Licht, sein Licht Sonne genannt hat; wie sich das abhebt, rundet und in einander klingt und leuchtet! Dieses Bild bezaubert, während das von Schesser fesse. Scheffer's Mädchen möchten wir sprechen, Riedel's Römerin mit ihrer Altstimme singen hören. Jedes dieser Bilder spricht für sich selber am besten.

Wir kommen jetzt auf Schrader zurück, von dem wir noch die Vin⸗ cenza nennen (Nr. 817). Ein junges Mädchen mit unbekleidetem Ober⸗ körper ruht an der Quelle und „kaäͤmmt sich ihr goldenes Haar“. Wäre die ganze Scene, welche noch durch ein spielendes Hündchen belebt wird, nicht so friedlich, und wäre das Antlitz der Unbelauschten nicht so ungenirt und freundlich, so könnten wir, durch die Beschäftigung verführt, schon an eine Loreley denken. Schön genug ist sie dazu. Angenehme Körperlinien, vortreffliche Modellirung, auch in den vom Gewande bedeckten Theilen, und eine warme Carnation zeichnen dieses Bild aus.

„Wirr schließen diese Gallerie weiblicher Schönheiten mit der Brieflese⸗ rin von Theodor Hildebrandt (Nr. 333). Ein sehr ansprechendes Bild, das uns ein junges, rasches, augenscheinlich in lebhafter Beschäfti⸗ gung unterbrochenes Mädchen zeigt. Es ist schnell irgendwo an das Licht getreten, um den eben empfangenen Brief des Geliebten zu durchlaufen. Die voll einfallende, effektvolle Beleuchtung gestattet uns, den sich im Ge⸗ sichte abmalenden Inhalt des Schreibens zu belauschen. Vergnügte Be⸗

friedigung strahlt uns entgegen. Man glaubt die munteren Angen

2 7 8 2 n

den Wimpern nach den Zeilen hin⸗ und herlaufen zu sehen. t 8 8

811“

Verein der Kunstfreunde im preußischen Staate.

Nachdem in der heutigen General⸗Versammlung der Mitglieder des Vereins der Kunstfreunde im preußischen Staate die Berathungen über den -n zu v. neen n des 2 nicht haben beendigt wer⸗ den können, werden die Herren Vereins⸗Mitglieder zur Fo Berathung auf 1 Uist Fortseznns pirler

Mittwoch den 21. Oktober d. J., Vormitt i

e J., ags 10 Uhr, im Ver 2 dem E kenßefe eingeladen, daß von den Ausbleibenden an⸗ genommen werden muß, sie träten den statutenmäßig gefaßten Beschlü der in der Versammlung anwesenden Mitglieder Läfis ven avar

Es wird ersucht, sich möglichst zahlreich einzufinden, da nach §. 24 des

„annoch in Kraft stehenden Statuts vom 10. Mai 1840 wenigstens 40 Mit⸗

glieder in der General⸗Versammlung anwesend sein müssen, äl- tigen Beschluß zu fassen. g s s ssen, um einen gül

Berlin, den 7. Oktobher 1846. 5

Der Vorstand und Ausschuß des . der Kunstfreunde im preußischen taate.

G. von Viebahn. Schweder. L. Sachse. Keibel.

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